Kr. 5P5 ♦ 57. Jahrgang Ausgabe S Nr. Ib0 VeMgSvret« t ??rteIjflt>rt.AV,—„ mon.ttl lO,— M. fisi m» öoue. oormis ablbac. i'oft. tesua Monatl tfi 10.— Ml, trtL Zu» ftillungsgedütir. Unter Srfu*oanb fin Deulittilanb und Oenerteid» 18,' 0 M!» für oa* übrig, Unelanb oei taaltdi etntnaU Sufielluno 2150 Unit-i». Oelluuqen nennten an Ocftetreidv Ungarn, Tschecho-Siowaie!, Dane- Btatc, öoDano..ut emourg, idimeben nnb ble Mncn.— amoettaaen m die Soft» etmna» Pre siisle. 3?ft.�onDartf" mit bei Sonntag». btLggk.Volt u. Reif* endtetnr wogten. lagttch zweimal Sonntag? und Mo» tag«>tnmat. Abend-Ansgnbe SHegramm.-UOttffe JlojtalOoBiafcal Cvrfitt". Berliner Nolksdlstt ( 20 Pfennig� BszeigenprrtS t Die achtgelgaliene AonpareMezetii kottetZ,— üli., Truetunq»znlchlag50«/� «Sloin» Unzsigon- oa« tett- zed rügte Bon I,— M. lzuliisstg zwe iettgebrutkte Worte>. tedes weiter. Wort 80 Pig. Stellengeiuche unc Lchlatttellenanzeigen das erlie Wor. 85 Ptg. ,ede« weitete Won 40 Pfg. Worte über 15 Bltchsiaben zählen sil> twei WoNe. Teuerungszuitblao 50°, 0 ffatnilten.V.nze.gen für Abonnenten gelle Ä.— 331, politttihe und(,'■ werlichaltliche Perein«■ Anieigen 8,— Mt. die geilt ohne Aufschlag Anzeigen für die nachiie 3iummei miifien bis 5 Ahr Nack ntittag« im ktonntgeschäfl. Berlin S9S 3. Linden» fttafet 3, abgegeben werden. Seöffne- son 9 Uhr Irtth bis 5 Uhr abend». Tentrslorgan der rozialdcmokrati feben partei Dcutrchlanda Kedoftien und Expedition: EW. 68. 2indenstr. Z. �erniorerher. ilmi»Viarinvla«,»)ir. l.ll v«— I»!«7. Sonnabend, den 4. Dezember vorwärts-veriag G.m.b. h., EW. bS, Lindenstr.Z. aernivrrcbrr!«m,■ajoriiil'lnn, ü!r. 1X7 53— 54. Italien für SelbMestimmung. Rom. 4. Dk»cml>er.(Frkf. Ztg.) Ter KammeravS» s ch u ß für Auswärtigrs verlangt dringend AufllLriing über dir Entcntenote an Griechenland, die einen unzulässigen Eingriff in die inneren Angelegenheiten Griechenlands darstellt. JevsnfallS hat unr die durch Italiens Kohlen- und Tciah. rungSbedürfnisie erzwun-zenc Rücksicht auf d>e Ucbcrniacht der Entente dem Grafen Sforza die Zustimmung zu der Drohnote nach Athen abgenötigt. Abgelehnte Seglückung. Die Aeutzerung dÄnnunzicI gegenüber dem Tesfiner Kriegs» gewinnler C a r m i n e, datz die italienische Schweiz zu Italien müsse, hat zu einer Demonstration in Lugano geführt. Der .Franks. Ztg." wird darüber berichtet: Ilach vorangegangener feier- licher Versammlung durchzogen Siudencen nni einer schweizerischen Fahne unter Absingen der Nationalhymne die Strassen. Die Be. völkerung überschüttete die Schweizer Fahne mit. Blumen, die nachher am Fusse des IlnabhängigkcitsdenkmalS niedergelegt wurden. Im Großen Rat interpellierhe Cattori, in welchem Maß« Staatsbeamte und Mitglieder des Lehrkörper? in die An- gclegenheit verwickelt seien. Die Blockade jsinmes. Rom,"4. Dezember.(DU.) Den Schsfen ist eine Frist von drei Tagen eingeräumt worden, um die blockierten Gewässer von F i u m e zu verlassen. Der Verkehr der nicht bewaffneten Schiffe wird nicht unterbrochen. Alle Schiff« werden einer Untersuchung unterzogen nnd falls st« stch dieser zu e.-.tziekx-n suchen, befchlag. nahmt und bei etwaigen feindseligen Handlungen in den Grund ge» boiirt. Kein Schiff darf die blockierten Gewässer in der Nacht durch» fahren. Jeder Versuch fetzt da? Schiff der Gefafr anS, versenkt zu werden. Die Zufuhr von Lebensmitteln und Kohlen Nr Süd. flawien ist am Tage gestattet. 28 Frerwillige, die sich in Pol« nach der Insel Cherson eingeschifft hatten, zwangen den Kavifän mit dem Revolver, sie in F i u ui e landen zu lassen. d�Annunzio ver?)andekt. Rom, 4. Dezember.(TU.) D'Annunzlo hat einen Delegierten namens Ll u a st i e r i nach Rom abgesandt. Die„Tribuna" meldet, daß eine Entspannung bereits eingetreten sei. Hunöesstaat Deutsthöfterreich. De? delitschöswrrnchisch-c Bundesrat. auS den Landtagen von Wien, Nkidcr» und Oberösteri-eick!. Ulzburg, Tirol. Kärnten und St''ermork«"wählt, ist in Wien tpiter dem Borsiss des Genossen Jakob R e u m a n n, Bürgermeister der Hauptstadt, ziffannnsng�reien. Wir aÄ>?n zur Orientierimg über die staatlichen Beichältnisse unseres Brnderlsudes aus der Eröffnungsrede Reumanns einiges wieder l Ich lade Die zi'r Arbeft mit dem Wunsch: ein, e? möge die legislative Tat. gleit des Nationalrates durch den Bundesrat keine wie immer geart.'te Hemmung erfahren. Nach fast un- überwinidl'ch scheinenden Schwierigkeiten hat die Nationalversamm- lung der Republik eine Verfassung gegeben. Massgebende Teile harren noch der Erledigung», so d.e Aufteilung der Steuerquellen und die Regelung der Beiträge und Zuschüsse au? BundeSmiiteln, die Sch u l o r ga n i sa t i o n und die politischen Rechte der Bundesbürger. DaS VerfassungSiverk, das die demokratisch: Re- publik Ceftmcich als Bundesstaat begründet und sichert, stellt sich als ein Ausgleich zwischen dem Grundsatz erneS zentralistischen EinheitSsdaateS imd einer föderativen StaatSvcrbindung dar. Die neue Bundesverfassung gibt den Ländern eine Rechtsstellung, die sie zu wahren Gliedstaaten eines Bundesstaates macht und die volle Gleichheit zwischen Bund und Ländern vorsteht. Hoffen wir, daß dieser Ausgleich, der in der Verfassung gefunden wurde, eine Periode der Konflikte zwischen den Ländern und dem Bund beendet und ein erfolgreiches Zusammenwirken aller gewährleistet bis zu dem Augenblick, den wir alle herbeisehnen, in dem Deutsch- Österreich— vo» Fesseln befreit— sich eingliedert in das große Reich der deutschen Nation. (Lsbhufter Beifall bei den Sozialdemokraten und Grotzdcutschen; die Ehristlichsozialen rühren sich nicht.) Unverrückbar festhalten soll der Bundesrat an dem Grundsatz seine Arbeiten von dem Gedanken aus zu leisten, daß dir Republik für alle Zeiten zu sichern ist. Die Hoffnung, die der Vorsitzende ausgesprochen, das Ziel, das er aufgestellt hat, ist auch das unsere. Gberscblejlscker Lanörat ausaewiesen. Katiowitz, 4. Dezember.(TU.) Die interalliierte Kommission hat den Landrat und Polizeipräsidenten Dr. Suermond-Hindcnbvrq der preußischen Regierung zur Verfügung gestellt und um seine anderweitige Verwendung außerhalb de« Abstimmungsgebietes gebeten Daraufhin hat der preußische Minister des Innern dein Landrat Dr. Suermond den Auftrag erteilt, die Geschäfte seinem Vertroter zu übergeben und nach Berlin zu kommen. Der Landrat hatte das von polnischen Banden bedrängte 8. Po- lizsircvter Zaborze durch Entsendung von tS Landjägern oerstärkt Der französische Kreiskontrolleur befohl ihm darauf, diese Per- stärkunz zurückzuziehen. Der Landrat weigert? sich, diesem Befehl nachzukommen, da er die bedrängte blaue Polizei, die nur auS wenigen Mann bestand, nicht ohne Schutz lassen konnte. Die, Verstärkung wurde also nicht zurückgezogen. Rur diesem Uinstan'e' ist es zu verdanken, daß ein Ueberfall auf das Polizeirevier unter- blieb. Seitdem bestand ein gespanntes Verhältnis zmffchen dem französischen KrciSkontrolleur und dem Landrat, das nun zu seiner Abberufung geführt hat. » Mittwoch, den 8. d. M., im großen Börsensaal Protest- Versammlung gegen den Vorschlag, die Abstimmung der aus- gclvanderten Oberschlesier in Köln stattfinden zu lassen Redner aller politischen Parteien sollen sprechen. Was sie nicht sehen. Zu«wem Frage- und Antwortspiel im englischen Unterhause über Ungarn schreibt die Wienar»Avboiterzeiwng": Als man in den Straßen von Budapest die soziailistischen Re- dakteure ermordete, schrieb der Ad-niiral Troubridge. daß die Lebonssscherhcft in Budapest nicht anders als in Großbritannien sei. Der französische Hauptbcvolltmächtigte Fonchet berichtete nach Paris, daß in Budapest eine mustergültige Ordnung herrsche. an dem Tage, als die Erwachenden Magyaren das Kasino in der Leopoldstadt besetzten, den Polizisten ewltra ermordeten und Hundert« mtfömKg«r Mrp.fchr..„.oliz, söl�ugen. Keine größere Glaubrrüvd gleit ist der Errlärung. die dvr Staarssekretär Harm S- worth im englischen Unterhause über die Stärke der un- garischen Armee abgab, beizumessen. Dem britischen Ge- nccal in Budapest, der Harmsworth informierte, ist es merk- würdigeiweise gelungen, fest-ustellen. daß die ungarische Armee nicht größer sei, als sie nach vem Fr rdenSvertrag eben sein darf! Ausgerechnet 3S 000 Mann sollen in Ungarn unter Waffen sein, wiewohl sogar dieser horthyfreundliche Bericht zugeben muß, daß eZ unier den deaschiedensten Vorwänden noch viele Taulende Bewaffneter im Lande gebe. Die britischen Vertreter in Budapest bringen es nicht zustande, zu erkennen, daß d.e Erwochetiden Ungarn. die DedachemenlS, die vielen Laue, die auf Grund von amt- liehen Legitimationen Uniform und Gewehr tragen, aber der na: io- nalen Arme- doch nicht angehören, sozusagen auch Soldaten sind. Er sagte auch, solange der Friedensvertrag nicht in Wirksamkeit getreten ist, könne«ine wirksame Kontrolle nicht stattfinden. Es ist aber der W a f f e n st i l l st a n d S v e r l r a g in Gültigkeit. Dieser erlaubt Ungarn tee Aufstellung von vier Divisionen, wo- gegen Ungarn allein in We stnngarn eine größere Slreiimacht unt-rhält! Wrangel ist eben in die Flucht gejagt und d.« Entente- diptomatie entdeckt wieder ihr Herz für den Bolschewistenschreck Uugavnl Die.Arbeiterzeitung" erwartet, haß die Britische Ar- beiterpartei sich durch diese Manöver nicht beeinflussen lassen wird. die Aktion üer Labour Partp in Jrlanü. London, 4. Dezember.(Meldung des Hollandfch Nieuws- bureauS.) Ter englische Arbeiterausschuh, der zur Untersuchung der irischen Lage nach Inland gegangen ist, besuchte mit verschie- denen Vertretern des irischen Bauernstandes die zer st orten Dörfer, die Umgebung von Dublin und unterhielt sich mit den Direktoren der zerstörten Molkereien. Hendcrson und Ad am son hatten gestern eine Unterredung mit dem römisch- katholischen Erzbischof. Hier wurde der zukünftige Burgfriede in allen Einzelheiten besprochen. Der Erzbischof versprach, daß die römisch-katholische Geistlichkeit den Plan entschieden unterstützen würde, wenn nur olle Gewalt beider- seits aufljör«. Hendcrson und Adamson besuchten auch die Ge- fangenen in Dublin und hatten eine längere Unterredung mit G r i f f i t h, dem stellvertretenden Premierminister der irischen Republik. Nach FeHgowfkis Mwehr. Eydtkuhnen, 3. Dezember.(TO.) In Lft auen ist durch den Abschluß deS Waffensiillstandes große Entspannung einge- treten, die Forderung aus W i l n a wird aber aufrecht erhalten.— Die gelernten Arbeiter werden aus der sowjetrussischen Armee entlassen, um ihre Täligkeil wieder aufzunehmen. Verschwörung Watter. Zu unserer Karlsruher Meldung in der AbenbauSgabe vom 29. November terli uns der Präsident der Eisenbahndirektion Nürnberg mit. dag die ihm unter- stellten Beamten Oberregierungsrat Hans Burkhardt und Bahnverwalter Wilhelm ErieShommer aus Nürnberg sich nicht, wre eS in der Meldung hieß, in Begleitung des Generalleut- nant Watter befunden haben. Vielmehr hätten sich die beiden Ge-| nannten in dienstlicher Angeleaenhert— Besichtigung von Woh.ffahrtScinrichtungen der Eisenbahnverwaltung— an diesem Tage in Karlsruhe aufgehalten und seien in keiner Weise mit Ge-> neral Walter, der ihnen unbekannt ist, in Berührung gekommen. Gegner der Preußenverfassung. Von Ernst Heilmann. Für die Verfossung der sächsischen Republik hoben im Oktober auch Deutschnotionale und Neukommiunsten ge- stiinmt.� Bei Verabschiedung der preußischen Verfassung haben sie mit Nein votiert. Ter Grund dafür blieb geheim- nisvoll für Weise wie für Toren. _ In der Presse und im Wahlkampf werben die Links- radikalen sich als Grund ihrer Ablehnung auf deu Staatsrat berufen, und unwissende Zuhörer werden sich darunter eine Art neuen Herrenhauses vorstellen. Nichts falscher als dasl Der Staatsrat wird gewählt von den Provinzialvertretungen, und diese werden vom ganzen Volke genau nach dem Wahl- recht zusammengesetzt, welches dos Erfurter Programm vor- schreibt. Staatsrat und Ländtag urw er scheiden sich von einander nur dadurch, daß dieser unmittelbar, jener mittelbar gewählt wird: sonst sind sie genau gleich demokratische und gemchie Wiedergaben des Volkswillens. Die Deiitschnotionalen bemänteln ihre negative Politik mit der Behauptung, die Verfassung richte sich gegen Preußen. Sie sage zwar selbst� nichts über die Selbständigkeit der Pro- vinzen, aber sie bereite Autonomiegesetze vor, denen ein über- zeugter Allhänger des Prcußenstaates und seines Zusammenhalts nicht znstimmen könne. Auch das ist nur eine demogo- gische Ausrede. Urb er das Maß der provinziellen Selb- ständigkeit chrd spwler entsch'eden werden, je nach dem Ergebnis der Neuwahlen in Preußen. Aber schon heute muß festgestellt werden, daß der erste Schrei nach er- weiterter Selbständigkeit der Provinzen in der Landes Versammlung ausgestoßen wurde von den Den tsch, nn t i o n a l en. Das Thep.a der ev- wetterten Provinzialrechte stand zum erstenmal zur Debatte in de? 7. Sitzung der Lantdosversammlimg am 21. März 1913; es wurde aufs Tapet gebracht von dem dentschnational-m Ab- geordneten Linz, der erklärtie: Wir verschließ-n unsere Augen durchaus wicht vor den Fehlern der Vergangenheit. Unser rheinisches Temperament, unser stark emöroickelteS Selbständigkeits- und FreiheitSgefühl konnte sich mit dem altpreußischen BureaukvatiKmnS schlecht befreunden, und durch iwanche Mißgriffe und Uebevgviffe des preußischen Regiments fft diese Verstimmung gefördert worden... Es würde zweifellos in allerkürzester Zeit Abhilfe geschaffen worden sein, sobald die Prin- zipiea der Selbstverwaltung sich im weitesten Umfange durchgesetzt haben würden, und das war doch zu erwarten. Als darauf unser dmnaliger Ministerpräsildent Genosse Hirsch eine wesentliche Envcfterung der provinziellen Selbstperwaltung zusagte, erwiderte ihm dar Führer der deutschnationalen Landesversamm! ungsfraktion Herr von der Osten: Wir sind treue Preußen, aber auch treue Deutsche, und auch wir er st reden als letztes Ziel eine deutsche Reichseinheit: diese fft von uns immer als die Mission de? preußischen Staates aufgefaßt worden. Der Herr Ministerpräfi- dem hat gemeint, daß der Reichscitibeiit eine Ausgestaltung der Selbstverwaltung vorangehen müsse. Ich werde ihn an dieses Wort recht oft erinnern und hoffe, daß er der Sckbstver- waltung in seinen künftigen Verorduu-ngeu im reichsten Maße und in reicherem Maße als bisher Rechnung tragen werde. Genau den gleichen Standpunkt nahm die Deutsche Volkspartei ein. Im Anschluß an die eben wiederge- geben en Worte des bentschnationalen Führers erklärte für die Volkspartei der Kölner Abgeordnete Moldenhauer: Unser Ziel, unser Ideal muß auch in Zukunft der starke deutsche Einheitsstaat sein, und jeden Schritt, der uinS diesem Ziel entgegen führt, jeden Weg. der zu diesem Ziele weist— den werden wir gern gehen. Wenn dl« anderen LimdeSstaaten bereit wären, auf denselben Boden zu treten, dann wären wir die letzten, die nicht auch Preußen für da« Deutsche Reich opfern würden. Genau ebenso hieß es schon in der Prinzipienerklärung der Deutschen Volkspartci in der Landesnersammlung, die zu Beginn der Beratungen Absi. Dr. von Richter abgegeben hatte, man sei bereit, für die Rcichseinheit das Opfer Preußens zu bringen. Herr Moldenhauer aber führte in seiner zitierten Rede weiter ans, Preußen müsse lernen, der Eigenart der. einzelnen LandaZteile mehr Rechnung zu tragen als bisher�- die Zuständigkeit der großen Selbstvernxtltungskörper iei aus- zubauen— das sei der Boden, auf dem sich die Deutsche Volks- Partei mit der gesamten Zentrumspartei zusammenfinden wolle. Er bitte das Zentrum, jeden Abtren- nungsgedanken aufzugeben und mit den Rechtsparteien den Weg weitestgehender Autonomie der Provinzen zu beschreiten. Die Rechtsparteien haben also in der Preußischen Landes- Versammlung selbst genau den Standpunkt eingenommen� wie die Sozialdemokratie auch, nur daß dies? daran festgehalren hat, während Konservative und Nationallibcral? zu Wahl- zwecken eine taktische Schwenkung vorgenommen haben. Aber die Herren von den Rechtsparteien konnten noch ganz anders. Als die Verfassunggebende Preußische Landesver- ammsung(TcSöTsTt wurde, da fierfirüberfett sich tn Hanuowr Deutschnationale Volkspartei und Deutsche Volkspartei mit ausdrücklicher Zustimmung der Parteivorstände mit den Welsen. Volksparteiliche Kandidaten unter Führung des Ab- geordneten Held erließen einen Aufruf, in dem es heißt:„Die Deutsche Volkspartei wünscht... im Rahmen des Deutschen Reiches eine RepuMik Hannover... in diesem Sinne ist: Los von Berlin! unsere Parole. Und die Dentschnatio- nale Volkspartei fraß damals im Januar 19l9 das wölfische Programm mit Haut und Haaren und ließ später in der Landesversammlung diesen Verrat an Preußen durch folgende Erklärung entschuldigen: Wenn mein« politischen Freunde in Hannover leinerzeii im Einvernehmen mit der Parteileitung Fühlung genommen haben itut den Welsen, so herben sie das getan in ein«m Augenblick, wo wir glauibten, daß alles darauf«ankäme, die bürgerliche Front einheitlich und stark zu erhalten. Wir haben ferner geglaivht es mn zu können mit dem Ziel und Zweck einer stärkeren pro- vinziellcn Ausgestaltung. Aus dieser Ktmidgebung der Deutschncrtionalen geht klipp und tlar hervor, daß ihnen das Wesentliche die bürgerliche Front ist. Preußen ist ihnen nur so lange lieb und gnt, als nc glauben, vom Fortbestand Preußens Vorteile für den .stampf gegen den Sozialisinus zu haben. Steht das aber unleugbar fest, dann sollen die Deutschnotionalen im Wahl- kämpf ihre Sprüche über die Rettung Teutschlands durch Preußen und die Unentbehrlichkeit Preußens für die deutsche Zukunft ruhig beiseile lassen. Es steckt dahinter keine Ucbcr- zeugnng— auch ihnen war Preußen nur ein taktisches Mitte! zur Stärkung der bürgerlichen Front. Je nach dem sie glauben, ihren reaklionären Parteizielen zu dienen, werden s'e Preußen zusammenhalten oder lockern oder aufteilen. Die Sozialdemokratie hatte als einzige Partei schon im Wahlkampf und wahrend der Versailler Friedensverhand- iunaen die Aiifteilungsbestrebungen namentlich der Welsen entschieden zurückgewichen. Sie hat zu Beginn ihrer Arbeiten in der Preußischen Landesversammlimg erklärt, daß sie mit Freude dos Bekenntnis der Regierung zum deutschen Ein- Hisstoat begrüße, solange er aber N'Ä erreicht sei, ein ein- ' estliches Preußen erhalten und diese? einheitliche Preußen in Demokratei und Selbstverwaltung so arlsbauen wolle, daß s als Vorbild dienen kann. Noch diesem Programm hat die Sozialdemokratie unbeirrt in der Landesvenammlung gc- arbeitet, und dieses Programm wird sie auch bei den Wahlen mit Nachdruck und hoffentlich mst Erfolg vertreten. Geselliakeitsverein oSe?...' Ein„deutschrölkstcher Geselligkeitsverein", besten Zu- sammenkünfts in der..Hütte", Berlin, Bachstr. 9, stattfinden, versendet gleickigeitig mit seinen Einladungen ein Werbe- s o r m u l a r, dessen Vordruck von ganz besonderem Jntercste fft. Zunächst wird der republikanischen Verfassung eine Ver- beugung gemacht, dann erfolgen 15 Anfragen nach Name, Wohnort, Religion, Dienstgrad, Gesundheitszustand, Trup- pengattung, TienstFeit vor dem Kriege, während des Krieges, pach dem Kriege, und schließlich zerfällt die 16. Abteilung in die Unterabteilungen von a) bis u). Doch diese wollen wir unsern Lesern nicht vorenthalten: 16. Vollendete Ausbildung. Gewehrmodell, b) Karabinermodell, c) Pisiolenmotell, «i) Handgranaten, e) I. f) f. f. M.-G., g) Minewwcrfer, h) Flammenwerfer, i) Fernsprecher, k) Funker, I) Fahrer, m) Radfahrer, nj Personen-Kraftfahrer, o) Laft-Krafifahrer, p) Feldartillerie, q) Futzariillerie, r) Aerzte, ,) Saniläts-Unterpersonal. t) Feldküche, u) Besondere Ausbildung. Es mutet Höchst eigentümlich und wenig gloubwürdig an. daß ein Verein, der angeblich Geselligkeitszwecken dicnei? soll, in dieser unheimlich eingehenden Art seine Mitglieder auf Herz und Nieren über ihre persönliche Eignung befmat. Es kann kaum angenommen werden,- daß die Deutsch- völkischen zum Schutz gegeneinander der Flammenwer- -er- und Minenausbildung bedürfen. Coöesursache: Hunger. Eine Anstalt in einer Jndustriegegend Deutschlands: Hohl- wang?o oder gedunsen und blaß aussehende Gestalten mit ftump- fem Blick schleppen sich in gebeugter Haltung mühselig dahin oder kauern zusammengesunken in Gruppen auf Bänken und am Boden; kein Wort der Klage, kein Zeichen der Teilnahme für ungewohnte Vorgänge ihrer Umgebung. Irrenanstalten, sonst Stätten des Lärms und heftigster Unruh«, sind still geworden, nur ein unver- ständliches Murmeln, und das heißt Hunger, zuweilen ein ver- zweiselter wüster Aufschrei, und der bedeutet Essen. Und naht die Stunde des Essens, dann wird es lebendiger. Sie richten sich aus ihrer zusammengesunkenen Stellung mühselig empor, meist unter Zuhilfenahme ihrer Hände. Vielfach gelingt dies beim ersten Ver- suche nicht, ein mitleidiger Nachbar hilft dann dabet. Oder man sieht jemanden plötzlich wie einen gefüllten Sack umsinken, um nicht wehr anzustehen, oder tot vom Stuhle fallen, oder man vermißt diesen oder jenen in der Früh« unter seinen LeidenSgenossen. Sucht man ihn, so findet man ihn, die Bettdecke über den Kopf gezogen, zusammengerollt, tot in seinem Bett. Und keiner von seinen Schlaf- genossen hat etwas von seinem Hinscheiden gemerkt. Forschte man Kinn bei der Leichenöffnung nach der TodeSuffache, so fand man jenen geschilderten Fett-, Muskel- und Organschwund, und die Ur- fache hieß Hunger! Todesursache: Hunger! Da« ist grauenhaft! „Todesursache— Hunger", so klingt daS klagende Lied, das uns mit schmerzhafter Eindringlichkeit au« den michlern-fachlichen Feststellungen ins Herz dringt, die Dr. Jansen in Heft S der Broschüren folge.Mette t die Kinder" der Vereinigung für Kinderhilfe festgelegt hat. „Die Wirkungen der Unterernährung" betitelt stch dieses Heft- chsn. Und jene, im Kriege ganz neuartig ausgetretene Oedem- krankheit ist eS, die Eingangs geschildert, und über deren Wesen Dr. Jansen Näheres berichtet. Sie bildet das Endglied der fort- laufenden Kette de? rapiden Körperverialls, den die Aerzie heute an all ihren unzähligen Patienten feststellen können. Aber nicht nur über die Folgen, die die langjährige Unter- ernährung im ganzen deutschen Volke zeitigte, spricht der Verfasser, sondern er geht zugleich den Ursachen unserer Unterernährung auf den Grund, und weist die Wechselwirkiingen nach, die eines auf daß andere ausübt. Ms größte Gefahr sieht Dr. Jansen die Einstellung des Ge- scrmtorganismus auf die geringe Nahrungszufuhr an, d. h. eine Art ttzewöhnung, die der Körper nur dadurch erreicht, daß er einen Teil lsineS eigenen Materials einschmilzt, sozusagen sein Kapital der- zehrt. Diese verursacht ein« Abnahme aller feiner Funktionen, nämlich der ArbeitSfähcgleit aller seiner Glieder. Die unsterblichen Krkegerveeeive. Der„Grotzherzoglich hessische Kricgerverein" versendet folgende Einladuno, in deren Belitz wir durch einen glücklidben Zufall ge- laugt' sind: Sehr geehrter Herr, dy Kriegervereine haben sich nicht überlebt. Si K halten die Erinnerung an deutsche Großtoten wach und stärken dadu.ch unseren Mut für die Zukunft. Die Kriegervereine vcrermgen in sich alle Schichten des Voltes, wie die Kriegsformationen, und können deshalb, wie diese, die tiefen Risse überbrücken, die unser Volk zu seinem größten Unheil durchziehen. Aus diesem nationalen und sozialen s? Die Red.) Gründen bitte ich Sie, der anliegenden Einladung Folge zu leisten. Rcchisamvali Dr. V o ß, setzt W. 10, Gcnthiner Siraße Nr. 7 Die Kriegervercine verfolgen den offensichtlichen Zweck, Binde- gliedcr zwischen der gcstürzien Monarchie und der von ihnen ängestrebicn künftigen Reaktion zu bilden. Darauf weist auch der Name des hessischen Kriegervereins hin, der sich nach wie vor als„großherzoglich" bezeichnet. Der Militarismus ist wie jene Schlange, der neun Häupter neu erstanden, wenn man ihr eins abgeschlagen hatte. Wieöe? Solöatenschinüer. lieber eine große Reihe von Soldalenmißhandlungen bei dem Reiterregiment 7 bericbtel unser Breslaner Parieiblalt. Nach seinen Jiisornraiionen hat ein junaer Unleroistzier S ei sfe rl svier Jahre beim Militär) dem Gesreilen Tcmpelhahn(8 Jahre Soldat, Feld- zugsleilnebmcr) mit der Lanze geschlagen. Der Rltimeiner v o n Alten und der ctaisinäßige Wachtmeister hätten dieieS Vorgeben noch damit enochuidigt, daß„er was Schwung in die Ge- sellschafr gebracht werden müsse!" Weitere Miß- bandlungcn werden zur Lost gelegt einem Unter ivfisisr, namens G o r k o w und einem Unteroffizier R o h d o ck S, wobei der Vorgeietzte Oberleutnant v. Rost die Mißhaud- lungen habe gescheben lasten. Rilkmeister v. Alten habe anderen, wegen der Mißbondlungen erregten Unter osfiziere erklärt, sie lLiinten doch froh sein, daß sie Lberhaupt hier ein Unterkommen gefunden halten. Ein Unieroifizier Werner soll einen Mann mit der Lanze geschlagen haben, daß Blur stoß. Ein Ouarliermeisier Grote habe einem Soldaien so in den Bauch gerieten, daß er sofort hüifiel. Der Vertrauensmann der Schwadron, der sich von den Militärs alter Schule nicht einschüchtern ließ, ist abgegangen, vre Wahl eines neurn Vcriraueiismannes findet nickt statt. Der Re- gimentsverilauensniann ist ein alter Wcichimesster, der schon lange leinen Dienst mehr tut. aber auch die Rech« der Mannschasien nicht vertritt. Wir bringen diele Dinge öffentlich zur Kenntnis, obwohl wir wissen, daß Heirn Rcichswehiminisier Geßler die Lektüre des „Vorwärts" von seinen Untergebenen verböte ii worden ist. Aber vielle'cht kommen ihm diele Zeilen dock einmal irgendwie zu Gesicht, wobei sre'liÄ noch geringer als unsere Hoff- nun i, daß dies geschehe. d>e andere ist. daß er gegen die gemeldeie» Zustände durchgreifen wird. Minister Lü'öemonn unö öie Seamten. Man schreibt uns: Der„Deutsche Schnelldienst" gab kürzlich unier der Ueberickrifk �Genosse Lüdemann und die Beamten" ein'c angebliche Ziifchrifr eines Beamten wieder, in der der preußische Finanz- min'ster Lüdemann angegriffen wird, da er sich„um das Wohl und Wehes?!) seiner Beamten" nickt kümmere. Minister Lüdemann habe seine Rede im BeioldungSausichuß der Landesver'amnilung mit de» Worten begonnen:„Aus einer Drucksache des ReichsiatS ersehe ich soeben, daß die Teuerungszulage der Beamten wie folgt festgeseyt woiden ist." Es wird nun gefolgeltz daß der preußische Finanzminister. der als gänzlich unorientiert hingestellt wird, einen Beschluß des Re>chSra!s erst auf Umioegen, nämlich durck diese Drucksache erfahren und sich also nicht einmal habe eni. schließen können, periönlich dort zu erscheinen oder sich durch einen seiner Räte verireten zu lassen. Hiermit nun gebt der rein körperliche, der sogenannte materielle Verlust über in einen gewissermaßen ideellen. Nämlich sowohl an körperlicher Arbeitsfähigkeit wie an geistiger Aufnahmefähigkeit. Hand in Hand damit aber zugleich ein seelischer Kräfteverlust, der sich in gereizter Stimmung und Arbeits unlust äußert. Denn körperliche und geistige Unfähigkeit, zieht umviderruflich eine stark« seelisch« Schädigung nach sich. Dr. Jansen kommt also hier zu einem psnchologischen Moment, das— wie er selbst ausführt— für die Ursachen unserer politischen und wirtschaftlichen Wirren von immenser Bedeutung ist. Eine weitere indirekte Folge des Se-hstverbrauchs der eigenen Energiespender bildet daS gehäufte Auftreten von Krankheiten. denen zu widerstehen der geschwächr« Körper nicht mehr imstande ist. Hierzu kommt noch die mangelhaste Bildung von Schutz- und Abwehrkörpern im Organismus, der eine sehr verhängnisvolle Rolle spielt. Die weiße P e st— die Tuberkulose, ist es, deren geradezu enschreckende Ausbreitung als fast unmittelbare Folge der' Unterernährung— des Hungers, der Krieg dem deutscken Volke brachte. Ueber die grauenvolle Steigerung aller durch die Unterernäh- rung direkt oder indirekt hervorgerufenen Krankheitsfälle gibt die Statistik des Anstieges der Todesfälle Aufschluß. Es starben im ganzen Reichsgebiet allein an Tuberkulofe etwa 83 Proz. mehr als in Friedenszeiten. Die absolut« Steigerung der Zahl gegenüber dew/elben Zeitraum in der Vorkriegszeit. Und die Todesursache— Hunger! Das Rosetheatcr brachte eine Jnszenievung von Otto Lud- wigs�literaturge'chichtlich berühmten Erbfärster. Das Stück entstand einige Jahre nach der Hebbelsetzcn Maria Magdalena Ende der vierziger Jahre und trägt in der intimen reichen Charakter- zeichnung der Hauptfigur in der pairiarclxrlisch kleinhürgertichen Enge der Anschauungen, in denen dieselbe lebt, wie in der Schroff- heit, mit welcher die Tendenzen des Charakters im Lauf der Hand- lnng zum Extremen gelriehen werden, mancherlei jenem Hebbel- werk verwandte Züge. Neben diesem ist es der einzige bedeuten-- dere Versuch zu einem bürgerlichen deutschen Schauspiel, von dem die Uebcrliekerung aus jener Zeit und den dann folgenden Jahr-' zehnten berichtet. Öeut mutet uns das Ganze seltsam fremd an. Ter starre und bormerte Ehrbegriif des Hebbelschcn Mcisier-Anton, dessen Selbst- morddrobung die Tochter in den Tod treibt, steht immerhin dem vsychologischen Mitgefühl noch näher als der verwunderl'che Eigen- sinn des Försters, der sich in die Idee verrannt hat: ihm komme nach seinem pflichtgemäßen Ermessen die oberste unwiderrufliche Entscheidung in allen Fragen der Forstverlvaltung zu, sein Wille gehe von Rechts wegen dem des WaldeigeniümerS vor und die Ge« richte müßten das bestätigen. Sein knorrig stolzes Standesbewußt- sein, sein Eigensinn, der Jähzorn, als er sich gekränkt glaubt, ent- faltet sich im Stücke so auf dem Hindergrunde einer Weltfrcmdhcit, die kaum begreiflich, ist. Und dieser Eindruck wird noch dadurch ver angebliche Beennt«, der nach Lage der Ving««in recht»» stehender LandiagSabgeordncter sein dürfte, scheint von den Tingen, über die er schreibt, sehr wenig zu ver st ehe». Es bandelte sich bei der zitierten Dntckiache um eine solche, wie sie dem Finanzminister als Bevollmächtiglein zum Reicksrat und mit ihm jedem anderen Mitgliede d'.eier Körpetsckajt einige Tage vor der belreffenden Sitzung zur Voibereilung des in der Sitzung zu de« handelnden Maietials zugeht. Diese Druckiacken lonunen direkt aus dem Reickskabinett, und nur auf diesem Wege kann daher der Miitister Lüdemann cr'abten, welche Beschlüsse die R e i ck s r e g t e r u n g zur Beioldungsirage gefaßt hat. Einige Tage nach der erwäbnten Rede Lüdemunns im Ausschuß der LandeSveriammlung fand dann die Sieicksrat-sitzung statt, die der ichleckt unterrichtete Beamte sckon vor LüdemannS Rede abgehalten glaubte, und in dieter Sitzung war sisibstversiändlick der Finanz- minister w'e üblick durch einen Ministerialdiieltzpr und außerdem durck seineu Besoldungsreseren'.en vertreten. Der Angriff gegen Minister Lüoemann und die Folgerungen des angeblichen Beaniten auf das.Geiiosieiireginient' und sein Interesse sür daS Wohl der Bearnien enipuppen sich demnach als eine anscheinend schon für die preußischen Wahlen berechnete Stimmungsmache, deren wenig vornehmer Tor in der Polemik nur noch dadurch überboten wurde, daß der ganze Angriff aus von A bis Z falschen Voraussctzutigen ausgebaut ist. Staatspolize! für Chürinaen. In der gestrigen Sitzung des Landtages für Thüringen wurde die Regierungsvorlage, betreffend die Einrichtung einer kasernier- ten und hewafftieten Staatspolizei für Thüringen, nm 26 Stimmen der S o z i a I i st e n und Demokraten gegen 23 Stimmen der vereinigten Rechten angenommen. Ter Widerstand der Rech- ten richtete sich weniger gegen die Einrichtung der Polizeitruppe, als gegen deren angeblichen politischen Charakter und vor allem gegen den als Leiter derselben aus Mecklenburg berufenen Gen- darmertebefehlshaber M ü I l e r- Brandenburg.elei.— To.: Tribüne: Die Tournee.— Lessing:(Nachm.): Fitzlisitz, der Himmelsschneider. Eine grosse Sendling amerikanischer wissenschaftlicher Ver' össe»?tichui!aeli— IlÖ siuelzentnetkislcn— ist jetzt vom Stnit'sscken Fn'nUit in Wasbinato i gesnndi. bei tzcm Bccliner clmeilka-FnsliluI ein« retroficn. Aus Deul chla d sind d? Kisten wisfeitschast.ichcs Mat.rial durch dieses Jniti tu! nach Amcrita entsandt wotden. Nraniavsrirögr. Sonntag abend 8 Nbr:„Der 6lolf von Neapel«. Montag Dr. W'tb:.Jndlschsi, panisches Vossslebcn". Diensla t und Freitag Niedsielsli:.W'vterzaiiber-(mit Lichtbildern imd Neimen). Miliwoch RegierungSbaumeiiter irtuald;„Die Flugzcugphotozraphien in ihrer wirt- schaf'lichcn Bedeutung'. , Ein ciigiitch-amcrikanitcher Univelsttiitetuchtaschel für Assittel- rnirova bat sich gebild?!. der sich zum Ziel gesetzt hat. ds- w ssciischaUllchcn Oeziebungen zwischen Mitteleuropa und elmeriia und En tnnd ausrecht- zuerbaltcn und zu diesem Zwecke UrUerstützutigeu tu Form von Büchern, Druckichrstleu usw. zu oerlelleu. GroMerMl Die kloSerhölle!a öerlin. Eine Kinderhölle!? Sind nicht Kind und Hölle zwei Begriffe, £:e man gar nicht zu einander in Beziehung setzen kann? Wünschen wir nicht alle, daß den Kindern ihre Kindheit zu einem Paradiese werden möchte? Ach, wie vielen Kindern bleibt das Kinderparad-ies verschlossenl„Die 5tindcrhölle in Berlin" war wirtlich die treffendste Bezeichnung für die Zustände, die gestern Graf Harry Keßler im Bürgersaal des Schönebergcr Raihauses schilderte und in Licht- bildem zeigte. Der Ansiedlungsverein Groß-Berlin, der die Großstädter und -hren Nachwuchs aus der dumpfen Enge des Häusermeeres erlösen will, hatte diesen Vortragsabenö zum Besten der notleidenden Kinder veranstaltet. Die Wohnungsnot, deren Beseitigung das Z el all der Siedlungsbestrebungen ist, steht in der Fülle des sozialen Elends wahrlich nicht an letzter Stelle. Unter Wohnungsnot ist dabei nicht nur Mangel an Wohnungen zu verstehen, sondern Wohnungsunzulänglichkeit, Zusammenpferchung großer Familien in engen Wohnungen, die laurn von einem Sonnenstrahl getroffen wer- den unv wegen Unterlassung jeder Reparatur immer weiter der- toahrlosen. Ter Vortragende schilderte und zeigte solche Wohnungen und in ihnen. die Kinder, die darin verkümmern und zugrunde gehen. Zur Wohnungsunzulänglichkeit kommt in der jetzigen Zeit für viele Familien der Mangel an Betten, an Wäsche, an Klei- flung, an Schuhwerk, weil alles das beutzutage unerschwing- sich teuer ist. Bitter leiden besonders die Kinder unter all dieser Not, am bittersten unter der Nahrungsknappheit. Ter Vor- tragende zeigte erschütternde Bilder von schlecht ernährten Kindern, von Kindern mit rachitischen Verkrümmungen der Glieder. Dem Vortrag wohnte aurb Käte Kollwitz bei. Im Vor- y.ak waren Zeichnungen von ihr ausgestellt, die mit eindringliche: i' rast für die hungernden Kinder warben. Aufklärung dnes Raubmoröes. Tie verrätcrifchc Algarettcntüte. Ein Kapitalverbrechen, das am Lt. Sepiember d. F. be. C ollies in Pommern an dem Fabrikbesitzer Emil Abraham rübt wurde, ist jetzt von der Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Tie Täter wurden in Neukölln verhaftet. A.S das Verbrechen bekannt wurde, hatte die Ortspolizei zur EmnilUüung der vier Verbrecher zunächst nur ganz geringe Anhalts- punkte: urner anderem wurde eine Zigarettentüte aus einem Gesthüft in der Schönleinftvaße zu Berlin gefunden. Es ergab sich, daß das Zigarrcngeschaft in der Schönleinstraße schon kert 10 Iabren nicht mehr bestand. Sein letzter Besitzer hatte nach ''einer Aufgabe in Neukölln eine Schautwirlschaft aufgemach: und dorthin auch seine ZigareUen und die Tüten mitgenommen Tieicr W'vt war nicht mehr da. SeA vier Wochen betrieb die Wirtschaft ein 45 Jahre alter Hättdier Karl W o l l i tz aus der Teap-tzstr. 12 zu Neukölln, dem wegen schwerer Vorstrasen die Schankerlaubnis bereits wieder enizogen worden war. Dieser Wollitz entpupp!« sich als der Haupttäter bei dem Verbrechen. Er horte Zigliietten von Neukölln mitgenommen und die leer« Tüte in der Mordstelle achtlos weggeworfen. Durch weitere langmierig« und schwierige Nachforschungen der Beamten gelang es, auch die anderen Verbrecher jetzt zu ermitteln nd hinter Schloß und Riegel zu bringen. Es sind der 35 Jahre be Artist Fritz Lotschowsky aus der KarlSgarrenstr. 14, der in e arietäS als Ketten sprenger auftrat und den Spitznamen ..F e s l e lf r i tz e" führt, der L3 Jabre alt« Dreher Fritz Lange aus der Warihestr. 20 und der 40 Jahre alte Händler Emil R a h n, der bei Wellitz gemeldet war, aber bei seiner Geliebten n der Brückenstraße wohnte. Nohn war ftüher in Callies beschäft'gr und mit den Verhältnissen vertraut. Tie Kcsomtittrektio', der Straßenbahn tritt znrnck. Die Gesvmtdirekrion der Großen Berliner Straßenbahn bat dem Magistrat Berlin ihre Aemier zur Verfügung gestellt. In nner dem Magistrat untorbveiteton Erklärung heißt es: Nachdem bereits früher in seiner BewevbuugSanspracho der jetzige Verkehrsstadtrat die Direktion als veraltet und der Re» melmr bedürftig bezeichnet bat, nachdem uauerding? von Mlt- ledern der Sladiverordnetenvecsamimlung der Straßenbahnoer- oslumg Mißwirtschaft vorgeworfen worden ist, nachdem endlich i gen ein Mitglied der Direktion von einem Teil der Stadtver- ndnew ni>er tamtirau ng eruverletzende Angriffe öffentlich erhoben oordeu sind, siebt die Direktion in ihrer Gesamtheit -uf dem Standpunkt, daß es ibr unter diesen Umständen wicht mehr möglich ist. ihr Amt mit der erforderlichen NrÄcitsfreudig- • rt und i'liitorttni bei ihren Angestellten zu verwalten. General- . i rekror Dr. W uch ow sowie die Direktoren Dr. Micke, Mever und Hagsmet>er haben daber den Magistrat ersucht, baldmöglichst :e erforderlichen Schritte zu tun. daß ihnen unter angemessener llegeiung ibr.'r, LertragSansprüche der Abschied aus ihren Aemterr, gewahrt wird. Die Untersuchung gegen Tr. Micke wegen der in der letzten Stadiverordna'etrperfammlung gegen ibn erhobenen Vorwürfe wird ■/rch dieses AustrittSqcsuch sekbsiverstänchlick nicht berührt. Ma» 'arf rubig annehmen, daß in dieser Angelegenheit das letzte Wort ■och nicht gesprochen ist. Wdhnachtsspevüen Ser Staöt öerlw. Der Magistrat beantragt bei der Stadwerordnetenversamm. lung, drei Millionen zur Versorgung Minderbemittelter» m erster Reihe Erwerbsloser mit eigenem Hausstand, Renten- empfüngern usw., mit Brennholz und fürC Millionen für eine WeihnachtSbeihilfe an Minderbemittelte zu bewilligen. Die Minderbemittelten fallen je*/» ebm Brennholz einmal vor und einmal nach Weihnachten erhalten. Mit dem Betrage von drei Millionen können ßö 000 Hausstände bedacht werden. Die Weihnachisbeihilfe soll, wie es in der Magistralsvorlage heißt, „an8 wirtschaftlichen und psychologischen Grüu- den" gewährt werden. Verheiratet? sollen 40 Mk., Ledige 30 Mk. und jedes unterhaltsberechtigte Famiiienmitglied 20 Mk. erhalten. Mit dem Betrage von L Millionen können 51 000 Verheiratete. >12 000 Ledige und 81 000 Familienmitglieder bedacht werden. Tie hierfür in Betracht kommenden Erwerbslosen und Minderbemit- ielten sollen an Hand der Listen der Erwerbslosenfür» sorge und der Armenverwaltung festgestellt werden. » Der Magistrat zu Potsdam hat befchlosien, den Armen seiner Stadt zum WeihnachtSfeste pro Person Meter Holz, 1 Zentner Kartoffeln und drei Pfund verschiedene Hülsenfrüchte zu verabreichen. Die Kosten betragen 50 000 Mark, die auS einem Reservefonds genommen werden sollen. Ehedrama im Hotel. Der 46 Jähre alte Bureaubeamte Friedrich H e ck e r aus der W a t t st r. 7„zu Siemensstadt stieg gestern mit seiner 42 Jahre alten Frau Ida in einem Hotel in der Anhaltstraß« ab. Beide begaben sich sofort auf das zugewiesene Zimmer und kamen Sicht mehr zum Vorschein. Ali mau sich ahenbs nach ihnen um» Die �vereinigtet Am hsutigen Sonnabend twzt der lange angekündigte V- r« i- nigungsparteitag der Alt- und Neukommuni st en. Am Freitag hatte jede der beiden Gruppen noch ihre Sonderkon- ferenz, zu denen Pressevertreter nicht zugelassen waren. Was dort verhandelt ist, kann man nur aus den Berichten der beiden kommunistischen Terliner Blätter entnehmen. Trostlos muß nach diesen Berichten die letzte Tagung der Alt- kommunisten gewesen sein. Dort berichtet« Thalheim er über die bevorstehende Vereinigung und versicherte, daß das Organ:- sationSstatut der K.P.D. bei der Verschmelzung so gut wie unver- ändert bleiben werde. Vor allen Dingen würde man die Fragen unmittelbarer Aktion besprechen und sich keinesfalls mit xrogram- matiichen und theorstifck>en Erklärungen begnügen. Die Frage der revolutionären Aktion in Deutschland sei tatsächlich die Frage, wie- weit es gelinge, die Gewerkschaften mit klmimnnistischem Geist zu erfüllen. In der Diskussion über ThalhcimerS Vortrag verlangte Schön» l a n k, daß die po-li tischen Angestellten, die Wander- redner und Wanderlehrer der Partei auf allen Parteitagen mit beratender Stimm« zegelassen werden sollen. Trotzdem Pieck gegen diesen Antrag auf Zulassung der„Bonzen" sich erklärte, wurde der Antrag angenommen. Nachdem das beschlossen, erklärte Pieck, daß nach diesem Beschluß neue Verhandlungen mit den Neu- kommunisten nötig seien. Bei den Neukommunisten war es schon einigermaßen interessanter. Auch hier wurde versichert, daß die Vorvcrhandlun- gen mit der K P.D. die Gewähr dafür böten, daß bei der Ver- schmolzung keine ernsten Reibungen entstehen würden. Zum ersten Male in der Geschichte würde sich r'>e kommunistische Partei zur Massenportei entwickeln.(?) Stoecker erstattete dann Bericht über die Lage der Nenkommunisten, die bisher immer noch als„llnabhängige" firmieren. Er versicherte, daß Hamburg mit 42 000 Mitgliedern geschlossen zu den Nenkommunisten übergegcm- gen sei. Mecklenburg mit 0000 Mitgliedern der Unabhängigen sei vollständig bei den Neukommunisten verblieben. In Berlin sei der gionze Parteiapp-arat verloren. Trotzdem aber hätte man schon die Hälft« der früheren Parteimitglieder, etwa 50 000, neukommunisiisch organisiert. Am allergünstigsten stehe der Bezirk Halle-?.>dersebuvg. Auf diesem Parteitag, sagte Stoecker, seien 438 000 Mitglieder vertreten, und zwar die besten Ele- m e n t e der alten unabhängigen Partei. Zusammen mit der K. P. D. wird die neue kommunistische Partei eine halb« Million Mitglieder zählen. Aus diesen Angaben kann man ersähen, wie verschwindend ge- ringfügig die Zahl der bisherigen Spartakusleute in Deulschlaud war. Um fo komischer wirkt es, wenn die Jnternatiomle von dieser Verschmelzung so orakelt: „Nim aber tritt eilte neue sieghaftere Macht an ihre Steve, die alle Widerstände-n- und außerhalb des Proletariats, alle Kräfte, die sich dem Siege der Revolution entgegenstellen, über- winden wird. Tie Revolution in Deutschland tritt in eine neue Phase." Nach dem, was bisher vorliegt, kann man nur lagen, daß die Revolution neue— Phrasen erlebt! • Wer VerewistunstSparteitag. In dem mit roten Fahnen geschmückten großen Saäl des Lehrer- voreinshauses trat heute früh der gemeinsame Parteitag der sah. fand man sie tot auf. D?e Frau lag mit aufge- schnitten en Pulsadern und einem Strick um den Hals in einer großen Blutlache auf dem Fußboden. Der Mann hing, ebenfalls:ot.an der Türklinke. Noch einem hinterlassencn Briefe sind die Eheleute gememfam in den Tod gegangen. Was sie dazu veranloßte, haben sie nicht angegeben. Eisenbahn-Zusamlneustoß Auf der Eisenbahnftrecke Berlin-Hamburg hat sich heute nacht gegen 1 Uhr im Gelände des Bahnhofes Paulinenaue, 50 Kilometer von Berlin entfernt, ein schwerer Unfall ereignet. Ein vom Ham» bürg kommender langer Güterzug 7075 mußte vor dem Bahnhof Paulinenaue halten. Beim Anfahren riß eine Kuppelung, so daß ein Teil des Güterzuges zurückblieb. Auf diesen zurückgebliebenen Teil ftihr ein gleichfalls von Hamburg kommender Eilgüterzug 0031 auf. Zwanzig Wagen find total zertrümmert. Der Schaden ist ganz bedeutend. Ein Schaffner erlitt dabei schwerere Verletzungen, zwei andere Eisenbahnbeamte sind mit leichteren davon gekommen; ebenso ist der Schaffner deS Post- wagcnS im Eilgüterzug glücklicherweise nur geringfügig verletzt. -» Eine wertvolle Sammlung antik>?r Uhren gestohlen. Eine uu- gewöhnliche Beute, die sowohl einen hohen Kunst, als Material- wert hat, machten Einbrecher am ReichstagSufer. Sie er- brachen dort mii Gewalt die Tür einer Wohnung und verschafften sich fo Einlaß, obwohl der Wohnungsinhaber alle möglichen Sicher- heitsvorlehru ugen hatte anbringen lassen. Ohne daß jemand etwas .> erkte verschwanden sie wieder und nahmen außer für 100 000 M. Teppichen und anderen Wertsachen auch eine Uhrensamm- ung mit, die ebensoviel wert ist. Die goldenen Taschenuhren stammen auS dem 17. und 18 Jahrhundert und sind französrschcn und englischen Ursprungs. Alle tragen sehr bezeichnende Verzie- rungen, ein Bildnis Napoleons, zwei Eng»' mit Glocke U'w. und fallen dadurch sofort auf. 1 Groft-ö??!iner partewachrlchten. Heute, 4. Dezember: 12. KeeiS. R!» fZr beute angekündigte Sitzung der ArbeitSgemein- fchait der inj. Eltern brnöte muß besonderer Gründe wegen ausfallen. « An unsere SängerchSre. Ter in der Konferenz vom 17. November 1»S0 gewüblte Siebener- Ausichiiß bot sich lonniiuierl und ist der Unterzelchnele als Obniaun ge- wädll worden. Der Siebeucr-'llus'chuß bal die tluigobe, mii den bestehen- den S.P D.-Cbölen siühlung zu nehmen, sie mit Rai und Tat zu unter- sliiben. Er bot nicht die Aust obe, wie vielfach tri tnmlich angenommen wird, die Gründung eines Bundes vorzube, ecken; auch besieht nicht die Absicht, die Zeliplltieiung in den Arbeiter-Singer-Bund zu tragen. Vir e, wallen aber von unleien Bartelgenosse», das; sie die bestehenden Verein« unier- stützen, und richten an dieienigen, welcke noch bürgert chen Vereinen ange- stören, den Vvpel!, sich die Frage vorzulegen, ob es ibrer würdig ist.— Die gemeldeten Vci eine wolle,! uinacbend an den Unterzcichnelen den Namen des Verein?. Mitaliederzabl, Uibungslokal und-Tag. sowie die Adrefle des Voisitz nden einsenden, damit in Zntuntt astwöchentlich die Uebungssiunden gemeinsam im.Voiwans» veröstenllichl werden löunen. Karl Schulz, Cstarloilenburg, Kirchstr. 31/84. Di« Uebungssiunden finden stalt: ivtonkag. 7'/, Ubr, Arbeiler-Gelang- verein.Einigkeil», B u ch b o l z, bei Henning, Paiewalker Skr, 68,— Dienstag, K Ubr, Soz, Mämierchor. Halles ehe 4 Tor. bei Krause. Marionnenplatz 22, Frnuenchor Lrohflnn», Eharlottenburg, bei Schwache. Kinn inestr. 6.— Te»v erctag. Coz, Rännerii or, 3? e i- nicken dors-Ost. Bei Lindenftädt, Residenzsiratze, Ecke Krüner Veg, - Freitag. 7>/, Uhr, Coz. Männerchor. Prenzlauer Tor, Milasäle. Tchöndauier Allee 130. 7'/, Uhr Männeichor„Haimonie" tS.O.D.), Charlottenburg. Aula der Siemins-Lberreatschule, Schtotzstr. 27. >Uhr, V» i g e n f e e, PistoriuS», Ecke Rötlestraße. i Kommunisten". Linksunabhängigen und der Kommunisten zrrfammen, um gemäß den von der Moskauer Tritten International« vorge» schriÄenen 21 Bedingungen, beide Gruvpen zu einer vereinigten kommunistischen Partei alz Sektion der Driiten kommunistischen Internationale zu verschmelzen. Ueber dem Vorftaudsiisch schwebt der fünfzackige rote S o w j e t sl e r n in riesigem Format, Abg. Braß von der U. S. P- D. eröffnet den Parteitag. Er erklärt, daß er mit Stolz darauf hinweisen könne, daß neben den Kommunisten der größte Teil der U. S. P. D., und zwar- der bessere Teil einheitlich auf dem Boden der Moskauer Internationale siehe. Es soll hierauf der Boden zur Tat vorbereitet werden, um eine rinheiliche Kampffront, nicht nur gegenüber dem Kapital, sondern auch gegenüber dem internationalen Reformismus zu bls�en. Von dem Par:eitag mutz die sammelnde Kraft ausgehen die das deutsche revoluliouäre Proletariat zusammenfaßt znm siegreichen Kampf gegen den Kapi» talismus.(Lebhafter Beifall.) Namens der berlin-bcandenburgischen Mitgliedschaft begrüßt Schindler-Berlin den Parteitag, Er ipricbt ebenfalls von der Not- wendigkeit einer eisernen, geschlossene-. Front gegenüber der Bour- geoisie. Da? Berliner Pflaster ist genug mit P r o l e t a r i e r b l u t getränkt.(Durch wessen Schuld? Red. d. V.) Wir haben hier in Berlin schwere Kämpfe gegen die antibolschewistische„Freiheit" zu bestehen, die jetzt eine wahre Fundgrube für die ant.öolsche» wlstische Liga ist. Daraus wurden zu Vorsitzenden als Vertreter der beiden Gruppen der Kommunist P' e ck uno der Unabhängige Braß ge- wählt. Es wurden dann aus beden Gruppen eine Organi- sationskommission und eine Programmkommission eingesetzt. Das Wort zu einer Begrüßung nahm sodann als Vertreter der englischen kommunistischen Partei Williams, der Sekretär des englischen Transportarbeilerverbandcs. Auch wir, so führte er aus, können die wirtschaftlichen Folgen des Krieges nicht ertragen. Ich habe vor Wochen einige Zeit in Suwjet-Nußland zugebrächt. Wenn (Ja. wenn das Wörtchen„W»nn" n'cht wäret Red, d. V.s die lom. muniftifche Regierung in Rußland in der Lage gewesen wäre, ihre Aufbauarbeiten ungestört durchzuführen, wäre Nußland heute daS reichste Land.(Hört, löri!) Es lebe die Dritte Internationale, eS lebe die Kommunistische Partei Deutschlands.(LeÄh. Beifall.) Der ungarische Kommunist Kovachz, der die Grüße der un, garischen kommunistischen Partei überbringt, weist aus die unge. heuren Opfer hin, die da? ungarische Proletariat seit 1Y Monaten im Kampfe gegen Horlhy für die Idee der Welt» r e v o l u t i o n bringt. Der Sck weizcr Kommunist G r i n g o l f, der sein Bedauern darüber ausspricht, daß die Schweizer Sozialisten zur inlernalionalen Frage nipinals grundsätzlich Stellung genommen haben, gibt der Uoberzeugung Ausdruck, daß der Bcrcinigungs- Parteitag der deutschen Kommunisten auch für die kommunistischen Sektionen der kleinen Länder von allergrößter Bedeutung sein werde, Ebenso übermiiteln auch die Vertreter der tschechoslowakischen und der holländischen Kommunisten dem Verschmelzungsparteitage die Grüße ihrer Organisationen. Zur Verlesung gelangen dann eine Reihe Begrüßungsielcgramme aus dem Ausland. Die Mit- teilung, daß den Vertretern der französischen Kommunisten C a ch i n und F r o s s a r d von der französischen Negiecuug die Ausreise und dem Vertreter der dänischen Kommunisten durch die dänischen Behörden in Kopenhagen die Einreiseeriaub. n i s versagt worden ist, wird von den Delegierten mit lebhaften Vfui-Rufen aufgenommen. Hiewauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Zum ersten Punkt der Tagesordnung.Do» Aktionsprogramm der Vereinigten kommunistischen Partei Deutsch- iands" erhält zunächst der Kommunist Dr. L e v i das Wort. Sport. Die gestrige» Voxkönipfc im Admtrcilsvnlast fühlten zn einem be» daueri chen Zwiiäensoll im Kampfe SreileuftrSter gegen den Neuer Hamm l?raickreitb). Ter Neger zeigte eine ausgezeickmle Technil und war in guter Ver'affung. Erst in der 5. Runde gelang es dem deulschen Melker einige Voiteile zu erringen. In der 12. Runde siel der Neuer »ach ewigen lehr heslipen Mageniöf.en, Tas � chiedCgeiirl t erliärte Breiten slrüter alS Sieger. Als weiteres Paar kampfle B u n a a r d y fAuftratien) gegen Willi Möller fTeuIschlaid', weicher Kampf nach Puntten für Möller enlfchleden wuide. Ten Schluß biltelen der Feder- g?w chlSmeülrr R o l» u s gegen Fiitz Koch, lepierer war'einem Parlner weit überlegen und wurde in der 10, Niindc als Sieger c> klärt. Ter vierjSlirige Traber Black Jim sr. gewann in diesem Jabre abzüglich der Eililätze 128 9S0 M. Er kellte damit für Teulfchland elnen Reloid auf,— R o f h I o r i, der ersolgreichsle Traber Franlieichs. bi achte es aus 37 352 Frls,— An Züchtervrälnien veiausgablen u, a, in dielem Jabre der Verein wr Hiiidernls-Rennen 277 216 M. und bei SlrauS- derger Rcnnverem 106 200 M.— Ulster King, ein tu England ge- zogeuer Persimmon-Sobn. der zuletzt in Irland kand. tsl von der Aiilauss- lommiision aiigelanst worden. Mithin ist es gelungen, einen Hengst von ganz hervorragendem Zuchlwert in unser Land zu bclommcii. Theater See Woche. Vom 5. Dezember vi» 11. Tezember. Bollsbllhn« i ä, 8. u. 14 Do, Aätchen von ÖeiidrockD 6. Nach Daina»?u«, I. TeU. 7. u. 10, Kabale und Liebe, fl. Nach Doinasws, 2. u. 3 Teil. 12 l aul Lange und Sora Par�>erg,— Opernhaus: 5. Tiiiian. 6, Amor ltcn. Tanzszenen, Baiaizi. 7, INd.n 8. Sin-onielo»zer».«. Maskenball. 1». Ritter Biaudartt II, Amoreiten, Tanzize»«». Utnsel und(üreiell 12. Polesuina— Cchau(vioU;au»i 5. Richard II. 6. u. 10. Peer ffinnl. 8. Maria Stnarb— Große» Zchausplelhan,: Zedermann. 14 Danion.— Denrsche, Thedter; 5.. ch, 8, 10. u.'"2. Der Arzi am Scheidewege. 7.. 3, u. II. Don Carlos.— Kemmetspieie: 5.. ch. ch u. VI Er ist an allem ichnld. Der Spuirc. Der JeitaiMniraa. 7. Die S)iWi(e der Pandara. g. Krllhling« Erwachen. 14 Die teui'che» Kieinkitdier,— Theater in der Nbnig» grSller Steatzer 6,. 7. 3., I l. u. Ich Rausch, ch u, 10. Frau Margit« Erdge.sl Teuische, Opernion»:» Die Fiebern, ans, ch Earmcn. 7. Der Troubadour. », Eugen Onrgin.«. stänlel uub Sielell Balleit. 10. Tosco. 14 SroDiola 12. Der ßigeiincrtarop.— Echilleriheater: 5.. 7. u. S Der Biberpelz, ch u, 10, Don Carlas. ch Die guigeschnittene Ecke,>4 BeiNna» Berleburg. 12 Bit Heidelberg, X ä s 1 1 4. Die Tribüne. Bi» 10. Bonbury. Abt 14 Die Tournee.— Dentsche» Kstakleeiheater: Die k»eiduna»reise,— ikombdienl au, Die iZache mit Leia,— Berliner Thealer: Die spanische Nachtigall—»leine» Echaufpicl- hans: ch u. ch Die Büchse der Pandara, 7.-12. Eine Edelei.— Triauen-Thraier: ftaimnemustt— Relidenztheater: t'oör Winderniere» Fächer,— ZerUraltdealer: Fron Bärbel,— Tbroier in der«emmanbanlensirotze: Der vrijllnglr Adoiar. — Friedrich» Wilhelms, Sdiiich«« Tdeat«: Zdre Hodeii die Tänzerin.— tionuick« Oper: Liebe im Echnee,- Lustspielhau»: Die lchwibende Jung ran,- Metropol- theater: Da» Hollandweidch.n— Rene, Operettenhaue: Die Clllaedaronetz. — Thalistheoter: Bot chaiierin Leni.— Theater am Rollendorsplah:«en» Liebe erwacht.— Theater de» Westen«: Der ersten Lebe goldene Feil,— ftielne» Theater: E>ri>elda- Wollner Theater, Der Dei ,er ran Lugano.— Dalhalla.Theaier: Der Rasteldlnder— Rofe Theatee: Der Erdiä-ster, Am ch geschlossene Vorstellung.— llasino-Theoier: Der Fehltritt einer Frau- Lullen- theater: Die Berjüngimgekur— Neue» Bolkstheatee: ch, ch, 8>!>4 Perille, von Tyeu». 0, Der Tor und der Tod, Eiettra. 7, 10. u, 12. Jugend,— Folie» Eaprice: Eanoiarium Eleinach. Der gehörnte Eiegsriech— Adauralspalast: Die roten Schuhe ch Die lustige Puppe. norfzmUlaflsoortlcMitDgen. Dolksblldne: ch Der Richter von Salamea. 8. u. 12. stabale und Liebe.— E> roste» Schauspielhaus: ch u, 12. Iuiiu, Ealar.— Karnmerspiele: 5 Die deutschen Aleinsladter. 12. Der Weidsteujel— Theater 4 d. KöniggrLtzer Straße: 5, u. 12 Erdgeist.— Deutsche» Operni ou«: ch! 1 Uhr, Lorstellung liir den Polkokralidund i Fidelio. Z... ug:: Figaros �och. zei4>2, 11 Uhr. V. Sin'onie.Koitzert. 2>,Z Uhr: Alessandro Etradella.— Schiller- Theater: 6 u. 12 Der Me'neidbauer. 8 Wilhelm Tell.— Die Tribüne:?, u. 12. Bunbury.— tkomödieuhau»: 5 u. 12. Etdgeift Berliner Theuter, ch Wie einst im Mai. 12. Der letzte Walzer.— Trlanon-Thealer: 5. u. ich Die Freundin. — Residenz-Theater: 6. n. Ich Die Raschbost»— Fentral-Theater: 3 u. Ich Dl» Zniernallonaie. ch».>l. Firleianz.— Friedrich-Wilhelmstädt. Theater: 5». Ich Hau» Hnckebein.— Komische Oper: 6. u. 12 Der Raub der Sa imrinnen— Lustlpiel- hono: ch u. 12 omilie Hannemann.— Reue» Operettenhou»: ch u>2. De: Ode» sieiger— Thalia»Theater: chu. Ich Die närrische Liebe.— Theater am Rollendorf- plock: 5. Drei alte Säachieln. 7., 9. u. 10 Emilia Ga'oltll 8 u. tl Aickenbrädell 12 Der Vielgeliebte— Theater des Westen»: chu Ich Die Frau im Hermelin 8.. s.u. 14 Schneewe'st und Rosenrot.— st leine» T.eai«: ch u 12. Die Pfarrhauseamcdie.— Wallner- Thraker: ch u. Ich Eine B-llnacht.— Rose-Theater: 8. Schneewittchen. It. Süniel und©tele!— Kasino-Theater: ch u. 12. Der Hausdrache- Luiien. Theater: ch u. ich Vom andern Uier 11. Zwerg Nase.— Neues Voiks-Thrater: 6 Nora. 12 Zugench— Prafetarische» T' eater:'2. Philhaemanle, Bewtdneger Sl raste: Dt« Feinde. Ig. Beeidovensaap Kotheuer Straße: Die Feinde.— Admtrai»- palast: ch u. Ich Flirt i-&L Moritz. Oewerkschastsbewegung Die Zrauen in öen Gewerkschafiea. Mit der Nusbreliurg der Jndusirie ist auch die ZabI der Frauen gewachsen, die in dos Erwerbsleben hineingerissen wurden. Gleich ibren männlichen Arbeilskameraden erkannlen auch sie den Werl der Organisalion und lraien den freien Gewerlschaiten bei. Im Jahre 18S2 hatten 56 gewerlichariliche Verbände inSge- samt 4355 werbliche Miiglieder. Im Jahre 1806 wurde das erste und 1805 das siebente Zehntausend weiblicher Mitglieder überschrillen. Von da an ging es mit Nieienichritle» dolwärls. 1906 wurden 11K0OL gewerkschaftlich organisierte Frauen gezählt. Bei Ausbruch des Krieges halte ihre Zahl die H�tie von 222 000 erreicht. Tann ging es zunächst wieder abwärts, um im Jabre 1918 wieder auf 400 000 hinaufzuschnellen. Am Jahresi'chlus! 19 l9 konnten die deutschen Gewcrkschaflen in 52 Bcrbändrn über 1 612 000 Frauen zählen. Ihre Zahl ha: sich gegenüber dem Stande bei Be- ginn des Krieges also mehr als versiebenfacht. D>e grofile Zahl weiblicher Mitglieder zählt der Verband der Textilarbeiter, ihm folgen die M e t a l l a r b e i t e r, die beide insgesamt über 500000 Frauen organisiert haben. Die kleinste Zahl weisen der Verband der Asphalteure und der der Dach- d e ck e r aus. Der erste zählt iünf und der letzte zwei Frauen zu seinen Mitgliedern. In 11 Verbänden überwiegen die weib- lichen Mitglieder. So sind z. V. im Verband der Hausangestellren 99,2 Proz., im Verband der Tabakarbeiter 74.5 Pro,, und im Buch- binderverband 63,9 Proz. der Mitglieder Frauen. Im Vergleich zu diesen Zahlen ist der Anteil der Frauen an den B e r w a l t u n g s a r b e r t e n zurzeit noch sehr minimal. Das liegt in der Hauptsacke daran, daß der Stamm alter und er« probier Mitglieder bei den Frauen geringer ist als bei den Männern. Eine stärkere Heranziehung des weiblichen Geschlechts zu den Verbandsarbeiten würde sicherlich im Interesse beider Terle liegen und dem Ganzen nur förderlich sein. daß nur fester Zufammenschsutz in der Organisa. tion der beste Schutz gegen die Verelendung ist. Die Ortsgruppe Berlin des Deutschen LandarbciterverbandeS wählte in ihrer letzten Vcrsalnmlung den Kollegsn B ö l i a n zum Vorsitzenden der Ortsgruppe, da der Kollege Gursch den Vor» sitz wegen Arbeitsüberlastung niedergelegt hatte. Als Bezirksleiter wurden die Kollegen MuSkatewitz, Winkler, Löge. Jeschke, Haus- mann, Nowack und als Schriftführer der Kollege Demuth gewählt. Alle Anfragen sind in Zukunft immer an Ernst Möwe? oder S. B ö l i a n, Berlin SW. 48, Enkcplatz 6, zu richten. Die Sprech- stund« findet nicht mehr jeden Freitag, sondern jeden Montag bon4)4 blZ7Uhr, Enkeplatz 6, Hof links im Keller, statt. Der Kölner Metallarbeitcrstreik dauert nach einer Mitteilung der»Rheinischen Zeitung" unvermindert fort. Man rechnet sogar mit einer Verschärfung: beide Parteien stehen sich ansckei- nend bis zum Neuster st en entschlossen gegenüber. Aehnlich wie die Unternehmer im letzten Sircik der Angestellten im Berliner Textilgrosthandel, verlangen die Kölner Metallindu- striellen, dah erst die Arbeit wieder aufgenommen wird, ehe man sich an den Verhandlungstisch setzt, was von den Arbeitern natürlich abgelehnt wird. Die Arbeitgeber als Einzelunternöhmer sollen immer mehr geneigt sein, dem Wunsche der Arbeiter zu entsprechen. Wirtschaft Die Kinomusiker, soweit sie im Musikerverband organisiert sind, nahmen in einer Mitgliederversammlung zu ihren Lohn-forde- rungcn Stellung. Nach einem Referat des Kollegen S ch i e m e n tz wurde eine Resolution angenommen, die den Vorstand beauftragt, mit allen Mitteln dahin zu wirken, dast noch unbedingt vor Weihnachten alle Verhandlungswege erschöpft werden, um bessere Lohn- und Arbeiisvcrhältnisse zu erzielen. Sollten sich die Kinobesitzer wieder an ihre frühere Berschlcppungs- taktik halten, sind die Musiker gewillt, alle Konsequenzen daraus zu ziehen. Weiter« Erfolge im Streik der Darmarbefter. Die Streiklei- iung testl mit. dast die Firma Ja n tz e n, Treisstralder Str. 224, sowie drei andere Firmen den Tarifvertrag unterschrieben haben. Die Bewilligung steht noch von 4 Firmen aus. Auf einen ganz hartnäckigen Standpunkt stellt sich die Firma Alfred I a i u- bowsti, Lchrlerstr. 40. Die Firma Gengelbäch läßt lieber Werte von Tausenden umkommen,«he sie der Kalamität mit einem Federstrich ein Ende bereitet. Denn nur die Anerkennung der Organisation ist das Streitobjekt. Die Arbeitgeber soll- ten doch einsehen, daß sie auf die Dauer einer so geschlossenen Front nicht widerstehen werden, weil die Arbeitnehmer eingesehen haben, Gegen die Kommunalisicrung. Der den Zusammenschluß maßgebender Verbände darstellende Reichsverband für Handel und Gewerbe, H-annover, Prmzenstr. 1, hat in Gemieinschaft mit dem Reichsbund der Verbände des deutschen L e be n s m i t t e l h a n d e l S, gegen!>en im Entwurf der Sozialisierungskommission enthaltenen Vorschlag, die K o m m u n a l i s i e r u n g der Lehensmittekbetriebe den Gemeinden zu überlassen, Einspruch erhoben. Der Bund schreibt: Reich?-. Staats- und Landesbehörden, die Abgeordneien der Parlament« und de? Reichswirtschaftsrates wurden über das Ungesetzliche des Entwurfes und die verderblichen Folgen aufge- klärt. Ein Gewaltakt schlimmster Jlrt ist gegen Handel und Ee» werbe geplant, der unter allen Umständen verhindert werden muß. Es gilt jetzt, den Bestrebungen der führenden Verbände besonderen Nackfdruck zu verleihen. Massenkundgebungen im ganzen Reiche sind für den 5. Dezember 1920 in Au?sichl genommen, in denen vom gesamten Einzelhandel gegen d'e ungeheuerlich« Vergewaltigung Sturm gelaufen werden muß. Pflicht der Lebensmittelhändler ist eS, in Massen auf dem Plan zu erscheinen Daß der Handel sich gegen eine Sozialisierung zur Wehr setzt, ist verständlich. Dennoch sollte in den Kreisen des Handels aber endlich die Erkenntnis offenbar werden, daß auch die Mass« der Verbraucher Rechte hat. sogar sehr bedeutende, nämlich gegen die Mißstände, die im Handel zutage getreien sind, Front zu machen und«ine neue VerdestungSform zu fordern, sofern der Handel aus sich heraus die berechtigten Forderungen der Ver- braucher nicht erfüllen kann. Ter Handel ist in seiner Technik zurückgeblieben und arbeitet infolge einer übergroßen Zersplifte- rung zu teuer und unwirtschaftlich. Er lebt von der Zersplitterung und Organisasionslosigkeit der Verbraucher, die infolge der Ein- beitlichkeit ihrer Interessen eine gewallige, ja die einzig entscheidende Macht darstellen könnten und sollten. Allein die Z e r s p l i t t e- rung der Verbraucher unv des Handels ermöglicht die Schwindel» und Schundproduktion. Ohne Hilfe der Allgemeinheft kann der Handel sich nur durch großkapitalistische Monopölbildung, durch Niederkonkurrieren der schwächeren Existenzen Helsen. Dieser Weg ist alle» andere, aber nicht sozial. Di« Sozialisierung des Lebensmittelhandels braucht durchaus nicht in der Gestalt bureaukratischer Verwaltungsbetriebe zu erfolgen, sondern kann auf dem Wege der Verständigung zwischen Handel und Verbraucherorganisation nach dem Vorbilde der Konsumgenossen- schaft erfolgen. Aber Ordnung mutz in dieses.Zigeunerlager", wie man es bald nennen könnte, hinein, planmäßig mit den besten technischen Hilfseinrichtungen kann gearbeitet werden, um den Unkostenaufschlag herabzusetzen, den Wucher unmöglich zu machen und jedem zu seinem Recht kommen zu lassen. Di« Blassen haben lange genug darauf gewartet, daß der Handel selbst zu fort- schritllichen Formen übergeht. Er findet dazu nicht die Kraft, folglich müssen die Verbrauchermassen selbst ans Werk gehen. Marktbericht von Gebr. Ganse. Butter: In der Zeit vom 6. bis 12. Dezember werden 80 Gramm Butter verteilt. Die Oua- lftät war diesmal e»as besser, doch wurde über die späte Zutei- lung geklagt. Margarine: Die Zufuhren waren gut und reich- lich. Wenn von einigen Seiten über langsame Lieferung geklagt wird, so muß es an den Fabriken liegen, denn die Einfuhrbewilligungen werden prompt erteilt. Die Preist sind noch unverändert und scheint über eine eventuelle Preiserhöhung noch keine Einig- keit im Margarineverband erzielt zu sein. Schmalz: Der Markt verkehrte in ruhiger Haltung, jedoch machte sich eine z u n e h- mende Konsumnachfrage bemerkbar. Die Preise blieben bei festerer Tendenz ziemlich unverändert. Die heutigen Notierungen sind für raffiniertes Schmalz TierceS 19,50 M., Firkin 20 M, Berliner Bratenschmalz 20,50 M. Freie Heringseinfuhr. In Anlehnung an den Beschlutz be- treffend die Einfuhr von Salzheringen nach dem 15. Dezcm- her d. I., haben Erwägungen der beteiligten Stellen über die freie Gestaltung der Solzheringseinfuhr stattgefunden. Im Interesse der Polksernährung ist �beschlossen worden, von einer kontingentierten Einfuhr abzusehen und die Einfuhr vom 15. De- zeurber d. I. ab bis auf weiteres freizugeben. Eine dahingehende Verordnung wird demnächst erlassen werden. Geisweider Eisenwerke A.-G. in Geismeid, Kreis Siegen. Di- vidende für die Stammaktien 26 Prozent. Infolge der Aktien- Majorität auf Thyssen und Klöckner wurden für aus- scheidende Aufsichtsrarsmitglieder neu in den Aufsich:srai gewählt: Fabrikbesitzer Äuguist Thyssen und Geheimrat Peter Klöckner sowie eine Anzahl anderer Persnölichkeften aus dem Klöckner- und dem Thyssenkonzern. Ein amerikanischer Anilintrust. Reuter meldet, datz der Zu- sammenschlutz von fünf großen amerikanischen Gesellschaften Der Anilinfarbenindustrie mit einem Gesamtkapilel von etwa 60 Miliiv- neu Pfund Sterling bevorstehe.— Aehnlich wie die englische, ist auch die amerikanische Teerfarbenindustric unter der Krieyskonjunktur künstlich hochgezüchtet worden, ohne die jetzt wie- der auf den Markt kommende deutsche Industrie an LcistungssAiig- keit zu erreichen. England sucht mit g e s e tz g e b e r i s ch c n Mit- teln die eigene Industrie vor der Konkurrenz zu schützen, in Amerika scheint sich die Industrie durch Zusammenschluß selbst helfen zu wollen. Die deutsche chemische Industrie ist aber lechntfch so überlegen, daß sie auch einen verschärften Wettbewerbskampf be- stehen dürfte. Veramw für de» rcdakt leil Dr. Scrncr Peitcr. Charlotlenbiir«! für itnseigen! Tb. Mockr. Pertin. Vortaz Norwärl«-Periag W m b. H. Pertin Druck iiou »?ü?ta''�ucddructerei u$«iaa£anffnli Paul Dnaer u To Perli.t S. Papier u. Oürebeöarf ÖesciiAtsbücksr fklll* Scherk KSpanlcUer tül. I\, i;trasse 108. .tyorttrpl, 348t.»482. 3483. •y-i« isiliaij:un;;..iJ.Garunt. nron-Sku.-i. r'ioniD. /anno h m- 3,—. Zah ziehen rn Emspr.höcnsi schmerz- &ulltlw v. l> an||na Umarb. schiechtsive. Qei'isse. Kep sof. Zahnart Wolf, Poisckamer Sir, 55. Hnch:» Snreclit00, Krenzfürb!« ron>9Z.W>. godel» füchs«. siUicrfUchfe.Sctbentceuj- iüchie.iBlaufüchfe.Snintstraijcn. 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