Nr. 49 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 25 Bezugspreis: L irtellühruZV.—■JJiu.monatUO.— SM. frei m» öaus. Daraus ahlbac. Post» erjus JPlonatltdi 10.- M!. trlU Ru- ftellungsüeoühi. Umet Kteusbcnft füi Beutublano unb Oefterreidi 16�0 JJit, für Das übrige Auslaut oei laglich emmau RufteDunc 2löO?«»??- strllunaeu nehmen an Oeflerrti� Ungarn, Tschecha-SIawale>, Baue- mar loHano.-uremoucg, i dun eben unb iie Schweig.— iingetraaen tu Die Daft-'eiiungS'Preislürs Der.Barwarts' mil Oer Sannrag», beilage.Bali n. Reif" ernhethi wacher» täglich lwermal Sann läge unb Man» tags»nmai Seiearomm�lbreffe �otialbemotrai Beeil»* Sonntags Ausgabe Berliner Bolhöltlatt ( 30 Pfennig) Auzetgeupreis: Die achtgelpaltene Namiareillezeile lalleiZ,— M.. Teuerungszulchlag 50% .Kleine Anzeigen"'. Das ielt» gebrückte Wart I/— M.(znlSssig jmel 'ettgebruckte Worte), iebes weitere Wort 60 Bsg. 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Nach einer Meldung der Haoas-Agenkur ist auch das Protokoll über die Abmachung in der Reparationsfrage um fünf Uhr unterzeichnet worden. Die Beschlüsse sollen morgen der deutschen Regierung notifiziert werden. Sie werden Montag mit dem Legleitschreiben an die deutsche Regierung veröffentlicht werden. Die bereits gemeldeten Sank- .tiouen, die in der Entwaffnungsfrage vorgesehen sind, sollen auch für die Reparationsfragen gelten. Zn bezug auf die Hilfe für Oesterreich ist ein De- richt Loucheurs angenommen worden, der die Gründung eines Ziuanzfyndikals mit einem Kapital vou 200 Millionen Iran- ten vorsteht. Nach einem Spezialbericht der Havas-Agentuc ist das Abkommen über die Entwaffnung um 4 Uhr unter- zeichnet worden. L a r t h o u habe beim Verlaflen des Sitzungssaales erklärt, die Entwaffnungsftage fei zur gemein. famen Befriedigung der Alliierten und im Interesse der Sicher- heit ihrer Länder geregelt worden. Räch einer Havas-Meldung vertritt die französische Re- gierung iuderSohleufrage folgende These: J t a nl> reich verlangt eine monatliche Lieferung vou 2 200 000 Tonnen. Die Bezahlung von SGold- mark pro Tonne, die für die Ernährung der deut- fchenBergarbeiter bestimmt war. soll a u f g e h o b e n werden, dagegen eine Prämie für eine besonder» gut aus- gesuchte kohle bewilligt werden. Die Reparatlonskommistion soll die Ausführung des Abkommens Überwachen. Paris. 2g. Iattvar. Räch einer nichtamtlichen am Z Uhr nachmittags ansgegebenen Havas-Meldung prüfte die Konferenz in ihrer Vormittagsfihung den von dem eingesetzten Ausschutz aus- gearbeiteten Evtwurf in der Reparationssrage. Er wurde in seiner Gusamlhelt gebilligt Die vorgesehenen Siche- rungen der Durchführung wurden gutgeheitzeu. Es wurden nur kleinere Abänderungen vorgenommen, die die Sommifston am Text ausführen wird. wie der„Temps" mitteilt, wird im Laufe de» heutigen Tage, auch noch die Sohlenfrage geregelt werden. Es wird ferner erwartet, datz auch da» österreichische Problem seine LS- sung finden wird. Pari», 2g. Januar. swTB.) wie die h o v a s- Agentur nichtoffiziell meldet, hat die Konferenz in ihrer Dormittagsfitzuntz den Bericht de» interalliierten militärischen Ausschusse» w Versailles über die Entwaffnungsfrage angenommen; es wurde hiernach Deutschland für jede der noch ansznführenden Mahnahmea eine Frist bis zum 1. Juli de- willigt. Die folgenden Sicherungen der Durchführung sind vorge- sehen: 1. Aufhebung der Räumungssrist für die Rheinland«: 2. Besetzung neuen deutschen Gebiet»; Z. Errichtung eines besonderen Zollregime» in den Rheinlandeu, und endlich, auf Antrag von Lord Eurzon, 4. Einspruch gegen die Aufnahme Deutschland» in den Völker- band.' Die Konferenz über die vrientfrage in London beginnt am 21. Februar. Die Konferenz mit den deutschen Mi- vistern in der Reparationsfrage. soll am 2S. Fe- bruar in London st-altsindea. -> Paris bleibt»mzufrieden. M Paris. 29. Januar.(HN.)..Figaro" meint, daß man eine Torheit begangen habe und fragt, wie man denn in der Praxis die deutsche Ausfuhr kontrollieren könne..Iction Frangaife" erklärt, es wäre ohne Zweifel notwendig, Deutschlands Schuld fest- zustellen. Aber dies fei nicht zu erreichen, wenn nicht gleich- zeitig angegeben werde, welche Garantien man habe, daß die Annui- täten besser bezahlt würden als die Obligationen des Versailler Ver- träges. Heroe schreibt in der„Victoire", wenn die Konferenz in ihrer Vollsitzung die vorgeschlagene Lösung annehme, werde jeder unzufrieden sein, mit Ausnahme von Deutschland. Pari», 29. Januar. fWTV.) ver„Temps" schreibt zu dem Abkommen in der Reparationsfrage, es bestätige die Einheit unter den Verbündeten, die allein stark mache und verhindern könne, daß man zur Gewalt die Zuflucht nehmen müsse. Die Export- fteuer bekämpfe zu gleicher Zeit die Konkurrenz, die die deutsche Produktion den alliierten Industrien mache. Man habe gesagt, die Exportsteuer dürfe nicht zu hoch sein, die Vereinigten Staa- ten würden sie hemmend finden und sich darüber beklagen. Das Llatt möchte gern wissen, ob diese Befürchtung zutreffend sei. Es verlangt ferner eine Kontrolle über die Ausfuhr, die die Reparationskommission ausüben müsse. Deutschland müsse unver» züglich die Eisenbahutarifeerhöhen und das Ergebnis der indirekten Steuer«»erwehre«. Die Brüsseler Konferenz. Pari», 29. Januar. lWTB.) Wie die Abendpresse mitteilt, wird die Sachverständigenkonferenz in Brüssel am 7. Februar zusammentreten, ihre Beratungen sollen bis zum 20. Februar be- endet sein. Die Konferenz der Alliierten mit den Vertretern der deutschen Regierung ist auf den 2S. Februar festgesetzt worden.,_ Deutschlanü und Sie verwüsteten Gebiete. Beratungen im Hauptansschust. Im chauptausschuß des Reichstages entspann sich am Sonn- abend zunächst auf Anregung des Abg. Hoff mann(Soz.) eine Debatte über die gegenseitige Vertretung der beut» scheu Länder innerhalb des Reichsgebiets, die von mehreren Staaten als unerwünscht bezeichnet wurde, da der Reichsrat aus- reichende Gelegenheit zur Auseinandersetzung unter den Einzel- swaten bietet. Es folgt die Beratung über den Haushalt des Wiederauf- baumini st eriums. Ministerialrat C u n tz« fWiederaufbauministerium) Nach der Presse scheint es. daß die gesamte französische Bevölkerung aller Klassen und Schichten die Beteiligung deutscher Ar». better beim Wiederaufbau ablehnt. Ein anläßlich der Ver- Handlungen in Spa von uns auf diesem Gebiet gemachter Vorschlag Nur noch wenige Tage, dann ist die Inst zur Ein- iragung in die Stimmliste unwiederbringlich verstrichen. Wendet Euch sofort an die nächste Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimatstreuer Oberschlesier ist abgelehnt worden. Erst jetzt hat der französische Delegierte Sey- doux anlählich der Brüsseler Konferenz die Beschäftigung deutscher Arbeiter im wiederausbaugebiettzin den Vereich der Verhandlungen gezogen. Dir haben unsere Bereitwilligkeit erklärt, uns auf diese Verhandlungen einzulassen und die Angelegenheit auch bereits in Deutschland mit Arbeitnehmern besprochen. Die uns von der R«- parationskommission auferlegten Sachlei st ungen bestehen neben Lieferung von Holz und Tieren in Lieferungen von Waren und Artikeln jeder Art, die in Deutschland vorhanden sind oder hergestellt werden, bis zum Aufbau ganzer Werke. Die von uns ihr übergebenen Listen mußten zunächst nach Gruppen geordnet uitd dann zum großen Teil zur Ergänzung und Berichtigung der Meparationstommiflion zurückgegeben werden. Bisher sind für mehr als 5 Milliarden Papiermark Lieferungs- angebot« der Reparationskommission übergeben worden. Die eingegangenen Bestellungen werden ungefähr 120 Mil- lionen Papiermark betragen. Bei den jetzt in Brüssel schwebenden Verhandlungen ist die Frage der Eachlieferungen ein- gehend erörtert worden. Die Verhandlungen bewegen sich vor allem m der Richtung, an Stelle des bisherigen Lieferungswesens von Staat' zu Staat zum Teil einen unmittelbaren Verkehr zwischen den Geschädigken und dem deutschen Unternehmer einzuschalleu. Nicht Srot, sonüern AUW. Berlin, 29, Januar.(WTB.) Entgegen elnft heute in später Abendstunde von einer Tclegrophenagentur oerbreiteten Meldung, daß Reichsernährungsminister Hermes in der heutigen Reichstags- sitzung erklärt habe, vom 15. Februar an werde die Brotration am 290 Gramm erhöht und dieser Stand solle bis zum Ende des iftiirt- schaftsjahres durchgeführt werden, erfahren wir von zuständiger Stelle, daß der Minister tatsächlich nur gesagt hat, die Brotver- sorgung in dem bisherigen Umfange sei voraussichtlich bis zum Ende des gegenwärtigen Wirtschaftsjahre« gesichert und vom 15. Februar an werde die K ach m e hlr at ion ans 200 Gramm erhöht. Die Tabelle von Paris. Und was denn weiter? Ein ProjrtH Bor etwa zehn Tagen— oder sind es gar schon vierzehn? — erschien der englische Geschäftsträger in Berlin» Lord Kilmarnock, bei unserem• Außenminister, Herrn Simons, um diesem mitzuteilen, daß seine Regierung nun- mehr endgültig und unerschütterlich der französischen Absicht beigetreten sei, die endgültige Festsetzung der deutschen Ge« samtverpslichtung zu vertagen und zunächst mit Deutschland Die Zahlung von fünf Jahresraten zu vereinbaren. Die Alliierten waren sich wieder einmal einig geworden(man sollte es gar nicht für möglich halten, wie oft man mitein- ander einig werden kann!) und auf Deutschland wurde nun ein vereinigter Druck ausgeübt, es solle sein vertragsmäßiges Recht, bis zum 1. Mai d. I. die Endsumme zu erfahren, drein- geben, um eine erträgliche Regelung seiner Zahlungspflichte» in den ersten fünf Jahren zu erreichen.> Wenn jetzt auf einmal in Paris schon wieder ewe Eini» gUng erfolgt ist und zwar in genau entgegengesetztem Sinne. wenn man sich dahin geeinigt hat. die Endsumme jetzt schv u festzusetzen und uns die Gesamtrechnung zu präsentieren, so muß die Frage schon erlaubt sein, ob es den großen Herren von Paris besiebte, mit uns armen Teufeln zu spaßen, oder ob die Entschließungen, die sie über das Schicksal Europas fasten, von geheimnisvollen noch nicht unerforschten Ein» flüsien, wie etwa dem Stand der Wetterfahne abhängig sind. Die Welt hat früher einmal über Wilhelm II. gelacht, der immerzu, mit gesträubten Schnurrbartspitzen befahl, er wußte nur nicht recht was. Jetzt aber sieht e» wahrhaftig so aus. alx ob der Z i ck z a ck k u r s. den sie uns ausgetrieben, der Entente selber- in den Leib gefahren wäre. Die Umfalle, in denen sich die Entwicklung der Entente« Politik vollzieht, sind offenbar vom Gesetz der wachsenvtn Geschwindigkeit beherrscht. Um England und Frankreich von ihrer Ueberzeugung zurückzubringen, daß die Festsetzung der Endsumme heute noch verfrüht sei, hat es immerhin zwei' Wochen gebraucht. Lloyd-George hat aber diesmal schon nach zwei Tagen Ziffern akzeptiert, über die er noch zwei Tagj zuvor nur gelacht hatte. Es ist vielleicht die größte Parodie der Wettgeschichte, daß» diese blitzartige Entschlußfreudigkeit nunmehr dabei angelangt ist, der Welt für die nächsten. 42 Jahre ihren Lauf genau vor, zuschreiben. Leute, die vor acht Tagen— man verzeihe das Aussprechen einer harten Wahrheit!—* selber noch nicht wußten, was sie wollen, wissen heute oder geben wenigstens vor zu wissen, wieviel Deutschland im Jahre 1935 und im Jahre 1946 und im Jahre 1963(Emtausendneunhundert, unddreiundsechzig) als sogenannte„Wiedergutmachung" be, zahlen wird. Sie haben eine Tabelle aufgestellt, in der das alles genau darin steht, und man braucht Nur mit dem Finger in der richtigen Zeile zu bleiben, um ganz sicher zu erfahren« wie es sich damit �verhält. Für ordnungsliebende Menschen ist der Anblick einer solchen Tabelle eine wahre Augenweide — aber ob sie als genügende Unterlage für eine weitherzig« Kreditgewährung betrachtet werden kann, darüber werden bl Weltbankiers entscheiden. Ist nun dieses Verfahren eine Ausführung des Friedensvertrags? Der Artikel 233 des Dokuments von Versailles besagt: Der Betrag der bezeichneten Schüben, deren WieSergmnmchun, Deutschland schuldet, wird durch einen interalliierten Ausschuß fest- gesetzt, der den Namen Wiedergutmachungsausschutz trägt und i» der Form unb?ntt den Befugnissen, wie nachstehend und m Anlage IL bis VII«wsgeführt, gebildet wird. Dieser Ausschuß prüft die Ansprüche mck» gewährt d«« deutschen Regierung nach Billigkeit Gehör. Die Beschlüsse dieses Ausschusses über den Betrag der oben nähre bestimmten Schädsn werden fpä testen, am 1. Mai 1921 au«. gesetzt und der deutschen Regierung als Gesamtbetrag ihrer Den- psücht un gen bekanntgegeben. Zu gleicher Zeit stellt der Ausschutz eine« Zahwngspian«ch. der die Fälligkeitsqeiten und die Art und Weif« vorschreibt, wie Dllttschland vom L Mai 1921 ab seine gesamte Schuld in eine» Zeitraum von Z0 Jahre« zu tilgen hat. Sollte jedoch im Laufe dieses Zeitraums Deutschland mit der Begleichung seiner Schuld im Rückstände bleiben, so kann Ük Zahlung jeder Restsummr nach Gut. dünken des Ausschusses auf spätere Jahre verschoben werde« oder unter Bedingungen, die die alliierten und asszoiierten Regierungen entsprechend dem in diesem Teile des gegenwärtigen Vertrags, vor» gesehenen Versahren festsetzen, eme anderweitige Behandlung et» fahren. Nach diesem Artikel soll also eine geordnete Schadensfestsetzung erfolgen, die angemeldeten An- spräche sollen geprüft, der deutschen Regierung soll dabei nach Billigkeit Gehör gewährt werden. Von einer derartigen Schadensestfetzung hat man aber bisher nicht das geringste gehört, eine Möglichkeit, dke Grundlagen der gegnerischen An- sprüche zu prüfen, ist Deutschland in keiner Weise gewährt worden. Der Grund dieser Vertragsverletzung liegt allerdings nicht in einer bösen Absicht, sondern nur teils in Iber vorhandenen Berwoltungsschlamperei. teil« m der fatti- schen Nmnöglichkeri. Nachwelsungen über die verursachten Schäden zu erhalten. Auf alle Fälle soll Deutschland auch der letzte Rest von Recht, die Schadenersatzforderungen nachzu- prüfen, genommen werden. Es ist ihm nicht mehr erlaubt zu zweifeln, es hat zu glauben, zu. gehorchen und zu bezahlen Nach dem zitierten Artikel soll der Tilgungsplan nicht 42 Lahre, sondern nur 30 Jahre umfassen.. Erst später. wenn sich herausstellen sollte, daß Deutschland mit den Raten . im Rückstand bliebe, sollte die Wiedergutmachungskommission berechtigt sein, die Fristen auszudehnen. In Paris ist aber in vertragswidriger Weife die Ausdehnung der Fristen schon jetzt erfolgt. Deutschland hat d a s R e ch t, einen dreißig- jährigen Tilgungsplan zn verlangen und es muß auf diesem Recht bestehen. Die Tabelle wird dann zwar noch toller aussehen als die zweiundvierzig Jahre umfassende. ober das wird dann den Vorteil haben, daß der Widersinn dieser Tabellenpolitik nur noch krasier in Erscheinung tritt. Am 28. Februar soll der Pariser Konferenz eine Londoner folgen, zu der die Vertreter der deutschen Regierung geladen sind. Daß es ihrer Beredtfamkeit und Ueberzeugungskunst gelingen könnte, eine Revision des Pariser Tabellenwerkee herbeizuführen, ist bei dem augenblicklichen Stand der Dinge äußerst unwahrscheinlich. Ueberraschungen haben wir zwar schon viele erlebt und müssen tkglich auf neue gefaßt sein,.aber vorläufig auf solche zum schlechter». Im übrigen wird sich in Deutschland kein Mensch über die Hypothese aufregen, daß unsere Söhne und Enkel im Jahre 1063 einem Mächtekonzern, dessen Bestand bis dahin vorausgesetzt wird, sechs Milliarden Mark in Gold bezahlen werden. Das lassen wir die Sorge späterer Geschlechter sein. Für den Augenblick haben wir nur mit zwei Tatsachen zu rechnen: Erstens, daß eine Regelung der Wiedergm- machungsfrage, die von volkswirtschaftlich denkenden Men- schen ernst genommen werden kann, nicht erfolgt ist und daß wir daher auch ferner mit einer vollkommenen Unsicherheit aller wirtschaftlichen Verhältnisse zu rechnen haben. Zweitens. daß für die n ä ch st e n I a h r e darauf zu rechnen ist, daß die Entente ernstlich den Persuch machen wird, die von ihr geforderten Jahresraten einzutreiben. Da nun Deutschland eine Verpflichtung zur Wiedergutmachung in vernünftigen Grenzen anerkennt, diese Grenzen aber mit den nächsten Jahresraten noch nicht überschritten sein werden, wird es ehrlich bestrebt sein müssen, den gestellten Anforderungen nachzukommen. Diese betragen für die beiden ersten Jahre ab 1. Mai 1921 zwei Milliarden, für die folgen- den drei Jahre drei Milliarden. Es wird die Aufgabe unserer Unterhändler sein, sich in Brüssel und London den Weg zeigen zu lassen, auf dem es Deutschland möglich wer- den soll, diese Summen aufzubringen, ohne total zusammen- zubrechen. Es soll ober— auch nach der Absicht der Alliierten — in den ersten fünf Jahren nicht zusammenbrechen, denn im Jahre 1927 soll ee ja vier Milliarden bezahlen, und' �as kann ein total zusammengebrochenes Land eben nicht! So joenig uns also das Pariser Tabellenwerk als Ganzes Sorge macht, desto mehr Sorge macht uns die nächste Zukunft. Es scheint, daß die Alliierten auf das Experiment nicht verzichten wollen, wie sie sich am Tage nach dem Bankrott Deutschlands befinden werden. Daß es auch ihnen dann nicht eben gut gehen wird, ist für uns ein schlechter Trost! « Paris, 29. Iamior.(955328.) Scheidemana erkSrt« dem Korrespondenten des„Eclair", Deutschlaad sei zu arm, um große Anstrengungen machen zu können, es müsse aber feine Der- pflichwngen hinsichtlich der Reparation der venofisfceten Gebiete erfüllen. Am ernstesten sei die Ungewißheit, in d«r sich Deutsch- land befinde. Scheidemann hält die Zahlung von Annui» täten von drei Milliarden Goldmort für unaus- � ü h r b a r. Deutschland könne kaum die Kohlenmengen liefern, die ihm auferlegt seien. Die deutschen Bergarbeiter seien am End« ihm Kraft. Sie können selbst bei gutem Willen ihr« Arbeit nicht fort- fetzen. Di« fortgesetzt« Drohung mitderBesetzungdesRuhr- Voltaire unö Preußen. von Paul Gutmana. Ja diesen Tagen, wo an den Straßenwänden Dahlplakat« der Deusschnationalen Partei mft dem Bildnis Friedrichs II. und der Ausschrift:„Ist die, mein Preußen?" kleben, in diesen Tagen ver» logenster Wahlmache ist es nicht ohne Interesse, die Stimme eines Europäer» von Weltruf zu vernehmen, der dieses alte Preußen wie kein zweiter zu studieren ouserfehen war. Gerade zur rechten Zeit «rschetM in deutscher Sprache jenes Kapitel aus Voltaires bedeuten- dem Lebenslauf, das den Titel trägt:„Mein Aufenthalt in Berlin", dos, nach Angabe de» Verlags O. C. Recht in München, ISO Jahre in Deutschland(müßte es nicht heißen: in Preußen?) von der Zensur verboten gewesen ist. Das Bild Preußens und Friedrichs malt sich in diesem Kopf zwar anders als es die offiziell« ein- heimische Geschichtsschreibung bisher darzustellen bemüht war, aber was ihm cm Glorie fehlt, wird durch Unmittelbarkeit und Weite des Urteil» reichlich aufgewogen. Friedrich, der Mann mit genialen Fähigkeiten, wird von einem ihm geistig Ebenbürttgen als da» er- kannt, was er ist, als der Despot mit einer an Zynismus sttei- senden Freigeistigkeft, der, während seine Soldaten vor seinen Fen- stern gedrillt und von Profossen mit Spießruten gezüchtigt werden, über alle bestehenden Einrichtungen die Lauge seine» Spotts aus- gießt. Bemerkenswert ist die Schilderung Dollaires übe? die königlichen Gastmähler, die angesichts eines üppigen Bildes von Pesue stattfand«!:.„Jemand, der un» zugehört hätte, hätte beiin Anblick dieses Bildes geglaubt, die sieben Weisen Griechenlands im Bordell zu hören. Niemals sprach man an irgendeinem Orte der Welt mit mehr Freiheit über allen Aberglauben der Menschen, und niemals wurden sie mit ryehr Spott und mehr Verachtung be- handelt." So zeigt sich der Erbe eine« Tyrannenstaats, gegen'den nach Voltaires Worten die damalig« Türkei(I) wie«ine Republik anmutete, gleichzeitig als geistiger Revolutionär, vor dessen selbst- herrlicher Kühnheft seine eigenen Staatsdiener erblaßten. Was aber war er im Grunde, wenn auch in kühnstem Ausmaß« anderes, .als einer jener Vertreter doppefter Moral, als welch« seine kleinen Schüler, die preußischen Alldeutschen von heute, sich so heraus- fordernd in die Brust werfen.„Es lag in setner Natur, immer das Gegenteil von dem zu machen, was er sagte und schrieb." behauptet Voltaire von ihm, und dieser mitunter wohl durch Schmeicheleien zu bestechende, aber als Beobachter unbestechliche Kritiker gerät nicht in Verlegenheit, Beispiel« hierfür anzuführen. Kurz nach- dem Friedrich der Moral nach außen mit seinem„A n t i m a c ch i a- vell" Genüge getan hatte, ließ er mit 2000 Mann der Garnison Wesel Lüttich brandschatzen, was ihm elne Million Dukaten eintrug. Friedrich, der in mittelmäßigen Berfen den Frieden verherrlicht, bricht i« geeigneten Moment den Krieg vom Zaune und degründet dies wortlich folgendermaßen:„Ehrgeiz. Interesse und der Wunsch, von mir reden zu machen, trugen den Sieg davon,«ad der Krieg gebkets«ege jede Arbeit lahm. Das verlangen der Entente nach Entwaffnung findet Scheidemann berechtigt. Briand habe in semer ministeriellen Erklärung die wirtschaftliche Lag« Deutschlands zu optimistisch geschildert. Deutschland könne nur, wenn es innere und äußere Ruhe habe, die größten Schwierigkeiten überwinden. Briand begehe das größte Unrecht, wenn er behaupte, Deutschland leide weniger als Frankreich. Das Gegenteil sei der Fall. Eine der größten Sorgen Deutschlands sei die oberschlesische Frage. Wenn Deutschland Oberschlesien verlier«, dann werdx sich die Lage verschlimmern, und man könne nicht wissen, was noch kommen werde. Koefantp üroht! Eine Reihe von Journalisten, die Blätter des neutralen Auslandes vertreten, hat neuerdings Oberschlesien bereist, um dort die Stimmung der Bevölkerung zu studieren. Unter ihnen befand sich auch der Berliner Vertreter unseres hollän- dischen Parteiblattes„Het Volk", der uns Wer feine Ersah- rungen einige sehr interessante Mittellungen zur Verfügung stellt. Er hat sowohl mll deutschen' als mit polnischen Ein- wohnern des Landes, mit Arbeitern und Geistlichen, mit In- dustriellen und Beamten, vor allem aber auch mit Ange- hörigen der Interalliierten Kommission gesprochen. Der italienische Vertreter in Rybnick versicherte auf. das glaub- würdigste, daß Italien die Absicht habe, die N e u t r a l i- tat auf jeden Fall zu wahren und die Rechte der Abstimmenden sicherzustellen. General Le Rond hatte dagegen keine Zell, die Besucher über seine Absichten zu unterrichten. Cr versicherte nur seine„sehr aufrichtige Sym- pathie für das neutrale Ausland. Am bemerkenswertesten sind jedoch gewisse Aeußerungen, die Wojcziech K o r s a n t y, der Leiter der polnischen Propa- ganda, gegenüber unserem Gewährsmann machte. Er zeigte riesenhafte Plakate, Drucksachen, Statistiken, schwarze und kolorierte Bilder, die alle den Beweis liefern sollten, daß Oberschlesien durchaus polnisch sei. Als Höhepunkt seiner Darlegungen wird wohl Korfanty den folgenden Satz be- trachtet wissen wollen, den unser Gewährsmann wörtlich wiedergibt:, Oberschlcsiett i st bereits polnisch und es bleibt polnisch, auch wenn die Abstimmung zugunsten Deutschlands ausgehen jollke. Ich verpfände Ihnen meinen Kopf dafür. Korfanty hat sich natürlich wohl gehütet, Näheres darüber zu sagen, in welcher Weise Oberschlesien an Polen fallen soll, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sich für Deutschland entscheidet. Diese Unbestimmtheit ist sicher durchaus absichtlich gewählt. In Deutschland soll man wahrscheinlich glauben, daß hinter Korfanty eine große mili- tärische Macht stehe. Er will damit die deutschen Abstimmungsberechtigten, die im Reiche wohnen, abschrecken. Wir hoffen, daß er damll kein Glück haben wird, sondern daß j e d« r der Betelligten noch in letzter Stunde dafür sorgt, daß seine Eintragung in die Ab- stimmungslisten erfoltzt. Wenn bis zum 3. Fe- b r u a r der Antrag nicht m Oberschlesien eingegangen ist, wäre die Stimme allerdings für Deutschland verloren. Da das kein Oberfchlesier im Reiche wollen kann, muß«sofort das Notwendige tun, um sein Stimmrecht zu sichern. An diesex Pflichttreue muß auch Korfantys Siegeszuversicht zerschellen! Maftnahmeu gegen die Unsicherheit. Die Zuteralliierte Kommission hat sich zu eucrglschercm Ein- greifen entschlossen. Die Waffenkonttoll« auf den Bahnen ist ver- schärft, Patrouillen kontrollieren nacht- auf den Straßen fahrende Autos nach Waffen. Selbst„hole! Lomnitz", Hauptquartier Kor- foittys, ist nach Waffen durchsucht worden, außerdem auch der Sitz der Heimattreuen in.Kottowitz Bei Hochzeftsfeiern werde« die Göste stets durch die Polizei nach Waffen untersucht. Patrouillen kontrollieren täglich die Cafes und Wirtschaften und es ist mehrfach gelungen? eine größere Anzahl unsicherer Elemente festzunehmen. wurde beschlossen." Die Laune eines Königs siegte asso und Europa erstickte in Blut und Tränen. Mft größerer Osfeitheit, ober auch mit mehr Zynismus hat noch nie ein Eroberer von sich gesprochen. In dieser Hinsicht verdient er allerdings, für's«»« alldeutschen Per- ehrer«in Vorbild zu sein. Voltaire, der von den Verfechtern der Hohenzollernlegende als affenartig eitel und verlogen hingestellt wird, verblüfft oft durch die Gerechtigkeit, die er feinem königlichen Freund widerfahren läßt. Einmal treibt das Mißgeschick Friedrich an den Rand des Selbstmordes. Aber er rafft sich auf und ln Versen an Voltaire, die, wie dieser sich äußert/„seiner Würde, seines Muts, seines Geistes würdiger waren" als jener Kleinmut, ruft er aus:„Rahe am Schiffbruch muß man dem Sturm trotzen, denken, leben und sterben als König." Ja, er wäre als König gestorben, und das unterscheidet ihn wesentlich von seinem Nachfolger und Nachahmer, dem Flüchtling von Amerongen! Ein ungewöhnlicher Mensch, den der Witz der Geschichte auf den Thron der sklavischsten Despotte Europas verpflanzt hätte, vermpg er selbst Preußen, diesem Kasernenplatz, etwas von Anmut und Schön- heit zu verleihen. Aber das geistige Erbe seine» Paters/ der nach Doltaires Worten«in Aandale gewesen ist, ein Blutsauger, der eine durch ihn geschwängerte Witwe, die reichst« Frau Berlins, durch Erpressungen ruinierte, ein Tyrann unerhörtester Art. die Erbschaft dieses Vater» konnte Friedrich nie überwinden. Die preußische Tradition des tretenden Soldatenstiefels hatte auch er im Blut. wenn auch sein Geist jene Höhen erklomm, zu denen die Philosopie seines Zeitalter» ihm den Weg gezeigt hatte. So sst er allerdings ein gigantisches Vorbild für alle diejenigen, die jegliche Freiheit der Lebensführung für sich in Anspruch nehmen, während sie für das Volk den Büttel bereit halten. Nicht für uns, denen als höchstes Richtmaß der Satz gilt:„G l e i ch e» R e ch t f ü r a l l el" Hans Thoma in der Berliner Ilatlonalgalerle. Nach der vor- läufigen Aufstellung im Oberstock des Berliner Kronprinzenpalais ist nun der Besitz der Galerie an Werken Hans Thomas in das Stammhau» zurückgekehrt und ein eigener Saal im 1. Stockwerk wurde für sie eingerichtet. Dieses Geschoß vereinigt nun in eigenen Räumen alle die führenden M-ister der zweiten Hälfte des 19. Jahr- Hunderts: links Böckkin und Feuerbach, dann Menzel, rechts Hans v. Marees, Klinger. Leibi und seinen Kreis, Trübner und Thoma. Der neue Thoma-Saol gruppiert den reichen Besitz, zu dem noch einig« Leihgaben kommen und der kürzlich um die Werke aus Fiedler» Sammlung vermehrt worden ist, auf der einen Seite um die große Schwarzwoldlandschaft m i den Ziegen, neben dem das klassische Bildnis der alten Dome in Schwarz(von 1898) und das Fiedier-Porträt hängen, auf der anderen Seite mn die Ge- witterlqndschaft, die von dem Bildnis eines Ehepaares aus der Friihzeit flankiert wird, vielleicht gelingt es der Gate,!« noch, ein große« Werk seiner A l t e r» k u n tt sich zu sichern. Der schöne Saal konnte da« große Musikantenbild aus Frankfurt a. M nicht «ehr ausnehme«; e» wurde im Treppenhaus« ausgehängt. Die Bevölkerung fängt an, sich über Belästlgvng durch dies« Kon- trolle zu beschweren. Immerhin hat zunächst die Zahl der Raubnersuche, Ueberfälle und Morde in der letzten Woche erheblich abgenommen._ Gberfchlefier im Reich! Am 3. Februar, abends 6tllhr, werden die Listen der Stimm- berechtigten abgeschlossen. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht abstimmen. Unsere Mehrheit bei der Abstinimung muß überwältigend werden. Es darf nicht der geringste B-rwaitd bleiben, an dem Ergebnis zu deuteln? Um dies zu erreichen, brauchen wir Euch, Ihr Brüder und Schwestern im Reich! Habt Ihr Euch an- gemeldet zttr Eintragung in die Stimmlisten? Wenn nicht, so tut es in letzter Stunde! Tut es noch heute! Allenfalls konntet die Anmeldung noch rechtzeitig, wenn sie am Montag oder Dienstag erfolgt, aber in den letzten Togen häuft sich die Arbeft so, daß Ihr vielleicht zu spät kommt. Deshalb meldet Epch sofort bei der nächsten Ortsstelle der Dereinigten Verbände heimatstreuer Oberfchlesier! Landsleut«! Brüder und Schwestern! Die Heimat rechnet auf Euch! Für Eure Unterbringung ist alles vor- berettet. Mtt Freuden werden wir und ganz Oberschlesien Euch in der Heimat aufnehmen. Wir stehen alle zusammen für die Mutter- erde. Es geht um unsere gemeinsame Heimat, und es geht um Deutschland. Kommt alle und stimmt alle ab! Es ist Eure Pflicht, Ihr müßt sie erfüllen. Aber in die Stimmlisten kommt Ihr nur. weiin Ihr Euch anmeldet. Darum noch einmal, meldet Euch sofort! Plebiszitkommissariat für Oberschlesien: Dr. Urbane!. Vereinigte Verbände heimatstteuer Oberfchlesier: Dr. Q u e st e r. öeweise, tzerr Geßler! Dom Reichswirsschastsverband deutscher derzeitiger und ehe- maliger Berufssoldaten geht uns folgende Erklärung zu: Nach den Zeitungsberichten hat der Reichswehrminsster Dr. Geßler am Frettag im Reichstag erklärt: Mit dem Reichswirsschastsverband deusscher Berufssoldaten versuchte ich vertrauensvoll zusammenzuarbeiten: als ich aber be- merkte, daß ich in meinem Hause bespitzelt wurde, daß Schreib- tische erbrochen wurden, daß man sich in Ofsiziersoersamm- lungen einschlich und ganz verkehrte Dinge darüber berichtet»� habe ich energisch durchgegriffen. Hierzu erklärt die Berbandsleitung des R.D.B., daß sie die vom Reichswehrminister gegen die Organisation erhobenen Be- schuldigungen zurückweist. Sie steht der Beibringung von B e- weisen entgegen. Der Berbandsleitung wurde vom Rcichdwehr- minister bisher kein einziger derartiger Fall mündlich oder schriftlich zur Kenntnis gebracht, so daß sie in der Lage ge- wesen wäre, gegen die Schuldigen vorzugehen. Auch sst keine der dem Verband auferlegten Einschränkungen der Versammlungs- fteiheit usw. durch derartige Vorkommnisse begründet worden,.son- dern der Reichswehrminister hat aus prinzipiellen Gründen, ohne daß„gewisse Handlungen" angegeben wurden, die Maßnahmen seiner Kommandeure gedeckt._ Zur dolchstoßlegenüe. Unter der Ueberschritt„Die Poltttk der Lüge" glaubte der satt- fam bekannte Oberst Nicolai süngst unsere Beiträge zur„Er- dolchung der Front' abtun zu können. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht jetzt ein interessantes Dokument, das gerade auch Herrn Nicolai angeht. Oberst Nicolai war im Kriege Chef des be- rühmten„Vaterländischen Unterrichts". Ein Unterrichtsoffizier über- sandte nun im Juni 1318 einen Stimmungsbericht, in dem er nach seinen Beobachtungen feststellt, daß in der Truppe Friedens- s e h n s u ch t herrsche und daß das Fehlschlagen unserer Offensive Enttäuschung hervorgerufen habe. Diese zutreffendem Feststellungen waren van der nächsthöheren Diensistelle durchstrichen und durch die Worte ersetzt worden:„Die Stimmung der Truppe ist im allgemeinen gut," und am Rand quer geschrieben stand: „Etwas mehr strammer Dienst hebt die Stimmung." Wer hat Politik der Lüge getrieben, Herr Nicolai?! Aus dem kronprinzenpalais. Der alte Ballsaal im ehemaligen Kronprinzenpalais hat feit seinem Bestehen wohl noch nie eine so intelligente Gesellschaft in seinen Wänden versammelt gesehen und so seine und kluge Worte vernommen, wie gestern mittag, als Dr. Redslob, der Reichskunstwart, dort seinen Dortrag übw den Maler und Graphiker E. L. Kirchner hielt, von dem in ande- ren Räumen des Palais eine Sonderausstellung zu sehen isö Der Vortrag, an den sich eine kurze Führung durch die Ausstellung an- schloß, gab nicht nur eine Einleitung in Kirchners Kunstart, sondern er war ein Wegweiser zum Erleben der modernen Kunst über- Haupt. Und zwar wählte Redslob als Eingangspforte da» neu« Raumgefühl, für dessen künstlerische Gestaltung Kirchner besonders eigenartige und starke Ausdrucksmittel gefunden hat. Vorher hatte Geheimrat Iusti tn einer kurzen Ansprache auf di? Einrichtungen und Veranstaltungen hingewiesen, durch die- er sich bemüht, der Nationalgalerie ein volkstümlicheres Gepröge zu geben. Wir haben von der Reformarbeit Iuftis unseren Lesern wiederholt berichtet und zugleich bedauert, daß nicht auch andere Berliner Museumsletter zeinem Beispiel gefolgt sind. Namentlich die Veranstaltung vop möglichst häufig wechselnden Ausstellungen erscheint uns als eines der wirksamsten Mittel, um das große Publikum zum regelmäßigen Besuch unserer Museen anzuregen. Der Direktor der Nattonalgalerie hat von diesem Mittel im letzten Jahre wiederhott mit schönstem Eefolge Georauch gemacht. Aber er hat sich damit zugleich-ein weitere» Verdienst er- warben, indem er hervorragenden deutschen und ausländischen Künstlern Gelegenheit bot, unter Ausschaltung des pri- vaten Kunst Handels mtt ihren Werken vor die Oeifentlichkeit zu treten. Es q,bt bereits eine Anzahl angesehener Künstler, die in Berlin überhaupt nicht mehr ausstellen, weil sie die geschäftliche Verbindung mit den Händlern vernieiden wollen, die den hiesigen Kunstmarkt beherrschen. Dos Bedürfnis nach„neutralen Aus- stellungsräumen" wird immer dringender. Die juryfteie Ausstellung am Lehrter Bahnhof kam diesem Bedürfnis bereits noch einer Richtung hin entgegen. Die Eliteausstellungen in der Nationalgalerie sind eine wertvolle und notwendige Ergänzung der juryfreien und wir wollen hoffen, daß diese Ausstellungen eine ständig« Einrichtung bleiben— trotz dem offenen und geheimen Widerstand«, der ihnen avs Kunsthändlertreisea naturgemäß«r- wachsen dürste. I. Q. Theater. Die nächsten Premieren der Kannnerspiele sind Eoldonis Luftspiel:„Der Impresario von Smyrna" und Walter Hasen- cleverS � e n s« i t S". Di« Srotze PottZoper. die in den ledten Monaten eine Reibe von Opernvorstellnngen in der Hasenbeide veranstalt-t hat. beginnt Ihre Kultur- arbeit jeht auch im Norden Grotz-BerlinS. Am Sonntag Nack- mittag, den 8. Februar, findet die erste Overitaul�-br"-» der G.B L im Walhallatbeater statt, und zwar hat man unter Berücksichtigung der Talsache, daß man in diesem Fall über ein richtiges Theater versiigt. das Ziel gleich sehr doch gesteckt, und eröffnet dt« Reihe der Opernanfführun- gen mtt Wagner»..L oh e n qr i n". An der Spitz« de« Orchesters von W Mann steht Kapellmeister Selmar Meyrowitz. Die SpieNeitnng hat Hermann Bachmann von der Staatsoper übernomtnen. Als Mitwirkend« sind ein« Reih« von ersten Kräften m Aussicht genommen. Di« Preise der Plötze bewegen sich zwischen t Mk. und einein Höchstpreis von SV Mk., so dag also den weitesten Kreisen der Besuch dieser Aus- pchrung erschwinglich sei« wird. Nr. 4$ ❖ 5S. Jahrgang 7. Heilage öes vorwärts Sonntag, Z0. Januar 1921 Paul Singer. Zu seinem 10 jährige« Todestage. Von Eduard Bern st ein. Am 31. Januar sind es zehn Jahre, daß Paul Singer von uns gegangen ist, nachdem er über ein Vierteljahrhundert der Sozialdemokratie als einer ihrer angesehensten Führer unschätzbare Dienste geleistet hatte. Was Paul Singer für die Partei der deutschen Arbeiter gewesen ist, läßt sich in einem kurzen Nachruf nur schwer zur Anschauung bringen. Seine politische Tätigkeit für sie war eine außerordentlich vielseitige. Sic fetzte schon lange vorher ein, ehe er im Jahre 1884 in der Oeffentlichkeit als einer ihrer Vertreter bekannt wurde. Der Schreiber dieses lernte ihn bereits Ende 1873 als Sozialdemokrat kennen, und da ich die Umstände, unter denen es geschah, schon früher einmal erzählt habe, will ich hier nur wiederholen, daß, als ich damals für das kleine Häuflein der Sozialdemokraten B e b e l- L ie b- k n e ch t s ch e r Richtung zu ihm, der noch Mitglied der bürgerlich-demokratischen Partei war, mit einer Sammelliste für unfern Wahlfonds kam, da der ehrwürdige Johann Jacoby unser gemeinsamer Kandidat war, er im Gegensatz zu den meisten andern„Bürgerlichen", bei denen ich vorher gewesen war, er mich mit der Erklärung erfreute, er unterstütze die Wahl Jacobys„nicht, obgleich dieser der Sozialdemo- kratie beigetreten, sondern weil er ihr beigetreten" sei, und mir eine alles, was ich bis dahin an Beiträgen erhalten, bei weitem übersteigende Summe mit den Worten übergab:„Hier, haben Sie etwas Geld, und wennSiemehr brauchen. dann kommen Sie wieder". Man kann sich heute nicht vorstellen, was das damals für uns hich, die wir noch auf allen Seiten als Narren oder Schlimmeres betrachtet wurden. Mehr noch als die Höhe der Spende begeisterten nnch-die begleitenden Worte und der Ton. in dem sie gesprochen wurden. Deutlich ließen sie den Wunsch erkennen, daß der Spender sich nicht als ein Gönner, sondern als ein opferbereiter Gesinnungsfreund betrachtet wissen wollte. Und als ein solcher hat sich Paul Singer uns die ganzen Jahre über bewährt, ehe er sich unmittelbar am Werk der Partei beteiligte. Gewiß, es ging ihm materiell gut. er halle das Unternehmen, das er und sein Bruder Heinrich mit sehr bescheidenen Mitteln gegründet hatten, erfolgreich in die Höhe gebracht. Aber er war darum doch kein reicher Mann, son- dern mußte tüchtig im Geschäft arbeiten, um den mancherlei Verpflichtungen gerecht zu werden, die er sonst noch weit- herzig auf sich genommen hatte. Er gab der Partei, well es ihm Freude machte, ihr beistehen zu können. Und a� die Zell kam, wo Gell» allein es nicht tat, als sie, unter das Aus- nahmegesetz gestellt, außer materieller Hilfe Rat und inten- sive Mitarbell brauchte, da ward aus dem stets freigebigen Gesinnungsgenossen der Mitkämpfer und bald aus diesem der Mitfübrer. Das Sozialistengesetz gab dem Leben Paul Mn- gers die. neue Richtung. Schon als es heranzog, sehen wir ihn an den intimen Besprechungen in Berlin teilnehmen, wo man beratschlagt, was zu tun, wenn es Wirklichkeit werden sollte. Und als es da war und die Schläge viel, viel schärfer auf die Partei herniedersausten als man vorausgesehen, als gar manche schwach wurden, die man für stark gehalten, da erwies er sich, den verschiedene nur als einen Halben ange- sehen, als ein Ganzer, fest und stark. Er wird zum geistigen Mittelpunkt der Bewegung in Berlin, er ist Teilnehmer an den Besprechungen in Leipzig und Zürich, auf denen die Grün- dung des„Sozialdemokrat" beschlossen wird, er wird Bc- sucher der„Ca p o r a" genannten geheimen Versammlungen der sozialistischen Vertrauensmänner Berlins, jener Zu- sammenkünfte, die für jeden Tellnehmer, den die Polizei dort überraschte, die Ausweisung bedeutete, und erwirbt sich so großes Vertrauen, daß Berlins Arbeiterschaft ihn 1884 in den Reichstag und das Berliner Raihaus entsendet und bis zu seinem Ende die beiden Mandate bei jeder späteren Wahl mit erhöhter Stimmenzahl erneuert. Wo Singer mehr geleistet hat, ob im Reichsparlament oder in der Verwaltung der Reichshauptstadt, mag strittig erscheinen. Ich glaube nicht, daß ich auf Widerspruch bei ihm gestoßen wäre, wenn ich erklärt hätte, in der letzteren. Denn da hat er bahnbrechend gewirkt. Er war von den ersten Sozialdemokraten, die in das Berliner Stadtparla- in c n t einrückten, und gab der Politik der sozialistischen Fraktion dort die Richtung. Unter heftigen Kämpfen mit der dort allmächtigen liberalen Partei, oft bitter angefeindet und verdächtigt, erreichte er es, daß sein Wort, daß die Stimme der Partei immer stärker gehört wurde, daß die Kritik nicht mehr nur aufs negieren angewiesen blieb, sondern in immer höherem Grade schöpferische Wirkung erzielte. Eine Reche der sozialen Einrichtungen Berlins, auf welche die bürger- liche Mehrheit der Stadtverordneten später selbst stolz war, sind erst unter dem Druck der von Singer geleiteten sozio- listischen Kritik zu dem geworden, was ihnen die große An- erkennung eintrug. Hier, in der Verwaltung, kam neben seinem ausgeprägten sozialistischen Radikalismus sein hervor- ragend praktischer Sinn des erfahrenen Geschäftsmannes zu vortellhaftester Geltung. Im Reichstag lag das Schwergewicht der fozialdemo- kratischen Politik unter dem Kaiserreich auf der Seite der Kritik. Auch hier leistete Singer Tüchtiges, minder Zeit sogar Bedeutendes, so daß er schließlich dem ihm zunächst überlege- nen Bebel ebenbürtig zur Seite stand. Er hat sich zu einem parlamentarischen Taktiker ersten Ranges entwickelt, der die Geschäftsordnung des Reichstags beherrschte wie kein zweiter, und als ihr Meister auch allseitige Anerkennung genoß. Daß er einen Reichstagspräsidenten ersten Ranges abgegeben hätte, wenn ein solcher unter dem Kaiserreich möglich gewesen wäre, hat seine Meisterschaft in der Leitung der Parteitage der So- zialdemokratie bewiesen, die in der Zeit, wo er mit Bebel Lorsitzender der Partei war, sich zi? Zusammenkünften aus- gestalteten, auf die ganz Deutschland mit Interesse blickte, und die in zunehmendem Grade von Vertretern der Sozialdemo-' kratie des Auslandes besucht wurden. Weniger als Bebel nahm Singer an den Diskussionen über die sozialistische Doktrin Anteil, im Streit um die Politik der Sozialdemokratie aber stand er mit ihm auf der Linken der Partei, manchmal sogar noch weiter links als jener. Wenn darüber gestritten werden kann, auf welcher Seite Bebel bei den verhängnisvollen Entscheidungen der Partei am 3. und 4. August 1914 gestanden hätte, so ist bei denen, die Paul Singer näher kannten, kein Zweifel daran möglich, daß dieser die Haltung eingenommen hätte, die sein Nachfolger im Vorstand der Partei, Hugo Haase, damals ein- nahm. Indes zog er doch auch nach links seine Grenze. Die auf Spaltung der Partei abzielenden Spartakustreibereien hätte er nie mitgemacht oder gutgeheißen, und bei dem großen Einfluß und Vertrauen, das er in der Arbeiterschaft genoß, wäre es seiner Energie und Umsicht vielleicht gelungen, dieses Unheil von der deutschen Sozialdemokratie abzuwehren. Er war als Politiker radikal, aber war zugleich Gegner aller P h a n ta st e r e i in der Aktion der Partei. Sein geschärfter Blick für das praktisch Mögliche ließ ihn nie den Boden unter den Füßen verlieren und den Wert positiv bauen- der Arbeit unterschätzen. Als ich in der letzten längeren Unterhaltung, die ich mit dem schon schwer Leidenden haben durfte, die Frage an ihn richtete, auf welche der Taten seines an solchen so reichen Wllkens er mit größter Befriedigung zurückblicke, antwortete er ohne Besinnen:„Aus die Grün- dung des Asyls für Obdachlose". Daß er mit Gleichgesinnten eine Stätte hatte schaffen können, die den am sozialen Ab- grund stehenden eine polizeifreie Unterkunft bot, erfüllte ihn mit der größten Genugtuung. Auf dem städtischen Begräbnisplatz in Friedrichsfclde ruhen feine Reste neben denen Wilhelm Liebknechts und anderer� Streiter, und die Partei hat ihm dort einen Gedenk- stein errichtet, der von der großen Dankbarkeit zeugt, in ber sie sein Andenken hält. Aber sein eigentliches Denkmal ist doch jenes mächtige Gebäude im Norden Berlins, das der Volksmund nach der Straße, in der es steht, die Wiefenburg, getauft hat. Solange das Asyl, das es umschließt, in dem Geist geleitet wird, für den Paul Singer Zeit seines Lebens Sorge trug, wird es Zeugnis ablegen von dem hohen Sinn, der im unablässigen Wirken für die Zukunft zugleich den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden weiß und die Seelen der Aermsten zu lesen verstand. Soziales. Gefchäflshochhäufer. Einem Erlaß des preußischen Wohlfahrtsministers, der die Ant- wort ouf den Bericht eines Regierungspräsidenten darstellt, ent- nehmen wir die nachfolgende Stellungnahme des Ministeriums: „Ich habe keine grundsätzlichen Bedenken dagegen zu erheben, daß in Ortschaften, in denen sich«in entsprechendes Bedürfnis gel- tend macht, die Errichtung vielgeschossiger Häuser (Hochhäuser) für Geschäfts- und Verwaltungszwecke zugelassen wird. Derartige Hochhäuser bedürfen aber im Hinblick auf die schädigenden Einwirkungen, die sie durch Lichtentziehung usw. auf die Nachbar- schaft ausüben können, namentlich aber auch aus Rücksichten des Verkehrs und der Erhaltung künstlerisch�defriedigender Städtebilder einer besonderen Beurteilung in jedem Einzelfalle. Es ist deswegen nicht ratsam, allgemeingültige Richtlinien für die Zu- lasiung derartiger Bauten in die Bauordnungen auszunehmen: viel- mehr empfiehlt es sich, die Zulassung nur im Einzelfalle auf dem Dispenswege zu ermöglichen. Bei der Bedeutung der Frage für die Allgemeinheit muß ich Wert darauf legen, daß die Bau- entwürfe für die Hochhäuser vor Weitergabe an die Dispensbehördeir zunächst mir mit dortiger gutachtlicher Aeußerumg über die ins- besondere auch zum Schutze der Nachbarschaft zu stellenden Dispens- bedingungen bis auf weiteres zur Stellungnahme vorgelegt werden." Geschäftliche Mtteilungen. Sie Jitrn« ff. H. Mewi», Spittclmarlt 11, veranstaltet zurzeit eilten Svisoil- Raumungsvcrkauf. Als besondere BergLnstigung wird ein Rabatt von l» Proz. gewährt. Näheres gehe Inserat. Hermann Sctson veranstaltet von Montag, den ZI. Januar, ab in seinen Geschäftsräumen, Werderscher Markt 5.'6, eine Ausstellung von Wäsche und Weißwaren. Die Preis« sind so mäßig gegellt, daß nun jeder Haushalt daran denken kann, sich zu vervollständigen. Wir verweisen aus das Inserat in der heutigen Ausgabe. Die von der Firma Hermann Tieß ehemals ins Leben gerufene W e i ße Woche findet- nach langjähriger Pause wieder statt.— Zum ersten Male nach dem Kriege sieht man wieder grobe Mengen? wohlfeiler Ware anigestapelt! auch weisen die Lichthäse, wie in Friodcnozeiten, sehenswerte Dekorationen auf. Eine 5 Meter lange Stickereimaschlac sowie die erforderlichen Neben- Maschinen werden während der„Weihen Woche", beginnend Montag, 31. Januar, im Hause W e r t h e i m, Leipziger Straße, vorgesllhrt. In inlcrcffantcr Weise wird durch Arbeitskräfte des Boqtlandes, dem Zentrum der deutschen Stickerei- indnstric, die Herstellung vom Rohgcwebe.bis zum Fertiafabrikot gezeigt, aus- genommen die erforderlich- chemische Prozedur. Die deutsche Stickereiindustric, im Wiederaufbau begriffen, zeigt Qualitätsarbeiten, die in jeder Beziehung mit denen des Auslandes konkurrieren. Daß außerdem die gesamte„Weiß". Industrie in dieser Woche in bezug aus Preiswllrdigkeit, Qualität und Auswahl höchste Leistungen bringt, sei noch besonders hervorgehoben. „Tiooli", Chausscesir. 2s. Am 1. Februar swdet vollständiger Programm- Wechsel statt. Nähere» in dem heutigen Inserat. Einem Dell unserer heutigen Auflage von„Volk und Zeit" liegt ei» Pro, svekt der Kohlcnfirma Berger». ttulp, Desiauer Str. 27, bei. BERLIN C2 Breitestrasse BERLIN C2 Brüderstrasse Preiswerte Angebote Weiße Wäschestoffe in verschiedenen......._.., Ä Stärken, das Meter M. 9-80 10-50 12.50 14.50 16-50usvr. 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M. 125« TfteaterViictitsj�e�etcr� Opernhans A'.da 5 Uhr Schaospielhaos Plt Uhr: Die Rauenstelnerin r Mir: DI e Steme Bratsclies Klinstler-Tliealer 9 Uhr: Pyj�iuiUaD Allabenulich 7'/: Uhr; OieScheldnngsreise mit hlax Adalbert und Trade Hesterberg Deutsches Theater ZV» Uhr: Der Scheiterheufen B Uhr: Cfisar und Kleopetra Mon. 7; Kabale und Liebe fianunerspieie PU Uhr: Frfihlings Erwachen T/sU.: Der pathetische Hut Mtd. 7: Florindo. Hieraul: Der Abenteurer und die SBogerln Gr. Schauspielhaus (KarlstraBe) ?/, Uhr: üanton(aaßAbonn.) 7 Uhr; Florian Oejer f AuS. A.) W ig.: Danton(Oese nl. Aufl.) Theater i. d. KQoiggrÜtzer Str. Nachm. 3 Uhr: Rausch Täglich 7,13 Uhr; Jekaterina Iwanowna fLacie Höflich, Paul Bildt, Dernburg, Pröckl, Römer, Schlegel, Marba. Lehndorft) Montag, 7. Februar; Salome (Orska-Hartau, Liechtenstein, Veidt, Dernburg.) KomOdlenhaus 3 Uhr:„Sie"(EL Oläiiner) •/s8: Die Sache mit Lola mit Max Palieobcrg Berliner Theater 3 Uhr; Der letzte Walzar 'Iji Uhr: Die spanische Nachtigall mic PritzlMassary Residenz- Theater Heute 4 Uhr. halbe Preise: l»le Freandln Tik'lich 7'/. Uhr: !zch WinderDieres Faclier Brnsiädt, Sandrock, Toclle, Korfl, Falkenstein, Otto, llamelok, Vallenttn Trianon-Theater Heute 4 Uhr, halbe Preise: Katumerinaaik Täglich 8 Ohr: Das Wundermittel von Ludwig Fulda. Käthe Haack, Julius Falkenstein. Paul Morgan, Kurt von Möllen ilurll, Luise Werck- __ melster, Alfred Waase_ Kleines Theater Unter den Linden 44. Täglich'/«S Uhr: dinnanovuw btohn Lustspiel von Rudoli Lothar. Eugen Burg, Nadv Christians. Bans Albers, lleinr. Sehroth. Morgen u. folg. Tage 8 Uhr: Casanovas Sohn Volksbühne AÄ. P/'p Uhr: Kabale und Liebe 7 Uhr: Das Postamt und Die Komödie der Irrungen Mon. 7: Kabale und Liebe Oentral-Theutcr PI2 Uhr; Heimat '•fc: fraß Bärbel(Operette) Ikentnehes Opernhnna 7 Uhr: TOSCa Brledr.-Wllhrlmst.Th ■�uhr fiohell die Tänzerin Kl. Seliansplelhnua 7v, uhr Reigen Komische Oper P/«: Raub der Sabinerinnen TVtu.: ßaroneßclien Sarah Lnstspielhnns je/jUhr: Familie Hannemann i'l, Ulir: Arnold Rleck in Die schwebende Jungfrau Xfetropol-Theater 3 Uhr: 300 Tage mit äuido Tblelscher u.: Holland weibcheu Meiies Operettentheat. Jt/e Uhr: Oer Oberstelger jveu.: Yn-Shl tanzt STenen Volkstheatcr Heute und morgen ?/- uhr: Pension SchSlIer Mclitller-Thest. Churi. 3 Uhr: Der Melneldbauer �flaehsmannalsErzleliep Thnlls-Th enter 3 Uhr; Das Olfioksmadel 7v« uhr; Mascottchen Th.am3Iollcnd«rrplatK 3Vv Uhr: Drei alte Schachteln 7 uhr: Wenn Liehe erwaehl Theater des Westens p/, Uhr; Die Frau Im Herrn elw Tv.uhr: Sehwalbenhochzeit ThnlsdoKommacdantenstr» wu.: DerverjOngteAdoiar Wallner-Thenter 3V| Uhr: Eine Balliracht zr' Per Geiger von Lopno Rose-Theater 7V» Uhr: HoffminganfSeuen Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.%8 Nur noch bis 3. Februar; Der Fehltritt einer Frau Freitag, 4. Febr., tum I. Male: Oer GroBlürst Berliner Posse in 3 Akten Sonniau 3>/� Eine lldele Ehe. Admiralspalast 3»),: Die lustige Puppe p/st Die roten Schuhe Morg. 7V>: Die roten Schuhe APOLLO-THEATER Lesslng-Iheater 3 Uhr: Frau Warrens Gewerbe u!° Ein idealer Gatte Montag 7>/z Uhr; Flamme Oienstag bis Donnerstag Te/at Kin idealer Gatte Freitag 7'/o Uhr: Flamme Sonnabend und Sonntag 7'�: Ein idealer Gatte Montag 7Iii Uhr: Flamme DIREKTION: JAMES KLEIN VS.SSC VC. »»vvvvvvvvvwvvv Dienstag, den 1. Februar, abends J1/» Uhr Zum ersten Male i Madame Dubarrys Uebesleben Großes historisches Ausstattungsstack In 4 Bildern In Sxene gesetzt vom Oirektor James Klein. Unter Mitwirkung der weltberahmten, aus Amerika zurOckgokehrten als iGräflnDubarryl Mitwirkende Unter anderem: Das Nachtfesl am Hofe Königs Ludwig XV. ♦ Lebende Kolossal-GemMIde ♦ Brand von Paris ♦ Ikarische Gaukler ♦ Rokoko• Balletts Vorverkauf ab 10 Uhr Folies Caprice Am Oranienburger Tor Täglich Vi» Uhr: Pfeffer und Salz Der schlaue Theophil Der Doppelgänger Telephon: Norden 8650 Honigstadt-Theater Bahnhof Jannowitzbrücke Tägl. 7.30 tiala•Sänger Im Ballsaal TANZ LkktmOnfÄ, irden»«0_| Tägl. 7". Sonntag 3 Uhr. I -——"Nur noch wenige Tage| Flieg.Menschen, Eisbären, I Löwen. Orefl» Traum. 1 Vorverkauf Circuskasse I ab in Uhr ununterbrochen I OranlenstraBe 89 94 Täglich 8 Uhr: Eiito-Programm Theater am Kottbuser Ter Kottbuscr Str. 6 Tägl 7V. und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sänger Zum SchluB: „Tannhäuser14 (Parodie) Nachm.halb.Preise Vorv.ll-l1/, u. 4 6. Schall ond Ranch im ütoBen Schauspielhaus Dir. Hans v. Wolzogen. Telephon: Norden 8643. Konz. T'/jUn Beginn SVjU. Gussy Holl, Paul Graetz, Joachim Ringelnatz, Wolf Kilian!], Gregor Ratoff. Josenha Bursteen, Annemarie Hase.C.K.Roelllnghoff Conf. Richard Rillo. Am Flog. Mischa Spnllanski. Kapelle Leomdoit. lim RejehstialL-Ttieater Abdä. I'/jC. n. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Stettin er Sänger Nehm. halb. Pr..' Germania-Praehtsäle Chausseestr. 110 C. Richter Hoffmann«! Anfang« Uhr, des Konzerts S'/jUhi und OroBerBall Potsdamer Str. 98 Turmstr. II Alezander pl�Pass. Präsident| Sarrada mit Michael Bohnen Priedenan, Rheinstr. 14 1 fern Andrai Die Tänzerin v. DscbaipurS und Die Dome In Scbwa fä fi/t1< hetfl 4, 6 und 8 Uhr Oer grast t Uta- Messter- Püm SerSttervonOlivera ». 1 gielcho. ScIUMoiel i. Haurieh Llienltii mit Emil lannings Hanna Ralph Regie: Erleb Scbönfcldci Ehren' und Freikarten ungültig»! Vorverkauf von II bis 1 Uhr Die rote Hexe mitErOta Bliiner■ Hermann?allentln Regte: Friedrich Feher MayM eisler-Film Die Frauen vom Gnadenstein von Thea v. Harhon iind Joe Hay mit Erich Kaiser-Titz Regle: Rober« Dinescn Die lieblingsfrau des Maharadscha III. Teil m» Gunnar Tolnaec na Ii«dt Hins' Lm Noretii- fflti Kcrta-r Regle; MNX Mack Ein nächtlicher Ucherfali B. B. Lastspiel mit Leo Pcnkert Ich— bin— Dn mit Hans Mlerendortf Re�ic: Urban Gad ) M a y- M e i a t e r* F 1 1 m IDas wandernde Bild mit M I A MAY Regie: Frtte Lang Anna Boleyn T i« e l rolle; Henny Porten König Heinrich der Achte: Emil Jannings Regie: Krnst Lubitsch j Verlangen Sie überall die„Anna: : Boleyn"-Nurarn er der„Fümkunsr'; Arme Violetta ml« POLA NEGRI Alexander v. Anlallfy Regle; Panl Lndw. Stein Hauptscblager Arme Violetta Besonderer Spielplan in den Neuköllner Zeitnngenl Wochentags ab 7 Uhr Letzte Vorführung'LS Uhr Sonntags Beginn 4 Uhr Letzte Vorführung 8 Uhr Hr. 4« ♦ Jahrgang t)OttOCH?t6 Sonntag. 30.1anuerrl921 Heim voll Ein Gang üurch berliner Volksküchen. Die Volksküchenfragc stellt sich heute mit als eine der wichtigsten der sozialen Fürsorge dar. Das Eingehen viele? Küchen dieser Art hat besonders in dieser Zeit Erbitterung erregt, wo der einzelne Unbemittelte durch Wohnungsnot, mangelnde Heiz- und Kochgelegenheit nicht in der Lage ist(ganz abgesehen von den Kosten), sür die Zubereitung seiner Ernährung Sorge zu tragen. Es kommt noch besonders in den Wintermonaten hinzu, daß die Volksküchen als Auf- enthaltsräume eine wichtige Rolle spielen, eine Tatsache, die bisher lange nicht genug gewürdigt wurde. Wir haben einige Berliner Volksküchen in verschiedenen Stadtgegenden besucht und wollen in den folgenden Zellen besonders hervorheben, was Abhilfe dringend erfordert. Die Einrichtung neuer Volksküchen und der weitere Ausbau der bestehenden muß damit Hand in Hand gehen. Süöosten. Dem Eingang eines Kellerlokals entströmt ein angenehmer Speisengeruch. Männer und Frauen drängen sich, um hineinzu- kämmen, denn draußen ist es kalt und die meisten der Harrenden sind nur dürftig bekleidet. Sie murren über die Kälte und den Schnee, der in wirbelnden Flocken niederfällt. Nur langsam rücken sie vor, weil die engen Räume da unten lchon überfüllt sind. Sobald einzelne Personen herauskommen, drängen sich ebensoviele von den Anstehenden hinunter. Unten ist es warm, sehr warm sogar und dabei feucht, denn der heiße„Wrasen" aus der Küche kann nicht genügend abziehen. Durch die offene Küchentür blicken drei riesige Kessel, in denen die SpeistA brodeln, und daneben kräftige Frauengestalten, die Zu- bereitung und Verteilung zu besorgen haben. Aus den großen Kesseln werden die Speisen zunächst in kleinere Behälter und dann aus diesen in die bereitgestellten Eßnäpfe geschöpft. Nach Lösung einer Karte erhält man die gewünschte halbe oder ganze Portion imd kann sich nun— wenn ein Platz frei ist— damit an einen Tisch begeben. Wer keinen Löffel hat, muß für diesen eine Mark als Pfand hinterlegen. Es sind nur zwei kleine Räume für die Gäste vor- banden, sie erweisen sich dem zeitweise sehr starken Andrang gegen- über als ganz unzureichend. Gartentische und eiserne Gartenstühle bilderr die- Ausstattung. Ein Blick auf die Tischgenossen lehrt, daß hier viele Krüppel, alte erwerbsunfähige und sonstige notleidende Leute ihren Hunger stillen. Hier ein halberblindeter, dort ein lahmer Greis, und beiden zur Sekte alte, greis« Mütterchen mit tiefgefurchter Stirn und hohlen Wangen, den stummen und doch beredten Zeugen vom harten Kampf ums Dasein. „Es schmeckt mir gut"— flüstert mein Nachbar, ein alter, weißbärtiger Invalide—,»gerne würde ich mir eine„Ganze" kaufen, wenn ich mehr Geld hätte."— Ich nicke zustimmend, denn das Essen ist mager, ober doch schmackhaft bereitet. Mein Gegen- über tröstet ihn damit, daß die drüben an der Wand stehenden Per- sonen noch viel übler dran sind. Er zeigt dabei auf eine Gruppe, die darauf wartet, bis einer von den glücklicheren Gästen etwas von seinem Essen stehen läßt.'... �._••••■>* Di« sonstigen Gesprächs drehten sich ausschließlich um die Frage, wo man die besten Volksküchen finde. Ein alter Gast ver- teidigte hierbei die Behauptung, daß man diese im Westen an- treffen werde. Westen. Eine sichtbare Auffchrift belehrte mich hier im Westen Berlins, daß ich am Ziel war. Speisezeit ist von 11 bis Ws Uhr. Ich trete ein. Hinter einer Sperre sitzt eine Dame, die ich um eine Speise- marke bitte. „Die erhalten Sie hinten, ich kann Ihnen nur Pfandmarken geben. Es sind 2 M. für einen Ehnapf zu hinterlegen, dafür gibt es eine Pappmarte und eine Marke aus Blech. Die letztere dient als Ausweis, daß die Hinterlegung stattgefunden hat, sie muß vor Verabfolgung des Essens am Tisch der Vorstandsdamen abgegeben ! zu Tisch. werden, und wird hier nach Abgabe des Eßnapfes zurückgereicht, während die Poppmärke in. ihrem Besitz verbleibt: Beim Verlässen des Lokals müssen, beide Marken gegen Rückgabe der 2 M. wieder abgeliefert werden."— Ich präge mir diese Belehrung ein und gehe nun zur Kasse:„Bitte um eine Speisemorke."—„Es tut Mir leid, für heute können Sie keine bekommen, denn Speisemorken sind stets am vorhergehenden Tage zu lösen."— Ich wende mich an die am- tierende Borstandsdame mit meiner Bitte. »Tut mir leid, wenn Sie heute eine Marke lösen, können Sie morgen hier essen." „Ich möchte doch gerne heute essen." „Das geht nicht, aber Suppe können Sie nach Lösung einer' Suppenmarke haben." Ich lös« mir nun eine Suppenmarke und bitte nach Empfang der Suppe um«inen Löffel.—„Löffel haben wir leider nicht"— lautet die Antwort,„auch die letzten sind uns gestohlen worden."— »Ich kann aber doch ohne Löffel die Suppe nicht essen."—„Tut mir sehr leid, Sie müssen sich einen mitbringen."— Ich blicke erst bedenklich auf meine Suppe und dann aus die Dame. Endlich zeigt sie mit den Worten auf einen Gast:„Wenn dieser ausgegessen hat, werde ich Ihnen einen Löffel verschaffen."— Ich warte, bis ich den Löffel erhalte. Jetzt kann ich mich zum Essen niedersetzen und von meinem Platz aus Umschau halten. Das Lokal ist groß und sauber, Tische und Stühle sind rein und an den Wänden sind für Kopfbedeckung imd Kleidungsstücke Riegel angebracht. Alles macht einen guten Eindruck. Das Essen sieht appetitlich aus und schmeckt auch. Die Gäste sind hier im all- gemeinen etwas besser bekleidet. Den älteren kann man es sozu- sagen vom Gesicht ablesen, daß sie früher bessere Tage gesehen hoben. 5)ier sitzt ein Mann, der vor einigen Iahren noch Fabrik- besitzer war, dort ein anderer mit weißem Vollbart und wallendem Haar, der, wie er erzählt, früher über riesige Summen verfügen konnte. An runden Tischen finden die allen Bekannten sich regel- mäßig zusammen, um sich nach Einnahme der Mahlzeit noch ein Weilchen zu unterhalten. Und es wird nicht bloß über Fragen der Volksküche oder Invalidenrente gesprochen, sondern auch lebhaft politisiert. Nur wenige von den Anwesenden sind mit äußerlich er- kennbaren körperlichen Gebrechen behastet. Die Bestimmung, daß �die Speisemorken schon am vorhergehenden Tage zu lösen sind, 'führt fast täglich zu heftigen Auftritten. Auch während meiner An- Wesenheit klagt ein Mann darüber, daß seine vorgestern gelöste Marke nicht mehr angenommen wird.—»Wir können doch nicht kommen, wenn der Arbeitgeber uns nach einem/ anderen Stadtteil beordert," erwidert er den Damen, die seine Marke zurückweisen. Kaum ist er fort, so gehen zwei kleine Kinder von Tisch zu Tisch,. um eine Speisemarke zu verkaufen, die Vater gestern gelöst hat. „Vater kann heute nicht kommen," erklären sie. Sie haben diesmal Glück, indem ein Gast ihnen die Marke abkauft. Ein Zuruf kündet den Schluß der Speisezei! an und langsam leeren. sich darauf die Räum«. Norde«. Im Norden Berlins, ist es nicht leicht, e;ne Volksküche aufzufinden.• Viele sind in neuerer Zeit ausgelöst: und nicht durch ander« ersetzt worden. Nach langem Hin--nNd H erfragen gelang es mir doch Der Betrieb befindet sich km Parterre eines der Äteren Häuser Berlins. Bureaukratifche Vorschriften sind nicht vorhanden, nie- mand braucht sich am vorhergehenden. Tage schon ein« Speisemorke zu lösen. Der Hungrige erhall ohne llmschweis« Speis« und Trank, so- bald er sich von den Damen am Vorstandstisch eine Marke getauft hat. Der Preis für das Essen ist freilich— wie in den meisten anderen Volksküchen— erhöht worden, es ist aber reichlich und gut und wird den Gästen durch Angestellte vorgetragen. Nur für den Löffel muß Pfand hinterlegt werden. Die einfach eingerichteten Räumlichkeiten reichen.leider nicht immer aus, um in der Zeit des größten Andranges alle Gäste aufzunehmen, man muß dann war- ten, bis an den Tischen Plätze frei werden. Im Gegensatz zu den vorstehend beschriebenen sind die Gäste hier fast durchweg jüngere Schweres Blut. Söf Roman vonZuhani Aho. Daß er aber nicht endlich kommt? Er hat sich wohl noch nicht losmachen können. Er verläßt mich nicht, er verläßt mich nicht... woher habe ich nur diesen Gedanken?— Wenn ihm nur nichts zugestoßen ist! Es sollen ja noch Stromschnellen auf seinem Wege sein, ehe er nach Hause kommt. Sein Boot kann aufgerannt und umgeschlagen sein, da er nicht einmal einen Ruderer hat. Weshalb hat er mich nicht als Ruderer initgenonffnen? Was soll aus mir werden, wohin soll ich gehen, wenn er nicht wiederkommt? Es war zufällig ein regnerischer Tag, durch das Dach der Fischerhütte sickerten Tropfen. Es war etwas unbehaglich in dem Häuschen. Er hätte mich doch mitnehmen können, wohin er gegangen ist. Da hätte ich gesehen, wie sie dort leben, wie das Leben seiner Sippe ist, wie das berühmte Karelien, das er gelobt und gepriesen hat. Dorther soll ich ja auch stammen. Dorthin ver- sprach er mich ja zu bringen, mich dort zur Wirtin eines großen Gehöfts zu machen. Doch hätte er mich vielleicht wirklich mit- genommen, wenn ich mich nicht gesträubt hätte? Ich wollte ja selber hierbleiben. Aber ich wußte ja nicht, daß es so lange dauern würde— gleich drei ganze Wochen. Und er hat nur einmal gefragt, ob ich mitkommen wolle. Hätte auch zweimal fragen können, wenn er richtig gewollt hätte. Aber vielleicht wollte er gar nicht. Vielleicht wußte er, daß sein Vater und seine Mutter und seine große Sippe dagegen sind, daß er ein schwedisches Wejb herbringt? Vielleicht gelingt es ihm dort, sie umzustimmen? Vielleicht haben sie nein gesagt, und er will nicht kommen? Oder sie bereiten dort schon alles zur Hochzeit vor. überraschen mich und holen mich zur Hochzeit ab. — Wenn sie dagegen sind, gehe ich nicht hin. Eindrängen werde ich mich nicht, ich will nicht noch einmal eine Schwieger- mutter gegen mich erbosen. Wenn ich denen dort nicht gut genug bin, werde ich es ihm hier sein. Marja versuchte sich zu trösten. Aber ihre Augen weinten am Abend, und ihr Herz fand auch am Morgen keine Freude. Es vermißte der Arm in der Nacht den Hals des Freundes. Wenn er nicht über die Insel in der Stromschnelle hinaus av mich gedacht hat? Wenn er mich nur mitgenommen hat, weil ich sagte, ich würde sonst ins Waffer gehen? Wenn ich zp unverschämt gegen ihn gewesen bin? Aber er hätte mich ja können gehen heißen, wo es ihm beliebte. Hätte nur ein Wort sagen dürfen. Hätte mich ja nicht bis hierher zu bringen brauchen. Kann mich ja noch zurückschicken. Weshalb riß er damals mein Laub zwischen dem Boots- rand und dem. Wasserbord weg? Weshalb war sein Blick damals so voll Ueberdruß? Woher soll ich wissen, wer er sein mag? Einen Tage habe ich den Mann gesehen, da bin ich gleich mit ihm fortgezogen. - Nein, nein.. er ist kein solcher.. nein.. kein solcher. Ich bin töricht, ich schlecht.. er gut.. ich.. er nicht, nein! Es näherten sich Schritte. Marja eille an die Tür. Schon bevor sie hinauskam, hatte sie alles bereut. Aber es war gar nicht Schemeikka. Es war ein nasser alter Mann, der sich das Wasser von seinem unüberzogenen Pelz schüttelte. »Hier scheinen ja Menschen zu sein," sagte der Alte, sich zur Tür hereinbückend. „Wer seid ihr? Ihr seid-fein Hiesiger?" „Woher weiß du das?" „Ich höre es an eurer Sprache." „Du bist auch nicht von hier.' Marja bat ihn, sich zu setzen und schob den Suppennapf vor ihn hin. Sie saßen einander an den Tischenden gegen» über, ohne zu sprechen. „Ich wollte einmal nach meiner Winterhütte sehen," sägte der Alte, nachdem er kurze Zeit gegessen hatte. „Wohnt ihr hier im Winter?" „Ich habe das Häuschen gebaut und auch die Badestube. — Ich wollte einmal nachsehen, weil ich Rauch aussteigen sah; wäre wohl auch schon früher gekommen."... „Weshalb wohnt ihr denn aber nicht auch im Sommer hier?" „Da brauchen sie dies als Fischerhütte und sonst. Ich siedle für den Sommer immer dort an die andere Seite des Sees über, da habe ich eine Reisighütte." „Wenn ich das nur gewußt hätte, dann würde ich euch besucht haben." „Das wäre ja hübsch gewesen." „Was treibt ihr denn hier?" „Ich halle ihnen die Netze in Stand." „Wie seid ihr denn aber hierher gerate»?"' Leute, darunter viele Mitbürger jüdischen Glaubens. Dieser Sach» läge entsprechend berühren die Gespräch« überwiegend nur Tages» Neuigkeiten auf den Gebieten wirtschaftlichen oder werttätigen Lebens, politische Unterhaltungen sind weniger wahrzunehmen. In dieser wie auch in den anderen Volksküchen bekunden die Gäste den gewiß berechtigten Wunsch, daß es diesen dem Wohl der ärmeren Bevölkerung dienenden Anstalten beschieden sein möge, noch recht lange eine segensreiche Tätigkeit zu entfalten. „�rmenküche'. Einmal im Norden Berlins, wollen wir unsere Schritte nach einer der ältesten Straßen in diesem weiten Stadtteil lenken. Sie ist auch eine der schmälsten, so daß zwei Wagen kaum nebeneinander ' fahren können. Hier gelangen wir nach einer Anstalt, die offiziell die Bezeichnung„Armenküche" führt und sich auch wesentlich von den„Volksküchen" unterscheidet. Vor dem Torweg, im Hausflur und auf dem Hof stehen Männer und Frauen mit leeren Gefäßen. Alle wollen sich Suppe aus der Küche holen, die sich auf dem Hof befindet. Einen Speiseraum, in dem die Gäste essen und sich erwärmen könnten, gibt es hier nicht. Sie müssen sich auf dem Hof anstellen und in Wind und Wetter so lange warten, bis sie an der Reihe sind. An der offenen Küchentür steht eine Frau, die aus einem großen Kübel Portionen schöpft. Das Essen wird gegen Vorzeigung einer Marke des Armenvor- stehers unentgelllich geliefert. Wer keine Marke besitzt, dem wird nichts verabfolgt, auch gegen Bezahlung nicht. Hin und wieder erhalten einzelne Gäste, die nicht heimgehen können, auf Bitten einen Eßnapf. Mit diesem in der Hand hocken sie neben dem Aschkasten auf dem Hof. Andere begnügen sich damit, ihre Suppe im Stehen auszutrinken. Wenn wir schon die Gäste der Volksküche zu'den Aermsten der Armen zählen konnten, so belehrt ein Blick qilf, die hier vor der Armenküche anstehenden Gestalten, daß dies« als-Repräsentanten des am tiefsten ausgeprägten Elends anzusehen sind. Der Menschheit ganzer Jammer tritt, hier vor Augen. Es sind durchweg hilflose, gebrechliche alte Männer und Frauen, von denen viele kaum noch die Kraft besitzen, das gespen- dete Essen selbst zu holen. Und dabei sind sie noch voll bavger Sorge, daß ihnen das Essen, diese Wohltat, entzogen werden könnte. Still entfernen sie sich, und mit ihnen verlasse auch ich eine Stätte, wo die Klagen bitterer Armut täglich widerhallen. �lt-öerlin unter öer IrieSrichstraße. Funde beim llnkergrundbahnbau. Hochinteressante lokalhistorische Funde wurden bei den Unter- grundbahnbauten in der südlichen Fnedrichstraße gemacht, die als schwierigster Teil dieses Bauabscyntttes nunmehr auch in Angriff genommen worden sind. Bei den Schachtarbeiten stieß man in etwa i Meter Tiefe auf eine noch gut erhaltene Straßendecke, Schot- terung mit kleinen hölzernen Brücken, über deren Her- kunfl man sich zunächst im Zweifel war. Die in dieser Hinsicht an- gestellten Nachforschungen hatten das Ergebnis, daß die Friedrich- straße die älteste Straße in dieser Gegend ist. Vor der Anlage der Friedrichstraße befanden sich zwischen AU-Berlin und der Ortschaft Tempelhof nur sumpfige Wiesen, durch die ein einziger alter Weg führte, der jedoch dem Zuge der L i n d e n st r aß e folgte und etwa in der Mitte des Belle-Alliance-Platzes den dort vorüberfließenden Schafgraben kreuzte. Daraus schließt man, daß es sich um die erste P f l a st.er de ck e d e r Fr i edr iuchstr a h« handelt, die im Lause der. Zeit wegen de» darunterliegenden Moores immer tie.s.er sank und immer neue Uebersüllungen-«:jprdeHich macht«. Diese Straßendecke ist also ftn-Lauf« der Zeit um ungMhr 4 Meter gesunken......' der Morüplan einer Frau. Der Mord an dem Inder Singhist jetzt restlos mufge» klärt. Die weiteren Vernebmungen der Verhafteten und das pn,» fassende Geständnis des Mörders Arnold, haben ergeben, daß die Frau des Ermordeten dieHaupttriebfeder des Ver- brechens war. Sie hatte es berstandeu, Arnold, der sie abgöttisch liebte, so zu umgarnen, daß er in ihren Händen ein willerloies Werkzeug war. Bis zuletzt hatle Arnold versuckt, seine Geliebte in Schutz zu nehmen und die ganze Schuld ouf sich zu laden. Erst als er bei einer Gegenüberstellung mit Frau Singh einsah, daß er beirogen worden war, gestand er ein, daß sie ibm solange zu» „Zuerst haben sie mir den Hos niedergebrannt, dann haben sie mich selber mit Sack und Pack hergeschleppt." „Wer hat das getan? Ist das lange her?" „Der alte Schemeikka, der Vater von dem jetzigen, und seine Männer." „Aber ihr könntet wohl fort, wenn ihr wolltet?" „Ich war vor Jahren einmal drüben.,. bin zurückge- kommen." „Weshalb denn?" „Zuhause waren alle gestorben, und hier kriegt man mehr Fische." „Davon lebt ihr?" „Was braucht's denn mehr zum Leben!" „Fändet ihr euch von hier in eure Heimat?" „Ich denke doch, daß ich die Wege noch wüßte. Bei klarem Wetter sieht man hier sogar die letzten Berge auf der schwedischen Seite." „Sieht man die?" „Dort von dem Berg."— Der Alte deutete tnii dem Kopfe nach dem Hügel.—„Wenn sie Wald niederbrennen. sieht man wenigstens den Rauch." „Sieht man auch den Rajavaara?" „Den wird man wohl auch sehen." „Ich bin dort von seinem Fuß." „So, von dort?" „Seid ihr einmal dort gewesen?" „Rein."., „Seid ihr schon bei Schemeikkas gewesen?" „Dahin gehe ich, wenn ich ihnen Netze bringe und mir Garn hole und sonst was. Ich knüpfe für sie die Netze, für das. ganze Dorf." „Wie ist es denn dort?" „Nämlich wo?" „In Schemeikkas Gehöft." „Da ist ein großes Dorf, groß wie eine Stadt— sagen sie. ich habe noch keine Stadt gesehen. Das größte Gehöft, etwas abseits von den anderen, ist das von Schemeikka. Sie haben keine Aecker und auch kein Vieh, ein paar Kühe im Gehöft, bei Schemeikkas drei. Vom Handel leben sie und von Jagd und Raub und allerlei Künsten. Aber gut leben sie, gut essen sie, gut trinken sie, reich sind sie. Der Sohn macht Reisen, seine Mutter besorgt das Haus, kommandiert die Weiber."(Forts, folgt.) s gesetzt habe, 5t8 er die Tat vollbrachte. Neber den Naiilaß ibreS Mannes hatte die Frau bis ins kleinste bereits im voraus verfügt. Sie ball« an alles gedacht und Arnold noch besonders an? Hera gelegt, auch aus dem einen Kofier 3S Pfund Zucker zu nehmen. den ihr Mann darin aufbewahrte. Nach dieser restlosen Klärung des Äapitalveibrechens wurden olle drei dem Unter suchungS- r i ch l e r vorgeführt._ Diebstähle am Osthafen? Die ES. 5.-Korrespondenz versendet eine gegen den Betriebsrat des städtischen Osthafens gerichtete Mitteilung, nach der auf den dortigen Lagerplätzen umfangreiche Diebstähle an der Tagesordnung feien. Die Polizei hätte Untersuchungen angestellt, bei denen es sich ergab, daß fast keiner der männlichen oder weiblichen Angestellisn den Hafen verließ, ohne etwas milzu, nehmen. Di« Frauen hätten sich meist in den Unterröcken große Taschen angebracht, in denen sie Zucker, Mehl, Kaffee usw. verbargen. Bei den Männern hätte man ähnliche Entdeckungen gemacht. Die Polizeibeamten dürften, fo heißt es weiter, selbst in den Fällen, wo sie Diebstähl« festgestellt hätten, keine Anzeige bei der Stootsanwaltschaft erstatten, sondern müßten sich damit be. gnügen, der Hafendirektion Mitteilung zu machen, die die Diebe nicht bestraft, sondern sie auf zwei bis zehn Tage aus- sperrt, um sie dann auf den alten Plätzen weiter arbeiten zu lassen. Dem Betriebsrat des Osthafens feien die polizeilichen Unterfuchun. gen sehr unangenehm gewesen und so habe auf Ersuchen dieser Körperschaft die Hasenverwaltung an dos Polizeipräsidium ein Schreiben gerichtet, in dem erklärt wird, daß die Arbeiterschaft des Osthafens die Kontrolle der Arbeiter und Arbeiterinnen sehr unan- genehm empfmdet, weil diese Polizeibeamten der Ansicht des Be, triebsrats nach der politischen Abteilung(?) der Auffichts» behörde angehören. Wir müssen die Verantwortung für diese Feststellungen, die in später Stunde nicht mehr nachzuprüfen waren, der genannten Korre- spondenz überlassen, hoffen aber, daß der Magistrat durch seinen Dezernenten schnellstmöglich zu der Angelegenheit Stellung nimmt. Die Krankenhauskoste». Die Gemeindebebördeu babei, bei'lblossen, die Kur- und Ber pfleaungskosten in den st ä d t i s ch e n K r a n k e n h ä u s e r n vom 1. Februar 1S21 ab wie folgt icsUiisetzen: Für Erwachsen« Klosse IllllS M., Klasse II 50 M.. Klasse I 70 M. Für Kinder unter 14 Jahren: Klasse III S M., Klasse II und I wie für Erwachsene. Auswärtige zahlen die doppelten Sätze. Für Ausländer in der Regel: Klasse III 60 M.. Klarte II 120 M., Klasse I 180 M. Die in ein lelnen Anstalten in der HI. Klasse geltenden bisherigen Sätze für Hausschwangere und Säuglinge bleiben bestehen. Tie tödliche Medizin. � Die unbeilvolle Med zinverwcchselung im Sanatorium?erg» stücken bei Potsdam, die zu einer Verurteilung deS Apothekers Erhard Höß aus NowaweS führte, beschät igte gestern nochmals die Potsdamer Strafkammer. Höh wurde seinerzeit wegen fahrläisiger Tötung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Gericht bat hie Sodie wegen Unklarheit in der Urteils, fassung nochmals an die PoiSdamer Strafkammer verwiesen. Die todbringende Medizin wurde, an einem Julitage 1919 der lungenkranken 30 jährigen Frieda Kurth aus Rathenow nach dem Miliag- essen eingegeben. An der Verhandlung wurde festgestellt, daß nicht der Angeklagte, sondern die 16 jährige Gehilfin die Flasche etikettierte. Der Angeklagte Höß wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Eine Bewährungsfrist von zwei Fahren wurde dem Angeklagten zugebilligt, nach der er die Strafe durch Zahlung von 3 000 M. abbüßen kann. DaS Gericht sprach dem Angeklagten seine menschliche Teilnahme aus. Znr Erhöhung des Strasteubahutarifs. Ein Leier des.Vorwärts'' beklagt sick», daß bei der Erhöhung hsi, St raßenbahniarif« die Inhaber von Zeitkarten stärker belastet werden, als viejsnigen Fahrgäste, welche Fahrscheine benutzen. DaS fei auch schon bei der letzten Tarikerböhung der Fall gewesen. Als Beispiel werden die Preise der Zeitkarten für eine Linie ange'ührt im Vergleich zu den Preisen der Einzelfahrscheine, ohne Berücksichtigung der noch günstigeren Sammelkarten zu 6 M. für acht Fahrten. ES wurden zuletzt erhöht die Preise für Fahrscheine von 70 Pf, auf 80 Pf., gleich 14,3 Proz., für Zeitkarten von 56 M. auf 70 M.. gleich 25 Proz. Jetzt sollen erhöht werden die Preise für Fahr« scheine von 80 Pf. auf 100 Ps.. gleich 25 Proz., für Zeitkarten von 70 M. auf 90 M., aleich 23.0 Proz. Sollen die Erhöhungen für Zeitkariefi»entsprechend den Erhöhungen für Einzelfahrschein«� er» folgen, so erciäbe sich eine gerechte Erhöhung entsprechen» den Preisen für Ein>elfabrten von 70 Pf. aus 100 Pf., gleich 48 Proz für Zeitkarten von 56 M. um 24 M.. alio auf 80 M.. so daß nach den Beschlüssen der Verkehrsdeputation die Inhaber der Zeitkarten für ein« Linie mehr bezahlen müssen, als GerechtigkeitSgründen entspricht. Nach dieser Berechnung find allerdings die Preise für Zeit, kgrten stärker erhöbt als die für Fahrscheine. Unser.Vorwärts". Seker laß, jedoch außer Betracht, daß mit dem Sieigen der Preise für Fahrscheine der Nutzeffekt für die Zeitkarten ein größerer ist, als bei niedrigerem Fahrgeld. Wer feine Fahrkarte reichlich au«, nutzen kann, kährt doch immer noch erbeblich billiger, als derjenige Fahrgast, welcher sich einen Fahrschein löst. Unsere Jugenüwelhen März 1921. Der Lebeuskundsmkerricht beginnt! 8chttrj)c«m*h«rgart-a, gricbricEnhain u-t, Mille teil. Der «« Tui«et n« die ÄinDec innerhalb des Der»»ltnaa«bezi?kk b-et.«0. hob 4—4 Uhr tu der t suchet für die äinbec innerhalb des Bctimifhinorttzitt» lerstag von 4—6 Uhr tu bot Schul» Waldeuserstr. 20. g-.T._-..statt, ftiit den S-rwaltuug-bezllt gtirbtiifuham ieheu MiM-wch Bon 4-4 Uhr tu der Schule Straßmauustr. 4 tttuadenschille), »BJobrMtJje MuQorsSle. Äclfec-SSrlSelm.Stc. St. Für die Ber. «alwukwd-illk« Weddmg uzU> Prenzlauer Äorftadt. Der Lobon»riiud»uiU-rricht ffudet>-dou Dienstag B-u 4-4 Uhr in»«r OberLasse der �Gewllillefchiile ,—-—-, Drnnoroiags �rvn 4—4 Ühr. Leidnlh.vberrealschnle, Schillerstr. US. Für Iharlottendnig und westlich,«er. zrte. Der Lehenztundeunterricht findet in Ch-rloltenhurg. Smmenftt. 4, Ärgendheun, Dorn 1 Trepi-e, Freitag» son 4-4 Uhr statt.— Jugendweihe «chtenderg, Realgymnnstum P-rlaue. FSr Lichtenberg und»slliche«ore-te. Der Sebensrundeunterricht wird erteill jeden Mittwoch von ii-zZ» Uhr im Jugeudheim Lichtenberg, P-rlaue 10.- Zugeudweih»«liewe großer Festsaal. S-finheihe ,10. Für den«erwaltung.be-irk Hollesche, Tor, Reulöll-. südlich« und südöstliche ZZarorte. Der Leoenskundeuniorricht wird jeden Dienstag»on 4-4 Uhr in der 81. Temeindeschul-. Rütlistr. 41, und 1-diN Mittwoch Bon 4—4 Uhr in der S./6. Gemeindeschilli, Snesebecksti. 21. erteilt. «nmewungen zur Jugendweihe»nnen noch schriftlich mit dem«»schreib«. gelb dun S M. on da- Iug-ndsekr-tariat Berlin NW. 40, In den gelten Ä, oe. richtet werdcn, oder am Tage des Lebenstundeunterrichts. mung bei den Soz. Zurufe und Widerspruch rechts.) Nun zu den M a i s v e r t r ä ge n. Ich habe nichts dagegen.; daß die Regierung versucht, durch Senkung der Maispreise eine bessere Mast und größere Auszucht der Schweine herbeizuführen. Aber die Hoffnung des Ernährnngsministeriums, dadurch Verträge auf KOO M. den Zentner Schwein Lebendgewicht ab- zuschließen, ist vollständig abwegig und läßt auch iede objektive Schätzung unserer heutigen Machtlage und der ganzen Geschäfts. Verhältnisse außer Betracht Es war bezeichnend, daß alle Jnter- esienten der Landwirtschast, die hier gesprochen haben, von den Mastoerträgen nichts wissen wollten, weil ihnen natürlich die Bindung der Preise unangenehm ist. Warum denn aus einmal nicht dte Mastoerträge, Herr Dusche, Herr Semmler und Herr Röficke? Sind Sie es nicht gewesen, die in den Vorverhandlungen früherer Zeiten immer gesagt haben: Seine Zwangswirtschaft für Vieh, aber Mastverträge. Die töricht wäre es vou Zhrem Staudpuukt aus, Mastoerträge zu jchücßen, wo Sie heule Schweine auf dem viehmarkt für 1LOO 7SL den Zentner verkaufen! Das sind Ihr« angemessenen Preise für die Landwirt- schaft. die Sie fordern. Bei der Aufhebung der Zwangswirtschaft für Vieh erklärte ein Abgeordneter der Rechten im oolkswirtschofi- lichen Ausschuß, man würde nunmehr das Schweinefleisch in den Großstädten zu 13,50 M. das Pfund und das Rindfleisch zu 10 oder 9 M. bekommen. Ich Hab« damals gesagt: Wenn Sie dos erreichen, dann ziehe ich Meinen Einspruch gegen die Aus- Hebung der Zwangswirtschaft zurück. Run, in welcher Gvoßstadt bekommt man heute Schweinefleisch zu 13L0 M. das Pfund? Mit diesen Bersprechungen hdben Sie einfach Sand in die Augen der Arbeiter und der Bevölkerung gestreut. Nun kommt Herr Dusche mit semer Geschästskenntni« und sagt: Ja früher hat der Reichsernährungsminister erst spät das Getreid« im Ausland eingekauft. In diesem Jahre sehen Sie den großen Fortschritt, daß wir viel stüher zum Einkauf geschritten sind. Aber das ist gerade die Schwäche, die ich zwar nicht dem Minister allein zum Vorwurf mache, sondern die in der Gewissenlosigkeit liegt, mit der die Landwirtichast heute ihre Ablieferungspflichten erfüllt.(Lebhafter Widersvruch rechts. Gegenrufe bei den Soz.) Dieser früh- zeitige Einkauf von Auslandsgetreide in einer Zeit, wo wir die ein- heimische Ernte eingebracht haben, bedeutet, daß wir schon im November und Dezember ausländisches Getreide haben einführen müsien, weil die Landwirlschaft nicht abgeliefert hatte.(Lebhaftes Hört, hört! bei den Soz., U. Soz. und den Kommu- nisten.) Wir brauchten diese Getreidemengen nicht einzukaufen, wir hätten dir hohen Kosten sparen können, wenn die Ablieferung in dem erforderlichen Ma5e erfolot wäre. Und setzt siegt die Sache so: Wir bobe» das Getreide im November, Dezember und Januar zu einer Zeit der ungünstigsten V a l u t a v e r H ä l t n i s s« ein- kaufen müsien. Die Regierung rechnet in ihrer Aufstellung im No- vember 72 Mark für den Dollar, während«c heute auf 56 Mark steht. Wir haben für diese Eetreideeinkäufe- Mlliaeden hinausq«schleudert. nur weil das Ministerium a-zwunaen wurde, früher einzukaufen, als unter normalen Verhältnissen bei Pslichterfüllima der Landwirt- lchaft.(Lebhafter Widerspruch rechts, erregte Keqenruse bei den Soz., U. Soz. und den Kommunisten.) Ferner ist in landwirsichaft- lichen Kreisen die Forderung aufgetaucht, man möge bei der A b- lieferung der Moiskote nicht dazu greifen, in natura zu liefern, sondern dib Landwirte, die die nötiae Menge»on Getreide abliefern i n b a r durch eine Summe zu entschädigen, die die Difse- renzen der Preisbilduno ausmacht. Dos. würde für jede Tonne Gs- treibe mrgefäbr 3000 Mark als besonderen Zuschuß für die Ablieferung ausmachen. Ich nehme an, daß dos MmisWimn nicht die Neigung Ixit, auf dbe'e Geldaeicbäite einzugehen. Es ist sehr zweifelliast. welche Preise künftig festgesetzt werden. Ich würde «3 außerordentlich bedauern, wenn wir dazu qezwuuqen würden. irgendwie«ine Erhölmnq der Getreidepreife für die künftige Ernte vorzunehmen, und zwar m>t Rücksicht daraus, daß im Ausland eine siarte Preissenkung überall eintritt und die Lebenshaltung der Ar- beiter. dort relativ verbesiert wird, während wir unter ungünstigsten Derbältnisien«och weiter vegetieren. Herr Weilnböck vsirrnt die Regierung davor, Nachfuchungen zur Herousholunq etwa verborgen gehaltenen Hafers anzustellen. Ich möchte im Geaenfeil dringend' bitten, die Pflichterfüllung mit allen Mitteln, die der Reaierunq zur Verfümina stehen, zu erzwingen. Denn alle Avvell« an die Landwirtschaft und auch alle Zu- saaen aus landwirtschaftlichen Kreisen haben keinen. Erfolg gehabt. Das Ergebnis der Ablieferung war außervrd-nttich schlecht. Wer seiner Sache sicher ist, kann sich ruhig in seine Wirtschaft hin- einfcften lassen. Herr Dusch« sprach davon, daß die deut'che Land- Wirtschaft während des Krieges. und wobl auch setzt nie anuemestene Preise bekommen Hot. Dabei kostet der Zentner Schwein.«- fleisch Lebendgewicht 1800 M, also das Dreißlgsache der Vorkriegszeit. Da sollten Sie mir wirklich einmal beweisen, ob in diesen Prei- sen totsächlich nur die Produktionskosten der Landwirtschaft stecken oder ob nicht vielmehr ein riesengroßer Gewinn dabes herausspringt. Sie können� sede Grün kram stau fragen, sie wird Ihnen sagen, daß ein Preis von 16 M. für Gänse und von 24 M. für Schweinesleisch werden sollen. Freie. Wirtschaft für das Getreide durchzuführen, wäre unverantwortlich. Bei der Fleischwirt- schaft ist es anders, und sie hat sich für die Arbeiterschaft ganz er- träglich gestaltet.(Widerspruch b. d. Soz.) Die Erstablieserung von Getreide in diesem Jahre ist höher als im vorigen. Die Brot- ratio» von 200 Gramm ist absolut gesichert. Frühdrusch- Prämien werden sich schon dieses Jahr erübrigen. Der Preis für den Zentner Schweinefleisch Lebendgewicht hat sich auf 1200 bis 1400 M. ermäßigt; Schmalz, das vor Weihnachten noch 20 M. kostete, kostet jetzt 12 M. Die große Getreideeinfuhr aus dem Ausland war eine einmalige, um das entstandene Vakuum zu füllen. Steigerung der Imienproduktion, gesteigertes Angehst von landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf dem Weltmarkt wird zum Preisabbau führen. Abg. Düwell(Kom.): Die Dinge liegen wesentlich anders, wie ste uns Herr Hermes soeben geschildert hat. Nicht dauernde Er-' höhung der Getreidepreise wird die landwirtschaftliche ProVAttion fördern, sondern der Anbauzwang.(Stürmischer Widerspruch rechts. Zuruf rechts: Arbeiten Sie erst so viel wie wst!) Minister Hermes hat abermals bestätigt, daß die Ablieferung versagt hat, wenn er auch nicht zugibt, daß sie vorsätzlich sahotiert wird. Die Preise für Schmalz sind nur deshalb heruntergegangen, weil die breite Masse der Bevölkerung nicht mebr imstande ist, dieses Artikel zu kaufen. Seit 1914 bis Ende 1920 sind# die Lebensmittel rund IZmal gesteigert worden, die Löhne der Arbeiter und Angestellten dagegen sind nur um das 3- oder 4 f a ch e in derselben Zeit gestiegen. Und da will uns der Minister weismachen....(Vizepräsident Bell ruft den Redner zur Ordnung),... daß durch seine Politik das Volk befriedigt wird. Die KLauern haben noch nie so große Ersparnisie gemacht wie jetzt; überall erstehen Neubauten a-u f dem Lande. Die Interesien der Kleinbauern werden von Ihnen(nach rechts) nur angeführt, um für die Großagrarier etwas herauszuschlagen, denn die Prämien fallen ja doch nur den Großen zu. Die zur Verbilligung des eingeführten Auslands- getreides aufgewendeten S>- Milliarden sind eine Folge der ab« svlut unfähigen Ernährungspolitik. Die landwiri- ichaftlichen Maschinenfabriken klagen über, schlechten Absatz. Die Bauern haben sich eben nur an große Einnahmen, aber nicht an große Ausgaben gewöhnt.(Lebhafter Beifall b. d. Kom.) Abg. Simon- Schwaben(Soz.): Es war beschlossen worden, daß die Fleischzwangsbewirtschastung nur unter der Voraussetzung aufgehoben werden sollte, daß VA Millionen Tonnen Getreide abgeliefert werden. Bis heute ist noch nicht 1 Million abgeliefert worden. Das ist bezeichnend für die Sabotage selten» der Landwirtschaft. Ein weiteres Beispiel dafür ist der Beschluß des Brondenbur- gifchen Landbundes vom 20. Januar d. I., die Regierung be! der Haserumlage in keiner Weise zu unterstützen, sondern viel« mehr die Verordnung mit allen Mitteln zu Falle zu bringen. Und diesen Landbund, eine politische Organisation, hat die Regierung in die Kommissionstätigkeit eingeschaltet und zahlt sechs Mark Vermittlungsgebühr pro Tonne in seine Kasse! Der Er- nährungsminister hat den Beiqeis erbracht, daß er ein Minister gegen die Ernährung ist, wir kännön zu ihm kein Vertrauen haben.(Beifall b. d. Soz.) Damit schließt die Aussprache. Die Haushaltsforderungen werden angenommen.—- Die Haferinterpellatton soll auf Wunsch der Regierung erst am Montag verhandelt werden. Reichswehrmiri erium. Bei der Einzelberatung werden wegen der schlechten Besegung de» Hauses alle strittigen Abstimmungen zurückgestellt und aus Man- tag vertagt. Abg. Sunert(U. Soz.): Die Auskunstsstell« für nichts mehr mit den Produktionskosten�u tun hat, sondern einfach Kriegsbeschädigte soll von der Hetresbucherei exmittiert nur mit gewissenlosen Gewinnen.(Sehr richtig� links.)! werden. Diese Maßregel ist ein Skandal, denn die Bücherei könnte Sie aber unterstützen dies« Berhältnisse.-Auf der einen Seite bietet, bequem in einem Nebenraum der Staatsbibliothek untergebracht sich für die Landwirtschaft und für> die Industrie ein« außer- werden. Es handett sich um eine fröhliche Auserstehung der alten ordentlich g ü n st i g e Situation, auf der anderen Seite Kriegsakademie, die man auf diese' Weise hindurchschmnggeln will. herrscht die bitterste Armu. und Entbehrung. Das ist—'—"x-— �----*----" a— der Kontrast, der Briand verleitet hat zu sagen: Ihr habt ja so glänzende Verhältnisse in Deutschland. Man weist darauf hin, wie groß die Gewinne der Aktienunternehmiuigen sind. Es ist abe� nur eine kleine Kaste von Leuten, die die Dorteile einheimst. Die Landwirtschaft hat gegenwärtig das politische Interesse und die soziale Pflicht zu sagen: Wir wollen dem deutschen Volke soweit dienen, daß wir das Brotgetreide ausliefern und nicht im Schweinetrog verfüttern. (Sehr richtig! bei den Soz.) Ich bedaure auch und muß ausdrücklich feststellen, daß in den Verhandlungen im Hauptousschuh weder ein Vertreter der II n a W) ä n g i g e n noch der Kommuni st ischen P a rtei zugegen war. Es wäre notwendig gewesen, daß sie die Einwände, die sie hier erhoben haben, dort vorgetragen hätten. Gegenwärtig müssen wir die Fcoge in den Vordergrund stellen: Wann kommen wir zu einem Abbau der Lebensmittelpreise? Aller- dings unter einer solchen Bcurteiluna. wie wir sie hier gesunden haben, kann dies nicht geschehen. Ist doch aus landwirtichajllichen Kreisen im Reichswirtschafisral gefordert worden, die Getreide- Weist nicht um 40 Pro?., sondern um 1000 ITC. pro Tonne zu er- Eine solche Forderung muß natürlich geradezu aufreizend in dB Arbeiterschaft wirken. Ich glaube deshalb, die Regierung dringend davor warnen zu müssen, eine solche Erhöhung auch nur in Aussicht zu nehmen, denn da? wurde politisch von den unheil» voll st en Folgen sein. Die Arbeiterschaft erwartet gegenüber den Preissenkungen im Auslande, daß auch hier endlich abgebaut Reichswehrminister Geßler- Ich anerkenne die Kritik des Haus» holtausschusses und werde für wesentliche Ersparnisse sorgen. Dos Nachweisbureau war nur als Uebergangseinrichtung gedacht:'der Abbau hat sich leider verzögert. Abg. Simon-Franken(U. Soz.): Wird die Nachweisstelle nun endgültig abgebaut?. Reichswehrminister Geßler: Die Sache hängt nicht allein von mir, sondern auch vom Herrn Minister des Innern ab.\ Abg. Löwenstein(Ii. Soz.): Die Bücherregale in der Kriegs- akademie stehen zum großen Teil leer; von manchen Büchern findet sich die gleiche Ausgab« sechs- bis achtmal vor. Abg. v. Gallwitz(Dnat. Bp.): In der Kriegsakademie befinden sich bereits 350 000 Bücher. Abg. Sunert(U. Soz.): Meine Fraktion bleibt bei ihrem Stand» punkt. Die Abstimmung wird, da strittig, ausgesetzt. Die Titel, bei denen keine Anträge vorliegen, werden debattelos angenommen Abg. Seidel(U. Soz.): Die Nachrichtenabteilungen'der Reichswehr bespitzeln nicht nur Reichswehrangehärige, sondern auch Zivilpersonen, besonders Angehörige der Arbeiterschaft. Ich erinnere an die Vorgänge in Hof, als dort die Fiktion einer Räterepublik auf- gebracht wurde und die Nachrichtenabteilung des Gruppenkomman- dos I V in unser dortiges»Parteibureau eindrang und die Listen der Parteiangehörigen stahl. Reichswehrminister Geßler: Ich gab bereits im Sommer die wird. Sie befindet sich in einer fürchterlichen Notlage. Sie(nach stritte Anweisung auf Aufhebung aller Nachrichten. rechts) abee erklären, daß sie Lebensmittelpreise noch nicht hoch genug sind. Gegen diese Politik werben wir uns mit aller Entfchie- denhelt wenden. Wir werden fordern, daß bei der Feststellung der Preise die Interesien der Arbeiter, der Angestellten und. der Beamten mehr in den Vordergrund gerückt werden als bisher.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Die;(Zentr.):' Uns fehlen nur die ausländischen Phos- phate; die Düngemittel müsien verbilligt werden. Rcichszuschüsie zum Brot eittwerten nur das Geld und steigern die Preis«. Während der Fleischzwangsbewirtschaftung, war auf dem östeitt- lichen Markte Fleisch überhaupt nicht zu haben, jetzt ist es doch wenigstens da, wenn es auch teuerGist.(Zuruf links: Die Scblcichhandelspreist sind jetzt eben Normalpreise geworden.) Durch angemessene Preise müssen wir die Produktion heben. Reichsernährungsmuiiste? Dr. Hermes: Heber die Mindestpreise für die nächste Ernte ist noch nichts beschlosien, sondern es liegen nur Borschläge der Index- kommisston vor. Der endgültige Beschluß wird aus der Ernäh» rungskonferenz in München gefaßt werden, wo die > Mindestpreise in Verbindung mit der Zwangswirtschaft behandelt st e l l e n und. auf Geldverweigerung für Spitzel. Bis auf einen Fall, bei dem' ich die schuldigen Offiziere entließ, ist diesem Beseht nachgekommen worden.(Lachen aus der Linken.) Abg. SchSpslin(Gm.): 3n Bayern wird systematisch Spttzelarbeit geleistet; das Vgr�ehen des Generale von Moehl in dieser Beziehung ist eine Sauwirtschast. Präsident Lobe: Herr Abgeordneter, der Ausdruck„Sauwirt- schaft" ist unpartamentorisch. Abg. Seidel(U. Soz.): Durch den Befehl des Minister» ist es erwiesen, daß solche Stellen bestanden haben. Reichswehrminister Geßler: Die Spitzelwirtschast ist mir in tiestter Seele verhaßt., Ich sehe in ihr eine Mitschuldige on der Korruption des deutschen Volkes. Derartige Leute werde ich nicht in der Reichswehr dulden. Darauf werden die einzelnen Kapitel des Haushalts, zu denen keine Anträge �>der Entschließungen vorliegen, ohne weitere Aus- spräche angenommen.— Das Haus vertagt sich aus Montag 1 Uhr: Mündliche Berichte des Geschäftsordnungsausschusies, dritte Beratung des Notetats und des Haushalts des Reichsernährungs- Ministeriums, Haferinterpellation. Gesetz über Betriebsbilanz. Jnter» pellation über Oberschlesien. Schluß 514 Uhr. •eflH« DEUTS OMER- UfcJNBRAND. JAC. STÜCK NACHF.R6. WEINBRENNEREIEN HANRÜ5Ä. VeiMMlkM IBr Breneni-Enengiilsse mU ISBI-IX O S4, ltonilB(«a«r 45« Finupnokw: KtafitUdt I Dunkel melierter Cheviot-roc S-relhif................... M. Dunkelblauer Cheviot 1- iud 4-rriliid,.............. a. 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Der eiw!� über Dereoaridte drs Beniord?» ne» anzugeben oermag«der «per sich als Verwandter und tirde desselben ausweisen kann, wird eriuihL dies tofort dem untergeidmettn gerichtlich de» fteatra Nachiahrfleger mitüu- teilen. Euchsiewslt hat unter anderem �ein Hauszrundstiick »inteilaft'en. HD' Wartenburg, Oftpr., den Ä. Januar IRL (Zustav Oft mtVeltaHltant Hornhau tblldmentferntm. absoluter Sicher h, Reichels..Kosco-. Einziges Radikalmlftei sitr eingewurzelte u. schmeezh. Leiben. Seit So Iahe«» sicher bemühet. Dose m, PesetiigungsosiasL 4 M. Otto Reichel,»erlin 44, SO., EifenbaHnstr. 4. BomiilMedeiitie Md SMer «LUI« Berdtrnflmbzlichtettrn! SlufNetxung nnd Anregung gebende Broschüre! Ein neaet Seist? sendet gratis' g. StbiMtnn 4t Co., NerlftL Ritntggraber Str. 7L tejikm! tvMliWSeii! Ven weit und breit kommen die Paare za Richard Bonneck, um* sich zu verloben. 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Dabei ist jedoch zu beachten, daß sämtliche Zahlen, um miteinander verglichen wer- den zu können, die Kohlenförderung Elsaß-Lothringens, der Saar und der Pfalz nicht mehr entHallen: Ltewkoblen Braunkohlen Äots Brehkohlen aus Steinkohlen Braunkohlen in Millionen Tonnen 111.6 25, l 4.9 93.8 21,2 4,0 100,6 32,3 5,2 95,5 32,4 5,2 87,1 30,4 5,8 Die Rekordziffern in der Braunkohlenproduk. Hon dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kohlenver- sorg un g Deutschlands nach wie vor sehr knapp ist. Stehen doch die Ergebnisse hinter der Vorkriegszeit zurück. Die gegen das Vorjahr erzielte Mehrleistung an Steinkohlen von 23,7 Millionen Tonnen wird allein durch die Kohlenlieferungen an die Entente, wie sie im Spa-Abkommen vorgesehen waren, völlig aufgebraucht. Dabei ist bereits eine Verschärfung der Lieferungspflicht in Aus- ficht. Zudem ist die Mehrsorderung erkauft durch das U e b e r- schichtenabkommen, das den Bergarbeitern große Opfer auf» erlegt, und durch eine starte Vermehrung der Belegschaften, der auch ihre Grenzen gesteckt sind durch die Wohnungsfrage. Die An- siedlung von Bergarbeitern geht langst nicht mit der Schnelligkeit vor sich, wie es die gegenwärtige Notlage verlangt. Schließlich ist zu bedenken, daß die Braunkohle infolge ihres geringen cheiz- . Wirtes bei industriellen Anlagen keinen vollen Ersatz für die Steinkohle bietet. Zwar hat sich die Industrie zu einem großen Teil auf die Berfeuerung minderer Kohlensorten, insbesondere der Braunkohle, umgestellt. Es oesteht aber kein Zweifel, daß die Kon- kurrenzkraft dieser Werke im Verhältnis zu den mit besten Kohlen- sorten arbeitenden Werken des Auslandes leiden muß und daß das auf die Wirtschaftlichkeit der Unternehmungen erst in vollem Maße zurückwirken wird, wenn, infolge der Absatzkrise am Welt- markt der internationale Konkurrenzkampf in seiner ganzen Schärfe ausbricht. Hier drohen der deutschen Volkswirt- schaft schwere Gefahren. Um ihnen zu begegnen, bedarf es der Anspannung aller Kräfte. Die Steinkohlenförderung muß weiter gesteigert werden. Versagt das privatkapitalistische Interesse gegenüber dieser Lebensfrage der deutschen Volkswirtschaft, so bleibt die Sozialisierung des Kohlenbergbaus im Sinne der Forderungen der freien Ge- werkschaften als einziger Ausweg. Zunahme der landwirtschafkNchen Genosieuschafken. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Ge« nossenschaften im Jahre 1920 war eine außerordentlich günstige, wie aus nachstehender, von der.Deutschen landwirt- schaftlichen Genossenschastspresse' veröffentlichten Zusmnmenstellung hervorgeht: Jahr Neugründungen Auflösungen Zuwachs 1913 1879 280 1099 1914 1069 221 848 1915 290 126 164 1916 419. 103 316 1917 464 167 397 1918 1081 317 864 1919 2790 428 2862 1920 2668 421 2243 Am Zuwachse de? letzten JabreS waren beteiligt die Spar» und DarlehnSkasfen mit 773 oder 4.2 Proz., die B e z u g s- und Absatzgenossenschaften mit 429 oder 11,8 Proz. die s o n st i g e n Genossenschaften mit 1018 Genossenschaften oder 17,2 Pro,, des vorjährigen Bestandes. Die Molkerei» genossenkchakten weisen erstmalig wieder einen Zuwachs auf von 22 oder 0.6 iZroz. des vorjährigen Bestandes. Wenn sich trotz des Zuwachses um 2242 in den Jahren 1919 und 1920 die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Genossenschaften nur um 687 hob, also um 1555 geringer ist als sie sein müßte, so ist das aus den Versailler Frieden zurückzuführen, der in Elsaß-Lothringen verweigert ihr nicht die Erlaubnis, den Antrag auf Eintragung in die Stimmliste zu stellen. Der Reise- entschluß hat Zeit. Aber das Stimmrecht ist unwiderruflich verloren, wenn der Antrag nicht jetzt gestellt wird. Jeder Ehemama bedenke, daß das Schicksal des Ortes, wo die Wiege seiner Frau stand, möglicherweise von ihrer einen Stimme abhängt I Jede geborene Oberschlesierin, jeder Oberschlesier, der noch keinen Antrag auf Eintragung in die Abstimmungsliste gestellt hat, tne es noch heute! Von morgen an können Anträge nur noch telegraphisch an die Abstimmungsbehörde in Oberschlesien gerichtet werden. Auch hierfür ist die Frist in 3 Tagen abgelaufen. ii weitere 763 landwirtschaftliche Genossenschaften Deutschland entzog. Seit 1913 war der Stand am 1. Januar folgender: 1918 1919 1920 1921 94 94 94 94 Spar- und DarlehnSkasse... 17 963 18 896 18 576 18 659 Bezugs« und Absatzgenossenschaften 2 922 3 181 3 643 3 883 Molkereigenossenschaften.... 3 590 3 577 3 517 3 3lS Sonstige Genossenschaften... 4 625 4 885 5 902 6 575 Gesamtzahl.. 29 269 30133 31732 32 419 Dem Reichsverbande der deutschen landwirt« schaftlichen Genossenschaften gehörten an: am I.Januar 1917 von 28 967 Genossenschaften 19 045=- 65,7 Proz. . 1., 1018, 29 269, 19 216= 65,7. , 1.. 1919. 80 183, 19 837-=65,8, . 1.. 1920, 31 732 ,| 21 039-=66.7, , 1.. 1921, 32 419, 21 576= 66,6. DaS ist— so hebt die.Konsumgenossenschaftliche Rundschau" treffend hervor— jedenfalls eine Entwicklung trotz aller schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse, auf die die deutschen Landwirte mit Recht stolz sein dürften. Möchten doch die Verbraucher fich die handelnde Tatkraft, die darin zum Ausdruck kommt, zum Vor- bilde nehmen! Erleichterungen in der Schvhansfohr wurden entsprechend den Vorschlägen der Außenhandelsstelle für Leder vom wirtschafts- und sozialpolitischen Unterausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats beschlosten. Vertreter der Regierung und der Schuhindustrie de» tonten in den Verhandlungen übereinstimmend, daß zurzeit ein« starke Absatzstockung in der Schuhindustrie, besonders auch was grobes Schuhwerk angehe, eingetreten fei, Beschränkungen der Arbeitszeit auf 36—24 Stunden wöchentlich schon in vielen Be- trieben notwendig geworden und Stillegungen zu befürchten wären. Gegenüber den Bedenken der Arbeitnehmer, daß durch erhöhte Ausfuhr ein Anziehen der Preise stattfinden könne, wurde von den Sachverständigen darauf hingewiesen, daß die vorgeschlagene Regelung eine erhöht« Ausfuhr nur bei erhöhter Pro- duttlon für den Inlandsmarkt ermögliche. Die Einfuhr von Rohstoffen und Fertigfabrikaten soll er- laubt sein, wenn sie billiger sind als die einheimische Produktion. Für die Aussuhr sollen Kontingente festgesetzt werden können. Der Exportierende muß endlich 50 Proz. dch: ausgeführten Menge der Reichsfchuhverforgung für die minderbemittelte Bevölke- rung zu den dort festgesetzten Preisen zur Verfügung stellen. Erneuter Rückgang des Rotenumlaufes. Nach dem Reichsbank- ousweis vom 22. Januar ist der Umlauf an Papiergeld um 703,5 Millionen Mark zurückgegangen, und zwar verminderte sich der B a n k n o t e n u m l a u f um 528,3 Millionen Mark auf 66018,5 Millionen Marl, der Umlauf an Darlehns- k a s s e n f che I n c n um 175,2 Millionen Mark auf 11380,5 Millio- nen Mark. Charloklenborger Wasser- und Industciewerte Aktiengesellschaft. Die Generaloersammlung setzte die Dividende aus 9 Proz. fest und genehmigte die Ausnahme einer Obligationsanleihe von 20 Millionen Mark. Zur Begründung hierfür führte die Direktion aus, daß diese Kapitalsvermehrung zur mdustriellen Be- tätigung des Unternehmens und Erweiterung der Anlagen benötigp. werde. Die industrielle Abteilung besitze größere Austräg« und s«n reichlich beschäftigt. Die Ruhbarmachung der Wasserkräfte. Der bayerische Land-. tag hat die Genehmigung zur Errichtung der beiden Akticngesell- schaften Walchenseewerk und Mittlere Isar sowie zur Bürgschaft des bayerischen Staates für die auszugebende Obli- gationsanleihe gegen die Stimmen der U.S.P. erteilt. Mexikos Pelroleumproduktion im Jahr« 1920 betrug 140 Millionen Barrels(1 Barrel= 159 Liter), das find 52,60 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Produktion im Jahr« 1920 erreichte 20 Prozent der gesamten Weltproduktion, welche etwa 650 Millionen Varrels betrug. Im Jahre.1910, als die Weltpro- duktion 327 930 000 Barrels betrug, produzierte Mexiko nur 3 630 000 Barrels. Für 1921 erwartet man noch eine weit höhere Steigerung der mexikanischen Produktion, denn die Standard Oll Company hat allein mit dem Mexican Eagle-Konzern einen Ber- trag auf Lieferung von 150 Millionen Barrels im Laufe des Jahres 1921 abgeschlossen. Sät WllilMer ml> wrmlMiM. Jahrelange Schmerzen waren in drei Tagen verschwunden. Herr E. Kelch, Hagen, ichreibt:.Ich leide schon seit Jahren an Rheumatismus und Blasenleiden und konnte vor laut« Schmerzen kaum noch auftreten. Da ich mir schon öfter alle möglichen Mittel hatte kommen lassen, welche oft sehr teuer waren unk rein gar nichrs geholfen hatten, kaufte ich mir eine Packung Togal, denn ich sagte mir: wenn es nicht hilft, dann ist nich viel verloren. Das Resultat war so überraschend,.daß ich eS selbs. kaum glauben konnte. Schon nach dem Gebrauch von zwei Tablett«! konnte ich gehen und am nächsten Morgen tonnte ich wie sei langen Jahren frei und ungehindert auftreten. Heute, am dritte:' Tage, fühle ich mich am ganzen Körper trotz des miserable:. Weilers so wohl, daß es eine Freude ist. Ich kann daher Togal allen Leidensgefährten sehr warm empfehlen." 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Scheck-Rechnunsen Ausfähriinc aller bank- geschäftlichen Iransaktionen Silbenrätsel a— bl— bo— dar—- e— e— ei— en— fer— go— heim her— hud— is— kar— la— lau— Ii— Ii— me— raes mus— nat— ne— ohm— ra— rc— ro— sa— san son— sucht— ter— ter— tom— ver— vol— weh— win Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Worte von oben nach unten gelesen, ergeben den Namen einer bekannten Kohlenfirma, die auf die richtige Lösung des Rätsels einen Preis im Werte von 1000 Mark sowie zehn Trostpreise aussetzt. Die Wörter bedeuten: 1. Mönchsorden 2. Elektrische Maßeinheit 3. Hauptfluß eines nordgraeri- kanischen Staates 4. Hauptstadt eines Schweizer Kantons 5. Leidenschaft 6. Schlange 7. Schlechte Eigenschaft 8. Griechischer Gott 9. Waffe 10. Seelische Verstimmung IL Halbinsel Südasiens 12. Mädchenname 13. Bekannter Naturforscher 14. Lotteriespiel Die Einsendungen müssen bis zum 31. Januar 192J an Ehrhardt, NW§7, Schließfach erfolgen.— Die Lösung dieses Rätsels sowie Veröffentlichung der Preise erfolgt in der Morgenausgabe am Dienstag, den 1. Februar. Vom 1. Februar ab: Eintragung in die neue Brikettkundenliste SO, Elisabeth-Ufer 7—9 NW, Paulstr. 20 B(Luther brQcke) Schöneberg, Torgauer Straße Die Karten können auch eingesandt werden. Lieferung frei Haus 1 Tausende von Abnehmein sind zufrieden! Kohlen-Spedition G.m.b.H. SW«1, Tempelhofer Ufer 1 Noltendorf 5910—5914 61 D» Zu vei kaufen: innri 5400 und 3760 Kw., Fabrikat M.A.N. und S. S.W., 6000 V, 3 00 Umdr. 12 Atm. 326° C.— Anfragen unter J. F. 13072 an Rudoll blosse, Berlin SW 19._ 24/19» C M. Erstkl. Ausführung. S J. Gnrantle, /lllllliK vonn Umarbeitung alter Gebisse. Reparaturen uc Morl n...»o'- Goldkronen, Brücken. 9-7, Sonnt*• I, nE.nrLI.. Dentist, Linienstraße 220. nahe Schönh- Tor. 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In diese demagogisch-sentimentale Agitation, die auf die Ber- geßlichkeit des Volkes übel spekuliert, mit aller Derbheit hineinzu- fahren, ist Pflicht. Deshalb ist die soeben im Vorwärts-Verlag er- scheinende Broschüre unseres Parteigenossen Dr. Adolf Köster, des früheren Reichsministers des Auswärtigen, lebhaft zu begrüßen, in der er Wilhelm als Diplomaten schiiderl. Vornehm in der Sprache, aber vernichtend in seiner Sachlichkeit deckt Köster das unheilvolle Wirken des gekrönten Dilettanten auf dem Felde der Diplomatie auf. Di« ungezogenen Handlungen Wilhelms gegen- über fremden Monarchen mrd fremden Ministern, fein« Ugitimistischen Schrullen und sein unzweifelhastev Größenwahnsinn haben jene Stimmung geschaffen, die die ganze Welt zu Deutschlands Feinden machte. Als er seinerzeit den alten englischen Ministerpräsidenten Salisbury gerade in dem Augenblick aus persönlicher Empfindsam- keit in Gassenjungenmanier anschnauzt«, als dieser ihm im Namen der englischen Regierung— noch zu Zeiten der Königin Viktoria—- den Borschlag einer Teilung der Türkei zwischen Eng- land, Deutschland und Oesterreich machen wollte, da prägte Salis- » bury das kennzeichnend« Wort:„Ihr Kaiser scheint ganz zu vergessen, daß ich kein Minister du roi de Prusse bin, sondern der Premierminister von England." Wilhelm hat hat immer vergessen, wer andere waren. Cr hat immer nur sich selbst und sein Gottesgnadentum gesehen und deshalb alle Welt vor den Kopf gestoßen, bis der Zusammenschluß der Mächte erfolgt«, der die dauernde Bedrohung d-r Welt durch einen phan- tastischen Kriegsherrn" ein für allemal beseitigen sollte. Köster begnügt sich, Tatsa'chen sprechen zu lassen. Er schreibt keine 'Moralepfftel über Wilhelm« Lebenswandel, er gibt«in Spiegelbild der politischen Zustände, innerhalb derer Wilhelm seine unheilvolle Tätigkeit entfalten konnte, ohne vom deutschen Volk selbst zur Ord- nung gerufen zu werder� Die Schrift Dr. Kösters ist ein unent- behrliches Hilfsmittel für jeden, der im Kampfe für die Republik und gegen die monarchistische Agitation steht. Besonders kein Sahial- demokrat sollte es unterlassen,.Wilhelm als Diplomat" für den Wahlkampf zu benutzen. Unverstänöliche Aufregung.' Die„Deutsche Zeitung" ist sehr ergrimmt über Aeußerungen, die ein Dr. Schier bäum auf der Tagung des„Riedarfachfen- bundes" getan hat. Der„Niedersachsenbund" ist eine welfische, im ollgemeinen rechtsstehend« Organisation. Auf seiner �Tagung in Braunschweig führte nun Herr Dr. Schierbaum aus:',. Die Geschichte der preußischen Königes«! eine Räuber- und Halunkeawirlschafi g.'wesen. Der Große Kurfürst war ein Verräter, der das Elsaß an Ludwig IV. verkaufte. Fried- rich-der Große hat Schlesien durch eine Rechtsbeugung er- worden usw. usw. Wir begreifen die Aufregung der„Deutschen Zeitung" über diese Darlegungen nicht. Wahrscheinlich hat doch Dr. Schierbaum sein« Geschichtskennwisse über die Hohenzollern aus dem werk Dr. MaE Maurenbrechers, des Chefredakteurs der„veulscheu Zeitung", betitelt„Die hoheuzollerulegeude". geschöpft, wo die genauen Belege für diese historisch unanfechtbaren Tatsachen zu finden sind. Krise in üer V.K.P.d.. Die Kommunfftifche Partei befindet sich zurzeit in einer schweren inneren Krife, die wahrscheinlich mit dem Rücktritt Dr. Paul Levis vom Vorsitz enden wird. Lern, die einzige intellektuelle Kraft der Partei, gilt nicht nur den radikalsten Kommunisien- längst nicht mehr stubenrein, sondern er Ist auch aus zwei Anlässen mit dem Moskauer Exekutivkomitee in scharfen Konflikt ge- raten. Der erste Konflikt entstand dadurch, daß Levi gegen die Auf. nähme der Kommunistischen Arbeiterpartei als„sympathisierendes Mitglied" in der.fRoten Fahne" in ironischem Ton polemisierte, der zweite, schärfer«, aus einer Meinungsverschiedenheit über d i e italienische Politik. Levi hatte in der„Roten Fahne" zu tadeln gewagt, daß es die reinen Kommunisten in Livorno auf einen Bruch mit der Serrati-Gruppe hatten ankommen lasten. Da aber den reinen Kommunisten ihr« Haltung von der Moskauer Zentrale anbefohlen war, traf Levis Kritik auch diese. Die nächste Folge war ein« gereizte Polemik von„P. B." gegen Levi in der „Roten Fahne", die zweite«ine scharfe Auseinandersetzung mit dem Bevollmächtigten des Moskauer Exe t u t i v k o m i- tees in Berlin. An diesen hat nun Dr. Lern auf schriftlichem Wege di« Anfrage gerichtet, ob sein Verbleiben an der Spitze der VF.PT>. noch gewünscht werde oder nicht. Dieser Vorgang wirft ein helles Licht auf das Verhältnis zwischen Führer und Masse in der N.K.P.D. Der Führer hängt nicht, wie das m demokratisch organisterten PaReien der Fall.ist, von dem Vertrauen der Masse ab, sondern über sein Verbleiben oder Nichtverbleiben im Amte entscheidet eine im Ausland fitzende Zentralbehörde.. Dr. Levi gedenkt sich im Falle, daß die Moskauer Entscheidung gegen ihn ausfällt, aus dem politischen Leben zurückzuziehen. Die V.Ä.P.D.««vird dann von einer alt» Frau und außerdem noch von einem. Dutzend Banausen geführt sein. Rosetheater:„Deserteure" von w. Wassermann. Der Autor, der zugleich die Regie leitete, wurde am Schlüsse stürmisch gefeiert. — Die Exposition mit ihrer Charakteristik des Milieus und der lper- sonen im Hause der Frau Doktor Hellmann, Leiterin einer Univer» sitätsNinik, hatte erst allerhand Erwartungen angeregt. Sie ist glücklich, den Sohn aus dem furchtbaren Kriege zurückerhalten zu haben. Mit angeschossenem Arme war er ihr zur Behandlung ein- geliefert. Sie operierce ihn, da» Glied blieb steif, mächte ihn dienst- unfähig. Er weiß, wie ingrimmig-verächtlich die Mutter von dem Völkermorde denkt. Doch er ahnt nicht, daß sie sein Leben zu de- wahren, mit Absicht die Heilung hintertrieben. Der iunge Mensch, der den Schmerz über seine vernichteten Künstlerhoffnungen über» wunden hat, erscheint durchaus fympatisch. Er steht auf bestem Fuße mit dem radika'en russischen Juden, dem Heeresdienstoer- weigerer und„Deserteur", den seine Mutter in. der Klinik angestellt. I:, menschlich teilnehmendem Verständnis hört er die wirren Reden des alten armen Professors, der zwei Söhne im Feld verlor, an. Auch die Kontrastfigur des militaristisch-nationalistischen Freundes ist da geschickt und ohne aufdringliche Uebertreibung Ikizziert. Die Situation hat Interesse: man könnte sich eine Novelle denken, die in intimer Seelenzeichnung die Stimmungen in den jungeü Wen- chcn entwickelt. Das Stück indessen lenkt nach diesem Ansatz ganz in die Bahften äußerlicher Theatralik. Der Kontakt hört auf, als die Mutter ihre Tat eingesteht. Effekte, möglichst geräuschvolle Kon» flikte soll es geben. Diesem Zweck zuliebe muß sich der bescheiden- tolerante, junge Burfd)« in einen wild tobenden verwandeln. Jedes Gefühl dankbarer Kindesliebe ist plötzlich in ihm ausgelöscht. Er wütet, er verlangt, daß sich- die Mutter dem Gericht stellt usw. Im letzten Akte gibt es sogar einen Pistolenknall. Nicht die Mutter, aber die mitschuldige Pflegetochter hat sich erschossen. Erst der Russe bringt den aus Rand und Band Geratenen schließlich zur Be- Die Darstellung, die die Szenen auf der kleinen, rührig streben- den Vorstadtbühne erhielten, verdient entschiedene Anerkennung. In erster Reihe stand Adele Hartwigs Mutter und her in Maske und Tonfall sehr gelungene Jude des Herrn Gunolds. dt. Uravia-vorträg«. Sonntag und Sonnabend:„Von San Renn» nach Gegen die von uns in der Sonnabend-MorgenauSgabe abgs- druckte Erklärung Eckerts setzt sich der frühere Herausgeber des „ArbeiterratS", Herr A. Kreft, in einer längeren Zuschrift an uns zur Wehr. Aus Gründen der Loyalität wollen wir mitteilen, daß Kreft bestreitet, an di« Arbeitsgemeinschaft wegen geldlicher Hilter- stützung herangetreten zu sein. Er habe dies weder persönlich noch durch Ginen Mittelsmann versucht. Wir stehen also vor der er- staunlichen Tatsache, daß die Nnterstützung deS„Arbeiterrat»" durch Regierungsgeld a n s i ch allseitig zugegeben wird, aber ebenso alle Einzelpersonen ihre persönliche Verantwortung dafür be» stretten. DaS ist auch schließlich ganz egal. Die Tatsache als solche steht fest, die Frage der persönlichen Verantwortung mögen die Herren Linisradikalen nur ruhig unter sich abmachen. Ebenso wollen wir unsere Leser mit den Liebenswürdigkeiten verschonen. die Herr Kreft in feiner Zuschrift seinem Exfreunde Eckert widmet. Denn so gern wir unsere Spalten auch einmal einem Ander«- denkenden öffnen, können wir doch nicht den„Vorwärts" dauernd zum S p e zi alb l att für imners Streitigkeiten der „Vereinigten" Kommunisten herzeben. Wenn die Herr- fchnften da» Bediirim« fühlen, sich gegenseitig an den Pranger zu stellen, mögen sie ihre eigene Presse dazu benutzen, im« genügen die bisher von uns veröffentlichten Beweise gegenseitiger brüder- licher Liebe. Telegrammfturm gegen Sraunsibweig. Wolfenbüttel bei einem Landeswahlverböndler, früheren Führer der Einwohnerwehr und jetzigem Mitglied des aus dem Landeswahlverband gegründeten Selbstschutz G. m. b. H.,«wem Kaufmann Römer, 29 funkelnagelneue Infanterie- gewehre gefunden wurden! Wir sind neugierig, welche Schritte die Regierung Koch-Fehren» Bach gegen die Republik Braunfchweig unternehmen wird. Die aufgekobene voge!-?lmnestie. Ein hiesiges Spätabendblatt veröffentlicht die Begründung des Beschlusses, durch den der Strafsenat des Kammer» gerichts die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Amne» stierung deS Oberleutnants Vogel als berechtigt anerkannt und den Nmnestiebei'chluß des Landgerichts aufgehoben hat. Der Beschluß fußt darauf, daß nach der bisherigen Recht» sprechung deS Kammecgerichis der SpartakuSauistand im Januar nicht als hochverräterisches Unternehmen anzunehmen ist, weil in der Zeit vom 9. November 1918 bis zum Erlaß des Gesetze« über di« vorläufige RcichSgewalt vom 10. Februar 1919 e» durchaus an allgemein anerkannten Rechtsgrundlagen einer Reichsverfassung gefehlt habe. Andererseits beziehe sich das Amuefttegesetz nur auf Handlungen, die zur Abwehr hochverräterischer Unter» nehmungen begangen worden sind. Da nun ein hochverräterisches Unternehmen im Januar ni�t vorlag, konnte auch das Amnestie» geflktz nicht angewendet werden. lUoren," Ptontag und Donnerstag:„Winterzauber". Dienstag und "''\A)t Otto Hach über„ObcHtfileücn". Mittwoch spricht Ewald ll v_____ m—w.,... w S��ü!>er'�.niödent-" Problerie der Biologie" Di« erst« russische AuslteNung nach dem Kriege zeigt die Kunstau»- Ü-lluno„Der StnruO. Potsdamer Str. 134«, im Februar und ,«ac Werke des SupremaÜstcn" Iwan P u n t, Prof. an der Alademie der iSonen Künste Petersburg. Die Ausstellung wird am. SC Januar eröffnet. Nrno'Nadel liest am Sonntag, den» 3». Januar, vormittags It-IL Uhr, in der Buchhandlung„Ewer". Kuesebeckstr. Sl/bö, aus eigenen Werken. Der Ball der Korikaturlsle«, der zugunsten des Hilfsfonds des Reichs- wirtschastsverbandes bildender Künstler am S. Februar im Admirclspalast stattfindet, bringt als Hauptnummer einen mitternächittchen Demon strationszug der Künstler, in welchem die bekanntesten Ber tretet aller Kunstgruppcn sprechen werden. I» Institut für praktisch« Psychologie lu ginnt am Freitag, den i. Fe. bruar WSl, ein Bortrags.ZyNus über:„Beobachtungsgabe und rtzedächtniskunst"." Anfragen sind an Geheimrat Dr. Altert Moll, Berlin W. 15, Kurjürsteudam«»6, zu richten. Braunfchweig, 29. Januar.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) In welcher Art die reaktionäre Partei Braun- fchweigs. der. sogenannte Landeswahlverband, die soziali- stische Regie ru ng zu stürzen versucht, zeigt deutlich ein Schreiben, das dieser Landeswahlverband an den Reichs- ministerdesInnern Koch gerichtet hat. Es strotzt von graben Unwährhstten und Verleumdungen der gegenwärttgen sozialistischen Regierung Braunschweigs. In diesem Schreiben behauptet der Landeswahlverband, ohne Genehmigung des braunschweiglfchen Landtages stelle die Regierung eine neue Hundertschaft Polizei aus nur Unabhängigen auf.' AngelMige der Reichswehr und nichts sozialistisch Organisierte seien zurückgewiesen worden. Als Belege führen sie in dem Schreiben ausgerechnet eine Notiz der„Kommu- niftifchen Arbeiterzeitung" gegen die sozialistische Regierung an. Das stärkste Stück ist. daß der Landeswahlverband in dem Schreiben das Eingreifen eines Reichstom ntiffars in Braun- schweig fordert, da Grund zu der Annahme vorliege, daß die Braunschweiger Regierung auf Vorhaltungen settens der Reichs- regierung einen gefärbten und den Tatsachen nicht völlig«nt- sprechenden Bericht erstatten werde.. Welcher Leute sich der Landes- verband sicher zu sein glaubt, ergibt sich daraus, daß er empfiehlt, diesem Reichskommissar seine Informationen bei �en— Offizieren der Braunschweig er Sicherheitspolizei ein-. holen zu lassen. Doch damtt nicht genug, hat sich gestern derselbe Landeswahlverband mit folgender Depesche ernesit an den Reich«- kanzler in Berlin gewandt: Nach Mitteilung des braunschweigischen Staatsmwisterinms gedenkt die hiesige Regierung in die» Schutzabteiluna der Polizei nur entschlössen« Republikaner einzustellen. Bei Durchführung dieses Grundsatzes würden zahlreiche ehemalige Kriegsteilnehmer und ehemalige Angehörige des Heeres und der Reichswehr, welche, fest auf dem Boden der gegenwärtigen Der- fassung stehend, ihre alte politische Ueberzeugung nicht abgelegt haben, von der Einstellung in die Schutzabteilung ausgeschlossen bleiben. Wir erblicke� darin eine Verletzung des Artikels 128 Abs. 1 der deutschen Reichsnerfassung und richten daher an die Reichsregierung erneut die Bitte, bei der braunschweigischen Re- gierung auf Abstellung dieser Zustände hinwirken zu wollen. Bezeichnend ist, daß der Führer des deutschnattonolliberal- welfischen Landesverbandes Hampe einer der schlimmsten Welsen, gleichzeitig einer der höchsten und einflußreichsten Richter Braunschweigs ist. Die sozialistische Regierung hat an den Reichskanzler folgendes Gegentelegramm gerichtet: Der Landesverband Braunschweig. hat am 28. Januar an Sie ein Telegramm gerichtet, das unrichtige Behaup- tun gen. enthält. Wir stellen fest: Aufnahme in die Schutzabtei- lung der Polizei finden alle, die nachstehenden Eid geleistet hoben'„Ich.schwöre Treue der Reichs- und Landes- Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Er- süllung meiner Amtspflichten." Bon 29 Neueinstellungen waren 17 infolge Heeresverminderung entlassene Reichswehrangehörige. Derselbe Landeswahlverband will natürlich den Etat des Staats- Ministeriums ablehnen. Das Ministerium ist aber sicher, da die Kommunisten beschlossen haben,.für den Etat'zu stimmeil und„nur" fordern, daß. die sozialistische Regierung durch ihre Arbeit eine günstige Plattform zur Durchführung der sozialen Reoolution schafft. Die Gefährlichkeit des Landeswahlverbandes mag kennzeichnen, daß bei einer Waffensuche in der braunschweigischen Stadt Deutstbvölkische �ufforüerung zum Morü. Strafanzeige gegen die„Staatsbürgerzeitnng". Im Auftroge der Vorstandsmitglieder des Bundes„Neues Vaterland" hat Rechtsanwalt Genosse Halpert Strafanzeige gegen den Schriftleiter der„Staatsbürgerzeitung", Rudolf L e b i u s. erstattet. Lebius ha� in zwei Nummern des Blattes mit aller Energie und Deutlichkeit seine Leser und Gesinnung-- genossen aufgerufen, die Mitglieder des Bundes„Neues Vaterland", die er„Banditen, Schufte" usw. nennt, niederzuschießen. In einem Artikel benennt er ausdrücklich eine Reihe von Personen, darunter Prof. Einstein, Prost F o e r st e r, Herrn v. G e r l a ch usw., indem er schreibt: Wir würden jeden Deutschen, der dieseSchuftenieder» schießt, für einen wohlläser des deutschen Volkes erklären.... Warum finoet sich seht niemand, der das deutsche Boll von diesea Verbrecher» befreit? In dem zweiten- Artikel befaßt sich Lebius mit den Preßäuße» rnngen, die feine Aufhorderung im„Vorwärts" und in der „Volkszeitung" hervorgerufen hat,- und erklärt wiederum mit zynischer Offenheit: Ich rufe deshalb erneut und abermals meine deutschen Mitbürger auf, diese Halunken und Verbrecher niederzuschießen, wo sich die Möglichkeit dazu bietet. Die Strafanzeige ist erfolgt auf Grund des Z 49a des Straf» gssetzbuches(Duchesne-Paragraphl, der die Aufforderung zur Be- gehung eines Verbrechens, wenn dieses Verbrechen mtt dem Tods oder mit lebenslänglichem Zuchthaus bedroht ist(was für die Aufforderung zum Mord zutrifft), mit Gefängnis nicht uttter 3 M o n a t«fn bedroht. Daneben ist Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte und Stellung unter Polizeiaufsicht zulässig. Außerdem haben sich die Vorstandsmitglieder des Bundes„Nettes Vaterland" noch Strafantrag wegen Beleidigung vorbehalten. In der Strafanzeige wird um größtmögliche Beschleunigung des Verfahrens ersucht unter dMn Hinweis, daß eine derartige Aufförderung zum Meuchel- mord in so unruhigen Zeiten wie heute um so ernsthafter zu nehmen ist, als oerfdstedene politische Meuchelmorde der Revolutionszeit noch ungefühnt geblieben sind mrd daher allzu leicht zur Nachahmung reizen können. Reichsminister Heinz« erklärte inzwischen im Reichstag, daß das Ermittlungsverfahr en eingeleitet fei.' Die lvohnungsfteuer. Der Wohnungsausschuß des Reichstages begann am Sonnabend die Beratung der Vorlage über die Erhebung einer Wohnungssteuer zur Ausbringung von Mitteln für W o h- nungsbauteiz. Der Reichsarbeitsminister gab einen Ueber- blick über Inhalt und Vorverhandlungen und zog Vergleiche zwischen der Vorlage der Rcichsregierung und der des Reichsrates: Die R e i ch s r a t s v o r l a g e hat den Nachteil, daß, bis die Frage der Aufbringung der Mittel in den einzelnen ,L«ndtaqen gelött wäre, zuviel Zeit vergehen würde. Städtctage und Arveiterorganisationen haben sich auf den Boden des R e g i e r u n g s e n t w u r f s ge- stellt. Verschiedene Mieterverxinigungen verlangen die S o z i a l i- sierung des gesamten Wohnungswesens.— Ministerialdirektor Conze(Preuß. Finanzministerium): Wenn die Rcichsratsvorlage angenommen wird, können die Länder alsbald ohne Befragen ihrer Parlamente Anleihen aufnehmen und für Wohnungs- zwecke zur Verfügung stellen.— Ein bayerischer Regierungsvertreter legt den Etändpunkt feiner Regierung dar.— Reichsarbeitsminister Dr. Brauns: Bei der Borlage handelt es sich nicht um ein ocr- fossungänderndes Gesetz.— Abg. Silberschmtdt(Soz.): Wenn alle möglichen Borschläge hier weiter behandelt und gewisse L a n- desinteressen nicht zurückgestellt werden, ist an eine Erledi- gung der Vorlage nicht mehr zu denken.— Bei der hierauf ein- tretenden Geschästsordnunasdebatte erklärten die Redner aller Frat- tionen, bei der ersten Lesung im Plenum das Wort nicht nehmen zu»ollen. Das Finanzministerium soll noch heute über die Durchführbarkeit der einzelnen Dorschläge gehört werden. Da- bei•bedauerte ein Abgeordneter lebhaft, daß durch die Haltung des Reichsrotes und.das Hereinwerfen von Verfassungsfragen dieses dringliche Gesetz oerschleHpt werde.— Weiterberatung Montag. 3m Steuerausschuß des Reichstages berichtete Abg. B e l t i n (Z.) über das Ergebnis der Beratungen im Unterausschuß. Eine Verständigung darüber, ob noch dem Reicheeittkommensteuer- gesetz oder noch der Novelle veranlogt werden soll, ist noch nicht erzielt worden. Die Mehrbeit ist der Auffassung, daß da» alte Veranlogungsversahren das beste sei. Es wurde emeut ein Unter- ausfchuß eingesetzt, der prüfen soll, wie der Antrag Pohlmann (Dem.) mit der Regi-erungevorlage in Einklang zu bringen fei. Weiterberatung Montag. Erhöhung der Wöchnsrinneubeihilfe. Zur Reichswochenhilfe haben sämtliche Parteien des Reichstages einen Antrag eingebracht, der die Vorlegung eines Gesetzentwurfs verlangt, der eine der Geldentwertung entsprechende Erhöhung der W S ch n e- rinnenbeihilfe vorsieht. Verhaftung eines- Schiebermlllionär». Wegen umfangreicher Mehrausführung von Rundholz nach Holland wurde der Fracht- flösser und- Holzhändler Eiffinger, Inhaber der Firma Balthasar Wagner, Mainz-Castell, verhastet. Eiffinger hat durch seine Ausfuhr nach Holland riesige Gewinne erzielt. Während er zu Beginn des Krieges ohne nennenswerte Mittel die Fracht. flöfserei übernommen hatte, wird er, heute auf ein Vermöge» vo» 15 bis 20 Willioue» Mark geschätzt. > OewerGhQfisbswegung waltun Sieg im öekleiöungsarbeiterverbanö. Niederlage der Kommunisten. Die gestern stattgehabt� Urwahl zur Berliner Ortsver- des Bekleidungsarbeiteroerbandes brachte der „Betriebe mm I K« 80 Mitgliedern wählen einen Delegierten zur Generalversammlung, je weitere angefangene 20 Mitglieder einen Delegierten mehr. Der Kassierer B y t o m s k i begründete folgende Anträge der Ortsverwoltung: Der Lokalituschlog zur Arbeitslosen- Unterstützung beträgt vom 1. April ab bei 52 Beitragswochen 1 M, bei 156 Beitrogswochen 2 M. und bei 260 Wochen 3,50 M.— Streikunterstützung sollen erhalten bei 26 Beitragswochen weibliche Mitglieder 2 M., männliche Mitglieder 4 M.. bis zu «-ZzP. 5/"° 7'n�t-nd°'Niederl°ge Trotz-ller Demagogie �Sen�Tml Tf£ trotzdem zu guter Letzt noch �rau Zetkin zu Hilfe gehost 52 Wochen weibliche Mitglieder 5 M., männliche 10 M.— Für wurde, um den„Bonzen Schumacher m den Sattel zu d,« Ausgesteuerten tritt sofort eine Ausgesteuertenunter- beben, kam folgendes Resultat zustande: Abgegebene stütz ung in Kraft, welche beträgt bei 26 bis 52 Beitragswochen Stimmen: 11 115— 72 Proz. Davon erhielt Liste Lehmann für weibliche Mitglieder 30 ÜB., für männliche Mitglieder 40 M., 6899, Liste Schumacher(Kom.) 4216 Stimmen. Dieser Ei» bei über 52 Beitragswochen für weiblich« Mitglieder 70 M., für folg ist der Geschlossenheit der sozialdemokratischen männliche Mitglieder 140 M. Dies« Anträge wurden« i n st i m m i g Mitglieder zu danken, die, alle früheren Differenzpunkte �" 9«" om m e n.......».. für bi, fflfl,-chmxm.-.stimm. h.b.„. Erklärung ab: Wir wollen nichts gegen die Beibehaltung des Lokal- beitrags in der bisherigen stöbe einwenden. Vir verlangen aber, daß von den Mitteln, die all« Mitglieder aufbringen, keine ein- fettige kommunistische Propaganda durch die Ortsverwaltung getrieben wird. Dazu find zu rechnen: Die politischen Artikel im„Mltteikvngsblatt*. Weiter die Ausgaben für die„Kommunistin' und für dt»„Graphische Jugend'. Drittens rechnen wir dazu die Ausgaben für Konferenzen usw., die kommuni- stlsche Zwecke verfolgen. Sollte unserem Verlangen nicht entsprochen werden, dann werden wir erneut zur Kürzung des Lokal- beitrags Stellung nehmen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.� kommunistischer Schwinöel. Dm der Geschästsstell« des Afa-Bundes wird uns geschrieben: Di« von Moskau geplanten kommunistischen Zellen sollen jetzt auch innerhalb des Afa-Bundes und der ihm angeschlossenen Verbände gebildet werden. Zu diesem Zwecke ist es den Führern der VÜ.P.D.| . gestattet, in Wort und Schrift zu lügen. Die Kommunistische Partei hält beispielsweise in Rheinland-Westfalen Parteiversammlungen ab, in denen sie ihr» Referenten als Afa-Vertreter an-l ronbl-t um 1-«.r».™-.m..\'J treter reist sterr Fritz Wolf»m rhemländischen Gebiet herum. Sein Generalversammlung vom Kastierer Bywmski eine A itwart auf die Name erscheint auf den Nersammlungsplakaten mt dem Zusatz Frage erwarte, wie hoch sich die Ausgaben der Ortsver- „Lfa'. Ganz abgesehen davon, daß ein einzelnes Mitglied eines waltung für kommunistische Zwecke belaufen dem Afa-Bünd angeschlossenen Verbandes nicht das Recht hat, bei Diese Ausführungen Jmhofss riefen natürllch verschiedene tem- dem Auftreten in einer politischen Versammlung sich als offizieller peramenlvolle Erwiderungen hervor. Vertreter des Ala-Dundes zu bezeichnen, kommt in diesem Falle•- noch hinzu, daß Frtz Wolf wegen seiner verbandsschädigenden Um- triebe au» dem zum Afa-Bund gehörigen Zentraloerband der An» gestellten ausdrücklich seit Monaten ausgeschlossen wor- den ist. In einer Versammlung, die am 17. Ianudr in stomborn stattfand, sprach nach dem Bericht der ,F)omborner Vclkszeitung" an Stelle des sterrn Wolf-Verlin sterr W e q m a n n- Berlin, der sich als Mitglied der Afa bezeichnete. Wegmann, der früher Metallarbeiter gewesen ist, war niemals Mitglied eines Afa-Berbands. Der Referent Wegmann hat nattir- lich in stambvrn sein kommunistisches Parteiprogramm entwickelt und damit den Anschein erweckt, als würde auch der Afa-Bund auf dem Moskauer Standpunkt stehen, obwohl doch bekannt ist, daß sich unsere Organisation in schärf st er Kampfesstellung gegen Moskau befindet. Es ist beze-chnend für die Nichtswürdigkeit jener Methoden, daß dieselben Vertreter der PL.P.D, die hier in Berlin geradezu mit Keulen auf den Afa-Bund lo». schlagen, besten Firma mißbrauchen, um in anderen Teilen des Landes in Verbindung mit dem kommunistischen Programm be- geisterte Reden für den Afa-Bund halten.# Gegen diese gefährliche Methode der Zersetzung innerhalb der freigewerkschaftlichen Angestellten- und Arbetterbewegung mästen die entsprechenden Maßnahmen getroffen werden.- fto öle freigewerkstbast'ick oraanPerten Setrlebsräte Sroß-Serlins. Ter UnterriöbtSbeomn an der Betriebt räieschule ist für den 7. b>» 11. Februar festgelegt worden. D'e NnierrichlSverteickmisie werden in diesen Tagen den�Eintelverbälsden in ensspreibender Anzahl zugestellt. Das Programm umfaßt im ga«>zen 8z Lebr- gänge die in wer verschiedenen Schulen stattfinden und ,war: Berlin XIV.. Buckumer Str. 8 Berlin X., Wicsenstr. 66 , 80., Mariannenplatz 1, 0.. Warschauer Platz 6 8 Der Hörerbeitrag beträgt pro Lehrgang von 10 Doppelstunden 6 M. Wir fordern bierdutch die Betriebsräte auf, sich bei ihren Ler- bänden für die Teilnnhme an den Kursen zu melden. Freigewerk- schafll'ch organisierte Arbeiter, die nicht Betriebsräte find, baben ebenfalls zu diesen Kursen Zutritt. DiejeniGen. die bereits im Befitze d�r Anmeldeformulare find, wollen dtelelben auS:«iilklt umgehend ihrem Derban!> zurückgeben oder direkt an das Bureau der Betriebsräte, Berlin 80.. Engelufer 15, Eingang E, 2. Hof, L Treppe, rechts, per Post einsenden. Generalversammlunq der Buchbinder. Der Verband der Buchbinder und Papieroerarbeiter(Ortsver- waltung Berlin) hielt am Freitag eine außerordentliche Ge- �'neralversammlung ab. Zunächst kamen Anträge der Der- 3 waltung und erweiterten Verwaltung auf Aenderung des Streit in einer Prefchefefabrik. Am 12. Januar leqte die Belegschaft der Firma M. u. W. Müller, Preßhefefabrik, Bukower Sir. 7/8, wegen Differenzen mit der Be- I tcisbsleitung die Arbeit nieder Schon am zweiten Streiktage wäre es möglich gewesen, diesen beizulegen, und hätte der Wiederaufnahme der Arbeil nichts im Weg« gestanden. Von feiten der F rmo wurden Bedingungen gestellt, die die Belegschaft nicht erfüllen konnte. nter anderem will die Firma 5 Kollegen, darunter 2 Mit- y r i s st a t u t s zur Erledigung. Der§ 1 Absatz s- wurde dahin i gli«der des Arbeiterrates, nicht wieder einstellen. Am geändert, daß von den 15 Mitgliedern der Ortsverwästung minde»: 21. d. M. hat sich ein von Amts wegen eingesetzter Schlichtung»- stens acht unbesoldete sein müssen. Zum Absatz b des§ 1,> a u s s ch u ß mit einem unparteiifchen Vorsitzenden mit der Beilegung wonach die Beisitzer alljährlich im Januar in den Branchen-� des Streiks beschäftigt. Ein Vergleich kam nicht zustande. Es wurde Versammlungen zu wählen sind, beantragte Im hoff, die■ einstimmig ei:« Schiedsspruch gefällt, der die F rma oerpflichtet, Beisitzer in Urwahlen nach dem Verhältniswahlsystem zu innerhalb 14 Tagen alle bisher Beschäftigten bedingungslos wählen. Der Antrag, wurde abgelehnt.— Der§ 12, der die Zu.' wieder einzustellen. Ob sich die Firma dem Schiedsspruch sammensetzung der Generalversammlung� betrifft, unterwirft, steht noch nicht fest. Der Streik dauert daher unoer- sah schon bisher das Delegiertensystem vor. Er erfährt verschiedene ändert fort. Arbeiter, übt Solidarität! Verband der Aenderungen, deren wesentlichste die folgende Bestimmung c ist: 1 Fabrikar better Deutschlands, Ortsverwaltung Groß-Berlin. Vmt der Angestellten-Intern akipt» als. Da» Erekuttv-Komitee der Angestellten-Internaöonal« trat in dieser Woche zu seinem konstituierenden Kongreß in Paris zu» fammen. Der Sekretär gab einen Bericht, in dem er die günstig« Lage der Internationale betonte, die augenblicklich 98 3 0 0 0 M i t- ; glieder zählt.> Das Bureau der Internationale setzt sich folgende» maßen zusammen: Präsident Otto Urban(Deutschland), Vize- Präsident B u i s s o n(Frankreich), Sekretär Klein(Tschecho- slowokei). Schiedsspruch im Verstcherunqsgewerbe. Nachdem der Schiedsspruch vom 10./11. Januar 1921 über die Regelung der geldlichen Leistungen und der Arbeitszeit im Ver» sicherungsgewerbe von den Parteien angenommen worden - ist, hatte der am 28. Januar 1921 im Reichsarbeitsministerium wiederum unter der unparteiischen Leitung des Staatsmyiisters a. D. Dr. S ü o e k u m und der Regierungsräte Dr. M. Weigert und_ Dr. W egerdt tagende Schlichtungsausfchuß über die zahlreichen' noch verbliebenen Streitfragen aus dem Tarifverhältnis zu ent- scheiden. Trotzdem sich die Verhandlungen, insbesondere über die% Fragen der Verheirateten- und Haushalttzzulagen, Ueberstunden und.Hausarbett, Spesenvergütunq für Außenbeamte und Besatzungszulagen sehr schwierig gestalteten, gelangte der Schlichtungsausschuh schließlich über alle Punkte zu einem ein- stimmig gefaßten Schiedsspruch. Nach vorläufigen Aeuherunqen der Parteivertreter steht zu envarten. daß auch dieser zweite Teil als Schiedsspruch von beiden Parteien anaenommen wird. Di« Erklärungsfrist über Annohme oder Ablehnung des Schieds- spruchs wurde auf Mittwoch, den 2. Februar, festgesetzt. Die Tarisverhandlungen Im Hamburger Gastwirksgewerb« sind ergebnislos verlausen. Sollte auch vor dem Schlichtungs- a u s s ch u ß keine Einigung erzielt werden, so ist nach der Dena mtt einem Streik der Ga st Wirtsgehilfen in den nächsten Togen zu rechnen. Keine vetriebsräle in Frankreich. Der Verband der französischen Metallindustriellen und Bergwerksbesitzer hat den Antrag des Metallorbeiterverbandes auf Einsetzun-, von aus organisierten Arbeitern gebildeten Betriebskontrolltommiffionen verworfen. 996 000 Arbeitslose hoben sich nach einer Reuter-Meldung in England eintragen lasien. Dazu kommt noch die große Zahl der- jenigen, die sich nicht gemeldet haben. ?«ran»i»<ät den redatt. teil- Dr. Wer» er Velin, Cbnrlotienburz: küe arjetgen! t>.»(«te, Vetlin. B erlag: Scrivärls-Verlag®. m i>. H. Berlin Dru.e- Vor- ivSrtS-Vuitdruiterel» Verlna-antial« Vrnil E-mter»<5o Berlin. fiinOv ifit. 3. Kin»» 3 Beilagen»ni»„Die Wählerin-. ihr™ die deuische Weinbrandmarke ahne 4 n. 7 jTik. mit Triedenskautssbnk S Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit BetSubun2 bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zfthne ohne Gaumen. KeineLuxuspreise. ahn-Praxis Katvani, fianziger Straße t. �feißc Wjche Wäschestoffe Hemdentuch slarkfädig, Mtr. Hemdentuch gute Qual..Mir. 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