Nr. 594 ♦ 37. Jahrgang Kusgade M Nr. ISH BezvflspretL: B?rte!sLürt.30.— Mu.monatl�0.— Mt. �r? ms Äaus. voraus.a!)ldar. PoH- de?uq üZconaUict� 10.— ML. exkl. Zu» itellungsyedü�r. Uuier�reiuband fü: Demichtand und �efterreild 16/ 0 ML. für das udrigr Ausland vei:äalich emmal. �uüeüllni? 21 50'�. üellunqen nehmen an Oesterreichs Ungarn, Tschecho- Slowaie�, Dane- marl.?ollanu. �u�emuurc;. �cbrveden »ind sie Schweis— �inaetraaen m die Tost- einmqS'Pre'sliste. De?-.Porniärts� mi: der Sonmaas- l Lag? �Valk u. Retr er diemt rabchen- lägnch zroemial Sonnrags und Montags»inrnat. orgon-Ansgabe Tel eg ramm-A dreffe- �Sozialvomokra»'Berlin" Berliner BolU�lilntt (3S Pfennig) Anzeigenpreis: Dl? achigeipalleu? NonvareillezeN» WNetZ.— Z>l..Teueri>ng«,UlchU»gS0°/« .fileia» Aazelgo»- oas eN- jeönilö?®on U— M.(julüiTifl zwv ettaeßradt? jüoci?), ,edes weitere Soc; 60 Vlg. Etellengeiuche uni schlafstellenanzeiqeil Dos erste Wort iä Bsg.'»ßes weitere Wort 40 Pfg. Worte übet 15 Buchstaden zähle» für ivei Worte. Teuerunnszuschlaa 50-/. vamilien-An, eigen für Abonnenten Zeile 2s— 9)U volltilche uns ae- aecftdioftUdje Vereins• Anleigeo 3.— 3RL die Zeile ohne Aufschlag. Anzeigen für die nächste Numtuer müssen bis s Ahr nach Uttttags MI öauvtgcschäst. Beriw EW i, Linden» strahe 3, abgegeben werden, cheöffnet oon 9 Ubr irub bis 5 Uhr abend». Zerstralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Neöaktion unö Cxpeöjtion: Elv. v8. LinöenlK. 3. �ernivreetierl Amt Morti-Vla«, Nr. l't 1'JO— 151 U7. Sonnabend, den 4. Dezember 1�0 Vonvärts-Verlag G.m.b. H., EW. SS» Linüeastr. 3. /rcruivrecher: Amt Morihpla«. Nr. 1X7 53—54. Sauarbeiter und Wiederaufbau. Am 1. intb 2. Tszsmber fcmd in Hamburg, am Sitze des Deutschen BauarbeitevvevbandLs. eine Tagung des Gesamtvor- slaitdos der Bauarbciter-Jnternatiouale statt. Ver- treten waren Italien ursd die Schweiz durch Q uag l i a n o Turin), Fvanlre.ch, Belgien und Spanien durch Chauvin (Paris), die Tschechoslowakei, Oesterreich und die Balkanlander durch Tetenka(Prag), Holland und England durch Achter- bergh(Amsterdam) und Deutschland durch den geschäftsführenden Ausschuß der Va-ua rbe iie r- In termriitmetl e P a e p I o w, Vorsitzender, K ä p p l e r, Sekretär und K o b e r, Kassierer. Der Ver- ireter der skandinavischen Länder war an der Teilnahme verhindert. Die Konferenz hatte sich mit einem Aufnahmegesuch dcS Allrussischen Vauarbkitervcrbandes zu befassen, das in dessen Auftrag von Losowfky während semes Aufentl>altes in Deutschland gestellt worden war. Die Konferenz begrüßte diesen allerdings ülbcrraschenden Schritt, beschloß jedoch, dem russischen Verbände mitzuteilen, daß die Verbände, die der Vauavbeiter-Jnternaitionale angeschlossen sind, dem Jnternatio- nalen GewerlschaftLbund in Amsterdam angehören, deren Beschlüsse auch für die Internationale Geltung haben. Sollte trotzdem die russische Organisation ihr Aufnahinegcsuch aufrechterhalten, so würde dem natürlich gern stattgegeben werden. AuS dem Bericht des Sekretärs war ein Aufschwung der internationalen Bewegung zu entnehmen, und zwar nicht nur in der Breite, sondern auch in d-r Tiefe. Die Bewegung zur Verschmelzung der noch bestehenden Bevufssekretariate zu einer einheitlichen Ba-iiarbeiter-Jnternationale macht erfreu- liche Fortschritte, so daß heute bereits der weitaus größte Teil der international verbundenen Bauarbeiter der Bauarbeiter» Internationale angeschlossen ist. Die Konferenz faßte in dieser Frage einen Beschluß, der zweiselloS zur Folge Haiben wird, daß die bisherigen Bedenken der noch bestehenden Berufsverbindungen, sich der Bauarbeiter-JntLrnationale anzuschließen, verschwinden worden. Eine größere Aussprache fand im Anschluß an einen Bericht von Chanvin über die Aufgaben der Bauarbeiter- Internationale tm Rahmen der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung statt, in dessen Mittelpunkt das Problem des Wiederaufbaues von Nordfrankreich stand. Es zeigte sich dabei, daß die deutschen urtd französischen Bauavbeiterverbände eine in allen Punkten überein st im- wende Haltung einnehmen. Man kam überein, daß die beiden Organisationen, unter der Mitwirkung des internationalen Sekre- tärs, eine gemeinsame Aktion unternehmen werden, deren Richtlinien tn einer weiteren Konferenz, die auf neutralem Boden stattfinden wird, genau umschrieben werden sollen. Diese Uebereinstimmung zwischen den Vertretern der Organisationen Deutschlands und Frankreichs war dos hervorstechendste Merkmal der verheißungsvollen Konsevenzen. Gebt zur Grenzspenüel Der Reichspräsident(gez. E b e r t) und der RrichSkanzl«(grz. Fehreudachl erlassen solgeuden Aufruf zur Grenzspendr: Der Tag der Abstimmung über Oberschlesien naht heran. Allen Obrrschlesiern muh die Beteiligung an der Wqhl ermöglicht werden. Große Mittel sind dazu erforderlich. Roch einmal ergeht der Ruf an die freiwillige Licbestätigkcit, damit Deutichlands durch die Hilfe aller dem Deutschen Reiche erhalten bleibt An der Opfer- freudigkeit des deutschen Volkes mögen die Oberschlesier er- kennen, deß das Baterland an ihnen hängt, sie mögen daraus neuen Mu! zu treuem Beharren schöpfen. Um so einmütiger werden sie ihre Stimmen für das Deutsche Reich abgeben, je sichtbarer hinter ihnen der Wille des deutschen Voltes steht. Der Ausdruck des Willens ist die Tat. Zu solcher Tat bietet die Sammlung zur Grenzspendr Gelegenheit. Keiner darf fehlen, w» es gilt, der Hrimat die Treue zu beweisen. *_.% Ein Proieststurm gegen das Köln-Projekt. geht durch die deutsche Presse. Die Verbände heimuttreuer Oberschlesier drahten an den Auswärtigen Ausschuß des. Reichstages, daß sie auf keinen Fell anders und schlechter behandelt sein wollen als die Schles- wiger, Ost- und Westpreußen bei ihren Abstimmungen, für die man in Versailles wörtlich dasselbe diktiert hat wie für Oberschlesien. Lösung oüer Versibleppung! Ein neuer Sozialisierungsvörschlag. Essen, 3. Dezember.(WTB.) Tie 14er Kommission des Reichswirtschaftsrates hat drei Tage in Essen gearbeitet. Im Laufe der Verhandlungen ist ein neuer grundsätzlicher Bor- schlag zur Erörterung gestellt worden, der die Eigentums- Verhältnisse aus eine neue Grundlage stellt. Die Auswirkungen dieses Gedankens, der ans dem Prinzip des Lehens beruht, erschienen so weittragend, daß eine wissen- s.-baftliche und wirtschaftliche Durcharbeitung als unerläßlich angesehen wurde. Die Beratungen wurden demgemäß ausgesetzt und sollen nach Abschluß der Vorarbeiten unverzüglich wieder auf- genommen werden. Was sich hinter dieser einigermaßen rätselhaften Meldung ver- birgt, ist schwer zu sagen, solange die Bierzehnerkommission den genaueren Inhalt des neuen Vorschlages nicht bekanntgibt. Der Meldung, daß es sich Heer um etwas grundsätzlich ganz AeueS handle, stehen wir•'. t sich gegenüber. Der Lehensbegnsf ei>t- stammt dem mittelalterlichen Recht, er teilt den Eigentums- begriff in ein-O b e r e ig e n t u m des Lehnsherrn und ein llntereigentum de? Let.i sbesitzers. Offenbar ist nach dem neuen Borschlag eine Art lehnsherrliches Obereigentum des Staates an dem Bergwerksbesitz vorgesehen. Di« Bedeutung eines Obereigentums hängt wesentlich von seiner Stärke ab. Gerade in der mittelalterlichen Entwicklung hat sich der Begriff de? Obereigentums so verflüchtigt, daß am Ende der Eni- Wicklung die Untereigentümer, die Lchnsbesitzer. als die u n u m- schränkten Alleineigentümer veslanden. Wirtstbastskämpfe üer Eisenbahner. Berichte auS Karlsruhe und Mannheim besagen, daß die dortigen Post- und Eisen bahnbeamlcn in die passive Resistenz eingetreten sind. Die Meldungen schildern die wirtschaftliche Lage der Beamten als verzweifelt. Wie wir weiter hören, wird sich heute, Sonnabend, der Hauptausschuß des Reichslages mit der Regierungsvorlage wegen Erhöhung der Teuerungs- zulagen für die Beamten befassen. Kmöer m Not! AuS Holland wird nnS gemeldet: Bor einer großen Anzahl an- gesehener Holländer hat die Engländerin Mist Evelyn Sharp im Haag einen Bortrag über dir Not der deutschen Kinder gehalten. Ihre rrschütirrnde» Schilderungen von den verheerenden Wirtungen der Hungersnot, besonders des Milchmaugels, habe« in weiten holländischen Kreisen tiefes Mitgefühl erweckt. Es war be- sonders eindrucksvoll, daß hier eine Engländerin für die leidenden hungernden deutschen Kinder um Hilfe hat. tzollanös Gäste. Smsterdrw, 3. Dezember.(WSJF.) In der Zweiten Kam- mer kam es zu einer kurzen Debatte über die Stellung des vor- maligen deutschen Kronprinzen. Der Kommunist van Ra. ven stein erklärte, die Anwesenheit des Kronprinzen, in den Niederlanden würde früher oder später unangenehme Falgen haben. In Deutschland sei eine sehr starke reaktionäre und monarchistische Bewegung, und er sei überzeugt, daß der Kronprinz damit in Ver- bindung stehe. Minister Ruys de Beerenbrouck erklärte, die Regierung hätte viel lieber gesehen, wenn die Hohenzollern nicht nach den Niederlanden gekommen wären. Er sei aber über- zeugt, daß der vormalige Kronprinz mit der ihm verliehenen Gast- freiheit keinen Mißbrauch treiben werde. Die beiden fürstlichen Flüchtlinge hätten bisher eine korrekte Haltung gezeigt. Wenn in dieser Haltung eine Veränderung eintreten sollte, so würde die Regierung wissen, ihre Pflicht zu tun. Er sei überzeugt, daß zwischen dem Kronprinzen und einer bestinimten Partei in Deutsch- land keine Verbindung bestehe. Er sei nicht in der Lage, öffent- lich mitzuteilen, welche Maßnohmen die Regierung mit Bezug auf die Kontrolle des Ex-KaiserS und Ex-Kronprinzen getrosten habe. Mr jede Million eine Milliarde. London, 3. Dezember.(TU.) Aus eine im Unterhause gestellte Anfrage erklärte B o n ar Law, er habe Kenntnis davon erhalten, daß dem Ex-Kaiser seit dem 1- Januar Xlllö Sl> Millionen Mark ausgezahlt worden seien, der größte Teil darum, damit er eine Liegenschaft erwerben könne. Die Wicdergutmachungskommission ist von dieser Tatsache benachrichtigt worden.(Damit sie weiß, wie- viel Geld Deutschland Übrig batl Red.) Die Alliierten wachten peinlichst darüber, daß diese Summe nicht zu Propagandozw ecken rür die Rückkebr der Hohenzollern nach Deutschland verwendet werde. u. S. B. verbieten Einwanüerung. Der Vorsitzende deS EinwonderiingSnusschusseS des n o r d- amerikanischen Repräsentantenhauses legte einen Gesetzentwurf vor, in dem die Einwanderung für die nächste« zwei Jahre verboten wird für alle Einwanderer, die nicht durch Bande des Bluts mit einem Amerikaner oder mit einem Ausländer, der in den Bereinigte» Staaten ansässig ist und die Abficht kund- gegeben hat, sich naturalisieren zu lassen, verknüpft sind. „Daily NemS" zufolge befinden sich unter l» Millionen Europäern, die um Ucberkahrt nach den Bereinigten Staaten nachgesucht haben, 5 Millionen Deutsche. Die türkische Sozialisti'che Partei, die die gewaltsame Unter- drückung., wäorend de« Weltkriegs überdauert und sich jetzt neu konsolidiert hat. ist auf ihren Antrag in die Zweite Internationale aufgenommen worden. Saperisthes—?ll!zubaverisches. Aus München wird uns geichrieben: Die Herren v. Kahr und Eschert ch sind von ihrem Berliner Ausfluge �hr wenig desriedigt zu ihren Penaten zurückgekehrt. Das beweisen auch die krampfhaften Be- mühungen der an die Reaktion verkauften„toten Seelen" der Münchener Presse, einen Erfolg mit den künstlichsten Mitteln konstruieren. Während die immer noch demokratisch frisierten, in Wahrheit an die Deutschnationalen ausgeliefer- ten„Neuesten Nachrichten" sich täglich Meimal Lügen strafen, steht das Stinnesorgan„Münch. Augsb. Abendztg." auf dem sichereren Boden einer Verherrlichung saus pbrase. Die offizielle„Bayer. Volkspartei Korr." aber meint,„aus den sehr wortkarg gehaltenen amtlichen Verlautbarungen über das Ergebnis der Reise des Ministerpräsidenten nach Berlin" könne man die Hoffnung �herleiten,„daß man zu der Reichsregierung das Vertrauen haben darf, daß sie sich zum Anwalt der berechtigten Wünsche machen wird". Also sind die Wünsche der'bayrischen Regierung durch die Reise nach Berlin keineswegs erfüllt. Infolgedessen offenbart die Partei d« Herrn K a h r jetzt eine Bescheidenheit, die man vor der Berliner Reise bei ihr nicht bemerkte. Sie erklärt sich vollauf befriedigt,„wenn Einflüsse dunkelster Herkunft, die in Berlin ihren Sammelpunkt fanden", paralysiert wurden und in Berlin Klarheit über die Verhältnisse in Bayern getroffen wurde. In ähnlichen schweren Molltönen ergehen sich auch die Offiziösen. Ihre dunklen Aussü'hrungeu laufe« darauf hinaus, daß durch die Reifen Kohrs und Esche- r i ch s die Entwaffnung der Einwohnerwehr sedenfalls hrn- ousgeschoben worden sei. Das rsi natürlich nur eiy Wunsch, der weder durch Rollet noch durch den dieser Tage in München weilenden englischen General Malcolm irgendwelchen Anhalt findet. Malcolm hat mit den Führern aller Parteien Rücksprache gehalten und deren Mitteilungen ebenso„zur Kenntnis genommen", wie die des Ministerpräsidenten und des.Höchst- kommandierenden der bayerischen Nationalgnrde, gewannt Einwohnerwehr. Steht es also mit der Enttaasnung der Einwohnerwehr heute noch genau so wie v o r der Wallfahrt nach Preußen und hängt nach wie vor alles von den Entschlüssen der Entente ab, so hat man doch in München Zeit gewonnen. Und das wird hier sckhr hoch bewertet! Was sich„bayerische Politik" nennt, ist nämlich ganz und gar auf den alten, leider immer mehr außer Gebrauch kommenden Berggrnß:„Zeit lassen" eingestellt. Aus diesem Fundamentalprogramm erklärt sich auch das langsame, schleichende aber sichere Tempo in dem in Bayern an der Unterhöhlung der Demokratie und aller Errungenschaften der Atevolution gearbeitet wird. Hat die Regierung in der Entwaffnungsfrage wirklich einen negativen Erfolg des Auffchubes erlangt, so errang sie vermittelst der dem Jnstizminister Dr. Roth, weiland doutschnationaler Protektor bayerischer Malzschieber, unter stehenden Rechtspflege, einen positiven Mißerfolg. Er besteht darin, daß die Staatsanwaltschaft durch Untersuchung von 117 Fällen keinen Anlaß fand zum sttafrcchtlichen Ein- schreiten gegen die K a p p i st e n und M ö h l- P u t s ch l c r. Die von der„Münch. Post" veröffentlichten„Dokumente der Gegenrevolution", authentische von dem Hauptmann Bert- hold und anderen verfaßt? Protokolle, besitzen für die baye- rischestustiz keine BeweiKk' aft. Das möchte noch hingehen, wc n der höchste Justizpfleger— als Bezirksaintmann pfiff er auf die gesetzlichen Bestimmungen über das Schwarz- schlachten— nicht der Welt verkündet hätte, daß„nie- wand in München das Kcrpp-Unternehmen begünstigte" und daß auch, Feine hochverräterischen Vorbe- re itungs Handlungen in der Richtung vorge- nommen wurden, ein dem Kapp-Putsch ähn- liches Unternehmen in München ins Werk zu setze n". Man muß schon ein wenig Atem schöpfen, um das Um- biegen notorischer Tatsachen vermittelst der Rechtspflege in seiner Bedeittung zu würdigen. Noch leben ja die Zeugen der gewalffamen Beseitigung der Regierung Hoffmann am 13./14. März d. I. Bestände in Bayern nicht eine reaktionäre Mehrheit im Landtage, so könnte durch eine parlamentarische Untersuchung festgestellt werden, daß Militär u n d P o l i ze i am 14. März der Regierung er- > klärten, sie könnten sie nicht mehr schützen, obgleich General i M o h l noch amTagevorhersich für die Sicherheit ver- bürgt hatte. Aber auch die Vernehmung der Dr. Heim, E s ch e r i ch und der damaligen Führer der Zeitfreiwilligen, die haupffächlich an der Münchener Ausgäbe des Kapp- Putsches Beteiligten, müßte die eiserne Stirn des Dr. Roth zum Erröten bringen, wenn so etwas möglich wäre. Natürlich bemühten sich die Verschriebenen der verkauf- ten Presse, auch aus dieser Blamage der bayerischen Recht?- pflege Kapital gegen die sozialdemokratischen Mitglieder der Regierung Hoffmann zu schlagen. Sie seien vor einem Leutnant und 10 Mann feige ausgerissen, wagen die ge- ' nnunySlosen Wribeirten bei KaMallSmu?;u WrrcSsn. DaS sind die Soildschreiber der bürgerlichen Parteien, die im KärzDpri! 1919 nicht den Mut besatzen. die Regierung zu übernehmen und deshalb kniefällig die Sozialdemokratie darum baten. Diese Dinge sind notorisch und so allgemein bekannt, daß sie auch durch eifrige Staatsanwälte nicht um- gebogen werden können. Weil dem so ist, darf der Versuch als eine moralische Niederlage der Regierung, als ein Denk- mal der Schande bezeichnet werden, über das die Geschichte urteilen wird, wie über die Praktiken Napoleons HI. und seiner preußisch-deutschen Nachahmer. Einer unserer Genossen, Staatssekretär im Ministerium Hoffmann, Alwin S a e n g c r, und direkt Beteiligter an den Ereignissen des 13./11. März 1920 resümiert sein Urteil über die Geschichtsfälschung der K a h r- R o t h- Regierung dahin: In den stürmischen Epochen der politischen Geschichte hat sich die Reaktion stets durch zwei negatioe Eharaktereigen- schaften ausgezeichnet: F e i g h e i t und U n w a h r h a s t i g- k e i t. Je toller sich diese Grundelemente jeder reaktionären �-taatkunst gebärden, um so schneller ihr Ende. Darum hat die sozialistische Welt Zeit zu warten. Schlimmer als der negative Erfolg der Berliner Reise ist für die Kahr-Regierung der positive Mißerfolg, historische Tatsachen durch Staatsanwälte fälschen zu wollen. Deutschnationale unü Revanchekrieg. Noch vo-r kurzem hat ein deut'chnationaler Redner ton Reichstag auf das hesligste bestritten, daß seine Partei den Revanchekrieg fordere. Wir sind in der Lage, nunmehr den einwandfreien Gegenbeweis zu fuh-ren, und zwar durch die Verhandlungen des Parteitages, den der Landesverband Thüringen der Deutschnationalen Volks Partei am 24. und 25. November im Kaisersaal zu Erfurt abgehalten hat. Wir betonen. Daß es sich um einen offiziellen Parteitag, nicht etwa um eine beliebige Versammlung handelte. Ans dieser Tagimg war es Gehermrat Laverrenz. der in seinem Referat über die politische Lage mit ganz besonderer Breite die Möglichkeiten und die Notwendig- keit des kommenden Revanchekrieges venti- l irrte. Wenn Herr Laverrenz Uir seine Pläne ans Hinschlach- !ung vieler Menschen sich auch noch speziell auf lden lieben Gott berief, so entspricht das nur dem christlichnationolen Blutgötzenhim. wie es früher offiziell in Schule und Kirche gepredigt wurde. Die Rede des Herrn Laverrenz stieß keineswegs- i.f Widerspruch, sondern es erhob sich sofort ein zweiter Redner, Oberstleutnant v. F e l d m a n n, um dem„verehrten Herrn Gebeimrat" nach persönlich dafür zu danken, daß er den Mut gefunden habe, hier von der Möglichkeit eines zukünftigen.ftr.cges zu sprechen. Er wisse, wie schwer das in der heutigen Zeit sei. und daß viele aus„unseren Kreisen" si ch s ch e u e n, vor der Oeffentlichkeit den Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Demgegenüber— und hier reckte sich Herr v. Feldmaim zur vollen Größe des teutonischen Hel- den auf— müsse man erklären, daß man Männer brauche, die den Mut hätten, auch vor der Oeffentlichkeit dem deutschen Volke zu sagen, daß es vielleicht einen anderen Weg � nicht gebe, und daß man den Appell an die Waffen n i ch t s ch e u e n dürfe. Der Bericht verzeichnet nach diesen Wortetr st ü r m i s ch e n Beifall.:■■ Herr v. Feldman n bezichtigt also recht deutlich die deutschnationole Parteileitung, daß diese nur aus Mangel an Mut sich nicht offen zum Gedanken des Renan chekrieaes. bekenne. Als deutschnallionaler Delegierter muß Herr v. Feldmann ferne Pappenheimer ja kennen. Aber nun möge sich einmal die Parteileitung der Deutschnatto- nalen äußern!_ Wilder Eisenbahnerstreik in Oberschlesien. Auf einigen Dienst- kellen de«EisenbahndirelNonlzesirks Kaitow!tz traten die Arbeiter in den Streik.' Der Betrieb wird aufrechterhalten. Die Bezirksbetriebs- rate des Eisenbahndireklirmsbezirks forderten die Arbeiter auf, die Arbeit sofort Wiederaus z�r nehmen. Die Revolution öer Viflensthafi. Unier diesem Titel ist vor kurzem eine kleine Schrift von K c n it K r i e ck erschienen, die verdient, au» dem Meer der zeit« bedingten Brd'chüren- hervorgehoben zu werd'en, schon um de§ Satzes willen, daß Wissenschaft, um ihre volkserziehende Wirkung ausüben zu können, auf eine lebensfördernde Grundidee und da- durch auf letzte billchasre Klarheit und Einfachheit zurückgeführt werden müsse. Das Chaos des Wissens, wie es jetzt verwirrend alle Kultur belastet, ist umzubilden in einen geistigen Kosinos, sineu Organismus, der erfüllt und eiZeugt ist vrn dem Leben der Gemeinschaft und der darum ans den Willen der Gemeinschaft formend zurückwirkt. Mit diesen Gedanken bekenne sich der Bersasser als Anhänger jener neuen, sichtlich an Boden gewinnenden Gerstesrichtung deS objektiven Denkens, das es versucht, die wenigen noch selbständig denkenden Köpfe zu sammeln zu neuem und organisatorischem Menschentum. Jeder von uns, der Mann der Handarbeit so gut wie die an die Kinderstube gefesselte Frau, die von Ihrem Kovte leben wie die. denen ererbtes Gut ein Richrsöun gestattet, alle leiden darunter, daß das Leben heute keinen Zweck hat. Diejenigen, die den ganzen Tag wie ein wildes Tier den notwendigen Lebens- öedürsnissen nachlaufen müssen, sich dewken: brauchte ich nur einen Teil meiner täglichen Kraft, um mem Leben fristen zu können, wie wollt ich da rasch meinem Leben einen Sinn geben! Aber die sogenannten Glücklichen, die gemigerfd Zeit für ihr„Menschen- tum" haben, entdecken mit Schrecken, daß alles, was sie tun können, unbefriedigend und sinnlos ist. Was kann man denn überhauvt tun? Entweder Geld»er- dienen. Das hat so lange Sinn, so lange man hungrig ist und un- versorgtem Alter entgegensieht oder seine Familie noch nicht ge- sichert hat. Die meisten Menschen bringen es überhaupt nicht zu solchen Sicherungen, und darum geraten sie gar nicht auf solche Gedanken, was es darüber hinaus noch für einen Lebenssinn geben könne. Aber einmal wird jeder fragen: Was war denn der Sinn meines Daseins? Dasein, um da sein zu känrten? Ist da? nicht sinnlos? Wenn man genügend Geld hat oder so anspruchslos ist, daß � man wenig braucht und daher für sein Menschentum Zeit übrig behält, was kann man dann run? Dann kann nlan mehr essen. trinken, lieben als man braucht; man kann saulenzen, die Welt ansehen, Liebhabereien nachgehen, man kann so viel lernen, als der Kaps vertrögt oder Künste üben, oder man kann seinen Mit- menschen materiell und geistig helfen. Mehr kann man nicht tun. Und nun denke mau das alles einmal durch, wohin es führt. Dies leiblich« Uebermaß und das Faulenzen mackn bald krank ■2Tti verdrießlich. Hinter den Liebhabereien, den Reifen und Künsten steckt allzubald das quälende Gefühl der Sinnlosigkeit. Bleibt das Stubium, der Ehrgeiz und da« Wohlrun. Man bedenke zuerst die letzte«« An ei. Gawiß, sie bergen Glücksrausch und tiefe Relchswirtsthastsrat unö Wirtschaftsleben. In seine? Fveilagsitzung besaßre sich, wie den P. P. R. mitge- i«It wird, der gemeinsame WirtschastS- und sozialpolitische Unter- ausschuß des R e i ch s w i r t s ch a f t s r a t S zunächst mit der Frage der Stockungen in der K<: M i n irnsi r i e. Acht vorliegende Eingaben beschäftigten sich mit dem Wehn- und Sirdlungswesen. Von Hausbesitzerseite wurden starke Einwürfe gegen das Reichsmiet- gesetz und die kommende Erbebung eines Zuschusses zu den Neu- Baukosten gemacht; von feiten des Baugewerbes aber auf die unbe- dingte Notwendigkeit einer Reichshill fe in irgendeiner Form für die dringlichen JnstandsetzungKarbciten und Neubauten hingewiesen. Zu dieser Frage wurde folgender Beschluß gefaßt: „Der Unterausschuß Hai! die Bildung eines Ausschusses für die Behandlung der Fragen des Wohn-, Bau- und Siedlungswesens einschließlich der Baustosswirtschaft und der Ausbringung der Mit- te! für dringend geboten. In der Erwartung, daß dieser Ausschuß gebildet wird, werden ihm die Betlandlung der bisher vom Unter- ausschuß bearbeiteten Fragen iMietsreuergesetz, Baustoffwirtschast) überwiesen. Es erscheint zweckmäßig, in den neuzubildenden Aus- schuß auch die Herren des Unterausschusses zu berufen, die an der Beratung dieser Fragen im Unterausschuß besonders beteiligt waren." Eine Eingabe aus Nürnberg über die schlechte Beschasfenhert der Landstraßen verursachte eine grundsätzliche Erörterung, ob der Neick>Swirtschaftsrat zuständig ist. Dos wurde bejaht, da der Straßenbau zu den N o t st a n d sa r b e i t en rechnet, für die vom Reich Mittel der produktiben Erwerbslosenfürsorge gewährt werden. Beunruhigung durch die Entschließung des Reichswirtschafs- rats, daß die Produktion volkswirtschaftlich minder- wichtiger Waren nicht zu fördern sei, hatte die südwestdeutsche Handelskammer in Mannheim und die S'utt.zarter Juwelier-, Gold- und Silberwarenmess- Eingaben der E d e l m e t a ll i n d u- st r i e eingereicht, in der darauf hingewiesen wurde, daß die von diesen Industrien benötigte Kohlenmenge nichr besonders hoch ist, daß ab« 62 000 Arbeiter durch sie be'chäf.llg: werden und durch Auslandsverkänfe Devisen trs Laad kommen. Die Industrie selbst gibt 100 Millionen monatlich an. Dazb wurde foigende Ent- schließung gesaßt:„Der Unterausschuß ist der Meinung, daß Wirt- schastszweige, die b-im Beroranch relativ geringer Kohlenmengen eine größere Anzahl hochqualifizierter.Arbeiter beschäftigen und größere Werte an Devisen ms Land bringen, unter dem Gesichts- Punkt der Kohlenverteilung nicht zu den minderwertigen Wirt- schaftsztveigen zu rechnen sind." Damit vertagte sich der Ausschuß. Der Narinehaushalt. Im HrupcniS schuß des Reichstage? vom Freitag wird vor Ein- tritt in die sachlichen Verhandlungen aus Anregung der Abg>g Frau Zieh(11. Soz.), B u r I a g e lZ.), Dr. Pachnicke(Dem.), Mumm sDnat.). Hoch(Sog.) beschlossen, bereits am morgigen Sonnabend die Vorlage betreffend Teuerungszuschläge für Beamte in Beratung zu nehmen. Bei der Beratung des Marinehaushaltes bewilligt der Haupt- ausschuß die Kosten für Jndienstbaltung und Naturalverpslegung der Marine für Bekleidung Garnisonverwalwng usw. Beim Ka- pitel Sanitätswesen wird mit Unterstützung des Zentrums ein An- trag der Mehrheitssozialdemokraten auf Streichung eini- ger Stelle.n angenommen. Darauf werden die Etotskapitel über SanitätS- und Bildungswesen genehmigt. Bei der Position über die Werft Wilhelmshaven und das Arsenal Kiel beantragt Abg. S ch ö p s l i n(Soz.), daß der Marinewerft Wilhelms- Häven genügend andere Arbeiten verschafft werden müßten, doch anderen Stellen keine Konkurrenz gemacht werden dürfe. Der dem entgegenstehende Beschluß der Nationalversamm- ' lur.g müsse aufgehoben werden. �' Äonreradmiral Löh lein führt aus, daß diesem Antrag von feiten der Regierung voll zugestimmt werden könne. > Der Ausschutz stimm: dem sozialdemokratischen Antrage zu, da st entgegen dem seinerzeitigen Beschluß der Nationalversamm- lunz die Marinewerft auch mit anderen als mit Marinearbeiten beschäftigt werden kann. Bei der Frage des Baues eines kleinen Kreuzers kommt es zu lebhafter Aussprache, in der die sozialistischen Par- teien, die Notwendigkeit neuer Kriegsschitsbauten bestreiten. Reichswehrminister und bürgerliche Parteien weisen darauf hin, daß zur Erhaltung der Marine zumindest der Rahmen notwendig sei.— Der Hauptaussckuß bewilligie 25 Millionen Mark als Befrickdigung. aber nur dann, wenn die anderen nicht so sind. Hundert bauen für den Ehrgeizigen wohl die Leiter, um zu klettern und unter zehn Armen und Unglücklichen hat ein Mitleidiger genug zu:un. Zlber es ist doch kein Volk von Ehrgeizigen denkbar, und WohUun kann doch nicht der Zweck des Menschenlebens sein! Es bleibt jetzt noch der letzte Fall: alles wissen zu wollen. Und was weiß man dann? Daß das bloße Wissen leer ist und nicht glücklich macht. Das Lebew, wie es heute ist, dreht sich im Kreise. Und darum nehmen seine Verächter, die Verzweifelten, die Ermüdeten, so sehr an Zahl zu. Und so entstand der Pessimismus, die Gift- lehre: es müsse so sein. Aduß das alles so sein? Wer die Gesetze der Welt wirklich kennt; nnfb die Anhänger des objekiiven Denkens suchen das zu erlangen, der ist ganz and«- rer Uederzengung Es kommt dieser DenkungSart daraus an, dem Dasein seinen wahren Sinn abzulauschen. Und es war vielleicht ihre größte Entdeckung, daß si« gar keine Spitzfindigkeiten hinter der Well, gar keine übernatürlichen Zwecke und mystischen Bedeutungen suchte, sondern sich ganz schlicht und einfach an das Nächstliegende hielt. Sie sagte einfach. Dasein besteht in„da fei n". Und wenn es einmal gut und vollkommen ist, so möchten wir eS immer so haben. Dieses Streben nach Tauer ist der ganze Ausgangs- Punkt., Von da ou? läßt sich schon e:ne ganz große Forderung er- heben. Wie kann man dauerndes Wirken erlangen? Das zu lösen, soll Autgabe der menschlichen Wissenschast sein. Und damit ist ollem menschlichen Sireben ein neues Ziel gesetzt. Denn man versuche doch nur von diesem Punkte an selb- ständig weiterzudenken. Zur Dauer gehört als erstes da« Leben können. Es wird somit das Recht auf Nahrung, Obdach, Siehe- rung zur Selbslverstöndlichkeit. Das ist das Wichtigste. Bis das erreicht ist, muß alles andere schweigen. Aber hat man einmal das Lebensnotwendige, dann erstohen sofort neue Aufgaben. Man will dann sein Leben ausbreiten und es zur Vollendung bringen. Wie geht das? Es geht nur durch Wirken. Jeder mutz aus seine Weise schassen, er muß das, was er ab- stammungs- und erziehungsmq�jg ist, auswirken. Der eine durch Organisation und soziale Arbeit, der andere durch Linderung>der! unvermeidlichen Leiden anderer, der dritte durch Künste, der vierte! durch Denken und Forschen. In jedem Menschen steckt eine Mag-; lichkeit, außer seinem Erwerb sein spezielles Menschentum ganz zu entfalten. Mit dem Ehrgeiz und dem lockenden Ziel: dadurcy in Einklang mit der Wellgesetzlichkeit und durch sie zur dauern- den Wirkung zu kommen. Aus einmal hat dann das Leben Sinn und Rückgrat und ist eine unerschöpfliche Ouelle von Freuden. Für Jeden nach seiner Art. Und wenn es ihm gelängt, sein Ziel zu er« reicken und da es ja seine Art ist, kann es auch jeder bei'utem Willen erreichen— dann war sein Leben nicht sinnlos, mag�es noch w einfach und bescheiden gewesen sein. Jeden tröstet und erhebt dann der Gedanke: wenn auch mein Leben vergangen ist, mein Weich die Organisation, die ich geschaffen habe, die Erfindung, das erste Mate ptm Ba« ekneS kleinen Kreuzers.— Der Marino- Haushalt ist erledigt.— Die Entschließung Stücklen(Sog.) auf Bereinfechnng der Organisationen des Reichswclirmintstcriinns wird angenommen und damit die 1. Lesung des Reichswehretats verab'chiedei.— Weitcrberatung Sonnabend. Hinausgeschobenes Reichswehrgesetz. Ueber den Stand der ReichSwehrvorlage erfährt Tll. von zw- ständiger Seite: „Der letzte Eptzrurf des Wehrgesetzes liegt, nachdem die Reichsregierung ihre Zustimmung gegeben hat, nunmehr dem Reichsrate vor. Der Reichsrat wird am 4. Dezember in die Be- ratung eintreten. Danach geht der Entwurf dem Plenum des Reichstages zur Beschlußfassung zu. Die Geschäsrslage der gektz- gebenden Körperschaften läßt es voraussichtlich jedock nicht zu, daß das Gesetz in diesem Jähre noch verabschiedet wird." Die.zuständige Seite" der TU. findet diese Verzögerung sehr bedauerlich. Aber der Entwurf ist derart, daß er gar nicht sorg- fältig genug berat«! werden kann. Keine ßemöftbaft gepen Griechenlanö! L o n d o n, 3. Dezember. sWTB.) Im NntcrlmnS los Senat Law unter lautem Beifall die nach Athen gerichtete Note vor. Er fügte hinzu, diese Erklärung besage deutlich, das?, wenn daS griechische Volk sich für einen Schritt entscheide, den England l»e- klagen würde, Grohbritannien»nd die Alliierten nicht die ge» r i n g st e Absicht hätten, eine feindliche Aktion im Sinne einer gewaltsamen Verhinderung des griechischen Belkes, diesen Schritt, auszuführen, in die Wege zu leiten. Das klingt ja anders, als die Entsendung der frangösischen Kriegsschiffe, zieht aber die Drohung der Note für eine konstanii- nische Zukunft nicht zurück. Verhandsnnssen mit Zkemal Konstantinepcl, 3. Dezember. sHollandsch Nieuwsbnrean.) Eine Kommission ist bceufttret worden, mit Kcmal Pascha zu unter- handeln. Sie ist bereits nach Angora abgereist. » Den Italienern ftsi es allenthalben zuerst ausgegangen, was sie in Versailles usw. leider mitgemacht haben. Einem„Daily- Telegraph"-Mann sagte Außenminister Graf Sforza u. a.: Wir sind bestrebt, die al-l gemeine Befriedigung des Orients durchzuführen, die bie unumgängliche Ergänzung zu der zum großen Zeile im Westen, im Zentrum und im Süden Europas schon verwirklichten Pazifizierung(!) bildet. Wir arbeiten alle daran zu verhindern, daß der Islam vom B o! s ch e- w i s m u s angesteckt oder gar überflutet werde.-Die Türken sind trotz alledem üets eine männliche Kraft im Orient gewesen, und wenn' diese Kraft durch den Krieg gewaltsam erschüttert worden ist, so ist das ein Grund mehr dafür, daß wir sie vor der zersetzen- den Aktion des Bolschewismus zu bewahren suchen. Dahin können wir aber nur gelangen durch eine freundschaftliche Haltung. Außerdem wollen alle Alliierten Geschäfte mit den Türken machen. Nun kann man entweder nur niit den Türken Frieden schließen oder weiter damit fortfahren, sie in ihren anatolischen F- st u n g e n zu b e i ä m p s e n. W e�r aber soll sich dieser letzteren Aufgabe unterziehen? Ebensctzzat könnte man n-'t Hibfe eine? Flugzeugs Krieg gegen den Mond führen. Die Griechen hatten mächtige moralische und materielle Antriebe, diesen Krieg fortzusetzen. Aber sie sind dessen heule selber müde und verlangen ihre Demobilisierung. Glauben Sie, daß ein konstant in lschcs Glrcchenland tun könnte, was ein ve n ize- listisch es Griechenland nickst, hat vollenden können?" Graf Sforza erinnerte sodann an die Warnungen, die er in Spa freundschaftlich an Venize-los gerichtet hatte und fuhr fort: „Ich mhchre meine Ansicht von den Gefahren einer über--' mäßigen hellenischen Expansion noch unterstreichen, denn ein konstantinisches Griechenland könnte nicht nur mit der Feindselig» keu der TürkeckAondern auch mitjwm Mißtrauen der Serben zu rechnen haben, vielleicht sogar mit einem Wunsch Bul- gariens, sich einen breiteren Korridor nach dem Zlegäischen Meere rui verschaffen. Alle diese Faktoren müssen dem Geiste der europäi.m Staatsmänner stets gegenwärtig bleiben." L.. S e v r e s wird es bald soweit sein. Aber dürfen wir wünschen, auch soviel freundliches Verständnis zu finden wie bie Türken? neue Gesetz, das Merks das ich schrieb, das wird weiterleben urst» ich werde darin weiterleben. Und kein solcher lebt und stirbt ohne Größe, Ruhe und�Troit. Nun ist aber die Welt so beschaffen, daß nicht das, was irgend- ein Mensch ersinnt. Dauer hat» sondern nur das, was ihren Ge- setzen entspricht. Nichtig ist nur das, was in Harmonie mit den Weltgesetzen, das heißt, mit dem ewig Bestehenden ist. Und jetzt kann ich zu dem zurückkehren, wovon wir ausgingen, zu der Idee einer iebenssordernden Wissenschaft. Ich hosse, daß e? jetzt alle verstehen, was dieser geistige Organismus bei Wissenschaft sein soll, den man nur durch eine Umgestaltung, eine Revolution des Wissens wieder schaffen kann. Das hat mehr oder minder klar auch der Verfasser der Schrift erfaßt, von dessen Beurteilung wir ausgingen. Der Zweck der Wissensckast wird dann lebenssörbernd und wieder organisch und kulturbildend sein, wenn sie ihre Aufgabe darin sieht, die wirklichen Gesehe der Welt sestzirstellen. Denn sie bietet dadurch jenes Regulatw, nach dem jeder Einzelne von uns dann feststellen kann, ob sein Streben und Wirken zu jener Harmonie führen kann, von der allein Wirkung und Dauer abhängt. Nicht alles Wissen ist notwendig. Aber die Gesetze de? Welten- seins(denn Gesetz fit das stets Wiederkehrende, also das Dauernde) muß jeder kennen, der einfachste wie der komplizierteste Mensch. In der Schaffung bicseö Gesetzbuches hat die neue Wissen- ischoft ihre erhabene Aufgabe und einen eindeutigen Sinn. Indem ich seit vielen Jahren an der Schaffung eines solchen Versuches*) arbeite, die Gesetze der Welt festzustellen als Grundlage einer Lebenslehre, habe ich für mein Menschentum den beglückenden, an- eifernden und mir festen Halt gebenden Sinn des LcbenS ge- sunden. Jeder, der den gleichen Weg betritt und nach den Gesetzen feiner eigenen Seele versucht, sich in Einklang zu setzen mit dem was dauernd ist. in der Welt, wird dann ganz von selbst auf einen Weg geraten, der ihn zur Vollentfaliung und Fruchtbarmachung seiner Persönlichkeit führt und aus einmal wird die innere Um- wälzung der Menschen sich fruchtbar erweisen in dem Wichtigen: der Neubildung von schöpferischen Köpfen. R. Franc«. Ein Drama Tazores in Trutsch'and. Das lange von der Welt abgesperrte und immer noch von Ententestaaten mit dem Bann belegte Deutschland beginnt bereits wieder Ohr und Herz der Welt- literatur zu öffnen und eine Pslegestätle für sie zu werden. Im Frankfurter Schauspielhause wu-de Rabmdranatb TagoreS Bühncnspiel„D e r König de. dunklen Kammer" mit ftar, kem� künstlerischen Gelingen aufgeführt. Es ist eine tieftinnige Mhsteriendichtung in lg Bildern voll echten symbolischen GehaltS, die in klingender Sprache große Gedanken ausschöpft. •). Dieser Versuch, erscheint vom November 1320 an unter dem Titel:»Die Gesetze des Lebens" im Levlag Hanfstälial in München. Macht ein Enöe! Amsterdam, 3. Dezember.uchimg des Lagerhauses in Zentral-London führte zur Entdeckung eines wahren Arsenals von Revolvern und anderen Waffen. Irgendein Minister sollte entführt wenden, das Lager- hauS in Zentral-London ergab köstliche Funde— und alles hat der Geheimdienst gemacht, der den Riesenaufstand in Irland der- schlaf rai hat! Ter szeind wird verhaftet. Im Unterhaus erklärte Staatssekretär Greenwood» daß die Regierung entschlossen fei, sämtliche Mitglieder der Sinnfeiner-Armee verhasten und internieren zu lassen. Die Ge- iangenen sollen wie Kriegsgefangene behandelt werden. Zukünftig würden alle Patrouillenautos mit Maschinengewehren ausgerüstet werden. Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn zuvor. Estnische Wahlen. Ncval, 3. Dezember.«ruer kapitalntisch-technischen Utopie. an. Vielleicht dürfen wir unsere Kollegin bei der Gelegenheit daraus auf. meilsam machen, daß Kellermanns Borname mit B(irnbard) und nicht mit H anfängt. Ein deutscher Stendhal. Eine große Stendhalausgabt beginnt soebtn im Verlag»eorg Müller, München, zu erscheine» Herausgeber jiad Wilhelm Weigand und Franz Blee. Parteitag der Dezi Das wahre Gestcht üer Strefemänner. In Nürnberg hat am Freitag der Parteitag der Strefemänner begonnen. Nach einem Bericht des»Deutschen Pressedienstes", der der Deutschen Volkspartei nahesteht, waren rund 1000(!) Delegierte anwesend. Es wehten von den Tribünen ab- wechselnd blau-weiße und schwarz-weist-rote Fahnen herab. Damit wurde deutlich gezeigt, unter welchem Zeichen die Tagung jener Partei steht, die an der Regierung der deutschen Re- publik, ieilnimmt. Der Reichs in inister Dr. Scholz war am Vorstandslisch dieser schwarz-weiß- roten Versammlung anwesend, um den wahren Charakter der.gegenwärtigen Regierungskonstella- tton, die wir der glorreichen unabhängigen Slbstinenzpolhik verdanken, zu veranschaulichen. Zum Vorsitzenben wurde der Be- schütze: der Hohenzollernsch:-ber, Professor Kahl gewählt. Ein Nationalrat.Stasfner- Innsbruck begrüßte die Versammlung. worauf man, wohl um den Anschlußgedanken zu kompromittieren, das„Deutschland, Deutschland über alles" sang. Darfn trat irgendein. deutschböhmischer Hetzer auf, der nach dem Bericht des„DeU-t- scheu Pressedienstes" erklärte, es habe „größte Empörung in allen deutscken Kneifen Böhmens ausgelöst, daß der sozialdenwkrwische Abg. Hermann Müller, der als Reichskanzler die böchste Würde in Deutschland bekleidet habe, den tschechischen Minister Tusar mit„lieber Freund" begrüßt habe; denn Tusar sei gerade einer derjenigen, die am schlimmsten gegen die Deutschen vorgehen. Die Hofsnungen der Deutschen in Böhmen richten sich auf die Deutsche Volkspariei, auf die Hüterin der nationalen Flamme."(Stürmischer Beifall, Bravo- und Hochrufe.) Die weitaus stärkste Partei in den deutschen Sudetenländern ist die Sozialdemokratie. Die Arbeiter drüben wissen sehr gut, daß der tschech sche Fanatismus nur die Folge der Untaten ist, die die österreichischen Siresen.änner an Pen Tschechen verüb! haben, solange sie konnten. Hoffnungen setzt das arbeitende Volk in Deutsch- böhmen nur auf die Zusammenarbeit mit dem tschechischen sozia- lifti scheu Proletariat, dessen Vertrauensmänner, auch wenn sie leider Minister sein mußten, unsere Freunde sind; sie sind den Exzessen nach Kräften entgegengetreten. Den Tag, wo die Strefemänner uns ihre Freunde nennen könnten, werden sie und wir nicht erleben. Das Referat über die politische Lage hielt Dr. Strese- mann, der den Eintritt in die bürgerliche Regrcrungskoalition nach den Juni-Wahlen verteidigte. Redner hebt die SeWstlosigkeit dreses Entschlusses hervor, die im Gegensatz zum parteipolitischen Sgois- rmls der Sozialdemokratie gestanden habe.(Als ob ein Zusammengehen unserer Partei mit diesen schwarz-weiß-roten Nationalisten und Halbmonarchisten überhaupt in Betracht käme!) Es ist unwahr, daß eine Regierungsbildung mit Einschluß der Deutscknationalen möglich gewesen sei. Es war damals, wie auch Graf Westarp anerkannt hat, die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Volkspartei, die Verant- worhxng für die Regierung auf sich zu nehmen, wie es anderer- seits die Aufgabe der Deutsch nationalen war, in der Opvofltion dafür zu sorgen, das? die Regierung nicht nach links abgedrängt wurde.(Aha! Die Red.) Heber die Stellung der Sozi a ldemokr ai:« zur Regie- rungsbildung führte Redner aus: „Uns trennt von der Sozialdemokratie eine ganze Welt- anschauung, und dieser Kampf muß ausgefochten wer» den. Wir treten, ein für einen nationalen, f r e t h e it- lichen, christlichen und sozialen Staat, und auf feiten der bürgerfichen Kreise bildet sich auf dieser Grundlage eine ge- wisse � einheitliche Linie aus. Demgegenüber steht die Zer- s p l i t te r u n g der Sozialdemokratie: Wir baben 4 bis ö sozial- demokratische Parieren und Gruvpen. Es ist unbestreitbar, daß die sozialistischen Führer ihren Ideen keine Wirklichkeit zu ver- leihen vermögen. Wenn wir aber die Idee des Bürgerblocks mit der Tendenz der Ausschließung der Sozial demo- kraiie in die Debatte werfen, dann wird eine solche Politik da« beste Mittel sein, um die Einigung d«S Sozialismus wieder heobeizuführen Ich unterscheide dabei zwischen den sozialistischen Führern ■irnd den Massen. Di« Rdassen sind in der Urüefe ihres Wesens national. Davon verschieden sind die Führer. Das land- fremde Gesindel und die Kafferhausliteraten, die die bolsche- wistischen Führer spielen, gehören hinter Schloß und Rieggl oder müssen über die Grenze gebracht werden. Aber auch die Der Amtsschimmel. Uns wird geschrieben: „Zu der in Nr. 076(vom 24. Nov.) oebrachien Einsendung„Der Amtsschimmel" möchte ich noch folgende interessante Illustration stiften: Ich habe noch immer nicht meine 60 Mark(!) Entlassungs- gcls. vom letzten Kriege, weil ich den behördlichen Apparat scheinbar dadurch durcheinander gebracht habe, daß ich im Dezember 18 in den Sagen des Zusammenbruchs als Pressedezernent des S.-Rates Riga ! eeiwillig nach dem Abrücken meines Truppenteiles, bis zum letzten �age(3. 1. 19) in Riga verblieb(nachdem, nebenbei gesagt, auch das AOK. VIII auf Lastautos längst verschwunden war). Hier mein« Gesuche: Im Februar perföfllick im Bezirkskommanvo Bl.-Schöneberg: Bescheid..Abwarten!" 30. b. 19 Gesuch mit völliger Klarstellung der Verhältnisse an das Bezirkskommando. Antwort am 1l. 6. 19. Tgb. Nr. 5312. Es folgen mein-e Schreiben vom 18. 1. 20, 22. 2. 20, 26. 2. 20, 10. 5. 20 an die Bersorgungsstelle Vi Bl.-Schöneberg, mit den„Antworten" Tgb. Nr l» lll 612 zB 9600, 4436/11, L III 5312 verb. m. 612/20 zL 9600. Darauf am 22. 6. 20 an die Entlassungssielle Schöncberg(ohne Antwort). Am 3. 8. 20 an das Versorgung samt Schöneberg Autwort 7. F. 20, daß mein Schreiben der Entlassungsstelle zur weiteren Veranlassung' übergeben sei. Am 18. 8. 20 Antwort der Versorgungsstellc unter Tgb. Nr. 4136/11. Am 2. 9. 20 wieder an dieselbe. Resultat: kein« Antwort! Am 26 10. 20 an vie selbe, daß ich die Angelegenheit keinesfalls bis zur (laut Pressenachrichten im Dezember erfolgenden) Verlöschung der rechtzeitig gestellten Ansprüche binschleppen möchte. Am 11. 11. 20 Antwort der ausgelösten, alio nicht mehr existierenden Entlassungs- stelle, daß— sie aufgelöst sei und Angabe einer Bekleidungsstell« in Berlin, bei der ick' aber ohne den seinerzeit eingesandten Paß nichts bekommen kann. Am 20. 11. 20 Karte ohne Unter- schrift, mein Antrag(!) sei an das Abwickelungsarrn des T. A.-K. Königsberg weitergeloiiet. Wielange die noch arn� Kriege abwickeln wird, weiß ich nicht, jedenfalls habe ich jetzt zwei Stellen, mit denen ich freundlichst korresvondieren darf. Für mich ergeben sich nun die ..scherzigen" Fragen- Abgesehen von den Portokosten die mir natür- lich niemand ersetzen wird, und obwohl mir ja ter Trost bleibt, daß mir der Dank des Baterlanves gewiß ist— glaubt man an den ganzen 60 Mark, die ja heute kaum noch etwas wert sind. Baiuta- gewinne zu erzielen, oder will man die Angelegenheit verjähren oder sich totlaufen lassen., was ich doch beides nicht glauben kann, oder aber— reitet hier nur ein lustiges Fähnlein hurtiger Schrciberlein den altbewährten Bureau- und Schreibstuben-Amts- schimmel? Oder noch eins— hätte ich vielleicht häufiger schreiben sollen? Hoffnungslos weicht ver Mensch. Hiex ist Größe! Das ist feez Kampf mit dem„Großen Unbekannten� tsihen Volkspartei» sozialdemokratischen Führer sollten allmählich erkennen, daß sie das reaktionärste Element in dem heutigen �Deutschland find fl), da sie von ihren überlebten Dogmen nicht loskommen. Aber niemand kann verkennen, daß das deutsche Volk und daß auch die sozialdemokratischen Massen nach fachlicher Arbeit dürsten und die Agitationsphrasön satt haben. Diesen Massen die Hand zu bieten zur Zu- faMMe:-arbeit müssen wir jederzeit bereit sein. Aber jeden Anspruch ans Vorherrschaft und Führung seitens der Sozial- demokratie lehnen wir ab. Das deutsche Bürgertum ist führend in Deutschland. Nicht Schcidemann bestimmt, sondern wir be- stimmen, ob und unter welchen Bedingungen es m ö gl i ch ist, die Sozialdemokratie, falls sie eintreten will, in die Regierung aufzunehmen. Aber sie denktgar nicht daran, und deshalb klingt das gebteterische„Wir bestimmen!" Stresemanns geradezu grotesk. Uebrigens ist die Art. wie Herr Strcsemann, ganz nach der Methode der„Deutschen Zeitung" und des„Reichsboten", die„Massen" gegen die„Führer" aufzupeitschen sucht und die Begriffe„Sozialdemo- kratie" und„Bolschewismus" absichtlich vermischt, und sich nebenbei in zweideutigen antisemitischen Redens- arten gefällt, charakteristisch für die ganze Orientierung der Deutsche» Volksparrei und für ihre Angst vor der rechtsradikalen Konkurrenz. Stresemann erklär: sodann, daß die Bedeutung.der gegen- wältigen Regierung vielleicht noch nicht genügend gewürdigt wird. Daß eine derartige Regierung zwei Jahre nach der Revolution möglich sei, würde man im November 1918 nicht für möglich ge- halten haben. Die Männer des 9. November haben es nicht ver- standen, den letzten Mann gegen die Vergewaltigung durch die Enteute herauszustellen. Statt dessen haben sie sich führen lassen von international.«« Phrasen und haben unsere Würde mit Füßen getreten. Der Weg hätte ein anderer als die Revolution sein können, wenn der Liberalismus seine Aufgabe richtig erfüllt hätte; dann wären wir auch nicht mit dem Drer- k Ia ss« n w a hl r ech t in den Krieg gezogen, dann hätten wir uns«in V o l k s Ia i se r t u m geschaffen, ehe es um Reich und Kronen ging. Eine Aenderung der Verfassung münde. heute ohne Bürgerkrieg unmöglich sein, und höher als unsere Liebe am Gedanken des �deutschen Kaisertums trieb uns' das Wohl des Volkes. Wen» die Monarchie wiederkehrt— was wir hoffen—, so wird sie nur kommen, gerufen von dem Willen des deutschen Volkes. Redner lobt die„herzerfrischende Weise", mit der Kahl die Hohenzollernschieber im Reichstage gedeckt hat. (Lebhafter, sich immer wiederholender Beifall.) Es wird wenige Geschlechter in der Geschichte der Völker geben, die rein als Menschen betrachtet, so große. Persönlichkeiten hervorgebrach: haben, wie das Geschlecht der Hohe nz oll er n. Die Person- lichkeit des Kaifers wird einst in ihrer sittliche n Reinheit ebenso hoch stehen wie etwa die Namen eines Wilson und eines Clemencci»». Wir sind genau so eingenommen gegen das sozia- listische Preußen der Gegenwart und gegen das Verliu der Gegenwart wie unsere bayerischen Freunde. Und nun die auswärtige Politik. Das Abkommen von. Spa wa-r für ums em« Enttäuschung. Bei dieser Gelegenheit möchte ich dem Abg. Stinnes für die Art danke«, wie er die Deutsche Volkspartei vertreten hat. Er hat gszetgl, was' die wahre nationale Würde für ein unterlegenes Volk bedeutet. Redner lobt den Charakter S i m o n§, kritisiert aber dessen Aeuße« ning.'tt über Südtirol. Wir müssen auch den Mut haben, auszusprechen, daß Deutsch- laich nicht unter dem Dogma des Achtstundentage? zugrunde gehen darf. Wir verlangen, daß die Regierung den Kampf gegen die Kommunisten aufnimmt. Für sie darf es auch kein parlamentarisches Mandat geben.(!) Nehmen wir uns den Geist von Stein und Hartenberg zum Vorbild, dann wird auch der Tag der Deutschen in diesem Sinne wiederkommen.(Stürmischer Beifall.) (Fortsetzung in der Abendausgabe.) fiuslanösrunöscbau. In einem Brief an den Amsterdamer„Telegraaf" schreibt K e y n e s in einer Besprechung des Buchs von Baruch„Dbe Malünß of the Reparation anck Economic Sections of the Treaty", die von Baruch veröffenilichten Dokumente beftäligtsn die Richtigkeit der von Deutschland vertretenen Auffassung, daß sie deutsche Entschädi- gungspflicht durch den Wasfenstillstandsvcrtrag beschränkt war und erst durch die Alliierten bei den Friedensverhandlungen ohne Rechtsgrund unbeschränkt erweitert wurde. Die in unserer Frerragabendausgabe wiedergegebene Nachricht. von einer Eroberung der georgischen.Hauptstadt Tiflis durch die Armenier ist räiüÄich ein bedauerliches Versehen.. Georgien lehj mri seinen Nachbarn in Frieden. Die Armenier kämpfen gegen Kemaltürken und Georgiens Stellung dazu entspricht etwa derjenigen Deutschtands im russisch polnischen Kriege. In Barcelona nimmt der infolge der Ermordung des Abg. L a y r o und d«r Jnternierung von Gewerkschaftlern in Mcthon erklärte Proteststreik an Ausdehnung zu. Der Zivilgouver- neur ergriff entschlossen« Maßnahmen zur Verhinderung von Ver- brechen, erklärte aber, daß er sich den Forderungen der Arbeiter. wenn gesetzmäßige Wege verfolgt würden, nicht entgegen- stellen werde. Das Bukare st er Kriegsgericht hat sieben Führer des letzten Generalstreiks zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Unter. ihnen befinden sich die beiden Abgeordneten Moseowitsch und Socor. Der Abg. Dragu wurde jreigesprochen.(DA.). Das Flußpferd im Porzellanladen. Die Ortsgruppe München des Alldeutschen Verbandes Hai, nach Mitteiluna der Dena. einen Pro. testaifruf gegen den Reichsminister deS Aeußeru Dr. Simons er* lassen, in dem es u. a. heißt:„Wir sprechen unsere tiefste Em- pörimg darüber aus. daß ein deutscher Außenminister den deutschen Volksgenossen in Südtirol in ihrem oexziveifeiten Kampf um ihr Volkstum in den Rücken gefallen ist. Wir verlangen von der deutschen Reichsregierung, daß sie auch bezüglich der Südtirolcr Frage deutsche Politik treibt und das Deutschtum in diesem undeutschen Lande mit allen politischen Möglichkeiten schützt. Keine Werbungen durch die litauische Gesandtschaft. Durch WDB. wird von zuständiger Seite entschieden bestritten, daß irgend, welche A n w e r p u n g e r. deutscher. Reichsangehöriger nach Litauen durch die Berliner Gesandtschaft dieses Staates oder, nach dem Wränge l-Heer durch das hiesige Bureau des russischen Roten Kreuzes stattfinden. Hier wie dort wurden Deutsche, die sich amotxbes. lassen wollten, abgewiesen...... GewerMastsbewegung vor einem Verkehrsarbeiterstreik. Am 2. Dezember traten in Berlin die Vertreter der Strahen« bahndirektionen und die Arbeitervertreter zusammen um über den Neubeschluh des ReicbsmanteltarifS für Ströhen» b a b n e n zu beraten. Die Unieinehmer hatten ein« Vorlage aus- gearbeitet, die so grohe Verschlechterungen gegen den alten Tarif vorsieht, daß bereits eine vorher tagende Konferenz der Slrahenbabnerd«utschland. Der Zuzug fft deshalb für all« Glasarbeiter nach Bayern fernzuhalten. Bor einem Streik im Textilgewerbe Ostsachseus. E w vornherein unter einem ungünstigen Stern, und eS muhte damit gerechnet werden, dah sie scheitern würden. Bisher waren die Löhn« der Textilarbeiterschast im Freistaut Sachsen gleich Diese Gleich- heit der Löhne sollte nun aber ein Ende haben. Nach langen zwei- tägigen Verhandlungen machten die Unternehmer ein letztes Ange- bot, welches hinter den Löhnen in der Weberei in Westfachsen um 10—25 Pf. und in der Färberei- und Appreturbranche um 10 b'S 60 Pf. pro Stunde zurückdlieb. Dabei war das Angebot noch so unsozial gerichtet, dah die über 20 Jahr« alten männlichen und weiblichen Arbester das größte Opfer und die Jugendlichen nn Alter von 14— 16 Jahren das kleinste bringen sollten. Obwohl die Vertreter der Arbeiterschaft sich die größte Mühe gaben, eine Ver- ständigung herbeizuführen, war dies dock unmöglich. So muhten die Verhandlungen scheitern und die Dinge liege» nun so, dah ein Kampf unvermeidlich wird. Es wird ge- beten, jeden Zuzug von Arbeitern nach Ostsachsen zu vermeiden. GewcrkschaftSjubiläc«. Dieser Tag« konnten zwei öfter- reichische Gewerkschaften, der Fachverein der Gürtler und Bronzoarbeiter und der Fach verein der Sattler, Taschner und Riemer, auf ein 30jährigeS Beliehen zurückblicken. Di /lus öer Partei. Aus der Partei ausgetreten ist Genosse Dr. D i e tz- Karlsruh«. trat schon auf dem Kasseler Parteitag für Konzessionen an die Linke ein und forderte auf dem badischen Parteitag de» Austritt unserer Genossen aus der Regierung. Die Ablehnung der von ihm gefiederten Taktik hat ihn zum Austritt veranlaßt. Gleichzeitig hat er sein StadtratSmandat nieder- gelegt._ Soziales. Zwaugsinnung oder freirr Zusammenschluß? In der Versammlung der BerlinerBäckermeister am 18. November wurde folgender Beschluß gefahl:.Die am 18. November 1920 tagende öffentliche Versammlung der Bäcker- meister Groh-BerlinS hält die veralteten Bestimmungen der Reich?« gewerbeorsnung, soweit die Bildung von Zwangsinnungen in Frage kommt, für unhallbar. In der heutigen Zeil der oll- gemeinen Freiheit der Organisotionsformen muh die ZwangSfirffel für den ielbsiändigen Handwerker fallen und der freien Beru's» organisalion Platz mache»." Die Versammlung beanitragte den Vorstand, bei den Reichsbehörden die entsprechende Abänderung der H. G. O. zu beantragen.— Bis zur Entscheidung der Behörden ist die beabsichtigte Schaffung einer allgemeinen ZwangSinnung für das Bäckergewerbe Groh- Berlins von Auisichts wegen zu ver- hindern und jede Aendernng der jetzigen Organi- sation, ioweit sie nicht einer Urabstimmung unterworfen ist, ganz entschieden abzulebnen. ?eraniw. sür den redakt. Teil' Tr»rrnri Beiler, Sharlottenburg: lür Anzeigen: Td.«iorfe, Berlin. Berlage vorn-ürls-Äerlag Ä. m d H.. Berlin Druck Bar- wärls-Suchdruckerei u. Lerlagsanlia» Dnul«inaer u. Co.. Lerlur. Linoenstr. 8. Hierzu 2 Beilaaen Tvas t&dftnadsfefrfl biete, ist gekennzeichnet durch besondere Preiswürdigkeiti «Kepresstrv llUMmaaki Formvvie Abbildung» ' DSS-«.. Ulster 156.- 256- f 85- Mk. u«w. Woll-Kleider ♦BEBLIM'N* BßUNNENSm56-57. _—. � m_ befriedigen in Quali MjT■ J y tat und H reisen. 1■■ I Sezugsquellen durch �. KlelnsIaMiaÄ. Tabake o. H.-G. Walldorf iB. 212 Damenulster ISO,—, JOO,— jede Preislage, marineblaue Kostüme Aus- nahmepieise. Wendel, Neue Jakobstr.7 III. Nähe Inselstr. unb InstallaHoiis- Material tu kamen gesucht Ing.-ßüreaüscÄnx Sei lin W 9. Links». Ig Tel.: Lützow 3705 u. 8518 Heute iahrmarktsfest in der Philharmonie Bänkdsäng er Erwin ranRoy a.G« Max n. Moritz usw., Boxkämpfe, Ksrusaell, Rutschbahn, _ Ball»chlacht-- Ko»ttm crwünscht- Kartem 20.—. 40.-. 60.- M. inkl. 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Um eine bessere Ausnutzung des SlromeS zu ermögliSen, hat der ttohlenkomm'ssar bekanntlich eine Versüxung erlasien, wonach Betriebe, welche mehr als 1000 Kilowallstunden im Monat der- btauchen, verpflichtet sind, mindestens 50 Proz. in der Zeit von abends 10 Ubr bis morgens 6 Uhr zu entnehmen. Von der Arbeiterschosl Grofj-Verlins werden durch diese Maßnahme gerade in der gegenwärtigen Zeit grobe Opfer gefordert. Dies geht aus einer längeren Zm'chnst eines„Vorwölts'-LeserS hervor, die wir ihres besonderen Allgemeininleresses wegen teilweise hier wiedergeben möchten: In erster Linie sind eS wiederum materielle Opfer, die die Arbeilerschafl bei der Nachtarbeit zu bringen hat. Denn wer schon Nachtarbeit geleistet hat, weiß, daß dabei die Aus« gaben für den Lebensunterhalt ganz enorm steigen, und zwar da« durch, datz die Zahl der Mahlzeiten sich vergrößert. Die Arbeiter esien zur gewohnten Zeit am Tage und auch während der Nacht in den Arbeitspausen. Zu diesen pekuniären Nachteilen gesellen sich die gesundheitlichen. Wie wäre es, wenn die Nachtarbeit in ihren üblen Wirkungen durch eine Verlängerung der Arbeitszeit an fünf Tagen gemildert würde? In den meisten Betrieben besteht bekanntlich die 46l/zstündige Arbeitswoche, es wird vom Montag bis Freitag tag« l,ch 8 Stunden und am Sonnabend fU/, Stunden gearbeitet. Um nun diese Arbeitswoche nicht zu verlängern, müßte vom Montag bis Freitag weniger als 8 Stunden gearbeitet werden und am Sonnabend mehr als S'/z Stunden, damit die Arbeiter am Sonntag fliih eine Fahrgelegenheit finden, um nach Hause zu gelangen. Da hat nun der Kohlenkommisiar Ausnahmen geschaffen, indem er gestattet, daß die Sonnabendschicht in die Nachmittagsstunden ver- legt wird. Nun stelle man sich vor, man hat die ganze Woche nachts gearbeitet, die Uebermüdung wird von Tag zu Tag größer, und wenn man dann am Sonnabend eben erst warm geworden ist im Bett, dann heißt es schon wieder aufstehen, um die letzte Schickt herunterzureißen. Wie wäre es nun, wenn für die Nachtschicht die achtstündige Arbeitszeit ausgehoben und dafür an f L n f Tagen in der Woche SV« St rinden gearbeitet würde? Am Sonnabend früh wäre die Arbeitswoche zu Ende, wir hätten genügend Zeit, uns auszuruhen, und wären im Besitz eines langen Sonntags. Ob« wohl diese Arbeitsschicht im vorliegenden Falle einen Durchbruch des Achtstundentages bedeuten würde, unterliegt es keinem Zweifel, daß eine übergroße Majorität der Arbeiter sich für meinen Vorschlag bereit finden würde. Denn im Grunde genommen liefe die Ver- wirklickung desselben ja nicht auf eine Verlängerung der Arbeits« zeit, sondern nur auf eine zweckentsprechendere Festsetzung hinaus. Wir haben den Borschlag des Arbeiters auf eine Verlängerung der Arbeitszeit zugunsten eines freien Sonnabends wiedergegeben, wollen uns jedoch nicht damit identifizieren, da fich sehr wohl ge« wichtige Gründe dagegen geltend machen ließen. Gleichmäßige Stromausnutzung. Die Kohlen stelle gibt bekannt: Infolge der beträchtlichen Berichiechierung in der Kohlenveri'orgung durch das Spa-Abkommen sowie der zurzeit emstandenen anßerordentl chen Transport'chwierig- keilen— aur den Wafferstraßen infolge des FrofleS und der Trocken« heit, auf den Bahnen infolge des WagenmangelS— hat der Reicks- kohlenkommisiar mit Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- verbände Vorbeugungsmaßregeln beraten, um eine plötzliche Still- legung von Betrieben wegen Strommangels zu verhüten. Die Lage ist zurzeit so drückend, daß nur«ine vermehrte. über 24 Stunden gleichmäßig �verteilte Aus« Nutzung des Golpn-FernstromS Hilfe verspricht. Während des TageS ist dieser Fernstrom bereits voll ausgenutzt. dagegen während der Nachistunden in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh mangels Abnahme durch die Industrie kaum zur Hälfte. Auf dringendsten Hilferuf der Elektrizitätswerke Berlins mußte daher die bekannte Notstandsbestimmunq vom 4. November 1920 erlasien werden. Erfreulicherweise bat sick ein erheblicher Teil der Berliner Arbeitnebmersckaft den Gründen zur Einführung der Nachtschicht nicht verschlossen. So haben sich sogen. Stromab u ahmegemeinsckaften gebildet, die eine umickicktige BesckS'tiaung in der Nacht ermöglichen. Dadurch wird erreicht, daß einzelne Arberterkreise nicht dauernd. sondern etwa nur jede zweite Wocke Nachtschicht leisten müsien. Betriebe, die bereits stark eingeschränkt arbeiten, werden ihre Arbeitszeit zweckmäßig so legen, daß sie in der einen Woche Vormiltagsschicht, in der nächsten Woche nur Nach- mittagsschicht und dann eine Woche Nachtschicht und so fort ar- beiten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die den Betrieben und den Arbeitern entstehenden Schwierigkeiten sehr erheblich sind. Der Um- stand aber, daß sonst in aller Kürze durch teilweiien Stillstand der EleltrizitätSwerke die Schließung von zahlreichen Betrieben die Folge wäre und hierdurch die Not unter der arbeitenden Bevölkerung noch vergrößert würde, läßt jedock hoffen, daß der bereit? erzielte Erfolg durch gegenseitige Verständigung auch weiter ausgebaut wird._ Der veutsthe Stöütetag zum»Sperrgesetz�. Der Deutsche Städtetag bat beim Reichstag Verwahrung da- gegen eingelegt, daß der Vertretung der städtischen Anstellung?- gemeinden ebenso wie den Kommunalbeamienverbänden bei der Vorbereitung des Gesetzentwurfs zur Sicherung einer einheitlichen Regelung der Beamtenbesoldung jede Möglichkeit einer Stellung- nähme vorenihalien worden ist. Der Gesetzentwurf bringe die schwersten Eingriffe in das Aemlerrecht der Gemeinden, eine Hauptgrundlage ihrer Selbstverwaltung. Im vollen Gegen- sah zu den Beioldungsverhälinisien beim Reich und den Ländern stehen die in den vielen Tausend Gemeinden von Ort zu Ort wechselnde unübersehbare Mannigfaltigkeit der kommunalen Aemierorgonisation, eine naiurnotwendige Folge des den Ge« meinden verfasiungSmäßig gewährleisteten SelbstbestimmungSrechtS. Auf die eigenartigen Aemterverhältnisie der Selbstverwaltung müsie im Gesetz besonders Rücksicht genommen werden. Die Bewertung der verschiedenen Beamiengruppen der Gemeinden könne richtig nur individuell unter sorgfältiger Abwägung aller Umstände durch die Organe der Selbstverwaltung erfolgen. Prüfung und Entscheidung durch eine Reichs, eniralstelle würde zu unerträglichem Schematismus und Ueberorganisation führen. Eine etwaige staat- liche Prüfung der Besoldungsverbältniffe sollte ausschließlich im Nahmen der Länder erfolgen, die gegen Auswüchse bei einzelnen Gemeinden einzuschreiten wiffen werden. Die Ausgestaltung des Prüfungsverfahrens müßte ganz der Autonomie der Länder über« lasten bleiben, in denen für Streitfälle Schiedsinstanzeu vorzusehen wären._ Eine �vorbildliche� Ehe. Ein sonderbares Eheleben, welches in gewissem Sinne an«in Wedelindsches Milieu erinnert, wurde gestern in einer Verhariblung vor dem Schwurgericht des Landgerichts I entrollt. Wegen Mordversuchs an seiner Ehefrau und Fälschung einer öffentlichen Urkunde war der frühere Vizefeldwebel Hans Geb- sattel angeklagt. Der Angeklagte war zuletzt im Baltikum und gehörte der Eisernen Division an.— Als er aus dem Osten zurück- kam, erfuhr er nach seiner Behauptung, daß seine Ehefrau während seiner Abwesenheit in Brandestburg in der Kaserne als Frau Uhlich mit einem Soldaten zusammeugewohnt hatte. Außerdem stand sie in einer Kellerwohnurrg mit einem Dichter O. aus Neu- kölln in nSberen Beziehungen. Am Morgen des 4. Oktober erschien er in der Wohnung seiner Frau und hielt ihr sofort einen Re- volver auf die Brust. Als ihm die Waffe entwunden war, schlug er mit Fäusten aus sie ein und beschuldigte sie, sie habe ihn be- trogen und- infiziert. Gleich hinterher law es jedoch zu einer innigen Versöhnung zwischen beiden, nochdech die Frau sich bereit erklärt hatte, sich uniersuchen zu lassen. Nach ihrer Rückkehr vorn Polizeipräsidium soll G. etwas zu essen verlangt und darauf ihm die Frau ein Stück Brot vor die Füße geworfen haben. Jetzt er- griff G. ein Messer und jagte es der Frau in die Brust. Die Wirkung war eine eigenartige. Die Frau fiel ihm um den Hals, küßte ihn und rief:»Stech zu, Geliebter 1" Als die Frau dann bewußtlos wurde, entkleidete er sie vollständig und ließ sie liegen. Er wurde später verhaftet, nachdem sich herausgestellt halte, daß er einen Entlassungsbefehl gefälscht hatte. Das Urteil lautet« auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von zwei Mo- naten der erlittenen Untersuchungshaft. Warum öerlin zu wenig Milch erhält. Van einem parteigenössischen Molkereibesitzer erhalten wir eine längere Zuschrift, worin dem Vorwurf, als trieben die Molkereien Wucher, entgegengetreten wird. Es werden in dem Schreiben die teuren«Futterpreise erwähnt, auch wird darauf verwiesen, daß seit Aufhebung der Zwangswirtschaft für Fleisch der Viehbestand sich erheblich verringert habe. Die Zuschrift berührt auch die Frage der Milchkontrolle, die sich nicht auf die Qualität, sondern auf die Quantität erstrecke. Diese Kontrolleure verteuerten die Milch er- heblich, zudem brächten sie selbst eine Flasche mit. um sich Milch mit nach Haufe zu nehmen. Wenn dos schon in der Stadt geschehe, so müsse auf dem Lande die größte Korruptton herrschen. Hier komme noch� in Betracht., daß die Butter zu einem Preise abgesetzt werde, der für die Landwirte geradezu einen Anreiz biete, die Milch zu verbuttern. Bei dem heutigen Futter gäben 1t Liter Milch ein Pfund Butter. Während der Bauer bei dem heutigen Milchpreis hierfür 10,80 Mk. erhalte, bekomme er für das Pfund Butter 80 M., dazu habe er noch die Buttermilch als Schweinefutter. Selbst wenn auf jedem Bauernhof ein Genldarm gestellt werde, sei eine Mehrablieferung von Milch an die Stadt nicht zu erwarten. Unter solchen Zuständen müssen auch die sozialdemokratifchen Molkereibesitzer, die pflichtgemäß die Milch abliefern, zu Gegnern der Zwangswirtschaft werden. Unter den Molkereikesttzern gäbe «8 heute bereits ein« beträchtliche Anzahl, die nicht mehr über ge- nügenid Mittel verfügen, um das von der Fettstelle zugewiesen« teure Kraftfutter zu kaufen. Die Folge sei, daß viele Besitzer Nei- gung haben, ihre Kühe zu hohen Preisen zu verkaufen. Wir haben nur einige Angaben aus dem umfangreichen Schrei- ben zum Abdruck gebracht. Ohne Zweifel verdienen dieselben B» ochtung. Sie zeigen uns mit aller Deutlichkeit den ganzen Ernst unserer Milchversorgung. Die Preisspekulation gerade mit der Butter stellt die Milchablieferunig immer mehr in Frage. So wird dw Butter� nur noch ein Nahrungsmittel auf den Tischen der Reichen, während unsere Kranken und Säuglinge in Ermangelung von Milch zugrunde gehen. Die Fahrpreiserhöhung im Stadt-, Ring- und Borort- verkehr. Im Stadt- und Ringbahnverkebr wird eS ab 1. Januar k. I. nur noch Fahrkarten für die ganze Siadt- und Ringbahn geben (zweiter Klasse 0,70 M.. dritter Klasse O.öOM.). Die Unterscheidung von Fahrte» bis zum 5. bezw. 8. Bahnhof fallen künitia fort. Im Vorortverkehr werden die neuen Fabrkarien zum Mindestpreise von 0,70 M. in der zweiten und 0,60 M. in der dritten Klasse ausgegeben. Die weiteren Entfernungen werden von dieser Preiserhöhung nicht getroffen. Für Kinderfahrkarien wird allgemein die Hälite der Fahrpreise für Erwachsene be« rechnet. Monatskarten kosten künftig beispielsweise biS Steglitz 19.60 M. in der 2. und 13.70 M. in der 3. Klaffe. MonatSneben« korien ebendahin 9,80 M. für die 2. und 6,90 M. in der 8. Klaffe. Die Wochenkarten werden 3.20 M. kosten, während die Preii« nach den Himer Siealitz gelegenen Stationen unverändert bleiben. Für Schülermonaiskarten find mindestens zu zahlen 7,60 M. in der 2., 5 M. in der 3. Kl. Für jedes folgende Kind 6 M. in der 2. und 4 M. in der g. Klasse. Ei« verwegener Kontoreiubruch wurde in der Potsdamer Straße verübt. Dort drangen Verbrecher am hellen Nachmittag in ein Kontor ein und stahlen drei Koffer, die für 100 000 M. Wäsche, Kleidungsstücke, Pelze und dergleicke» mehr enthielten. Wahrscheinlich haben fie ihre Beute mit einer Drosckke weggeschafft. Trotzdem hat niemand im Hause oder vor der Tür von ihrer.Arbeil' etwas gemerkt. Von den Tätern und dem Verbleib des gestohlenen Gutes fehlt noch jede Spur. Die Koffer sind J. P. gezeichnet.__ Ter V orwärts-Waudkalender für das Jahr 1921 ist erschienen und durch alle Botenfrauen sowie Ausgabestellen der Zeitungs-Zemrale, ebenso durch die Haupd- expedilion, Lindenstr. 3, vorn im Laden, zu beziehen. Der Kalender ist in Tieidruck hergestellt, den Entwurf hat der bekannte Radierer Oesterle angefertigt. Der Preis ist auf 50 Ps. per Stück bemessen- Die Botenfrauen werden gelegentlich der Dezemberkasfierung unser« Abonnenlen den Kalender zum Kauf anbieten. Tie Wohnung der Gräfin Wartensleben. Aus Kreisen einer Berliner WohnungSinspetlion wnd unS folgendes mitgeteilt: Bei uns haben sich veischiedene berzlich gefreut, als Genosse Hermann Müller im ReichSiag den Wohnungsskandal der Gräfin WarienSIeben geißelte. Hier geriet Berickiedenes durcheinander. So- iorl wurde energisch zugepackt, wenn eS auch manchmal schwer fiel. Die WohnunaSin'pekiion verfiigie, die Gräfin WartenSieben habe bis zum 1. Dezember ihre(eil Jahren leer stehende Zweietaaen- wobnung zu iäumen. Diese Aufforderung hat leider nock nicki den geringsten Eisola gehabt. Heuie ist der erste Dezember länast Das Licht der Heimat. 78j Don August Hinrichs. Diettk wollt?? an dem jungen Mädchen vorüfiergckhen, aber als sie ihn ansah mit einem sslksamen Ausdruck in ihren Augen, blieb er stehen und begrüßte sie. Sie reichte ihm die Hand.„Es ist lange her, daß wir uns gesehen haben. Wie geht es mit deinem Werk?" „Es hat viel Arbeit gemacht," sagte er,„aber jetzt sind wir über den Berg: im Herbst soll es laufen." .�Jm Herbst," wiederholte sie und sah an ihm vorbei nach ber stntfindcn Sonne. ,$d. im Herbst wird eS fertig." Sie schwieg eine Weile.„Und dann?" fragte sie endlich. Dierk stutzte. Darüber hinaus'hatte er noch nicht ge- dacht. Wenn das Werk fertig war, wenn er zum erstenmal den Strom einschalten konnte, wenn alle Lichter aufglühen würden ringsum— das war sein Ziel! Was dann kam, lag weitab, darüber brauchte er nicht zu grübeln. „Tann— sagte er ausatmend,„dann Hab ich Ruhe." Und wie er das sagte, em-pfand er. wie sehr er sich nach biefer Ruhe sehnte, und daß er jetzt eigentlich wie ein Fie- bernder arbeitete, der seine letzten Kräfte hergab. Ach ja, dann wollte er ausruhen. Der Gedanke beglückte ihn, und er jagte froh:„Gehst du noch ein wenig mit hinaus, Jteda? Die Stille heute abend tut so wohl." „IIa." sagte sie rasch,„ich wollte dich schon bitten, mir einmal die neue Torfgrabemaschme zu zeigen, die du gebaut � Da gingen sie msteinonder auf dem festen Wege, den er hatte aufschütten lassen, ins Moor. „Es muß schön sein, wenn man ein Ziel hat," sagte Teda nachdenklich..„•, „Du meinst, eine Arbeit, für die man alles einsetzen muß?" fragte Dierk und antwortete gleich: ,�a, das ist sckwn. Da füUt man, waS man kann und wie einem die Kräfte wachsen, wenn die Arbeit schwieriger wird, als man gedacht hat." ,�ch mein« nicht nur eine Arbeit, ich meine überhaupt «inen Punkt, wohin man mit seinem Leben möchte." ,�a," sagte Dierk unsicher,„das hat doch wohl jeder." Aber sie schüttelte den Kops:.Ach nicht, wenigstens weiß ich nichts Bestimmtes. Und das ist schade. Da ist ein Tag wie der andere, und man hat nur immer dieselben Ge- danken." Dierk suchte nach einer Antwort.„Ziel und Arbeit— ist das nicht eins?" sagte er endlich.„Ohne Zie>l, das kann ich mir nicht denken, dann hätte die Arbeit keinen Sinn." Und da sie schwieg, fuhr er fort:.Ach hörte, daß du„am allein euer großes Hauswesen führst— und besser, als jede Bäuerin weit umher. Hat es dir nicht Freude gemacht, es so weit zu bringen?" „Das wohl," gab sie zu..Aber das meine ich nicht, das ist ja alles nur äußerlich. Du verstehst mich nicht ganz. Siehst du, ich habe oft über das alte Märchen nachdenken müssen, das du mir einmal erzählt hast. Ich glaube, das hat noch einen tieferen Sinn. Kann nicht auch in einem Menschen so etwas erstickt und begraben liegen, das Hern ans Licht möchte? Aber dann läuft das Leben so gleichmäßig fort— man weiß auch gar nicht, was es ist. das einem fehlt.— und wenn man davon Zwickt, klingt es wohl recht einfältig." .Ach kann dich wobl verstehen," sagte Dierk nach einer Weile langsam,„aber es ist schwer, darüber zu sprechen." Sie wußten beide das, was sie dachten, nicht recht aus- zudrücken und gingen schweigend.rebeneinander her. Aber es war kein drückendes Sckgveigen— sie fühlten, daß sie<.us dem Wege waren, einander zu verstehen und scheuten sich, das leite Vertrauen, das zwischen ihnen aufkeimen wollte. durch Worte zu stören. Die Sonn« war untergegangen, die blaue WoWenbank gkühte jetzt tiesrot. und über ihr leuchtete der Himmel weit hinaus in einem mikben. goldenen Licht. Vor ihnen aber hob sich ein mächtiges Ungetüm aus dem Moor und staub schwarz mir seltsamen Formen vor dem leuchtenden Rot../ Das war DierkS Torfbagger./ Freilich, dagegen war des Voßbauern Maschine ein armseliges Ding. Auf breitgelagertem Schtenengestell bob sich gewaltig die massige Wucht des Eisens und schob in der Aöb« eine Brücke weit aussahen d vor. deren anderes Ende sich wiederum auf einen breitsüßigen Sockel stützte. Von der Mitte der Brücke aus stieß ein mächtiger Bagger senkrecht hinab. Seitwärts lies eine sÄtsame Rollenbahn weitab ins Moor. Teda blieb staunend stehen, verwirrt von dem ungefügen Gestänge des eisernen Bauwerks. Dierk sprach mit dem wache« haltenden Maschinisten, der eben aus einer leichtgsbauien Bretterbude trat. Der machte sich an ber Maschine zu schaffen: dann legte Dierk langsam einen Schalter herum. Ein Summen wie von einem ungeheuren Bienen« sckstvcmn erschütterte die Luft, der Boden schwankte. Es war, als ob ein Zittern durch die ehernen Glieder lief, schwerfällig zog eine breite Kette an, und plötzlich spielten die stählernen Stangen, überall an dem riesigen Bau knirschten Räder und Scheiben, liefen Ketten und Drähte, und raffelnd tauchte der Bagger von der Brücke herab die mächtigen Schaufeln unter sich in die Tiefe. Als kniete ein Riese breitbeinig mit wuchtigen Schenkeln im Moor, stützte sich mit einer Hand leicht auf und griffe mit der ankeren tief hinab in die Erde, um Stück für Stück loszureißen und ans Licht zu ziehen. Die großen Baggerschaufeln entleerten ihre Last oben in ein« effern« Ripne, Scheiben und Meffer rissen die Masse fort und drängten sie unerbittlich durch Schneckenräder und stählerne Zähne, bis seitwärts aus einem Doppelmaul die gepreßten Soden sich vorschoben unb, noch einmal zerschnit- ten und verteilt, sich auf eiserne Platten legten. Die Platten aber fuhren, eine hinter der anderen, selbsttätig in langer Reihe seitab ins ebene Moor, stürzten ihre Last ausgebreitet auf den Boden, wo sie zum ersten Trocknen liegen blieb und fuhren noch einer Wendung aufgerichtet wieder zurück, um ein« neue Reihe abzulegen. Teda war zurückgetreten. Dies Spiel einer Kraft, die sie nicht sab, bieS tausendfältige Regen und Bewegen der eisernen Glieder hotte sie in der Rälie verwirrt. Jetzt sah sie still zu. wie die Maschine gleichmäßig. l«icht und mühelos, fast wie mit ruhigen Atemzügen, arbeitet« wie ein Mensch, der still und fleißig seine Pflicht tat. Da trat Dieik zu ihr hin und erzäUte und erklärte, bis auch das scheinbar Seltsame und Verworren« ihr einfach und natürlich erschien. Er freute sich über ihre Augen, die still aufleuchteten, wie fie ihm zuhörte.(Forts, folgt.) \ überschritten, die Frau Gräfin denkt aber nicht daran au«zu,se?en. Gegen sie ist dennoch niait» umernommen worden. Es erscheint nunmebr die Frage am Platze, ob denn sür diese Leute die Geietze nicht existieren. Wenn ja, so wird es endlich Zeit, dab den Anord- nunge» der Wohnungsinspcttion radikal Geltung verschafft wird. Tas Schöucberg-j�riedenauer Bezirksamt. Der am nächsten Montag zur Beschlugfaffung über die Gröhe dei Schöneberg• Friedenauer Bezirksamts zusammentretenden Be» zirlSveriainnilung empfiehlt, einer Korrespondenz zuiolge, der zur Boiberatung dieser Frage eingesetzte ÄuSschuh, das Bezirksamt aus iö Mitgliedern und zwar 7 beioldeien und 8 unbesoldeten zu- sammenzuseyen. Für den Bezirk IS sCöpenick-Friedrichshagens hat die dortige Beziiksversammlung, ebenso wie in Tempelhot die Zahl von l l Mitgliedern(7 besoldeten und 4 unbesoldeten) dem Magistrat vorgeschlagen.__ Einen schweren Verlust haben die Mariendorser Genossen durch den Tod ihre« langjährigen Parteifreunde« Paul Körlrn zu beklagen. Die Partei verliert in ihm etiien allezeit opfeibereiten arbeitSireudigen Genossen, der überall wo e« galt, für die Partei und die Gewerkschaft seine Pflichi erfüllte. Ein leuchtende« Beispiel zur Setbstzucht und Pflichterfüllung, wollen wir unseren Ge- nassen geloben, dem teuren Toten nachzueifern. Die Beerdigung findet am heutige» Soirnabend, nachmittag« 8 Uhr, aus dem neue» Gemeindefriedbof. Nixdorser Straße, statt. Die Parteileitung er« wartet rege veietligung._ Von einem falschen Dienstmädchen schwer bestohlen wurde eine Familie in Wannsee. Sie nahm kürzlich eine angeblich 2o Jahre alle au« Mnau gebürtige Marie Gulbe in Stellung. Ihr > Vertrauen wurde jedoch von der.Neuen' bald schwer geiäuscht. Nachdem die Familie ausgegangen war, packle Marie für lOOOOO M. Pel ie. pelzbesetzie Kostüme. Kleider usw. in einen braunen Salin» sack, schlug diesen noch m eine wollene Decke ein und verließ Wob« nung und Haus. Wie die Ermiiilumien ergaben, fuhr die Diebin mrt der Beule in einem Eisenbahnzug' nach dem hiesigen Wanniee- babnbof und von dort mit einer Droichke, die ihr ein Gepäckträger vo» der Haliestelle an der Friedhofsmauer gegenüber dem Ea'ä Füistenbos holte, weiter davon. Die Gesuchte befindet sich in anderen Umständen._ Für abstimmungsberechtigte Oberschlesier. ES wird dringend darum gebeten, daß jeder noch nicht der Or« ganisaiion angeschlossene abstimmungsberechligie Oberschlesier sich mögltchst sofort im Bureau der Bezirksgruppe Schoneberger Str. 9 sam Anhalter Bahnhof) meldet, damit die erforderlichen Papiere und sonstigen Unierlage» zur Wahrnehmung seine««bstimmungsrechts beschafft werden. Irgendwelche Unkosten erwachsen dem rlbstim- munaSberechtigien hierdurch nicht. Es sind vielmehr Vorkehrungen getroffen, ibm unentgeltlich die Reise, die Beköstigung und de» Unterhalt während der AbstimmungSzeit zu gewährleisten. Ebenso sind Kleidungsstücke und Wäsche zu billigen Preisen für die Hb- stimmungsbeiecktigten bereitgestellt, an Unbemittelte werden diese notwendigen Sachen uireirtgeltlich abgegeben. Wegen unzuverlässiger Betriebsführung ist der Bäckermeister Hlbert Nicolai. Martm-Opitz-Str. 24, auf die Dauer von sech« Wochen von der Meblzuieilung ausgeschlossen worden. Verloren wurde in der CSpenicker oder Michaelkirchstraße ein Beutel mit VoiwärlSquitlungen und Geld. Der ehiliche srinder wird gebeten, denselben w der Z.-Z..Filiale Prinzenslr. 81, Hos rechts Part., abgeben zu wollen. „Der Rastelbinder" im Walhalla-Theater. Da» rührige Theater am Weinbergsweg hat sich mit vielem Erfolg der Opeieile zu- gewandt. Es bringt zurzeit den Lehärschen.Rostelbinder' in einer Anfführnng. die sich durchaus sehe» lasse» kann. Unier der musikali- scheu Leitung des Kapellmeisters Siegfried Schulz und der techni- schen Oberleitung Edi Winterfeld« ließ man sich diesen im i ganzen beute etwas saden wienerischen Zauber recht gern geialle». «»« de» Kinderrollen des Vorspiel« sei die kleine Frieda Koinz« r erwähnt, die unzweifelbaste Talente birgt. Bilma E on ii gab die Euza mit möglichster Hnpaffung an ein Original, unier starker Be- tonung des Täppischen, in geschmackvollen Grenzen. Den Vogel schoß Alfred Lau tu et als Pfefferkorn ab, der sich ganz und gar»ich»« entgehen läßt, aber de» zweiten Akt ein bißchen zu weit a»sspa»n. so daß sich zum Schluß auch»iiier den Darstelle, n eine leichie Er- müduiig bemeilbar machte. Im ganzen war die Huffübrnnq ober eine so anerkennenswerte Leistung, daß man an dieser Stätte auch gern einmal der.Fledeimaus' begegnen möchte. Verband soztalistischer Lehrer. Die Sonnabend-ZIhung fällt au«. Eftarlottenhurg-Spandau. Jeden Sonnabend von b— 6 Uhr juristische Sprechstunde un Sekretariat. Rosinenstr. 4. §>lmschau. „Gräfin Walewska". Wie eine Zeltlang im Roman so sind jetzt im Film die Liebe«- geschichien historischer Persönlichkeiten die große Mode. Nach Kaiharina II. und August dein Siarken, kam jetzt die Giäfin WatewSka an die Reibe. W. Rath und P. Georg haben nach einem Roman de« politisch-omiiiöeuse Affäre bearbeitet. Die Aufführung in der . S c a l o' ließ aber trotz de« großen und poinvöien Aufgebots von Mitteln ziemlich kühl. Die vorireffliche musttalifche Begleitung des Phitharmoniichen Oichester«, glänzende schanspieleriiche Leistungen, bübiche Naturizenerie». gute bistoiifche Milieu« und was lonst an Regieleistnngen von O. Rippert geboten wird, da» alle« ersetzt nickt die Mängel der breiien und doch wieder iebr zei letzten B>lderzähl>i»g viel zu viel Schrift zeigt, daß die Film- übelieviiiig solcher historischer Sioffe ihre Bedenke» Hot. Und dock steht N ivoleon im Mulelpuntt. freilich nur gesehen al« brulafei Draufgänger, de, sich die Liebe der glühenden Pairioiin durch die Einwirkung der Magnaten bezwingt, die damit potiltiche Geschäfte machen wollen. Lettinger fonnt« nur eine» wenig sympati- schen Liebhaber zeigen. Forireißend war Hella Mosa, sie brachte den Kampf gegen die Liebe an« Politik und die aufopfernde Leidenschaft für den wn klick Geliebten sden vom«iseriücktigen Kaiier verbannten Grafen d'Evmn»» packend heran«. Die Szene, da sie der Härte Napoleon« da« Leben de» bereits zur Füsilierimg bestiiiimleii Gra'en abgeivinnl, war ergreifend gestaltet. Di» Hof- und Maanatenwelt war trefflich vertre'en. zu nennen besonders die»tkeisüchtige Jnniganiin. die M. Tbein- spielt«. Für die giäniende Au«staiiiing ,e chnete Ernst Siern. Em interessantes LiebeSickickmi wollten die Autoren zeigen. aber sie verstricklen e« in zuviel Beiwerk. Gründung einer ueuen Ztilm A..(8. Die Berliner Stchtipleltheater G n> d id.. die itzobneii»�!� G. m h. H., die Deloq-ffllm Geiellichail, dl« Filintopielanklall Liebenau u Co.. der Film-Rustt-Verlag G m. d. H, die 3Kat,ai}.,>Umk, Uhr Im Lokal von Benkert, Nblandstraße. Ecke TrcSckowsiraße: FunklionZilonsitenz. Tagesordnung: Stellungnahme zur Landtagswahl. Bericht der Bezirksverordneten-Ber- sammlung. Jungiozialiltische Bereinigung, s Uhr im.vorwärts'. Gebäude: Arbeltsausjchußsizung. Morgett, 5. Dezember: 40. ttlt. vorm. 10 Ubr bei Schmidt, Wiel-sstr. 17: FunMonZrfihung. 45. Abt. Voim.'1,10 Uhr bei Pos«, Kolonie ftr. tS: Zusammenlunft der Parleisunklioiiäre und BelriebSobleule 70. Abt.. Wilmersdorf. Volmittag« bei Schramm. Hohenzollern- dämm 2: Sitzung sämtlicher Funktionäre. Wichtige Tagesordnung. « Beamte und Angestellte sämtlicher Verwaltungsbehörden! Montag, de» S. Dezember, abends 7 Ubr, in der Aula des GttmnafiumS Kochstr. 13: Große öffentliche Bersammlung. Tagesordnung: Die politischen Parteien«»d ihre Programme. Referent: Gen. fiutturr.„BorwärtS-'-Redakreur. Das Erscheinen aller Beamten«ud AugesteUten der Berwaltnugsbehördeu ist dringende Pflicht. Der S.P.D.-WerbeauSfchuß der Beamte««ud Augestellte» der Berwaltungsbehördea. Beamte und««gestellte der KomwunalbehSrde« t Am Montag. den S. Dezember, abends S'/, Ubr, findet in der Breiteitr. SS eine außer- ordentlich wichtige Besprechung sämtlicher Bertrauensieute und oeztrtsjührer statt. Der S.P.D.-T-rbeausschuß der Semeindebeamten. Jugenüveranftaitungen. Heute, 4. Dezember: Eine BorftSndrkonfereuz findet heute abend im Zentraffugend- heim, L ndensir. 8. statt. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist es dringend notwendig, dag alle Vorfitzenden erscheinen. Sonntag» 5. Dezember: Britz. Wanderung nach den RüderSdorser Kalkbergen. Treffpunkt >/,K Uhr Ger,: aniapromenaoe.— Sieutölln. Wanderung durch Alt- Berlin. anichlietzend Besuch de» Trachlenmuseum«. Treftpimtt: 8 Uhr Hermaunplatz. Gerichtszeitung. die Tragöüie eines unehelichen kinöes beschäftigte gestern wieder einmal da« Schwurgericht de« Land- gcricht« II. Di«»erehelichte Arbeiterfrau Else Berger war oe- schuldigt, ihr dreijährige« Söhnchen Willi zu Tode geprügelt zu haben. TXr Nein« Junge, dem allseitig da« Zeugnis eine« netten, artigen Kinde« gegeben wird, war von der Angeklagten mit in oie Ehe gebracht worden. Ter Knabe war vorher bei Pflegeeltern untergebracht gewesen, wo er liebevoll behandelt worden war; als mit Rücksicht auf die jetzigen Tcuerungsverhältniffe die Angeklagte Pflegegeld bezahlon sollte, nahm sie das Kind zu sich. Die Mutter mißhanidelt« den kleinen Jungen fast tagtäglich mit einem ab- gebrochenen Schrubberstiel, mit dem sie ihm nicht nur am Körper. sondern auch auf dem Kopf Beulen und bluwneerlaufen« Stellen beibrachte. Der jammervolle Zustand de« Kinde« empörte die eigenen Verwandten der Angeklagten und Bewohner de« Hause« im höchsten Maße, und die Tatsache, daß der Kleine an den Mißhand- lungen zugrunde gegangen ist. zeigt, daß diese Empörung wohl- berechtigt war. Der medizinische Sachverständige SanitätSrat Dr. Keller hat an dem Körper de« toten Kinde« zahllose Spuren von brutalsten MißhoNdlungen festgestellt, die den Tod de« Kleinen an innerer B«rblu!ung zur Folge gehabt haben.— Die Angeklagte, die vor 5 Monaten im Säuglingsheim von einem Kinde entbunden worden ist, behauptete, daß sich der arme Willi die schwere Kopf- Verletzung, die seinen Tod verursacht hat. durch einen Sturz au« dem Bett zugezogen babe; die Deweikaufnahme fiel jedoch durch- au» zu ihren Ungunsten au«. Der StaatSanlvait beantragte bJahreZuchthau». Der Vorsitzende hob bei Pertündung de« aufgJahreSMonateZuchthau« lautenden Urteils hervor, daß e« ein« Seltenheit ist. wenn eine noch nicht vorbestrafte Ange- klagte gleich m« Zuchthau» gesperrt werden soll. Trotz der Höhe der Strafe habe da» Gericht aber die Angeklagte auf freiein Fuß belassen, da nach ärztlichem Gutachten da« 2 Monate alte Kind ge- sundhetilich gefährdet werden würde, wenn e« jetzt von der Mutter getrennt würde._ Mus aller Welt. Rätselhafter Ueberfall. Di- Gattin de« am München er Ratioiiallbeoler wirkenden Operniänger« Dr. Emil Sckipper wurde dort in der Essener Snaße überfallen, geknebelt, mit einem Sirick an den Händen gesesielt und von dem Täter solange miß- handelt, bis sie bewußtlos zusammenbrach. Der Täter soll für die Tat gedungen worden sein. S« handelt sich anscheinend um «tuen Racheakt. Aerzterisik». Der Budapesier Kehltopfspeziolist Dr. Lang wurde bei einer Operation von einem swutkranken?) Patienten gebissen. E« trat Infektion«in. der Dr. Lang et legen ist. Lohngelderraub. Drei Bolen der Firma Nirmeyer m H a r- bürg wurden durch maskierte Männer 230 900 Mark Lohngelder entrissen. Di« Räuber sind verhaftet. Cholera in Polen? Au« Posen meldet die TU., der wir die Verantwortung für diese böse Nachricht überlassen müssen: Noch durchaus zuverlässigen Berichten ist in mehreren Trup- penlagern in ehcmal» preußischen Teilgebieten die Cholera ausgebrochen. Die Seuche grassiert besonders in dem Truppen- lager von S t r a l k o w o, wo täglich etwa 70 Menschen an der Cholera sterben sollen. Auf der Hrlmtrhr gestrandet. Wie die englischen Blätter melden, ist während de« heftigen S-urme» in der Nacht vom 1. zum 2. Dezember der deutsch« 8000-To»nen-Dampfer Hathor bei St. Agiie»-Rock» gestrandet. Die gesamte Besatzung von 24 Mann wurde durch ein englische« Rettungsboot aufgenom- m«n. Di« deutsche Mannschaft war seit Beginn de« Kriege» in Chile interniert. Der Dampfer ist ein vollständige» Wrack._ Sport. Eln lntervationalr« Schachturnier in Berti». Zum ersten Male seit Kriegsausbruch wird Berlin wieder der Schauplatz etneS wirklich erstklaistgen internationalen Schachturnier« sein, welche? heute nachmittag, S Uhr. tm Schachsaal des Kaffee Kerkau beginnt. E» werden zehn bekannte Meister daran teilnehmen. und zwar die vier Deutschen Leonhardt, Miese», S ä m i s ch und Dr. Tarrasch; die zwei Oesterreicher Spiel- mann und Dr. Tartakower; die drei Ungarn Reti, Breyer und Maroezy und der Russe Alapin. Organisiert und finanziert wird diese» Turnier vom bekannten Schachmeister und Verleger B. Kagan. Nach dem Ergebnis de« kürzlich in Stock- Holm veranstalteten Wettbewerbe« dürften dem dort siegreich ge- wesenen Ungarn Reti die meisten Aussichten zuzusprechen kein. Auf das Abschneiden de» au« dem Berliner Arbeiterschach. bunde hervorgegangenen jungen Meister» Sä misch, der sich zum ersten Male in einem Turnier mit einigen der besten europäi» schen Meister mißt, darf man gespannt sein. Et» Ski-Trockin-Kursus in Lichtenberg. Am Sonnlag. den 5. Dezember, volmiiiag« 9'/, Ubr, beginnt im Lichlenberrer Stadion. Herz. bergfiigße 8> l.iertiiplechn Lichirnberg 1551) ein Sti-Tiocken-Kuttus. der von den Herren Bcrgcr und Medler unter Beteiligung einiger Herren vom Deutichen Sti-Verband geieita wiid. Interessenien wird ioioriiae Anme!- dung an Herrn Berger. Deutiche« Stadion Grunewald iCbariottenburg 9) emp lobten. Einig« Schneeichutz» werden zür Ucdungszweck« leihweise zur verjügung gestellt. Vsntfther Kongreß für Sauglmgsstbutz. Gegen Aufhebung der Milchzwangswirtschaft. Auf der Tagung der.Deutschen Vereinigung für Säugling«» schütz' folgte gestern dem Hauptreferat(vergleiche Bericht uu gestrigen Abendblatt) eine Reihe kleinerer Referate. Dr. Tugendreich- Berlin erörterte die Forderung m e t h o- bischer K ö r p e r u n t e r s uchu ng e n an Kindern. Sie seien die notwendige Grundlage für eine Gesundheitssta- t i st i k. Eine solche Statistik könnt«, wenn sie schon früher ge» schaffen worden wäre, auch die Schädigung unseres Nachwüchse« durch die Hungerblockade des Kriege« zeigen und unser verlangen nach Revision de« Friedensvertrages begründen. Die Unter- suchungen feien jm ganzen Deutschen Reich einheitlich durchzuführe« und eine Reichsfbelle solle da« gewonnen« Material verarbeiten Dr. Alfons Fischer- Karlsruhe sprach über die Not- wendigkeit eines Gesetze» über Familienversicherung. Diese werde die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe auch� für da« Kind steigern und die Kinder st erblichkeit eindämmer». Ein Referat von Prof. Dr. E n g e l» Dortmund zeiAtr den Anteil der Säuglings- und Kinderfürsorg« an der Bekämpfung der Rachitis. Die Rachitis sei eine Massenseuche der Jugend. eine Clendskrankheit. die durch ungeeignet« Ernährung und Pflege, durch Mangel«, Luft und Sonne entsteht. Zu bekämpfen sei sie durch Schaffung günstigerer LebenSbevingungen, aber auch die von den Fürsorgestellen gebotene Aufklärung über Säug- lings- und Kinderpflege könne schon viel bessern. Refe- rent behauptete, daß viele Frauen und Mütter nicht einmal richtig zu kochen verstehen. Bei schweren Fällen von Rachitis sei ärztliche DeHandlung und nötigenfalls Zulassung zu öffenilichen Speisungen zu gewähren. Di« Fürsorgestellen sollen auch rachitische Kinder rechtzeitig dem Orthopäden zuführen. Dr. La n g« r- Berlin entwarf Richtlinien für den Kampf der Säuglings» unfc Kleinkind« rfürsorgestellen gegen die Tuberku» lose, die unter den Kindern erschreckend zugenommen hat. Diese Fürsorgestellen müssen die Aufgaben übernehmen, durch ihre Für- sorgeschwestern und Aerzt« die gefährdeten oder schon angesteckten Kinder möglich st vollständig zu ermitteln, sie bi« zum 6. Lebensjahr« in ihrer Obhut zu behalten uns dann an die Tuber- kulofefürsorgestellen abzugeben. Gewährung auf ärztliche Behandlung sei gerade bei Tuberkulose d«S Kirche«, wo sie noch den meisten Erfolg verspricht, unerläßlich. In einem Referat über den Anteil offener Säugling«- und Kleinst nderfüriorge an der Bekämpfung ererbter Svphi- l i« betont« Prof. Dr. R i e t s ch« l- Würzburg die Notwendigkeit, in erster Linie die Umgebung syphilitischer Kinder zu schüben. Dauernde Unierbringung dieser Kinder in besonderen Heimen müsse al« zu teuer abgelehnt werden. Unterbringung in Familien sei nur zulässig, wenn dort keine anderen Kinder sind. Dr. Ho f f a- Barmen behandelte den Wiederaufbau deL Milchversorgung. Die Milchknappheit gefährdet ernsttich Ge. sundheit und Leben des Nachwuchses. Di« jetzt gewonnen« Milch ist fettarm, wird von gewissenlosen Leuten noch gewässert und kommt oft sckpn sauer an. Referent warnte dringend vor übereilter Aufhebung der Milchzwangswirtschaft, da e« zu einem Zusammenbruch der Milchwirtschaft kommen könnte, der den Tod vieler Tausende von Kindern herbeiführen würde. Bei etwaiger ZwangSwirtschaftoufhebung müsse ein Sonder-- gesetz den Städten und Jndustriegemeinden das Recht geben, die Milch in ihrem Gebiet gerecht zu verteilen und auf eine gesunde Preispolitik sowie auf hygienische Milchbehandlung zu dringen. Ueber die Grundsätze für statistische Berichte der An« stalten sprach Dr. R o e» l«- Berlin. Sie find wichtig unter anderem für die Berechnung der Sterbeziffern Den Referaten folgte eine längere Diskussion, die keine wesentlich neuen GesichiSpunkt« ergab. Mehrere Redner empfahlen. auch Kleinkinder schon den Tuberkulosefürsorgestellen zu überweise». damit der Kampf gegen die Tuberkulose einheitlich bleibt. Heute Wird die Tagung fortgesetzt. Wirtschaft LetrirbSstilleguugeu im Weste«. Nach Derichien der Gewerbe-SusficktSbeamten im Regierung«- bezirk Düsieidalt wird amerikanische Kable im Tüsieldorter RegierunnSbezirt bezogen u. a. von der August-Tbhsien-Hllit«. der Gule-Hoffnungs-Hütie, Sterkrade, Haniel u. Lueg-T üsseldort, Capiio ».Klein, Düsieldors. Obeibilker Stahlwerk, Friedrich-Wilhelm-Hütte, Mülheim, Preß« und Walzwerk Reisbolz. Der Preis je Tonne betrug bisher 2000 M.. mit dem weiteren Smken uuierer Morl erhöhl er sich natütlich entsprechend. Trotzdem waten um- fangreicke Betrieb««in>chräntungen unvermeidlich. Sie etstreckien sich nach einer Meldung der.Telegraphen-llnion' unier anderem aus die Friedrich-Alfred-Hütte, Rheuihausen. d,e vo» 10 Hochöfen nur noch sech« in Betrieb bat. auf die Rhein. Ma- ichine»« und Metallwarenfabrik. Düsseldorf, deren Feuerbetriebe zeitweise ganz still lagen, auf da» Röbtenwerk de«.Phönix' in Düsseldorf, auf die Altiengesellschast für Hülienbetrieb in Meidetich, auf die Firma Krupp, Esten, bei der ein ganze» Martinwerk still- gelegt weiden mußie, oni die Boibecker Abteilung de»»Phönix', ans die Niedertbeiniiche Hütte in Duisburg, die von sieben Maitin- Öfen nur uock diei im Feuer hat und bei der da« Grobblechwalz- werk gänzlich still liegt._ Ilsede» Hütte— Zeche llonfianti« der Große. Für die Koblen- geweil'ckatt Eonstant», der Große sind ieit einiger Zeit mehrere Reflektanien aufgetreien. Die Verhaiidlniigen mit der Jl'eder Hütte haben die größte Wahrschetniichkett eine« bevorstehenden Abjchl usie». Neuwalzwerk A-G. in VSsperde. E« schweben gegenwäiiig zwischen der Geiellickaft und einem großen iheiniich-west'ällichen Hüttenwerk VerichmelzungSverhandlungrn. die vor- alissichllich zum Abschluß eine« Jntereslengemeinichofttveittage« führen werden. 73 Prozent Dividende! Zu der Ausschüttung dieser Dividende hat sich die C o u c o r d> o Chemisch« Fabrik auf Aklien ritt» schloffen. Die Berwoliung schlägi vor. für da« obgelausene Ge- ickäflsj.ihr eine Dividende von 75 P>oz. zu zahlen, und zwar er» geben sich 80 Proz. au» de», regulären Belriebe, währen» die weitere Tividende von 45 Pioz durch Beteilrguugen a» den Geweilschasten Jlversledt und Anhalt erzielt worden ist. In den Jahren seit Kriegsausbruch wurden durchschnittlich 6 bi» 10 Proz. verieill. Gasbereitung au«»sisriefischem Torf. Seit langer Zeit vom Städiiichen GaSiveik i» Norden iOststiesland) ongestellie Beiiuche; an Stelle von Kohle nunmehr ou« o st s r i e s i i ck e m Tors G o« zu fabrizieren, haben außerordentlichen Erfolg oebobt. Es ist gelun.ien. dem Kohleng»? etwa 00 Prozent Torsga« znzu- feyen. Der Er sot a war tze'm Brennen der Ga�lampen in der Stadt»in zusliedenstellender. Das Ga« brennt genau wie Kohlen- gas und hat bislang keinerlei Belriebeeinschtäntlingen noch Be» tiiebSnachieile ergeben. Man empfiehlt deshalb Besichtigiingkn an Ort und Stelle in Norden im Jitteresie der Brennsioffvei!o>g»ng und Lichtqnellenlleserung. Da Ostfrieelond anßerordenttich große Meiigeii Tors lieicrii lann. wenn nur die Wogponaesteviiug iunl- tionieri, io wird dies» piaktiiche Feststellung zum Heile der armen Moorbevölkerung Osljtiesland«, die oußeivt deutlich atbeilsam und fleißig ist. dienen._ Wetteransiichten für das mittlere Rorddentkchland bk» Sonntag mittag. Ueberivlegend trübe und neblig, im Weilen und längs der«üiie vieliach fiatke. im östlichen Binnenlande geringer» Nieder- jchläge Temperaturen im Westen, später auch im Osten langsam steige»«. Nr. 5$4 ♦ 37. Jahrgang 2. Heilage öes vorVärts Sonnabenö, 4. dezemberlH20 Severmg gegen Gewattpslitik. Auf der Tagesordnung der Preußischen Landesver- s a m m I u n g steht zunächst die Fortsetzung der Beratung über den Haushalt ües Ministeriums öes Innern. Abg. Leid(U. Soz. rechts): Bon einer Demokratisierung der Verwaltung iit noch nichts zu scheu.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Tie Regierung sündigt noch oft gegen den Geist der Selbstverwaltung, wovon die Nicht- bestätigung des Dr. Löwen stein als stadtschulrat ein be- merkenswertes Betspiel ist. Gegen diese Sabotage der Selbstver- waltung erheben wir den entschiedensten Protest. Gegen eine freiheitliche Regelung der neuen Städteordnung machen jetzt sogar das Zentrum und die Demokraten schon scharf. Der Minister hat hier erklärt, er könne dte Technische Nothilse zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Betriebe nicht entbehren. Er müßte wissen, daß die Technische Nothilfe nichts leistet, sondern �nur Schaden anrichtet. Die Koalitionsfreiheit der ElektrizitätS- arbeit er darf keinesfalls beeinträchtigt werden. Das Kenn- zeichnende für die gegetvärtige Situation ist das Anwachsen des militärischen Geiste?. Die Selbstschutzorganisationen hetrachten wir nicht rein juristisch, sondern als Organisationen der Gegenrevolution.(Sehr wahr! links.) Dev Justizminister muß bei seinem Gutachten über die Orgefch geschlafen haben, wenn er nicht sieht, wohin die Dinge treiben. Zwischen den bayrischen und den norddeutschen Orgam- sationen der Orgesch besteht ein inniger Zusammenhang, der sich auch aus Waffenschmuggel erstreckt.(Ter Redner verliest einige Schreiben von Angehörigen der Orgesch, in denen von geheimer Waffenverteilung und geplanten Ueberfällen aus sozialistische Führer die Rede ist.) Auch in Berlin sind die Einwohner- wehren noch nicht ausgelöst. Die Avbeiterschast erkennt die Situ- ation und wird ihre Macht der Gegenrevolution entgegensetzen. (Lebhafter Beifall bei den U. Soz.) Es folgt dann die zweite und dritte Beratung des Gesetzes über öie Lanötagswahlen. Die einzelnen Paragraphen werden ohne Aussprache angenom- men. bei§ 28 liegt ein Antrag Ludwig(U. Soz. rechts) vor, den Absatz 2 zu streichen, welcher besagt, daß einem Landeswahlvor- schlag höchstens die g l e i ch e Z a h l der Abgeordnetensitze zugeteilt werden kann, die auf die ihm angeschlossenen Kreisl und Per- bandswahlvorfchläge entfallen. Abg. Ludwig(U. Sog. rechts) begründet seinen Antrag. Es ist ungerecht, daß im Reiche die Kommunisten mit ihrer halben Million Stimmen nur einen Sitz auf die Reichsliste hin bekommen haben, so daß sie nur Awei Mitglieder in den Reichstag entsenden. Der Antrag von Ludw-ig wird gegen die Stimmen der sozialistischen Parteien abgelehnt.(Zuruf links: Wo bleiben die Demo- kraten?) Das Wahlgesetz zum Preußischen Landtag wird hierauf in zweiter Beratung angenommen. Die dritte Beratung wird noch zurückgestellt. Es folgt die zweite Beratung de? Entwurfes über die Wahle» zu öea provinziallanötagen und den Kreistagen. Das Gesetz wird in allen Einzelheiten ohne wesentliche Per- änderungen angenomme». Die Gesamtabstimmung über die zweite Lesung wird zurückgestellt. Die Beratung des Ministeriums d«S Innern wird fortgesetzt. Mg. Oelsner(U. Soz. links): 473 Millionen sind im Etat für gegenrevolutionäre Zwecke aus- geworfen. Die Sicherheitspolizei ist �eine gegenrevo- lutionäre Einrichtung, bei der dauernde Provokationen der Ar- betterschaft an der Tagesordnung sind. Wir sind uns klar, daß die Orgesch, die angeblich die Verfassung stützt, den Bolschewistenschreck selbst als llkattonalbolschewismus organisiert hat. Aber die Reichs- regierung orientiert sich nach den Weisungen der Herren v. Kahr, Dr. Heim und Escherich.(Redner bringt reichliches Material über die Orgesck vor.) Der Bericht über die bolsckewistische Propaganda i« den Gefangenenlagern ist ein S p i tz e l b e r i ch t. Ter Minister hat gestern gesagt, er wäre" nach links schärfer eingeschritten als gegen rechts. Das bedeutet, daß die sozialistische Regierung eines Severing die Arbeiter wie Freiwild behandelt hat. Der Putsch in Sangerhausen ist genau so von der Reichswehr angezettelt, wie der in Cöthen. Ich habe das Gefühl, daß der Minister in dem neuen Kampf, den die Orgesch heraufbeschwört, unterliegen wird.(Sehr richtig! auf der äußersten Linken.) Er hat e? ja als Reichskommissar versäumt, seine Macht zu gebrauchen, und braucht sich nicht zu wundern, daß diese Leute ihm über den Kopf wachsen. Unsere Aufgabe ist es. das kapitalistische System zu zerbrechen und der Räterepublik zum Siege zu verhelfen. Dabei wird es ohne Blutvergießen nicht abgehen. Die Blutschuld komiw auf jene(auf die Sozialdemokraten deutend), die im entscheiden«« Augenblick die Arbeiter an die Re- aktion verraten haben. Mit halben Maßregeln ist nichts getan. Aus diesem Grunde geht es nicht ohne Moskau.(Große Unruhe rechts.) An die Stelle der reaktionären Diktatur werden wir die Diktaiur de? Proletariats setzen.(Gelächter rechts.— Beifall auf der äußersten Linken.) Minister des Innern Severing: Der Vorredner hat sich geirrt; icki habe nur gesagt, daß ich gegen links dieselbe Energie angewandt hätte, wie gegen rechts, und daß ich deshalb angegriffen worden fei. Im Augenblick halte ich es nicht für notwendig, den Polizeiapparat gegen die Kvmmu- nisten in Bewegung zu setzen. Das hieße, wie die vorhergehende Rede gezeigt hat, mit den Kanonen nach Spatzen schießen. (Heiterkeit und Sehr richtig!) Ich gestehe dem Vorredner zu. daß augenblicklich die Selbstschuborganisationen eine große Gefahr für di« innere Ruhe darstellen. Gefährlich ist nicht der BolschewiS- muS aus Rußland, aber die Uneinigkeit des Volk«? droht den inne- ren Aufbau zu zerstören. Aufgabe des StaatSministerS ist es.«inen Bürgerkrieg zu verhüten. Als Reichskommissar hatte ich nur Ausschreitungen deS Militärs zu verfolgen. Sie(zur äußersten Linken) haben aber kein Recht zur Entrüstung. Eine rote Armee bringt dieselben Ausschreitungen mit sich, w« Kapp und Escherich Jeder Terror ist gefährlich, deshalb ist es staaisbürger- liche Pflicht, von beiden Richtungen die Waffen herauszu- bekommen. Bei der Ernennung von Landräten kann die Regierung nicht anders verfahren als bisher, sonst bekommen wir im Osten lauter deutschnationale Landräte, im Westen lauier Moskowiter.(Abg. Adolf Hoffmann: Vielleicht wünschen Sie die Moskowiter noch einmal zurück!) Solange die Herren sich den Methoden Rußlands fügen, können mir sie nicht als ge- eignete Vertvaltungsbeamte anerkennen. Sie sollten aber durch ihre blutrünstigen Tiraden den Anhängern der Selost- schutzorganisationen nicht immer den Schein fürdieBerechti- g u ng rhrer Gründungen geben. Bisweilen sind üür.gens unter den Deutschnationalen bessere Republikaner als unter den An- hängern des Herrn Oelsner, und wenn ich zu wählen hätte zwischen ihm und dem Merseburger Regierungspräsidenten v. Gersdorff, io würde ich immer V. Gersdorff Wählern(Rufe rechts: Das ist nicht schwer!) Gerade die Reden von der Art der eben gehörten treiben der Rechten die Bevölkerung in die Arme. An den Abg. Leid richte ich die Frage: Ist es richtig, daß die Un- abhängigen einen erfahrenen Kommunalpolitiker, der von der Sozialdemokratie für den Oberbürgermeisterposten von Berlin vorgeschlagen wurde, abgelehnt haben?(Zuruf des Abg. Hoffmann: Das war Hirsch, den haben wir abgelehnt, weil er zu reaktionär war II Tann müssen Sie mir auch gestatten, Leute abzulehnen, die mir Z« revolutionär sind. Und ich sag«, daß unter den Linksunabhängipen manchmal schlimmere Reaktionäre sitzen als unier den Deutschnationalen.(Lebhafte Zustimmung bei den Mehrbeitsparteien. Große Unruhe bei den Linksunabhängigen.) Herrn Leid muß ich noch sagen, daß beim Berliner ElektrizitätS- streik die Streikenden erst unter der Pression des Be- lagerungszustandes sich bereit erklärt haben, die Notstands- arbeiten auszuführen. Ueber die Notwendigkeit der Be- kämpfung der Orgesch besteht in der Auffassung zwischen Justizminister und Minister des Innern völlig Ueberein- st i m m u n g. Es ist Aufgabe der Staatsregierung: hier ganz be- sonders ihre Pflicht zu tun.(Lebhafter Beifall.) Mg. v. d. Osten(Dnat. Dp.): Herr Sinowjew durfte in Halle von Blut, Mord und Totschlag predigen, gegen Mitglieder der Seldstschutzorganisation wurtde aber ohne'richterlichen Beschluß ganz willkürlich vorgegangen.(Zu- stimmung rechts.— Unruhe links.) Ohne daß bei den Unter- suchungen nach dem Kapp-Putsch belastendes Material gefunden worden wäre, wurden tüchtige Berwaltungsbeamte von ihren Posten enthoben, es genügten dazu.Denunziationen irgend- eines anonymen Schuftes.(Redner zitiert dann Zeitunasäuße- rungen, um den Nachweis des Bestehens gefährlicher Organisationen von links zu erbringen.) Die„Rote Fahne" hatte geschrieben, es müsse mit dem Schwer!« der stinkend« Kadaver der bürgerlichen Ge- sellschaft beseitigt werden. Wir haben leider keine Staatsautorität mehr. Der Selbstschutz ist Naturrecht. Kein Ministerverbot wiro es unterdrücken. Die 1 Million Mitglieder zählende Organisation Escherich wird solange bestehen, als nicht eine starke Regierung den Schutz der bürgerlichen Gesellschaft übernimmt, und sie wird diese Ausgabe durchführen gegen jeden Versuch von links und von rechts.(Zischen und Lärmen bei der Linken, Beifall bei der Rechten.) Minister deZ Innern Severing (Zurufe von rechts: Schluß! Nicht reden lassen! Bon links: Ruhe?-: Wenn eS ausschließlich Aufgabe der Organisation Escherich sein sollte. Ruhe, Ordnung und Sicherheit des Deutschen Reiches gegen terroristische Machenschaften herbeizuführen, dann sind die Mittel und Versuch-, die die Orgesch ergriffen hat. um diesen Zweck zu er- reichen, die denkbar ungeeignetsten. Beispiele davon sind die Organisationen am Rhein und anderen Orten. Was haben sie erreicht? Nur das eine, daß die Arbeiter aller Richtungen und die Bürger mißtrauisch geworden sind.(Zwischenruf von recht?.) Schmücken Sie sich nicht mit den Federn der grünen Polizei!_ Ich kann Ihnen statistisch nachweisen, was in einzelnen bedrohlichen Fällen geleistet wurde. Ich habe es außerordentlich bedauert, daß Herr v. d. Osten mit diesem Temperament die Gründung der Selbstschutzwehren verteidigt hat. Früher wurden solche Aus- spräche als Borbereitung zum Hochverrat angesehen.(Ungeheurer Lärm rechts.) Dieses„Naturrecht" haben nicht Sie allein: das Recht auf Schutz haben auch alle anderen Parteien. Es hängt ein gutes Stück Vereinsmeierei daran; für verschiedene Leute gibt es noch nicht genug Vereine und Klubs. (Zuruf rechts: Strengen Sie mal Ihren Geist etwas mehr an!) Ich bin Mehrheitssozialist, aber wenn es darauf ankäme, Schutz- truppen zu verstärken gegen eine Welle von Moskau, dann stünde ich in den Reihen derer, diegegenMoskau sind.(Zuruf rechts: Aber Herr Minister!) Die Rechtsunabhängigen sind keine schlechte- von Preußen als Sie.(Unruhe.) Sie spekulieren auf die politische Geduld der deutschen Arbeiter, und die deutsche Arbeiterschaft wird sich auch nickt so leicht aus der Fassung bringen lassen. Aber wenn sie einmal gereizt würde, dann kann ich Ihnen sagen, daß das Bestehen Ihres Selbstschutzes nur die Frage einer sehr kurzen Zeit sein würde.(Große Unruhe rechts. Der Präsident verschafft dem Redner nach andauerndem Lärm mühsam Gehör.) Im März wurden auf Grund des Bielefelder Abkommens di« Arbeiterorts- wehren aufgelöst; auS demselben Grunde sind auch Gebilde gleicher Natur auf der a n d e r e n Seite aufgelöst, nicht mich trifft der Vorwurf Ursache und Wirkung zu verwechseln, sondern Sie selbst. Sie b'haupten, es gäbe keine Staatsautorität. Fahren Sie nur immer fort, in dieser Art zu kritisieren.(Zuruf rechts: Es sind nur Tatsachen!) Einem wivt schaftlichen Zusammenbruch hätte keine Staatsform, ob anarchistisch oder republikanisch. entgegenzuwirken vermocht, dafür muß man schon den Krieg und seine moralischen Folge« verantwortlich machen. Hätte die Zensur in den letzten Kriegsmonaten nicht jede Wahrheit totgeschlagen, dann hätte man schon damals etwas gehört von der moralischen Per- wilderung durch den Krieg. Die Staatsautorität ist nur dann nicht da— nach Meinung des Herrn v. o. Osten—, wenn sie von den Vertretern der Koalitionsparteien ausgeübt wird. Die zitier!«« Zeitungkstimmen des Herrn v. d. Osten sind kein voll- wertiges Material.(Zuruf des Abg. d. d. Osten: Ich habe auch linkssozialistische Zettungen zitiert.) Ja, aber nur lolveit, als es sich um Versammlungsberichte handelte. Ter Kampf gegen di« Orgesch soll angeblich die Einigkeit in Deutschland stören. Verbot« der Orgefch gibt es außer in Preußen in Sachsen, Württem- berg. Baden und Oldenburg. Was bleibt denn da viel von Deutschland übrig? Ich glaube nur Bsoern. Ich halte die Be- strebungen Bostelmanns nicht für überaus gefährlich, aber Sie dürfen mir auch nicht zumuten, die kommunistischen Schwärmereien zu überschätzen. Mit dem Pflug, nicht mit dem Schwert müssen wir aufbanen. Ich werde die Polizeimacht so beweglich gestalten. Saß sie überall eingreifen kann, wo eS nottut. Tie Hauptsache aber bleibt.die wirtschaftliche Hebuug des Volkes; aus bloßem Bergnügcn werde« selten Raub und Diebstahl begangen.(Lebhaste Zustimmung links.) Wenn Herr v. d. Osten mir Eingriffe in schwebende Verfahren vorwirft, so sollte er doch nicht glauben, daß ein außerordentliches Kriegsgericht sich ausgerechner durch meine Ausführungen beeinflussep läßt. Die Vorwürfe wegen Undankbarkeit gegen die Zeitfreiwilligen sind un- berechtigt, ich habe den Freiwilligen seinerzeit ausdrücklich meinen Dank ausgesprochen. Wo aber bleibt Ihr Dank für die Arbeiterschaft, ohne die wir nicht aus dem Abgrund herausgekommen wären? (Sehr richtig'! links, Unruhe rechts.) Sie werfen mir ferner vor, daß ich Sinowjew nicht ausgewiesen habe. Hätte ich es ohne Ein- willigung des AuSlrärtigen Amts getan, so würden Sie mir sicher eine Brüskierung der Reichspolitik vorgeworfen haben.(Wider- spruch rechts) Die Presse der Rechten benutzt ja jedes Mittel, die Mitglieder der Regierung herabzusetzen.(Sehr wahrl links.) In Sachen des Staatssekretärs Freund kann ich nur wieder- holen, daß Klatschgeschichten(Zuruf rechts: Klatschge- schichten?) wie die des Herrn von Braun mir keine Veranlassung zum Einschreiten geben. Herr v. d. Osten bat seinerzeit dieDenunzianten als ehrlose Schufte bezeichnet. Was ist denn aber Herr v. Braun anders? Sie haben ja das Recht, im Parlament eine Untersuchung zu verlangen, machen Sie doch davon Gebrauch! Im übrigen wäre es gut, alle derartigen Erörterungen leidenschaftsloser zu führen, denn wenn Sie mich auch nicht aus dem Konzept bringen, so peitschen Sie doch das Volk auf und lassen es nicht zur Ruhe kommen.(Sehr wahr! links.! Alle Parteien sollten nur noch mit den Waffen des Geistes kämpfen und Handgranaten und Maschinengewehre zum alten Eisen werfen.(Lebhafte Zustimmung.) Mg. Richter-Neumünsisr(Sog.): Die Anwürfe der LinksunaNhöngigen nehmen wir nicht tragisch. In Halle haben unabhängige Arbeiter Waffenscheine der- langt und bekommen, um sich gegen den kommunistischen Terror zu schützen. Der erste Rätekongreß, den Herr Oelsner als so ideal hingestellt hat, war das reine Affentheater. Die Links- unabhängigen führen nur die revolutionäre Phrase im Munde. Wenn Herr Dr. Ruer meinte, das Autonomiegesetz für die Pro- vinzen komme zu spät, so kann er an Qberschleflen sehen, daß er sich irrt. Seine Ausführungen stehen im Widerspruch zu den Anträgen seiner eigenen Partei. Was er über die Orgefch sagte, war der reine Eiertanz. Sein Parteifreund Staatssekretär Dr. Meyer hätte ihm reichliches Material über die Orgesch liefern können. Herr Lüdicke hat erklärt, daß er heute noch auf dem Boden des Hergt'chen Einigungsprogramms stehe, aber Herr Hergt hat ja sein� Programm selbst schon fallen gelassen. Wenn Herr Lüdicke Bayern gegenüber Preußen so zu rühmen wußte, so zeigen Zeitudasberichte, daß es dort auch nicht anders zugeht. (Redner verliest Meldungen über blutige Raubüberfölle in Bayern.) Wir sind überzeugt, daß d'e Rechte selbst bei einem großen Teil ihrer Angriffe sich deren Unwahrheit bewußt ist. Wir verlangen, daß auch unsere Partei in habere m Matze zur Berwaltung herangezogen wird. ES ist ja eben erst der Anfang gemacht, mit der«inseitigen Parteiwirtschaft, wie sie in der früheren Verwaltung bestand, auf- zuräumen. Die Larmszenön, die sich kürzlich hier abspielten waren von Herrn Kaufmann, der keinen sachlichen Satz gesprochen hak. planmäßig provoziert. Wir sind überzeugt, daß ein wesentlicher Teil der Selbstschutzorganisationen sich die Borbereitung der Reaktion zur Aufgabe gestellt hat, was sie auch gar nicht leugnen. Wir ver- langen, daß der Minister diese Organisationen unter allen Um- ständen unterdrückt Der Aufrechterhält ung von Rühe und Ord- nung wird am besten dadurch geoieni, daß das ungeheure Heer der Arbeitslosen verringert wird. Von Bedeutung ist auch, daß solche Vorkommnisse aufhören, wi� die R e a k t i o n in der I u st i z, die Verschleppung der Sozialilierung und ähnliche De- unrühigungen des Volkes. Ein Skandal ist es, wenn Attiengesell- schaften, die �sozialisiert werden sollten, noch hohe Dividenden verteilen, während ein großer Teil des Volkes bungert. Mir wer- den den Minister unter stützen in dem Geist, der allein einen wirklichen Aufbau verbürgt.- in dem Geist, der uns leitet: durch das Volk, für das Volk, das Wobl des Ganzen zu fördern.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. GronowSki(Z.). Das Programm, das die Rechte für die Besetzung der Aemter aufgestellt bat, ist so ideal, daß ich nur bedauern muß. daß sie es og Jahre lang nicht befolgt hat. Meine Parteifteunde baben den überheblichen Preußen- geist zu spüren bekommen, der der Totengräber des alten Regimes gewesen ist(Sehr rickckig! links und in der Mitte.) Die Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern wird hierauf unterbrochen. Hierauf werden die Gesetzentwürfe über die Wahlen zum Preußischen Landtag einerseits und zu den Provinziallandtagen und Kreistagen andererseits in dritter Lesung ohne Aussprache- n g e n o m m e n.— Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. Fortsetzung der HanSbaltSberatiing. kleine Vorlagen. öriefkaften üer Redaktion. G. B. 70. Untettchlagmig liegt nicht vor. Auf Herausnabe können Sie nur Klage erheben, wenn Sie sich das Eigentum an der Geige vorbebalten haben. Klagen Sie ihre Foiderunq ein und lassen Sie nach Erlag des Urteils den HerauSgabeanivruch JbreS Schuldners gegen d-n Gailwirt pfänden.— Z. Ä4. Lassen Sic den Schuldschein von den Eheleuten unter- schreiben. Beglaubigung der Unterichristcn durch die Polizei ilt nicht er- forderlich. Wenn aber da§ Tarlcbcn den Betrag von 150 M. übersteigt, unterliegt der Schuldschein der Stemvcliteuer— M. 88. 1. Ihr E'bteil beträgt ein Viertel. 2. Ja, Jbren Erben lieht die Hälfte zu— 2322. Nein. K. H.»03. l. Ja. Sie elbalten aber dann nur da« Pflichtteil. 2. Nein. 3. Ja. wenn die Mutter KrundslückScigcntümerin ist.— O. T. 73 1. Mit dem Beginn der 14. Woche. Die Höbe der Rente richtet ssib nach dem JahresarbeitSverdicnst. 2. Nein.— A. Z. 26. 1. Bei nnterdaltspflichligen Peilcnen monatlich 416,66 M, bei nicht unterdoltspsti-dtigen Personen 333,33 M. Beide Gruppen sind außerdem in Höbe eines Fünftel deS Mehr- bewageS deS Aibeitseintommens der Pfändung nicht unlerwmf.n. Bei der ersten tSiurpe ertöht sich der unpiändbare Teil des Mebrbelrages für jede zu nnterdallende Perlon um>/,„ bis zu höchstens%„ des Mehrbetrages. «IS Höchstbetrag der Psandfreibeit ist jedoch 9000 M. und sür nicht unterbalts. ofli-btige Peisonen 6000 M. bestimmt. 2 u. 3. Nur mit Genehmigung des NollslreckungSgerichts. 4. Wird von Fall zu Fall entschieden 6. Nein.— M F. 89. Unseres Trachtens ja. Eventuell müssen Sie den Ktagcweg beschreiten. CIGARETTEN SIND DIE BEKANNT GUTEN Die besle Welluiaclusgabe: Coloniasport SashsenWurae Eno KON- LINON ["Theater,iichtspieie etc.-] t mrir w w tf wv»ti' inoBMannnnyTnnr� u■ �■-TfT»n�»rvw�r.iyy Upernhaos. Madame Butterfly. S Uhr. Scbaaspielbans. König Richard il(. 7 Uhr. Deatscbes Theater. 7 Uhr: Uer lebende Leicho.m Sonntag 1 Der Ar« am Scheideweg. Kammersplele. T/jUhr. ßjchse der Handora. Stg 2V»' D. deutsch. K leii Stadt. 7 Uhr Er ist an allem schuld. Der Spieler. Der Helralsaturag. Gr. Schanspielbans (Karlstialiei 7 Uhr: Festveranstaliunit zum Besten der Berliner Brenz- spendeiage. Stg.21» Julius Cäsar faul!. Ab.) 7: Julius Cäsar(auS-tbon.) Theater i. d. K9ßiggrätzerStra0e ■/r* uhr: Frau Alarg!t. (Kitty Aschenbacn, hartau, Riemann, Men.es. Richard) Sonntag: Lausch. (Orsiea. Abel, Riemann, Richard. Veidtkirch, Dem- burs. Rftmer.) Montag: Frau Margit. Komödlenbans Tä lieh'/ab Uhr Die Sache mitLola mit Max Fallenberg. (Josefine Dora a.ü� Ortrud wagner.Picha, Haskel.St eda Kiper.) Berliner Theater Allabendlich 7 Uhr;| Die spanische tiachtigall mit FritziMassary ßrlh Wlrl, H, M assmaua, Ummy Sturm, Olga Engl. Central-Thentrr 3 Uhr: Firlefanz(Märchen) ivj Frau Bärbel i Operette) IkeutMFlipH Operuhaus ' Uhr: Mlgnon. Frledr.-U Ilhelm.t.Tli � u. Koheil die Tänzerin. Kleine» Thouter., 7/, u.: Griselda. Kl. NelianmpiolliauH. « wir: Klinlertrapic. KouiiMoii«' Dper tv, uhr: Mi im Scbnee. liiistHilicihaiari Uhr: Arnold Rleck in Die schwebende Jungfrau jl<*(ropoi-Thlat» ZVs Uhr Aschenbrödel. uhr Wenn Liebe erwach! Tbeister de» Westen» i'/j Uhr Scbnee w. u. Rosenrot u,/4 Der ersten Liebe golil.Zeil Th.i.d.Koqimandamenstr. früher ileirnfcld-Theater. 7i/, U: Der rerJUngte Adolar. Wal Iner-Th enter uf? Der Geiger von Lngano. Walhallu-ThentcF � Rastelbinder. Residenz- Theater. Meute nachm. 4, kleine(''eise: ■Inchcnbrödcl. Täglich 7'/, Uhr: I-tady wiadermerea Fticher Von Oskar Wiloe. Ilansl Arnstadt, Adele Sand- rock. Carola Toelle, Arnold korH, Jul. Fulkenstein, Herrn. Vallentin, ■ lg»•• Die Rascbhotfa. Volksbühne Theater am Bülowolatz 7 uhr: Kabalea.Llebe L8ssing-T)ieater. DireNtion Victor Barnowsky Heute und Sonntag: Ff, uhr: Flamme. (Dorsch, Hanmann, Klein- Roggc, Prftckl.) Montag 7. zum ersten Male: Amphitryo. 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Dieselbe erstreckt sich nach den Tagungen auf allgemein« Heil für- sorge, Bekämpfung der VolkSkrankheiten, besondere Fürsorge für SchtvervesckWigte,«meinsmn« Vertrag« mit Heikan stakten, gemeinsame Beschaffung deS Bedarfs, gemeinsame Verhandlung mi» der Aerzteschaft, Beratung der Versicherten, Schiedsgerichte für Streitig Nttlrstiverdsnil LroB- Berlin d. S.P.D,««bt. ®ft(SncifT» Friedrich Weber (Ebttöjftt. 45, Ist»IStzlich ttadi kurzem Skronlenlager oetftorbm, ®t» Sinäfif-cruna findet deute, mittag, 2 Uhr, lm firematorium Kerichtstraße statt. Reg« Beteiligung erwartet Der vorstand. T- �lkbnl gemeinschaften über da? gange Reich ausgedehnt fein. Die Groß- Berliner Arbeit»gem«lns«haft habe«ruch bereits einige positive Er- folge ihrer Tätigkeit zu verzeichnen. Ein DiSkussionSledner stellte sich etwa? skeptisch zu der Ar- beitSgemeinschaft. Er vermißt in dem Vortrag« deS Syndikus nähere Angaben über die positiven Erfolge.— Darauf antwortete Albert Kobn, die Erfolge der ArbeitSgemeinschast ließen sich weder jetzt noch in Zukunft m Zahlen ausdrücken. Ein sehr be- achtenswerter Erfokg fei et. Laß sich die verstcherungSfrZger nlfcc g« kommen feien, sich über manche Fragen verständigen können und dadurch viel Arbeitskraft und Material sparen. Durch«in Uebev- einkommen zwisch.n Krankenkassen und BerufSgenossens.chaften seien viel« Prozesse überflüssig gewovden.— Reich«ta�.wg«r,rdneter Genosse Giebel glaubte aus einer Bemerkung de» Syndikus schließen zu können, daß die Arbeitsgemeinschaft ein Mittel ab- geben könne, um die Fortentwicklung der Arbeilerversicherung. namentlich ihre Vereinheitlichung auf dem Wege der Gesetzgebung zu hemmen.— Der Vorsitzend« Welker bezeichnete diese v«° fürchtung als unbegründet. Gewiß fei die Zusammenlegung der verschiedenen VeesicherungSzweige ar zustreben, aber die Arbeit». gemeinschaft, die sich auf den Bodcn der gegebenen«erhältniff» stelle, sei nicht der Ort, wo dies« Frage au»ge fochten werben fcntw. NWklMMIlMMtM sterwaltungsitelle Berlin X st. 54, Cinlenftr. 83—85 Seschiitt»z«it von vorm.» Uhr bt» nachm. 4 Uhr, Ttlephoa: Amt Nord«» tW. 123», 1987, 8711. Achwng! Funktionäre,««htmig? vß» 8pe!.-keIiZiiij!.»ß LeAdieelitzIelll.. �«ücbe. Haut,, Harnl. d.Miinn. u Frau«» feej. schw. Fäll«. 24 iafir. Sri. ftdtfr fichrr. ohn» Berufostilr. IM Äilll!!. Il-I2, 5-7.>2S4»b' 8pe!islsr!t vk. äsedicks ktoul.ciewdlecvlzieiUon KIu»- uniet»ucvun>!en. Salvorzan- Xuren. firl«»ir. I»?. a. d MohreB»ir. ll i.3-6.Stg.ll-l. ettnässen! Befreiung sofort. 'Alter ü.Oeschlecht angeben. Ausk. umsonst. San. Inst. Gz. Englbrecht, MUncnen B. 69, Kapuzinerstd. B Holzkohtenzru, st xesier Ersatz lOr j l Grudekoks und brenn« Yorzii liest in iedem | Grudeofen. 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