Nr. 253. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertelfährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit tlluftr. Sonntags- Betlage Neue Welt" 10 Big. Post- Abonnement: 8,30mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn nb Fefttagen bis 9 Uhr Bor mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: ozialdemokrat Berlius Berliner Bolksblatt. Gentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Dienstag, den 30. Oktober 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Die Aera Caprivi. schreckten Philifter angepriesen, der auch jetzt wieder angsterfüllt das Heil der Zukunft in ihnen erblickt. Ob Caprivi oder Hohenlohe, ob Eulenburg oder Köller diese Waffen gegen uns führen, wir werden mit den neuen Gesellschaftsrettern ebenso gut fertig werden, wie wir mit Bismarck und Buttkamer fertig geworden sind. Aus Frankreich. So versuchte er denn nur, die lärmenden Nachfahren der Quizoms zu beschwichtigen. Er hat den Herren vom Der politischen Windstille des Sommers ist fast urplöß- Bund der Landwirthe mehr denn einmal die Versicherung lich eine Hoch- und Sturmfluth politischer Probleme und gegeben, daß er ein guter Freund der Landwirthschaft, d. h. Ereignisse gefolgt, die selbst dem stolzen Regierungsschiffe der Interessen des Agrarierthums, sei. Keineswegs ist seine ihre Opfer abgerungen hat. Zwar fonnte man taum vor- Amtsthätigkeit frei geblieben von Vergünstigungen für diese aussehen, daß eine so unbedeutende Sturzwelle den Steuer- reaktionäre Sippe; Anerkennung dafür ist ihm nicht gemann des neuen Kurses" mit seinem ersten Offizier vom worden, weil die Begünstigungs- Politit seines Vorgängers das Deck spülen würde, aber wo unberechenbare Kräfte im Spiel Begehren in jenen Kreisen bis ins Unerfüllbare gesteigert sind und das persönliche Moment ausschlaggebend in die hatte. Allerdings wich er durch die Handelspolitik, die er Man schreibt uns aus Paris unterm 24. Oftober: Raum Waagschale fallen fann, da muß man auf alles gefaßt sein, weniger freiwillig, als durch die wirthschaftlichen Verhält war die Kammer gestern zusammengetreten, als auch schon die da treibt auch der Zufall sein Wesen, da kann der kleinste niffe gezwungen einleiten mußte, von der bisherigen Sozialisten ins Gefecht traten. Paschal Grouffet hat nämlich die Windstoß das Staatsschiff mit einem erschütternden Ruck Wirthschaftspolitik ab. Er ist aber nie ein Mann der Regierung über die royalistische Konspiration interpellirt, die auf die Seite werfen. Freihandelspolitik geworden, sondern hielt fest an dem sich hinter dem Boulangismus barg und wonach zur Durchführung In der bürgerlichen Presse hat der Abgang des Reichs- Schutzollsystem und den Liebesgaben für Branntweinbrenner des geplanten Staatsstreiches Carnot mit vielen Anderen ausfanzlers, wie das erklärlich ist, getheilte Meinung hervor- und Zuckerbarone. Mit Mühe und Noth hat er diese gehoben und auf den Mont Valérien in Gerpahrsam gebracht Unablässig arbeitete werden sollten, wie dies Cassagnac, einer der Mitverschmorenen, gerufen. Die tonservative Presse drückt, wenn auch etwas Wirthschaftspolitik durchgeführt. zurückhaltend, ihre hämische Freude über den Rücktritt des die mächtige Camarilla; die in ihm einen ihrer in feinem Blatte, der„ Autorité", selber gestand und sich dabei Kanzlers aus; während die liberale Preffe ihre Wehmuth verhaßtesten Gegner erblickte, an seinem Sturz. Wie in auf die beiden Hauptmacher, die Abgeordneten Baron Macau und Grafen Mun berief. Wenn nun Rochefort, hinter dessen Rücken nicht verbergen kann, daß wieder eine ihrer Hoffnungen auf Preußen die Dinge liegen, wäre wahrscheinlich doch über das monarchistische Komplott geschmiedet wurde, verurtheilt worden obrigkeitliche Begünstigung zu schanden geworden ist. Wir können kurz oder lang an dieser Klippe gescheitert. Nun tritt er ab war, wie kommt es dann, daß die Herren Mun und Mackau, bie namens in der Sache weder Freude noch Leid bekunden. Caprivi von der politischen Schaubühne im Kampf für Religion, der Rechten offiziell mit Boulanger wegen eines Staatsstreiches verhandelten, ungeschoren blieben? Wie jeder Einsichtige konnte war nur der Geschäftsführer eines Verwaltungssystems, das Ordnung und Sitte". auf das Intereffe der herrschenden Klasse zugeschnitten ist. Man muß geftehen, der Abgang ist mit vielem Geschick natürlich auch Genoffe Grousset nur zu dem Schluffe gelangen, Zur Bethätigung einer eigenen Politit war ihm wenig gewählt, Caprivi's junterliche Gegner fönnen nicht trium daß die Regierung diese Herren ungeschoren laffe, weil sie ein Spielraum geboten, und uns gegenüber hat er sich stets als phirend behaupten, daß sie den Sturz herbeigeführt haben. Gefangener der Rechten, 5. i. der Feudal- Klerikalen ist. SelbstVertreter der herrschenden Klasse gerirt. Caprivi ist ge- Der Kampf gegen die Sozialdemokratie hat den Vor- verständlich war es Grouffet nicht um die Verfolgung dieser Herren zu thun; er wollte nur den schreienden Widerspruch aufdecken, gangen, das System ist geblieben. Tritt ein anderer an gängern Caprivi's feine Lorbeeren eingetragen und den ber darin liegt, daß man gerade den Feinden der Republik kein feine Stelle, so hat auch er nach der gegebenen Parole zu Nachbetern ihrer Gewaltspolitik wird es nicht besser Saar zu frümmen mage, während die republikanischen Rämpfer handeln. ergehen. Wenn er auch einer verschleierten Gewalts- zu Dutzenden ins Gefängniß geworfen werden oder gleich Nicht in den großen weltbewegenden Fragen der Sozial- politik den Vorzug gab vor einer brutalen nach Bismarckischem Rochefort in der Verbannung zu leben gezwungen sind. Wolle politik kann der Ministerwechsel einen Umschwung herbei- Muster, so war er doch von der Nothwendigkeit eines Rampfes man also die Macau, Mun und Konforten nicht verfolgen, so führen da handelt es sich für die Regierungsmänner gegen die Umsturzbestrebungen" nicht minder überzeugt als folle man, wie dies Grouffet zum Schlusse seiner Interpellation immer nur um ein Mehr oder Minder der Umsturz- andere Geheimräthe und Exzellenzen. Im Reichstag hat verlangte, eine Amnestie für alle politischen Verbrechen und Verbekämpfung" nur in den wirthschaftlichen Interessen- er wiederholt Gelegenheit gehabt, seine Stellung zur Sozial- geben erlassen, gleichgiltig ob dieselben mit der boulangistischen Beriode zusammenhängen oder mit der Presse, Bersammlungen oder fragen, die die bürgerliche Gesellschaft in sich selbst entzweien, demokratie zu befunden. Sie entsprach vollkommen der Streifangelegenheiten in Verbindung stehen. Die Regierung sprach tann wieder mal ein neuer Rurs" eingeschlagen werden. seichten Auffassung, die in konservativen Kreisen über das sich natürlich sowohl gegen die Verfolgung der einen wie gegen Die Stellung des Mannes, der seit 4 Jahren die Wesen und die Bedeutung der Sozialdemokratie gang und die Amnestie der anderen aus, da man nicht mit der Rechten politische Leitung in Händen hatte, ist fortwährend von gäbe ist. dem Drängen und Stürmen agrarischer Begehrlichkeit um- Die Sozialdemokratie ist gewiß diejenige Partei, die tost worden. Dennoch hat er nicht die Stellung ein- hier am ruhigften der Entwicklung der Dinge gegenüber genommen, zu der ihm die liberale Krämerpolitik am steht. Um Sein oder Nichtsein handelt es sich nicht für sie, was liebsten hingeleitet hätte, sich gänzlich vom Junterthum los- für ein„ Ritter" auch gegen sie in den Kampf ziehen mag. zusagen, und sich auf die Seite des mobilen Kapitals zu Mit den Waffen, die unseren Gegnern zu Gebote stehen, stellen. Er konnte es nicht, weil das preußische Regierungs- haben wir gründliche Bekanntschaft gemacht. Seit dem system viel zu eng mit dem Juteresse des Junkerthums dreißigjährigen Bestehen der Partei wurden sie wiederholt, verknüpft ift. vom Roft gereinigt, als treffliches Rampfesmittel dem er Feuilleton. Erinnerungen eines Kommunarden. Nur der Blick gab dieser Physiognomie einen anderen Ausdruck. Dieser drückte eine finstere Energie aus, welche das gläserne Auge des schon bei Lebzeiten verwesenden Cäsaren 25 längst verloren hatte. Aus dem Französischen von Jakob Audorf. Ein Polizeikommissär unter der dritten Republik. Derartige rücksichtslose Subjekte, welche nichts im Auge hatten als um jeden Preis Karriere zu machen, hatten es schon unter dem Kaiserreiche mit Leichtigkeit weit gebracht, unter der dritten Republik war Guichet Polizeikommissar und Offizier bei der Ehrenlegion geworden. gehen kann, ohne ihr zu dienen und ihr nicht dienen kann, ohne die Linte zu bekämpfen. Und da die Regierungsrepublikaner vor allem eine Partei bilden, die in ihrer Verdauungsarbeit nicht gestört werden will, haben sie denn auch gemeinsam mit den Mitgliedern der Rechten für den von der Regierung verlangten Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung gestimmt und so den Antrag Grouffet's zu Falle gebracht. Daß dieser nicht an genommen werden würde, war vorauszusehen und hat sich auch Grousset diesbezüglich keinen Augenblick irgend einer Täuschung hingegeben. Was er erreichen wollte, war zu zeigen, wen die In diesem Zimmer wohnt nur eine Frau," wendete mein Freund ein, deren Aufenthalt doch wohl respektirt werden sollte." " Gewiß eine Petrolöse! Deffnet augenblicklich oder ich rufe die Soldaten und lasse Sie auf der Stelle füfiliren!" Der Polizist öffnete seinen Ueberrock und zeigte seine dreifarbige Schärpe, und was noch schlimmer war, er zog aus seiner Tasche einen Revolver. Als ich seine Drohungen vernahm, öffnete ich trotz Sylvia's Flehen die Thür. Sie find Jacques Meylan?" frug er mich. " Ja," war meine Antwort, was wollen sie von mir?". " Ich habe einen Haftbefehl gegen Sie." Bei diesen Worten zog er ein Papier aus seiner BriefWährend der ersten Zeit, welche der Befreiung von Sein Erscheinen in der Wohnung meines Freundes Seit acht Tagen waren alle Paris folgte, waren die Behörden und die Polizei noch geschah sehr unerwartet. nicht wieder reorganifirt worden. Die ganze Verwaltung Berhaftungen nur vom Militär vollzogen worden, und vereinigte sich in den Händen der Obersten einer angeblichen wir hatten uns darauf vorbereitet, daß sie auch bei uns Wir drei, mein von Thiers erfundenen Nationalgarde. Diese Leute, welche in eine Haussuchung vornehmen würden. Baris eingelebt waren, konnten in ihrem Stadttheile die An- Freund, Sylvia, welche es noch nicht wagte, mich in tasche und zeigte es mir. Da er zugleich seinen Revolver geberei im Großen betreiben und den Militärs, welche mit den die neue Wohnung am Boulevard Clichy zu führen, hielt, entfiel der Verhaftsbefehl, als er ihn wieder in die Pariser Verhältnissen nicht vertraut waren, die besten Auf- und ich, standen der Reihe nach fortwährend hinter Tasche stecken wollte, seinen Händen und glitt abseits unter schlüsse ertheilen. Daher auch erklärt es sich, daß der einer herabgelaffenen Persienne auf der Wacht, um die ein Möbel. Sein Augenmerk war in diesem Augenblick nur Baron Meylan provisorisch an die Spitze der Verwaltung Ankunft der Soldaten zu erwarten. Da das Haus zwei darauf gerichtet, daß ich ihm nicht entwischte und so näherte eines Arrondissements gestellt und sogar ein Polizeikom Ausgänge hatte, so würde mir immer Beit genug geblieben er sich schnell dem Fenster und stieß zwei Mal schrill in missär wie dieser Guichet ihm untergeordnet war. sein, um das Freie zu gewinnen. Wir gaben jedoch nicht eine Pfeife. Im Nu erschienen auf der Schwelle der WohDieses war ein Mann, dessen hartes Auge von dunkeln Acht auf diesen Mann, der in tadellos bürgerlicher Kleidung nung meines Freundes zwei finstere Gestalten, welche der Kommissär jedenfalls unterwegs aufgelesen hatte und buschigen Brauen, welche wie mit dem Messer zurecht gehackt sich an den Mauern entlang ins Haus schlich. Er zog bescheiden die Klingel, um nicht unseren Arg- welche jede gleichfalls einen Revolver in der Hand und ein schienen, beschattet war. Ein langer, dichter Schnurrbart verdeckte fast den Mund und sein dünnes über den Schädel wohn zu erwecken. Es wurde sogar die in solcher Lage Faubonnet um den Leib gegürtet trugen. Ihr Käppi, zusammen gefämmtes Haar war bei den Ohren als Schmacht allergewöhnlichste Vorsicht, bevor man öffnete erft zu fragen, al nlich dem der Nationalgarde, unterschied sich von diesem locken zusammengedreht und festgeklebt. Alles dieses machte verabsäumt. Der Kommissar betrat ohne ein Wort zu durch eine weiße Borte mit einer rothen Schnur. aus diesem Manne das lebende Urbild eines Pariser Polizisten. reden die Wohnung und öffnete sofort ein Fenster nach Sein Aeußeres erinnerte sofort an die Büge seines eigent der Straße zu, um im Nothfalle Soldaten herbeizurufen, lichen Herrn und Meisters, des mehr als berühmten Sohnes welche in kleinen Trupps mit den geladenen Flinten auf Verhuel' 3*), nach dessen Modelle die treuen Diener des der Schulter durch die Straßen zogen. Und mit seinem Kaiserreiches ihr Aeußeres zu bilden sich verpflichtet fühlten. Polizei- Instinkt wendete er sich sodann ohne Bögern gegen eine Thür, welche verschlossen war und die er nicht zu öffnen Im Namen des Gesetzes," rief er, machen Sie auf!" ") Berhuel, ein holländischer Marine- Offisier, einer der vermochte. vielen Geliebten der Königin Hortense, Mutter Napoleons III. Bewachen Sie diesen Mann," herrschte sie der Polizeitommiffär an. Dann nahm er eine bis ins Kleinste gehende Haussuchung vor. Er konnte weder eine Waffe, noch irgend eine uns kompromittirende Schrift finden. Während der Beit hatte ich zu wiederholten Malen Gelegenbeit, genau seine Züge zu beobachten. Dieselben schienen mir nicht unbekannt zu sein. Aber wo hatte ich diesen Menschen schon gefehen? Regierung der Perier'schen Republik vertritt und das ist ihm vollständig gelungen. Politische Iteberlicht. Berlin, den 29. Oktober. kein Mensch denkt an den großen, einzigen, unersetzlichen Bismard. Nicht einmal sein Rath wurde eingeholt, nicht einmal seine Bresse hat an ihn erinnert. Vergessen und verschollen ist der Mann. Und ein 75jähriger Mann, also ein nur um vier Jahre jüngerer wird an die Stelle gesetzt, die für die Dynastie Bismarck allein bestimmt schien. Dies ist besonders schmerzlich für den Herzog von Lauenburg, der sich über den Fürsten Hohenlohe in seinen„ Hamburger Nachrichten" dahin äußert, daß er ebenso wie Caprivi lediglich den Willen des Kaisers zur Ausführung bringen werde. Der edle Varzinese scheint ganz daran vergessen zu Vaillant. Gleichzeitig hat die Gruppe beschlossen, Die Entlassung Caprivi's war in verschiedenen haben, daß er versuchte, jede Opposition damit waffenlos die belgischen sozialistischen Abgeordneten zu ihrem glänzenden Mittheilungen liberaler Blätter darauf zurückgeführt worden, zu machen, daß er sich als nichts anderes denn als VollWahlfieg zu beglückwünschen und wurde mit der Ausarbeitung daß die Familie Eulenburg den Besuch des Kaisers in ftrecker des taiserlichen Willens bezeichnete. Fürst Bismarck dieser Adresse Genosse Jaurès betraut. Liebenberg dazu benutzt hätte, ihn durch Vorlegung eines Bachimont, der neue Abgeordnete von Nogent, das früher Artikels der Kölnischen Zeitung", in dem Graf Eulen- scheint somit an Alterschwäche zu leiden. Durch Casimir Perier vertreten war, wurde bei seinem am Donnerstag erfolgten Eintritt in die Kammer von der sozialistischen Gruppe burg's Verhalten abfällig besprochen wurde, gegen den mit einem demonstrativen Vive la République!" empfangen. Grafen Caprivi einzunehmen. Die" Post" veröffentlicht So sehr nun auch Perier für einen Republikaner gelten will, dem gegenüber eine feierliche Richtigstellung, die augen dürfte ihm dieser Ruf doch verdammt unangenehm in den Ohren scheinlich auf den Grafen Eulenburg oder seine Umgebung gellen. zurückzuführen ist. Sie lautet: Troß der vielen von sozialistischer Seite eingebrachten hervor ragenden Interpellationen und Gesehentwürfe dürfte sich der Hauptkampf gegen die Regierung doch erst bei Berathung der Amtlich verlautbart heute der Reichs- Anzeiger" den Budgetdebatte entspinnen. Die sozialistische Kammergruppe hat Rücktritt der Grafen Caprivi und Eulenburg unter Verdenn auch gestern nach Austausch ihrer Ansichten über die all leihung der höchsten Orden und die Ernennung des Fürsten gemeine parlamentarische Lage eine Kommission mit dem Auf- zu Hohenlohe- Schillingsfürst zum Reichskanzler, Präsidenten trage ernannt, das Budget zu studiren und die Taktik zu bedes( preußischen) Staatsministeriums und Minister der aus stimmen, welche die Gruppe bei Berathung der einzelnen Budget wärtigen Angelegenheiten und des Unterstaatssekretärs von fragen einzuhalten habe. Die Kommission besteht aus den Köller zum Staatsminister und Minister des Innern. Genoffen Calvinhac, Guesde, Jaurès, Jourde, Millerand und " " 1. Graf Eulenburg war in der Staats- Ministerial fizung am Freitag, den 19. D. Mts., feineswegs ifolirt, vielmehr mit den übrigen Ministern bemüht, eine Einigung herbeizu führen, welche auch gelang. Bennigsen, der von Hammacher als Retter des Vaterlandes, als Caprivi's Nachfolger proklamirte, will sich nun definitiv ins Privatleben zurückziehen. Er be absichtigt demnächst seine parlamentarischen Mandate und seine Oberpräsidentenstelle niederzulegen. Damit tritt die nationalliberale Partei vollständig vom Schauplage ab, denn sie ist führerlos. All' die anderen kleinen Geister können die Partei nicht mehr zusammenhalten. Miquel ist, 2. Die ostpreußische Deputation hatte sich zu seitdem er den goldgestickten Ministerfrack angethan, für die Anfang der Woche an das Hofmarschallamt mit der Bitte um Partei vollständig verloren und Bennigsen hat jede HoffBermittelung einer Audienz gewandt und darauf, bevor der nung aufgegeben. Deutschland wird diese Verluste ertragen Ministerrath am 19. d. Mis. stattgefunden hatte, den Bescheid fönnen. Bennigsen soll beabsichtigen, unseren Kolonien in erhalten, daß die Audienz bewilligt und auf den 20. festgesetzt sei. Afrika einen Besuch abzustatten. Hoffentlich wird dem nicht eingeladen. Er begab sich dorthin erst Mittwoch früh auf Kamerun das dort übliche Gastrecht in der ausgiebigsten 3. Graf Eulenburg war zur Jagd in Liebenberg 71jährigen Herrn von dem gegenwärtigen Gouverneur vou telegraphischen Befehl des Kaisers. Weise zu theil. 4. Graf Eulenburg hat sich bei dem Kaiser über die Haltung der, Caprivi Offiziöien" nicht beschwert, insbesondere nicht über den bekannten Artikel der Köln. Ztg." Wie sehr die Regierungspresse auch gegen den Internationalismus der franzöfifchen Sozialisten wettere, es nüßt ihr nichts, sie wird unsere Genossen nicht zu Chauvinisten machen und wenn sie auch Feuer und Flammen gegen fie speie. Das hat erst gestern eine hier stattgehabte öffentliche Versammlung gezeigt. Zu dem Zwecke einberufen, um gegen die Verfolgung des " Chambard" und der Petite République" zu protestiren, ist nämlich am Schlufje derselben, nachdem unter anderem die Ge nossen Gérault- Richard, Zevais und Duc- Quercy das Wort ergriffen hatten, nebst einem Antrag, der die Verfolgung der beiden genannten Blätter, fowie die von Casimir Perier und der ihm ergebenen Parlaments majorität verübte Politit aufs schärfte verdammt, noch folgender Antrag mittels Attlamation angenommen worden: Die am Dienstag, den 23., im Saale Ottobre versammelten Bürger senden den sozialistischen belgischen Brüdern, die soeben die Pforten des Parlaments gesprengt und Der lettere ist erst nach der Rückkehr von Liebenberg, dort die Fahne des internationalen Sozialismus aufgepflanzt Donnerstag spät Abends, zu seiner Kenntniß gelangt. haben, ihre enthusiastischen Glückwünsche, den auf dem LandesDen ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet die UnterUns interessirt dabei hauptsächlich die erste Mit suchung über die Berhältnisse der in Gast. und Schantfongreß zu Frankfurt versammelten deutschen Sozialisten ihren theilung, die, wenn sie richtig ist, darauf hinausläuft, daß wirthschaften beschäftigten Personen. Die Berathung Brudergruß und rufen mit den auf demselben Programm und in Brudergruß und rufen mit den auf demselben Programm und in der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident über darüber wird das im faiserlichen Statistischen Amt zusaminenderselben Taktik vereinigten Sozialisten Deutschlands und Belgiens: Hoch die internationale Sozialdemokratie!" Nun, ihr anti- den Kampf gegen den Umstura" eins geworden waren. gestellte Ergebniß der Ende vorigen Jahres veranstalteten Frage sozialistischen Blätter, mögt ihr weiter heulen. Es würde das unsere Ansicht bestätigen, daß es sich bei der bogen- Erhebung zu Grunde gelegt werden, welches als Drucksache Der Generalrath der Seine und das ganzen Ministerkrisis immer nur um ein Mehr oder Minder Erhebung über die Arbeits- und Gehaltsverhältnisse der Kellner Waisenhaus von Cempuis. Man schreibt uns aus von Drangsalirungen der Sozialdemokratie zwischen Caprivi und Kellnerinnen" in Karl Heymann's Verlag( Berlin) erschienen Paris unterm 28. Oktober: Wie vorauszusehen war, hat und Eulenburg handelte. Wir werden ja bald erfahren, als sachverständige Beifißer mit berathender Stimme zugezogen ist. Zu der Verhandlung sollen zwei Wirthe und zwei Kellner die Regierung die vom Generalrath geforderte Auslieferung was bei der staatsmännischen Einigung herausgekommen ist. werden. der Dokumente, die angeblich zur Absetzung des Direktors Zahlreiche weitere Krisengerüchte schwirren herum, hiervon im Einzelnen Notiz zu nehmen, liegt aber fein Die Kommiffion für Arbeiterstatistik wird am 9. November zu einer Sigung zusammentreten. Der„ ReichsAnzeiger" berichtet hierüber: einen Ausschuß der Kommission aus einer größeren Zahl von Personen ausgewählt worden, die seitens faufausgewählt worden, Bei männischer Verbände und Vereine vorgeschlagen waren. der Waisenanstalt von Gempuis führten, verweigert. Darauf Der Statthalterposten in Elsaß- Lothringen ist Ferner beabsichtigt die Kommission, in ihrer nächsten Tagung hätte es unseres Erachtens nur eine Antwort geben können: durch die Ernennung des Fürsten Hohenlohe zum Reichs- ebenfalls unter Buziehung sachverständiger Beifizer-84 AusDemission des Generalraths. Die Regierung hat nämlich fanzler neu zu besetzen. Als Kandidaten werden genannt Auskunftspersonen, 32 Prinzipale, 82 Gehilfen, 10 Hausdiener, funftspersonen aus dem Handelsgewerbe zu vernehmen. Die über die Köpfe der Aufsichtskommission des Waisenhauses der abgetretene preußische Ministerpräsident Graf Botho der Vertreter eines Vereins für weibliche Angestellte und von Gempuis wie über die des Generalraths hinweg Herrn Robin von Eulenburg, dann drei Generale: der Feldmarschall der Leiter einer kaufmännischen Stellenvermittlung, find durch abgesetzt, ohne auch nur die Dokumente ausliefern zu wollen, die angeblich die Revokation Robins nothwendig machten. Es wäre Graf Loe und die kommandirenden Generale Prinz Friedrich somit an den Wählern zu entscheiden, ob sie mit dem willkür v. Hohenzollern und Graf Waldersee. lichen Vorgehen der Regierung einverstanden sind oder nicht. Anstatt deffen hat es der Generalrath in seiner gestrigen Sitzung der Auswahl haben die verschiedenen Gegenben des Reichs, vorgezogen, einen von seinem Präsidenten ausgehenden Antrag große, mittlere und fleine Städte, fowie bie hauptsächlichsten anzunehmen, wonach eine Enquete- Kommission zu ernennen ist, Anlaß vor. Geschäftszweige entsprechende Berücksichtigung gefunden. Die deren Zusammensetzung und Befugnisse in einer späteren Vernehmungen werden voraussichtlich den Abschluß der Erhebung Die persönliche Parteinahme der Staatsober über Arbeitszeit, Kündigungsfristen und Lehrlingsverhältnisse im Sigung zu bestimmen sind. Was damit erreicht werden soll, ist nicht gut abzusehen. Daß die Regierung willkürlich gehandelt, häupter in den politischen Kämpfen der Gegenwart ist bei Handelsgewerbe bilden, so daß demnächst der Schlußbericht der daß nichts gegen Robin vorliegt, als daß er der Reaktion unangenehm der Zuspigung der sozialen und politischen Gegensäge durch- Kommission über diese Erhebung an den Reichstanzler zu erist, das weiß der Generalrath heute schon; wozu also eine neuerliche aus natürlich. Wir finden die nämliche Erscheinung in statten sein wird. Die bisherigen Ergebnisse der Erhebung find Bestätigung deffen, was er ohnedies schon weiß und Alles auf republikanischen und monarchischen Ländern. Cafimir Perier in drei Drucksachen( Berlin, Karl Heymann's Berlag) niederbem alten Fleck beläßt. Die Enquete ist somit nichts als ein befolgt nach dieser Richtung hin in Frankreich wesentlich gelegt, deren legte vor kurzem erschienen ist und außer anderem Berlegenheitsatt, nichts als eine Verschleppung der ganzen An dieselbe Taktik, wie der König von Preußen und andere Einfluß der Beschäftigung der Handlungsgehilfen und Lehrlinge auch ein Gutachten des kaiserlichen Gesundheitsamts über den gelegenheit, um nicht zu sagen, ein Beichen der Ohnmacht des Fürsten in Deutschland. Blos ein wesentlicher Unterschied auf ihre Gesundheit enthält. Generalraths, die sich übrigens auch schon bei der Besizergreifung besteht hüben und drüben. In Frankreich sind die Parteien, Bur Fortjeßung der im Sommer v. 3. eingeleiteten Gr dokumentirt hat. Ein von den sozialistischen Generalräthen aus welche dem Staatsoberhaupt Oppofition machen, nicht wehr- hebung über die Arbeitszeit in Getreidemühlen sind entsprechend gegangener Antrag, die Sizung aufzuheben und jede Diskussion los. Das Staatsoberhaupt ist genau denselben Gesehen den Beschlüssen der Kommiffion vom Juni d. J. gutachtliche bis zur offiziellen Mittheilung der auf die Waisenhaus unterworfen, und hat genau dieselben Rechte, wie die Wit- Aeußerungen von Vereinigungen der betheiligten Unternehmer Angelegenheit bezüglichen Dokumente zu vertagen, wurde glieder der verschiedenen Parteien- nicht mehr und nicht und Arbeiter erfordert worden. Die zu diesem Zweck aufgestellten mit 53 gegen 30 Fragebogen wurden 20 Müller- Innungen, dem Berbande deutscher Stimmen abgelehnt. Uebrigens weniger. Müller und 19 Zweigverbänden desselben sowie 39 Vereinen von wäre mit der Annahme des Antrages auch nichts weiter Müllergesellen Anfang September d. J. überfandt. Ein Theil erreicht worden als eine Schädigung der Intereffen des Seine der Antworten ist bereits eingegangen; die übrigen sind im Departements und die Berechtigung der Regierung, den Generalrath aufzulösen. Eine Kollektiv- Demission mit ihren nothwendig Laufe f. M. zu erwarten. nachfolgenden Neuwahlen ist allerdings ein kostspieliges und ge wagtes Ding; wer aber im Kampfe ums Recht nicht zu ihr zu wagen greift, ber thut besser, das Schwert in der Scheide zu behalten, als in der Luft herumzufuchteln oder einen Schlag ins Wasser zu führen, wie das der vom Generalrath angenommene Antrag ist. Glücklicherweise kommt die Angelegenheit noch vor die Kammer, und da dürfte die Regierung troh der ihr ges fügigen Majorität einen viel schwereren Stand als vor dem Generalrath haben. Anders in Deutschland. Durch unsere Majestätsbeleidigungs- Geseze ist das Staatsoberhaupt nicht nur über das gemeine Gesetz emporgehoben, sondern jede Kritik des Monarchen ist auch dermaßen erschwert, daß es einem Ver= bot gleichkommt. Das Staatsoberhaupt kann sagen, was ihm gut dünft, angreifen, wen und wie es ihm gut dünkt, und dem Angegriffenen sind die Hände gebunden, auf die freie Kritik sind die härtesten Strafen gesetzt. Das ist eine Anomalie. Bismarck muß jekt traurige Stunden erleben. Sein Nachfolger zog sich mit ebensoviel ehrlicher Freude wie er mit schlecht verhehltem Merger in's Privatleben zurüd und Es scheint mir, mein Herr," redete ich ihn an, daß schlungen, und ein Thränenstrom, den sie so lange zurückdieses nicht unser erstes Zusammentreffen ist?" 群 Möglich, doch ich erinnere mich nicht." " Wollten Sie mich nicht vor einigen Monaten auf dem Boulevard Montmartre arretiren, weil ich kein zu großes Vertrauen in das militärische Genie Ihres Kaisers hatte?" gehalten, machte sich jetzt mit Gewalt Luft. " Der Wagen ist bereit," brüllte der Agent mit durch dringender Stimme herauf.. t. Den Zigarrenverkauf in den Schankwirthschaften am Sonntag beabsichtigt nach einer Mittheilung der Rhein. Weſtf. Beitung" die Regierung zu fontrolliren, weil dadurch den eigent lichen Bigarrengeschäften, die am Sonntag in den Hauptverkehrsstunden schließen müssen, eine ungerechtfertigte Ronkurrenz gemacht werde. Es seien bereits mehrfache Vorschläge gemacht und er wogen worden, um diesen Wettbewerb einzuschränken oder doch minder fühlbar zu machen. Aber alle bisherigen Vorschläge hätten sich bei näherer Prüfung als unzweckmäßig erwiesen. Nun soll indessen eine für wirksam und zweckmäßig gehaltene Art gefunden sein.Versailler Binde und ich erkannte unter ihnen dieselben Leute, welche zwei Wochen vorher aus voller Kehle ges schrien:" Es lebe die Kommune!" Es lebe die Kommune!", welche uns vorwarfen, daß wir keine Energie entwickelten und um besser " Ich will Dich nicht verlassen, Jacques, ich will mit ihre Berrätherei zu verbergen, verlangten, daß eine Dir sterben. Es wäre beffer gewesen, wir hätten uns Untersuchung gegen die Führer der Föderirten eingeleitet " In der That," erwiderte der Kommiffär, ganz erfreut beide auf einer Barrikade tödten lassen!" rief Sylvia ver- werde. einen Fang wieder zu erwischen, der ihm das erste Mal zweifelt aus. Der Merger über die Frechheit dieser Berräther bewegte entgangen, und das beweist, daß Niemand unserer Auf- Es ist noch nicht Alles verloren, theure Geliebte," ver- mich einen Augenblik stärker als jedes andere Gefühl und merksamkeit entgeht. Wir wissen die Missethäter immer suchte ich sie zu trösten, da mich erst ein richterliches Urtheil es war mir ganz gleichgiltig, vielleicht im nächsten Augenwieder aufzufinden." erwartet." blick schon sterben zu müssen. Sie bleiben hier, Madame, ich befehle es Ihnen," Als wir an meinem Bestimmungsorte anlangten, wurde herrschte der Kommissär sie an. Einer von Euch," wendete ich in eine schmutzige Zelle gesperrt, welche mit einer er sich zu seinen Agenten, wird diese Frau während einer Infanteriewache in Berbindung stand. Ich erwartete da Stunde bewachen, damit sie das Haus nicht verläßt." mit Ergebung meine letzte Stunde. Ich drückte Sylvia noch einmal an mein Herz; dann Während dieser Zeit war Sylvia von einer Dhnriß ich mich los, da ich selber meine Thränen taum zurück- macht, welche sie im Augenblick unserer gewaltsamen zuhalten vermochte, und stürzte mit fieberhafter Haft, Trennung übermannte, wieder erwacht. Der Polizist war begleitet von den Polizisten, die Treppe hinab. verschwunden und mechanisch ließ sie ihren Blick durch den Raum irren. Wird man mir keinen Aufschub bewilligen, bevor man mich erschießt? Ich wollte nicht sterben, ohne eine Pflicht erfüllt zu haben, welche die letzte Hoffnung meines Lebens in sich schließt." " Seit gestern finden keine summarische Erschießungen mehr statt. Sie werden vor ein Kriegsgericht gestellt, dessen Präsident die Befugniß hat, Ihnen zu bewilligen, was Sie wünschen, wenn Sie ihn darum ersuchen." Sylvia, welche auch in diesem schrecklichen Augenblicke Im Wagen befand ich mich mit dem Kommissar allein ihren Muth bewies, fand, obgleich man sah, wie sie ge- und während der Fahrt dachte ich an den Marinelieutenant Gleichsam magnetisch blieb ihr Auge an dem Papier waltsam ihre Thränen bekämpfte, die Kraft, den Kommissar Cournet, welcher am 2. Dezember sich in der gleichen Lage hängen, welches der Polizeikommissär in der Verwirrung zu fragen: befand wie ich. Derselbe erwürgte den Polizeiagenten im des Augenblicks verloren. Sie glaubte in ihm einen legten Könnten Sie mir nicht die Gunst gewähren, ihn Wagen, stieg ruhig aus und befahl dem Kutscher, seinen Gruß von mir zu finden und las den Inhalt des verhängim Wagen dahin zu begleiten, wohin Sie ihn führen, Freund" nach dem Polizeigebäude zu fahren. Doch waren nißvollen Dokuments. anstatt daß er zu Fuß zwischen Ihren Agenten über die für mich die Verhältnisse wesentlich ungünstiger. Ab- Wer beschreibt jedoch ihr Erstaunen, als sie einen VerStraßen muß?" gesehen von dem zweiten Polizisten, der sich zum Kutscher haftsbefehl gegen mich in die Hände bekam, unterzeichnet " Dagegen habe ich nichts einzuwenden," erwiderte der gejezt hatte, fuhren wir auch am hellen Tage durch volk von meinem Bruder Baron Meylan. Polizeimann, welcher freilich nicht aus Rücksicht der Mensch reiche Straßen. Die Trottoirs und Gossen waren von„ Dieser Elende!" rief sie ganz außer sich vor Ent lichkeit diesen Wunsch Sylvia's bewilligte, sondern aus den Leichen der Föderirten bedeckt, welche man noch rüstung, hat man jemals eine folche Niederträchtigkeit eigener Bequemlichkeit diese Art der Beförderung vorzog. nicht hatte fortschaffen können, so groß war ihre Bahl. gesehen! Und vor Kurzem hatte dieser Heuchler noch die Holen Sie einen Wagen," wendete er sich an einen Liniensoldaten gingen zu zweien hin und her, mit dem Stirne mich seiner Ergebenheit zu versichern! Mit dieser seiner Leute. Chassepot auf den Schultern. Komödie wollte er nur den Aufenthalt Jacques' entdecken. Gifiges Schweigen herrschte in dem Raume nach Ent- Als wir durch die Rue Montmartre fuhren, sah ich Dieser schändliche Mensch trachtet nach meinem Vers fernung des Schergen, nur unterbrochen von dem Schluchzen an vielen Fenstern dreifarbige Fahnen, aus welchen noch mögen und als Hochzeitsgeschenk bietet er mir den Kopf bes mir theuersten Wesens, von welchem ich wohl auf vor einigen Tagen rothe flaiterten. Auf dem Boulevard Jacques' an. Giebt es wohl ein Wort, um ein solch versah ich verschiedene Nationalgardisten ungenirt spazieren brecherisches, hinterlistiges Beginnen zu bezeichnen?" immer scheiden sollte. Sylvia hatte ihren Arm um meinen Nacken ge- l gehen. Sie trugen um den Arm gleichfalls die dreifarbigensia( Fortseßung folgt.) 7910 Itc&ct die Entwicklung der ungarischen Kirchen- gcscizgebnug meldet eine Budapester Depesche das folgende: Tie Ausschüsse des Magnatenhauses verhandelten heute das Ncmintium des Abgeordnelenhauses über die unveränderte Zurück« leitung der Gesetze, betr. die freie Neligionsübung und die Juden- rezcption. Die erstere Vorlage tvmrde. nachdem der refornnrte Bischof Szav im Interesse des liberalen Fortschrittes erklärt halte, Widerstand gegen die Konfessionslostgkeit aufzugeben, nach längerer Debatte mit Aufnahme mehrerer Bestimmungen, welche die religiöse Erziehung konfessionsloser Kinder sichern, angenommen. Majestätsbeleidignng in Frankreich. Am 5. No- vewbcr wird der Redakteur des illustrirten Sozialisten- blattes„Chambard" vor Gericht erscheinen, wegen Be- leidiguug des Präsidenten Casimir Perier. Die Ver- theidigung wird von den Advokaten Millerand und vom Abgeordneten Jaurös, welcher, ohne Advokat zu sein, die Erlaubnis zur Vertheidigung erlangt hat, geführt werden.— Die Provinzialrathswahlen in Belgien haben gestern stattgefunden. Wieder sind die Erfolge der Ultra- montanen sehr groß und die Verluste der Liberalen recht bedeutend. Unsere Genossen haben wieder beachtenswerthe Erfolge zu verzeichnen. Sie sind aber nicht so groß wie bei den Deputirtenwahlen, weil das Wahlrecht hier für sie ungünstiger ist. Ueber das Ergebniß der Wahl liegen die folgenden Depeschen vor. Herold's Bureau meldet: Das offizielle Ergebniß der gestrigen Provinzialraths-Wahlen wird erst gegen Mittag bekannt werden. Die Zahl der zu wählenden Provinzialräthe beträgt KSS. In den Provinzen Antwerpen, Limburg, Namur, Luxemburg und Flandern siegten fast durchweg die Katholiken, in Lüttich, Henne- gau und Brabant die Liberalen. Die Sozialisten haben den Liberalen weniger Sitze abgenommen, a l s m a n bisher a n n a h m. Die Katholiken haben, soweit bis jetzt konstatirt werden konnte, 19 Sitze gewonnen und einen verloren. Die Soziali st en eroberten in Möns und Charleroi acht Sitze. Eine ganze Anzahl Stich- wählen steht bevor. Zu dem Siege der Liberalen in Brüssel, welcher mit Hilfe der Katholiken errungen ist, bemerken die liberalen Blätter, der Sieg sei traurig, weil er den Sieg der Katholiken über den Theil der Liberalen bedeute, der sich gestern von den Doktrinären getrennt und mit den Sozialisten verbunden habe. Die Blätter fügen aber gleichzeitig hinzu, daß die Libe- ralen die Hilfe der Katholiken nicht verlangt hätten. Wolff's Bureau wird aus Brüssel depeschirt: Bei den gestern im ganzen Lande stattgehabten Provinzial- raths-Wahlen haben die Katholiken in Flandern alle bisher inne- gehabten Stellen behauptet und außerdem drei Sitze gewonnen. Sie kommen in Gent mit 14 ausscheidenden Liberalen in Stich- wohl; in der Provinz Antwerpen behaupten die Katholiken ihre bisherigen Stellungen und kommen mrt 23 Liberalen, deren Mandat erloschen ist, in Stichwahl. In der Provinz Namur hat eine Stichwahl zwischen 13 ausscheidenden Katholiken und 13 Liberalen stattzufinden. In Brabant gewannen die Katholiken 11 Sitze, außerdem haben dort zahl- reiche Stichwahlen stattzufinden zwischen Liberalen, Katholiken und Sozialdemokraten. In der Provinz Lüttich gewinnen die Katholiken einen Sitz; für die Stadt Lüttich ist eine Stichwahl zwischen 23 ausscheidenden Liberalen und 23 Sozialdemokraten nothwendig. Im Heunegau gewinnen die Katholiken 8 Sitze und die Sozialdemokraten IS von den Liberalen. Außerdem haben mehrere Stichwahlen zwischen den ausscheidenden Liberalen und den Sozialdemokraten stattzufinden. In den übrigen Provinzen hat keine bemerkenswerihe Veränderung statt- gefunden. Eine in der Nacht eintreffende Herold-Depesche lautet: Brüssel, 29. Oktober. Es sind 17 sozialistische General« räthe gewählt worden; 41 kommen zur Stichwahl. Die Katho- liken haben in 6, die Liberalen in 3 Provinzen gesiegt. Die Bildung eines Arbeiter-Ministeriums wurde definitiv beschlossen, ebenso die anderen Maßregeln zu Gunsten der Arbeiter- klaffen. Der König billigte diese Pläne vollständig. Der Abgeordnete von Löwen, Nyssens, wird Arbeitsminister. Beeruaert lehnte das Portefeuille ab; er bleibt also außerhalb des Ministeriums. Alle sozialistischen Abgeordneten kommen morgen hier zusammen, um ihre Stellung in der Kammer definitiv festzustellen. Ueber die belgischen Pnrlnmeutstvahlen äußert sich der neu gewählte sozialistische Abgeordnete Professor Vandervelde rn einem trefflichen Artikel im sozial- politischen Zentralblatte. Wir entnehmen demselben die folgenden Stellen: Es ist also im ganzen die katholische Mehrheit etwas stärker, als sie es unter den» Klassenwahlsystem war; die liberale Opposition ist buchstäblich zusammengeschrumpft, und es erscheint nunmehr die sozialistische Partei als die Hauptstütze der Gegner- schast der Regierung. Fortan, kann man jedenfalls sagen, giebt es in Belgien nur zwei große politische und soziale Mächte: die klerikale und die sozialistische..... Die sozialistische Partei hatte als Gegner die beiden alten Parteien, verstärkt durch die neuen Elemente: die mit den Na- dikalen verbündete liberale Partei und die katholische Partei mit ihrer christlich-demokratischen Hilsstruppe. Alle Anzeichen sprachen zu Gunsten der Regierung. Die Liberalen jedoch bildeten sich ein, Terrain zu gewinnen und sogar das Ministerium zu stürzen. Was die Soziallsten anlangte, so war jedermann in den Kreisen der bürgerlichen Politiker überzeugt, daß sie lediglich eine guantito negligeable(eine der Beachtung nicht werthe kleine Anzahl) bedeuteten........ Selbstverständlich bauten die Sozialisten trotz der unstreitigen Schwierigkeilen des Kampfes zu sicher auf die Macht ihrer Organi- satio», als daß diese Prophezeiungen hätten Eindruck machen können. 104999 Parteigenossen, von den großen sozialistische» Verbindungen aufgebrachte reiche Geldmittel, zwei Tageszeitungen in einer Auflage von S9999 Exemplaren, eine außerordentlich dichte Arbeiterbevölkerung, bis aus das Innerste aufgerüttelt durch ein Jahrzehnt und darüber unaufhörlicher Propaganda— dies waren die Bedingungen des Erfolges, und verblendet wäre es gewesen, ihre Bedeutung zu verkennen. Hierzu kommen über- menschliche Anstrengungen"während der beiden, den Wahlen vor- hergehenden Monate. Der Brüsseler Verband veröfjentlichte zu- erst zwölf Propaganda-Broschüren theoretischen Inhalts zu zehn Centimes und jede in einer Auflage von zehntausend Exemplaren. Hieraus wurden zwei Millionen Broschüren von je acht Seiten aus- gegeben, in denen man sich an verschiedene Arbeiterkategorie» wandte. Jede große Vereinigung: Kleidermacher, Kohlenarbeiter, Stein- bruch-Arbeiter, Bauarbeiter, staatlich Angestellte, Lehrer u. f. w.— halte eine besondere Broschüre, deren Auflage nach der Zäblung von 1899 berechnet war. Zwei weitere Schriften wandten sich an die katholischen Arbeiter und die Land- leute. Um diese letzteren in allen Ortschaften zu verbreiten, griff man zu einem ganz eigenartigen Mittel. Alle Sonntage fuhr ein Zug von zwanzig oder fünfundzwanzig Bicycliften aus Brüssel und anderen Städten hinaus, um in den länd- lichen Gemeinden gerade in der Stunde der Frühmesse einzutreffen. Es wurden dann an die Bauern sozialistische Broschüren und Einladungen zu nach der Hauplmesse stattfindenden sozialistischen Versammlungen vertheilt. Zur bestimmteii Stunde erschien der Redner der Arbeiterpartei am Eingang der Kircde, und die Bauern lauschten, nachdem sie die Predigt des Geist- lichen angehört, nunmehr den Worten des Sozialisten. Die Itesultate dieser Propaganda waren äußerst befriedigend. In sämmtlichen Dörfern der Umgegend Brüffel's konnte am ver- gangenen 14. Oktober das Vorhandensein sozialistischer Eleniente festgestellt werden, und in den ländlichen Bezirken, welche an die Jiidustrieregion grenzen, haben in vielen Gemeinden die Sozialisten die Mehrheit der Stimmen erhalten. Während eine Anzahl Propagandisten das platte Land bearbeiteten, betrieben andere eine fieberhafte Agitation unter den Industrie- Arbeitern. In manchen Arrondissements wurden an ein und demselben Tage über fünfzig Versammlungen abgehalten und fast allerwärts waren diese von der Mehrzahl der neuen Wähler besucht.... Eine wahre Panik hatte sich der konservativen Bourgeoisie bemächtigt, und am nächsten Sonntag stimmten im zweiten Wahl- gange eine sehr große Zahl liberaler Wähler für die Kandidaten der Regierung. Die in die Stichwahl kommenden sozialisti- schen Kandidaten in Verviers, Lüttich, Soignies und Cbarleroi trugen indessen, dank dem beim ersten Wahlgange gewonnenen Aorsprung, den Sieg über jene davon. Dagegen erlitt die liberale Partei herbe Verluste, und alle ihre Führer unterlagen ohne Ausnahme. In Brüssel, wo die Sozialifien bei der ersten Wahl 40 999 Stimmen erhielten, die Liberalen 64999 und die Katholiken 93 999, wurden sämmtliche klerikale Kandidaten mit einer Mehrheit von 19 999 Stimmen gewählt. Es stehen somit die katholischen Gouvernementalen einer fast ausschließlich sozialistischen Opposition gegenüber, die über dreißig(von 1ö9) mit 350 009 Stimmen(von 1800 009 abgegebenen) gewählte Abgeordnete zählt. Zwischen diesen beiden Fraktionen existirt kaum ein Bindeglied. Die paar Radikalen, welche dem Schiffbruch entronnen, werden noth- gedrungen den Sozialisten Gefolgschaft leisten müssen, und diese Opposition wird zuweilen durch die von den Katholiken gewählten Arbeiterdeputirlen verstärkt werden. Unter diesen Umständen läßt sich unschwer voraussehen, daß in der nächsten Kammersession vor allem die sozialen Fragen an der Tagesordnung sein werden, und wird sich die Regierung, um dem Fortschreiten der sozialistischen Partei Einhalt zu thun, wohl zweifellos bequemen, dieser einen Theil ihres Programms zu entlehnen. Denn stets der Staatssozialismus war das Impf- gist wider den Sozialismus. Das englische Oberhaus könnte sich noch eines langen Lebens erfreuen, wenn es nur auf Lord R o s e b e r y und seine näheren Freunde ankäme. Der englische Premierminister hat gestern in Bradford eine Rede gehalten, in der er hervorhob, die Regierung sei ganz mit einer zweiten Kammer einverstanden, aber das gegen- wärtige Hans der Lords, das hauptsächlich aus Tories be- stehe, bilde eine nationale Gefahr, ja sogar eine Heraus- sorderung zur Revolution. Die Regierung werde daher das Unterhaus in der nächsten Session auffordern, aus dem Wege einer Resolution die Privilegien des Unterhauses gegenüber dem unverantwortlichen Oberhause zu betonen, indem es erklärt, daß das Unterhaus in der Gemeinschaft der beiden Kammern den Vorrang haben müsse. Diese Resolution würde die vereinigte Forderung der Regierung und des Unterhauses nach einer Verfassungsrevision dar- stellen. Sollte das Haus der Lords dieses Vorgehen igno- riren, so würde die Regierung an das Volk appelliren, da solche Fragen auch in anderen Ländern aä rslerendum gestellt würden. Thatsächlich kommt dieser Plan auf eine Lebensfristung des Oberhauses hinaus. Erst der Sozialismus wird dieses verrottete Institut abschaffen.— Eine Alterspensionsliga für Großbritannien wurde am 24. Oktober in Birmingham gegründet. Der tweck der Liga soll sein, alle die zahlreichen mildthätigen tiftuugen, die gegenwärtig durch mißbräuchliche Gesetzes- anslegung ihrem Zweck fast völlig entfremdet sind, in einer Hand zu vereinigen. Alles, was dazu gehört. Zehnten, Armengeld, Stiftungen und anderes Nationaleigenthum soll auch wirklich nur zum Besten der Alten und Gebrech- lichen verwandt werden. Der Präsident des neuen Vereins ist zugleich der Präsident der liberalen Föderation, Sir James K i t s o n. Er führte in seiner einleitenden Rede folgendes aus: Die Gründer des Bundes wollten nicht irgend einer bestehenden Altersversicherung oder einem bestehenden Sparverein zu nahe treten. Wenn man aber sich zu Gemüthc führe, daß nach dem Staustiker Charles Booth 9 pCt. der Gesammtbevölkernng Londons im Arbeitshause sterbe» und ferner erfahre, daß 39 pCt. der he- jährten Armen Birminghams ohne Hilfe seien, so müsse man sagen, daß es an der Zeit sei. sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Die Gründer der L,ga haben die Ueberzeugung, daß jeder, wenn ihm die Kraft versage, sich durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, eine Pension von S Sh. die Woche erhalten sollte. Faule und Verbrecher sollten in eine eigene Kategorie kommen. Nach sorgfältigen Berechnungen genüge in dieser Be- ziehung für England und Wales eine Summe von 9 999 999 Pfd. Sterling, und für das gesaminte vereinigteKönigrcich, Schottland und Irland eingeschlossen, eine solche von 17 999 000 Pfd. Sterl. Die Liga habe einen Plan, wonach die theilweise recht unnützen und unsinnigen Stiftungen zu vernünftiger Anwendung kommen würden." Graham von Burton-on-Trent sagte, er sei Präsi- dent eitles gegenseitigen Unterstützungsvereins gewesen und zur Zeil Mitglied von vieren. Für das Alter sorgen sie in ausreichender Weise. Die großen englischen Unter- stützungsvereine versprächen wohl Alterspensionen, dieselben seien aber ein lodter Buchstabe, weil die allermeisten außer Beiträgen für Krankheit und Begräbniß nichts zu zahlen im stände seien. Unter den englischen Paupers befänden sich Tausende, welche Jahrzehnte einem Unterstützungsverein angehört hätten. Unter den Rednern befand sich auch der Parlamentsabgeordnete Broadhurst. Daß auch dieser Jahr- hunderte alte Mißbrauch der Unterschlagung der den Be- dürftigen gehörigen Stiftungen jetzt abgestellt wird, ist gleichfalls nur dem Anschwellen der sozialistischen Bewegung zu danken.— Für Crispi's Schurkenstreich tritt heute die „Nordd. Allg. Ztg." ein. Das Blatt schreibt: Diesen zum Partiro dei Lavoratori zählenden Vereinen ist die Staatsgewalt von dem Tage an. da das Gesetz ihr die Macht dazu in die Hände gab, mit aller Energie entgegen- getreten. Das Blatt wagt nicht zu behaupten, daß Crispi ein Recht zu seinem Vorgehen hatte. Er hat eben die Macht des Anarchistengesetzes auf die Sozialdemokraten angewandt. Die osfiziöse Zeitung sieht darin einen Vortheil der An- archistengesetze, wir sehen darin einen weiteren Fehler der- selben.— Ein Antrag zur Erweiterung des Strafrechtes behufs Verhinderung von Wahlbeeinflussung beschäftigte gestern den dänischen Folkething. Der betreffende Antrag lautete: „Wer durch Gewalt oder durch Androhung von Gewalt die Wahlireiheit antastet oder jemand an der Ausübung feines Wahlrechtes zu hindern such: oder ihn zu zwingen, es in einer bestimmten Weise auszuüben, wird mit Strafarbeit oder Ge- fängniß bestraft. Der letzteren Strafe verfällt auch derjenige, welcher bei der Vornahme der verfassungsmäßigen Wahlen sich einer vorsätzlichen Fälschung oder wer durch Angebot persönlicher Vortheile oder durch Drohungen, deren Durchführung persönlichen Verlust herbeiführen könnte, jemand dazu zu veranlassen sucht, in anderer Weise zu stimmen." Der Justizminister hielt den bisherigen Gesetzeszustand für genügend, obwohl nur im letzten Frühjahr der Fall des Försters Kann, der seine Arbeiter mit Entlassung be droht hatte, wenn sie„links" wählten, und trotzdem frev gesprochen wurde, das Gegentheil bewies. Der Antrag wurde einer Kommission von 11 Mitgliedern überwiesen.— Aus Spanien liegen folgende Meldungen vor. Wolff's Bureau erfährt aus Madrid: Der Ministerrath berieth gestern über das den Kortes zu unterbreitende Regierustgsprogramm; heute findet wiederum eine Sitzung statt; man glaubt, daß bis zu dieser Sitzung keine definitiven Beschlüsse bezüglich der Kirche gefaßt werden. Nach Herold's Bureau ist es entgegen allen Erwartungen Sagasta heute gelungen, die Krisis zu verhindern und die gegenwärtige Lage des Ministeriums zu befestigen, sowie das parlamentarische Programm zu redigiren, welches von allen Gruppen der Mehrheit unterstützt wird.— In Serbien hat Crstritsch das neue Kabinet gebildet, das nach dem offiziösen Draht als unparteiisches bezeichnet wird. Thatsächlich ist der jetzige Ministerpräsident der brutalste Gewaltspolitiker des Landes. Dem abtretenden Kabinete wollte der König alle Forderungen bewilligen, blos an einem Punkte scheiterten die Verhandlungen, an der Bedingung, daß Milan sich jedes Einflusses aus die Politik des Landes zu enthalten habe. Dies wollte der König unter keinen Umständen zugestehen.— Serbische Zustände. Der gefangene Räuber Jlitsch- B a st o v a n sagte, wie der„Vossischen Zeitung" gemeldet wird, vor dem Bezirksgerichte in Kragujewatz aus, daß er von dem in der Hochverrathssache des Tschebinatz ver- hafteten Sima Gjakowitsch, zur Zeit, als König Alexander das Land bereiste, ein F � ä s ch ch e n mit Gift erhalten habe, um es dem damaligen radikalen Bezirkskommiffar Milosch Mischkowitsch zu übergeben. Dieser Mischkowitsch habe ihm(dem Jlitsch Bastovan) den Antrag gemacht, das Gift in die für den König vorbereiteten Speisen zu mengen. Dafür bot er 2000 Franks. Da man sich über den Lohn nicht einigte, fand das Verbrechen mcht statt. Infolge dieser Aussage wurden bei dem in Arangelovatz wohnenden Mischkowitsch, wie bei dem gewesenen radikalen Abgeordneten Mladeu Markowitsch Haussuchungen vorgenommen, aber nichts Belastendes gefunden. Dennoch wird die Unter- suchung in dieser Angelegenheit eingeleitet und ist Sima Gjakowitsch von Belgrad zum Verhör nach Kragujewatz übergeführt worden. DaS bulgarische Parlament, die Sobranj«, wurde am Sonnabend mit der üblichen schönrednerischen Thronrede eröffnet. Die Wahl des entschiedenen Russophilen Danew zum zweiten Vizepräsidenten beweist, daß Rußland mit seinen Erfolgen in Bulgarien nicht unzufrieden zu sein braucht.— PatfcincHöeldifcn: Von der Agitation. Eine Demonstration der Offenbacher Arbeiterschaft für den Sozialismus be- deutete die Versammlung, welche am 24. Oktober dort abgehalten wurde und in der der Reichstags-Abgeordnete Genosse Bebel sprach. Mehr als 2199 Personen hatten in dem Saal Platz gefunden und viele mußten, weil kein Platz mehr zu haben war, vor der Thür umkehren. Die vereinigten Arbeiter-Gesangvereine sangen zur Einleitung das schöne Proletarierlied:„Der General- marsch". Der Abg. Bebel wurde bei seinem Erscheinen auf der Rednertribüne mit brausendem Beifall begrüßt. In l�stündiger Rede besprach Redner die Entwickelung der menschlichen Ge- sellschaft, dabei beweisend, daß die Sozialdemokratie ein Produkt dieser Entwickelung sei und somit durch keinerlei Ge- setze gegen de»„Umsturz" vernichtet werden könne. Das was man jetzt wieder an Gesetzen gegen den Umsturz beabsichtige, werde ebensowenig im stände sein, den Sozialismus zu beseitigen, als dies den Bismarck'schen Gesetzen möglich gewesen. Redner schloß seinen überaus inlereffanten Vortrag mit dem Hinweis auf der Geschichte angehörende Vorgänge, aus denen hervorgehe, daß stets die jeweils herrschenden Klassen die Schuld daran tragen, wenn eine Volksbewegung in gewaltsamen„Umsturz" auslaufe. Nachdem noch Genosse Ulrich einige Worte gesprochen, schloß der Vorsitzende die imposante Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie.— Am Sonntag vor dem Parteitag hatte Gen. Bebel in Gießen ge- sprachen; hier lautete das Thema:„Die Sozialdemokratie und der Umsturz", worüber Bebel in etwa 2l/} stündiger, glänzender Rede sprach. Auch hier war ein ungeheurer Andrang der Be- völkerung zu verzeichnen. »» Zu den Stadtverordnete»!-Wahlen in Geestemünde nahm«ine am 26. d. M. dort tagende Volksversammlung Stellung. Beschlossen wurde, sich an den Wahlen zu betheiligen, trotzdem dieselben nach dem Klassen- Wahlsystem vorgenommen werben; ausgestellt wurden vier Kandidaten, welche auf dem Boden der Sozialdemokratie stehen. •• Gegen den„Umsturz" lassen bekanntlich die Dresdener konservativen Herren, an deren Spitze Herr M e h n e r t steht. eine Petition zirkuliren. Dabei haben die Herren die Un- verfrorenheit, auch die Gemeindevorstände als Unterschriftensammler in Bewegung zu setzen. Wie der„Oberlaus. Voltsbote" mit- theill, hat der konservative Landesverein daS Ansinnen auch an die Gemeindevorstände der Lausitz gestellt. Das genannte Blatt bemerkt dazu: Eine größere Unverfrorenheit kann man sich fast nicht denken, als es dieses Ansinnen der Dresdener kon- servativen Herren darstellt. Was würden dieselben wohl sagen, wenn die Freisinnigen oder Sozialdemokraten mit einem ähn- lichen Verlangen an die Gemeindevorstände herantreten würden? Die Gemeinden haben sich bei derartigen einseitigen politischen Kundgebungen unbedingt neutral zu verhalten. In verschiedenen Gemeinden ist man über dieses Gesuch, wie wir hören, einfach zur Tagesordnung übergegangen und ist nur zu wünschen, daß es anderwärts ebenso gehalten wird.— Die„Leipziger Volks- Zeitung" ist außerdem noch in der Lage»nitzutheilen, daß Paul Mehnert mit seinem Unterschristensammeln recht»venig Glück hat. »» Der schon mehrfach ge»an»»te Kämpe gegen die Sozial- demokraten, Herr Amtsrichter Spindler in Langen- s e l b o l d, hat abermals von sich reden gemacht. Einer der Väter, denen er das Erziehungsrecht ihrer Söhne abgesprochen hatte,»var seinem Wunsche nachgekommen und meldete seinen Sohn aus dem Turnverein ab. Der Vorsitzende»nußte hierüber eine Bescheinigung ausstellen und that dies nach der Frankfurter „Volksstimme" mit folgenden Worten:„Turnverein R. 16. 9. 94. Ich, der Unterzeichnete, beglaubige hiermit dem Vater des Sohnes Georg K.. daß er seinen Sohn am 2. September ds. Js. im hiesigen Turnverein abgemeldet hat, auf da? Verlangen " nämlich des Vormundschafts- und Grundbuchrichters gebandes für Sachfen, der wegen des Abfaffens eines Flugblattes inferaten der boykottirten Schuhwaaren Fabrit ad u. Ro. in missen Spindler. Der Vorsitzende Chr. F." Einige zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt wurde, ist am 22. Oftober Burg im Inseratentheil Aufnahme geftattet hatten. Tage darauf wurde F. Morgens ganz früh, nämlich um die 3 midauer Strafanstalt eingeliefert und ist ihm auf Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hat sich nun 44 Uhr, in seiner Wohnung verhaftet und in das Gerichts- sein Gesuch hin sofort Selbstbeschäftigung gewährt worden. definitiv tonftituirt. Am Sonntag, den 28. Ottober, fand in gefängniß zu Langenfelbold abgeliefert. Er sollte eine Strafe Unterworfen hat sich Sachse dem Urtheil vom 15. Oktober; Effen der zweite chriftliche Bergarbeiter- Rongteß statt; besucht von 3 Tagen Haft abbüßen, die ihm das Amtsgericht wegen der seine Strafzeit endet also am 14. Oktober 1895. Einer Frau war derselbe von etwa 500 Delegirten christlicher Bergarbeiterin jener Wendung von dem gewissen" Spindler angeblich ent- und 7 unerzogenen Kindern ist durch den Spruch der Göttin Vereine. Außerdem waren anwesend Beamte der Bergbehörden, baltenen Ungebühr" auf grund des§ 179 auferlegt hatte, und Gerechtigkeit" der Ernährer auf 12 Monate entrissen worden. evangelische Pastoren und katholische Kapläne. Das Statut, das die sofort vollstreckt werden sollte. Der Verhaftete ließ sich aber wir zum Theil schon in unserer Nummer vom Sonntag, den ,, vorführen" und gab eine Beschwerde zu Protokoll, wurde hierauf 21. Oktober veröffentlicht haben, wurde in seinen wesentlichen in feine Zelle zurückgeführt, eine halbe Stunde später aber entPunkten dem Entwurf gemäß angenommen. Einen näheren Belassen. Die Antwort des Oberlandsgerichts auf die Beschwerde richt über die Verhandlungen lassen wir morgen folgen. ist jetzt eingetroffen. Danach ist der betr. Beschluß des föniglichen Amtsgerichts als ungesetzlich aufgehoben. Diese Abführung des Herrn Spindler ist recht bezeichnend für den Mann, der in Langenfelbold Gerechtigkeit üben soll. Soziale Ueberlicht. Zum Dreiklaffen- Wahlsystem wird der Rheinisch- West- Das österreichische Lebensmittel- Komitee beruft einen fälischen Arbeiter- Zeitung" aus Wattenscheid" berichtet: Die Verbandstag der Lebensmittelbranche auf den 25. und Beche herrscht, dank dem famosen Dreitlassen- Wahlsystem! Bei 26. Dezember d. I. nach Wien ein. den bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen wählt nämlich für die 1. Abtheilung die Zeche Zentrum. Ihre Stimmen fallen 105 Mal so schwer ins Gewicht als die der Wähler der 2. Abtheilung, und gar 2112 Mal so schwer als die der Wähler der 3. Abtheilung. Versammlungen: Ueber die beginnende Wahlkampagne in Amerika schreibt unser New yorker Korrespondent unterm 12. Oktober: Im hiesigen 5. Assembly Distrikt, von dem ich schon als Die Maurer( Lokalorganisirten) waren am 28. Oftober einem für uns sehr günstigen Meldung machte, ist Genosse zahlreich in den Arminhallen versammelt, um in erster Linie Alexander Jonas aufgestellt. Unsere Partei hat mit der Ab- Arbeiterrifiko. Für eine Mart das Leben auf's nochmals Stellung zur Wahl von Delegirten zur Gewerkschaftshaltung von Massenversammlungen den Reigen in der Wahl Spiel gefegt. Der Heizer einer Fabrik bei Aachen wurde Kommission zu nehmen. Eine Vertretung in der Gewerkschaftsfampagne eröffnet. Diefelben werden jetzt derart arrangirt, daß des Abends gerufen, um die Achse des großen, von einem Kommission ist bereits wiederholt abgelehnt worden. Ueber das sie an je einem Abend in gewissen Abständen an derselben( die Arm des Münsterbaches getriebenen Mühlrades zu schmieren. Wünschenswerthe einer Bertretung der Berliner Maurer in der ganze Stadt der Länge nach durchschneidenden) Avenue statt- Bei dieser Arbeit gerieth er zwischen das in Bewegung befind. Gewerkschafts- Kommission herrschte in der Versammlung getheilte finden, so daß die Redner mittels der vorhandenen Fahrliche Nad und das Mauerwerk und wurde gänzlich verstümmelt, Meinung und traten die gegenfäßlich Ansichten in der gegelegenheiten schnell von einem Platz zum andern gelangen fo daß er nach wenigen Stunden starb. In der Vorahnung pflogenen Erörterung der zur Tagesoronung stehenden Frage und so in jeder Versammlung mehrere derselben mit eines Unglücks hatte, wie die„ Köln. Bolts- Beitung" mittheilt, offen zu Tage. Das schließliche Resultat der Abstimmung war wirken können. Die erste Reihe solcher Versammlungen der Beklagenswerthe beim letzten Abschied von seiner Familie die Annahme des Antrages, Delegirte in die Gewerkschafts( acht an Zahl) fand auf der oberen Westseite statt, wo man es gefagt:" Daß ich doch da an dem Rad für eine(!) Mart Kommission zu entsenden. Dietrich war demgegenüber der früher wegen des dort hausenden irischen Janhagels gar nicht mein Leben ristiren muß!" Meinung, daß die Maurergewerkschaft sich durch Beschlüsse wagen konnte, Versammlungen abzuhalten. Diesmal verlief aber Wie Magyar Ujjag" meldet, ist die Pulvermühle in der der Gewerkschafts- Kommission in ihrer Bewegungsfreiheit von zeitweiligen Zwischenrufen seitens einzelner Ortschaft Bistra( Ungarn) in die Luft geflogen. Drei Arbeiter nicht behindern lasse. Legeler betonte feinerseits, daß die Exemplare jenes Elements abgesehen ganz glatt, und an den wurden getödtet und vierzehn verwundet. Die Pulvermühle Maurer lokaler Richtung nicht allein und selbständig meisten Stellen waren die Versammlungen sogar als glänzender enthielt angeblich 1000 Metergentner Schießpulver. arbeiten könnten, daß sie vielmehr gehalten seien, mehr Fühlung Erfolg" zu bezeichnen. alles Die hiesigen Rundenschneider scheinen durch die er littene Niederlage angespornt worden zu sein, endlich einmal die alten„ tonservativen" Schrullen an den Nagel zu hängen; in der legten Versammlung ihrer Organisation wurde nämlich beschlossen, daß von jetzt an in den Bersammlungen politische Diskussionen ( bisher aufs strengste verpönt) stattfinden sollen. Mehr kann man einstweilen von ihnen nicht verlangen! 1 Das neue Arbeitersekretariat der Stadt Nürnberg, mit den anderen Gewerkschaften zu nehmen. Jezorte sprach von den Arbeitern selbst begründet, tritt am 1. November in seine Ansicht dahin aus, daß die Gewerkschafts- Kommission allWirksamkeit. Das Arbeitersekretariat ertheilt mündliche Aus- mälig in das Fahrwasser des Verbandes gelangen werde. Ueber funft in gewerblichen Streitigkeiten, welche der Kompetenz der ihre eigenen Geschicke habe jede Gewerkschaft selbständig zu entGewerbegerichte unterstehen; in Angelegenheiten der Kranken-, scheiden, nicht aber die Gewerkschafts- Kommission. Seine MeiUnfall, Alters- und Invaliditätsversicherung; über Arbeiterschuh, nung ging dahin: für diese Parlamentsdufler, die in Korruption Vereins- und Versammlungsrecht, sowie über das Fabrit ausarten, feinen Mann und keinen Pfennig! Die weitere Debatte inspektorat. Das Sekretariat nimmt Beschwerden über diese über den Werth und Unwerth der Gewerkschafts- Kommission In der letzten Zeit haben die Konventionen der Schrift Gegenstände auf und veranlaßt deren zweckmäßigfte Erledigung. wurde durch einen angenommenen Schlußantrag turzer Hand abfeber, Maschinen- Holzarbeiter- und Straßen: So weit zur Erledigung dieser Aufgabe schriftliche Arbeiten er gebrochen und schritt die Versammlung nunmehr zur Wahl von bahn Angestellten Verbandes stattgefunden. Trotzdem auf forderlich sind, werden auch diese vom Sefretariat augefertigt. Delegirten für die Gewerkschafts- Kommission und fiel die Wahl der Konvention erstgenannter Organisation deren Präsident Perkin auf Blaurod und Legeler. Dietrich wünschte nachdem, Auf dem Gebiete des Submissionswesens hat die daß die Versammlung den Delegirten Verhaltungsmaßregeln mit„ bewegten Worten" ersuchte, teine politischen Meinungen in die Gewerkschaften zu tragen, da dies fein gutes Ende nehmen Bürgermeisterei Worms eine kleine Verbesserung in Vorschlag geben möge. Wie schon vorher wünschte er, daß die könne", wurde doch die Resolution der 3. v. 2. für unabhängige gebracht. Die Unterhaltungsarbeiten sollen danach nicht mehr Delegirten wohl die Interessen der Berliner Maurer zu politische Aktion angenommen, aber, wie vorauszusehen, ohne den durch Angebotsverfahren vergeben werden, sondern wechseln vertreten, sich aber feinen Beschlüssen zu unterwerfen hätten, " S 10". Die Jünger der schwarzen Kunst" hinten eben hier zu unter den sich bewerbenden Handwerksmeistern nach bestimmter die die Gewerkschaft zu bevormunden geeignet seien. Segeler Lande in bezug auf fortschrittliche Entwickelung stets hinterher! Reihenfolge. Sobald Arbeiten von einem gewissen Betrag ge erklärte daraufhin, daß er sein Mandat sofort wieder nieder. Auf den beiden anderen Konventionen fand die Resolution mit leistet find, tritt ein Wechsel in dem Meister ein. legen würde, sobald die Versammlung beschließen würde, die Reihenfolge, nach welcher den Meistern die Arbeiten über Delegirten mit einem gebundenen Mandate in die Gewerkschafts. § 10 Annahme. wird durch das Loos bestimmt. Kommission zu entsenden. Derselbe Korrespondent macht uns über Hans Moft tragen werden sollen, Die Versammlung lehnte eine der welche noch nicht zwei Jahre in Worms folgende Mittheilung: Das Neueste von Hans Most ist, daß Meister, artige Beschlußfassung ab. Der nächste Punkt der Tagesordnung werden aber in der lautete: Unsere Stellung zur Presse." er unter's Theater" gegangen; er hat nämlich in Hauptmann's selbständig ein Geschäft betreiben, Die äußerst erregte „ Weber" aber erst, nachdem er das Stück in der ihm eigen- Reihenfolge untenangestellt und awar nach Maßgabe der Debatte artet hier in eine lange persönliche Polemit aus, in der thümlichen Art und Weise verbessert" bei einer von seiner Beit, in der sie am Blah ihr Geschäft selbständig betreiben. von mehreren Rednern das Annonciren und die BekanntVersammlungsberichte im " Gruppe" arrangirten Aufführung desselben den alten Baumert Die Preise für die den Handwerksmeistern der Reihenfolge nach gabe der " Sozialist" lebhaft übertragenen Unterhaltungsarbeiten werden durch ein unter Mit befürwortet Dabei wendeten die die Redner sich " gespielt". wirkung der betreffenden Handwerker festgesetztes Normal- Preis- gleichzeitig gegen den Bauhandwerker" und" Vorwärts", dem verzeichniß bestimmt. Im Uebrigen und insbesondere für alle fie Vernachlässigung ihrer Interessen vorwarfen. Unter anderem Neuarbeiten bleibt es bei dem seitherigen Angebotsverfahren. Es stellte Jezorte die Gründung einer dritten Organisation der soll jedoch der Grundsay festgehalten werden, daß alle Arbeits- revolutionären Maurer" in Aussicht. Von anderer Seite wurde und Lieferungsangebote einer genauen Prüfung in der Richtung Dieser Auffassung widersprochen und endete die Diskussion vorunterworfen werden, ob für das Angebot die Arbeiten mit läufig resultatlos. Zum Schluß wird sodann das Versammlungsordnungsmäßigem Verdienst und gutem Material und musterhaft bergestellt werden können. Angebote, die dieser Anforderung nicht entsprechen, sollen unberücksichtigt bleiben. Polizeiliches, Gerichtliches: c. - Auch ein Auflösungsgrund. In Riel wurde eine Voltsversammlung vom Amtsvorsteher Grafen Reventlow kurz nach der Eröffnung aufgelöst, weil der Riegel anstatt an der Thür, in derselben angebracht und die eine Thür als Moththür gekennzeichnet sein müßte. Aufgelöst wurde eine Tabalarbeiter Bersammlung, als man beschloß, in eine Pause von 15 Minuten einzutreten. Und doch liegt Riel, wie wir uns durch einen Blick auf die Landkarte versicherten nicht in Sachsen. Gewerkschaftliches. Die " Depeschen: ( Wolff's Telegravhen- Bureau.) Oberhansen, 29. Oktober. Gestern Abend wurde der Ver such gemacht, das Rasino der„ Gutehoffnungshütte" mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Der Schaden ist gering; derselbe beschränkt sich auf das Gebäude und Inventar. Posen, 29. Oktober. Wie dem Posener Tageblatt" aus Achtung, Metalldrücker! Die gesammten Metalldrücker Wreschen gemeldet wird, hat der" Regierungspräsident, da ( außer einem) der Firma Luckart, Ritterstraße, haben die Cholera im russischen Gouvernement Kalisch als wegen Differenzen mit ihrem Arbeitgeber heute die Arbeit niederloschen anzusehen ist, die seiner Zeit angeordnete Schließung gelegt. Buzug ist streng fernzuhalten. " er= der Grenze, sowie das Verbot des Besuchs der Wochenmärkte seitens der russischen Händler aufgehoben. Auch der Zu zug russischer landwirthschaftlicher Arbeiter ist wieder gestattet worden. bureau beauftragt, zweds Fortsegung der Debatte am nächsten Sonntag eine öffentliche Maurerversammlung einzuberufen. Bur Revision des Hauptbuches unter Hinzuziehung der vorjährigen Die höchsten Gewinne einer Aktiengesellschaft dürften und diesjährigen Revisoren wurden gewählt unter Berücksichti die Fabriken der Aktiengesellschaft Farbwerte vorm. Meister, gung beider Richtungen" Dietrich, Witte, Kater und Wegen Beleidigung des Direktors der Wands Lucius u. Brüning zu Höchft abwerfen. Der Durchschnittslohn Wegner. Beantragt wurde von Blaurod noch, den lokalbecker Bant, Jung, wurde der frühere Redakteur des Hamburger der Arbeiter in diesem ebenso ungefunden wie gefährlichen Be- organisirten Töpfern für den Fensterstreit 400 m. aus dem Ges Echo", Genosse T. Heine, vom Schöffengericht in Hamburg zu triebe beträgt nach Angabe der Fabrifleitung 2,86 M. Als neralfonds zu bewilligen. Die Versammlung beschloß dem An200 M. Geldstrafe verurtheilt. Wohlfahrtseinrichtung" hat die Fabrik Jahresprämien eingeführt. trage gemäß. Der Verein Freie Boltsbühne von Hamie wenig Bedeutung diese haben und wie unbedeutend sie die burg- Altona" hatte auf Sonntag Nachmittag 14 Uhr die Hungerlöhne beeinflussen, geht aus folgender von der Fabrik herAufführung von Gerhart Hauptmann's" Einsame Menschen" an- rührenden Nachweisung der Löhne hervor. Es wurde nämlich gesetzt. Wie immer sollte die Vorstellung im Vereins Theater gezahlt an 4 Arbeiter über 100 m., an 72: 51-100, an 290: im Kaisersaal zu Altona stattfinden. Rechtzeitig und zahlreich 26-50 M. und an 304: 10-25 M. hatten sich die Mitglieder versammelt. Der Beginn der Vorstellung verzögerte sich, und schon wurde das Publikum etwas ungehalten darüber. Doch plöglich verbreitete sich die Kunde durch den Saal:„ Es find Polizeibeamte erschienen, welche die Ausführung verboten haben! Verboten? Weshalb? Hofrath Pollini sollte sein Aufführungsrecht, das er für Hamburg- Altona erworben, geltend gemacht und die Altonaer Polizei aufgefordert haben, ihn in seinem Recht zu schützen. So schwirrte es durch den Saal, aber noch wußte man nichts Bestimmtes. Da schritt plößlich der Altonaer Polizeikommissar Winkler, der übrigens nur mit einer Der Vorstand des Verbandes Tuchmüze bedeckt war, durch den Saal nach der Bühne hin, zog aller in der Metallindustrie beschäftigten ein Schriftstück aus der Tasche und verlas dasselbe: Auf Arbeiter Berlins und Umgegend. Paris, 29. Oftober. Die Deputirtenkammer verhandelte Antrag des Hofraths Pollini verbiete die Altonaer Polizeibehörde die Aufführung des Stückes Einsame Menschen". Achtung! Metall- und Holzarbeiter! Die Arbeiter der heute eine von der Kommission, welche mit Prüfung der Rech. Unterzeichnet war das Schriftstück, dessen Herausgabe der Beamte Güstrower Waggonfabrik befinden sich seit dem 16. Auguft im nungen von 1889 bis 1892 beauftragt ist, vorgelegte Resolution. dem Borsitzenden des Vereins hartnäckig verweigerte, mit dem Ausstande. An demselben sind 130 Mann betheiligt, davon gut bem ehemaligen Rabinetschef des Handelsministers Favette ge Die Kommission beantragte, das Attenstück, welches die von Namen des zweiten Bürgermeisters von Altona, Rosenhagen. Zweibrittel Verheirathete mit 109 Rindern. Werde fein Metall- machten übertriebenen Ausgaben betrifft, zu erneuter Prüfung an Ein Mitglied des Vorstandes forderte die Mitglieder auf, ruhig Bweidrittel Verheirathete mit 109 Kindern. Werde kein MetallEin Mitglied des Borstandes forderte die Mitglieder auf, ruhig oder Holzarbeiter zum Streitbrecher und falle den für ihr gutes die Regierung zurückzuweisen. Während Jules Roche die fragnach Hause zu gehen. Langsam leerte sich der Saal. Auf der Straße bildeten sich selbstverständlich einige Gruppen, welche in Recht fämpfenden Kollegen in den Rücken; unterſtüße jeder ziel lichen Ausgaben zu vertheidigen suchte, griff der Berichterstatter bewußte Arbeiter nach Kräften die Ausständigen, nur dann ist Favette heftig an. Die Minister nahmen die Zurückverweisung aller Ruhe das unerhörte Ereigniß besprachen. Der Kommissar ber Sieg sicher. Briefe und sonstige Sendungen find an an, erklärten aber, fie glaubten nicht, daß es sich um ein Berschickte nach der nächst gelegenen Polizeiwache, um Polizeimann: Grapenthin, Güstrow, Gasthof" Stadt Schwerin", zu richten. schaften herbeizuholen, welche die Straße säubern sollten. Es Neuerdings richten die streifenden Güstrower Arbeiter ein gehen handele. Jaurès fand den Zurückverweisungsvorschlag nicht präzis genug und befürwortete unter großer Unruhe folgenden Antrag: tamen dann auch fünf Bolizeiſergeanten, deren Aufforderung, Flugblatt an die Güstrower Einwohnerschaft, in welchem sie sich Die Kammer ist entschlossen, ordnungsmäßige und ehrliche Berauseinander zu gehen, das Publikum ruhig folgte. Unter den noch im Lokal anwesenden Mitgliedern verbreitete sich hierauf entschieden gegen die mannigfachsten Verdächtigungen verwahren, es das Gerücht, es sei soeben ein Polizeibote mit einem Schreiben denen sie seitens der Leitung der Mecklenburgischen Waggon- wendung der von ihr bewilligten Gelder zu sichern und weist fabrit ausgesetzt sind. eingetroffen, das die Erlaubniß, das Stück aufzuführen, enthalte. Richtig präsentirte auch ein Bote ein mit einem Amtssiegel verschlossenes Schreiben, das jedoch in erster Linie an den Direktor des Kaisertheaters gerichtet war und von diesem an den Vorstand des Vereins abgegeben werden sollte. Da der Direktor des Kaiser theaters jedoch im Lotal nicht anwesend war, wurde der Bote wieder zurückgeschickt, so daß wir den Inhalt des Schreibens nicht erfahren konnten. Die Vorstellung mußte unterbleiben. Ob und inwie weit der Herr Pollini, Künstler und Seifenverschleißer Baruch Pohl, ein Recht und die Polizei die Pflicht hat, so vorzugehen, wie geschehen, muß die eingelegte Beschwerde ergeben. Unseres Erachtens liegt hier eine unerhörte Anmaßung des Pollini und ein Irrthum der Polizeibehörde vor, denn das Aufführungsrecht hat auf Veranstaltungen von geschlossenen Vereinen absolut keinen Bezug. Der Genoffe 3iegeler in Schmölln hatte, weil er den Beginn einer Versammlung eine halbe Stunde früher annoncirt als polizeilich angemeldet hatte, ein Strafmandat von 15 Mart erhalten, das in allen Instanzen bis zum Landgericht bestätigt bringen. " das Aktenstück an die Regierung zurück. Justizminister Guérin erklärte, diesen Antrag anzunehmen. Der Antrag wurde darauf Schon wieder eine Lohukürzung in einem staatlichen mit 516 gegen 1 Stimme genehmigt. New York, 29. Oktober. Dem New- York Herald" wird Musterbetriebe in Aussicht? Die Thüringer Tribüne" er: hielt folgende Buschrift: Den Arbeitern der Erfurter föniglichen aus Buenos- Ayres telegraphirt, in La Rioja seien über 1000 Eisenbahn- Hauptwertstatt steht eine abermalige Verminderung Menschen durch ein Erdbeben umgekommen, viele Tausende feien ihres so schon gering bemessenen Verdienstes bevor. Verschiedene obdachlos. ( Depeschen- Bureau Herold.) Werkmeister, sowie Wertführer sollen sich gegen die Schmälerung Wien, 29. Oktober. Gegen zwei Omladiniften, fowie gegen des Verdienstes ausgesprochen haben, leider vergebens. Der Arbeiterausschuß hat ebenfalls in seinen früheren Sigungen schon den Mörder Mrov's, den Schlossergehilfen Dolezal, welche sämmt. auf den unzureichenden Verdienst hingewiesen, der die Arbeiter lich zur Zeit in der Strafanstalt Pantras internirt sind, ist die zwingt, um leben zu können, Schulden zu machen, ohne daß die- gerichtliche Untersuchung wegen eines im September 1891 ver selben gedeckt werden können. Für die sparwüthigen Herren, übten Attentates auf den Bahnkörper vor Eintreffen des Raiserwelche die Lohnreduzirung angeordnet, wäre es wünschenswerth, zuges in Rosenthal bei Reichenberg eingeleitet worden. wenn dieselben einmal mit dem Verdienste des Arbeiters auszu- Wien, 29. Oktober. Der bekannte Schauspieler Wilhelm kommen hätten, sie würden sicher zu einer anderen Ueberzeugung Ruaad ist gestorben. fommen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden nicht verfehlen, diese Spar- Praktiken im Reichstage zur Sprache zu Triest, 29. Oftober. In Rovigno fanden Demonftrationen der Frauen statt, welche die zweisprachigen Tafeln beseitigt sehen wollten. Die Frage der administrativen Vereinigung Istriens mit Triest ist infolge der letzten aufrührerischen Vorgänge zu einer attuellen geworden. wurde. Das Oberlandesgericht in Jena hob das Urtheil auf Eine Tapezirer- Versammlung, welche vergangene Woche und übernahm die Kosten auf die Staatskaffe, d. h. die Steuer in Königsberg i. Pr. stattfand, beschloß, an genanntem Ort Petersburg, 29. Ottober. Bei der Einweihung der neuzahler. In dem Königreich Sachsen ist bekanntlich im entgegen eine Filiale des Zapezirerverbandes zu gründen; eine nicht un- errichteten Kirche in Ostrowskaja( im donischen Kosackengebiet) gesezten Sinne entschieden worden. entstand infolge der Explosion einer Lampe eine furchtbare Von der Berufungsfammer freigesprochen wurde beträchtliche Bahl ließ sich sofort in den Berein aufnehmen. der Genosse Schneider in Plauen, der vom Schöffengericht Vom Burger Schuhmacher- Streit. In einer öffentlichen Katastrophe. Die Kleider einer Frau geriethen in Brand; in wegen Diebstahls" zu 2 Tagen Haft verurtheilt worden war. Gewerkschafts- Versammlung in Magdeburg wurde eine Re- entfeßlicher Panit drängte die dichte Menschenmenge dem AusDer„ Diebstahl" sollte durch die Wegnahme einiger Wahlzettel solution angenommen, welche sich mißbilligend ausspricht über gange zu, wobei sich das Feuer immer weiter ausbreitete. Acht das Verhalten zweier Arbeiterblätter, des Chemnizer und des Personen verbrannten am Rirchenthor; 27 wurden furchtbar zubegangen worden sein..2 Sachse, der Verbandsvorstand des Bergarbeiter- Ber- Braunschweiger Partei Organs, weil dieselben Empfehlungs- gerichtet. Bei dem Transport starben 18 der Verwundeten. Verantwortlicher Redakteur: J. Dierl( Emil Noland) in Berlin. Druck und Berlag von Maz Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. r. 253. Dienstag, den 30. Oktober 1894. Arbeiter! Varteigenossen! 11. Jahrg. etbar Die Verhandlungen wegen Beendigung des Bierboykotts find abgebrochen worden, weil die Ringbrauereien eine Bedingung stellten, deren Annahme mit der Ehre der Arbeiterschaft unvereinbar ist. Die Vertreter des Brauerrings hatten die Stirn zu fordern, daß der Friedensschluß davon abhängig gemacht werde, daß 33 Arbeiter nie mehr in den Betrieben der Riugbrauer beschäftigt werden. Arbeiter! Parteigenossen! Ohne jeden Anlaß seitens der betreffenden Arbeiter sind am 16. Mai Hunderte aufs Pflaster geworfen worden. Und nun sollen nach monatelanger Aussperrung, nach monatelangen Entbehrungen dreiunddreißig Arbeiter dauernd dem Elend, für immer der Eristenzlosigkeit, also dem langsamen Zugrundegehen überliefert werden, dreiunddreißig Mann, von denen feiner Schuld an dem Boykott trägt. Sie sollen als Opfer des Kapitalistenübermuthes auf der Strecke bleiben. An der barbarischen Doppeldezimirung des 16. Mai hatte der Brauerring nicht genug- seine Rache verlangt die Vernichtung von weiteren dreiunddreißig Existenzen. Arbeiter! Genossen! Wir wissen, daß wir in Eurem Sinne gehandelt haben, als wir diesem ungeheuerlichen Anfinnen ein empörtes furzes Nein entgegenseßten und die Verhandlungen abbrachen. Die Arbeiter Berlins konnten und wollten einen ehrlichen Frieden schließen; niemals aber werden wir unsere Hand dazu bieten, niemals werden die klassenbewußten, in den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie organisirten Arbeiter dulden, daß ein geschlossen wird. ehrloser Friede Nun ist die Entscheidung getroffen. Der Boykott muß mit erneuter und vermehrter Energie fortgeführt werden. Die Parole Kein Tropfen Ringbier muß mit unwiderstehlicher Macht zur Durchführung gelangen. Jeder einzelne Arbeiter muß seine ganze Kraft aufwenden, um den Boykott zur vollen Wirkung zu bringen. Dazu ist nöthig, daß die gesammte Arbeiterschaft mit verdoppelter Kraft Hand ans Wert legt, die zur Organisation, Ueberwachung und Durchführung des Boykotts erforderlichen Maßregeln energisch zu unterstützen. Es bedarf aller Kraft, aller Energie, denn die Brauerdirektoren haben offen erklärt, die Unterwerfung der Berliner Arbeiterschaft durch neue Massenmaßregelungen erzwingen zu wollen! Arbeiter, Parteigenossen! Der Brauerring hat zwar Millionen zur Verfügung und wird in diesem Klassenkampfe auch fernerhin Hunderttausende opfern; hinter uns aber stehen die Massen, auf unserer Seite ist das Recht, ist die Begeisterung, ist der Opfermuth. Und an Euren Opfermuth appelliren wir abermals. Die unschuldigen Opfer kapitalistischen Uebermuthes dürfen nicht dem Hunger preisgegeben werden. Seit Monaten liegen diese Hunderte existenzlos auf der Straße. Wir wenden uns deshalb an die Arbeiter von ganz Deutschland um thatkräftige und schnelle Unterstützung. Der Kampf ist uns aufgezwungen worden. Die Berliner Arbeiterschaft hat den Handschuh aufgenommen und sie wird den Kampf durchführen bis zum Ende. Arbeiter! Euer Klassen Interesse nicht blos, Eure Klassen Ehre ist im Spiel. Da giebt es feinen anderen Gedanken als Sieg! Vorwärts zum Sieg! Kein Tropfen Ringbier! Hoch der Boykott! Boykottfreies Bier liefern: Brauerei Carlsberg, Friedrich Reichenkron, Charlottenburg. " Die Boykott- Kommission. " Boden zu entziehen: der Saalbesigervereinigung.| Spandauer Betrieben veröffentlicht. Woher sollten wir auch das " Saalsperrlinge" titulirt sie jetzt schon ein Wippchen- Stettenheim vielseitige und schlagende Material über die Mißstände in diesen und der Einzige, der die Miniatur- Staatsretter vom heiligen töniglichen Musteranstalten haben, wenn nicht die Arbeiter Gambrinus noch ernsthaft behandelt, ist der unvermeidliche Eugen, selber dafür sorgten, daß es für eine offene und Brauerei Wilhelmshöhe, E. Lehmann, Berlin. und das will in feinem Fall viel bedeuten. Die klingende rücksichtslose Kritik uns stets bei Bedarf zur Hand sei? Brauerei Pichelsdorf, Direktor Hoffmann. Anerkennung des gerechten Strebens wird versagt; das ist Dies ist eine Thatsache, mit der man sich nun einmal das entscheidende Moment. Urkomisch nimmt es sich aus, wenn an offizieller Stelle abfinden muß: Den Königlichen Beamten Münchener Brauhaus, Aktien- Gesellschaft, Berlin. Das Gasthaus", um den miserablen Besuch der tonstituirenden der Reichsanzeiger", den Königlichen" Arbeitern der Bor Süddeutsche Brauerei, Karl Ring u. Ro., Berlin. Versammlung zu verdecken, darüber frohlockt, daß die öffentliche wärts", als einziges Organ, das ihre Interessen offen und unBrauerei Müggelschlößchen, Friedrichshagen. Versammlung der Gastwirthe am Freitag nicht abgehalten werden gescheut vertritt! Ingleichen ist es, um mit dem Reichsanzeiger Nordstern- Brauerei, Berlin. tonnte. Dabei waren hier noch mehr Personen versammelt, als im zu reden, eine völlig grundlose Verdächtigung, wenn er oder seine Rathenower Exportbrauerei- Niederlage. Jnh. May großen Saale des Herrn Joel, wo das gediegene Bollwerk gegen den Auftraggeber die Behauptung aufstellen, daß der Vorwärts" Dennhardt, N.W., Hannoverschestr. 18a. Tel. III. 8178. Umstura" begründet wurde. Es läßt tief blicken, daß diese hoch von den ihm vorher natürlich unbekannt gewesenen, Feststellungen" Schloßbrauerei, Fürstenwalde. Niederlage bei bedeutsame Versammlung mit ganzen 34 Beilen abgethan wird. vom 28. September teine Notis genommen habe. Ist es ihm Franz Heiser, N., Liesenstr. 5. Man fühlt das Fiasto doch nicht so sehr, daß die Sprache ver- etwa unbekannt geblieben, daß wir am nächsten Tage, auf seine Bürgerliches Brauhaus( in Firma Müller), Fraut- fagt!? Wozu die Resignation? Schämt sich das amtliche Organ Argumente eingehend, geschrieben haben: der Herren Saalbesiger vielleicht, die scharfen Worte wiederfurt a. D. Niederlage Greifswalderstr. 228. Der Reichs- Anzeiger" ist offenherzig genug, den Grund zugeben, welche man der Kommission zuschleuderte und auf die diese für die Zurücknahme der Entlassungsmaßregel anzugeben. Es Phönig- Brauerei, C. Radon, Lichterfelde. in fachlicher Beziehung fast nichts zu erwidern wußte als das hatte keine unpassende Sentimentalität die fühlen Kalkulationen Brauerei Jagdschlößchen, Eberswalde. Niederlage Klägliche: 2ir tönnen nicht mehr zurück? Billigt gestört, sondern es waren einfach inzwischen größere Bestellungen Edm. Renter, Swinemünderstr. 45. das„ Gasthaus" die schon mehr als gewöhnliche Ausdrucksweise eingelaufen. Wir wissen wirklich nicht, was der„ Reichs- Anzeiger" Brauerei Wusterhausen. eines Feuerstein und Jakobi, welche die Mitglieder der Boykott mit solcher Mittheilung von unsern Anschauungen widerlegen Brauerei Tivoli, Strausberg. Niederlage Stabernack, tommission hinstellten als Leute jedes Ehr- und Anstandsgefühls will. Der Umstand, daß man bei dem unvorhergesehenen Eingang Mühlenstraße 49a. bar? Man schweigt sich zu all diesem aus; man merkt, daß größerer Aufträge die eingeschulten im Betriebe befindlichen ArLouisen- Brauerei, Bellermannstr. 71a/ 72. das Spiel verloren ist. Den allzu tecken Saalinhabern, welche beiter vorläufig noch behält, was bestätigt er anders, als die fich vermaßen, eine ganze große Partei nach ihrer Pfeife tanzen von uns und in der Entlassungsliste ausgesprochene Ansicht, daß Brauerei Danz, Freienwalde a. D. Vertreter: W. Marten, zu lassen, thut eine gründliche Niederlage ebenso noth, wie den die Rücksicht auf den Profit das Maßgebende im Staatsbetriebe N., Gartenstr. 152. Magnaten der Braupfanne. Es ist nicht mehr wie recht, daß ist? Auch wüßten wir nicht, was die Andeutung, daß die auf die Bürgerliches Brauhaus, Luckenwalde. Niederlage die beiden Gruppen so brüderlich vereint in der Klemme fizen. Entlassungsliste gesezten Arbeiter in einer Privat- Waffenfabrik Gust. Spiekermann, Weberstr. 66. hätten Unterkunft finden können, für die Zustände im StaatsExport- Brauerei Grabow a./D. bei Stettin. Niederbetriebe eigentlich besagen foll." lage Marthen, Bellermannstr. 6. Tokales. Die juristische Sprechstunde wird fortan wieder von 12 Die juristische Sprechstunde wird fortan wieder von 12 bis 1 Uhr abgehalten. " Reichs: Anzeiger" kontra" Vorwärts". Eine faure Aufgabe ist dem Deutschen Reichs und Königlich Preußischen Staatsanzeiger" wieder zugefallen. Gestern hatte er folgende Wir denken, daß diese Zeilen in Spandau gesessen Rettung der töniglichen Fabriten in Spandau zu vollbringen: haben, andernfalls hätte man doch wohl einige Worte zu Der Vorwärts" läßt es sich dauernd angelegen sein, unter weiterer Entgegnung gefunden. Aber weiter. Diesmal erregt den Arbeitern der königlichen Fabriken in Spandau Mißvergnügen es an zuständiger Stelle Schmerzen, daß der Vorwärts" in der und Unzufriedenheit zu erregen. Wir haben bereits unter dem Lage war, die vielberufenen Sparerlasse des Herrn Oberstlieutesystematisch betriebene Verhegung arbeitet. Damals handelte es lichen. Ein wenig spät kommen diese Schmerzen zum Ausdruck. 28. v. M. darauf hingewiesen, mit welchen Mitteln diese nant Bahn, mit entsprechendem Glossarium versehen, zu veröffentsich darum, daß auf grund gestohlenen Materials der Vorwärts" Im allgemeinen wartet man auch in deutschen Zeitungen teine Bur Lokallifte. Manzni, Reichenbergerstr. 47, ist aus Ver- in doppeldeutigen Ausführungen völlig grundlose Verdächtigungen fünf Wochen mit der Entgegnung, wenn man seiner Sache sicher sehen aus der Liste fortgelassen worden und führt nur boykott- über die Grundsäge ausgestreut hatte, nach welchen bei gebotener ist; doch immerhin möge diese Fatalität dem unangenehmen bureaufreies Bier, desgleichen Detite, Staligerfir. 117. Jn Weißensee Einschränkung des Betriebes Arbeiterentlaffungen stattfinden fratischen Instanzenweg zu Gute gehalten werden, der auch den deffen Mitarbeiter an der freien schänken folgende Wirthe Ringbier: Schulz, Gustav Adolf- sollten. Es konnte demgegenüber festgestellt werden, in wie Reichs- Anzeiger" und ftraße 143; Winkler, Lothringerstr. 28. Ringfreies Bier führen: hohem Maße auch in dieser Hinsicht Fürsorge für die Arbeiter Entfaltung ihrer immerhin als vorhanden angenommenen Flügel Wittwe Busch, Langhansstr. 187; Wittwe Terne, Langhansstr. 11, getroffen war. Der Vorwärts" hat von dieser Feststellung natür- hindert. und Apel, Wörtherstr. 4. Beckmann, Blumenstr. 51 b, verweigert lich seinen Lefern nichts mitgetheilt; dagegen hat er in seiner Aber den Haupttrumpf spart der Reichs- Anzeiger" bis zum die Kontrolle und ist daher von der Liste zu streichen. In Rix- Nummer 221 wiederum eine hämische Verunglimpfung der Be- Schluß auf. Es haben im Verlauf von 4 Monaten 880 Arbeiter dorf ist Wellroth, Kremmenerstr. 8, und Kunert, Wörtherstr. 11, strebungen der Direktion des Feuerwerks- Laboratoriums gebracht, fast 18 000 m. auf Anregung des Herrn Oberstlieutenant Bahn von der Liste gestrichen worden. ihre Arbeiter zum Sparen anzuregen und ihnen bei der Zurück zusammen gespart. Eine schöne Summe, an der nur das Eine zu belegung eines Nothgroschens durch Beschaffung und Aufbewahrung dauern ist, daß sie nicht einem, sondern 880 königlichen Arbeitern zuWirkt der Boykott? Die Dividende für dieses Jahr der Sparkaffenbücher 2c. behilflich zu sein. Es erscheint nüßlich, gehört. Dividirt man 13 000 in 880, so tommt auf den einzelnen Arbildeten das Thema der Aufsichtsraths- Sizungen, die vor einigen die nachfolgenden Säße des betreffenden Artikels hier niedriger beiter eine Summe, der wir, ohne uns des Verbrechens der Tagen in verschiedenen Brauereien abgehalten wurden. Soweit boykottirte Brauereien in Frage gekommen sind, mögen die Erdem vor so wenigen Jahren stolz und prunkvoll zum Kampf aus- lich zuerkennen möchten. In vier Monaten hat der einzelne boykottirte Brauereien in Frage gekommen sind, mögen die Er zu hängen:" Was will man mehr? Hätte der malitiöseste Reichsfeind Majestätsbeleidigung zu verdächtigen, nicht das Prädikat fönigörterungen überall bedenkliche Beklemmung hervorgerufen haben. gerittenen Schlachtroß der königlich preußischen Sozialreform eine Arbeiter in den königlich preußischen Musterbetrieben die Summe Der Aufsichtsrath der Spandauer Bergbrauerei hat beschlossen, der auf den 26. November einzuberufenden General Richter tragenden Sparkrippe des Herrn Oberstlieutenant Bahn? 87 Pfennige und auf's Jahr etwa 45 M. aus! beschlossen, der auf den 26. November einzuberufenden General obere Haltestation wünschen können, als an der, das Patent Eugen von 14,75 M. gespart, bas macht auf die Woche berechnet baare versammlung die Vertheilung von 5 pCt. Dividende in Ach, wie geht alles so herrlich in Erfüllung! Wie siegesgewiß Der neueste Kurs muß sich in den bescheidenen Grenzen Vorschlag zu zu bringen. Im es vorigen Jahre gab dürfen die Männer der Ordnung dem Ausgang des Kampfes bewegen, wenn er solche Summen als Paradezahlen aufführt. 7 Prozent; das bedeutet also bei dem Aktien Ist der Reichs- Anzeiger" im stande, sich einen Begriff von tapital von 3 Millionen Mart 60 000 M. Ausfall. Recht gegen die eigenthums- und ordnungsfeindliche Sozialdemokratie wirksam zeigte sich auch der Boykott an der Brauerei entgegensehen, nachdem im königlichen Feuerwerks- Laboratorium dem Grad des Vertrauens zu machen, daß die Arbeiter in den Friedrichshöhe, vormals Payenhofer. Statt 16 pGt. zu Spandau der beglückte Sieger in dem vom Herrn Direktor töniglichen Werkstätten der Einrichtung des Wettsparens entgegenim Vorjahre soll es in diesem Jahre nur 18 pet. geben. Die arrangirten Wettsparen in sieben Monaten baare 280 M. an die bringen, wenn sie eine Summe pro Woche zurücklegen, die etwa Berliner Unions Brauerei will für dieses Jahr Rante gebracht hat."" Für diejenigen," so fährt der„ Reichs- um die Hälfte oder das Dreifache geringer ist, als der Anzeiger" fort, die sich zu den Männern der Drd- Betrag, den tüchtig organisirte Arbeiter, wie die Buch4 pct. in Vorschlag bringen; voriges Jahr gab es 5 pet. nung" rechnen, wollen wir hier hinzufügen, daß sich 880 drucker zum Beispiel, allein zu dem Zweck ihrer Gewerkschaft Sehr übel ist die Aktienbrauerei Moabit daran, Arbeiter, ohne daß ein Zwang ausgeübt wurde, an dem opfern, damit ihre Arbeitslöhne der Kapitalistenraffgier gegen welche pro 1894 überhaupt nicht im ftande ist. eine Dividende zu vertheilen. Im vorigen Jahre gab es wenigstens 2 pet. für Sparen betheiligt und im Verlauf von 4 Monaten faft 13000 M. über gesichert bleiben? Uns dünft, wenn es noch eines Beweises die Vorzugsaktien. 3 ergiebt sich also, daß die Arbeiterschaft zurückgelegt haben. Hieraus dürfte zweierlei hervorgehen: einmal daß bedurft hätte von der wirthschaftlichen Bedeutungslosigkeit des mit der Wirkung ihrer Macht schon zufrieden sein kann, sie hat die Löhne in den töniglichen Fabriken bie töniglich preußischen vulgären Sparens, dieser Beweis durch die 87 Pfennige wäre, die Arbeiter in föniglichen Musterdie Kapitalisten dort getroffen, wo sie einzig empfindlich sind, austömmlich sein müssen, und ferner, daß troß allen Hezens und Werkstätten auf höhere Anregung allwöchentlich auf einen Musteranſtalten" nennt sie der Vorwärts" mit Vorliebe- doch erbracht am Geldbeutel. Und da die Herren Ringbrauer bisher noch nicht gesonnen waren, das Unrecht, das sie durch die Schürens der Sozialdemokratie bei diesen Arbeitern der Liebe Haufen legen, der nach Verlauf von vier Monaten der staunenden Welt im offiziellen Organ der königlich preußischen Maßregelung hunderter schuldloser Brauerei Arbeiter be Müh' umsonst war." So der Reichs- Anzeiger", den wir uns nun einmal im Regierung als respektable Summe vorgeführt wird. gangen haben, in einer die Arbeiter einigermaßen zu Detail vornehmen wollen. friedenstellenden Weise wieder gut zu machen, so werden Das offizielle Blatt ist fürs erste schon mit seiner Einleitung Spar- Agnes sie durch den Boykott auch ferner darüber belehrt werden müssen, daß es sich bitter rächt, wenn man der sozialdemokra- im Irrthum. Der Vorwärts" läßt sich keineswegs in dem ihm sozialdemokra- wahrscheinlich Reichs- Anzeiger" tischen Arbeiterschaft muthwillig den Fehdehandschuh ins Gesicht wahrscheinlich vom„ Reichs- Anzeiger" unterstellten Sinne angelegen sein, auf's Gerathewohl darauf los zu heben, er befindet sich vielmehr gerade in betreff der Spandauer Musterwerkstätten insoweit in fast gleicher Lage mit feinem offiziellen Kollegen, als er all und jede Rüge erst auf Ver- Böcke scheiden. anlassung der Betheiligten, alfo hier der Arbeiter in den wirft! B Ein todtgeborenes Kind. Merkwürdig still verhalten sich bie Ringorgane zu dem neuesten Produkt Jakobi'schen Schöpfer geiftes, das doch bestimmt ist, dem Umsturs in erster Linie den " " Was sagt Eugen Richter zu den 87- Pfennigs- Epigonen seiner Nach dieser Leistung wollen wir es dem Reichs- Anzeiger" auch nicht weiter verübeln, daß er am Schluß seiner drolligen Abwehr erschöpft in den holden Paradiefestraum verfällt, in dem die königlichen Arbeiter sich als unbefleckte weiße Schäflein scheu zur Rechten von der Horde verdammter sozialdemokratischer Aber da wir gerade einmal dabei sind, so wollen wir uns ,.iiy doch eine Frage an das offizielle Organ der königl. „ifcheu Regierung und der königlich preußischen Muster- „g,. Werkstätten gestatten: Sind die Löhne in den königlichen Fabriken wirklich so aus- könmilich, daß am 9. September tn den tgl. Munitionsfabriken eine Reduktion des Stnndenlohncs von SV Pf. auf4S Pf. vorgenommen werden mußte? Die betroffenen Arbeiter, die am LI. Oktober ds. Js., wie es üblich ist, im„Vorwärts" ihre Leiden ver- öffentlicht und überdies, 172 Mann stark, sich be- fchwerdesührend an das Kriegsministerinm gewandt haben, sind bekanntlich ganz entschieden anderer Ansicht. Vielleicht benutzt das offizielle Organ der Regierung, unter derem segensreichen Wirken, wie Figura zeigt, die Sozialreform bereits so unsagbar herrliche Blulhen getrieben hat, ein wenig prompter als sonst die Gelegenheit, nm auf unsere Frage eine Antwort zu gebe», die die hart betroffenen Arbeiter aus der sozialdemokratischen Umgarnung herauszulösen geeignet ist. Miststände im ReichS-VersicheruugSamt. Dieser höchste Gerichtshof für Unfall-, Alters» und Jnvalidcn-Versicherungs- acheu tagt seit einigen Wochen in seinem neuen Amtsgebäude in der Königin-Augustastraße. Die innere Einrichtung und Aus- stattung ist großartig bis auf das— Parteienzimmer, welches sowohl nach Lage als nach Größe durchaus nicht den Anforderungen entspricht, welche an ein solches gestellt werden können. So ist es z. B. von Zimmer 8, in dem die Rekurse gegen die Entscheidungen der Schiedsgerichte in Unsallsachen ge- prüft und erledigt werden, gegen 100 Schritt entfernt. Die räumliche Unzulänglichkeit des Parteienzimmers und der Um- stand, daß viele kranke Leute es bevölkern, treibt einen Theil der wartenden Parteien, sowie deren Vertreter auf den Korridor hinaus. Dazu kommt ein Brauch, den man unseres Wissens auf keinem anderen Berliner Gericht kennt, der nämlich, daß die meisten Vorsitzenden im Verhandlungssaal die Berathung stattfinden lassen, obgleich zu jedem der vier schönen Ver- Handlungssäle vorzügliche Berathungszimmer vorhanden sind. Während der Berathung müssen dann Publikum und Parteien den Saal verlassen. Der Korridor ist ihre Zuflucht, das Parteieuzimmer liegt zu unbequem. Mancher Vorsitzende läßt sechs bis sieben Sachen zugleich aufrufen; bei jeder Berathung giebt's dann natürlich eine ordentliche Ueberfluthung des Korridors, da. wie gesagt, das jedesmalige Aufsuchen des für die Parteien bestimmten Zimmers eine sehr unbequeme Sache ist. Zweckmäßiger wäre es gewesen, man hätte das Zimmer, welches dem Geheim- rath Gräf angewiesen ist, für Parteien und Publikum bestimmt. Aber nicht nur über die angeführten Umstände werden vielfach Klagen laut, sondern auch über eine gewisse Beschränkung der Oeffentlichkeit, welche zum Theil mit derselben verknüpft ist, zum Theil jedoch auf der Unlust unterer Gerichtsbeamten basirt, dem Publikum hinsichtlich des Betretens der Verhandlungs- zimmer entgegenzukommen. So mancher zur Vertretung seines vermeintlichen Rechts selbst erschienene Arbeiter würde da- durch mehr Selbstvertrauen und Geschicklichkeit zur Vertretung seiner Sache gewinnen, daß er Gelegenheit nimmt, mehreren Verhandlungen, vor der ihn angehenden, beizuwohnen. Geradezu gefördert werden müßte deshalb die Benutzung der gesetzlich garantirten Oeffentlichkeit. Die Organe der vielgerühmten Sozial- reform sollten doch dem Armen und Unselbständigen bei der Vertretung seiner gesetzlich anerkannten Interessen möglichst weit entgegenkommen.— Wir nehmen an, daß dem Präsidenten Dr. B ö d i ck e r die angeführten Mißstände nicht bekannt sind, und erhoffen Abhilfe von ihm. Herbst-Koutroll-Versamniluugen t8S4 i« de» Land- kvehr-Bezirken I., II.» III., IV. Berlin. Dieselben werden mit den in Kontrolle der unterzeichneten Kommandos stehen- den und in Berlin selbst wohnenden Mannschaften wie folgt, abgehalten: Landwehr-Bezirk I. Berlin. Provinzial-Jnfanterie.(Namens-Anfangsbuchstaben A.-K.) Reservisten(Namens-Anfangsbnchstaben A. und B.) Jahrgang 1893, 1892, 1891, 1890 am Montag, den S. November. Vormittags 8 Uhr, Jahrgang 1389, 1888, 1837 am Montag, de» ö. November, Vormittags 10 Uhr. Reservisten(Namens- Anfangsbuchstaben G. und II.) Jahrgang 1893, 1892, 1891, 1890 am Mittwoch, den 7. November, Vormittags 8 Uhr, Jahrgang 1889, 1888. 1887 am Mittwoch, den 7. No- vember, Vormittags 10 Uhr, auf dem Kasernenhofe des Regiments Franz, Urbanstr. 10—19. Reservisten(Namens- Anfangsbuchstaben 0. v. F. und J.) Jahrgang 1893, 1892, 1891, 1890 am Dienstag, den 6. November, Vormittags 8 Uhr, Jahr- gang 1889, 1888. 1887 am Donnerstag, den 8. November, Vor- mittags 10 Uhr, auf dem Kasernenhose des 2. Garde-Dragoner- Regiments, Bärwaldstraße. Offizier- Aspiranten(Namens- Anfangsbuchstaben A-K,) Jahrgang 1893, 1892, 1891, 1890, am Freitag, den 9. November, Vormittags 3 Uhr, Jahrgang 1839, 1888, 1887 am Freitag, den 9. November. Vormittags 8 Uhr, auf dem Kasernenhofe des Karde-Kürassir-Regiments, Gitschinerstraße. Landwhr-Bezirk II. Berlin. rovinzial-Jnfanterie.(Namens-Anfangsbuchstaben L.—Z.) eservisten(Namens-Anfangsbuchstaben S. X. Y.) Jahrgang 1894, 1893, 1892, 1891 am Montag, den S. November, Vor- mittags 8 Uhr, Jahrgang 1890, 1889 am Montag, den ö. Povember, Vormittags 10 Uhr. Jahrgang 1338, 1887 am Dienstag, den 6. November, Vormittags 8 Uhr, auf dem Kasernenhofe des S. Garde-Regiments zu Fuß. Wrangelstr. 102—104. Reservisten (Namens-Anfangsbuchstaben L. M. O.) Jahrgang 1894, 1893, 1892, 1891 am Mittwoch, den 7. November, Vormittags 3 Uhr, Jahrgang 1890, 1889 am Mittwoch, den 7. November, Vor- mittags 10 Uhr, Jahrgang 1888, 1887 am Donnerstag, den 8. November, Vormittags 8 Uhr, Exerzierhaus bezw. Platz des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1, vor dem Prenzlauer Thor. Lothringerstr. 1—7. Reservisten(Namens- Anfangsbuchstaben II., F.,114 707 eingetragene und — 49 834 berücksichtigte; bei 35 gleichzeitig über die eingetragenen Bewerber und die offenen Stellen: 82 233 und 43 323; bei 39 gleichzeitig über die offenen und die besetzten Stellen: 43 982 und 32 040. Die Unvollkommenheit der Tabelle, die besonders an diesen Zahlen zu merken ist, wirkt zwar sehr störend, läßt aber doch erkennen, ein wie werthvolles Material zur Bcurtheilung der Lage der Arbeiterbevölkerung eine systematisch durchgeführte Arbeitslosen-Statistik liesern könnte. Gevirlrks-Flcikttttg. Um schriftliche Gutachte» eines GerichtschemikerS handelte es sich am Sonnabend in einer bis 7 Uhr Abends dauernden Sitzung der nennten Strafkammer des Landgerichts I. Die Kausleute Th.. theil hier, theils in Hamburg und Köln wohn- hast, waren des Betruges beschuldigt, dadurch begangen, daß sie Rheumatismuskelten zu Heilzwecken angepriesen und in Verkehr gebracht haben sollten, von deren Unwerth sie überzeugt waren. Mit Entschiedenheit haben sich die Angeschuldigten gegen die letzte Annahme verwahrt. Derjenige Angeklagte, welcher in Berlin wohnt(seine Brüder waren vom Erscheine» entbunden), erzählte dem Gerichtshofe, wie er Jahre laug von Gicht besallcn gewesen sei und dann seine Zuflucht zu einer Winter'schen Gichtkette genommen habe. Er habe dieselbe mit einer wesentlichen Verbesserung versehen und erst, nachdem er und gichtleidende Bekannte die wunderbarsten Heilerfolge erzielt, sei er auf die Idee gekommen, Kelten nach seinem System anfertigen zu lassen. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Blaschkaucr, führte dem Ge- richtshofe eine Anzahl Zeugen aus den gebildeten Ständen vor, welche sich übereinstimmend jin Lobeserhebungen ergingen über die Wirkungen, welche durch das Tragen der Kelten an ihrem Körper erzielt worden seien. Als einen ferneren Be- weis für den guten Glauben der Angeklagten führte der Ver- theidiger an, daß der Gerichtschemiker Dr. Bein in einem Alteste die fraglichen Ketten„Heilkctten" genannt und in demselben Attest bescheinigt habe, daß sie„Heilzwecken" dienten. Dies Attest hatten die Angeklagten vervielfältigen und einer jeden flfette beilegen lassen. Im vorigen Sommer ließ das Polizei- Präsidium vor dem Ankauf dieser Ketten warnen, weil dieselben die angepriesene Wirkung nicht hätten. Dabei wurde auch der Wort- laut des Dr. Bein'schen Attestes beanstandet und bemängelt, daß er sich an der Spitze desselben als„Polizei- und Gerichtschemiker" bezeichnet und seine Befugniffe überschritten habe, indem er die „Heilkraft" der Kelten bescheinigte. Der Angeklagte erklärte, daß Dr. Bein für die Ausstellung des Attestes zunächst 500 M. ver- langt, sich dann aber mit 200 M. und einem Extrahonorar von 100 M. jährlich begnügt habe. Als dem als Zeugen vernommenen Dr. Bein das Gutachten vorgelegt wurde, gab er die überraschende Erklärung ab, daß es gefälscht sei. Er stelle niemals Atteste aus, die einen reklamehaften Inhalt hätten. Im vorliegenden Attest seien die Worte„Elektrische Heilketten" und„Heilzwecke" nachträglich eingeschaltet worden. Staatsanwalt und Gerichtshof schienen an eine Fälschung nicht glauben zu wollen, zumal sich aus dem Befunde des Schriftstückes keinerlei AnHaltepunkte er- gaben, die auf eine Fälschung schließen ließen. Die Vernehmung des Dr. Bein wurde eine äußerst eingehende, seine Aussage wurde zu Protokoll genommen und ihm zweimal vorgelesen. Schließlich beschloß der Gerichtshof, alle zu Dienstag, den 30. d. M. anberaumten Sachen aufzuheben um an diesem Tage allein die vorliegende Sache fortsetzen und beendigen zu können. Es sollen zu diesem Termine noch mehrere neue Zeugen geladen werden. Unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit verhandelte gestern die 2. Straskammer des LandHerichls II gegen den Bau- w ä ch t e r K o ii st a n t i n G r a j e ck, welcher sich wegen eines in Charlottenburg verübten brutalen Sittlichlsitsverbrechens verantworten mußte. In einen Neubau hat G. die sechsjährige Emma Quanter gelockt und dem Kinde Gewalt angethan. Die Strafkammer verurtheilte den Wüstling zu 3 Jahren Zucht- Haus und 5 Jahren Ehrverlust. Die Auklagesache gegen den Apothekenbesitzer A nd ersch, welche kürzlich zur Ablehnung des Vorsitzenden, Landgerichts- Direktors Brausewetter, Veranlassung gab, weil derselbe vor Beginn der Verhandlung zu einem Beisitzer eine Aenßerung that, aus welcher der Vertheidiger auf eine Voreingenommenheit gegen den Angeklagten schließen zu müssen glaubte, ist gestern vor der zweiten Straikammer des Landgerichts I bei gleicher Besetzung des Gerichtshofes zum Abschluß gelangt, nachdem das Ablehnungs- gesuch vom Kammergcricht zurückgewiesen worden war. Der Angeschuldigte sollte sich eines Vergehens gegen das Marken- schütz- Gesetz schuldig gemacht haben, weil er Pepsin- Essenz, welche in seiner Apotheke bereitet worden war, in ähn- licher Ausstattung verkauft haben sollte, wie sich die Inhaber der Schering'schen Apotheke dieselbe für das von ihnen.gefertigte Präparat gesetzlich hatten schützen lassen. Der Gerichlshof ge- langte auf grund eigener Anschauung der beiden fraglichen Aus- stattungen zu der Ansicht, daß die Untcrschieds-Merkmale so be- deutend seien, daß das Publikum bei einiger Aufmerksamkeit garnicht getäuscht werden könne. Es wurde deshalb ein frei- sprechendes Urtheil gefällt. Ter Fluch der Haustvirthö-Vorrechte führte gestern den Klempner Emil G i e s e l e r und dessen Ehefrau wegen strafbaren Eigennutzes(„glücken") vor die zweite Strafkamnier am Land- gericht II. Tie Angeklagten hatten im vorigen Winter eine kleine Wohnung im Hause des Eigeuthllmers 5k l e h r in Neu- Weißensee inne, für welche sie monatlich 9,50 M. Miethe zu zahlen hatten. Als sie für den Februar die Miethe nicht be- zahlen konnten und der Hauswirih drängte, so zogen sie am 14. März mit ihren geringen Habseligkeiten heimlich aus. Trotz des winzigen Verlustes stellle der Haus- wirth Strafantrag. In"der heurigen Verhandlung schilderte der Ehemann in herzbewegender Weise die Nothlage, welche ihn zu der„Slrnfthat" zwang. Er habe während des ganze» Winters keine Arbeit gehabt. Um wenigstens einige Groschen zu verdienen, habe er sein Handwerlszeug aus den Rücken ge- nommen und sei durch Schnee und Wetter von Dorf zu Dorf gewandert, um bei den Leuten nnchzufragen, ob sie Dachrinnen oder dergleichen auszubessern hätten. Oft habe er in Schnee und Kälte zusammenbrechen wollen, doch der Gedanke, daß daheim Frau und 5tinder in der kalte» Stube ohne einen Bissen Brot säßen, habe ihm warm gemacht und ihn immer weiter getrieben. Ost sei er mit 20 oder 30 Pfennig des Abends heim- gekommen, davon hätte die Familie am andern Tage leben sollen, wenn sie sich nur an demselben Abende davon hätte sättigen können. Ohne Nahrung und ohne einen Pfennig Geld sei er am nächsten Morgen immer wieder, von der Noth ge- trieben, auf die Suche nach Beschäftigung gegangen. Unter diesen Umständen habe er die Miethe nicht aufbringen können, der Hauswirth habe gedrängt, um nicht noch mehr Miethschulden aufsammeln zu lassen, seien sie heimlich ausgezogen; die paar Kleinigkeiten, welche sie noch besaßen, hätten dem Wirlhe doch nichts genützt. Was noch kaum jemals eingetreten ist, trat hier ein. Der Gerichlshof erkannte auf die niedrigste zulässtge Strafe von je drei Mark Geldstrafe.„Leider" müßten die An- geklagten bestraft werden, da der Vcrmiether Strafantrag gestellt habe, und eine noch geringere Strafe lasse das Gesetz nicht zu. Während der Beralhuug hatten einige im Zuhörerraume auf die nächste Sache wartende Schlächter- und Händlerfraucn„zu- sainmengestcuert" und als die Verurtheilte» den Saal verließen, wurden ihnen durch den Gerichtsdiener einige Mark überliefert. Vevlaumtlimgen. Der Verband der Gold- und Silberarbeiter hielt am 22. Oktober eine Generalversammlung ab. Vom Kollegen Brückner wird den Mitgliedern zunächst ein eingehender Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes und des Vereins ge- geben, der zu keinen Aussetzungen Veranlassung gab. Den 2. Punkt der Tagesordnung bildete ei» Referat des Genossen Pinn über das Thenia:„Die Lügen unserer Zeit." Sodann ging die Ver- sammlung zur Erledigung der Vorstandswahlen über. Es wurden gewählt: Brückner erster, Wenzel zweiter Vorsitzender; Tschenscher erster. Krause zweiter Kassirer; Kottemann erster, Frohme zweiler Schriftführer; Feistel und Loyse, Schriftführer; Pielsch. Beisitzer. Zur Verlesung gelangt hierauf der Bericht des Kassirer, der folgendes ergiebt: 3. Quartal Einnahme 466,51 M., Ausgabe 259,24 M., Bestand 207,27 M. Der Jahresabschluß ergiebt nach« stehendes Resultat: Einnahme 1276,25 M., Ausgabe 1063,98 M. Vom Unterstützungsfonds sind zu verzeichnen: Einnahme 443,lö M., Ausgabe 119 M., Bestand 324,15 M. Zwecks Stellungnahme zu der geplanten Zetttralisatkou der Orts- Krankenkassc» tagte am 25. Oktober eine öffent- liche Versammlung der Bildhauer, Stuckaleure und deren ver- wandte Berufe. Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter R üh l. Mitglied der am 16. Dezember v. Js. in den Konkordiasälen ge- wählten„Neuner-Kommisston", hielt zum 1. Punkt der TageS- ordiiung das Referat und machte die Versammlung mit den Vorschlägen bekannt, welche die Kommission seit der langen Zeit ihres Bestehens ausgearbeitet hat. Von einer Zentralisation nach Leipziger Muster ist die Kommission ab- gekommen, nachdem zwei nach Leipzig gesandte Mitglieder be- richtet haben, daß mehrere Einrichtungen dieser Kasse für Berlin absolut nicht passen. Der Kassenführer Ulemann, der seiner Zeit hier in Berlin so schöne Vorträge über die Zweckmäßigkeit der Zentralisation hielt und die Leipziger als Musterkassen hinstellte, ist— Magistratsbeamter. Ein Einspruchsrecht des Magistrats, wie es in Leipzig besteht, würden sich Berliner Arbeiter keineswegs in ihren Kassen gefallen lassen. Da jedoch die immer elender werdenden wirthschastlichen Verhältnisse eine regel- rechte Funktion der Ortskassen nicht zulassen,— fast alle ar- beiten mit Unterbilanz— so müsse aus irgend eine Weise ein Zusamnienschlnß derselben herbeigeführt werden, der Ersparnisse in der Verwaltung des Arzlhonorars, der Medikamente u. f. w. ermögliche, trotzdem aber gleichzeitig den Mitgliedern auch Er- leichterungen i» der Beitragsleistung verschafft und überhaupt ihr Wohl in jeder Weise fördert. Die Kommisston denkt sich die Zentralisation in folgender Weise: Berlin wird in vier Bezirke eingetheilt, diese vielleicht in ebensoviel oder mehr Filialen,— so daß kein Mitglied weiter als zehn Minuten zu gehen braucht— welche durch Kartensystem sich gegenseitig Aus- lunft geben und kontrollircn. Die Widerwärtigkeiten der Meldepflicht würden dadurch ebenfalls anS der Welt g», schaffen. Der Referent empfahl zum Schluß, sich eingehender mit der Frage zu beschästigen, um zu verhindern, daß die Kassen immer mehr zurückgehen und auf Grund des Einspruchsrechts d»? Behörde in deren Verwaltung übergehen, wie eL bereits bei einigen der Fall ist.— B u d e r konnte sich für diesen Plan nicht er« wärmen, die Bildhauerkasse, welche viele Bequemlichkeiten anderen voraus hat, würde darunter sehr leiden; lieber solle man den Lauf der Kasse» gehen lassen, wie er will, mag die Regierung, welche so unpraktische Krankenkasseu-Gesetze geschaffen habe, selbst sehen, wie sie den Karren aus dem Sand herausholt. (Beifall.) D u p o n t, nicht abgeneigt, eine Zentralisation zu schaffen, hegte aber grobe Zweifel, ob dadurch der Ruin der Kassen abzuwenden sei. Die vom Referenten vorgeschlagene Form des Zusammenschlusses hielt er für undurchführbar. Rationelles Mürel zur Hebung der Kassenverhältnisse biete nur die Ver- staatlichung der Apotheken. Storch, Lampe und Netze» traten für eine» Verband der Ortskassen in die Schranken, für welchen Plan die 21er Kommission bereits ein Statut ausgearbeitet habe, das den am 15. und 22. No» vember statlsindeuden Delegirten- Generalversammlungen der Bildhauerkasse zur Veschlnßfassuug vorliegen werde. I» seinem Schlußwort bedauert Rühl, daß, wie aus der Diskussion hervorging, die Kassen verschiedener Berufe nur aus kleinlichem Egoismus sich dem Plan der Zentralisation so schroff gegenüber- stellen, indem sie fürchte», einen Theil ihrer etwaigen Vortheile anderen Kassen gegenüber einzubüßen. Er hoffe, in einem Jahr werde die Stimmung für Zentralisation eine andere sein.— Zum zweiten Punkte der Tagesordnung führte Lampe aus: Bei Gelegenheit der Absetzung des Vorstandes der Brauerkass« habe die Aufsichtsbehörde in den Abmachungen mit dem „Verein sreigewählter Kassenärzte" einen PassuS gefunden, welcher Veranlassung wurde, den Kassen auszugeben, die Verträge mil den Aerzten zu kündigen. Der neue Kontraklsentwuri soll nach § 5 den Vorständen das Einspruchsrecht bei Berschreibung zu lheurer Rezepte sichern. Die Aerzte lehnten diesen Passus rund« weg ab. sie wollen sich von den Kassenvorständen nicht„diszivli- iure»" lassen, obgleich sie selbst zugeben mußten, daß mit be» Medikamenten toller Unfug getrieben werde. Was die Aerzte alles„verschreiben", gehe speziell auS folgendem Fall hervor: Ein Arzt verschrieb einem Mitglied, dem die Stiefel drückten, weil es sogenanntes Horn an den Füßen hatte, eine— Feile.(Stürmische Heiterkeit.) So könne es nicht weiter gehen; weigern sich die Aerzte, ein Einspruchsrecht der Vorstände anzuerkennen, dann sei es nur eine Frage der Zeit, ob nicht an die Beseitigung der freien Arztwahl herangetreten werde» muß. In ähnlichem Sinne äußerte sich noch Dupont. Zum Schluß debattirte die Versammlung die Bestrebungen des„Verbandes der Ortskassen-Beamten Deutsch- lands", dessen eigenthümliches Verhalle» gegenüber den Be- strebungen der übrigen Arbeiterschaft und das„Schielen nach oben" die schärfste Verurlheilung erfuhr. Der Schlendrian in der Orts-Krankenkasse lautete daZ Thema einer öffentlichen Versammlung der Barbiere, die am Donnerstag Nachts tagte. Der Referent S t a r o s s o n bespricht eine Reihe von Unzuträglichkeiten, die bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Verwaltung eingerissen sind. Daß diese Zustände sich so lange halten konnten, führte Redner zum Theil auf die geschickte Manipulation der Verwaltung zurück, die durch die Art der Einberufung der Versammlungen— zu einer Zeit, wo die wenigsten Mitglieder Zeit haben— sich die Einwirkung von ihr unliebsamen Einflüssen fern hält. Die Bekanntgabe dieser Versammlungen, die man als keine genügende bezeichnen könne, geschieht nur durch den„Lokal-Anzeiger". Die Ver- waltungskosten betragen bei 800 Mitgliedern pro Mitglied 5,50 Mark, eine Ausgabe, die entschieden viel zu hoch ist. Daß solche Unkosten von einer Krankenkasse wie die in Be- tracht kommende, die unter den schlimmsten Berhältnissen zu leiden hat, für die Daner nicht zu erschwingen sind, ist klar. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der die Versammlung Protest erhebt gegen solche Zustände. Die Diskussion, an der sich 15 Redner betheiligten, die alle, wenn auch nach verschiedener Richtung in die Verurlheilung einstimmten, förderte noch ver- schiedene Mißstände zu Tage. Dem Bureau wurde sodann der Auftrag erthcilt, dafür zu sorgen, daß die nächste Generalver- sammlung Abends abgehalten werde. Entsprechende Anträge hierzu sind zum Theil schon gestellt und werden die nöthigen 100 Unterschriften gesammelt. Zum Schluß wurde«ine Sann»- lung für die Brauereiarbeiter veranstaltet. 0 mühle bei Eberswalde. 8½ Uhr. 1 2000, O. B. 55: Nein. F. H. M. Der betreffende Testamentsvollstrecker scheint nach Ihrer Darlegung nichts gethan zu haben, wofür er verant wortlich gemacht werden tönnte. In Erbschaftssachen läßt sich ohne genaue Kenntniß der Verhältnisse und ohne mündliche Rücksprache eine genaue Auskunft unmöglich ertheilen. A. R. 63. Staatsanwaltschaft beim Langericht Berlin I, Alt Moabit 11/12. P. J. 1. und 2. Ja. W. W. P. Das neue Miethsgeses trifft lediglich wegen des Retentions- und Pfandrechts die in der Nummer vom 29. Juni näher dargelegten Bestimmungen. A. Wendisch. Aus Ihrer Notiz ist nicht ersichtlich, was Sie redaktionell eingerückt haben wollen. Schicken Sie die Annonce der Redaktion zu. 50 Hansdiener. Sprechen Sie auf der Redaktion vor. F. G., Nowawes. Geben Sie der Expedition Ihre Der Arbeiter- Bildungs- Verein zu Schöneberg hielt am| Concordia, Gimeonftr. 23 bet A. Flick. Freie Sänger III, Seeger22. Oktober feine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Zum ille. Gesangverein Acacie( gem. Chor), Beugpoffit. 8 bei Behlendorf: beträgt für Wittwen zehn Monate. Dispensation iſt zulässig. Arbeiter- Gesangverein Einig, Andreasstr. 26 bei Bauktenfel. 1. Die Wartezeit bis zur Wiederverheirathung ersten Punkt der Tagesordnung, Abrechnung vom 3. Quartal Wilmersdorfer Liedertafel, Deutsch- Wilmersdorf, Bad. 1894, erledigte der Kassirer seine Kaffengeschäfte. Es betrugen fangverein Arton, Wittenberge, Thurmstr. 23, Sentralhalle. Wacht Der Grund für eine derartige Wartezeit liegt in der Schwierigdie Einnahmen 289,33 M., Ausgaben 218,95 M., mithin ist ein auf 1, Wörther u. Rykestraßen- Ece. Freiheit III, Bernau, im teit, festzustellen, wer Vater des in der Wartezeit geborenen Schüzenhaus. Freie Feldblume, Wienerftr. 31 bei Schröder. Bestand von 79,38 M. vorhanden. Alsdann hielt Genosse Klein- Harmonie III, Rirdorf, Bergstr. 142 bei Schimtäfe. Gangestuft, Rindes sei. Da folche Schwierigkeit Wittwern gegenüber nicht schmidt einen interessanten Vortrag über: Die Zukunft der Sozial- Butbuserstr. 30 bei Reimann. Alpenglühen, Manteuffelstr. 9 bei vorliegt, besteht Wittwern gegenüber eine Wartezeit nicht. Nowack. demokratie. Am Eingang des Vortrages zitirte Redner die geflügelten Edelweiß I, Manteuffelstr. 9 bei Nowact. Waldfapelle, 2. Die Reichsbank ist ein durch Gesez geregeltes Institut. Prinzenstr. 110 bei Ballwig. Gefang- und Orchesterverein Stralauer Worte Ackermanns, die Sozialdemokratie hätte feine Zukunft". Siebertafel, Rummelsburg, Haupttraße 83 bei W. Bowinkel( Orchester). M. K. 75. 1. Ohne mündliche Rücksprache nicht zu beant Geschickt wußte Redner diesen geistlosen Ausspruch zu widerlegen. Gefangverein Kreuzberg, Schönleinstr. 6 bei Kraatz. Gefangverein worten. 2. Reg ist lateinisch, heißt deutsch: König. Rer ist also Reicher Beifall lohnte dem Vortragenden für seine Ausführungen. An Der Enterbten, Gwinemünderstr. 65, bet Franz Schmidt. der Diskussion betheiligten sich mehrere Genoffen im Sinne des alle Buschriften, den Bund betreffend, find zu richten an P. Gent, Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend lediglich eine Art Titel. Der Familienname ist H. Referenten. Unter Vereinsangelegenheiten ersuchte der Vorsitzende Adalbertstraße 95. Bienktag. Musikverein Hoffnung, bei Dreßler, um die Zustimmung zur Beschaffung eines Heftographen. Dem Eisenbahnstraße 6. Geselliger Musikdilettanten- Verein Münster mann, bei Wilte, Hochstr. 32a. Uebungsstunde und Aufnahme neuer stimmt die Versammlung zu. Als Thema der nächsten Ver- Mitglieder. Theaterverein Freundschaft, Abends 9 Uhr beim fammlung, welche am 5. November stattfindet, wählte man: Anhaltiner, Tempelhofer Ufer. Theater- Gesellschaft Liberte, Rottbuser Das ländliche Arbeiter Programm der französischen Sozial- Damm 103 bet Meter.- Theaterverein Freie Kunst, Blumenstr. 46 b. Went, Rauchflub Gut gefinnte Freunde, Abends 9 Uhr, bei Müller, Demokratie." 15 Genossen traten dem Verein als Mitglieder bei Georgenkirchstr. 65. Rauchtlub A in balema, Abends 9 Uhr bei Golz, Grünauerstr. 3. Rauchtlub Ruhiga, Abends 9 Uhr bei Kalmus, Gräfe Im Frauen und Mädchen- Bildungsverein( Filiale ftraße 74. Rauchflub Sumatra, Abends 9 Uhr im Restaurant Krause, Charlottenburg) sprach am 24. Oktober Genosse Wa ch über das Gitschinerstr. 93. Musikver. Osiris, Mariannenfir. 32 bei Doberstein. Thema: Die Ursachen der Prostitution. Nach einer kurzen Dis- Bergnügungsverein Nordwacht, Abends 9 Uhr bei Hermerschmidt, Perlebergerstr. 28. fusion ging man zur Erledigung der Vereinsangelegenheiten über. Gefang-. Turn- und gefellige Vereine. Dienstag. Männer- GesangDas Amt einer Schriftführerin wurde der Frau Plech haty verein Gangestreue jeden Dienstag von 8-10% Uhr bei Proz, Annen straße 9.übertragen. Der hierauf von der Kassirerin zur Verlesung geMusifverein Frisch auf", Reichenbergerstr. 24 bet Tauschte. Arbeiter Bitherflub Freiheitstlänge. Jeden Dienstag Abends von brachte Rassenbericht ergiebt eine Einnahme von 127,85 M., der bis 11 Uhr bei W. Richter, Bülowstr. 65 am Dennewig- Play. eine Ausgabe von 70,25 M. gegenüber steht, mithin ist ein Ueber- Turnverein Gesundbrunnen. Die 1. Männer- Abtheilung turnt von 8-10% Uhr in der Turnhalle des Bessing- Gymnasiums, Pantstraße 9-10. schuß von 57,60 M. zu verzeichnen. Hiervon werden 20 M. den Berliner Zurngenossenschaft. Die 9. Männerabtheilung turnt jeden Adresse an und Sie können nach Schluß sämmtlicher Listen erBrauern und 10 M. dem Charlottenburger Gewerkschaftskartell Dienstag und Freitag in der Gemeindeschule, Blumenftr. 63 a. Turnverein überwiesen. Fichte( Mitglied des Deutschen Arbeiter Turnerbundes) turnt heute: 2. Männer- Abtheilung Staligerstr. 55-56, 1. Lehrlings- Abth. Friedenstr. 37. Turnverein Norben, icden Dienstag Abends on 8 bis 10 Uhr in der 4 Tr. Turnhalle, Prinzen- Allee 8. Nach dem Turnen geselliges Beifammensein im Turnverein Froh und Restaurant Bum Thüringer, Prinzen- Allee 10.Frei, Brig( Mitglied des Arbeiter- Turnerbundes Deutschlands). Turnen ber Männerabtheilung jeden Dienstag von 8%-10% Uhr bei Bethke( vormals Theatervereine: Dilettanten Bühne RheinEngel), Chauffeeſtr. 39. gold II" 9% Uhr präz. bei Dambeck, Wollinerstr. 62: Sigung und Fidelitas. Theaterverein Freier Wille tagt jeden Dienstag bent 8% Uhr, im Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Vorsitzender: Md. Neu- Märkischen Hof, Admiralstr. 18c.- Rauchflub Sorgenfrei tagt bei Bartel, Rauchklub Deutsche Flagge jeben mann, Pafewalterfir. 3. Alle Aenderungen im Vereinstalender sind zu richten Pallisadenstr. 22, um 9 Uhr. Rauchflub Grüne Quaste an Friedr. Kortum, Manteuffelfir. 49, v. 2 Tr. Dienstag, Abends 9-11 Uhr: Dienstag Abend 8 Uhr Wrangelstr. 32. Nebungsftunde und Aufnahme neuer Mitglieder. Gefangoerein Steineiche( Mitgl. des Bundes) jeden Dienstag Abend 9 Uhr, bei Ast, Ofbahnhof 7. ( Böttcher), Neue Friedrichstr. 20 bet Steller. den Dranten Hallen, Senefelder, Rosenthaler Gefelliger Verein Hertha, Abends 9 Uhr ftraße 57 bei Wernau. Berechtigtett Westen, Bülowstraße 59 bet Orantenftr. 51. Rauchtlub Schmote's Werte, jeden Dienstag Abend Werner.- DIympia, Adalbertftr. 21 bei Roll. Gangesblüthen, 9 Uhr bei Trittelwig, Falckensteinstr. 7. Krautstr. 6 bet Rudolf. Sänger gruß, Friedrichshagen, Friedrichstr. 58. Echo II, Schönhauser Allee 28 bei Kelle. Schildhorn, Swinemünderftraße 85 bei Hübner. Gesangverein der Metallarbeiter Often, Krautftr. 38 bei B. Wiesegarth. Fretheit II, Adlershof, Wöllstein's Luftgarten. Myrthenblätter, Belforterstr. 15 bet Schneider. Ganverein Berliner Bildhauer. Stehe Inferat in diefer Nummer. Nationale kaufmännische Kranken- und Sterbekasse( E. H. 71). Bureau: Holzmarktstr. 67. Dienstag, den 30. Oftober, Abends 8 Uhr, im Restaurant Stühler, Neue Grünstr. 38: Vorstandsfißung. Arbeiter- Bildungsschule. Dienstag Abend von s%-10% Uhr. NordEchule, Müllerstraße 179a und Südost- Schule, Waldemarstr. 14: Boltsth. Medizin. Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. 8 1 in Briefkaffen der Redaktion. eins cher Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( Bwei Buchstaben oder eine Ball humor, Lichtenbergerstr. 16 bei Karl Bolzmann. Froh' Soffnung, anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Kulmftr. 36 bei Julius Raumann. Eintracht 1, Mieder- Schönweide, Hurrah, Belgien. Naturalisation läßt sich für einen AusGrünauerstraße bei Strecker. Männer- Gesangverein orbeertrans I länder leider nicht erzwingen. Treten Sie dem Verein nicht bei, ( 79), Waldemarstr. 75 Süd- Ost" bei Carl ulrich. Gesangverein Ginig= tett III, Gr. Lichterfelde, Phönir- Braueret bei Hoffmann. unverzagt i, zahlen Sie aber die Beiträge und ersuchen Sie den Vorsitzenden, Stromstr. 27 bet 2. Lange. Sängerchor der Töpfer, Neue Friedrich nr. 44 als Gast den Sigungen beiwohnen zu dürfen. b. Röllig. Arbetter- Gefangverein Arbeiter Maibund, Nowawes b Pots- Lieguit. Der Berunglückte soll sich schleunigst mit dem dam, Wallfir. 55 b. Gärtner. Freies died, Friedrichsberg, Friebrich- Karl- Antrage, ihin die Unfallrente zuzusprechen, an den Vorstand der ftraße 11 bei Heinecke. Männerchor Nord- Ost, Tilsiterstr. 82 bei Hänicke. Männer- Gefangverein Sänger- Freiheit, Naunynftr. 86 bei Friß Berufsgenossenschaft wenden. Subetl. Gefangverein Rothe Nelte II, Ruppiner: u. SchönholzerstraßenEde. Alte Linde, Admiralstr. 21 bei Echnieber. verein Borwärts III, Rathenow, Restaurant Zur Erholung bet Friesecke. Gesangverein Hilaria, Strautstr. 6 bei Rudolf. Alpengloce, Gr. Frankfurterstr. 133 bei Gold. Eichentranz, Brenzlau, im statser: garten. 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