Nr. 635 ♦ Z7. Jahrgang Ausgabe B Nr. ISO VezagSpretS: !fecteI15�tL9t),—®Umon(tfl.W,— frei in« 6aa». oocous zahlbar. Pol«- ttme Moaalllch 10,- Ml. exkl-Au- PellungsgidLhr. Unter Kreuzband fiii Deutschland und Oesterreich lS.ö0 Ml. für dos übrige Ausland bei täglich eimnal. Zustellung 21S0 M. Vostae- ftellungcn nevllien an Oesterreich. Ungarn, Tfchecho- Slowakei, Däne- wart. Solland, autemdurg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen w die Dost-�eitunas-Preislisre. Der.Vorwärts' mit der Sonntag» bellage.Voll u. sleit' ericheint wochen- täglich zweimal. Sonnlag« und Mon- tag» einmal. Telezramm-Adreffei „SazlalNcmofcat Berlin". Abend Ansqabe Oerliner Volksblstt Änzeigenprets: Dl« achtgelpaltcnc Nonpareille??! kostetS,— M., Teuerungszuschlag i"ic. »Sieine linzeigen", das ikti» gedruckte Wort 1.— M.(zulässig zwe ettgedruckte Worte), iedes weiter! Wort 00 Pfg. Stellengesuche un Schlafstellenanzeigen da? erste War 65 Pfg. icbe? weitere Wort 40 Pfg Worte Uber 45 Buchstaben zählen Iii zwei Worte. Teuerungszuschlag ä0«..> Familien-Anzeigen für Abonnenten Zelle ch— M., politische und gewerkschaftliche Vereins» Anzeigen Z,— MI. die Zeile ohne Aufschlag Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Ahr nachmittags im ö-uptgischStt, Berlin SW.i, Linden- stratze 3, abgegeben werden.®«Bffnci von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokrati Tchcn Partei Deutfcblanda tum KeSaLtion und Expedition: SW. 6S, Lindenstr. 5. Neruivrewer: Amt lviorluviat», Nr. l.al SV— lläl 37. Eisenbahner gegen öen Streikerlaß. Der von den Elsenbahnerorganiiationcm eingesetzte Sech- zehnerausschuß erläßt folgende Erkläruilg: Die Großorganisationrn des Eiseubohnpersonals haben durch die Schaffung riuer lückenlosen Einheitsfront zur Ber- tretung der berechtigte« wirtschaftlichen Interesse» aller Eisen- bahner den Ausbruch wilder Streiks verhütet und die Bewegung in geordnete Bahnen gezwungen. Um so unver- ftändlichcr ist es, das? der ReichSvrrtehrsminister anstatt durch als- baldige Aufnahme vou Verhandlungen die Organisationen in diesen Bestrebungen zu nnterstütze», durch Herausgabe von Strcikerlasscn und Drohungen mit Disziplinarmaßnahmen, zn denen ein tatsäch- licher Anlaß nicht gegeben ist, die Lage verschärft und die draußen herrschende Erregung ins Unqemcssenc steigert. Diesen Erlassen des Ministers fehlt jeglicher Rechtsgrund. Der Reichsminister vermag sich lediglich ans eine Erklärung der Preußischen Staatsregierung z» berufen, obwohl die R e i ch s Verfassung, auf welche der Minister und die Beamten ver- rivigt ssnd, den Beamten in Artikel 109 grundsählich die volle staats- bürgerliche Gleichberechtigung«nd In Artikel Ikist dle unein- geschränkte Bereinigungsfreiheit gewährleistet. Was jetzt zur Erörterung steht, ist nicht die Frage, ob die Eisenbahner das Recht zum Streiken, sondern ob sie für sich und ihre Familie« die Mittel zum Leben haben. Pflicht einer Regierung, die von ihren Bedienstete» Hingabe und hvchiucrt»ch Leistung und von ihren Beamten ein besonderes Treueverhältnis verlangt, ist es, für deren Existenz ausreichend zu sorgen. Dieter selbstverstäudlichen Pflicht ist die Regierung nicht«achgeiommeu und hat dadurch ihre Arbeitnehmerschast in eine Zwangslage gebracht. Tie Frage eines Eisenbahnerstreiks wird nicht durch vapierene Erlasse und Verordnungen entschieden, sondern durch das Maß de? Entgegenkommens gegen- über de« Forderungen der Organisationen. Gegen den Versuch des Ministers, den BcrhandlungSboden zn verschieben, erheben die Organisationen schärfsten Protest. Dies« Kundgebung ist Non dem Tcchzehnernusfchuß be- schlössen worden, der sich aus Vertretern der Großorganisa- lionen der Eisenbahnbeamten und Arbeiter Zusammensetzt. Tic Einladungen der Regierung zu der Konferenz am Mittwoch lassen vorläuftg nicht erkennen, worüber der Verkehrs- und der'�finanzmimster verhandeln wollem Aller Wahrschein- lichkeit nach dürste man sich zunächst grundsätzlich über den Ttreikerlaß auseinandersetzen s bevor die materiellen Forde- mngen der Eisenbahner bewrochcn werden. Ultimatum gegen üie Einwohnerwehren! «ach der„Tena" werden in Berliner Ententekreisen Einzel- hciten über die Beratungen der Pariser Botschasterkonferenz wegen der deutschen Selbstschutzoraanisationcu bekannt. Danach wurde die Ueberweisw'g der Entscheidung au die alliierten Regierungen drshirlb beschlossen, weil Repressalien ins Auge gefaßt wor- den sein solle». Die Entente soll in einem Ultimatum an die ReichSregierung davon Mitteilung machen, daß sie in einen w e i- tereu Aufschub der Auflösung und Enftvatsnuag der deut- schcn Einwohnerwehren nicht willigen könne. Unter de» Druck- mittel», die gegebenenfalls zur Anwendung kommen sollen, stehe nicht nur die Besetzung dcS RuhrgcbietS, sondern auch ein Einmarsch in B aHern. General Nollet dürfte in der kommenden Woche in Berlin eintrefsen«nd der deutschen ReichSregierung die letzten Beschlüsse übermitteln. N-ch Münchener Moldungen soll der englische Generalkon- sul sich für ein begrenztes Weiterbestehen der Orgesch ausgesprochen haben; tatsächlich miacht die stürneS-kostÄKcherische »Münch-AugSb. Abendztg." auch schon Front gegen den f r a n z ö- fischen Gesandten wegen NolletS unbedingter Orgeschfeindlichkeit. Nur keine verftänöigung! Genf, 29. Dezember st.Frkf. Ztg.") Im Anschluß.an den Bor- stoß des früheren Kriegsministers Lefevre hat sich Abg. Tar- bleu in einem Brieiwechsel mit dem„Echo de Paris" eingelassen über die Berechtigung einer Auslegung des Artikels 429. wonock die Räumung des linken Rbeinufers schon jetzt nicht mehr an die Fristen von fünf, zehn und stinizehn Jahren gebunden sei, weil England und die Bereinigten Staaten von Nordamerika ihr Allianzversprechen in dem Falle eines deutschen Angriffs- krieg eS nicht ratifiziert haben. Da auch andere chauvinistische Bläk- ter sich in dieser Richtung ereisern, liegt die Vermutung nahe, daß die ganz« Aktion Lesevres auf den Einfluß hervorragender militärischer Persönlichkeiten zurückzuführen ist, welch« die Regierung dazu drängen möchten, die Verhandlungen über di« Auflösung der Einwohnerwehren in Bayern und m Ostpreußen und die Festlegung der Kriegsentschädigung zu einem Tauschgeschäft mit England zu benutzen, um frei«.Hand am Rhein zu bekommen. Gegen dieses Treiben wendet sich ein Artikel VivianiS fm„Petit Journal". Biviani kommt darin Ministerpräsidenten Leygues zu Hilf« und macht di« uube- dingten Imperialisten darauf anfmecksam. daß sie im Begriff seien. auf die Revision des Versailler Friedensvertrages hinzuarbeiten, aber in einer Richtung, die dem Vertrag des Ansehens be- rauben würde, daS er als Werk der Alliierten besitzt, um aus ihm ein neues Kriegsinstrument zwischen Deutschland- und Frankreich zu machen. Klara Zetkin in Tours. Wie der„B. Z." aus Paris gemeldet wird, erschien Klara Zetkin trotz Ginreiseverbots plötzlich auf dam Sozialisteiikrmgreß in Tours, sprach alsbald gegen Sembat, ßong-ues und Renondel los, redete moskrtnri tisch und verschwand—, nach dem Voob-Id von E m o n t s in Berlin und von Viktor Tschernofsin Moskau. Es ist nnimerhin orstwunüich, daß es der fast blinden Greisin ge- lungen ist, die französische Grenzpolizei zu täuschen. Ungarischer Ueberfall vereitelt. Prag, 29. Dezemibsr. lT.1l-) Dem AbenÄblait des„P r a v o Li du" wird aus Preßburg gemeldet, daß in der Nacht zum 27. Dezember von 2 biö 3 Uhr ein Teil der„aufgelösten" H e i j a s- Truppen in der Stärke von zirka 3000 Mann einen Ueberfall auf Preßburg uutcumehmen sollten. Ter Anglviff sollte auf Kähnen zur Ausführung gelange it. Es wurden in der Stadt sechs magyarische Offrziove beobachtet, deren Ausgabe es war, Deziehunigen zu der magyarischen Bevölkerung anzuknüpfen. Es konnten indessen Sicherheitsmaßnahmen gei-rofsen werden. Das Telephon ist gc-> sperrt; alle öffentlichen Gebäude wurdeit vom Militär besetzt und in-den Stoaßen stehen Panzerzüge und Pom zerautomobile bmeit. Ungarische Gesanütschastspraktiken. Vor dem Wiener Schöffengericht standen zwei ehemalige Ge- fängnisauffeher des Landesgerichts, weil sie am 13. Juli drei Höft- lingen zur Flucht vcrholfen haben. Tie Geflüchteten sind der ungarische Weißgardist Elemer Häuser, der unter der Anklage des Menschenraubes stand, weil er nach Wien entflohene unga- risch« Revolutionäre gotvaltsam noch Ungarn verschleppen und dort dem Henker ausliefern wollte; der wegen Diebstahls und Verun« treuung zu zwei Jahren schweren Kebkers verurteilte Jgnaz Harry Schön und der mehrfache Einbrecher Karl S o y k a. Elenter Häuser verleitete die beiden Aufseher dazu, ibm und den anderen die Flucht zu ermöglichen, indem er ihnen vorspiegelte, daß er Millionär sei, in Ungarn große Fabriken habe und deu beiden in seinen Fabriken glänzend bezahlte Stellungen verschaffen werde. Der Einbrecher Soyka wurde mitgenommen,>r»eil er durch Zufall von den Vorbereitungen zur Flucht Kenntnis erlangt hatte und verhindert werden mußte, daß er die Sache vorzeitig aufdecke. Die beiden Aufseher, die von Elemer Hauser hinterher um ihren Lohn geprellt wurden, haben ihre scküvere Pflichtvergesienbeit mit Kerkerstrafen von vier und zwei Jahren zu büßen. Weit interessanter ist die Rolle, die die ungarische Ge- sandtschaft spielte. Die drei Entflohenen gingen nämlich mit dem Aufseher Wakner vom Landesgerickt direkt zum Gebäude der ungarischc» Gcsandtfchast, wo sie von der Frau des Hauser, die gemeinsam mit Hausers Rechtsanwalt Dr. Melbinger schon alle? zur Flucht vorbereitet hatte, erwartet wurden..Hauser ging in die GesandtschastSkanzlei und brachte von dort in wenigen Minuten vier Reisevösie zur Fahrt nach Ungarn mit. Die Fahrt nach Ungarn wurde im Auto bewerkstelligt. Der Dieb Schön, der Einbrecher Soyka und der treulose Aufseher WaSner bekamen Pässe mit sin- gierte« magyarischen Namen. Wozu noch kommt, daß der Menschen- räuber Hauser aus der Gesandtschaft mindestens hunderttausend Krone« mitbrachte und man so erfahren konnte, daß diese„Gesandt- schaft" die licht scheuesten Gauner au» Mitteln des ungarischen Staate? für ihre Heldentaten belohnt und mithilft, solche Subjekte der Justiz zu entziehen. Die Mitwisserschaft und Mithilfe der Gesandtschaft geht auch schon daraus hervor, daß Hauser bereits viele Tage vor der Flucht seinen zwei Zellengenossen und den beiden Aufsehern tue Bereitstellung der notwendigen Pässe mit vollster Bestimmtheit zu- sichern und sich seiner Beziehungen zur Gesandtschaft rühmen konnte, was keine Prahlerei war.' Inüien verlang �omerule. L»« d»», 29. Dezember. sHollandsch Rieuwsbureau.l In R a g j u r wurde der Jadische Nationalkongreß eröffnet. Tausend« von Teilnehmern aus allen Teilen Indiens waren an- wesend. Der Borsitzende der Empfangskommission hielt eine Rede, in der er dir Delegierten oufsorderte, Versuche zu unternehmen, um der Bewegung, die jedes Zusammenarbeiten mit der Regierung vo» Großbritannien ausschalten will, zum Erfolge zu ver- helfen. Es wurde verlangt, daß sofort die Selbstverwaltung in Indien eingeführt und Indien eine geschriebene Ber- f a s s u n g mit der Bezeichnung sämtlicher Rechte Indiens ge- gebe» werde« solle. Ei» dementfprechender Entwurf wurde der Berfnmmluug»«terdreitet. vorwärts-verlag S.m.b. h., EW. b8, leindenstr. 5. Fernlvrecher: Amt Moritzplau, Rr. 117S3— 54. Zarbe bekennen! Maebonald für die Ä. Internationale—/z. Im„Jabour Lsader" vom 23. Dezember wird ein Brief des Genossen Ramsay Macdonald veröffentlicht, in dem dieser seinen Entschluß rechtfertigt, daß Sekretariat der Zweiten Internationale zu übernehmen. In der J.L.P., deren führendes Mitglied er ist, waren nämlich von verschie- denen liirksradikalen Ortsgruppen, die mit der Dritten Internationale sympathisieren, Klagen dieserhalb gegen ihn erhoben worden. Mardonald erklärt mm: „Ich habe das britische Sekretariat der Zweiten Jmternatio- nale übernommen, weil ich nach einer eingehenden Betrachtung dieser Organisation und aller Konflikt stosse, die sie enthält, zu dem Schluß gekommen bin, daß, welche Bedenken aucb manche Genossen gegen Parteien hegen mögen, die ihr angehören, die Zweite Jnter- nationale die lssrundsätzc und dir Politik des Sozialismus vertritt, welche von jeder zusammenfassenden Internationale, die gebildet werden könnte, anerkannt werden müßten. Es wird ver- sucht(nämlich von dem linksradikalen Flügel der I. L. P. D. Red.), alle Körperschaften aus der Internationale auszuschließen, die sich zur Zweiten Internationale bekennen. � Ich bekämpfe diesen Versuch aus dreierlei Gründen: Erstens wäre dies das Gegenteil der Einigung; zweitens würde e§ sich dabei um einen Ausschluß bandeln, der nicht auf Grundsätzen beruhte, sondern es wäre dies ein Versuch gewisser nationaler Sektionen, welche Streitigkeiten nnszufechten hatten, diese nationalen Streitigkeiten auf die Internationale zu über- tragen; drittens würde dies den Ausschluß der Labour Party zur Folg« haben... und ich würde mich gegen jeden AuS» schluß der Labour Party wenden, es sei denn auf Grund einer prinzipiellen oder einer wesentlichen politischen Frage. Die- Zweite Internationale hat selbst erklärt, daß sie für einen Wiederaufbau und für eine Umgestaltung ein- tritt. Sie sonders alle Parieien auf, die nicht di: Demokratie als ein Mittel zur Erkämpfung des Sozialismus ablehnen, zusammen- zutreten, ihre Streitigkeiten beizulegen und ein Statut anzunehmen. Sie hat die britische Sektion, d:e aus der britischen Labour Party, dem Parlamentarlschen Komitee(d b. die Ar- beiterfraktion des Unterhauses. D. Red.) und den ihnen angeschloi- senen sozialistischen Körperschaften besteht, ersucht, sich mit allen Parteien in jedem Lande in Verbindung zu setzen,„um die Mög- lichkeiten der Bildung einer umfassenden Jnker- nationale genau festzustellen" und auf diese Art eine einige Jnicruationale wieder zu bilden. Die britische Sektion bat diesen Austrag angenommen und hnt mich aufgefordert, dabei als Sekretär zu wirken. Ich hübe dieser Einladung Folge geleistet. Mein Komitee ist bereit, sich morgen mit den Bcrncr Wicderansbauern zu treffen und es wird sich an die in Bern vertretene« Parteien wenden, sobald die Uebersttzung der zu diesem Zweck verfaßten Dokumente erfolgt ist____ Ich bin der Ansicht, dgß ich damit e i n n d t w e n d i g e S Werk für die internationale soziall st ische Bewegung ausführe und werde mich nicht ablenken lassen. Ich hoffe, daß ich von jeder aufrichtigen Ortsgrups's der I. 2. P. dabei nicht Gekämpft, sondern unterstützt werde I. Ramsay M a c d o n a l d. Durch öiesen Brief erfährt man also, daß eine Aktion des Sekretariats der(Zweiten Internationale unter Leitlma Maedonolds bevorsteht, die anscheinend bariu bestehen wind, daß die in Bern vertvevtenen Parteien offiziell csefragt werden, unter welchen Bedingungen sie sich am Wiederawbmt einer Internationale beteiligen wollen, die diesen Na>men wirklich derdient. Denn die Berner Wiedernnsibaiier dürften sich wohl selbst dessen bewußt sein, daß eine Internationale, der weder die englische Arbeiterpartei noch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, nock die Belgier, noch die Skandinavier, noch die Holländer usw. usw. angehören, einfach ein schlecht erWitz wäre. Diese Aktion der englischen Sozialisten ist eine letzte Rctilings'boje, die der Vernunft zugeworfen wird. Namen t- lich die deutschen Unabhängigen werden nun- m e h r z e i g e n müssen- ob sie d i e V e r e i n i g u n g des Proletariats höber stellenalsihreStreitig- keiten mituns. Denn— und das deutet Macdonald in seinem Brief mit Recht an— der ganze Versuch der Bildung der Internationale 2% ist letzten Endes darauf zurückzuführen, daß die U.S.P. uns international isolieren wollte, daß Longuet eine Ranküne gegen Renaudel emp findet und daß j gewisse österreichische Sozialisten bei ihrer alten Taktik ver- harren, die Politik der deutschen Sozialdemokratie zu verur- ' teilen, um sie in Oesterreich selber zu treiben. Unmittelbar neben dem Brief Macdonalds wird eine Zu- , schrist des Sekretärs der J.L.P. Emil B u r n s veröffent» ! licht, die beweist, daß wir nicht die einzigen sind, die von ' den Berner„Wiederaufbauern" verlangen, daß sie endlich Farbe bekennen. Burns stellt fest, daß sowohl die Schweizer Partei wie auch die Longuetisten und die d e u t � schen RechtsunabhLngigen allesamt osfiziiell bekum Jssrt haben, ihr Ziel«rjhe«ch»be Nc>«* A»fchl«h an äie Moskauer Internatronale aklsrn mrter an- deren Bsd'mMwgen als den 21 Punkten. Dazu schreibt Buims: D,e wichtig- Arwge ist d.cher: Ist dir Wiener Kenferenz riue Konferenz von Parteien, die den AnsMntz an die Dritte Internationale wünschrn und ist deren Zweck nur die Erlangung einer Revision der 21 Bedingung.'«? Ist dies nicht der Kall und ist der Zweck der Konserenz. eine n�ue Internationale zu bilden, Sann gebt ans all den obiyen Erklärungen hervor, daß die beiref- senden auslänidischen Parteien ihre Borständr nickt ermächtigt haben, an einer solchen Konferenz ttilzuncbmen. Sollten einzelne Persönlichkeiten dieser Parteien in Wien anwesend sein, dann würden sie nicht ihre Parteien, sondern n»r sich selbst vertreten. Die Z�rage,-die hier von dem englischen Genosse» au-sge- warfen wird, ist in der Tat äußerst interessant und vielleicht wird die„Kreihsit" für die deutschen U nndhängigen de ran t antworten. Die Resolution der Rechtsn wchbän-gßaen in Halle sprach lldiqlich von eirlem Anschluß an di-e Dritte' Jntenmtio- nale unter anderen Bsdimnimren als den 21 P-irrrkieu, nicht aber von der Gründung einer neuen Jnternaticmale. Der Ha l'''che Ruiüpfparteitag der Rechtsunabhängigen nach der Tpaltim-g hat sich diesen Standpimkt zu eigen gemilcht, und wenn daher ll.S.P.-Telecherte nach Wien fahren, um dort eine neue Internationale zu gründen, so iriioöcn sie entweder gegen die Beschlüsse ihres eigenen Parteitages oder nur als Privatverionen handeln.___ Die ruMchen Geiöer. Die„Freiheit" hatte in ihrer gestrigen Morgenausgabe m: Beschuldigung gegen die kommunistische Partei wieder- holt, daß sie die großen Kosten ihrer Organisation und Pro- pagända wenn nickst ganz, so doch in erheblichem Maße aus Mitteln der russischen Regierung bestreite,.iie hatte im Zusammenhang mit dieser Beschuldigung eine Reihe von gekannten Konmiuniswn iiaim«nil.ich angeführt, nämlich: Levi. Täumig, Brandler, Zetkin, Pieck, Braß, Koenen, Dtoecker, Remele, Gabel, Braunthal. Hecke rt, Wcckher, Thal- beiiner. Hörnte, Dchön-lank, Düwell, Eichhorn, G. Geyer. Bartels, R. Müller. Siewert, Wegmann, Hesselbarth, Mal- zahn. Stuven und Wolffstein. Bon einigen der hier genannten Personen sind wir über- zeugt, daß sie sich in ihren Handlungen nicht durch Geld, son- der» nur durch ihre Iteberzeugungen leiten lassen, während es bei den andern wohl auch anders sein mag. Aber dies ist nicht das entscheidende, sondern entscheidend ist die Frage,. ob es überhaupt zulässig ist, daß eine in Teutschland wirkende Partei von einer auswärtigen Regierung finanziell ausge- halten wird. Tie„Deutsche Zeitung" ruft bereits nach dem. Staatsanwalt, ohne jedoch den Paragraphen zu nennen, a»f den sich seine Aktion stützen könnte. Die Berliner Komimumsterchlätter„Rote Föhne" nn-d „Internationale" bestreiten einige Ein.�l'heiten der von der „Freiheit" gieaeberren Darstellung, vermögen sich aber nicht zu der Erklärung aufzuschwingen, daß eine Unterstützung der Komnnmistischen Partei und Presse durch russische Gelder n i ch t erfolge. Ueber die Form, in der dieser.Kamps zwischen der„Freiheit" und den Komm u nisrenb lättern gesührt wird, braucht man sich nickst lange aufzuhalten, es kommt hier nicht auf Schimpfereien an, sondern aus Klarstellungen. Diese sind aber so weit gediehen, daß die Konrnrunisten die lluter- stützung Hier Paitei durch vnffische Gelidnnttel nickst zu leugnen wagen. Die Nachläufer der V.K.P.D. sollten nun erststlich darüber uachdeiiken. ob es ihre Ausgabe sein kann, eine Partei zu fördern, die sich von einer ausländischen. Rc- gierung Geld geben läßt, um die deutschen Arbeiter gegen- einander zu Hetzen und ihre Bewegung zu sprengen. Wullc-BIniirenbrcchcr. Zum Redakiionstvechsel in d-r„Deu> scheu Zeitung" kann sich das Konkurrenzblatt„Tie Post" diele böse Bemerkung nicht verkneifen:.Es tritr bier der in der dmitschen Presse bisher wohl nicht dagewesene Fall ein, daß die Haupt- schr i stle i: u n g einer Zeitung innerhalb der kur-' zen Frist von 2K Iahren zum fünften Male neu besetzt wird." ----------- Die Hölle öer Hamsterer. Bon Max Eck-Troll. Die Klagen über die AuSplünderunz der Reifenden durch die Beschlagnahme mitgesührier Lebensmittel kämmen von der bayeri- >chen«örenze so zahlreich, daß wir dleier einen Klage wenig- >tcnZ Raum geben wollen, Bist du schon einmal von Würzburg oder Lohr oder Heigen- brücken kommend über Äschafsenburg nach Franisuri gefahreii. dann mußt' du die Linie der bajuvarischen Legionen passteren. S'e wer- sen ihre Schatten kilometerweit vormls.' Im 4. Klaffeabteil be- ginnt schon einige Stationen dar Aschaffenburg ein nervöses Herum- hantieren mit den Paketen, Koffern und Nucksäcken. Familienmit- glieder trennen sich und tun so, als ob sie sich nie gekannt, nie ge- sehen und nie geliebt hätten, denn es gilt, die gehamsterten Mehl-, Eier-, Geflügel- und Luttervorräte vor den bajuvarischen Legis- nären zu retten. Jeder Passagier darf nämlich nur 2 Pinns Butter, Ist Pfund Mehl und 3<1 Eier nach Preußen ausführen. Vorher gesund rote Wangen werden bleich. Bleiche Wanger. röten sich wie nach einer Mastkur. Diesmal aber vor Aufregung. Glücklich der, der nicht gehamstert hat. Wer aber lehrt aus dem bayerischen.Fresialieii" unge hamstert nach dem hungr,gcn Preußen zurück? Und dann hält der Zug. Die Zugführer rufen draußen auf dem Bahnsteig laut:- Aschaffenburg. Tue Herzen ichlagen rascher. Stark muskulöse Menschen zucken ängstlich zusammen,- denn nun heißt es, den prüfenden, alles durchdringenden'Argus- äugen der Legionäre standzuhalten. O, hätte man doch die Gabe der Märchenzäuberer, aus einer fetten Gans für einige wenige Minuten einen mageren FW 6, aus 10 Pfund Butter ein tsköllckwn Kautabak, aus 100 Eiern e.eniovtcle Pfefsermünztabletten, aus einem Zentner Mehl ein Päckchen doppel- kohlensaures Narron gegen Sodbrennen zu machen, um es in Hanau l oder Frankfurt wieder tij seinen ursprünglichen Zustand zurück- zuzaubern? Nun muß alles durch die Perronspcrre, denn die baherische Eisenbahnverwalrung hat es wohlweislich so eingerichtet, daß die Züge von Würzburg oder Miltenberg keinen direkten Anschluß nach Franlfurt haben. Erst ein paar Stunde» später kann man weiter- fahren. An der Bahnsteigsperre stehen halbdutzendweis die Legio- näre. Sie betasten dein Gepäck, lassen es öffnen,, wiegen deinen Mehlsack, deine Butter, zählen deine Eier und— Gnade-dir— wenn du mehr hast als erlaubt ist. Alles überschießende wird oir restlos abgenommen.'_. Gehst du also bamstern nach dem Krankenland— oder nach Bayern überhaupt—, dann mmtn deine genzc PettoariStfifc*#;~ und sei sie noch so— in'! aus die Tzur im re�eugne gamili« m Ajchaffsnbmx Zum Toöe Legkens. Aul de: großen Zahl der B e i l e i d s ku n dgeb-nn g« n, die der G.'werlfchaftsbund aus Anlaß des Ahleben? Karl Legien s erhielt, seien die folgenden wiedergegeben: Zum Hinicheiden des langjährigen Leiters der deutschen Ge- werkschaften sprechen Borstand und R 1 1 chst aaSfra kl i on der U.S.P.T. ihr Beileid aus. I. A.: Ledebour. Tief beivegt über Nachricht vom Ableben des um Gewerkschaft?- bunh und Arbetielbewegung hochverdienten Reichsiagsabgeordneten -Legien, drückt aufrichtige Teilnahme aus Bürgermeister Ren m a n n. Wien. Mit tiefem Bedauern nehmen wi: Kenntnis von dem Hin-- scheiden des großen deutschen Gewers'cbastssührers und verdienten Mitgliedes d>.s Bertvttltungsrads des Interru-tionalen Arbeitsamt? Kart Legten. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für da st Wirken und Streben des Internationalen?l r b e i t so in l s, daS seinen Rat und seine Mitarbeit aufs höchste schätzte. Wir teilen den'Schmerz der deutschen Arbeiter um einen ihrer besten Fübrer. Bureau International du T r a v a i s.- Zu dem unersehljchen Verlust ihres bewährten Führer? eni- bietet l-erzlickistes.Beileid G e iv e r k s ch a f t s k o m m i s s i o n T e ü t s ch ö st e r r e i ch s, Anton Hueber. .Aus Anlaß des Ablebens des großen Gewerkschaft sführers Karl Legi«« empfangt unser tiefstes Beileid immens der Wiener Ungarischen s o z ia k d e ni okra tischen Ems- granten, Ernst Garami, Emanuek Buchinger, Julius Pe-dl. Ans Amsterdam lief das folgende, an die Sozialdemo- koattsche Partei adreMerie nnd von Troelftra, Oudegeest. K l e e v c k o p e r und Pol h i u s unterzeichnete Telegramtn ein: Große kombinierte Arbeiferversammlung in Amsterdam der S. D. A. P. und der Gewerkickaitszencrale hat mit großem Beileid de., Tod Ihres hochverehrten Führers zur Kenntnis genommeit. Wir werden die Erinnerung an Viesen treuen und klugen Genossen wohl lauge bewahren. Namens der Fraktion der Teutichen Bolkspartei ist der So- zialdemokratischen Reichstagssraktion durch de» Abg. Si.rese- mann ein-Beileidstelegramm zum Tode nnseres Genaffen L gien übermittelt nwrdcn. Kommunistische Grabschändung. Tie„Internationale" stellt an die Spitze einer Samm- hing von Pressestimmen zum Tode Legiens die folgenden Sätze: „Bon den Toten soll man nur G u te s reden. Dieser alte Svruch erfüllt sicli an Karl Legien. Denn mit ihm ist nich: nur »er Führer der deutschen Geioerkschaiisbemegung, mi: ihm ist auch /»er Sachwalter der Bourgeoisie dahingegangen, dem nicht zuletzt Äw- deuü'chenKapitatisteü den u n g e st ö r t e n G e- nuß ihrer M i.U» gi de.» V ro Fi t e auf Käst'««"der h u n.g e: n d c.n Arbeiterschaft verdanken. . Und so ist es nicht mehr als eine selbstverständliche Dances-. Pflicht, die sie an seinem offenen Grab abzustatten haben,-wenn sie seiner Verdienste und Eigenschaften lobend gedenken. Und in dieses Lob wird sich zweifellos eine echte Trauer mischen, die nock verstärk! wird durch die bange Frage, ob sein Nachfolger ein gleich w: l lig.e r- He!f e r sein wird/ Wäbrend in der ganzen Arbeiterwelt und weit, darüber hinaus der Verdienste des Toten um die Arbeiterschaft dankbar und ehrend gedacht ivird, bemühen sich die Kommunisten, thn noch tm Tode zu besudeln. Wie sie es auch treiben, es wird ihnen nicht gelingen. das Andenken an Legien zu veriiickun, das der deutschen Arbeiterschaft die Kraft gibt, die Zerstörung seines Erbes durch die Jünger Moskaus zu verhindern. Die wieüstheSckmUckverschiebun? geglückt. Das Stockholm e-r Hofgericht kam in dam Prozeß wegen der stinerzett..-in„einem" Ft ff# z e u g'?' tmch SchwSdsn ge- brachten Juwechm das Fstrstast von Albanien«msiftmnßz MM Frei sp ruck. Diu Frefgabe des gofamien Schmirckas wurde verfügt. So hot. dse xfoMe FanrMe glücklich An Luril-sver- inögen.dem ge-drebten Vaterh�-«ttzoganz was w-H dst dr-:ttsiche Iusirz gegen dr.e Schuldigen urchernehmen? Lamv-Felgen. Auf das Wobnbaus dr.s llnrerfuck'i.'ngsrichterS gegen den chm Hungerstreik verstorbenen, geisteskranken) Rechts- anwalt L o m v- Elberstld ist ein Bombenanschlag, und zwar nickt der erste, verübt worden. Vernunft wird Unsinn. Behördliche Verfügungen ebenso, wenn sie ohne psychologische Unterscheidung ausgeführt werden. Die Kontrolle der Legionäre soll doch wohl i« erster Linie di« berussmäßigen Schleichhändler erfassen. Die aber kennen die Schleichwege, aus denen sie zentnerweise Mehl und Butter und kistenweise- Eiar von Bajuvarien nach Preußen schaffen können. Di« Leidtragenden sind fast ohne Ausnahm« die klet- neu Leute. In meinem Hause wobni eine nicht mit Reichrümern, dafür aber mit fünf Kindern- gesegnete Arbeiterfamilie. Die Frau stammt ems Bayern, aus einem kleinen Ort im Unterfränklichcn. Seit Jahren war sie nicht mehr bei ihren Verwandten. Tie Pflege der kleinen Kinder machte ihr die Reise unmöglick. Die Nor, die Knappheit des Brotes, die nahen Weihnackten, an denen sie doch auch ihren KiNdern, den kleinen Leckermäulchen. WeihnachtSgebäck backen wertlie, liehen sie nach Hause z« Muttern fahren. Ein paar Laib Bror- sollten tzie- Brotkarten strecken. Ihre Mutter hatte ihr -erner 20 Pftind-Meh' zu Z,b0 M. besorgt, Fn Äschafsenburg wur den ihr 10. Pfund Mehl und ein paar Laib Brot abgenommen. Eine Frage! Wohin kommen die befchaznahmren-Mten Dinge? Ist eine ganz geitaUe-KlMtrslle da? Legwvärr find auch Menschen mit einem Magen im Leck.-'-:. In Äickaffenburg Hai der bah«r:sch: KSmg änd der deutsche Partizipialdichter Ludwig ein prchpejanifckeS HauS«rrtchket, da? .dem Dioskurenpaar Eastor und Polln x gewidmet ist. An die wende ick mich: „Ihr Schirmberren der Reisenden und Schiffer, ibr Beschütze? der Gastfreundschaft, ihr Vorbilder der Bruderliebe, beschützt die armen Reisenden aus Preußen vor den bajuvarischen Legionären." Tic Charletienburger Liedertafel unier Leitung ihres tüchiigeir Shormeisiers Hermann Sck ulken gab in der Hockschule»ür Musik ein»ioiizerl, in dem Männer., Frauen- und gemischte Chöre zur Aufführung gelangten. Die Klangwirkung kann im allgemeinen als eme gute bezeichnet werden, ebenio die Aussprache. Di« LNännercköre„Heil'ge Nackt"(mit Orgelbegleitungj von Beethoven und Lachiiecs„Hymne an die Muni" waren mustergültig', das gleicke gilt von den. Frauenckören„Sonnenuntergang" von Zöllner und„Tragödie" von Mendelssobn-Banholdy. Ein Kabinett- üückcken von Innigkeit und Einfachheit war das.Minnelied" aus dem 12. Jahrhundert für Frauenckor. Etwas Zurückhaltung wäre dem an sich gut ausgebildeten Sopran anzuempfehlen. So erwies sich der Verein als tüchtiger Interpret deS durchkomponierten Kunstliedes Die letzien drei Programmnurtimern paßten daher nicht in deto" Rahmen. so großen Beifall st« mit ihikem humotifrichen Inhalt auch fanden. Sie. eigne«,. sich bester für einen llnierhattutrgsabend. ckine wesentliche Bereicherung etiDir j~s Konzert durch die Mitwirkung der Herren Pros. Otrö Qtitt(Orgel ntb«lavier) wah Hat»ecke«(violoveellotz sowie Nikolaus Politik spielte. - In der..Vossischen Zeitung" werden Auszüge au« den Mr- moiven des Greffen Witte, des führenden Staatsinaunes inr Porrevolutionoren Rußland, veröffentlicht. Seine Erinnerungen aus den Kahren 1907— 191Z liegen in siebzehn Heften vor, nach Wittes Sturz folgen neun weitere Hefte, die in der Zert verfaßt wurden, in der er fern von Rußland, zeitweise auch in Deutschland, lebte. Interessant sind die Ausführungen, die sich in Wittes Memoiren über den Charakter des Zaren finden. Der Verfasser urteilt: Der Cbcrrackter des Foiron kann als rm Grunde feminin he- zeichne* werden. Es wurde gesagt, baß«r durch einen Irrtum der Natur männlicke Attribute erhalten hat. Ein Boamttr, mir dem er zu tun harte, stand rn der ersten Zeit in seinen Augem sehr Boch. Er ging sogar weit über die Grenzen der Mäßigung, indem er seinen Diener mit Gnadenbeweisen überhäufte, namentlich. wenn dieser Beamte»licht von seonem Bater, sondern von ihm ernannt worden war. Nach einiger Zeit aber wurde er irrrtem Günstiling gegeirüber ganz indifferent, umt» schließlich begann in ibm eine feindselige Srimmimrg zu diesem Beamten zu reifen. Diese iNißrunst wurde durch den Argwohn vevursachr, daß der betrerssende Würdeniräger seiner, des Zaren Nikolaus, Gunst unwürdig sei. Ich bemerke hierbei, daß Sein« Majesütt neben sich niemand duldet, den er für intelligenter äs sich hält, oder einen, dessen Meinungen nicht mit deiussnigen der Hofkamarilla übevern stienurten. Er levM an«tnsr merk- würdigen K u r z s i ch t i g k e i t, empftndlet Furcht nur dann, wenn her Sturm gerade wbt. Sobald aber die unmiittslbaer Gefahr vorüber ist, schwindet feine Furcht. So betrachtete sich Nikolaus als einen Selbstherrscher auch, nachdem die Verfassung ge- währt worden war, in einem Sinn, der etwa so formulievt werden kann:„Ick»ue, was ich will, und das, was ich will, ist gut. Wenn die Leute das nicht sehen, so geschieht das deshalb, weil sie gewöhn. liche Sterbliche find, während ich ein Gesalbter Gattes bin." Er ist zu einem„fair play" unfähig und sucht immer Schleichwege. Er hat eine wahre Leidenschaft fülr gehettne Mittel und Noten. Selbst in den kritischsten Augenblicken, so zum Beispiel in der Zeiß die unmittelbiK der Veröffentlichung der Verfassung vorwue- ginz, konnte Sei>m! Majestät wicht von seiner byzantinische» Art lassen. Von Interesse sind WftkeS Ausführungen über das In- tvigenspiel des Zann der Türkei gegenüber. Hier suchst' er noch allen möglichen Anlässen, utn den Bosporus und wenn möglich, auch Konstantinopel in Besitz zu nehmen Heber diese Fragen fand schon in den Dezemberstigen 1890 eine Sonderkonserenz statt, in der Witte auseinandersetzte, daß dieser Plan eventuell einen allgemernen eitroväischen Krieg hervorrufen und die glänzende politische und finanzielle Stellung, in welcher Alexander III. Rußland zurückgelassen habe, erschuftern würde. Der Kaiser beschränkte sich zuerst daraus, die Mitglieder der Kanferenz zu besragou. Nach dem Schluß der Diskussion erklärt. er, daß er die Meäriwn gdcs Gesandten teile. Auf diese Weise wurde die Sache, wenigfienö m Prttizlp geregelt. Es wurde bf- icklossen, in Konstantinopel solche Zwischenfälle hervorzurufen, di-i uns Anlas, bieten könnten, Truppen zn landen und die Bvspvruö'- mündung;u besetzen. Die nttlrtärischen Behörden im Odess a uns Sewastopol erhielten Befebl, die notwendigen V ordere ttmngen für eine Truppenlandung in der Türkei zu treffen. E» wunde bestimmt, daß im Augenblick, den N e l i d ow für pass-ewö hÄien wird,«r unserem Finanzagenten in London eine De- Pesch« senden würde, eine besttm-in-te Menge von Getreide zu kaufen.-„.Dieser sollte sofort die Depesche dem Reichs dank- d i r e k i o rWerqtifteln, welch letzterer sie seiwÄsei'te- dem Kri eg t- unlb'M a r?n e m i n'i st e r mitteilen sollte. - Tic in der Sitzung gefaßten Beschlüsse chnrden in einem svätere» Protokoll als einstimmig angenommen bezeichnet. nur Witte erklärte, daß n das Protokoll nicht unterzeichnen könne. Hieraus wurde eine dementsprechend e Klausel in das Schriftstück aufgenommen. Später änderte Nikolaus wieder einmal— und zwar diesesmal zu Rußland!' Glück— seine Meinung, und dos Bospontsabenteuer wurde ausgegeben. wie der Frau Becker-Samolewska sBioline). Die edle Tongebimg und da« saubere Zusammenspiel namentlich in Beethovens Großem Trio, Glucks„Reigen seetiger Geister" uns Schumanns„Träumerei" erbeben die begeisterten Hörer in die Höhen reiner Kunst. b. Ter erst« Berliner Theaterkrach. Die groß« Theaterkrise h-v sich bisher in der Haupisache bei den Stadtlheatern und Landestheatern gezeigt, die von Monat zu Monat immer höhere und immer schwieriger zu erschwingende Zuschüsse erfordern. Privaitheaie: haben meistens den Wtttlauf mit der Zeit bisher bestanden. Aber jetzt wird der erste Zusammenbruch in Berlin bekannt, das«iß>c die Stadt der chronischen Tbeaterkaiaitrophen war, aber durch die glückliche Bühn�ntonjnv' ur«röhrend des Krieges seine Theale. Verhältnisse sanieren lonnie. Der Leidtragende ist Direcktor Jean Kren. Kren spar zusammen mit Schönfeld viele Jahre hindureb Direktor des Thalia-Theaiers, das die ersten großen Erfolge von Jean Gilbert sich. Im Kriege übernahm er noch das Neue Op rettenhaus am Schiffbauerdamm. Nach der Revolution Hai if; das Geschäftsglück verlassen. Der Ceffentlichkeit ist die Krise nick so sickibgr geworden, weil unter der Hand die Direktion deS Neuen Operetienhauses auf Viktor Palfi überging, und weil wenigstens dafür gesorgt wurde, daß die Schauspieler keine Einbußen erlitten. Groß sind aber die Verluste einiger Komponisten und Librettisten. Das Tbalia-Theater geht zurzeit noch unter dem Namen Kren- Dieser selbst weilt aber bereits in der Schweiz, wo er mit dem früheren Direktor deS Deutschen Opevnbauses, Dr. Neumann Hoter.«,n Operettenuniernehmen leitet. Ein Streik der Kunstausstellungen. Wie Kurt Glaser m bcr .Kunstckwontk" mst'.eilt, wird von den Kunstbandluitgen ein Streik über ganz Deutschland vorbereitet: man will keine KunstauSstellungeu mehr vergnstalten, bis das Luxussteuergesetz, das den Händler auch zu Abgaben von den Verkäufen bei in Kommission genommener Werleit moderner Künstler zwingt, abgeändert worden ist. Neber die bisherige Wirkung dieteS LnruSsteuergesetzes sagt Glater, datz- das Berliner AuSsiellungsivesen dadurch in einen todesäbnlickM Schlaf oerftnkt worden ist.„Die Leidtragenden bei diesem Zu stände", so fährt er ton:„sind natürlich nur die Künstler, denen eine wichtige Ausstellungsgelegenheit verloren geht." Biltznenchronik. Michael Bohnen beginnt fein auf zwöli Abend: berechncies Auftreten an der StaalSoper am 1. Januar als„yanS Sachs" Eine Gerhart Hauptmanii-Borlesung. In einer vom Schur verband TeMscher Schiiststeller sür die Deutiche Kmdechils« oeranilolteten Vorlesung m der PhilbarMonie wird Gerhard Hauptmann am 8� Ianiwr lesen den SoNnenbhmnus aus der„Versunkenen Glocke" und die Schlusi- lzene aus„HanneleS Himmeffahrl", aus einer ungetruckten epischen Dich. tung„Till Eulenspiegel", aus einer ungedruckteo epischen Dichtung„Der große Traum". Gugenie Ednarbowa � wird die Tanzmattnee ihrer Sallettschule am 2. Jan. nffttagS U>/, Uhr im Theater des'Kestens wiederholen Kunftckroaik. Im Kupier st Ichkabinctt wird zu Beginn de S neue» KahreS dine Ausstellung erbffnet, die die Geschichte der R a- d s-e.r'n n� von den Ansängen bsS zum heutigen Tag- illuitriert. Sin ge»- druckte: Führer z» d'tter AuSüesluno«icheint ia Berlage M8 Bruno fafpwfc Das Eaöe üer AareufamMe. Bekanntlich wurden der russische Zur und seine Änge- Sörrgen zu Beginn der bolschewisnichen Revolution in Nütz-. land ermordet. Diele Tatsache wurde bald in Deutschland be- kannt, und ausführliche Berichte aus englischen und französi- schon Quellen sorgten dafür, daß auch nicht der geringste Einzelvorgang dein fen'ationshilngrigen Publikum entging. llm nun ihren Lesern nochinaI-5 ein angenehmes Grauen zu verschaffen, besorgte sich die„Deutsche Tageszeitung" einen eigenen Berichterstatter, der sich als verkappter„roter" Kriegs- gefangener an die bolschewistische Kommission h? ran machte und hier eine angeblich authentische Sowjet- Darstellung erlangte. Der Bericht ist ganz auf den Gv- schmack des bürgerlichen PublikiM'.s zilgefchnitten. So heitzt es in widerlich schwülstiger und gequält romantischer Weil? über den Tod des Zaren und seiner Angehörigen: Man brachte sie in den Keller des von ihnen bewohnten Ts- v&ies. sie roh die Stufen hinabstohend, wobei der Zar, den kranken Thronfolger auf den Armen tragend, furcht- los seiner Empörung durch scharfe'Worte Ausdruck verlieh. Jlnten angelangt, konnten den armen Todesopfern keine Zweifel mehr i-ber das, was ihnen in den nächsten Sekunden bevorstand, auf- kommen, und noch bevor sie voneinander Abschied nehmen konnten, kaum fähig, sich durch ein Bekreuzigen in die Hände ihres Gottes zu empfehlen, krachten schon durch das Kellergewölbe die tllevolverschüsse, welche nun diejenigen verstummen mach- tcn, denen noch oor Monaten begeisterte Mafien zugejubelt hatten, für die noch in aller Stille Millionen und Millionen tagtäglich heiße Gebet« zum Himmel emvorsandte«. Zar Nikolai hatte ausgelebt, die Henkerskugel hatte gut ge- troffen. Aleksei, der Thronfolger, ein kranker Knabe, hing irotz seiner physischen Leiden zäh am Leben. Ihm fiel daS Sterben so schwer. Ein halbes Dutzend Kugeln mutzte er empfangen, bevor das Kinderherz zu schlagen aufhörte, bevor der rn Boden zuckende Knaben körper für ewig ruhig dalag. Ein i.chweres Ende hatte auch die Zarin Alexandra, die«instige Hessen-Prinzessin Alice. Stets gottergeben, von emer seltenen Frömmigkeit, geriet sie in dieser furchtbaren Stunde in höchste rechigtöse Exaltation. Von der ersten Profosen-Kugel zu Boden gestreckt, jedoch nicht tödlich getrosten, richtete sie sich wieder f-iend auf und, die Hände zum Himmel aufhebend, rief sie laut: Gott, der läßt«in Wunder geschehen, ich soll nicht sterbe»." Eine brutal« Lach« mit dem Ausruf:»Ich werde dir deine» Gott zeigen!" war die Antwort, und eine weitere wohlgezielte Kugel eines Teufel? in Menschengestalt schloß emes der furcht- barsten Kapitel au» Rußlands Geschichte. Da lagen sie nun auf ichmutzigem, kaltem Kellerboden, die entseelten Körper des Zaren von Rußland, seiner ganzen Fam-lie, der Großfürstin und einiger treuer Zarendiener, welche ihrem Schwur»Treu« bis in >en Tod" in erschütterndster Weise gerecht geworden waren. Und ein küble», verborgenes Massengrab naby, all diese Leichen in sich auf; verscharrt wurden sie, ohne Kreuz, ohne das kleinste Zeichen der Liebe, welche sie bei Lebzeiten allen in s» reichem Maße zuteil werden ließen. Schmack triumphiert auf der ganzen Linie. Wen vackte nicht ein inniges Rühren, wenn er diese ergreifende Dar- stellung liest? Und dabei der Hinweis auf die g r o tz e L i e b e. die Zar Nikolaus stets verbreitet hatte. Soll das etwa eine virte� Anspielung auf den Massenmord unter der Petersburger Arbeiterschaft sein? Ver verleumüersumpf stinkt weiter. TuS Esten wird uns geschrieben: Zwar hat das Estener Gericht cm 28. i>. M. die absolut« Haltlosigkeit der Verleumdung, unsere Genossen Haenisch und Severing bätton sich an Schieber- geschäften beteiligt, festgestellt, aber damit ist der deuuchna tioncae Berleumdersumpf keineswegs«Sgetrockner. Tie„vornehme" groß- kapitalistische„Rheinisch-Westfälische Zeitung" hatte seinerzeit die iufimTetenben Gerüchte natürlich reproduziert, von den gerichtlichen Feststellungen jedoch, die am Druckort der Zeitung erfolg- ten, schwieg sie und brachte nur die Mitteilung, daß der Prozeß mit einem.Vergleich" beendet sei. Wer eS nicht anders wußte, konnte demnach annebmen.„etwas" sti an Haenisch und Severing .doch.hängen geblieben", warum witsi ein„Vergleich"?! Es wäre besser gewesen, unsere Genosten hätten auf eiuer Berurtetlvng be- standen, damit da? Prozetzergebnis klarer vor der Oeffentiichkeii stand. Dos deutschnationale Revolverblatt da?»Frei« Wort", die geistige Nachfolgerin der G e l b e n z e i t u n g, hat nicht die� ge- ringst« Schonung verdient; da? Blatt setzt seine Pergi'tungStätig- keit in jeder Nummer weiter fort. Die„vornehme".Rhein.-Wests. Ztg." beteiligt sich daran. In ihrer Nummer 9M bringt sie unter dem sensationellen Titel:.Di« Sache kommt an Minister Heine I" einen Auszug aus der Zellgenvernehmung des Pro- zesses gegen da».Freie Wort". Danach soll ein als Zeuge ver- nommener.Eisenbahnobersekretör aus Ahlen"(Name wird bezeich- nenderweise nicht genannt; erzählt haben, ein mit Schrkolad« und Zigaretten gefüllter Waggon sei„an das Ministerium des Innern". gerichtet gewesen. Minister Heine habe sich„privatim" um- die Freigabe des beschlagnahmten Waggons bemüht. Infolge irr- iümlicher Auffassung fei Kultus-mmzster.Haenisch mit Minister Heine verwechselt worden! Ein Strafveriahren sei eingeleitet worden,„das in das Ministerium hineinlief,... Obgleich die ,Rhcin.-Westi. Ztg." weiß, daß sich im Prozeß die Erzählungen der betreffenden Verkehrsbeamten»lS haltlose» Gerede erwic», z« de« kein Mensch«ehr stehen wollte, stellt sich da» deutschnotionale Blatt nna dock hin und fordert vom Genosse» Heine„Klarstellung der Gründe und Abfickten", die iftti bewogen haben sollen, sich um die Schieberware z» kümmern. Diese.Auf- wrderung geschieht mit einer Dreistigkeit, die die«ah« geistige Ver- wandt sckvft dieses.vornehmen" Großkapitanstenblattes mit dem wehrgenannten Revolverjournal erkenne» läßt. Zweifellos soll nun «in.Schieberfall Heine" durch die preußische Woblbcwogung ge- schleppt werden, nachdem die„Fälle" Haenisch«nd Severing so jammervoll mißlungen sind. Der Verleumdersumpi stinkt weiter. Darauf muß die Oeffentlichkeit nachdrücklich auimerkwm gemacht werden. die k. u. k. Dreieinigkeit. In seinem Buch über die Ursachen der Niederlag« berichtet der deutschnaiionale k. n. k. General Alfred K r a u ß: AlS ick im September 1918 zur Berichterstattung beim Kaiser war. brachte ich da» Gespräch auf die unsinnigen, von übel« wollenden Perionen verbreiteten Gerüchte, ich sei ein Feind de» Adels, der Kavallerie und der Kirche, Herr Krauß war allerdings nur General der Infanterie; daß Adel, Kavallerie und Kircke als die höchsten Güter de« Staates galten, bedeutete eine gewisse Weiterentwicklung über den Stand zur Zeit de? ickw»«, Lied«»„Der Staat ist in Gefahr". Da hieß •»»SmNch i.Pfaff, Abel. AapttaN. B» aber der Staat, tat niemals sicher war, in höchste Gefahr km», rückt« die Kavallerie an die Stelle des Kapitals Rur'ebr vorübergehend, denn es hat sie gründlich überdauert i'_ �uslanüsrunöfchau. Der Exekulivausschutz der italienischen Frontkämpfer- Vereinigung bat seine Mitglieder aufgefordert, sich sofort mit Entschlossenheit gegen die Regierung Giolittis zu erqoben, die für die Verbrechen der General« gegenüber dem Freistaat Fiume allein veraniwortlich sei. Gleichzeitig wurde diAnnunzio die volle Bcwundervng ausgesprochen. WäHvend der Zufaimmeniuiitt in AHHazia DienSiag nachmittags Legten die Ftumer � ÄbgelaiHten dem General Ferraciv eine von den angeseheirsisn Persöniltchieiren Fiumes unrerzeichnete E r- klärunq vor. Wenn der Teil, der die entscheidenden Schluß- folgerungen enthält, auch von d'Annüuzio unterzeichnet wirÄ, wird Geneoali Cat-iglia die Erklärung« S.ettiner Bahnhof, durch die Invalid«»-, Ehauffee», Früdrick-. Leipziger, Potsdam«, und Haupt» straße f» Schöneferg N« zur Ecke her Sifenacher Straß«. Die Wage» gehe» vom Stettiner Bahnhof von 7L0 Uhr früh bis 11,04 Uhr abends, von Scköneberg 8,08 Uhr vormittags bis 11,42 Uhr nachmittags in Zeitabitänden von 9 bis 10 Minuten. Teilstrecken zum Fahrpretke von l M. sind: vom Stettiner Bahnhof bis zum Potsdamer Vlatz. vom Bahnhof Friedrichstratze bis zur Ecke der Bülowstraße und von der Ecke der Friedrich- und Leipziger Straße bis zum Ende im Westen. Die ganze Fahrt kostet 2 M. die Zroge ües Gberstaütfchuleats. Obwohl der mit der Vorbereitung der Wahl des Oberstadffchul- ra-s betraute Arcksckuß zu einer bestimmten Kandidatur noch nicht Stellung genommen hat, wird in der bürgerlichen Presse bereit? wieder gegen eine eventuell sozialistische Kandidatur Stimmung gemach:. Den Sozialisten haßt daS vereinigt« Bürgertum. und e» zeigt sich hier, wie recht wir hatten, als wir seinerzeit be- tonten, daß den Bürgerlichen der Jude Loewenstein völlig gleich- güllig war. Wogegen sie sich wandten, war die sozialistische Welt- anschauung deS Mannes, von der sie fürchteten, daß sie ihren Nie-- derschlag in dem Berliner Schulwesen finden könne. Dieselbe Hetze wird sich wiederholen, wenn die Mehrheit des Ausschusses abermals einen sozialistischen. Kandidaten vorschlägt. Die bürger ich« Presse und ihre willfährigen Diener mögen sich aber von vornherein klar sein darüber, daß nur Personen in Frage kommen werden, deren pädagogische Bedeutung nicht bestritten werden kann. Daß wir für die Wahl eines Sozialisten eintreten, sollten dieselben Kreise, für die- bei der Auswahl bestimmter Kandidaten bisher nur die rein bürgerliche Gesinnung galt, als selbstverständ- lich betrachten. Wie die Kirche Stenern eintreibt! Dl« Belästigungen von Dissidenten durch mibe-. rechtigte Einforderung von Kirchensteuern dauern fort. Jetzt er- fahren wir einen Fall, der bis zur Anwendung stärkster Zwangsmaßnahmen getrieben wurde. Ein Maurer, der im Jahre 1913 a-us der evangelischen Landeskirche austrat, sollte noch im Jahre 1920 Kirchensteuern zahlen. Wegen Nichtzahlung wurde am 21. Dezember, drei Tage vor Weihnachten, bei ihm ein fruchtloser Pfändungsversuch gemacht- Damit kein Mittel unversucht bleibt, hat er auch Nock eine Aufforderung zum Offenbarungseid erhalten. Selbst wenn die Steuerforde-- rung berechtigt wäre, müßte man zu dieser Art der Eintreibung von Kirchensteuern den Kops schütteln. Hier aber geschieht das alles, obwohl der Mann längst nicht mehr zur Kirche gehört und daher gar nicht krrchensteuerpflichiig istl Gibt es keine Möglichkeit, die Kirchengemeinden zu zwingen, daß sie sich eine zuver- lässige Buchführung über ihre Mitglieder anlegen? Wenn Dissidenten so mit Versuchen zur Eintreibung von Kirchensteuer» drangsaliert werde», soll man sich nicht wundern, daß mal einem die Geduld reißt und er mit hanebüchenen Grobheiten antwortet. Wir erinnern uns aber des Falles, daß gegenüber einer solchen Ab» wehr eines mit Steuerforderungen belästigten Dissidenten die Ber- liner Stadlsynode nichts anderes zu tun wußte als— Beleidigungsklage einzureichen._ Schießende Fuhrwrrksdiebe sind in der Wilhelmstraße aufge- treten. Dort wurden aus dem Grundstück Nr. 42 zwei Männer» die ein Fuhrwerk stehlen wollten, von dem Pförtner Dommel und dessen Sohn überrascht. Um sich der Festnahme zu«ntziehen, gaben sie auf den Pförtner und seinen Sohn zwei Schüsse ab, fehlten aber beide. Dann ergriffen sie die Flucht. Es gelang aber den Ver- folgern, einen von ihnen, einen Händler Fritz Lehmann aus der Kastantenallee 80, zu ergreisen. Der zweite Dieb ist entkommen. Ungültige Poftfreimarken. Es wird daran erinnert, daß die Postfteimarten zu 2, 2>/z, 3 und 7'/. Pf. mit Ablauf des Monat« Dezember ihre Gültigkeit verlieren." Vom 1. Januar an werden hieie Freimarken nur noch aus älteren Postkarten/z Pf. nicht mehr freigemacht werden« Versteuerung der Waren-, Musik-, Schau-»nd Scherzautomate». DaS Haupt, ollaml Berlin bringt zur Kenntnis, daß nach Tarif- stelle 11-r deS LandesstempelgeietzeS vom 31. Juli 1395 und 26. Juni 1909 im Laute de« Monats Januar 192l die auf den Bahnhöfen oder anderen offernlicken Orlen und Plätzen oder in Gast- und Schankwirtfckafien aufgestellten Warenautomaten. Steroikop-, Schau- oder Scker, automaten sowie die Musikautomaten und mechanischen Musikwerke, gleichviel ob diese Oeffnungen für Geld- einwurf besitzen oder nickt, für das Kalenderjahr 1921 gegen Lösung einer Jahreskarte zu versteuern find Die Versteuerung hat der Eigentümer des Automaten, falls n ihn ausnutzt, oder wenn der Automat einem anderen zur Ausnutzung überlassen ist. der letzlere bei der zuständigen Zollstelle zu bewirken. Für die bis zum Jahre 1920 versteuerten Automaten bat die Weiterversteuerunq unter Vorlegung der Steuerkarl« zu geichchen. Erfolgt die Versteuerung nicht oder nickt rechtzeitig bis zum 31. Januar 1921. so muß gegebenenfalls Bestrufung eintreten. Ein« WohltätigkcitSvorstcllung zugunsten der Kinder de« Erwerbslosen im Gastwlrtsgewerb'e fand im A d m i ra I s pa la st In entgegenkommender Weise hatten Herr Direktor Barttischck, die Gesamtkünstlersch-aft, das Orckesier usw. ihre Kräfte l o st« n l o s zur Verfügung gestellt, ko. daß die Gesamteinnahme für die anschließende Bescherv-ng der Kin- der voll verwendet werden konnte. Die Kinder, die den ganzen zweiten Rang füllten, glaubten sich in eine Märchenwelt versetzt. Mit glänzenden Augen verfolgten sie aufmerksam alle Darbietun- gen, und jubelnd gaben sie ihren Beifall kund. Noch lange werden ihnen die geschauien Bilder im Gedächtnis haften. An der an- schließenden Bescherung nahmen 800 Kinder teil, denen neben Sck»- kolade und Pfefferkuchen ei» Bargeschenk von 15 M. überreicht werden konnte. Allen Beteiligten, die sich so selbstlos dem g r-ten Zweck zur Verfügung g-fftellt haben, stattet die Ovganifatio» der GafttmrtSgehilfen herzlichen Dank ab. Die Arbeitszeit tn der Neuköllner Grosthandels- gesellschaft. llm den tn letzter Zeit verschiedentlich aufgetauchten Gerüchte» über Nichteinhaltung der achtstündigen Arbeitszeit in den Verkaufsstellen der Neu-köllner GrotzlandelSgesellschaft m. b. H. entgegenzutreten, steht sich der Gesamtbetriebsrat dieser Gesellschaft zu der Erklärung veranlaßt, daß die Arbeitszeit der Verkäuferinnen so geregelt ist, daß in keinem Falle eine Ueber- schreitung des Achtstundentages vorkommt. Entstanden und diese Gerüchte dadurch, daß die Verkaufs- stellen der Großhandelsgesellschaft seit einiger Zeit auch während der Mittagsstunden geöffnet sind. Diese Maßnahme hat sich arSl technischen Gründen ergeben und sie ist im Einvernehmen mit allen Verkäuferinnen sowie den zuständigen Betriebsräten getroffen worden. � Elteruhnnv für weltliche Schule Steglitz. Donnerstag, den 30. Dezember, abend» 7'/, Uhr, spricht Psarrer Bleier über.Weihnacht«- gedanken" w Schuttes Festsälen, Südend«, Lichterfelder Str. 17. Srofi'Serliner parteinachrlchten. Morgen, SO. Dezember: 8®. Air. Die Weihnachtsfeier findet in Heinrichs FeWle», Graf» frankfurter Straße 30, statt. Aufaug pävMich abend««Uhr. Sjnwittfre» Kur Betchernna komme-"Vr-m gemeldeten Kinder OewerMajwbewegung Mafseuküudigungeu bei den Reichsbeklcidungsämtern. Dem Deutschen BckleidungSarbeiierverband, Filiale Berlin, ling in diesen Tagen die Abschrist eines Schreibens deS Reichs- 'chatzministers zu, das falgenden Inhalt hat: Der Aufgabenkreis der Reichsbekleidungsämter wird im icichsten Jahre, voraussichtlich noch im Januar, neu geregelt aerden. Da damit gerechnet werden muh, daß infolge Einschrän- 'ung der Aufgaben noch im laufenden Etatsjahre ein Teil der llemter geschloffen wird und die übrigen verkleinert .u erden, ist es notwendig, noch in diesem Kalenderdiertelfahr ein- 'eilende Maßnahmen zu treffen. Es ist daher soforr, spätestens aber am 3. Januar 1321 zum 31. März 1921 gegen Empfangsbescheinigung bei den Reichsbekler» dungsämtern Breslau, Kassel, Münster, Steltin, Wilhelmshaven sämtlichen Angestellten, bei dem ReichsbeKeidungsamt Hannover sämtlichen Angestellten der Schuhmacher- handwerkstätte sowie zwei Drittel der Bureau- angestellten und bei den Reichsbekleidlungsömtern Berlin, Dresden, Kiel, Königsberg, Ludwigsburg und München d i e Hälfte der Bureauange st eilten zu kündigen. Sollte die Möglichkeit bestehen, die Aemter in dem bisherigen Umfange beizubehalten oder in geringerem Maße als vorgesehen abzubauen, werden mit den gekündigten' Angestellten oder einem entsprechenden Teile neue Vertrage abgeschlossen werden. Bei der Kündigung sind die dargelegten Gründe anzugeben � 84 Z. 2 Betriebsrätegesetz. lieber die Ausführung dieser Ber- nigwng ist zum 10. Januar 1921 zu berickiten. I. B.: Unterschrift. ?. 5.: Be, den BekleidungSämrern Hannover, Berlin, Dresden, Kiel, Königsberg, Ludwigsburg und Münster hat sich die Kündigung nicht auf diejenigen Angestellten zu erstrecken, die buchhalterisch mit dem Abschluß per 31. März 1321 zu tun haben." Dazu schreibt der BekleidungSarbeiter-Verband, daß die Be- mühungen des ReichSschatzminstierS, einen Teil der ReichSbeklei- dungsamter, und zwar die Hälfte sofort aufzulösen und die andere Hälfte bis auf ein geringes Maß zu reduzieren, schon seit etwa 1H Jahren datieren Dieselben konnten bisher dadurch abgewehrt werden, daß die ReichsbekleidungSämter, wie Nachweis- lich feststeht, im letzten Jahre keine Zuschußbetriebe mehr waren, sondern sich im Gegenteil außerordentlich günstig«ntwickel- ten und etwa 12 000 Personen, davon in Berlin allein etwa 1500, eine Existenz boten. Wenn diese arch nicht immer glänzend ge° nannt werden konnte— die Lohnverbältnisse führten zu fortwäh- renden Beanstandungen—, so konnte doch der Heimarbeit durch leistungsfähige BetriebSwerksrellen entgegengetreten werden. Ein Anlaß, die Bekleidungsämter zu schließen, lag gar nicht vor. Der BekleidungSarbeiter-Verband Hai erst in der letzten Zeit wiederholt Anstrengungen gemacht, den Bekleidungsämtern Aufträge, die von der Warenbeschaffungsstelle für Minderbemit- t e l t e des Reiches zur Verteilung kommen sollen, zuzuwenden. Wir stellen aber fest, daß die jetzigen Aufträge der Waren- beschaffungSstekle Sei Privatfirmen und dort zum Motzen Teile in der Heimarbeit angefertigt werden. Diese Auftrage in Betriebswe: Pellen auszuführen, scheint gewissen Kreisen von großem Einfluß nicht angenehm zu sein, und das ist nach unserer Anficht auch der letzte Grund zu diesem neuesten Borstoß. Der von den Belle-dungsämtern eingesetzte Zentral-Be» triebSrat ist von dieser weilgreifenden Aenderung nicht unterrichtet worden. Das Reichsschatzministerium erlaubt sich hierbei einen Verstoß gegen das Betriebsräte» g e s e tz, den wir entschieden zurückweisen müssen. Selbswerständ- lich werden sofort Verhandlungen zur Rückgängigmackung dieses Erlasses stättstnden. Lohnzulage der Klavierarbeiter. Ende November hatten die Klavierarbeiter de« Unternehmern die Forderung eingereicht, entweder eine Lohnerhöhung von 75 Pf. für die Stunde oder eine einmalige Wirt- schaftsbeihilfe von 400 M. für Verheiratete und 300 M. für Ledige zu gewähren. Der Arbeitgeberverband antwortete, er werde den Antrag der Arbeiter mit möglichster Beschleunigung zur Verhandlung bringen. Aber erst am 15. Dw ruber fand die erst» Verhandlung statt, die nicht das mindeste Ergebnis brachte. Der dann von den Arbeitern angerufene Schlichiungsausschuß erklärte sich auf Antrag der Arbeit» geber als u n z u st ä n d i g. Daraus wurden von anderer Seite wieder Verständigungsversuche gemacht und so war man dann „mit möglichster Beschleunigung" so weit gekommen, daß endlich am 23. Dezember eine Verhandlung stattfand, in der sich dre beider. festigen Vertreter dahin verständigten, daß nicht eine einmalige Wirtschastsbeihrlfe, sondern eine lausende Lohnzulage von 10 Prozent für Arbeiter über 20 Jahr« und 5 Prozent für Ardeiter unter 20 Fahre, und zwar vom 11. Dezember bis 15. Februar gezaht werden solle. Die ver- einbarte Lohnzulage slO Prozent sind durchschnittlich etwa 8 0 P f. die Stunde) entspricht dem für die Holzindustrie seinerzeit ab- gegebenen Schiedsspruch. Tie Versammlung der Arbeitgeber hat der Vereinbarung zugestimmt mit der formalen Einschränkung, daß die bewilligte Zulage nicht als Lohnzulage, sondern als laufende Wirtschafisbe:hilse angesehen werden soll. Am Dienstag wurde dieser Sachverhalt in einer Versammlung der Klavierarbeiier vom Branchen! ester Dorn vorgetragen. Er empfahl die Annabme der Vereinbarung und Zurückweisung der von der Arbeitgeberversammlung gemachten Einschränkung, denn es müsse mit Rücksicht aus spätere Leilnabbauabsichten der Unter- nehmer an der Form der Lohnerhöhung festgehalten werden. Die Versammlung stimmte dem zu. Angestellte der Metallindustrie. Donnerstag, Uhr, im SchullbeitzauSschank, Hasenheide 22/31, Versammlung der Betriebsräte, Angestelltenräte, Betrtebsobleute und Funktionäre des Afa-Bundes aus der Metallindustrie. In dieser Versammlung wird die Entscheidung der Unternehmer mit- geteilt werden. Ebenso werden weitere Beschlüsse gefaßt. Jedes Mitglied einer Betriebs ver tretung, jeder Funktionär mutz kommen. Afa, Ortskartell Grofi-Berlin. Zur Beerdigung Karl Legieus treffen sich die Mitglieder de» Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Eai«angestellten Freitag vormittag OVi Uhr vor dem BerbandShauS» Elsoff er Str. 8% um im geschlossenen Zuge zum GewerkschastShauS zu gehen. Die OrtSveaoaltung. Mus aller Welt. Gistmordversuch. In Wien hatte sich die 27jährige Marianne K o p o n i. eine überaus exzentrische Frau, an den Schätzmeister für Juwelen Moritz Preh unter dem Borwande herangemacht, sie sei eine reiche Billenbesitzerin und wolle Juwelengeschäste machen. Bei einem Mittagsmahl bot sie ihm Bonbons. Den Schätz» meist» befiel heftiges Unwohlsein. Die Bonbons wurden unter- sucht und eS stellte sich heraus, daß sie mit Sublimat ver- giftet waren. Frau Koponi wurde verhaftet, sie gestand, daß sie den Schätzmeister töten wollte, um sich in den Besitz der In- welen, die er bei sich trug, zu setzen. Strauduug eines holländischen Dampfer». Im Nebel strandete bei Kolberg der große holländische Dampfer Warnseba mit Passa- gieren und Stückgut, Menschenverlust ist nicht zu beklagen. Die Flottmachung ist bisher nicht gelungen. Noch ein Attentat in Rumäiiien. Gegen den Zug des Generals Averescu ist ein Attentat verübt worden. Averescu blieb un« verjehrt. Von semer Umgebung und dem Bühnenpersonals?) kamen mehrere Personen ums Leben. Alles falsch! Ms der englische Staatsmann Joseph Chamber- lain noch mitten im politischen Kamps und an der Spitze der bri- tischen Staatslenker stand, hielt er eines Tages in einer schottischen Stadt einen Vortrag zugunsten der Schutzzölle. Seine AuZfüh- rungen wurden mehrfach von einem Hörer unterbrocheil, der in der Nähe der Tribüne laut die Behauptungen des Redner? bestritt. Das ging ungefähr so vor sich: Chamberlain:... Baumwolle steigt... » Der Hörer: Falsch! ... Eisen steigt... Falsch! Zement steigt... Falsch! Schließlich riß Ehainberlain die Geduld. Er wandte sich am den Störenfried und sagte:„Sehr schön, me:n Freund, wenn Sie sagen, daß alle» falsch ist. Aber ich könnte Ihnen solche einzelne» Tatsachen aus dem Geschäftsleben anführen, daß Ihnen die Haare zu Berge stehen würden!" .LLieder falsch!" fiel der unermüdliche Opponent augenblicklich ein, indem er den Hut abnahm und eine schimmernde Glatze entblößte. zZerantw. filr den ritakt. Teil: Dr. SScruer Petser, Dhartottenbura: sür Steigen: ~ TorwSrts-Peitag®. m. 6. H.. Berlin. Druckt Bor- ZA. Stocke. Berlin. Verlag wärls-Buchdruckerei n. BerlagsanttaU Paul Einger u. To.. Berlin. LlUdc ittr. Z. Verkäufe Nähmaschinen, auch Teil- ..hlung aeliaitel. Sahn, preihilauer Straße 20.' Handleiter, Kastenwagen, Rodelschlitten, Ersahräder, bis i00 Zentimeter. Achlen, Buchsen. .Remmler, Neutölln, Berg- aaße ISl. Passageladen.[ 1073' Mouatoaujögc, Burschen- rnzlige, Ulster, Paletots, Hosen, damenmänlcl. Rücke, Blusen, i!elzwche»,Schuhwaren. Löwen- dlÜNeuköll».Berlin erstraße 4l.I Wand eruö gel finden neue ele für ihre Fahrten in Lessen» chüaem„Wanderbuch".(9 M.) 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