t Nr. 53» 3S. Jahrgang Musgabe M Nr. 27 Bezugspreis: V erttlläfirLSO,— ORLmonotLlO,— 9K. tin INS öaus, voraus-oblbac. Poft- oejug Dlonatlicb 10,- M!.«fL?u- . stellungsaeoütir. Unttt:treu.(bnnD für - Oeulichlano und Deftrcreidi 10/0 Ml. für Oos ühttgt Auzjand vei wyiich einmal.?uOel!unv 21 ZO Pvftor» Nrllunaen nekmen an Oeftetttiilv Ungarn, Tfchecho-SIowotti. Dane. mar:.>>ollona..u cmourg, cctimeOen uui oic Schwei».—-iinaetraaen tn die-Cef!-- eiMnas-Breislisle. Der.Dorwarts* mit der Sonntag». Wlogt.Bai! n-Seil" erictictm trodien» täglich zweimal Sonntag, und Montags-intnat. Tilearamm-Ädreffe »Sozialdemolral verlin» Morgen-Ausgabe rliner Oolksbleltt ( Z0 Pfennig) NnzeigenpreiS: Die achtaelvalten» Nonvareillezell« loltetZ,— M., Srucningsäuichlag 50«/, »«leine Anzeigen», das leit» gedruckte Wort l,— M.(»ulätfig zwei 'rttgtOnickte ibortc). tedes weiter« Sott OD Big. Stellengesuche und Schlafflellenanzeigen das erste Wort OS Big. edes wettere Wort 10 Dig «ort» ndet lä Luchstaben zählen für twei Won«. Deuerungszufchlav SO«/» �amilien-Äu, eigen für Abonnenten geile 2.— äst. politiich« und ge- werlichasUich» Lenins-Anteigen 5s- Ml. die geile ohne Auffchlag. Anzeigen für die n o chst e Nummer mlinett bis S Ahr nach mittags im Sauvtgefchält. Berlin SW 1. Linden» strage S. abgegeben werden. Seönnet van S Uhr früh bis S Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokratirchcn parte« Deutfcblanda Ncüaktivn und Expedition: SW. b8» Lindenstr. Z (vcrMil'rrrtier:«mi«lonwölnn, 1t r. 151 90— 151 U7 Vonvärts-Verlag G.m.b. y., SW. H§, Lmdenftr. Z aernivrreder: Ami Ältorinvta«, Nr. llDSL— ä-t Regierungserklärung im Reichstage. Die Rede, die der Reichsminffter Dr. Simons gestern vor einem überfüllten, gespannt lauschenden Hause hielt, gipfelte in der Erklärung, daß die Regierung die Pariser Vorschläge nicht als eine geeignete Verhandlungsgrundlage betrachte, daß sie aber bereit sei, auf der Londoner Konferenz p r a k- tische(B e g e n v o r s ch lä g e zu machen Das deutsche Volk und die ruhigen Köpfe der übrigen Welt konnten nichts anderes erwarten. Ueber die vollkommene Unmöglichkeit jener Vorschläge gsbt es in der ganzen deutschen Presse ohne Unter- schied der Partei nur eine Stimme, wie sehr auch sonst über di- beste Methode, der Ententepolitik zu begegnen, die Mei- mingen verschieden sind. Kaum jemals noch ist in der Presse eines Landes, in dem völlige Freiheit des Wortes herrscht, eine so weitgehende fachliche Uebereinstimmung zu verzeichnen gewesen. Auf dieses einheitliche Urteil gestützt, konnte der Minister an eine Kritik der Pariser'Beschlüsse herangehen, die sich bei völliger Leidenschaftslosigkeit der Form durch große s a ch- liche Schärfe auszeichnete. Die Unvereinbarkeit dieser „Propositionen"' mit den Bestimmungen des Friedensvertrags und mit den Gesetzen der wirtschaftlichen Vernunft und ihre zahlreichen inneren Widersprüche wurden überzeugend hervor- gehoben. Ein ungeklärtes Problem berührte Dr. Simons, in- dem er die Frage der Strafbestimmungen erörterte, die der . deutschen Regierung nicht initgeteilt worden sind, die ober nach„Haoas" sowohl für das Eutwaffnungsdiktat wie für die „Propositionen"' gelten sollen. Man kann ihm nur zustimmen, wenn er annimmt, daß hier ein Irrtum vorliegen müsse, denn Vorschläge machen, die mit dem Vertrag nicht überein- stimmen, die deutsche Regierung einladen, sic�« beraten, und dann, wenn die Regierung„Rein"' sagt, die Truppen mar- schieren lassen, das wäre ein Stück aus dem Tollhaus, das man selbst den ziemlich kopflosen Verkasiern jener Vorschläge nicht ohne weiteres zutrauen darf. Wäre aber diese Zuver- ficht unbegründet, dann bliebe uns eben auch nichts anderes übrig, als die Dinge an uns Herankommen z n lassen. Die Ministerrede fand im allergrößten Teile des Hauses Zustimmung. Es heißt allerdings, daß sie den Deutschnasio- naken nicht„scharf" genug gewesen sei, was nur zu i�ren GuNsien sprechen würde. Auf der anderen Seite hat Adrlf Hosfmann es sich nicht nehmen lasten, eine mitgebrachte mit Schreibmaschine geschriebene Erklärung seiner Fraktion vorzulesen, in der die Rede des Ministers als„hohl und inbalt- los" be zsi�net wird. Die Kommunisten hatten also beschlossen, daß die Minilterrede„hohl und inhaltlos" sein müsse, noch be- vor sie ihren Inhalt kannten. Selbst die �Unabhängigen sahen sich veranlaßt, die Hanswurstereien Hoffmanns durch den Mund Ledebours als unaebörig und dem Ernst der Lage nicht entsprechend zurückzuweisen. Heute werden die Parteien durch Erkläfmgen zu der ge- � gebenen Sachlage Stellung nehmen. Die ErNänmg unserer Fraktion abzugeben, ist Genosse Hermann Müller b-a-is- tragt. Unabhängige und Kommunisten wollen längere Reden hallen, womit schwerlich viel erreicht sein wird. Von einem Rücktritt oder einer UmbildungderRc- g i e r u n g in der Richtung zur„nationalen Einheitssr.mt" ist es still geworden. Ob es zum Schluß der heutigen Debatte zu einer Abstimmung kommen wird, ist noch unbestimmt, An- träge liegen noch nicht vor. Obwohl die Sozialbemokratsi mit der bisherigen Politik der Regierung in der Entwoisnungs' frage nicht einverstanden ist, würde sie sich unter den gegen- wärtigen kritischen Umständen aus keinen Fall an einer Aktion beteiligen, die geeignet wäre, die Stellung des Außenministers dem Auslande gegenüber zu schwächen. Denn es sind— und das hat auch Dr. Simons in seiner gestrigen Rede mehrfach hervorgehoben— vor allem deutsche Arbeiterinter- essen, die in dieser politischen Wellkrise aufs allerschwerste bedroht sind. Auf das Echo der deutschen Reglerungserklärung im Aus- land darf man gespannt sein. Es läßt sich voraussehen, daß sie auf Denkwillige nicht vbne Eindruck bleiben wird, gedanken- lose Chauvinistenhetze wird ihre sachliche Beweisführung durch wilden Lärm zu übertönen suchen. Dadurch wird man sich aber hierzulande nicht einschüchtern lassen. Daß der Appell an die Vernunft nicht ganz aussichtslos ist. dafür zeugen die Stimmen zahlreicher ausländischer Blätter, vor allem die an anderer Stelle ausführlicher wiedergegebene bedeutungsvolle Erklärung der„W e st m i n st e r Gazette". Wie aber werden sich die R e g« e r u n g e n der Entente. wie wird sich vor allem die französische Regierung verhalten? Am Donnerstag soll B r i a n d in der Kammer sprechen: er wird bis dahin die Rede Dr. Simons wie die Er- Lärmigen der Reichstagsparteien in Händen haben. Der Sitzungsbericht. Die Reichstagssitzuag am Dienstag war überaus stark besucht, die Tribünen übersüllt. Präsident Löbe teilt mit, daß die nächste Sitzung des Wahl- Prüfungsgerichts am S. Februar stallfindet. Außenminister Dr. Simons: Selten hat eine politische Verhandlung durch ihren Verlaus und ihr Ergebnis eine solche Verwirrung in den Köpfen hervorgerufen, wie die letzte Ministerkonferenz in Paris. Am ersten Tage hatte man Kenntnis genommen von den Plänen Seydoux'. Man hatte sich daran gewöhnt, daß die deutsche Regierung bereit war, unter gewissen Vorbehalten diese Pläne anzunehmen. Aber gleich nach Beginn der Pariser Beratungen kam die Rede D o u m e r s, die den bisherigen Boden verließ und eine exorbitante Summe auf- stellte. Wir haben in den Zeitungen von deh Auseinandersetzungen zwischen Lloyd George und Briand gelesen. Nunmehr kommt Die Note mit ihrem vollkommen neuen System. Um Klarheit über die Vorgänge zu erlangen, erscheint es mir er- forderlich, daß ich Ihnen etwas ausführlicher den Gang der Ver- Handlungen schildere, die zur Ministerkonserenz geführt haben, den Inhalt der Note nochmals kurz mit Ihnen durchnehme und einige Worte der Kritik daran knüpfe, und daß ich Ihnen zum Schluß die Darlegung der Stellungnahme der Regierung gebe. Die Minister- konscrenz von Paris und die heutige Note hängen eng zusammen mit den Vorgängen in Spa. Nachdem die Alliierten eingesehen hatten, daß sie mit dem Notenwechsel zu einem günstigen Aus- gang in den schwebenden Fragen der Ausführung des Friedensver- träges nicht gelangen würden, haben sie endlich es über sich ge- wannen, die deutsche Regierung zur Entsendung berufener Vertreter zu einer gemeinsamen Besprechung der verschiedenen Themata nach Spa zu laden. Schon vorher hatten die Alliierten in Baulogne die Schadenersatzsumme festgestellt. Die deutsche Regierung hat von diesem Ergebnis von Boulogne niemals eine amtliche Zllilleilung bekommen. (Hört, hört!) In Spa kam die feierliche Zusage Delacroix', daß wir, nachdem die Reparationssrage von der Tagesordnung gestrichen war, in Genf nochmals darüber oerhandeln sollten. Die Zusammen- kunft in Genf verzögerte sich mehr und mehr, es bestand die Gefahr, daß die Verhandlungen über die Wiedergutmachungssumme zu einer unüberwindlichen Spaltung in den Meinungen der beteiligten Län- der führen würde. Infolgedessen habe ich es für meine Aufgabe gehallen, die Anregung zu geben, daß Sachverständige von Land zu Land sich über die wichtigen Themata der Reparation verständi- gen sollten. Diese Anregung, die zunächst günstig von einem Teil der Alliierten ausgenommen wurde, ist aber n i ch t zur Durchführung gelangt. Es kam dann das Gegenprojekt Delacroix'. das die An- gelegenheit an die Wiedergutmachungskommission zurückverwies. Lange hat es gedauert, bis die Sachverständigen endlich nach Brüssel zusammengerufen wurden. Die Brüsseler Beratungen sind Ihnen alle nach in frischer Erinnerung. Sie sind vertagt worden. Während der Verhandlungen,� die zwischen Herrn Bergmann als deutschem Vertreter und Seydoux als Vertreter der Alliierten in Paris geführt wurden, ergab sich, daß Seydoux mit dem neuen Plane hervortrat, daß Deutschland zunächst fünf Jahresraten zahlen sollte und dann erst die Gesamtschuld festgestellt würde. Es war das zu- nächst unverbindlich. Dann trat aber die französische Regierung durch ihre hiesige Vertretung an die deutsche Regierung heran, wie sie sich zu dem Borschlag von Seydoux stelle. Es haben darüber vier Ver- Handlungen stattgefunden, und alle Instanzen haben sich schließlich damit einverstanden erklärt, daß die deutsche Regierung den Vor- schlag Seydoux' als Grundlage für die Verhandlungen annehme. unter den bekannten Vorbehalten, daß die Ziffer zuerst gesucht wer- den würde, nachdem über die Umstände gesprochen sein würde, uyter denen die Verhandlungen über die Leistungsfähigkeit Deutschlands in Brüssel stattfänden, und daß zugleich gesprochen werden sollte über die Methoden, nach denen die Grundgedanken Seydoux' in die Tat umgesetzt werden konnten. Der britische Botschafter in Berlin trat an die deutsche Regierung heran, auf diesen französischen Bor- schlag einzugehen. Sie erklärte offiziell, daß sie sich der französischen Regierung anschließe.(Hört, hört!). Seydoux setzte nunmehr an die Stelle der ersten Jahresrate eine hohe Gesamtsumme und L o u ch« u r führte sogar aus, daß es für die französische Industrie höchst bedenklich sein würde, wenn sie die Reparationen von Deutschland durch Sach- leistungen tilgen ließe. Das wäre für die französische Industrie eine schwere Konkurrenz. Man hat uns nun merkwürdigerweise trog dieses von unserem Beschlüsse gänzlich unabhängigen Borgange den Vorwurf gemacht, daß wir in der ganzen Angelegenheit nicht richtig verfahren seien. In der deutschen Presse wird aber der deutschen Regierung vorgeworfen, daß wir nicht selbst, bevor die Alliierten zu ihrem Ergebnis kamen, mit positioen Vorschlägen herausgekommen wären. Dieser Vorwurf ist unbegründet. wir find mit posilivcu Vorschlägen herausgekommen. Ich will hier gar nicht sprechen von dem Vorschlage, den wir schon im September 1919 gemacht haben über die technische Ausführung des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete. Damals hat ein kurzer Notenwechsel stattgefunden. Auf unsere letzte Aeußerung haben wir keine Antwort erhalten.(Hört, hört!) Aber wir haben doch in S p a Vorschläge gemacht, naturgemäß Vorschläge, die noch nicht ein- gehend sein tonnten. Abgesehen von den Schwierigkeiten der Ms terie, war die deutsche Regierung damals erst wenige Tage im Amte und konnte sich die schwierige Materie nur mit äußerster Anstrengung zu eigen machen. Trotzdem legten wir drei Vorschläge vor: ersten» einen Finanzierungsplan, zweitens einen Plan für dl? Sachleistungen aus der Reparationsschuld, und drittens einen Plan für die technische Durchführung des Wiederaufbaues.»Diese drei Pläne wurden in Spa übergeben und wir hatten Grund anzu- nebmen, daß sie als Grundlage weiterer Verhandlungen in Gen> dienen würden. Wir haben aber keine Antwort daraus bekommen, außer höhnischen Kritiken der Pariser Presse.(Hört, hört!) Auch ist zu berücksichtigen, daß die besten Pläne, die wir jetzt machen können, immer noch außerordentlich in Unsicherheit schweben. Ich will nur ein Wort JD b c r( cht e| i e n' aussprechen, um zu zeigen, daß wir wirklich feste Pläne nicht einmal in alter- nativer Form machen können.(Hört, hört!) Es könnte so aussehen, als ob wir in Oberschlesien abbauen wollten. Dazu kommt die forr- gesetzte Unstetigkeit unserer Währungs- und Wirtschaftsverhältnisse: Pläne können wir nur dann machen, wenn wir einigermaßen klar sehen über die Möglichkeiten, diese Unstetigkeit durch Entgegenkam- men unserer Gegner abzcktragen. Zu dem Vorwurf, daß wir dem Plan von Seydoux Bedingungen entgegengestellt hätten, kann ich erklären, daß Dcuischlanh keine Bedingungen gestellt hat, sondern es handelte sich immer um die Umstände und die Vor- aussctzüngen, die für die Erfüllung van Forderungen gestellt werden wußten. Wir haben keine anderen Vorstellungen gemacht, als wie sie unseren Gegnern In Brüssel bereits offen auseinandergesetzt wurden. Der französische Botschafter Laurent hat mir selbst er- klärt, daß selbstverständlich alle im Brüssel behandelten Fragen wei- teren Auseinandersetzungen� und weiteren Verhandlungen unterlegt werden müßten.(Lebhaftes Hört, hört!— Große Bewegung.) Noch niemals im Verlaus der Geschichte hat ein Volk so offen seine Kar- ten den Vertragsgegnern aufgedeckt, wie das deutsche Volk.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn da vielleicht einiges nicht gestimmt hat, so liegt das nur an dem Mangel der nötigen statistischen Unterlagen, denn in einer Zeit Statistik zu treiben� wo man fünf Jahre Krieg und dann noch einen Umsturz hinter sich hat, ist keine leichte Sache.(Sehr richtig!) Ich kann diesen Borwürfen nur entgegenhalten, daß sie von einem Mißtrauen und einer Ungeduld diktiert sind, wie ste uns auch aus den Kreisen der Alliierten immer wieder entgegen- tritt. Zur Charakterisierung der Note kann ich nur sagen: ich halte sie für ein überhastetes Ergebnis einer schwierigen Verhandlung. Ich will nun noch einen kurzen Ueberblick über die Note geben und dann dazu Stellung nehmen. Sie zerfällt in drei große Unter- abteilungen: Die Heeresklausel, die Marineklausel und die Lust- klausel. Innerhalb dieser Hauptabschnitte gibt es zwei Partien: die erste, die sich mit den Verfehlungen beschäftigt, die Deutschland nach Ansicht der Alliierten begangen hat, die zweite bezieht sich auf die Entscheidungen, die daraufhin von der Entente getroffen wurden. Aus allem ergibt sich eine Dreiheit von Differenzen. Auf der einen Seite handelt es sich um Meinungsverschiedenheiten, wo die deutsche Regierung aus Gründen einer Notlage beantragt hat, ihr Rechte über den Vertrag hinaus zu gewähren. Der zweite Teil bezieht sich auf solche Fälle, wo Deutschland und die Alliierten den Wortlaut des Vertrages nicht einheitlich auslegen. Der dritte Teil ist derjenige, wo die Alliierten, ohne wettere Gründe anzugeben, in ihren mili- tärischen Forderungen über den Inhalt des Vertrages hinausgehen: ste sind Entscheidungen, die uns mitgeteilt sind, ohne daß wir ge- fragt worden sind. Selbstverständlich enthebt uns das nicht der Stellungnahme. Diese Stellungnahme ist aber nur möglich, wenn das außerordentlich verwickelte Material von den zuständigen Ressorts eingehend geprüft wird. Das erste Kapitel,- wo wir mehr geleistet haben, als wir mußten, betrifft die Frage der Entwaffnung. Hier sind uns neue, längere Fristen gestellt worden. Wir müssen aber auch mit der zu« ständigen Landesregierung Fühlung nehmen. Die Fühlungnahme ist eingeleitet und wird durchgeführt im Geiste loyaler Anerkennung der verpslichtnngea. die wir mit dem Friedensvertrag« übernommen haben. Ich muß bei diesem Thema noch dem Bedauern Ausdruck geben, daß in der Note der Entente kein Wort der Anerkennung für das steht, was wir in der Entwaffnung schon geleistet haben.(Ge- lächler auf der äußersten Linken.— Rufe rechts: Ruhe!) Sie lachen. meine Herren: ich kann sagen: kein Volk der Welt hat auf diesem Gebiet soviel geleistet, wie jetzt das deutsche! Kein Mensch, auch unsere Gegner nicht, hat damaks geglaubt, daß wir in dieser Zeit soviel werden leisten können.(Lebhafte Zustimmung.) Trotzdem immer noch das Mißtrauen, das sich in den Drohungen für den Fall der Nichterfüllung in der Entwasfnungsfrage ausspricht. Was nun öle Reparationsfrage anlangt, die sich auf die Art. 231 und 232 des Friedensvertrages bs- zieht, sollen die Zahlungen bis zum Jahre 1963 gehen, ansteigend im Betrage von 2 Milliarden bis k Milliarden Goldniark. von denen aber 6 Milliarden 39 Jahre lang die Regel sein werden.(Lebhaftes Hört, hört!) In Boulogne verlangte man 22S Milliarden, jetzt sind es schon 269 Mlliarden geworden.(Hört, hört!) Die zweite Form des Systems ist die variable Zahlung: 42 Jahre lang soll Deutschland 12 Prozent des Wertes der beut- fchen Ausfuhr zur Verfügung stellen.(Lebhafte Zurufe: U.n- erhört!) Charakteriftischerweise ist die Berechnung angestellt auf Grundlage einer Handelsbilanz, die auf der Zlusfuhrseite mit 8 bis 16 williardea(Gelächter) abschließt, einer Bilanz, die Deutschland selbst in seiner Blütezeit nicht erlangt hat. So glaubt man die Differenz mit der Boulogner Forderung zu überbrücken. Die fixen Raten sind noch Ablauf eines halben Jahres, die variablen 2 Monate noch Ablauf zu leisten. Die Zahlung der fixen Roten erfolgt in Bons, die während des ganzen Zeitraumes von 42 Jahren mit Fällizteitsbcstimmung übergeben werden sollen. Die der variablen Raten erfolgt in Gold. Als Sicherheit sind große Eingriffe in die Zollverwaltung vorgesehen. Bei Säumnis hat die Reparationskommission die Befugnis, die gesamte Zclloerwallung in die Hand zu nehmen.(Bewegung.) Sie kann Deutschland in Verzug nehmen. Der Verzug ermächtigt dann die Alliierten, nach ihrem Ermessen Maßnahmen zu treffen.(Hört, hört!) Für die variablen Raten ist eine streng: Ausfuhrkoutrolle vorgesehen, die die tiefften Einblicke in das deutsche Wirtschaftsleben ermöglicht. Mit all diesen Sicherheiten ist der Kelch der Verpflichtungen Deutschlands noch nicht geleert.(Bewegung.) Zu den Restitutionen aus dem Friedensvertrag für das, was Deutschland aus den besetzten Gebieten weggeführt hat. kommen die Okkupalionskosten die jährlich etwa 15 Milliarden und nach dem angekündigten Entente-Abkcmmen immer noch ein« Vicrtelmilliarde betragen.(Hört, hörti) Dazu kommen die Kosten für die zahlreichen Kommissionen, die in Deutschland noch ihre Tätigkeit ausüben, ferner die Zollüberwachungsstellen, endlich die BAräge aus dem Ausgleichsverfahren, die für Deutschland besonders drückeno sind. Völlig unklar sind folgende Fragen: Wie steht es mit der Anrechnung der vielen Werte, die wir bereit» hingegeben haben? Davon ist überhaupt keine Rede! Wo bleibt die Anrechnung der 20 Milliarde.« Goldmark?(chört, hört!) Nichts steht in dem Programm über die Abrechnung der vielen Sachwerte, die wir bereits geleistet haben. Ferner ist nichts gesagt, ob, wenn wir die Bons hingegeben haben, die Schatzscheine und Schuldoerschreibungen auf den Inhaber zurück- gegeben werden, die wir sofort bei Inkrafttreten des Friedensver- träges in die chand unserer Feind« gelegt haben. Abgesehen von diesen Dingen, enthält das neu« Programm Widersprüche mit dem Friedensoerlrage. Der Friedensvertrag gab uns das Recht, bis zum 1. Mai 1921 eine feste Gesamtsumme unserer Schuld zu er- fahren. Statt dessen wird uns eine variable Summe gegeben, denn eine feste zuzüglich einer variablen ist letzten Endes eine variable. Das ist das, was Deutschlands Wirtschaft auf die Dauer mchi er- kragen kann.(Sehr richtig!) Dann hat uns der Friedensvertrag wenigstens das zugesagt, daß wir nur ein knappes Menschenalter, 3b Jahre, an diese Kriegeschuld gebunden sind, wenn wir nicht im Rückstand« sind. Jetzt wird uns eine Bindung auf 42 Jahre zugemutet. Es ist uns zugesagt worden, daß, wenn wir die 20 Millior- den geleistet und die Schatzscheine über 4l> Milliarden ausgestellt hätten, dann eine sorgfältige Prüsuug einsetzen sollte, ob wir. über- Haupt imstande sind, die Zinsen zu tragen und die Amortisation durch- zuführen. Davon ist jetzt keine Bede mehr! Der Ausgangspunkt ist überhaupt verschoben. Wir sollen die Bons über 42 Milliarden sofort in die Hände der Alliierten geben. Nach dem Friedensver- trage sollte zunächst einmal der gesamte Schaden fesig-stellt werden. (Sehr wahr!) Die willkürlichen Methoden der Schätzung wurden in Frankreich s e l b st stark angegriffen. Vielfach wird darauf hin- gewiesen, daß das Geld, das Frankreich selbst bisher zu Reparations- zwecken ausgeworfen hat, hinweggefchleuderk worden ist, ohne daß davon auch nur eine Mauer aufgebaut worden ist.(Lebhaftes Hört, hört!) Auch Briond hat in seiner ersten Sammerrede darauf hin- gewiesen, daß in der ganzen Frage vom, Wiederaufbau starke Mißbräuche vorgekommen sind, vor allem sollte aber Deutschland doch gehört werden. Bisher ist aber Deutschland hir.sichrlich der Festsetzung der Schäden noch gor nicht gehört worden! Die weitere Voraussetzung der Feststellung der Gesamtschuldverhältnisse ist und«oar die P r ü- f u n g der Leistungsfähigkeit Deutschlands durch die Repara- tionskommission, ein« Frage, an deren Prüfung später die Brüsseler Konferenz herantrat. Diese Besprechungen sind noch unvollendet, und wir müssen Wert darauf legen, daß sie vollendet werden. Infolge- dessen können wiir nur annehmen,'daß die uns setzt gegebene Summ» eine wMkürllch gegriffene ist. Dazu kommt dl e Frag« der Sicherungen, die die Gegner sich geben lassen wollen. Sl« wollen das ganze Zollsystem einem Generalzolleinnehmer unter- stellen. Im übrigen hat doch Herr Clemenceau selbst erklärt, die Alliierten beabsichtigten«icht, in die Freiheit de? deutschen Wirt- schaftsoerhältnisie einzugreifen. Aber mag auch dieses Arrangement den Bestimmungen des Friedensvertrages widersprechen oder nicht, wäre von geringerer Bedeutung, wenn es an sich pralrifch und gang-' bar wäre. Und da ist die deutsche Regierung nach sorasälliger Pcu. fung der Ueberzeugung. daß dies weder eine praküfcy«, noch ein« gangbare Lälung ist.(Sehr richtig!) Dies« st gesetzte Summe von 269 Milliarden ist ja mehr als vielleicht da» ganze deutsche Voltsvermögen. Es wäre widersinnig. das deutsche Voll mit einer derartigen Summe zu belasten, wo wir /lus öismarcks drittem Sand. In Deutschland ist die Veröffentlichung von Bismarck» drittem Erinnerungsbande noch immer durch Gerichtsbeschluß verboten. In Holland wird sie fortgesetzt..Nieuwe Rotterdamsche Eourant" veröffentlicht den 2. Teil au» dem S. Band der Erinnerungen Bis- marcks. Dieser Teil behandelt die Entlassung de» Kanzler». Am 1. März 1890 ließ Bismarck fragen, ob er an diesem oder dem folgenden Tage eine dringend« Audienz erhalten könne. Er bekam aber keine Antwort. Er wollte dem Kaiser Bericht über eine Unterredung erstatten, die er am 12. Februar mtt W i n d- Horst über gewisse au» Rußland erhaltene Mitteilungen hatte. Am S. März, 0 Uhr morgen», wurde Bismarck geweckt durch einen Boten des Kaisers, der ihm ansagte, daß er um>410 Uhr im Bu- reau für Auswärtige Angelegenheiten Bericht erstatten sollte. Das Bureau für Auswärtige Angelegenheiten wurde gewöhnlich die Amtswohnung von Bismarcks Sohn genannt. Dort empfing Bis- marck den Kaiser. Er teilt« ihm mit, daß er fast zu spät ge- kommen wäre, da er erst vor 25 Minuten durch den Befehl de» Kaisers geweckt worden wäre. Der Kaiser antwortet«:.Ich Hab« die Botschaft gestern nachmittag abgesandt." Später stellte e» sich heraus, daß der Kaiser erst gegen abend um 5 Uhr die Zusammen. kunft bestimmt hatte, und gewöhnlich wurde abends keine Botschaft vom Palais mehr besorgt. Der Kanzler teilte nun mit. Windhorst habe ihm aus eigener Jnttiative einen Besuch gemacht. Hier folgte das bereits bekonnte Gespräch, in dem der Kaiser erklärte, daß Bismarck ihn um Rat hätte fragen sollen. Der Kaiser ließ durchblicken, ihm sei bekannt, daß der Bankier Lleichröder den Be- such Windhorsts vermittelt Hab« und lagt«: .Juden und Jesuiten gehören immer zusammen!" Bicuncrck antwortete darauf, e, sei ihm eine große Ehre, daß Ma- jesteit s o g u t über das unterrichtet sei, was in seinem Hause pas- sierte. Der Kaiser fragte nicht nach Windhorst» Plänen, sagte aber: „Ich bekomme gar kein« mündlichen Berichte von meinen Mi- nistern. Man hat mir erklärt, daß Sie ihnen verboten haben, mir ohne Ihre Zustimmung oder Ihr« Billigung derartige Berichte zu erstatten. Sie sollen sich dabei aus alte oergilbte Lerord- n u s g e n gestützt haben, die berett, ganz vergessen waren." Bismarck erklärte, die Angelegenhett fei nicht so. Die Aerord- nung vom 8. September 1852, führt« er au», war notwendig fürt unseren Gegnern nachgewiesen haben, wie schlecht es mit unseren Finanzen steht. Dann aber kommt doch d.ese Luser.egung der 269 Milliarden in Raten von 6 Milliarden vollständig auf eine wirtfchasMch« Versklavung de» deutschen Volkes hinaus.(Lebhafte Zustimmung.) Es gibt e.ne Bestimmung, wonach Deulfchlaich«inen Rabatt von 8 P.oz. empfangen joll, wenn es seinen Verpflichtungen früher als vorgeiehen nachkommt.(Zuruf rechts: Das ist reiner Hohn geween!) Dieser Vorschlag kommt darauf hmaus, daß Deutschland sich einen Gläubiger sucht, der ein großes Da lehen zur Ab ösung dieser Derpilichtungen gibt. Ich glaub« nicht, daß wir einen G.äubiger finden, der uns das Darlehen so billig gibt, daß wir von einem achtprozentigen Rabott Vorteil« haben. Di« Schweiz hat für ihr letztes Darlehen 9 Proz. gebe» müssen. Und wenn wir einen solchen Gläubiger finden, ist uns die Ausnahm« des Darlehens ohne Zustimmung der Reparationskommission verboten. Dos gilt nicht bloß für die deutsche Reg crung, sondern für die Re. gierung seden Landes.(Zuruf: Kreditblockade!) Es ist llar, daß die Entente oder derjenige Stoet der Enteitte, der als Geldgeber zunächst in Betracht käme, den Wunsch hegt, die Kredit« an uns zu »ermitteln. Wir sind also von unseren natürlichsten Geldgebern hierdurch abgeschnitten. Ich komm« kamst zu einer anderen wirb schastlich wichtigen Maßnahme, der Ausfuhrabgabe. Diese Ausfuhrobgabe von 12 Proz. auf dos ganz« Gebiet der deutschen Ausfuhr ist esnerfeits unsinnig stark und nach außen wie nach innen schädlich. Wie kann man die gesamt« Ausfuhr über einen Kamm scheren in bezug auf die Höh« der Abgab«?(Sehr richtig!) Bei einer Steigerung der Mark, der dhutschen Preis«, muß sich dies« Bestimmung als Drosselung der deutschen Betriebe auswirken. Ich weiß nicht, ob das beabsichtigt ist.(Zuruf: Natürlich!) Entweder: das Ausland trägt dies« 12 Proz., dann wird uns das vielfach auf densenigen Märkten Schwierigkeiten schaffen, auf denen wir vorzugsweilen Absatz haben, oder aber, es muß bei uns be- zahlt werden; da wäre die Zeit sinkender Konjunktur verheerend. Dann bleibt die'« Abgabe haften auf dem Unternehmer- gewinn und den Arbeiterlöhnen.(Große Unruhe links.) Die Entente würbe den Markt der ganzen Welt erobern. Gerade von dieser deutschen Erponinkustrie kann doch ollein hie Finanzierung der firen Summen hergenommen werden. Don einem so'chen lieber- schuß sind wir weltenfern entfernt, solange wir unsere Roh- st o f f e so viel teurer einkaufen müssen, als wir unser« eigenen Waren für das Ausland verroufsn. Ich halte mich oerpstichtet, darauf hinzuweisen, daß die Alliierten uns haben mitteilen lassen, sie hätten aus einem gewissen Gefühl des Taktes auf«inen formellen Eingriff in unsere Steuer» Hoheit verachtet.(Zuruf: Der reine Hohn!) Ich muß darauf hinweisen, weil Lloyd George daraus ousdrücksich Bezug ge- nommen bat. Di« Sanktionen beziehen sich auf soigendc Punkte: Erstens: Aufhebung der R ä u m u n g s f r i st für dj« Rhein» lande, zwestens: Besetzung neuen, deutschen Gebietes, drittens: Errichtung eines besonderen Zollregimes in den Rheinianken, und viertens: Einsvruch gegen die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.(Allgemeine Heiterkeit.) Di« erste Bestimmung widerspricht meiner Anficht nach— dem Sinne, Geist und Worttaut des Friedensvertrages.(Schr richtig!) Die Besetzung kann erst dann verlängert werden, wenn sich herausstellt, daß wir nichts getan haben. wozu wir uns verpflichtet haben.(Zuruf links: Das ist das deutschnationale Annektionsvrogramm von 1914! — Groß« Unruhe rechts.) Ich möchte Sie dringend bitten, während der durckaus sachlichen Darstellung des Jnha'ts der Not« nicht durch Zurufs die Ettmung im Haufe lo zu irritieren, daß w r dadurch zu einer klaren Stellunonahme nicht kommen können.(Sehr richtig!) Man kann uns nicht für einen Vorschlag schon Sanktionen androhen, wenn mir den Barschlaa nicht annehmen: denn das ist dann kein Vorschlag mehr. Betreff» des vierten Punktes muß Lloyd Georg« schon gestatten, daß ich sein« Drobuna mit dem Widerspruch gegen den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund so lange als verirüht ansehe, als wir«inen Antrag für einen Eintritt in den Völker, band nicht gestellt haben. Ich weiß mich rein von dem Verdacht, als ob ich den großen Gedanken eines wahren Bunde, der Völker gering acht«. Ich brauch« mich nur auf da» Zeugnis des Abgeordne» t>m S ch L ck i n g berufen.(Lachen rechts, Lärmen links.) Ich bringe der Entwicklung der Menschheit nicht nur volle» Verständnis, sondern warme Teilnahme entgegen. In den Völkerbund, wie er jetzt besteht, einzutreten, ist für Deutschland mcht mst so viel Lockung verbunden. daß es uns einfällt, um die Aufnahme zu ersuchen.(Sehr richtig!) Ich will nur ganz kurz auf das Schreiben eingehen, mit dem uns die beiden Ausgeburten der Gegner übereicht wurden. Ich habe schon gesaat, daß es sich nur um Vorschläge, französisch: P'oposition, handelt. Es wird uns gesagt, daß Bevollmächtigte der deutschen Re- gierung eingeladen werden würden, sich Ende Februar mit den De- legierten der Wiierten in London zu treffen. Di« Einladung selbst ist nur angekündigt: solange sie nicht erfolgt ist. können wir sie weder annebmen, noch ablehnen. Aber schon seht muß die deutsche Regierung erklären, daß da» Arrangement, wie e» ans in der zweiten Rote der Entente vorgelegt jeden Ministerpräsidenten. Die Verordnung bestimmte nur. daß bei wichtigen prinzipiellen neuen Vorschlägen der Mini" erpräsident unterrichtet wurde, bevor man eine Entscheidung des Kaiser» zu er- hallen versuch«, da der Minis.erpräsident selbst die allgemeine Ver- antwortung nicht tragen könne. Dann folgte die bereits aus früheren Mitteilungen bekannte Szene mit dem Kaiser über die Berichte au» Rußland. Am Schluß der Unterredung fragte Bismarck, ob der Kaiser darauf bestehe, die Verordnung vom 8. September 1852 einzuziehen, darauf antwortete dieser kurz„Jawohl". Bismarck faßte daraus noch nicht sofort den Beschluß, zu demissionieren. Im Gegenteil, er wollt« den Befehl sozusagen»einsalzen" und abwarten, ob der Kaiser an die Einziehung der Verordnung erinnern würde, damit er dann einen diesbezüglichen Befehl ver- langen konnte, um diesen Befehl den Staatsministern vorlegen zu können. Bismarck war nämlich in diesem Lugenblick noch nicht überzeugt, daß er die Jnittatw« für die Berantworllichkeit für seine Demission auf sich nehmen könne. Am nächsten Tage, als die englischen Delegierten zu der Konferenz bei Bismarck zu Gast waren, erschien General von Hahnke, der Chef de» MUllärtabinett», und sprach mit Bismarck über den Wunsch de» Kaiser», daß die be» treffend« Verordnung eingezogen werden sollte. Bismarck erklärte darauf, daß die» aus fachlichen Gründen unmöglich wäre. Am nächsten Morgen, dem 17. Mörz, erschien Hahnke abermal», um zu seinem Bedauern Bismarck mitzuteilen, daß der Kaiser auf Ein- Ziehung der Verordnung bestehen bleibe und daß er noch dem Be» richt, den Hahnke ihm über seine Unterredung mit Bismarck er- stattete, erwarte, daß Bismarck sofort seine Demission einreichen würde. Bismarck würde im Lauf« de» Nachmittag, im Palais erwartet, um seine Demission einzureichen. Bismarck ant- wartete, er fei dafür nicht jung genug und würde schreiben Am gleichen Nachmittag kam eine Anzahl Berichte vom Kaiser zurück. Dabei waren einige Berichte eine» Konsuls in Rußland. und diesen Dokumenten war ein offenes eigenhändiges Schreiben des Kaisers beigefügt, dos folglich durch die verschiedenen Bureau» gegangen war und wie folgt lautete: Aus den Berichten geht deutlich hervor, daß die Russe» einen völligen firalegischeu Anfmarsch angefangen haben und zum Kriege treiben. Ich muß es lehr bedauern, so wenige dieser Be- richte erkalten zu haben. Sie hätten mich seit langem auf die eul- sehlich« drohende Gefahr aufmerksam machen können. E» ist die worden ist. von uns als eine möglich« Grvvdlage für«eller« Ver« Handlungen nicht angesehen werden kann.(Lebhafter Beifall.) Es wird selbstverständlich unsere Pflicht sein, nunmehr alle Mittel anzuwenden, um trotz der ungeheuren Schwierigkeiten zu deuksichen klaren deutschen Gegenvorschlägen zu kommen. Wenn diese Gegenvorschläge dann so ausfallen, daß die öffenlliche Mei- nung der anderen Länder darüber in Entrüsamg gerät, dann wird es nicht unsere Schuld sein, nachdem die Alliierten durch derartige Dorschläge die Welt in Erstaunen gesetzt haben. Ich möchte bei der Gelegenheit aber die eine Warnung aussprechen: Man soll nicht glauben, daß man, wenn man diese Vorschläge uns letzt vielleicht als Diktat gäbe, so viel aus Deutschland herau-uvirtschaften kann, wie man es sich vorstellt. Wenn der Deutsch« Große» leisten soll. muß er seinen freien deukschen Willen yllbeu. Als Sklave wird der Deutsche nicht arbeilen, sondern nur al» freier deutscher vlaun.(Zu» stimmung.) Es ist uns ein wertvolles Zugeständnis der Alliierten, daß sie in ihrem Arrangement an soviel Stellen den Boden des Friedensvertrages verlassen haben. Sie haben damit anerkannt, daß manches in den Vorschlägen des Friedensvertrages sich während der Zeit, die seil seiner Abfassung verflossen ist, al» u n d u r ch f u h r- bar herausgestellt hat.(Sehr richtigl) Wir werden von dieser Er- kenntnis Gebrauch machen. Ich fasse die Erklärung der Regierung noch einmal dahin zusammen: Wir können aus die Grundlage de» Arrangements, da, uns die Alliierten jetzt übergeben haben, al» Basis weiterer Berhaudluugen nicht treten, wir werden jetzt versuchen, neue Vorschläge auszu- arbeilen, und werden damit au dl- Alliierleu heraulreteu.(Lebhafter Delfoll.) Präsident Löbe schlägt vor. die Besprechung der Erklärung aus Mittwoch zu vertagen, um den Frakttonen Gelegenheit zur De- ratung zu geben. Abg. Ad. Hoffmaun(Kam.) widerspricht der Vertagung und gibt folgende Erklärung seiner Fraktion dafür ab: „Die von der Entente überreichten Forderungen sind in ihrer Art nicht überraschend: sie sind ein Beweis des Raubcharakters, der jedem kapitalistischen Staat eigentümlich ist und nicht zum we- nlgsten(Präsident Löbe bittet den Redner, nicht auf die Materie selbst einzugehen.) hofsmanu(fortfahrend): Nicht zum wenigsten auch dem deutschen Imperialismus.(Lebhafte Pfuirufe.) Indem der Reichstag bereits gest�i auf Ersuchen der Regierung die Erörterung über diese bedeutsame Angeegenhett aussetzte, unterstrich er den völligen Bankerott, den die bisherige auswärtige Polttik der Regierung gemacht hat."(Präsident Löbe: Ich kann Ihnen das Wort nicht weiter gestatten.— Lebhafter Beifall.— Rufe: Raus!) Ich habe der Vertagung zu widersprechen, die der Reichstag angesichts einer fadenscheinigen und hohlen Erklärung der Regierung(Unruhe) vornehmen will. Abg. Müller-Franken(Soz.): Ich bitte, e» bei dem vorschlage des Präsidenten zu-belassen. Große Parteien des Hause» haben den Wunsch ausgesprochen, ehe sie zu der Erklärung sprechen lassen, selbst Stellung zu nehmen. Der Abgeordnete Hoffmann mag«« den Parteien überlassen, die Würde des Reichstages zu wahren, die auf dem Boden der Verfassung stehen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Schisser(Dem.): Nicht nur jeder Minister, sondern jeder Abgeordnete, der hier spricht, ist verpflichtet, jede» Wort auf die Wagfchale zu legen. Wir haben hier eben eine Rede des Herrn Ministers gehört, über die der Abgeordnete Hoffmann schon mtt einem vorher stilisierten Urteil fertig war. Wir halten e» für die Pflicht des Abgeordneten, erst zu hören und dann zu urteilen. Abg. Lcdebonr(U.Soz.): Auch ich habe im Senivrenkonvent den Wunsch ausgesprochen, daß wir die Erörterung sofort an die Er- klärung anschließen wollen. Da aber die anderen Parteien ganz überwiegend sich für die Vertagung aussprachen, haben wir au, Rücksicht auf die zweifellos außerordentliche Bedeutung dieser Angelegenheit davon Wstand genommen. Der Vertagungsantrog des Präsidenten findet die Unterstützung aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten und Unabhängigen: gegen ihn stimmen jedoch nur die Kommunisten. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch. 1 Uhr: Besprechung der Regierungserklärung, dritte Lesung des Notetats, Absttmmunzen zum Heeresetat. Schluß 6 Uhr._ die �ugft vor üem Zerfall. Eine bedeutsame englische Stimme.' London, 2. Februar.(Meldung de» Hollaudsch ZNeuws- bureau.) Der Pariser Korrespondent der»wcstmlnsler Gazette" berichtet: Die ofsi zielleu Aasichten stimmen nicht mit der offiziellen Politik überelu. Zm Interesse der Wahrheit glaube ich. daß da» wenige, wo» in Regieruugskrelseo mit der größten Freimütigkeit behauptet wird, doch veröffcukllchl werden muß. Es dars nicht«in alleinige» Geheimnis für die gerisseneu Fiuauzleut« sein. Lloyd George» höchste Zell, die Oesterreicher zu informieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Unter diesen Umständen kann selbstverständlich von einer Reise von mir noch Krasnoje kein« Rede mehr sein. Dt« Be- richte sind ausgezeichnet. Bismarck erzählt dann, wie der betreffende Konsul 14 umfang- reiche Berichte eingesandt hatte, die vermutlich nichts Neue» für den deutschen Generalstab enthielten. Bismarck betrachtet« es als ein» Laune des Zufalls, daß am gleichen Morgen Herr von Echmalow von der Gesandtschaft tn Petersburg, der nacht» angekommen war, sich bei ihm melden ließ, mtt der Erklärung, daß er Bollmacht hätte, in gewisse Unterhandlungen einzutreten, die«ine Verlängerung des im Juli 1800 ablaufenden Berttage» bezweckten und wonach, wenn Deutschland von Frankreich angegriffen würde, Rußland sich neutral erklären sollte. Auch sagte Schmolaw, daß die Unterhandlungen fehlschlagen würden. wenn Bismarck nicht Reichskanzler bleibe. Bismarck hatte den Eni- wurf für die Erklärung vorbereitet, dt« er in der Zusammenkunft der Minister abreden wollte. E» heißt dann:»Ich bezweifelte, ob ich die auf mir ruhende Verantwortlichkeit für die Politik de» Kaisers noch länger ttagen könnte, da dies« mtt die dafür nicht zu entbehrende Mitwirkung nicht erteill«. Ks war für mich eine Ueberroschung, daß Seine Majestät über da» Arbeiterschutzgesetz mtt v ö t t i ch e r, ohne mich und da» Staatsministerlum zu befragen, endgültig Bestl)lüsse getroffen hatte. Ich äußert« bei dieser Gelegen- heit die Furcht, daß diese Handlungsweise beidenWahlenfür den Reichstag unerfüllbare Erwartungen aufkommen lassen würde, und daß diese Unerfüllborkett schließlich nachteUig für da« Ansehen der Krone werden würde. Ich hoffte, daß dies« Vorschläge de» Staatsministers Seine Majestät dazu hätten bewegen können. von dem angekündigten Plan abzugehen. Ich fand dafür aber keine Mitwttkung von feiten meiner Kollegen. Im Gegentell, mein erster Denrettr, Herr von Dötticher, halle sich bereits hinter meinem Rücken mtt den kaiserlichen Dorschlägen elniz erklärt. Er überzeugte mich davon, daß mehrbre Kollegen e» ratsam betrachteten, auf diese vor- schläge einzugehen. Schon damals zweifelte ich, ob Ich al» Bor- sitzender des Staatsministeiüum» noch die nötige Autorität besaß, die für die verantwortliche Führung der Desamtpalltik not- wendig ist. Einen wetteren Beweis seine» Mangels an Berttauen gab mtt Seine Majestät dadurch, daß er mtt den Vorwurf macht«, daß ich ohne allerhöchste Genehmigung Herrn von Wtndhorft Nr. 5Z � ZS.Iahrgaag 1. Beilage öes Vorwärts Mittwoch, 2.5ebruar 1921 Ratlosigkeit im Steuerausschuß. Die heutige Sitzung des SteusrausschusseS begann damit, daß der Abg. Herold tZ.) den Antrag stellte, die Beratung der Ein» kommen st euervorlage in Rücksicht auf die außenpolitische Lag- bis nach der Vertagung des Reichstages auszusetzen. Abg. Decker sD. Vp.) stimmte dem Antrag sofort zu, nahm aber seine Zustimmung wieder zurück, nachdem Genosse Keil dem Antrag mit sachlichen Gründen entgegengetreten war und beiläufig bemerkt batte. eine Vertagung mit dem Hintergedanken, nach den Preußen- wählen zu einem den bürgerlichen Parteien genehmeren Ergebnis zu gelangen, würde dem in der Oeffentlichteit schon erwogenen Gedanken der Schaffung einer Einheitsfront gegenüber der Entente nicht gerade förderlich sein. Da auch der Demokrat Dlunk Bedenken gegen die Vertagung äußerte, wurde der Antrag Herold gegen die Stimmen des Zentrums und der bayerischen Volkspartei abgelehnt. Darauf erklärte Herold fürs Zentrum und Diernreiter für die bayerische Volkspartei, daß sie sich an den Beratungen und Abstimmungen nicht beteiligen würden. Ein von Pohlmann sDem.) erneut ge- stelltcr Antrag auf Vertagung bis zu unbestimmtem Termin wurde wieder abgelehnt, nachdem Keil erklärt halte, daß eine Mehrheit für die Regierungsvorlage doch vorhanden und nur eine Einigung unter den Regierungsparteien nicht zu erzielen sei. Bei der sachlichen Abstimmung wurde sodann der Antrag Keil, der Regierungsvorlage hinsichtlich des Veranlagungszeitraumes zu- zustimmen, angenommen. Dafür stimmten beide sozialistische Parteien; das Zentrum und die Bayerische Volkspartei, die sich in der Debatte für die Regierungsvorlage ausgesprocheu hatten, stimmten nicht mit. Nach dieser Entscheidung wurde vom Abg. Blunk eine neue lange Debatte hervorgerufen über die Frage, ob die Reichseinkommensteuer auch für da« erste Viertel des Kalender- jahres 1920, in dem das Einkommensteuergesetz noch nicht in Kraft war, erhoben werden solle. Eine Einigung wurde nicht erzielt. Die Veratungen sollen morgen fortgesetzt werden. Die AuSschußberalungen stehen infolge des.Hetztempos', gegen das Becker(Volkspartei) Einspruch erhob, heute auf demselben Stand wie vor acht Tagen._ Das erbrochene Siegel. In der Fortsetzung der Debatte des HaushaltSaus« schusses des Reichstags bemühten sich die deutschnationalen Ab- geordneten H e I f f e r i ch und Schulz-Bromberg um die Ver- reidigung ihres Parteifreundes v. Kerckboff.(Vergl. gestrige Abendausgabe des.Vorwärts'.) Auf die Aufforderung, eine entlastende Erklärung für den beschuldigten Abgeordnelen abzugeben, erwiderte Finanzminister Dr. lvirlh: Ich kann ohne Kenntnis der Akten ebenso wenig jemanden e n t lasten wie belasten; ich kann auch nicht erklären, daß das vom Finanzamt abgegebene Urteil über den Fall Kerckboff unerschütterlich sei. Jedenfalls hat der Abg. van den Kerckhoff, nachdem der Reichstag auch in dem schwebenden Ver'ahren seine Immunität nicht aukgeboben hatte, von einem amilich versiegelten Geldschrank eigenmächtig Siegel entfernt.(Große Bewegung.) Nach kurzer Debatte über den Fall Kerckboff wird die Beratung abgebrochen und der Finanzminister von allen Parteien gebeten, sobald wie möglich die Akten prüfen zu lassen und dem Hauptausschuß voll« Auiklärung zu geben. Auf eine Anfrage Wienbeck(Dnatl.) erklärt der'Finanzminister, daß di� Sleuer- angelegcnheit ErzbergerS der Staatsanwaltschaft weitergegeben sei.' Weiterberatung Mittwoch. Gewerkschastsfeinüliche Arbeitgeber. Die Gewerkschaft.Eisenzecher Zug' im Siegerland sucht im .Kompaß' einen jungen, unverheirateten Gangerzbergmann als Betriebsassistent. Zur Bedingung wird gemacht:.Arische Ab- st a m m u n g, Hochschulbildung, zielbewußte, energische Persönlich- keit von starkem Willen und ungehemmter Tatkraft, praktisches Ver- ständnis für wissenschaftliche Bctriebsführung und Organisation. keine Achlstundenschicht.' Die Betonung der arischen Abstammung, der energischen Per- sönlichkeit und der ungehemmten Talkraft sowie keine Achtstunden- schicht zeugt davon, welcher Geist in dieser Direktion herrscht und was die Arbeitnehmer von ihr zu erwarten haben. Solche jungen, energischen Leute mit ungehemmter Tatkraft, belastet mit solchen rückständigen Ansichten, sind gerade die Sorte, die unter der Leitung einer solchen Direktion die Arbeitnehmerschaft auf die schlimmste Art und Weise verärgern und die Differenzen herauf- beschwören, die jede Werksleitung, der es halbwegs um ein gutes Zusammenarbeiten zu tun ist, vermeiden sollte. Wirtschaft D!e Lockerung öer Getreiüezwangswirtschast. Die mit weisem Vorbedacht auf den Tag nach den Preußen- wählen verlegte Konferenz der Ernährungsmini st er wird sich, wie die„P. P. N." hören, in der Hauptsache mit der Preisgestaltung in der Getreidewirtschaft und mit der grundlegenden Aenderung des Systems der Erfassung des Brotgetreides gemäß den Vorschlägen der Jndexkommission beschäftigen. Die Vorschläge der Indexkommission laufen auf die von uns gemeldete Erhöhung des inländischen Getreidepreises um 49 Prozent hinaus. Aller Voraussicht nach wird man sich bei den Münchener Be- sprechungen für das sogenannte U m l a g e s y st e m in der Erfas- sung des Brotgetreides entscheiden, das für jeden Landwirt ein genau bemessenes Quantum des abzuliefernden Getreides für eine bestimmte Lieferungsfrist festsetzt, während ihm ein darüber hinaus- gehender Ernteüberschuß zur eigenen Verwertung, so unter an- derem für Viehfütterung vorbehalten bleiben soll. Dieses System soll die Ablieferung den Landwirten erleichtern, während es an- dererfeits zu einer intensiveren Bewirtschaftung der Anbaufläche anreizt. Damit wird die Zwangswirtschaft auf einen Teil des in- ländischen Brotgetreides beschränkt. Bisher war man vor diesem Schritt zurückgeschreckt. Sollte es eingeführt werden, so wird es nämlich zweierlei Getreide- und Brotpreise geben, einen behördlich kontrollierbaren für das zwangsbewirtschaftete und einen für das im freien Handel vertriebene Getreide. Es muß versagen, wenn die Lieferungskontrolle nicht sehr verschärft wird. Das geplante Verfahren ist im Grunde nichts an- deres als ein Verzicht auf diejenigen Getreidemengen, die man ohnehin nicht bekam. Ob es Erfolg haben wird, ist so lange zu be- zweifeln, als die Ausführungsorgane der öffentlichen Be- wirtschaftung weiter so weitherzig gegen säumige Ablieferer sind wie bisher. Aus diesem Grunde hatte die Dresdener Konferenz der Cr- nährungsminister vom IS. Januar d. I. in einer Resolution verlangt: „Für den Fall, daß dieses System gewählt wird, müssen Gemeinden und Kreise Träger der Lieferung werden und muß der Reichsgetreideordnung eine Bestimmung eingefügt werden, nach der durch Umlags zur Ablieferung gs- forderte, aber nicht zur Ablieferung gelangte Men- gen im Verwaltungswege durch Barzahlung in Höhe des Mehrfachen des Höchstpreises, mindestens des Weltmarkt Preises verlangt werden können.' Das ist eine Forderung, mit deren Durchführung der neue Vorschlag steht und fällt. Ohne sie wird diese Lockerung der Zwangswirtschaft nur eine neue Etappe zur freien Wucher- Wirtschaft sein. Ob sie in dem Programm des Ernährungsministeriums steht, sagt man vorläufig nicht. Es steht also zu befürchten, daß sie vom Ernährungsministerium nicht mit hinlänglichem Nachdruck ver, treten wird. Wie dem nun auch sei: es verdient für alle Fälle festgehalten zu werden, daß Minister Hermes anstatt an eine Sicherung der Volksernährung durch die Zwangswirtschaft jetzt an ihren ver- schärften Abbau gehen muß, weil unter ihm die Ablieferung schlimmer versagt hat als bei allen seinen Vorgängern. Dar- über darf auch die Erhöhung der Kochmehlration nicht hinweg- täuschen, die dem Volk den Sprung ins Dunkle leichter machen soll. Der Dalukarückschlag, eine Folge der Pariser Beschlüsse, setzte sich gestern verschärft fort. Der Preis eines Dollars schnellte an der Berliner Börse von 99,43 auf 66,33 M. herauf, 199 hollän- dische Gulden, die vorgestern 2912,95 Mt. kosteten, bezahlte man mit 2247,75 M., 199 Schweizer Franken stellten sich auf 1243,75 gegen vorgestern 1993,99 M. Ein parlamenkarischer Beirat für die Außenhandelskonlrolle. Dem Aufsichtsrat der Geschäftsabteilung des Reichsbeauf- tragten für die Ueberwachung der Ein- und Aus- fuhr, der die Beschlagnahme verbotswidrig zur Ausfuhr be- ftimmter oder eingeführter Güter versieht, ist ein parlamentarischer Beirat mit beratenden Befugnissen zur Seite gestellt worden. Der Beirat soll aus 8 Reichstagsabgeordneten bestehen. Jede Fraktion soll einen Vertreter bestellen. Eine Salzverkaufsgesellschaft. In Berlin wurde die Deut- scheu Salzwerke G. m. b. H. mit dem Sitz in Berlin und einer Zweigniederlassung in Hamburg gegründet. Die Gesellschaft bezweckt den Verkauf und die Ausfuhr von Speise-, Gewerbe- und Jndustriesalz nach außerdeutschen Lim- dem. Beteiligt sind die größten Kalikonzerne, u a. Westeregeln, Wintcrshall, Deutschs Kali Aschersleben, Gumpelwerke usw. mit insgesamt über 199 Schachtanlagen. Die Gründung bedeutet nach der„Franks. Ztg.' eine Trennung der größten Kalikonzerne aus der bisher ausschließlich zum Steinsalzexport ermächtigten Salz- a u s f u h r G. m. b. H. Die erwähnten Kaliwerke wollen selbftän- dig die Ausfuhr des bei ihnen als Nebenprodukt entfallenden Steinsalzes besorgen. Damit die Preise nicht zurückgehen.„C o r n e r" ist ein in der kapitalistischen Wirtschaft und der Börsenwelt bekannter Begriff: dieses englische Wort ist in alle Sprachen übergegangen. Eine Gruppe von Unternehmern oder von Aktienbesitzern kauft Waren oder Effekten in einer solchen Menge zusammen und hält sie so lange zurück, bis die Preise steigen. Vom neuesten Corner berichtet der „Manchester Guardian" vom 21. Januar 1921. Danach ist eine ägyptische Finanzgesell'chast im Begriff, ungeheure Mengen von Baumwolle— eine Menge, welche einer mehrjährigen' Baum- wollernte entspricht— zusammenzukaufen und si? so lange zurückzu- hallen, bis sie dadurch auf den Markt einen Druck auszuüben ver- mögen, um die Vorräte dann mit großem Gewinn zu verkaufen. Die Banken sollen das Unternehmen finanzieren. Es soll der große Corner von 1994 in Amerika wiederholt werden. Es klingt wie Hohn, wenn diese würdige Gesellschaft sich als„Genossenschaft" be- zeichnet. Einigung in der Glasindustrie durch Aklienankauf. Mitglieder der Internationalen Spiegelglas-Konvent.ion und des Vereins Deutscher S p i egelglasfabriken haben die Aktien der Spiegelglasfabrik Reisholz erworben. Damit find die Gegensätze zwischen der Internationalen und deuj, schen Spiegclglas-Konoention und der außerhalb derselben stehen- den Reisholzer Fabrik sowie den deutschen Flaschenfabriken aus- geglichen. Infolge des Wechsels der Aktienbesitzer ist ein neuer I Aufsichtsrat gewählt, bestehend aus den Herren Geheimer Justizrat ' Dr. Maximilian Kempner als Vorsitzenden, dem Präsidenten des s französischen Verbandes der Glas- und chemischen Fabriken St. Go- j bain. Chauny und Cirey, Lueien Delolys, Direktor Peter Schräder i in Stolberg und Geheimen Iustizrat Karl Springfeld in Aachen. Grchestee-�ibenöe. Konzert-Umschau. In Weimar wurde 19Z9 das Problem eines Versuchs- orchesters in die Debatte geworfen. Der schöne Gedanke hob schläftig die Augen, sah sich Deutschland und seinen Musikverkehr an und entschlief. Ich stelle ihn erneut in Position. Man sammle im Zentrum des Reichs 79 perfekte Orchestermusiker, stelle an ihre Spitze einen in aller» Sätteln reitenden Dirigenten und verkünde: Hier werden vom Manuskript weg neue Werke probcweis gespielt, hier können Komponisten gegen mäßiges, Verleger gegen ent- sprechendes 5)onorar ihre geschriebenen Noten erklingen lassen, hier kann sich außerhalb eines sensationsübersättigten oder denkträgen Publikums ohne Einladung der verhaßten Kritik jeder Schaffende davon überzeugen, wie die Vorstellung einer musikalischen Idee durch das Medium des Orchesterspicls in eine klangliche Empfindung umgesetzt wird. Von hier aus sollen die als reif empfundenen Werke den Weg in die Druckerpresse und zu den Orchestern der Städte machen. Solch Institut würde sich zweifellos selbst erhalten, die Kosten der einzelnen würden gering sein im Verhältnis zu den Tau- senden, die heute ein„eigenes" Konzert kostet. Auch könnten hier junge Dirigenten ihre ersten Sporen verdienen. Weiter: seit Jahr- zehnten setzt man die Musiker in bestimmter Ordnung auf das Podium, ohne Blick auf Farbe, Stimmung, Zusammenklang. Man versuche andere Gruppierungen des Blechs, balanciere die Möglichkeiten von Doppest, und Dreifochbesetzung der Holzbläser aus, mache das Experiment, für das ich mich oft schon eingesetzt habe: man nehme den stiefmütterlich-abseitig klingenden zweiten Geigen ihre Neben- rolle. Nur routinierte Spieler paffen für solch ein Experiment. Aber es müßten gerade im modernen Orchester Dutzend neue frucht- bringende Nuancierungen dieser und ähnlicher Art gefunden werden. Heraus mit dem Vcrsuchsorchcsterl * In Berlin versucht man nichts, man probt kaum im Alltags- eifer. Dafür sorgt man für Programme, die viel, doch nicht alles bedeuten. Der plötzlich und stillschweigend zum Professor hinauf- komplimentierte Richard Hagel häll sich be, seiner reichen Arbeit den Blick frei für solistische Ergänzungen und Erfrischungen seiner populären Abende Im Mozart-Avend sinnt eine charmante Kola- raturdame, in, Sinfoniekonzert bewährt sich Frau Celeste C h o p- Grocnevelt, eine der sichersten, mirkontesten und beherztesten Pianistinnen seit der Careno,'m virtuos gespielten A-Dur-Konzert; Liizts als künstlerisch bedeutende, viel zu selten bemühte Kraft. M e y r o w i tz stuft seine Vorträge so intim ab und beschwingt den � Atem des Blüthner-Orchesters so lebhaft, daß es auch in der Hand weniger routinierter Dirinenten zum einheitl chen Instrument wirfr Heinz U n q e r holt sich Musiker der Staatsoper, stellt seinen Sinn auf ganz alte Zeiten ein und läßt den Geist Mozarts, Glücks, Handels ruhe- und ehrfurchtgebietend sein Temperament beherrschen. Dem seinsinnigen Fübrer ist Rose Walter eine ebenso feinfühlige Helferin. Die Händelschen Ätrbantes aus dem Oratorium der Tem- peramente C-LÄUegro") zwar wirken mit den vielen Unterbrechun- gen einer einheitlichen Gesanglinie, den Wiederholungen und Vers- Zerreißungen stark antik, sem'naristisch. Händel ist und bleibt doch der große Epiker des Oratoriums, erst in seinen großen späten Oratorien Lnriker von ewigem Rang, abgelost von dem Einfluß italienischer Oper. Wieviel reizvoller, wärmer— mozartnäher die Larissa-Arie von Gluck! H er wurde Rose Walter eine stilvolle, mit dem ganzen Liebreiz ihres schönen Soprans umschmeichelnde Künstlerin. Ueber das letzte„Anbruch"- Konzert, das Brecher etwas schwerfällig leitete, ist kaum Neues nachzutragen, soweit es B u s o n i betrifft. Das virtuose, an Brahms bekannte Konzertstück op. 81, die fremdartig-originelle indianische Phantasie op. 44 und das barocke, in der Struktur einsam dastehende großzügige Klavier- konzert op. 39 mit dem überflüssigen Schlußchor aus„Aladins Wunderlampc'— all das kannten wir schon. Busoni drückte allen seinen Werken mit delikatestem Spiel seinen genialisch-unbekümmerten Stempel auf. Von einem Konzert, das Paul K l e b s mit viel eigenen Werken füllte, hörte ich nur noch Wotans Abschied. Karl Munckels Bariton strahlt kaum über die feurigen Orchesterwogen hinweg, seine schöne Stimme bedarf der stärkeren Resonanz und der sinnlichen Durchbildung. Selbst der indisponierte Vaul Bender wirkt so stark, daß er Dokapo-Lieder singen muß. Merkwürdig oder natürl-ch: Das geschah bei der gar nicht sehr wählerischen Fischpredigt des Antonius von Padua in Mahlers bescheidener Fassung. Auch sonst hörte man neben dem ergreifend schlichten Mitternachtsgesang und der volkstümlichen, in Ruf und Rhythmus schaurig geladenen Revelge manch Monotones von Mahler. Hanns David dirigierte voller Anteilnahme und geschickt Rudi Stephans Orcherstermusik, den Ansturm eines noch ungeschloffenen, aber überreichen musikoli- schen Temperaments, und Erdmanns hier schon ausführlich ge- würdigte Sinfonie op. 19. Dieses Werk sprach mehr ans sich selbst heraus, als in der Deutung durch den noch unbestimmbaren soliden jungen Dirigenten. Mit großem Orchester spielte auch der vielseuige und ausgezeichnete Cellist F. R. Mendelssohn. Das war mcht gut: sein Instrument kam tonlich nicht zur Entfaltung. Dem Gernheim-Konzert, dem die Langeweile im Blut sitzt, trieb die technische Bravour des Spielers ein Scheinfeuer an: dem neuen Konzert Watermanns ist klare Disposition und schwungvolle Schreib- ort, nicht aber Geist oder Erfindungskraft nachzurühmen. Je mehr Neues auftaucht, desto größer wird die Sehnsucht nach dem Alten. Und auch da gibt es noch aennq Unbekanntes. So den „L e l i o' von Berlioz. Es ist das die Fortsetzung der phantastischen Sinfonie, deren fünf Sätze bekanntlich die visionären Borstellungen eines opiumberaufchten unglücklich Verliebten darstellen. Zugegeben: mit emem vorurte lslosen, auch rohen und polternden Theatergeist improvisierte Effektstücke Aber welche eine genial-ckstatische Phan- trsie ist hier am Werk, welche eine Meisterschaft der Bläser- und Schlaazeugbehcrrfch'mg! Und nun erwacht dieser Verliebte, der sich töten wollte, zum Leben. Die Bisionen spinnen sich fort und gehen lanasam in die Wirkl'chkeit über. Lelio ist dem Schaffen und dem Dasein trotz aller Sirenenrufe wiederoeaeben. Auch in dieser Musik ist unbedingt Ergreifendstes, Gewähltestes neben Banales gesetzt. Kein Ton, der nicht Interesse erheischte an diesem fast hundert- fahrigen Werk eines ftüh reisen, genial befruchtenden Psychopachen. Man muß dem Konzertle-ter Adler danken für die Opfer, die er für eine szenische Aufführung des„Lelio" brachte. Für die Auf- führung waren Fried und W ü l l n e r als Dirigenten, Wüllner auch als Sprecher) Huttmann und Fischer als Solisten für die Geister-, Räuber- und Sturmchöre der„Berliner A e r z t e> Chor" verpflichtet._ Dr. Kurt Singer. „Helden" Im Schiller-Theater. Bernhard Shaw hat seine käst- lichen„Helden" dem bulgarisch-serbischen Kriege von 1885 ent- nommen, ohne damit auch nur im geringsten die beiden Parteien herabsetzen zu wollen. Aber die geographische Lage des Schau- Platzes verleitete ihn zu einigen ironischen Bemerkungen über das ! balkanische Kulturniveau jener längst entwichenen Zeit. Kein Mensch kann daran Anstoß nehmen, aber ein Verein bulgarischer Studenten j in Berlin fühlte sich veranlaßt, sein angeblich beschimpftes Vater» land durch Pöbeleien gegen die Schauspieler zu verteidigen. Aner- j kennenswerterweise hatte man diese Absicht der Direktion des i Schiller-Theaters vorher zur Kenntnis gebracht, und sie haste durch � Aufbietung einer Anzahl Grüner dafür gesorgt, daß es bei einer i einzigen Pfeifszene blieb, da die Schlüffelbenutzer alsbald hinaus- ! geleitet wurden. Direktor Pategg versicherte, daß dem Theater ! natürlich jede Absicht einer Beleidigung Bulgariens fernliege.— Die prächtige Aufführung ließ den Zwischenfall alsbald vergessen, n. Kontraktbrucherklärung gegen Reinhold Schünzel. Das Bezirks- schiedsgericht des Deutschen Bühnen-Vcreins und der Genossenschaft Deutscher Pühnenangehöriger hat auf die Klage der Direktion � Meinhard und Bern au er den Schauspieler Neinhold Schünzel für kontraktbrüchig erklärt, weil er seine vertraglichen Verpflichtungen wegen seiner Kinotätigkeit vernachlässigt hatte. Island ohne Eis. Räch telegraphischen Meldungen aus ' Reykjavik, der Hauptstadt von Island, herrscht aus der Insel, unbe- schadet ihres Namens, der sie als ein Eisland kennzeichnet, eine solche Eisnot, daß die Haupternährungsquelle der Bevölkerung vom Ver- siegen bedroht ist. Ist doch das Eis für den Versand der Heringe, . die in großen Mengen aus Reykjavik aiisgeführt werden, unerläßlich. i Der m lde Winter aber hat es mit sich gebracht, daß in Südisland kein Eis aufzutreiben ist, so daß man dringend Telegramme nach Norwegen senden mußte mit der Bitte, unverzüglich Schiffsladungen voll Eis nach Island auf den Weg zu bringen, um die Heringsvor- räte vor dem Verderben zu retten. Seit Menschengedenken ist etwas derartiges noch nicht erlebt worden. Selbstverständlich ist im i Binnenland und an der Nordküste Islands Eis in unbegrenzten i Mengen vorbanden: aber zwischen den einzelnen Gegenden der Insel ' fehlt es vollständig an Transportmöglichkeiten. Die Nachricht, daß Island kein Eis hat, klingt fast so unwahrscheinlich, wie wenn man aus der Sahara hörte, daß dort Sandmangel herrsche. Aber sie ist ! buchstäblich wahr._ Stria Sov er. Degen plötzlicher Heiserkeit des Herrn?! o ö g-langt i heule anstalt des„Barbier von Sevilla'«Mignon' zur üluphrung. Musik. Die Musikalischen Hauskomödien von Dr. Erich ' Fischer werden mit leilwei'e neuem Programm vom 6 bis 9. und 13 bis 16. Februar im Lelsing-Museum Briidcrftr. 13. ausgeführt.— Im Deutschen Overnhause wird Frau Hossmann-Onegin in der ersten Februar- Hälfte als Gast singen. Vorträge. Der zweite Vortragsabend der„Auslandspost' ist aus Freitag verlegt worden. Pros. Adolf Wcißmann spricht, Kurfürflendamm 232. über„Das neue Italien in der Musik'. Soziales. kapitalabfindung und Siedlung. Räch§ 72 des Reichsversorgungsgesetzes können Personen, die auf Grund dieses Gesetzes Anspruch auf Dersorgungsgebührniffe tzaben, zum Erwerb oder zur wirtschaftlichen Stärkung eigenen Grundbesitzes durch Zahlung eines Kapitals abgefunden werden. Eine Kapitalabfindung kann auch dann gewährt werden, wenn Ler- fargungsberechtigte zum Erwerb eigenen Grundbesitzes einem ge- meinnützigen Bau- oder Siedlungsunternehmen beitreten wollen. Unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe diese Absindung erfolgen kann, ist in den§§ 73—85 festgelegt. Zu diesen Paragraphen sind am 13. Dezember 1920 Äusfüh- rungsbestimmungen erlassen worden, die im Reichsgesetzblatt Nr. 23 lS. 2140 ff.), veröffentlicht sind. Aus ihnen ist folgendes hervor- zuheben: Die Kapitalabfindung will die Siedlung und Seßhaftmachung auf eigener Scholle fördern: für andere Zwecke, z. B. für die Ein- richtung von Handels- oder Gewerbebetrieben, kann die Beschaffung größerer Geldmittel mit Hilfe der Uebertragung oder Verpfändung des Anspruchs auf Berforgunosgebührnisse, nicht aber im Wege der Kopitalabfindung erfolgen. Die Kapitalabfindung kann nur Be- schädigten sowie den Witwen Beschädigter und Gefallener gewährt werden, dagegen nicht an Stelle von Waisen- oder Eltern- rente. Behörde im Sinne der ZZ 77, 78, 79 und 84 ist das zuständige Hauptversorgungsamt. Der Antrag auf Kapitalabfindung ist an keine Frist gebun- den und bei dem Derforgungsamt oder der Fürsorgeftelle, in deren Bezirk der Versorgungsberechtigte zurzeit der Stellung des Antrags wohnt, schriftlich oder mündlich zu Protokoll zu stellen. Bei münd- licher Anbringung des Antrags ist festzustellen, für welchen Betrag der Rente Abfindung beantragt wird und ob nur allgemeine Angaben über den Verwendungszweck gemacht werden können oder ob die Bewilligung der Abfindung für ein bestimmtes Grundstück beantragt wird; in letzterem Falle sind nähere Angaben über den Grundbesitz und die beabsichtigte Art der Verwendung zu verlangen und schrift- liche Unterlagen fjj. B. Bescheinigung des gemeinnützigen Siedlungs- Unternehmens, Grundstücksangebote. Baupläne.' Kostenanschläge, Grundbuch, oder Steuerkatasterauszüge)'einzufordern. Nach Eingang des Antrags hat das Versorgungsamt die unser- züglich« Untersuchung des Antragstellers durch einen Arzt des Versorgungsamt» zu veranlassen. Diese Untersuchung ist bei münd- licher Anbringung des Antrags tunlichst in unmittelbarem Anschluß hieran vorzunehmen. Die endgültige Entscheidung trifft das Hauptoersorgungsamt. Dieses soll bei der Prüfung, ob und in welchem Betrage die Ver- sorgungsqebührnisse dauernd zahlbar bleiben werden, nicht klein- t i ch verfahren. Zu berücksichtigen ist, wie sich die E i n k o m m e n». Verhältnisse des Antragstellers nach der mit Hilf« der Kapital- Abfindung erfolgten Siedlung gestalten werden: unter Umständen wird infolge der Siedlung das bisherige Arbeiteeinkommen sich nicht mehr erzielen lassen und deshalb ein geringerer Betrag der Ler- forgungsgcbührnisse zu ruhen haben. Wiederholte Kapitalabfindung ist auch dann zu- lässig, wsnn die Abfindung zunächst nicht in dem sonst zulässigen Höchstbetrag« bewilligt wurde: doch darf die Kapitalabfindung im ganzen höchstens ein Viertel der zuerkannten Rente oder die Hälfte der Witwenrente umfassen. An die Stelle ruhender Renten oder Rententeile kann eine Kapitalabfindung nicht treten. Ueber das Ergebnis der Vorprüfung erteilt das Haupm-rsor- gungsamt dem Antragsteller Beslbeid. ver Kapitalabfindung dürfen Orts- und Teuerungszulagen ulw. nicht zugrunde gelegt werden. Diese werden jedoch in gleicher Weise weiter gewährt� r-'e wenn eine Kapitalabfindung nicht erfolgt wäre. Das Haupwersorgungsamt trifft seine endgültige Ent- . s ch e i d u n g auf Grund seiner Vorprüfung und des Ergebnisses der von der Hauptfiirsorgestelle durchgeführten Prüfung: weitere Er- Hebungen darf da» Hauptversorgungsamt nur dann veranlassen, wenn begründete Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der von der Hauptfürsorgestelle beschafften Unterlagen bestehen. Erscheint eine nützliche Verwendung des Geldes nicht gewährleistet, ist der An- tragsteller zu verständigen: zweckmäßig wird durch Inanspruchnahme der Fürsorgestelle dem Antragsteller Gelegenheit zu mündlicher Gegenäußerung zu bieten sein. Hält das Hauptoersorgungsamt entgegen der Aeußerung der Hauptfürsorgestelle die Nützlichkeit der beabsichtigten Verwendung nicht für gewährleistet, so ist vor der Entscheidung unter eingehender Darlegung der gegenteiligen Ausfassung der Hauptfürsorgestelle Ge- legenheit zur Aeußerung zu geben. Bei Personen, die das 55. Lebensjahr vollendet haben, ist die Abfindungssumme derart zu bemessen, daß sich das im Z 70 des Gesetzes bei dem 55. Lebensjahre festgesetzte Vielfache des Renten- teils<8bt) für jedes fernere Lebensjahr um die Hälfte des Renten- teils, welcher der Abfindung zugrunde gelegt wird, vermindert. In dem Bescheid ist der Verwendungszweck der Absindungs- summe und der Empfangsberechtigte zu bezeichnen, eine Frist für den . Nachweis der bestimmungsgemäßen Verwendung zu setzen und auf das Rückforderungsrecht des Fiskus, auch für den Fall einer Wiederverheiratung der Witwe, hinzuweisen. Werden zur � Sicherung des Zweckes der Abfindung besondere Maßnahmen an- I geordnet oder wird die Eintragung einer Sicherungshypothek ver- langt, so ist dies im Bescheid anzugeben Ferner ist in ihm darauf hinzuweisen, daß bei Vereitelung des Abfindungszweckes durch Ver- stoß gegen die. vom Hauvtvcrsorgungsanst angeordneten Maßnohmen die Rechtsfolgen des 8 79 eintreten lZuriick'cch'ung der Abfindungssumme und eventuelle Eintragung einer Sicherungshypotbek). Nach Biwilligung der Kapita'abfindung kann die Hauptfürsorge- stelle beim vorliegen eines Bedürfnisses auf Antrag Vorschuß bis zur Höhe der Zlbfindungssumme gegen Verpfändung des An- spruchs auf einen entsprechenden Teil der Rente oder sonstige Sicher- beitsleistung gewähren. Von dem Antrag aus Bewilligung eines Vorschusses ist dem Hauptfürsargeamt Mitteilung zu machen, das i unverzüglich sich darüber zu äußern hat, ob etwa die Gewährung ! eines Vorichusies wegen bereits erfolgter oder unmittelbar bevor- stehender Auszrh'ung der Absindungssumme sich erubrgt. Die Gewährung des Vorschusses hat erst nach Eingang der Rückäußerung ! des Haupwersorgungsamt« zu erfolgen. Das Haupwersorgungsamt veran'aßt nach Erfüllung der in dem � Bescheide bezeichneten Bedingungen unverzüglich die Auszahlung der Absindungssumme. Stirbt der Antragsteller nach Bewilligung, jedoch vor der Auszechiung der Abfindungsfumm«, so ist diese nicht an die Erben auszuzahlen und eine de» Erben etwa schon aus- gezahlte Abfindungssumme wegen Bereite ung des Zweckes der Kapitalabsindung zurückzufordern: in Ausnahmefällen, in denen die Richtauszah'ung oder Rückforderung der Abfindungssumme für die Erben eine ganz besondere Härte bedeuten würde, kann jedoch den Erben die Abfindungsjumme ganz oder teilweise ausgezahlt oder belassen werden._ Der Aeschskagsausschuß für Veoölkerungspvlikik beriet am D'enstag über den Antrag Mumm, die Regierung zu ersuchen, die Bordelle als dem Z 180 StGB, widersprechend abzuschaffen Der Aiitraasteller suchte sich bei der Begründung neben- bei an der Sozialdemokratie, speziell an der Hamburger Partei, zu reiben, der er den Vorwurf machen wollte, daß sie seit 1318 die Bor- belle nicht beseitigt bo.be! Genosse H e kl m a n n wies diese An- zopfung wirksam zurück, indem er darlegte, daß fest Jahrhunderten in Hamburg Bordelle bestanden und von den früheren Hoch- mögenden stets geduldet worden sind. Daß die Sozialisten und Demokraten angesichts der durch den Krieg vermehrten Entsittlichung und der wirtschaftlichen Rot in den letzten zwei Jahren noch nicht ausrotten tonnten, was jene Herrn Mumm recht nahestehenden Kreise haben einwurzeln lassen, sei kein Wunder.— Nach eingehender und nach dieser notwendigen Abschllitelung durchaus sachlicher De- batte. in der Genosse R a d b r u ch die strasrechtlichen Schnzieriqkciten (Schutz vor Denunziationen wegen„Wohnungskuppelei") erörterte und die Regierungsvertreter für Unterdrückung der Bordelle, aber Beibehallung der Kasernierung— ohne Ausbeutung der Prostituierten— sich erklärten, wurde ein Zusatzantrag, der auch die Abschaffung der Kasernierung fordert, gegen 3 Enthaltungen, der so erweiterte Antrag Munim und Genossen einstimmig angenommen._____ ?ugenüveranftaltungen. Ctttia Arbeiterjugend Sroz-T-rli», ZiW. 40, In de» gelte» 23. Donnerstag, den 3. Februar, abends Uhr, im gentraljugendhens, Linden ftr. 8, beginnt der eiste Abend des Wanderleiterkursus. Vortrag: ..Jugend und Wandern', Ref. Genosse Aug. Albrecht. Jede Abteilung muß oertretcn sein. heute abend, y28 Uhr: Snchhol,: Jugendheim Verllner Str. Ist(Schulet. Mitglicderversaininluns. — eharlottenbnrg: Jugendheim Rosinenstr. 4. stlliidchenabend.— Soven ick: Jugendheim Schönerlinder Str. S. Liitgliidcrtursantmlung.— Friedrichs» Hage»: Iug-ndheim Scharnweberstr. 1?Sn. Mitgliederversammlung.— Groi-» Li-dterfelde: Jugendheim Aldreebtstr. 14o. Mitgliederoersammlung.— Grüne- walb: Jugendheim �Schule De M berg:~ hat«_______________■_____________ heim Knmnasiuw Kaiserstraste. Mitgliederversammlnng.— Norden: Jugend- heim Schule Vutbufer Str. 3/8. Mitgliederoersammlung.— Prenelaner Vorstadt: Jugendheim Schule Senefrlderstr. 8. Vortrag:„Die Urgesckickit« der Mark Brandenburg".— Rosenthal: Jugendheim Se nie Kastanienoll ec. Mit- aliederoersainmluna.— SÄdoft(Körenicker Viertel): Jugendheim Schule Wrangelstr. 123. Mitgliederversammlung.— Tempelhos: Jugendheim Lvzeum Germaniastr. 87. Mitgliederversammlung.— Dedding: Jugendheim MMer-, S-kr Trifftstraste(Schule). Mitgliederversammlung.— Wilmersdorf: Jugend- heim Schul« Koblenzer Straße. Mitgliederversammlung. Sport. Nkbeitertckiachipieker! Aus vlelieitigcn Wunsch tft dorn Berliner Arbeiter-Schgchkiub in: Zentrum Berlins eine neue Abteilung gegründet worden. Alle Tchochiplcler, welche die Abficht bnbcn. einem derartigen Bei ei» beizull elcn. sind eingeladen. Der etile Sviclabcnd ist Donnerstag, den 3. Fcbiuar tN2l, abends 7 Udr. im Lokal von Weile. Reue Friedrich- slraße 48, nabe Bobnhos Börse. Gäile sind an jedem Spie abend sowie allen Beransta Ilinqen des Berliner Arbeitcr-Schachklubs willkommen und erhallen aus Wunsch kostenlosen llntenichl in Theorie und Praxis. Ttcrltner TIrdelter-Zchachtlub. Abt.. S N d e n". Die Abteilung bat jetzt in der Wasierlorilr. IS einen zweiten Soiclabcnd cingeledt. Ge- lvielt wird jeden Dienstag ab 7 Uhr. Der Hauvkivielabend befindet(ich jeden Donnerstag abend 7 Uhr im Lokal GeiSIer. Waldemarür. 32. Außerdem findet für Grost-Betlin der lreie Schachverkebr jeden Sonnlag vorm. S— 1 Uhr im Lokal Prasser, Mjchaeltiichnr. 29a, statt. (Schluß de» redaktionelle» Teils.) »» deseitigk sdmell.sichcr und schmerzlos Hühneraugen Homhauk�chtcheten. Warzsa Jn footheten» Droyenen errat üdi Tahlettenschit�nrüvHusten. KÄiNZ Erhältlich in den Apothehen und Drotferien ränSäS i«.;■.i�asaaemW H.von Gimborn-ArG. Emmeric.,- a/Rhevn Wer war Jesus Chrianu?| In einer alten orientaliicnen Bibliothek iit ein Dokument! gef und. worden, das gana genau mitteilt, wer Jesus Christus I war: ein Bundesbruder des Essderbundes, einer Art) Freimaurervereinleun«. Ei isi der Bericht des Aelteiten j diesesBundesin Jerusalem an denAeltesten InAlexandrien. Ein chriiUicher Priester versuchte bei der Entdeckung das Dokument su vernichten, da sich die ganzen mystischen Wunaergeschichten auf einmal ganz natürlich erklären. Die Vernichtung gelang Ihm aber nicht. Dieser Bericht ist von Fera. Schmidt ins Deutsche llberseut. Kein Denkenderwird das Werk unbelriedigiausder Hand legend Preis Mk. 6JO und Mk. 1,10 fr. Nachnahme. 9 Or. BBcherkatalog gratis, Aibrechl Donath, Verlag, Lelprlg 43 von Herrenkleidern in künstlerischer Vollendung Die zur Verarbeitung gelangenden Stoffe sind erstklassige Fabrikate des In* und Austande st die Preise mäßig I Einsegnungs- Anzüge s In Blau, Marengo und schwatzen Farben, ein- und zwoireihlg, mit u. ohna Ourl, autgeselzten Taschen und Hosenumbug; nur aus guten und haltbaren Stollen verienigt, anfangend mit........... M ! guten und 290.- Gesellsdiafts- Anzüge: Smoking-, Frsek-, Gehrock-Anzüge. Cutaway und Westan aus prims Stollen, nach neueste* Modellen vetlertigL Stoffverkauft Kammgarn v. 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Behandlung Modernes» erprobt Hcilyerfahren: Naturheilverfahren, Elcktro- und Lichtheilmethode, die «Isaenschanilch ansrkannnte und gtänzend bewahrte „KNnxHIche Kohsns9nnen"«Sehand!un«] RBntyen-Behandlungf und-Unterrochumr, Wasserheilverfahren, Pflanzen- und Kräuterkuren und Bäder, Saucrstoffkurcn, hoiado- patische und mechano-thcrapeullüsche Behandlung.— Machweifebar gute und dauernde Heilerfolpfe bei sämtlichen Krankheiten, Inneren u. äufeeren, speziell chronischen, z. B. Lungen-, Hals-, Herz-, Mayen-, Darm-, Leberleideh; Nervenschwäche. nerväsen Kopfschmerzen, allgemeiner Nervosität, allgemeiner nervöser Abspannung, Ischias. Gicht. Rheumatismus; sämtlichen Ausschlägen, Flechten, Wunden; Lähmungen, sowie Kinderlähmung, Stoffwechselkrankheiten, Zuckerkrankheit usw. Freiwillige briefliche und mündliche Anerkennungen früher behandelter und geheilter Patienten; die angeben, vor der Behandlung in unserer Anstalt anderweitig ohne Erfolg behandelt worden zu»ein: T. Frau M. Richter. Berlin-Moabit. Waldstr. 33, Lungenleiden, Blutarmut, Nervenschwäche geheilt.— 2. Herr Georg Heinrich, Baumschulenweg, Baumschulenstrafee 29 IL Lungenleiden geheilt.— 3. Frau Berta Dachow. Neukölln. Emser Strafee 733. Von Bronchialasthma, nervöser Herzschwäche und Neurasthenie geheilt.— 4. Herr K. Ensle. Restaur» Charlottenburg, Huttenstrafre 12, Chronischer Mittolohrkatarrh geheilt.— 5. Frau Käte Tschoepe, Bin-Südende. Lichterfelder Str. 37. Von allgem. Nervenschwäche, Herzneuröse und Unterleibslciden geheut.— 6. Frau M. Zefke, Berlin. Nollend- ristr. 10. Rheumatismus u. steife Schulter geheilt.— 7, Hen E. Ehrhardt, Gr.-Lichterfelde, Rlngstrefzc 52a. Chronisches Hüftgelenkleiden wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau E. Hohdorff. Berlin, Kolberger Str. 28-29. Nerven- u. Kno-hcnb auten tründung— vollständig gelähmt— geheilt— 9. Herr F. Nayda. Berlin, Prinzenallee 72-73. Von Kopf- und Kreuzschmerren, trockener Brustfellentzündung nach Influenza geheilt— TO. Frau E. Herz- mann, Schöneberg, Peurigstr. 6T. Filernde Fistel nach Blinddannoperation geheilt— TT. Herr E. Ritter, Friedenau. Spon- holzatr. 56. Von Kniegelenkleiden geheilt— T2. Frau A. Rohr*- moser, Berlin, Breslauer Str. T. Altes fünfzehnjähriges Herzleiden geheilt— 13. Herr M. Aufener. Reinickendorf- West. An» tonienstr. 3. Kiefervereiterung geheilt— T4. svrnu H. Hagel. Sachsenhausen b. Oranienburg i. M. Unterl-Blutungen und Nervenleiden geheilt.— 15. Frau Wwe. Fritschler, Berlin, Ma- rienburger Streike 48. Darmgeschwulst geheilt— T6. Frau des Herrn Inspektors O. Heinrich, Berlin Friedrichsfelde. Magerviehhof. Von Geb.-Knickung geheilt— 17. Herr Erich Bock. Berlin, Havelberger Strafee 15, Von Nieren- und Blasenleiden. Wassersucht, allgemein, gross. Schwäche geheilt.— 16. Frau Restaur. Hering, Berlin, Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit geheilt— 19. Herr A. Brose, Berlin-Tempclhof. Friedrich» Wilhelm-Strafee 14. Schweres Rückenmarl.leiden rr'l Lähmung der Beins vollständig geheilt.— 20. Frau E. Popp. Bln-I.ichten- herg. Gärtnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden, Herzschwäche o. Verstopfung geheilt— 21. Herr A. Schlabitz, Berlin. Caprivi- strafee 24. Von Gesichtslupus geheilt; vorher mit Radium erfolglos behandelt— 22. Herr A. Hellwig, Bin-Borsigwalde, Emststrafze 25. Von Mngengeschwulst, Verstopfung und Nervenschwäche geheilt— 23. Herr Milchhändler Eckert, Berlin, Greifenhagener Str. 26. Von gichtisch-rheumatisChen Schmerzen in Bein und Fufzgclenk geheilt.— 24. Herr Gastwirt C. Michaelis, Charlottenburg, Wallstr. 87. Von chron'scliem Leberleidcn und Gelbsucht geheilt.— 25. Frau M. Knorr, Berlin-Lichtenberg, Schamweberstrafze 62. Von Herzschwäche. Leber-Anschwel- iung und Magenkrebs geheilt.— 26. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Haffner, Berlin- Westend, Beamtenhaus. Von schwerem Beinleiden geheilt Bein sollte abgenommen werden. m Briefliche Original-Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht Spreche n. Behandlungszeit: 9—1. 4—7�, Sonn- u. Feiertag« 9— L HeilanstaStsbesftzer Professor P. Mistelsky Arzt approbiert tra Auslano, von der deutschen Regierung anerkannt. Berlin S0 16, Briickensfrasse 10 b am Bahnhof JannewitsbrQcke Heina briefliche Behandlung, nur nach genauer Unter. auchung In der Heltanstait aOjShrlga Praxis Krankengeld-Zuscbn#- u. Begräbniskasse der Berl. Knopfarbeiter und verwandter Gewerbe. Ordl. Gener&iversammiong am 5. Februar 1921, abends 7Vf Uhr, bei S Lange, Reichen» berger Str. II 12. Taaesardnnng! t. Kassenbericht; a) viertessähr- lich. b) jährlich. t Wahl des Sesaniworstandes und der Meviloren. 3. Verschiedenes, 15?ai Um pLnMIche, sowie zahl- reiches Erscheinen ersucht ver vorstand. I.: 0. Strelier. t, gchriftf. SHIaflot I ig teil, nervöse Unruhe und Erregungen. Herzdeschwerd. werd. behobdurch Baldra- ment a. heilsam. Pflanzen- flössen, d natürlichste Medi- zinz. Veruhiguna d.Nernen. FI. 10,50 M Ott» Reichel. �VerlintS�CtSiieuba�a�t vomsnswmöe md SlflaSer Sute VerdlenflniSalichtettenI «ufNSron, nnd Anregung gebende Broschüre I Ein neuer Anregung ,,-11 Seist? sendet gratis S- Erdneann& To., Berlin, güniaaeä Oer Sir, Tt. MglMW. ÄS Srallung. 16000 M.. verlaull Restautant gimmerstreß« 55. Klgilles-Vsfvsltiiligz- Kesetltelisft Barlin Kommanduntenatr. SS-SI am Oöohofkplst» Goökkaet 9— 6 Uhr Sonne b 9— 7 Uhr II. Verkaufsstelle Wartehauer Strasse 33 Ed» der Memslsr .Strasw Otäffnat vba 9 bis 7 Uhr Wclie mi iiitifolfgl — B—a— �piktuws lw.wi. BiagqlBiir-».> rn, ttemsenweks, Hsöapolam Zephyrs ond Ringhams Br.«»-i»�Mu»r»30�132! Karierte Klclderstuffe v 14� Rasten. 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Täglich 7,15 Uhr: Jekaterina Iwanowna (Lucle Höflich, Paul Biidt, Dernburg, Pröckl, Römer, Schlegel-, Marba, Lehndorft) Sonntag nachm.: Rausch Komödienhaus t/,z: Die Sache mit Lola mit Max Pallenherg Sonnt, nachm.: Herr Minister Berliner Theater Uhr: Die spanlscbe Nachtigall Operette von Leo Fall mit FritziMassary Hans Wassmann, Emmy Sturm, R. A. Roberts, Relnhotd Pasch, Olga Engl Stg. nachm.: Der letzte Walzer Oentrnl-Theater Alte Jakobstraße 30. ?>/, Uhr: Geschlossene Vorstellung der Fr. Volksbühne Morgen 7 Uhr: Die Postmeisterin mit Molly Wcssely »eutBc.lieg Opernhana 7 uhr: Die Jüdin Vrledr.- Wlfhelmnt.Th •/asuhr: Hoiieit die Tänzerin Kl. Srliautiplclhaun TV, uhr Reigen Komlscbc Oper t*/, u.: ßaroneßctien Sarah Lnatapielhnna T/t Uhr: Arnold Riech in Die schwebende Jungfrau Betropoi-Thfatep aJOliandweibchen Neues Operettentheat. 7v5u.: Yu-Shi tanzt JVcne« Volksthcater 7»/, Uhr: Nora Hchiller-Thest. Charl. 7v.u.: Der ehemlentnant Tlialia-Theater 7-/. �r: Mascottchen Th.amXollendorriilata 31/, Uht: Am Tage des Qerichts 7 uhr: Wenn Liehe erwacht Theater des AVestens 7«/. ühn Schwalbenhochzelt Th.i.d.Kommandantenstr. 71/, u.: Der verjüngte Adolar tVall ner-Theater u'i Der Geiger von Lugano Volksbühne Tlieater am Bülowplatz. 7 Uhr: Das Postamt urtd Die Komödie der Irrungen l.ezzliiz-I!ies!ef Heute und Donnerstag 7'/,: j Ein idealer Gatte Freitag 7'/, Uhr; Fldtame Dentsches Könstler-Theitferl Allabendlich 7'/, Uhr: DieScheidnngsreise mit Max Adalbert und Trude Hesterberg APOLLO-THEATER DIREKTION: JAMES KLEIN Täglich abends TV- Uhr Schail und Rauch im Großen Schauspielhaus Dir, Hans v. Wolzogen. Telephon: Norden 8643. Konz. 7V, U, Beginn 8V, U. Das große Februar- Programm Die Rose"von Stantbul mit Mlzzi Delorm und Arnold Rieck GwmKfM ITägl. 7», Sonntag 3 Uhr. I Watts amerik Minrichtg. I Turmseiltänz Liepelt. Nur I nochwenig.Tage: Grei ls[ Traum. Vorverk. Tietz u. j Residenz- Theater Täglich 7>/, Uhr: Lady Windermeres Fächer Sand rock. Toelie, Korff, Falkenstein, Otto, Mamelok, Valiemin Sonntag 4 Uhr, halbe Preise: Die Fronndin Trianon-Theater � Das Wundermittel Käthe Haack, Julius Falkenstein, Paul Morgan, Kurt von Möllendorff, Luise Werck- meister, Alfred Maase Sonntag 4 Uhr, halbe Preise: KammermuNik Behrenstraße 54 Allabendlich 7V. Uhr Der Instige SPIELPLAN P. H. Voss Lars Boellcke Camarosa Oeraldo& Gerda Lene Neumann Tom-Vlebig-Trio Paul Goldler Alaska& Rakos Carl Christoff S GHx Grexorl Walter Steiner Hai«Jun�«Truppe Theater amKottbuserTor Kottbuser Str. 6■ Tägl V/f und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sänger Zum Schluß- Der Kriegsgewinnler. Vorher: I„St fand« Idyll-4 u. der hervorragende Soloteil. Nachmittags halbe Preiset Vorverkauf. Il-I1/, u. 4-6 an der Theaterkasse u Leipziger Straße 51(Spiltelkolonnaden) fldtnivais?alast 7>/.; FiirtinSt.Moritz Morg. T'i: Die roten Schuhe Reiehsiiall.-Thealer Abds. 7>.,v. u. Sonnt. nachm. 3 Uhr: Stettiner Sänger Nehm. halb Prl Kleines Theater Unter den Linden 44. Täglich>/»8 Uhr: CaaanovaH Mohn Lustspiel von kudolf Lothar. Hans! Arnstädt, Fugen Burg, Mady Christians. Hans Albcrs, Helnr. Schrolh.| Morgen u folg Tage 8 Uhr: Casanovas.Sohn Röss-Ttieater 7v,u.: Deserteure Polles Caprice Am Oranienburger Tor Täglich>/z8 Uhr: Pfeffer und Salz Der schlaue Theophil Der Doppelgänger Telephon. N'oraen 86.�0 Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'/.S Nur noch bis 3. Februar: Der Fehlirlti einer Frau Freitag, 4. Febr., zum I. Male; Der tiroßfiirKt Berliner Posse in 3 Akten Sonntag 3'/� Eine Hdele Ehe. PHILHARMONIE Bsydii-llozapt-Bee(h.-Ähend des Philharm. Orchester« Dirig. Prof. R Hagel 8.Slnf.-BeethoT.; Sinf. Es-dur Mozart; Sin!. C-mo.l-Haydn Anlang 8 Uhi Eintritt 3 M —Heue Welt— A. Scholz� Hayenh c ide 114 Heute Mittwoch, d. 2. Febr. Großer Ta� Bayer. Bier- Fest Anfang 6 Uhr S Kapellen. 30 hayer. Mad'l Voranzeige! Donnerstag, 3. Februar Großes Schwelneschtachten' SWöMWUI erfte Marten, iiu soliden Preisen mit Garontie' Bureaumöhef und lämtiicher Kureaudedan. Sehr. VMlWke C 19,«egöelfftob« 3. Madame Dubarrys liebesleben Großes historisches Ausstattungsstück in 4 Bildern In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. Unter Mitwirkung der weltberühmten, aus Amerika zurückgekehrten Vom 1. Februar ab i ia|BeseaoeaaaaBaaeeae< eaeeeeeBeae Königstadt-Theater Bahnhol Jannowitzbrücke Tägl. 7.30 dala-Sönger Im Ballsaal TANZ als IGräDnDubarryl Mitwirkende 'BssBkBBBSBBsssaBsssdBssaMaseesssassslBeaeBtadadeseeeaseeBeBeaaeedBSBssBBBBsaBasBBBaBBBSBBBBssssBSBSBBSBssä Unter anderem: Das Nachtfesl am Hofe Königs Ludwig XV. ♦ Lebende Kolossal-Gemälde ♦ Brand von Paris ♦ Ikarische Gaukler ♦ Rokoko- Balletts Vorverkauf ab 10 Uhr an der Thealerkasse, sowie Invalldondank und Werlhelm Eintragung in die neue Brikettkundenliste SO, Ellsabeth.uier 7-9 NW, Pauistr. 30 B(Lutherbrücke) Schöneberg, Torgauer Straße Die Karten, können auch eingesandt werden. Lieferung Iret Haus I Tausende von Abnehmern sind zufrieden I Kohlen-Spedition G.m.b.H. SW«1, Tempelhofer Ufer 1 Nollendorf 5910—5914«1D« Siebenbrennholz p. Rmtr. 150.—, Kiefern p. Rmtr. 135.— frei Keller, ofenfertig zerkleinert, liefert solort Schleslsehe Str. 33/34— Mpl. 14543 Versäumen Sie nicht, Ihre Neueintragung vom 1 bis ' I 10. 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Tüchtig» Arbeiterinnen(ofort oeriangl AltschnlASHtshelmer, Sünmicftr. 14/15, 3078b» ttr. 53 ♦SS.�ö�rganö 2. Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 2. Februae 192? GroßGerMl Buö heutigen Schularztberichten. Emen lÄ;u strengen Maßstab haben die Schulärzte Berlins wohl niemals angelegt, wenn sie den Gesundheitszustand der Gemeinde- schulkinder zu begutachten hatten. In den Kriegsjahren aber mußten sie, entsprechend den Zeitoerhälmisse», noch bescheidener in ihren An- färderungen werden, und so kamen dann jene Urteile zustande, über die jeder Kenner der Berliner Gemeindeschulkinder erstaunte. Nach der von nicht wenigen Schulärzten damals geäußerten Ansicht hätte der Krieg noch bis tn das Schuljahr 1S17/18 hinein keine sehr wesent- lich« Verschlechterung des Ernährungs» und Gesundheitszustandes der Kinder bewirkt. Nunmehr ist aus dem Schulsahr 191S/'1S, dem ersten,' dessen Schluß in die Zeit nach dem militärischen Zusammenbruch und der politischen Umwälzung fiel, der vom Medizinalamt Berlin zusammen- gestellte Gesamtbericht über die Tätigkeit der Schulärzte erschienen. An den darin mitgeteilten Auszügen aus den Einzelberichten der Zlerzte fällt sofort auf, daß sie diesmal sehr viel un- günstigere Urteil« bringen.„Der Gesundheitszustand der Kinder", schreibt Dr. Bernhard,„stand unter der Einwirkung der Hungerblockade. Mußte ich schon im vorigen Jahresberichte mit- teilen, daß der Ernährungszustand sich wesentlich verschlechtert habe. so ist dies im vergangenen Jahre in erhöhtem Maße der Fall ge- wefen. Das war bei den Untersuchungen der Schulretruten, bei den Durchmusterungen der Klassen und bei den Untersuchungen der zur Entlassung kommenden Kinder, festzustellen."(Im vorhergehenden Jahr hatte, nebenbei bemerkt, derselbe Dr. Bernhard geschrieben: „Djr Gesundheitszustand der Kinder war im Berichtsjahr recht be- friedigend. Eine loesentliche Verlchlechterung des Emährungszu- standes ließ sich Im allgemeinen nicht feststellen. Diese war nur zu finden bei Kindern, die an chronischen Erkrankungen, besonders der Lunge, litten.") Dr. Rau sagt diesmal:„Wenn man sich bis dahin freuen konnte, daß eine Einwirkung der Blockade auf das Aussehen und die Konstitution der Schulkinder wenig zu bemerken war, so begann setzt dies« Wirkung von Woche zu Woche sichtbarer zu werden. Die Kinder wurden magerer, blässer, sahen müder aus, und wenn auch immsr ein Teil der Kinder, die durch Beziehungen zum Lande oder durch den Schleichhandel bevorzugt waren, in ihrer Munterkeit und ihrem Aussehen wenig zu wünschen übrig ließen, so wurde doch jetzt bei einem großen Teile immer offenkundiger, was die lange Unterernährung an nicht mehr gutzu- machendem Schaden angerichtet hotte." Das Urteil des Dr. Hesse lautet:„Ich habe den Eindruck, daß besonders die zur Einschulung untm'uchten Kinder im allgemeinen im Vergleich zu früheren Verhältnissen von schwächerer Körperbeschaffenheit waren." Dr. Wallenstein berichtet:„Der Ernährungs- und Kräftezustand, be- sonders in de? Unter- und Mittelstufe, verichlechtert« sich zusehends. Die körperlich« Widerstandsfähigkeit und die Ausdauer im Unter- richt ließen erheblich nach." Dr. Landsberger:„Die Kinder sind unterernährt und machen oft den Eindruck, als seien sie zwei Jahre in der Entwicklung zurückgeblieben." Dr. Flifter:„Die Bedrängnisse des Krieges warfen ihre Schatten ganz besonders auf di« körper- lich« Entwicklung der Kinder. Wegen der schwierigen Lebenso«. hältnisse litten sie uncer Körperschwäche, Blutarmut und Strophu- lose." Dr. Schnitzer:„Insolge der Hungerblockade und der mit ihr im Zusammenhang stehenden Unterernährung hoben Blutarmut. Skrophulos« und Tuberkulose in ganz, erschreckendem Maß« um sich gegriffen, bei Erwachsenen m einem solchen Grad«, daß all die unge» Heuren Opfer der Tubertulosenfürscwge in den letzten Jahrzehnten. all die schönen Erfolge der letzten Jahre vor dem Krieg« völlig zu- nicht« gemacht worden sind, aber auch bei unseren Schulkindern in einem Maße, daß Landaufenthalt und Ferienkolonien nur vorüber« gehend Abhilf« zu schassen vermochten." Der Gesamtbericht gibt Auszüge nur aus 29 Einzelberichten, während Berlin 59 Schulorztbezirke hat. Nur in zwölf dieser Au». züge werden dl« Ernährmigsverhältnisse oder ihre Einwirkung auf den Körperzustand der Kinder erwähnt, aber in keinem finden wir setzt noch ein günstiges Gutachten. Wir haben uns hier auf Wieder- gäbe einer Auswahl beschränken müssen. Erwähnt sei nur noch solzendes Urteil des Dr. Grünbaum:„Der Ernährungszustand ist, wie zu erwarten war und wie man wohl ohne Scheu sagen darf, bei den Kindern immer schlechter geworden. Namentlich bei den Schul- anfängern ist das zu bemerken, die mit wenigen Ausnahmen unent- wickelt sind." Der Zusatz,„wie man ohne Scheu sagen darf", gibt zu denken. In den Gesamtberichten der vorhergehenden Jahre enthielten di« Auszüge aus den Einzelberichten Dr. Grün- baums gar nichts über di« Ernährungsverhältnisie. Wenn in der Kriegszeit das allzu deutliche Urteil eines Schul- Gessentl. Wählerversammlungen Heute, Mittwoch, den 2. Februar, abends 1 llhr: Tempelhof: Aula des Realgymnasiums. Kaiierin-Augusta-Straße. Neserenr: ReichstagSabgeoidnelcr Karl Giebel. Morgen. Donnerskag, den Z. Februar: Neukölln: Frauenversammluna. Greifs Fest'äle, Hermannstraße. Ecke Schierkestraße. Reserentin: NeichSlagSabgeordnete Antonie Piiilfs. Friedeuau-Schöaeberg: Frauenversammlung, Bürgersaal des Rat- Haukes Friedenau. Referentin: ReichStagSabgeordnete Klara Böhm- Schuck». Hermsdorf: LöfflerS Waldschlößchen. Referent: LandtagSabgeold- neter Gustav Heller. Karlshorst: Parl-Restcmrant„Zur Rennbahn", am Bahnhof. Reierent: ReichHlagSabgeordneter Karl Giebel. Friedrichshagen: Konrads Festiäie, Friedrichstraße. Referent: Robert Breuer. Ruchholz: Bei Höckel. Pafewalker Sir. 67. Ref.: Jakob Altmaier. Beamte und Angestellte der Reichs-, Staats- und Gemeinde- behörden: Sckmlauia der Realschule Florastraße sStubenraucki- platzj in Steglitz. Referent: Reichstagsabgeordneter Willy Steinkovi. Augestellte In Handel und Zudustrie: Im Friedrich-Wilbelm-Gym- nanum, Kochstr. 13, Versammlung aller Mitglieder des Zentral- Verbandes der Angestellten, die auf dem Boden der S.P D. stehen. Tagesordnung: Uniere Auigaben bei den nächsten Wablen. Referent: Genosie Franz Krüger. Achtaag, Eisenbahner! Bei Schulz, Elisabeihstc. 30(gegenüber der Alexander-Passage), anßerordentlick! wichtige Besprechung samt» licher Vertrauensleute der Eisenbahner, die auf dem Boden der S.P.D. stehen. Erscheinen unbedingt erforderlich. Mitglieds- buch und Karte legitimiert. arztes über die Not der hungernden Kinder an die Ocffentlichkeit gelaugt wäre, hätte ohne Zweifel das Oberkom-! mando einen Riegel vorgeschoben. In auffälligem Gegensatz zu den jetzt mitgeteilten Aeußerungeu der Aerzte steht das Ergebnis der bei den G c m e i n d e s ch u l- rektoren veranstalteten Umfrage über den Einfluß der Er- nährungsschwierigkeiten auf den Gesundheitszustand der Kinder. Sie fand im Oktober 1918 statt, nachdem in den zwei Iahren vom Oktober 1916 ab bereits vier gleichartige Umfragen veranstaltet worden waren. Noch im Oktober 1918 äußerten die Berichte aus 171 Gemeindeschicken sich dahin, daß der Gesundheitszustand| nicht beeinträchtigt worden sei, und nur aus 13a Genreinde- schulen stellten die Berichte eine mehr oder weniger bemerkbare Be- einträchtigung fest. Wir brauchen wohl nicht erst zu sagen, was jene noch ans der Kriegszeit stammenden Urteil« wert sind. Srillantenrauder. Kriminalbeantken-Trick einer Schrvindlerbande. Ein Brillantenkollier im Werte von 180 000 M. wurde gestern einer Dame am Kurfürstendamm gestohlen, die in Bekanntenkreisen erzählt hatte, daß sie gewillt sei, ihr wertvolles Brillantkollier zu o erkaufen Davon erfuhr auch ein dreiköpfiges Schwindlertonsor- tium. das sogleich ans Werk ging. Zunächst erschienen zwei Männer bei der Dame, gaben sich als Kauflustige aus und ließen sich das Kollier zeigen. Well die Dame nicht recht wußte, welchen W-rt der Brillontschmuck heute darstellt, so forderte sie keinen Preis, sondern verlangte von den ver- meinllichen Käufern, daß sie ihr ein Angebot machten. Die Männer sagten, daß sie am nächsten Tage mit einem Taxator wieder- kommen würden, damit dieser ihnen den Wert des Schmuckes ab- schätze. Beide erschienen dann auch in Begleitung eines dritten Mannes, der sich den Schmuck genau ansah und dann sagte, daß dieser einen Wert von 700 000 bis 800 000 M. repräsentiere. Die beiden Kauflustigen erboten sich dann auch, diesen Preis dafür zu bezahlen. Plötzlich aber nahm das Geschäft eine unerwartete Wen- dung. Der„Taxator" zog eine Erkennungsmarke aus der Tasche und legitimi-rte sich damit als Kriminal« b e a m t e r, belegte das Brillanlkollic: mit Beschlag und verhinderte den Kaufabschluß. Die Leute taten sehr übcrralcht und machten sich schleunigst aus dem Staube. Der„Beamte", der den Halsschmuck eingesteckt hatte, rannte hinter ihnen her. um sie festzunehmen. Die bestürzte Dame wußte nicht recht, was in dem großen Durcheinander gespielt wurde, und ehe sie zur Besinnung kam, waren alle drei Männer verswunden. Der �Herr Taxator" und„Kriminalbeamte" hatte ein vor der Tür wartendes Automobil bestiegen und war da» vongefahrcn. Der gestohlene Schmuck stellt eine Sllberkette dar mit vier großen Perlen. Der abnehmbare Anhänger trägt eine große ovale Perle Das ganze Schmuckstück, das noch zwei silberne Scitenkettchen hat, ist insgesamt mit 208 Diamanten besetzt. Gute Ratjchlä0e für die Straßenbahn. Der zur Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Berliner Straßen» bahn eingesetzte Stadtverordnetenausschuß setzte gestern unter dem Vorsitz des Stadw. Frank im Sitzungssaal der Straßenbahn seine Veratungen mit der Anhörung weiterer Sachverständiger und der Ergänzung der bisherigen Gutachten fort. In der nächsten Sitzung soll die allgemeine Aussprache über die in den Gutachten zur Sprache gekommenen Tatsachen begonnen werden. Zu den schwebenden Fragen äußerte sich Generaldirektor Dr. W u s s o w über den Umsteigeverkchr und über die Errichtung von Autobuslinien Dr. Wusiow erklärte, daß er grundsätzlich«in Freund des Umsteigeoerkehrs sei; aber in Berlin mit seinem weit- verzweigten und den allermeisten Ansprüchen genügenden Liniennetz sei ein solcher Umsteigeverkehr nicht notwendig. Er würde das Unternehmen finanziell erheblich schädigen. Auch gegen die beabsichtigten Umsteigefahrscheine mit zweistündiger Geltung äußerte Dr. Wussow erhebliche Bedenken. Auch bedeute die Ab- fertigung mit diesen Umsteigefahrscheinen eine im Betriebsinteress« nicht erwünschte Belastung der Schaffner. Die Errichtung von Autobuslinien als Konkurrenz für die Straßenbahn g�oß» zuziehen, hielt Dr. Wusiow gegenüber einer Deröffentlichung über eine Unterredung mit Dr. Adler für gefahrlich. Man würde die Straßenbahn außerordentlich schädigen und sollte vielmehr der- ortige Pläne hintanhalten.— Prof. G i es e empsahl, daß Straßen« bahnunternehmen zu«ntpolitisteren. Auch er hielt den ge» planten Umsteigeverkehr für praktisch undurchführbar. Die Ver-' treter des Betriebsrats, Schaumburger und Hebel, polemisierten heftig gegen die bürgerliche Presse und die frühere Leitung, erklärten sich aber zur Durchführung der von den Sachverständigen vorge- schlagen«! Maßnahmen bereit. Don Bedeutung waren auch di« Ausführungen des Oberingemeurs Kleinheinz, des jetzigen Lellers der Hauptwerkstatt, über di« Ursachen für den Rückgang dee Leistungssähigteit der Arbeiter. Der Ausschuh beschloß, dieses Gut» achten den Mitgliedern noch schrifllich zuzustellen. Nochmals die Diebstähle am Osthafea. Der Betriebsrat des S>ädtisck>en Osthofens nimmt setzt in einem sehr ausführlichen Schriftstück zu den Diebstählen am Osthofen Stellung. Unter anderem erklärt er es kür unzurreffend. daß die Diebstähle am Ostdaien in den letzten Monaten zugenommen hätten. eS könne im Gegenteil auf Grund der geführten schwarzen Liste und der Meldnnaen de« AufsicbtSpersonalS der Nachweis erbracht werden, daß die Diebstähle in letzter Zeit bedeutend nachgelassen haben. E» könn keine Rede davon sein, daß der Vorsitzende desBetriebs» rat» eS abgelehnt hätte, die Namen der bei Diebstählen abgefaßten Personen zu nennen, die Kriminalwachtmeister werden im Gegenteil bestätigen, daß die Mitglieder des Betriebsrat» sie tn jeder Weis» nniersiützen, und daß dadurch ihre Arbeit wesentlich erleichtert wird. Aus?erdem find schon vom Betriebsrat seinerseits Kontrollen sowohl au den Toren wie auch in den AufentbaltSräumen de» Personal» unter Mitwirkung von Polizeibeamien veranlaßt worden. ES Schweres Blut. 27] Kornau von)uhaui Aha. „Immer hat Schemeikka noch letne Wirtin mitgebracht. O weh!" „Hat nur ein Sommennädchen gebracht." „Wie immer zuvor." „Unser Pfarrer traut ihn nicht mit der Frau eines an» deren.— Traut ihn nicht, nein, traut ihn nicht." „Und einer Ungetrauten gibt die Alte nie die Schlüssel heraus. Das fehlte noch." „Gibt sie nicht, nein, gibt sie nicht." „Er macht aus dir. was er aus uns gemacht hat»«ine Leibeigene bloß." „Wie aus euch?" „Uns hat er auch zuerst hierher gebracht, eine nach der anderen, hat uns einen Sommer behalten, uns dann im Herbst seiner Mutter als Leibeigene geschenkt." «Also du hast einen Hof und einen Mann—«inen eigenen Hof.«inen eigenen Mann, einen eigenen Hof. mit Kühen voll besetzt— und bist hierher als Leibeigene gekom» men? Du bist eine!" Sie wiegten wehklagend d«n Körper. Anjas Augen füllten sich mit Tränen: „Ach, armer Schemeikka! Hat er immer noch nicht die Richtige gesunden? Untr hat ja schon Mädchen gehabt wie wir." „Das Haus voll!" „Das Haus von uns voll! Hätte er doch jetzt die Rechte gefunden, hätte ein neues Leben in Schemeikka angefangen. Daheim wäre er geblieben, nicht den Winter von Markt zu Markt, nicht den Sommer von Prasnik(Fest) zu Prasnik." „Seid ihr viel« dort?" „Unser sind— wieviele doch gleich... fünf!" „Du die sechste." „Ich komme niemals dahin!" rief Marja sich reckend. „Du kommst nicht? Du kommst, du kommst! Kannst ja sonst nirgendshin. Di« alte Wirtin wird dich«benso gut halten wie uns.". Da tönten Männerstimmen auf dem See und das Lar» men und Schlagen von Rudern. „Schemeikka kommt mit seiner ganzen Horde!" „Macht schnell! Er läßt uns seinen Männern, wenn wir hierbleiben! Da, Schweben-Marja, das Esten und das andere, was feine Mutter schickt— der kleine hier ist für den Fischer» Matti." Sie warfen zwei Ranzen auf den Fußboden und eilten hinaus, hinter dem Häuschen davon, eh« die Kommenden auf den Hof gelangt waren. 9. Dom Strande drangen Männerstimmen herauf. Lachen, Schreien, Zanken und dann wieder Lachen. Schemeikka kam auf den Hof, die anderen dann etwas hinter ihm. Marja saß tn dem Häuschen an der Wand, ohne ihnen entgegenzugehen. „Heda. Marja, heda!" hörte man Schemeikka rufen.„Wo ist die Wirtin?" Er kletterte etwas mühsam über die Schwelle. „Ra, da ist sie ja! Weshalb kommst du mir nicht ent- gegen? Was für Ranzen sind denn das?" Seine Augen waren trüb, die Knie mehr als sonst ge» krümmt. „Ich weiß nicht", sagte Marja, indem ste versuchte vorbei» und hinauszuhuschen.—„Deine früheren Mädchen haben sie gebracht." „Dann ist Esten für uns darin. Run. jetzt hat's keine Rot. Hier ist Speise und hier ist Trank, von Schemeikkas Mädchen gebracht! Kommt herein, Jungens! Kommt, seht sie euch an. hier ist sie!" Er packte Marja am Hals und ließ sie nicht entfliehen. Junge Männer standen in einem Halbkreis vor der Tür. Marja versuchte vergeblich sich loszureißen. „Die müssen wir fliegen lassen! Die müssen wir fliegen lasten, dein neues Mädchen!" „Laßt sie fliegen! Laßt mir mein neues Mädchen fliegen, Jungens!" Marja wurde ergriffen und in die Lust geworfen. Räch ettichen Würfen gelang es ihr aus dem Kreis berauszu» kommen, indem sie mit dem Kopf unter einigen Achseln durch- fuhr, und sie floh hinter die Hütte. Alle rochen sie nach starken Getränken. Hatten wahrscheinlich viele Tage getrunken. Die Berührung ihrer Hände brannte, es war, als müsse an jeder Stelle, wo sie sie gepackt hotten,«in Fleck geblieben fein. Sie waren ihr widrig, fremdrassig, wie dem Wild im Walde das Stalltier, wie dem Renntier die Kuhherde des Ackerbauers. Denen Halle er sie zum Willkomm in die Arms ge- schoben! Schemeikka kam hinter ihr her. „Marja! Geh doch nicht! Jetzt gibt's Spaß! Hast du Langeweile gehabt?" „Laß mich!" „Ra, ich tonnte ja nicht früher wegkommen. Ist dl« Badestube warm?" „Sie Ist jeden Abend warm gewesen, seitdem du g«° gangen bist." „Ich konnte ja nicht früher wegkommen. Sei doch nicht so. Komm, stell uns das Esten auf den Tisch, das uns die Mutter geschickt hat." „Das werdet ihr wohl selber können." In Schemeikkas Augen blitzte es auf: „Du wirst es tun!" „So? ich?" „Ja, du. Und den Tee kochen und alles bereitstellen. während wir baden gehen." Er Marja heraus. auf die agte es befehlend wie zu einer Leibeigenen und ging. zehorcht«, öffnet« den Ranzen, nahm die Sachen kellte sie auf/den Tisch, kochte den Tee und setzte ihn Ofenbank. Als ste die Männer aus der Badestube kommen hörte, stand sie auf und ging hinter das Häuschen, wo sie durch die offene Luke alles hörte, was gesprochen wurde. „Wohin ist denn dein Mädchen gegangen? Weshalb kommt es denn nicht, den Tee einzugießen?" hörte man einen fragen. „Laßt sie nur", erwiderte Schemeikka darauf.„Sie ist noch schüchtern. Sind blöde, die Schwedischen." „Sie sieht mir nach nichts aus, dein diesjähriges Mäd- chen", lagte ein anderer. „Manches ist ganz hübsch an ihr." „Aber finstre Augen macht sie dir." „Hast früher hellere gehabt." „Zum Beispiel?" „Die Anja noch." Ste sprachen, brummten dazwischen von etwas anderem. Dann sagte Schemeikka: „Und was habt ihr an dieser auszusetzen?" „Mag wohl nicht mehr so jung sein. „Was tut das Alter, wenn sie sonst gut ist. „Ist sie das?" „Als sie mich zum erstenmal drückte, fürchtete ich, es wäre mein Tod."(Forts, folgt.) treffe zu, daß Bei DieBstSHIen ganz geringen llmfangS von einer Anzeige an die Staatsanwaltschaft abgesehen worden sei, weil in diesem Falle ein strafrechllicher Beifolg mir Rücksicht auf die Bestimmungen über Mundraub aussichtslos erschien; solchen- falls ist jedoch eine disziplinarisch« Bestrafung durch die Verwaltung des Hafens erfolgt. Diese disziplinarischen Strafen be- stehen darin, daß der Betreffende unter Verlust seines Lohne? bis zu vier Wochen die Arbeit aussetzen mutz. In allen schwereren Fällen ist stets Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet worden. Die Kontrolle an den Ausgängen erfolgt mittags und abends durch das vereidigte Wachpersonal des Hafens; die Krimi- nalbeainten der Polizei wirken ohne vorherige Anmeldung in un- regelmäßigen Zwischenräumen mit. Soweit die Feststellungen des Betriebsrates, von denen wir aus Platzgründen nur einen Teil wiedergeben können. Im übrigen scheint aus den bis erigen Ermittelungen hervorzugehen, daß die Diebstähle nicht den Umfang angenommen haben, wie es die erste Meldung erwarten ließ. Der Berliner Magistrat teilt dazu mit, daß die Untersuchung über die Diebstähle im Osthafen im Gange ist. Der Dezernent für die Häfen, Stadtrat S ch ü n i n g, bar für heute eine Sitzung des VerwaltungsratS für Häfen und Schiffahrt angesetzt. Er wird dort, wie auch am Donnerstag in der Stadtverordneicnveriammlung. das Ergebnis der Untersuchung bekanntgeben. Für beute sei soviel festgestellt, daß die in der Tagespreffe erwähnte Entwendung von 30 Trommeln Carbid, ä 75 Kilogramm. 12,5 Tonnen Kohle, 103 Sack Nudeln,& 25 Kilogramm, bereits im Jahre 1919 festgestelll und alsbald damals ver- folgt worden ist._ Soeß' Nachfolger. Unter dein Vorsitz des Stadtverordneten W a l d e ck M a n a s s e trat der Stadtverordnetenausschutz zur Vorbereitung der Wahl eines Stadikämmerers von Berlin, an Stelle des zum Oberbürgermeister gewählten Kämmerers Boetz, im Berliner Ralhaut'e zusammen. Es tourde beschlossen, vorläufig von einer öffentlichen Ausschreibung der Stelle Abstand zu nehmen, weil der Ausschutz in seiner Mehr- beit der Ansicht war, daß zunächst erst einmal unter den mrt den Berliner Finanzverbältnissen vertrauten Kommunalpolitikern Umschau gehalten werden soll. Der Borsitzende drang darauf, daß möglichst schnell verhandelt wird, und wird eine neue Sitzung möglichst bald anberaumen. Inüisthe Trauerzeremonie in Serlin. Das Städtische Krematorium in der Gerichtstraße war gestern der Schauplatz einer für Berlin ungewohnten Trauerzere- moni«: Der in der Nacht vom 20. zum 21. Januar in Charlotten» bürg ermordete indische Student Shing wurde nach indischem Ritus— soweit sich dies mit den behördlichen Vor- schritten über die Feuerbestattung vereinbaren ließ— eingeäschert. Zu der Trauerkeier waren die in Berlin weilenden Mitglieder der ind'ichen Kolonie, etwa 10 an der Zahl, sowie die deutschen Freunde des Ermordelen erschienen. Den schlichten schwarzen Sarg schmückte ein mächtiges Fliedei arrangement, gewidmet von seinen Landsleuten. out dem i» Sanskrit die Worte standen»Ich verehre das Mutterland— Freiheit". Nach einleitendem Orgelvorwiel hielten zwei der indischen Freunde dem Toten in indischer Sprache Ansprachen, in denen sie das tragische Geschick des fern von der Heimat Gestorbenen schilderten. Dann begann die eiientliche Trauerzeremonie, die nach dem Ritus der hindulili« scken Sekte der Sikhs vor sich ging. Zuerst verrichtete ein Bramahne sein stilles Gebet am Sarge. Dann rezitierte ein hochgewachsener Inder, der als einziger seine heimatliche Kopsbedeckung, den weißen Turban, trug und der selbst Anhänger der Sikbs ist, einen Abschnitt aus dem Gebeibuchder Sikhs. Er trug das Gebet, das iast eine halbe Stunde dauerte, aus dem Kopf vor, halb sprechend, halb singend, in einer eintönigen Melodie. Ein kurzes Schlutzgebet, zu Füßen cheN- BerstorbeneU verrichtet, schloß die Zeremonie. Unter Orgetipiei sank der Sarg in die Tiefe, um dort den Flammen über« gellen, zu werden._ Bezirksversammlung Berlin-Mitte. In der im Bürgersaal des Rathauses am Montag tagenden Versammlung stand ein Antrag der Fraktion.Bürgerliche Rechte" auf der Tagesordnung, den Zuzug nach Berlin zu sperren in Rücksicht auf die herrschende Wohnungsnoll Der Antrag richtet stch insbesondere gegen die o st j ü d i s ch e Zuwanderung. Mit 27 gegen 24 Stimmen der rechten Seite der Versammlung wurde der Antrag abgelehnt, nachdecki Vollmershaus iU.S.P.j daraus hin- gewiesen halte, daß es Aufgabe der Wohnungsämter sei, dafür zu sorgen, daß die eingesessene Bevölkerung durch die Zu- Wanderer nicht Benachteiligt werde. Der Vorsteher Paul B r e n« d e l(U.S.P.) berichtete dann für den Ausschutz zur Besetzung der Bezirksämter. Die U.S.P. hat ihren Parteisekretär, früheren Metallarbeiter Fritz Schneider für den Bürgermeister- Posten vorgeschlagen, der auch die Unterstützung der anderen Linksparteien findet. Die Rechtsparteien fordern dagegen die Be- sctzung mit einem Fachmann. Dagegen ist die Besetzung der zweiten Bürgermeisterstelle den bürgerlichen Fraktionen überlassen worden. Als besoldeter Stadtrat ist von der S.P.D. der Genosse Kühne, Gewerkschaftsiekreiär beim Verband der Kupfer schmiede, ausgestellt worden, lieber die Wahl der sechs un- besoldeten Stadträte wurde noch nicht verhandelt. An Stelle von Frau Wehl ist Stadtrat Brühl zum Berbindungskommissar mit dem Grotz-Berliner Magistrat ernannt worden. Der Vorsteher gab dann bekannt, daß der O b e r p r ä s i d e n t von allen Kandidaten für die Besetzung des Bezirksamts den Lebenslauf zu erhalten wünscht._ Eine Benzinerplosion In Charloklenburg ereignete sich gestern in dem Elcktrizitätszählerwerk A r o n, Wilmersdorfer Str. 39. Eine Frau wurde schwer verwundet und mußte nach dem Krankenhaus transportiert werden. Die Feuerwehr löschte den entstandenen Brand nach halbstündiger Tätigkeit. Die Ursache der Explosion ist unbekannll Antisemitische hche in den Gemeindeschulen. Unter dieser Ueberschrift berichteten wir kürzlich unseren Lesern über merkwürdige Vorgänge an der 31. Gemeindeschule in Moabit. Hierzu teilt uns das preußische Unterrichtsministerium jetzt mit, daß der Lehrer Sie bert nach den inzwischen getroffenen Feststellungen atiächlich einem jüdischen Scküler gegenüber Aeußerungen getan hat, die gegen den pädagogischen Takt verstoßen. Gegen den Lehrer ist das Erforderliche veranlaßt worden; gleichzeitig wurde der Rektor darauf hingewiesen, daß eine Vereinigung, wie sie von einigen Schülern seiner Anstalt ins Leben gerufen wurde, zu ver- bieten sei._ Vorläufig keine Baukostenzuschüsse für Dohnlauben. Die drei Millionen Mark, die dem Wohnungsam! Berlin zur Ver- fügung standen für die Verieilung von Baukostenzuschüssen für Wohnlauben sind erschöpft, nachdem etwa die Hälfte der Summe verteilt ist und die andere Hälite für die bereits vorliegenden und in Arbeit befindlichen Anträge vorgesehen ist. Es ist daher zweck- los, neue Anträge auf Bezuschussung von Wohnlauben einul- reichen, die das Wohnungsamt nur belasten, ohne berücksichtigt werden zu können. Wenn neue Mittel bereitgestellt sind, wird dies bekanntgegeben werden, zugleich mit der zuständigen Amtsstelle, die die Verteilung vornebmen wird. Ein Brief, der fünszig Jahre unterwegs war. Am 3. August 1871 sandte der damalige Inhaber der Verlagsbuchhandlung A. Nauck u. Co. in Berlin, Wilhelmstraße, einen Brief an einen Verwandten in Liverpool. Dieser Brief ist jetzt— nach fast fünfzigjähriger Reise— als unbestellbar hier wieder ein- getroffen und den Hinterbliebenen des inzwischen verstorbenen Briefschreibers ausgehändigt worden. Wo er inzwischen gesteckt hat. konnte nicht ermittelt werden. Dos Kuwert ist ebenso wie der Brief gut erhalten, die Schriftzeichen lassen an Deutlichkeit nichs zu wün- schen übrig. Die auf den Brief geklebten Marken— zwei Ein- g r o s ch e n-— und eine Einviertelgroschenmarke— sind ebenfalls unversehrt. Kursus für Gartenfreunde. An der Söberen GSrtnerlebranllalt Bcrlin-Dablem findet in der Woche vom 14. bis 19. März d. I. ein allgemeiner GaibenbaukmsuS für Gartenlreunde statt, in dem alle Fragen des io wichtigen Obst- und Gemüsebaues berührt werden.— Anmeldungen find sofort an den Direktor der Höheren Gärtnerlchranilatt Bertin-Dahlem zu richten. Milchbelieferung. Heute werden die>/,.L!ter-Krankenkarten voll beliescrt, die-/«.Liier.Krankcnkartcn erhalten keine Milch. Am S. Februar erhalle» die'/.-Liter-Krankenkarien mir'/, Liter Frischmilch, die>/,-Liter- Krankenkarlen werden voll belieserll Di« übrige Belieserung bleibt wie bisher. Eine Elternveriammlung tanbstummer� Kinder findet Freitag, den 4. Februar, abends 7 Ubr, in der Aula der Städtischen Taubstummen- schule. Marlusstr. 49, stalt. Tagesordnung: 1. Neuordnung des Taub. siummenwesens in Groß-Berlin. Rcscmit: Herr Direktor Schorsch. 2. Freie Aussprache. Miete Möller rezitiert In den von der Gemeinde Berlin-Treptow eingerichteten Volkskunüabenden am Freitag, den 4. Februir. abends st, Uhr im'.Realgymnasium. Erwerbslose erhalten Karten zum ermäßiglen Preise im Rathause. 1 Der Zenkralverband der Angestellten. Bezirk Potsdam-Nowawes, veranstaltet Donnerstag, TA Uhr, in der Aula des Biktoria-Gym- nasiums, Potsdam, Kurfürstenstraße 53, einen Wissenschaft- lichen Film- und Lichtbildervortrag. Aus dem Pra» gramm feien hervorgehoben: 1. Der Bodensee. 2. Bon der Post- kutsche zur Schnellbahn. 3. Das Wachstum der Pflanzen, Film mit 30 000facher Beschleunigung wiedergegeben. 4. Diskuswerfen, Zeit- rafferfilm mit etwa 20facher Verzögerung. 5. Hochsprung, Zeit- rasferalifnahme. 6. Das Leben im Waffertropfen, mikrophoto- graphische Filmaufnahme. Die Borträge werden von Herrn Ge- heimrat Dr. R a s s o w und vom Genossen Bredow gehalten. Zilmschau. In den Lichtspielen„Nene Philharmonie" wird zurzeit em rührseliges Schauspiel„Eines großen Mannes Liebe" vorgeführt. Ueber den derzeitigen Mangel an Landesfürsten sucht der Verfasser uns himveg- zuWösten, indem er Musterexemplare eines guten und eines schlechten .Landesvaters" in seinem Stück verarbeitet. Einigermaßen erträglich wird der innerlich unwahre Film durch das Spiel von Lotte Neu manu und Felix Bäsch.— Entschädigt werden die Zuschauer durch das daneben aufgesübrle Schwankflück„Der Vorstadt-Caruso", in dem man über die grotesken Szenen herzlich lachte.— Gekurbelt wurden die Filme in einem Tempo, daß die auftretenden Personen ständig im Laufschritt dahineilten. Tie llraussübrung deS Hamlet-Films mit RNa Nielsen findet am 4. Febnmr in den Mozart-Lichlipieien.— Um Mißverständnissen vor- ziibciigen,|ei bemei kt, daß der Film seinen Stoss nickt aus dem Sbake'pearc. scheu Drama. londern aus einer von Professor Vining aufgefundenen Hamletsage schöpft._ Hroß-Serliner parteinacbrichten. heuke, Mittwoch, den 2. Februar: 22. Abt. Me bei Sohlte, Friedrichsberger Sir. 22, liegenden Flug- b l a t t e r sind von den Genossen sosori in Empfang zu nehmen und zu ver- breiten. 82. Abt.(Steglitz) 8 Uhr bei Clement, Düpprlstr. 7: Funttionilrfitzung. Cr- scheinen unbedingt erforderlich. lld. Abt.(Grünau). Frauenabend um 7V4 Uhr bei Boede, Kögenicker Straße 112. Rcfcrcntin Gertrud Lohdal. 123. Abt.(K-ulsdorf). Frauenversammlung TZH Uhr Bahnhofstraße(gegenüber vom Tunnel). Ncfercntin Martha Hoppe. Elternbeiräte nachmittags Uhr in den Kammerspielen, Potsdamer Platz. Bund entschiedener Schulreformer. Thema:..Film und Vollsdildung". Morgen, Donnerstag, den 3. Februar: Kreis l(Mitte) 7 Uhr im Restaurant„Bürgerheim", Alte Schönhauser Straße 23/24, Porftandsslhung mit dxn Abteilungsleitungen., «reis 6(Haüeschcs Tor) 7(4 Uhr bei Wolff, Förster Str. 44, Sitzung der Obleute der Elternbeiräte._ 22. Abt. 7 Uhr bei Bauer, Große Frankfurter Str. 1, Sitzung fömtlicher Funktionäre, Beiriebsverwaucnsleute und Elternbeiräte. 51. Abt.(Charlotte uburg) 11. Gruppe 7Zb Uhr bei Kant, Horstweg 2ö, Zahl- M.«dt.(Wilmersdsrs) 7V4 Uhr bei Uhsat, Brandenburqiscke«w. 7S. Ref. Erich Kuitner. Thema:„Die Habenzollern und ihre Verdienste". 79. Abt.(Echöncberg) 7>4 Uhr bei Graß. Sedanstr. 17,»arirag:„Die Frauen und die Landiagswahlen". Referent Schultz. Mus aller Welt. Verurteilte Kriegsverbrecher. Drei Mgrineangehörige, die in S lagen, an der Nordlpitz» Jüilands. wo sie mit einem Miiientauchboot weilten, mehrere Villen ausgeplündert halten, standen vor der Kieler Straf- lamm er unrer der Airklage, Silberiackzen. Bertzerig und Wälive gestohlen z» haben. Mit Rücksicht ans den hohen Werl der Sachen sowie auf die schwere Schädigung des dculichen N a m e n s und Ansehens im Auslände erkannte das Geiichi gegen zwei noch unbescholtene Angeklagte auf je ein Jahr drei Monate Gefäng- n i S und drei Jahre Ehrverlust Der dritte Angellagre wurde freigesprochen. Ein englisches Riescnluftschiff zerstört. Wie daS englische Luitministerium belanntgibt, ist das Lenk- luttichiff ,R 34* nach einer schweren Havarie bei einer Landung durch den Sturm vollständig zerstör! worden. Eine Wieder- instandsetzung kommt nicht in Frage. ,R 34" war belaniiilich jenes Liifischiss. daS im Jahre l9t9 ualer dem Kommando des Generals Mailland und mit 30 Mann Bemannung an Bord den Attanlr« schen Ozean überquerre. Geschäftliche Mitteilungen. DI« Kleiderwerke Baer Sohn, alleinige Verkaufsstelle in der Chanssce- straße 2S/Z0, teilt uns mit, daß sie ssch bemüht, durch Anfertigung der neuesten Modelle unter Verwendung hervorragender Erzeugnisse der deutschen und aus- ländischen Tuchindustrie die Mode mitzubestimmen. Die Preise find herab- gesetzt. Auch auf dem Gebiete des Preisabbaues bemühe sich die Firma Baer Sahn eine Borläuserin zu fein.. Ulbert ItaseiAhain : Leipziger Strafec 72-74(nebenden Kolonnaden): Verkauf von Qualitätswaren Reise- HandlasdiCB mit Aufspannbügel(Maulbügelform) VoQrfadleder, gute Verschlüsse Lg. ca 45 50_ 55 cm ZSO« 330« 330 M. MAM2WS0 weiches Leder, mit 2 Schlössern P 57 5.) früher 105 M. jCiZt jJ la R.nd eder, mit Griff und Schiene früher 156 M. fetzt SS M. M. Inventur- Verkauf ReisMloniitnschen... »t-i-M braun. Rindspalticder. mit Au. spann- bügel,LedergrIlf, früher" M. 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Aber diese Wut wird vorübergehen und das Ergebnis. daß man die Wahrheit in den Vordergrund gebracht hat, wird «ur heilsam sein können. Zu England sangen schon viele Leute an, die Wahrheit zu ergründen. Aber mau verfügt über ein erstauullches Maß von Selbsttäuschung. Falls der Lüge ein Eade gemacht wird, wird eine un- vermeidliche Folge davon sein, daß die Entente auseinanderfällt. Die Entente war bereits längere Zeit gefährdet und nichts hat fle so viel benachteiligt, wie die Frage des Schadenersahes. Die eng- tischen Vertreter würden die Konferenz gern einige Zeit verschoben haben, damit Brland Zeit bekommen haben würde, um flch eluzu- arbeiten und seine Auffassung in Uebereinstimmung mit der seiner Minister zu bringen. Seine sachliche Anerkennung, es sei ihm nicht bekannt, daß die Boulogner Uebereinkunst einen einigermaßen bindenden Eharakler trage und die ungeschickte Ein- Mischung Doumers haben einen besonders schlechten Ein- druck gemacht. Es waren die Franzosen, die mit aller Gewalt diese Konferenz abhatten wollten, die nichts anderes als einen unprakkischeu und unbedeuiendeu Vergleich zur Folge haben konnte. Es wird immer Narer, daß der sehige weg eine großzügige Maskierung ist. Die» geht aus den verschiedenen Erklärungen hervot, die mit großer Freimütigkeit ausgesprocheu werden. Wahrscheinlich wird Deutschland in einiger Zeil mit seinen Zahlungen in Rückstand bleiben uud wahrscheinlich werden die Alliierten, die vor dem Kriege mehr als ein Drittel der gesamten Ausfuhr erhielten, unruhig werden wegen der Ueberschwemmung der Märkte mit beul- scheu Waren. Der Korrespondent deckt dann einige Widersprüche der Beschlüsse aus und meint: E» ist erstaunlich, daß man in eng- tischen offiziellen Kreisen diese Beschwerden so gut einsieht. Es ist die Frage, was setzt geschehen wird. Im Friedensvertrag steht keine einzige Bestimmung über den Prozent- sah der Gesamlaussuhr, und verttn wird, wenn es in die- fem Punkt nachgibt, bedeutende Gegenleistungen ver- langen. Werden die Banken diese erheblichen Beträge denn überhaupt diskontieren? Auch das ist doch zweifelhafi. Kurz, se mehr man die Uebereinkunst der pariser Konferenz betrachtet, um so mehr ist man davon überzeugt, daß das System völlig ungefnud ist und als ziemlich ungesund selbst von den- senigev betrachtet wird, die e» ansgearbeilel haben. * Die dänischen Genosse« gegen das Pariser Todesurteil. Kopenhagen, 1. Februar.(Eigener vrahtbericht des»Vor- wät's".) Die Zeitung.Klotten 5", das Nachmittagsblatt der Zeitung.Socialdemokratcu". verurtettt die Eotentefordc- rvngeu sehr scharf. Be'onders lm Hinblick auf die zu erwartende Verelendung der deutschen Arbeiterklasse bezeichnet da» Blatt die Forderung der Sieger als teuflifcheRoheit.als un- barmherziges grausame» Todesurteil. Die Zeitung schreibt wörtlich: hätten die Sieger das ganze deutsche Volk nach Afrika exportiert und alle. Erwachsene wie Kinder, in die Sahara gesägt, so wäre dies menschlicher gewesen, denn die Leiden der Ang'ücklichen hätten dann wenigstens ein schnelle» Ende gefunden, wir betrachten e» al, sicher, daß die Arbeiter der ganzen Welt, auch Me der flegrelcheu Länder, stch erheben und gegen diese Entscheidung protestieren werden. Denn ein Sklavenleben. wie es der deutsche» Arbeiterklasse zugedacht ist. wird sclbstvcrstäudttch nur dazu beitragen, daß die Arbeiter auch in anderen Ländern in da? schwärzeste Elend geraten. Das deutsche Volk wird natürlich diese wahnsinnige Enlschädlzung nicht befahlen, und die Sieger können den Betrag nicht eintreiben. Selbst die schwärze st eu Soldaten wer- den auf die Dauer zu einem lZsährige» plüuderungszug lu dem zum Tode verurteilten Lande untauglich seln." Veutfchöfterreicbs Treue in höchster Not! Meu, 1. Januar.(MTB.) Au Beginn der heutigen Sitzung des Bundesrats gedachte Vorsitzender R e u m a n n tSoziat- � demolrat) de« övjährigen Gedenktages der Einigung des Deutschen Reiches mit folgender Ansprache. Mit Wehmut und doch mit Zuversicht haben unsere S t a m> meebrüder im Reich den IS. Januar begangen, und wir sind eins mit ihnen Im Gefühl des Schmerzes, ebenso wie in der hoss- nurg aus eine glückliche Zukunsl des ganzen deutschen Volkes. Uns Deutsch« m der Republik Oesterreich hat sin unerbittliches Schicksal dazu verurteilt, die Folgen de« unseligen Krieges, die ganze Kette von Lasten und Sorgen, allein, getrennt von unseren Volksgenossen im Reich, zu tragen. ZUcht verwehreu aber kann man uns. daß wir aller Grenzpfähle ungeachtet. uus als ein Volk von Brüdern fühlen. und daß wir die Geschicke des deutschen Volkes als wie die unserigen empfinden. Zum Gedenktag des 18. Januar senden wir den Volks- genossen im Reich die heiße st en Wünsche für bessere Tage, ihren Aufstieg und ihr Gedeihen. Um die Zukunft des deutschen Volkes, besten Teil wir find. soll uns nicht bange sein. Auch unsere Sehnsucht wird Erfüllung finden. Diese Kundgebung, welche an den Reichspräsidenten E b e r t übermittelt wird, wurde vom Hause stehend angehört und mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen auf- genommen Kunügebung öes bayerischen Landtags. München,!. Februar.(TU.) Der bayerische Landtag ver- anstaltete heute nachmittag in seiner Vollsitzung eine Kundgebung gegen die Pariser Beschlüsse der Alliierten. Präsident Königs- bauer bezeichnete die Pariser Beschlüsse als die Ausgeburt einer weit vom Boden der Erfüllbarkett entfernten Phantasie. Das sei nicht der Friede, sondern Fortsetzung und Verstärkung des Hunger- krieges. Die Erfüllung der Forderungen werde ober auch die Blüte unserer Kultur vernichten.«Wir hatten gehofft/ fuhr der Präsident fort,„daß der gesunde Menschenoerstand über die Brutalität des Siegerwillens sich durchsetzen und daß der Geist der Versöhnung und der Friedensbereitschaft über grausame Rachsucht siegen werde. Die Forderungen von Paris aber haben die Befürchtungen des größten Schwarzsehers weit übectroffen. Die bayerische Bolksver- tretung verlangt im Namen des gesamten bayerischen Volkes, daß Unmögliches niemals zugestanden werde. Der außerordentliche Ernst unserer außenpolitischen Lage gebietet aber auch dem deutschen Volke, alle trennenden Schranken niederzureißen, die bisher unsere Kräfte zersplittert und den alliierten Mächten das traurige Schauspiel innerer Zerrissenheit geboten haben. Unbeugsam muß der Wille in uns lebendig werden, lieber ehrlich unterzugehen, als in unwürdiger Verfllavung unehrlich zu ver- derben."(Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Es wurde darauf beantragt, die Sitzung sofort zu vertagen, um tiefen Ernst der Schicksalsstunde des deutschen Volkes Rechnung zu tragen. Für die Unabhängigen gab Abg. Gareis die Erklärung ab. daß auch fein« Partei der Ansicht fei, daß Protest eingelegt werden wüste, sie könne sich aber der Kundgebung der übrigen Par- teien nicht anschließen. Es handle stch zunächst nur um Dorschläge der Entente, über welche noch Verhandlungen möglich seien. Während der Ausführungen des unabhängigen Redners verließen die Mit- gtteder der bürgerlichen Parteien den Saal. Die Erklärung, daß alle trennenden Schranken niedergeristen werden wüsten, nimmt stch allerdings besonders gut au» in Bayern, wo noch Immer der Ausnahmezustand und die Garde de» Herrn Pöhner mtt der Orgesch herrscht, die den Stein des Anstoßes in Pari» gibt. Der tägliche Fuftizfkanöal. Der Erste Staatsanwatt bei dem Landgericht München I hat da» im Verfolg des am 4 Oktober 1S2g in der Eschenanlage in München auf Sanitätsrat Dr. Magnus H i r s ch s e l d verübten Ueberfalles wegen Körperverletzung mtttels gefährlichen Werkzeugs«ingelettet« Verfahren eingestellt, da die umfangreichen Erhebungen keine Anhaltspunkte zur Ermitllimg der Täter erbrachten. Die Unter- empfangen hatte, was mir nicht gestattet war. Ich habe ihn davon, zu überzeugen versucht, daß ich in ausländischen Fragen seine Politik nichtmehr vertreten könne. Trotz des Zutrauens, dos ich in den Dreibund stellte, hatte ich nicht die Möglichkeit aus dem Auge verloren, daß dieser Bund wohl einmal versagen konnte, da die Monarchie in Italien nicht fest saß, da in Italien eine Irredentn drohte(da in Oesterreich nur die Zuverlästlzkell des regierenden Kaisers einen Umschwung während seines Lebens unmöglich mochte) und da man sich auf die Haltung Ungarns überhaupt nicht ver- losten konnte. Ich strebt« immer danach, die Brücke zwischen Rußland und uns nicht ganz zu zerstören. Dann folgt eine Mitteilung über dos eigenhändige Schreiben über die Berichte des Konsuls. Bismarck fährt dann fort:„Ich bin überhaupt nicht verpsllchtet. Seiner Masestät alle Berichte vor- zulegen. Ich habe es in den betreffenden Fällen teilweis« direkt. teilweise durch den Keneralstob getan und bin, da ich den f r i e d- iomen Absichtendes Zaren vertraue, nicht in der Lage, die Maßnahmen zu decken, wozu Seine Masestät mir den Befehl gegeben hat. Seine Masestät hat meine Vorschläge über die hallung gegenüber dem Reichstag und die eventuelle Auflösung des Reichstags gutgeheißen. Jetzt meint Seine Majestät, daß die militärischen Ent- würfe nur eingereicht werden sollen, sofern man auf ihre Annahme durch den setz gen Reichstag rechnen kann.... Ich freue mich, wenn ein König von Preußen selbst regieren will. Ich gebe zu, daß mein hingehen Rochteile für �ie öffentlichen Interessen bringen wird, und wünsche auch, da meine Gesundheit jetzt gut ist, nicht ein arbeitsloses Leben. Aber ich fühle, daß ich Seiner Mojestät im Wege bin, und habe offiziell vom Kabinett Nachrichten erhotten, daß M a- jestätmeineDemtssionwünscht." Nachdem Bismarck auch offiziell eine gleichlautende Erklärung abgegeben hotte, sprach er mit Herrn von Bötticher. der ihn fragte, ab Bismarck nicht geneigt wäre, stch zur Führung der auswärtigen Augelegenhetten zu bekennen, einen Plan, den er früher bereits formuliert hatte. Der Finanz» minister erklärte, daß die Verordnung stch auf die notwendigen Maßregeln beschränkte. Er schloß sich dann Herrn von Bötticher an, zu untersuchen, ob keine Möglichkeit,«inen Ausweg zu finden, be- stehe. Sollte dos wirklich nicht der Fall sein, dann würde das Staatsministerium zu untersuchen haben, ob es sich Bismarcks Ent- fchluß anschließen solle. Der Kullusminist« und der Iustizmlnister waren der Meinung, daß es nur ein Mißverständnis wäre und daß man dem Kaiser nur Aufklärung zu geben hätte. Der Krieg». minister fügte hinzu, daß er seit geraumer Zeit vom Kaiser kein wort gehört hätte, das sich auf Komplikalioneu mtt Rußland be- ziehe. Der Minister für öffentliche Arbeiten sah in Bismarcks De- missia» ein Unglück für die Sicherheil des Landes und für die Rohe Europas und meinte, wenn dies Unglück nicht zu vermeiden sein sollte, so würden seiner Weinung nach sämtliche Minister ihre Funktionen zur Verfügung Seiner Masestät stellen. Er beabsichtige jedenfalls, das zu tum Der Ackerbauministe« erklärte, daß. wenn Bismarck davon überzeugt fei, daß leine Demission vom Kaiser ver. langt würde, man ihn von seinem Entschluß nicht zurückhallen dürfe. Das Staatsministerium müsse erwägen, was es zu tun hätte, wenn Bismarck seine Demission nehme. Nach ewigen persönlichen Bemerkungen des Handelsministers und des Kriegsmmisters schloß Bis- marck die Sitzung.(Das offizielle Protokoll über die Sitzung ist laut einer späteren Erklärung des Ministers Miquel avs den Akten verschwunden und wahrscheinlich auf Anstiften des Vizepräsidenten o. Bötticher zer- stört worden.) Nach dem Esten erschien Lukanus, der Chef des Zivtlkabinetts, der erklärte, zögernd dem Befehl des Kaisers Felge zu leisten und fragen zu müsten, weshalb das verlangte Demlsflouszesnch noch nicht elugctroffen wäre. Dann folgt die bekannte Beschreibung der Art, w der Vis- marck seine Demission einreichte. Bismarck schreibt dann: Mein Rar ist seitdem weder direki, noch durch eine Mittelsperson eingeholl worden. Im Gegenteil, man scheint meinem Nachfolger verboten zu hoben, mit mir über politische Frogru zu reden. Ich habe den Eindruck, daß von sömllichen Be- amten und Offizieren, die an ihrer Position hingen, der Boykott gegen mich besteht, und zwar nicht nur in politisä>er, sondern cuch In sozialer Hinsicht. Dieser Boykott hat w den Publikationen meines Nachfolgers im Auslands einen eigentümlichen Eindruck gemachr. » Die Aufzeichnungen Bismarcks entbehren auch heute nicht des aktuellen Interesses. Am 18. Januar ist der SOZährig« Gedenktag der Errichtung des Deutschen Kaiserreichs begangen worden. Bis- marcks 3. Band läßt keinen Zweifel daran, wer Bismarcks Ws.'k zer- stört Hot. Es war der König von Preußen,„der selbst regieren� wollte, und den ein allzu gutmütige», von den Höflingen belogenes Volt so lang« regieren lieb, bi» alle» in Scherbe« lag. suchung ergab, daß eln Anschlag gegen Dr. Hirschfeld zwar bereit» vor dessen Ankunft in München geplant und vorbereitet war. doch sind die eigentlichen Täter im Dunkel der Nacht entkommen, so daß es angeblich nicht mehr möglich war, sie ausfindig zu machen. Die Einstellung des Verfahrens gegen die Attentater auf Dr. Hirschfeld ist nicht wunderbar, erstens weil das Attentat in Bayern verübt wurde, einem Lande, in dem seder Nicht-Reatttonär nach- gerade o o g e l f r e i ist, und sodann, well es stch um Studenten und Angehörige des Bürgertums, nicht aber um Arbeiter handelte, von denen der Angriff ausging. Die.bayerische Justiz gibt stch redliche Mühe, der preußischen würdig zur Seile gestellt Zu werden. Diese Methode»st der best« Weg, da» erschütterte Rechtsbewußtsein im Volke zu heben! tzergts neueste paraöe. Die Deutschnetionale Volkspartei veronstollets am Montag abend in den Kammersälen eine Wählerversanunlung mit Herrn hergt, Verzeihung mtt Exzellenz Dr. Hergt, wie aus den zu Tausenden im Bezirk hollesches Tor verbreiteten Ei.nl adungszctteln stolz prangte, als Referenten. Die Rede des Vorsitzenden der Deutschnationclen, über die die gesamte Rechtsprsste in großer Auf- machung nun ausführlich berichtet, war ein merkwürdige» Gemisch von Mahnungen zur Einigkeit angesichts der Pariser Beschlüste und von Verunglimpfungen der gegnerischen Parteisn. namentlich der Sozialdemokratie. Der Redner gab die Parole aus:„Abbruch der Verhandlungen! Wir dürfen weder nach Brüssel noch noch London Vertreter entsenden!" Danach dars man auf die Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Deutschnatio. nalen und der Reichsregierung in den kommenden Wochen gespannt sein. Herr hergt hat übrigens schon stüher seine Neigung zur Katasttvphenpotttik gezeigt, namentlich als er mtt der ganze« Au- toritüt eines königlich preußischen Staatsministers den rücksichtslosen U-Boot-Krieg verherrlichte und dos Eingreifen Amerikas mit den denkwürdigen Worten verspottet«:„Die amerikanischen Dwistonen können nicht fliegen, sie können nicht schwimmen, sie werde« nicht kommen!" Wer wollte da noch bezweifeln, daß„Ex- zellenz" hergt gerade derjenige Staatsmann ist, den wir jetzt am nöttgsten brauchen? Im übrigen fehtte es auch in hergts Red« nicht cm den üblich«« antisemitischen und.völkischen" Redewendungen. Wie konnte es denn auch anders fein, wo dach auf den besagten Ein- ladungszetteln unter den Einberufern solche echt völkischen und rasten» reinen Namen standen, wie Sedlaczek und— Max Rosen» thall Religion unö Reichsverfaffung. Dresden, 1. Februar.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärt»".) Im sächstichen Landtag kam es heute zu lebhaften Verbandlunge» über zwei von deutschnationaler und vollSparteil'cher Seite her» rührenden Interpellationen. Diese richteten sich gegen eine Ber« ordnung des Kultusministers Fleisner, wonach die Eltern der zur Schule kommenden Kinder, die am Religionsunterricht teilnehmen sollen, dies durch«ine beiondere Erklärung bekunde» müssen. Die Redner der Rechten stellten diese Verordnung al» einen Verstoß gegen die R e r ch S v e r f a s s u n g hm und forderten, daß nur die Eltern, die ihre Kinder nicht am ReligionSunlenicht teilnehmen lasten wollen, zu einer Erklärung verpflichtet iei» sollten. Di« Verordnung sei„ein feindlicher Akt" gegen den Religion«» Unterricht, der die weltliche Schule vorb-reiten solle. Kultusminister Fleisner bestritt entschieden, daß seine Berord» nung mit der Reichsversasiung im Widerspruch stehe, er werde auf der Verordnung bestehen bleiben und trotz des Geschreies btc Kirche und der Schulreaktionäre darauf sehen, daß sie eingehalten werde. Der frühere Kultusminister Dr. Seifert(Demokrat) tier« trat die Meinung, daß es der Wille der Nationalversammlung ge» wesen sei, bei Abfastung des Artikels 143 der ReichSversastung eine Erklärung über die Beteiligung der Kinder am Religionsunterricht im negativen, und nicht wie das Fleisner verordnen wolle, i» positivech Sinne zu fordern. Ihm schließt sich der Zentrumsvertreter Heß lein an. der den sozialistischen Parteien seine gegensätzliche Anficht durch lebhaften Widerspruch zu erkennen gab. Ein glerch» zeilig mit, irr Verhandlung gestellter Antrag der Kommunisten. bei der Reichsregierung auf sofortige Beseirtpung deS ReligionS» Unterrichts hinzuwirken, wurde infolg« ungenügender Besetzung der sozialistischen'Bänle mit allen dürverlichen Stimmen abgelehnt. Nette Vertrauensmänner. Die Vena erfährt aus Saklowltz: Der polnische pl«. btszltkon. missar Louiehny ist heute wegen A u st t f- .tum zum Mord uud Gewalttaten beim letzten putsch ver- Haftel worden. Seio Vorgänger Zanuschewskl. der we einiger Zeit nach Rybnik versetzt worden ist. hat flch als aller Zuchthäusler entpuppt und ist dieser Tag« gleichfalls wegen Unterschlagung von 20 00!! M. verhaftet worden. 410000 abstimmungsberechtigte Reichsoberschleflrr. kaltowltz, 1. Februar.(Dena.) Der.Oberschlestsche Kurier" meldet: Nach einer an zuverlässiger Stelle eingeholten Jnformaiio« beträgt d»e Zahl der oberschlesischen AbstimmnngS» berechtigten außerhalb des Abstimmungsgebietes 410 000. Die Mietfteuer. Die sozialdemokratische Fraktstm nehm in ihrer letzten Sitzung Stellung zum Gesetzenilours einer Abgabe zur Fsir- derung des Wohnungsbaues(Mietstcuer). Die Meinung der Fraktion ging dabin, daß der vor- gelegte Entwurf unsozial wirkt, und sie beschloß darauf Hinzuwirten, daß die Mietsteuer jetzt nickt zur Erledigung gebracht wird, zumal die Veranlagung und Einhockung sehr geraume Zeit in Anspruch nimmt. Weiter ermächtigte sie ihre Vertreter im Ausschuß zu verlangen, daß die Mietüeuer im Zusammenhange mit den übrigen Steuern und der Mtet« ordnung erledigt wird. Schließlich' nahm sie den im Herbst vorigen Jahres an- genommenen Antrag wieder auf. wonach das Reich zur Linderung der Wohnungsnot einen Kredit in Höhe von Ii? Milliarden znr Verfügung stellen soll. Die Milchkühe kommen! Mtt dem Dampfer„West Arrow" trifft in den ersten Februartogen der erste Transport der amerikanischen Milchkühe in Bremerhoven bzw. in Bremen eln. De? Dampfer brauchte zur Ueberfcchrt nicht ganz einen Monat. Die DIehsendung ist ein Geschenk amerikanischer Farmer, hauptsächlich solcher deutschen Stammes, die sich in der American Doiry Cattlc Co. in Chicago ein Organ zur Durchführung ihrer Absicht geschaffen hoben, durch Schenkung von Kühen die in Deutschland herrschende Mll chn vt bekämpfen zu helfen. Ein« russische bolschewistische Zeitung lu Serttn. Nach dem, Ost- Expreß" erscheint unter dem Nomen„Nowyj Mir" fett dem 30. Januar in Berlin«ine bolschewistisch« Zeltung in russi- scher Sprach«. In dem Leitartikel der ersten Nummer bezerchnet e« da» Blatt als seine Aufgabe, im Ausland« seine Stimm« zu» Schutz« Sowjetrußland» zu erheben. GewerMastsbewegung Wer sprengt öie Gewerkfchasten! In der Ortsgruppe Köln des Deutschen Eisenbahnerverbandes ist ein« ernsthafte Krise ausgebrochen. Die Stelle des Bevollmäch» tigten war dort wegen Rücktritts des bisherigen ausgeschrieben. Nach einem Bericht der»Roten Fahne" hatten die meiste Aussicht auf eine Wahl die kommunistischen Eisenbahner M i e v e s und Klein. Gegen beide hat der Houptoorstand in Berlin aber wegen ihrer gewerkschaftsschädigenden Tätigkeit ein A u s s ch l u ß v e r- fahren eröffnet. Er setzte einen kommissarischen Bevollmächtigten ein, der die Geschäfte der Ortsverwaltung Köln bis zur endgülligen Erledigung dieser Angelegenhett führen sollte, und berief eine außer- ordentliche Mitgliederversammlung ein, in der B r e u n i n g- Berlin referieren sollte Gegen seinen Protest beschloß die Bersammlung. die beiden oben erwähnten Kommunisten zuzulassen und einem von ihnen das Korreferat zu übertragen. Nach diesem Beschluß ver- ließen die auf dem Boden praktischer Gewerkschaftsarbeit stehenden Mitglieder die Versammlung. Die Kommunisten tagten weiter und nahmen nach den Referaten von Mieves und Klein eine Resolutton an. die sich gegen den Hauptvorstand wendet. Um den Eindruck zu wahren, daß die Kommunisten die Ge- s ch l o s s e n h e i t der Gewerkschaft erhatten wollen, wurde folgen- der Absatz in die Resolution eingefügt: »Der Borstand hat genau nach dem Verbands- statut zu arbeiten und ist verpflichtet, sofort an den Hauptoor- stand und die Beschwerdekommission nach Berlin zu berichten. Er hat zu versuchen, auf dem schnellsten Wege eine Einigung mit diesen Instanzen zu erzielen, durch die der Wille der Kölner Mitglieder respekliert wird." Wie aber die Arbeit der Ortsverwallung„nach dem Ber° bandsstatut" aussehen soll, und wie der»Einigung mit diesen Instanzen" vorgearbeitet wird, zeigen die ersten Absätze der Resolu- tion, die folgenden Wor-laul haben: »Auf Grund der Vorgänge der letzten Zeit werden keine Beiträge mehr an die Hauptkasse noch Berlin abgeführt, bis der Hmiplvorstand den Willen der Zlöllner Mit- glieder respektiert und sein Vorgehen gegen die Anhänger der 3. Internationale einstellt. Es wird sofort ein provisorischer Vorstand gewählt, well die jetzige Ortsverwallung gegen den Willen der Mitglieder vom Hauptvorstand eingesetzt ist und well von letzterer die Neu- wählen de» Ortsvorstandes künstlich hinausgeschoben werden. Der provisorische Borstand hat die Maßnahmen zur Bei» tragssperre unverzüglich durchzuführen. Weil die bisherige Ortsrerwallung nicht nach den Beschlüssen der Mitglleder handelt, werden keine Bei tröge mehr an sie entrichtet, sondern die Beiträge werden nur gegen Quittung an solche Berttauensler te ausgehändigt, die mll einem Ausweis oersehen find, der die Unterschrift des heute gewähllen Borsitzenden Mieves trägt Aus vraktifchen Gründen findet die Kasiierung vorläufig in den Betrieben statt. Selbst die»Rute Fahne" ist über diesen Beschluß Ihrer Ge- noffen enttetzt. Es ist überflüssig zu betonen, daß es im Eisenbahner» verband kein Statut gibt, das den Mitgliedern das Recht der Beitragsperre einräumt. Es Handell sich hier auch nicht, wie die„Rote Fahne" glauben machen möchte, um eine»gefühlsmäßige Auflehnung", sondern um eine Folge der kommunistischen Agitation gegen die Gewerkschaften, die deutlich erkennen läßt, daß die Zertrümmerung der Freien Ge» werkschaften das nächste Ziel der kommunistischen Hell»- bringer ist. Ter Beirat der Betriebsrätezentrale, welcher auf Grund der Beschlüsse des BetriebSrätekongresseS ge- wäblt worden ist, trat gestern zu feiner ersten Tagung zu- sammen. Auf der TageSoidiinng stehen folgende Punkte: l. Be- nicht der Geschäftsführer. 2. ProduklionSkornrolle. WirlschaflSkrise. «rbeiiSlo'enfrage. 3. SozialisierungSiragen. 4. Aufbau der Wirt» fchafiSgebiete, S. Novelle zum BerriebSrätegeietz, S. Verschiedenes. Zu dem eriien Punkt erstatleie Genosse Brolat einen aus- fnbrlichen Berich! über die bisherige Tätigkeit der Reichszentrale. In der eingehenden Diskussion waren alle Redner mit dieser Tätig» kert einverstanden. E-ne Reihe wertvoller Anregungen für die weiiere Arbeit wurde gegeben. Zu Punkt 2 gab D i ß m a n n einen ausführlichen Ueberblick über dieses die Gesamiarbeiterschait anis tiefste beiübrende wichtige Gebiet. Die hier eiiiietzeilde rege DiSkuision ist noch im Gange. Die Tagung wird am 2. Februar forlgesetzt. Ausführlicher Be- richl folgt._ Ach, wie nett! Die ftinnesiert? Tel.-U iion verbreitet mit Behagen eine Meldung der.Deuifchen Um'ckau". wonach aus Ärbeitnebmerkteise» «ine Eingabe an den Reichstag gelangt ist. die fordert, daß der Achtstundentag»iür Familienväter, die im Interesse ibrer Familie länger arbeiten wollen", aufgehoben wird. Diele Meldung ist so durchsschtia. al? daß man nicht erkennen sollte, wer hinter diesen.Arbeiinebmerkreisen" steht. Die Schwerindnürie ist es. die da§ arößte Interesse daran bat. durch eine Verlan'ernng der Arbeitszeit bei möglichster Beibehaltung der bisherigen Löbne einen Lobnabbau herbei, u'Lhren. Dabei kommen ihnen leider immer wieder die auf ihren eigenen Vorteil bedachten Gelben zu i Hilfe, die sich dann bei pasiender Gelegenbeit wieder als waschechte Kommnii'sten dem erstailiiten»ind alänbigen Pubkiknm empi'rhlen. Angesichts der fortgesetzt steigenden Erw-rbSlosigkeit muß jeder Anschlag auf den Achtstundentag mjt aller Energie zurückgewiesen Arbeiter, Angestellte öes Magistrats Serlin. heule abend 7 Uhr im Oestrervereinsbans. Alexander- plah: Versammlung aller auf dem Baden der S.p.v. flehenden Arbeiter und Anqeslelllen. Taaesordnvng: Der klamvs um die velriebsräte beim Ulagiflral Berlin. Re'erenl: TV. Ramsbrock. Bezirksverbaud S.P.D. Belrlebssekrekariat. werden, sie aebietet energisch eine Vermehrung der Kurz- arbeit. Diese mag kür den einzelnen eine Härte bedeuten, im Interesse der Allaemetnheit ist sie weit notwendiger als eine Verlan rerung der Arbeitszeit, die nur im Interesse des Kapitals lirgt._ Ter«achste internationale Bergarbeiterkongreft. Wie die»lkranksurter Zeit, mg" anS Bockum meldet, hat das Internationale Bergarbeiterkomitee in feiner zu London abgehaltenen Sitzung beschlossen, den dieSjäbriaen Internationalen Bergarbeiter- kongreß in Köln abzuhalten. Der Beginn der Verhandlungen wurde anl den 8. Angnst festgesetzt. In London wurde auch ein finanzieller Voranschlag kür das nach dem Genfer Beschluß zn errichtende ständiae internationale Generalsekretariat vorgelegt. Nach eingebender Aussprache verständiate man sich dahin, den Kostenvoransch'ao, der für die Organisationen in den Ländern mit sebr schlechter Volnta eine starke sinonzielle Belastung bedeutet, der nächsten Komiteesitzunq vorzuleoen. die am 12. April in Brüssel stattfindet und den endgülligen Beschluß dem Kölner Kongreß vor- zubehalten._ Eine neue Niederlage. Zu diesem Kapitel lieferten auch die in dielen Tagen in dem Wirtschaftsgebiet WilbelmShaven- Nüst ringen� sta't- gefundenen Wahlen im Metallarbeiterband einen sehr beachtenswerten Beitrag. Zur Wahl standen einmal die Delegierte» zum dortigen Gewerkschaftskartell und ferner die OrtSverwaltung. In beiden Fällen siegte die m e b r b e i t S s o z i a l i st i s ch orien- tierte Liste glänzend. Für diese Liste wurden oS4S, für die Liste der Unabbängigen 1223 und für die kommunistische Liste SSS Stimmen abgegeben. Das Relultat ist um so beachtenswerter, weil gerade Wilbelmsbaven-Rüstringen in den letzten beiden Jahren ein hart umstrittener Platz war._ M Satt'mänalsche Angestellte der Abzahlungsbraache> Die Arbeilgeber haben den unterm 6. November v. I. gefällten Schieds- spruch abgelehnt und der DemobilmachungSkommisiar bat dem- selben die VerbindlichkeitSerklärung ver'agt.» Infolge- dessen ssnd die Arbeitgeber der AbtahliingSbranche verpflichtet, ihre Anaestellien nunmehr nach dem für allgemein veibindlich erklärten Tarifverträge iür den Einzelhandel mit Wirkung ab 1. Oktober 1920 zu entlohnen. Wo diese von den Firmen abgelehnt wird. wende man sich schriftlich an den Zentralverband der Angestellten. Fachgruppe Holz, sellion AbzahlnngSbranche. Belle-Älliance-Str. 7/lv. Drohender Zournassstenstreik in England. Wie»New Dork- Herald" meldet, verlangt die englische Journalistenvereinigiina eine GebaltZerhöhuna: bei Ablehnung der Forderung kündigt fie den S t r e i k an. N o r t h c l i f f e verweigert die Annahme der GehaltSfordernng. � Zcntrul-erbant» der AagegelNe». jvivg. und Baulchlossereien! Heute 8 Ahr in den Birwria-Siilen, Belle-AMance-Str. 22, Bersammlung. Tagesordnung! „NSnuen wir den Schiedsspruch annehmens'— Wagen- und garvsscriebetriebe! Freitag 7 Uhr im Schultheiß-Ausschnnl. Großer Saal. Alte Iakobstr. 24/23, Afa-Dersammlung. Es handelt sich um Stellungnahme zur Frag« der Tarif- kitndigung in dieser Branche.— Asa-Ortskartelln der ,, Marge tipast" gelesen hätten, würden Sie über die Frage ander» urteilen. Dir empfehlen Ihne» die gele- gentliche Lektüre. E. ft. 22. Baotshau» des Auderoereins„Borwärts". Oberschöneweide, Wik» Helmsstrand.— St.<9. 19. Für beide Berufe kommt eine technische Mittelschule tu Frage: für test-nischc Hochschulen ist Abschlußzeugnis erforderlich. In Berlin befindet sich die Beuth-Echule, Am Ieppclinplotz. Achnliche Schulen in Töthen in Anhalt, Friedbcrg in Hegen, Zwickau, Mittweida usw. Dauer der Ausoil- dung 2 bis 2zb Jahre: vorherige praktische Lehr«. Kosten vermögen wir nichi anzugeben.— Heleue Tegel. Ein« diplomatische Bertrewng besteht zurzeit noch nicht. Zweckdienliche Auskunft erhalten Sie beim Auswärtigen Amt. Kriegsbeschädigter RLrnberg. Fragen Sie beim preußischen Heeresobwick- lungsamr, Berlin, Leipziger Plag lZ, an.— O. R. 4. X. Rein. 2. Unbekannt: Festsetzung erfolgt später. Z. Der Austritt aus einer Kirchengemeinde Ist beim Amtsgericht zu erklärcu oder erfolgt durch Einreichung einer öffentlich beglou- bigten Erklärung. 4. Bis zum Schluß des Steuerlahres, jedoch nicht vor Ablauf von 3 Monaten nach Abgabe der Erklärung.— R. P. 37. 1. 5000 M. 2. z. B. Schulden. 3. Beim Finanzamt. Die Frist ist bereits verstrichen. — Siegfried 3. 1. Beim Patent handelt es stch um Reusä-öpsungen, d. d. um Erzeugung von etwas bisher noch nicht Vorhandenem. Beim Gebrauchs- Muster muß es sich dagegen um eine Bcrbegerung oder Brauchbarmachung. d. h. um die äußere Gestaltung von etwa» Bekanntem bandeln. 2. Ja, sosern davon nicht ein bereits frllber angemeldetes Recht berührt wird. 3. Die Schutzdaucr beim Patent beträgt 15 Jahre, beim Gcbraucksmiister höchstens K Jahre. 4. u.«. Rein. 5. Ja.— F. S. 25. 1. Rur mit behördlicher Genehm!» gnng. 2. Kommen Sie um eine Freistelle ein. 3. Bersuchen Sie es.— F. O. 24. 1. Uns nicht bekannt. Rick-ten Sie eine Anfrage an unser P-rteiblatt tu Zeno, die..Weimarische Bolks-eitung". 2. Unter Umständen ia. Wenden Sie sich an den dortigen Gemein'-evarstand 3. Darüber läßt sich nichts Bestimmlcs sagen.— T. 1. Fordern Sie den Betrag zurück. 2. Läßt sich nicht ziffernmäßig angeben. Die Kosten werden aber kaum mehr beiragen als der erforderie Borschuß.— F. T. 44. Rein: die Tockiler ist die alleinige Erbin nach der Mutier. Vermißt. Das ist sehr wohl möglich. Fragen Sie beim deutschen Konsulat w Posen an.— I. 6t. 25. Nur bis 34. Dezember 1920.— Elbing 38. 1. Nein. Es handelt sich offenbar um eine nicbt handelsgerichtlich eingetraqene Firma. 2. Rein.— R.». 10«. Beantragen Sie bei der Dersicherunasanstalt, daß die Zahlung an die Postanstalt Ihres jetzigen Dohnorts überwiese» wird. (Schlnß de« redaktionellen Teils.) Perantw kür den redakt. Teil- Dr. Werner Pciler, Cbarlottenbnra: für Anzeigen: Tb. Glocke. Berlin. Berlag: Bonvärls-Borlaa G.m.b.H.. Berlin. Drnck: Bor- wärtS-Buchdruckerci u. Beriagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin. Lindr-tlir. 3. hierzu 2 Beilagen: �cmcitogen das altbewährte in mehr als 22000 ärztlichen Gutachten anel kannte Körperkräftigungs- und NervenuShrmittel (für Nervenleidende, für Magen- und Darmkranke, für Frauen und Kinder, bei Bleichiucht und Blutarmut, bei Schwäche« zuständen aller Art, bei ErnälnungS- störungen) ist in bekannter Güte in allen Apotheken und Drogerien Wieder vorrätig. ZpsugenzdiuKe weiss, Stoff 59°° Erbsfüil-Halbsfores m» v-,«,..... 55°° Erbstüll-Hdlbsfores JÄSÄ 11 0°° 1 20°° Erbstülldecken SÄHSÄ 215°°� 295°° Bettdecke IM 2»«Ig-«»«. Figur«nmm«........... 275°° Tüllgardinen oamour 2�..v-b«g.......... rm*, 75°° Trikotagen Kinder- Jäckchen SSTÄf'i 490 5 50 Kinder-Jäckchen X�GÄ'i 625 co.« �&0 «Tss�ioa Damen-Hemddien Damen-Schlupfhöschen..... 1975 Damen-Hemdhosen 8aum«n«............. 21 50 Hemden». BeinkleideÄ�Ä 2900 39* J?Jidecf>>--». v-nebi««-», b«oncjen iür 5d,Iasiimmergsr6inen....... Meter«t-Ä Damenwäsche � Leinenwaren usw. Wäschestoffe Damen-Strümpfe SroS".b,.12�. 1650 Damen-Strümpfe 22« 29°° Kinder-Söckchen%7s5 0,i« Baumwolk. gewebt,...........................** HERMANN TIETZ Künstlergardinen'�ter'�ttfiXI 90°022000 Mullgardinen bch�frim««-. o»»«» 25«� 10«,-»? 14�°° Scheibengardinen.................... 800 9°° Tüll-Gardinenstoffe«rt,«°« brd,........... 14°° Etamine«ot« w t» br»n, ßart-ri......................... 27 Handschuhe Weisse Damen-Handschuhezw.n,�n,urteri l95 Weisse Damen-HandschuheÄÄ 675 Weisse Damen-HandschuhezDrÄlT 975 Weisse Damen-HandschuheKn<>Ä2975 Weisse Damen-Handschuhe�ÄJ�5 WeisseDamen-GlaceÄ�!�...... 3975 Damen-Strümpfe 775 m Herren-Socken � m-,.. ö25 750