« Kr. 593 ♦ 37.7ofyrgftrtg Ausgabe B Nr. 159 BezuqSvrrt» t ? rSetlSlttLSO,— SiU.mant vr> ldglich «innial. Rukellunc 21S0 Vostie. fteüunqtn nehmen an Oelierreich, Ungaro, Tscheche,- Sluwalei, Dane* Marl. öoCano..ureraoucg, äoin)tge(Ääit, Berlin Sffl i, Linden- kratze 3, abgegeben werden ffiebfntei oon 9 Uhr irlib bi» 5 Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Parte» Dcutfchlande Neüaktion unü Expedition: EW. vS, 2indenflc. 3. tVentfnrertier:«mt Moriuvtau, Sir. 15190— 151V7. Freitag, den 3. Dezember Vonvärts-Veriag G. m. d. H.» EL). HS, Linöenstr. 3. aenuivrecher:«mt iviortuvia», Sir. 117 5»— 54. Die Entente gegen Konstantin. Amsterbitm, Z. Dezember. Der„Telegrmrf- meldet avS Lo»- dun vom 2.: Der franzSfische Ministerprösident erklärte heute abend. daß die Alliierten bezüglich der Haltung in der g riecht. scheu Frage vollkommen übereinstimmten. Räch den Besprechun- gen wurde folgendes Commuuigue ausgegeben: Die englische, französische und italienische Regierung bezeigten bisher daeiernd ihren guten Willen gegenüber dem griechijchen Bolle und begünstigten die Erfüllung feiner Wünsche. Um so u n. angenehmer wurden sie berührt durch die letzten Ereignisse in Yiiiechenland. Obwohl sie nicht wünschten, sich um die inneren An- gelcgenheiten Griechenland? zu bekümmern, halten sie sich selbst für vcirpflichtct, öffentlich zu erklären, daß die Rückkehr deS Kä- nigS, dessen treulose HandlungSweife während des Krieges de» Alliierten große Schwierigkeiten und Brrluste verursachte, auf den Thron von ihnen nur als die Kräftigung dieser feind» lichen Handlungsweise durch Griechenland angesehen war. den kann. Dieser Schritt würde eine neue und ungünstige Lage in den Beziehungen zwischen Griechenland und den Alliier- t e n verursachen und in diesem Falle würden sich dt« drei Regie- rungen vollkommene Freiheit für die so geschaffene Lage vorbehalten. Einer Reutermekdung zufolge wurde beschlossen, an Griechen- land eine entsprechende Note zu senden. Die Dlockaüe Zitimes. London, 3. Dezember.„Morningpost' meidet, die italienische Regierung habe die Ententemächte amtlich Vau der Blockade F i u m e S verständigt. Ei« habe DienStag ZstiUeruacht begonnen. Rom, 3. Dezember. Wie die Biälter aus Fiume melden, lieh d'Dnnunzio am Eingang deS Herfens das Schiff Eortellazzo Stellung nehmen, um die Ausfahrt der anderen im inneren Hafen befindlichen Schiffe zu hindern. Die LebenSmittelversor- gung der Zivilbcvöllerung von Fiume ist gesichert; die Bevolle- rvng Ist ruhig. Zahlreiche Schiffe kreuzen vor Fiume und um die löffeln Arve und B egl i a und üben eine sehr strenge Kontrolle über alle Schiffe aus. T'Annunzio an da-ö Tefsiner Volk. Bern, 8. Dezember.(Schweiz. Depefchenagentur.) D' A n- nunzio richtete von Fiunr« an das Tessiner Voll eine Kundgebung, worin er ühm die Befreiung von der angeblichen Bedrückung durch die Schweiz und den Anschluß an Italien in nahe Aussicht stellt. Nicht nur die deutsch-schweizerisch« wie die französisch-schweizerische Presse, sondern auch diejenige des Kantons Tessin lehnen diesen neuesten Uebergrrff des italienischen Dichter- offiziers als lächerliche Anmaßung ab. Schteüsgen'cht und Völkerbund. Genf, 3. Dezember. Der portutzicsisch: Delegierte der Böller- bundsversammlung brachte folgenden Abänderungsantvag zum Artikel 12 des Völkerbundsvertrags ein; Wenn ein Streitfall zwischen zwei Mächten auf diplomTtifbem Wege eine befriedigende Lösung nicht finden kann, so unterbreiten die beiden Parteien den Fall einem Schiedsgericht oder dem Völkerbundsrat. Dieser ist jedoch nur zuständig, wenn der Streitsall durchaus nicht durch einen juristischen Entscheid geschlichtet werden kann. Wenn eins der Mitglieder des Völkerbundes diesen Chcrrakler des Streit- falles bestreitet, so wird der internationale SchiedsgerichiShof auf de Aufforderung einer der beiden Parteien hin beauftragt, einen Entscheid zu fällen. Di« Mitglieder des Völlerbundes verständigen sich noch dahin, daß, wenn der Fall dem VöllerbundSrat zustehe, sie auf keinen Fall vor Ablauf einer Frist von drei Monaten nach der Berichterstattung d«S Völlerbundes zu kriegerischen Handlungen schreiten sollen. Kinder in Not! Rom, 3. Dezember. Der Papst hat eine Enzyklika er- lassen, in der er seine Freude über den Erfolg der Sammlungen für die notleidenden Kinder in Mitteleuropa aus- drückt. Da aber die eingegangenen Summen nicht ausreichen, fordert der Papst die Kinder in reicheren Gegenden aus. den notleidenden Kindern Mitteleuropa- aus Anlaß des Weih- nachtsfestes zu Helsen. Der Papst bittet auch die Bischöfe, dieses Werk der Barmherzigkeit z-u fördern. Er ordnet an, daß am LS. Dezember, dem Feste der Unschuldigen, und noch an einem weiteren Tag« in jeder Diözese«in« Sammlung verawstalte-t werde, und kündigt an, daß er selbst 100 000 Lire spenden werde. (dberstbleften und die Ententenote. Beuthen, 3. Dezember. Von den oberschlesischen Mor. genblättern schreibt die.Ostdeutsdhe Morgenpost' zur Ententenote: Wer verlangen mit aller Entschiedenheit die Ablehnung der Vorschläge und können die angegebenen Beweggründe nicht an- erkennen. Auch vi«.Lberschlesische Vollsstimme", das Organ der katholischen Volkspartei, meint, daß es das Richtigere wäre, auf der buchstabengetreuen Erfüllung des Friedensvertrages zu bestehen. fiuslanösrundschau. Wie die.DerlingSke Didende" meldet, ist die E-trelllage in Norwegen unverändert. Das Ergebnis der Beratungen der Führer der G e W e r k s ch a s i wird heute Freitag veröffent» lichr werden. Bisher ist die Au.Lchr von LeoenSmitt« l« nach Christian ia ungefähr normal. Einig« französische sozialistische Abgeordnet« teilen mit. daß auf ihre Veranlassung Ministerpräsident LeygueS sich bereit- erklärt habe, bei der ungarischen Regierung für die B e» gttadigung der verurteilten Kommunisten einzutreten. An Wien ist eine starke Streikbewegung ausgebrochen. Im Streik stehen alle Angestellten der Warenhauser. Die M u- siker der VergnügungSetablissements baben ein Ultimatum ge- stellt. Ebenso haben die Metallarbeiter neue Lohnforde- rungen aufgestellt, deSgleicben die Angestellten der Aast, und C a f e h ä u l e r, die die Verhandlungen abgebrochen habeit, und schließlich die Hebammen. Eine Konserenz der ungarischen RegierungSpar. tei setzte einen Ausschuß«in, der die mit der Verfassungs- revision verknüpften grundsätzlichen Fragen festlegen soll. Als Richtlinien wurde bestimmt, daß die Partei auf dem grundsätz- lichen Ciandpirnkt«in«S selbständigen nationalen unabbä'ng'gen Königtums und des Aushörens der in der Pragmatischen Sanktion vorgesehenen Erbfolge regeln stehe. Zwischen den bürgerlichen deutschen und den tschechischen Parteien der Tschechoslowakei ist volles Einverständnis dahin er- zielt worden, daß für die einzelnen Parlamentsausschüsse Dol- metschcr gestellt werden, die die wichtigen Vorlagen ins Deutsches übersetzen sollen. .Nieuwe Courant" zufolge wird drahtlos aus London gemeldet, einem Bericht aus Konstanlinopel zillolge bä.ten die Armenier Tiflis erobert und den Kenialiften eine schwere Niederlage/ zugefügt. Tschitscherin hat wiederum eine Note an die englische Regierung gesandt. Er verlangt darin eine direkte und deutliehe Antwort auf die Frage, ob es möglich ist, in nächster Zukunft das Handelsabkommen abzuschließen und ol> Eiiglanb bereit ist, in London irgendwelche anderen Friedensverhandlungen zu eröffnen. Falls dies nicht zuträfe, habe ein weiteres Bleiben von Kvafsin in London keinen Sinn. .................................... Gegen das sozialiftifcbe Ministerium! Braunschweig, 3. Dezember.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärtS".) Dienstag abend fand in BraunschweigS größtem Saale ein« öffentlich« Versammlung, von der S.P.D einberufen, statt, um gegen die reaktionären Treibereien eine? Teils der Braunfchweigcr Bevölkerung gegen die Arbeit der sozialistischen itkgierurig zu protestieren. ES bandelt sich darum, daß vor allen T-inzen von selten des Philologenvereins gegen den von dem so- ziabistischen Ministerium berufenen LandeS schul rat Genossen S tö l z e l Sturm gelaufen wird. Der Philologenverein hat dem SmideSschulamt für höhere Schulen, dem Genosse Stölzel vorgesetzt wurde, alle Unterstützungen versagt. Als Stoßtrupp sollte die Elternschaft der höheren Schüler gebraucht werden, und als Grundlage sollten zwei Erlasse deS Kultusministers dienen, deren einer die Entfernung der Bilder der Fürstlichkeiten aus den Schulen verlangte, und der andere fordert«, daß auf die großen Zusammenhänge im Volksleben und auf die Rot- wandigkeit der Versöhnung der Völker hingewiesen wurde. In der Versammlung wund« festgestellt, daß die Angreifer aus dem Philologenverein von allen Angelegenheiten, die in der Ge- heimkwnzlei bearbeitet wurden, so oft sie wollten unterrichtet wur- den. Z. B. war ihnen die Bewerbung des Genosse» Stölzel schon bekannt, als diese nur der Geheimkanzlei eingereicht war. ES zeigt sich also, daß unter denselben RegierungSrätcn, die über jede Verletzung deS Amtsgeheimnisses schreien, aus poli-' tischen Gründen das Amtsgeheimnis mehr als einmal verletzt wurde. Der Kampf wird seitens deS Bürgertums weitergeführt wer- den, er richtet sich auch gegen die Versuche des Br-aunschweigischen i Ministeriums, die umgewandelte Sipo in eine republikanisch zuverlässige Truppe umzugestalten. Eine der Hauptstützen! der Reaktion sind die Offiziere, die sich noch in dieser Sipo befinden. ES ist zu erwarten, daß im Braunschtveigischen Land- tag, der in der nächsten Woche zusammentritt, die Reaktion zu einem Schlag- gegen das gesamte Ministerium ausholen wird. Geß!ers Irrtum. In Nr. 588 de».Vorwärts" teilten wir unter dieser Heber- schrift ein Dedicht mit, daß m der offiziellen Zeitschrift, de» Wehrkreiskommando I, der.Briefkasten, und Sport- zeiiung�, veröffentlicht wurde und ebenso herabsetzend« wi« verleumderische Angriffe gegen den„Vorwärts" enthielt. Hierzu er- fahren wir von der Presseateilung des ReichSwehrministeriumS, das! das Gedicht nicht die Billigung deS Reichswehr- Ministeriums findet; weitere Schritte find eingeleitet./ Krankenkassen unö Merzte. Aus sosidlffttsdjen A« rztekreise n wird uns ischvieben: Die Krankenkassentage in Kassel und Berlin hoben zum Kampfe gegen die Aerzte aufgerufen. Damit ist wieder eine Hoffnung derer zerstört, die in einem gemein- famen Zusammenarbeiten von Kassen und Aerzten den stärk- sten Giundstem zum Wiederaufbau des so schwer erschütterten Gesundheitszustandes der deutschen Bevölkerung sehen. Der Ausgang der gegenseitigen Verhandlungen im Sommer d. I. schien das so lang erwünschte einigende Band zwischen diesen beiden Organisationen endlich geknüpft zu baben. lieber das ärztliche Honorar war ein Schiedsspruch gefällt und im übri gen waren Richtlinien gefunden, aus Grund derer durch ört- liche Verhandlungen die Streitpunkte beigelegt werden kann- ten. Soll es den Heißspornen auf beiden Seiten gelingen, die auskeimende Einigkeit wieder zu zerstören? Gerade wir sazialistischen Aerzte hoben mit Freuden gesehen, daß durch Verhandeln von Organisation zu Organisation eine Art Arbeitsgemeinschaft geschliffen wurde, die zum Aufbau der zer- rütteten Vrlksgesundheit durchaus notwendig ist. Wir wollen, daß sämtlichen Volksgenossen Arzt, Holl- mittel und Heilstätten in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werben, und deren Beniitzung nicht von dem mehr oder minder gefüllten Geldbeutel abhängig sein soll. Dazu gehört eine Krankenversicherung, die a l l e Schichten der Be- völkerung umfaßt, und die durch geschickte Verwaltung auf die höchste Stufe der Leistungsfähigkeit gebracht werden muß. Dazu gehören vor allem aber auch Aerzte, die gern und freiwillig mitarbeiten. Schnelle und gute ärztliche Hilfe mutz die Grundlag« einer wirklichen öffentlichen GesurdheitJpffege sein. Und deshalb scheint es uns verfehlt, wenn die Krarrken- Sassen ihren Mitgliedern diese nicht gewähren wollen, sondern sich weitere Möglichheiten gesetzlich verleihen lassen wollen, nach denen sie als Ersatz daS Ih�fache Krankengeld ihren Mit- gliedern geben und ihnen die Wahl des Zeitpunktes ärztlicher HUse überlassen wollen. Das würde ein großer Rückschritt in sozialhygienischer Beziehung sein. Bei ollen Krankheuer. insbesondere aber bei den unser VoEf verwüstenden chtoiti- schen. der Tuberkulose, den Geschlechtskrankheiten usw.. ist die schnelle Erkennung, die nur den Aerzten möglich ist. Vor- bcdingung jeder Bekämpfung. Dann denke man an die akuten ansteckenden Krankheiten, wie Diphtherie und Typhus, die ohne ärztliche Konsultation tage» und wochenlang nicht er- kannt werden und schwere Gefahr fortwährender Ansteckung bieten. DeSbalb ist vom ersten Tage unserer sozialen Ver- sicherung an ärztliche Hilfe an die Spitze der Leistungen der Krankenkassen gestellt lvorden. Nicht nach neuen Kampfmitteln gegen die Aerzte soll man Ausschau halten, sondern nach Möglichkeiten, durch Schlich tungsausschüite und Schi edsgü richte Kämpfe zu verhüten. Hier zeigt uns die Entwicklung im wirtschaftlichen Leben den Weg. Der Gedanke der A r he i t sg e m ei n s chas t durch- dringt immer mehr die weitesten ärztlichen Kreise, auch solche. die bisher von den Krankenkassen als ihre ärgsten Feinde an gesehen werden. Eine Arbeitsgemeinschaff für dos ganze Deutsche Reich müßte zwischen den Verbänden der Kranken- fassen und der Aerzte am besten im Anschluß an ein zu schassendes Gesundheitsministerium. gebildet werden. Von dieser müßten Richtlinien für daS Zusammenwirken aus- gearbeitet werden. Daran würden sich örtliche Arbeitsge- meinschaffen im Gebiete eines Versich.'riingsamtes oder Ge- sundheitsamtes anschließen. Sie würden die Hauptstreiffrage, ob freie oder beschränkte Aerztewahl nach den örtlichen Verhältnissen entscheiden. Ahnen würde es gelingen, den Zu- ström neuer Aerzte einzudämmen, ihn von den Großstädten sernzuhalffn und über das Land gleichmäßig zu verteilen. Die Krankenkassen sollen nicht, wie sie behaupten, den drei- fach überfüllten Stand der Aerzte ernähren, sondern gerade im Zusammenarbeiten mit den ärztlichen Organisationen die Verteilung des Nachwuchses regeln, um die vermehrte Aerzte- zahl zum Nutzen der kranken Bevölkerung zu verwenden. Durch die Arbeitsgemeinschaften würde eine sachgemäße Kontrolle der Behandlung und VerordnuugSmeise geregelt werden können, würden an geeigneten Orten Untersuchungs- und Beratungsstellen geschaffen werden und Heilstätten und Krankenhäuser für die schnelle Wiederherstellung oder Der- hütung von Krankheiten am besten ausgenutzt werden. Sie würden im Zusammenwirken mit den Gemeinden, den übrig«! Trägern der sozialen Versicherung und Gesundheitsämtern das öffentliche Gesundheitswesen nach praktischen und wissenschaff- lichen Gesichtspunkten aufbauen und neu ordnen. Ahnen wird die dringendste Forderung des Tages, die Durchführung der Familtenversicherung als erste und schönste Aufgabe blühen und dadurch mehr als durch Sammelwochen der.Not der Kinder* abgeholfen werden. Diese Planwirtschaft auf dem Gebiete der GesundheitS- pfleg« stellt die heute durchführbare Form der Sozi alt- s i e r u n g dar. Gesetze können nur ihre Grundlinien zeichnen; SdSftoertoafhmg ist am Beste« geeignet, schnell mtb gut die Anpassung an die ständigen Fortschritte der Wissenschaft und Technik zu erleichtern. Mit dem gemeinsamen Wirken in der Arbeitsgemeinschaft wird die Einigkeit zwischen den leider sich jetzt befehdenden Aerzten und Krankenkassen hergestellt und zu einer durchgreifenden Gesundung des von Unterernährung und Krankheiten gequälten deutschen Volkes führen. Cine merkwürüige Gründung. In Berlin ist unter Führung der Grafen Baudisiin und Äernstorff(n i ch t des Botschafters) eine„Vorläufige Protest- leitung. S ch o r l e m« r; Chefredakteur S t a m p- fer; L>ugo StinneS; Dr. Stresema nn, M. d. R.; Graf Westarp, M. K R.; Wisfell, M. d. R. Bei all diesen und den zahlreichen anderen Personen ist Adresse und Telephonnummer sorgfältig angegeben, so daß der Anschein erweckt wirb, als ob sie wirklich zu dieser vor- läufigen Gründung in engen Beziehungen ständen. Ob überhaupt jemand von den Genannten zugesagt bat, wissen wir nicht. Bon einem Teil von ihnen wissen wir mit aller Bestimmtheit, daß es ihnen nie auch nur im Traum eingefallen ist, sich mit diese? zweifelhaften Gründung irgend« wio einzulassen. Die Nennung ihrer Namen stellt also einen Mißbrauch zum Zweck der Irreführung dar, gegen den der entschiedenste Einspruch erhoben werden muß. All diesen politischen Gründungen gegenüber, die jetzt wie Pilze aus der Erde schießen, ist Vorsicht geboten, gegenüber dieser dovpsltc Vorsicht._ Scharfmacher. DaS folgende Rundschreiben ging allen dem Eisenbahn- Verkehrsamte Dortmund unterstellten Dienststellen zu: Dortmund, den 15. November lSSll Verkehrsamt Dortmund. Arbeitern und Angestellten, die am S. Novemb« der Arbeit ferngeblieben find, ist für die Dauer der LrbeilsveriäumniS kein Lohn zu zahlen oder Lohnbezug um einen Tagesverdienst zu kürzen, Beamte find im gleichen Falte mit Ordnungsstrafe in Höbe der Tagesbezüge zu belcgew D. K. H.(Name der Dienststelle). 3- K. und weiteren Beranlasiung. Bezüglich der Beamten, die ohne Urlaub am 9. November 20 dem Dienst ferngeblieben sind, ist sofort zu berichten. gez. I e n d e. begl. Schulte. Ter Erlaß zeigt, welcher Geist noch in den Kreisen herrscht, die vom früheren preußischen Klassenstaat heran- gezüchtet wurden, um nach oben zu buckeln und nach unken zu treten. Wenngleich formalrechtlich gegen die Vcr- fügung nicht vorgegangen werden kann, so beweift sie doch. daß es noch immer Beamte gibt, die An einem- besonders schneidigen Vorgehen gegen Arbeiter und Beamte die Hauptaufgabe ihrer Tätigkeit erblicken. Diese Scharfmacher vermögen einfach nicht einzusehen, daß ein republikanisch gesinnter Arbeiter oder Beamter ein inneres Bedürfnis nach einer Feier des Revolutionstagcs empfindet, und so halten sie sich an formalistische Vorschriften, die ihnen dem Schein nach recht geben, in Wirklichkeit aber das Häßliche ihrer Handlungsweise zu übertünchen nicht imstande sind. Kinöer in Not! Laut gellt ein Hilfruf: Kinder in Not! Tie dürsten nach M.lch und hungern nach Brot. Doch die Milch wird gebraucht zu Kucken und Butter. Und fett wird das Schwein, hat eS Korn als Futter. Die Suppe der Kleinen ist dünn und schal— Das Fleisch vom Schwein dient dem Reiche» zum Mahl, Hungrig und blaß an des Schlächlers Scheiben Dürfen sie sich die Nase reiben. Laut gellt ein Hilfruf: Kinder in Not! AaS brauchen sie Butter und Schmalz aufs Brot. Die find für des Reichen Zunge und Magen, Die Kleinen können Brotlrusten nagen. Kohlrüben löffeln und Zgafferiuppen— Breit fitzen Schieber und Modepuppen Bei Sahne und Kuchen im Kaffeehaus— Die Kinder trägt man zum Kirchhof hinaus. Laut gellt ein Hilfruf: Kinder in Rot! Wehrlos verfallen sie Siechtum und Tod, Schuldlose Wesen darben und frieren! Will es Euch nicht an der Seele rühren? Welch schmachvolles Wort doch: Kinder in Not' Macht Euch die Scham nicht die Stirnen rot Stockt Euch der Herzschlag nicht in der Brust, Die Ihr schlemmt in Reichtum und Lust? _ Otto Schrepel Das militarisierte Märchen. «on Hellmuth Falkenfeld. Das Märchen ist die Zuflucht derer, die sick aus der Wirtlich- teil fortsehnen. Denn das Märchen ist die Reakilär des Wunders, des Unwirklichen, des Unmöglichen und den Gesetzen der gemeinen Wirklichkeit Widersprechenden. Im Märchen ist das Gesetz der Schwere ausgehoben, die physikalischen und nalurwiffenschtmlichen Prinzipien ausgelöscht, das Unmögliche und Unwirkliche möglich und wirklich. Nur eins zeugt im Märchen noch vom Wirklichen; im Märchen steckt vielfach eine Weltanschauung. Und diese Weltanschauung ist ineist der Spiegel der wirklichen Anschauungsweise der Zeit und Ivs Landes, die das Märchen gebaren. Im Märchen spiegelt sich die Gesinnung eines Volkes. Freilich ist in den besten und schönsten Märchen dieses Echo des Wirklichen nicht immer deuri-ich hörbar. ES gibt deutsche Märchen, indische Märchen, chinesische Märchen. Und Liberall scheiut doch der Zauber des Märchens in etwas All- Schildbürger ln Krefelü. Wir hatten wirklich geglaubt, daß die Zeit der klein- lichen Boykotticrung und Schikanierung der sozialistischen Arbeiterbewegung, wie sie in Zeiten Wilhelms gang und gäbe war, endgültig verschwunden sei, wenigstens soweit behördliche Organe der Selbstverwaltung in Frage kommen. Eine Zuschrift aus Krefeld belehrt uns jedoch eines Bestcren. Dort kehrt die Stadtverwaltung zu dem U r- zustand der Reaktion zurück, wie er vor 191t- in Deutschland prunkte. An die in klerikalen Händen befindliche Stadtverwaltring hatte die sozialdemokratische Parteiorgani- sation von Krefeld das Ersuchen gerichtet, ihr einen Schul- raunr für die Bildungsabende der Arbeiter- j u g e n d zur Verfügung zu stellen. Auf dieses Ersuchen ging das folgende bezeichnende Schreiben ein: Der Obevbüvgermoisier. Krefeld, den 23.'Oktober 1920. T. B.» Nr. VII 1868. Zu meinem großen Bedauern vermag ich Ihrem Gesuche um Ileberlassung eines Sckulraumes zu sozialistischer Bildungs- uns Aufklärungsarbeit an der Arbeiterjugend im Geiste sozialistischer W�liau schauung— wie Ihre Satzungen es bezwecken— nicht zu entsprechen. Denn es ist mit dem politisch unparteiischen Charakter der Sraidtvcvwaltung schlechterdings unvereinbar, die mi» Mitteln der nicht sozialistischen Allgemeinheit unterhaltenen Schulräume in den Dienst sozialistischer oder irgendeiner anderen Partripolitik zu stellen. I. B.: von Hausen. Der unterzeickmete Beigeovdnete von Hausen war vor kurzem bei der Wiederwahl zimn besoldeten Stadtrat unterlegen und unsere Genossen im stadtparlament harten dazu das ihrige beigetragen. Sie nahmen deshalb on, daß der.Harr Beigeordnete ans persönlicher Verärgerung einen so unwahrscheinlichen Bescheid gegeben habe und fragten vorsichtigerweise den klerikalen O b e r b ü r g e r- m e i st e r Jvhansen persönlich, ob er den Bescheid billige. Tatsächlich erhielten sie von ihm die Anfrort, daß er den Inhalt des Schreibens vollinhaltlich decke. Die Arbeiterjugend Krefelds wird nun zwar auch ohne einen Schnlramn ihre Bildungstätigkeit fortsetzen können. selbst wenn die bürgertickte Stadtverordnetenmehrheit sich mit der Naddstichpolitik des Stadtober Hauptes solidarisch er- klären sollte. Indessen ist das Schreiben des Oberbürger- meisters wert, als ein historisches Dokument für die Geistes- grötze bürgerlicher Stadtverwaltungen zwei Jahre nach der deutschen Revolution öffentlich angeschlagen zu werden. Daß in Tausenden von deutschen Städten und Ortschaften an- standslos sozialdemokratischen und anderen Organisationen die Schulen und sonstigen öffentlichen Räume zur Verfügung gestellt werden, ist sicher auch den Herren in Krefeld bekannt. Wenn sie es trotzdem wagen, die Praxis von anno dazumal wieder einzuführen, so zeigt das nur, wie beschränkt ihr poli- tischer Horizont ist, der es zuläßt, daß sie behaupten, die Schnlräiime würden„aus Mitteln der nichtsoziali st i- s ch e n Allgemeinheit unterhalten", als ob Sozialisten in Krefeld von jeglichen Steuern nnd Abgaben befreit wären. So ideal sind leider selbst unter Johansens Führung die Zustände in Krefeld nickst._ Steuerscheu der Junker. Ein Dokument von geschichtlicher Bedeutung für den „Patriotismus" und die Steuer scheu deutscher Jun- k e r wurde auf dem Parteitag der badischcn Sozialdemokratie zur Verlesung gobmck-t. Es handelt sich um den Brief eines Freiherrn von Mentzingen auf Schloß Mentzingen- Baden vom 28. August 1929, der gerichtet ist an den General- direktor AI b-ert Keller, New Bork, Ritz Carlton Hotel, imd also lautet: Hochgeehrter Herr! Aks ich gestern Herrn Cnrt Brenner bat, mich mit amerikanischen Geldgebern tn Verbindung zu setzen, riet er mir, mich cm Sie zu wenden, weil Sie häufig Gelegenheit haben. solche Herren zu sehen. Da ich vor Jahren Sie nn Stephan i kennen lernte, und durch den verstoiibenen Herrn Brenner viel von Ihnen- gehört mip Ihren wirtschaftlichen Aufstieg mit libhcrftem gemeingültigem zu liegen und nicht in einer spezifisch nationalen Färbung. Gibt e? nun ein preußische? Märchen? Bis zum Ich« 1920 gab es jedenfalls keins. Jetzt hat uns Peter Panter seine «Träumereien an preußischen Kaminen"(Felix Lehmann, Cbarlottenburg 1920) beschert und uns gezeigt, was ein .preußisches Märchen ist. Ein preußisches Märchen ist ein Märchen, in dem selbst noch die Wunder, die Unmöglichkeiten, die Physika- fischen Purzelbäume der Natur an Subjekten und von Subjekten geschehen, die preußisch empfinden und militaristisch denken. Diese eines. Morgepstern nicht unwürdige Ueberbrückung von gegensätz- lichen Erscheinungen läßt uns ganz vergessen, daß doch eine Ten- denz, und zwar eine politisch sehr imensioe Tendenz,. in dem Ganzen steckt. Der' eigentliche, die Tendenz vielfach verstummen machende Humor dieser sechs Geschichten steckt in der reizvollen Verschlingung von Wunder und Preußentum, von Märchenmotiv und Komnrißweltanschauung zu einem, grotesken Gebilde, daS übrigens durchaus kein Dichter, sondern ein sehr gewandter und be- gabter Schriftsteller geschrieben hat. Da sehen wir denn in dem Märchen.WalpurgiSngch-l" die Hexenschwadron sauber ausgerichtet antreten und vor seiner Erzellenz. dem Herrn der Hölle, Orgie, mit anschließender Parade üben. Da sehen wir die staatlich kon- zessionierte Räuberbande an den dazu behördlich festgesetzten Orten ihr vrivilegiertes Räuberibandwerk treiben. Und da sehen wir die verzauberte Prinzessin, die von eitlem Drachen bewacht wird, der H. St..Chamberlain gelesen hat. med seitdem etwas wirr im Kopf ist. Da sehen wir den Prinzerlöser mit Hilfe einer Einlaßkarte sich-..Zugang zum Zaubergarten verschaffen, die Pri-nzeffm durch Hinweis auf die Moden der Residenzstadt erwecken und den Drachen nach dem Verbrechen der Zahlung von Abstandsgeld— Drachen- gist, Reserveschwanz und Leibputten zurückziehen, um an die See zu gehen und dann wahrscheinlich eine Stelle als Personalchef im Preußischen Ministerium des Innern anzunehmen. Wir sehen das verzauberte Schloß erw-chen, die bis dabin in ihren Lcbensfunk- tionen unterbrochenen Menschen wieder in Tätigkeit treteil. den Schleichhändler seine Butter verkaufen, die Generale annektieren, den vortragenden Rat sich in der ihm angemessenen Haltung krüm» men— und endlich das hohe Paar Hochzeit seiern. Und wenn sie nich Idealisten geworben sind, wie JaureS und Kurt EiSner," so schließt der Verfasser,«dann leben sie noch heute." Schall»nd Rauch. Krieg war und Revolution. Wilhelm eut- floh und Kapp entgleiste. Vieles ward neu gestaltet. Nur der Geschmack des gehobenen Bürgertums bleibt wie er war. lumvf- geboren, zäh, klebrig, ieucht, ein w'der'sch Gemisch auS Geilheit und— Monokel und Seidcnrobe tragendem � Spießertum. Das jauchzte im Kabarett„Schalt und Rauch", machte liebliche Zwischenrufe:..Kleene rüde Bolle",«süße Kleene" usf., in inniger Mechscibezichuug zum Podium. O v i d � herrlichst« Dichiung von der Göttertcrwandlung wurde in die Gosse gezogen(lockt nickt das Wort«Metamorphosen" zu naheliegendem„Witz"?). Trudc Hestetberg mühte sich erfolgreich, Dftnentvpen zu kopieren. Walter Mehring, von dessen einst großer Begabung wir mehr erwartet hätten, hat sich assimiliert. Auch er ein Konzessionsmensch Interesse verfokgt habe, so macht es«rtr Freutw, setzt tn BerWniwm» m« I ihnen zu treten. Ich hoffe. Sie werden auS landSmanuschaft« lichen Gründen meine Bitte erfüllen. Sie wissen, daß wi-r in einer schlimmen wirtschaftlichen Lage uns befinden. Dste hohen Steuer» drohen uns zu erdrücken. Dazu kommt die Unsicherheit, welche die drohende Sozialisierung und der Bolschewismus uns bereiten. Wir sind daher genötigt, uns nach Sicherheiten umzuschc». Dar Gedanke, daß amerikanische Hypotheken uns vor Sozial isicrung, Beschlagnahme usw. schützen, also eine Art Persicherung bieten, liegt nahe. Ich bin Präsident einer Bereinigung von größeren und kleineren adeligen Grundbesitzern in Baden, deren Areal 25 000 Hektar im FriedenSwerte von 30 Millionen Mark umfaßt. Wir suchen mit den sogenannten Standcshcrrcn, d- h. den Fürsten von Fürstenberg, Leitungen usw., uns zu verbinden; der Besitz der Herren dürfte den Wert von 190 Millionen übeestcigcn. Des wei« teren ist geplant, den gesamten Grundbesitz zu organi» s l e r e n, soweit 20 Hektar und mehr in einer Hand sich befinden. Meine Bitte geht nun dahin, daß Sie mich mit Finanzleuten in Verbindung bringen, welche geneigt sind, ihr Geld in Hypotheken anzulegen. Beim heutigen Valuta st and scheint mir die Anlage für die Dollarvaluta nicht ungünstig zu sein. Vielleicht könnte gegebenenfalls von feiten der amerikanischen Finanzherren hier ein Bevollmächtigter bestellt werden, der zunächst die Verhältnisse prüft. Indem ich Ihnen, hochgeehrter Herr, im voraus für Ihre Be- mühungen danke, bin ich mit ausgezeichneter HockMhtung Ihr ergebener gez. Frhr. vv n Me n tz i nge n. Während die bürgerlichen Parteien im Reichstag die Erledigung des Reichsnotopfers verschleppen und die Be- sttzsteuer auch heute immer noch nicht voll zur Geltung gebracht ist. schmuggeln, wie der Brief zeigt, die Junker amerikanische Hypotheken ein, um sich vor Steuern und Sozialisierung zu schützen. Sie folgen damit nur dem Beispiel der Großindustrie. die durch das Börsenspiel der Aktionäre die„Ueberfremdung" ihres Kapitalbestandes wahrscheinlich nicht ungern geschehen läßt. Die Vaterlandsliebe der Besitzenden ist zu allen Zeiten dieselbe gewesen. Auch heute trifft auf sie zu, wos Karl Marx von der englischen Hochkirckie sagte, daß sie lieber auf neun Zehntel ihrer Glaubenssätze als auf ein Zehntel ihrer Einkünfte verzichten._ Der entflohene Wucherer. Im Reichstag hat Genosse Prm. Radbruch folgende klein« Anfrage eingebracht: Der Geschäftsführer des Edenhotels in Berlin, Viru- dörfer, wurde vom Wuchergericht zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt, aber zugleich durch Gerichtsbeschluß ohne Sicherheitsleistung enthaftet. Er ist sofort in das Aus. k a n d entflohen. Die Staatsanwaltschaft hat nichts unternommen, um diese Flucht zu verhindern. Billigt die Reichsregierung dieses Verfahren? Wie gedenkt die Reichsregierung angesichts dieses Vorgangs ihr Aufsichisrecht geltend zu machen? Was ist geschehen, um Birndörfers Auslieferung herbeizuführen? �ohenzoUern oöer �elphanö/ Wir erhalten folgende Zuschrift: Durch die Presse geht die Notiz— die«Deutsche Tageszeitung" bringt sie unter dem Aufputz«Hohenzollern oder Help Hand"—, wonach ich in der Schweiz 26 Millionen Frank versteuere, die ich nach dort verschoben haben soll. Erstens betrügt mein Schweizer Besitz keine 25 Millionen, sondern nicht einmal den fünfundzwanzigsten Teil davon. Zweitens stammt! dieses Guthaben sticht aus Teutschlant, sondern aus dem Auslande, wie durch Bank-".? ausweiss belegt werden kann. Ich habe kein Kapital aus Deutsch-' land nach dem Auslande gebracht, sondern im Gegenteil Geld aus H dem Auslande noch Teutschland. Ich habe an der Kapitalflucht in keiner Weise teilgenommen. Der Vergleich mit den Hohen- zoll er n und anderen Persönlichkeiten, die Kapital verschoben haben sollen, stimmt nicht. Dr. Helphand-Parvus. Folge« de? KohlenmangrlS. Infolge KoUeifmangelS in den .städtischen Elektrizitätswerken witd der Straßen bahnbe trieb in Hanau vom Sonnabend ab vollständig eingestellt und die Gas- und Stromabgabe von 1 bis 5 Uhr nachmittags gesperrt. Um Mll Uhr ließ die«Stimmung" des Publikums Schlimmstes befürchten. Ich lies davon, und die schöne klare Winterlust vcr- scheuchte bald den ekelhaften Traum. wp. Carl Hauptmanns neues Bühnenwerk Musik wurde am Dieus- tag im Alten Theater zu Leipzig uraufgeführt. Hauptmann nennt es„Ein Spiel in vier Allen", aber eS ist gar kein Spiel, sondern — sage man.nur" oder«darüber hinaus" eine Dichtung mit ver- teilten Rollen, die sich auf die Bübnc verirrt hat. In ihrem Mittel- Punkt steht Josua, der Domorganist. Sein menschliches Lc-besleben bringt er mit Sausen und Huren zu, schämt sich nicht, besoffen in den Dom zu kommen und mit einem(allerdings philosophischeni Strolch und einer Zigeunerin wüste Zechgelage zu feiern, ist rück- sichtslos gegen seine wohlmeinende Mutter, die freilich für seine genialen Wunderlichkeiten kein Gefühl hat, und kalt gegen seine sanfte, lieblich« Braut. Aber Zeit seines anderen Leben- sucht er Gott in der Musik. Oder nicht in der Musik, in irgendeiner vor- handenett oder auf Tasten und Saite» und.Pfeifen wiederzugebenden, sondern in einer ungeheuerlichen, mit Menschenmiltcln nicht ausdrückboren: tn einem Sphärenchor, in einer, die ans imaginären Saiten donnert. Für dieses Fahnden des Domorganisten noch der Materialisation der Weliseele im Ton, für d ese namenlose Sehn- sucht und Begeistert heit findet Hauptmann tiefe, ergreifende, dich- lerischt Worte: aber es kommt kein Theater zustande. Vier Ak.e lang zehrt sein Spiel von der Wiedergabe immer neuer Ausdrucks- mittel für diese unird iche Trunkenheit des Schiftenden. Alles andere bleibt demgegenüber belanglos und endet schließlich mystisch und ekstatisch, wie es begonnen Hot: das Leben versinkt. Singet: und Jubilieren erdröhnt, Orgelbrausen und Donuerpoltern stürzt in den Raum. Der Weltwind fegt.«Ewig ist die verklärte Gestalt." . Hauptmann schneidet letzte Probleme an. Cs ist unnötig zu sagen, daß er keme Lösung gibt. Noch keiner!>tt sie gegeben. Es bleibt auch bei ihm bei Worten und Musik und der großen Sehnsucht noch derkLösung. Aber es ist nötig zu sagen, daß die undramatische Dichtung die gegebenere Form für den Stoff gewesen wäre. Der stürmische PublikumSerfolg galt wohl in erster Linie der hervorragenden Leisttmg Lotbar Körners, der den Domotganisten spielte, und dem Regisseur Dr. Kronacher. H. B. Ein römisches Kindergrab im Berliner Museum. AuS der Sammlung des vor kurzem verstorbonen Herrn von Gans in Frankfurt a. M. bat jetzt daS Aste Museum in Berlin dank de' Hilfe per Beiern aui-g der Freunde antiker Kunst ein besonder- jchmuckreicheS und zierliches Werk altrömischer Kleinkunst erwerben können, die Grabbeigaben für das©rc6 eines kleinen Mädchens. Das Grab läßt sich dank einer Münze des TibertuS in den Anfang seiner Regierung datieren; die Lieb« der Eltern hattd si« ihrer Kleinen als Zehrpfennig und Fährgroschen fürs Jenseits mit- gegeben, lind dazu fügten sie in einer Kiste, von der sich das Schloß noch erhalten hat. silbernes Puvpengeschirr mit kleinen Kandelabern und Lampen auf einem Tischchen, Gläserchen und kleine Schmink» gesäße, eine Büchse mit dem Bildendes Dionysos. Spielzeug aus 'Bernstein geschnitzt, kleine Bernsteine in vier Farben, ein: Gold- drosche in zartester Filigranarbeit, goldene Bänder und dergleichen, lauter Dinge, um ein Kinderherz zu erfreuen. Es scheint eut klemeS Schützt Ken Nachwuchs! Teutscher Üongreh für Säuglingsschuh. Die„Deutsche Vereinigung für Säuglingsschutz" trat beute in Berlin(im großen Saal des Wohifahrisministeriums) zu ihrer Tagung zusammen, die aus allen Teilen des Teurschen Reiches besucht ist. Der Vorsitzende, SBkTL Geh. tcherregie rungSrat Präsident des ReichSgesund-herjsomts Dr. B u m m, erinnerte in seiner Be- grü�ungsansprack« daran, datz die vielen in den letzten anderthalb J'ahrzehnten entstandenen Einrichturigen für EäuglingSfürsorge im wesentlichen auf eine von der früheren Kaiserin Auguste Viktoria im Jahre 1904 an die deutischen Frauen gerichtete illlnh- nung zurückzuführen seien.(Er übersah dabei, wie sehr es dem monarchischen Preutzen-Teutschland zur Schande oereichte, daß der Säuglingsschutz nur durch das Eingreifen einer.hohen Frau" vor- wärts gebracht werven konnte.) Dr. SJumm gedacht« der Not dieser Zeit und im besonderen des Elends der Kinder und dankte dem helfenden Ausland. Er sprach weiter von d e n Völkern durch deren mitleidslose Härte das Elend unserer Kinder vermehrt werde, wie es von der geplanten Entziehung der Milch- kühe zu erwarten sei. Durch nicht» werde schlimmerer Hätz her- vorgerufen, als wenn die Mutter und ein ganzes Volk sehen müsse, wie die Kinder durch solche jeder Menschlichkeit Höhn sprechenden Gewaltmabregeln dem Tede überliefert werden. Für das Reich samt des Innern und den Reichs- kanzler bcgrüftie Ministerialrat Hahnel den Kongreß, dessen Arbeit den von Verkümmerung bedrohten Kindern zum Segen gereichen möge. Prof. Dr. Rott-Derlin. tHberorHt am Auguste-Viktoria-HauS zur Bekämpfung der SSu�IingSstcvblichkeit, referierte über „Wandlungen und neue Ziele der Mutter-, Säuglings, und Kleinkinderfürforge". Er fchil- derete die neue« Entwicklung der Säuglingsfürfovge�die Ent- stehung und Vermehrung der Fürsorgestellen in den Städten und auch auf dem Land«, den Ausbau' der Säuglingsfürsorge zur Kleinkindevfürsorge und die Ergänzung durch Schwangerensür- sorge. Diese offen« Fürsorge sei. dank den Kommunalver- waltungen, von dem wirtschaftlichen Niedergang nicht wesent- lich betroffen worden. Er forderte, dast alle fürsovgcbedürftigen Säuglinge erfostt»Verden, deren Zahl er auf zwei Drittel aller Säugling« schätzt, und dast andererseits nur die wirk- lich füiforgcbedürftigen Säuylinye in Fürsorge genommen werden. Di« Arbeit der Fürsorgestellen sei meist nob zu sckematisch, sie müsse intensiver werten. Sozialhvoieniscke Schulung der Aerzte sei eine wichtige Voraussetzung. Die Fürsorgestellen für Säug- linge und Kinder müssen sich an der Bekämpfung der Volkskrank- heilen nicht nur indirekt vorbeugend, sondern auch direkt heilend beteiligen, also nick? nur Beratung, sondern nötigenfalls auch ärztliche Behandlung gewähren. Dr. Rott schilderte dann die Notlage der Seil» und B f l e gea n st a l t e n für Säug- linge und Kleinkinder. Künftig müsie der Betrieb solcher An- stakten so gergelt werden, das; nur die anstaltspflegcbedürftigen Kinder aufgenommen werden. Shn« schleunige Hilfe seien die meisten Anstalten vom völligen Zusammenbruch bedroht, der bei vielen schon erfolgt sei und zur Schließung geführt habe. Die geschlossen« Fürsorge müsse in engem Zusammenhang mit der offenen stehen, jede Anstalt sei mit einem Stäb von Fürsorgerinnen zu umgeben, denen die Ueberwabung der in Familienpflege ge- «ebenen Säuglinge obliegt. Der Referent schloß mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit planvoller Säuglings- und Kleinkinderfür. sorg« unter Mitarbeit einsichliger Aerzte. Bei Schluß de? Berichle» dauert die Tagung fort. Parteltas der Deutsche» vokkSpartrt. In Nürnberg trat gestern der Zentralvorsdcmd der Deutschen BolkSparte- zu emer Sitzung zwecks Vorbereitung des heute beginnenden Partei- t a g e s zusammen. Der Vorsitzende Dr. Stresemann h-elt «ine einleitende Rede, in der er sich insbesondere mit der Frage Lberschlesicns und. der Autonomie beschäftigte. In seinen weite- rcn Ausführungen ging der Redner alsdann ausführlich a»f die auswärtige Lag««in. dabei besonders auch die Frage Süd- t i r o I§ berührend. Auf ein ausführliches Referat verzichtete der Redner. Es folgt« dann die Aussprache. Zum VBrirmneister des Freistaates Lübeck wurde am Mitt- woch— an Stell« des in den Ruhestand getretenen Dr. Ferdi- nond Fehling— der Senator Dr. Neumann(während des Krieges Zivilgouverneur von Riga), zu seinem Stellvertreter unser Genosse Senator Paul Lövigt gewählt. Mädchen gewesen zu sein, das schon lesen könnt:, denn auch«in kleines Schreibtä selchen biegt dabei. Unter den Ringen ist ein be- sonders großer mit einem herrlichen Aguamarin. Es müssen gut- gestellte Laut« gewesen fem. die ihr Kinidergräb so reich«russtatteten. Um Unheil abzuwehren, ist der Kleinen endlich für ihre Wanderschaft in den HadcS ein« cm# Dergkristall gear bei tote Cikade mit- gehoben. Die abgebrochene Spive de» Montblanc. Di« Kalksteinphra- mide, die den Gipfel des Montblanc und damit überhaupt die höchste Spitze Europas bildet, ist durch ein Natur- ereignis abgebrcxten worden. Tie Gestalt des Montblanc ist durch viele scharfe Spitzen bemerkenswert._ Ein solcher Vorsprung an der italienischen Seite in der Höhe von 1299 Fuß löste sich nun wahrscheinlich infolge des starken Frostes ab und fiel auf den Brenta-Gletfcher. Dadurch wurde ein teilwcifer Bruch des ganzen Gletschers hervorgerufen, und eine gewaltige Eislawine rollte den Abhang zu dem Tal von Bcni herab. Der Sturz dieser Lawine riß den größten Teil der Wälder von Portud, die ein« der Hauptschönheiten des Courmopeur-GebieteS waren, mit sich und z rftört« sie fast vollständig, so daß die Bäume nun zwischen großen B löcken blaugrünen Eise? lieaen. Kurz vor dem Dorf Portud, daS wie durch ein Wunder gerettet wurde, kam die Lawine zum Stehen. Mit der durch diewS Naturereignis hervorgerufenen Er- ichütterung wird auch der Zusammensturz der höchsten Spitze des Montblanc in Verbindung gebracht. Tkirater. Im Rabmen des»Proletarischen Theaters" ündcl die 11rau!>0brun-i de? Schauspiel«»Prinz Hagen" von 11 Sinclair, dcm Veiiasler des Roman« Iuimie Higgin«, am 5. Dezember, abend« 8 Uhr, in Kiiems Festsälen. Halcnheide 13, stall, Karten 3,59 und 1 M an der Kasse. Mstgliedcr frei. Bceihoven-Konzrrt. Am 5. Dezember, nachmillag«« Mr, iü im Blülbncrlaot mit dem Plülhncrorchcsler da« dritte Bccthoven-Konzert iLeoiioren-Ouocrtiice Rr. III, b. und K. Sinfonie) unter Leitung von Dr. Max Burltmrdt. Walter von Molo liest am 8. Dezember au« leinen Werken am ersten DIchlerabend de» Kiinitlerdankes im Berliner KanstleihauZ. Belleouestr. 3. »DaS Klavier« von Oekar BIr. ein für Mustter und Liebhaber de« Insiinmciit« nichtige« Buch, da« lange Zeit nicht zu habe« war, ist w neuer Auslage bei Paul Cassirer, Berlin,«schienen. Handgcbundcne Bücher gibt der Verlag von Hermann HSstel In Leipzig bcran«. Aus die Pflege einer edlen bandwei Iiichen Buchbind« kunst Im Eegensap zum wenig haitiaren Fabtilelndond kommt es dem Verlag an, den nambaile Künstler unterstützen. Er gebi auf etwas andere« als bloste LuxtiSbflcher au«. Tic Preise sind natürlich nur wenigen erschwingbar. Leid«! Unler den Büchern find Werke von Ricarda Huch»nd vor ollem eine vielbändige c«csanilall«gabe der Dichtungen Eonrad Ferdinand M e p e r S, wozu mich eine Einzelausgabe der Eedichle de» großen Schweizer Poclcn kommt. Tos Berliner Lokalstück, lieber dieses Thema läßt Georg Herrmann im Ullstein-Verlag ein Buch erscheinen. Tie grein arkcn der T adt Tanzig find auch im Neichsvostgebiet zugelassen Neu ist ein Provisorium, eine b-Ps.-Maikc, durch Uederdiucken der dciillchcn ZV.Psg-Waikc mit einem grviien blauen Fünser hergestellt; die bisherige Wertangabe wird durch einen sechseckigen blaue» Stern uu- kenntlich gemacht. Wirtschaft Maschinenfabrik Ailgsburg-Nürnberg. Der Geschäftsgewinn des Rechnungsjahres 1919/29 b«. lvef sich auf 1Sf>8(i. V. 13,69) Millionen Mark, Steuern mit 5,99 13,81) Millionen Mark, Zinsencrusgaben mit 3,11(1,08) Millionen Mark, die gesetzlichen Ausgaben für Versicherungen mit 2,14(IL) Millionen Mark, die Unkosten der freiwilligen Wohlfahrtspflege von 1,41 Millionen(888 612) Mari, Abschreibungen mit 2,46(2,28) Mil- lionen Mark. Reragewinn 6,08(4,22) Millionen Mark. Dividende 12 Proz. für die alten 36 Millionen Mark und 6 Proz. für die neu ausgegebenen 18 Millionen Mark Aktien. Der Geichäftsbericht führt aus, daß Materiolknappheit und Teuerung die Kennzeichen der Lage waren. Um den Betrieb nicht allzu sehr ins Stocken kommen zu lassen, war die Gesellschaft genötigt, alle nur irgendwie erbältlichen Posten von Material auf- zunehmen. Di« Preise für inländisches Stab- und Fovmeisen stiegen auf den 4vfachen Friedenspreis. Da aber auch damit der Bedarf nicht genügend gedeckt werden konnte, mußte zu Eisen aus dem Saargebiet gegriffen werben, das 7699 M. die Tonne, also den 7vfa«hen Friedenspreis kostete. Nie ist die Abhängig- k e i t der weiterverarbe.tenden Eisenindustrie von den Rohstoff- werken deutlicher in die Erscheinung getreten. Selbstverständlich mußten die Gestehungskosten den Verhältnissen folgen. Für die meisten Erze-ugnisse der Gesellschaft haben sich die Preis« bis zum Schbu sse des Geschäftssahres vervierfacht, so daß zurzeit für Kraft- masch.nen mindestens der I8fache Fned.-nspreis bezahlt werden «mtß. Die hohen Preis« waren teilweise hemmend für die Beschäftigung. Manche Aufträge» vor allem ausländische, konnten nicht übernommen werden der großen Risiken halber, die in den Valutaschwankungen und nicht übersehbaren Er- böhungen für Materialien und Löhn« lagen und jegliche sichere Vorkalkulation umnöglch machten. Gegenwärtig ist hin- sichtlich der Preisbestimmung eine Keine Besserung«ingetreten, so daß man jetzt in der Lage ist. eher als bisher an solche Bestellungen heranzugehen. Eine neue Verschmekzung. In den AufsichtSratSsitzungen der Waggonfabrik Gör- litz A.-G., der G ö r l i tz e r Mafchinenbou-Anstalt und Eisengießerei A.-G. wurde die Verschmelzung der- selben derart beschlossen, daß die Görlitz« Maschinenbau A.-G. und die Coltbnser Maschinenbem-Anstalt und Eisengießerei A.-G. von der Waggonfabrik Görlitz A.-G. aufgenommen werden. Di« Waggonfabrik Görlitz A.-G. wird ihre Firma in»Waggon- und Maschinenbau A.-G., Görlitz, umändern. Zwischen d« Waggonfabrik Görlitz und der Görkitzer Ma- schinenbau A.-G. bestanden schon bisher engere Beziehungen. Di« Verschmelzung d« beiden Görlitzer Maschinenfabriken hat in dieser Zeit täglicher Fusionen nichts UebervaschendeS» Jnter- esscrnter ist eS schon, daß eS gelungen ist. die Cottbuser Ma- sch i n en fa br i k, die einer ander-n Gruppe angehört in die VerschmelKungsopcrationen einzubeziehen. Die Wagzonfabrik Görlitz betreibt hauptsächlich die Herstellung von Eisenbahn- Material, wahrend die Görlitzer Maschinenbau A.-G. allerlei Arten von Maschinen fabriziert, besonders Kraftmaschinen, und zwar Dampfmaschinen, Dampfturbinen, Gasmaschinen. GaS- generatoren und Rohölmotoren, System Diesel. Ihre Produktion deckt sich bis zu einem gewissen Grade mit derjenigen der C o t t- buser Maschinenfabrik, die nebst Eis- und Kühlmaschinen insbesondere auch Dampfmaschinen sowie Diesel- Motoren herstellt. Letzteres ist wohl auch einer der Gründe dafür, daß diese Gesell- schaft in die Fusion mit dw Görlitzer Maschtnenbaugesellschaft einbezogen wurde._ Kaffee soll billiger«erden?? Der Kaffee- Einfuhr- verein in Hamburg ist im Einverständnis mit dem Reichsfinanz- Ministerium angewieien, Anträge auf Einfuhr von Kaffee ohne Bindung an ein bestimmtes Kontingent zu bewilligen, jedoch nur gewöhnliche Kon'umware, damit eine weientliche Besserung der Kaffe> Versorgung und eine Senkung der Kafseepreise er- reicht wird. Lieferungsgrmeinschafttn in der Eisenindustrie. Um den In- landdedars an Foim-, Siab- und Universalerien ficherzu- stellen, beabsichiiat das Reichswirlschastsmmisterium die Bildung von besonderen Lieferungsgemeinschaften. Ein Zweiter Neubau für die Hamburg-Amerika-Linie. Vom Bremer Vulkan, der kürzlich mit dem Dampfer»A Kessin ia" der Hamburg-Amerika-Linie den e r st e n Neubau lieferte, ist jetzt der für die gleiche Gesellschaft bestimmte Dampfer.Alexandria" fertiggestellt worden. Er ist ein Schwcsterschiff der»Nbeffinia" mit einem Raumgehalt von etwa 1599 Bruttoregistcrtonnen und einer Tragfähigkeit von 2399 Tonnen. Der Dampfer wirb eine Probe- fahrt machen und dann nach Hamburg kommen, um hier für eine Reise nach Westafrika beladen zu werden. . GroßGerün Straßenrufe. Mit Weihnachten beginnen sich auch die Siimmengeräufch« auf den Straßen Berlins zum Aergcr der empfindlichen Gemüter über das gewöhnlich sehr bescheidene Maß stärker zu erheben. Osten ge- standen, ich teile den Wunsch nach- absoluter Stille nicht. ES geht einem so wie mit den Gefahren der Straße: während des Krieges, wo nur selten«in Wogen sich sehen ließ, kam man eher in die Ge- fahr, gerade von diesem einen Wagen überfahren zu werden, als vorher und jetzt, wo man die Augen aufmacht, ehe man den Damm überschreitest Also etwas TageSlärm wäre an sich nicht unangenehm, und die neue Zeit könnte lärmender sein. Wie stumm verkaufen die Straßenhändler ihre Ware! In romanischen und transatlantischen Ländern hat man sich zu solcher Resignation noch nicht aufge- schwungcn— hei, wie flitzen die jungen Kerlchen durch die Straßen, den Kamen de? Blattes oder den Hauptartikel cruSschreiend. Das macht Laune— wie der Berliner Lieblingsausdruck lautest Aber bei uns gilt es nicht als vornehm— wahrscheinlich hat eS auch ein« wohllöbliche Polizei verboten, und man überläßt diese Propaganda jenen übelduftenden Blättern, die aus eigener Wissenschaft über die geheimsten Orgien unserer Milliardär« oder die sonderbaren Abenteuer eines Filmsterns zu berichten wissen. In früheren Zeiten gab eS einen lebhaften Detailhandel in den Straßen, der sich durch Rufen bemerkboir machte. Hout« ist auch er. trotz der ungeheuren Vermehrung seiner Jünger, schweig. sam geworden— er hat es nicht mehr nöt.g, die Käufer drängen sich auch so um den Besitz seiner Ware. Ausnahmen bilden noch die Sandmänner mit ihrem Ruf»Saud! Sand!" und die im Früh- jähr erscheinenden Händler, die ihren Ruf»Blumenerde" zu den nackten Balkons hinanstürmen lassen. Und dann beginnen hier und da auf den kärglichen Resten des Berliner Weihnachtsmarktes eifrige Verkäufer sich ihrer Stimmen zu entsinnen. Als Ersatz für den lang Hinhollenden Straßenruf ist auch der Redeschwall des modernen Alchimist.'n anzusehen, der meist von einem erhöhten Standpunkt aus sein Weltheilmittol zur Selbstreparawr von Stiefeln, Kochtöpfen, Hcmdkvagen. Porzellaniellern, Klubsesseln, fast wäre man versucht zu sagen, zerbrochenen Küttigs ihr ouert, anpreist. Diese Zauberkünstler handeln nach dem Grundsatz: Kaufen Sie'» oder ich schmeiße eS weg— Sit Prets« ffach«uHUfU«A der EnterklJang(T) der Batate stortgefchritte» und zeigen beute eine»fest« lenden", während ma« früher von 3 M. auf 1 M. abhandelte und dabei doch noch um 59 Pf. zu teuer kaufte. Aber, wie gesagt, fie find mir.Ersatz"— der wahre Straßenruf ist e» nicht; und wie aller Ersah erregt auch dieser nur ein« sehr gemischte Frsude. Die Stätten der Arbeitslosen. Auf den Nachweisen und Fürsorgestellen der Arbeitslose« zeigt sich dem Beschauer ein trauriger Anblick. Stumpf vor sich hin- brütend« Gesichter, polternd« und murrend« Gemüter. In allen hier in Frage kommenden Institutionen wurde.iiemals mit solchem Massenandrang von Arbeitslosen gerechnet. Die Fürsorgeburcaus find weist selbst der Gefahr ausgesetzt, obdachlos zu werden. Nach Auffassung der-Unternehmer müßten auf den Nachweisen unv Fürkorgestellen der Arbeitslosen frohe Gemüter anzmccssen sein. Snd doch die Erwerbslosenrenten nach ihrer Angabe so glänzend, daß sich damit ein bebcngliches Leben führen läßst Was m aller Welt fehlt denn nun diesen Leuten? Wollen sie vielleicht noch Luxuswarte» hallen mit Klubsesseln und dergl. Rein, sie wollen mchl stundenlang mit der Nummer in der Hand nutzlos herumstehen. Sowohl in den Fürsorgestellen wie auch in den Gewerkichaftshäulern ist kein Platz zum Sitzen. Ein mmner währendes Gewoge sich drängender Menschenmassen ist's, was wir hier Ivahrnehmen. Die Nachweise werden zu Stätten des HasseS, aus denen das Eure im Menschen völlig schwindet. Und immer noch trostloser werden die Zeiten. Die AuSsich!, Arbeit zu erhalten, wird immer senuger. Auf dem Nackpvcis schleichen Greis und Jüngling in reduzierter Kleidung umher, zum Lumpen herabgesunken. Ter Widersinn gewisser Kala- strophcnpolitiker, die nur mit verelendeten Menschen eme andere Welt schaffen wollen, zeigt sich hier in seiner ganzen Größe. Wer lange Zeit arbeitslos ist, sich in dumvfen Korridoren, ia Arbeits» nachweisen und sonstigen Bureaus herumdrücken muß, wird krank an Leib und Seele. Organisierte Antomobirdievstähle. Wie Automobildiebe arbeiten, erwies sich bei der Verhaftung von drei Banden, die diesen Spezialdicbstahl gewerbsmäßig und in großem Umfange betrieben. Am bezeichnendsten ist das Vorgehen einer vierköpfigen Bande, deren Haupt und Leiter ein ge- wisser L ag i l le, ein alter Zuhälter und Zuchthäusler war. Lagille selbst weilte meistens im Grenzgebiet, rnimenilich in Aachen, Wiesbaden und Frankfurt a. M. Dort suchte er Verbinoung mit Ausländern, die gern alles Mögliche über die Grenze schaffen und bor ihnen Kraftwagen an. Sobald er einen Abnehmer geftrnden hatte, fuhr er nach Berlin und hier machte sich nun seine Bande schleunigst auf den Weg, um einen geeigneten Wagen ausfindig zu machen und zu stehlen. Hatte man einen gutcn Wagen erwischt, so fuhr Lagille mit ihm ncich der Grenze, ließ sich den Kaufpreis zahlen und führte das Auto dem Käufer vor. Dieser sauste mit ihm über die Gre-nze, und der Wagen war verschwunden. Aber auch im Inland« fanden die Banden, die alle drei nach der- selben Methode arbeiteten, Absatz. Sie stahlen die Wagen entweder aus den Schuppen, die sie mit Gewalt erbrachen, oder auch kurzer- Hand von oer Straße weg. Genügend Betriebssloff hielten sie irrmc- in Bcrcitic'ast, um sofort möglichst weit von Berlin ver- schein nden zu können. DaS Treiben wurde immer ärger, obwohl die Diebe keineswegs blind darauf loSstahlen, sondern immer nur, sobald,«in Käufer gefunden war. Die lebte Stadt oder Ortschaft vor der Grenze war in der Regel der Treffpunkt mit dem Käufer. der dort den Wagen zur.Vorführung" übernahm. I« Berlin wur» den im Monat durchschnittlich 13 bis 15 Wagen gestohlen, jeder im Werte von 299 999 bis 499 999 M. Das Sonderdezcrnat, da? zur Bekämpfung dieser Diebstähle bei der Kriminalpolizei be- stebt. begegnet« dem Treiben der Bande mit besonderen Maß- nahmen, die dann auch zur Verhaftung der Täter führten. Kriegerdenkmals-Bettelbriefe einer Stadtverwaltung. Daß sich die Stadtverwaltungen dort, wo sie au» rem bürger- liehen Kreisen zusammengesetzt sind, schon immer den nationalen Parteien. Kriegervevernen usw. zur Verfügung gestellt haben, ist seit langem bekannt. Trotzdem dürfte es nicht alle Tage vor-:! kommen, daß si: in ihrer amtlichen Egenschaft mit Aktennummer für Sammlungen eintreten, die ausgesprochen nationalistischen Zwecken dienen und daß man solche Bettelbriefe sogar an die Adresse der sonst so verpönten freien Gewerkschaften richter.. Das Hai z. B. in unserem Fall der Magistrat von. Märkisch- Frie bland getan, der unter der Aktennummer J.-Nr. 4931 ein Schreiben an den Fcsbrikarbeiterveröanid richtere, in dem zur Errichtung eines sogenannten Kriegerdenkmals(ohne das die Nationalisten bekanntlich iein Andenken ehren können) auf-" gefordert wird. Der Fabrikarbeiterverband soll, so h.'ißt es, sich gefälligst in den Delnst der guten Sache stellen und durch Samm- tvngen, Theatervorstellungen, Konzer!« und sonstige Veranstaltungen im Rahmen des Vereins dem Denckmalsgviiiid stock zu der erforder- lichcn Höhe verhelfen. Wenn di« besitzende Klasse für ihren Patriotismus auch die Kosten aufbringen sollen, dann versuchen sie eS lieber sogar ihr« Gegner anzubetteln, als selber in die Tasche zu greifen und die Kosten für ihre»großzügigen" Kriegerdenkmäler aufzubringen. Wenn auch die Hinterbliebenen'der Krieger vor Hunger umkommen. „Volk und Zeit", imkere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauftage bei Di« Wärmehallen sind in diesem Jahre stärker besuiSt als im Vorjahte. waS der irübzeilig eingetretenen Kalle zu,uscbieibcii ist. Besucher sind meistenteils Leute, die keine Arbeilsloienuiiteriiützung erhalten, oder auf der Straße arbeiten, sich ei wärmen und für ein Billiges kläsiige Nahiung erhalten wollen. Kann der Beiuchcr nicht rablen, so erhält er Suppe. Brot, Kaffee umsonst. Bcrkauit reip. verierlt wurden 28 836 Portionen Suppe, 49 598 Tassen Kaffee. 1ö 699 trockene oder bestrichene Stullen. Die Hoden, stelig steigen- den Kosten sür LebenSmitlel, die hohen Löhne der Ängestellien er- fotdern größere Mittel, um die dos Komitee der Wärmcllcn z. H. de» Bankhauses Mendelsiobn u. Eo., Jäaersiraße, oder der be- kannten Kom'teemitglieder bittet. Auch Kleidungsstücke, beiondets Stiefel sind dringend notwendig und werden abgeholt von den Wärmehallen Ditcksenstratze, Siadtbahnbogen 98/99. Eine Knnltgewerbr-Slusstellnng veranstaltet die»Schule Reimann" im Neuen Schöneberger Ratbaule vom 4. bis IS. Dezember. Sie ist frei. Geöffnet von 11—2 und 3—6, SonntagS von 12—3. Groß-öerliner parteinachrlchten. Morgen, 4. Dezember: S. Abt. S. Wahlkreis sHalleschc« Tor). 7 Uhr: Sitzung der Betriebsräte und Bezirtsführer bei Gtaser, Kotlbuscr User 33/40, in der Kant-ne IZ8. Kreis.(Steglitz, Lichterfelde, Lankwitz.) Arbrilsgemeinsibaft sozialillischer Elternbeirälel 6 Uhr: Wichtige Sitzung des Vor- stände«. Daran anschließend Plenarsitzung iämtlicher sozialistischer Eltern- beiräte um 8 Uhr. Bci'c Sitzungen finden im Gymnasium, Heesesttaße, Klassenzimmer, statt. Erscheinen ist Pflicht. Schmargendorf(73. Bezirk). 7 Uhr im Schlltzenhau», Hmidekehle- ftraße: Zahlabend._ Geschäftliche Mitteilungen. TaS Kaufhaus Wilhelm Joseph empfiehlt seine großen Lager bei gößter Auswahl zu wirtlich billigen Pretseir. Infolge günstiger Abschüsse st die Firma in der Lage, ihre VelkausSYreise bei bester Ouatiiät äußerst niedrig zu stellen. Es bietet sich demnach für jeden Kunden eine äusierit günstige Gelegenheit zum Einkauf seine« Weibnachtsbedarses. Einige Bei- spiel« der PretSwürdigleU ftudeu Sie im heutigen Inj erat. GewerMastsbewegung Schutz den Jugendlichen. Da sich in letzter Zeit die Klagen häufen, daß Lehrling« unzu- lassigerweise zu Ueberstunden und Anfräumungsarbeilen nach der achtstündigen Arbeitszeit herangezogen werden, halten wir e« für notwendig, ein« Meinungsäußerung des Berliner Polizeipräsiden. t«n an«ine Berliner Innung wiederzugeben. Auf Ihre Anfrage erwidere ich ergebenst: Zu 1. Die Aufräumungsarbeiten der Lehrlinge gehören zu den Arbeiten im Sinn« der Anordnung vom 23. November und 27. Dezember 1318, und sind in die ack>tjtündig« tägliche Arbeits- zeit einzurechnen. In diesem Slnne haben sich auch einige Ober-Landesgerichte(Rostock, Schwerin) ausgesprochen. Zu 2. Die auf den Besuch der PflichtforrbildungSschule ver- wendete Zeit gilt nach einem Erlaß des Reichsarbeitsministers ebenfalls al» Arbeitszeit im obigen Sinne. Die Bestrebungen der Jnnungsfcharfmacher, die ArbeitSznt für Lehrling« zu verlängern, sind damit fürs erste erledigt. Auf- gäbe der Arbeiter- und Elternschaft muß es sein, Uebergriffen in dieser Hinsicht zum Schutz der Jugendlichen entgegenzutreten. Wo verlangt wird, daß Lehrlinge Ueberzeitarbeit leisten sollen, ist diese abzulehnen. Auch die teilweise Verlegung der Arbeitszeit in die Abend- und Nachtstunden bedingt nicht ohne weiteres die Aufhebung des gesetzlichen Jugendschutzes. Nach diesem dürfen Jugendliche bis zu 16 Jahren nur in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends beschäftigt werden. Sofern einzeln« Unternehmer gegen die gesetzlichen Anordnungen verstoßen, sind die Betriebsräte oder auch die Jugendlichen verpflichtet, dem zuständigen Gewerbe- aufsichtSamt Anzeige zu erstatten. Sisenbahnerstreik!n Gberfthlefien! Wie ein DmhtHericht aus Beuthcn meldet, zeigt sich in Eisenbahnerkneisen Neigimg zum Streik. In Kattowitz beschloß gestern eine Anzahl Betriebsräte, heute sofort über den Streikbeginn die Arbeiter abstimmen zu lassen. Die Gewerkschaftsleitung mißbilligt dieses Treiben auf das entschieden st e. Tie Beamtenschaft steht den Streik- gelüsten vollkommen fern. Die Eisenbahnverwaltung hat so- fort die nötigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Ver- kehrs goiiroften und hofft eventueller Schwierigkeiten Herr zu werdsn._ Leute von Wort. Der Zentralverband der Fleischer schreibt unZ: Am 22, November ist vor dem' DemobilinachungSkommissar ein Tarifverirag für das Berliner Ladenfleischergewerbe zwischen dem Zweckverband für daS Fleischergewerbc in Groß-Berlin und dem Zentralverband der Fleischer(Lrtsverwaltung Berlin) abgeschlossen worden. Der Gesamworstand des Zwcckverbandes versuch: nunmehr, die Ber- handlungSkommission der Floischermeister, der unter anderem der zweite Vorsitzende deS IweckverbandeS, Herr Obermeister Helwig- Köpenick, angehörte, als zum Abschluß nicht autorisiert, abzu- schütteln. Der zweite Vorsitzende des Zweckvcvbandes(der erste ist kürzlich verstorben) erklärte vor dem Demobilmachungskommissac auf Befragen' durch den Vorsitzenden, daß die anwesenden Fleischer- meister zum Abschluß eines Tarifvertrages mitdem Zentralvcrband der Fleischer beauftragt seien. Dos elende Possenfpiel, daS jetzt der Gesamtvorstand unter Vorsitz diese? selben Herrn Helwig ausführt, kann an dem abgeschlossenen ilarkfderkrag absolut nicht» mdfr ändern.(H kennzeichnet aber die Fleischermeister, die in der Not zwar etwas versprechen, sich aber sofort davon drücken wollen, wenn sie glauben,«inen günstigen Moment entdeckt zu haben. Au die freigewerkschaftlichen Angestellte« Grost-BerlinS. Nach dreiwöchiger Dauer haben die Angestellten de» Berliner TextilgroßhandelS ihren Kampf beendet, der ihnen aufgezwungen worden war durch das provokatorische Verhalten einer Unter- nehmergruppe, die in ihrem Scharfmachertum sich der bekonnten Vorbilder der Industrie würdig erweisen wollte. Dieser Kampf hat für die Angestellten mit Erfolgen geendet; er hat aber auch, wie jeder Kampf, finanzielle Opfer gefordert, die zum Teil ausgeglichen worden find durch die Erfüllung der statutarischen Verpflichtungen der Verbände. Die Unternehmer haben, entgegen den Bestimmungen einer besonderen Vereinbarung, nachträglich auch Maßregelungen vorgenommen, so■daß eine Anzahl von Berufsgenossen noch nicht wieder in den Betrieben tätig ist. Hier kann setzt nur die Solidarität der gesamten frei- gewerkschaftlich organisierten Angestellten» i ch a f t Groß- Berlin? in praktischer Weise Helsen. Die Ange- stelltenschafl muß erkennen, daß dieser Kampf schließlich auch für sie mit auSgestzchten wurde als ein Teil des großen Wirtschaft- lichen Ringens, an dessen Ende die entscheidende Generalabrcch. nung stehen muß und wird. Wir wissen sehr wohl, daß die Kol- leginnen und Kollegen schlecht entlohnt werden. Wir wissen aber auch, daß die Angestellten als Klassenkämpfer sich dessen bewußt sein werden, daß jeder Betrag, den sie jetzt von ihrem kargen Ar. beitSverdienst in selbstloser Weise opfern, zu einer Waffe wird gegen den gemeinsamen Feind. Kolleginnen und Kollegen, heN schnell! Sammelt unter Euren Arbeitsgenossen in den Betrieben, bei Versammlungen und Zusammenkünften. Die eingegangenen Gesamtbeträge wollt Ihr mit einer blauen Postschecküberweisung, die auf jedem Postamt zu baben ist, einzahlen auf das Posrschecklonto:„Berlin 83 737, Erich Flatau, Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände". Auf der Rückseite des Abschnittes muß vermerkt werden:.Textilgroß- Handel". Irgendwie durch diese Sammlungen Euch entstehende Kosten können vom einzuliefernden Gesamtbetrag« gleich gekürzt werden. Ueber die Sammlungen wird in unseren Perbandszei- tungen öffentlich quittiert werden. Afa, Ortskartell Groß-Beriin. der lversammkung al» verstoß gegen dt» guten WS» bezeichnet Das half natürlich alles nichts. Mit erdrückender Majorität stimm- den sämtlich« anwesenden Aktionär«, mit Ausnahme der Antrag- steller, dafür, daß für die neuen Aktien schon für da» verflossen» Geschäftsjahr Dividende gezahlt wird. Bei den geschilderten Einst mmenSvestbältnissen der Aöbeit- nehmer ist eS natürlich kein Wunder, daß die Arbeiter der Woll- Warenfabrik.Merkur" am 27. November di« Arbeit«inge- stellt haben.__ Zum Streik der Darmarbeiter wird u«S geschrieben, daß bisher 11 Firmen die Forderung der Arbeitnehmer anerkannt haben. ' Bon den 7 noch aussiehenden hat die Firma W. Jantzen. Greifs- walder Str. 224, die im ehrlichen Kampf stehenden Arbeiter g e- kündigt. Bedauerlicherweise stellt sich die S i ch e r h e i t s- Polizei der Firmazur, Verfügung und trägt dazu bei. daß den um die Anerkennung ihrer Organisation ringenden Arbeitern der Kampf erschwert wird. Wir bemerken ausdrücklich, daß der Kampf nur um das KoalitionSrecht geführt wird. die Firma die vorgeschlagenen Lohnsätze zahlen, den bestehenden Tarif aber nicht erneuern will. Der Zentralverband der Fleischer hat sich an' daS ReichSarbeitsministerium gewandt. „Gegen die guten Sitten". Ein« außerordentliche Generalversammlung der Wo�l. Warenfabrik..Merkur", Licgnitz, tagte am 27..inber in Berlin. Auf der Tagesordnung stand: Erhöhung ves Grundkapitals der Gesellschaft von 1106 Stammaktien und 200 Vorzugsaktien durch Ausgabe von 8lW auf Inhaber lautende Stammaktien mit Dtvidendenberechtigung ab 1. Dezember 1926 im Nennwerte von je 1000 M. Die übrigen Punkte der Tagesordnung waren sich aus der Annahme dieses Erstantrages ergebende Formalitäten. Der sonderbare Antrag, die erst neu zu schaffenden Aktien schon vom 1. Dezember 1919 an an der zur Ausgabe gelangenden Dividende von 15 Proz. zuzüglich 5 Proz. Bonus teilnehmen zu lassen, wurde von einigen in der Versammlung anwesenden Aktionären bekämpft. Sie konnten sich der Notwendigkeit einer Erhöhung des Aktienkapital? auch nicht verschließen, verlangten aber, daß die für di« neuen Aktien als Dividende vorgesehen« Summe n'cht zur Ausschüttung gelangen, sondern zur Auf- besserung der unzureichenden Einkommen der Angestellten und Arbeiter verwendet werden sollte. Die Antragsteller wiesen an Hand der besiehenden Tarife nach, daß in Licgnitz die Einkommen der Angestellten und Arbeiter u m 26 Proz. und mehr niedriger seien als z. B. in dem viel kleineren S a g a n und anderen Orten. Monatsgehälter von 297 M. für weibliche Angestellte bis 19 Jahre wurden in Zentralverbaud ber Anqcftellte«. Hotel-. Kaffee- und ReffaurationS- angestellte! T ontag abend 7 Uvr. im AUas-Nestaurant, An der Weiden- dammer Brücke: Allgemeine Veiiammtung.— Handclsichnllehrer! Sonn. abend. 6'l, Nhr, in HaoertandS Festfäl«, Neue Friedrichftr. SS- Mitglieder. Versammlung._ Ms aller Welt. Wiederaufnahme des Luftpostdiruste». Di« Deutsche Lust- veederei hat nun endlich die Genehmigung erhalten, ihren Betrieb wiederaufzunehmen. Wie verlautet, will die Deutsche Luftreederei demnächst zwei Linie« für den Luftpost dien st einrichten, und zwar eine zwischen Dresden und Leipzig und di« ander« zwischen Dresden und Berlin. Zugzufammenstotz in Bade«. Am t. Dezember, nachmittags kurz nach 4 Uhr, stieß auf der kurzen, in einem scharfen Bogen liegenden freien Streck« zwischen den beiden Triberger Kehrtunnels der em>aS verspätet von Villingen kommende Personenzug Nr. 1425 auf einige vom Gegenzug Nr. 7766 an gleicher Stelle entgleiste, beide Fahrgieise sperrende Güterwagen auf, wodurch der Packtvagen entgleiste und zwei weitere Wagen leicht beschädigt wurden. Tie Reisenden nahmen keinen Schaden. Der Materialschaden ist unbedeutend. Die Untersuchung ist eingeleitet. Schwerer Raubliberfall. Wie die„Rheinisch-Westfälische Zei- tung" aus W e d d a u meldeh drangen Donnerstag nachmittag vermummte Räuber mit Revolvern in das Stationsgebäude ein und raubten unter Androhung deS ErschießenS di« S l a- tionskaffe. Es fielen ihnen 306 000 M. its die Hände. Bis- her hat man noch keine Spur von den Räubern enideckon können. Kritik verboten! Wir leien irgendwo, daß ein bochgeboreneS Bürgerichaftskollegium durch BeWuß der Presse jede Kiiuk an den Handtungen und Beilblüssen seiner Mitglieder verbietet. Do daS geschah? Nickt etwa in Sowjet, Rußland oder Kabr-Bayern, son» dein in der UniversiiälSstadl Gretfswald im Jahre 1S20. uvei Jahre nach der Revolution. Ein.Sozialdemokrat", der diesem Beschluß zustimmte, hat alle Konsequenzen gezogen und der Partei den Rücken gelehrt. Verannv für den redatt. Teil Dr. Werner Artfer, Charlottenbur»! für»azeia« Td. Glocke. Berlin. B erlag: BorwürlftAeriag s. m. b. H.. öcrlin. Druck würls-Bultidruckerei u. 8er en: ....... � r- Baut Tinaer u. Co.. Berlin. Linden in. Z. 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Beamten gruppen verlangen, da� die Krakirons- Mitglieder fiir eine Höberstn'ung eintreien; datz sie siir die Erböhung der TeuerungSmichläge wirken; dah fie sich einsetzen für dre Er- böbung der Kinder«ischläge und datz sie alle« auibieren. domir die Orte in bessere Klassen kommen. Zahlreich sind auch die Zuschriflen der Ortsvereine der Zivil- und Militärrenten- empfänger und der Rentnerorganisationen und nicht minder zablreich sind die Zuschrinsn. die in Heimstätten-, SiedelungS- und WohnunoSiragen an einen großen Teil der Abgeordneten ge- richtet werden. Schließlich verlangen zahlreiche Veifonen Hilfe bei der Eiledigung von Rentcnangelegenbeiten und wieder andere stellen das Ersuchen, ibne» bei der Beschaffung einer Stellung be- bililich zu sein. Wir sehen uns daher genötigt, an die Organisationen ganz allgeniein da« Ersuchen zu richten: Holter Maß bei den Einsendungen! Die Abgeordneten sind nicht imstande, den Strom von Zu- schr'sleii beaimvorten zu können. Die. Zuschritten der zahlreichen Organisationen in gleichen Angelegenheiten sind ober airch völlig zwecklos, denn die Zentralstellen der Verbände und Vereine unterrichten die Leitung der Fraktion schon ip hinlänglicher Weise. Die Sozialdemokratische Fraktion nimmt zu allen Gesetzes- vorlagen eingehend Stellung und fie hat zur Beratung der Be- amlcu-. Rentner«, Wohnungs- und SiedclungSfragen Spczial- auS'chiisse eingesetzt, in denen Fachleute tätig sind und von denen alle vorgebrachten Wünsche nach Möglrchlett berücksichtigt und vertreten werden. Es ist zwecklos. Geld und Zeit für Telegramme und Briefe in allgemeinen Fragen an einzelne Abgeordnete zu opfern, und es ist sehr zu empfehlen, e« den Hauplorganisationen zu übcrlosie», wichtige Angelegenheiten, gut und kurz begründet, dem Fraktionsvorstand zu unterbreiten. Wenii also in Zukunst die Abgeorduclen unserer Fraktion in allgemeinen Fragen nicht antworten, so liegt das daran, daß sie dazu nicht imstande sind. � Die Fraktion nimmt zu allen wichtigen Fragen Stellung und trifft ihre Emscheidung nach bestem Wissen so, daß der Albeitertlafse und dem Volksganzen damit gedient werde. Um Rachdruck wird gebeten. Die'iizialdenrvkratischen Lehrer des Saargcbiets. Nach einer „Dcna'-Meidllng aus Saarbrücken haben die organisierien sozial- demokrälischen Lehrer des Saargebrets beschlossen, ihre bisherige ÄrbeitSgemeinschast der Partei einzugliedern und eine Lehrergruppe innerhalb der Partei zu bilden. 1SÖV neue Mitglieder wurden in den letzten Wochen durch stille Werbearbeit in Magdeburg gewonnen. Möge dieser neue Beweis für die Werbekraft unserer Partei ein Ansporn auch für untere Berliner Genossen sein, weiter unermüdlich für die Partei und ihre Presse zu arbeilen. 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