Ne. ö27•» 37. �ahrga�g Ausgabe S Nr. 17 b BezugSvrelS: V ettelj&IirUSO,— �UBionatllO,— SU, frei ai«»aus. voraus lahldar. Poft- dszug MonatUch 10.- Mt. erkU stu- itellua�saeollhr. Unter«teu*ban6 für £eutfdUanb und Ocftrrteidi 16�0 M!» :üt Oos übrig« Ausland vei täglich einmal, �ustellunc SIZ0 M. Pi>lf"e» liellunqen nehmen an Oeflertei«� Ungarn, Tschecho- Slowakei, Sane» mar«.»aZano..uremvurg, 5 weben und bie Saiwen.— Einaekraaen m die Poft-'eiiunae'PreislUle. Ser.SonDött«* mit der Sonnraa» dcilag«.Polt tu�etr" erntieini Wochen» tcgiut) fweimai Sonntags und Montag»-inmai. ikelearamm-Äbreffw �Sozialdeinoerai vrrlin». Abend-Ansgabe 2V pksnnlg) Devlinev VolKsblntt AnzetlfenpreiS: Die achigelvaliene Nonvareilie�ii« iostetZ.— P!., Teuerungszulchlag SV!.,. «Slain» Vnzeigrn-, dac ni- zedrutkie Worl h— M. kllu'.älstg zwe ieuqeb ruckte Worte), lebes weitere Wort M Pjg. Eiellengeiiidte und. SchlalfteUenanzetgen da? erste®;:, ÜS Big. lebe« weitere Wort 4V sl'/?. Worte über lä Bucktftaben zäblrn iii twet War»«. Seueninnejttftfilar ü««. �amilien-Anzeigen für Adonnenreu Seile 2,— M.. polititche unl.e- werllchaitllche Vereins- An-eiqen 3,— Mt. bie Seile ohne Au'i'chlan. ?.n, etqen für die n a ehit e Slumtnc müssen bis S Ahr no«;- mittags im »auoigelchäst. Berlin£96 i. Linden- Kroße 3, abgegeben werden,»ebffnel »on 9 Uhr iruh dl» S Uhr abends. Zcntralorgan icr rozialdcmokrati f eben Partei Dcutfchlands Neüaktion und Expedition: SM. öS» üindenstr. 3. SernthFeriiert«mi Morinvlat!, Jet. I.»l 9fl— 151»7. Donnerstag, den Ä3 Dezember vorwärts-veriag G. m. b. h.. SM. HS, Lindenstr. Z. Ihrrusdrecher: Amt Moriuvla«. Ar. 117 5»— 51. Regierungsoppssition in Frankreich. Die Interpellation SonUer in der französischen Kaininer, die ursprünglich den Zweck hatte, die Regierung, die bei de« Wahlen im Wahlkreis des französischen Ministerpräsidenten eine sehr bezeichnende Niederlage erlitten hatte, zum Kampf gegen die bolschewistische Propaganda zu bewegen, hat der französischen Negierung einige sehr peinliche Stun» den bereitet. Nach der sehr ausgedrhntrn Debatte wurde« sieben Tagesordnungen eingebracht, von denen der Ministerpräsident der Tagesordnung Toussant zustimmte, die die ErklSrunge» der Regierung billigt und ihr das Vertrauen ausspricht, daß sie die Politik republikanischer, nationaler und sozialer Einigkeit, die das Land am IS. November 1919 durch die letzten Wahlen gebilligt habe, fortsetzen werde. Der erste Teil der Tagesordnung Dousiaut wurde mit 4L9 gegen 155 Stimmen angenommen. Hierauf setzte wieder eine längere Debatte ein, die bis gegen 11 vhr abends dauerte. Es wurden verschiedene Zusayanträge zur ersten Tagesordnung Dmisinnt gestellt, bis schließlich mit 3 0 9 gegen 239 Stimmen eine Tagesordnung angenommen wurde, die die Erklärung der Regierung billigt im Vertrauen darauf, daß sie eine Politik der republikanische«, sozialen und nationalen Union betreibe, die auch die Laiengesrtze respektiere. Die Tagesordnung verwirft schließlich die revolutionären, bolschewisti- schcn, klerikalen und royalistischcn Umtriebe. Die starke Minderheit gegen da« Vertrauensvotum ist ei» neuer Beweis für d'.e Unzufriedenheit de? französische« Volkes mit der diSherisea A-sieiuugspclitik._ Der volkerbunö. London, SS. Dezember. Lord Robert Cecil erklärte einem Vertreter des Neuterschen Bureaus, das Ergebnis der Völ- kerbundsversammlung in Genf laste sich wie folgt zu- sammenfasten: 1. Die Errichtung eines Internationalen Gerichts- Hofs. Wenn auch die Rechtsprechung dieses GerichtsbofS von frei- williger Annahme abhängig sei, habe doch bereits eine so große Zahl Staaten sich bersii er klärt, ihm ihre Streitfälle zu unter- breiien, daß man seine Rechtsprechung im weiten Maße als«ine einer obligatorischen gleichkommende bezeichnen könne. L. Der Völkerbund habe die Aufnahme neuer Staaten genehmigt. Es sei ein gutes Zeichen für die Zukimst, daß Oester- reich und Bulgarien zugelastcn worden seien. Die Zulassung Deutschlands werde denselben Bedingungen unierworfen werden wie die von Bi.'lgarien. ES werde nicht unumgänglich not- wendig sein, daß Teutschland alle seine Verpflichtungen aus dem Versciller Vertrage erfüllt habe, vielmehr werde es genügen, daß es Beweise seines aufrichtiaen und guten Willens gebe. 3. Es seien Maßnahmen betreffend die Entwaffnung ge- iroffen worden. 1. Ein weiteres Ergebnis sei das Ersuchen um die Ratifizierung der Pariser Abmachungen betreffend den Handel mit Waffen '«vie 5. die Bestimmung der notwendigen Maßnahmen, um einen Druck auf widerspen st ige Staaten auszuüben. Endlich bezeichnete Robert Cecil die Beschlüste über die Mandatsfrage als sehr großen tatsächlichen Fortschritt. Die Kosten des Völkerbundes belaufen stck nach seiner Mitteilung jährlich auf 25 Millionen Frank. Da 42 Staaten dem Völkerbund angehöreu, glaubt Lord Robert Ceeil die jedem auf- erlegten Kosten als eine sehr schwache Versicherungsprämie gegen den Krieg bezeichnen zu können. Lloyd George fnr Aufnahme Teutschlands. London, 23. Dezember.( Hollrmdsch Nieutvsbureau.) Lloyd George hat auf einem Bankett zu Ehren der Delegierten des englischen Reichs beim Völlerbund in Genf erklärt, daß das Par- lament der Nationen eins der größten Weltereignisse gewesen ist und daß bisher sehr viel erreicht wi.ide. Das Ideal, für das man in Genf gekämpft habe, sei gewesen, daß man andere Mittel der Verhinderung internationaler Streitigkeiten suchen wolle als solche, durch die 30 Millionen Menschen umkommen und unschätzbare Güter zerstört werden. Wenn es im Jahre 1914 eine solche Versammlung in Genf gegeben hätte, hätte man den Krieg vermeiden können. Das englische Reich habe auf dieser Versammlung eine wichtige Nolle gespielt rmd er beglück- wünsche alle Delegierten des englischen Reichs dazu. Der Völker- bund könne aber sein Ziel nicht erreichen, solange nicht alle Na- t i o n e n dazu gehören. Er habe großes Vertrauen, daß D e u t s ch- land den Boweis, dafür liefern werde, daß es seine Vertragsver- pflichtungen innehallen wolle. In diesem Falle könne man dem Beitritt Deutschlands kein Hindernis in den Weg legen. Auch hoffe er, daß in der nächsten Zukl.mft Amerika dem Bund beitreten werde. ES gebe leider eine Frage, in der noch keine wesentlichen Forlschritte gemacht worden seien das sei die Frage der A b r ü st u n g. Solange die Völker auf diesem Gebiete noch im Wetikampfe feie«, könne'S keinen Frieden geben. Das schreckliche Wettrüsten sei bei dem letzten Kriege ein viel wichtigerer Kakwr gewesen als irgend ei» anderer. Die Völker könnte» aber l das Risiko einer Entwaffnung nicht auf sich nehmen, so lange sie nicht wissen, daßalle a deren dasselbe tun. Der Völ- � kerbund, dem alle angehören müßten, müsse die Ueberzeugung brin- � gen, daß nicht ausS neu-, ein so katastrophaler Wettkampf ent- steh«, der unvermeidlich wi-der zu einer Weltkatastrophe führen muffe. Die Konferenz von örüssel. Brüssel, 23. Dezember.(Havas-Reuter.) Die alliierten Sach- verständigen versammelten sich heute nachmittag, um den end- gültigen Text des Berichtes über die bisher erledigten Arbeiten festzusetzen, der den verschiedenen Regierungen zusam- men mit den einzelnen Vorberichten übersandt werden soll. Die �rbeitslofenfrage in Cnglanü. London, 23. Dezember.(Meldung des Hollandsch Nieuws- bureavs.) Es wurde eine Kommission für Arbeitslosig- feit ernannt. Diese hat die Befugnis, bis drei Millionen iPfund Sterling zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auszu- geben. Die Regierung hat der Gewerkschaft der Baufach- arbeiter vorgeschlagen, daß 40 000 frühere Soldaten im Baufach unterrichtet werden sollen. Hierzu würde die Regievung der Ge- werkschaft für jeden Mann fünf Pfund Sterling Zuschuß zahlen und außerdem«ine Vergütung für den Zeitverlust gewähren. Die russischen Konzessionen. London, 23. Dezember.(TU.) Die„Morningpost' ver- öffentlicht folgende Information: Wir erfahren von zuständiger Seite, daß die Delegation K rassin im Namen der Sowjet- regierung Verhandlungen mit bedeutenden englischen Petroleumfirmen zwecks KonzessionSerteilung für die Naphtha- und Petroleumquellen in der Region von Baku führt. London, 23. Dezember. tWTB.) Daily Chronicle zufolge hatte K raff in gestern im Unterbause eine Besprechung mit Lloyd George. Kommunisien gegen Sie 3, Internationale. Prag, 23. Dezember.(TU.) Die kommunistischen Senatoren erklärten gestern, daß sie die Bedingungen der Dritten Internationale nicht anerkennen, und daß sie im Klub der sozialdemokratischen Senatoren verbleiben. Prag» 23. Dezember.(TU.) Alle Ausschüsse der tschecho- slowakischen sozialdemokratischen Gewerkschaften, welche in der tschecho-slowakischcn Gewerkschaftsvereinigung organisiert sind, haben am 21. Dezember eine Konferenz ab- gehalten, in der wichtige Beschlüsse gefaßt worden sind. Es wurde gebilligt, daß die Abgeordneten-Gewerk schaftler einen selbständigen Klub bildeten und beantragt, daß alle sozialdemokratischen Abgeordneten-Gewerkschaftler in denselben eintreten. Die politische Freiheit in Amerika. Die Frage, ob die Zugehörigkeit zur kommu- nistischen Partei ein ausreickicnder Grund für die Ver- b a n n u n g eines Ausländers ist, wurde letzthin in Amerika in zwei Gerichtsverhandlungen erörtert und seltsamerweise von dem einen Richter bejaht, von dem anderen verneint. In dem einen Urteil hieß es, daß man-inen Menschen nicht verurteilen könne. seiner politischen Anschauungen wegen, wofern' ihn diese nicht zu ungesetzlichen Handlungen treiben. Der andere Richter hin- gegen vertrat den Standpunkt, daß allein die StaatSfeind- lichkeit der kommunistischen Tendenzen und Ziele eine Ver- urteilung seiner Verfechter rechtfertige. Die sich diametral gegen- überstehenden � Urteile haben in den Vereinigten Staaten eine ge- wisse Erregung hervorgerufen, und man ist auf die Stellungnahme des obersten Gerichtshofes, in dessen Hanb die letzte Entscheidung liegt, gespannt. Der Kampf gegen ü'Annunzjo. Rom, 23. Dezember.(Stefani.) Infolge der Weigerung d'An- nunzios und der Landung der Fiumer Legionäre in Dalmatien hat General Caviglia die effektive Blockade in schärfster Form über Fiume, Beglia, Arbe und San Marco erklärt. Per- sonen, die diese Orte verlassen wollen, wurde eine Frist von 48 Stun- den bewilligt. Caviglia richtete Proklamationen an seine Truppen, die Legionäre und die Einwohner von Fiume. Malmö, 23. Dezember.(MTB.„Sydsvenska Dagbladt" meldet aus Rom: Nachdem die 48stündige Frist für die Räumung der Stadt Fiume durch die Zivilbevölkerung abgelaufen war und dÄnnunzio dem Geneval Caviglia geantwortet hatte, er möge den Ton in seinen Ultimaten etwas herabstimmen, ist Fiume bom- barbiert worden. Zwischen Italien und Fiume berrscht somit doller Kriegszustand. Eiog weitere Bestätigung dieser Meldung siegt Sicht vor. Es besteht nur eine ganz kleine Möglichkeit, die wichtige Vorlage des Landwirtschaftsniinisters Genossen Otto Braun über die Selb st beWirt schaftung der Domänen in dritter Lesung durch die Landesversammlung zu ver- abschieden. Aus der Tagesordnung der Landesversammlung am 11. Januar stehen die beiden namentlichen Abstimmungen über die§§ 1 und 3 der Vorlage, ein Rest der bei der ziveiten Lesung von denDeutschnationalcn, derDcutschcn Volkspartei und dem Zentrum getriebenen Obstruktion. Erfolgt die Annahme auch des Restes derVorlage in der zweiten Lesung am 11. Januar, so bleibt noch ein ganz knapper Raum für die geschäftsordnunge.. mäßige Erledigung der dritten Beratung. Vor dieser Möglichkeit haben anscheinend die Demo- kraten, die das Geietz bisher mit Nachdruck unterstützt haben. Angst bekommen. Jedenfalls veröffentlicht das„Berk. Tagebl.". das allerdings sehr häufig in einer einzigen Nunimer in irgendeiner Form sämtliche Meinungen von Westarp bis Sinowjcw vertritt, einen Artikel, der entweder beweist, daß die Landtagsfraktion der Demokraten unigefallen ist oder aber zum Umfall gebracht werden soll. Zur Diskreditierung der Vorlage wird das Schlagwort„Sozialisierung" als eine Art Demokratenschreck in die Aussprache geworfen. Der Artikel- schreiber des„Tageblatt" findet es fürchterlich, daß die Do- mäncn, die schon sozialisierter Grundbesitz seien, nun auch in sozialisiertem Betrieb übernommen werden sollen. Es wird so dargestellt, als ob durch die Selbstbewirlschaftung der Domänen etwas Frmkel nagelneues geschaffen werden solle. In Wahrheit ist der Gesetzentttnrrs eine längst dringlich geworidene wirtschaftliche Selbstverständlich- ke i t. Vor allem ist sie nicht neu; denn abgesehen davon, daß der Staat und im besonderen das Landwirtschaftsministeriimf bereits die S t a a t s s o r st e n in Betrieb genommen hat, sind eine kleine Anzahl Domänen auch schon heute der Selbst- bewirtschastung durch den Staat unterstellt. Es handelt sich dabei um eine Anzahl Domänen in Ostpreußen, die durch den Rnsseneinsall vernichtet wurden und von ihren da- moligen Pächtern nicht wieder herausgewirtschaftet werden konnten. Die schlechte Bewirtichastiing mancher Domänen nicht nur infolge mmugelnden Interesses ihrer Pächter, sondern sehr häufig auch infolge der hohen Anschaffungskosten neuzeitlicher landwirtschaftlicher Bearbcitungsmittel war einer der Hauptgründe, die den Landwirtschastsminister zu dem Vorschlage der Selbstbetoirtschastung veranlaßt haben. Ferner wollte er nicht länger dulden, daß die D o m ä n e n z u Schleuderpreisen verpachtet werden, und daß Domänenland von den Pächtern dann wieder zu Wucherpreisen an Kleinpächter weiiergegeben wird. Es muß immer wieder gesagt werden, daß die Domänenpächter ihr Land häufig niit einem ta u se n d p r o z e n ti ge n Gewinn weiter ver- pachteten. Ferner wollte der Landwhftschaftsminister Land für Siedl ungs zwecke in die Hand bekommen: das ist aber unmöglich, wenn das Domänenland für. die lange Zeit von 12 bis 18 Jahren m private Bewirtschaftung kommt. Obwohl nach der Vorlage nur ganz allmählich höchstens der zehnte Teil des staatlichen Domänenbesitzes dazu noch unter siebenzig mal siebenmal verklausulierten Bedingungen m Selbstbewirtschaftung kommen soll, würde die Vorlage wenigstens einen kleinen Weg freimachen, daß die Preis- Wucherpolitik des Groß-Agrariertums durchkreuzt werden kann. Der Besitz des Staates an Bergwerken und ihre Selbst- bewirtsckxiftung hat oft genug die Wucherpolitik der Koblcn- barone behindert. Weshalb soll der Staat nicht die Möglich- keit haben, auch der Wucherpolitik der agrarischen Granden zu begegnen? Das verlangt schon die heutige Ernährungslage des Volkes. Bisher baben die Demokraten der Landtagsfrak- tion die Verabschiedung der Vorlage zur Selbstbewirtschaftung der Domänen als eine wirtschaftliche Notwendig- keit angesehen. Der?lbgeordnete Westermann verlang'.? bei der Beratung der Vorlage ausdrücklich, daß der Landwirt- schoftsminister ein starkes Rückgrat beweisen, schlechtwirtschff- tende Domänenpächter einfach heruntersetzen und daS Land in eigene Bewirtschaftung nehmen solle. Braun hatte durch seine Vertretung der Vorlage gezeigt, daß er dieses starke Rückgrat hat. Nun aber kommt das demokratische„Berliner Tageblatt" und will es ibm brechen, fordert sogar die Landtagsdemokraten zur Mittäterschaft auf. Angesichts dieser Sachlage hat die sozialdemokra- tische Landtagsfraktion die Pflicht, mit allen Mitteln für die Durchführung der dritten Lesung des Gesetzes noch bis zum 14. Januar zu sorgen. Dabei muß sich herausstellen, ob es den Demokraten ernst ist mit der Förderimg des Siedlungs- Wesens, ernst ist mit der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, ernst ist mit der Verbilligung der wichtigsten Lebensmittel, ernst ist mit dem Kamvs gegen die Reaktion? Oder haben die Tageblattdemokratm schon vergessen, wie sebr sie sich einst darüber a'ckregten daß Kandidaten für b!» Domänenvacht schon verdächtigt waren, wenn sie nur libexale Versammlungen besuchten? Hier SmÄeH es sich um mehr als um d!e partemgrtator'ische Taktik. Hier i�nöelt es sich um die Steigerimg der Lebensmittel- Erzeugung und uni die Senkung der Lebensmittelpreise. Es muß sich Z.eictfn, ob die Demokraten wirklich sich mit Haut und Hoar dein Großagrariertum verschreiben wollen. Der putsch vor Zwei Jahren. Heute vor zwei Jahren brach in Berlin der Ma- trosenputsch ans. Ein Teil der Volksmarinedivision, die ' Tit Schloß und Mavstall lagerte, ließ sich von Spartakisten und Linksunabhängigen zu einer Meuterei verleiten, die Regierung der Volksbeauftragten wurde in der Reichskanzlei cinge- schlössen, der Stadtkommandant Wels, sein Adjutant Leu!- nant Fischer und Dr. B o n g a r tz wurden im Marstall ge° fangen gesetzt. In dieser Lage sah sich der noch aktionssähige Teil der Regierung genötigt, die in Potsdam garnisomeren- den Truppen unter der Führung des Generals Lequis herbei- holen zu lassen, es wurde am 24. morgens die Räumung des Schlosses verlangt und, da diese nicht erfolgte, das Feuer eröffnet. Stach kurzer Beschießung, bei der es eine größere Zahl von Toten und Verwundeten gab. wurde auf dem Schloß die Parlamentärflagge gehißt und ein Teil der Matrosen erklärte sich bereit, entwaffnet abzuziehen. Das Schloß und ein Teil des Marstalls wurden geräumt. Es kam darauf ein Abkommen zustande, wonach die Matrosen der Re- vublikanischen Soldatenwehr eingegliedert werden sollten und die Matrosen sich verpflichteten, künftig an Aktionen gegen die Regierung nicht mehr teilzunehmen. Die Gefangenen im Marstall wurden freigelassen und die Potsdamer Truppen zurückgezogen. Das ivar vor zwei Jahren ,cher Weihnachts- frieden von Berlin". Die Meuterer waren also noch sehr glimpflich davongekom- men. Grund dafür war die damalige Verworrenheit der Vcr- hältnisse und die Schwäche der Regierung, die, da sich auch die Potsdamer Truppen als wenig zuverlässig er- wiesen, ohne alle Machtmittel dastand. Die Drahtzieher des Putsches waren sich ihrer verhältnismäßigen Stärke offenbar gar nicht bewußt, sie hätten durch eine zielbewußte Aktion da- mals wirklich die ganze Reichshauptstadt in ihre Gewalt brin- gen können. Daß sie jeden Versuch dazu unterließen, war ein Beweis für ihre vollkommene Ziellosigkeit und Konfusion. Freilich, was weiter daraus geworden wäre wenn es damals gelungen wäre, in Berlin eine Räteherrschaft zu etablieren. wie sie einige Monate später in München entstand, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die Vorgänge vom 23. und 24. Dezember 1918 hatten die Folgen, daß die Unabhängigen Haase, Dittmann und Emil Barth aus der Regierung der Volksbeauftragten austraten und eine rein sozialdemokratische Negierung, be- stehend aus Ebert, Scheidemann, Landsberg, den bisherigen sozialdemokratischen Volksbeauftragten, sowie Wissell und Noske gebildet wurde. Die Unabhängigen schienen sich damals ganz dem Spartakusbund verschrieben zu haben, sie gingen wieder zum heftigsten Kampf gegen die Sozialdemokratie über. Der Januarputsch, die Mllnchener Räteherrschaft und— als letzter Ausläufer— der blutige Vorfall vor dem Reichstag am 13. Januar d. I. waren dre Folgen. All diese nutzlosen Blutopfer hätten vermieden werden können, wenn die Unabhängigen schon damals die Stellung gefunden hätten, die sie heute einnehmen. Zu spät haben sie eingesehen, daß jedes Paktieren mit den kommunistischen Gewaltmethoden die traurigsten Folgen für das Proletariat haben muß. Die Sozialdemokratie hat in all diesen Kämpfen nur das Ziel verfolgt, die Arbeiterschaft vor diesen traurigen Folgen zu bewahren. Heute liegen die blutigen Weihnachts- tage vor zwei Jahren wie ein schwerer Traum hinter uns. Wir blicken nicht gerne auf sie zurück, aber wir tun es— das sei heute noch einmal gegenüber allen verleumderischen Ge- schichtsklitterungen festgestellt— ip i t dem rein st en Gewissen von der Welt. Aufgabe des Proletariats war es damals, die am 9. No» vencher errungene Neuordnung z» schützen und zu festigen. Nie unser SplelZeug entsteht. Die Zeiten, in denen das Spielzeug von Heimarbeitern mit der Hand verfertigt wuvde, sind dahin. Die alles besiegende Ma- fchine.hat auch die Herstellung der Spielwaren an sich gerissen, und nur noch einzelne Waren, wie z. B. die Puppen und holz- geschnitzten Gegenstände, die einer handwerklichen Geschicklichkeit bedürfen, werden der Heimarbeit überlassen, wenngleich auch hier dem einzelnen nur ein bestimmter Teil der Herstellung mehr zu- fällt. Bei den Wachspuppen z. B. formt oiuer den Körper, der andere trägt die Farben auf. und die ganze Puvpc wird von den verschiedensten Händen ferii.igestellt. In den Großbetrieb einer bayerischen Spielwaren-fabrik führt un? eine Schilderung des Eng- länders Walter Meakin. der Teutschland bereist hat. ES sind ja Millionen von deutschen Spielzeugen nach Großbritannien uno Amerika ausgeführt worden; aber irotzdem ist die Lage der deutschen Spielzeuginduskrie nicht günstig, denn der größte Teil des großen mitteleuropäischen Marktes ist verschwunden. „Die bayerische Fabrik, die ich besuchte," schreibt Meäkin,„ist eine der größten ihrer Art in der Welt; sie beschäftigt 1000 Ar- Leiter, Frauen, Mädchen, Knaben und eine groß« Anzahl geschickler Mechaniker und Künstler. In einzelnen Abteilungen werden auch andere Metallwaren hergestellt, aber die Hauptarbeit gilt der Her- stellung von mechanischem Spielzeug, von kleinen Dampfmaschinen, elektrischen Eisenbahnen und anderen solchen kostbaren Spielereien, -ie heutzutage hauptsächlich für die Kinder der reichen Amerikaner bestimmt sind..In den weiten gutbeleuchteten Räumen bedienen hunderte von Männern und Frauen diese sonderbar geformten Apparate, die mit größter Präzision die schwierigsten Arbeiten ver- richten. Hier verbringt ein Arbeiter den ganzen Tag damit, Metal'streifcn in eine Maschine zu schieben, die sie zu einer g->- wünschten Form zurechtschneidet. Ein anderer wieder stellt au, maschinellem Wege die Zacken an den zugeschnittenen Metallstreifen her usw. In einem Raum wieder sind Reihen von komplizierten Maschinen tätig, um durch eine Folge von automatischen Opera- tionen den Rohstoff in Kurbeln und andere Teile zu verwandein, die für kostbare Minioturmaschinen und Automobile notwendig sind. � Auf dieselbe Weise werden Kilomerer von Eisenbahnschienen bcrgcsrellt, und schließlich strömen alle diese zahlreichen Teile tn einem Sammelraum zusammen. Alles ist so organisiert, daß mit größler Schnelligkeit und Sparsamkeit daS Spielzeug hergestellt wird. Die Tendenz zum industriellen Zusammenschluß, der in ver ganzen deutschen Metallsabrikation herrscht, ist auch im Spielzeug» Handel bemerkbar. Große.Kapitalien arbeiten mit, und die Henn- arbci! ist der Gesamtproduktion dienstbar gemacht, die aus eine immer größere Ausdehnung der rein fabrikmäßigen Herstellung hinzielt." Meakin berichtet auch von der Not, die in den deutschen Spiel- waren leutren herrscht, von der ste'gend-n Arbeitslosigkeit und von dem Elend der Kinder. Das hatte fern soziaDemokratisch denkender Teil vollständig begriffen. Daß nicht das ganze deutsche Proletariat dies begriff, daß ein Teil von ihm damals Einflüsterungen Gehör schenkte, die heute von de» meisten längst als krassester Wahn- sinn erkannt sind, das war der ungeheure Fehler, und ihm ver- danken wir die heutige Stärke der Reaktion. Sie wäre noch viel vollkommener, wenn es dem Putschismus damals ge- lungen wäre, zeitweilig d'e Oberhand zu gewinnen. Umge- kehrt aber: was die Sozialidemoknalie getan hat, um die demo- kratische Neuordnung des Staates herbeizuführen und zu sichern, steht im Buch der Gechichte als ein V e r d i e n st d e r deutschen Arbeiterklasse eingeschrieben. Ohne d'ese Arbeit wäre es um ihre palitische Macht und um die Stärke der Reaktion beute noch viel schlechter bestellt. Dieser Arbeit verdanken wir es, daß wir nicht längst schon unterlegen sind und daß wir noch kämpfen können! Gberst Sauees Seitenstück. Berlin, 23. Dezember.(TU.) Der frühere Stabschef der Ostarmee, General H o f f m a n n, der bei den Friedensverhand- lungen von Brest-Lrtowsk eine große Rolle gespielt hat, vertritt in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der Berliner russischen Tageszeitung„Rul" die Idee einer i n t e r- nationalen bewaffnete» Intervention in Ruß- land. Ein internationales Korps aus Soldaten aller Armeen, zu dem unbedingt die Truppen des Generals W r a n g e l gehören müßten(l). unter dem Oberbefehl eines russischen Gene- ralS, würde mit den Bolichewisten in kürzester Zeit fertig werden(??). Kein Deutscher beansprucht tini führende Rolle bei diesem Unternehme»(neltl). Persing, Joffre oder Fach könnten das Kommando führen. Der General teilt ferner mit, daß zur Zeit der Wrc.se des Grafen Mirbach nach Moskau der deutsche Militärattache Major Schubert erklärt habe, eS sei notwendig, dre Sowjethercschaft zu stürzen. General Hoffmgnn unterbrciteie diesen Plan der O b e r st e n Heeresleitung und trat deshalb auch mit russischen Politikern in Beziehimgen. Nach der Ermordung Mirbachs wurde auch die Besetzung Petersburgs beschlossen. Drei Tage vor der angesetzten Operation erhielt aber die Armee die entscheidende Nieder- läge an der Westfront und für den Feldzug im Osten waren keine zuveriSssigen Truppen mehr da. Die Ludendorffe scheinen das dringende Bedürfnis zu spüren, die Welt mit immer neuen Beweisen ihrer verstiegenen politischen Unfähigkeit und phantastischen Ge- wissenlosigkeit zu überraschen. Wir wissen nicht, ob die „Deutsche Zeitung" dem General Hoffmann wie vor ein paar Tagen dem Oberst Bauer bescheinigen wird, daß ihm„die einfachsten Vor- auSsetzungen politischen Denkens fehlen". Zutreffend ist eS jedenfalls. Was General Hvffmann über' seine Angrisfspläne auf Petersburg im Jahre 1018 verrät, das richtet ihn und die gesamte Milüärpolink. Nachdem sie Rußland unter Bruch eines feierlich beschlossenen Waffenstillstandsvcrtrogs zum Frieden von Brest-- Litowsk genötigt hatten, waren die preußischen Generäle drauf und dran/ daS Land, mit dem man eben Frieden geschlossen hatte, abermals zu überfallen und einige Aehntal.'send deutsche Menschenleben mvhr noch für die Wiederherstel- lung des russischen Zarismus zu opfern. Welche Rück- Wirkungen dieses Vorgehen gehabt hätte, wenn es nicht durch die Niederlage im Westen vereitelt worden wäre, ist kaum auszudenken. Jedenfalls zeigt das ganze, welcher militärischen Wahn- sinn s Politik Deutschlands Untergang im Weltkrieg zuzuschreiben ist./.'' Disziplinarverfahren gegen Dr. ßreunö. W'e der„Dens" von gutinformierter Seite mitgeteilt wivd, sind die Vernehmungen in dem Disziplinarverfahren, daS der preußische Minister des Innern Severing gegen seinen Stellver- treter Dr. Fcrund wegen dessen Verhalten in den Kapp-Tagen auf Grund der Besprechung im Landing und der vom früheren Re- gievungSprästdenten von Braun erhobenen Beschuldigungen einge- leitet hat, nahezu beendet. Der Verlauf des vom BerwaltungS- gerichtSdirektor Dr. Wagner vom Bezirksausschuß Berlin geführten Voruntersuchung gibt jetzt ein klares Bild über die Vorgänge, die •, bisher, je nach dem Standpunkt der Parteien, verschieden darae- Sinfonie. Das Philharnivniscbe Orchester spielt.— Ein Volkskonzert. Der Saal ist besetzt.— Mehr als fünfzig Künstler spielen dort, jeder sein Instrument. Die Töne strömen in unwiderstehRcher Süße, sie dringen in die Nüchternheit der Alltagsstimmung und berauschen mit einer Fülle von Zärtlichkeit, Liebe, Tvaurigkeit. Schmenz, Kampf.— Die Müdigkeit weicht dem Wohlsein.— Die Töne werden in der Ewig- keit baut: sie bekommen Flügel, im Kampfe schwingt einer um den andcven— heraus aus dam irdischen Bann— um sich zu reinigen zum ewigen Feste. Mit dem ersten Abschniift tritt eime Pause in der Sinfonie oini.— Die Menge kommt in Bewegung, wieder werden Stimmen, Worte, Gebärden laut und damit vekonrmt die Nüchternheit wieder Einlaß.— In der Wandelhalle rauscht Seide, in der Wchtflut glänzen die Brillanten. In der gleichen Vorhalle wandeln aber auch die andern, denen die Füße wund sind, deren Kleidung zur Klage wird: wie lange noch soll ich dich decken, da ich ja schon tamn einen Nadelstich er- trage? Der Glanz, den die Musik ihren Gesichtern verlieh, wird bleich in der Wandlhalle; daö Loben singt das Klagelied der Armut hier und überall, wo jedem die Pforten offen stehen.— Reichtum— Armut schauen sich an, wie in diesen Jahr- Hunderten noch nie! Bedürftigkeit spricht eindringlich und trostlos, wirkt echt und tief wie die Musik, die das noch nie Erkannte, nie Ausgesprochene, nie Verwirklichte mit ihrem Fittich leise anrührt... die Revolu- tion, sie kam, so vielversprechend, wollte erlösen, erhöhen, Brüderlichkeit, Selbstv erantwortung, Liebe zum Nächsten geben... Und nun. Noch einmal will die Selbstsucht sich ausraffen, festen Fuß fassen, Kraft entfalten: Aus alle Ländern haben sich die Klügsten zusammengefunden, um in Genf zu beraten, wie der Menschheit das Geld erhalten bleiben könnte. Der Menschheit?... Dos Geld! Das Geld, das lehrte am Höchsten Verrat zu üben, da» unier den Völkern Hungerkrioge entfesselte, das die bluttrunkene Räch- sucht über alles erhob! Das Geld, das Dingen trügerischen Wert verlieh, sie zu Schätzen machte und aus ihnen schwere Ketten schuf, die den Menschen an den Boden fesseln, daß er besinnungslos, ohnmächtig vor dem Reiche des Kindes liege... Lange, lange... wartet die Menschheit, daß der Ewige seine Voten sende, um sie aufzurichten... Die Töne kommen klagend an, der Raum ist frei, keiner ist mehr anwesend, sie alle sind wieder hirveingegangen, um an den Tönen sich zu berauschen.— Was soll, wohin soll, zwischen zwei Schwellen„einsam", der wachgerufen wurde? D. stellt und beurteilt wurden. Am Vormittag des 18. Marz meldet» sich Dr. Freund bei Jagow, der die Geschäfte des Ministers über- nommen hatte, an; die Rücksprache wurde jedoch gegcustandSlot-, iitckdem Geheimrat Doye, der von Kapp und von Jagow ein» sprechende Weisungen erhalten hatte, Dr. Freund mitgeteilt hatte, daß die neue Regierung auf seine Dienste verzichte. Dr. Freund hat hierauf erregt gefragt, ob er denn der einzige Be- amte sei, der nicht weiter mitarbeiten dürfe und im Verlauf des Gesprächs diese Frage noch mehrmals wiederhol. Gcheimrat Toye eweilte stets die gleiche Antwort und sagte ihm, daß außer zwei jüngeren Herren, die dem Minister Heine br- gegeben waren, Dr. Freund der einzige Beamte wäre, auf dessen Mitarbeit verzichtet würde. Dieser Sachverhalt wird durch v. Ja- gows Brief nicht widerlegt, der lediglich betont, daß Dr. Freund uach seiner Zwangsentlassung weder unmittelbar noch mittelbar einen Antrag oder eine Anregung auf Weiterbeschäftigung an twu Jagow hätte gelangen lassen. Dr. Freund hat seine Unterredung mit Geheimrat Doye, der nach ihrem Verlauf an dessen Bereit- Willigkeit zur Weiterarbeit nicht zweifeln konnte, mit de» Worten gcschlosseu,„dann muß ich der Macht weichen". Auf dem We/w doiil Amt nach Hause teilte er dem ihm begegnenden Staatssekre-. tär Dr. Peters mit, er habe auf seine Antrage, ob er weiterarbeiten dürfe,'w Mitteilung erhalten, daß man auf seine Dienste vce- zichtt��wiige Tage später, als die Situation sich so verschalte hatte, oaß die Uebernahme der Regierung durch die Linksradi- kalen erwartet werde, rief Tr. Freund in der kritischen Nackt vom 10. zum 17. März kurz nach 12 Uhr Dr. Breitscheid in seiner Privatwohnuvg an. Da dieser in einer Gesellschaft war, wurde ihm der Anruf durch seine Frau übermittelt. Dr. Breitscheid setzte sich nnmlttdbar darauf mit Dr. Freund in Verbindung, der zunächst wissen wollte, ob die Regierung in dieHändederUn- abhängigen übc-gegangen wäre. Nach einer sogleich bei der Redaktion der„Freiheit" getroffenen Feststellung teilte Dr. Breit- scheid in einem weiteren Nachtgespräch Dr. Freund mit, daß die Dinge noch nicht so weit gediehen seien, aber viel Wahr schein- kei: für sich hätten. In den Gesprächen, die mitten in einer Ge- sclsschaft von Polltikecu geführt wurden, kamen die guten Bc- Ziehungen und das bisherige gute Einvernehmen zwischen den beiden Herren beionters zum Ausdruck. Die nächsten Tage dürften über die Angelegenheit eine Entscheidung bringen. Die Dewequng üer Eisenbahner. Frankfurt a. M.. 23, Dezember.(„Frankfurier Zeitung".) Die ReichSgewerkschast der Deutschen Eisenbahnbeamten des Eisen- bahndirektionsbezirks Frankfurt a. M. hielt gestern nachmittag eine Versammlung ab. Diese nahm nach längerer Debatte eine Entschließung an, an deren Schluß es heißt: Wir fordern von unserem" Gcwerkschaftsvorstand, nachdem alle VerhandlungS- Möglichkeiten erschöpft sind, mit dem letzten gewerisckaft- lichen Druck die Regierung zur Anerkennung unserer Forde- rung zu zwingen. Durchdrungen von der Berechtigung dieser Forderung sind wir fest entschloffen, auch unter Entbehrungen den uns aufgezwungenen Kampf aufzunehmen und durch- zuführen. Bismarcks IH. 6anü bleibt verboten! In dem Prozeß der Verlagsbuchhandlung Cotta gegen den Exkaiser Wilhelm II., der vor der 4. Ziviliammer des Land» gerbchts I schwebte, verkündete der Vorsitzende, LandgerichtSbirektor Dr. L e V y- Lrngen, folgendes Urteil: „Die Klägerin wird mit ihrer Klage abgewiesen und ihr die Kosten des Verfahrens auferlegt." In einer kurzen mündlichen Begründung wurde betont, daß der Gerichtshof zwar das Persönlichkeitsrecht des Kaisers Hinfichteich seiner Briefe an Bismarck verneint, ihm aber das Urheberrecht an diesen Schriftstücken zugeb.lligt habe. Ausländsanleihe zum AiiSbau der bayerisihen Wasscrkräste. Wie der„Bayeri'we Kurier" meldet, bandelt eS sicki bei der Nvckiricht von einer bayerischen AuslandSonleibe um die Mitwirkung von aus- ländlichem Kapital zum Ausbau der Wasserkiäne, wobei aber eins Form gewäblt werden soll, daß von einer ireniden Veriiignug über die Naturschätze nicht die Rede sein kann. Noch weniger wird eine Ausschließung des einbeimischen Geldmarktes in Frage kommen. Dissonanzen in der Internationale der Wissenschaft. Der als Ersor scher und Herausgeber angelsächsischer Literatur bekannte Pro- fessor Max Förster in Leipzig Hai an den Präsidenten der bri- tischen Akademie der Wissenschaften F r e d e r i c K e n y o n unter Bezugnahme auf den von diesem in seiner Festrede vor der briti- schen Akademie der Wissenschaften ausgesprochenen Wunsch, daß die wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft mit der deutschen Gelehrten- Welt wiederhergestellt werden möchte, einen offenen Brief gerichtet. Er weist darin die gegen die deutschen Gelehrten erhobenen Vor- würfe zurück und wirft die Frage auf, wo die Proteste der englischen Gelehrten gegen die Hungerblockade, gegen die Verletzung der vierzehn Punkte des Präsidenten Wilson, gegen die Kultur» schände der schwarzen Bcsatzungstruppon im Rheinland, geg-n die Farce einer Volksabstimmung in Eupen-Malmedh und anderes geblieben seien, ein fruchtbares'wissenschaftliches Zusammenarbeite,: werde erst möglich sein, wenn die englischen Gelehrten einsehen, daß die deutschen Gelehrten, in dem sie zu ihrem Vaterlande hielten, nichts anderes getan hätten, als was die englischen Gelehrten gleichfalls getan haben und noch tun usw, Förster spricht schließlich den Wunsch aus, daß die Stimme der Wahrheit und Gerechtigkeit im Völkerleben wieder Gehör finden möge. Es scheint uns zwecklos, die alten Fragen wieder cm-fzugreifen. Deutschland ist unterlegen, und nicht nur das kaiserliche, imperia- listische Deutschland wird gestraft. Die englischen Gelehrten waren zu allermeist im Kriege Engländer wie die anderen Engländer. Aber jetzt, da England die Meere wie die Länder beherrscht, soll man freilich die ihrer Verantwortung bewußten Männer Englands fragen: Was tut Ihr gegen die Hungersnot deutscher Kinder, was gegen die Arbeitslosigkeit deutfchcr Arbeiter? Es genügt nicht nur zu siegen, vorausschauende Politiker müssen an die Folgen und Verantwortlichkeiten ihres Sieges denken. Das Verbot von Schnitzlcrs„Reigen". Die für heute abend angesetzte Aufführung von SchnitzlerS„Reigen" im Kleinen S cha u s p i e l h a u s e ist durch einstweilige Verfügung de- Land- gerich'.S III bei Androhung von Haftstrafc verboten worden. Diese Verfügung ist von der Hochsckule für Musik, der Eigentümerin des Hauses, erwirkt worden, die im Einverständnis mit dem.Kultus- Ministerium in ihvcm�Mietverrrag d'e Ausführung unsittlicher oder politisch bedenklicher Stücke untersagt. Da der„Reigen" vom Land- gericht I bcreiiZ früher für unzüchtig erklärt wurde, liegt nach An» ficht der Musikschule hier ein solcher Fall vor. SchnitzlerS„Reigen", der aus dem Jahrs 1000 stammt, gibt in Dialvgform kleine Szenen aus dem GeschlecktSleben aller Schickten. Der Reiaen steigt von der Gosse bis in« vornebme Ebebett und fällt wieder hinab. Das Weib ist die Mittlerin der Klassen. Versuche. diese Nachtstücke aus dem Sexualleben auf die Bühne zu bringen, sind früher ste's am E'nspruck der Scrteiir oescheitcrt. Die Abiicht Schii tzters geht bestimmt nicht auf Unsiltliches, aber die zum Teil ktassen Szenen sind ebenso bestimmt nicht Baradestücke der Bühne. Man führt auch AretinoS Dialoge nicht auf. Der Leser alS Verleger II p t o n Sinclair, der bekannte amerikanische Schriftsteller, teilt das Schicksal vieler Künstler, daß , DCUtWKKSkonale RuffLnfrsunAe« £tä deirtschnationale Interpellation im Reichstag über '"'C russischen Internierten- und Kriegsgesanoe- "enlager ist angeblich diktiert gewesen von der Sorge um die innere Rwhe und Ordnung in Deutschland, die. wie die Jntec- Pellanten behaupten, durch die Anwesenheit einer so großen Zahl russischer Bolschewiken und der Möglichkeit eines Zusammen- arbeite»? dieser mit den deutschen Kommunisten in hohem Maße Zefährdet ist.. Die einfache Logik würde nun schlußfolgern, dag Deutschnationalen kein ernstlicheres Bestreben kennen, als die Russen emS Deutschland herauszubekommen. Dem ist jedoch eizentümlicherwerse durchaus nicht so. Bereits vor der Im«- PellationSdebatte im Reichstag wendete sich die„Deutsche TageS- Zeitung" dagegen, daß das von dem russischen Kriegsgefangenen- bureau in Deutschland in russischer Sprache herausgegebene Nach- dichicnblatt auch außerhalb der Lager an diejenigen russischen Ge- ssngenen zur Verteilung gelangt, welche bei ländlichen Arbeit» Aberi, beschäftigt sind. ES würde ihnen in dem Nachrichicnblatt wn Herrlichkeiten in Nutzland erzählt, die mit den Tatsachen in Widerspruch ständen. Das Agrarierblatt versichert: „Da der Nüsse schon von Natur aus nicht sehr arbeitSfreudig und jeder Agitation, wie der Krieg und die Revolution ja auch beweisen, leicht zugänglich ist—, waS ja auch Genosse Kopp nur zu gut weiß, sonst würde er ihn auch nicht durch„Feiertag»- Märchen" zu angeln suchen— so kann nur allen deutschen Arbeitgebern, bei welchem diese Revolutions-Objekie Kopps ihr Brot und ihr geordnetes Leben haben, nicht dringend genug an Z Herz gelegt werden, im eigenen sowohl als auch im staatserhaltenden Interesse, die armen Teufel über das Vetrugsmanöver, welches man mit ihnen ausübt, a u f z u- klären." Daraus ist doch nur zu entnehmen, daß gewisse deutschnatio- vale Kreise kein Interesse an der Rücklieferung aller Russen in ihre Heimat haben, denn welchen Zweck hätte sonst die von der„Deutschen Tageszeitung" geforderte„Aufklä- rung" der Russen? So ist es denn auch wirkliche Solange die russischen Arbeiter, die zu Tausenden bei deutschnationalen Land- Wirten' beschäftigt sind, billige und gefügige Arbeits- bienen sind, läßt man sich ihre Anwesenheit nicht nur gern ge- fallen, sondern tut alleS, um sie sich zu halten und beschwert sich höchstens darüber, daß von der Reichsregierung nicht verhindert �vird, daß die in Arbeit stehenden russischen Kriegsgefangenen sich an Arbeitsniederlegungen ihrer deutschen Kameraden beteiligen, und sie wünschten am l i e b st e n, daß die Möglichkeit geschaffen wird, russische Gefangene durch Zuführung in bestreikte Betriebe zu Streikbrechern verwandt zu sehen, und daß sie ohne Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit deutscher Landarbeiter zu billigeren Arbeitsbedingungen als diese beschäf- *-gt werden können. Daß daS durch Verfügung unmöglich gemacht "st hat den Zorn der Deutschnationalen hervorgerufen. BuswnösrunZsckau. Ii! W, e n sind in der 45. Woche dieses Jahres Zgg Lebend- Srdurtcn gegen 510 Todesfälle zu verzeichnen... Der französische Senat genehm'gte den Amnestie- entwarf u»d lehnte es ab. die Amnestie auch für die Ans- rührer der SÄlvar,e-Me?r°Fio>te zu gewähren. Die„Hmnanilö" deröffenilich? ein Schreiben von Klara Zetkin, in dem die deutsche Kommunistin mitteilt, daß die tranzö fische Regierung ihl die S i n r e i s e nach Frankreich verweigert bat und sie infolgedessen an der KouserenZ in Toul Vicht teilnehmen kann. Der irnhere fiamcfifffe Brösilent Deich ein c f Bat nunmehr sn einem Bliese an seine Wiibur im Dcpariemcni Eure et Lo re seine Kandidatur für die Senatswahien zum 6. Januar aufgestellt. Be« der Beratung der Provisorischen Budget zwölftel in dei f t g li e n is ch e n Kammer slellie Giolilti die Ver- trauen e it ssrage. Eine von ihm gencbmigte Tagesordnung wurde mit 246 gegen L3 Stimme» angenommen. Nach einer„Times"«Meldung aus Koiistantinopek � Hai die armenische S o w j e t r e g i e r u n g nach Abschaffung K'S Trivateigeniumi alle a u s l ä n d i s ch e n S ch u l d e u und osfiziellen Berpflicktanaen iiir rm Tiltig erklärt. sie in ihrer engeren Heimat viel weniger bekannt sind als im Aus- lande. Von seinem bckanntcstcn Werk„Jimmie HigginS" sind bei- spielsweise in Amerika noch nicht 8000 Exemplare verkauft worden. Für sein nächstes Werk konnte er nicht einmal einen Verleger finden. Er ist nicht imstande, Pav'er- und Druckkosten aus eigener Tasche zu bestreiten Sinclair schlägt nun vor, daß die Verehrer seiner Werke eine literarische Aktiengesellschaft bilden. Er w'll sich mit einem moneplicken Gehalt von 800 Dollar begnügen und den Reinertrag auf d'x Herausgabe seiner neuen Bücher und die Vor- breitung seiner Ideen verwenden. Künstliche Velruchtuug und PskanzenwachStum. Skate©erstich®. das Wachstum der Wanzm dusch künstliches Licht zu bcernfJatssen, find mit großem Erfolg in der Gartnerlehvanstatt zu Dahlem vor- Mnomimen roordsn, worüber im«LaachwirdschafMchen Jahrbuch" be- wichtat wird. DaS Nevnilicht, daS verwandet wurde, unterscheidet sich Von allen anderen Lichtquellen durch seit« souerroi? Favbe; eS sendet Vorw egend die langwelligen roten und gelben Stvaihlen aus, die beim Chlorophyll reichlich absorbiert werden. Der Stnomver- brauch der Anlage betrug etwa fcj KKowatt. In zwei TveivhSusern mit Gurken und Tomaten, die zur Hälft! belichtet, bei der anderen HAjfe durch einen Vorhang abgeschlossen waren, wurde eine be- crächKiche ertragstcigernde Wirkung des Neonlichtes beobachtet. So ergab die belichtete Hälfte des GurbenhanseS 600 Stück Gurken mit 077,.".60 Kikogvamm Gelwicht, das uubslichiete nur 370 Stück mit >5S.g Kilogramm Gewicht; im Tomokenkstulse lieferte der belichtete Taik im ersten Jahr 98 KAognumn, der unbelichiete 69,2 Kilo- gNKMin. DaS Meonl'icht stellt die wirtschaftlich vortnckhersteste Quelle dar; e» wird nur als Zufatzbsleuchtmig an trüben Tagen und tvahoend der Nacht angewendet. Mhruuq durch Bertiner Mnieen kErliintsrunq elnzebisr Kunst- wcrkct neranstattet das Zentrulinstitut für Erziebung»nd Unterricht während der Weihnas'tSserien vom LZ. bis SO. Dezember und 3. bis 5. Januar. Beginn O1/, Uhr. Näh-reS Potsdamer Str. 120(10�-L). Zur Ncugeltaltukg der Berliner Musikhochschule. An Stelle des oeriwibenrn KainmerjänacrS Paul Knüv'er ist t!eo Schuheiidort nun der Berliner Staatsoper an die Berliner Musflhochskhule berufen worden. DaS Tantejalzr. Das rnWte Jnbe wird ein Dantejahr sein: In den September tiZLl iällt der 600 jährige ZodeStag DanIeS. Zwei Festaus- schiisse— darunter einer doiwieaend für die kiitboilsche Bcvölkentng— haken sich gebildet, um in Deutschland würdige Danteseiern vorzubereiten »Den Mann, der in düsleistcr Ze-t. in Aimut, Verbannung und Schmach an den bvchsten Hoffnungen festhielt, zu seiern, sei ein Symbol", hcitzt es in dem Ausruf. Dada Iflszi sich feilte Ballkart'N stehlen. Der neueste Dadatrick: dem Klbcrdadi sind sein« Bolllatlen gestohlen worden. DaS ist sicher e!»e oiiginelle Ankündigung deS BalleS. der am 20. Januar im Marmor-Zoo statisinden soll. Wer die Karten findet, lann die Mappe behalten. Das«AlefautenlioZel. In New-Jeisey in den Vereinigten Staaten bat man kürzlich ein Hotel in Fo:m eineS riesigen Elefanten gebaut. Eine Wendeltreppe führt durch de» Rlissel inS„ldehlin». daS Vestibül deS Hotels, im Numps liegen die Zmmer, in den Beinen Küche. Waschküche. VoiratS- räume usw., und oben aus dem Turm löimen die Gäste frische Lust jchöpjen, wenn sie im»Magen" zu Mittag gegessen haben. GrOß'Serllu PfsrösrennM im Wmter. Die Sensation des vorjährigen Winters>m Kaffes Kerknu bat i» diesem Jahre in der Fiiedricdslr. 96 von neuem einaeietzt. Die Renndyhn, auf grünem Rasen im Sommer, piöiciitiert sich lztei als enr grotzes Bistald, aui dem kleine Vleiallv'eidcven mit daraus aeietzlen Puppen als Jockeis die edlen Vollblüter und ihre Lenker velsinnbildtichen. Diese sogenannten„Pserderenrnn" werden durch Drehen von Kurbeln zur Abwicklung gebracht. Zu dieiem Zweck hat das Unternehmen am: rn Jockeid-etz gekleidete junge Leute einaestellt, unter denen sich die Besucher ihren sicheren»Dreh- Tip" austvählen könne». Es steht aber auch iedem Be- iucher irei. sich sein gewettetes Rennen setdst zu drehen. Das Spiel, bet dem Gewandtheit im schnellen Drehen der Kurbel den Ausschlag gibt, lönute an sich harmlos und iogar spatz- hakt erscheinen, iveun es nicht offensichilich ein Glücksspiel übelster Art wäre. So steht es zum Beispiel ganz im Belieben der Herren Jockeis, ob sie ein Rennen gewinnen wollen oder nicht. Winkt ihnen ei» lohnender Anteil am Gewinn, so sind sie auch recht..fit" bei der Sacke; winkt die'« jedock nicht, dann sichlt ihnen über- ra'chendei weise fast jeder.Training", oder sie sind iogar über- trainiert sür das zu drehende Rennen. Daran ändert selbst die Tatsache nichts, daß den weniger gewandten Kurbelmäimern im Jockeidretz loivie den Einzelpersoiieu aus der»B llard- Turf- gemeinde", die sich ihr Rennen scbsl drehen, einige Vorgaben ge- währt werden. Die Meister vom ,,Billard-T»rf" kennen sich einander sehr gut »nd noch besser thre Pappenheimer, sür die sie die geweiteten Rennen in oopors, und auf„Kippe" siegreich besiretten. Es'st ein guter Bekannlen- und FcenndeZkrelK, der sich doit alliäglich einstellt, um neben den»Meisterdiehern"— bar jcdcS Pferdeverstandes— recht ansehnliche„Schiebetgewinne" einzlistreichen. Die„Gelermten" sind hier, wie meist in allen Glücksspielen, die„Vemauenssehgen"; sie bringen durch ihre Eiuiätze erst Leben in die Bude. Der Renn- beirieb steht oft zeriweiie gänzlich still, weil der FreundeSkrers kein Interesse daran hat, sich geaenseitig das Geld abzunehnlen. Der niedrigste Emicitz pio Rennen beträgt 6 Mail, auf ackl Pferde 40 Mark. Hiervon eiitfallen nach jedem Nenneii 10 Mark lii die Kasie des Iliiternehmens. 20 M. erhält der glückliche Gewinner und 10 M. der Zweite des Rennens. Berücksichtigt man, daß bei flonem Betrieb täglich � bis zu hundert Nsniien gedreht werden können und das; bei höberen Einsätzen auch der Verdienst des Unter- nehmens sich entsprechend erhöht, io dürsien auch die Ei!ii>ah»ien der Heiren Spielveraustalter reckt beträchtliche sein. Eiwähnens- wert wäre noch, das; sich zwei disgualifizierte Jockeis zurzeit als Ordner in Anreitzen zum Weilen und im Betraten von»Stall- geheimnisien" recht plmnv bemerkbar machen. Im Hinblick hierauf kann der Arbeiterschaft nicht dringend genug geraten werden, sich von dieiein Glücksspiele— wie von allen ähnlichen Unicrnehmun len überhaupt— im wohlverftandeuen eigenen Interesse fernzuhalten. ülsbZrftdgkasLsn und MtgslK. Der neue Verwaltungßrat der Siratzenbahn, der gestern den Bericht des leitenden StadtbauratS Dr. Adler entgegennahm, beschäsligle sich weiter mit der Frage von Fahrscheinen zu ermäßigten Preisen. Dabei wurde die von kommunistischer Seite erhobene Forderung, den Arbeitern, Angestellten und Beam- ten Fahrscheine zu 60 Pf. zu gewähren, abgelehnt, da dieses Zugeständnis eine» täglichen Ausfall von 2 0»0 0 0 M., also eine jährliche Mindereinnahme von 7 2 Millionen verursachen würde, lieber die Gewährung von ermäßigten Fahrpreisen für körperlich behinderte Pe> tonen mu niedrigem Einkommen sowie für mittellose Studierende sollen erst noch weitere Erkundigungen angcstxllt Kerhen.. Von.einem. U.Mst.e.i g e.v e rke h r ist vorläufig. keine Rede Wohl aber wurde beschlossen, den auS Heiligensee. Grunewald und Köpenick nach Berlin fahrenden Personen U e b e r- st e i g k a r i e n ziam Preise von 1,30 M. zu gewähren. Diese Neue- rung soll am 1 0. I a n u a r in Kraft treten. Endlich wurde in der rage des Notgeldes eine Entscheidung dahin getroffen, daß elluloidstücke zu 10 und 20 Pf. ausgegeben werden sollen. Der Sestohkene PolizeiprKflde«t. Gestern abend wurde aul einem Autobus der Linie Linden— Kurfürstendamm von einem Beamten der Taschendiebstreife ein Taschendieb aus frischer Tat ertappt, als er einem Herrn die Uhr avS der Tasche zog. Der Polizeweamte faßte den Dieb am Hand- qelenk und fragte den Herrn, ob et seine Uhr vermisse. Der Herr fuchte daraufhin vergebens in seiner Tasche nach seinem Chrono- meter. Die Beteiligten stiegen vom Omnibu-S ab. Bei der Fest- stellung der Personalien stellte sich heraus, daß der Bestohlene der frühere Polizeipräsident von Verlin Eugen Ernst war. Trotzdem der Kriminalbeamte in dem Augenblick zufaßte, in dem er"die verdächtige Handbewegung des Diebes sah, und der Dieb, der ein berüchtigter gal, zischer Taschendieb ist, auch ztjgibt, die Uhr aus der Tasche gezogen zu baben, blieb die Uhr verschwun- den. Der Dieb behauptet, die Uhr wäre heruntergefallen, es ist aber auch möglich, daß ml blitzschnellem Handgriff ein anderer, scheinbar völlig unbeteiliaier Fahrgast, die Uhr vom Diebe in Emp- fang genommen hat. Da eS aber auch nicht ausgeschlossen ist, daß die Uhr herunterfiel, bittet Genosse Ernst den ehrlichen Finder um Rückgabe des sür iin sehr wertvollen GeAenstcmdeö. Er hat für die W i eder herbe i scha ffi'ng eine entsprechende Belohnung ausgesetzt. Meldungen bei Krimmalkomniissar Dr. Niemann im Zim- mer 76 deS Berliner Polizeipräsidiums. Was geht hd ös?»victona'" vor? Aus Lese�veissn wird u>n>s wAyete-Kt, in den letzten Tagen seien viiek Bei der V o lksversichevung„Vietovis" schoiftlieh auf» «ofoichert worden, sich wegan Lösung öhrer VersichovungAverträste im Ge schüft Sgsbäuhe der»Victoria e.nziHnÄea. Ein starker Andrang in den GeschästSrünmon sei deShslb zu bemerken, in vielen Fällen foien die Beiträge Ammgunsten der Varsicherten be- vsi>ls gelöst worden. Unsere Gewährsmänner sind der Meinung, daß eS sich hier um ein Vorgehen der Direktion zum Nachteil der Versicherten handelt. Dagegen teilt umS die Verwaltung h-x»Victoria" sAbieilung BolkKversicherungf amf unsere Anftage mit, daß bei ihr in letzter Zsit allerdiiNgS zcrhlrsiche Kil-trSige mrf Lösung dos Versicherung�- verhäb! n ist es eingegangen ssion. Aber nicht von der Direktion, son» dern von den Versicherten die AnträHe gestellt worden. Das Vorgehen sei zwrückznMve« auf die mit der Direktion bekanntlich in einem Lohnkonflikt stehenden Einnehmer, auS deren Kreisen die Versicherten zur Lösung der Verträge ölomsdst würden. Die Direktion habe kein Interesse an der AufWfuny, wohl aber an der Bei« beHaltung der Verträge. Wenn über Versicherte auf der Lösung der Verträge beständen, bleibe der Direktion nichts übrig. alS darauf einzugehen, und wenn sich die Betreffenden' dadurch benachteiligt fühlen, so hätten sie es sich selbst zuzuschreiben, SsrÜne? Raubsr auf Sem Lanöe. Einer der schweren RaudüberfSlle. breche? mit ibren Schußwaffen vor ihnen und forderten 600 M., sü? jedes Mitglied der füniköpngen Bande 100 M. Als sie wieder zur?lnt- wort erhielwn, daß kein brres Geld im Hause'Sl, hielt der eine der Verbrecher die beiden Brüder und den Vater mit der Psttols in Schach, während der andere alle Vetältnisss mit dem Beil zer- trümmerte und deren Jnha't herausriß. Endl'ch fand er auch 0600 M und.zwei goldene Uhren. Die Beute steckten sie zu sich und banden dann, bevor sie das Haus verließen, die Söhne Rücken an Rücken zusammen. Dann schlössen sie die Stube ab. brachten den Greis wieder in seine Stube, schlössen auch ihn ein und der- ließen daS Haus durch das Fenster, durch das sie eingestiegen waren, nachdem sie auch noch eine Jagdflinte, die sie in einer Ecke entdeckt hatten, an sich genommen hatten. Da angenommen wurde, daß auch dieser Uebcrfall wieder von Berliner Verbrechern verübt worden sei, wnvde die hiesige Kriminalpolizei von dem Uebcrfall verständigt. Der Leiter des Raubde.zernats, Kriminalkommissar Lehnerdt, und seine Beamten forschten und konnten feststellen, daß der 32 Johre alte Konditor Max Schefiler an dem Raubzug beteiligt war. Dieser war. jedoch zunächst nirgends zu finden EZ gelang aber, zu ermitteln, daß er Beziehungen zu einem Siraßen- mädcben unterhielt. Dieses wurde noch observiert, und als der Gl- suchte gestern nachmittag erschien, um seine„Braut" zu besuchen, wurde er verhaftet. Bei seiner Vernebnnmg gestand er auch ein, mit mehreren Spießgesellen den Raubüberfall ausgeführt zu haben. Die anderen Mitglieder der Bande werden noch gesucht. Usber den Leichsnfnnd in der Blüchsrstraste wird nock berichtet, daß der tote Reiter Heinz ll gestern abend nach dem Schauhause gebracht worden ist, woselbst die Gerichts- ärzte die Leiche untersuchen, um vielleicht feststellen zu können, ob nach der Art der Wunde Heinz den Schuß selbst abgegeben Hai. Nach anderweitigen Ermittelungen lieg! wahrscheinlich ein Selbst- mord vor. Klietz hatte, während er Kaffee kochte, schon dreimal ein»Kacken gehört, das er sich nicht erklären konnte. Dann fiel der Schuß. Diese Behauptung wird durch den Befund beglaubigr. Der Revolver enthielt drei scharfe Patronen, die angeschlagen waren, aber versagt hatten. Die Leiche wollte er wogschaffen, um sein Ansehen im Hause nicht zu gefährden und ein Engagement in Dberschlesien nicht zu verlieren. Tie erste Nacht hat eitz wie er sagt, auf dem kleinen Flur vor der Tür auf einem Stuhl fitzend geschlafen, die zweite Nacht aber bat er die Leiche aus dem Bett herausgenommen, um sie mit vieler Mühe wieder zu bekleiden, und sich selbst hineingelegt._ Das Wunder des Schneeschuhs wurde am MittwochaBen-d in der Hochschule für Musik vom Werbe- ausschuß des Deutschen Ski VerbaudeS in einem großen Natur- spielfilm vorgeführt. Der Berg- und Svortfilmgesellschaft in Freiburg i. Br. ist es in fünfmonatiger Arbeit gelungen, die her- vorragsndsten Msisterfahrer im Bilde festzuhalten. Schwarzwalv, Oberbayern. Tirol und die Schweiz mit ihrem idealen Gelände gaben den Schemplatz für die Betätigung diessZ schönen Sports. In cknmutigen Bildern sehen wir die Skiläufer bei der Uebnng im Hügel- und Waldgebiete des Schwarzwakdes, reich an heiteren Bildern. Besonders spannend wirkt die schwierige, häufig auch gefahrvolle Bewältigung der Bergriesen dar Alpen. Durch schaurig- öde Hockgebirgstäler, über Gletscherspalten bahnen sich die kühnen Bergsteiger den Weg bis zum Jungfrauen alsiv. Ebenso interessant ist der Abstieg von diesen majestätischen Höhin bis zur Baumgrenze durch die in ibrem SchneekleWe märchenhaften Tannen, und Laub- Wälder. D'e Bilder waren von so überwältigender Pracht, daß man Wünschen mochte, daß dieier Film die Auaen der vielen Tausende, die die Alvenwelt nie gesehen, erfreuen, wie dies in dielen Städten Süddeuss'chlands bereits der Fall ist. Der Vorführung g'ry ein kurzer Vortrag des Herrn N e u? i r ch über die Zwecke und Z'ele des Verbandes voraus: Erweckung von L'ebe zur Natur und Er- tüchtigung der Jugend. Herr F a u ck, der Leiter der Filmaufnahme, gab ein anschauliches Bild über die ungeheuren Schwierigkeiten, die hei Temperaturen hü??o Grad Kälte im Hochgebirge zu überwinden waren,___ DrmobilmaihungSkommissar und stimmberechtigte Ober- schlefier. Von verschiedenen Ortsgruppen der„Seimattreickn Ober- fchlefier* geben Beschwerden ein, daß stimmberechtigte Oberscklesier, die erst nach dem 1. April 1914 nach Berlin gekommen sind, durch Verfügung des DemobilmachungSkommissars mit Ausweisung be- droht werden. Die Bezirksaruppe Groß-Berlin der Heimattreuen Oberkchloster hat sich daraufhin mit dem DemobilmackiungSkommis- sar Herrn Regierungsrat v. Hosfmann. Viktoriastr. 24. in Verbin- düng gefetzt Und von ihm die Zusage erchalten, daß zunächst bis zum 1. April 1921 die stimmberechtigten Oberschlesier, die gleich- zeitig Mitglieder der Vereinigung sind, durch diese Verfügung nicht betroffen worden. Ein Amokläufer mit dem Revolver. Zu obiger Meidimg in Nummer öLtl des„Vorwärts" erhallen wir von dem darin ge» nannten Kankmann Emannels Ricci eine RichHasteßmrg. worin betont wird, daß er nickt angetrunken oeweien sei. Er. R. sei von Znhäliern»nd Verbrechern ans Rocke dafür, daß er einen ibrer Komplizen habe zur Bestrafung bringen beiien. an der Ecke Borsig- straße überfallen und schwer mißbandelt worden. Flüchtend Habs er dann zur Rettung feines Lebens von der Schußwaffe Gebrauch gemacht, wobei bedauerlicherweise Unschuldige mit getroffen worden seien. Inwieweit diese, sowie die von einer Korrespondenz der- breitete Darstellung richtig ist, wird die weitere gerichtliche Unter- suchimg des Vorganges ergeben. Dentsche Altcrsbilfe. Ein vor kurzem vegründeler Verein..Dentiche MerSdilse». Berlin SM.«8. Fi'edrtchstr. 210. bot sich die Ausgabe nefieiit. die große Not aiter. erwerdsunläblger Frone» und Mömter ju lindern; er dennßte die erben veriiinboren 15 000 M. dazu. MeibnachtSgönle, LebenSmItiel und Kleidungsstücke zu lanlen«nd an besonders Bedürstlge z» verteilen. Hierdurch ist incbreren hundert Familien eine unverhoffte WcihnachtSfreude bereitet worden. Das Naturbistorische Schnlmuseum Neuköllns hat durch die Ein- richtung eineS besonderen»Heimat m u s e u m s* eine werivolls Ergänsiing eifahren. Während das Schnlmnsenm in der Haiwr- sacke den Zweck verfolgt, das Verständnis der Jugend riir naturkundliche und wissenschaftliche Gegenstände zu wecken »nd zu tördern, will das Heimatmuseitm alles auf Nen- fÖlln Beznalicke mir dem Gebiete der Geo'ogie. Geschickte und des Kui'steewerhes der Nachwelt erhalten. An Neu- erwerbnngen bat das Nenköllner Schulmnkenm u. a. eine Aniahl wertvoller kunstgewerblicher Metallgegensiände. wie i. B. Leuckter, Lickti'ckirme und Mörier anfzuweiien. Auch die Hsimai'ammiima, für welcke beiondere Räumlickkei'-n am �Srnervark bereitgestellt sind, ist durck Einverleibung des»Eisernen Rüters". deS bekannten Neuköllner Kr>egSwahrzeichens.»m ei» bedeutungsvolles, bistorilckes Objekt bereichert worden. Die BesnchSzeiten für das Heimaimufeum werden noch bekanntgegeben. Kommunaler VolksbilbnngS-Ausschust Reinickendorf. Für den westlichen Ortstetl, 6. schule, findet am sonntag, d-n 26. Dezember, nach- mittaoS S Ubr eins gro»- Märchenvorlelimg mit Liedern zu? Lant? statt. Vortragende: Emst und Elf» Kühne. Der Eintrittspreis beträgt fit-«in. der 50 Pf., für Erwachsene 2 Z?:. Ertvcrbsioie haken gegen Vo-reigung ihrer Stempelkarte mit ibren Kindern srelen Eintritt. Die Genossen wer- den ersucht, ihre Kinder aus die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Kreier Sängerchor Reinickendorf. UebimgSabend Donnerstag 7 Uhr beim Gen. Lmdstedt, Residenzstr. 120, Eck- Grüner Weg. GewerMQfisbsVegung Die Zusianöe im Sexliner IrifeurgsMsrbe find, wie unZ vom Arbeiinchmerverband für das Friseur- und Hcavgeiuerbe geschrieben wird, einfach haarsträubendl Nicht erst seit gestern und heule! Denn die zünftlerische„Handwerks- retterei" wird seit Jahrzehnten betrieben und unentwegt fort- gesetzt. Der Beruf ist mit„Selbständigen" überfüllt, die Ge- schäftsunkosten der einzelnen Zwergbetriebe sind verbältnismätzig viel zu hoch. Diese suchen sich zu erhalten durch Unter- bietung der Preise oder durch Ueberbietung des Quantums der Leistungen. Tie größeren Geschäfte halten sich durch Waren- verkauf zu Apothekerpreisen an ihrer zahlungsfähigen Kund- schäst schadlos. Die nur halb entlohnten Gehilsen werden auf Ver- iaufsprozente angewiesen, müssen möglichst viele Artikel an den Mann bringen. Wahrend der Kriegszeit hat sich die Zahl der Lehrlinge bedeuiend vermehrt, mehr noch die Zahl der so- genannten KursuSiriseusen, deren Entlohnung erst nach ständiger einjähriger Tätigkeit tariflich festgesitzt ist mit öS M. wöchentlich. Die Zahl der � beschäftigten Gehilfen dagegen hat sich mehr und mehr vermindert. Die niedrigen Löhne wie die unsicheren Existenzverhälinisse zwangen einen großen Teil der ölte- ren Gehilfen, in anderen Berufen ein Unterkommen zu suchen. Frühr wunden sie einfach„selbständig", was jetzt kaum mehr vstig- iich ist. Eltern, die etwa die Absicht haben, ihre Kinder diesem Berufe zuzuführen, bitten wir um Bemfitung dieser Verhältnisse. Man hat sich jetzt zwar zu einer Einschränkung der Lehrlingszahl für Berlin aufgeschwungen. Doch will das wenig besagen, da einmal die Zahl der Selbständigen ohne Ge- Hilfen sehr groß Zt, weiter aber in der Provinz die Lehrlings- züchterei weiter betrieben wird. Im übrigen aber wehrt man sich gegen jedwede Reform und sehnt die vorrevolutionären Zustände zurück. Im Frühjahr lehnte es der Demobilmachungskommissar ab, einen einstimmigen Schiedsspruch mit Wochenlöhnen von 145 M. für Herrenfriseure und ISS M. für Damenfriseure für verbindlich zu erklären, weil die Arbeit- geber erklärten, sie müßten vann die meisten Gehilfen entlassen, von oenen sie doch nicht einen einzigen zum Zeitvertreib halten. Die Folge war ein Streik, der mit der Festsetzung von 135 und 14S M f W o cki e n I u 6 n endete. Aus mancherlei Gründen ist leider noch ein ziemlicher Teil der Gehilfen dem Organisations- gedanken unzugänglich. Erst wenn„etwas los" ist, treten auch die Gelben dem Verbände bei, um sofort wieder crbzu springen, wenn..der Rummel" vorbei ist. Es gibt keine zweite Großstadt, in der die Löhne der Friseurgehilsen so niedrig sind wie in Berlin. Der Verband forderte neuevdings eine Teuerungszulage von 2S Proz. Die zu einem Jntcresienverband ver- einigten Mcisterkoroorationen erklärten nicht in der Lage zu sein, die Löhne zu erhöhen, obwohl man wisse, daß diese aufbesse- rungsbedürftig seien. Am 21. Dezember befaßte sich der Ichlichtungsausschuß mit dieser Forderung. Es kam jedoch wndcr zu einem Vergleich noch zu e'nem Sbiedssyrub Der Unparteiische erklärte vielmehr, die wirtschaftlichen Verhältnisse im Friseur- gewerbe seien ihm nicht genügend bekannt, um zu be- urteilen, ob den Arbeitgebern eine Lohnerhöbuna zugemutet werden könne. Es bleibt mithin zunächst bei den Wochenlöhnen von 135 und 145 Mark.''_ Die Metallindttstrie-Nngestellten und der Schiedsspruch. Die Möglichkeit eines Kampfes in der Metallindustrie ist noch nicht ausgeschlossen. Der von uns veröffentlichte Schiedsspruch befriedigt keine der beiden Parteien. Als der Inhalt des SchiedS- spruches am Schluß der Lerbandlung den Unternehmern in Form eines Vergleichsvorschlags unterbreitet wtwde, erklärten sie sich gegen denselben. Sie blieben dubei, daß sie eine Erhöhung der Grundgehälter ablehnen und nur eine Erhöhung der Familienzulage bewilligen würden. Die Unternchmerbeisitzer im Schiedsgericht haben denn auch gegen den Schiedsspruch ge- stimmt. Er äst mit den Stimmen der Angestelltenbeisitzer und der Unparteiischen angenommen. Hiernach kann damit gerechnet werden, daß der Verband der M-tallutdustriellen den Schiedsspruch ablehnt. Die Angestellt«« sind mit de« Schiedsspruch unzufrieden, weil er hinter ihren Forderungen erheblich zurück- bleibt-und weil ex an den Familienzulagen festhält, die dem Grundsatz der freien Angestelltenverbände widersprechen. So gern den Verheirateten auch die Familienzulagen zu' gönnen sind, weiß man doch, daß diese Zulagen für die Unternehmer ein Mittel sind, einen Keil zwischen verheirateie und ledige Ängestellte zu treiben. Eine am Mittwoch abgehaltene Versammlung der den Afa- Organisationen angehörenden Funktionäre und Betriebsräte wies mit Nachdruck aus die Mängel des Schiedsspruchs hin, erklärte aber, daß die Frmktionäre unter Berücksichtigung der herrschenden Man- gel den Schiedsspruch trotz seiner Mängel in den Betrieben zur Annahme empfehlen werden. Mit großer Schärfe wurde jedoch betont, daß die etwaige Ablehnung des Schiedsspruchs durch die Unternehmer als Provokation emp- funden und den Ausbruch des Kampfes unmittelbar zur Folge haben wird. Ein solcher Kampf wird die Angestellien in geschlossener Front sin den u-nd mit allen Mitteln durchgeführt werden.— Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde angenommen. Kein Streik im(«afttvirtsgeiverbe. Die Krise im Gastwirtsgewerbe, über die wir bereits in unserer Nr. 623 berichteten, scheint beigelegt zu''ein In der letzten Nacht nahmen die Angestellten zu den erfolgten Acnderungen des Tarifes Stellung Zwar war man auch mit diesen neuen Sätzen nickt ganz einverstanden, aber schließlich wunde, da es sich nur um Dstferenzcn von 200—256 M. handelte, die Annahme des Tarifvertrages durchgesetzt. Alle ledigen Kellner und Hilss- fräste beiderlei Geschlechts erhalten sofort 1 5 0 M. und Verheiratete 200 M. Nachzahlung. Die österreichische Streikwelle. Durch Wien geht nswerlich ehne große Streikwelle, die hauptsächlich durch die Fvaye der Weihnachtsgratifikation hervorgerufen ist. Auf der Süd bahn hat ein Streik der Eisen-; bahne r eingesetzt. Seit Mittwoch wurden die Expoeß- und Luxus- zülge nicht mehr durchgelassen. Der Personenverkehr wird bis Frei- tag mittag durchgeführt. Bis dahin wind tme Entscheidung über die Streitfragen emariei. Sollte diese nicht im Sinne der Eisenbahn- bediensteten ausfallen, so wind Fredtag auch der Personen- verkehr auf der Süd bahn eingestellt werden. Im M ü n z a m t dauert die passive Resistenz der Arbeiter an. Wegen Nichtbetmlliyung einer Weihnachtsremuneration von 6000 Kronen stellten die Angestellten der amtlichen „Wiener Zeitung" ihre Tätigkeit eim Die„Wiener Zeitung", das Organ der Staats regierung, ist nicht erschien«!. Auf dem Nora- b a h n h o f drohen die Magazin- und Kohlenanbeiter mit dem Aus- stand. Ferner befinden sich im Streif dieGehilfenderZahn- t e ch n i k e r. die Dreher, und auch die Damenschneider kündigen einen Streik an. Der Schiedsspruch für die Hamburger Werftsrveiter ist be- kannilich von den Unternehmern der novdischen Gruppen | der See-Schiffs-Werke abgelehnt werden. Nunmöhr hat das Reichsarbeitsmini st eriu in auf Antrag des Metall- arbeiterverbandes die Verbindlichkeitserklärung aus- gesprochen. Danach werden die Unternehmer wohl genötigt sein, von ihrem widersprenstigen Slandpunkt abzuweichen. Den Schiedsspruch angenommen hat nach einer Meldung der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" die in Essen und Bochum �abgehaltene Versammlung der vier Organisationen der tech- nischen Bergbauange st eilten. Entscheidend dafür war ! die Rücksicht auf die gegenwärtige wirtschaftliche und politische � Lage,_ Verbandes, die jetzt durch die Tagespreffe gehen, verdienten daS«? keine Erwiderung. Da darin jedoch behauptet wirb, die Aerzt? feien aus dem allflemeinen Kiankenkasieniag verleumdet worden, seien folgende Fesisiellunaen geslatiet: Aus dem Krankenkassentag ist nachgewiesen worden, daß die Aerzieschafi sich jedem Ausbau der sozialen Fürsorge entgegengestellt hat, durch den sie ihre materiellen Interesse» bedroht ineiul. Sie lehnt die Erweiterung der Krankender« iicherungspflicht ab und hat sie im Mai 1320 durch General» streik zu hindern gesucht. Sie verlangt den gesetzlichen Aerzie» zwang, bevor die Familienkrankenhilfe eingeführt ivird. Sie hat sie B e h an dlnirg Tuberkulöser und Geschlechts« kranker in den Fürsorge- und Beraiungsstellen durch Boykott« drohimg unterbunden. Mit dem gleichen Mittel verhindeit sie die Behau dl ii ng der Schulkinder durch Schulärzte, dte Be« Handlung der Säuglinge in den Säutlingsfürsorgestellen, Ebenso ergebt es den Krankenkassen, wenn sie zur Verbesserung de« Krankbeiiserkeiinniig und der Anwendung neuer Heilmethoden eigene Anstalten einrichten wollen. Die Kassen verlangen nur Schutz vor den Streik« und Boykottdroh u n gen der Aerzte. Geldabfiiiduugen— und zwar ousretchende— sollen dem Kranken mir bei Aerztestreiks gegeben, die jetzige Massenbehandlung durch Neuorganisation deS ärztlichen Dienstes beseitigt werden. Soziales. Aerzte und Krankenkassen. Die bereinigten Kiankenkassenverbäude schreiben dem W?B.: Die Meiitungsverschiedenheiien zwtichcn Aerzien und Kranken- fassen können nicht durch Preisepolemiken ausgetragen weiden, Dte Erklärungen des Aerzteveremsbundes und de? Leipziger Aerzte- /kus aller Welt. Glück und Ende einer Geldzauberei. Im letzten Sommer wurden die Vereinigten Staaten hurch die Heldentaten eines Geldzauberers in Staunen versetzt, der durch dunkle Weckselgeschäsie, an denen er in sünsundvierzlg Tagen 50 Proz. verdiente, für sich und seine Kunden Mil- lionen erraffte. Heute sitzt dieser Hexenmeister hinter Schloß und Riegel, nachdem er im Versolg einer langen und verivickelten Unter- suchung riesige Postdefraudationen eingestanden hat. Der Schwindler, der in B o st o n in einer dunklen Straße nur einen kleinen Ladet, hatte, genoß das Verhauen eines großen Publikums und erzählte in Zeiiungsinlerviews non den vielen Mil« lionen, die er verdient habe. Als die Behörden schließlich seinem scheinbar so erfolgreichen Treiben ein jähe? Ende bereiteten, indem sie seinen Laden schlössen, wurde der Bankeroh unvermeidlich. Es stellte sich heraus, daß elsiauiend Gläubiger aus allen Gesellschaftsklassen, die ihm ihr Geld in der Hojfnung, es in Kürze verdoppelt zu sehen, anvertraut hatten, nicht nur um diese Hoffnung. sondern auch um ihr Geld betrogen waren. Kavelbrand in Wien. Am Mittwoch ereignete sich im Wiener Elettriziiätswerk eine Explosion eines Oetbebällers, wodurch große Kabel in Brand gesetzt wurden, svdaß der Vctkebr der e l e l r r i i ch e n Straßenbahn mehrere Stunden lahm« gelegt war. Der Schaden ist bedeutend. Ein Komplott in der Fremdenlegion. Nach„L'Oettvre* ver« lautet, daß in Stdi-bel-Abbes ein„boischewistisches" Komplott bei einer Abteilung der Legion entdeckt wurde. Die Boiichewssten standen in Verbindung mit einer Anzahl verdächtiger Elemente und eintaen entlasieiien Eisenbahnern. Der Plan bestand darin,»tetst die Oifiziere zu ermorden. Ein ehemaliger deutscher OsfhhtV dem iunatürkische Elemente und algerische Mohammedaner zur Seite sttndcn, war das Haupt der Betschmöning. Er wurde verhaltet. Mit ihm wurden auch ungctähr 100 Legionäre fest« genommen. Bei desertierten Legionären hat man falsche Pässe nach England gesunden. Die Hungersnot in China. Nach einer Meldung an« Beking sind aueländiiche Banken bereit, einen Vorschuß vor. vier Mtll. Dollar zur Bekämpkimg der Hunaersnoi zu gewähren(tö Mtll. sollen nötig sein). Als Gatantie werden Zollkontrolle und eine Kontrolle der Ausgaben gefordert. Verantw, für den rednlt. Teil Tr. Werner Pciler. Chartottenburg! für Arze�gev- Th. Mocki. Perlin. Verlage Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Perlin. Druck' Bor wärts-�ucbd-rnckeret u Verlaosanswl! Vaul Singer u. Co. Berlin i'rc Stoffe für Herrs-i-Anzüge, Alf»«r. Priletofo, vamen-SofiÜMe« Meter SS.-. 100.-. tSS.-. ZS0.- Mark. 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Aus dem Inhalt: Demokratisierung im Eisen» bahinoejen.— Die Entwicklung der Ciemelks» Werke.— Neuerungen im oigualtDefen.— Lokomotivkessel mit Ueberhister«—.�asserstnndg. anzeiger.— Elektrisches SchWeitzen m Wen» bahn Werkstätten.— Der Lu.'tdruck. das Boro-. titrier.— Die Verwendung von fiUsier.ernen Lokomottv-FeuerbUchsen.— st?;0"10''-0" eessei.— Die Teiegraplsie.—. Schnellbahnen— und vieles andere M.Hr. Bezugspreis direkt vom Verlag unter Kreuzband Mark 5,- pro Vierteljahr, durch die Poll Mar! 4.- zuzüglich Mar! 0,M Bestellgeld. Verlangen Sie kostenlos Probenummern. Für Vereine dilliger. Für Pereine billiger. Anertannt vorzögt., wirkungsvolles Jnserttonsorgan. Inserate in der„Eisendahn�achschuie" haben den größten Erfolgt die Lesersltzaft setzt sich nachweisbar aus den Eisenbahnbehörden, iowie ea. Sv oOü Hörern der Eifenbahnsachschuien zu- lammen An über 100 Schulen im ganzen Reiche verbreitet.— Man verlange Offerte. j?er!a| i.fsseüiaii Perlin SW.. KssÄlo9,r | Tel, fnurtürü 4615. 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