Nr. 637 ♦ Z7.�ahrga«g Ausgabe B Nr.lSl Bezugspreis: «;rteIiäI)rL30,— 3JIt»numatU0,— 9IH. frei in»»aus, voran» zahlbar. Post- dezug Monalli» 1»,- Ml.»xkl. fti- flellungszrdühr. UtuerSteujbanii für Demichlano unD Oetterreidi 16/0 M!. für das ü'-nflt Ansland bei laglich »ivinal. RuftjUuita 2150 OT. Uoftbe- fttaungtti nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho» Slowakei, Dane» mar!, öollano. ru�emburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Dost» �eitnngs» Preisliste. Der JSonvärt»* mit der Sonntagsbeilage»PoU a.3eil* ericheint wachen» täglich zweimal. Sonniag» und Man» tags einmal. Tel eg ranmi-Adrestei .Sozioldemotcal Berti««". Abend Ausgabe Verlinev VolKsblsN (2or»»«nnla') Anzeigenpreis: Die achtgeipaltene Nonpareillezei.i kolietZ,— ZI!.,Teuernna»zuschIagS0°,l. .Kleine Anzeigen", da» ieti» geornclte Wort U— M.(zulässig zw« iettgedrultte Wortes, iede» weiter. Wort 60 Psg. Etellengeiuche un Schlasstellenanzeigen das erste War Sä Ptg. redes weitete Won 40 Pig Worte übet 15 Buchstaben zählen fii' iwei Worte. Teuerungszuschlag 50°,. Famllien-An, eigen für Abonnenten Seile 2,— M. politilche und ge» roetlfdiaftUche Vereins- Anzeige» Z,— Ml. die Seile ohne Aufschlag Anzeigen für die nächste Rumme, müssen bis S Ahr naä mittag» w> Kauotgeschäst. Berlin SW 5. Linden» straße 3, abgegeben werden. Geöffne von 9 Uhr früh bis b Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Dcutfcblands RcdoPtion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. 3. Kernivrecher: Amt Moritivlah. Nr. Donnerstag, de« 30. Dezember 1VÄ0 vorwä'rts-verlag G.m.b. h., SW. öS, lindenstr. 3. Zsernfprccher: Amt Moritipla«, Nr. 117 58—»4.. Von de? Botschaftarkonferenz ist der deutschen Regierunz soeben folgende vom 27. Dezember datierte Note über die A b- stimmung in Oberschlesien überreicht worden: Die Botschofterkonferrnz ist davon verständigt wor- den, daß die deutsche fstlgierung ablehnt, das von den Verbündeten Negierungen angeregte Verfahren bei der Volksabstimmung in Oberschlesien anznnehmen. Tie verbündeten Mächte hatten mit ihrem Borschlage kein anderes Ziel im Ange, als eine Lage zu schaffen, die es gestattet, die Volksbefragung in Ruhe vnd Ordnung vor sich gehen zu lassen. Nm ein so überans wichtiges Ziel z« erreichen, schien es den Verbündeten, das Einver- ständnis der unmittelbar beteiligten Negirrungen vorausgesetzt, möglich, den Artikel 88 des Friedensvertages in dem Sinne auszulegen, von dem die Note vom 80. November sich hatte leiten lassen. Da diese Lösung von den beteiligten Regierungen nicht ange- nommen worden ist, sehen sich die verbündeten Mächte genötigt, den Artikel 88 schlechthin zur Anwendung zu bringe». In dem Bestreben jedoch, bei der Volksabstimmung die Ordnung aufrechterhalten zu sehen, für die sie verantwortlich sind, haben sie die Pflicht, die Interalliierte K«m- Mission in Oberschlesien zu ermächtigen, A u s f ü h- rnngSbestiminungen zu erlassen, die geeignet erscheinen, die öffentliche Ruhe am wirksamsten zu gewährleisten. Die Botschafterkonferenz hat nachher, nachdem sie von den Ant- Worten der deutschen und dep volnischen Regierung Kenntnis ge- nommen hat, beschlossen, die Abstimmung der nicht em.Lb- st i m m n n g s g r b i e t ansässige» S t i m m b e r e ch t i g- teu später als die Abstimmung der einheimischen Stimmberech- t'zte» stattfinden zu lassen und an Terminen und unter Beding»»- gen, die die Interalliierte Kommission festsetzen wird, die alle Befugnisse hat, unmittelbar mit der deutschen Re- gierung die Frage der Beförderung der Stimmberechtigte« zu regel». Ich habe die stchre. Sie nomen? der Botfchafterkonferenz zu bitten, diese» Beschluß zur Kenntnis Fbrer Regierung z» bringe». Genehmige« Sic usw. gez» Letzghnes. das deutsche Eigentum in Amerika. .Foreign Preß Service" meldet: Die in europäischen Zeitungen verbreitete Nachricht, daß die Regierung der Bereinigten Staaten im Begriffe sei, das während des.Krieges beschlagnahmte deutsche Eigentum wieder herauszugeben, ist schein. bar auf die FuÄht einiger amerikanischer Landwirt« zurückzuführen. die«in Interesse daran haben, dieses Eigentum als Sicherheit für Kreditgewährungen an Deutschland zu benutzen. In einigen besonderen Fällen ist die Rückerstattung sequestrischer Güter wasässsssm—K i i— i i' t— a Hilfe den Invaliden. Unsere Invalidenversicherung kennt bekanntlich Alters-, Inda- liden-. Kranken-, Witwen-, Witwer- und Waisenrenten. Die Lei- stungen dieser Versicherung standen schon in der Vorkriegszeit in schreiendem Mißverhältnis zu den Kosten für die Lebens- baltung. Infolge der eingetretenen Teuerung erhielten die Be- zieher"einer Invaliden-, Alters- oder Krankenrente ab 1. Januar 1918 eine Zielage von 8 M. und die Bezieher einer Witwen- oder Witwerrente eine solche von 4 M. im Monat. Durch Verordnung vom 21. August 1919 wurden die Zulagen auf 29 bzw. 10 M. e r- höht. Seit 1. Juli 1920 betragen die Zulagen für Invaliden-, Alters- und Krankenrente 30 M.. für Witwen- und Wiiwerrenten 15 M. umd für Waisen, d. h Kinder unter 15 Jahren, 10 M. für den Monat. Alle diese Zulagen reichten nicht hin. die immer weiter fortschreitende Teuerung auszugleichen. Die Invaliden- rentner sanken immer tiefer ins Elend. An Bestrebungen, diese Zulagen zu erhöhen, hat eS nicht gefehlt. Allgemetn wurde auch die Not dieser wirklich Armen aner- kannt. Den LandeSverficherungSanstalten als den Trägern der Invalidenversicherung konnte die Last auch nicht aufgebürdet wer- den. Beträgt doch deren Unterbilanz— auch eine Folge des Krieges— rund 800 Millionen M arkl Der Reichstag wird nach Mitteln zur Beseitigung dieses Defizits suchen müssen. Das Reich ohne Mittel und die Versicherungsträger beinahe bankrott— und auf der anderen Seite die nicht mehr zu überbietende Not der Opfer kapitalistischer Wirtschast? Die Regierung arbeitete eme Borlage aus, die eine Volks- abgäbe auf der Grundlage vorsah, daß der Arbeitgeber für seden Arbeitnehmer Und jeder Arbeit, ichmer für sich pro Woche 70 Pf. zu einem Fonds beisteuern sollten, aus dem dann Invaliden-, Unfall- und KnappschastSrentner einen Rentenzuschutz bekommen sollten. Unsere Genossen haben im Ausschuß widersprochen und eine Aenderung der ReichSversickerungSordnung verlangt. Nach heftigen Kämpfen gelang es, die Regierung und die bürgerlichen Parteien auf den sozialdemokratischen Vorschlag zu einigen. Auch die U.S.P. schloß sich an.» Vom 1. Januar 1921 ab werden die Beiträge zur Fnva- Ichesversicherung verdoppelt. Die BeitragSerMung bringt m in(dbersthlesien. erfolgt, aber nicht an Deutsche und Oesterreicher, sondern nur an solche, die früher unter deutscher oder österreichischer Herrschaft lebten, wie Tschecho-Slotvaken und Jngo-Slawen. Die e n d g ü I- tige Entscheidung über das Schicksal des deutschen Eigen- tums, das einen Wert von zirka 700 000 000 Dollar repräsentiert, liegt in den Händen des amerikanischen Kongresses und wird nicht eher fallen, bis der Friedensvertrag zwischen Deutschlartd und Amerika unterzeichnet, oder«m Sonderfriede zwischen den beiden Mächten abgeschlossen ist. Auf jeden Fall hält mau aber eine glatte Konfiskation des deutschen Eigentums ohne Eiitsrbädi- gung stir ausgeschlossen. Rußland bricht mit Amerika. Moskau, 30. Dezember. Tschitscberin hat den bolsche- wistischen Geschäftsträger in New-Dork Martens, der von der amerikanischen Regierung ausgewiesen worden ist, in einem Tele- gramm ersucht, mit Rückstcbt darauf, daß infolge der feindlichen Haltung der amerikanischen Regierung eine wirtschaftliche Zusammenarbeit unmöglich geworden sei, sofort mit dem Personal seines Stabes nach Rußland zurückzukehren und alle mit amerikanischen Firmen eingegangenen Verträge gemäß den Jnstrukiionen des VollSkommissariatS für Außenhandel für nichtig zu erklären._ Selagerungszustanö über Suöapest! Wie», 30. Dezember. s.Frkf. Ztg.") Nach Berichten aus Bu- dapest hat die ungarische Regierung gleichzeitig mit der Verkündigung des Urteils über die ehemaligen VolkSkommis. s a r e über Budapest den Belagerungszustand verhängt und und hält die ganze Garnison bereit, um einer Bewegung des Pro- letariutS vorzubeugen. Das Gefängnis, in dem sich die Verurteilten befinden, ist von Osfizieren besetzt. Der Verkehr ist in weitem Umkreise abgesperrt. Die.erwachenden Magyaren" der- breiten eine Flugschrift, in der sie gegen die in- und ausländ! scheu Sozialisten in heftiger Weise Stellung nehmen, weil sie sich in eine inneve Angelegenheit Ungarns einmischten. d'�nnunzio Sankt ab. lstvm, 30. Dezember. Wie»Corriere della Sera" aus Abbazia meldet, hat d'Annunzio seine Pollmachten in die Hände des Stadtrat? zurückgelegt. Rom, 30. Dezember. lStesani.) DaS Abkommen von Fiuwe gilt als abgeschloffen. d'Annunzio hat eine Erklärung ver- öffentlicht, in der er sagt, es lohne sich nicht, fiir Italien zu sterben. Er soll im Begriff sein, Fiume im Flugzeug zu verlassen. Tie Nacht zum gestrigen Tage ist ruhig verlaufen. ein« MeHreinnaHme von 900 Millionen Mar? im Jahre. Diese Summe kommt restlos den Rentenbeziehern zugute. Zu den jetzigen Renten treten ab 1. Januar 1921 folgende Zuschläge: Invaliden-, Kranken-, Alters-, Witwen- und Witwer- renten 40 M. und Waisenrenten 20 M. im Monat. Um die Sache verständfoel»« zu machen, zwei Beispiele: Ein Invalide erhält eine MonatSrente von 25 M., dazu kommen die 30 M. seitherige Teuerungszulage und 40 M. neuere Renten- erhöhung, zusiunmen 25+30+40=95 M. im Monat. Eine Waise erhält: Rente etwa 3,40 M., Teuerungszulage 10 M. und neue Anlage 20 M.= 33,40 M im Monat. Unser Antrag, die Rentenzulage auf 50 M. festzusetzen, ließ sich leider, auS Mangel an Mitteln, nicht ganz erreichen. Nachstehender Antrag der Sozialdemokraten und aller bürgerlichen Parteien wurde noch einstimmig angenommen: 1. Die Reichsvegierung wolle dem Reichstag unmittelbar nach seinem Wiederzusammentritt Maßnahmen zur Linderung der»Not unter den Kleinrentnern, insbesondere auf steuerrcchtlick>em Ge- biet, vorlegen. 2. Di« Reichsregierung wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß den KnappschaftSrentnern, Witwen und Waisen, denen auf Grund . dieses Gesetzes eine außerordentliche Beihilfe nickt zusteht, eine Beihilfe in entsprechendem Umfang verschafft wird. 3. Die Reichsregierung wird ersucht, alsbald Nack dem Wiederzusommentritt dcS Reichstages einen Gesetzentwurs vorzn legen, der für diejenigen Personen, die Renten noch dem Ver- ncherunnSgesetz für Angestellte beziehen, eine außerordentliche Bei- Hilfe sichert nach Art derjenigen, wie sie durch das Gesetz fiir andere Sozialrentner sichergestellt sind. 4. Die Reichsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurs vor- zulegen, durch den der Notlage der LandesversicherungSanstallen abgeholfen wird, und die Vorlage des Gesetzentwurfs so zu be- schleunigen, daß die erforderlichen Maßnahmen spätestens mit dem 1. Juli 1921 in Kraft treten können. Die Sozialdemokraten waren es, die unter Aufbietung ihrer ganzen Kraft und unter Einsetzung ihrer sozialpolitischen Kenntnisse diese Hilfsaktion für ihre, infolge Krankheit und Siech- tum au? dem Arbeitsprozeß ausgeschiedenen Brüder, gegen starke Widerstände durchgesetzt haben. Die Not der Jnvalidenrentner ist, darüber bestehe« keine Zweifel, nicht behoben, sie ist aber gemildert. die Kahr- Gefahr. Die Deputation der Bergarbeiter, über die wir m unserer heutigen Morgenausgabe noch einer Meldung des„»Hamburger Fremdenblattes" berichteten, stellt sich als ein« sehr ernst zu nehmende und beibsuitungsvolle An- gslegenheit dar. Durch die Deputation waren offiziell ver- treten: dar alte(f r e i g e w e r k s ch a f t l i ch e) Bergarbeiter- verband, die ch r i st l i ch e und Hirsch-D unckersche Bergarbeiierorgamisation. An der Spitze der Deputation standen, wie wir erfahren, die Führer dieser drei Verbände, »tz u e, B a l t r u s ch und H a r t m a n n. Die Forderung, daß die Reichsreglerimg die Auflösung der bayerischen Einwohnerwehr durchführen und damit die fortgesetzte Beldrohlmg des Ruhrgebiets durch den Ententeeimnarsch be- ieitigen soll, wird also von der gesamten organi- sierten Bergarbeiterschaft einmütig und einhellig aufgestellt. Ebenso einmütig sind die organi- sierten Bergorbeiter sämtlicher Richtungen in der Aakündi- gung, daß die Kohlenförderung für Bayernein» gestellt werden wird, wenn»die Regierung Kohr sich nicht endlich zur Vernunft entschließt.. Tie Regierung vertuscht! »Halbamtlich meldet WTB. um die Mittagsstunde: In der Reichskanzlei fand gestern mit Vertretern der Ruhr- bergleute, die aus Anlaß anderer Sitzungen, u. a. des Reichskohlen- rate?, in Berlin anwesend waren, eine Besprechung üoer d« Verwendung der fünf Gold mark aus dem Spa-Abkom- wen für die Verbesserung der Ernährung der Bergarbeiter statt. Dabei sind auch andere Fragen besprochen worden. Den Vertretern der Bergarbeiter wurden von feiten der Regierung in vertraulicher Aussprache eingehende Mitteilungen über die politische Lage gemacht. Hierbei»wurden, wie wir entgegen einer anderweitigen Angabe in der Presse feststellen können, weder Fo r- derungen gestellt, noch Zusagen gegeben. Die rückhaltlose Aussprache hat zu einem guten Einvernehmen und zu gegenseittge? Aufklärung wesentlich beigetragen. Dagegen wurde vereinbart, die Frage der Goldmark mit dem zuständigen Ressort am Mittwcck nächster Woche an der Sand konkreter Unterlagen eingehend zu erörtern. Diese lendeulahnve Erklärung leugnet weder noch gesteht sie zu, daß die Frage der bayerischen Einwohner- wehren ein Houptgegenstand der Besprechung war. Das ganze ist ein offiziöser V e r t u s ch u n g s v e r s u ch, bei dem offenbar, wie bei den Noten an die Entente, die.Herren K a h r und E s ch e r ich der Reichsregieruna die Feder geführt haben. Wir halten demgegenüber öen Inhalt unserer Meldungen vollkommen aufrecht, die uns aus guter Quelle be- stätigt werden. Wenn die Escherich-Leute in der bayerischen und inder Reichsregieruug wirklich glauben, daß sie mit ihrer Bogel-Strauß-Polftsk auf die Dauer die Welt täuschen kömren, so spricht»das nicht irur gegen'ihre politische Ehrlichkeit, sondern auch gegen ihre Klugheit. Ihre Ouiftung werden sie bald erhalten, aber wir protestieren dagegen, daß die Reichsregierung Hilst, die von den Kahr-L»eriten geschaffene Atmosphäre politischer U n wa h r h a f ti g k e i t mit ihren der Wahrheit widersprechenden Dementis noch mebr m vergiften. j?aschingsstimmung in München? Die Münchener Kahr-Prcsse ist nach wie vor eisrig bemüht, ihren Lesern über»den Ernst er Situwtwn Sand in die Augen zu streuen. Nach einer Meldung der Eschrrich-Tll. sind die Münchener Blätter„nicht geneigt, die Meldung von einem drohenden Ultimatum der Entente in der Einwohnerwehrfrage ernst zu nehmen". Danach scheint in München bereits große Faschings- ulkstimmung zu herrschen. Der Aschermittwoch dürfte aber noch früher kommen, als er im Kalender steht! Protest gegen den Kahr-Terror. Der Stadtrat von Nürnberg befaßte sich, nach einer Meldung der„Frks. Ztg." gestern mit der(im„Vorwärts" bereits veröffentlichten) Verfügung der Staatskommissare der biyerischen Regierungsbezirke über die Handhabung der Vorschriften für die Ge- nehmigung von Versammlungen. Der Aeltcstenausschuß des Stadt- rats hat folgenden Antrag des Stadtrates und LandtagS-rbgeord- neten Giermann(Soz.) sich zu eigen gemacht: „Der Stadtrat wolle' beschließen: Die Verordnung der Staatskommissare, die für alle Versammlungen die Genehmigungspflicht fordert, wird vom Stadtrat als eine völlig unbr- gründete und unzulössige Knebelung dcS Vereins- und Ber- sammlungslebens mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen. Der Stadtrat ist nach wie vor der Auffassung, daß die Aufiechterhal- tung des Ausnahmezustandes in Bayern, auf Grund dessen die Verordnung erlassen wurde, der gesetzlichen Grundlage entbehrt. Er protestiert daher mit Nachdruck gegen dieselbe und fordert im Hinblick auf frühere Anträge erneut die Aufhebung des A»S- nahmezustandcs." Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluß er- hoben; der Protest wird nicht nur der Stvatsregierung und dem Landtag, sondern auch dem Reichspräsidenten und d«'- Reichstag zugeleitet. Tours für Moskau. Paris, A. Tezemb'.r.(WTB.) Ter sozialistische P a r t e i t a«z in Tours l>at heute nachmittag die Tebnttc über den Anschlust an die Dritte Internationale beendet und ist dann sofort zur Abstimmung übergegangen. 3252 Mandatevon 47K3haben sich fürden Anschluß an die kommunistische Internationale ausgesprochen, s�ür dir mittlere Richtung � o n g u e t erklärten sich 1 tl 2 2 M a n- d a t e. Die Tagesordnung Blum, die sür die Zweite Internationale eintritt, wurde zurückgezogen; ihre An- Hänger, 397, haben sich der Abstimmung enthalten. Tie Würfel sind also gefallen, und zwar so wie es allge- mein erwartet wurde. Bon einer bereits erfolgten Spal- tnng besagt die WTB.-Meldung nichts. Es isl aber anzu- nehmen, daß zumindest der rechte Flügel tBlrnn-Renaudel- Jeinbat usw.) ausscheiden wird. Bei der Zentrumsgruppe Longutst ist dies schon fraglicher. Einzelne Anhänger Lon- guets. wie z. B. Verse uil, haben von Anfang an erklärt, daß sie sich der Mehrheit unterwerfen und in der Partei blei- den werden. Andere dagegen, wie Mauranges, neigen deutlich zum rechten Flügel. Tie Entscheidung für das weitere Verhalten der Kruppe der„Wiederaufbauer" liegt wobl bei ?ongnet selbst. Ter zweite Tag. Tours, 26. Dezember.(Gig. Bericht des„Vorwärts." Die Erklärungen der Vertreter der Departementsföderationen dauerten beute bis weit in die Nack'inittagssiyung. Tie Diskussion verlies eiwas...'öfter als am ersten Tag. Die stürmischen Zwischenfälle bäuften sich, ohne daß jedoch jene tiefe Scheidung der Geister in Erscheinung trat, die eine Spaltung unvermeidlich erscheinen läßt. Immerhin ist zu verzeichnen, daß die v e r s ch i e d e n e n. R i ch- lnnge» regelmäßig Sondersitzungen abhalten, und Vaß auch in der Plazierung der Delegierten eine schärfere Tran- nung zu bemerken ist. Am meisten erweckten die Erklärungen der e l s ä s i i s ch e n und des Delegierten von I n d o ch i n a die Anf- merksamkeit des Kongresic?. Aus allen Erklärungen geht einsteils die tiefe Unzufrieden h e i l der Massen hervor, die der Partei zuströmen, und üe ihrer Unzufriedenheit dadurch Ausdruck gebe», daß sie für die radikälstcn Resolutionen stimmen. Diese Massen rekrutieren sich vornehmlich aus dem K l c i n b a n e r n t u m, während im Jndu- itrieproletariak, infolge der Ried erläge dcZ Generalstreiks im Mai. sich eine große Erschlaffung bemerkbar macht. Sembai antwortete in seiner Rede auf die übertriebenen Hoffnungen, die die Linke aus die Bauern setzt. Ich habe, sagte er. gelächelt über die Illusion eines kommunistischen Kleinbauerntum?. Wißt Ihr, was die Bauer» nnS zutreibt? Das ist die Furcht, daß sie die hohen Kricgspreiie'nicht. aufrecht- erhakten werden können, daß ihre Bereicherung nur ein vorüber- gehender Konfunktnrgewinn ist, daß sie wieder in die Abhängigkeit der großen Kapitalbesitzer geraten. Kommt es aber setzt zu einem a e w a 1 1 s a IN e II Z u f a mm e n st o tz, dann werdet Fbr die Masse der Bauern nicht auf Eurer Seite, aber ihre Gewehre auf Euch gerichtet finden. Hervorzuheben sind die Erklärungen der elsässischen Delegierten. Einee von ihnen sprach deuisch und seine Rede mußte übersetzt werden. Man hörte den Ebsässern mit jener respektvollen Aufmerk- samkeit zu. die man ausländischen Delegierten zu zollen pflegt. Georg Wcill definierte am besten, tvarum ouck im Elsaß eitle Mehrheit für Moskau ikt, derart, daß man dem alten Ge- »offen Mick b mit dem Ausschluß gedroht b»t. Der An. icblnß au Moskau, sirate Weilt/ erscheint den eiufacken Arbeiter- massen als das beste, sichtbarste Mittel, um gegen die innere und äußere. Politik Frankreichs und gegen die Ansnahmebcdingnngen, unter denen Elsaß-Lottringon zu leiden hat, zu protestieren. Seit Elsaß-Lotbringen wieder französisch ist, wird es der schlimmsten Reaktion ausgeliefert. Aber, zuch die Anhänger von Moskau wollen nicht die' Spaltung. und sie wollen vor allem nicht auf Elsaß-Lotbrmgen die tra- asiche Entzweiung zwischen Partei und Gewerkschaften nuertrazen, die in Frankreich besteht. Im Gegenstvtz zum übrigen Frankreich gibt cS in Elsaß-Lotlnnngen keine sozialistischen Banernorganiso- lioncn. Hervorzuheben ist noch, daß einer der Delegierten vom Elsaß aus die deutschen Verhältnisse in der Arbeiterbewegung eingehend hinwies, die sich durch die Tpalrimg entwickelt Eine Ausstellung fcanzöststber Maler. Im ,,S türm"(Potsdamer Straße 134») erneuern wir die Bekanntschaft mit einigen ausländischen Künstlern, darunter füh- icirden Größen de» französischen Kubismus, die uns jederzeit will- komme» sind, besonder? aber dieses Mal, wo sie zugleich mit einer freundschaftlichen Geste als wirklicke Friedensbote» erscheinen. Tic klugen und zweifellos ehrlichen Sätze, die einer ihrer Wortführer in französischer Sprache dem Ausstellungskatalog vorausschickt, zeigen uns, daß jetzt auch drüben werrvoll« Vertreter der jüngsten Künstlergeneration eine Verständigung suchen, zu der unsere Jüngsten immer bereitgewesen sind. Denn wenn irgendein Teil der deutschen Bevölkerung sich stet? von jeglicher Kriegspsychose freigehalten hat, dann war es der Kreis nnierer jüngsten Maler, Bildhauer und Architekten, denen nun hoffentlich bald Gelegenheit gegeben werden wird, die kameradschaftliche A ntrittsvisitc der Pariser Kollegen zu erwidern. Bei dieser Gelegenheit werden die französischen Künstler und.Kunstkenner sich davon überzeugen können, daß der sogenannte Expressionismus bei uns im Laufe der letzten sechs Jahre eine Verinnerlichung und Vertiefung erfahren hat, die die neue deutsche Kunst der französischen zum mindesten als ebenbürtig erscheinen läßt. Was die modernen Maler der französischen oder richtiger der romanischen Rasse vor uns voraus haben, zeigt die Ausstellung im „Sturm" sehr deutlich, Es� ist die aus einem alten künstlerischen Kulturboden erwachsene Sicherheit deS Geschmacks und Feinheit deS Gefühls für den finnlichen Reiz der Farbe und Linie. Ich wüßte keinen deutschen Maler zu nennen, der die lineare Eleganz und koloristische Delikatesse eines Albert Gleizes(Nr. 1—12), Louis Marcoussis(Nr. 16—36) oder Jules Evola(Nr. 37 bis 83) erreicht. Mit ihnen verglichen erscheinen unsere Jüngsten primitiv und ungelenk, die Franzosen mögen sagen: batbariich. Wo aber findet sich unter den FranzoieN einer, der die zazue Durch- geistigung unseres Paul Klee, die Gefühlsiiefe unseres Feininger, sie elementare Wucht unseres Schmidt-Rottbuff besitzt? Die Bei- gierin Tour Donas(Nr. 81—134), die wieder eine Reihe ihrer kleinen Wunderwerke ausgestellt hat, steht uns nahe, einige Russen, wie Chagall und Kandinsky, übertreffen uns im Ausschöpfen nefsten seelischen Erlebens. Ter franzöfische Expressionismus aber entwickelt sich mehr auf der Linie zum Dekorativen— wir sehen das auch an den hier ausgestellten neuesten Arbeiten von Gleizes Nr. 6— 12), die gegenüber seinen früheren Werken(Nr. 1 bis 5) ein Hervortreten rein sinnlicher Farben- und Linicnschönbeit auf losten des tieferen Gefühlsausdrucks erkennen lassen. Die jahrelange völlige Isolierung durch den Krieg hat die deutschen Künstler genötigt, fich ans fich selbst zu stellen, und sie Hachen. In Elsaß-Lokh ringen, fügte er hinzu, verfolgen wir mit graßer Anteilnahme die Vorgänge in Deutschland. Ter Vertreter von Jndochina, ein Anamit, schilderte die gransame Behandlung der Eingeborenen durch das imperia- listische Kapital unter dem Schutz Frankreichs, das die Eingeborenen in Massen dem Hunger und der Vergiftung durch das Opium ausliefere. * Von den Erklärungen der übrigen Vertreter ist besonders her- vorzubeben, daß die Moskauer beute offener mit der Spal- tnng drohten. Skachdem ein Antrag der Rechten, den Be- ichluß über den Anschluß au Moskau auf 6 Monate zu vertagen, . bgeleliit war. begann gegen 6 Uhr die allgemeine Aussprache. Scmbat svvach als erster Redner. Tie allgemoinie Ermüdumg der Dele- gisrten war verfchwuiiideir, als Sembat die Tribüne betva:. Ssine Rede dauerte genau 83 Minuten. Eime Rede Ssmbats iist ssbr schwer wiederzugeben. Er spricht im gslassenen Plauderton. unterbricht sich selbst, wird umterboochen, scheint zufainmrenhauglos aus alle möglichen Fragen einzugehen, erzählt geistreiche Anekdoten, die weitab vom Pbeana gelegen scheinen, und doch stoueot er ganz bc- sttmimt und unbeirrt aus das gesteckte Ziel zu, iowatt ihn auch die Zwfi'cheilirirfor davon zu entfernen scheinen. Heute war Sembat nicht, wie sonst, voll betterer Ironie, Wie könnte«s ein Mann, der 33 Ja ü r e i m Dienste der Partei an erster stelle itamd und jetzt die Spaltung und seinen Ausschluß kounnen sieht! ES gab einen Augenblick, wo der witzige, immer schlagfertige Sem- (alt Mühe hatte, zu reden. Die Rede wuchs sich zeitweise zu einem Duell zwischenSembat und dem jungen Vaillant- Evuturier aus, bis letzterer schließlich eu-twaffnet am Boden lag. Mit einem großmütigen Achselzucken verzichtete Sembat, dem Vorwitzigen den Gnadenstoß zu geben. Zwei Punkte, führte Sembat aus, ergeben sich aus der seit- herigen Diskusüou: 1. In der Partei herrscht eine unwiderstcbliche Strömung nach Moskau: 2. dieser Kongreß wird.mit großer Mehr- heit den Anschluß cm Moskau beschließen. Welches werden die praktischen Folgen dieses Beschlusses fein? Die Anhänger von Moskau mögen sich nicht einbilden, daß sie etwas Neues erfunden haben, wenn sie sagen, mau dürfe sich nicht auf die legalen Mitte! beschränken, lind Semlbat zinert GüeÄ«. Vaillant. Jan res, die stets die Anwendung illegaler Mittel sicki vor- behalten hatten. Aber sie haben diese illegalen Mittel nur als Eventualmittel ins Auge gefaßt. Tie Moskauer stellen die illegale Aktion der legalen voran, und damit liiefern sie jeder Regierung, die das Bedürfnis eurpfiudem wird, einen Gewoltstreich gegen das Vvole- tariat zu vollführen, den erwünschten Borwand. Gewiß, auch hcnrte schon geniert sich die Regierung nicht. Es fit aber ein gewaltiger Unterschied, ob die Regierung grundlos vorgebt oder ob wir chr den Vorwand liefern. Die Elite der Bourgeoisie ficRt sich beute verloren. Ihre einzige Hoffnung ist ein gewaltsamer KonfliKi! mit dem Proletariat, ein Versailles ohne Kommune, aber ein Veifiatilles, das sich aus alle Arbeiterparteien ausdebut. Der Geist der Arbsirer kann nur durch die Aussicht auf völlige Befreiung geändert werden. Tie Bourgeoisie Horst' und drängt nach einem fürchterlichen Aderlaß. Es gibt heute zwei Pole: Rußland und England. Wi-r auf der Rechten sind der Meinung, daß die englischen Methoden der Zlübeiterbewegung uns näher liegen, in Frankreich weit eher a n tv e n d b a r sind, als die russischen. Ilus fslstt die Macht des Genies von Ja»res, um diese beiden Pole zu verei-nrägen. Das Unheimliche dieses Kongresse:, ist in der gegenwärtigen Situation. Angesichts des Zus ammenbruchs de? Kapitalismus, der aus den Krfien keinen Austveg findet, find wir es selbst, die leine Existenz verlängern.(Stürmischer Beifall recksts und im Zentrum.) Interpellation wegen Klara Zetkin. Paris. 33. Dezember. Dw die deutsche Kommunistin Klara Zcikiii ohne Paß. die Grenze überschritten� hat,.um. auf dem Kongreß in Tours eine kurze Rode zu halten, wird heute in der Kammer eine Anfrage an die Regierung gestellt werden, wie es möglich war, daß Frau Klara Zetkin die französische Grenze überschreiten konnte. Tie Reise nach Moskau. Ter Chefredakteur des„Popnlaire", Paul F a u r e, erzählte aus dem Parteitag in Tours folgende Geschichte:„Als unser Ge- nosse Rappoport vor einigen Jahren Rußland verließ, einschloß er sich, sei es aus Prinzip oder ans Notwendigkeit, ohne Fahrkarte zu reisen. Natürlich fand ihn unterwegs ein Kontrolleur, und nach davor bewahrt, fremden Einflüssen zu unterliegen. Das ist für die Entwicklung der deutschen Kunst ein Segen gewesen. Wir wollen hoffen, daß sie sich ihre Selbständigkeit und kraftvolle Eigenart auch fernerhin erhält und in Zukunft der französischen Kunst nicht als abhängige Schülerin, sondern als gleichwertige Mitkämpferin zur Seite tritt. I. S. Die Unterbrechung der Schwangerschaft. Die Not der Mütter und der Kinder bat die Frage, ob die Mutter.Herrin ihres Körpers und des werdenden jungen Mensihcn sein soll, zu einer brennenden gemacht. Eine lebhaste Bewegung hat eingesetzt, um die Abtreibung straffrei zu erklären. Das Recht des Individuums streitet hier mit dem der Gesellschaft, die Gegenwart mit der Zukunft; Volkswirt- schaftliche wir ethische Rücksichten sind hier gleichbedeutend. Die medizinische Wissenschaft gibt keine eindeutige Antwort. Professor Abderhalden, der bervorragenbe Physiologe, nimmt eine ab- lehnende Stellung ein. Die Warnung, die er erläßt, fall hier ge- löst winden, wenn damit auch keineswegs dies schwierige Problem für erledigt erklärt werden aknn. Prof. Abderhalen schreibt:> .Mit dem Eintritt der Schvxmgerschast vollziehen sich im Or- ganismius der Multer gewaltige Umwandlungen. Ihr Körper bildet mit dem werdenden Wasen eine Einheit. Ganz neue Funktionen werden angebahnt. Kein Organ der Matter bleibt unibeeinflußt. Die Unterbrechung der Schwangerschaft �bedenket für den ganzen Organismus eine schwere Katastrophe. Sie wird nur unter ganz gunstigen Verhältnissen ohne bleibenden Rochteil überwunden. Wir haben dtche nicht in der Hand! Das werdende Wesen bedingt nicht nur umsasiende Umgestaltungen in den verschiedensten Geweben der Mutter, darüber hirnrns bedeutet die Schwarigerschart ein seelisches Erlebnis von ttefgebendster Bedk-umng. Ter Verlust der Leibes- krcfit bewirkt eine seelische Erichülterung, die in vielen Fällen durch das ganze Leben nachklingt. Di« Bebauptung derjenigen, die die Entfernung eine? werden- den Wesens als einen unter den beuttgen Berhältntffen nnbedeuten» den Eingriff darstellen, steht in stbärfitem Widerspruch mit den Tat- fachen. Jede noch so sorgfältig geleitete Enfiermung einer Leibes- frucht birgt große Gefabren in sich. Sie wird deshalb nur in Fällen vorgenommen- werden dürfen, in denen vom Arzte die absolute Not- wendigkeit anertannt ist. Die erlaubte Unterbrechung der Schwan- gerschgit würde in kurzer Zeit die ganze Zukunft des Volkes unter- graben. Alle Gesetze der Etbik werden vernichtet werden. Ter Ab- trcrbung würden nickst nur ungezählte Kinder zum Opfer fallen, sondern auch zahlreich? Mütter. Die Bevölkerungszahl würde rasch sinken. Vom Standpunft der medizinischen Wissenschaft aus muß aus den angeführten Gründen mit aüer Entschiedenheit gegen die Freigabe der Abtreibung Stellung genommen werden." Eine Reichskulturabgabe. Um für die Beratungen des vom Reichswirtschastsrat eingesetzten Ausschusses zur wirtschaftlichen Förderung der geistigen Arbeit eine Grundlage zu schaffen, arbeitet die Genopeuschaft deutscher Tonsetzer in Besprechungen mit dem Schutzverbande deutscher Schriffiteller und den wirtschaftlichen V«r- bänden der bUdenden Künstler an der Borbereitung für eine Reichs- kuktuvaibgabe als dauernde Einrichtung. Diese ist nicht nur als der Methode der damalige» rnffffchen Beamten wurde er reichlich mit Fußtritten traktiert und hinausgeworfen. Rappoport stieg auss neue ohne Fahrkarte in einen auderM Zug. und das Schauspiel wiederholte sich noch mehrere Male, bis Rappo- Port schließlich mit schmerzendem Hinterteil in Frankreich ankam. Heute verlangt nun der Genosse Rappaport von uns, daß wir die» selhe Reise in umgekehrter Richtung nach Moskau machen sollen, denn die 21 Bedingungen, die man uns löffelweise vorsetzt, wirken auf uns genau so wie die Fußtritte, die der Genosse Rappoport stoisch' ertragen hat. Wir für unfiern Teil aber wollen sie nicht ertragen", so schloß Faure unter dem Gelächter des Kon- gresses, in das auch die extremsten Kommunisten schließlich ei»»- stimmten. Ein Alörüer als ReichswehroMzier! Die„Firternntiomile" erklärt rn einer fettgedwulkten Notiz au der Spitze ihres Blattes, daß sie die Person kenne, ■die während der Kapp-Tage den Redakteur der„Schlesischen Arbeiter-Zeitung" in Breslau, Schottlänider, ermordet habe. Als Mörder wird von der„Jftternalio-nale". bezeichnet der O b e r l e li t n a ii t Schmitz, der nicht etwa flüchlip sei oder sich verborgen halte, wwdern als O f f i z i e r bei der Linien- s ch i ff s st am rn-Di Vision O st s e e in Pillau stehe. Ms Zeugen dafür, daß Schmitz den Mord an Schottländer auf dem Gewissen hat und sich des Mordes rühmt, wenden be- zeichnet Kapitänleutmmt Selchow und die beiden ehemaligen Leutnants Thlshausen und Gerdes. Wir richten an denReichswehrministerdie Frage, ob ihm diese Dinge bekannt sind und ob er es billigt, daß die Reichswehr zum Asyl für Mörder oder zum minde- sten des Mondes stark verdächtiger Personen werde? Den I u stizmi n i st c r fragen wir, ob und welche Schritte bisher gegen Schmitz rmternommen worden sind. Wenn die„Internationale" in ihrem Artikel an das Pvole- laria-t appelliert, sich selbst Justiz zu schaffen, so wird man gegen solche Methoden iaelsiiche Bedenken hegen können, aber man wird die solchen Ausbrüchen zugrunde liegenden Gefühle aus dem völligen Versagen der deutschen Justiz heraus begreiflich finden. SeiieiöskunSgebungen zum Toüe Legkens. Bei der sozwldcmokraiischcn ReichStagsftakfion sind zum Tode Karl. Legiens fvlgende Beileids kundgebungen eingelaufen: Der Sozialdeulokrafischen Reichstagsftaktion spreche ich an laß- lich des Hinscheidens Ihres langjährigen hervorragenden Mitgliedes Karl Legsi'n, der sich um die deutsche Gewerkschaftsbewegung un- vergängliche Verdienste erworben hat, namens der Demokra- tischen R e i ch s t a g s f r a k t i o n aufrichtiges Beileih aus. Schiffer. Zu dem schweren Verlust, der Sie durck, da? Hinscheiden des Zlbgeovdnctcn Karl Legten, des Vorsitzenden des Allgemeinen Deut- schcn Geweicschastsbandes, betroffen har. sprechen wir Ihnen un- sere aufrichtige Teilnahme aus. Rcicbsivgsstaktion her Deutschen Volkspartei. ftbscbieösf?ier mit Menschentötung. Vor einiger Zeit meldeten wir von einer Gefechtsübung, die von der Reickswehr mitten. tn T o r f e Wustrau bei Neu- rupvin whgehaften wurde. Tairch das Schießen rn den Straßen wurden zwei Fuhftverke zum Durchgehen gebracht und infolgedessen .ün ltsälmiger junger Mann getötet. Unsere damalige Meldütvg be- darf in einem Punkte einer kleinen Korrektur. Nicht um eine mtlftärtsche, Hebung handelte es sich, sondern dar Regimeiwskom- monheur hatte einen„Kampr gegen Spartakus" als Abschied sfeftr für den Gvafen von Ziethen-Schwerin arrangiert. Die ganze Vc-r- amtaltnng, durck die ein Mensch getötet wurde chatte also nicht ein- mal einen ernsten Zweck, sondern war eine in jeder Beziehung ver- werflick" und kindisch dumme Spielerei. Tu, Reichswehrmillisterium bat fich aus infiore erste Davsiellnng der Sache ausgeschwiegen, wie es überhaupt in letzter Zeit bemüht fit, alle ihm Peinlichen Angelegenheften mit Abgabe für die schutzfreien Werke der Literatur und Tonkunst, der ungeschützten Reproduktionen von Werken bildender Kunst geplant. Die Künstlerverbände wollen eine durchgehende Abgabe für alle Werke einftikren. die Abgabe für die lebend i Autoren söll an diese weiter geleitet werden, für die ungeschützten Werke dagegen der Reickskulturkasse zufließen. Der Nachweis, ob geschützt oder nicht, fällt dann dem Urchckber zu. Es bedarf hierzu klarer Urheberorgani- sationen für Literatur, Tonkunst, bildende Künste: die großen Wirt- schaftsverbände der Künstler hätten dafür zu sorgen. Die Ein- ziehung der Reichskulturabgabc soll durch den Fiskus erfolgen. Für ihre Verteilung muß ein unabhängiges Organ. geschaffen werden, das möglichst von den Urheberorganisationen ernannt würde. Geld« sollen zum Drucke neuer Werke zur Verfügung stehen. Ist doch die jetzige Lage des Ltterutur- und Mnsikverlages, besonders soweit es sich um ernste, vorläufig unpopuläre Neuschöpfungen handelt, so katastrophal, daß bei dem lleberbandnebmen der Neudrucke gang- barer älterer Werke der literarische und musikalische Rachwuchs bald vor der Unmöglichkeit steht, überhaupt hervorzutreten. Wie Schiller die„Dickteriti?" heilte. Schiller hatte einen fttngen Kreund, der gern ein Dickter geworden wäre wie fein großes Bor- hild, das ihn seiner Freundschaft würdigte. Aber der Pfad zu den sonnigen Höben des Parnaß fit ach leider gar zn steil, und der launenhafte PegaftiS wirft ungeübte Reiter nur zu oft ab! DaS merkte auch unser Tichterjüngling täglich und vergaß darob sogar zuweilen seiner Freundschaftspflichten. So hatte Schiller einmal längere Zeit von dem jungen Freunde nichts gehört. Darum mackte er sich auf. ihn in seinem Dackkämmerlein. zu besuchen und nach feinem Besiuden zu sehen. Da fand er denn, alz auf sein Klopfen kein„Hcreinl" folgte, den jungen Freund— es war ein glühend heißer Augusttag, und im Dachstübchen herrscht« eine erdrückende Schwüle— tm tiefsten Schlummer an sein...i Schreibtische sitzend, auf ein Blaft Papier gebeugt. Leise trat Schiller heran. Da laS er auf dem Papier folgende mit frischer Tinte geschriebene Verse: Die Sonn« sendet ihre Strahlenspitzen Bis auf des MeereS tiefsten Grund-- Kurz cniüWosscu nahm Schiller einen Bleistift und setzte dc:ii t" Die Fische sangen an zu schwitzen, O Sonne, treib' es nicht zu buntl � Dann entfernte er sich leise. Nach einiger Zeit wachte der Dichterjüngling auf. Mit Staunen bemerkte er Schillers ihm wohl- bekannte Schristzüge und— verstand, sie. Er hat seft jener Zeit keinen einzigen Vers mehr verbrochen. Theater. Die nächste Premiere Inden Kammerspielen wird am 7. Januar Hofmannsthals.Abenteurer und die Sängerin' sein. Ter Abend wird eröffnet mit der Uraufführung deS Hoimannstbalschen Ein- akters.Florindo'. Ter Schund im BahnbosSbuchhandel. Was die Verkaufsktände unserer Eisenbahnen zurzeit an schund zeigen, spottet jeder Beschreibung- Grund: das BerkehrSminisierium bält sich aus politischem Talt von jeder Zensur fern, das dauerndes Hinansschraubcn der Bahnhosspachten lreibt die Babnbuchhänbler zu rücksichWiöjer Prosttbascherei an. Pikante Lektüre oder als solche srifierter Schund bringt mehe Absatz und Gewüm als die Werke guter Schriftsteller. ©KIIfifltoCTivn zu WovgÄ>en Dir eriirii««� z. B.««r ÄriminulpoliM im Westen Berlins verhaftet. Schon seit dem Frühjahr d. I. beschäftigt die Kwminalvolizei eine Gesellschaft, die damals in Hamburg ausgetreten war. Es handelte sich um vier Ausländer, die sich Wladislaus von Balecty, Endro. von Endrenpi, Iwan von Mathe de Maieszalka und Alex von Mate de Maieszalka nannten, sehr elegant aus- traten und besonders mit amerikanischen Banknoten iind Schecks um sich warfen. Tili lockte den GeschäftSfühncr des Hotels zu dem Versuch, wit den Gästen ein Tchinuckjacheligeichäft abzuschließen. Er bo: ihnen ein goldene? Armband mit Brillanten und Rosen auf Platin und einen golde neu Ring mit enwin großen B.illänten für zusammen 100 000 M. ca. Iwan von Mathe de Maieszalka erklärte sich bereft. den Schmuck zu kaufen mit den: Bewerten, daß er ihn für eine Berlinerin, die auch im Hotel wohnte und der er sich genähert halte, criverben wolle. Als nun cin'ge Tage später Iwan und Alex con Mathe mit diescr Berlinerin zusammen ab- reisten, erklärte Iwan, von Balecky werde das noch nicht zustande gekommene Geschäft abschließen. Balerky hatte auch die Sckimnck- fachen schon an sich genommen und wollte sie für 109 090 M, kaufen, aber in amenkanischen Banknoten bezahlen, worauf der Geschäftsführer nicht einging. Die Gesellschaft verschwand darauf unter Mitnahme der Schmuckstücke. Ter Berlinerin hatten die Heiden von Math? gesagt, daß sie mit ihr im Hotel Adlon absteigen würden. Aber schon ans dem Lehrter Bahnhof ließen sie sie im stich und verschwanden. Wie die Ermittlungen ergaben. hatten die vier Ausländer in Hamburg auch ein Auto g e k a u s t, eine Garage gemietet und cliien Chauffeur angenommen. Ten Wagen aber bekamen sie nicht, weil der Verkäufer die aus- bedungene erste Anzahlung von 59 009 M. nur in einem amerika- nifchen Scheck erhalten konnte, diesen aber zurückioies. In einem sehr vornehinen Pensionat des Westens ermittelte nun die Kri- minalpolizei einen Gast, der sich für einen Grotzgrund- be sitzer Iwan Etvö» ans Ungarn ausgab. Sie erkannte in ihm den Jrncr,: von Matthe de Mateszalka und nahm ihn fest. Der Verhaftete führt« außerdem noch einen Paß aus den Namen eines Hauptmanns a, D. Freiherr Nitokauv Barbäreszy mit seinem Bilde bei sich. In seinem Besitze fand man wieder fünf amerikanische Scheck-, die sämtlich wertlos waren. Seine Begleiter waren eine junge Dame und zwei Herren. Die Dame ist eine Berlinerin, die der Hochstapler aus der Reise von Hannover nach Berlin kennen gelernt und wieder durch große Geldversprechungen in feine Netze gelockt hatte. Ans dem Polizeipräsidium wurde Iwan von Maihe-Jtvan Etvös-Freiherr von Barbareszh-Gluck Sander Mathe entlarvt als«in Mariin Goldschmidt, cer aus Ungarn stammt. Einer seiner Begleiter nannte sich von Rink, hatte aber auch noch einen anderen Paß bei sich. Der dritte Mann, der den Sekretär der beiden anderen fpielie, nennt sich Kaufmann Julius Mannheim. Wer dieser und Herr von Rink wirklich sind, weiß man noch nicht. Auch sie wurden verhaftet. Die Kriminalpolizei geht jetzt den Spuren der Band«, die nicht nur in den deutschen Städten, sondern auch in Paris, Äa r- z c l o n a, Venedig usw. aufgetreten ist. weiter nach. Es besteht der dringend« Verdeck., daß die verhaftete Gesellschaft, lie namentlich auch in den Lokalen der Lebewelt Damenbekanntschasteii suchte, Mädchenhandel heltstbeii hat und auch dw■Berlineriii aus dem Pensionat des Westens zu unsauberen Zwecken ins Ausland zu v« r s ch k e p p c n suchte. Wer mit den Hochstaplern irgendwie in Berührung gekommen ist und zur Ausklärung ihres ganzen Treibens zweckdienliche Angaben machen kann, wird ersucht, sich hei Kriminalkommissar Linnemann, Dienststelle Z II, 1. im Berliner Polizeipräsidium zu melden. Tie Wkeuieinde als Steuererheber. Für die Entschädigung der Gemeinden und Gemeinde- verbände, die sie iür die llebernahme der Geschäfte der Finanzämter erhalten, bat de? Reichsminister der Finanzen Grundsätze ausgejiellt, denen der Reichsra» zugesiiir.nu hat und die jetzt voll- ständig vorliegen. Soweit Gemeinden oder Verbände mit der Ver- anlagung und Erhebung der Umsatzsteuer und der Grunderwerbs- steiler betraist sind, erhalten sie dafür 1 P r o z. des a b g e- lieferten Ertrags aus der Relchskassc. Die Vergütungen werden zugerechnet. Ebensoviel erhalten sie von den Umsatzsteuer- betragen, die durch Stcmpelzeichen entrichtet werden. Für o>e Er- llebi.iig einer Reichsabgabe allein erhalten sie Proz. Wenn Gemeinden nicht mit der sollen Veranlagung betraut sind, aber zur Veranlagung herangezogen werden, so werden ihnen ihre A u s- gaben für die Vordrucke und Formblätter, das Porto und das Austragen und Einholen von Listen, die Aufforderungen zu Sicucr- erkläruugen und Steuerbescheiden ersetzt, ebenso persönliche Aufwendungen, wenn sie nicht unerhehlich sind. Dir Herstrllungs- kosten der Stcuerkarten werden besonders erstattet. Berliu-Warschau. Durchlaufende Schnellzüge zwischen Berlin und Warschau sind, wie wir berichtet bmien. mis der Fahrplorkonserenz in Bern zu Ronjchbr vereinbart werden. Die Rchchseiienbahnverwaltung hat auch alle'Wcwbcreilungen getroffen, um die Züge pünktlich in Ver- kehr zu setzen. Die'Polnische Eisenbahnverwaltung hat jetzt erklärt, die Aufnahm« der beiden Züge für M.itte Ja- nuar in Aussicht zu nehmen.» Der erste Zug soll von Berlin am .14.. crus Warschau am 15. abgehen. Bei der vorgesehenen Absabris- zeit aas Warschau, 9,00 ym. wirteleuropäi scher Zeit, die-wob.' beibehalten werden wird, soll der Zug w Bent scheu schon zwischen 7 und 8 Uhr vm. Aufenthalt nehmen, so daß er um ebensoviel früher noch Berlin, also etwa uni 12 llhr mittags, kommen würde. In umgekehrter Richtung soll der Zug, av Friedrichstraße 12.32, in Benischen abends zwischen 7 und 8 Uhr Aufenthalt nehmen, also ungefähr zu der vorgesehenen Zeit. Endgültige Bestimmungen sind noch nicht getroffen.___ Ein Schildbürgerstück der Gaswerke. Bei der Einforderung und Eintreibung der sogen. Gas- kaütionen, die in Wirklichkeit ilme kürzlich im„Vorwärts" dargelegt wurdel eine Varansbezadluiig des erst zu liefernden Gases sind, verfahren die Gaswerke der Stadt Berlin mit un- nötiger Härte. Böse Erfahrungen hat bei der V. Revicrinspektian (Grüner Weg) ein invalider Arbeiter gemacht, der unter Hinweis aus die geringe Höhe seines Einkommens sich für außerstande er- klärt hatte, die geforderte Kaution zu leisten. Ziemlich ein Viertel- sahrhundert hindurch Halle er von der Stadt sein Gas eatnommen, ohne daß ihm eine Kaution abverlangt wurde— jetzt ober sollle er plötzlich eine solche in Höbe von 50 Mark hergeben. Er ver- sichert uns, daß er niemals das Gasgeld schuldig geblieben sei und daß er auch bei Benutzung eines Automaten den in den letzten Jahren immer größer gewordenen Preisunterschied stws dein Geldabholer sofort bezahlt, habe, so daß man gegen ihn kein Mißtrauen zu haben brauchte. Die Angestellten der Revicnnspektion aber beriefen sich auf Borschliften, blieben taub gegenüber seinen wieder- holte« Hinweisen auf seine Erwerbslosigkeit und schickten ihm schließlich ei» paar Arbeiter, die— den Automat«» wegnahmen. Di« Wohnung besteht nur ans zwei Stuben ohne Küche, so daß die Familie sich ohne Kochherd beHelsen mußte und aus Benutzung eines Gaskochapparaies angewiesen war. Zwar hatte der Mann im Hinblick auf die Möglichkeit einer Abholung des Automaten bereits ein eisernes Kochöfchen ausgestellt, aber die Baupolizei verlangte Ableitung des Rauches durch ein besonderes Rohr, das der Hau: wir: nicht auf feine Kosten beschaffen wollte. Unter soliben Umständen war die Eruziehung des Gases ein schwerer Als etwa eine Viertelstunde nach Abholung des Automaten die kränkliche Frau des Arbeiters von der Krankenkasse heimkam und einen ihr zufällig an diesem Tage ausgezahlten größeren Kranken- geldbelrag mitbrachte, lief sie sofort zur Revierinspekiion und bot nunmehr die 50 M. als Kaution an und dazu die üblichen 6 M. Gebühren für Wicheraufstellung des Gasmessers. Doch der De, amte erklärte, jetzt seien als Kaution nicht mehr 5 0 M. zu zahlen, sondern— 159 M.! Sollte das ein Wir- sein? Nein, das war bitterer Ernst! Auch für diese erhöhte Forderung berief sich der Beamte aus Vorschriften, indem er die verdutzte jsrau belehrte, Automaten dürften überhaupt ntcht mehr aufgestellt werden, die Familie könne jetzt nur noch einen von den geivöbnlichen Gasmessern erh-.ilien und für diesen betrage eben die Kaution 159 M. Hier wurde alio eine Härte noch gesteigert durch die an das Wort sich haltende Auslegung einer Vorschrift, deren Sinn doch nur der sein kann, eine wirkliche Neuauf st cllnng von GäSautomaien nicht mehr zu gestatten. Die Familie geriet durch die plötzliche Erhöhimg der Kaution aufs neue in Verlegen- heit und Bedrängnis, denn einen so hohen Betrag konnte sie von dem Krankengeld nicht zahlen. Selbst wenn die Gasverwaltung auf dic Kautionen»'cht verzichten zu dürfen memt, wird sie doch dieses an Schilds erinnernde Bureaukratenstückchen gewiß nicht billigen wollen. Kadetten und mittellose Blinde. „Ausweis zur Erlangung der Fahrpreisermäßi» g u n g für mittellose Blinde, mittellose Taubstumm« usw. sowie Mannschaften der Handelsmarine"— dieser Ausweis wird in der deutscher Republik den Kadetten- Zöglingen seitens ihrer Ka- detlenanftatt über fand t durch Vermittlung des Deut- schen Offiziers- Bundes. Also— wohlgemerkt— den Kadetten, beileibe nicht den übrigen Zöglingen, die in ihrer übergroßen Mehrzahl eine solche Fahrpreisermäßigung für die Fahrt zu ihren Eltern weit eher nötig h ä t t en als der Offiziers- ersah der alten Monarchie. Seit langer Zeit kämpfen die Jugendorganisationen, die Vereinigungen zur Pflege des Wanderns usw. für eine Fahr- Preisermäßigung bei Eisenbahnsahrien— vergeblich, weil man ihnen mit einem Schein des Recksts immer die trostlose Lage der Eisenbahnfinanzen vor Augen hält. Aber bei Gott und dem Dent- scken Offiziers-Bund ist. wie man sieht, auch in der deutschen Repn- blick kein Ding unmöglich. Der D. O. B. erreicht für„seine" Ka- dettcn die Gleichstellung mit den mittellosen Klienten ohne weiteres, auf Grund seiner„Beziehungen", und die Eisenbahnverwalinng legt die Hände an die Hosennaht. Der Kreis derer, denen«ine solche Fahrpreisermäßigung von Rechts wegen zusteht, ist ans dem Ausweis selbst eng umgrenzt, von Anstaltszöglingen sind nur„mit- tellose Zöglinge und Pfleglinge der unter Aussicht des Staates stehenden Waisenvnstalten" den übrigen Bevorrechtigten gleichge- stellt. Sollten die Kadetten etwa sich hinzurechnen? Uns will scheinen, daß sich die Eisewbahnverwaltung die Kon- s e q u e ii z c n nicht recht klargemacht hat. Was den Kadetten recht ist, muß selbstverständlich den übrigen Zöglingen und Schülern aller Anstalten, muß auch allen Jugendlichen billig sein. Wir empschscn also insbesondere der Arbeiterjugend, unter B e- r u s u n g auf die den Kadetten gewährte Ver. g ü n st i g u n g die gleiche Fahrpreisermäßigung(halber Preis) für sicb zu verlangen. Der D. O. B. wird seine Unterstützung sicher nicht versagen oder wenigstens mitteilen, wie's gemacht werden muß. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei Ter Brand auf der Krampenburg bei Schmöckwitz am 9. De- zcmber hat ein ztvciteS Todesopfer gefordert. Nachdem erst vor kurzem der Besitzer Herr Robert Voigt seinen Verletzungen er- legen war, ist nun auch seine Ebesrau Anna Voigt gestorben. Beide Eheleute erfreuten sich be! den vielen Tausenden Berlinern, die die herrlich gelegene Krampenbiirg gern aufsuchten, großer Be- liebihott. Tie Beeidigung findet am Freitag, 1 lHjt.m Köpenick statt. De? Votnmfcfie(Korten in Dahlem ist Sonntag, den 2. Januar, von 11 bis 1 llhr dem allgemeinen Besuch geöffnet. Kinder unter 10 Jabren haben fernen Zutritt. Lobnerhöbana für Gefangenenarbeit. Die Arbeitsbelohnung der Gefangenen ist jetzt ebenfalls erhöht worden, wie dies schon vor einiger Zeit bei den Kosten des Aufenthalts im Gefängnis geschehen ist. Im Einverständnis mit dem Finanzminister hat der Justiz- minister Jen Höchstbetrag der Arbeit sbelohnung, der gutgeschrieben werden kann, für den Arbeitstag bis. zu einem Viertel des Verdienstes erhöht, für Zuchibau sgesaugene von 20 Pf. auf l Mk. für GÄfänHnisgesangene von 39°Ps. auf 1.50 Mk. Nur unter besonderen Umstanden kann der(ÄencralstaakSanwalt höhere Be- träge bis z» einem Drittel des Verdienstes gutschreiben lassen. Ins- besondere kann die Arbeitsbelohnung dann erhöht werben, wenn der genannte.Höchstbetrag angesichts der Beschaffenheit de? Arbeits- zweiges zu niedrig sckxnnr. Groft-öerliner parteinachrichten. Heute, SO. Dezember: 17. kreis. Die heutige Sstung der Elternbeiräte fällt aus. Es ist höchste Zeit, dafür zu sorgen, daß olle Kollegen, Nachbarn usw., binserer Leserinnen und Leser, die ab Neujahr den„Vorwärts" halten wollen, den folgenden Zettel ausgefüllt der Expedition des „Vorwärts", Berlin KW 68, Lindenstr. 3, übersenden. Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit" und der UnterhaltungS- beilage, H e i n, w e l t" in Groß-Berlin täglich zweimal frei ins Haus für 10 Mar! für Januar. Außerhalb Eroß-Berlins Wohnende wollen beim Postamt ihres Wohnortes bestellen. Name;— Wohnung Straße Nr vorn- Hof— Quergeb.— Settenfl.— Tr. lintS— rechts. bei—-----____ GewerMastsbewegung Von der Technischen Nothilse. Vor kurzem wurde berichet, daß der Vorsitzende des Betriebs- rels der Techmsck?en Nothilfe unter Hervorhebung eines � fat>em scheinigen Grundes, vorher bekannt war meldet uns eine Zi Entlassung eines weiteren Angestellten. Unser Gewährsmann schreibt uns dazu: Auch bei dieser En: lassung glauben wir nicht an das Vorhandensein eines stich- halt igen Grundes, umsoweniger, als auch dieser Angestellte freigewerkschaftlich organisiert dieser"„sozialen" Organisation, in �nvrt im? und daher dem Herrn Leutnant L u m m i tz s ch, ein Torn im Auge war. ES wäre eine dankenolverle Aufgabe, wenn der Herr Reich minister des Innern, dem die Technische Nothilse� untersteht,� Sntlass ungsmethoden des Herrn Lummitzsch einer näheren Prüfung unterziehen würde; denn es verstößt unserer Ansicht nach gegen die vitalsten Interessen des Reichs, wenn wegen der Entlassungsmaxime des vorgenannten Herrn große Beträge als Entschädigung für ßriit- lose Entlassungen aus R e i ch s m i t t c l n gezahlt werden müssen. Die Liste'der ohne sachliche Gründe fristlos entlassenen bzw. der bis zur Entlassung beurlaubten Angestellten der Technischen Nothilfe ist ziemlich umfangreich. Für das Jahr 1919/20 onnen wir aus der Zentrale Berlin der Technischen Nothilfe fast ein Dutzend Namen nennen.... Ganz abgesehen von dem Eindruck auf das Reich ist es unserer bescheidenen Ansicht nach mit dem verkündeten ethischen Gehalt der �Nothilse" und dem vielgerühmten„Nothelfergeist" in keinem Fall in Einklang zu bringen, wenn arbeitsame Leute, ja sogar Familienväter, ohne ernste sachliche Gründe Knall nnd Fall auf die Straße gesetzt werden. gefochtene» Kampfe? zwischen llnternehmern und'Arbeitern. Die Unternehureir verlange« die Äuflö» sung der Arberter- und Gewerkschaftsverbände, um wieder Einzelverträge, Akkordarbeit, Lohitdrückerei eürführen und alle FortschmlÄe, die die Arbeiteobewegung seit dem Kriege gemacht hat, wieder vernichten zu können. Gerade das Schneider- gsivsrbe war berüchtigt durch den sogenannten„S w ea t- sho p", blutige Ausbeutungs- Workers" will ni-an einen vsten Verbände reffen, dessen zahlreiche Erfolge ebensoviel Niederlagen der Unter- nehmer bedeuten. Die Schneidergewerkschaften, geführt von denn Borsitzenden der egcutc j Bereinigten Tuchabbsitsr, H i l l m a n n. wünschen die Untersuchung �euer| j,4r«age in der Schneiderindustrie durch ein Komitee, in dem Unternehmer und Arbeiter vertreten sind, und das von einem Un- pattetischen geleitet wird. Der �nuftcktuvistenverband weigert sich darauf einzugehen,„weil ihm die Tatsachen längst bskannt seien, und die Manufakturisten wüßten, mit welchen Mitteln die Produktion zu heben sei". Die Gewerkschaften hätten sich dem einfach zu fügen. Auch die liberale-New Republik" findet, daß die Mamufaktnvtsten anscheinend den Krieg wollen. Anssperrnngen sind bereits in großem Maßstabe erfolgt. „Gelbe" haben teilweise die Arbeit nach den von den Mannsaktn- eisten ausgestellten Forderungen auf Stücklobn. Erhöhung der Zahl der Arbeitsstunden und niedrigeren Lohn ausgenommen. Die Ar- beiter der GswerkschastSverbände gehen geschlossen vor und werden taÄrästig unterstützt von der durch die herausfordernde, übermütige Kampfansage der Unternehmer utrwillig gewordenen Arbeiterschaft. Der Ausgang des Kampfes wird von symbolischer Bedeutung fik die Gesamtarbei terschass Amerikas sein. dem der Reserve Ein Sieq der gewerkschaftlichen Räteorganisation. Halle, 30. Dezember. /Eigener Tcahtbericht des „Vorwärts".) Gestern abend fand in Bitterfeld eine Voll- Versammlung der Betriebsräte des Bitterfelder I n d u st r i e b e z i r.k e s statt. Zur Verhandlung stand die Be- schlußsassung über den Anschluß des Bitterselder Bezirkes an die W. R. O. Als Referent war der bekannte W.R.O.-Apostel B o- witzki-Halle erschienen. Als Korreferent sprach Genosse Hesse- Halle für den Anschluß an die Gemerks ch a s t e n. Nach einer sehr heftigen prinzipiellen Aussprache wurde über die beiden ' vorgelegten Resolutionen abgestimmt. Tie Resolution Nowitzki er- hielt 81 Stimmen, während für die Resolution Hesse 82 Betriebsräte stimmten. Dieser Beschluß ist sehr bedeut- sam, da hiermit ein mächtiger Stein aus dem bisher so festgefügten W.R.O.-Bau des Bezirkes Halle gebrochen worden ist. Ein seltsames Weihnachtsgeschenk. Zu der Notiz in Nr. 634 sendet uns die Firma Gleiser nach- stehende Berichtigung: ,/hs ist unrichtig, daß unsere Arbeiter wegen Nichtannahme von Akkord arbeiten und Nichtannahme einer Arbeitsord- nung entlassen worden sind, und daß wir uns geweigert haben, die Streitfragen der Schlichlungkommission zu unterbreiten. Mit unseren Arbeitern ist Anfangs Dezember der- einbart worden, daß sie b i s zum 24. Dezember tz. J. a n g e- stellt sind, und daß zwischen Weihnachten und Neujahr wegen Inventur nicht gearbeitet wird. Es wurde im Auftrage des durch Krankheit behinderten Arbeitgebers durch seinen Vertreter am 24. d. M. mit den Arbeitnehmern vereinbart, daß die Ver- Handlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über auf- getauchte Streitfragen am 27. Dezember fortgesetzt werden sollten. Dieses ist auch prompt geschehen, und da eine Einigung über die Streitfragen nicht erzielt werden konnte, wurde die Schlich- tungSkommissiop zur Entscheidung der Streit- fragen angerufen, welche bereits einen Termin für den 4. Januar nächsten Jahres anberaumt hat. Die Arbeiter sind nicht e n t l a s s en, und werden vom 2. Januar ab weiter- arbeiten." Wie wir erfahren, schweben im Augenblick Berhandlun- gen. die zu einer Einigung führen dürften. Kampf im amerikanische« Schneidergewerbe. Ans New Dork wird der P. P. gemeldet: Wie die Arbeiterführer voraussahen, ist der neue geschafts- stchvonde Ausschuß des ManufakturistenverbandeS wirk- ch ein„KriegSkabinett" geporden, und der offen« Kampf .rnschen den„Vereinigten Tncharbeitern" tAmal- zmated Eloching Workers) und den ihnen angeschlossenen größeren Vereinigungen des Schneidergewevbes ausgebrochen. Dieser Kvnfliktist nur ei n Stück des jetzt in AmerikaauS- Eine internationale Konferenz deZ Rheinschifsabrtspersonals trat am 28. Dezember in Duisburg zusammen. Anwesend waren Vertreter der holländischen, belgischen nnd d e u t- scheu Transportarbeiter und der deutschen Maschinisten und Heizer. Nach einer Meldung der.Frankfurter Zeitung" ver- Vflichteten sich die Anwesenden, in Zukunft sich durch gemein« schaftliche Aktionen zu unterstützen, um einheitliche Lohn« und Arbeitsbedingungen zu erreichen. Die fächfische» Gemeindearbeiter sind, nachdem ihnen der letzte Streik im Oktober d. I. nur einen bescheidenen Erfolg gebracht hat, von neuein mit Forderungen an die Großstadtgemeinden herangetreten. Sie verlangen zunächst in Zwickau und Leipzig die Erhöhung der Stundenlöbne um 75 Pf. Seit dem letzten Streik betragen diese 5.10 M. für gelernte 4,85 M. für angelernte und 4,65 M. für ungelernte Arbeiter. Seither find die Forderungen nur in Leipzig und Zwickau geltend gemacht worden. Ob die Bewegung allgemein wird, bleibt abzuwarten. Die Reichspostgewcrkschaft wird in nächster �eit einen neuen Zuwachs erhalten. Ter Verband der Reichspost, und Telegraphenbeamten hat in seiner Gesamtvorstandssitzung grundsätzlich beschlossen, an der Ausgestaltung der Reichspostgewerk- schaft positiv mitzuarbeiten. Drohender Ausstand der Wiener Telegraphenangestellten. In erner Vertrauensmännerversammlung der Telephon- und Tele- graphenangestellten wurde beschlossen, mit Rücksicht auf die Einbe- rufung einer Kommission für den Preisabbau am 2 0. Januar mit dem Streik einzusetzen, falls bis dahin die Beratun- gen der Kommission für den Preisabbau kein positives Ergebnis gezeitigt haben sollte. Achtung, Buchbinderverband! Da die kommunistische OrtSver- waltung eS ablehnt, sich an der Beisetzung d e S Genossen Karl Legten zu beteiligen, auch von einer Kranzspende Abstand genommen HÄ, fordern wir die Mitglieder auf, soweit eS ihre Zeit erlaubt, sich recht zahlreich an bsr Beisetzung zu beteiligen.— Der Aktionsausschuß.» Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Hauptverwaltung Berlin. Di« BerbandSmitglieder treffen sick> zur Teilnahme an der Beisetzung des Genossen Legten vormittag» 10)4 Uhr Michaelkirchstraße Ecke Wusterhaufener Straße.— Die Ortsverwaltnng.___ /tue aller Welt. Der Hartmauusweilerkopf, der bekanntlich al«.historische» Denkmal" erklärt worden ist, wird trotz de» Winters fast täglrch von vielen Fremden, besonders Amerikanern, be'ucht. Die Verband- lungen über Errichtung eine» GedächtniS-DenkmalS auf der Berg- kuppe wurden dadurch verzögert, daß man sich nicht einigen konnte, ob das Monument in einem Obelisk oder einem riesigen Kreuze bestehen soll. Die klerikale Richtung scheint nun gesiegt zu baben. Da« Denkmal soll bis zum nächsten Frühjahr sertrggesiellt sein. Wirtschaft Der Hirsch-Kitpfer-Messing-Aonzeru. Der Aussichtsrat der Hirsch, Kupfer, imd Messigwerke A.-G� Berlin, beschloß eine Erböhung des Grundkapitals der Gesellschaft um 30 Millionen Mark, dividendcnberechtigt ab 1. Januar 1921, auf 80 Millionen. Ter Erlös dieser Aktien dient zur Verstärh.'ng der Betriebsmittel und zur Angliederung der Hüttenwerke Wilh. Kayser A.-G. im Wege der liquidationslosen Fusion. 12 800 000 M. übernimmt die Großaktionärin der Gesellschaft, die Firma Aron Hirsch n. Sohn zu 300 Proz. Diese Uebernahme bildet die Grund- läge eines zwischen der Atliengesellschafl und der genannten Firma abgeschlossenen Vertrages über eine Arbeitsgemeinschaft und ist dazu bestimmt, der Gesellschaft dauernd sowohl den Ein- kauf von Rohmetallen als auch den Verkauf ihres lieber- schusses an produzierten Metallen zu sichern. Außerdem verfügt die Gesellschaft dadurch über die in- nnd ausländischen Organisationen des bekannten Metallhauses. Die offenen Reserven der Gesellschaft werden die Höhe von 50 Proz. des ans 80 Millionen Diark erhöhten Aktienkapitals erreichen. Die Fusion der Hüttenwerke Kayser mit den Hirsch Kupserwerken, die in den letzte,, Jahren mehrfach bedeutende Angliederungen und Neugründungen vorgenommen haben— Erwerb der Chemischen Fabrik Hönningen und vormals Messingwerk Reinickendorf R. Seidel A.-G., sowie die kürzlich erfolgte Gründung der Kabel- werke Nürnberg— erklärt sich Saraus, daß auch die letzt- genannte Gesellschaft.Kupferwerke und Kupferhütten betreibt und somit die Produktion der Hirsch-Gesellschaft ergänzt. Heuschel-Lothringeu-Esseuer Steinkahleu-Dereluigung. Interessengemeinschaft Essener Steinköhlenbergwerksgesellschast — Bergwerks-Akt.-Ges. Lothringen— Hentschel n. Sohn. Die außerordentliche Generalversammlung der Essener Steinkohlen- bergzverks-Akt.-Gei. genehmigte die Erhöhung des Aktienkapitals unl 25 auf 75 Mill. M. Die neuen Aktien werden von einem Banken- konsortium zum Kurse von 208 Proz. übernommen und den Aktiv- nären zum Kurse von 210 Proz. angeboten. Sie sind vom 1. Ja- nuar 1921 ab dividendenberecktigt. Die Versammlung genehmigte den I n t e re sse n g e m e i n s cha st sv e rt r ag era: der Gewerkschaft Lotbringen und der Firma Hentschel u. Sohn G. m. b. H. in Kassel. Dte Bergbau-Akt.-Ges. Lothringen sowohl wie Essener Steinkohle nbergw'erte bringen ihren gesamten Besitz in die Jntereffengemeinsckast ein, Iväbrend die Firma Hentschel u. Sohn ihre Lokomotivfabrii ai« der Interessengemeinschaft a u s s che i» det, aber die Heinrichshütte und die Niederscheldener Hütte ein- bringt. Zwischen der Lokomotivfobrik und der Interessengemeinschaft wird für die Dauer der letzteren ein Lieferungsver- trag abgeschlossen. Tie Interessengemeinschaft, die am 1. Ja» nuar 1921 beginnt, dauert 50 Jahre. Nach Ablauf dieser Frist ist eine Fusion derart vorgesehen, daß die Unternohmen in einer neuen Gesellschaft aufgehen. Während der Dauer der Interessen- gemeinschaft bleiben alle drei Gesellschaften selbständig« Unternehmungen. Die Gewinne derselben werden zu» sammengeworfen und dann zu drei gleichen Teilen verteilt. Die Interessengemeinschaft führt den Namen Hentschel-Lothringen- Essener Steinkohlen-Vereinigung und hat ihren Sitz in Bochum. DaS Organ der Interessengemeinschaft ist ein G e m e i n s ch a f t Z» rat, der aus ie drei Vertretern der Gesellschaften zusammen- gesetzt ist und die ganz« Geschäsli-sübrung überwacht. Kämpfe um den Aktienbesitz. In den Aktien der Düsseldorf-Ratinger Röhren- kesselfabrik vorm. Dürr u. Co. werden die Aufkau fver» suche hartnäckig fortgesetzt. Man vermutpt in Börsenkreisen, daß es sich um Maiorisiernnqsbejtrebungen von Kreisen handelt, die der Hauptkonkurrenz der Gesellschaft, der mit eng» l i s ch e m Kapital arbeitenden Deutschen Babcock. u. Wlcox. Dampfkesselwerke A.-G. in Berlin nahesteht. Der Kurs mutzte an der Börse gestrichen werden, da der Nachfrage nur geringes Material gegenüberstand Werkverlegung wegen zu hoher Stenern. Der Siegen-Solrn- ger Gußstahl-Berein beschloß, in Mitteldeutschland sin neue» Stahlwerk zu errichten, da die hohen Steuern in Söliugen dem dortigen Werk zu großen Abbruch tun. Wenn der Plan, di« Gewerbesteuer zu verdoppeln, d. h.«u* 2000 Proz. zu erhöhen, durchgeführt wird, wird die Leitung de» Werke» den gesamten B«- trieb nach Mitteldeutschland verlegen. Mais-Jmport-Gesellschast m. b. H. in Hamburg. Unter diesem Namen wurde in Hamburg eine Gesellschaft mit einem voll ein- gezahlten Stammkapital von 5 Millionen Mark gegründet, hinter der ein großer holländischer Konzern steht. Da» Unternehmen wird Ansang Januar seine Tätigkeit aufnehmen. Verent«. für den redatt. Teil: Dr. Werner Pelsrr, Tbnr tollen bürg: wr«nzeigea: ZV. Glocke. Berlin. Verlagl Borivärts-Bertag(8. NN b.©., Berlin. Druck: Bor- wSrls-Bucbdruckerei n. Berlaasanltalt Baut«Inger u. To. Berlin. Sindeiltr. S. 8 t o k k e fSr Yerrea-Anzage. Alfter. polelols. vamcn-aostüme, Meter SO.-. 100.-. 150.-. 200.- Mari. Äir langjährige Verbindungen mit altbewährten Li. luuyiuijviye oci.wuiiemi.yi.u*»»w. Kabrlkanten bürgen tür preiswerte, gute Qualitäten. Kocii&Seaiand? ►®cgc.l893. Gertraudtenstr.20»21. 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