Mr. 250. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreichs Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: ozialdemokrat Berlin Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Freitag, den 26. Oktober 1894. Expedition: SW. 19, 33enth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Crispi's Gewaltffreich. patioften Italienern würde beim Erscheinen der ersten Da die Polizei nicht start genug war, österreichischen Uniform der unter der Asche glimmende so viele Haussuchungen vorzunehmen, wurden sogar die gegen das Haus Savoyen und Crispi, den rührigen Untergraber ihrer Herrschaft, zu einer allgemeinen machen. Frankreich wird es nicht wagen sich in die inneren Kämpfe Italiens einzumengen, so sehr Herr Cafimir Perier danach dürften mag, fich um das monarchische Prinzip verdient zu machen. Und der dritte Grenzstaat Italiens, die neutrale Schweiz, kann hier blos unter dem Gesichtspunkte in Frage stehen, daß sie, die den Kämpfern für die Freiheit immer mehr das früher so bereitwillig gewährte Asyl einengt, es Umberto und Crispi einräumt. Der Hort Infolge der Auflösung der sozialistischen Gesellschaften ist der Reaktion Rußland, der im Jahre 1849 im Interesse der hier ein mit 84 Unterschriften versehenes Manifest veröffentlicht Habsburgischen Dynastie die vor den letzten Erfolgen stehende worden, in welchem gegen die Auflösung protestirt und die ungarische Revolution niederwarf, ist unfähig Italien zu angekündigt wird. Unter den Unterzeichnern des Manifestes be- bruche einer Revolution isolirt da. Gründung einer italienischen Liga zur Vertheidigung der Freiheit" unterstüßen. So steht die italienische Monarchie beim Ausfinden sich 8 Deputirte der äußersten Sinten. Bis tief aus den bürgerlichen Kreisen ertönen die Stimmen der Entrüstung über den jüngsten Schurkenstreich Ehren- Crispi's. Aus Mailand meldet eine Depesche: um ganz allein Crispi scheint durch die ungeheure Aufregung, die sein Haß gegen Desterreich zur hellsten Flamme auflodern und Bogenschreiber in Polizistenkleider gesteckt und verhafteten Gewaltstreich in Italien erregt hat, etwas ernüchtert zu so würde das Eingreifen Desterreichs die Volksbewegung Spürnasen ließen es sich ganz besonders angelegen sein, die und fequeftrirten nun frisch drauf los. Die polizeilichen sein. Die italienischen Behörden wollen zwar die UngefeßRaffen ber einzelnen Vereine aufzustöbern; dieselben waren aber lichkeit ihres Vorgehens nicht eingestehen. Wann und wo glücklicherweise schon vorher in Sicherheit gebracht worden, und hätte auch je die Polizei die Gesetze verletzt? Die Thatfo fielen der Hermandad nur ganze 2 Lire und 70 Centefimi fache aber, daß einer Reihe der aufgelöften Vereine die ( 2,20 Mark) in die Hände. Für diesen Mißerfolg rächte sie sich Weiterführung ihrer Thätigkeit, wenn auch unter anderem dadurch, daß sie alles mitnahm, was nur mitnehmenswerth war; Namen, wieder geftattet wurde, gleicht einem Eingeständniß im Sozialistenzirkel auf der Lincolnstraße wurde beispielsweise der Gesetzesverlegung wie ein Ei dem anderen. ein nagelneues Raffabuch beschlagnahmt, welches auch noch nicht ein einziges Wort oder eine einzige Biffer enthielt. Auch an den Wänden tlebende Papierstreifen mit Aussprüchen berühmter Philosophen und Schriftsteller, ja selbst ein Telephon wurden als staatsgefährlich mitgenommen, und das Polizeibureau gleicht heute einer wahren Trödelbude. Im Haufe des Ingenieurs de Franceschi wurde ein junges Ehepaar aus den Betten gejagt, und die junge Frau mußte sich, obwohl sie lebhaft dagegen proteſtirte, in Gegenwart der Polizisten ankleiden und die einzelnen Zimmerthüren öffnen. Wie es heißt, sollen 54 Mailänder Sozialisten als reif für die Zwangsdomizile" erklärt worden sein. Die beiden Wochenblätter der Sozialistenpartei Botta di Classe" und" Battaglia" wurden„ vorläufig" nicht unterdrückt. Ebenso wie hier in Mailand ging die Polizei in allen übrigen vielmehr befanden, zu Werke, und Crispi wird vielleicht eine Städten Italiens, in denen sich Sozialistenvereine befinden oder Beit lang ruhig schlafen können, aber auch nur eine 3.it lang. Die radikalen Blätter fragen mit Recht, wozu Italien Herr Crispi tanzt auf einem Bulkan, über Nacht ein Barlament habe, wenn Crispi sich solcher Vollmachten, kann er von ihm verschlungen werden. Die Zahl seiner ohne jemand zu fragen, bedienen tönne. Diese Diktatur, Freunde nimmt von Tag zu Tag ab, die feiner erdeffen sind sie überzeugt, werde jedoch vom Volte nicht des Gerichts für ihn, so wird er ohne Freund dastehen, bitterten Gegner nimmt reißend zu. Und kommt der Tag lange geduldet werden. Die Frage ist nur zu berechtigt, erklärte doch Crispi feierlich bei der Berathung des Anarchistenge fezes, daß er es wohl verstehe Anarchisten von Sozialisten unterscheiden und daß das Anarchistengesetz blos auf die Anarchisten und sicherlich nicht auf die Sozialdemokraten an gewendet werden würde. zu nicht einmal die Thräne des Mitleids wird ihm geweiht werden können. Ueber die Polizeimaßregeln in Mailand wird uns aus der Hauptstadt der Lombardei geschrieben: Die ebenso offiziöse wie verlogene Agenzia Stefani" theilt über die Auflösung der sozialistischen Gesellschaften folgendes weiter mit: Die Auflösung erfolgte in 35 Provinzen des Festlandes; in Am Morgen des 23. ging im Arbeiterviertel Porta Vittoria den übrigen Provinzen bestanden keine Sektionen der italienischen alles drunter und drüber. Bahllofe Polizisten und Carabinieri Arbeiterpartei. Einige Gesellschaften, welche den Nachweis erbrachten, Während Crispi einerseits die Neubildung sozial- burchzogen lärmend die Straßen, und man glaubte schon, daß daß die Arbeiterpartei im Gegensatze zum wahren Sachverhalt demokratischer Vereine wieder zuläßt, soll er andererseits, die Mörder des vor einigen Tagen hier ermordeten Florentiner ihre Zugehörigkeit zu der Partei angemeldet hatte, wurden nicht wie das Bureau Herold aus Rom meldet, das Ver- Millionärs Brüggiffer endlich ergriffen worden seien. Aber das aufgelöst. Andere Gesellschaften wurden nur verwarnt. Unter sammlungsrecht mit Zustimmung des Königs, aber ohne war leider nicht der Fall. Die Polizisten schlugen vielmehr mit den beschlagnahmten Dokumenten wurde auch das jüngste Zirkalar die Kammern auch nur zu befragen, auf grund eines Be- ihren Stöcken an die Hausthüren und weckten friedliche Leute gefunden, welches die Arbeiterpartei an die Chefs der Sektionen richtes des Präfekten von Mailand über die Fortschritte aus dem Schlafe. Es sollten nämlich bei mehreren an- gerichtet hatte und in welchem diefelben aufgefordert wurden, dies der Sozialisten in der Lombardei, aufgehoben haben. gesehenen Sozialisten Haussuchungen gehalten werden. Wenn Birkular den Mitgliedern der Gesellschaft nicht mitzutheilen; wurden fie weiter wurde ihnen darin gerathen, den Konsequenzen Das ist eine Politik wie sie der Bar, der Sultan oder die Thüren nicht sofort geöffnet wurden, letzten Gesetze über die öffentliche Sicherheit aus der Raiser von China nicht selbstherrlicher ausführen fönnen. einfach erbrochen; den für solche Zwecke nothwendigen der Schloffer hatte fich die Polizei mitgebracht. Bon dem Wege zu gehen; zu gehen; auch wurden sie zum Wider Herr Crispi vergißt ganz, daß kein Volf Europa's mehr den 55 aufgelösten Mailänder Sozialistenvereinen haben stande gegen die bestehenden Gewalten aufgereizt. Die und frischere revolutionäre Traditionen besitzt, als das 20 ihren Sitz in der Arbeitskammer. Hier war also das Polizisten Gesammtzahl der aufgelösten Vereine beträgt 271, die inss italienische, daß es nirgends gefährlicher ist, mit dem Feuer aufgebot besonders start. Es wurden Bücher, Manuskripte, Flug- gesammt der Partei der italienischen Arbeiter angehören und zu spielen, wie in Italien. Herr Crispi vergißt auch ganz, schriften, Bilder von Karl Marx, Lassalle und Cipriani, Banner sich zu dem Programm bekennen, das den Berathungen des daß nirgends eine Revolution mehr Aussicht hat wie in u. f. m. in Beschlag genommen. Auch in der Redaktion des Kongreffes in Reggio d'Emilia entspricht und ausdrücklich besagt, Italien. Das feuerige, schnell sich begeisternde Volk Blattes La Lotta die Claffe" wurde alles beschlagnahmt, was daß es auf der Basis des internationalen Klaffenkampfes steht, auf fann über Nacht aufstehen, kann mit seinem Enthusiasmus wahrscheinlich bald einen Orden erhalten werden, drangen fogar fatz aufstellt, daß die Haltung der Partei nach Wesen und That nur aufzufinden war. Einige besonders eifrige Carabinieri, die der Slothwendigkeit einer illegalen Aktion beharrt und als Grunddie bewaffnete Macht anstecken und feine aus in die Werkstätte der Genossenschaft Manfredini ein und erklärten eine revolutionäre fein muß. Es ist konstatirt, daß bei der Aufwärtige Macht wird Hilfe bringen. Ein Einrücken fie für aufgelöst. Die 32 Arbeiter, die in der Fabrik beschäftigt lösung der genannten Gesellschaften feine Verhaftung nothwendig der Desterreicher würde dem Hause Savoyen den waren, lachten den Schuhleuten ins Gesicht, und jetzt erst saben war, ausgenommen in Verona, wo fünf Individuen wegen Ietzten Rest von Sympathie kosten, selbst bei den konser- diese ihren Irrthum ein und entfernten sich drohend und keifend. Hochrufe auf Caserio und die Anarchie verhaftet wurden." Feuilleton. Erinnerungen eines Kommunarden. 22 Aus dem Französischen von Jakob Audorf. ,, Sie war gerade kurz vor der Katastrophe mit mir und einer anderen Dame in die Wohnung der letzteren, welche in der Nähe war, gegangen; dort ist sie geblieben." Nachdem ich mir genau den Aufenthaltungsort Sylvia's hatte angeben lassen, flüchtete das Mädchen weiter, um zu den Ihrigen zu gelangen. Der Gednnte an Sylvia war in diesem Augenblick das Einzige, was mich noch an das Leben fesselte. 31 begleiten. Die Leiche des Generals lag ausgestreckt auf einer Bahre, die Beine in ein Leichentuch gewickelt, der obere Körper mit einem Ueberrock angethan. ,, Auch im Tode spricht aus seinem Antlike dieselbe Ruhe, welche er während seines ganzen Lebens zu bewahren wußte," sprach Vermorel zu mir. Biele Nationalgardisten der Föderation, namentlich von den Artilleristen des Père- Lachaise, knieten nieder an der Leiche und küßten ihrem todten General die Stirne; fast alle weinten. Man breitete eine rothe Fahne in einem Sarge von Eichenholz aus, an welchen man, um ihn später wieder zu erkennen, einige Worte in polnischer Sprache schrieb, und bettete den schon erstarrten Körper darin. Darauf befestigte man den Sargdeckel und senkte die Leiche in ein proviIch kehrte zur Barrikade zurück, doch ganz bemolirt sorisches Grab, an deffen Rande Vermorel noch einige tief wie sie war, war dieselbe nicht mehr zu halten. Die Ge- ergreifende Worte sprach. Sie flangen wie die Leichenrede schosse, welche die Föderirten vom Père- Lachaise aus warfen, der Kommune, als deren Begräbniß diese Zeremonie auch fielen in die Straße St. Denis und die Truppen von mir erschien. Versailles hatten Mitrailleusen aufgestellt, welche die Als ich zur Mairie des elften Arrondissements zurückStraße Rambuteau fegten. Wir mußten quer über die fehrte, sab ich Delescluze, welchen zwei Föderirte beim Gehen selbe und benutzten Einer nach dem Andern den Augen- unterstüßten. Seme Kräfte waren von Ueberanstrengung blick der Pause, welche unmittelbar der Entladung dieser erschöpft, sodaß er kaum noch zu reden vermochte. Er sah Geschütze folgt. aus wie ein Gespenst. Ich bat ihn um Instruktionen, nur um einen Vorwand zu haben ihm die Hand zu drücken, deren eisige Kälte mich bei der Berührung zusammenschauern machte. Man hat nicht siegen wollen," sprach er mit höchst Wo befindet sich dieselbe?" frug ich Einen derselben. matter Stimme, laßt uns wenigstens verstehen zu " In der Mairie des elften Arrondissements," war die sterben!" Antwort. Wir zogen uns auf das Stadthaus zurück. Als wir dort anlangten, stand dasselbe in Flammen und eine Abtheilung Kavallerie sprengte unter dem Rufe: Es lebe die Kommune" davon. Ich wartete ganz allein in einem großen düsteren Saal. Niemand kam. Vom Fenster aus erblickte ich auf dem Plage einen Kapitän meines Bataillons, den man füfiliren wollte. Jch eilte hinab, um ihn zu beschüßen. " Ich war auf ein Dach gestiegen," erklärte er mir, um zu sehen, ob wir vielleicht schon umzingelt wären. Da ents lud sich durch die Unvorsichtigkeit eines Ungeschickten ein Schuß und nun behauptet man, ich hätte denselben abgefeuert." " Dieser Rapitän ist ein braver Bürger", rief ich aus, ich habe ihn in Neuilly und Asnières im Feuer gesehen." Warum hatte er sich denn auf einem Balton der fünften Etage hingelegt?" schrie eine heisere Stimme. „ Weil ich am Fuße verwundet bin und Mühe habe mich aufrecht zu erhalten," erwiderte hierauf der Kapitän. " ,, Sehr gut," meinte Einer aus dem Haufen, er will uns glauben machen, man klettert auf's Dach, um eine Wunde zu kuriren, das mag er nur andern erzählen!" Ich hatte viele Mühe, den armen Teufel der Menge zu entreißen, welche erschöpft von Müdigkeit und überspannt von Aufregung und Pulverdampf war. Um den Muth der Kämpfenden wieder anzufachen, wurden Siegesnachrichten verbreitet, wie zum Beispiel die Wiedereinnahme des Chateaud'eau, an welche kein Mensch glaubte. Zu den Füßen der Voltaire- Statue, wo man die Guillotine verbrannt hatte, verbrannte man kaiserliche Fahnen, welche man, wie es hieß, den Truppen abgenommen Auf dem Plate Boltaire begegnete mir Vermorel Bleiben Sie da. Die Offiziere kommen hier zusammen, hatte. Ich sah einen Haufen von fünfzehnhundert gefangewelcher mich bat, ihn zur Beerdigung Dombrowsky's um einen Vertheidigungsplan zu berathen." nen Soldaten und Unteroffizieren der Linie die Pariser Gegen Abend sprach Ferré zu mir: Porfctfoct Jtt isjixldmökratlschrii Pxrtci IfntWnniii Frankfurt a. M.. den 25. Oktober 189-1. (Privat-Depesche des„Vorwärts".) V 0 r in i t t a g s- S i tz u n g. Singer eröffnet die Sitzung mit der Verlesung von Be- grüßungsscbreiben und Telegrammen. Eine V o l k s v e r s a m in- lnng in Magdeburg bat beschlossen, den Parteitag zu er- suchen, Sorge zu tragen, dah Conrad Tack u. Co. in Burg, die Haupturheber des Schuhmacherstreiks, unter Boykott gestellt werden. Vor Eintritt in die Tagesordnung protestirt Eckstein, daß die Solinger Resolution so kurzer Hand vor die Kommission verwiesen sei. Singer erklärt, daß ein genereller Beschluß des Parteitages vorliege, alle persönlichen Streitereien vor die Kommission zu verweisen. Dein sei auch in bezug auf die Solinger Angelegen- heit entsprochen worden. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. Die Debatte über die bayrischen Angelegenheiten wird wieder eröffnet. Das Wort erhält Auer: Werthe Parteigenossen! Gestatten Sie dem ein- zigen Bayern, dessen Name unter dem Bebel'schen Antrag steht, auch seinerseits einmal den spezifischen Charakter der bayerischen Angelegenheit zu beleuchten. Ich hoffe, daß auch meine engeren Landsleute mir daß Recht zu einem solchen Ur- theil noch nicht absprechen werden, und da muß ich zunächst an- führen, daß eine ganze Reihe von Zuständen, von denen man gestern gesagt hat, daß sie speziell bayerisch seien, auch für an- de« Provinzen gelte». Was uns als spezielles Merkmal Bayerns vorgeführt wurde, ist nicht derart, daß es uns zu einer Stellung führen könne, wie sie uns hier zugemnthet ist. Da muß ich mich zunächst mit Vollmar's Ausführungen beschästigen. Er hat sich bitter darüber beschwert, daß die Norddeutschen die Bayern kommandiren wollen, daß man nach Bayern norddeutsche Heilsbotschaften tragen wolle, ohne daß man die bayerischen Verhältnisse kenne. Er hat von dem Nordlicht ge- sprochen, das den Bayern angezündet werden solle. Ich hätte nicht geglaubt, daß unser wortgewandter und kluger Genosse Vollmar sich hier solcher Ausdrücke bedienen würde, die in einer Bauern- Versammlung zu Tutenhausen Ein- druck machen würden, bei uns aber doch nur als platte Geineinplatze gelten können.(Sehr richtig!) Er hat eine Sprache geführt, wie sie im Sigl'schen„Vaterlande" gebräuchlich ist, und ich habe nur die eine Erklärung dafür: Wenn Vollmar so redet, dann muß es mit seinen sachlichen Gründen sehr schwach bestellt sein. Vollmar beschwert sich darüber, daß wir uns stets an den Bayern zu reiben suchten, daß ihre Zustimmung zum Budget von uns kritifirt würde, während nnkritisirt geblieben war, als die hessifchen und badischen Vertreter unserer Partei das Gleiche in ihren Landtagen gethan hätten. Da muß ich er- widern, daß erstens die Dinge bekannt werden müssen, bevor Kritik geübt werden kann, und die Abstimmungen in Hessen und Baden ganz unbekannt geblieben sind. Zweitens hat der alte Satz in der That hier recht: Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe.(Rufe: Aha!) Das ist ein ehrendes Zeug- niß für Sie(zu den Bayern) und für Ihre Thätigkeit. Im bayerischen Landtage ist die sozialdemokratische Fraktion so hervorragend thätig gewesen, daß sie das Augenmerk der ganzen sozialdemokratischen Welt auf sich gezogen hat. Die Thätigkeit unserer Genossen in anderen Landtagen, die auch im vollen Maße ihre Schuldigkeit thun, hält nicht entfernt den Vergleich damit ans. Wird diese Thätigkeit aber so gelobt, so darf sich Vollmar nicht wundern, daß sie in viel höherem Maße beobachtet wird, als die Thätigkeit unserer Genossen in einem anderen Landtage. Ich betone, daß es Niemanden von uns einfällt, die Budgetbewilliguug zu tadeln. Die Anträge, die einen solchen Tadel aussprechen, werden von uns auf das Entschiedenste be< kämpft? Daß die Reibungen mit den Bayern nicht aufhören, hängt weiter mit der persönlichen Stellung Vollmar's und seiner Bedeutung in der deutschen Sozialdemokratie zusammen. Vollmar kann es nicht unbekannt sein, daß fortgesetzt von der gegnerischen Presse versucht wird, einen Gegensatz zwischen ihm und uns zu konstruiren(Sehr richtig!) und diese Versuche sind so alt schon, als Vollmar alt in der Partei ist.(Sehr wahr!) Wir sahen sie bereits in einer Zeit, wo Vollmar noch nicht aus der äußersten rechten Seite unserer Partei stand, wie er selber gesagt hat(Vollmar: Das ist nicht wahr!) sondern auf der ganz entgegengesetzten Seite. Diese Versuche sind ständig gemacht worden, aber wir warten bis heule noch aus ein Morl Vollmar's. auf eine offene Erklärung von ihm, worin er diese gegnerische Infamie desavouirt.(Bravo! Zwischenrufe.) Dies Wort habe ich oft von Dir erwartet, Vollmar, Du bist zu stolz dazu ge- wesen.(Vollmar: Ja, zu stolz!) Wir, die wir in guten und in bösen Tagen mit Dir zusammen gekämpft haben, wir kennen Dein Naturell und wissen, weshalb Du schweigst. Die Hundert- taufende draußen aber kennen Dich nicht so genau, sie ziehen Folgerungen und denken, wenn die Dinge immer wieder auftauchen und Vollmar schwebt über den Wolken und hat nicht ein Wort, das seine Solidarität bekundet, ja zum Teufel, da muß am Ende doch etwas dahinter stecken.(Sehr gut!) Deshalb entstehen Reibungen und Vollmar selber ist mit schuld, wenn die Dinge so gekommen sind, wie sie es sind und wie ich und er sie beklagen. Vollmar beschwert sich besonders über die Kritik der norddeutschen Ge- nossen. der Berliner. Ich glaube kaum, daß die Berliner Ge- Straße nach Betleville hinabführen. Man versicherte, sie hätten sich ergeben und das Volk in seinem Jrrthum über- häufte sie mit Beweisen kindlicher Zuneigung. Man um- armte sie, man drückte ihnen die Hände, man bot ihnen alles an, was sie nur wünschten. „Beruhigt Euch", sagten die„Unmenschen" der Kom- mune zu ihnen,„Ihr habt nichts zu befürchten, man darf keinen von Euch anrühren!" Ich erfuhr später, daß diese Soldaten schon seit dem 13. März gefangen waren und daß man sie nur nach der Kirche von Bclleville übergeführt hatte, um das Vertrauen der Kommunekämpfer neu zu beleben. Diese Gefangenen fürchteten süsilirt zu werden; aber jedenfalls können sie Zeugniß von der Großmuth der Besiegten ablegen. Während dieser Zeil schössen die Truppen von Ver- sailles unausgesetzt mit glühenden Kugeln auf die Kirche von Menil- Montant und die von Bclleville. Ich sah da tausend Nationalgarden niedergeschlagen und in dumpfem Schweigen auf den Trottvirs sitzen, mit ihrem Gewehr zwischen den Kuieen. Diese Leute schienen wie versteinert. Acht Tage Schlaf- losigkeil nnd fortwährender Anstrengung und Aufregung aller Art hatten sie so zu sagen viehisch dumm gemacht und ihnen das Vermögen geraubt, überhaupt irgend etwas zu denken. Sie saßen da, während die Bomben schon nach allen Richtungen platzten. Es war Sonnabend Abend. Ich glaubte für Paris den letzten Tag gekommen. Der Himmel hatte eine dunkle Blutfarbe angenommen, an welchem die glühenden Ge- schösse hellrothe Streifen zogen. Wir waren ringsum von Feuer und Ranch ninhüllt. Die Kommune war todt und ihre Feinde bereiteten ihr das Begräbiliß. Sie wird wie der Phönix aus seiner Asche neu erstehen!— Nossen mich gerade als ihren geeignetsten Vertreter auf den Partei- tag entsenden würden, ich bin ganz unbeeinflußt von dem Ber- liner Wind, der mir nicht zu Diensten und zur Lust ist. Aber dag nuiß ich denn doch sagen: wenn die Berliner Genossen Kritik üben, so üben sie nur ihr gutes Recht aus, dieselben Berliner, die, wie in der ganzen Partei bekannt, nicht immer die geschickteste Form für ihre Wünsche finden, sie haben immer be- kündet, daß sie nicht blos zu kritisiren, sondern sich auch zu fügen wissen, wenn ihre Ansichten von der Majorität abgelehnt werden. Noch niemals habeich von den Berlinern Worte gehört, wie einer unserer ältesten, bravsten und tüchtigsten Genossen, Grillenberger, gestern leider geäußert hat: Sie können beschließen, was sie wollen, wir werden ihre Beschlüsse nicht ausführen, weil wir sie nicht ausführen können.(Grillenberger: Das halte ich aufrecht.) Das gehört eben auch zum Demokraten und zum Sozialdemokraten, daß er sich sagt: Esel seid ihr zwar, aber ich muß mich euren Beschlüssen fügen.(Heiterkeit). Ihr— zu Grillenberger gewendet— sagt aber stets, wenn Ihr nicht recht bekommt: Wir sind vergewaltigt worden. Dabei hört jede Disziplin, jede Unterordnung,'jedes Zusammen- wirken auf. Ich weiß freilich sehr gut, daß die Suppe nicht so heiß gegessen wird, wie man sie aufträgt. Im Moment ist Grillenberger gewiß von der Richtigkeit seiner Aeußerung über- zeugt, aber die ruhige Ueberlegung wird kommen, und ich hege nicht die Befürchtung, daß er sich von uns absondert nnd seinen eigenen Weg geht. Er wird im entscheidenden Augenblick da stehen, wo wir erwarten, daß er stehen wird. Ich bitte die bayerischen Genossen dringend, die Meinung aufzugeben, daß sie etwas besonderes sind. Die Stellung der bayerischen Genossen ist nicht derartig, daß sie auf die Zusammengehörigkeit und die Solidarität mit den Genossen im Reiche verzichten können. Ich weiß, daß keiner von Euch daran denkt, sich von un? zu trennen. Tie vielgeschmähten Berliner haben mit die Mittel geboten, den Bayern so zu helfen, wie ihnen geholfen worden ist.(Sehr richtig!) Ich, der ich seit zwanzig Jahren in der Parteileitung bin, kenne nicht einen größeren Ort von Hof bis Rosenheim, der nicht auS den Mitteln der gesammten deutschen Partei in dieser Zeit Unterstützung halten hätte. Genossen! es giebt keine bayerische partikularistische Sozialdemokratie!(Bravo!) Es giebt nur eine gemeinsame deutsche sozialdemokratische Partei. Aber die Worte, die wir gestern hörten, sie klangen nicht an- genehm gerade jetzt, wo wir die dreißigjährige Wiederkehr des Tages der Gründung der Internationale feiern.(Sehr gut!) Wir verstehen auch etwas von den bayerischen Dingen. Die Gründe, die von den Bayern für ihre Zustimmung zum Budget geltend gemacht wurden, ich erkenne sie nicht an. Sie sagen stets: der Bauer— und immer wieder der Bauer und der Bauer noch einmal ist es. der so denkt! Aber um die Gunst dieser Bauern haben wir uns nicht zu bemühen' Dieser Bauer kommt nicht.(Sehr richtig!) Es mag richtig sein, wenn gesagt wird: der Bauer, der Sigl sagt, kommt auch dazu, Vollmar zu sagen. Er kann in Verkennung dessen, was Vollmar anstrebt, dazu kommen, Vollmar zu sagen, aber niemals wird er dazu kommen. Sozial- demokralie zu sagen. Der ganze bayerische Bauernbund ist ein nrreaklionäres Gebilde.(Vollmar: Nein.) Der allbayerische Bauernbund hat sich vom Zentrum getrennt, weil diese Partei den Bauern so reaktionäre Versprechungen gemacht hat, daß sie nicht im stände war, sie zu erfüllen. Gewiß, diese Bauern wer- den erdrückt von der internationalen Konkurrenz, von Zinsen und Schuldenlast, aber sie sind himmelweit entfernt davon, ihre Knechte als gleichberechtigt zu betrachten, sie sind Himmel- weit entfernt von der Demokratie und vom Sozialismus. Bei den Tagelöhnern und Knechten, bei den Hopfen- znpfern und Torsstechern müssen wir anknüpfen und die scheeren sich nicht darum, ob den Müller oder Feilitsch das Budget von uns abgelehnt wird. Diese altbayerischen Bauernknechte haben ganz andere Bestrebungen. Ich war in diesem Sommer in meiner Heimath, im bayerischen Rothlhal, wo der Bauernbund dominirt, ich habe mit den Knechten geredet und mir ihre Forderungen ausschreiben lassen, von denen keine mit den Bestrebungen des Bauernbundes sich deckt. Nur die eine charakteristische Forderung will ich erwähnen: die Bauern sollen verpflichtet sein, ihre kraulen Dienstboten mit dem Wagen in's Spital zy bringen, damit sie nicht zu Fuß sich hinschleppen müssen und am Wege liegen bleiben, wie es jetzt geschieht. Die Knechte erheben ihre Forderungen im Gegensatz zu den Bauern. Ter Bauer, der schimpft auch auf den„Preuß", wie wir es gestern hier gehört haben(Sehr gut.), aber für die sozialdemokra- tische Bewegung ist die Klasse des kleinen und mittleren Bauernthnms nicht zu haben. Und um diese Leute zu gewinnen, von denen es heißt, daß sie eine Budgelablehnung nicht verstehen würden, sollen wir für das Budget stimmen? Vollmar sagte, die ganze Sache wäre keine prinzipielle, sondern eine rein« Ziveckmäßigkeitsfrage; ich will mich mit ihm auf denselben Boden stellen. Gerade aus Zweckmäßigkeilsgründen komme ich zu der Ueberzeugniig, daß wir jetzt, wo die Frage einmal zur öffenl- lichen Diskussion gestellt ist, uns nicht mehr in dem Parlament so oder so bei der Budgetabstiinmung verhalten können, sondern eine gemcinschastliche Marschlinie einschlagen müssen. Das ist nicht der Korporalstock, nicht der Wille, zu schablonisiren und zu reglementiren, der uns hierzu bestimmt; daß ein solcher Wille nicht vorhanden, daß jede Individualität in unserer Partei Platz hat, dasür ist Vollmar selber ein lebendes Beispiel.(Sehr richtig!) Ich habe das Protokoll des bayerischen Parteitages genau studiri, ich bin Bayer so gut wie Ihr!(Zwischenrufe.) Wenn Ihr mir einen Gefallen thun wollt, schafft, daß ich wieder in Eure Mitte komme.(Heiterkeit.) Ich war besonders neugierig auf den Wortlaut der prinzipiellen Erklärung, die Ihr beim Finanzgesetz abgegeben habt. Tie Worte des Genossen Grillo(Große Heiterkeit) haben mich sehr überrascht. Er sagte: „Andererseils aber kann sie, die Fraktion, nicht verkennen, daß der Entwurf des Finanzgesetzes für die 22. Finanzperiode eine größere Anzahl von Aufwendungen für kulturelle Zwecke enthält, und daß die Bewilligung des Gesetzes zur Fortführung der Ge- schäfte des Gemeinwesens nothivendig ist. In dieser Erwägung und unter uneingeschränkter Aufrechterhaltung ihres prinzipiellen Standpunktes stimmt sie dem Finanzgesetze zu." Das ist nun ein Staudpunkt, der zweifellos richtig ist für alle Mitglieder der staatserhaltenden Parteien, aber nicht für uns. Seid Ihr denn in den Landtag gewählt, das bayerische Gemeinwesen in seiner jetzigen Gestalt fortzuführen? Sollt Ihr es nicht umgestalten, oder— verzeihen Sie den Ausdruck einmal— untergraben? (Sehr gut!) Legt Euch einmal diese Frage vor, und Ihr werdet die schiese Situation begreifen, in die Ihr gerathen seid. Das Gemeinwesen wird in sich selbst zerfalle», aber die Mittel zum Unterhalt und zur Fortführung dieses Gemeinwesens zu gewähren, das ist nicht Eure Sache. Ueberlaßt es ruhig den Nationalliberalen und den Ultramontanen.(Sehr gut!) Was es mit den kulturellen Zwecken auf sich hat, denen das bayerische Budget dient, geht aus folgender Stelle in einer Rede Grillenbergers hervor:„Für ein Manöverfeld hatte man Millionen übrig, auch für die Aufbesserung der Pfarrgehälter hatte man Geld, aber Sl OOO M. zur Ausbesserung der erbärm- lichen Löhne der armen Schulgedilfen konnte man nicht auf- treiben. Da sagte der Kultusminister, daß ihm das Konzept ver- rückt werde, weil er keine 31 000 M. mehr übrig habe! Ein trauriges Zeugniß für die bei uns der Schule zugewendete Fürsorge!" Der erste Satz charakterisirt auch sehr gut die Behauptung der Bayern, daß ihr Budget mit dem Mili- tarismus nichts zu schaffen hat.(Vollmar: Ist ja Blech.) Na, um ein Manöverseld jür die sozialdemokratische Partei wird eS sich doch nicht gerade gehandelt haben.(Große Heiterkeit.) So sieht die Kultur ans, die gefördert und unterstützt wird durch Eure Zustimmung. Wie dieses Gemeinwesen sich uns gegenüber stellt, schildert Grillenberger selbst sehr anschaulich. Er sagt: „Was das Vereins- und Versammlungsrecht anlangt, so giebt eS kaum irgend»in Kulturland— Rußland, von dem nian aber nicht recht weiß, ob man eS zu den Kulturländern zählen darf, ausge» nommen—, wo derartige kuriose Dinge in bezug auf das Vereins« nnd Versammlungsrecht bestehen wie in Bayern!" Und Seite für Seile giebt das Protokoll des. Münchener Parteitages Belege, wie die Leiter des Gemeinwesens sich russisch uns gegenüber verhalten, denen Ihr ungewollt durch Eure Bewilligung des Budgets eine Vertrauenskundgebung überreicht hat.(Sehr richtig.) Wenn die Dinge so stehen, muß es Euch klar sein, daß wir nicht aus Rüpelei, Skandalsucht oder Terrorismus heraus handeln, sondern in der Empfindung, daß Ihr unsere Genossen seid und wir mit Euch den richtigen Weg finden müssen aus purteigenössischen Solidaritätsgründen.(Bravo!) Da muß mir Grillenberger's Aeußerung unverständlich bleiben, der durchaus auf seinen Kopf bestehen will. Das glaube ich nicht von ihm. (Grillenberger: Doch!) Mein lieber Karl, Du bist viel besser. als Du selber glaubst!(Große Heiterkeit.) Er sagt ja selber: „Wenn wir blos Rücksicht auf unsere Genossen zu nehmen hätten, dann hätten wir das Budget abgelehnt. Wir haben aber Rücksicht auf die indifferente Masse zu nehmen." Nein, das sollt Ihr nicht. Ich kenne die bayerischen Genossen genau: Wenn Ihr nach Hause kommt und sagt: Wir haben das, was die übrigen Genossen wollten, nicht gethan ans Rücksicht auf den Unverstand der Wählermassen, dann werden sie Euch sagen, ihr habt falsch daran gethan! Nicht dazu haben wir zwölf Jahre Sozialistengesetz, nicht dazu Haß und Verfolgung gemeinsam mit Euch getragen, daß Ihr nun von uns weggeht, weil die Bauern es so wollen. Ihr habt Euch an die Seite der Parteigenossen zu stellen und Ihr werdet Euch auch auf deren Seite stellen. (Lebhafter Beisall.) Schultz?- Königsberg steht auf dem Standpunkte Bebel'». Stellen wir uns auf den Standpunkt Vollmar's, so gerathen wir auf eine schiefe Ebene und unsere Gegner werden bald mit Recht uns nachsagen können, daß wir gar keine revolutionäre Partei mehr sind. Ganz besonders traurig aber ist es. daß die Worte Vollmar's und Grillenberger's einen so lebhaften Beisall finoen konnten. So traurig wie in Bayern, so traurig sieht es in Ost- preußcn auch aus. Von denselben Gesichtspunkten aus, von denen sich die bayerischen Genossen leiten ließen, hätten wir uns im Reichslage auch leiten lassen müssen. Ich erinnere nur an die Aufhebung des Identitätsnachweises, die direkt eine Lebensfrage für Ostpreußen war und gegen die wir doch stimmten. Solleniwir den Bauern Konzessionen machen, so müßten wir auch den kleinen Handwerkern Konzessionen machen. Nicht blos in der Gesammthaltnng der Partei liegt ein Piotest gegen den Klassenstaat; in jeder einzelnen Handlung unserer Partei muß dieser Protest zum Ausdruck kommen, so vor allem auch in der Ver- Weigerung der Mittel zur Fortsührung des Klassenstaates. Lassen wir uns doch mehr von großen Gesichlspunlteu als von Kirch- thurmspolitik leiten! O e r t e l- Nürnberg: Die Vorschüsse,(?)(gemeint dürften die Beschlüsse der 2. bayerischen Parteitages sein. Red. d. V.) die wir in München suchten, sollen durchaus nicht der Kritik entzogen sein. Auer hat darauf hingewiesen, doch auch bei an- derer Abstimmung im Landtage Einigkeit in Bayern bestanden hätte aber wir sind ja— jetzt— einig. Stimmen wir jetzt der Bebel'schen Resolution zu, so würde das Selbstkastrirung sein. Wir würden den Fluch der Lächerlichkeit auf uns laden. Die Regierung hat unsere Abstimmung gewiß nicht als Vertrauensvotum aufgefaßt und sie ist doch am meisten kompetent. Bebel's Wort, daß die Vollmar und Genossen„Bauernfang treiben", wird uns ungeheuer jchaden.(Sehr richtig. Bebel: Ich halte es aufrecht.) Unser Verhalten war nur durch die Zweckmäßigkeit geleitet und es ist sehr leicht möglich, daß wir ein anderes Verhalten einschlagen, wenn die heutige Polizeiwirthschaft nicht aufhört. In dem Augenblick, wo man sich auf den Boden der Praxis stellt, kann man anscheinend mit der Theorie in Widerspruch gerathen, aber doch muß man taktische Fragen immer wieder von Fall zu Fall prüfen. Uns Bayern hat es aus das Peinlichste berührt, daß man einen Beschluß fassen will, den man nicht zu sassen braucht. Ewald: Ich weiß nicht, ob der Vorsitzende es überhört hat, daß Grillenberger den Ausdruck„die reinen Hanswürste" zwischen gerufen hat. Wir sind keine Hanswürste. Singer: Ewald hat durchaus nicht nöthig, sich als Tugendwächter des Parteitages aufzuspielen. Uebrigens hat Grillenberger den Ausdruck nicht gebraucht. Lütgen au: Ich möchte doch dagegen protestiren, daß Oertel die Korrektur einer Meinung als Kastrirung bezeichnet. Wenn die Majorität beschließt, so ist es die Pflicht sich zu fügen (Grillenberger: Fällt uns gar nicht ein!). Das Wesen unserer Partei ist es, den Klassenstaat zu bekämpfen, die Gewährung der Mittel zur Erhaltung des Klassenstaates ist also keine taktische, sondern eine prinzipielle Frage(Bebel: Sehr richtig!). So sehr ich wünsche eine Verständigung herbeizuführen, so ist der Antrag Stadthagen dazu doch absolut ungeeignet. Kr läßt jede be- liebige Auslegung zu(Liebknecht: Kautschuk!). Stadthagen's Antrag befördert die Unklarheit, sein Autrag macht den Antrag Bebel unannehmbar, und die Bayern haben ja selbst zugegeben, daß sie sich dann in ihrer Stellungnahme durchaus nicht gebunden sehen würden. A n t r i ck: Ebenso wie Vollmar verlangt, daß wir die bayerischen Verhältnisse studiren sollen, so würde Vollmar durch das Studium unserer Verhältnisse unsere Stellungnahme zur Haltung der Bayern besser verstanden haben. Zu unserem Vor- gehen sind wir durch unsere Parteigenossen gedrängt worden, die einfach das Verhalten der Bayern nicht begreifen. Soll man nun ans gute, bewährte Parteigenossen weniger Rücksichten nehmen als auf die indifferente Masse der bayerischen Bauern? Mir ist es unbegreiflich, wie man für die Bewilligung des Budgets stimmen kann, von dem die Zivilliste einen erheblichen Theil ausmacht. Das Amendement Stadthagen macht den Llntrag Bebel unannehmbar. Es soll den Abgeordneten in den Landtage» eben nicht überlassen bleiben, selbst- ständig zu beurtheilen, ob die Bewilligung des Gesamintetats ein Vertrauensvotum sei oder nicht. Es muß doch endlich ein- mal in dieser Frage eine bestimmte Richtschnur gegeben werden. Ich verstehe nicht, wie Grillenberger erklären kann:„Wir fügen uns nicht". Ebenso könnten die Berliner sagen, weil unsere Anträge über die Gehälter nicht angenommen sind, bewilligen wir einfach die Mittel nicht mehr. Die Ablehnung des Antrages Bebel könnte in unserem Parteileben Konsequenzen herbeiführen, die wir alle nicht wünschen. M e tz n e r: Nicht als partikularistischer Berliner Genosse. sondern als Sozialdemokrat schlechthin stelle ich mich zu den An- trägen. Aus den etwas höhnischen Aeußerungen Grillenberger's und Vollmar's über unsere Älnträge geht hervor, daß sie doch einen recht wunden Punkt berührt haben müssen. Wir verlangen. daß ein einheitliches Vorgehen platzgreifen soll, aber das verlangen wir nicht, um uns an diesem oder jenem zu reiben, sondern damit im allgemeinen der prinzipielle Siandpunkt gewahrt werde. Man sagt zwar, daß es sich nur um eine taktische Frage handele, aber es ist bereits genugsam und gerade an der Hand des bayerischen Protokolls erwiesen worden, daß es sich hier um eine prinzipielle Frage handelt. Das Protokoll des bayerischen Parteitages zeigt an verschiedenen Stellen, dah die Genossen selbst ihre Inkonsequenz fühlen. Wenn Oertel schon heut meint, bereits in der nächsten Session könne ein anderes Verhalten der Bayern Platz greisen, so ist damit ihr Verhalten in der vorangegangenen Session bereits zu drei Viertel verurtheilt. Auch die zu kulturellen Zwecken bewilligten Mittel finden im Klassenstaat eine Verwendung, die im graden Gegensatz zu unseren Programmfordcrungen stehen. Zu gunjten der Bebel'schen Resolution ziehe ich im Einverständniß mit den anderen Antragstellern die entsprechenden Anträge zurück. Wir bitten, Bebel's Resolution anzunehmen, denn alle Gegengründe der Bayern sind gründlich widerlegt worden. Mit Stadthagen's Amendement würde die Bebel'sche Resolution gleichbedeutend sein mit dem Wort:„Wasch mir den Pelz, aber mach mir ihn nicht naß." I ö st- Mainz: So lange ich in der Partei stehe, haben wir die Taktik so oft wechseln sehen, wie das Wetter im April. Wenn nach Bebel die Annahme des Finanzgesetzes bereits eine Stärkung des Klafsenstaates bedeutet, so werde ich Ihnen nach- rveisen, daß auch Bebel die Prinzipalität, den Kapitalismus, die Hamburger Spiritushändler unterstützt hat, und neben den Bayern gehört auch mancher von Ihnen auf die Anklagebank. Wenn man die Annahme des Finanzgesetzes bereits bekämpft, so muß man mit viel mehr Recht die Leistung des Verfassungseides be- kämpfen. Gegen die Resolution Bebel sprechen aber auch Ver- fassungsbedenken, denn in de» meisten Landlagen dürfen die Ab- geordneten kein gebundenes Mandat übernehmen. Bei einer Abstimmung im hessischen Landtage hätte unsere Ablehnung des Finanzgesetzes eine Erhöhung der Steuerlast für das arbeitende Volk zur Folge gehabt, weil unsere Ablehnung, bei der aus- schlaggebeuden Stellung unserer Fraktion, eine neue Abstimmung durch beide Kammern und damit die Annahme der konservativen Budgetvorschläge zur Folge gehabt hätte. In anderen Fällen haben wir ebenso gegen das Finanzgesetz gestimmt. So lange wir aber nicht dem Mißtrauen unserer Wähler begegnen, müssen wir unser Verhalten bei der Abstimmung über den Gesammt-Etat von reinen Zweckmäßigkeitsgründen leiten lassen. Wenn Kollmar und Grillenberger auf die Anklagebank ge- hören, so gehört Bebel und die ganze Reichstagsfraklion gleichfalls auf die Anklagebank, denn ihr Verhalten zu den Stich- wählen hat ebenfalls den Bestimmungen des St. Gallcner Kon- gresses widersprochen. Die Wähler lassen sich nicht dirigiren, aber wenn wir bei der Wahl uns von Zweckmäßigkeitsgründen leiten lassen müssen, so müssen wir bei Ludgctsragen ebenfalls das kleinere Uebel wählen. Wenn nach Bebel's Resolution die Etatsbewilligung als ein Programmverstoß aufgefaßt wird, dann weg mit dem Verfassungseid. dann aber überhaupt heraus aus der Kammer. Begeben wir uns aber auf diese Bahn, dann dürfen Sie auch nicht vor der Gemeindcrathsthür Halt machen. In einzelnen Theilen des Reiches ist die Polizei Gemeindesache, wir müßten also gegen das Gemeindebudget stimmen. Und doch haben wir es in Mainz durch unsere Zu» stimmung durchgedrückt, daß das Schulgeld aufgehoben wurde. Hören Sie aber doch endlich mit der Ketzerriecherei auf. Wir Alle haben uns ja weiter entwickelt, vielleicht in verschiedener Richtung da und dort, auch Bebel hat sich geändert(V o l l m a r: Mauserung!) und doch haben wir uns immer wieder auf einem gemeinsamen Punkte zusammengetroffen. Ueben sie keinen Zwang aus, wir stehen sonst als dumme Jungen da, die bisher nicht gewußt haben, was sie wollen.(Glocke des Präsidenten.) Ich will das Gewiffen des Präsidenten nicht zu sehr belasten und bin gleich am Ende.(Heilerkeit.) Ich lasse mich nicht binden, immer das kleinere Uebel zu wähl«-.'. Ich thue für meine Wähler das Beste. Lehnen Sie deshalb den ganz überflüssigen Antrag Bebel ab. Das Amendement Stadthagen ist zurückgezogen; dagegen ist folgendes Amendement eingegangen: die Worte:„da die Be- willigung des Gesammtbudgets als Vertrauensvotum gilt" zu er- setzen durch:„so weit die Bewilligung des Gesammtbudgets eine Anerkennung der Berechtigung des bestehenden Klaffenstaates oder ein Vertrauensvotum für die Regierung enthält". Die De- batte wird auf Antrag Schmidt- München geschloffen. Persönlich bemerkt Timm: Die Berliner stellen Anträge nach ihrer besten Ueberzeugung. Die Bezeichnung„Anträge- fabrik Timm u. Ko. könnte er mit derselben Berechtigung zurückgeben und von einer„Vertrauensvotum- Fabrik Grillen- berger, Vollmar u. Ko." sprechen. Bebel: Meine Bezeichnung„Bauernfang" ist nur die konsequente Schlußfolgerung der Worte Vollmar's, daß sich die Bayern nicht aus Rücksicht auf die Genossen, sondern auf die indifferenten Bauern bei der Abstimmung leiten ließen. Wenn von einer Seite Vorwürfe über die Erschwerung der Agitation gemacht werden können, so treffen diese nicht mich, da ich blos eine Konsequenz gezogen, sondern sie treffen Vollmar, der die Grundlage für meine Schlußfolgerung geschaffen hat. Vollmar: Das sind ja Witzchen. Nach persönlichen Bemerkungen Joe st's, Stadt- bogen's, Lütgenau's bemerkt persönlich Vollmar: Wollte ich aus alle unrichtigen und zusammenhanglosen Be- hauptungen eingehen, so würde mich der„Großglockner da oben" (Heiterkeit) bald unterbrechen. Ich muß mich also auf ein paar Einzelheiten beschränken. Kein Mensch kennt Grillenberger besser wie Auer, er hätte deshalb die im Zorn herausgestoßenen Worte Grillenberger's nach ihrem inneren Sinne würdigen müssen. Grillenberger und mir ist der Vorwurf gemacht worden, wir wollten uns im Falle der Annahme von Bebel's An- trag„widersetzen"; davon ist gar keine Rede. Aber selbst wenn wir es thäten, so wäre das nur dasselbe was Bebel in Erfurt androhte, indem er sagte:„Wird Vollmar Recht gegeben, dann wähle» Sie ihn in den Vorstand, aber ich gehe hinaus in das Land, um die Fahne der Rebellion zu erheben." Kein Unglück- licheres Wort ist aus dem Parteitage gefallen, als Bebel's Wort vom„Bauernfange". Und Bebel hat auch keinen Anlaß zu dieser Schlußfolgerung gehabt, denn ich habe gesagt:„Wir wollen unsere Politik so einrichten, daß unsere Bauern uns ver- stehen und wir ihnen überhaupt näher zu kommen vermögen." Auer hat es merkwürdiger Weise gefallen, den ganzen Fall aus mich persönlich zuzuspitzen. Darin liegt eine Beleidigung gegen alle übrigen bayerische» Landtagsabgeordneten, ganz abgesehen davon,daß ich für höchst bedauerlich Halle, den alten Spahn gegen mich wieder auszugraben. Gegen Auer's Vorwurf, den er trotz wiederholter Zwischenrufe ausrecht erhallen:„ich habe mich als auf der rechten Seite stehend bezeichnet," bemerke ich, daß meine Worte waren:„Von dem Taktikstreit ist gesagt worden, er werde nach links und rechts geführt. Das„rechts" soll nämlich ich sein." Ich verwahre mich dagegen, mehr rechts zu stehen, als irgend einer in der Partei, durch unsere Thätigkeit haben wir bewiesen, daß wir vielleicht mehr links stehen als mancher andere. Auer: Wenn meine Ausführungen sich gegen Vollmar per- sönlich zuspitzten, so geschah daö nothwendig deshalb, weil ich gegen seine Darstellung polemisiren mußte. Es ist mir nicht eingefallen, die Bayern als„unverständige Bande" bin zustellen. Ich sagte vielmehr, daß ich es für Unverständlich halte, wie sie das Finanzgesetz annehmen konnten. Ueber Grillenberger sagte ich, ich kenne ihn besser als er sich selbst kennt, und er wird bald selbst zur Ueberzeugung kommen, daß wir recht haben; aber er stellt sich bockbeinig hin und sagt: jetzt geschiehts grab extra!(Heiterkeit.) Bebel stellt fest, daß er seine von Vollmar angezogenen Worte bezüglich der Gesammthallung der Partei ausgesprochen habe. Es handelte sich nicht um einen einzelne» bestimmten Fall, sondern um die Gesammltaktik, um die ganze praktische Thätigkeit der Partei und was ich damals gesprochen, würde ich heut wiederholen. Meinem Gewiffen würde es widerstreiten eine Taktik anzuerkennen, die für die ganze Partei verderblich wäre. Ter Fall, den wir heute zu behandeln habe», liegt aber ganz anders. Grillenberger: Wir haben nicht gesagt, daß wir uns nicht fügen wollen, �»dern aus materiellen Gründen nicht fügen können. Der Antrag Bebel ist ein Schlag ins Wasser, und davor wollte ich Sie warnen. Bei der daraus folgenden namentlichen Abstimmung wird der Antrag 113(Vollmar und Genossen) mit 141 gegen 93 Stimmen abgelehnt. Das Amendement Stadt- Hagen zum Autrage 114(Bebel und Genossen) mit 131 gegen 103 Stimmen a n g e n o m u e n. Der ganze Antrag Bebel mit dem Amendement Stadthagen sodann mit 164 gegen 64 Stimmen abgelehnt. Da die Anträge 73 und 76 zurückgezogen sind, 102 durch die Abstimmung erledigt ist, so ist damit dieser Punkt der Tages- ordnnng erledigt. Schluß der Vormittagssttzung l3/« Uhr Nachmittags. (Fortsetznng in der 1. Beilage.) Volikisthe Tleberltcktk. Berlin, den 25. Oktober. Ein neues Sozialistengesetz dürfte dieselben Folgen, aber in noch erhöhtem Maßstabe mit sich führen, wie das alte. Kaum war dieses ins Leben getreten und die Sozial- demokratie von der Oberfläche verdrängt und unmittelbar im Anschluß daran der große Aderlaß von 300 Millionen am Volke vollzogen, als auch der Kamps unter den bürger- lichen Parteien eine solche Feindseligkeit und Gehässigkeit annahm, daß es wahrlich keiner sozialdemokratischen Aus- reizung bedurfte, uin dem Volke die Augen zu öffnen. Man werfe nur einen Rückblick auf die Heitungen von 1379 und 1880. Großindustrielle und Agrarier, Eisenfabrikanten und Grubenbesitzer, Hunker und Hohe Finanz überboten sich in wüthendsten Schimpfreden, die alle darauf hinausgingen, einander den Vorwurf zu machen, die gemeingefährlichsten Ausbeuter des Polkswohls zu sein. Die Sozialdemokratie brauchte zu. allem diesem nur Ja und Amen zu sagen,"sttm in den von den Gegnern er- hobenen Vorwürfen gegen einander das Gesammtresnltat dessen zu finden, was sie der bürgerlichen Gesellschaft über- Haupt zur Last legen konnte. Diesmal würde der Kampf in noch größerer Wuth entbrennen; die kirchlichen und antisemitischen Prätentionen würden den Kampfplatz noch mehr erweitern; zu dem Kampf der Bourgeoisparteicn würde auch noch der Kleinbürger und Bauer, soweit er der antisemitischen Agitation Folge leistet, hinzugezogen werden und die klerikalen Bestrebungen dürften auch nicht in den Hintergrund treten. Und in diesem Tohuwabohu würde die Sozialdemokratie mit ihren Millionen Arbeitern, auch wenn ihr die öffentliche Arena entzogen würde, leichtes Spiel haben, in dem von den Gegnern aufgewühlten Boden Wurzel zu sasien. Ein neues Sozialistengesetz wäre schon etwas mehr als der Anfang vom Ende der bürgerlichen Gesellschaft!— Graf Botho Eulenburg, der preußische Minister- Präsident, soll in dem Wcttkampf mit dem Grafen Caprivi um die besten Pläne zur Bekämpfung des Umsturzes völlig unterlegen sein. Das„Tageblatt" versichert, er stehe völlig isolirt mit seiner Forderung straffster Ausnahmegesetze, auch im Bundesrath werde er auf Abweisung stoßen.„Speziell die bayerische Regierung weist", wie das Blatt aus aller- bester Quelle wissen will,„jeden Gedanken an eine Wieder- holung der Ausnahmegesetzgebung zurück. Sie ist weiter der Meinung, daß Gras Caprivi die Geschäfte mit so viel Ge- schick und weitem Blick führt, daß er für die Weiter- entwickelung ganz unentbehrlich ist. Die bayerische Regierung hält auch jede Aenderung des Vereinsgesetzes für unnöthig, soweit das bayerische Gesetz in Frage kommt; einer Regelung der Frage von Reichs wegen dürfte sie nicht beipflichten. Den Abänderungen �es Strafgesetzbuches, Er- Weiterung des§ 130, steht sie mindestens skeptisch gegen- über."t Daß die bayerische Regierung glaubt, mit ihrem eigenen reaktionären Vereinsgesetz völlig auskommen zu können, ist nicht erstannlich. Hat sie doch soeben erst durch die Auf- lösung der Münchener Verwaltungsstelle des deutschen Metallarbeiter- Verbandes gezeigt, was sie sich heute schon gestatten kann. Was die um Caprivi nun eigentlich planen, ist ans dem Wust der offiziellen, offiziösen und halboffiziösen lang- athmigen Artikel noch immer nicht ersichtlich. Ein an den Haaren herbeigezogener Artikel der„Nordd. Allg. Ztg." gegen den„Sozialist" läßt vermuthen, daß irgend etwas gegen die Presse geplant wird. Mit sonderbarer Polizei- logik wird da nämlich gefolgert, daß die häufige Verurthei- lung der Redakteure des„Sozialist"„auf organische Fehler unserer Preßgesctzgebung" zurückzuführen sei. Wir meinen allerdings auch, daß unsere Preßgesctzgebung durch und durch verpfuscht ist, da ja die Presse völlig vogelfrei gegen obrigkeitliche Verfolgungen ist. Die Polizeigenies der „Nordd. Allg. Ztg." denken aber natürlich au noch weitere Verschärfungen.— Leipzig marschirt an der Spitze der Reaktion. Die Stadlverordneten nahmen in ihrer Mittwoch- Sitzung das D r e i k l a s s e n- W a h l s y st e m beiden Stadtverordneten- Wahlen an. Erleichtert wird das Philisterthum der Pleiße- stadt aufathmen. Es glaubt jetzt sicher zu sein vor den bösen Sozialdemokraten, sicher wie der Vogel Strauß, als er beim Anblick des Jägers seinen Kops in den Saud ge- steckt hatte.— Das deutsche Antisksaverei-Komitee für Afrika hat sich aufgelöst. Seine Aufgabe, die Sklaverei der Araber zu bekämpfen, hat es nicht zu erfüllen verstanden, und dem Sklavereibetrieb der Leist und Konsorten ernstlich encgegen- zutreten, haben die Kolonialschivärmer augenscheinlich nicht den Muth.— Schadet dem Patrioten ein Duell? Der durch sein „politisches" Duell mit dem freisinnigen Amtsrichter Mantey in weiteren Kreisen bekannt gewordene hochkonservative Rechtsanwalt Schimmelfennig in Heinrichswalde bei Tilsit, welchem seiner Zeit die Strafe im Gnadenwege erlassen wurde, ist der Regierung in Köslin in Pommern zur kom- missarischen Beschäftigung überwiesen worden. Dieser bei Rechtsanwälten selten eintretende Fall verdient um so mehr bemerkt zu werden, als unmittelbar nach der Strafbefreiung des Rechtsanwalts die, wie dem„Berliner Tageblatt" ver- sichert wird, auf sicheren Grundlagen beruhende Nachricht von seiner Ernennung zum Regierungsrath durch die Zeitungen ging, damals aber als eine vollständig aus der Luft gegriffene Erfindung dementirt wurde. Von der kom- missarischen bis zur ständigen Beschäftigung ist nur ein sehr kleiner Schritt. Der an sich unbedeutende Vorgang ist für unsere öffentlichen Zustände recht bezeichnend.— Das Nekrntenkontingent muß in Oesterreich, wo man die deutschen Septennate nicht kennt, alljährlich be- willigt werden. Wie aus Wien gemeldet wird, bewilligte der Wehransschuß des Abgeordnetenhauses mit allen Stimmen gegen die der Jungczechen das Rekrutenkontingent für 1895. Die Jungczechen erklärten sich gegen die Bewilligung aus den bereits in der Delegation angeführten politischen, wirth- schaftlichen und finanziellen Gründen, doch solle dies keine Feindschaft gegen die Armee bedeuten.— Zur Sprachenfrage in Jstrie«. Aus Wien wird telegraphirt: Am Schlüsse der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden zwei Interpellationen eingebracht darüber, ob die von den Zeitungen gebrachten Nachrichten über die Vorgänge in Caps d'Jstria und Pirano wahr'■•*», ob es namentlich wahr fei, daß der Podesta in Pirano den Demonstranten namens des Regierungskommiffars versicherte, daß die Bezirksgerichte wieder amtliche Tafeln mit nur italienischer Aufschrist anbringen lassen würden, ferner ob die Regierung entschlossen sei, durch energische Maßnahmen die von der aufgereizten italienischen Volksmenge in einzelnen Städten Jstriens bedrohten Kroaten, Slovenen und konzilianten Italiener zu schützen und ob die Regierung das ihre Autorität schädigende schwächliche Verhalten der Behörden von Pirano billige.— Koloniale Eifersüchteleien zwischen Frankreich und England. Aus London wird gemeldet: Wie„Standard" schreibt, werde, falls Frankreich Mada- gaskar definitiv besetzen sollte, England bestimmt Kompensationen fordern. Die frühere Frage des europäischen Gleichgewichts ist heute eine Frage des Gleichgewichts auf der ganzen Welt. Aus Paris wird über die madagassische Frage das Folgende berichtet: Einer Meldung der„Autorits" zufolge wird heute Abend oder morgen eine Depesche des französischen Spezialgesandten Le Myre de Villers mit der Erklärung erwartet, daß der Ver- such, mit der Königin von Madagasiar auf gütlichem Wege zu verhandeln, aussichtslos sei.—„Matin" versichert dagegen, die Howasregierung werde den Franzosen auf den Rath Englands hin Zugeständnisse machen, welche eine kriegerische Lösung der Streitfrage ausschließen dürften. Außerdem liegt die folgende Depesche aus Paris vor: Wie„Siecke" meldet, wurde die Depesche des fran- zösischen Spezialgesandten in Madagaskar, Le Myre de Villers, nur dem Präsidenten Casimir Perier und dem Ministerpräsidenten Dupuy mitgetheilt. Die Antwort soll sofort an Villers ab- gesandt worden sein.—„Figaro" schreibt, wenn das Telegramm eine friedliche Lösung erwarten ließe, hätte man es sicher sofort in die Oeffentlichkeit gebracht.{—„Gaulois" meint, die Regierung werde auf Grund der seit zwei Tagen gewechselten Telegramme heute oder morgen definitive Beschlüsse fassen. Den belgischen Parlamentswahlen werden dem- nächst die Wahlen für die Provinzialräthe folgen. Die Brüsseler Partei-Organisationen haben für diese Wahlen folgendes Programm aufgestellt: 1. Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht. 2. Proportional-Wahlverfahren. 3. Einführung des Referendums. 4. Ununterbrochene Tagung der Provinzialräthe. 3. Progressive Einkommensteuer. 6. Festsetzung der Mindestlöhne. 7. Normal-Arbeitstag. 8. Gleichberechtigung für beide Landessprachen. 9. Volle Koalitions- und Diskufsionsfreiheit. 10. Obligatorische Arbeiterversicherung. II. Obligatorische und kostenfreie Schule. 12. Unterstiitzung der armen Schulkinder. 13. Unterstützung der Gemeinden durch die Provinzen, zum Zwecke der Ernährung, Bekleidung und Versorgung mit Schul- büchern für die Kinder der Armen. 14. Unterstützung der Fach- und Fortbildungsschulen. 13. Unterstützung des Genossenschaftswesens durch die Pro- vinzialräthe. 16. Sofortige Abschaffung der Lizenzgebühren und Aufhebung der Getränke- und Tabaksteuern. 17. Verbesserung der Wege. 18. Sofortige Inangriffnahme der Hafenbau-Anlagen. 19. Verbesserung und Vermehrung der Provinzialstraßen. Die einzige Doppelwahl in Belgien. Unser Ge- nosse Leon Defuisseaux ist in Lüttich und Möns gewäbl� worden. Da er für Möns angenommen hat, ist in Lüttich eine Nachwahl erforderlich. Frauenstimmrecht in Belgien. Ein Theil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft, äußert sich jetzt in der belgischen Regierung. Diese will zur Sicherung ihrer Herrschast und zum Zwecke der Ver- Minderung der sozialistischen Mandate den Frauen das Stimmrecht gewähren, in der Erwartung, daß die Frauen unter dem Einflüsse der Priester stets in überwiegender Mehrzahl für die klerikalen Kandidaten stimmen werden. Die„Jndep. Belge" meldet, daß im Lause sder kommenden Session mehrere Anträge in der Kammer gestellt, werden sollen, welche die Verleihung gewisser politischer Rechte an die Frauen betreffen. Die Sozialisten werden die Vorlage befürworten. Die Ultramontanen für die politischen Rechte der Frauen eintreten zu sehen, ist ein Schauspiel, wie es selten vergönnt ist zu schauen. Man ersieht aber hieraus, wie die bürgerlichen Parteien lediglich aus Gründen des momentanen VortheilS handeln. Unseren belgischen Parteigenossen dürfte ja diese Erweiterung des Wahlrechtes für den Augenblick einen Verlust einiger Mandate einbringen. Wer aber zuletzt lacht, lacht am besten, und das werden auch in diesem Falle wir sein.— Die Abhängigkeit der ultramontanen Abgeord- neten, die so oft geleugnet ivird, wird durch ein Haupt- organ der deutschen Zentrnmspartei, durch die„Kölnische Volks-Zeitung" bestätigt. Man schreibt derselben ans Brüssel: Nach Meldungen liberaler Blätter sollte Abbe Daens, welcher in Alost Woeste gegenüber steht, von seinem Bischof a divinis snspendirt worden sein. Der Sachverhalt wird klar aus folgen- dem, vom„Courrier de Bruxelles", einem Gegner des Abbe ver- öffentlichten bischöflichen Schreiben: Wir erfahren mit Schmerz, daß Sie das pricsterliche Gewand in unziemlichen und lärmenden Versammlungen immer mehr blosstellen. Das Aergerniß, welches Sie dadurch geben, zwingt uns, Ihnen fernerhin das Lesen der h. Messe in einer Kirche oder in einem öffentlichen Oratorium zu untersagen. Ueberdies werden wir, wenn Sie Ihre Unbe- sonnenheit fortsetzen, gezwungen sein, Ihnen das Lesen der h. Meffe (überhaupt) zu untersagen.— Sozialreform ist ohne die Sozialdemokratie, als drängenden Machtfaktor unmöglich. Dies Zngeständniß Bismarck's an unsere Reichstags- Fraktion gilt auch für Belgien. Selbst hinter Rußland blieb Belgien bis ganz vor kurzem in seiner sozialpolitischen Gesetzgebung zurück. Jetzt, wo dic� Sozialdemokratie als zweitstärkster Faktor auf der politischen Bühne erscheint, werden mit Danipf die sozialpolitischen Gesetzesvorlagen ausgearbeitet. Eine Depesche aus Brüssel meldet hierüber: Die„Jndependence Belge" verzeichnet ein Gerücht, wonach die königliche Botschaft, welche Ministerpräsident de Burlet bei Eröffnung der Kammer verlesen wird, folgende soziale Gesetz- entwürfe verkündigen werde: Gesetz der Errichtung von Pensions- kassen für Arbeiter; Gesetz betreffend den Maximal- arbeitstag für Kohlen- und Steingruben- Arbeiter von acht Stunden und serner das Gesetz über die Einführung der obligatorischen Sonntags- ruhe in Staats- undEisenbahn-Verwaltung'cn. Und da wagen unsere Gegner den indifferenten Ar- beitern noch einzureden, daß die Sozialdemokratie der Ar- beiterklasse nur Versprechungen für die Zukunft aber keinen Vortheil in der Gegenwart bietet. � Der Parnell Fonds. Zur Zeit der unbedingten stehen. Ob dieses Manifest eine ernste Partei hinter sich Herrschaft Parnell's in der irischen Partei war der Partei- hat, oder nur von wenigen Jdealisten ausgeht, läßt sich von fonds seiner ausschließlichen Verfügung unterstellt und von hier aus nicht beurtheilen. ihm in Frankreich angelegt worden. Nach Parnell's Tode " = -* Depeschen. Ein Kämpfer gegen den Umfturz. Einer der 42 Gemeindes vorstände aus der Umgegend von Dresden, welche die berühmte Petition mit unterzeichnet hatten, war, wie wir vor einigen Tagen mittheilten, mit seiner angeblichen Nichte durchgebrannt. Die Opfer des Zarenthums sind zahlreich wie der Der Durchbrenner ist, wie aus Dresden gemeldet wird, in ftritten die beiden rivalisirenden Parteien um den Besiz. Sand am Meer. Die Hunderte von Märtyrern, die am öbau verhaftet worden, nach wo er von Görlig aus einen Es kam zu langwierigen Verhandlungen vor den franzö- Galgen gestorben, die Tausende und Zehntausende, die in Abstecher gemacht hat. Seine Konkubine ermittelte man in einem fischen Gerichtshöfen. Jetzt hat das Bankhaus Munroe in Sibirien lebendig begraben sind, das sind nur die augen einen sechsläufigen Revolver und 1300 M. baares Geld. Beide Görlizer Hotel. Bei Revision des Gepäcks der Dame fand man Baris, wo das Geld hinterlegt war, einer gerichtlichen Ent- fälligsten Opfer- der Opfer sind Hunderte von Millionen: einen fechsläufigen Revolver und 1300 M. baares Geld. Beide scheidung Folge gebend, den 800 000 m. betragenden Fonds das russische Volk, das mit Ausnahme einer winzigen find jetzt nach Trachau zurückbefördert worden. an den Führer der Anti- Parnelliien, Justin McCarthy, Minderheit seit Generationen durch den zarischen Despotis Dem ersten Streich der Münchener Polizei gegen die ausgezahlt. Abzüglich 280 000 m., welche zur Zahlung mus zu Elend, Dummheit, Rohheit verdammt ist. organisirte Arbeiterschaft ist der zweite auf dem Fuße gefolgt. von Schulden der alten Parnellitischen Partei dienen sollen, unter allen Opfern des Barismus befinden sich aber Gestern waren es die Metallarbeiter, die als politisch" aufwird das Geld den ausgetriebenen Pächtern zur Hilfe dienen. feine bedauernswertheren, als der har selbst mit gelöst wurden, heute die Sattler. Auch die Zezteren follen Das Komitee, welches die Vertheilung leiten soll, besteht seiner Familie und seiner Verwandtschaft. Welches Leben gegen das Vereinsgefeh verstoßen haben, indem in ihren Vereinsaus den Anti Parnelliten Dillon und Davitt und dem hat dieser, der jetzige Bar gehabt, der über die zerfetzte versammlungen politische Themas behandelt worden seien. Parnelliten Harrington. Aus dieser Vertheilung geht her- Reiche seines Vaters auf den Thron kam. Und in welchem vor, daß es betreffs der Verwendung des Geldes zu einer Bustand ist er jetzt! Und seine ganze Familie! Der Polizeiliches, Gerichtliches: c. Verständigung zwischen den streitenden Parteien gekommen Palast des Zaren in Livadia ist ein Kerker und ein Bildungsvereins zu letersen hatten ein Strafmandat von je Drei Vorstand3 Mitglieder des Arbeiterist, was nach Lage der Dinge das- vernünftigste war. Lazareth. Der Zar trant- trant mit den folterndsten 15 M. erhalten, weil sie als Vorstands Mitglieder polizeilich Bulgarien. Am Dienstag hielten sämmtliche Dft Schmerzen und ohne Hoffnung. Die Barin frank. nicht gemeldet seien. Vom Schöffengericht wurden diefelben am rumelien angehörenden Mitglieder der Sobranje in Die Kinder des Zaren krank. Die Brüder des 18. Oktober kostenlos freigesprochen. Der Amtsanwalt behauptete, Philippopel eine Versammlung, in welcher beschloffen wurde, Baren frank. Kein Tropfen gesunden Bluts in daß der Verein ein politischer sei; dies gehe daraus hervor, daß sich zu einer konservativen Partei mit Stoilow der ganzen Familie und Verwandtschaft. Kann man die Mitglieder sämmtlich(?) Sozialdemokraten feien und auch die als Führer zu vereinigen. Diese Entscheidung wurde dem sich eine blutigere Satire auf die Gottesgnadentheorie Gelder für sozialdemokratische Zwecke verwendet würden. Die Prinzen Ferdinand durch ein Telegrammi mitgetheilt, welches von der Allmacht eines absoluten Selbstherrschers denken? Angeklagten bestreiten letzteres ganz entschieden, geben aber zu, die Unterschriften sämmtlicher bei dem Parteitage anwesen- Dieser Mann, der die Allmacht für sich in Anspruch daß wohl Sozialdemokraten Mitglieder sind, weil bei der Aufnahme in den Verein feiner nach seiner politischen Gesinnung den Deputirten trug. Die konservative Partei wird als nimmt, der als unumschränkter Gebieter über Wohl gefragt werde. Hieraus gehe aber doch noch nicht hervor, daß Präsidenten der Sobranje den Advokaten Thodorow aus und Wehe von 100 Millionen Menschen zu ver der Verein ein politischer oder ein solcher, welcher sich mit öffentRustschut vorschlagen; Bankow empfahl für diesen Posten fügen sich für berechtigt und fähig hält, ift lichen Angelegenheiten beschäftige, sei. Das Gericht zog sich Balabanow, welcher im Jahre 1883 in Kabinet Bankow nicht einmal im stande, der Familie, die ihm am sofort zu einer kurzen Berathung zurück, worauf die Freisprechung nächsten ein Portefeuille inne hatte. auch liegt, feiner eigenen Familie, nur erfolgte. Begründet wurde dieselbe damit, daß der Beweis nicht Aus Rumänien wird uns geschrieben: Die rumänische die bescheidenste Summe von Wohlergehen und Wohlgefühl erbracht sei, daß der Verein sich in den Dienst der sozialdemo Sozialdemokratie ist todt! So verkündet die gesammte gegnerische zu verschaffen. In der Person des Zaren und seiner Fa- fratischen Partei gestellt habe und sich mit öffentlichen AngelegenPresse. Der Grund? Die Genossen Bakalbascha und Mille sind milie ist der zarische Absolutismus mit grausamſter Gründ- heiten beschäftige. Wenn derselbe auch einmal dieser Partei Geld überwiesen habe, so sei hiermit noch nicht bewiesen, daß obige aus der Parteileitung ausgetreten! Es war gar nicht daran zu lichfeit ad absurdum geführt. Wie kann der anderen Merkmale zutreffen und könnten die Angeklagten hierfür nicht zweifeln, daß der Austritt unserer Genossen allen unseren Gegnern helfen, der nicht sich selber helfen kann und selber das verantwortlich gemacht werden. den obigen Ruf entlocken wird; sind es doch gerade die bürger- traurigfte Opfer seiner über- und darum unmenschlichen- zu drei Monaten Haft wegen der Boykottartikel Nichen Parteien, die thatsächlich durch den Austritt eines Partei- Machtfiktion ist. gegen die Waldschlößchen- Brauerei verurtheilte das Schöffenführers zu Grunde gerichtet werden können. Aber Liberale, gericht Dresden den Genossen Heimann, Redakteur der Radikale und wie sie noch sonst heißen, müssen sich jetzt sehr Wie Universitäts Professoren in Rußkland behandelt" Sächs. Arb.- 3tg.". Es handelte sich um sechs Boykottaufrufe, enttäuscht fühlen, da Mille und Bakalbascha ausdrücklich erklären, werden. In verschiedenen Petersburger Zeitungen war die Nach- welche nach dem„ Erpressungsprozeß" in genanntem Blatte erdaß sie wohl aus der Parteileitung, nicht aber aus der Partei richt erschienen, daß der Professor der Chirurgie W. Pawlow schienen. Das Gericht erkannte für jeden Fall auf drei Wochen ausgetreten sind. Uebrigens wird das Erscheinen des täglichen nach Ablauf einer 25jährigen Lehrthätigkeit die militärmedizi- und zog die Strafe in drei Monate zusammen. Organs Die neue Welt", welches schon gesichert ist, und der nische Akademie verließe. Daraufhin ersuchte Professor Pawlow voraussichtliche Besuch des außerordentlichen Parteitages unsere die Redaktion des Wratsch" um Aufnahme der Erklärung, daß Gegner eines Besseren belehren. Es ist merkwürdig, wie er bis zum 10. September von seiner Entlassung nur durch die schleunigst die Liberalen überall da abwirthschaften, wo die Sozial- Beitungsberichte etwas erfahren habe. Die Richtigkeit der letzteren demokratie auftritt, so z. B. auch in Rumänien, wo die liberale sei ihm erst dadurch bestätigt worden, daß er bei seinem Er( Wolff's Telegraphen- Bureau.). Partei nur noch von der Studentenschaft Gnaden besteht, welch scheinen in der Akademie seinen Namen aus dem Verzeichniß der Berlin, 25. Oktober. Die legten bei der hiesigen russischen lettere aber sich auch nur zu ihr geschlagen hat, weil sie bei der Vorlesungen gestrichen gefunden habe. Botschaft eingegangenen Mittheilungen lassen eine Veränderung fonservativen Regierung in Ungnade gefallen ist. Der Unter Ein sechsstündiger Normal- Arbeitstag. Nicht in in dem Befinden des Baren und in dessen leichter Besserung nicht richtsminister forderte den Rektor der Bukarester Universität auf, der Phantasie eines Utopisten existirt er, sondern in Wirk- erkennen. die 5 Studenten, welche das„ Manifest an das Bolt" im Namen Wien, 25. Oktober. Heute fand wiederum eine mehrstündige ihrer Kollegen unterzeichnet haben, zu relegiren, was dieser zu lichkeit soll er eingeführt werden, aber nur für Beamte thun sich weigerte. Das Verlangen des Ministers veranlaßt nun inBrasilien. Dem brasilianischen National- Kongreß ist Besprechung zwischen Vertrauensmännern der foalirten Parteien die Liberalen, die Studentenschaft aufzuheben; die sich auch ver- ein menschenfreundlicher Gesezentwurf zugegangen, wonach reform statt. Die Besprechung hatte, wie alle vorangegangenen, verein und Mitgliedern der Regierung in Angelegenheit der Wahlführen läßt, und um jeden Preis das jetzige Ministerium stürzen die Arbeitszeit der Staatsbeamten, die sich niemals über einen streng vertraulichen Charakter. Alle Mittheilungen über über- reform statt. Die Besprechung hatte, wie alle vorangegangenen, will; ob ihr das gelingen wird? Ganz verneinen fann man das müdet haben, auf sechs Stunden täglich herabgesetzt werden das bisherige Ergebniß der Berathungen stellen sich lediglich als nicht die Liberalen dürfen sich jedenfalls keinen Hoffnungen soll, mit drei Stunden Zuschlag in Ausnahmezeiten.hingeben, sie haben in Rumänien abgewirthschaftet; Minifteriumfturz würde nur einen Personenwechsel herbeiführen. Der Militarismus in Griechenland schießt so üppig ins Kraut, wie er faum in irgend einem Großstaate fich entwickelt hat. Daß die Offiziere, die derzeit die Zur Charakteristik unserer Geguer. In der Sucht, die Redaktionsräume des Blattes„ Akropolis" demolirt hatten, Sozialdemokraten zu verleumden, um den Gesetzgebern plausibel freigesprochen wurden, zeugte schon an sich von herr- zu machen, daß energische Maßregeln gegen den Umsturz" erlichen Rechtszuständen. Jetzt wird durch die Dbrig griffen werden müssen, ist die ganze Ordnungspreffe unter Vor feit obendrein der Spieß umgedreht. Gegen den antritt der" Norddeutschen" allgemach in ein Wettschimpfen und hatte gleich Wettlügen eingetreten. Selbst die sonst gegen Sozialdemokraten Herausgeber G. Gabrielidis nächsten Tage hie und da noch anständige Kreuz- Zeitung" macht hiervon keine Tage nach Brest, 25. Oftober. Der Unfall auf dem Kreuzer ,, Aréthuse" der nach dem Augriff Ausnahme mehr. So läßt sie sich aus Frankfurt folgendes wurde durch die Explosion eines Rohres in der Dampfzuleitung des Personals des Kriegsministeriums eine Klage Privattelegramm schicken. Eine der hier tagenden sozialdemo▪ herbeigeführt. Ein bei der Explosion entstandener Brand wurde eingereicht, des Inhalts, daß dieser das Volk gegen die fratischen Versammlungen wurde polizeilich aufgelöst, als Grad- sofort gelöscht. Die Zahl der Getödteten beträgt nach der amtArmee aufgehegt und dadurch die Gefahr eines Bürger- nauer- Dresden vom nothwendigen Ergreifen der lichen Feststellung vier. frieges heraufbeschworen habe. Auf grund dieser Anklage Waffen sprach. Es ereignete sich kein Zwischenfall. Man London, 25. Oktober. Nach einer Meldung des Reuter'schen ist, wie schon fürzlich erwähnt, jetzt ein Haftbefehl gegen vergleiche hiermit den Vorgang, wie ihn nicht ein Partei- Bureaus" aus Yokohama von heute sind bei dem Erdbeben in den Gabrielidis erlassen worden mit der Motivirung, daß er in Organ, sondern die„ Frankfurter Zeitung" wiedergiebt. Dort heißt Bezirken Salata, Yamagata und Akami an 3000 Häuser durch Verabredung mit anderen die öffentliche Ordnung zu stören es: Die gestern einberufenen vier sozialdemokratischen Parteiverfamm- heftige auf einander folgende Erdstöße zerstört worden. Nach gesucht hahe. Dieser Haftbefehl ist öffentlich angeschlagen ungen behandelten durchweg denkampf der Sozialdemokratie und der den bisherigen Meldungen find 260 Personen getödtet und eine worden. Gabrielidis selbst ist außer Landes. Es gehört bürgerlichen Parteieu. Sie waren sämmtlich sehr zahlreich be- große Anzahl verwundet worden. sucht. Im Merianfaal sprach Wurm- Gera, in der Weißen Ferner meldet das Reuter'sche Bureau" aus Yokohama sich auch, daß das Lamm, das dem Wolf das Wässerlein Linie" Pfannkuch- Berlin, im Fleß- Funk'schen Felsenkeller Meist vom heutigen Tage, daß das Armeekorps, welches Hiroshima getrübt hat, in aller Form Rechtens geschlachtet wird.-Köln und in der„ Konkordia" Dr. Gradnauer- Dresden, dieser an unter dem Kommando des Marschalls Oyama verließ und Ein Manifest der russischen Partei des ,, Volksstelle v. Vollmar's- München, der abgesagt hatte. Die Verfamm- welches gestern mit den Chinesen bei Port Arthur zusammens rechts", darirt vom 19. Februar 1894, ist am 22. Oftober lung in der„ Konkordia" wurde aufgelöst. Dr. Gradnaner hatte gestoßen sein soll, einem Gerüchte zufolge bei Geifioſſo auf bei Besprechung der in Aussicht genommenen Maßregeln zur chinesischem Gebiet gelandet ist. Die japanischen Truppen in in Petersburg versandt worden. Das Datum ist der Ge- Bekämpfung seiner Partei ungefähr die Wendung gebraucht: Nord- Korea haben den Yalufluß überschritten und sind in die denktag der Bauernemanzipation. Man schließt daraus, wenn uns uns das lette unserer Rechte, das Mandschurei einmarschirt. daß die Kundgebung nicht von der alten revolutionären Reichstags Wahlrecht, London, 25. Oktober. Wie die Zime3" aus Kairo von Partei ausgeht. Das Programm des Manifestes ist rein follte, fo wäre es nicht ausgeschlossen, daß die gestern melden, habe der Khedive es zurückgewiesen, eine feindliche politisch gehalten, trotzdem in der Einleitung der Regierung Arbeiter für dessen Erhaltung mit der Waffe Ginmischung seitens Frankreichs zuzulassen, die gegen seinen Plan, die Unterstützung kapitalistischer Ausbeutung vorgeworfen eintreten würden. Als er bemerkte, daß der überwachende einen englischen Unterstaatssekretär im egyptischen Ministerium Beamte, Polizeikommissar Wiener, sich erhob und sich anschickte, des Junern einzusetzen, gerichtet sei. Der Khedive betrachte die ist. Es heißt dann weiter: Das Resultat einer solchen Politik ist eine allgemeine die Bersammlung aufzulösen, ersuchte er den Beamten, Frage als eine rein egyptische, die nur zwischen ihm und der Das Resultat einer solchen Politik ist eine allgemeine Demoralisation und ein ökonomischer Verfall: Der Theil der einen Augenblick zu warten und anzuhören, englischen Regierung zu lösen sei. was er noch hinzuzufügen beabsichtige. Das ge- London, 25. Oktober. Nach einer weiteren Meldung des russischen Gesellschaft, welcher sich die ganze Gefahr der gegen schab aber nicht, der Kommissar erklärte die Versammlung für Reuter'schen Bureaus" aus Yokohama von heute Nachmittag wärtigen Lage flar vor Augen stellt, sieht keinen anderen Ausaufgelöst. ist das Gerücht von der Landung der japanischen Truppen auf gang als eine Einschränkung der Autokratie durch Einrichtung chinesischem Gebiete zwar noch nicht offiziell bestätigt, doch finder einer freien Vertretung. Da aber keine Hoffnung da ist, daß die Die Debatten des Parteitags geben den ordnungspartei- es allgemein Glauben, da es feststeht, daß die Expedition des Regierung diesen Weg gutwillig einschlagen wird, so bleibt dem lichen Zintenkulis willkommenen Stoff, um ihre Gemeinheiten Marschall Oyama die Landung in Port Arthur oder Wei- hai- wai Volfe nur übrig, dem Baudern und den eng dynastischen Inter- über die verhaßten Sozialdemokraten auszuschütten. In Frank- oder vielleicht an diefen beiden Punkten bewerkstelligen sollte. essen der Autokratie eine organisirte Kraft der öffentlichen furt ist bekanntlich in der Gehaltsdebatte darauf aufmerksam ge- London, 25. Ottober. Nach einer Meldung des Reuter'schen Meinung entgegenzustellen. Die Schöpfung einer solchen Kraft macht worden, daß die Stellung eines sozialdemokratischen Bureaus" aus Shanghai vom heutigen Tage verlautet daselbst hat die Partei des Volksrechts im Auge. Nach der Meinung Redakteurs durchaus nicht so beneidenswerth sei, da er alle gerüchtweise, die Chinesen hätten Port Arthur geräumt, ein der Partei bedingt das Voltsrecht sowohl die politische Freiheit als auch eine Sicherstellung der materiellen Interessen des Wolfes. Augenblicke ins Gefängniß müsse. Dazu bemerkt das„ Leipz. weiteres Gerücht besagt, die Japaner seien auf Ta lien hoan im Tageb!." höhnisch, daß um von anderen gar nicht zu sprechen Osten von Port Arthur gelandet. -die beiden höchstbesoldeten sozialdemokratischen Redakteure, Herr Liebknecht in Berlin und Herr Echönlant in Leipzig, als Als Garantien dieses Rechtes sind erforderlich: Das allgemeine Stimmrecht. Glaubensfreiheit. Unabhängigkeit des Gerichts. Preßfreiheit. ein am Direktor In anbetracht deffen, daß Rußland ein zusammengesetzter politischer Körper ist, erscheint als unumgängliche Bedingung der politischen Freiheit die Anerkennung des Rechtes auf politische Selbstbestimmung aller Nationalitäten und Gebiete im Reiche. Parteinachrichten. genommen werden " jeder Grundlage entbehrenden Kombinationen dar. Die Konferenz tritt in den allernächsten Tagen wieder zusammen. Petersburg, 25. Oktober. Gestern Mittag wies die Stadt feinen Cholerakranten mehr auf. Petersburg, 25. Oftober. Die Gouvernements Block, Grodno, Lomza, Mohilew, Esthland, Radom, Sjedley, Kostroma, Dlones, Pstow und die Stadt Warschau werden amtlich als cholerafrei erklärt. Brest, 25. Oktober. An Bord des Kreuzers Arethuse" explodirte, während im Hafen Versuche mit der Maschine an gestellt wurden, ein Kessel des hinteren Keffelraums. 6 Personen wurden getödtet, gegen 20 verwundet. ( Depeschen- Bureau Herold.) Redakteure gar nicht in die Lage fomment, Gefängnißleiden" zu Antwerpen, 25. Oftober. Die hiesige Polizei verhaftete erdulden. Diese beiden Koryphäen halten sich bekanntlich Sit- drei Deutsche, deren Auslieferung von den deutschen Behörden redakteure.. Wenn der nationalliberale Qumpazius, so be- verlangt wurde. Bei den Verhafteten fand man große Geld" 21 = Versammlungs- und Koalitionsfreiheit. Unantastbarkeit der Person und ihres Rechtsmerkt hierzu unser Dresdener Partei Organ, der das gesummen vor. schrieben hat, im Kampfe für eine Ueberzeugung nur so viel Brüffel, 25. Oftober. Der sozialistische Peuple" veröffentals Mensch. Gefängnißleiden" auf sich zu nehmen gewillt ist, wie sie, um licht die Glückwunsch Adressen und Telegramme, welche der Liebknecht erduldet hat, belgischen Arbeiterpartei aus allen Ländern zugegangen sind. von andern gar nicht zu sprechen" dann mag er wiederkommen mit seinem billigen Spott. Bis Brüssel, 25. Oftober. Entgegen den Meldungen ver= dahin aber fehre er hübsch vor den eigenen nationalliberalen schiebener Blätter, daß der ehemalige Minister Beernaert das Portefeuille des neu zu schaffenden Arbeitsministeriums über: nehmen werde, wird aus gut unterrichteter Quelle gemeldet, daß dieses Ministerium vorläufig erst geplant sei und einen Theil der Reformen bilden werde, welche die Regierung der Kammer unterbreiten will. Thüren. Paris, 25. Oktober. Aus Lille wird gemeldet, daß der wegen Diebstahls bei der Bank des Credit Lyonais in Roubaix von der Polizei gesuchte Magot sich den Behörden gestellt habe. Derselbe kam von Paris und hatte von den gestohlenen 150 000 Frants nichts mehr bei sich. So das Boltsrecht auffassend, stellt die Partei sich die Auf- Eine neue 42. Petition nach berühmten Mustern soll, gabe, eine Vereinigung aller Oppositionselemente und eine Dr wie der Beobachter" erfährt, auch in der Chemnitzer Gegend ganisation einer solchen aktiven Kraft herbeizuführen, welche mit allen ihr zu Gebote stehenden moralischen und materiellen in Umlauf gefegt werden, um für die Heze gegen die SozialMitteln die Befreiung von dem politischen Druck der Autokratie demokratie, welche den demnächst zusammentretenden Reichstag beschäftigen wird, als Material zu dienen. Wie mitgetheilt wird, erkämpft und die Rechte des Menschen und Bürgers festsetzt.... beabsichtigt man zu diesem Zwecke die Gemeindevorstände, Lehrer, Partei des Boltsrechts". Beamte und andere in abhängiger Stellung befindliche Personen ( Naródnawo prawa.) Gleichzeitig mit diesem Manifest ist die Nachricht von dienstbar zu machen, einestheils um selbst die Petition mit ihrem Namen zu versehen, anderntheils systematisch den Kreis ihrer der Verhaftung einiger 30 Studenten in Petersberg hierher Bekannten um seine Unterschrift zu ersuchen. Die Blamage gekommen. Es liegt deshalb die Vermuthung nahe, daß dürfte jedenfalls auch hier nicht ausbleiben. die Verhaftungen im Zusammenhange mit jenem Manifeste Verantwortlicher Redakteur: J. Dierl( Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. * * London, 25. Oktober. Einem Telegramm aus Dover zus folge ist der Franzose, welcher den argentinischen Priester Gabriel Segni in einem hiesigen Hotel ermordete, in dem Augenblick verhaftet worden, als er sich nach Frankreich einschiffen wollte. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dsrketksg. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Nachmittags-Sitzung. Der Parteitag tritt in die Berathung der Agrarfrage� Schoenlan! begründet die folgende Resolution:„Die Agrarfrage ist das Erzeugniß der modernen Wirthfchaftsiveise. Je abhängiger die heimische Landwirlhschaft vom Weltmarkte und dem inlernationalen Wettbewerbe aller Ackerbauländer wird, je mehr sie in den Bannkreis der kapitalistischen Waaren- Produktion, des Bank- und Wucherkapitals geräth, um so rascher verschärst sich die Agrarfrage zur Agrarkrisis. In Preußen- Teutschland kämpft die landwirthschastliche Unternehmerklasse, die sich in ihrem Wesen von den großgewerblichen Kapitalisten nicht unterscheidet, mit dem Landadel. Dieser Landadel erhält sich nur noch künstlich durch Liebesgaben, Schutzzölle, Aussuhrvergütungen, Steuervorrechte. Trotz alledem ist der Untergang des ostelbischen Junkerbetciebs, der zum großen Theil durch schlechte Wirlhschaft, Erbantheile und Restkaufgelder über- schuldet ist, schon besiegelt. Dazu kommt der sich fortgesetzt zu- spitzende Zwiespalt zwischen Großbesitz und kleinbäuerlicher Wirthschast. Die Kleinbauernschaft, bedrückt durch Militärdienst und Steuerlasten, in Hypotheken- und Personalschnlden verstrickt, bedrängt von innen und außen, kommt in Versall. Die Schutz- zölle sind für sie nur ein leeres Schaugericht. Und diese Zoll- und Steuerpolitik lähmt die Kaufkraft der arbeitenden Klasse und verengt beständig den Markt des Bauern. Der Bauer wird prolelarisirt. Auf der anderen Seite entfaltet sich der Klassengegen- sah zwischen ländlichen Unternehmern und ländlichen Arbeitern zu immer größerer Reinheit. Eine ländliche Arbeiterklasse ist entstanden, sie ist gebunden durch feudale Gesetze, die ihr das Vereinigungs- recht versagen, die sie unter die Gesinde-Ordnung stellen, sie ist losgelöst von den alten patriarchalischen Verhältnissen, die in die Sörigkeit eine bestimmte Existenzsicherheit einschlössen. Die wischenschichten, grundbesitzende Tagelöhner, Zwergbauern, die auf die Lohnarbeit als Zubuße angewiesen sind, sinken trotz aller Ccheinreformen in die Klasse des ländlichen Proletariats. Mit der Erwerbsunsicherheit, dem Lohndruck und der schlechten Be- Handlung, mit der Zunahme der Wanderarbeiter wächst der Zwiespalt zwischen Grundkapital und Landarbeit, das Klassen- bewußtsein des Landarbeiters erwacht. So wird es zur Roth- wendigkeit, daß die Sozialdemokratie sich auf das ernsteste mit der Agrarfrage befaßt. Die Vorbedingung dazu ist die eingehende Kenntniß der ländlichen Zustände. Da diese in Deutschland technisch. wirthschaftlich und sozial verschieden geartet sind, so muß sich die Propaganda ihnen anpassen und das Landvolk nach seiner Eigenart behandeln. Die Agrarfrage als nothwendiger Bestand- lheil der sozialen Frage wird endgiltig nur gelöst, wenn Iber Grund und Boden mit den Arbeitsmitteln den Produzenten wieder zurückgegeben ist, die heute als Lohnarbeiter oder Klein- dauern im Dienste des Kapitals das Land bestellen. Jetzt aber muß die Nothlage der Bauern und Landarbeiter durch eine gründliche Reformthätigkeit gelindert werden. Die nächste Auf- gäbe der Partei ist es, ein besonders agrarpolitisches Programm aufzustellen, das die dem Bauern wie dem Landarbeiter besonders nützlichen nächsten Forderungen des Erfurter Programms in einer dem Verständniß der ländlichen Bevölkerung angemessenen Darstellung erläutert und ergänzt. Der Baueruschutz soll den Bauern als Steuerzahler, als Schuldner, als Landwirlh vor Nachlheilen bewahren und ihm den rationellen und den genossen- schaftlichen Betrieb durch Staatshilse erleichtern. Der Landarbeiter- schuh soll das Koalitions- und Vcreinigungsrecht des ländlichen Arbeiters schaffen, ihn auf eine Stufe mit den gewerblichen Arbeitern stellen(Aushebung der Gesindeordnung) und durch eigene sozialpolitische Schutzgesetze in Bezug auf die Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, Aufsichrsbeamte ihn vor der zügellosen Aus- beutung bewahren. Ei» besonderer Agrarausschuß hat dem nächsten Parteitag seine Vorschläge vorzulegen. Volkmar. Schoenlan k. Schoenlank: Was ist das platte Land heute? Die Domäne des Junkerthums und der Kutte. Was soll das platte Land sein? Das, was die Sozialdemokratie zu erobern hat. Die Agrarfrage steht im Vordergründe des öffentlichen Interesses. Wir begreifen sie nur, wenn wir die Ursache der Uebelstände kennen lernen, es handelt sich bei ihr nicht nur um eine Aus- einandersetzung zwischen Kapital und Arbeit, sondern auch zwischen Grundbesitz und Grundbesitz; sobald die Landwirthschaft die feudalen Rückstände abgestreift hat, sobald sie in den Bannkreis des Kapitalismus getreten ist, beginnen erst jene Schwierigkeiten, über die sich die bürgerlichen Politiker die Köpfe zerbrechen. Ich sagte, die Agrarfrage ist ein Kampf zwischen Grundbesitz und Grundbesitz, zwischen der feudalen Produktionsweise und dem landwirthschaft- tiche» Kapitalismus. Dieser Kampf begann mit der vollzogenen Bauernbefreiung. Unser ostelbisches Junkerthum kann nicht mit der landwirthschastliche» Großproduktion konkurriren und erhält sich künstlich durch Ausnutzung seiner politischen Macht. Es ver- tritt die rückständige Form des Betriebes gegenüber dem land- wirthschaftlichen Großbetrieb. Auf Kosten der wirklich pro- duktiven Schichten erhält es sich noch, aber es muß erliegen. Schon jetzt repräsentirt das Junkerthum im Osten den chronischen Fäulnißprozeß in der Landwirthschaft. Neben diesem Kampfe vollzieht sich die gewaltige Tragödie des untergehenden Kleinbetriebes des Bauernthums. Die zweite Seite der Agrarfrage ist der Kampf der Großgrundbesitzer mit ihre» ländlichen Proletariern, der Kamps des mittlere» Unternehmers mit seinen Tagelöhnern, der Kampf des Bauern mit dem Knechte. Als die Bauernbefreiung durchgeführt wurde, als ein Schachergeschäft zwischen Dynastie und Adel auf Kosten der Bauern zu Anfang unseres Jahrhunderts, kam sie auf nichts anderes heraus, als auf die Verwandlung der Fröhner in ansbeutungsfähige Proletarier unter gleichzeitigem Raub eines guten Drittel des Bauernlandes durch den Adel. Es lohnte sich nicht mehr, feudalistisch zu produziren, die Gutsherrschaft sicherte sich die ganze Arbeitskraft der Familie des FrohnarbeitcrS. Es wurde das Institut der Jnstleute geschaffen. Die Jnstleute waren materiell bester gestellt, als heute der Landarbeiler es ist. Das Jnstwesen mußte zerfallen in dem Augenblick, wo von der exten- siveren zur intensiveren Wirthschaftsform übergegangen wurde, wo die Zuckerrübe die Landwirthschafl eroberte. Die Saisonarbeit trat an stelle der Arbeit über das ganz« Jahr. Statt der Inst- männer wurden reine Proletarier gebraucht. Die Lebenshaltung verschlechterte sich. Der Jnstmann empfing neun Zehntel seines Lohnes in Naturalien, es bestand noch eine Interessengemeinschaft zwischen Jnstmann und Junker, denn der Jnstmann verzcbrte nicht alles Getreide, das er erhielt, sondern verkaufte einen Theil. Die Einführung des Geldlohnes an stelle des Naturallohnes zerriß das letzte patriarchalische Band zwischen Junker und Land- arbeiter. Die Dampf-Dreschmaschine wurde eingeführt. An stelle des Jnstmanns trat der Einlieger. Bald genügte der ein- heimisch« Einlieger nicht mehr, die Wanderarbeiter er- schienen und mit ihnen das wichtigste Gährungsmittel in der Laiidarbeiterbeweguuj}. Zunächst wurden die Wander- arbeiter aus dem polrnschen Osten Preußens bezogen, dann, als sie noch zu anspruchsvoll erschienen, wurden Russen und Polen herangezogen. Diese Kulis verdrängten die ein- heimischen Landarbeiter, die als Sachsengänger nach dem industrie- reichen Westen gehen. Wo der Großgrundbesitz im Osten sich vermehrte, hat sich auch das polnische Element vermehrt und die Landbevölkerung proletarisirt. In der Landarbeiterschaft des Ostens sind die Grundbedingungen für eine erfolgreiche sozial- demokratische Agitation gegeben. Der mittlere Besitz in Ostelbien ist verschwunden, oder nur»och sporadisch vorhanden. Ter Typus der Landwirlhschaft ist der Großgrundbesitz. In Nieder- sachsen herrscht ein anderer wirthschaftlicher Typus: die groß- bäuerliche Betriebsweise, die nicht mit den ländlichen Prole- tariern, sondern mit den sogenannten Häuslingen, den Anbauern, den kleinen Leuten in den Bauerndörfern arbeitet. Die Anbauer haben noch einen kleinen Besitz, eine kleine ländliche Wirth- schaft, sie stellen das Hauptkontingent für die überseeische Auswanderung. Nicht die Aermsten sind es, die auswandern. Die Auswanderer wollen nicht mehr die Knechte der Großbauern sein. In Westfalen sitzen die großen Bauern auf ihren Einzel- Höfen und abgesondert davon die sogenannten Häuerlinge in Wohnungen, die der Großbauer ihnen giebt. Professor Knapp schildert die Lage der Häuerlinge als eine idyllische. Mit Unrecht! Auch bei ihnen dringt die Sozialdemokratie ein. Die Häuerlinge arbeiten zum Theil aus eigenem Lande, zum Theil für den Bauern. Gehen wir nach dem Süden und Westen, so treffen wir in der Landwirthschaft das bunteste Bilo an. Im Süden und Westen herrscht die bäuerliche Betriebsweise, es fehlt an den schroffen Gegensätzen wie im Osten. Die bäuerliche Verfassung in Bayern zum Beispiel ist außerordentlich wechselnd. Ter Redner giebt hiervon eine eingehende Schilderung. Ebenso schildert er die Verhältnisse in Baden, wo das Kleinpachtsystem so entwickelt ist, wie in Irland und Galizien und die Kleinbauern und Kleinpächter auss äußerste verschuldet sind, ausgeliefert der Willkür des Groß- grundbesitzers und den schmählichen Praktiken jüdischen Wucher- kapitals. Das erklärt den Antisemitismus. Die erste Emeute des Bauernthums richtet sich gegen das Kapital in seinen jüdischen Repräsentanten. Festgestellt ist freilich, daß die Hintermänner dieser Wucherer sehr respektable Christen unter sich haben. Welche Bevölkerungsschicht steht uns in der ländlichen Bevölkerung gegenüber? Nach der Deutschen Berufs- Statistik vom 5. Juni 1882 waren 42,S pCt. der deutschen Bevölkerung in der Landwirlhschaft beschäftigt. Wir haben es also mit einer kolossalen Volkszahl zu thun. Um unter ihr zu agitiren, müssen wir uns vor der Schablone hüten.(Sehr richtig.) Die wichtigste Vorbedingung für eine gute Landagitation ist das Eingeständniß, daß der größte Theil unserer Parteigenossen nichts von ihr versteht. Wir müssen ans Landvolk heran mit dem, was es bewegt. Wir müssen seine Verschiedenheit in betracht ziehen. Ein Bauer in Ober- bayern muß anders behandelt werden, als ein Häuerling. Die Landagitatiou hat sich also zu differenziren. Es wird gesagt: Die Landarbeiter sind die erste Festung, die wir erobern müssen. Aber der Landarbeiler des Ostens muß anders gefaßt werden, als der des Westens. Der Landarbeiter des Ostens muß auf- geklärt werden über das preußische Junkerthum und seine schmutzigen Praktiken. Dabei müssen die preußischen Verhältnisse, wie sie im Landtag zum Ausdruck kommen, besonders beachtet werden. Die Landarbeiter werden unter den verschiedenartigsten Bedingungen ausgenützt; sie müssen hingewiesen werden auf die Aushebung der Gesinde-Ordnung, auf die Nothwendigkeit. für sie das Koalitionsrecht zu erhalten, damit sie der gröbsten Ausbeutung, wie sie gerade in der Landwirthschaft ge- bräuchlich ist, entgegentreten können. Es muß ihnen klar gemacht werden, daß sie ebenso wie die Industrie- Arbeiter Arbciterschutz und Landinspektoren brauchen. So versklavt sind sie nicht, daß sie sich willig iu's Joch der Unternehmer fügen. Sporadisch sind schon Streiks vorgekommen. Wir müssen die straffe Organisation anstelle der wilde» ersten Bewegung stellen. Auch das Kleiubauer.ithum ist zu gewinnen. Man soll da nicht mit allgemeinen Urlheilen kommen. Manche Theile von ihm sind leichter zu haben, als die Landarbeiter. Es kommt nur auf den Säemann an, dann werde» auch sozialpolitische Samenkörner bei ihm aufgehen; dafür bietet schon der demokratische Zug, der durch die Bauern des Südens und Westens geht, eine Gewähr, wenn er auch noch partikularistische Formen hat. Wenn man einwendet, so lange sie noch einen Kleinbesitz haben, selbst wenn' er nur ein Scheinbesitz ist, sind sie nicht für uns zu haben, so erwidere ich. Hunderttausende von Bauern sind ja nur mas- kirte besitzlose" Landarbeiter. Sie sind zu haben, wie ,vir die kleinen Geschäftsleute, die Krämer gewonnen haben. Die Großbauern mit vielen Knechten werden auf diesem Wege nicht zu haben sein, wohl aber die Kleinbauern mit keinem Knecht oder einem Knechtlein. Wie packen wir nun die Großbauern? Am Geldbeutel. Wir weisen sie hin auf die Steuern und den Militarismus. Wir zeigen ihnen, wie eine bessere Organisation der Gesellschaft ihnen ermöglichen wird, die Maschine und alle technischen Verbesserungen in ihren Betrieben anzuwenden. Ge- waltig ist ja die Entwickelung des landwirlhschastlichen Maschinen- wesens. Und erreichen wir auf diesem Wege nichts anderes, als die Bauernschaft zu neutralisiren, so haben wir genug gethan. Noch giebt es Hnnderttausende von Bauernsöhnen, die das Vaterunser bete», und wenn es befohlen wird, auf Vater und Mutter schießen. Es darf nicht wieder so kommen wie im Jahre 1343. Meine Freunde! Als die Pastete des Absolutismus geplatzt war, da hat die Reaktion den Bauern schleunigst Zugeständnisse gemacht, und sie so gewonnen. Wir müssen verhüten, daß die nagelbeschlagenen Schuhe der Bauern und ihrer Söhne sich gegen uns wenden. Wir müffen sie neutralisiren. pazifiziren.(Beifall.) Der Redner giebt hierauf eine historische Darlegung der Entstehung des preußischen Junker- lhums, des kleinen Adels, der aus dem Stand der Dienstmänner dank seines Raubgcnies auf Kosten der Bauern emporgestiegen ist. Ter Landdiebstahl im IS. und 16. Jahrhundert, das Bauernlegen schuf die Junkermacht. Die freien Bauern wurden in den Zustand sklavischer Leibeigene hinabgewürdigt. � Aus diesem Milieu ist das Landprolelariat hervorgegangen im Osten und nur aus diesem Milieu heraus ist seine Art zu verstehe». Wie es im Westen, wie es im Süden aussieht, habe ich ihnen ge- schildert. Wir haben dafür zu sorgen. daß das Junkerthum des Ostens so rasch als möglich zusammenbricht. Im Westen und Süden soll sich die Agitation den besonderen Ver- hältniffen anpassen. Wir brauchen deshalb eine genaue Schilde- rung der dortigen Zustände, und ivir brauchen ein Landarbeiter- Programm. Das popularisirte Erfurter Programm muß ergänzt und erweitert werden. Es muß übersichtlich sein, denn mit den Landleuten müssen wir Fraktur reden. Wir müssen endlich ein- mal praktische Agitation treiben, nicht blos die graue Theorie. Wir müssen uns hüten, die Schablone der Agitation unter den Jndustrie-Arbeitern aus das Land anzuwenden. Wir müssen praktisch werden. Unsere revolutionäre Politik darf nicht in ge- schwollenen Kraftphrasen bestehen(Sehr richtig.), durch pseudoradikale Einwürfe dürfen wir uns nicht beirren lassen. Die Medizin des Sozialismus muß der Land« bevölkerung in homöopathischen Dosen beigebracht werden, sonst bringt sie den Bauern nm.(Große Heiterkeit.) Leute müssen aufs Land geschickt werden, die etwas davon verstehen. nicht Leute, die dem Bauern sofort vom Achtstundentag erzählen (Große Heiterkeit); erzählen wir dem Landarbeiter lieber von der Aufhebung der Gesinde-Ordnung, vom Koalitionsrechte, daSwird wirken. So ein Herr aus Berlin(Oho!) eignet sich manchmal nicht zur Landagitation. Manche Städter, die das Weisheits- Monopol zu haben glauben, richten aus dem Lande nur groben Unfug an.(Heiterkeit.) Was kommen aber häufig für Leute von uns auss Land? Ausgezeichnete Feinmechaniker, vortreffliche Schlosser, aber Männer, von denen der Bauer mit Recht sagen kann: Sie verstehen ja nichts von dem, was mich bewegt. Leute müssen aufs Land, die die Agitation vollständig betreiben und die besonderen Verhältnisse kennen, die sie dabei zu beachten haben. Dann wird der antikollektivistische Banernschädel, von dem Schäffle hoffend spricht, bald ins Gebiet der Sage gehören und auch der Bauer wird dann unser Ziel begreifen, das ich in die Göthe'schen Worte aus dem zweiten Theil des Faust fassen möchte: Solch ein Gewimmel möcht ich sehen, Auf freiem Grund mit freiem Volke stehen. Bevor wir die Axt im entscheidenden Moment an die Wurzel des Baumes legen, bevor wir ausholen zum entscheidenden Schlage, müssen wir das Erdreich lockern, in dem er steht, damit der Baum beim Niedersturz die ganze kapitalistische Mihwirth- schaft ertödtet.(Stürmischer Beifall.) V o l l m a r: Ich habe mich gern bereit erklärt, die Resultate meiner theoretischen Untersuchungen und meiner praktischen Er- sahrungen zu Nutz und Frommen der Landagitation Ihnen hier vorzutragen. Ich werde mich aber nur mit dem selbst- wirthschaftenden Bauernthum meiner engeren Heimath be- schästigen. Unsere Bewegung ist ja ursprünglich eine Industrie- Arbeiter-Bewegung, weil sich hier die kapitalistische Wirthschast, die sozialen Gegensätze am schärfsten zuspitzen. Naturgemäß bilden die Jndustrie-Arbeiter unsere Kerntruppen. Sie gehören zum größten Theil bereits uns, sie ganz zu uns zählen zu können, ist nur eine Frage der Zeit. Aber wir haben vor allem noch die andere Hälfte der produzirenden Bevölkerung, die der Urproduktion und Landwirthschaft, die in einzelnen Theilen Deutschlands gleich stark wie die Jndustriebevölkerung ist, in ein- zelnen Theilen, so in Bayern, die Jndustriebevölkerung aber weit überwiegt, zu gewinnen. Die landwirthschastliche Bevölkerung geräth in steigendem Maße in wirlhschastliche Bedrängniß; da- mit ändern sich natürlich ihre Anschauungen und Ansichten. Sie beginnen das Gefühl ihrer Macht zu bekommen. Es gährt unter ihnen, sie werden widerwärtig gegen die städtischen Herren, die Geistlichkeit, die Beamten. Instinktiv lehnen sie sich gegen den auf sie ausgeübten Druck auf, und gerathen deshalb, obwohl sie bisher politisch vollständig passiv gewesen sind, jetzt mit in den Strudel der politischen Bewegung und schließen sich dann natur- gemäß derjenigen Partei an, von der sie eine Förderung ihrer Interessen erwarten können. Deshalb ist es für uns die höchste Zeit, der Agrarfrage näherzutreten. 1867 auf dem Kongreß in Lausanne fand das erste Geplänkel über die Agrarfragen statt. Sie wurde sodann dem Programm des Brüsseler Kongresses eingereiht. Man stellte sich damals vor, daß das Kollektiveigenthum an große Ackerbau-Genossen- schaften verpachtet werden sollte, Grund und Boden sollte nicht vollständiges Staatseigenthum werden, sondern den früheren Be- sitzer» und ihren Nachkommen die Gewähr für den Ertrag ihres Besitzthumes geleistet werden. In Brüssel 1869 kam es zu sehr heftigen Kämpfen. Der Beschluß, den der Kongreß faßte, ging dahin, daß die Gesellschaft ein Recht aus eine Verwandlung des Privateigenthums in kkollektiveigenthum habe. Es bildeten sich damals aber zwei ziemlich gleich große Hälften heraus, von denen die eine die Ueberweisung des Grund und Bodens an Gemeindegenossenschasten, die andere aber an individuelle Pächter verlangt; auf dem Stuttgarter Kongreß 1870 stellte man sich zunächst auf den Boden des Brüsseler Beschlusses, stipulirte aber ein gewisses Uebergangs- stadium; damit aber ist die offizielle Beschlußfassung zu Ende gediehe». Das Gothaer und Erfurter Programm sprechen wohl zu uns einmal von der Agrarfrage, gehen aber keineswegs speziell darauf ein. Die Auffassung der Parteigenoffen stellt sich nur so dar, die Lösung der Agrarfrage sei durch die allgemeine Entwickelung vollständig umschrieben. In der bekannten Jnauguraladresse 1364 spricht Marx von der Aufsaugung des kleinen und mittleren Grundbesitzes in England und Irland: dann wird geschlußfolgert, daß, wenn die Entwickelung in dem- selben Tempo fortschreitet, die Lösung der Agrarfrage ungemein vereinfacht würde, weil wir zu ähnlichen Verhältnissen kommen wie im alten'Rom. Welcher ungeheure Abstand aber zwischen dem, waZ man damals prophezeite und was wirklich eintrat! Man prophezeite den rapiden Verfall des Kleinbesitzers, die Zusammenschweißung in riesige Kollektivbetriebe. bewirthschastet von Arbeiterarmeen. Bei einer solchen Auffassung hatte die Sozialdemokratie dem Bauern nichts zu bieten, sie konnte ihn nur auf sein unabwend- bares Schicksal hinweisen und ihm nur das Heil in der Zukunft verheißen. Das klang zwar sehr prinzipiell, brachte uns die Bauern aber keineswegs näher; wir haben die eigenthümliche Erfahrung gemacht, daß den Bauern unsere politischen Reden ausgezeichnet gefallen, ganz anders aber war es, wenn uns die Bauern interpellirten. wie ,vir uns die Hebung ihrer äugen- blicklichen Lage denken; die Einen schwiegen sich ganz aus. die Anderen dagegen kamen rund mit dem Kollektiveigenlhum heraus. Damit stießen ivir die Bauern natürlich direkt vor den Kopf; sie sagten sich, wenn man uns schon einmal unser Eigen- thnm nehmen will, so können wir ja noch eine Weile warten, um zu sehen, ob es nicht vielleicht doch noch besser wird. Wie hat man es zuerst gemacht? Wie ein Heuichreckenschwnrm ist man auf's Land gefallen, hat Flugschriften häufig recht zweifelhafter Natur verbreitet und, was noch schlimmer ist, alte Parleizeitungen, die über widriges Parteigezänk berichteten. ES waren meist junge Leute, die hinausgingen; sie haben mit einer Miene zu dem Bauern heruntergesprochen, wie: Höre mal Schafskopf! Verstehst net?(Große Heiterkeit). Wenn das Dorf dann wieder von dem Besuche verlassen war, können Sie sich ja denken, was die Bauern untereinander von ihm gesagt haben (Heiterkeit). Andere wieder gingen hin und sprachen vor den Bauern über die materialistische Geschichtsauffassung(Stürmische Heiter- keit), über die Werththeorie u. s. w. In unseren Parteiblättern war d.rnn von dem großen Erfolge zu lesen, der von den Bauern erzielt worden sei.(Stürmische Heiterkeit.) Wenn dann die frischen Lorbeeren jener Agitaiion verdorrt waren, ist den über mäßigen Hoffnungen der Katzenjammer gefolgt. Und was bei den Einzelnen der Fall war, trifft für die ganze Partei zu. Erinnern sie sich an Halle, an das Jahr 1890; da hieß es: Krieg den Ultramontanen! Hinaus aufs Land! und alles Kriegs- volk hat gejubelt. Auf dem vorigen Parteitag in Köln, da klang das Lied ganz anders; da war man pessimistisch geworden; da hieß es: Bei den Bauern ist vorläufig wenig zu thun. Und wenn wir mit Engelszungen reden wollten, unscr Anhang bei den Bauern wird immer schwach bleiben. Kurz, man war: himmelhoch jauchzend— zu Tode betrübt. Beides ist gleich falsch. Es ist phantastisch, zu glauben, baß man den Bauer spielend mit einer Rede gewinnen könnte; aber es ist auch nicht wahr, daß der Bauer ffir uns unzugänglich sei. Nur die richtige Art muß angewendet werden, dann sind sie jetzt, wo die Verhältnisse so harte Lehrmeister sind, sehr wohl zu gewinnen. Wenn wir die Bauern nicht schon mehr gewonnen haben, so ist es größtentheils unsere Schuld. Aber freilich! für eine erfolg- reiche Landagitation sind zwei Voraussetzungen nöthig, einmal muß der Bauer sehen, daß wir Herz und Verständniß für seine täglichen Leiden haben und nach Kräften ihm zu helfen bereit sind, und zwar nicht nur in einer entfernten Zukunft, die dem Bauer wenigstens entfernt scheint, sondern schon jetzt.(Sehr richtig!) So verlangt es ja auch der Industrie- Arbeiter für sich von uns. Weiter muß ihm auch unsere ganze Art sympathisch und verständlich sein. Sache und Person müssen ihm Vertrauen einflößen, nur dann erschließt sich uns der Bauer und giebt sich uns hin.(Sehr wahr.) Wer auf das Land gehen will, verbrenne zunächst all seine alten Agitationshefte und denke sich in die ländlichen Produktions- Verhältnisse, in das ganze bäuerliche Denken und Fühlen hinein. Wenn er das nicht thm, wird er ihnen dauernd unverständlich bleiben. Zunächst lege er den städtischen Hochmulh ab, als wenn er alles besser wüßte. Dumm ist der Bauer nicht! liluch der städtische Sozialist hat von dem Bauer noch ungeheuer viel zu lernen. Nur nicht scliablonisiren! In dem liebevollen Eingehen auf die häuslichen Anschauungen und Verhältniffe, auf seine Sprache und die Art und Weise seiner Schlußfolgerungen, liegt die Kraft unserer Agitation. Daher müssen alle Statistiken. alle wissenschaftlichen Floskeln, alles nervös Zivingendo in der Redeweise unterbleiben. Das an den Haaren Herbeiziehen des Bauern— und im Charakter sind sich alle Bauern gleich— ist das Allerverkehrteste. Wenn der Bauer merkt, daß man etwas von ihm will, ist er ungeheuer dickköpfig, das haben sie ja auch an uns gemerkt.(Heiterkeit.) Ich habe Ihnen ja gesagt, daß wir ein Bauernvolk sind. Das Ungeschickteste, was die Regierung thun kann, ist, wenn sie einen Amtnmun vor den Bauern die Sache auseinandersetzen läßt. Sie hören stumm zu, stoßen sich gegenseitig an; frägt man sie über die Rede, so sagen sie: „Schon hat er geredt," aber sie stimmen in der Landgemeinde doch nicht für die Regierung. Das Gefühlsmoment darf nicht unberücksichtigt bleiben, das gilt übrigens auch für die städtische Bevölkerung. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch bemerken, daß die Religion uns überhaupt nichts angeht. Wir müssen die Eigenart der Verhältnisse und Menschen schätzen lernen, wir müssen uns vor oberflächlichen Schlüssen schützen, vor jedem Generalisiren hüten. Das doktrinäre Vorgehen muß unterbleiben. Dagegen aber kann durch den Hinweis auf das Heruntergehen der Lebensweise als Konsequenz der wirthschaftlichen Entwickelung auch bei dem Bauer der Hebel angesetzt werden. In erster Linie muß man außer dem Eifer auch Geduld haben; nur nicht die treibhaus- mäßige Eile! Natürlich ist es nicht leicht, Bauernagitator zu sein, aber wir sind jetzt groß genug, um eine Differenzirung ein- treten zu lassen. Es braucht nicht jeder Bauernagitator zu sein. Unsere Agitation wird nur dann von Erfolg sein, wenn wir den Bauern etwas zn sagen haben, wenn wir ihnen aber auch etwas Positives bieten können. Was können wir nun von dem sozialistischen Standpunkte dem Bauer bieten? Das führt zu der zweiten Frage: Welches ist die thatsächliche Lage der Landwirthschast? Es ist ein vulgär liberales Geschwätz Eugen Richter's, die Roth der Land- wirlhschaft zu bestreiten. Diese Unfähigkeit des Liberalismus ist die Ursache, daß die Bauern sich so schwer von den reaktiv- nären Parteien loslösen. Leider hat das thörichte Geschwätz auch hie und da bei uns Eingang gefunden. Man braucht aber nur eine» Blick auf den Kurszettel zu werfen. Beachte man, daß die Landwirthschast bis zu einem Drittel und darüber hinaus ver- schuldet ist. Der Gesammtbetrag der landwirthschaftlichcn Schulden beträgt 15—20 Milliarden in Deutschland und wächst von Jahr zu Jahr um>/« bis Ve Milliarde. Die frühere Zinssklaverei, der Zehnt in Naturalien, ist unvergleichlich leichter als die Zins- ftlaverei von christlichem und mehr oder weniger jüdischem Kapital. Aber trotzdem ist die Aufsaugung der Kleinen zu gunsten der Großen nicht in dem Maße vor sich gegangen, wie man es früher annahm. Altpreußen, Pommern und Mecklenburg kann nicht als typisches Beispiel für Deutschland in Betracht kommen. Uebrigeus ist es nicht in jedem Falle die technische Ueberlgenheit des Großbesitzes oder die Ueberschuldung des Kleinbesitzcs gewesen, die die Konzentralion des Grundbesitzes dewirkte; die Verschuldung ist nicht blos auf den Klein- und Mitlelbesitz beschränkt, die Rittergüter sind häufig weit mehr überschuldet als der Kleinbesitz. Nach einer Statistik von Meitze» übersteigt die Realverschuldung den Grundsteuer- Reinertrag um 18 pCt. bei den Bauern, um 28 pCt. bei dem Großgrundbesitz, um 46 pCt. bei dem Kleinbesitz. Nach einer Aufnahme der preußischen Regierung in 42 Amtsbezirken beträgt die Schulden- last 53,8 pCt. vom Werth bei dem Allodialbesitz, 27,9 pCt. beim Mittelbesitz, 24 pCt. beim Kleinbesitz. Auch der Gebrauch der Maschinen hat nicht im Entferntesten eine so umwälzende Wir- kung gehabt, wie sie häusig hingestellt wird. Selbst in England sind die Dampfmaschinen im Landbetrieb der Zahl nach etwas zurückgegangen. Der Großbesitz erweist sich keineswegs so über- legen dem kleineren Betrieb, wie es dargestellt wird. Ist das schon beim Getreidebau der Fall, wie viel mehr bei der Vieh- zucht, die noch keinen Weltmarkt hat und auf die sich die Land- wirthe immer mehr werken. Die Dampfmästanstalt im großen Stil muß sehr skeptisch angesehen werden. Im allgemeinen gilt: gerade die Viehzucht eignet sich keineswegs für einen Rieseubelrieb bei der jetzigen intensiven Wirthschafr und Viehpflege. Eine Zuchtheerde geht in der Regel nicht über 60 bis 70 Stück hinaus. Die Klein- und Mittelbetrieb ist sehr wohl noch kon- kurrenzfähig. Weshalb die Landwirthschaftlichen den Thatsachen aus der In- dustrie widersprechen? Der Bauer produzirt nicht nur Maare, sondern auch für den eigenen Verbrauch. Die Schwankungen des Marktpreises treffen ihn weniger, die ganze Lebensweise auf dem Lande kommt in Betracht. Gewiß ist der Mittelbesitz und die Parzellenbauern in der Zerstörung begriffen, aber er wird weniger zerstört durch die Konkurrenz des Großbetriebs, als durch die Einflüsse des von außen her eindringenden Geldkapitals. Cs giebt nicht wenige Agrarpolitiker, die der Meinung sind, daß der Großbetrieb wieder zum Kleinbetriebe herunter geht. Wenn ich auch nicht ans diese Hypothese eingehen will, so wird Ihnen doch so viel klar geworden sein, daß die Agrarfrage außer- ordentlich komplizirt ist. Die Eigenart des Produktions- Rückganges des Landwirthcs bedingt seine Sonderstellung und die Nothmendigkeit, eine Eigenart in der Propaganda auszubauen. Die Bedrückung des Landwirthcs wächst. Aus Jahre hinaus ist der Klein- und Mittelbetrieb noch lange nicht am Ende seines A B C. Daraus geht hervor, daß wir mit der rein bäuerlichen Bevölkerung sehr wohl zu rechnen haben. Es bleibt uns nur eine Wahl. Entweder wirmachen esnachManchestermusterso,daßwirdas Spiel der Kräfte sich frei entfallenlassen, daß der Verschuldungs- prozeß fortschreitet. Beim industriellen Kapital suchen wir seinen Einwirkungen auf die Arbeiter Zähne und Klauen entgegeuzu- setzen. Tasselbe muß bei der landwirthschaftlichen Bevölkerung geschehen. Die Verbesserung der Lebenslage der Landwirthe liegt aber auch im eminenten Maße im Interesse des Industrie- Arbeiters. Kommen doch von Jahr zu Jahr in größeren Schaaren die Landarbeiter nach der Stadt und machen ihnen eine immer steigende Konkurrenz. Dem kann nur durch die Ver- besserung der Verhältnisse der Landarbeiter und Bauern vor- gebeugt werden. Legen wir aber die Hand in den Schooß, so verurtheilen wir uns zur vollendeten Einflußlosigkeit bei den Bauern. Wir zwingen sie geradezu in die Reihen nn- serer Gegner einzutreten, wir zwingen sie unsere Feinde zu sein. Wir dürsten uns dann recht lange damit bescheiden müssen, die Bauern zu gewinnen. Dann bleibt nichts anderes als der blanquistische Standpunkt übrig, nämlich die Ergreifung der politischen Macht mit einer proletarischen Minderheit. Die reine Klugheit gebietet uns schon, in einem Lande mit so großer landwirthschastlicher Bevölkerung ohne diese keine grundlegende Umgestaltung vorzunehmen. Das ist ein Standpunkt, den bereits Liebknecht eingenommen hat, indem er aus die französische Revolution exemplifizirte. Ohne die Bauern ist unser Ringen ein erfolgloses, mit ihnen aber sind wir un- widerstehlich. Ohne die Bauern zu Freunden zu haben oder wenigstens nicht zu Feinden, wäre zeder Erfolg einer prole- tarischen Minderheitsrevolution schwer zu erringen und durch- aus illusorisch. Die schwersten Rückschläge würden folgen. Und dann, wir sind doch Demokraten, wir wollen nicht gegen eine Majorität regieren, wir wollen die politische Macht nicht erschleichen und nicht erpressen, da kann uns die Wahl der Mittel, die politische Gewalt zu erringen, nicht zweifelhaft sein. Eni- weder wir glauben, der Bauer ist nicht zugänglich, dann?ist die nothwendige Ergänzung, daß wir unsere Ungeduld, die politische Macht zu erlangen, nur getrost auf eine tüchtige Spanne Zeil zügeln, oder wir wollen die politische Macht so rasch wie mög- lich erobern, dann müssen wir auch die Mittel auivenden, um die Bauern zu erobern. In Köln wurden wir vor dem Eifer in bezug aus die praktische Thätigkeit bei den Bauern gewarnt. Dann allerdings dürfen wir gleich die Hand von der Landagitation lassen, denn der Bauer begnügt sich mit Recht nicht niit negativer Kritik, er will unbeschadet aller Verbesserungen in der Zukunft genau so wie der Jndustrie-Arbeiter, ganz positive Mittel zur Verbesserung seiner Lage schon in der Gegenwart.(Sehr richtig.) Demgemäß hat auch eine Reihe unserer ausländischen Bruderparteien ge- handelt. Zuerst ist die dänische Sozialdemokratie darin vorgegangen, sie hat ein eigenes ergänzendes Programm für die Bauernagitatiou geschaffen, so verlangt sie die Verstaatlichung der Lehens- und Kirchengüter, den staatlichen Auskauf von Land imd Verpachtung an Einzelarbeiter und Genossenschaften. Etwas ähnlicher ist es in Ungarn. Auf dem Parteitag der ungarischen Sozialdemo- kratie ist unter dem Druck der Baueruunruhcn, obwohl die Meinung ausgesprochen wurde, daß der Großgrundbesitz im Gange der Entwickelung liegt und obwohl das Kollektiv- eigenthum an Grund und Boden vertreten wurde, doch eine Reihe von Forderungen vertreten worden, durch welche eine Reihe von Garantien für den Kleinbesitz ausgesprochen wird. In R u- m ä n i e n, in Italien ist es ganz ähnlich. In Belgien ent- hält daS Wahlprogramm die Punkte: Verpachtung der Domänen an Eigenarbeiter und besondereGenossenschaften, gewinnloser Kredit, Naturalbank, Vertretung der Bauern, Pächter und Landarbeiter in Landwirthschastskawmern, die über Arbeitszeit, Lohnminimum, Pachtzeit und Pachthöhe zu beschließen haben. Zu diesem Pro- gramm sagte der„Peuple":„Die Durchsetzung dieser Forderungen ruft die Kollektivwirthschaft hervor und trägt zugleich den that- sächlichen und unmittelbaren Bedürfnissen Rechnung, die wirk- liche sozialistische Bewegung vollzieht sich im praktischen und refor- matorischeuSinne, in dieser Richtung hat sie während der letztenJahre Riesenfortschritte gemacht, denn die Sozialisten begreisen, daß die kapitalistische Gesellschaft nicht mit einem Schlage zum Siege kam und daß dies auch nicht bei der von uns erstrebten kollektivistischen Gesellschaft der Fall sein wird". Die Hauptsache aber ist der Hinweis auf Frankreich. Das elf Punkte enthaltende, bekannte, auch im„Vorwärts" veröffentlichte Agrarprogramm, das schon 1392 in Marseille beschlossen worden ist, hat die mächtigste» Erfolge auf dem Lande erzielt und die Gegner in Schreck gesetzt. Graf Mun sagte darüber:„Wenn der Sozialis- mus auf diese Weise erst die Feldwege unseres Landes findet, dann ist unsere Sache verloren". Das hat natürlich dazu an- geeifertzweitereMittelzurErweckungckaqueiibondomms s zufinden. Und in dieser Frage sagt Jules Guesde:„Der Kleinbauer hängt leidenschaftlich an seinem Boden und mit Recht, weil es für ihn jetzt außer seinem Eigenthuni keine Freiheit giebt. Die Partei hat von Anfang an einen Unterschied gemacht zwischen dem individuellen Eigenthum des vom Produzenten selbst angewandten Arbeits- mittels und dem kapitalistischen Eigenthum einer Hand voll Müßiger. Weit davon entfernt, den Bauern enteignen zu wollen, will der Kollektivismus ihn von Lasten aller Art� befreien. Wo sich infolge des Dampfes und der Maschine die Produktionsmittel so weil entwickelt haben, daß der individuelle Besitz ausgeschlossen ist, da ist die einzige Form der Lösung die Rückgabe an das Kollekliveigenthum. Man hat freilich auch nicht mit dem Worte „Bauernfang" gespart!(Heiterkeit.) In ganz ähnlicher Weise haben sich Lasargue und Jaurös geäußert. Und ganz in Ueber- einstimmung damit sind die Beschlüsse des Kongresses von Nantes ausgefallen, die Sie ja alle aus dem Bericht des„Vorwärts" kennen, und die ausdrückliche Billigung von Friedrich Engels gesunden haben. Aber auch in Deutschand haben wir Beispiele wachseüder Erkenntuiß. Ich erinnere nur an die ausgezeichneten Arbeiten unseres Genossen David, von denen ich nur wünsche, daß sie recht viele Nacheiferer finden möchten. Und ganz ähnlich ist unsere Hallung im bayerischen Landtage gewesen, wo wir von dem heutigen Staate Schutz der Bauern verlangten, damit aber auch dre Kontrolle und die Leitung durch den Staat, also auch Einfluß auf die ländliche Produktion. Das aber ist gleichzeitig ein Schritt weiter auf der Linie der sozialistischen Entwickelung! Heute handelt es sich nicht um die Festsetzung von Einzelheiten, sondern lediglich darum, daß wir im jetzigen Stadium unserer ökonomi- scheu und Parteientwickcluuz mit der bisherigen Stellung zur Agrarfrage nicht mehr ausreichen, daß wir ihr die gleiche intensive Aufmerksamkeit wie der Jndustriefrage zuwenden müssen, und daß positives Vorgehen durch Vorschlag von gesetzgeberischen Maßregeln nothwendig ist. Das eingehende Studium des massen- hast vorliegenden Materials zur Agrarfrage ist Sache des Agrar- Ausschusses. Die Gelegenheit für unser Vorgehen ist gerade jetzt sehr günstig. Die wachsende Nervosität unserer Gegner, der Anti-Umsturzrummel ist der beste Beweis dafür, daß sie fürchten, ihren letzten Halt, die Bauernschaft, aus den Händen zu ver- lieren. Wir können unseren Gegnern keine bessere Antwort geben, als daß wir unsererseits zum Angriff gegen ihren festesten Hort schreiten und das letzte Bollwerk ihrer Herrschaft erschüttern. Verstehen wir die Lage und zeigen wir uns ihr gewachsen, paaren wir die Klugheit mit der Energie und den Eifer mit der Wohlüberlegenheit, und wir werden einen Riesenschritt zn unserm Ziele thun.(Stürmischer Beifall.) Schluß 7>/z Uhr. Berichtigmigc». Unsere Berichterstatter vom Parteitage ersuchen uns, die folgenden Ungenauigkeiten in der Bericht- erstattung richtig zu stellen. Die Rede Timm's in der Sitzung vom 22. d. M. soll mit den Worten beginnen: „Der Antrag hat in der That„keine"(und nicht„eine") per- sönliche Spitze". In der Sitzung vom 2Z. d. M. soll es in der Rede Schleicher's(Metz) heißen:„Ter Antrag 95 ist schon aus diesem Grunde„abzulehnen"(nicht:„anzunehmen"). Endlich; bittet Jahn-Berlin III seine Worte in dem Berichte über die Sitzung vom 22. d. M.:„Ich bin nicht für Einschränkung der Gehälter.. durch die folgenden in unseren Depeschen nicht enthaltenen Worte zu ergänzen:„wie dieselbe in dem Antrag der Genossen des 1. Berliner Wahlkreises zum Au s d r u ck gekommen ist." Im übrigen habe ich erklärt,- daß einzelne Gehälter entschieden zu hoch und den Leistungen nicht angemessen sind u. s. w. Wenn jemand, wie Auer, angeblich mit Arbeit überlastet ist, möge man einen neuen Posten schaffen, wenn er nothwendig erscheint._ lokales. Die Listen der boykottfreien Gastwirthe und Nestau- rateure, die am Sonnabend wieder insgesammt veröffentlicht werden sollen, müssen infolge technischer Ver- änderungen bis spätestens heute Vormittag 11 Uhr in der Druckerei M. Babing, Beulhstr. 2, Hof 3 Tr.. abgegeben sein. Spätere Zustellungen können für die Sonnabend» Nummer auf keinen Fall berücksichtigt werden. Die Spreckstnnde des Nechtsanwalt» wird heute. Frei- tag Abend von 7>/2 bis 8�/2 Uhr abgehalten. Der Verein der Saalbesiyer hat sich konstituirt. DaS heißt in der gestern Nachmittag bei Joel abgehaltenen Versamm- lang hat man sich einen Vorstand zugelegt; die Statuten sollen später berathen werden. Voraus ging dieser Wahl eine Debatte voll Heulen und Wehklagen über die„Unverschämtheit" der geldbedürstigen Kollegen einerseits und über das langsame und wenig zuverlässige Arbeilen der Kommission und der Rechercheure andererseits. Wir wollen auf das Wehklagen mit einigen Worten eingehen. Es sei jetzt kein Boykott mehr, sondern nur eine nackte Geschäflspolitk, meinte Herr I a k 0 b y, der über die gescheiterte» Ausgleichsverhandlungen berichtete. Bei Begründung dieser An- ficht bezog er sich in wenig glücklicher Weise auf die Calwer'sche Broschüre und— auf den Parteitag der Sozialdemokratie. „Die Saalbesitzer müßten jetzt eine abwartende Stellung einnehmen, hoffentlich würden ihre Bestrebungen, die Sozialdemokratie zu untergraben(!) nun auch von den bürgerlichen Parteien mehr gewürdigt". Dem wackeren Herrn Jakobi sekuudirte Herr Feuerstein, welcher diesmal sehr aufgeregt war und recht scharfe Worte auch gegen diejenigen seiner Kollegen richtete, die die Kommission anzapften. So war z. B. ein Herr Birk freimüthig genug, zu erklären, daß das Vertrauen merklich erschüttert sei, und Herr B r 0 ch n 0 w, Sebastiaustraße, gab mit bewegter Stimme die Versicherung, daß, seit der Verein Berliner Buchdrucker sein Lokal verlassen, ein Ersatz nicht einmal an- nähernd gefunden sei.„Wenn ich keine Hilje bekomme, muß ich meinen Saal öffnen," schloß er seine Rede. Herr Feuerstein replezirte darauf, daß man jetzt nicht zurück könne. Die Ar- beiter würden ja die Säle doch nicht in Benutzung nehmen, wegen der Biersperre nämlich; überdies sei es nicht schön, daß die Kommission so furchtbar„angegrault" würde. Ein anderer Redner meinte, man solle Herrn Jakobi, der sich so furchtbar warm für die Interessen der Wirthe ins Zeug ge- legt habe, auf den K n i e e n danken! Das geschah freilich nicht, aber durch die Häkeleien wurde wenigstens bekannt, daß die gesammte verfügbare Summe ca. 80 000 M. betragen haben soll, wovon 40 000 ausgegeben find. Mit scharfen Worten wies Herr Moses nun daraus hin. daß die von den Brauerei- Millionären gewährte Unterstützung doch gar zu winzig sei; seine Kollegen in Friedrichsfelde bereuten jetzt allesammt, ihre Unterschrift gegebe» zn haben. Man hätte nicht sperren, sondern, was man jetzt betone, sich blos vereinigen sollen. Wenn auch vom Vorstandstisch die möglichste Abschwächung versucht wurde, ließ sich der Eindruck derartiger Reden doch un- schwer verkennen. Nach Angabe des Vorsitzenden sollen 150 Reverse mit Unterschristen eingelaufen sein. Der Besuch der Versammlung war aber recht schwach: es mögen höchstens 30 Personen bei einander gewesen sein, die dann in aller Eile Herrn Schnegels- berg mit dem ersten Vorsitz betrauten und in gleicher Weise ihm noch zehn wackere Männer zur Seite stellten.— Wie man boshafter Weise bemerkte, ist die H a s e n h a i d e nur deshalb so stark im Vorstande vertreten, weil jene Wirthe im Winter nichts zu riskiren haben. Zur Lokalliste. Boykottfreies Bier wird vom Gastwirth Preukschat. Bürgerheim, Frankfurter Chaussee, geschänkt. Teschner. Gollnowstr. 6. erklärt, daß er kein Boykottbier schänke, es ser bei ihm nur einmal bei festlicher Gelegenheit ein Faß Pilsener verzapft worden. Der„Verein für Kinder-Volköküchen", der im No- vember 1883 seine erste Küche eröffnete, nahm bekanntlich von Anfang an insofern eine von anderen„wohlthätigen" und„ge- mcinnutzigen" Vereinen abweichende Stellung ein, als er mit ziemlich rücksichtsloser Deutlichkeit aus die Roth der Proletarier- kinder Berlins hinwies und offen erklärte, daß hier Taufende dieser Kinder buchstäblich hungern müßten. Dieses Verhalten — das übrigens nock keineswegs einen Beweis für die wirkliche Erkenntniß der Nothlage und für eine ehrliche Absicht zu helfen bildet, sondern auch dem Wunsche, durch sensationelle Mittheilungen Mitglieder und Geld heranzubekommen, entstammen kann rief sehr bald in der bürgerlichen Presse Widerspruch hervor. So starke Ausdrücke war man von solchen Vereinen nicht gewöhnt.' Daß die unterschiedlichen Vereinsvorstände in ihren Aufrufen, Jahres- berichten u. s. w. allgemein von Roth und Elend sprechen, das schien allenfalls erträglich. Aber dieser Verein lieferte ja direkt der bösen Sozialdemokratie Material zu ihren Angriffen auf die bestehende Gesellschaftsordnung! Tagegen mußte auf- getreten werden. Aber der„Verein für Kinder-Volksküchen" behielt, unbekümmert um diese Angriffe, seine scharfe Tonart bei und mahnte sogar den ganzen Sommer hindurch an den Uraniasäulen mit seinem weithin sichtbaren Aufruf:„Ge- denket der hungernden Kinder!" In der General- Ver- sammlung, die am Dienstag stattfand. ist nun endlich ein Slrasgericht über den Vorstand abgehalten worden. Der Vorsitzende Abraham berichtete, wie uns mitgetheilt wird. in wiederum etwas starken Ausdrücken über die Roth der Prole- tarierkinder und die Maßregeln des Vereins dagegen, bezeichnete de» städtischen Zuschuß(1500 M.) als zu gering und erklärte die Privatwohlthätigkeit(im Gegensatz übrigens zu seinem früheren Standpunkt!) als bei weitem nicht ausreichend. Da erhob sich der Stadtverordnete W i t k 0 w s k i und„hielt sich für ver- pflichtet", zu konftatiren, daß Herr Abraham zu grell gemalt habe, und daß die städtische Armenverwaltung, so weit es ihre Kräfte erlaubten, ihre Pflicht in vollstem Maße thue. Er sei dem Verein, dem er als Mitglied angehöre, nicht feind- lich gesinnt, aber er müsse die Kommune ihm gegenüber ganz entschieden vertheidigen. Der Verein solle die Kommune mit weiteren Ansprüchen verschonen und Hilfe bei der Privatwohlthätigkeit suchen. Aehnlich. aber etwas weniger bestimmt, äußerte sich der Stadtverordnete Langenbucher, der ebenfalls Vereinsmitglied ist. Beide, Witkowski und Langenbucher, wetterten gegen die Männer, die das Geld verkneiptcn und Frau und Kinder im Stich ließen. Langenbucher wärmte unter anderem auch die alte Sache auf, daß Bau-Arbeiter einstmals Droschke erster Klasse vomBau nachHause gefahren seien. In ähnlicher Weise sollen, wie uns unser Gewährsmann mittheclt, noch einige andere Redner der Armenverwallung Beifall gespendet haben. Dem gegenüber wollen wir konftatiren, daß die Herren Witkowski und Langcubuchers den Aufruf mit unterzeichnet haben, in dem es hieß:„Es ist festgestellt, daß täglich Tausend« von Kindern ungenügendes oder gar kein warmes Essen erhalten, weil die Eltern ohne jeden Verdienst, oder die Mutter. um zu erwerben, außerhalb des Hauses arbeitet, oder durch Krankheit behindert ist, zu kochen." Wenn die Herren jetzt eine andere Ansicht vertreten, so entspricht das ganz dem ver- änderten Wind, der seit einiger Zeit von der Armen« Verwaltung her weht. Man ist wieder einmal entschlossen, fcfn„übertriebenen" Forderungen, die an die Armenvenvaltung gestellt werden, entschiedener als bisher entgegenzutreten. Hat Herr Wilkoivski, der seine Thätigkeir in der Armenverwaltung hervorhob und sich einer besonderen Kenntniß der Verhältnisse rühmte, die Anregung zu seinem Austreten gegen den Verein aus sich selbst oder von anderer Seite empfangen? Der Geist ist willig, aber daS Fleisch ist schwach. Von der Berliner Bock-Brauerei erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 248 Ihres Blattes bringen Sie einen Artikel über Herrn Rösicke in die bürgerliche Presse, in welchem Sie unter Anderem wörtlich schreiben, daß der B i e r- M o l o ch Rösicke, der nun schon 5 Brauereien und 2 Mälzereien verschlungen, „im Geheimen" auch den„Bock" in seine Gewalt gebracht habe. Eine solche Notiz könnte nun den Glauben erwecken, daß das� bereits vor 1>/z Jahren künstlich genährte Gerücht, von einer Fusion der Bockbrauerei mit der Schultheiß Brauerei sich er- füllen sollte und dagegen wollen wir uns energisch verwahren. Wir ersuchen Sie ebenso höflich wie dringend, unsere Erklärung dahin aufzunehmen,„daß weder der Au s s i ch t s r a t h noch die Direktion daran beuten, die B o ck- brauerei jemals mit der Schult Heiß-Branerei vereinigen zu lassen". Hochachtungsvoll Berliner Bock-Brauerei Aktiengesellschaft. Die Direktion: C. Röhrig. Max Müller. Was hier aus unseren humoristisch gehaltenen Artikel von der Bockbrauerei erwidert wird, glauben wir sehr wohl. Direktion und Aufsichtsrath der Berliner Bockbrauerei bleiben höchstwahr- scheinlich gern, was sie sind und widerstreben aus vollem Herzen einer Vereinigung mit der Schultheiß-Brauerei. Aber der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach— die Dividende der Schultheiß-Brauerei betrug 1892 15 pCt. und die Dividenden der Bockbrauerei bewegten sich schon seit einer Reihe von Jahren um Null herum. Tie leidigen Gesetze der wirthschastlichen Entwickelung bringen es einmal so mit sich, daß— mit oder ohne Willen der Aufsichtsräthe und der Direktion am Tempelhofer Berge— unter solchen Umständen nicht allein der„Vorwärts", sondern auch Herr Rösicke sehr anzüglich werden muß. Eine moralische Betrachtung. Zum Fall des Gen- darmen Höppner in Rixdorf macht das amtliche „Teltower Kreisblatt" an hervorragender Stelle folgende Be- merkungen:„In heutiger Zeit, in welcher die Stellung und Amtsführung der Sicherheilsbeamten ohnedies eine äußerst schwierige ist, haben dieselben die strengste Pflicht, durch ei» absolut korrektes Benehmen sowohl innerhalb wie außerhalb ihres Dienstes für die unbedingt noth- wendige Achtung, die ihrer Person und ihren Obliegen- heilen gebührt, mit peinlichster Aufmerksamkeit Sorge zu tragen. So sehr die vorgesetzten Behörden in anbetracht der schwierigen Lage, in der sich die dienstausführenden Organe fast unausgesetzt besinden, stets bemüht sein werden, dieselben in ihrer Stellung gegen ungerechtfertigte Vorwürfe und Beschwerden möglichst zu sichern, ebenso sehr sind diese Behörden aber auch von der Auf- fassung durchdrungen, daß sie den Schutz des Publikums gegen Uebergriffe der Exekutivbeamten nicht aus den Augen verlieren dürfen. Dem Vernehmen nach ist der Gendarm Höppner bereits vom Amte suspendirt und die Untersuchung gegen ihn eingeleitet." Die Saalbesitzer in Pankow, deren man einschließlich der Saalverweigerer nicht weniger als neun zählt, erhielten in de» letzten Tagen folgende- Schreiben: Amtsvorsteher zu Pankow. Pankow, den 20. Oktober 1894. Infolge Verfügung des königlichen Landraths Herrn von Waldow vom 19. d. M.. betreffend öffentliche und Privat- lusibarkeiten an Sonnabend Abenden, lade ich Euer Wohl- geboren zur Theilnahme an einer am Mittwoch, den 24. d. M., Nachmittags 5 Uhr, im hiesigen Amtshause, Breitestr. 5 stattfindenden bezüglichen Verhandlung hiermit ein. Der Amtsvorsteher. An Gottschalk. den Restanrateur Herrn... hier." Nichts Gutes ahnend, begaben sich die Geladenen nach dem Amtshause, wo ihnen, wie verlautet, die Mittheilung wurde, daß in Zukunft in betreff der Genehmigung von Vergnügungen im allgemeinen Strenge walten solle. Oeffenlliche Ver- gnügungen sollen von der Genehmigung des Landraths (nicht des Amlsvorstehers) abhängig sei», welcher solche für die Sonnabend Abende nicht mehr genehmigen würde. Dagegen sollen Vereine und geschloffeneGesellschaften diese Genehmigung nach wie vor erhalten, aber— sobald nachweisbar Eintrittsgeld er- hoben wird, sollen der Wirth und der Veranstalter unnachsichtlich bestraft werden. Die Eröffnungen erregten, wie weiter berichtet wird, bei den Saalbesitzern lebhaften Unwillen; es soll nicht an Hinweisen darauf gefehlt haben, daß das Geschäft zum Winter so wie so ein schlechteres werde und die Steuerbehörde nichts danach frage, ob es möglich sei, den Verpflichtungen nachzu- kommen. Zum Schluß verlautet noch, daß einer der Haupt- Helden unier den Saalverweigercrn sich nicht habe versagen können, in der Verhandlung unbegründete, dennnziatorische Seiten» hiebe gegen diejenigen seiner Kollegen, welche den Sozialdemo- traten ihre Säle zur Verfügung stellen, auszutheilen. Die Zahl der Eheschließungen ist in Berlin im Jahre 1892 weiter gesunken, von 17 810 in 1890 und 17 649 in 1891 auf 16 999 in 1892. Vergleicht man sie mit der mittleren Bevöl- kerungszahl, so heirathelen 1890: 23,00, 1891: 22,04, 1892: 20,76 pro Mille der Bevölkerung. Von 1879—90 war der pro- Millesatz gestiegen. Der nach 1690 eingetretene neue Abfall ist so stark, daß der pro-Millesatz in 2 Jahren beinahe wieder auf den Stand von 1883 zurückgegangen ist. Selbst die absolute Zahl der Eheschließungen ist in diesen 2 Jahren, wie oben erficht- lich, nicht unbeträchtlich zurückgegangen. Der Hauptanlheil an diesem Rückgang kommt augenscheinlich auf die Arbeiterbevölke- rung. Das„Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin" bringt «ine Gruppirung der Heiralhendcn nach Berufsklaffen. Leider können darin„Selbständige" und„Unselbständige" nicht gesondert aufgeführt werden. Man kann daher nur bei den Gruppen „Arbeiter ohne nähere Angabe" und„Persönliche Dienstleistung" mit Sicherheit wissen, daß es sich ausschließlich um Arbeitnehmer handelt. Tie Zahl der Heirathenden Männer ist von 1891 zu 92 zurückgegangen bei den Gruppen: „Arbeiter ohne nähere Aug." von 2656 auf 2512, also um 144, „Persönliche Dienstleistung"„ 1223„ 1019,„„ 204. Das macht zusammen einen Rückgang von 344, während der Rückgang für alle Berufsklassen zusammen sich auf 650 be- läuft. Ausschlaggebend sind die Arbeitnehmer natürlich auch in den meisten anderen Berufsklassen. In den Gruppen„Metall- Verarbeitung",„Bekleidung" und Reinigung",„Baugewerbe" und„Sonstige Gewerbe", die zu den stärksten gehören, ist die Zahl der heiralhenden Männer von 1891 zu 92 ebenfalls de» trächtlich zurückgegangen, nämlich: „Metallverarbeitung" von 1563 ans 1442 um 126. „Bekleidung und Reinigung"„ 1565„ 1548„ 17. „Baugewerbe"» 1356„ 1297„ 59, „Sonstige Gewerbe'„ 2443„ 2222„ 221, Zieht man noch das Jahr 1890 zur Begleichung heran, so rrgiebt sich, daß bei einigen dieser Gruppen bereits von 1890 zu 1891 ein namhafter Rückgang stattgefunden hatte, z. B.„Metallverarbeitung" um 135,„Baugewerbe" um 51, „Sonstige Gewerbe" um 255. Im„Baugewerbe" zeigte sich sogar schon von 1339 zu 90 ein Rückgang um 99 Eheschließungen. Bei den Arbeiterinnen zeigte sich naturgemäß dieselbe Er- scheinung. Die Zahl der Heirathenden Frauen ging von 1391 zu 92 zurück bei: „Arbeiterinnen ohne näh. Angabe" von 2069 auf 2020, um 49, „Persönliche Dienstleistung"...„ 4321„ 3954,„ 367, „Bekleidung, Reinigung"....„ 5793„ 5433,„ 360. Auch hier hatte bereits von 1830 zu 91 ein Rückgang statt- gefunden, um bezw. 34, 40 und 95 Eheschließungen. Die Ur- fachen dieser Erscheinung wird man hauptsächlich in zwei Um- ständen zu suchen haben, einmal in der wachsenden Un- sicherheit des Erwerbes, die die Lust zum Heirathen natürlich nicht gesteigert haben wird; sodann aber auch darin, daß bei den oben angeführten Berufsklaffen der Zuzug nach Berlin, falls man das aus den polizeilichen Meldungen ge- wonnene Zahlenergebniß als annähernd zuverlässig ansehen will, nach 1390(bei„Baugewerbe" und„Bekleidung, Reinigung" sogar schon nach 1389) erheblich nachgelassen hat. Dem letzteren Umstände wird man jedoch kein ausschlaggebendes Gewicht beimessen zu dürfen, da auch im ganzen Deutschen Reiche der pro Millesatz der Eheschließungen, nachdem er bis 1390 ziemlich gleich- mäßig gesttegen war, 1391 stehen geblieben und 1892 zurückgegangen ist, woraus aus eine allgemein wirkende Ursache geschlossen werden muß. Woher der sogenannte Zlrbcitermangel ans dem Lande? Zu Beginn der kältere» Jahreszeit, wen» das Elend in der Großstadt dem fetten Bürger einmal unversehens auf die Zehen tritt, ertönen in den Spalten der arbeiterfeindlichen Presse geschäftig und vorlaut die Klagen über den Arbeiterinangel auf dem Lande. Auch in diesem Herbst geht der einstudirte Jammer wieder los und es wird jetzt, was sonst selten geschieht, sogar positiv gemeldet, daß es wegen Arbeitermangel nicht möglich sei, die Rübenernte auf den Charlottenburger Rieselfeldern bei Karolinenhöhe zu Ende zu führen. Aber es fehlt zum Glück in der Mittheilung nicht an einem offenen Grund, warum die schönen Rüben vielleicht elend verkommen müssen. Zu dieserArbeitwerdennämlichweibliche Personen gebraucht, die pro Tag 1,20 M. verdienen.„Bisher haben die Frauen, welche sich zu dieser Beschäftigung meldeten, immer nur wenige Tage dabei ausgehalle», dann sind sie nicht wiedergekommen. Gestern war nicht eine einzige Arbeiterin zur Stelle." Die Sache ist also einfach so, daß man Frauen für einen Lohn, mit dem man sich ehrlich höchstens wie ein Vieh nähren kann, eine Beschäftigung zumuthet, der ihre Körperkräfle bei weitem nicht gewachsen find. Wir möchten wissen, ob auf den Rübenfeldern auch noch die Frucht liegen bleiben müßte, wenn man rüstigen Männern einen halbwegs auskömmlichen Lohn zahlte? Man biete einmal 4 oder 5 M. pro Tag und mit dem Mangel an Arbeitskrästen würde es, wenn auch aus Kosten der Rübenbarone, gar bald ein Ende haben. Zeugen gesucht. Bei der stattgehabten„Landwirthschaft- lichen Ausstellung" im Treptower Park wurde die polizeiliche AufsichtSthätigkeit durch Gendarmerie ausgeübt. An dem Haupt- eingange zur Ausstellung stand ein Gendarm, der sich insbeson- dere mit den Fuhrwerken, welche Personen brachten, beschäftigte. Derselbe ordnete— wie von belheiligter Seite versichert wird— an, daß, wenn mehrere Fuhrwerke hintereinander kamen und die Fahrgäste des vorderste» Wagens noch nicht ausgestiegen waren, das nachfolgende Fuhrwerk nicht hinter, sondern neben dem ersten, und zwar im tiefsten Schmutz, aufzu- fahren habe. Alle Vorstellungen, daß die Fahrgäste an dieser Stelle doch nicht aussteigen könnten, sollen nichts gefruchtet haben. Ein Droschkenkutscher, welcher den betr. Gendarm auf das fast Unmögliche hinwies und sein« Fahrgäste an einer trockenen Stelle absetzte, hat deswegen eine Anklage und zwar wegen Beleidigung des Gendarmen erhalten. Im gcricht- lichen Termine soll dieser unter seinem Eide bestritten haben, daß auch andere Kutscher ihn wegen der Unaussührbarleit seiner Anordnung zur Rede gestellt haben. Das Gegentheil soll aber durch viele andere 51utscher bewiesen werden können, weshalb alle diejenigen, welche aus eigener Wissenschaft und persönlich Kenntniß von obigen Vorgängen haben, gebeten werden, sich un- verzüglich im Bureau des Vereins Berliner Droschkenkutscher, Schlltzenstr. 53, zu melden. lieber den Selbstmordversuch eine» Rekruten vom 4. Garde-Regiment zu Fuß wird berichtet: Am Dienstag Morgen um 4>/« Uhr kurz vor dem Wecken, während in der Kaserne des 4. Garde-Regiments zu Fuß noch alles im Schlafe lag. fühlte ein Grenadier, dessen Bett neben demjenigen des Rekruten Fröbe steht, daß sich ein heißer Blutstrahl über ihn ergoß. Er wurde dadurch wach und gewahrte, daß Fröbe, der aus Langensalza stammt und erst in diesem Monate eingestellt worden ist, ein Rasirmeffer in der Hand hielt, mit dem er sich einen tiefen Schnitt in die linke Seite des Halses beigebracht hatte. Es wurde sofort Lärm geschlagen; ein Lazarethgehilfe legte einen Nothverband an. und der Verwundete wurde auf höhere Anordnung nach dem Garnisonlazareth I in der Scharnhorstslraße gebracht. Der ihn behandelnde Stabsarzt Dr. Brecht von demselben Regiment hat trotz des sehr bedenklichen Zustandes des Soldaten die Hoffnung, ihn am Leben zu er- halten. Ueber den Beweggrund zu der schaurigen Tbat ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Fröbe ist noch nicht vernehmungs- fähig. Für den Fall der Wiederherstellung ist der Unglückliche bei einem solchen Vorfall schlimmer daran, als jede Zivilperson. Er wird sicherlich bestraft und wenn seine Dienstfähigkeit in Frage gezogen wird, wohl nicht besonders leicht. Ein Opfer der Kapitalistenhumanität. Pekuniäre Sorgen haben den in der Großen Franksurterstraße wohnhaften Verwalter Ehrlich in den Tod getrieben. E. war früher in der Fabrik einer hiesigen Elektrizilälsgesellschaft als Meister an- gestellt gewesen und aus seiner Stellung vor etwa einem Jahre — angeblich wegen zu hohen Alters— entlasse» worden. Da es ihm natürlich nicht gelang, sich eine lohnende neue Stellung zu schaffen, so traten pekuniäre Sorgen bei dem von seinem früheren Ausbeuter auf die Straße gestoßenen E. heran, die auch nicht gehoben wurden, als der 60jährige Mann einen kleinen Verdienst von dem Berliner Handwerkervcrein erhielt. Nachdem sich nun vor kurzem die einzige Tochter des E. ver- heirathet— seine Frau war bereits vor 2 Jahren gestorben— und E. sein Kind versorgt wußte, zog der einsame Mann es vor, seinem Leben ein Ende zu machen.-- Gestern wurde er erhängt in seiner Wohnung aufgefunden. ES giebt keinen Rothstand! Ein Bild großstädtischen Elends entrollte sich in der Nacht zum Mittwoch am Tempelhofer Ufer in der Nähe der Belle-Alliance-Bnicke. Als mehrere junge Leute aus einer fröhlichen Gesellschaft den Weg nach Hause antraten, hörten sie klägliche Laute und darauf die Worte:„Lieber Fritz, ick bin Dir ja so gut." Sie gewahrten dicht am Wasser in Begleitung einer Frau einen Mann, der sich seiner Kleider zum Theil entledigt hatte und augenscheinlich im Begriffe war, in die Fluthen zu springen. Daran suchte ihn die ängstliche Ehefrau durch herzzerreißende Bitten zurück- zuhalten. Es dauerte nicht lange, bis sich noch mehr Zuschauer gesammelt hatten, und auch ein Nachtwächter und ein Schutz- mann eintrafen. Der Mann schilderte nun, daß er seit mehreren Monaten vergebens nach Arbeit gesucht habe, und jetzt kürzlich mit Frau und Kindern aus der in der Kursürstenstraße belegenen Wohnung exmittirt worden sei. Der Wächter war der erste, der eine Sammlung für die nothleidende Familie in Vorschlag brachte, zu der er die eben erst vereinnahmten 20 Pf. beitrug. Dies Beispiel wirkte, auch alle übrigen Personen trugen ihr Scherflem bei, bis das Ehepaar etwa 10 M. vereinnahmt hatte. Dann nahmen die beiden Beamten den sich noch immer sträubenden Mann mit fort. Es soll sich um eine Familie Krüger Handel». Der brave Wächter ist noch nicht bekannt. Selbstmord verübt hat in seinem offenen Geschäft im Keller des Hauses Soldinerstr. 26 der 42 Jahre alte Barbier und Bürstenmacher Emil Kirchhoff. Als Kunden am Mittwoch Nach- mittag um 1 Uhr den Raum betraten, fanden sie den Geschäfts- inhaber an einer Latte hängend als Leiche auf. Auch hier sollen Nahrungssorgen die Ursache des Selbstmordes gewesen sein. Bon einem jähen Tode ereilt wurde vorgestern einAnstreicher der Artillerie- Werkstatt zu Spandau. Als derselbe soeben sein Vesperbrot aufgezehrt hatte und sich wieder zur Arbeit begeben wollte, brach der Unglückliche zusammen, indem ihm ein Blut- ström aus dem Munde hervorquoll. Zwei Kollegen suchten ihn aufzurichten, nahmen aber zu ihrem Schreck wahr, daß sie es mir einem Tobten zu thun hatten. Ein Lungenschlag hatte seinein Leben ein Ziel gesetzt. Brandverletzungen erlitten sieben Personen bei einem Feuer, welches in der vorgestrigen Nacht in der Lichten- bergerstraße in Weißensee stattfand. In der genannten Straße befindet sich die isolirt belegene Schweden'sche Windmühle, in welcher bis am späten Abend des Dienstages flott gearbeitet wurde. Um 11 Uhr Nachts begab sich der Mühlknappe mit der brennenden Petroleumlampe in der Hand nach seiner in der Mühle belegenen Schlafkammer. Als der junge Mensch im Begriff stand, die Thür dazu zu öffnen, entfiel ihm die Lampe, deren sofort in Brand gesetzter Inhalt sich über den Fußboden ergoß. In wenigen Minuten stand die Windmühle in Flammen und der junge Mann erlitt, als er der feurigen Lohe. die ihn rings umgab, zu entrinnen suchte, erhebliche Brand- wunden. Ten Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr Weißen» see's gelang es nicht, die brennende Mühle, deren Feuerschein im nordöstlichen Viertel Berlins weithin sichtbar war, zu retten. wohl aber erlitten bei den Ablöschungsversuchen sechs Mann der Feuerwehr durch brennende Trümmer Brandverletzungen. Die Windmühle brannte mit ihrem Inhalt total nieder, wodurch dem Besitzer, welcher nicht voll versichert ist, ein Schaden von ca. 20000 Mark entstanden ist. Todtgefahren wurde am Mittwoch Nachmittag um 4 Uhr in der Georgensirabe nahe am Bahnhof Friedrichstraße der Handelsmann Karl Pötsch aus der Tieckstr. 2. Eine noch nicht ermittelte Droschke 2. Klasse stieß ihn um und fuhr ihm über den Leib. Pötsch wurde noch lebend nach einem Krankenhause gebracht, ist dort aber am Donnerstag Morgen gestorben. Polizeibericht. Am 24. d.M. fiel der Bauwächter in dem Neubau Danzigerstraße 23 von der Treppe und erlitt eine Ver- letzung am Kopfe.— Mittags wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Soldinerstraße, erhängt vorgefunden.— Auf einem Neubau in der Scheringstraße wurde Nachmittags ein Steinträger durch einen aus dem ersten Stock herabfallenden Stein am Kopfe erheblich verletzt.— In der Georgenstraße wurde ein Mann durch eine Droschke überfahren und am Unter- leib erheblich verletzt.— Abends gericth auf der Kaiser- Wilhelmbrücke ein Arbeiter unter die Räder einer Droschke und erlitt eine bedeutende Quetschung der Unterschenkel.— Im Laufe des Tages fanden drei Brände statt. WitternngSlibersicht vom 25. Oktober 1894. Wetter-Prognose für Freitag, den 29. Oktober 1894. Ein wenig kühleres, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter mit etwas Regen und frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterburean. Gerickts�Bettmtg. Zu den Leuten, welche, wie man sagt, unter gewissen Um- ständen empfindlich sein können, gehört anscheinend auch der Gast- wirth Krüger, Reichenbergerstr. 1I5a, auf dessen Veranlassung sich seit gestern sieben Arbeiter vor dem Schöffengericht am Land- gericht I zu verantworten halten. Am 30. Juli gerieth K. mit einigen Personen, welche ringfreies Bier verlangten, in Diffe- renzen und entfernte sie schließlich gewaltsam auS seinem Lokale. Einer dieser Arbeiter, der zuletzt und freiwillig ging, vergaß sich so weit, dem Wirth einen Schlag zu versetze». Daraufhin wurde der Tischler E. mit sechs Kollegen wegen Hausfriedensbruch angeklagt. Daß er dem unhöflichen Wirth einen Stoß gegeben, bestritt E. keineswegs, er wehrte sich aber ganz entschiede» gegen die Annahme, daß er Hausfriedensbruch begangen habe, da er abseits von den übrigen Gästen gestanden und deshalb keinesfalls die Aufforverung des K., das Lokal zu verlassen, auf sich beziehen konnte. Gegen sechs Angeklagte konnte absolut nichts Belastendes vorgeführt werden. Die fünf Zeugen des Krüger konnten ebensowenig wie er selber diese Leute rekognosziren. Einige der Angeschuldigten kannten den Ort, wo Herr Krüger die Herrschaft ausübt, überhaupt nicht. Der Amts- anmalt ersuchte aus den Alten fest stellen zu lassen, wie diese sechs zu der Anklage gekommen seien; diesem Gesuch konnte der Stichler jedoch nicht entsprechen.— Wegen„gemeinschaft- lichen" Hausfriedensbruches und wegen Mißhandlung wurde E. darauf zu z w e i W o ch e» Gefängniß verurtheilt; die übrigen wurden nach dem Antrage des ÄmtSanivalts freigesprochen. Recht bezeichnend für den Rechtsbegriff vom grünen Tische war die Aeußerung des Vorsitzenden, der einen der Freigesprochenen auf die etivas vorwitzige Frage nach einer Entschädigung der Versäumniß dahin beschied, daß er zufrieden sein könne, daß er freigesprochen sei.„Nur nicht so etwas, wie frech werden— da haben wir sonst noch Mittel.. war die viel- versprechende Antwort. Auch eine Verrnfserklärung.„Die Ameise", das Organ de? Porzellanarbeiter-Verbandes, enthielt in Nr. 4 dieseS Jahr- gangs tinler„Vermischtem" einen Artikel zum Streik in Anna- bürg, worin die Namen derjenigen Porzellan-Dreher,-Maler jc. aufgeführt waren, welche während des Streiks der Annaburger Genossen in diesem Orte Arbeit genommen und damit gegen die Interessen der Arbeiterschaft verstoßen hatten. In dem Artikel hieß es dann weiter:„Mit Rücksicht auf die ohnehin schon vorhandene Erbitterung auf Seiten der Streikenden, nehmen wir Abstand, einige uns mit- getheilte Einzelheiten über die Qualität der Arbeitskräfte, sowie die moralische Beschaffenheit einzelner Streikbrecher anzu- führen. Wir nehmen vielmehr Veranlassung, unsere Genossen in Annaburg eindringlichst zu warnen und zu ersuchen, sich zu Aus- schreitungen irgend welcher Art nicht hinreißen zu lassen, so berechtigt auch der Unwille über solche Kollegen sein mag, die sich aus die Seite des Unternehmers stellen und dadurch helfen, eine Lohnreduzirung durchzudrücken. Genossen in Annaburg! Behaltet ruhig Blut! Alle Porpelliner aber werde» ersucht, soweit es in ihren Kräften steht, den Streikenden in ihrem Kampfe durch Fernhalten des Zuzugs, als auch durch pekuniäre Unterstützung helfend zur Seite zu stehen. = Es sind 89 Personen zu unterstüßen, darunter gegen 60 Ver- nicht die Rede sein. Der Angeklagte habe garnicht die Für die ausgesperrten Brauerei- Arbeiter gingen ferne heirathete! Die Streifenden sind einig und rechnen auf die Absicht gehabt, diese Leute zum Niederlegen der Arbeit zu ein: Aus der Vereinskaffe des Bügler- und Zuschneider- Vereins Solidarität der Genossen." zwingen und wenn der Amtsanwalt meine, das gehe aus dem Süd- Ost 10,-. Durch Adler vom Stat 1,-. Wahlverein Durch diesen Artikel sollte der§ 153 der Gewerbe- Ordnung Satz hervor, worin er die Zahl der noch zu Unterstüßenden auf Stralau Rummelsburg und Umgegend 75,- Zitherklub verlegt worden sein; die Staatsanwaltschaft erhob Anklage und 89 angab, so verweise er demgegenüber auf die Geschäftspraxis Gleichheit 20,-. Deutsche Wagenbauer Krankenkasse, Filiale hatte fich dieferhalb am 25. Oktober der verantwort- jedes Kaufmanns. So gut wie dieser sich versichere, wieviel Moabit 5,- Werkstatt Solms und Hußfeld 5,-. liche Redakteur der„ Ameise", Richard Jahn aus Waare er noch auf Lager, habe auch der Angeklagte als Beamter Gesammelt von Arbeitern der Sattlerwaaren- Fabrik Zender, Berlin, Dor dem Echöffengericht in Charlottenburg, dem seiner Gewerkschaft das Recht, festzustellen und bekannt zu geben, Alexandrinenftr. 23, 6,65. Ueberschuß vom ringfreien Bier, Orte des Erscheinens der Zeitung, zu verantworten. Jahn be- wie viel Streifende noch an dem oder dem Tage zu unterstüßen Spandauerstr. 30, 2. H. 14. Woche 3,60. Amerikanische Auktion stritt, durch die Veröffentlichung der Namen beabsichtigt zu waren. Ter Gerichtshof unter dem Vorsitz des Amtsrichters bei Tante Hulda, Ackerstr. 104, 1,05. Tischlerwerkstatt Franz Bernt haben, die Leute ebenfalls zum Niederlegen der Arbeit zu be- Deppe schloß sich der Ansicht des Vertheidigers an und er- 2,-. 4 lustige Brüder 2,50. Bei der Geburtstagsfeier vom rothen wegen, vielmehr sollen die Namen nur den Filialkassirern des fannte nach furzer Berathung auf tostenlose Frei Strumpfband 2,45. Andreas B. 7,20. Tischlerei von Batsch, Verbandes zur Kontrolle dienen, damit diese nicht etwa sprechung. Pallisadenstr. 34 4,70. Fachverein der Bilderrahmenmacher Streitbrecher an irgend einem Ort in den Verband aufzunehmen. Berlins und Umgegend 15,-. Geburtstagsfeier bei Wesse S.. Aus der zur Verlesung gelangende Aussage des in Annaburg 3,20. Gemüthl. Geburtstagsfeier Ackerstr. 92 1,75.§. 6. 1,-. zeugeneidlich vernommenen Einsenders der Namen, des Amerikanische Auktion einer Preßkohle bei Klinge 1,55. Porzellandrehers Dürschmidt, ging hervor, daß er erklärt habe, Ueberschuß vom Geburtstag durch Jos. Schmidt 1,80. Werkstatt Jahn nicht das Recht ertheilt zu haben, die mitgetheilten Jungnickel, Langestr. 109, 2,-. F. H. H. B. 2,20. Amerit. Der Bergarbeiterstreik in Schottland foll beendet sein; Auktion von 2 Harzer Käſen Gesangverein Vorwärts II 6,10. Namen zu veröffentlichen, er habe vielmehr durch Benennung der Streitbrecher nur einer Verwechselung mit anderen Personen die Unternehmer stellten sämmtliche Ausständigen wieder ein. Verband der Geschäftsdiener für einen Vortrag des vorbeugen und diese dadurch vor Benachtheiligung bewahren Ausgewiesen. Aus Rive de Gier( Frankreich) wird Genossen Wagner 5,-. Tellersammlung Friedenau Boykottwollen. Der Amtsanwalt, Referendar a. D. Südow, hob dem Wolf'schen Depeschenbureau gemeldet: Die drei deutschen versammlung 5,15. Arbeiter- Gesangverein„ Freies Lied" hervor, daß es verboten sei, jemand durch Ehrverlegung zur Be- Arbeiter, welche im September bezw. im Oktober verhaftet wurden, Friedrichsberg 4,62. Gesammelt Landsbergerstr. 41 bei Weber theiligung am Streit zu zwingen; er hielt die Anlage aufrecht weil sie von der Firma Richarme angeworbene ausländische Glas- 3 Gesangverein„ Einig" 2. Rate 10,-. Pfeifen- Rauchklub und beantragte einen Monat Gefängniß wegen Verarbeiter mit dem Tode bedrohten,(? R. d.„,.") sind ausgewiesen Eldorado, Pallisadenſtr. 66 bei Geier 5,-. Die Gürtler von Stoßes gegen§ 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung. Rechtsanwalt und an die Grenze gebracht worden. Mosert, Ritterstr. 78, außer Einem 8,50.. H. 3 Millarg Freudenthal hingegen bezweifelte, ob überhaupt die be100- M. treffende Nummer der Ameise" den Weiterarbeitenden zu Gesicht Summa 322,02 M. Bereits quittirt 14 335,42 M.; in gekommen sei, somit könne auch von einer Nöthigung derselben Summa 14 557,44 M. Für den Inhalt der Inierate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 26. Ottober. Opernhaus. Tannhäuser. Schauspielhaus. fungen. Wie die Alten Leffing- Theater. Die Schmetter lingsschlacht. Deutsches Theater. Die Kameraden. Berliner Theater. Die Here. Schiller- Theater. Ein Fallissement. Neuen Theater. Komödianten. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Vogelhändler. Residenz- Theater.( Théâtre libre.). L'école de Veufs. Les Fenêtres. Theater Unter den Linden. Dr pheus in der Unterwelt. Bellealliance- Theater. vom Erlenhof. Alexanderplats- Theater. botene Liebe. Die Else VerAdolph Eruft- Theater. Charley's Zante. Vorher: Die Bajazzi. Central- Theater. O! diese Berliner! National Theater. Gastspiel des fliegenden Serpentin- Ballets. Vorher: Der Raub der Helena. Gewerkschaftliches. Ernst Hübel Adolph Ernst- Theater unferem Statbruder Charley's Tante. Schwant in 3 Akten v. Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse in einem Att von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Mufit von Franz Roth. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morge::: Dieselbe Vorstellung. Alcazar Vaudeville- u. Variété- Theater Dresdenerstr. 52/53( City- Passage). Vornehmster Familienaufenthalt. Neu! Sensationell! Neu! Pusebach auf Korea. Neu! Geschwister Sarno. eur. Chong unde! Auftreten sämmtl. Spezialitäten. Entree: Wochent, 20 Pf., Sonntags 40 Pf. Anfang: Wochent. 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. R. Winkler. Circus Renz Carlstrasse. Reichshallentheater. Spezialitäten- Freitag, den 26. Oktober cr., Vorstellung. Apollo Theater. SpezialitätenVorstellung. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Vorstellung. Parodie Theater. Vorstellung. SpezialitätenSchiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Wallner- Theaterstrasse. Freitag, den 26. Oktober, Abends 8 Uhr: Ein Fallinement. Sonnabend, 27. Oktober, Nachmittags 3 Uhr Schüler Vorstellung. Der Menonit. Abends 8 Uhr: Ein Falliffement. Sonntag, 28. Oftober, Nachm. 3 Uhr: Der Meineidbaner. Abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Central- Theater Alte Jakobftrahe Nr. 30. Direktion: Richard Schulz. Emil Thomas a. 6. Anna Bäckers. Joſefine Dora. O! diese Berliner! Zum 56. Male: Große Posse mit Gefang und Tanz in 6 Bildern nach Salingre's Reise durch Berlin von Julius Freund. Mufit von Jul. Einödshofer. Kaffeneröffnung 612 Uhr. Anfang der Vorstellung 71/2 Uhr. Morgen und folgende Tage: 0, diese Berliner! National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Gastspiel des fliegenden Serpentin Ballets, arrangirt vom Balletmeister Géza Zinner. Vorher: Der Raub der Helena. Große Posse mit Gesang und Tanz in 5 Aften von Karl Peters. Regie: Mar Sam ft. Rassenöffnung 61/2 Uhr. Anf. 71/2 Uhr. Morgen: Gastspiel des fliegenden Serpentin- Ballets. Vorher: Die Weber. Schauspiel in 4 Aften. Sonntag: Doppelvorstellung. Gastspiel des fliegenden Serpentin- Ballets. Der Raub der Helena. Vorher: Die Weber, Schauspiel. Abends 71/2 Uhr: S3um 2. Male: Sensationell! Sensationell! Tjo Ni En ( Beim Jahreswechsel in Peking). ( Im Zeichen des Drachen), arrangirt und insc. v. Dir. Fr. Renz. In 2 Minuten die Manege zur Bühne verwandelt. Pracht- Ausstattung. Glänzende Lichteffekte. Gr. 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Oktober Nachmittags 3 Uhr vom Augusta- Hospital( Scharnhorststr.) aus nach dem Freireligiösen Friedhof ( Pappel- Allee) statt. 297/3 J. A.: Der Vertrauensmann. F. Waschowski. Verband aller in der Metall- Industrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige! Alfénidewaaren( Eg.Fabr.) goldene u. silberne Uhren empfiehlt sich H. Gottschalk, Goldarbeiter und Uhrmacher, 37 Admiral- Straße 37 ( Eke Wallstr. 82 rahe Rohstraße) 931L* Uur Hüte mit Kontrollmarken. Grosse Auswahl in Schirmen. W. Wolff. Rohtabak. Grösste Auswahl. Billigste Preise. Formen, Bockfaçon, wieder vorräthig. Heinrich Franck, Brunnenr. 185, Kommandantenstraße Nr. 20. Säle und Vereinszimmer von 20-600 Personen. Rummelsburg. Hiermit erkläre ich öffentlich, daß die Arbeiterschaft, sowie die Bier- Kommission von mir hintergangen wurde, indem ich boykottirtes Bier ausschänkte, und die Entziehung des Boykott- Plakats für Recht anerkenne. Dieses gethan zu haben, erkläre ich ferner, daß ich von jetzt ab nur boykottfreies Bier führe und mich jederzeit der Kontrolle von der Kommission unterziehe. Hugo Bordt, Kantstraßen Ecke Nr. 2. Sauberstes, durch Maschinen hergestelltes Roggen brot der Genossenschafts- Bäckerei für Berlin und Umgegend E.G.m.b.H. 34. Müllerstr. 34. Achtung! Versende eine gute 5 Pfg. 3Bigarre mit Kontroll- Schuhmarke. Bei Ab nahme von 5/10 franko unter Nachnahme zum Preise von 16 Mart. Am 24. d. Mts. starb unser lang Reelle Bedienung. Bitte bei Bestellung jähriges Mitglied, der Dreher anzugeben, was für eine Façon, mittel oder groß. Albert Schaaf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachm. 3 Uhr, vom Augusta- Hospital, Scharnhorststraße, aus nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 173/11 Der Vorstand. Parteigenossen des 6. Sozialdemokr. Wahlvereins! Todes- Anzeige! 416b Richard Schiemenz, Bigarrenfabrik, Spremberg N.-L. Bitte lesen Sie! 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Oktober, Nachm. 3 Uhr, vom = Auguſta Hoſpital( Scharnhorststraße) ( Pappel- Allee) flatt, eligiösen Fried statt. 283/17 Der Vorstand. Neue freie Volksbühne 254L* Albin Grüger, Uhrmacher, Oranienstr. 1, Berlin SO. Nickel- Cylind. Remont. von 5 M. an. Silberne Goldene Damen- Remont. im Central- Theater, Alte Jakobstr. 30, Goldene Herren- Remont. Sonntag, 4. nov., 2/2 Uhr, I. Abthlg., Getr. filb. Cylinderuhren 12 " " " 22 " " " 36 " " 3 " " " 16 " " " Möblirtes Zimmer, sep., an Herrn oder Dame zum 1./11. billig 3. verm. Landsbergerstr. 13, Quergeb. part. r. Theilnehmer z. möbl. Zimmer, sep., Pr. 10 M., Holzmarktstr. 73, 4£ r. I, Möbl. 574b bl. Zimmer an 1 auch 2 Herren 3offenerfir. 36, v. 2 Tr. r. Arbeitsmarkt. Kaufmann ( Buchhändler), 3. 3. in einem Parteis Sonntag, 11. Nov., 21/2 Uhr, II. Abth.: Regulateure m. Schlagw. Einsame Menschen Wanduhren, Nickel- Wecker, Ketten 2c. unternehmen in Stellung, wünscht sich per 1. Januar 1895 oder später zu vers ändern. Sehr gute Zeugnisse und von Gerhart Hauptmann. Dienstag, 30. Oftober 8 Uhr: Gardinen- Fabrik Gardinen- Fabrikeferenzen. Offerten sub Generalversammlung „ Kaufmann" Sanssouci, Rottbuserfir. 4a. Da die künstlerischen Ziele des Vereins gefährdet sind, werden sämmtDie Fabrit von Cohn u. Friedliche Mitglieder dringend um ihr Er: Großes Lager gestickter und engl. Tüllgardinen, Stores, weiß und creme. Große Auswahl in Sopha-, Tisch- und Bettdecken, auch im Ginz. z. den billigst. Fabrifpreisen. länder, Stralauerstr. 58, ist wegen der scheinen gebeten.- Es wird ausbrück- E. Knape aus Eutsch i.Sachsen Berlin N., Brunnenstr. 21, pt. durch die Exped. d. Bl. 9492* Für die Berliner Leser liegt der heutigen Nummer unseres Blattes die geftrige Gewinnliste der preuß. Lotterie bei. lich hervorgehoben, daß nur diejenigen vorgefommenen Angriffe auf die Sitt- Mitglieder Zutritt haben, welche die lichkeit gesperrt. neue Mitgliedskarte vorzeigen können. Verantwortlicher Redakteur: J. Dierl( Emil Roland) in Berlin. Drud und Verlag von Maz Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 250. Freitag, den 26. Oktober 1894. Arbeiter! Parteigenoffen! 11. Jahrg. Die Verhandlungen wegen Beendigung des Bierboykotts find abgebrochen worden, weil die Ningbrauereien eine Bedingung stellten, deren Annahme mit der Ehre der Arbeiterschaft unvereinbar ist. Die Vertreter des Brauerrings hatten die Stirn zu fordern, daß der Friedensschluß davon abhängig gemacht werde, daß 33 Arbeiter nie mehr in den Betrieben der Ringbrauer beschäftigt werden. Arbeiter! Parteigenossen! Ohne jeden Anlaß seitens der betreffenden Arbeiter sind am 16. Mai Hunderte aufs Pflaster geworfen worden. Und nun sollen nach monatelanger Aussperrung, nach monatelangen Entbehrungen dreiunddreißig Arbeiter dauernd dem Elend, für immer der Eristenjlosigkeit, also dem langsamen Zugrundegehen überliefert werden, dreiunddreißig Mann, von denen keiner Schuld an dem Boykott trägt. Sie sollen als Opfer des Kapitalistenübermuthes auf der Strecke bleiben. An der barbarischen Doppeldezimirung des 16. Mai hatte der Brauerring nicht genug seine Rache verlangt die Vernichtung von weiteren dreinnddreißig Existenzen. Arbeiter! Genossen! Wir wissen, daß wir in Eurem Sinne gehandelt haben, als wir diesem ungeheuerlichen Anfinnen ein empörtes furzes Nein entgegenseßten und die Verhandlungen abbrachen. Die Arbeiter Berlins konnten und wollten einen ehrlichen Frieden schließen; niemals aber werden wir unsere Hand dazu bieten, niemals werden. die klassenbewußten, in den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie organisirten Arbeiter dulden, daß ein geschlossen wird. ehrloser Friede Nun ist die Entscheidung getroffen. Der Boykott muß mit erneuter und vermehrter Energie fortgeführt werden. Die Parole Kein Tropfen Ringbier muß mit unwiderstehlicher Macht zur Durchführung gelangen. Jeder einzelne Arbeiter muß seine ganze Kraft aufwenden, um den Boykott zur vollen Wirkung zu bringen. Dazu ist nöthig, daß die gesammte Arbeiterschaft mit verdoppelter Kraft Hand aus Werk legt, die zur Organisation, Ueberwachung und Durchführung des Boykotts erforderlichen Maßregeln energisch zu unterstützen. Es bedarf aller Kraft, aller Energie, denn die Brauerdirektoren haben offen erklärt, die Unterwerfung der Berliner Arbeiterschaft durch neue Maffenmaßregelungen erzwingen zu wollen! Arbeiter, Parteigenossen! Der Brauerring hat zwar Millionen zur Verfügung und wird in diesem Klaffenkampfe auch fernerhin Hunderttausende opfern; hinter uns aber stehen die Massen, auf unserer Seite ist das Recht, ist die Begeisterung, ist der Opfermuth. Und an Euren Opfermuth appelliren wir abermals. Die unschuldigen Opfer kapitalistischen Uebermuthes dürfen nicht dem Hunger preisgegeben werden. Seit Monaten liegen diese Hunderte existenzlos auf der Straße. Wir wenden uns deshalb an die Arbeiter von ganz Deutschland um thatträftige und schnelle Unterstützung. Der Kampf ist uns aufgezwungen worden. Die Berliner Arbeiterschaft hat den Handschuh aufgenommen und sie wird den Kampf durchführen bis zum Ende. Arbeiter! Euer Klassen Intereffe nicht blos, Eure Klassen Ehre ist im Spiel. Da giebt es keinen anderen Gedanken als Sieg! Vorwärts zum Sieg! Kein Tropfen Ringbier! Hoch der Boykott! Boykottfreies Bier liefern: Brauerei Carlsberg, lottenburg. Friedrich Reichenkron, CharBrauerei Wilhelmshöhe, E. Lehmann, Berlin. Brauerei Pichelsdorf, Direktor Hoffmann. Münchener Brauhaus, Attien- Gesellschaft, Berlin. Süddeutsche Branerei, Karl King 1. Ro., Berlin. Brauerei Müggelfchlößchen, Friedrichshagen. Nordstern- Brauerei, Berlin. Rathenower Exportbrauerei- Niederlage. Juh. May Dennhardt, N.W., Hannoverschestr. 18a. Tel. III. 8178. Schloßzbranerei, Fürstenwalde. Niederlage bei Franz Heiser, N., Liesenstr. 5. Bürgerliches Brauhaus( in Firma Müller), Frank furt a. D. Niederlage Greifswalderstr. 228. Phönig- Brauerei, C. Radon, Lichterfelde. Brauerei Jagdschlößchen, Eberswalde. Niederlage Edm. Senter, Swinemünderstr. 45. Brauerei Wusterhausen, Vertreter: Max Fleischer, Reichenbergerstr. 155. Brauerei Tivoli, Strausberg. Niederlage Stabernad, Mühlenstraße 49a. Louisen- Brauerei, Bellermannstr. 71a/ 72. Brauerei Danz, Freienwalde a. D. Vertreter: W. Marten, N., Gartenstr. 152. Bürgerliches Brauhaus, Ludenwalde. Niederlage Gust. Spiekermann, Weberstr. 66. Export- Brauerei Grabow a./D. bei Stettin. Nieder lage Marthen, Bellermannstr. 6. Das Die Boykott- Kommission. fonfequenter verführe, und nicht nur diejenigen besteuerte, die ihr anscheinend gerade in die Hände fallen. Soziale Uebersicht. Wer da frägt, wie denn diese so eigenthümlich erzielten Einnahmen verwendet werden, erhält zunächst Belehrung durch einen Blick auf den von der Innung allerdings fostenlos ver- werden; diese erstreckt sich nach dem Entwurf auch auf gewerbsEine Luftbarkeitssteuer soll in Breslau eingeführt walteten Arbeitsnachweis. Im Jahre 1893 gab die Gastwirths- mäßig Innung für den Arbeitsnachweismeister, den Sekretär und den mäßig betriebene Vorträge auf Klavieren und mechanischen oder anderen Musikinstrumenten in Gast- und Schankwirthschaften, Rassenboten in Summa 3300 Mart an Gehalt aus, ferner für Miethe und Inserate 2700 Marf. Durch diesen Arbeitsnachweis sowie auf die Karouffels, Schaufeln, Schießbuden u. s. w. Je wurden 1893 im ganzen 3672 Stellen nachgewiesen, darunter größer das Lokal, desto höher die Steuer. Die vielgerigte Ueberfüllung der Schulklassen wurde nur 800 sogenannte feste Stellen. Einen Begriff von der Geringfügigkeit dieses Wirkens be- fürzlich vor dem Schöffengericht in Halle bei Gelegenheit einer tommt man, wenn man damit die Thätigkeit der anderen, im Verhandlung gegen einen Lehrer konstatirt. Der Lehrer Ernst Gastwirthsgewerbe bestehenden Arbeitsnachweise vergleicht. So Schmidt aus Gröbers wurde wegen fahrlässiger Mißhandlung wurden im selben Jahre nachgewiesen: vom Verein Berliner eines Schülers zu 6 M. Geldstrafe verurtheilt. Als strafmildernd Gastwirthe 13 309 Stellen, vom Verein der Weißbierwirthe wurde angenommen, daß der Angeklagte 135 Kinder zu unter9430 Stellen, vom Verein der Gastwirthsgehilfen 4360 Stellen, richten habe, wobei strenge Zucht von nöthen sei. vom Kellnerverein 3282 Stellen, vom Deutschen Kellnerbund 3007 Stellen, vom Nachweis für Kellner und Hausdiener 2000 Stellen. Bedeutung, daß selbst ihre eigenen Witglieder ihn zum großen Der Arbeitsnachweis der Innung genießt eine fo geringe Theil nicht benutzen; ja eine Umfrage bei einer Reihe größerer Gastwirthe ergab, daß nur einer von ihnen den Innungsnachweis in Anspruch nahm. Es sei bier noch auf den Umstand hingewiefen, daß die ausgeschriebenen Steuern in 400 Fällen eyetutorisch eingetrieben werden mußten. Die Schuhmacher Innung hat im Jahre 1893 von Nichtmitgliedern 1692,90 M. durch Steuern erhoben. Von diesem Betrage konnte ebenfalls ein beträchtlicher Theil erst durch Zwang eingetrieben werden. Wohlfahrtseinrichtungen. Durch die Gründung einer Pensionskasse will künftig der Bochumer Verein seine gefesselt". Beamten an sich fesseln. Die Arbeiter werden auf andere Art Zur Widerfinnigkeit des Zeufus- Wahlsystems. In Essen haben zwei Personen genau ebensoviel politisches Recht in Kommunalangelegenheiten, als 10 240 Personen. Zur ersten Abtheilung gehören außer den Ehrenbürgern diejenigen Wähler, welche 40 468,10 M. und mehr Staats- und Gemeinde- Steuern zahlen. Zur ersten Abtheilung zählen außer dem Fürften Bismarck und Dr. Hammacher( Berlin) nur die Herren Geh. Kommerzien rath Krupp und Gewerke August Waldthausen. Zur zweiten Abtheilung gehören die gehören die Wähler, welche Wähler, welche weniger als Das Maß dessen, was die Schuhmacher- Junung auf dem 40 468,10. bis 750 M. Steuern zahlen, insgesammt 347. Gebiete der Wohlfahrtseinrichtungen geleistet hat, ergiebt sich aus Zur dritten Abtheilung gehören Wähler, welche weniger als folgender Aufstellung. Es wurden von der Innung ausgegeben: 750 M. Steuern zahlen, im Ganzen 10 240. Jede Abtheilung An Miethe 1000 M., Gehalt des Gesellen Vorstehers 900 M., hat vier Stadtverordnete zu wählen, außerdem die erste und Einrichtung für Herbergswesen nichts, Altgesellen und ziveite Abtheilung noch je einen Stadtverordneten bis Ende 1896; Gesellenausschuß 100 M., Jnnungsschiedsgericht 659 M., Wander- mit anderen Worten: 351 Wähler der ersten und zweiten Abunterstügung 13 M., Verwaltungskosten, Drucksachen und theilung wählen 10, 10 240 Wähler der dritten Abtheilung vier Porti 492 M. 30 Pf., Gehälter 1150 M., Gratifikationen 150 M., Stadtverordnete. Noch überzeugender tritt die Ungeheuerlichkeit Sächliches 37 m. 30 Pf. Also auch hier die zahlenmäßige Ant- des Wahlgesetzes hervor, wenn man einen Blick in die WählerUnd darum muß die erhebliche Summe von 1692,90 Mart zu In die Reichs- Gewerbeordnung sind bekanntlich eine Anzahl Theil exekutorisch von ganz unbetheiligten Leuten herbeigeholt Bestimmungen hineinpraktizirt worden, welche den ausgesprochenen werden! Zweck haben, die Innungen zu privilegiren und dadurch wieder, wie Noch schöner sieht es mit dem Wirken der Schneider das hohle Schlagwort lautet, das Handwerk zu heben". Während es Innung aus. Trotzdem deren Aktionsgebiet im Statut auf unter den verschrumpften Zunftbrüdern wirklich einige Ideologen Berlin und 7 Kilometer im Umkreis" angegeben ist, übt sie ihre gab, die allen Ernftes von der Wiederaufzimmerung des längst Thätigkeit in der Hebung des Handwerks" nur auf die Stadt unter den Füßen verschwundenen" goldenen Bodens" selber aus. Frägt man aber, wozu denn im Statut ein träumen mochten, wiesen bei der Berathung im Reichs- so weites Wirkungsgebiet angegeben stehe, so erhält tage die Arbeitervertreter darauf hin, daß die wenigen Leute, die man die naive Antwort: Ja, das haben wir so von ehrlich eine Hebung des Handwerts durch gefeßliche Privilegien den Schuhmachern abgeschrieben! erwarteten, gar bald bitter enttäuscht sein würden, daß aber bei denjenigen Handwerkern, die vernünftig genug seien, sich nicht für den Innungsrummel zu begeistern, nichts als Misstimmung und Widerwillen über die zu erduldenden Bedrückungen und Beläjiigungen einkehren würde. Fiasko des Innungsrummels. wort, daß fast garnichts von der Innung geleistet worden ist. Liſten wirft. Der dritten Abtheilung ist die übergroße Mehr" Wir würden unsere Pflichten vernachlässigen, wenn wir nicht noch einige Charakterzüge aus dem segensreichen Wirken dieser Innung wiedergäben. Als sie das heiß ersehnte Privileg des§ 100 f empfangen hatte, wurde die Sache verblüffend leicht arrangirt. Man schrieb Die Richtigkeit dieser von sozialdemokratischer Seite geäußerten einfach aus dem Berliner Adreßbuch die Namen der 8000 Per Anschauung trat gar bald zu Tage. Die Zwedlosigkeit und fonen ab, die darin als Schneider aufgeführt stehen, und oftroyirte Schädlichkeit der Privilegien ergiebt sich schon aus dem vorher für jedermann aus dem Volte der Nadel einen Steuerbetrag von 50 Pt. gewiß taum für möglich gehaltenen Umstande, daß die Aufsichts- und zwar unbekümmert darum, daß im Statut nur 45 Pfennig behörde vielfach gezwungen war, den Innungen ihre Privilegien als Beitragsleistung festgesezt sind. Die Wirkung dieses genialen nach und nach wieder zu entziehen oder ihnen wenigstens die Vorgehens fann man sich denken; es wurden nicht weniger als Entziehung anzudrohen; die grenzenlose Unfähigkeit der Hand: 3374 3 wangsvollstreckung 3- Anträge bei der Gewerksmeister, von ihren Vorrechten entsprechend richtigen Gebrauch werbedeputation gestellt. zu machen, trieb die Aufsichtsbehörde widerwillig zu diesem be- So sieht die Hebung des Handwerks durch die Innungen in schämenden Schritt. der Praxis aus. Die Thätigkeit, welche die Aufsichtsbehörden auszuüben Es wäre mehr wie ungerecht, diesen galvanisirten Leichnamen haben, bewegt sich zur Zeit vornehmlich einzig in dieser noch ferner ihre nichtsnußigen Privilegien zu belassen. Die Richtung. Erst in ihrer legten Sigung hat die Gewerbe- Grfahrungen, die mit den Privilegien gemacht worden sind, deputation des Berliner Magistrats sich dahin entschließen müssen wohl oder übel dazu führen, daß sie den Innungen übermüssen, bei dem Polizeipräsidium zu beantragen, der Berliner haupt nicht mehr verliehen werden. Gastwirths Innung, der SchuhmacherInnung Erwägungen ähnlicher Art haben denn wohl auch die Geund der Schneider Innung die auf grund des§ 100 fwerbedeputation dahin geleitet, sowohl der Buchdrucker der Gewerbe Ordnung verliehenen Privilegien wieder zu ent. Innung als auch der Töpfer Innung das Gesuch um ziehen. Der berühmte§ 100 f giebt bekanntlich den Innungen Ertheilung der Privilegien aus§ 100e 1-3 der Gewerbe- Ordnung unter Anderem das Recht, die nicht ihr angehörigen rundweg abzulehnen. Arbeitgeber des betr. Gewerbes, die Gehilfen beschäftigen, zu den Die Gewerbe im Ganzen, in denen diese Innungen errichtet Kosten mit heranzuziehen, welche die Wohlfahrtseinrichtungen" sind, werden durch diesen Beschluß nichts verlieren, die Nicht der Jnnung verurfachen. innungsmitglieder aber werden vor nuglofen Bedrückungen und Belästigungen bewahrt bleiben. Diesen gefeßlich geduldeten Brauch übt die Gastwirths. innung so fleißig, daß zwei Drittel ihrer Einnahmen sich aus den Taschen ihrer Nichtmitglieder herleiten. Ja, das Verhältniß würde hier noch weit auffälliger sein, wenn die Innuug zahl der Männer von Bildung zugetheilt, fast sämmtliche höheren Verwaltungsbeamten( u. A. der Oberbürgermeister), die richterlichen Beamten, die Geistlichen und die höheren Lehrpersonen. Die Nachtarbeit für Kegeljungen ist von der Schulinspektion der Amishauptmannschaft Dresden Neustadt verboten worden. Nach der Verordnung dürfen Kinder unter 14 Jahren nach 9 Uhr Abends nicht mehr zum Kegelauffezen verwendet werden. in Ein städtischer Arbeitsnachweis soll nun auch München errichtet werden. In der letzten Magistratssitzung wurde verkündet, daß das Ministerium des Innern und die fgl. Regierung von Oberbayern dem Magistrat die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises nahegelegt haben. Es wurde zur näheren Berathung der Sache eine Kommission gewählt, bestehend aus 4 Magistratsräthen und 4 Gemeindebevollmächtigten, welche sich zugleich mit den das Gewerbegericht betreffenden Fragen be fchäftigen soll. Gegen die Lehrlingezüchterei. Das Württembergische Justizministerium hat eine bemerkenswerthe Verordnung erlassen. Nach dieser sollen Gericht 3 und Amtsnotare bei Annahme eines zweiten Lehrlings die Genehmigung des Justiz ministeriums hierzu einzuholen haben. Das gleichzeitige Halten von mehr als zwei Lehrlingen seitens eines Notars ist fünftig nicht mehr zulässig. Wenn ein Notar die Genehmigung des Justizminifteriums zu gleichzeitiger Annahme zweier Lehrlinge nachsuchen will, so ist in dem Gesuch das Bedürfniß eingehend nachzuweisen, wobei zutreffendenfalls auch das sonstige Kanzleipersonal des Notars namhaft zu machen ist. Die Errichtung eines Gewerbegerichts in Tuttlingen ( Wtg.) wurde auf ein Gesuch des Gewerkschaftsausschusses bin im Gemeinderath debattirt, aber mit folgender eigenthümlichen Begründung abgelehnt: Tuttlingen, Auszug aus dem Gemeinderaths- Protokoll vom 15. September 1894. 8. Die Frage der Errichtung eines gewerblichen Schiedsgerichts wird berathen und in Erwägung, daß bisher alle angefallenen Streitfälle so rasch als möglich erledigt worden sind, und außer von Franz Hoffmann der Wunsch nach Errichtung eines solchen Gerichts von niemand sonst geltend gemacht worden ist, wird beschlossen, ein gewerbliches Schiedsgericht vorerst nicht zu errichten. Diesen Auszug beglaubigt Rathsschreiber Bofinger. Gewerkschaftliches. F. Leonhard. Achtung, Schuhmacher! Am Montag, den 29. Oftober Abends 8 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung bei Gründel Brunnenstr. 188, statt, die sich mit dem jezigen Stand des Bierboykotts beschäftigen soll. Zu dieser Versammlung sollen zur befferen Agitation Handzettel verbreitet werden. Treffpunkt Sonntag Morgen punkt 8 Uhr bei Petersohn, Veteranenfir. 21. Die Kollegen werden ersucht, am Sonntag früh recht zahlreich zu erscheinen. J. A.: K. German, Flemmingstr. 16. ober in Berlin durch die Zeitungsspediteure pro Quartal 1,20 M. Kreuzs band 1,80 M. Die Nr. 39 vom 25. Oftober hat folgenden Inhalt: Wochenschau. Briefe aus England. M. Beer, London: Chriftlich- soziale Bestrebungen in England. Parteinachrichten.- Wie Emanzipirt. Von E. Raspt. man uns behandelt. Was hat der Landmann von der Sozialdemokratie zu erwarten? Der nationale Kongreß der deutschen Bergleute. Der Bwischenunternehmer. Uriah S. Steffens.- Agrarisches.- Arbeiterschuß.- Gewerkschaftliches. Todtenliste. Literarisches. 4. Heft des 13. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Bernegerung. Zur dritten Auflage von Fr. Engels' Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft". Von Ed. Bernstein.. Aus den Vereinigten Staaten. Von F. A. Sorge.( Fortsetzung.) Berliner Theater Literarische Rundschau. Notizen. Feuilleton: Anna Menzel. Eine Dienstmädchen- Geschichte.( Fortschung.) Dersammlungen. macht haben. Die Sachlage dieses monströsen Falles verhält sich folgendermaßen: Bei Der Nationalbant für Deutschwar ein mit 40 000 Mart deklarirtes Packet Für die Maurer im Stadttheil Often findet am 28. Oktober, land Vormittags 9 Uhr, im Lokale des Kollegen Gröppler, Weber- aus Ungarn eingegangen und mußte von dem Steueramt straße 66, eine Besprechung statt. In anbetracht der überaus abgehoben werden. Die Begleitadresse war mit vier ungarischen schlechten Arbeitsverhältnisse, deren Folgen um so schwerer jetzt über Briefmarken beklebt gewesen, als aber der eine Kassenbote diese uns hereinbrechen, wäre es zu wünschen, daß unsere Kollegen recht Begleitadresse bei dem Steueramt abgab, befanden sich nur noch zahlreich dieser Einladung Folge leisten. Wie den Kollegen be- zwei Marken darauf; an die Stelle der beiden fehlenden Marken von der Neuen Zeit"( Stuttgart, J. S. W. Dies' Berlag) ift foeben das kannt ist, besteht für uns tein Arbeitsnachweis. Dennoch wird war die mit dem Stempel der Nationalbank für Deutschland es möglich sein, uns in der Arbeitsvermittelung zu unterstützen, unterzeichnete Bemerkung getreten:" Selbst abgelöst". Die Steuerwenn alle Kollegen hilfreiche Hand bieten. behörde benachrichtigte darauf die Direktion der Nationalbank für Deutschland, daß nach einer Mittheilung der Postverwaltung M. Echter becer. ein derartiges Loslösen gestempelter Briefmarken absolut unzuläffig" sei und die Postbehörde in Zukunft entschieden die Aushändigung der Wertbpackete auf solche spoliirten Begleitadressen verweigern würde. Da festgestellt werden konnte, daß ein Kaffenbote die Briefmarken losgelöst und eine derselben einem Kollegen geschenkt hatte, so erstattete die Postbehörde gegen beide Kassenboten Die Freie Vereinigung sämmtlicher in der SchuhDie Strafanzeige!- Der Staatsanwalt hielt auch die Schuld industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterder Angeklagten für zweifellos. Die abgestempelten Briefmarken auf innen bielt am 15. Oftober eine außerordentliche Generalver den postalischen Begleitadressen seien Eigenthum der Postverwal fammlung ab, in der nochmals die Stellungnahme des Vereins Der Streit der Zeitungs- Berichterstatter in tung( fo?), welche behufs Abrechnung zc. ein Anrecht darauf zu den Beschlüssen des Erfurter Schuhmacher- Kongresses erörtert Halle a. S. fängt an, bem dortigen Magiftrat recht unbequem habe. Jedenfalls feien die Marken für die beiden Angeklagten wurde. Wie aus den Ausführungen der meisten Diskussionsredner sie sich widerrechtlich zu entnehmen war, fonnte man sich für den bekannten Vorschlag zu werden. Der Streit hatte, wie wir seinerzeit berichteten, darin eine fremde Sache gewesen, die der Berliner Delegirten welche den Uebertritt zur Zentralseinen Grund, daß in den Stadtverordneten- Sigungen den Bericht angeeignet hätten. Er beantragte 5 M. Geldstrafe beziv. nicht erwärmen, und wurde hiererstattern ganz schlechte Blähe angewiesen worden waren. Da 1 Tag Gefängniß. Der Vertheidiger betonte die Moths organisation befürworteten eine Henderung nach dieser Richtung noch nicht erfolgt, ftreiten wendigkeit, daß im Inflanzenwege die Frage entschieden werde, auf eine dementsprechende Resolution nahezu einstimmig an die Berichterstatter weiter; und so erscheinen teine Berichte fiber ob derartige abgestempelte Briefmarfen Eigenthum der Post, genommen. Sodann wurde die Neuwahl des Vorstandes vollzogen, die Beschlüsse in den Blättern. Der Magistrat suchte sich nun behörde feien und bestritt natürlich, daß sich die letztere geschädigt der sich wie folgt zusammensetzt: Bennewitz erster, Büttner zweiter dadurch aus der übeln Situation zu ziehen, daß er dem Amts: fühlen fönne. Die Geschädigte" sei höchstens die Nationalbant Vorsitzender; Weber, Schriftführer; Unger, Kassirer; Lietz und blatt, der„ Saale- Zeitung", einen Bericht zustellte. Das Blatt für Deutschland, welche sich aber nicht geschädigt fühle. Jeden- Rüfter, Revisoren. hat aber anerkennenswertherweise nicht nur die Aufnahme dieses falls sei es bei den Kassenboten seit Jahren Gebrauch, derartige Die Freie Vereinigung der Bureau- Angestellten bielt Berichtes abgelehnt, sondern sich auch geweigert, eine Zustellung Marken sich anzueignen. Das Schöffengericht glaubte, dat am 19. b. M. bei Röllig, Neue Friedrichstraße, ihre regelmäßige der Beschlüsse der letzten Stadtverordneten Versammlung als Eigenthumsrecht an den Marken nicht entscheiden zu brauchen, Mitgliederversammlung ab. Den ersten Gegenstand der Tagesamtliches, bezahltes Inserat aufzunehmen. Gerüchtweise verda es die Angeklagten wegen mangelnden Dolus freisprach. ordnung bildete ein Referat des Kollegen opp, der über: lautet, der Magistrat wolle die Aufnahme des zweiten Berichtes" Sie wurden aber darauf hingewiesen, daß in Zukunft dieser Die rechtliche Stellung der Bureau- Angestellten" sprach. Redner durch Verhängung einer Ordnungsstrafe erzwingen. Im letzteren Strafausschlußgrund nicht mehr Play greife. schildert, wie durch den Mangel jeder geseglichen Bestimmung, Falle würde die Angelegenheit sicher die Gerichte beschäftigen. Ein grausamer, herzloser Familienvater hatte sich dieser die das Berhältniß zwischen Prinzipal und Arbeiter regelt, die Es würde aber dadurch nicht die Sache des Magistrats, sondern Tage vor dem Rigdorfer Schöffengericht in der Person des Bureau- Angestellten geradezu eine rechtlofe Stellung einnehmen, die der Zeitungen gewinnen. Zimmermanns Julius Lutschte zu verantworten. Dem- und giebt an der Hand eines reichen statistischen Materials einen Ein Streifbrecher, der in der Güstrower Wagonfabrik felben wurde zur Last gelegt, wiederholt feine leiblichen Töchter Ueberblick über die niedrigen Gehälter feiner Berufskollegen. Des fam Redner auf die seitens der Organisation arbeitete, ist entlassen worden, weil er im Verdacht stand, die haben. Die Beweisaufnahme ergab folgenden Thatbestand: Vor an ohne Grund mittels gefährlichen Werkzeugs roh mißhandelt zu weiteren die Arbeitgeber und die gefeßgebenden Körperschaften geheime schwarze Liste seinem früheren Arbeitgeber entivendet zu etwa 2 Jahren zog sich der Angeklagte bei Ausübung seines gestellten Forderungen zu sprechen und meint schließlich, haben. Berufes eine Beinverlegung zu, die ihn lange Zeit arbeitsunfähig daß nur durch eine starte Organisation diesen Zuständen ein Ueber den Mänteluäherstreik in New York schreibt uns machte. Das war sein Verderb, denn er wurde jetzt ein Trunken- Ende bereitet werden fönne. Durch diese Organisation müsse unser dortiger Korrespondent unterm 12. Oktober: Infolge des bold, der von früh bis spät in der Kneipe lag und Nachts schwer man insbesondere einen Einfluß auf die Gesetzgebung ausüben Umstandes, daß vier der hiesigen Mäntel- Fabrikanten, welche bezecht nach Hause fam. Die ganze Familie wurde dann von tönnen und den Arbeitgebern eine Macht gegenüberstellen. zufammen über 2000 Arbeiter beschäftigen, die Forderungen der ihm mit einem Leibriemen aus den Betten gejagt und selbst in An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Schulz, selben nicht bewilligen wollten und die übrigen Unternehmer bitterster Winterkälte auf den Flur und die Treppe getrieben, Bauer und Gasper. Zum dritten Punkt, Bibliothet", ihre Kollegen durch Fertigstellung derer zugeschnittenen Stoffe wo sie halbnadt in einem Winkel fampiren mußten, wenn nicht theilt Kollege opp, der gewählte Bibliothekar, mit, daß der unterstützten, ist es zum Generalstreit der Gloatmaker und mitleidige Nachbarn sich der Aermsten annahmen. Oft waren Frau Vereinigung jest girta 30 Bände zur Verfügung stehen. Er des größten Theils der Zuschneider( Cloakcutter) gekommen, und Kinder derart zerschlagen, daß sie wochenlang mit verbundenen bittet um zahlreiche Benutzung und neue Zuwendungen. Unter an dem sich sowohl die jüdischen als auch die in den legten Köpfen umberliefen. Die Unfallrente im Betrage von monatlich Verschiedenem" giebt Kollege Schulz den Plan des VorJahren angelernten italienischen Arbeiter betheiligen. Im Ge- 70 m. verbrauchte Lutschte für sich, sodaß Frau und Töchter standee bekannt, die Vereinigung in einen Verband umzuwandeln, fammten ist die Zahl, trotz des steten Zuwachses, diefelbe wie ihren Lebensunterhalt durch angestrengte Naharbeit verdienen der sich über ganz Deutschland erstrecken soll, und verliest auch beim vorigen Generalstreit, nämlich 12 000, da inzwischen ein mußten. Trotzdem verlangte er noch Geld von seiner Familie. einen bereits von ihm und Kollegen Bauer gefertigten StatutenTheil des Geschäfts nach anderen Orten, besonders Jersey- City Als er aber gar seinen eigenen Töchtern unfittliche Anträge entwurf. Es wird beschlossen, einen diesbezüglichon Punkt auf und Philadelphia verlegt worden ist. Da die New- Yorker Unter- ftellte, lief die älteste Tochter fort und wandte sich hilfefuchend die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. nehmer schon begonnen haben, nach diesen Orten Stoffe an die Polizei. Auf grund des Ergebnisses der Untersuchung Der Verband der Formstecher, Drucker und Hilfs. zur Bearbeitung zu senden, so wird es dort wahrscheinlich entzog das Vormundschaftsgericht dem Wüftling das Erziehungsarbeiter der Zahlstelle Berlin hielt am 20. b. M. feine Monate ebenfalls zum Streit fommen.- Die Führer der Cloat recht, während die Staatsanwaltschaft Anklage erhob. Mit Rückverfammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Quartals mater scheuten erst vor dem Schritt zurück und mahnten ficht auf die von dem Angeklagten an den Tag gelegte außer abrechnung und Jahresabrechnung der Bibliothek. 2. Situations in der betreffenden Versammlung, in welcher fiber die Sachlage ordentliche Rohheit und Unmenschlichkeit beantragte der Amts- bericht. 3. Verschiedenes und Fragetaften. Nachdem Punkt 1 berathen wurde, davon ab; auch der Präsident der Federation anwalt gegen denselben das höchste Strafmaß drei Jahre erledigt war, nahm der Vorsitzende Jödecke zu Punkt 2 das of Labor", Gompers, gefellte sich ihnen bei. Die Stimmung der Gefängniß. Das Urtheil lautete auf wei Jahre Ge Wort. Redner giebt bekannt, daß der Hildesheimer Streit der Arbeiter war aber eine derartig fampfluftige, daß jene dem fängniß und wurde der Angeklagte sofort in Haft ge Formstecher beendet, und zu gunsten der Arbeiter entschieden Drängen nachgeben mußten. Für gestern Abend war eine nommen. ist. Ferner ist die Sperre über die Firma Wölke in Harburg Parade der Streifenden und daran anschließende Massen- Verund Lehmann in Köpenick aufgehoben, da die betreffenden Herren fammlung auf dem Union Square angesetzt; als sich folgedessen die Forderungen, welche an sie gestellt wurden, anerkannt haben. am Ausgangspunkt der ersteren, dem Rutgers Equare, in dem Ueber den ungünstigen Verlauf des Streits der Drucker in Nord hauptsächlich von jüdischen Arbeitern bewohnten Stadttheil, die Bewohner deffelben versammelten, flürzte plöglich eine Rotte haufen drückt die Versammlung ihr Bedauern aus, besonders inPolizisten unter Führung des Distrikt- Kapitäns auf den Play fofern, als die Stollegen so leicht Fersengeld gaben und die und bearbeiteten die Menge, zum droßen Theil aus Frauen und Mehrzahl aus dem Verband ausgetreten ist. Unter den Forms Kindern bestehend, mit ihren Knüppeln. Auch später auf dem stechern in Nordhausen droht ein neuer Streit, da denselben ihr Union Square schienen die dort in großer Anzahl poftirten ParkLohn um 3 M. reduzirt und die 14tägige Kündigung entzogen polizisten( jedenfalls auf Sukkurs rechnend) nicht übel Lust zu Das eben ausgegebene Heft enthält die Rede des Rechts- ist. Im weiteren machten die anwesenden Formstecher bekannt, haben, drein zu hauen; fie drängten sich zwischen die Leute und anwalts Freitag II, des Vertheidigers Bebels, die mit den Worten daß sie der Ueberfeierabend- Arbeit entgegentreten wollen. Zu ftießen die ihnen zunächst Stehenden brutal hin und her; einer schließt: Ich sage Jbnen meine Herren, bejahen Sie die Fragen, diefem Zwecke wollen fie die Angelegenheit dem Zentralvorstand derselben erhielt auch einen Knüppelhieb über den Kopf. Indessen so schaffen und sanktioniren Sie in Sachsen einen rechtlosen Bu- unterbreiten und eine Erklärung über die Stellung der aus: schwoll die Maffe immer mehr an, so daß fie an 7000 Köpfe ftand." Den Versuch des Vorsitzenden, diesen Ausdruck zu rügen, wärtigen Kollegen einholen. Das Stiftungsfest findet am 8. Nozählte, und zuletzt marschirten unter den Klängen der Marseillaise wiesen die Vertheidiger energisch zurück. Nach dieser dramatischen vember im Wedding- Kasino statt. noch 1500 taliener heran. Es wurden dann die Verhandlungen Szene ergriff der Staatsanwalt zu längeren Ausführungen das eröffnet und endlich trat Ruhe ein. Die Versammlung gestaltete Wort. Endlich enthält das Heft den Beginn der Widerlegung fich zu einer stürmischen Demonstration für die sozialistische Ar- der zweiten Rede des Staatsanwalts durch den Wertheidiger beiterpartei, auf welche ein im wahren Sinne des Wortes Freytag I. " Donnerndes" dreimaliges Hoch ausgebracht wurde. Und Das hat mit ihren Knüppeln Die Polizei gethan! Gerichts- Beifung. " Literarisches. Der Hochverraths- Prozeß wider Liebknecht, Bebel, Hepner vor dem Schwurgerichte zu Leipzig vom 11.- 26. März 1872. Mit einer Einleitung von W. Liebknecht. 13. Lieferung. G. 577-624. 80. Preis 20 Pf. Berlin 1894. Verlag der Expedition des Vorwärts" Berliner Volksblatt. " inJames Cary. Experimentalphyfit. Leipzig. Schnur. pfeil. 1 M. Die Zahlstelle Berlin II. des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands hielt am 21. Oktober ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab, in welcher der Kollege Silberschmidt einen lehrreichen Vortrag über: Die Be deutung der Kartelle, Ringe und Trusts" hielt. Redner beleuchtete in eingehender Weise die Machtverhältnisse des Kapitals, welche Den Titel„ Experimentolphyfit" verdient das vorliegende sich in obengenannten Bereinigungen fonzentriren, und sog hieraus Werkchen taum; in dem Abschnitt, welcher die Mechanit, d. i. Die Schlußfolgerung, daß es für die Arbeiter die dringendste die Lehre von den Bewegungen behandelt, ist z. B. der wichtige Pflicht sei, sich ebenfalls in Massen zu vereinigen, um gegen das Begriff der mechanischen Arbeit überhaupt nicht erwähnt, ge- Rapital erfolgreich ankämpfen zu können und den Arbeitern eine schweige näher erörtert und erläutert. Demgemäß ist auch bei bessere wirthschaftliche Existenz zu schaffen. In der Diskussion Gegen einen Plenarbeschluß des Reichsgerichts verstieß der Wärme die neuere mechanische Auffassung mit Stillschweigen richtete röppler im Sinne des Referenten zugleich die ein Urtheil des Landgerichts i el vom 1. Juni, welches dem übergangen, und ebenso wird das grundlegende Gefeß der Gr Mahnung an die Kollegen, dafür zu sorgen, daß die Versamm Redakteur der Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung", J. KIüß, baltung der Energie, welches die ganze moderne Phyfit beherrscht, lungen besser besucht werden. Hierauf erfolgte die Abrechnung des Kassirers vom dritten Quartal. Nach dem Bericht desselben wegen Beleidigung der kaiserlichen Nord- Ditfee- Kanaltommission an teiner Stelle genannt. eine Gefängnißstrafe von zwei Wod, en auferlegte. Die genannte Aber der Autor bittet bc3 Büchlein nicht nach dem zu be betrug die Einnahme intl. alter Bestand 561,56 M., die Ausgabe Zeitung hatte einen ihr zugegangenen Artikel abgedruckt, in urtheilen, was es nicht enthält, sondern nach dem, was es ent- 504,01 m., bleibt Bestand 57,55 M. Jm Gewerkschaftlichen welchem die Arbeiterbaracken am Kanal besprochen wurden und hält. Thut man dieses, so muß man zugestehen, daß es seinem forderte Gröppler zur regen Unterstützung der Brauerei Arbeiter mit Rücksicht auf die gründliche Ausnutzung derselben der Ver- Mebentitel:" Leicht ausführbare Experimente ohne Apparate. Beouf. Nachdem noch befchloffen, im März nächsten Jahres einen waltung der Vorwurf gemacht wurde, sie sei den Hamburger lehrende Unterhaltung im häuslichen Kreise." gerecht wird. Es Maskenball zu arrangiren und einige interne Angelegenheiten Bodenwucherern gleichzustellen. Herr Klüß hatte die Thater- enthält die Beschreibung einer ganzen Fülle von einfachen geregelt waren, erfolgte Schuß der Versammlung. schaft bestritten, das Gericht nahm aber hierauf feine Rück- Experimenten, welche ohne kostspielige Vorrichtungen leicht aus- Der Arbeiter Sängerbund hielt am 21. Oftober eine ficht, da er besondere Umstände, welche seine Thäterschaft geführt werden können; die Experimente sind in methodischer Ausschußfizung ab. Von den zum Eintritt gemeldeten Vereinen ausschlössen, nicht vorgebracht habe und er sich auch ftrafbar ge- Folge angeordnet, so daß Jemand, welcher allmälig von wurden fünf in den Bund aufgenommen. Da ein Protest gegen zu dcm anderen macht haben würde, wenn er den Artikel veröffentlicht habe, dem einen auffteigt, immerhin eine die Aufnahme eines Eberswalder Vereins vorlag, ist beschlossen, ohne vorher von seinem Inhalte Kenntniß zu nehmen. Die ganze Anzahl phyfitalischer Wahrheiten seinem Verständniß bis nach vorhergehender Kommissionsprüfung die Aufnahme Revision des Angeklagten, welche vor dem 4. Straffenate nahe rücken wird. Bei den Erläuterungen, welche sich an die zurückzustellen. Der Verein Lyra I wurde auf grund der ges des Reichsgerichts zur Berhandlung fam, wurde vom Vertreter Versuche anschließen, ift häufig ein etwas autoritativer Ton gefaßten Resolution( Lokalfrage) ausgeschlossen. Der Delegirte der Reichsanwaltschaft, Herrn Oberlandesgerichtsrath Heine wählt worden. In anbetracht des Umstandes, daß zur näheren erstattete Bericht vom Delegirtentag der Liedergemeinschaft der mann, für begründet erklärt. Derselbe bemerkte: Objektiv Begründung meistens eine Reihe von Vorkenntnissen gehört, welche Arbeiter- Sängervereinigungen Deutschlands und bemerkte zum ist allerdings die Beleidigung festgestellt, auch ist mit Recht bei den Lesern nicht vorausgesetzt werden, und daß ferner der Schluß seiner Ausführungen, daß das in Druck hergestellte Da der Ausschuß der der Einwand des Angeklagten, daß er den Artikel, so- Raum des Buches zur Beschreibung der Experimente offen Protokoll den Vereinen zugehen wird. unbeachtet bleiben sollte, wird das viel er sich erinnere", nicht vorher gelesen, taum zu tadeln fein, zus Liedergemeinschaft 2c. wiederum feinen Siz in Berlin hat, wurden geblieben, aber mit dem Sage, daß der Angeklagte auch strafbar mal nichts unrichtiges behauptet wird. Ungehörig ist das neun Vereine gewählt, welche je eine Berson zum Ausschuß zu sei, wenn er den Artikel nicht gelesen hätte", sezt sich das Land- gegen, daß auf Seite 180 der Leser aufgefordert wird, entfenden haben. Zum Bundes- Dirigenten wurden verschiedene gericht in diretten Widerspruch mit dem Plenarbeschluß die Begründung für die dort angegebenen Geseze der Strablen Gefanglehrer in Borschlag gebracht. Auf einen Antrag hin bes Reichsgerichts vom 6. Juni 1891 über die Präsumtion der brechung durch Linsen nach den früher gegebenen Erklärungen ist beschlossen, ein Ausschreiben in Form einer Annonce aufThäterschaft bei Preßvergehen. Das Landgericht fezt eine felbst vorzunehmen; dazu sind die Entwickelungen weder einfact, zugeben. Dem Bernauer Gesangverein Freiheit" wurde Recht Fiktion der Thäterschaft an die Stelle der Präsumtion und genug, noch die gegebenen Erflärungen genügend eingehend. schuß gewährt. Bei einem vom Verein arrangirten Bergnügen macht auch für den Fall der Veröffentlichung so wenig Unter- Der legte Abschnitt: Die Elektricität in der Technit" ent. foll sich ein Mitglied auf grund des Erkenntnisses Widerstand schied zwischen Thäterschaft und Fahrlässigkeit, daß es sogar die hält die Beschreibung des Telephons, des Mikrophons, der magnet- gegen die Staatsgewalt" schuldig gemacht haben. Auf Antrag §§ 20 und 21 des Preßgefezes nebeneinander für an- elektrischen und Dynamo Maschinen, sowie der verschiedenen der Brandenburger Vereine sollen ferner die Annoncen zc. des wendbar hält. Auch das ist falsch, daß es zur Strafbarkeit des Arten des elektrischen Lichtes. Dieser reiche Juhalt ist auf 15 Bundes auch im Brandenburger Parteiorgan aufgegeben werden. Bewußtseins der Beleidigung nicht bedurft habe. Gemäß leine Seiten zusammengedrängt und nicht durch eine einzige Der Antrag ist angenommen. Ein Vertreter nahm Gelegenheit, dem gestellten Antrage hob das Meichsgericht das Urtheil Zeichnung näher erläutert, so daß der Leser taum zum Bers auf grund eines Bersammlungsberichtes im Vorwärts" anzus auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. ständniß der geschilderten Erscheinungen und Apparate tommen fragen, ob es wahr ist, daß in Wilmersdorf die dem Bunde ana wird. Der Autor hätte beffer gethan, diesen Theil etwas mehr gehörende Vereinen m Lokalen tagen, in welchen Boykottbier aus Womit sich die Postbehörde beschäftigt. Ein bezaubernd auszudehnen und dafür den Anhang, einen 84 Eeiten langen geschänkt wird. Von sämmtlichen Wilmersdorfer Vereinen wird schönes Bild von dem Wirken unserer Postbureaukratie entrout werthlosen Ueberblick über die Grundzüge der Chemie, fortzulassen. Dies entschieden in Abrede gestellt. eine Verhandlung, die sich gestern vor der 135. Abtheilung des Schöffengerichts abspielte. Die taiserliche Posibehörde hatte Verband der in Buchbindereien, der Papier und nämlich gegen zwei ehrenhafte Männer, die sich man dente! Ledergalanterie waaren Industrie beschäf - eine Briefmarte von einer Werth- Packetadresse abgelöst hatten, tigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Mit Anklage erheben lassen. Warum? Sie sollten fich des enter Sozialdemokrat, Zentral- gochenblatt ber fozialdemoratif been gliedschaft Berlin hielt am 22. d. M. ihre Generalversammlung ehrenden Wergehens der Hehlerei und des Diebstahls schuldig ge- durch alle Beitungsspediteure. Das Abonnement beträgt durch die post ab. Der Vorsißende Kollege A. Sailer konstatirte im GeschäftsEingelaufene Druckschriften. Bt. ( Expedition in SW., Beuthstraße 2). Bu beziehen " D = man bericht für das 8. Quartal ein erfreuliches Fortschreiten der Or- 1 Mittwoch, den 31. Oftober, bei Mitte und Augustin, am auch die Wohnungs- und Kleidungsfrage im wesentlichen eine ganisation, das wesentlich der neuen Taktik, durch Werkstuben- Donnerstag bei Gleinert und Trittelwig stattfinden. Nahrungsfrage sei und wies darauf hin, daß noch eine Menge Bertrauenspersonen Einfluß auf Judifferente zu gewinnen, au danken sei. Die Zahl der männlichen Mitglieder stieg von 581 Der Frauen und Mädchen Bildungs Verein des anderer Ausgaben zur Unterhaltung des Lebens zu bestreiten wären, wie Heizung, Beleuchtung, Schule, Gesundheitsauf 641, die der weiblichen von 66 auf 137, im laufenden Monat arbeitenden Volkes für Berlin und Umgegend hielt am 23. Oft. pflege Wenn u. f. w. in Nieft's Festfälen eine Wanderversammlung ab, in der Genosse alles zusammen rechne: wurden weitere 150 Aufnahmen vollzogen. des Vorstandes und der Branchen Vertrauenspersonen war lichen Verhältnisse" referirte. Dem Vortrage folgte eine lebhafte den thatsächlich bestehenden Verhältnissen im größten WiderDie Thätigkeit Gründel über„ Die Volksernährung und unsere wirthschaft nußmittel, so tomme man zu ganz sonderbaren Ziffern, die mit Nahrung, Wohnung, Kleidung, die geistige Ausbildung und Gewesentlich darauf gerichtet, Uebertretungen der ArbeiterschutzBenimmungen, schlechte sanitäre und fittlich anstößige Zu- Diskussion, die sich im Sinne des Referats bewegte. Unter den thatfächlich bestehenden Verhältnissen im größten Widerstände in den Fabriken zu ermitteln und zur Anzeige zu bringen; Babnih" eine lebhafte Auseinandersehung herbei. Genoffe Hoffmann, einer Familie von Mann, Frau und brei Kindern die Summe Bestimmungen, schlechte sanitäre und fittlich anstößige zu verschiedenem führte eine Besprechung der Broschüre„ Agnes spruch stehen. Nach genauester Berechnung, unter Zugrundelegung Der Erfolg war ein guter. Dringend nöthig sei aber, das Ber- abniz" von Marktpreisen, ergiebt sich als nothwendiges Jahresbudget sowie mehrere andere Redner und Rednerinnen bekämpften entschieden trauensmänner System noch weiter auszubauen. Den Bericht die von anderer Seite erhobenen Vorwürfe, der Bersammlung von 2000 m. Die Statistik der Einkommenverhältnisse ergiebt des Arbeitsnachweises gab Rollege Stanowski. Ale arbeitslos ließen sich einzeichnen 306 Kollegen und 105 Kolleginnen. Balarlegend, wie diese Vorwürfe entstanden sind. Des weiteren jedoch, daß die große Maffe, ca. 70 pet. der Bevölkerung, noch tanzen wurden gemeldet 282 für Arbeiter und 164 für Arbeite in der Neuen Grünftr. 10 I. einen Kursus der englischen Sprache wiegenden Theile der Bevölkerung ist also eine den wissenschaftlichen wurde noch mitgetheilt, daß sich Frl. Liebknecht erboten habe, nicht einmal ein Einkommen von 900 M. haben. Dem weitaus überrinnen, von denen 181 resp. 82 besetzt wurden. Die Bibliothef besteht aus 240 Bänden bei 198 Benutzungen. Die Rechtsschutz zu eröffnen. Honorar beträgt pro Monat 1 Mart; Anmeldungen Anforderungen entsprechende, rationelle Ernährung und Lebensfommission hatte nur ein Gesuch zu erledigen. Der Bericht des hierzu sind zu richten an Fri. Gertrud Liebknecht, Charlotten- haltung unmöglich. Und dabei spricht die Bourgeoisie noch immer burg, Kantfir. 160. Saffirers Kollegen Christian weist aus: Für die Zentrals von 10-12 Uhr. Nachdem noch auf die nächste Vereinsversamm- sozialen Frage! Man weiß wirklich nicht, was bei dieſer Der Unterricht beginnt am 4. November vom Sparen und empfiehlt das Sparen als Lösung der großen tasse Einnahme 1896,10 Mark. Ausgabe 675,27 Mart ftügung 58,85 M.), abgesandt 1220,83 m.; für die Lokal- des Vereins" Rhetorit" hingewiesen, schloß die Vorsitzende die Malthusian'schen Fabel von der Uebervölkerung kommt, so fagen ( darunter Arbeitslosen Unterstützung 881 M., Reise- Unter lung am 7. November und auf die Wohlthätigkeits- Borstellung Empfehlung größer ist: die Unvernunft, der Hohn oder die Frechheit? Wenn die Bourgeoisie dann noch mit der alten taffe Einnahme 964,27 M., Ausgabe 432 M., Bestand 523,27 M. Versammlung. wir: Platz für alle hat die Erde und auch ausreichende Nahrungss Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassirer entlastet. Der mittel; die heutigen Uebelstände sind nicht absolut nothwendig, Gauvorstand erstattete furz Bericht über seine Thätigkeit, danach sondern nur eine Folge des herrschenden Systems. Die Um foll im November eine Agitationstour durch Schlesien und Posen gestaltung der heutigen Gesellschaftsform muß und wird geschaffen erfolgen. Die Wahl eines zweiten Vorsitzenden fiel auf Kollegen werden, und zwar troh ihrer Armuth. von der arbeitenden Konrad. Zu strenger Durchführung des Bierboykotts und UnterBevölkerung selbst. Es ist falsch zu glauben: man folle mur stügung der Ausgesperrten forderten Kollege Colath und der alles seinen Weg gehen lassen, umso eher würde das Volk ers Vorsitzende auf. Die Versammlung erklärte ihr Einverständniß wachen. Das ist Unsinn, denn wo die Noth am größten, da ist mit der Sperre der Cohn u. Friedländer'schen Kartonfabrik. die Energie am schwächsten, da herrscht der Indifferentismus, da herrschen die Konservativen, die Pfaffen und der Schnaps. Nur Aus diesem Grunde müssen wir wo beffere Verhältnisse bestehen, da wird gedacht und gekämpft. unser Endziel stets vor Möglichkeit zu beffern oder wenigstens einer weiteren Verschlechterung bestrebt sein, auch heute schon die Verhältnisse nach ntgegenzuwirken. Die Weltgeschichte wird nicht an einem Tage ber Massen, durch ununterbrochene Organisation zum Zwecke des gemacht. Nur durch unermüdliche Agitation behufs Aufklärung ftetigen Stampies gegen die heute herrschenden Mächte wird es vereinst möglich sein, der Arbeit zu geben, was ihr zukommt: Freiheit und Brot! Nach dem mit großem Beifall auf führung von Unterrichtskursen für die Vereinsmitglieder zur genommenen Vortrage tam der Vorstandsantrag betreffs EinDiskussion. Nach warmer Empfehlung des Antrages seitens der Genossen Winistädt, Sonnenburg, Wartmann und Keramm wurde instimmig der Unterricht in Deutsch und Geschichte je eine Stunde wochentlich beschlossen. terinnen In der Bezirksversammlung des Berliner Meta II arbeiter Verbandes hielt Herr Dr. Jo el am 24. Oft. bei Gründel, Brunnensir. 188, einen sehr belehrenden Vortrag über das Thema„ Wie sollen wir uns ernähren?" Da der Vortragende sehr erschöpfend das Thema behandelte, so fand eine Diskussion nicht statt. Bekannt gegeben wurde, daß am Montag, den 29. d. M., eine Versammlung bei Reichert, Müllerstr. 7, stattfindet. Referent Herr Dr. Joël über Religion und Gittlich feit im Lichte der Naturwissenschaft". eine " Das Ver Augen KO Der Interessenverein der Kistenmacher hatte am 22. b. M. feine Generalversammlung einberufen. Der Kassirer Einen sehr anregenden Disput rief der Vortrag hervor, Heucke verlas zunächst die Abrechnung vom 3. Quartal. Die den Stadtverordneter Dr. 3 adet am 24. Oktober bei Schneider, Ginnahme betrug 121,80 m., demgegenüber steht eine Ausgabe Annenstr. 16, in einer starkbesuchten Versammlung des Wahl von 75,15 M.; das Baarvermögen beträgt 425,22 M. Hierauf vereins für den 3. Kreis über das Thema:„ Die kommende Re wurden die Ersazwahlen der im Vorstande ausgelooften Mit- volution" hielt. Wie der Referent einleitend" bemerkte, habe die glieder vollzogen. Es wurden gewählt: Echwanherz als 2. Bor- Sozialdemokratie feit Anbeginn der Bewegung keinen Zweifel figender, Haude als 1. Rassirer, Schumann als 2. Schriftführer über ihre Stellung zur Revolution und Eduard Müller als Revisor. Beschlossen wurde, den Ar aufkommen lassen; Revolution im Heugabelfinne" tenne fie nicht. beitsnachweis von der Markusstraße 23 nach der Wallnertheater Anders die bürgerlichen Barteien; für sie ist die te ftraße 20 bei Homuth zu verlegen. Sodann fand die Wahl einer volution oder, wie sie sich auszudrücken belieben, der Um fiebengliederigen Arbeitsnachweis- Kommission statt, und wird be: sturz" zur fixen Idee geworden. Die Sozialdemokratie erfirebe, fannt gegeben, daß das Stiftungsfest am 17. November bei Niest, wie sie überall und stets betont habe, eine friedliche Umgestaltung Weberstr. 17, gefeiert wird. der heutigen Gesellschaftsordnung, da sie auf dem Boden der Der Verband deutscher Korbmacher, Filiale Berlin, materialistischen Geschichtsauffassung steht und weiß, daß die Ent hielt am 22. Oktober eine gutbesuchte Versammlung ab. Bu geschieht. Für sie sind Revolution und Evolution feine wickelung der gesellschaftlichen Formen nicht nicht urplöglich nächst wird der Versammlung die Abrechnung verlesen, die eine Ginnahme von 58,19 M. aufweist, der eine Ausgabe von 24,10 m. Gegenfäße, fie find gleichbedeutend, und ob die soziale Der Arbeiter- Bildungsverein für Reinickendorf und Ums gegenüberstand. Hierauf wird in eine Besprechung der MißFrage auf dem Wege der Reform oder gewaltsam gegend hatte am Sonntag, den 21. d. M. in Stolpe, Gasthaus stände in den Werkstätten von Angion u. Co. und Blume ein- gelöst wird, hänge nicht von der Sozialdemokratie, sondern von Bergemann eine Versammlung einberufen, in der Genosse Knauff getreten. Die Beschuldigungen wurden durch die Anwesenden Meinung der Bourgeoisie und erkennt die Bedeutung der Sozial- genommenen Vortrag hielt. Da die Diskussion zu einem recht den herrschenden Klassen ab. Auch die Regierung theilt die über Weltschöpfung und Weltuntergang" einen mit Beifall auf theils widerlegt, theils zugegeben. Festgestellt wurde, daß die demokratie sehr wohl an, zu gleicher Zeit aber auch die Dha- lebhaften Meinungsaustausch Anlaß gab, so wurde Genosse Knauff Löhne in den beiden Werkstätten reduzirt sind. Es entspann fich macht ihrer eigenen Mittel, die der Sozialdemokratie den ersucht, seinen Vortrag in einer öffentlichen Versammlung noch nun eine lebhafte Debatte, in der besonders den dort Arbeitenden dargelegt wurde, wie nothwendig es ist, sich der Organisation Pflästerchen noch Ausnahmegesetze haben es vermocht, fie Wind and den Segeln nehmen sollen. Weder soziale einmal zu halten. anzuschließen. Gerade die Arbeiter aus jenen Werkstätten in ihrem Siegeszuge aufzuhalten und dem fiechen Gesellschaftsburg hielt am 21. Oktober seine Generalversammlung ab, in müßten an der Spiße der Bewegung stehen und den andern zum förper Heilung zu bringen. Jezt ist die Regierung rathlos, auf welcher der Vorstand Abrechnung und Bericht vom legten ViertelDer sozialdemokratische Verein für Stralau- Nummels Vorbild dienen. Da die Besprechung über die Zustände bei Blum welche Weise sie dem Umfichgreifen des Unzufriedenheitsbazillus jahre gab. Danach hat der Verein zur Zeit 236 zahlende Mitnoch nicht erschöpft war, so wurde beschlossen, die Angelegenheit nochmals auf die Tagesordnung der nächsten Bersammlung zu setzen. begegnen soll. Diese Nathlosigkeit charakterifire sich so recht einer im Verlage von Otto Liebermann in Berlin glieder, der Kassenbestand beträgt 151,28 m. Die feit einem Kollege Jungnickel ermahnte die Anwesenden, in ihren Kreisen erschienenen Schrift des preußischen Geheimen Regierungs- Bierteljahr bestehende Einrichtung, daß bei Mitgliedern, welche für die energische Durchführung des Boykotts zu wirken. Für igre Beiträge länger als 3 Monate schulden, in den Wohnungen die Werkstatten von Rösemann und Steinicke wurde je ein Ber Raths v. Massow über die kommende Revolution. trauensmann gewählt. Dann gab der Borstand bekannt, daß der fammlung ungeheure Heiterfeit. Der Redner fnüpfte an dieses letzten Jahres ist die Mitgliederzahl gewachsen, was dem Verein trauensmann gewählt. Dann gab der Vorstand bekannt, daß der lesen einiger Stellen aus dieser Broschüre erregte in der Ber- affirt wird, hat sich auf das beste bewährt. Im Laufe des en gu guren ber fübie Streit der Dranienburger Kollegen durch ihr Ifestes Zusammen: Berlesen eine Erläuterung der Forderungen und Grundsäße zuführen. Die Vorträge, bie gehalten wurden, haben agita halten zu gunsten der Arbeiter entschieden ist. Dies sei wieder für diejenigen ein Beweis, welche immer meinen, unsere Be lank und Kautsky, die sich die Regierung für 10 Pf. aus jeder noch regere Thätigkeit des Vereins erwarten. Die Versammlung unſeres Programms und meinte, aus der Broschüre von Schöne uführen. Die Vorträge, bie gehalten wurden, haben agitatorisch gewirkt und lassen für das nächste Jahr eine wegung nüßt nichts. Zum Schluß seien die Kollegen noch auf das am 3. November( bei Deigmüller, Alte Jakobstr. 48a, statt. Buchhandlung beschaffen könne, bätte sie es sehr leicht, sich mit überwies von dem vorher genannten Bestande 50 W. an ben findende Stiftungsfest aufmerksam gemacht. unseren Grundsäßen vertraut zu machen und es könne ihr dann Bertrauensmann und 75 M. den Brauerei- Arbeitern. Sie bes nicht schwer fallen, die darin geforderten Reformen allmälig zur schloß ferner, daß der Bibliothek, die jetzt 127 Bücher im Werthe Eine öffentliche Versammlung der im Ladirer- Durchführung zu bringen. Da sie es nicht thue, sondern nur non 222,80 m. enthält, 50 Protokolle des Frankfurter Parteigewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbei im Aufmarschieren des rothen Gespenstes, in Stimmungmachen für tages einverleibt werden sollen, die dann an Mitglieder zum nnen fagte am 22. Oftober bei Wienecke in der Alten neutrale allen Jakobstraße. In seinem einleitenden Referat warf der Genoffe erblickt, so erwachse allen zielbewußten Proletariern die doppelte Selbstkostenpreise abgegeben werden können. Man schritt hierauf Fleischer einen Rückblick auf die Frauenbewegung, deren An- Pflicht, energische Agitation zu betreiben, damit auch die bisher zur Vorstands- Neuwahl und ernannte die Genoffen Paul Börner fänge, Verlauf und die Kämpfe, die sie bis zu ihrem heutigen noch indifferenten Massen zum Selaffenbewußtsein erwachen. zum Vorsitzenden, Hanke zum Kassirer, Weithase zum Schrift Bestehen durchzumachen hatte. Er versprach sich nur Vortheile( Langanhaltender Beifall.) In der Diskussion schilderte zunächfi führer; Jakobowit Baht und Tröbbom zu Hilfs. von einer Organisirung der Frauen, wenn diese gemeinsam mu Bergmann Hüb das Grubenunglück in Mährisch- Oftrau und er: Dersonen; Franz, Vogt und Staffelt zu Beifizern; ben männlichen Arbeitsfollegen geschieht. Die Lacirer müssen sich stattete den Dank namens seiner mitverunglückten Kameraden Bum Bibliothekar wurde Rosenkrantz wiedergewählt. Beschloffen Terner Ritter, J. Schmidt und Ferd. Philipp zu Revisoren. aber vor allen Dingen follegialer gegen ihre Kolleginnen benehmen, für die bisher von den Berliner Arbeitern ihnen zugewiesene wurde noch, ein Weihnachtsvergnügen, felbstverständlich mit diefe als gleichberechtigte Arbeitsgenoffinnen betrachten, um sie Unterstützung. Der zweite Redner war ein Demokrat Brieg. Frauen zu veranstalten. Da die Behörde die bisherigen Beraufzuklären und aufzumuntern die Versammlungen zu besuchen, der fich mit dem Referenten insofern einverstanden fich an den Diskussionen zu betheiligen und der Organisation erklärte, als es unser politisches Programm Programm betrifft. gesehen und daber sie nur genehmigte, wenn die Frauen davon gnügungen des Vereins als eine Thätigkeit des letteren an beizutreten, damit, wenn der voraussichtliche Kampf um den Verzichte die Sozialdemokratie auf Neunstundentag im Frühjahr losbricht, sie nicht als die immer wäre der Boden zur gemeinsamen Arbeit mit der bürgerlichen Behörde auf diesem, von den Anwesenden nicht für gefeßlich zuausgeschlossen würden, wurde der Borstand beauftragt, falls die rechtlos Behandelten die Rämpfenden in den Rücken fallen, fon Demokratie gefunden.( Widerspruch.) Im Sinne des Referenten läffig erachteteten Standpunkt beharrt, das Fest abzuhalten und bern als treue, gleichberechtigte Arbeitsgenoffinnen erfolgreich sprachen dann die Genossen Aeu stergerling, Wilhelm, eventuell eine Strafe zu ristiren, damit dann gerichtliche Ent. mitkämpfen. In der Diskussion führt Kollege Rautenbaus Peymann und Wagner. Letztere beiden Redner und der spezielle Mißstände an. In einer Zacfirerwerkstatt in der Oranien- Referent setzten unter lebhaftem Beifall an dranischen Beispielen scheidung beantragt werden könne. ftraße werden fast ausschließlich Mädchen beschäftigt bei 6 M. Wochen auseinander, welchen Werth die Wassersuppentheorie der bürgerlohn und 11stündiger Arbeitszeit.Robert Müller in der Dresdenerstraße, lichen Demokraten für die Arbeiterklasse habe. Ohne die Grund 22. Oftober im Müller'fchen Lotale in der Bring Albertstraße Für Stralau, Rummelsburg und Umgegend tagte am Junungsmitglied, bietet sich an, Gehänge( Lampenbranche), die form der Produktionsweise zu ändern, sei an eine Besserung der eine öffentliche, gut besuchte Boltsversammlung, um den gegen durchschnittlich mit 20 Pf. bezahlt werden, für 15 Pf. zu liefern, Lebenslage der Arbeiter nicht zu denken; deshalb sei auch das wärtigen Stand des Bierboykotts zu erörtern. In einem febr mit der Begründung, daß er noch nebenbei einen gutbezahlten demokratische" Programm Humbug. Zum Schluß theilte der beifällig aufgenommenen Referate wies Genoffe Schöpflin Raffenposten bekleidet. Burschen von 17 bis 18 Jahren, die er Borsigende Kräter mit, daß der Vorstand beschlossen habe, in aus Berlin auf die schamlose Zumuthung der Brauereibefizer mit Lehrlinge bezeichnet, müssen diese Gehänge arbeiten. Rohl Anbetracht der Weiterdauer des Bierboykotts von dem Abhalten hin, wonach die Arbeiterschaft es sich gefallen lassen sollte, daß in der Oranienstraße hat Arbeitsleistungen, die ortsüblich mit des Stiftungsfestes in Sanssouci Abstand zu nehmen. 11 ledige und 22 Brauereiarbeiter Familien mit 41 Kindern 1,75 Mart bezahlt werden, bis 31 1,50, 1,40 Mart berabgebracht, durch Unteranbietung. Lastberg in ber Friedrichshagen. In der letzten Monatsversammlung des dem Hungertode überliefert würden. Angesichts dieses Verhaltens Waldemarstraße läßt Mädchen mit 8 bis 9 Mart anfangen; referirte" der Reichstags. Abgeordnete Genosse G. Wurm in Redner die Anwesenden auf, energisch auf Durchführung des hiesigen Arbeiter Bildungsnereins" am 13. Oftober des Brauringes und angesichts der Unterstüßung, welche der allerdings steigen diefe Löhne bis zu 12 M., in feltenen Fällen äußerst fesselnder und leicht verständlicher Form über Die Boykotts zu halten. Jeder einzelne müffe auf seinen Nebenmann lettere bei Saalbefizern und Polizei gefunden hat, fordert auch 15 M. Im allgemeinen ist die Lage der Arbeite- ebenshaltung der Arbeiter". Gr wies zunächst den Boykotts zu halten. Jeder einzelne müffe auf seinen Nebenmann rinnen im Ladirergewerbe derart, daß, wenn dieselben Vorwurf der Gegner von der übergroßen Begehrlichkeit" der sollten, daß die Zukunft nicht der alten Generation, sondern Er dahin einwirken, namentlich auf die jungen Leute, die bedenken nicht zuschußfäbige Eltern oder Verwandte am Orte haben, fie unweigerlich der Prostitution verfallen müssen. Massen zurück und setzte dann das Unzutreffende des sogenannten ihnen gehört; vor allem sollten auch die Frauen sich vorsehen, In der weiteren Debatte wurde gerügt, daß die Kollegen während Redner behauptete sodann, daß die Lebenshaltung großer Maffen liner Resolution vor, welche nach kurzer Diskussion, in der sich ehernen Lohngesetzes" für die Jeytzeit auseinander. Der der Saison nach ihrem Feierabend in den Fabrikbetrieben noch daß sie kein Ningbier bekommen. Der Referent schlägt die Ber zu Gentsch gehen und dort arbeiten, nach Beendigung der heute auf einer so niedrigen Stufe angelangt sei, daß sie nicht mehr Gegner nicht meldeten, einstimmig angenommen Eaison aber naturgemäß der Krankenkasse zur Last fallen schlechter fast werden könne, und Nachdem über die brutale Behandlung in der Müller'schen Bude, auch in den Kreiſen, welche den Hunger noch nicht stimmt, sondern auch Veranlassung genommen, die Arbeiterschaft vor Die Diskussionsredner hatten nicht nur dem Referenten zuge wo das Anbieten von Backpfeifen feine Seltenheit, ist und über Denn Sattfein", oder, richtiger ausgedrückt, fittenwidrige Einrichtungen bei Lastberg, wo die Mädchen den fein. Er führte vor Augen, daß der Körper des Menschen eine ihm das Blakat, daß er fein Ringbier ausschänkt, zuzuerkennen. teinen Hunger fühlen" heiße noch lange nicht: richtig ernähri bem Lesen bürgerlicher Blätter, bie fie doch nur belügen, zu warnen. Der Gastwirth Bort ersuchte wiederum die Voltsversammlung, Umfleideraum der Männer paffiren müssen, verschiedenfach Klagen laut geworden, wurde einer Resolution zugestimmt, die die fomplizirte Maschine sei, bie nur richtig funktionire, wenn sie Die Versammlung stellte es der Boykottkommission anheim, nach Lacfirer verpflichtet, dahin zu agitiren, daß die in dem Gewerbe ordentlich in Stand gehalten werde. Hierzu sei vor allem eine Zum Schlusse wurde auf die über 14 Tage stattfindende Filial. Chemie, babe durch zahlreiche Experimente genau nachgewiesen, feft, daß die vor einiger Zeit von einer Seite aufgestellte Be beschäftigten Arbeiterinnen der Organisation zugeführt werden. fräftige Ernährung nothwendig. Die Wissenschaft, speziell die eigenem Ermessen in dieser Angelegenheit zu handeln. Auf Ersuchen des Gastwirths Bowinkel stellte die Boykottfommiffion Berfammlung aufmerksam gemacht, nachdem man zu Revisoren wieviel Eiweiß, Stärkemehl und Fett der Mensch mindestens der Abrechnung der Agitationskommission die Kollegen Schön brauche, um richtig ernährt zu sein. Wäre die Wissenschaft Den Anwesenden wurde noch besonders an's Herz gelegt, das hauptung, er babe Ringbier bekommen, auf unwahrheit beruht. heute nicht auch ein Stlave des Rapitalismus geworden, so Lokal von Michalski zu meiden und das Jungbier deffelben nicht müßte sie laut und vernehmlich die Ergebnisse ihrer Forschung und Schneiderinnen am 23. Oftober nach Albrecht's Lokal Kapitalismus, so müßte er die unzweifelhaften Forderungen der die brei Genoffen Schirmer, Niek und Beier. Eine von der Agitationskommiffion der Schneider vertreten, und wäre der heutige Staat nicht nur der Büttel des zu trinken. Nach einem Schlußworte des Referenten verstärkte die Versammlung die Boykottkommission für Rummelsburg um in der Memelerstraße einberufene Bersammlung zeigte einen nur Wissenschaft zu verwirklichen fuchen, also einen zur Bestreitung dürftigen Besuch. Die Referentin, Frau Reimann, gab in einer richtigen Lebenshaltung ausreichenden Minimallohn ein- Bitherverein Heimathsklänge". Uebungsstunde jeben Freitag abend. ihrem Vortrag eine treffende Kritik der überaus traurigen Ver- führen. Die Sorge hierum lehnt der heutige Staat aber ab, er 8% uhr im Restaurant Nowat, Manteuffelstraße 9. hältnisse in der Konfektion. In der Diskussion nahm ein Redner fümmert sich höchstens noch um die genügende Ernährung des Schule, Mullerfraße 179a und Sudo ft- Schule, Waldemarftr. 14, Arbeiter- Bildungsschule. Freitag, Abends von 8X- 10% Uhr: Nord: Veranlaffung, seine Erfahrungen bei der Firma V. Manheimer Militärs, nicht um die der Ziviliften. Deutsch( Logit und Nethorit). Bet allen Unterrichtsfächern werden neue zum Besten zu geben. Bei dieser Gelegenheit ward auch wieder ein Artifel des Ronfektionär" besprochen, dessen Behauptungen pflegungssaß von durchschnittlich 1 Mark als Grundlage, so ad. Neumann, Pafewalferstraße 8. Nimmt man den für das Militär pro Tag zugebilligten Ber. Theilnehmer. Tamen und Herren, jeder Seit aufgenommen. Arbeiter Sängerbund Serline und Umgegend. Borsigenber von W. Schulz eine entschiedene Abfertigung erfahren. Zum brauchte hiernach ein verheiratheter Arbeiter mit Frau und zwei talender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelitr. 49, v. 2 Tr. Freitag. Alle Aenderungen im Bereins Echluß stimmte man einer Resolution zu, die die Anwesenden Kindern im Durchschnitt mindestens 3 Mart nur zur richtigen etungsfiunde Abends 9-11 Uhr. Aufnahme von Mitgliedern. Collegia, auffordert, dafür zu agitiren, daß die Fernſtehenden dem Ver: Grnährung. Redner beleuchtet als Gegenſtüc biezu manteuffetfr Manteuffelstr. 9 Bet Nowac. Raiser'scher Männer chor, Schönhauser bande deutscher Schneider, Schneiderinnen und verwandter Berufsfannten Kochrezepte für das arme Bolt von dem Zentrums- Auguftin. – Kummes etter, Gefangverein 37oth, Raftanien- allée 11, bet Langestraße bet Tempel. genoffen zugeführt werden. Sodann wurde zu reger Betheili- Abgeordneten Kaplan Hige, welche die rheinischen Fabrikanten Arbeiter Gesangverein Spandau in Spandau, Neunmeisterftr. 5, bei Radite. gung der Werkstellendelegirten- Sigungen aufgefordert, die am ihren Arbeitern empfehlen. Der Referent legte dann dar, daßsangesbrüder Moabit, Stromstraße 28 bet sange. Buchbinder Männerchor, Holzmarttstr. 3, bei Deter.-Beretute Gesangverein und Kunzmann gewählt hatte. fennen. bas Uebrige, dann zwar 1000 wurde. Maig löckchen 1, Hochfir. 32a, bei Wilfe. Kreuzberg, Schön-| Schmidt. Teinfir. 6 bet raaz.- Gemüthlichkeit, Neue Friedrichstr. 44, bei Röllig. Tauschte. Deutsche Liedertafel, Blumenftr. 38, bei Wiedemann. Gefangverein Sand in hand I, Reichenbergerstraße 24 bet| beiter- Turnerbundes) turnt Dienstags und Freitags Abends von 8-10% Uhr Gefang- und Orchesterfierverein Stralauer Steber: Ackerstr. 67. Enpo tafel, Rummelsburg, Sauptstr. 83 bei Bowinfel( Gefang).Turnverein Fichte( Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes graphia, Gefangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer, Armin- Treu und Einigteft, Rirdorf, Prinz Sandjernftr. 58 bei Reden. Gefangverein Deutschlands.) Die zweite Männer- Abtheilung turnt jeden Dienstag und hallen, Kommandantenstraße 20.- Gefangverein Lorbeerzweig, Swine- Gesangverein Frohsinn, Rummelsburg, Göthestraße, Ede Kantfraße, bet offnung übt jeden Freitag Abend von 9-11 Uhr bei Schuhmacher, Freitag Abends von 8-10 Uhr in der Staligerftr. E5/ 56.- Kraft Turnverein münderstr. 35 bei Hübner. Gefangverein Rheingold, Büschingstr. 7 Mertens.- Gefangverein der Metallarbeiter( Dit), Blumenftr. 46. bet Jakob. Sängerchor der Maler, Annenstr. 9 bei Albert Prog.-, Bücklerstr. 49 Musikverein Hoffnung, Abends von 9-11 Uhr Uebungs Gefangverein Melodia, Nirdorf, Bergstr. 142 bei Schimtäfe. Fris Alle Buschriften sind zu senden an P. Gent, Adalbertstr. 95. Freitag: alle Freitage von 9-11 Uhr im Restaurant Doberstein, Mariannenstr. 31/ 32. Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. stunde Proskauerstraße 35-37 bet Schneider. Musikverein„ Osiris" tagt Naunynstraße 86 bei Frig Bubeil. Brandenburger Männere Stattlub Kairo, Abends 8 Uhr bei Flick, Simeonftr. 23. Gesangverein in Brandenburg a. S., Mengerts Boltsgarten, Bergstraße. Bitherflub Waldrose, Abends 9 Uhr, Manteuffelftr. 86, Parterres Gefangverein Freya II( gem. Chor), Rigdorf, Hermannstraße 140, Wedding, Abends sy Uhr, bei Schäfer, Steue Hochstr. 49. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Freitag. Quartettverein Refiaurant. Verein Grüne Zanne, Abends 9 Uhr, bei kaiser, Martusbet Daniel Böttcher. Apollo, Grünftr. 21 bet Sommer. Männerchor straße 8. Gefang Walde srauschen, abends 9 Uhr, bet Weigt, Wtartgrafeufir. 87.- Privat verein Moabit, Havelbergerftr. 31, Freie Liebertafel, Lichten- Theaterverein Grescendo, Abends 9 Uhr, bei Schulz, Puribuferftr. 35. Stattlub Schnitt, Abends 9 Uhr, bei Trittelwig, Faltenfteinftr. 7. bergerstr. 21 bei Heife.. Nordwacht, Müllerstr 7, bei Reichert. Tanzlehrer- Verein Solidarität, Restaurant Ehrenberg, Annenstr. 16, Freie Theaterverein VuItania, 9 Uhr, Jäger's Gesellschaftshaus, Gartenstr. 13/14. Abends 8% Uhr, Sigung. Sänger, Schmargendorf, Warnemünderstraße bei Friedrich. Gefangv. Sängertreis( Weißensee), Rölteftr. 138 bei Play. M.beiter: Vergnügungsverein Im Brand, Sigung bei Stawide, Barnimfir. 22. Lese- und Dishutirklubs. Freitag. Karl Marr, Abends 8 Uhr, Grünthalerstr. 4 bet Hämmerling. Loreley, Bergnügungsverein husne Ida, Freitag, Abends 8% Uhr, bei Zubeil, bei Gruber, Mariendorferstr. 5. Lustige Sänger, Potsdam, Bran- Lindenstraße 106. -We fien, bei H. Werner, Bülowfir. 69. denburger Kommunitation 16 bei Glafer.- Bieber'scher Männer= Unterhaltungs- und Leseklub Schiller bei A. Bugge. Lübeckerstr. 22. chor, Rosenthaleritr. 67 bei Wernau. Geselligteit, Hennigsdorf, Eriday at 9 p. m. at Beherns Restaurant, Königstr. 62. Lecturer Mr. J. Bloch. English Conversational Club Shakespeare. Meeting every Böhmert's Ganhaus. Drante, Weißensee, Königs Chauffee 19. Guests are welcome. Johanni, Rüdersdorferstr. 45, Gefellschaftshaus Oftend. Gängerverein Sorgenfrei, Admiralfir. 18c, Märkischer Hof. Gangesfreund, Dragonerftr. 32 bei Kamlowsty. Gefangverein Sängertette, Urban ftraße 84 bet Schriet. Gefangverein acht auf I, Wörtherstr. 19 bei Berliner Zurngen offenschaft. Die erfte Männerabtheilung turnt Freitag und Dienstag Abend von 8-10% Uhr in der Turnhalle des Lessing- Gymnasiums Pantsir. 9-10.- Turnverein Gesundbrunnen die 1. Männer- Abtheilung turnt heute Abend von 8%-10% Uhr in der Turnhalle des Leffing- Gymnasiums, Pantitr. 9-10.- Kraft und Artisten: flub Berolina jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bet Grüßner, Waldemarstr. 42. Turnverein Germania( Mitglied des deutschen ArFrauen- und Mädchen- Bildungsverein des arbeitenden Volkes für Berlin und Umgegend( Filiale Nord). Versammlung Orts- Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin, Hierdurch wird auf grund des§ 66. bes Statuts bekannt gemacht, daß die am Freitag, den 26. Oktober 1894, Abends 8 Uhr, Raffe 3. 3t. 14 998 Mitglieder hat und im ,, Viktoriagarten", Badstraße 12. Tages Ordnung: 119/15 1. Vortrag. Referent: Dr. Weil. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes.- Herren als Gäste willkommen. Um zahl reiches Erscheinen, besonders der Frauen, bittet Der Vorstand. Freie Vereinigung der Bauanschläger Berlins und Umgegend. General- Versammlung am Sonntag, den 28. Oktober, Vormittags 10 Uhr, bei Röllig, Neue Friedrichstraße 44. Tages Ordnung: 1. Wahl eines Schriftführers. 2. Raffenbericht. 3. Das Helferthum. Referent 0. Schenker. 4. Diskussion. 5. Aufnahme neuer Mitglieder. Berschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 84/8 Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung sämmtlicher nach§ 49 d. St. daher 1. aus der Zahl der Kassenmitglieder 150 Vertreter, 2. aus der Zahl der Arbeitgeber 75 Vertreter für die Jahre 1895 und 1896 neu zu wählen find. Wahlberechtigt und wählbar find Buchhandlung des„ Vorwärts" Berlin SW., Beuthstr. 2. Heute gelangt zur Ausgabe: Leipziger Hochverraths- Prozeß Heft 13. Preis pro Heft 20 Pf. nur solche Personen, welche großjährig Bestellungen nehmen noch jetzt alle Buchhandlungen, Kolporteure und und im Besitze der bürgerlichen Ehren rechte find. Die Wahl der 150 Vertreter der Sonntag, den 11. November cr., Kaffenmitglieder findet Vormittags 10 Uhr, und die Vorversammlung hierzu, be hufs Aufstellung der Kandidaten Sonntag, den 28. Oktober cr., Vormittags 10 Uhr, im Saal Kommandantenstr. 20( Armin Hallen) statt, wozu die Wähler hierdurch eingeladen werden. Die Wahl ist geheim. Zutritt zum Wahllokal haben nur wahlberechtigte Mitglieder der diess. Rasse; diese sich durch das bis abgeStempelte Quittungsbuch, sowohl beim Gaft- und Schankwirthe Berlins u. Umg. um lesten Bablungsterminab am Freitag, den 26. Oktober cr., Nachmittags 5 Uhr, Eintritt in das Wahllokal, wie zur in Buß' Salon, Gr. Frankfurterstr. 85. Tages Ordnung: 1. Wie stellen sich die Gast- und Schankwirthe Berlins und Umgegend zu dem Bier- Boykott? Referent: Gaitwirth Paul Hilpert. 2. Diskussion. Steuerquittung dient als Legitimation. Die Zwölfer- Kommission. J. A.: J. Henke. Oeffentl. Versammlung der in 1307 Holzbearbeitungsfabriken und auf Holzplägen besch. Arbeiter am Sonntag, den 28. Oktober, Vormittags 10 Uhr, bei Wilke, Andreasstraße Nr. 26. Tagesordnung: Ausübung des Wahlrechtes am Wahl. tische zu legitimiren. Zu diesem Zweck werden die Arbeitgeber aufgefordert, den bei ihnen beschäftigten Raffenmitgliedern die Quittungsbücher ordnungsmäßig quittirt auszuhändigen. Die Kaffe ist am Wahltage geschlossen. Die Wahl der 75 Vertreter der Arbeitgeber findet Montag, den 12. November cr., Abends 8 Uhr, und die Vorversammlung hierzu behuss Aufstellung von Kandidaten Dienstag, den 30. Oktober cr., Abends 8 Uhr, 1. Bericht des Delegirten zur Gewerkschafts- Kommission. 2. Kassen im Restaurant Röllig, Neue Friedrichbericht. 3. Neuwahl der Vertrauensmänner und des Delegirten zur Gewertstraße 44, statt, wozu die Arbeitgeber schafts- Kommission. 4. Bericht der Prüfungs- Kommission. 5. Gewerkschaftliches. Der Vertrauensmann. 144/5 Deutscher Holzarbeiter- Berband Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 31. Oktober, Abends 8½ Uhr, in den Armin Hallen", Kommandantenstraße Nr. 20: = General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Bericht der Ortsverwaltung, der Beisiger, der Werkstatt- Kontrollkommission und des Arbeitsvermittlers. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Sonntag, den 28. Oktober, Vormittags 10% Uhr, bei Nieft, Weberstraße Nr. 17: Bezirks- Versammlung für den Osten. Tagesordnung: hierdurch eingeladen werden. Berlin, den 24. Oktober 1894. Der Vorstand. A. Dähne, Vorsitzender, Demminerstr. 66. A. Kelpin, Schriftführer, Demminerstr. 54. Aufforderung! [ 200/7 Der Töpfer Oskar Wolff, Lichtenberg, wird hierdurch aufgefordert, seinen Verpflichtungen der Partei gegenüber beim Genoffen Bernhard Lange, Wartenbergstr. 67, nachzukommen. Gelegenheitskauf 1. Vortrag des Herrn Hoffmann über: Baffermannsche Gestalten". ipottbillig verkauft werden. Ganze 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. Sonntag, den 28. Oktober 1894, Vormittags 10 Uhr, bei Schöning, Stallschreiberstr. 29: Zusammenkunft der Parquettbodenleger. 142/17 Lages Ordnung: Besprechung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Um zahlreichen Besuch aller Versammlungen ersucht Achtung! Die Ortsverwaltung. Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 29. Oktober 1894, Abends 8 Uhr, in Sanssouci, Kottbuserstraße. 4a: Große öffentliche Versammlung. Tagesordnung: Wie stellen sich die Kollegen zu dem bevorstehenden Lohnkampf? Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Ehrensache, daß alle Kollegen am Blaze sind. Die Frontenpuzer außer dem Hause sind besonders eingeladen. Die Werkstatt- Kontrollkommission. Hercules 197/19 Harmonikas mit Uhrfeder- Stahltönen und echtem Lederbalg mit Stahleden sind die haltbarten und daber BF billignen der Welt. 2 Jahre Garantie. Preisliften gratis und franko. 178M A. 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