Nr. 59 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe fk Nr. 30 Bezugspreis: Wertellährl. SO,— M. monatl 10,— ZK. fcri ins Hau». Borau» zahlbar. Postbezug: Monatlich 10,— SR., fjtL Zu- Nellungsgcdllhr Unter Kreuzband fLr Deutschland und Oesterreich 16,50 SR., für da» übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung Zl.50 SR. Postbe- ftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho-EIowatii. Däne- Marl. Holland, Luxemburg. Schweden nnb die Schweiz.- Eingetragen in die Pokt-Zeimng»-Preislifte. Der.Borwärts" mit der Sonnlag» beNage.Ball und Zeit« und der Unter. hallun.'sbeilage �Heimwelt" erscheint ! wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal Telegramm. Adresse: aSozialdcmotral SeclUr". Morgen-Ansgabe Bcrliiicc Oolksblstt ( 30 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgesgaitene Ronpureillezeil» lostet%— M.. Teueruugszuschlag Uss.v »kleine Zlnzeigea" das fett- gedruckte Won l,— M.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede? weitirs Won 60 Psg. 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Schwarze Soldaken, die aus dem Innern Afrikas«ach Europa gebracht werden, sollen dafür sorgen, daß die weihen Sklaven ihre Pflicht tun. Die Sklaverei wird eingeführt im Name« der Freiheit und Gerechtigkeit zur höheren Ehre Gottes und der Alenfchhe». vier Fahre haben die Völler Europa» unter dem Kriege geseufzt, vierzig Fahre sollen die Menschen, die unter der Herrschaft derer standen, denen die Gegner die Schuld am Kriege zuschieben, dafür büßen. Ihre Linder und Sindestiuder solle« verkommen und sterben. Sie selbst solle« wie die Arbeitstiere am Leben gehalten werden, um für die Sieger zu arbeite«. El« Recht auf die Freuden des Leben» sollen sie nicht mehr haben. Ungefähr ebensoviel, wie da» ganze deutsche Nationalvermögen vor dem Kriege ausmachte, soll im Laufe von 42 Fahre« von de« deutsche» Arbeiter« erzeugt und an die Sieger abgeliefert werdeu, erzeugt in einem Lande, dem mau schon die uageheuerlichsten Lasten auferlegte, seine Naturschähe zum großen Teil genommen und dem man den Absatz der Werte seiner Arbeit nach anderen Ländern unterbindet. Da» deutsche Voll hat sich bereit erklärt, im Rahmen der Möglichkeit den angerichteten Schaden wieder gutzumachen. es ist nicht bereit, zum Vorteil des interuationa le« Kapitalismus zugrunde zu gehen. haßnad Verbitterung werben sich in die herzen ewfreflen, auch in die herzen derjenige«, die ihr ganze» Leben lang sür iniernatlonale Verständigung und für VSlkerverbrüdernng gekämpft haben. Arbeiter der Welt, 3H: habt das Wort! Allgemeiner Deutstijer Hewertschastsbunö. Mgememer freier fingestelltenbunö Ma) Seirat der Zreien gewerkschaftlichen Setriebsrätezentrale. Reöeöuell Tarüieu-Hrianö. Varls. 4. Februar(WTB.) In der heutigen Sitzung der Kam- mer setzte Tardieu seine gestern unterbrochene Rede fort. Er habe gestern bewiesen, daß das Pariser Abkommen an die Stelle der Re- parotionskommission die Regierung gesetzt habe, um. die Schuld Deutschlands festzusetzen. Er Hab« ferner bewiesen, daß die Forde- rungen Frankreichs durch das Abkommen auf 71 Will iarden Goldmart herabgesetzt seien an Stell« der 214 Mil- l i a r d e n, die man zu verlangen Hab«. Einige feiner Kollegen hätten sogar gesagt, die Ziffer von 71 Milliarden sei optimistisch. Nun wolle er seinerseits Anregungen geben. Tardieu stellte fest, daß Deutschland bisjetztnursürlSMilliarden Gold- mark restituiert Hab«, aus Konto der Reparationen habe es 12 Milliarden bezahlt. Es hätte aber vor März 1821 2l> Milliarden Goldmark bezahlen sollen. Er frage deshalb, ob 'es opportun sei, sich mit den Deutschen darin zu finden, daß man sage, der Vertrag sei unausführbar, wir werden ihn ob- ändern. Die Sachverständigen(welche?) häUen festge- stellt, daß Deutschland im st and« fei. den Friedensvertrag auszuführen. Gerade dielen Augenblick wähle man. um di« Forderung herabzusetzen. Schon seit einem Jahre hätte man den Alliier. ten sogen müsien, man müsse sich verständigen, um die strengste Ausführung des Vertrages zu fordern. Man hätte ein ollgemeine» Pfand auf das gesamte haben Deutschlands nehmen müssen, man hätte das Budget, die F in o n- zen, den deutschen Handel kontrollieren müssen und nachher die Annuitäten im Hinblick aus deren Flüssig. machung festsetzen müsien. Seit einem Jahre hätten die Alliierten können und müsien,— die ä u h« r st e Link« unterbricht stürmisch und fragt:»was, was?"— Tardieu fährt fort: Die Klauseln des Friedensvertrages anwenden und von Deutschland Jahr«»- Zahlungen im ungefähren Betrage von 4 Milliar» den verlangen. Seit einem Jahre Hab« man sich keiner Ver. trage klausel bedient. Der Privatsekretär von Lloyd George habe ge- schrieben, wenn di« finanziellen Bedingungen nicht hart wären, wären sie nicht gerecht, die Alliierten hätten seit 13 Monaten Am. putierungen und Verzögerungen ongenonzmen, die von den Vertragsunterhändlern zurückgewiesen worden seien. Tardieu beschwor das Parlament, der französischen Re- gierung klar zu sagen, damit die englische Regierung es auch wisse, daß das Gefühl des Landes keine Souzesfloueu mehr dulde. Lloyd George sei zu sehr Parlamentarier, um nicht zu begreisttn, daß die fronzösischc Regierung nichts gegen den Willen des Parlaments unternehmen könne.(Beifall.) Es wäre ein Pars. bopjiv wenn die Engländer, di« sich mtt den Franzosen gegen Deutschland geschlagen hätten, gegenüber dem Vertrag« von Ver- sailles den Standpunkt von Bethmann Hollweg einnähmen,(hört, hört!) Tardieu wies darauf hin,«elch« Freude die Deutsche» angesichts dieses Echssuspitls ernpfönbea. Er langte von der Regierung, daß sie die Verhandlungen mit den Alliierten wieder aufnehme, da die Konferenz von Paris zu keinen ratifizierten Entscheidungen gekommen sei. Diese Konferenz sei überstürzt gewesen. JK r i a n d sei es gewesen, der 1817 die Unannehmlichkeit überstü�ter Verhandlungen anerkannt habe.(Mi- nifterpräsident Sri and verlangt« Aufklärung. Tardieu ant- wartete: haben Sie nicht von der Möglichkett gesprochen, 1817 Frieden zu schliehea? B r i a n d erwidert«: Jawohl, das ist klar, das gestattet mir, zu antworten.) T a r i« u beendet« feine Rede, indem er feine Kollegen auf- forderte, ihren Willen dahin kundzugeben, daß sie das Abkommen von Pari» nicht annehmen unb wünschen, daß über den Gegenstand die Verhandlungen wieder ausgenommen werden. vriaud* erwiderte: In meiner Naivität habe ich zuerst Freud« empfunden, als ich die Interpellation Tardieu vernommen hatte. Ich kenne, glaube ich, die Vorzüge des verfailler Vertrages, ober ich kenne auch alle seine Fehler. Briand sagte weiter: Tazdieu wisie, unter welchen Schwierigkeiten verhandelt würde. Er müsie deshalb nachstchlig gegenüber einem Manne sein, der diesen Vertrag unter schwierigen Bedingun- gen Hobe zur Annahme bringen müsien und der das Beste für fein Land getan habe. Der Abgeordnete Tardieu habe ein wunderbares Monument der Kritik aufgerichtet. Er habe geglaubt, daß Tardieu, als er gestern in di« Debatte eingriff, habe mitarbeiten wollen. Er habe über den Vertrag itt der besten Periode kurz nach dem Krieg verhandelt zu einer Zeit, zu der das Prestige des Sieges noch vorhanden gewesen sei. In diesem Augenblick konnte man viel ver. langen. War es damals nicht leichter als heute? Denn man hott« die Ergebnisie einer wirtschaftlichen Konferenz, die ich ver» anlaßt hatte, unter den Händen, die die interalliierte Soli- darität empfohlen hatte. Damals hätte man aber das Parlament nicht hären wollen. das mau henk« so felere, damals hätte man seine Mitarbeit abgelehnt und die vollständige Zsollmung der Regierung verlangt. Gewiß bindet dos Abkommen von Paris nicht die Kammer. Die Kammer habe also das Recht, desien Revision zu oerlan- gen. Briand erinnert daran, daß Tardieu ihm vorgeworfen habe, er habe die Erpedition von Saloniki aufgeben wollen. Nach Lobsprücyen aus Doumer und Loucheur sagt der Minister- Präsident, der Verfailler Vertrag sei ausgezeichnet. es fehle ihm aber nur eines, wie den berühmten Zwillingen, nämlich, daß er lebend sei. Um ihm Leben einzuhauchen, müsie man fortgesetzte Anstrengungen machen. Cle- menceau selbst habe gesagt, der Vertrag tönn» nur durch Ewigkeit der Alliierten ausgeführt werden. Tardieu selbst habe die Fehler anerkannt. Die Konferenz von Pari» habe dys Einoerftändms dek Lllnerteu verstärkt. Die Berechnungen über die feststehenden Annuitäten seien genau, aber die Berechnungen über die Exporksieuer seien anzuzweifeln. Jedenfalls aber Habs sich Tardieu getäuscht, wenn er behaupte, Frankreich habe 38 bis 3S Prozent setner Forderungen aufgegeben.' Durch die Vereinigung der feststehenden Iahreszah- lungen mit den abänderungsfähigen Iahreszahlungen habe er da- für gesorgt, daß man verknüpft werde mit dem beut- schen Wiederausstieg. Was die Flüssigmachung der Schuld anbelangt, so bemerke er, daß über diese Frage verhandelt werde. Briand protestiert scharf gegen den Gedanken, Frankreich würde die Frage der Kriegsschulden der Alliierten mit der der deutschen For- derung verquicken können. Er sagt wörtlich: Sie haben glauben können, datzEßngland, dieses große und edle Land(lebhafter Bei- fall), nachdem es sein Blut an unserer Seite vergossen hat, daran denken könne, in einem solchen Konsortium Deutschland an die Stelle von uns zu setzen. Ich will unseren Alliierten nicht die Beleidigung antun, eine derartige Hypothese zu diskutieren.(Lebhafter Beifall.) Er habe die volle Hoffnung, daß die mtt den Alliierten angeknüpften Verhandlungen zu einen) Ergebnis führten. Ein ernsthafter Schritt fei schon getan. Die Lage bleibe schwierig. Die Konferenz von Paris hätte zu einem Ergebnis führen müssen. Er habe ein Gefühl für den Ernst der Stunde. Wenn man verhandle, dann sei es nicht das Parlament, sondern die Regierung, die fähig sein müsie, sich zu verständigen. Wenn die Regierung sagen würde, man sei infolge des Willens des Paria- ments in eine Sackgasse geraten, und wenn die Drohungen mtt einer Ministerkrise genügten, dann würde das Parlament niemand mehr finden, um mit ihm zu reden.(Beifall.) Briand spricht alsdann von den neuen Zollmaßnahmen, die vorgesehen worden feien. Während der Friedensvertrag von Versailles nur Zölle auf gewisse deutsche Produkte vorsehe, handle es sich jetzt um allgemeine Zölle und um Zollkontrolle im Rheinland. Das komme einer m i l t- tärifchen Klausel gleich. Die Regierung könne über Ver- Handlungen von morgen nur mit Zurückhaltung sprechen. Alle Zwangsmaßnahmen würden solidarisch angewendet, so daß es Deutschland von nun an unmöglich sei, den Versuch zu machen, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen,' ohne daß die Zwangsmaßnahmen in Kraft treten. Die Regierung hätte das Recht gehabt, am 1. Januar das Abkorn» men von Spa auszuspielen. Da es nicht automatisch geschehen sei, könne man der Regierung daraus keinen Vorwurf machen. Heute aber befinde man sich einer Gesamtheit von Zwangsmaß« nahmen gegenüber, die in die Erscheinung treten würden, wenn Deutschland in der Entwaffnungsfrage oder in der Frage der Zahlungen in Verzug gerate. Die Kammer müsie entscheiden, ob das ein beträchtliches Ergebnis fei. Man habe Deutschland die Zwangsmaßnahmen nicht notifiziert, weil sie eine Angelegenheit der Alliierten seien und Deutschlaad nichts angingen.(!) Es habe sie nicht zu diskutieren. Wenn nach dem Ab- kommen von Paris die Deutschen seiner Ausführung Hindernisse entgegensetzten, dann werde die jetzige Regierung ihre Pflicht er- füllen, und die Kammer könne sicher sein, daß das mit aller erforder- lichen Strenge geschehe. Briand erklärte, wenn er die Möglichkeit hätte, außerhalb Frankreichs die gesamte französische Forderung zu mobilisieren, dann würde er das nicht tun. Die Weltmärkte tönn- ten eine derartige Forderung ausnehmen, und wenn sie es könnten, da müsse man vielleicht 12 bis 14 Proz, bezahlen. Die Iahreszahlungen würden gestatten, die Zukunft sicherzustellen. Man käme durch sie aus dem wirtschaftlichen Druck heraus und könne endlich eine klare Lage schaffen. In 18 Iahren werde die Lage sich bessern und in den verwüsteten GebietewTJerde alsdann die Tätigkeit wieder aufgenommen fein. Die Pensionen und Reparationen feien für die kommenden Jahre sichergestellt. Man müsie bei den Alliierten Anstrengungen machen, um gewisse Dorteile durch die finanzielle Solidarität zu erlangen. Die jetzige Regierung habe das Möglichste getan. Sie habe Ver- trauen zu Frankreichs Alliierten gehabt und habe versucht, die@<» meinsamkeit der Interessen herzustellen. In allen Fragen habe sie Befriedigung erholten. Jetzt gehe sie nach London. Er könne abcr nicht dorthin gehen, ohne die Autorität zu haben, im Namen Frankreich» zu sprechen. Wenn man ihm nicht volles und ganzes Verttauen schenke, hätte man, wie Tardieu es gesagt habe, selbst einen vorübergehenden Bruch mit den verbündeten ins Auge fassen können. Das fei alles, was Deutschland hätte hoffen können.(Beifall.) Wenn dieser Zustand einen oder zwei Monate gedauert hätte, märe dann das Land nicht in seinen Hoffnungen enttäuscht gewesen? Hätte es nicht schon lange genug gewartet? Wenn die Konserenz kein Ergebnis gehabt hätte, wäre das eine Katastrophe�ür das Land gewesen. Seine Pslicht als Franzose sei es gewesen, zu einem gemeinsamen Wtommen zu gelangen. Er habe sich nichts vorzuwerfen. Wenn die Kommer das auch glaube, dann solle sie es offen aussprechen. (Beifall.) Vincent Anriol(Soz.) spricht von der interalliierten finan- ziellen Solidarität. Nach ihm will Abg. lavier de Maguallon (Royalist) das Wort ergreifen. Da das Haus aber sehr unruhig ist, verlangt er selbst Vertagung. Der Präsident befragt die Kainmer, diese erklärt, daß sie weder morgen noch Montag Sitzungen abhalte» ! will. Die Wetterberatung der Interpellation wird deshalb auf 'kommenden Dienstag nachmittag vertagt. 1 Tie Sitzung endet nach 7 llhr. 1„„_ Lenins Seutsthe Millionen. Von Eduard Bernstein. Die Anfrage des Kommunisten Dürvell an die Reichs» regierung über die von mir behauptete Zuwendung von über 50 Millionen Mark an Lenin und Genossen ist vom Auswar- tigen Amt so beantwortet worden, wie es im Angesicht ihrer verschwommenen Formulierung zu gewärtigen war. Das Amt erklärt, daß sich in seinen Akten nichts hierüber finde. und daß auch kein Anhaltspunkt dafür vorhanden fei» daß das Auswärtige Amt einer Unterstützung Lenins und Genossen durch die deutschen Militärbehörden zugestimmt habe. Käme es der„Roten Fahne" nicht mehr darauf an. mich mit beschimpfenden Redensarten zu überschütten, als die Wahrheit an den Tag zu bringen, so würde sie dem Amt erwidert haben, seine Antwort umgehe den Kernpunkt meiner Behauptung, in der das Auswärtige Amt mit keinem Wort erwähnt war, und würde sie versucht haben, durch eine ge- nauere Formulierung der Frage das Amt zu einer ganz be» stimmten Erklärung zu nötigen. Statt dessen redet sie Ihren Lesern ein, trotz ersichtlichen Bemühens, mir zu Hilfe zu kommen, habe das Auswärtige Amt gestehen müssen, daß an meiner Behauptung„ni ch t s Wahres" sei, und nun helfe � mir„kein Kneifen mehr". Wer einigermaßen lesen kann, dem brauche ich nicht erst nachzuweisen, daß die Antworr des Amts das Gegenteil erkennen läßt. Sie bestreitet, was ich gar nicht behauptet habe, umgeht aber sorgfältig eine Aussage dar- über, ob das, was ich wirklich behauptet habe, mst den Tat- fachen übereinstimme oder nicht. Das Amt bzw. der Minister will es vermeiden, meine Behauptung als richtig anzuerkennen, hütet sich aber zugleich sehr, ihr die tatsächliche Grundlage zu bestreiten. Die Antwort sagt nicht einmal, daß dem Amt nichts von dem Borgang bekannt fei, den ich behaupte. Sie sagt nur. daß sich nichts darüber in seinen Akten finde. Es ist aber im Kriege sehr vieles geschehen, wovon die Akten der Re- gierungsämter nichts verraten. Ebensowenig wie die Frage Düwells ift die wundervolle Zumutung der„Roten Fahne", ich solle f l e ob ihrer g- gen mich gerichteten Schimpfereien auf Verleumdung ver- klagen, dazu geeignet, die Wahrheit unzweideutig an den Tag zu bringen. Ihre juristischen Freunde wissen sehr gut, daß ich auf Beschimpfungen nur mit einer Beleidigungsklage ont- worten könnte, bei der es ganz in der Hand des Gerichtshofes läge, mir die Beweisführung einzuschränken. Mit einem Beleidigungsprozeß vor bürgerlichen Gerich- ten ist bei deren Praxis in solchen Dingen das nicht zu»r- reichen, worauf die Oeffentlichkeit im allgemeinen und die so- zialistische Welt im besonderen Anspruch haben: die unzweideutige Feststellung des Sa ch Verhalts in dieser Frage. Mir, der ich die Schwärmerei der„Roten Fahne" für diese Gerichte nicht teile, würde es am meisten zusagen, den Fall vor einen lediglich aus Sozialisten zusammengesetzten internationalen Untersuchungsausschuß zu bringen. Indes ist das Zustandekommen eines solchen mit soviel Weitläufigkeiten verbunden, daß darüber noch viele Mo- nate vergehen würden, und so habe ich, da auch der Borschlag Kerenskis untunlich erscheint, mich denn denn zu einem anderen Weg entschlosien. Gleich nach Wiederzusammentritt des Reichstages tz. werde ich bei diesem beantragen, den Fall dem zweiten U n- terausschuß des von der Nationalversammlung eingesetz- ten Ausschusses zur Untersuchung der Tnt- stehung des Krieges usw. behufs beschleunigter Er- ledigung zu überweisen und den Ausschuß für diese Angelegen- heit um ein Mitglied der kommunistischen Fraktion zu erwei- tern. Der Ausschuß hat alle für die Feststellung des Tatbestan- des erforderlichen, im Artikel 34 der Reichsoerfassung nieder- gelegten Rechte, und es ist, wie ein Interesse der Sozialdemo- kratie, so auch ein solches der großen deutschen Oeffenllichkeit, daß die Wahrheit über diese Geschichte ans Licht kommt. Der tanzenöe Strauß. Die Iosephs-Legende in der Staatsoper. Ein Ballet der Symbole, eine ungespielte Handlung und eine Illustrationsmusik, mehr ein Nebeneinander der drei Künste als eine Verschmelzung zur Einheit. Dennoch viel mehr als«in Ballett. Dem Grafen Keßler schwebte wohl eine Vertiefung choreographi- scher Inhalte vor, das Einfangen wirklicher Erlebnisse und Gegen- sätze in die Gebärde und Schwungkraft des Tanzes. Daß Potiphars Weib den Joseph begehrt und dieser sich ihrer Umarmung erwehrt, ist kaum der dichterischen, sicher nicht der musikalischen Formung zugänglich. Eine Idee mußte geboren werden, die in sich gleich. zeitig die notwendige Rhythmik des Tanzschritt», vom Kniefall der Demut bis zur Extal« der Gottanbetung hatte, und der die Wurzel, die tönende» Erlebnisse vom unschuldigen bis zum dramatisch ausgelassenen Pathos und zum Dithyrambus der Moste in sich verschloß. Wenn von Joseph» nacktem Körper die Kundry dieser Legende schuldbeladen zusammenkauert, wenn vor der Schön- heit dieses Lebenswertes der Flitter unterhöhlter, schwüler Leidenschast absällt, so Ist im Gegensatz dieser Impulse und Strömungen in der Tat eine Welt der Bewegung, äußerer wie innerer, aufgetan, die nach Melodien und Rhythmus und Tanz verlangl. Diese Idee schwingt in der Ioseph-Legende stark durch, aber ste versteckt sich auch ost wieder hinter dem, was auch früher Ballett war, so daß ost von dem Zentrum des Werts und von der Idee des dichterisch Wertvollen da» Intereste abgezogen scheint. Die Tanze der Lust und der Wehklag« treten dem Schritt der Handlung gegenüber zu selbstsicher auf, und der Entschleierung»- tanz, der da vor dem königlichen Auge in gar nicht versteckter Sym- bolit ausgeführt wird, verletzt durch den beängstigenden Mangel an Zucht und durch seinen Sinnenkitzel. Wenn die Theorie des Dichters auch nicht ganz zur praktischen Tot geworden ist, so sind hier doch Ansätze zu einer neuen choreographischen Fortentwicklung in Menge vorhanden. Strauß hall in der Iosevh-Legende mst seiner Lust an selbst- sprechenden Melodien auffallend zurück. Gerade dem göttlichen Ausblick und der knabenhaften Kraft de» Joseph scheint der mnsi. kalische Vollgehall in gar zu großer Belanglosigkeit des Klanges verloren zu gehen. Unnütz zu sagen, daß viele charakteristische Me- lodik vorhanden ist und daß die Orchesterarbell glänzt: aber nur die Linke schrieb, die der Meistertechnit der Rechten noch nicht gewachsen war. So ist die gewollte Synthese auch zwischen Dichtung und Musik nur glückhast Inspiriert, nicht voll gelungen. Kein Niedergang gerade des Komponisten Strauß, aber ein zielloser Abweg. Die Gesamthaltung der Aufführung war hervorragend. Kr oll er ist zu dem Knaben Joseph ein zu altes Gesicht. Seine Sprünge und Drehungen scheinen auch mehr weiblich als männlich, der Ekstase und der Lust des Gottanoeter» sowie der Reinhell des abweisend Unschuldigen wurde er mst ebenso großer Gebärde ge- recht. Meisterhast auch Frau D u r i e u x in ihrer kalten, inneren Starrheit wie in der glühenden Begehrnis iher katzenhoften Weib- heit. Ste fing Musik und Takt in die Windungen ihre» Körper», die schmale Gelenkigkeit ihrer Hände und das Heben ihrer Fußspitzen aus, ste war rosfig durchglüht und berauscht von Laune, Lieb«. Toll- Um aber den sich so ungeduldig gebärdenden Spezial- interessenten eine kleine Entschädigung dafür zu bieten, daß sie noch etliche Wochen zu warten haben werden, will.ch heute wenigstens ein Zipfelchen des Schleiers lüften, den ganz weg- zuziehen Sache des Untersuchungsausschusses sein wird. So sei denn kundgetan, daß der Erste, der mir von dem merkwür- digen Handel Mitteilung machte, ein preußischer Offizier aus einem mit Mitgliedern der Diplomatie gesegneten Adelsze- schlecht war. Er wußte nicht und weiß bis jetzt noch nicht, mit wem er zu tun hatte, als er a m 3 0. D e z e m b e r 1 9 1 7 ge- sprächsweise zu mir bemerkte:„Uta, es wird ja nun wohl bald mit dem Krieg zu Ende sein, eswardochgut, daßwir Lenin viel Geld gegeben haben." Nachforschun- gen, die ich damals über die Quelle seines Wisiens anstellen ließ, ergaben, daß sie von unzweifelhafter Güte war und seine Bemerkung wohlfundiert sein mußte. Trotzdem beschränkte ich mich darauf, vorerst nur meine nahe- ren politischen Freunde von ihr zu unterrichten. Es mußten noch ganz ander Gewährsleute sich finden und mir Genaueres über den Betrag des„vielen Geldes" bekannt wer- den, bis ich mich dazu entschloß, die Oeffentlichkeit von der Tatsache dieses Handels zu unterrichten. Aus dem Gefchimpf der„Roten Fahne" aber entnehme ich das einigermaßen versöhnende Geständnis, daß sie diese Geldgeschichte für arg kompromittierl'.ch hält. Denn wie könnte sie sonst über„Berleumdung" zetern! �evi wirü weiter perüffelt. Ist der„Roten Fahne" veröffentlicht F r i e s l a n d einen Artikel über allerhand, was ihm nicht gefällt. Darin kommt er auch auf den Brief Dr. L e v i s an den großen Unbekannten zu sprechen, er sagt: Noch deprimierender aber muß es auf die Mitglieder der Partei wirken, wenn der Bor sitzend« der Partei einen s o l ch en Brief schreiben kann, wie ihn die„Frei- heit" letzthin veröffentlichte. Die Entrüstung über den Dieb- st a h l, die viele als etwas überflüssig' empfunden haben, kann darüber nicht Hinweghelsen, daß in diesem Schreiben nicht ein klarer politischer Wille, sondern Empfindlichkeit zum Ausdruck kommt. und die Genossen wünschen nicht von Empfindlichkeit in ihrer politi- schen Arbest geleitet zu werden, sondern sie wollen offene und ein- deutige Fragestellungen und Anteilnahme der Partei an diesen Fragen. Man bemprkt mit Vergnügen, daß�auch unter Kommu- nisten der Ton diplomatischer wird. Sonst hieß es gleich „Judas!" und„Arbeiterverräter!" Aus diesem Grunde ist die Eleganz zu bemerken, mit der hier dem Führer der V.K.P.D. die seidene Schnur überreicht wird'. Die Einheitsfront. Aus den Nebeln des Geredes über die Verbreiterung der Regierungsbasis entwirrt sich endlich ein etwas klareres Bild. Die konservative.Deutsche Tageszeitung" schreibt: Die Frage einer Erweiterung der Grundlagen zu gemciusamer Arbeit der Rechtsparteien ist immer noch in der Schwebe. Die Legendenbtldung, als habe die deutschnationale Fraktton sich dem Gedanken einer engeren Zusammenarbell entzogen, kann wohl als erledigt gellen, Die„Deutsche Tageszeitung" spricht dann über die Hinder- niste, die dem Konzentrationsgedanken im Wege stehen, und schließt: Von deutschnationaler Seit« werden gleichwohl, namentlich auch im Hinblick auf die möglichen sehr ernsten außen- politischen Entwicklungen, praktische Vorschläge und An- regungen'erfolgen. Der Zweck des Ganzen ist danach, dieDeutschnatio- n a l e n mit in die Regierung zu bringen. Außenpolitisch kann das nur schaden, denn die Rückentwicklung Deutschlands von der Republik zur Junkerherrschaft wird uns nirgends Freunde est. Sie wäre das große musttalische Wunder des Abends geblie- e», wenn nicht Strauß, der reich gefeiert wurde, zu Beginn mit dem Geniestreich seines Till Eulenspiegel alle Musik aus zweiter Hand tot gemacht hätte._ P Kurt Singer. Die Zunft gegen die Hamburger lluloerfität. Alle die Korpora- tionen, die den zünftigen Charakter der deutschen Universitäten aufrechterhalten wollen, sind ausgeboten, die Hamburger Universität zu boykottieren Die Mehrheit der Homburger Bürgerschaft hat die Sünde wider den„heiligen Geist der Hochschulsteiheit" begangen, ein Hochschulgesetz anzunehmen, in dem ein in Hamburg bewährtes Snstem der llniversitätsbehörde gewisse Rechte der Berufung von Pro- festoren usw. verleiht. Die medizinische Fakultät in Freiburg i. Br. erläßt eine Bannbulle, in der es heißt:„Angesichts der ungeheuer- lichen Art und Weise, in der in Hamburg die akademische Freiheit und das Recht der Selbstoerwattung der Universitäten geknebelt werden soll, sind wir der Meinung, daß, solange diese Beschlüste nicht aufgehoben werden, sogar dt, Frage zu erwägen sein wird, ob die Hamburger Universität überhaupt al» gleichberechtigt mit den anderen Universitäten anerkannt werden darf. Und weiter:„Das unverkennbare Ziel dieser Unioersttätsbehörde, auch bei der Be» setzung der Professuren pobttsche Gesichtspunkte in den Vorder» grund zu rücken, statt lediglich nach Leistung und Bedeutung In dem betreffenden Fach des Lehrer» Berufungen zu erlassen, muß das Grab jeder echten wissenschaftlichen Forschung und de» Ansehens der Universitäten werden, die fast das einzige wertvoll« Gut sind, das uns nach dem Zusammenbruch von 1S18 noch übriggeblieben ist." Man weiß, was man von diesen Freiheitsbrteuerungen zu hallen hat. Wo waren die Fakultäten, al» auch nach dem Fall des Sozialistengesetzes kein Sozialist Unioerfiiätedozent werden konnte. Wie haben sie das Recht auf freie Forschung verteidigt, als D ü b- ring Leo Aron», etn Lehrer der Physik gemaßregelt wurde — nur weil er Sozialdemokrat war? Geschwiegen haben sie, wie sie auch jahrzehntelang die Nichtberufung von Juden gebilligt haben. Freiheit wollen ste, jawohl, die Freiheit der Zunft, der Klique, der Inzucht. Sie fühlen ihre Privilegien bedroht, weil jetzt auch einmal ein Sozialdemokrat und Jude Professor wird. Wenn nach der Meinung der hochgelehrten Herren einer zu Unrecht berufen wird, warum erhebe» sie ihre Stimm» denn nicht und protestieren dagegen? Nicht nur in geheimen Eingaben, sondern ganz Sttentlich. In Schweden wird jede Besetzung einer Professur in der Presse öflent- lich debattiert, die Kandidaten passieren da» Fegefeuer der össent- lichen Kritik Machen wir es ebenso und geben allen Beteiligten da» Recht, dabei mll offenem Visier zu kämpfen— auch den Fakul- lSOmal.Wenn Orte erwacht.. Vom Aussterben der Ope- rette, vom Versagen der neuen Operetten war hier kürzlich die Rede. In der Tat gibt es täglich neue Beispiele dafür. Aber es gibt auch Ausnahmen. Das Theater am Nollendorfplatz hat zwar mtt seinem Zugstück keineswegs die hohen Nummern von ehemals erreicht. Aber eine Serie von 150 Aufführungen ist schon etwas. Und was mehr ist: dies« Operette überragt das übliche Niveau durchaus. Der Text ist frei von den allzu banalen Albernbeiten, die Musik von Eduard Könnicke hat Melodie und Fr schch« und Eigen- ort auch in der Orchesterwirkung. Dl« Aufführung hat Klang und Schmiß bis ins kleinst«,«ch all« haben ihren Anteil daran. werben und allen Feinden ausgezeichnete Waffen fin: ihre Propaganda liefern. Aber das: n n e r politische Ziel der Deutschnationalen würde damit erreicht, die„nationale Em- heitssront" wäre hergestellt— gegendieSoztaldemo- Die Katze fällt immer auf die Füße, für die äußerste Reaktion bleibt die bürgerliche Sammlung gegen die Sozial- demokratie in jeder Situation der Weisheit letzter Schluß. Deutfcbnationales Iuüenstelö. Auf dem Deutschnationalen Partellag in Hannover hat der Porteioörsitzende H e r g t leidenschafllich bestritten, jemals„Juden- gelb" für die Deutschnativnalen angenommen oder erbeten zu haben. Zur Jllustrierung dieser Behauptung ist ein Brief von Interesse, den der ehemalige demokrattsche Parte Vorsitzende Dr. Friedberg am 18. November 1919 in der Preußischen Landesversammlung vor- las und der von Herrn Hergt an einen jüdischen Herrn ge- schrieben worden war. Der Brief lautet: Sie haben den bisherigen Verhandlungen de» Hauptvorstandes über die antisemitische Frage regelmäßig beigewohitt und wissen über die Gründe, wegen deren das Programm sich auf die bezüglich der Konfession darin enthaltenen Punkte be- schränken mußte, und über die Schwierigkeiten, zu einer präzisierten Fassung zu kommen, genau Bescheid. Ich kann daher meine Verwunderung nicht unterdrücken, daß Sie gleichwoyl auf eine gegenwärtig unmögl che Lösung der Frage etwa in Ihrem Sinne, drängen. Diel wichtiger würde es mir erscheinen, wenn die Herren jüdischer Abstammung, die auf unserem Boden stehen und sich der Partei auch nach außen zurechnen, durch ihr Verhalten, durch ihre Propaganda und durch Opfer, die sie der Partei bringen, die von ihnen erstrebte Stellung in der Partei und die Sicherung ihrer Interessen bei derselben er- kämpfen. Es wäre mir erwünscht gewesen, wenn ich auch von Ihnen statt der beiden Schreiben Beweise dafür erhallen hotte, daß Sie gleichfalls von der Wichtigkeit dieser Aus- f a s s u n g durchdrungen sind und sich entsprechend betätigen. Inzwischen hat die Deutschnationale Bolkspartei wohl Ersah- rungen darüber gesammelt, daß man mit dem Antisemitismus noch bessere Geschäft« macht, und infolgedessen leugnet Herr Hergt mit erhobenem Schwurfinger ab, daß er ein Jahr zuvor bei Juden um Geld geschnorrt hat. » Der K.A.P.D.-H o ch, Arbeitslosenkrakeeler erster Güte und Veranstalter des opferschweren Durchbruchs durch die Bannmeile am 15. Januar, ist jetzt der Held des Tages bei Knüppelkuntzes Pogromhelden. Dort empsiehll dieser Kommun'st als einzig echte deutsche Arbeiterpolitik das Hinaushauen der Inden. So wird er feierlich wieder eingedeusscht. Hoch klingt das Lied vom schlichten Mann, sängt es auch nur mit Groschen an. Das Neichsmietenge�etz. Die Reichsregierung hat dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat und dem Reichsrat den Entwurf eines Reichsmieten- ge setz es zugehen lassen. Der Entwurf gibt unter grundsätzlicher Aufrechterhaltunq der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete des Woh- nungswelens feste Regeln für die Berechnung einer gesetz- lichen Miete. Für die Berechnung der gesetzlichen Miete wird von der im Juli 1914 vereinbarten Miete(Friedensmiete) ausgegangen. Eine Steiaerung dieser Miete darf nur insofern er- folgen, al, sie durch erhöhte Betriebs- oder Instandsetzungskosten notwendig geworden ist. Um die Ausführung notwendiger I n st a n d f e tz u n g s a r- betten zu sichern, wird dem Mieter da» Recht eingeräumt, die Entscheidung einer unparteiischen Stelle anzurufen, die unter Um- ständen die Durchführung Ihrer Anordnungen erzwingen kann. Durch Verteilung der Losten auf eine längere Reihe von Jahren sollen die Mieter davor geschützt werden, größere Mehr- betrüge auf einmal zahlen zu müssen: andererseits soll eine An- sammlung von Geldern in öffentlichen Kassen es dem Vermieter er- möglichen, die kür große Instandsetzungsarbellen erforderlichen Mittel tunlichst bald zu erhalten. Der Entwurf bringt serner Vorschriften über die Tätigkeit von Mietervertretungen, die dem Mieter zur Seite stehen sollen und denen in gewissen Fällen neben und an Stelle des Mieter» Antrags- und Aufsichtsrechte eingeräumt werden. Künstler und Charakter. Der französische Maler ElaudeMonet, der älleste der noch lebenden Mitbegründer der impressionistischen Schule, der im November v. I. auf seinem Landsitz Giverny in ungetrübter Frische seinen 80. Geburtstag begangen hat, teill mit seinem Landsmann Beranger die unüberwindliche Abneigung gegen jede Art offizieller Auszeichnung. Einem Mitarbeiter einer Zeit- schrift erklärte der Maler:„Ich werde nicht wieder nach Paris gehen, da» mich feit vier Jahren nicht mehr gesehen hat. Dazu suhle ich m ch hier inmitten meiner Bäume, meiner Wiesen und Teiche zu wohl. Auf den Hinweis des Besuchers, daß man daran gedacht hat, ihm einen Sitz in der Akademie anzubieten, antwortete der Maler mit verschmitztem Lächeln:„Dazu bin ich zu all, oder vielleicht auch zu jung. Man hat allerding» in dieser R'chtung bei mir Schritte getan.... Ich habe in meinem ganzen Leben nichts mit offiziellen Dingen zu tun gehabt und ich werde Giverny nicht verlassen, auch wenn man mir einen Thron anbietet, und ich werde mich zu einem offiziellen Schritt, zu dem mich die mir zugedachte Auszeichnung ja zwänge, nie entschließen, weil ein solcher Schritt im Widerspruch zu meinem ganzen Leben stehen würde." So svr'cht ein wahrhaft großer Künstler, der stets aucb«In unabhängiger Mann geblieben Ist. Es wäre gut, wenn seine Stimme auch im republikanischen Deutschland gehört würde. Wir sollten mit dem kaiserlichen Plunder der Akademikerei und der Auszeichnungen entschieden Schluß machen und diese absoluttstische Gängelei und Spielerei abtun Die Wissenschaft in Rußland. Die„Kraenaja Gaseta"(„Rote Zeitung") veröffentlicht einen Brief Prof. Einsteins an Prof. Fedo- rowski, worin er verspricht, die Wiederanknüpfung der Beziehungen zwischen der russischen und der deutschen Gelehrtenwelt zu fördern. — Der Rat der Volkskommissare hat beschlossen, die wissenschaftliche Arbell de« Physiologen Pros. P o w l o w zu fördern. Alle Werke diese» Gelehrten solle» in einer der besten Druckereien heraus- gogeden, feine Urheberrecht« sowohl in Rußland al» im Ausland« geschützt und ihm eine erhöhte Lebensmittelrat' on zugebilligt wer- den.(Diese Fürsorge für den berühmten Forscher, der bereits ein- mal totgesagt' war. kommt etwas spät. Pawlow hat— Ironie des Schicksals— speziell die Appetit- und Hungerphysiologie studiert.) Ade, Examensfrack! Der„Bund der Erneuerung für Wirtschaft- liche Sitte und Verantwortung" hat kürzlich an oerschieden« preu- ßische Minister die Anregung gerichtet, bei Prüfungen und Dor'iel- lungen den Frackzwang abzuschaffen. Sämtliche Minister haben dieser Anregung sofort entsprochen. Es wird erwartet, daß sich alle Behörden und Prüfung-stellen im Reich dem Vorgehen Preußens anschließen. Jetzt wäre der Zylinder fällig! Vorträge. Prof. H. Friedcnthal spricht am Sonnabend, 7V4 Uhr, Gevraenstr. 30/31, über„Erde und Menschheit"— Leopold Tibinidt hält im Schiuersaal fünf Vorträge über Veethoren, sein Leben und seine Werte. (Dienstagi. 6 Uhr, Beginn 15. Februar). Wegen die Erhöhung der VorlesungSgebühreu hat sich dt« vereinlaung ailßerorventlicher Vrosetzoren an der ireNiner Universität sowie der Lan< deSverband Preußischer Pripatdo,enten ausgesprochen.(Die Studenten sind selb/werstäiidlich auch dagegen.) Die vorgebrachten Bedenken(Berteue- rnug des StudimnS� Erschwerung des Lehrernachwuchses, Rückgang der Spezialfächer usw.) und sichre«rnsier Natur. Andererseits kann bei dem allgemeinen Pr-iSau?sti-g der Staat allein nicht zurückbleiben. Ei» Aus- Ferch«üöre gesucht Bttbcu. Heilage öes Vorwärts schluß befragt hat. Wir haben volles Verständnis für die Anord- nung des Hauptverforgungsamtes Berün, in der gesagt wird, daß die allgemeine Lage einen Abbau der Lazarette bedinge, müssen uns aber gegen eine Verschlechterung unserer ohnehin schon schlechten Lage wehren. Redner schildert die Nachteile, die den Ka- meraden durch das Uebergangsheim in der Alexandrinen- straße entstehen würden, und spricht sich entschieden für das Ver- bleiben in Tegel aus. Ein in diesem Sinne abgefaßter Schriftsaß sei dem Mitglied der Kommission für die Versorgung der Kriegs- beschädigten, Major von chennig, bereits überreicht worden. Ferner tadell Redner das Verhalten des ärztlichen Leiters der Tegeler An» stalt, Medizinalrats Dr. Saar, der den jetzigen Vertrauensleuten zu wenig Wohlwollen entgegen gebracht habe. Nach dem Referenten sprachen noch Wandersiein und Lange. Dann wurden folgende Forderungen aufgestellt: 100 Prozent Lohnerhöhung, 126 Mark pro Woche als Hausstandsgeld für Ver- heiratete, dazu für jedes Kind 25 Mark, einmalige Beihilfe von SM Mark für Unverheiratete, eine Entlassungssumm� von 1000 Mark für diese und 1500 Mark für Verheiratete, ferner Verbleiben in der Tegeler Anstalt. Eine Kommission soll mit den Fraktionen der Linken des Reichstags verhandeln._ Stromabschneidnngen. Wegen Nichtbeacktung der Schlußfeiieii für die Verwendung von Elektrizität in gastwirrichaftlikben Betrieben(Uebeiichreitung der Polizeistunde) ist aus Anordnung des KohlcnamieS Berlin die ElektrizilälSlieferung an nawbezeichnete gastwirl'lbaftlicbe Betriebe unterbrochen worden: l. Lerbniz-Diele. Inhaber F. D'etz. Kiirsürstcndamm Ol, 2. Weinrestaurant Hugo Fritz. Sdjöreberg. Mortin-Suther-Str 96, 3. Restaurant„Reichskanzler�, Cito Laui. Berlin SW. Aorlftr. 90, 4. Lulher-Diele. Besitzer Oskar Schumann, Berlin. Luthe, str, 20. 6. Odeon-We'nrestaurant, Cbarloitenburg. JoachimSihaler Str. 41. Da« Kohlenamt Berlin wein erneut darauf bin, daß be, Ueber» schreitungen der Schlußzeilen für die Entnahme von Gas und Elektrizität in Gastwirt'chafien die Gas- bzw. Sirornlieierung an d»e betreffenden Betriebe ohne weiteres eingestellt wird. Milchkühe für Kinderheime. Der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen sind seitens der American Dairy Cattle Company in Chicago 25 Kühe für ihre.Kinder- Heime zur Verfügung gestellt worden. Auch das Kraftfutter für dies« Kühe wird, solange es notwendig ist, m'tgeliesert. Kühe und Futter sind Geschenke von deutschamerikanischen Far. mern, die in hochherziger Heimattreu« zur Linderung der Not tnshesonders unter den deutschen Kindern beitragen wollen und noch viele Tausende von Kühen zur Verfügung halten Es wird aber drüben erwartet, daß von hier aus alles geschieht, um die dortigen Hilfsbestrebungen nach Srälten zu fördern. Di« Dairy Cattle Company ist die amerikanische Zentralstelle für die Vermittlung und Be- förderung der gespendeten Milchkühe, welche ohne Prosit« arbeitet und somit ein Wohlsahrtsunternehmen, das allein von dem Ge- danken tatkräftigen Helsenwollens getragen wird. Der erste Transport de? amerikanischen Milchkühe, zunächst 742 Stück, wird heute in Bremerhaven erwartet. Ueber einen großen Teil dieser Kühe ist in Amerika selbst verfügt worden, über den Rest hat der Deutsche Zentralousschuh für die Auslondehilfe verfügt, der im Einvernehmen mit den zu- ständigen Re chs- und Landeszentralbehörden und den ihnen anqe- schlosienen charikativen und kommunalen Organisat onen nach ein- gehenden Erwägungen einen Verteilungsplan aufgestellt hat. Von der Gesamtzahl sollen je drei Elftes nach Ber'in und nach dem 'rheinisch-westfälischen Industriebezirk, je zwei Elfte! nach dem Frei- staat Sackisen und dem oberschlesischen Industriebezirk, je e'n Zwei- undzwanzigstel nach dem Saarbrücker und dem Waldenb'wger Bezirk kommen. 50 Kühe sind für Wien bestimmt. Die Kühe müssen im Ausladehafen eine vierwöchige Quarantäne durchmachen. Mit einem besonderen Dampfer kommt Kraftfutter für das Vieh. Schuljahrbeginn im Frühjahr oder im Herbst? Aus dem Reilbsministeriiim des Inner» wird mifaefnlr ES ist niemals in Frage gekommen,»n Wege reickSgeietzlickien Zwanges«ine Gleichmäßigkeit herbei, lüübren. Vielmehr toben aui Wmiich der deutschen Landrsschulveiwalinn en im ReickSMul- auSflbuß unter Leitung des ReichsministermmS des Innern Ver- Handlungen stattgefunden, um auf rem Wege der Verein- darung die von allen Seiten, besonders auch von der Reich?- schulkonserenz, anerkannten Schwierigkeiten zu beieiligen, d,e die heutige Verschiedenartigkeit de« Schulbeginns für Eltern, Schüler und Schuloerwaltungen mit sich bringt. Schließlich haben sich die Vertreter sämtlicher LandcSichulverwaltungen für den Frühjahrs« beginn entschieden. Nr. 5Y�ZS.�ahrgang GroßGerlln Wo bleibt öie Sestätlgung für Wilhelm paolfen! Zu dieser vor einigen Togen bereits vom„Vorwärts� ankge- worfcnen Frage nimmt nunmehr auch die Freie Lehrergewerkschaft, Ortsgruppe Berlin, in einem Aufruf wie folgt Stellung: »Mitten in der Wahlagitation für den Landtag, mitten in der allgemeinen Bestürzung über die Pariser Forderungen droht eine der wichtigsten inneren Fragen Groß-BerlinS io ganz lang'am tn der Versenkung zu verschwinden, die Frage nach der Bestätigung unfere« neuen SladtschulratS Wilhelm Paulfen aus Hamburg. G« finnungSgenofsen aller Parteigruppen, wenn irgendwann, so solltet Ihr fetzt Eure Solidarität unverzüg« luö bewenen. Die Regierung ist draus»nd dran, durch eine Ver- zögerungstaklik die Bestätigung für Paulfen hinauSzufchieben. Man hofft, nach dem 20. Februar ohne viel Umstände über den Ver- t,auensmann der Berliner Arbeiter zur Tagesordnung übergehen zu können... Von der bürgerlicher Seite regnet es Proteste übe? Proteste gegen Paui'enS Wahl. Jede kleine Gruvve von kirchlichen oder polittichen Gegnern setzt sich am Stammtisch zusammen»nd versaßt die bekannten mit triefendem Pathos vorgetragenen Einwände. �ii zwischen seid Ihr hübsch abgelenkt aus Wahlgefechte und snter« nationale Sorgen»nd seht tatenlos zu, wie man Euch einen hoben Trumpf aus der Hand spielt I Wie ging es bei Löwen- stein? l28 geharnischte Proteste zählten damals gegen 13 viole» tar„che Zustimmungen! Eltern. Lehrer. Jugend- penosien, Partei vorstände! Die Stunde ist kostbar! Tut Euch io'ort zusammen und gebt Eurer Meinuna Ausdruck! Tie Berliner Arbeiter haben den bedeutendsten Per- treter des modernen Schulaedankens berulen. Paulien soll sür Eure Kinder den ersten Grundstein legen für eine bahnbrechende Arbeit an unserem Schulwesen. In Euren Herzen glüht der tiefe Wille zu einer jungen proletarischen LebenSkultiir, die über das veraltet« Theater des Schulebaltens hinaus aus «merer sugendlichen Generation bervorwachsen soll. ES wäre ein schwerwiegender schulpolit, scher Fehler, wenn Ihr Euch jetzt wieder an die Wand drücken ließet. AuS dem Proletariat werden die neuen Lebensformen beraussteigen, vor allem die neue Schule! Gelingt eS den Gegnern jetzt. Paullen abzusägen, fo haben wir noch ans Ja re hinaus die öden und bohlen BildiinaSaewobnheiten des 10. Jahrhunderts zu ertragen. Ihr seht den vernichtenden Rück- gang rings um Euch! Ihr seht da« erfolgreiche Bemühen der Bürgerlickien, ein Neue« auS Eurem Geeste nicht aufkommen zu lassen. Seit Jahrzehnten bat man Encki um Eure Schiilhoffnunaen betrogen. Aul Jabrzebnte hinaus will man jede Reonna eines neuzeitlichen Geiste» auS der Schul« verbannen. An Euch. Ge- nosien und Genossinnen, ist»S, kurz und bündig den Macht- willen des Proletariats kundzutun/ Nach uns �gewordenen Mitteilungen bürste die Bestätigung PaulsenS in Bälde zu erwarten sein. Die lange tzinauSzögerung liegt offenbar in der schleppenden Behandlung dieler Frage durch das Oberpräsidium. Gleichwohl haben wlr geglaubt, diesen Ausruf veröffentlichen zu�sollen, um den konfessionellen und politischen Gegnern des Ge- wähiten zu zeigen, welche Stimmungen ihr hinterhältiges Treiben auslösen. Nene VerstadtlichnngSplSne. Eine Zeiinn Skorreipondenz meldet: Die Verstodtlichung des gesomien Berliner AnichlagweienS und teS gesamten B e- ft a t l u n g S w e s e n S ist vom Magistrat Berlin in die Wege ge- leitet worden. Mit dem Ankauf der Druckerei von Nauck u. H a r t m a n n wird sich die Stadtverordnetenversammlung schon in nächster Woche beschäfiigten._ ver Potsdamer Mörder verhaftet. Gestern früh gelang»« der Potsdamer Kr'mstialpolizei, den Mörder der Frau Beek zu verhallen. ES ist der 24 Jahre olle Sckilosier Hermann Grahl. der bei seiner Mutter in Potsdam in der Junckerstr. 23 wohnt. Gegen 6 Uhr morgen» drangen Kriminalbeamte unter Führung de» KrimmalkommisiarS Fichtemann in feine Wohnung ein»nd sagten ihm die Tat aus den Kopf zu. Nach stundenlangem Leugnen legte er gegen mittag ein völlige« Ge- ständniS ab: wie er tagt, bot er die Tat ganz allein, angeblich aus sadistischen Gründen, begangen. Er war gegen 1 Uhr mittag in der Wohnung der Frau Beck erschienen unter dem Vorwande, den Höbeionnenapparat in dgs Nebenzimmer z» schaffen. Er hat sein Ovier dann mit der rechten Hand an der Kehle gesaßt und eS io erwürgt. Erst hinterher bat er da« Taschentuch um den HalS ge- Schweres Blut. gssj Roman von ZuHanl Ah«. Dahin ist sie, für immer dahin. Sie kommt nicht mit, wenn ich sie auch fände. Es ist so, wie die Mutter gesagt hat. Ich bekomme sie nicht mit Gewalt in mein Boot, wenn sie nicht gern will. Und allein kann ich nichts gegen sie und die anderen. Und wenn ich auch den Wolf totschlüge und meine Marja noch lebendig anträfe— sie isi lo kein Tier, kein H"nd, den man an der Kette nach Haufe führt. Ich mach« sie mir ni�t mehr zutraulich— fo wenig wie früher.— UtH da kam wieder die erschöpfende Mattigkeit über Iuba, so- daß er kaum nach Hause gehen konnte, und er saß tagelang auf der Bank mit dem Kopf in den Händen oder irrte mit bloßem Kops. mit bloßen Füßen, ohne Ausdruck in den Augen, mit schloff geöffnetem Munde auf dem Hof umher. Dann kam er wieder so weit zu sich, daß er nach Weih» nachten sich nach einem Gehöft balbwegs zum Kirchdorf aufmachen konnte, wo dem Propst die Abgaben entrichtet werden mußten. Wenn er von dem einige Klarheit erhielte, wenn der doch zufällig irgendwie etwas erfahren hätte. Wenn er nur gewußt hätte, wie es dort stand— einerlei, wie es stand. Und noch einmal mochte sich Iuha auf. um seine Sache dem Propst auseinanderzusetzen, der sie getraut und ihnen Glück gewünscht hatte. Der Propst saß an dem kosten, sternhellen Februarmorgen im Borderteil seines Laltfchlittens und fuhr vom Hof des An» wefens, wo die Abgaben entri-sitet warben waren, auf das Eis. als er merkte, daß jemand hinten aufsprang. „Wer ist das?� lAch. Iuha. Nun. wie ist's? Ich wollte dich dort schon fragen, babe aber dann nicht mebr daran gedacht." „Ich habe hier gewartet.— Es ist beim alten." „Na, das ist ober eine Geschichte. Sie ist also nicht zurück- gekommen?" „Und kommt wohl auch nicht; sie sagen, sie wäre gern gegangen." Iuha redete ta, bald vebe» dem Schlitten hertrabend. knüpft. In der Wohnung des Tälers wurde ein zweites Tasten- tnck, gesunden, da« ebenfalls mit„D.� gezeickmel ist. Beide Ta>ck>en- tücber gehören seiner Mutter, sie will sie vor einiger Zeit du»ck> Verwechslung bei der Wäsche erhalten haben. Politik«nS Iuöenfrage. Ueber„die politischen Parteien und ihre Stellung zur Juden frage' lvracben i? einer nach den Spickerniälen vom Zentralverein deutscher Staatsbürger ffidischen Glaubens einberufenen Versammlung Reichstagsabgeardneter Dr. Sckiücking und Dr. Steiger, von denen erstem seinem Vortrage die An- s-baunngen der demokratiscben. letzterer die der lbrisilicken Volks- parte!(Zentrnmspartei) zugrunde legte. Dr Schückmq wies darauf hin, daß die nnglückliibe Lage, in die die Vorkriegs, eitli-ve Divlomatie unser Vaterland gebracku habe, den Antisemiten dazu diene, für alles Unglück die Juden verant- Gessent!. Wählerversammlung am Sonntag, den 6. Februar, vormittag? 10 Uhr. in den Kon» kordia-Fesifälen, Andreasstr. 64. Thema:„Zusammenbruch oder Wiederausbau und die preußischen Landtagswablen.' Referenten: Staatssekretär Heinrich Schulz, M.d.R., und Reichs- tagsabgeordnete Klara B o h m- S ch u ch. LandtagSwähler erscheint in Moffen i wortlich zu machen, ebenio habe blinder Wahn in mittelalterlichen Zeiten die Juden als Schuldige bezeichnet, wenn das Land von Seuchen oder anderen Leiden heimgesucht wurde. Heute sei man geneigt, auch die Demokraten al? im Dienst des Judentum« siebend zu bezeichnen, obgleich die Demokratie ein ivezisiich germanischer Gedanke sei. Sie erkenne den Juden die staatliche Gleichberechtigung unbeschränkt zu. Im Wirischaiis- wie auch im Geistesleben habe das Judentum zweifellos dazu beigetragen, unser Volk ans eine höhere Sillie zu bringen. Eine spätere Zeit werde da? Leutiae antisemitische Treiben unbegreiflich finden. Wünschenswert sei allerdings, daß Denischland von einer Ueberschwemtnung israelitischen Volkes auS dem östliche» Europa verschont bliebe. ES müsse Sorge getragen werden, dielen Strom nach Ländern zu lenken, wo er sich gedeiblich ausbreiten könne. Der Völkerbund solle planmätziae Siedelnngen in die Hand nehmen. Heute'gelte es überall zur Einigkeit zu mahnen, kernen Klasienhaß, keinen religiösen Haß mehr zu dulden sLebbaner Beifall.) Der Steiger hob hervor, dnß schon Windthorst, der Gründer der Zentrumsparlei, sich gegen alle Ausnahmegesetze ausgesprochen habe. Dieser Grundsatz»ei auch von der Partei stets befolgt worden. Von deutschnationaler Seite sei freilich das Wort aeprägt worden: in Deutschland müsse da? alte Testament endgültig abgeschafft werden. Dann— so bemerkte Redner, würde eS aber mit allen ReligionSlehren an? sein.(Lebbaster Beifall.) Denn obne daS alte würde das neue Testament. sein« Bedeutung ver- lieren. Hier bestehe die Brücke zu einer aemeiniamen Verständigung deS Bürgertums. Gegen Simultanschnlen dürsten sich nach ieinen Erfahrungen schwere Bedenken wohl nicht ergeben. sie lönnten wohl allen Religionen oerecht werden. In der folgenden Aussprache schloffen, sich die Redner den Ml»- sührungen der Vortragenden an. Protest der Teqeler Lazarettinsassen. Eine Versammlung der Kriegsbeschädigten aus den Lazaretten zu Tegel tagte dort am Freitag, um gegen die Aufhebung dieser Lazarette und gegen die Ueberweisung der Insassen nach dem Uebergangsheim in der Alexandrinenstraße zu protestieren. Das Referat hatte der von den Vertrauensleuten zum Obmann gewählte Kamerad Pech übernommen. Er wandte sich gegen die von der bürgerlichen Presse gebrachten Berichte über die bisherigen Ber- fammlungen der Lazarettinsassen. Man habe die Vorgänge falsch oder übertrieben dargestellt und von„Hetzern" gesprochen. Solche Entstellungen weisen die Kameraden entschieden zurück.(Laute Zu- stimmung.) Wir lassen uns mit unseren berechtigten Forderungen nicht abweisen, auch wenn man uns, die wir mit dem weißen Tode ringen, bestrafen will.(Beifall.) Auch gegen die Behauptung müssen wir fchärsstens protestieren, daß zwischen dem Pflegerpersonal sowie zwischen Vertrauensleuten und Insassen der Anstalt große Uneinigkeit bestehe, ebenso dagegen, daß man nicht Obmann und Vertrauensleute vor dem Auflösungsbe- bald für eine kurze Weile auf die Schiene tretend, zum Propst, was die Magd gesehen und was feine Mutter gesagt hatte: daß Marja gor nicht mit Gewalt fortgeschleppt, sondern daß sie gern gegangen sei. Iuha wartete und wartete, daß der Propst mit dem Peitschenstiel dreinschlagen und sagen sollte: ach was, das ist Weibergeschwätz, sie ist nicht gern weggegangen. Aber der alje Propst erwiderte nichts.„Gern? Steht es wirklicki fo?" Und er sah sie bei der Trauung vor sich, den alten Mann und das junge Weib, und erinnerte sich, wie er sie miteinander verglichen und gedacht, gezweifelt, oder dann dach überlegt hatte: Bielleicht! Nun, wesbalb soll es nicht ihr Glück lein können, da es unseres gewesen ist. „Da ihr uns Glück gewünscht habt." keuchte Iuha. im Schnee trabend,„habe ich mir gedacht, ihr hättet es ja. wenn ihr es nicht geglaubt hättet, nicht gewußt— ihr habt ihr wohl an den Atigen abgesehen, was sie ist." Der Propst verstand nicht recht, was Iuha meinte. „Was sagst du?" �- „Ich meinte nur, wenn ihr vermutet hättet, daß ste so was tun konnte, dann hättet ihr nicht die Haiid gereicht— oder ja— ja, ich meine nur: glaubt ihr, daß sie es getan haben kann? Gewiß» gewiß kann sie. da sie eine Russische ist. „Ach ja. sie ist ja eine Russische." „Ja. Bon dort ist sie. Wenn ihr Blut sie dorthin gezogen hat? Aber brauchte sie es denn darum?" „So etwas kann wohl auch im Blute liegen— ich will nicht sagen, daß es so ist, aber es kann so sein." „Im Blut, gewiß, im Blut. Ja gewiß. Wenn sie es schon nicht besser verstanden hat." „Ich will's ja nicht behaupten, denn ich weiß es nicht— ich meine nur!" Iuha gina hinterher, hielt gar nicht mehr fest— da es auch nach der Meinung des Propstes fein konnte, war es wohl auch so!„ „Ich meinte noch— wenn ich noch etwas sagen darf— „Setzt euch hier auf den Rayd." „Es geht hier schon— ich meine, was der liebe Gott hier- ntst— was er gewissermaßen eigentlich damit gegen mich be- zweckt— tch meine, weshalb er mich so straft?" .Siehst du es für eine Straft an?" „Ach ja— weil es schneidet, als ob mir zwei Messer in der Brust herumgedreht würden. Nämlich, wozu das nur?" „Wenn es darum wäre, weil du sie mehr als Gott geliebt hast?" „Weil ich sie mehr—? oder also Gott weniger?" Iuha schrie fast auf.—„Weniger? Ach, lieber Herr Propst, ich habe Gott darum nicht weniger— eher vielleicht mehr...1" „Mehr?" „Nun, so wahr, wie— ich habe ihn ja gelobt und ge- priesen... daß er mir ein solches Glück gegeben, mir zur Freude eine so Junge und Sanfte gegeben hatte." „Fürwahr, ein sanftes Weib ist ein Geschenk Gottes." „So ist's... die so warm und sanft war— wenn sie nur wollte." „Hättest doch nicht darauf sehen und dich darüber freuen sollen.", „Aber ich habe darauf gesehen und mich gefreut. Und ich schäme mich nicht es zu sagen: jetzt habe ich eine so nagende Sehnsucht danach." „Darin liegt aber nicht das Lob des Weibes." „Worin sonst?" „In sittsamem Wesen und anderen Fähigkelten." „Sie war auch sittsam— gerade genug, ja zu söstr. Und auch in anderen Fähigkeiten tüchtig— ein arbeitsamer Mensch. Der Herr Propst versteht mich schon— habt selber eine Junge — solltet mich nicht tadeln!" Iuha ließ sich hinten von dem SchUtten abfallen und stand allein auf dem weiten See. Wieder war ihm Unrecht gescheben. Nein, nicht ihm, sondern Marja. Auch der Propst glaubte, daß ste gern gegangen war. Was habe ich mich auch hierher auf- gemacht? Was habe ich ihn sogen lassen, daß es ihr im Blut liegt, der Russischen? Aber da er der gewesen ist. der uns getraut und uns die Hand gegeben und Glück gewünscht hat. Aber, zum Teufel, er hat es wobl gar nicht in seinem Herzen gewünscht, wenn auch mit dem Mund! Mochte dies insgeheim gedacht und das gesagt haben. Woher wollte er wissen, daß Marja gern—? Etwa deshalb, weil sie eine Russische ist? Dos mag ihm meine Mutter eingeredet haben, b�it ihm, dem feilen Hund, wohl etwas zugesteckt, damit er so gw mir spräche. Aber Marja ist nicht gern gegangen. Mit Gewalt ist sie weg- geschleppt worden!(Forts, folgt.) Die Wirtschaftlichkeit der Strastenbahn. In dem zuständigen Smdtoerordneten-AuslckiuK erörterte Ober Im Zirka» Vasch ist es Direktor Swsch-Sarrasani naid breizeha � Iahren zum ersten Male wieder gelungen, die große Attraktion der TodeS- '' fahrt durch die offen« Schleis« nach Deutschland zu bringen. Monsieur I?! erforderlichen Mittel müssen zweckmäßig im Kreditwege und nicht aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden. Nach weiteren Dar- legunaen anderer Referenten wies Prokurist L ü d t e.»der mit der kaufmännischen Reorganisierung des Betriebes be- auftragt ist, auf die inzwischen durchgeführten Verbesserungs- maßnahmen in der Buchführung und in der Materialbeschaffung bin. Stadtv. Dr. Steiniger(Dnat.) empfahl, die Tarife unmittelbar auf 1,50 M. zu erhöhen: im Rheinlands würden bei verschiedenen Bahnbetrieben für Strecken von bloß fünf Kilometern 2,50 M. erhoben. Diesem Borschlaqe traten die übrigen Mitglieder scharf ent- gegen: mit dem Eine-Mark-Tarif könnten die laufenden Ein- und Ausgaben ausgeglichen werden, während die unbedingt erforderNchen Erneuerunqsarbciten aus Anleihemitteln gedeckt werden müßten: über ihre Beschaffung wird in der nächsten Sitzung beraten werden. Falls die Stadt Berlin hierzu nicht in der Lage ist, wird empfohlen, das Unternehmen auf gemischtwirtschaftliche Grundlage zu stellen, wobei jedoch die Stadt Berlin den Hauptein» fluß bewahren soll._ Brikettpreiserhöhnnst. Infolge Preiserhöhungen der Produkiion für Braunkoblenbriketts find die Braunkohlenpreise für die Stadtgemeinde Berlin um SO Pf., bei Selbstabholimg ab Lager auf'5,10 M. je stentner, bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Zteller auf lö.tO M. je stentner, mit Wirkung vom 3. Februar ob erhöht worden. D'e Braunkohlen» preiie für die bisher dem Kohlenverband angeschlossenen Orte der Landkreise Teliow und Niederbarnim erhöhen sich ebenfalls um 00 Pf. pro Zenlner. Anmeldung zum Flelschberng. Wer für die Zeit vom 14. Fe- bruar bis 13. März 1021 städtische Fleischwaren beziehen will, muß sich in der Zeit vom 5. bis 10. Februar bei einem der zugelassenen Fleischverkäufer, deren Geschäfte durch die bekannten Magistrats- plakats kenntlich gemacht find, unter Vorlegung der Lebens- mittel karte mit den Abschnitten 87— 90 anmelden. Die Aerteu der höheren Lehranstalten der neuen Stadtqemeinde Berlin für das Schuljahr 1921 sind in folgender Weise festgesetzt: 1. O st e r fer i e n. Schluß des Unterrichts: Mittwoch, den 23. März, Beginn: Donnerstag, den 7. April. 2. P f i n g st f e r i e n. Schluß des Unterrichts: Freitag, den 13. Mai, Beginn: Freitag, den 20. Mai. 3. Sommerferien. Schluß des Unterrichts: Freitag, den 1. Juli, Beginn: Dienstag, den 2. August: jedoch nur für die An- stalten in Berlin(Bezirk 1— 6). In den ehemaligen Vororten be- ginnt der Unterricht am Dienstag, den 9. August. 4. gerbst- f e r i e n. Schluß des Unterrichts: Freitag, den 30. September, Beginn: Dienstag, den 18. �Oktober: jedoch für die ehemaligen Vor- orte: Dienstag, den 11. Ottober. 5. Weihnachtsferi«». Schluß des Unterrichts: Donnerstag, den 22. Dezember, Beginn: Mittwoch, den 4. Januar. 8. Osterfericn 192 2. Schluß des Unterrichts: Freitag, den 7. April, Beginn: Donnerstag, den 20. April 1922. Arbelten der produktiven Erwerbslosenfürsorge. Um der be- kannten außergewöhnlichen Arbeitslosigkeit zu steuern, hatte der Ma- gistrat am 24. September 1920 beschlossen, der Tiefbaudeputation für nachfolgende Arbeiten der produktiven Erwerbslosenfürsorge sofort Auftrag zu erteilen, und gleichzeitig beschlossen, für die noch nicht genehmigten Arbeiten die Zustimmung der Stadwerordnetenver- sammlung erst nachträglich einzuholen. Die Arbeiten sind folgende: 1. Unterhaltung der Straßen und Wege in eigener Regie durch TIefbouamt IV 200 000 M., 2. Instandsetzung von Straßenpflaster ug� Promenaden durch die Tiefbauämter I bis VI 800 000 M., 3. Instandsetzung von Straßenbenennunqsschildern und Straßen- brunnen durch die Tiefbauämter I bis V 170 000 M., 4. Instandsetzung des Bohlwerks Gröbenvfer 10 000 M., 5. Instandsetzung des Bohlwerks an der Spree zwischen Michael- und Schillingsbrücke 42 000 M., 8. Entrosten und Streichen der Putlitzbrücke, Swine- münder Brücke und der Mühlendammbrücke 285 000 M., 7. Instandsetzung der Badeanstalten d"rch die Tiesbauämter l und IV 40000 Mark: zukommen 1347 000 M. Der Magistrat bat nunmehr der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zugehen lassen mit dem Antrage, sich nachträglich m t der Bauausführung der Arbeiten der produktiven Erwerbslosen- fürsoro« einverstanden zu erklären, soweit es die im Haushaltsplan 1920, Kapitel XIV»„Kriegsvorkchußkonto, produktive Erwerbslosenfürsorge'. hierfür eingesetzten Mittel gestatten. Richkstnlen für vrehorgelspleler. Nach der Errichtung der neuen Stadtqemeinde Groß-Berlin sind für Drehorgelspieler und solche Personen, die durch Musikmachen auf den Höfen und an sonstigen Plätzen ihr Brot suchen, Richtlinien aufgestellt worden. Danach wstd die Erlaubnis nur widerruflich, höchstens auf die Dauer eines Jahres und zunächst für den Bezirk eines Polizeiamts erteilt. Der Er- laubnisfchem muß ein gestempeltes Lichtblld des Gewerbetreibenden enthalten. Voraussetzung für die Erteilung der Erlaubnis ist der Nachweis, daß der Antragsteller durch Alter, Krankheit oder Gc- brechen(insbesondere schwere Krieosbeschädiqunq) ganz oder wenig- stens erheblich in seiner Crwerbsfähigkeit beschränkt ist. Der Cr- laubnisfchem wird in. der Regel solchen Personen versagt, die wegen Eigentums- oder Roheitsdelikten in den letzten fünf Jahren erheblich bestraft oder sonst übel berüchtigt sind. Grundsätzlich erhalten keine Erlaubnis d'e nicht im Gebiete der Stadtgemeinde Groß-Berlin wohnenden Personen und alle Ausländer. Degen eines(Drohfeuers wurde die Berliner und die Schöne- beraer Feuerwehr nach der Gleditschstr. 25 gerufen. In einem Geschäft für Automobilbereikunq war Feuer ausgekommen, dos besonders an 100 Kilogramm Bimzin reiche Nahrung fand. Der Brand wurde auf da, Geschäft beschränkt. Der Schaden soll erheblich sein. Zu der Kundgebung für Oberschlesien, die die Vereinigten Ver- bände heimatstreuer Oberfchlester am Sonntag, 8. Februar, 11 Uhr, im Lustgarten(bei schlechtem Wetter im Zirkus Busch und anderen Lokalen) veranstalten, wichen u. a. sprechen die Abgeord- neten Dr. Pfeiffer(Z.). Löfsler(S.P.D.), Pohlmann(D. Vp.), La- werenz(Dnat. Vp.), Barth(S.P.D.), o. Schoch(D.Bp.), Metall- arbetter Watzlawczyk, Rektor Lukaschkowitz. Eharlotkevburg- Spandau. Jeden Sonnabend von 5 bi» 8 Uhr Juristische Sprechstunde im Sekretariat Charlottenburg, Rosinen- straße 4. Der MIetei.Verboild Groß-Berll» veranstaltet«ine Brotestversammlung gegen da» Reichsmieten- und Mieisteuerge'etz am Sonntag. den 6. Februar, 12 Uhr mittags, im Berliner Lustgarten. Der Werkkührer Karl Äirstc, Neukölln. Liberdastr. IS, begeht am 7. Februar das Jubiläum seiner 5 0 j ä h r t g e n Tätigkeit bei der Firma A. Kraft, Fachttschlern sür Buchdruckutensilien. Der Deutsch« Verkehrsbund veranstaltet zu Ehren der Delegierten zur Reichskonferenz am Montag, den 7. Februar, in den Gekam träumen de« Restaurants.Zum Patzcnhofer', Fibicinstr. 2—3, einen Fistkommers mit Künstl-rlonzert, Bortrönen, Ausführungen' usw. Die Eintrittskarte kostet L.tD M.. einschließlich Steuer. Der eventu-ll« Reinertrag findet für wohl. tälige Zweck« sür arbeitslose Mitglieder Verwendung. Ansang 7 Uhr. Vorträi« der Treptow-Ziernwart«. Sonntag. S Febr., 3 Uhr:„Bom Monte Rosa zur asrikanikchcn Küste'(Filme). 5 Uhr:..Das malerische Indien', färb. Lichtb. u. Filme), 7 Uhr:„Bilder aus dem Harz, Thüringen und dem Riefenyebirgc'(Filme): Dienstag, 8. Febr., 7 Uhr:„Die S'ern- bilder und proklische Anleitung zu ihrer Auffindung'(Bortr. m. Lichtb. v. Lrcheiihold': Mittwoch. 0. Febr., 7 Vi Uhr:„Neue Eraebnisic astrono- Mischer Fortchecngcn'(Bortr. m Lichtb. v. Archendold): Donnerstag, Ist. Febr.. 7ü> Uhr:„Die moderne drahtlos? Telegraphi« unter besonderer Beruckstchtigung der Großfunkensiationen'(Bortr. m. zahlr. Experimenten Friedrichshogen. Am Sonntag. 20. März, veranstalten die Elternbeiräte der S.P.D. eine Jugendweihe im Gymnasium. Die Genossen der umliegenden Ortschaften können ihre Kinder ebenfalls daran tellnehmen lassen. Anmeldungen sind an den Genossen Pleß. Fricdrichstr. 126a, zu richten. Zilmschau. „Der verlor«»« Schatten", ein romantisches Spiel in 5 Akte« von Paul Wegener, gelangte im U. T. Kurfür st cndamm zur Uraufführung. Es bietet allerhand Neues und dieses Reue ist reizvoll. Namentlich haben die Schattenbilder Anspruch auf Eigenart, was heutzutage wirklich etwas zu dedeuten hat. Vom ersten bis zum lehten Akt des Films siebt man viel Liebreiz und Zierlichkeit. Und wer den Sinn für Anmut noch nickt ver- loren hat, dem wird dieses romantische Spiel zusagen. Die Schauspieler, Paul Wegener, Lyda Salmonova, Greta Schröder. Hannes Sturm, Werner Schott und der Regisseur Rochus Gliese waren mit Lust und Liebe bei der Sache, und mit Freude kann man bestes Gelingen feststellen. Alles in allem handelt es sich hier um«iuen Film, der stark für sich wirbt. Hrost-Serliner Parteinackrichten. Heule, Sonnabend, den 5. Februar: Abt. Bezirkofflhrer, Material abhole» bei Droge. ...«bt. 7 Uhr bei Stclnke, Ziitterstr. 115. Zunttionitrslßung. «.«bt. 7)4 Uhr bei DUchel, Ebrrtnstr.<5."...... 13. Funktionitrsttzung. »ildllng-auoschuß Steglitz.« Uhr im Restaurant Berlimire-, Ecke Auge. (trade, wichtige Sitzung. Das Erschemen aller Mitaliedcr ist unbedingt Pflicht. Zungsozialistca. Gruppe Hermsdorf: Lokal von Böttcher Unterhai. tungsabcnd.— Arbeitsausschuß: 6 Uhr Sitzung im Vorwärts gcbäude. «rbeitsgemelaschaft sozioldemotr atischer Lehre» und Lehrrriaa«»: Die an- gesetzt« Sitzung fällt wegen Landtagswahlarbelt aus. Morgen. Sonntag, den 6. Februar: SO. Abt. Kindervorstellung In der Schulaula, Petersburger Str. t. Acht- btlder, Kaspertheater. Rinder tO Pf., Erwachsen« 1 M. starten find zu haben bei: Rohnedorf, Petersburger Str. 8«: Halbig, Zrankfurter Allee 2»! Ohlendorf, Petersburger Str. 2«: Äitfchk«, Straimannstr.<1; Seifert. Eadin» Str. Z. 2«. Abt. 10 Uhr vormittags pri Schütz, gelterstr. 2, FunktionärNtzung. 1«. Abt. Suns»slhule. Heute abend 7 Uhr Bersamm- Schuir(Aula) Petersburger Str. 4. Tagesordnung: MMAtzt- I oonn- „Zieuer« Har- 1913/1919 1920.. monium: Aus„Margarete'(Gounod). Gäste willkommen. Gerickitszeitung. Fabrikattou falscher So-Akark- Scheine und deren Verbreitung bil- deten die Grundlage eines umfangreichen Münzfälschungsprozeffes. der gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann. Der Fälschung sind beschuldigt die Stereotypeure Richard Walter. Erich Hippe, Willi Seil und der Eigentümer Willibald Müller. serner der Stereotypeur Karl D 2 b n e der Beihilfe und der Kauf- mann Alfred E n d e r» der Hehlerei. In der fjermannfchen Druckerei in der Beuthstraße, wo im Herbst 1919 die Hilfsbanknoten vom 20. Oktober 1918 gedruckt wurden, gelangte Waller mit Hilfe des Dähne vorübergehend in den Besitz des Klischees zu dieser Banknote und stellte von diesem Klischee Matrizen her. Dann arbeiteren die vier erstgenannten Angeklagten gemeinsam an der Herstellung falscher 50-Mark-Scheine, die in dem Müllerschen Hausgrundstück, Forster Straße 32, vor sich ging. Nach den Feststellungen de» Krtmtnalkom- misiars Liebermann von Sonnenburg sind jedenfalls ganz erheblich« Mengen dieser SO-Mark-Ech«!ne au, der Geheimdruckerei in Verkehr gebracht worden. Bon einigen Angeklagten werden Einwendungen bezüglich ihres Geisteszustandes erhoben. Die Sache de» erkrankten Dähne mußte abgetrennt werden. Für die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffenttichkett stattfindet, sind mehrere Tage angesetzt. aller Welt. 150 OO« Tonnen Kohle unterschlagen. Die Brüsseler Zeitungen berichten über Unterschlagungen, die in Herbesthal und Welkenraed entdeckt wurden. Ein An- ! gestellter des Bahnhofes in Herbesthal habe es verstanden, von den eweiligen Kohlenzügen, welch« aus Deutschland kamen, immer einen oder mehrer« Waggon» abzukoppeln, die Waggons auf ein andere» Gleis schieben zu lassen und dann die Auffchriften der Bestimmungsorte zu wechseln. Auf dies« Weise seien etwa ein Dutzend Waggon» mit etwa 150 OVO Tonnen Sohlen unterschlagen worden. Die Unterschlagungen betreffen sowohl Frankreich, wie Belgien, denn»» handelte stch um Liefe- rungen, die Deutschland diesen Ländern machte. Der Schuldige ist bereit» verhaftet worden._ Entschleierter Word. Dieser Tage wurde au» München berichtet, daß der au» Mainz stammend» Mediz'nstudent Dr. jur. Walter L e b r e ch t sich in gmmenstadt im Allgäu im Eisenbahnzug» vor den Augen seiner Frau erlchossen habe. Jetzt wurde festgestellt. daß es sich nicht um Selbstmord handelt. Frau L e b r e ch t und der im Eisenbahnabteil anwesend« Freund de» Ehepaare«, der aus Main, gebürtige Maler Rolf Schott, wurden unter dem Verdacht des Morde» verhastet und von dem Staatsanwalt wurde die Obduktion der Leiche angeordnet. Zw'schen der sell Weihnachten verheirateten Frau Lebrecht und Rolf Schott bestand ein Liebe»- verhältni».■ Hinrichtung eine» Raubmörder», ver Väckergehilfe Lauten- bacher aus Pfarrkirchen, der seine Tante ermordet und beraubt hatte, wurde im bayerischen Strafvollstreckungsgefängnis Stadelheim erschossen.___ Sport. Da» Brandenbnrgische Kuusttnene», das bereits im Borsah?««t einer glänzenden Veranstaltung ausgebaut war, erlebt am lS. und 18. Februar seine Wiederholung. Diesmal in bedeutend erweitertem Rahmen, da es auch dir Frauen und älteren Herren zum Weltkampf heranzieht. Die Meister bzw. Sieger werden an den Meisterschastswettkämpfen der Deut- ig teilnehmen. Das Meldeergebnii zu den ein- schen Tnrnerschast in Lcipzi.,_________ zelnen Wettbewerben ist wider Erwarten groß ausgefallen. Zum ltz-Kamps der Männer hoben sich nicht weniger alt 3S der besten Detturner Berlin» und der Mark Brandenburg gemeldet. Der lO-Kamps und die Bvrkämpse gelangen bereit« am Sonnabend, den lL., nachmittags 8 Ahr, zum Ans- trag, Mr Männer w der Turnhalle Brinzenstr. 70. für Frauen in der ..„..._____..._______ Turnhalle Wrangelftr. 137. Di« Hanptkämpse beginnen am Sonntag, den u. FUmen v. Oberingenieur Nairz); Sonnabend, 12. Febr., 5 Uhr:»Aus, 13., nachm. 3 Uhr, in der Tuniholl« Priluenftr. 70. Vorverlaus an den ferne» Landen'(Zillne)- 1 üblichen Stetten. Wirtschaft Erfolge der geuosseaschaftlicheu Versicherung. Die.BolkSfür sorge', gewerlschaftlich-genoffenschaftlick« Versicherungsaktiengesellschafl in Hamburg, hat im letzten Jahre einen außerordentlich schönen Erfolg erzielt. Trotz der großen Schwierigleiten infolge der nngünstigen Lage am Arbeitsmarkt konnte in diesem Jahre allein s a st d i e H ä l f l e der in den vor- aufgegangenen sieben Jahren zusammen abgeschlossenen Beificherungen neu zum Abschluß kommen. Die Versickerungs- summen haben sich entsprechend der Geldentweitung bedeutend erhöbt. Einen Ueberblick über die Entwicklung gibt nachstehende Tabelle: Ergebnisse 1913 bis 192 0. Anzadl Gesamt- Im Durchschnitt dce Jahrgang der abgeschlossenen Berfichcningssumme einzeln. Perstcherunz Versicherungen Mark Mart .. 472 144' 183 243 464 384 .. 233 727' 314 873 500 1359 Insgesamt... 705 871' 477«18 984 728 ') einschließlich Sparversicherungen, wofür eine BersichetUNgS« summe im voraus rnchl festgesetzt werden kann. Auch diele Ziffern sinb ein erfreulicher Beweis dafür, daß der genoffenichaftliche Gedanke weiter siegreich fortschreitet- Die Arbeitnehmer sollten auch fernerhin darauf bedacht sein, ihre Versicherungen nicht mit kapitalistischen Privaiversichelungen, son- der» mit diesem genossenschastlichen Unternehmen abzuschließen. vaukosteuzuschüsse für ländliche Siedler. Zur Förderung des Wohnungsbaues hat die Preußische Landesversammlung erhebliche Mittel bewilligt, von denen ein Teil auch den ländlichen Siedlern zugute kommen soll. Der preußische Landwirtschafts- minister ersucht die gemeinnützigen previnzieUcn Siedlungsgejell- schoflen nunmehr umgehend um Bericht über den im Jahre 1921 zu erwartenden Bedarf an Baukostenzuschüssen oder Darlehen sür die ländliche Siedlung. Es soll berichtet werden, wieviel sied» lungsbereites Land für 1921 zur Verfügung steht, wieviel Anstedlerstellen von'A bis etwa 20 Hektar daraus gebildet werden sollen, mit welcher Zahl neu zu erbauender Gehäste mit Sicherheit gerechnet werden kann. Ueber diese Punkte erwartet der Landwirtschaftsminister Bericht bis spätestens zum 10. Februar. Ferner ersucht der Landwirtschastsminister noch um Mitteilung, ob das verfügbare Land für die vorhandene und zu erwartend« ernsthafte Nachfrage genügt oder ob weiteres Land durch B e r k a u f oder Enteignung beschafft werden muß. Lebenshaltungskosten. Nach den Aufstellungen des Statistikers Dr. Kuczinsky gingen die Lebenshaltungskosten im Monat Januar etwas zurück. Für eine vierköpfige Familie wurde ein wöchentlicher Mindest aufwand von 323 Mk. errechnet gegen 330 M. im Dezember 1920. Damit ist aber das Existenzminimum immer noch höher als in den Monaten August bis November. Die„Erfolge' der bürgerlichen Ernährungspolitik kennzeichnen folgende Angaben: Bon Januar 1920 bis Januar 1921 stieg der Prei» für ein Pfund Brot von 55 Pf. auf 1,18 M.. K a r t o f f e l n von 23 Pf. auf 52 Pf.. Butter von 12,60 M. auf 20 M.. Zucker von 1,03 M. auf 3,80 M. 79 Pro). Ausschüttungen schlägt die Gla»- und Spiegel« Manufaktur-Aktiengesellschaft Gelfentirchen- Schalte vor in Form von 20 Proz. und Auszahlung von 500 M. auf jede Aktie zu 1000 M. Reichszuschuß zur Leip-iaer Riesle. Der Reichsrat hat dem Dorschlag des Reichsmirtschastsmimstcriums, einen P r o p a» gandazuschuß in Höhe von fünf Millionen Mart zur Leipziger Messe für 1920 zu bewilligen, zugestimmt. Schlechte Wagengestellung für Kohlen. Die Wagengestellung für den Kohlcntransport war trotz der stark erhöhten Aufnahme- fähigkeit der Wasserstraßen in der letzten Woche so ungünstig, wie in keiner der vorausgegangenen Wochen. Gestellt wurden arbeitstäglich nur 17 948(in der Vorwoche 20 837) Wagen, bei einer Fehlziffer von 9449(3878) Wagen. Die Lagerbe st ände nahmen von 1 017 218 Tonnen auf 1 082 425 Tonnen z u. Die Leistungen der Duisburg-Ruhrorter Häfen und der Rheinzechenhäsen sowie der Kanalhäfen gingen in Anbetracht der günstigen Schifsahrtsver« Hältnisse wesentlich in die Höge. Sfinnes-Gründung in Ostpreußen. Der Sttnnes-Konzern hat in Königsberg unter der Firma Ostpreußische Maschinen- gesellschaft m. b. H ein neues Unternehmen mit einem Stammkapital von 3 Millionen Mark errichtet. Die Königsberger Maschinengenossenschaft, der von der neuen Gesellschaft eine Be- teiligung vorgeschlagen worden ist, wird in ihrer bevorstehenden Generalversammlung zu dies-m Angebot Stellung nehmen. wirtschoflskrifl« und Genossenschaften. In einer Versammlung in Port stellt« der Direktor Thorpe der Großeinkaufsgesell- schaft englischer Konsumvereine mit Bedauern fest, daß allein in zwei Artikeln seit Anfang Oktober der Umsatz um 800 000 Pfund Sterling(mehr als 12 Millionen Mark) zurückgegangen sei. Zahlreiche Produktiobetriebe arbeiten mit ver- kürzter Arbeitszeit, und wenn kein Wandel eintrete, werde das anhatten und auf weitere Betriebe übergreifen.— Das geplante englisch» Genossenschoftsftschereiunter nehmen ist nicht zustandegekommen, weil die inFrag« kommenden Fischer das erforderliche Betriebskapital nicht zusammenbrachten und die Rc- gierung es ablehnte, ihnen ein Darlehen zu diesem Zwecke zu ge- währen. Der Sekretär der Genossenschaft hat den Zeichnern davon Mitteilung gemacht und die Rückerstattung der gezeichneten Beträge angekündigt. .Tranzöflsche» Kapital in den Zeppessnwerken. Di« Meldung, daß französisch« Interessenten eine Verbindung mit der Zeppelin-Gesellschaft aufzunehmen suchten, wird von be« teffigter Seite bestätigt, wenn auch ein Abkommen bisher nicht ab- gefchiossen wurde. Ein Abkommen mit aussändifchen Gesellscha:'°i wich in der Zuschrift als unbedingt erfocherlich bezeichnet. Die B»- stimmmigen des Friedensvertrags und noch mehr(eine Auslegungen legen Deutschland» Lustschiffahrt und-betrieb noch für geraume Zeit lahm, rväbreird das Ausland stch ihrer zu bemächtigen sucht. Der Ausschluß Deut'ckland» au» der Internattona'en Luftschiffahris- konventton versperrt ihnen ferner feglich« Betätigungsmöglichkeit im Fernverkehr, der allein ein Feld für die frich ich« Betätigung der Lufffchiffahrt ist. Di« einzige Möglichkeit für Deutschland, sich eine Mitwirklina und eine führende Roll« im Lusttoeltvertehr der Zukunft zu erhalten, liegt darin, Anschluß an diejenigen Staaten zu gewinnen, die für uns geographisch und politisch nicht zu um» gehen sind. Ver Kanal Venedig- INallavd in Vekrieb. Zinn erstenmal fiibren einige größere Tcbiffe vinch den Kanal Veneria— Mirland. Damit ist der erste Schritt sur Berwirtiichiing des nroßen Projelte« der Bii'nei'schiffabrj in Italien gemacht, da» die Sckiffbarkeit des B o bis Turin»yd eine VerbinPnna des Stromes mit dem Lag» Nagqiore. dem Cimoi'ee uni dem L:igano>>e plant. Amerikanische» Gründungsfiebe'. Die Gründuna neuer amerl- konischer Gesell'chaften mit einem Grundkapital von 1000 000 Dollar und darüber ichlägt laut FPS. den Rekord sämtlicher vorauf» negongener Jahre. Das in diese Undernehmunn-m hineinaeffeckte Kapita! erreicht inrgffamt eine Höhe von 13 998 944 200 Dollar. Jeder Industrie- oder Ge'chäftszwe'g wo' in diesen Gründungen vertreten, wenn auch Schiffs, und Chemiekonzerne ebenso wi«O«l. und G a s g e s« ll s ch aste n am lebhaftesten an Wesen Spekulationen beteiligt waren. Mus Ser Partei. Auch in Halle geht es aufwärts. Der Hallefche Bezirksverband hm in der Woche vom 1K. bis 23. Januar eine Werbewoche veranstaltet und dabei schöne Erfolge erzielt. Wir haben 1380 neue Abonnenten für die »V o l t s st i m m e' gewonnen und SSO neue Parteimit- glieder. Der Bezirk Halle, der nach der Spaltung der Unab- höngigen Partei zu einer kommunistischen Hochburg wurde, ill für unsere Partei natürlich überaus schwierig zu bear- beiten. Wer diese Tatsache berücksichtigt, wird den Erfolg der Roten Woche als ein außerordentlich günstiges Zeichen für die zukünftige Entwicklung ansehen. Während es bisher außer- ordentlich schwer war, unter Arbeitern für unsere Partei zu werben, kann gesagt werden, daß von den neugewonnenen Parteimitgliedern und Abonnenten die meisten Arbeiter waren. Auch die Grün» dung von neuen Ortsvereinen gelingt heute in Orten, wo das bisher absolut nicht möglich war. Obwohl noch immer sehr st acter Terror in den Betrieben, in denen die Kam- munisten die Oberhand haben, ausgeübt wird, so merkt man doch, daß seine Wirkung immer schwächer wird. In den Kreisen unserer Genossen zeigt sich nunmehr wieder ein erfreulicher Kampsgeist an Stelle der Zurückhaltung, die sie bisher vielfach geübt hatten. So zeigen sich überall die besten Borboten für eine stabile Auswärtsentwicklung unserer ganzen Bewegung im Bezirk. Nicht sprunghaft, aber sicher geht es vorwärts. Den höchsten Parleibeilrag erhebt der linksrheinische Bezirk Niedcrrhein-Krefeld. Männer zahlen 75 Pf. und Frauen 50 Pf. pro Woche. Den Frauen wird dafür die„Gleichheit" geliefert. Genosse Tusar tn Derlln. Der ehemalige tschechische Minister. Präsident, Genoffe Tusar, tritt heate seinen Posten als Gesandter in Berlin an.______ ?ugenüveranstattunyen. Sonntag, den S. Februar, vormittags: Set»ildbnin»«»! Jugendheim Schute Gxtrnhuraer Str. 2. Museum gbetuch. Treffpuntt g Uhr Normaluhr Bad-, Elke Echwcdcnstrahc.— Neuenhage»: Man» dorung Strausberg— Spltzmahlc—Strau»h«rg. Treffpunkt VzW Uhr Bahnhof ~"~" Uduser Str. 3'8. Wanderung! Neuenhagen.— Norden: Jugendheim Erkner— ifangschleuse. Trrffpunkt Bhs. riu s« ntonplatz.— Westen: Jugendheim Baugewerkschule, SurfSrsicnstr. III. ng: Oranienburg— Leiten.~"' 8.4J Uhr.— Nordost: derung plintttti. des Märkischen reffp cnstr itsda: ■. I. Wem» Treffpunkt Bitlow-, Ecke Potodamer Strohe, Jugendheim Siealfchule Pasteurstraßc. Besuch seums. Treffpunkt 10 Uhr am Museum. � �susintrsgung Brikett-KunilGiiiiste vom I. bis 10. Februar 1921 Falls Sie mit Ihrem bisherigen Kohlenlieferanten wechseln wollen, erlaube ich mir Sie auf mein in der Schierkestr. 31-34 sich befindendes Kohlenlaser und Holzpiatz aufmerksam zu machen. Weise nochmals darauf hin, daß Kohlenlieferungen Ins Haus prompt und reell wie bisher ausgeführt werden. Bei Selbst» abholung ab Platz werden Handwagen zur Verfügung gestellt. nirB* Albert Lindner � 4» Kohlengroßhandlung � a* A Neukölln, Schierkestr, 31-34 AM**-----—--*-- �— an der HermannstraBe Fernsprecher Nenkälln 470------- Das ist sie e Tuchfabrik-Niederlage• »an kl. Lamprecht, Berlin. Treptow, Bonchestr.(Z, veetautt ISerrenSoH« zu Fabrikpreisen an Brwote Pianos a. iiukers legenbeit.< nch Wie, ».»lerande tonschän, äußerst preitwerke NausgelegenHeii. Garantie, freie Lieferung. Wieoner, Dtrcksen- stroßeZS.HllexanderpIatz— Börse. 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Sarrasani I Todesfahrt durch d.ofie e I Schleife Nur noch wenige I Tage: Qrel'ls Traum.| Tägl. 7®, Sonnt u. Mittw 1 I 3 Uhr. Vorverk. Clrcusk Behrenstraüc 84 Allabendlich?V, Uhr D. lustige Spielplan 12, Rciaes Variet6 Prooramm Rauchen gegnnttctt R8iclishail.-Tliealef Abds. 7'/t U. u. Sonnt. nachm. 3 L'hr: SMSgW! Nehm, halb Pr VarietdDdnhoff. Brettl Ans. 6", Schall und Ranch im urußen Schauspielhaus Dir. Hans v. Wolzogen. Telephon: Norden 8043. Koni. T/t Ü, Beginn SV, U. Das g rotte Februar• Programm Die Bdse von Stamhiil mit Mizxi Delorm und Arnold Rieck Admiralspalast Ball der Karikaturisten Morg.3Va.' Die lustige Puppe 7'/, Uhr. Die roten Schuhe MkdM Varlct6-Caf6 jEoritzplatz OranlenstraBe 83 34 Täglich 8 Uhr: Elite-Programin r-HeäeWelf—, A. Scholl, Hakenheide 114 Sonnabend, d. S. Februar: IV. Cirofier Alpenball Saalöffn.SUhr, Anf 6 Uhr Sechs Kapeiien 30 bayer. Mad'l s orrent Hochbahnhof Schleslscbee Tor Eine teile Nacht und der große ErtttTnnngM- Varietö-u.Kabarett- Hplelpisn. 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Auf einem vom Präsidenten der Republik zu Ehren des Marschalls Piüudsti gegebenen Festesien brachte M i l> lerand einen Trmtspruch aus. in dem er auf die traditionelle Freundschaft zwischen dem französischen und dem polnischen Dolle hinwies und diezwifch.nFrantreichundPolen bestehende Entente eine der festesten Friedensgarantien für Europa nannte. In seiner Antwort sagte P i l s u d s k i u. a., Polen sei sich volltom» men der friedlichen und zivilisatorischen Mission bewußt die ihm seine Lage in Osteuropa auferlege und die der Frankreichs im Westen entspreche. Er erblicke in der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden Länder ein Unterpfand ihrer Sicherheit und die Bekräftigung der Herrschaft des Rechts in Eurepa. , Der polnische Außenminister S o p i e h a erklärte den Vertretern der Presie u. a.: Ein Militärabkommen zwischen Frankreich und Polen ist«och nicht reis. die Notwendigkeit einer militärischen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Polen jedoch unbestreitbar, und sie muß meiner An- ficht nach bald verwirklicht werden. Wenn Polen nicht gut bewaff- net ist, so stebt es außer Fraqe, daß es erneut von dem Bolschewis- mus angegriffen werden muß. Wenn wir jedoch«ine solide Armee haben, so verringert sich diese Gefahr. Der Vertrag von Riga wird bald unterzeichnet werden. In den meinen Punkten ist ein Abkommen hergestellt. Es begehen in Details Meinungsoerfchieden- heiten, die uns viel Zeit verlieren losien Wir können nicht von schlechten Absichken der Soweset- regicrung sprechen, aber diese zeigt keine Eile, um den Friedensschluß herbeizuführen. Sapieha erklärte sodann, es stehe außer Zweifel, daß die Mehr» heit in Oberschlesien für uns ist. Wir sind uns über den Ausgang des Resultats der Abstimmung niebermittlungsfehler oder Doppelsinnigkeit? Red.) sicher und wir sind überzeugt, daß alles ohne Zwischenfall vor sich gehen wird, denn wir sind durch die Bestimmungen de» Dersailler Vertrages gesichert. Zum Schlusie erklärte Sapieha: Polen beabsichtige nicht, eine antideutsche Politik zu betreiben. Dank dem Beistand der Alliierten sei Polen keiner größeren Gefahr ausgesetzt. Polen will«ine friedliche Rolle spielen und in guten Beziehungen mit seinen Nachbarn und den Alliierten leben.— General S o s n o w s k i, der polnische Kriegsminister, be- stätigte dies und fügte hinzu, daß öv Prozent der polnischen Effet- tiobestände demobilisiert worden seien. Paris, 4. Februar. sTU.) Das„Petit Journal� meldet, daß Marschall Fach im Hotel Grillon eine«ineinhafbstündige Be- sprechung mit Pilsudski hatte. Krise in Ungarn. Wien, 4. Februar. �Eigener Drabtberickt bei.Vorwärts'.) In der ungarischen.Nationalversammlung' ist es aus Anlaß einer Abstimmung in der KönigSsrage zu einer Regierungskrrse ge- kommen. Die Legitimisten planten einen Vorstoß zugunsten der Wiederein'übrung König Karl«. Um dem zuvorzukommen, hatte die Partei der kleinen Landw rte die Regierung aufgefordert, fick, klar und deutlich auf den Standpunkt der freien Königswahl zu stellen. Ministerpräsident Teleki antwortete ausweichend und verluchte unter Hinweis auf die außenpolitischen Ge- fahren lBeneich-Redek) die Entscheidung der KönigSsrage aufzu- schieben. Bei der Abstimmung blieb die Regierung mit 2b Stimmen in der Minderheit. Damit ist eine Krise entstanden, die nur durch Rücktritt der Regierung oder durch Auflösung der National- Versammlung beigelegt werden kann, fall» nicht die Legitimisten durch einen Putsch die Angelegenheit auf ihre Weise erledigen. DaS Abstimmungsergebnis selbst bedeutet ein« Niederloge der unaoriichen Aristokratie und einen Sieg der kleinbäuerlichen Elemente, in deren Reihen sich übrigens auch zahlreiche republi- konisch Gesinnte befinden._ vergebliche Proteste. Frankfurt a. RU 3. Februar. Laut.Frankfurter Zeitung' meldet der„Temps' aus Koblenz: Der Hohen Kommisston sind drei Proteste des deutschen Kommissars für das be- setzte Gebiet gegen drei' Verfügungen der Hohen Kommission zu- gegangen. Die Proteste betreffen 1. die gerichtlichen Maßnahmen, die getroffen werden, um die schuldige Achtung vor den Mit- gliedern der Besatzungsmacht und der Hohen Kommission, den Fahnen und mil tärischen Abzeichen der Alliierten zu sichern; 2. die Ausnahme der Hilfsquellen, die dazu dienen müssen, um den militärischen Bedürfnisien im besetzten Gebiet zu genügen; Z. die Strofmaßnahmen gegen den Versuch und die Teilnahme an-Der- brechen oder Delikten gegen die Sicherheit der alliierten Heere. D'e Hohe Kommission antwortete dem deutschen Kom- misiar, die Verfügungen seiin hinsichtlich der Rechtsfrage als auch der Bedürfnisse der Heere und der Lage im besetzten Gebiet Gegen- stand eingehender Prüfungen gewesen. Insolgedesien könne seiner Forderung in keiner Weise entsprochen werden. Weltfriedenskongreß in New gork? London, 4. Februar.(DA.) Die.Limes' meldet, daß Har- ding für den 4. April, also vier Wochen nach Antritt seiner Präsi- dentschaft, den konstituierenden Kongreß der Weltfriedens- Vereinigung(World union of peace) nach New Park einbe- rufen hat, zu dem auch Deutschland und Oesterreich eine Einladung zugehen wird. Die Kriegsverbrecher. Veber beoorstohende Verhandlungen gegen Kriegsverbrecher wird der D. A. gemeldet: Da» Reichsgericht hat bezüglich der ersten elf von der Entente namhaft gemachten Kriegsschuldigen nunmehr das Vorverfahren zum Abschluß gebracht. In vier Fällen ist es zur Erhebung der Anklage gekommen. Die Verhandlungen sollen. wie verlautet, im März begannen. Ein sozialdemokratischer Arbeitsm'vlster in vadeu. Zu Beginn der gcnrigcn Sitzung des bad'iwen LondlageS wurde der sozial- demokratiiwe Siodtrot von Freiburg i. Br.. Wilhelm Eugler. zum A r b e i t s m i n i st e r gewäbu. Die Deulsamalionalen waren bei der Abstimmung im Saale nicku arwesend. Verbaffungen.Illegolcr' orgevifoloren. Die Polüeiin Frank- furt a. M.� verbasieie oeiiern, wie WTB. meldet. 14 Perionen. darunier einige Fühier der Kommunistislben Pariei und u»geietzlicher Kampsorganiialionen, und beiwlagnabmie Material. Es bandelt fick, wobt überall um dieselbe Eselei: die auf dem Papier stehende .Rote Armee', die weder Soldaten n-vb Waffen bot. Der Streik in Leverkusen. Folgenden Schiedsspruch fällte der Bezirksschlichtungsausschuß der chemischen Industrie in Köln: Der Eintritt in den Streik bei den Farbwerken vormals Friedrich Bayer s. Co. m Leverkusen stM einen schwere» Tarifbruch dar. Hilfe den Ki (Reichstag; Schluß aus der Abendausgabe.) Ein Gerichtsverfahren gegen den Abg. Mittwoch(U. Soz.) wird eingestellt.— Es folgt die Beratung eines Interfraktionellen Antrages Müller-Franken(Soz.) und Ge° nosien, Sie Teuerungszulagen und üas steuerfreie Einkommen der Kriegsbeschäüigten zu erhöhen. Abg. Albrecht(U. Soz.) begründet einen Antrag auf weitere Erhöhung dieser Ziffep. Abg. Weier-Zwickau(So;.): Wir waren der Meinung, daß der Antrag zugunsten der Kriegsbeschädigten keinen Anlaß zu spartet- politischen Auseinandersetzungen geben, sondern alle Parteien in dem Bestreben, wirklich zu helfen, einigen würde. Ein Kernpunkt der Unzufriedenheit der Kriegsopfer ist es, daß sie heute noch nicht wissen was sie zu erhalten haben. In den Perjorgungsämtern darf sich nicht der alte militärische, sondern muß ein neuer sozialer G e i st Herr- schen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten hat hier die Bildung eines Ausschusies angeregt: unser Ausschuß hat feine Wünsche ent- gegengenommen und dann darüber verhandelt. Er war sich darin einig, daß die Bedeutung des Gesetzes in seiner möglichst s ch n e l- len Durchs ührung bestehe. Würde man eine völlige Reform vornehmen, so würde das bedeuten, daß die Kriegsopfer noch 1% bis 2 Jahre warten müßten. Die Unabhängigen, die hier so große Töne reden, haben im Ausschuß überhaupt keinen Antrag gestellt. Mit uns ist ein großer Teil der Kriegsbeschädigten der Meinung, daß es vielen Hunderttausenden in Deutschland noch bedeutend schlechter geht als ihnen, namentlich den Beschädigten, die es schon vor dem Kriege waren. Das Gesetz ist kein E n t s ch ä d i- �ungsgesetz. und das wäre es auch nicht, wenn man dem An- trag A l b r e ch t entspricht, sondern es ist ein F ü r s o r g e g e s e tz. Im Interesse einer möglichst schnellen Hilse für die Kriegsopfer bitte ich um Annahme des Antrages. Abg. Thomas(Komm.): Uns geht der Antrag der Unabhängigen nicht weit genug. Abg. Andre(Z.) ist für den Antrag Müller. Die Abgg. B r u h n(Dnat.), Z i e g l e r(Dem.), Adams (D. Vp.). Schwarzer(Bayr. Vp.) polemisieren gegen den un- abhängigen Antrag, der das Reich unerträglich belasten würde und nur aus agitatorischen Gründen gestellt.sei.— Dann schließt die Aussprache.— In der Abstimmung wird der un- abhängige Antrag gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kom- munisten abgelehnt und darauf der interfraktionelle Antrag einstimmig angenommen. Aus der Tagesordnung steht dann eine Interpellation der Mittelparteien, die auf die besondere Gefährdung des Handwerks, Kleinhandels und sonstigen Gewerbes hinweist.' Abg. Lange-Hegermann(Z.) begründet die Interpellation. weißenseer Kommunistenprozeß. 'Als erster Zeuge wurde der Bureaugehilfe Falk vernommen. der bekanntlich seinerzeit nach seiner Verhaftung im Polizeiprüst- dium sehr genaue Angaben über die KD. Weißensee gemacht hotte, auf Grund deren die einzelnen Beteiligten von der Polizei verhaftet und gegen sie Anklage erhoben wurde. Heut erklärt Falk, daß ihm damals alle Geständnisse a b g e p r e ßt worden seien und daß er alles widerrufe. Von den heutigen Angeklagten kenne er nur Ziegler und Laudien flüchtig, da er sie einmal auf dem Arbeitsnachweis getroffen habe. Im übrigen will sich Falk gar keiner Einzelheit mehr entsinnen. Ebenso will auch der'Zeuge Dolny alles ver- g e s s e n haben. Der dritte Zeuge, der Müllkuffcher Erich Krüger» der bekanntlich bei dem Feuergefecht in der Grellstraße ver- wandet wurde und in der ersten Verhandlung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, leidet an derselben Gedächtnis- schwäche, wie die anderen Zeugen. Er kennt weder eine K.O.. noch will er angeblich wissen, wie er im August in die nächtliche Schießerei bei der Missionslaube hineingeraten ist. Er bleibt bei diesen Behaup- tungen, obwohl ihm vom Vorsitzenden und vom Staatsanwalt ent- gegengehalten wird, daß er auf der Polizei, von dem Untersuchung»- richter und in dem ersten Prozeß sehr präzise Angaben ge- macht hat. Der nächste Zeuge, der Tischler Ernst Schulze, der im ersten Prozeß freigesprochen wurde, bekundet, daß er noch dem Kapp-Putsch Zugführer in der Roten Armee gewesen sei. An dem Unternehmen am IS. August sei er nicht beteiligt gewesen. Iustizrat B r o h bemerkt hierzu, daß die Kommunistische Partei bereits am S. April 1920 die Auflösung der Roten Armee beschlossen habe und die Beteiligung an den Sportvereinen abgelehnt habe. Gastwirt D r ö g e r, der frühere Inhaber des Wirtshauses „Zum Prälaten', und der Arbeitsbursche Z i l i n s k i wollen alle Vorgänge, die mit der Kampsorganisation und der Erschießung des Wachtmeisters Schwedowski in Verbindung gestanden haben, voll- kommen vergessen haben. Zeuge Michaelis, der in der ersten Verhandlung als Haupt- anführer verurteilt wurde, will keinen der heutigen Angeklagten kennen. Räch seiner Schilderung sei die Erschießung des Wacht- meisters Schwedowsti und die Nachricht von dem Waffenlager in der Missionslanbe auf die Tätigkeit von Polizeupitzeln zurückzuführen.— Lediglich der Zeuge L i p s gibt auf eine Frage des Vorsitzenden zu, daß er Mit- glied der Kampfoiganisotion geweien sei. Auf einen warnenden Zuruf vcrbesseri er sich iedoch sofort und behauptet:„Ich meine/ natürlich. Mitglied der Propaganda-Organisation.'— Vors.: Waren Sie an den Borgängen des 19. August mitbeteiligt?— Zeuge: Jawohl, aber ich habe nichts gesehen.— Vors.: Wissen Sie, daß Ihre Organisation damals Waffen aus dem Laubengelände holen sollte»— Zeuge: Ja, das kann schon sein.— Vorst: Wer begleitete Sie von Drögers Lokal nach dem Laubengelände?— Zeuge: Krüger und Falk.— Auch dieser Zeuge will von den heutigen Angeklaaten niemanden kennen, obwohl ihm vorgehalten wird, daß er selbst angegeben habe, der Angeklagte Arndt habe ihn begleitet. Unterwachffneister Josephowitz gab dann eine sehr aus- führliche Schilderung der Vorgänge bei der Missionslaube und be- kündete, daß er damals den Zeugen LIps festnahm, der in der ersten lleberraschung seine Mitschuldigen verriet. Iustizrat B r v h beanstandete, daß der Borsitzende diesen Zeugen nach der allen religiösen Formel vereidigt habe, ohne den Beamten zu fragen, ob er damit einverstanden sei. Es sei doch möglich, daß ein moderner Polizeibeamter den ethischen Eid vorziehe, weil er nicht an Gott glaube. Gutswächter Haustein bekundet, baß am 8. August 1920, um 1-4 Uhr morgens, etwas 30 Mann mit Revolvern bewaffnet, ihm und seinem Kollegen die Gewehre wegnahmen, indem sie sagten, sie brauchten sie in der näckisten Zeit.— Zeugin Krohn sagt aus, daß sie mit Ziegler am lS. August die ganze Nacht in der Wohnung der Prasselchen Eheleute zusammengewesen sei, was die Eheleute Praffe bestätigen. Kriminaloberwachtmeister Schiller vom Polizeipröstdium be- kündet, daß er die in dem Vernehmungsprotokoll Döings enthaltenen Namen der Angeklagten Conrad, Laudin und Loge erst von Dolny erfahren habe. Der Name Karl Ziegler sei schon in dem Protokoll de» Fall erwähnt worden. Er, Schiller, habe diese Namen vorher r Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz: Es ist richtig, daß Hand- werk und kleingewerblicher Mittelstand durch die Kriegsfolgen be- sonders gelitten haben, weil sie keine genügenden Kapitalreserven ansammeln tonnten. Außerdem wird es dem Mittelstand sehr schwer, die erforderlichen Betriebskapitalien aufzubringen. Den Wünschen auf Beteiligung des Handwerks an staatlichen Auf» trägen werde ich möglichst nachkommen.(Beifall.) Eine große Roll« spielt auch unser Kohlenelend. In einem Augenblick, wo in Frankreich und Belgien Ueberfluß an Kohlen herrscht, wer- den uns ungeheuerliche Forderungen überreicht. Darunter mutz auch das Handwerk leiden. Ich werde aber auf eine bessere Verbindung zwischen dem Reichskohlenamt und den Handwerker- verbänden hinwirken. Sehr begrüßenswert ist der Aufschwung des Genossenschaflswesen», der uns zeigt, daß das Handwert bereits den Weg der Selbst- hilse beschritten hat. Zur Förderung der Qualitätsarbeit will ich versuchen, die schlimmsten Folgen des Luxus st euergesetzes abzuwenden. Abg. hühnllch(Soz.): Man hat die Sozialdemokratie mit Un- recht beschuldigt, den Niedergang des Handwerks mit verursacht zu haben. Die großkapitalistische Entwicklung, durch die das Handwerk zurückgedrängt fft, kann nicht aufgehalten werden. Wir halten den Mittelstand für durchaus existenz- berechtigt, wo er wirtschaftliche Notwendigkeiten erfüllt. Die politischen Freunde der Interpellanten sollten ihren Einfluß bei der Großindustrie dahin geltend machen, daß die Industrie den Mittel- stand nicht in so rücksichtsloser Weise bekämpft. Durch rück- sicbtslose Einziehung der Besitzsteuern wird der Mittelstand am besten entlastet. Einig bin ich mit den Interpellanten darin, daß mit einer Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung dem Handwerk durchaus nicht geholfen wäre. Bei dem Neuaufbau der Wirtschaftskörper muß Handwerk und Kleingewerbe die ent- sprechende Vertretung erhalten: einen Abbau der Gcwerbesteiheit machen wir nicht mit. Gegen die U m s a tz st e u e r, die für den Mittelstand verheerend wirkt, sind wir immer aufgetreten. Bei freier Wirtschaft würde das Großkapital den Handwerkern die Rohstoffe fortnehmen. Die Zunahme der Lehrllnge muß Besorgnis erregen, wenn man weiß, wie oft die Ausbil- dung aussieht. Man kann geradezu von einem Lehrlings- Unwesen sprechen. Die meiste Schuld am Niedergang de» Hand- werks hat der Krieg und diejenigen, die ihn verursacht haben. Diese Folgen werden durch gesetzgeberische Maßnahmen nicht be« seitigt: erst mit einem Aufbau des ganzen Wirtschaftslebens kann auch der Mittelstand gesunden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nach weiterer Debatte schließt die Aussprache.— Ein inter- frokttoneller Antrag, die Zahl der Schriftführer auf 12 zu er- höhen, wird ohne Aussprache angenrmmen. Eine Reihe von Pe- titionen wird debattelos erledigt.. Mittwoch, den 23. Februar, 3 Uhr: Etat des Reichsminist«. riums des Innern, Etat des Reichsorbeitsministeriums. Schluß: 7 Uhr. nicht gekannt. Er habe nur niedergeschrieben, was ihm die Der- hafteten mitgeteilt haben. Auch auf die mehrfachen Einwendungen der Verteidiger bleibt Schiller dabei, daß er den Namen Ziegler weder vorher gehört, noch gelesen, noch daß Ihm bei der Verneh- mung von Falk und Dolny irgend welches amllichcs Material über die Affäre vorgelegen Hobe. Kriminalkommissar M a s l o ck vom Polizeipräsidium bekundet, daß er dem Falk die Namen jedenfalls nichi in den Mund gelegt habe. Auf Einwendungen der Verteidiger erklärt Kriminalkommissar Maslack: Falk hat mir über die verschiedensten Sachen, die mir vollkommen neu waren, durchaus präzise und später bestätigte An- gaben gemacht.(Der Zeuge führt Beispiele an.) Kassiber im Gerichtsfaal. Eine Sensation gab es, als plötzlich Staatsanpalt Rammin sich erhob und erklärte: Mir sind hier soeben vom Justizwachtmeister tettel überreicht worden, die man im Vorsaal gesunden hat. Die ettel sind von dem Zeugen Falk geschrieben und offenbar an den Angeklagten Ziegler gerichtet. Vors.: Was steht auf diesen Zetteln?— Staatsanwalt Rammin(verlesend): „Von mir bist Du nicht beb stet. Ich kenne Dich nur von der Partei her. Meine Vernehmung am Alexanderplatz ist ja nun glücklicherweise illusorisch geworden. Im Sportklub waren nur Michaelis und ich. Du hast alles für Quatsch gehalten, nun muht Du Dich vorsehen, weil Dich ooch Dolny und General belastet haben. Es ist nur gut, daß dieser Prozeß hier gegen die K.O. vor dem Mordprozeß Schwedowski behandelt wor- den ist, denn das Urteil aus diesem Prozeh ist ja unumstößlich. Das ist wichtig, denn, wenn Speckmann mtt seiner Aussage jetzt kommt, ist es für eine Belastung zu spät.'(Große Bewegung im Saal.) Vors.: Falk, haben Sie das geschrieben?— Zeuge Falk: Es ist wohl meine Handschrift, aber ich weiß nicht, wann ich das geschrieben haben soll.— Vors.: Herr Zeuge, das Schicksal dieser fünf Angeklagten liegt in Ihrer Hand. Sagen Sie die Wahrheit und schildern Sie, für wen der Zettel bestimmt war.— Der Zeuge, der noch ziemlich fassungslos ist, gibt zunächst eins wirre Antwort, faßt sich aber dann, und erklärt, daß er dem Haupt- angeklagten Ziegler den Zettel habe zustecken wollen.— Vors.: wer ist Speckmann? Da der Zeuge schweigt, stellt Iustizeat Broh die Vermutung an, daß es sich wohl um einen Spitzel handle, der vorgab Mitglied des Republikanischen Führerbundes zu fein. Landgerichtsrat Iam» r a t h: Der Kassiber ist so gehalten, als ob Sie Segler seine Aus- sagen vorschreiben wollen.— Zeuge Falk: Ich wollte ihm nur alles noch einmal in Erinnerung zurückrufen.— Vors.: Ist es richtig, daß Sie den Untersuchungsgesongenen Michaelis gern sprechen wollten, und daß Sie sich mit ihm englisch unterhatten wollten? Sprechen Sie beide englisch?— Zeug«: Jawohl.— Deru: Worauf soll diese Frage hinaus?— Vors.: Offenbar sollt« «ine Verständigung zwischen den beiden hergestellt werden, die dem Bewachungspersonal unverständlich blieb. Hierauf wird die Beweisaufnahme geschloffen. Staatsanwalt Rammin sag! im Plädoyer: Es sei festgestellt. daß ein militärischer Verband mit militärischen Uebungen unter fachmännischer Leitung und in der KD.«ine bewundernswerte Disziplin bestanden habe, an der sich der alte Militarismus hätte ein Beispiel nehmen können. Die Zeugen hätten, eingeschüchtert durch ihre zahlreichen Genossen oder tyirch die Furcht vor einem P a r t e i t r i b u n a l, fast alle versagt. Es schetne, als ob eine unsichtbar« Wacht die Zeugen gelenkt hat. Die Aussagen der Kriminalbeamten aber erfahren eine Er- gänzung durch das Schweigen des Falk, der ein äußerst gewitzter Mensch sei. Sein Kassiber habe ihn verraten. Ziegler sei als Mitglied der Kampforganisation anzusehen. Auch für die übrigen Angeklagten sei die Zugehörigkeit zur KD. erwiesen. Der Ankläger beantragt gegen Ziegler neun Monate, gegen Loge, Arnd, Conrad. Laudin je sechs Monate Gefängnis. Fortsetzung heute vormittag 9H Uhr. Die Erkürter Waffenschiebungen. Der Erfurter Vertreter der Reichs-Treuband-Gesellsct-asi. Aribur S-bleinitz. wurde gesiein verhaftet. Die Verhaftung steht im Zuiammenhang mit der Unter- suchung über die umfangreichen Erfumr Wafsenschiebungen. EewerGhastsbewegung 10 Punkte der K.v.p.d. Dieser Tage ist sämtlichen kommunistischen Vertrauensleuten die Order für ihr Verhalten vor dem Feind, d. h. den Anhängern der alten Gewerkschaftsbewegung, zugestellt worden. Es sind Richr- linien, zusammengefaßt in 10 Punkten: sie geben die Anleitung für: 1. Politische Informationen. 2. Literaturoertrieb. 3. Zusam- menfosiung in Verwaltungsbezirke. 4. Aktivität im Betrieb. S. Der- halten bei von den Gewerkschaften in Vorbereitung befindlicher Maß- nahmen und Aktionen. S. Fraktionsversammlungcn. 7. Derbin- dung mit der Parteileitung. 8. Vereinbarung mit anderen Par- teien. S. Kommunisten in Fraktionen. 10. Verbindung mit Arbeits- losenfroktion. Punkt 4 bestimmt:„Die Kommunisten müssen die Interessen der Arbeiter und Angestellten am aktivsten vertreten. Die kam- muoislen dürfen nie vor den Schranken bürgerlicher Gesetz« hall- machen. Die Kommunisten haben die Differenzen, die sich aus den Forderungen der Arbeiterklasie und den ihnen entgegenstehenden r � r.,,,... "�«lichen Gesetzesbestimmungen ergeben, mit Bewußtsein auf die. �«'''gemeinsame aus den Dreck ziehen lassen Persönlich blamieren sie sich auch den Unternehmern gegenüber, lassen sich überlisten und geben den ganzen Einfluß ihrer Gewerkschaft preis. Unter den Wortführern der kommunistischen Berliner Holz- arbeite? sind Leute, die sich in dieser Zeit vom Unternehmer über- reden lasten, ihre Ersparnisse zu einem Betriebsfonds für den Unternehmer zusammenzulegen Auch das kommt vor, daß der kommunistische Verbandsangestellte einen T a r i f a b- schluß mit den Unternehmern bei Sekt und Schweinebraten feiert. Wenn Kommunisten das tun, so ist da, kein Paktieren mit den Unternehmern. Unter einer kommunistischen Derbandsleitung haben die Mit- glieder Gelegenheit, den revolutionären Kampf zu fuhren, und zwar 10- bis 20mal in einem Jahre als Proteststreik, Sympathiestreik, Demonstrationsstreit und Generalstreik. Immer aus Ideallsmus und ohne Unterstützung. Wenn es dann wirklich einmal gilt, einen Fortschritt durchzuführen oder Bolksrechte zu ver- teidigen, dann sind die Arbeiter abgekämpft. Durch die kommunistischen Kämpfe wird nichts erreicht, die Arbeiter brinaen große Opfer und das Wirtschaftsleben wird immer mehr zerrüttet. Der offen« Brief der Kommunisten enthält an durchführbaren Forderungen nur solche, zu deren Durchführung wir s ch 0 n lange den Kampf führen. Ihnen in Vielem Kamvfe die Führung zu Spitz« zu treiben Nach Punkt ö müsten alle Maßnahmen der Unternehmer sowie Forderungen der Arbeiterschaft, die zu Aktionen führen, sofort dem Parteisekretariat der DK.P.D. gemeldet werden und in allen Betriebs, und sonstigen Versammlungen ausgenutzt werden. Nach Punkt 0 müsten vor allen gemeinsamen Betriebs- und Gewerk- schaftsoersammlungen Fraktionssitzungen abgehalten werden. Wenn die Redner, die in diesen Sitzungen bestimmt werden, über kein Material verfügen, so ist„M aterial von dem V.Ä.P.D.-P a r- �eisekretariat abzuholen." Wenn Antröge und Reso- lutionen, die auf diese Weise fabriziert werden, von den Gewerk- schaften oder der Gewerkschaftskommistion abgelehnt werden, muß das Versagen und die Sqbotage der BL.P.D.-Anlräge durch diese körperslstafkrn„aailalorisch ausgenützt werden." Absatz 3 des Punktes 9 lautet:„Alle Funktionäre der D-ft.P.D. sind ber Vartei und den kommunistischen Fraktionen, von denen sie als Kandidaten aufgestellt werden, verantwortlich und können jeder- zeit von denselben abberufe« werden." Also, wer die Wahlberechtigten vertreten soll, das bestimmen nicht sie selbst, sondern die„Bonzen" der Zentrale. Diese Anweisungen lassen erkennen, daß die Zentrale der B.K.P.D. gar nicht daran denkt. Arbeiterinteressen zu ver- treten Ihr kommt es nur darauf an, die Not und Berzw-iflung der Arbeiter zu ihren Parteizwecken auszunutzen. Darum wird mit kalter Gewistenlosigkeit der Befehl gegeben, jeden Konflikt auf die Spitze zu treiben, ohne sich um die bür-'erNchen Gesetze zu küm- mern. Wenn die Arbeiterschaft in Niederlagen hineingehetzt wird, wenn ahnungslose arme Teusel in die Maschen der Paragraph'«- getze hineingetrieben werden, dann, glauben diese„Arbeiterfreunde". blüht ihr Weizen. Sie werden sich täuschen! Die Arbeiter werden sich nicht der Führung von Leuten anvertrauen, die sie aus parteipolitischer Spe- kulatlon in noch tieferes Elend hineinstoßen wollen? Front der Arbeiter zerrissen, den politischen und wirtschaftlichen Einfluß des arbeitenden Volkes vernichtet, die Sozialdemokratische Partei Hespalten,' die Unabhängige Sozial- demokratie gespalten und den Bruderkrieg unter den Arbeitern herbeigeführt. Wenn die Kommunistische Partei erst genug Mitglieder hat, wird auch sie sich spalten. Zerstören und vernichten, was andere aufge- baut haben, dos können auch die Dümmsten. Aus den Organisationen verdrängt �llen die Kommunisten gar nicht werden. Man kann ihnen aber nicht die alleinige Führung und Leitung eines Verbandes in die chand geben. Ihre Leute haben bewiesen, daß sie dazu erst noch viel lernen müsten. Deshalb wählt keine Kommunisten, sondern die Lisi Sickfeiö-Germroth. Stimmberechtigte Gberschlefier! Am Sonntag, den 8. Februar, vormittags 11 Uhr, findet im Lustgarten eine Veisammlung oller in Berlin wohnenden �jftiprmSetechiigten O b e ri ch.l.ai i e r statt. Wenn auch die Nnierzeichneten die organisierten Angestellten, Arbeiter und Arbeiterinnen zum Bestich dieser Versammlung auf- ruren.'0 geschieht cS nicht, weil wir aus nationalistischen Gründen wünschen, daß Oberichlesren Deutschland erhalten bleibt, sondern aus rein kulturellen»nd wirtschaftlichen Gründen. Stimmberechtigt sind nur alle in Oberschlesien Geborenen männlichen und weiblichen Geschlechts, die sich in die Stimmlisten haben eintragen lasten. In der Versammlung am Sonntag soll über die wirtschaftliche Bedeutung OberichlefienS für Deutschland lufklärung gegeben werden. Wir ersuchen darum die organisierte Arbeitnebmerschaft Berlins, ch an dieser Versammlung zahlreich zu beteiligen. 'Asa-OriSkartell Groß-DerlinS. GewerkichaftSkommission Berlins und Umgegend. die Kommunisten im holzarbeiter-verbanö. In einem Flugblatt an die Berldier Holzarbeiter wird zur Vorstandswahl aufgefordert. Die darin enthaltenen Ausfuh- rungen fordern dazu heraus, die Kommunisten einmal genauer an- zusehen. Wer ist revolutionär? In der Vorkriegszeit hat man in der Arbeiterbewegung von den kommunistischen Schreiern keinen gekannt. In der Kriegszeit ließen sich viel« von den Rüstungsberrieben reklamieren und waren den Unternehmern gegen- über die größten Kriecher. Erst noch Äriegsfchluß, als es nicht mehr gefährlich war, erwachte der revolutionäre Trieb und ihre alte Abneigung gegen Partei- und Gewerkschafts. organifation entwickelt« sich zu Kampfestaten, die die Arbeiterschaft auseinanderriß und dem Unternehmertum und den kapitalistischen Parteien die entschwundene Macht wieder in die Hände spielte. Die„Gewerkschaftsbureaukratie" wollen die Kommunisten be- leitigen. Warum? Um sich selb st an oiese Stelle zu setzen. In allen Verwaitungen, wo sie die Leitung besitzen, hoben sie sich nicht nur als noch größere„Bureaukraten"«nt- zuppt, sondern sich auch als unfähig erwiesen. Daß ihre Leute licht einmal«ine ordnungsmäßige Kassenführung verstehen, ent- chuldigt die„Rote Fahne" damit, daß alle Vierteljahre mit den Per- onen gewechselt wird. Handelt es sich natürlich um Nicht kommu- llsten, sollen die Funktionäre jederzeit abberufen und oft durch risches Blut ersetzt werden." Gegen Arbeitsgemeinschaft und Bettelooütit der Instanzen geht >er Kampf der Kommunisten. Gegen das Unternehmer- tum haben die kommunistischen Führer in keiner Verwaltung? st e�le des Verbandes, wo sie Einfluß haben, etwas ausgerichtet. Sie müssen sich immer vom Hauptvorstande und den Gauleitern den Karren Tröstender Lostnkampk in der Herrenkonfektion. Die Lobntarife in der Herrenkoniekiion datirren last ouS- uabmSloS aus der Vorkrieaszeit: einige sind stboii im Iabre 1911 abaesiblosten. Die in, wisSen vereinb'rten Lohn- erböbungen sind immer in Vio,ent>'ötzen auf die altcy Krundlöbue aewäbrt worden. Wenn scdon in den alten Tarren uoluraemäß weientlicke Unterilbiede in der Enllobnuna c leicti artiger Arbeiten vorhanden waren, lo sind diele dnrcki die verichieden . starken Teuerungen und gle«den priMeninaln, Zii'wlä.'e während �er letzten Fahre nur Nock kra-sier in Erickeinuni getreten. Haiiptiäcklick deshalb, und weil die Produktion und Abi'atzverhält- , nisie in der KonfekttanSindustrie zu einer einbeillicken Lohn« | reaelnnq geradezu drängen, haben beide Vertragsparteien die !?ckaffuna eines ReickStariteS mit ernbeitlicken VoiitionSbenennungen fckon vor eineinhalb Iahren be- 'cklaffen. Die Arbeitnebmerverbände haben dann nach»mfang- reicken Vorarbeiten ickon Aniang Sepien ber v. I. dem zuständiaen Arbeitgeberverband einen ierliaen Entwurf eingereickt. Vrrhand- lunaen darüber fanden zum ersten Male im Dezember v. I. statt, bei denen jedock nur sebr weniae Punkte des veriragltckrn Teiles erledigt wurden: der materielle Inhalt des Tan'« wurde kaum erwäSirk. Weitere Verhandlungen fanden in der vorigen Woche in Frank» kurt a. M. statt. Auch hierzu bauen die Arbeitaeber keinerlei i Geoenvorfckläge unterbreitet. Waren fckon die Arbeiter durch die' letzten minimalen Lohne' böbungen mir Vertröstiingkn au' dg« baldige Inkrafttreten des ReichStarifeS unmfrieden. ro erklärten� kick ihre Vertreter außerstand«, einer längeren HsttattSscSsrfiichg des Termin? zuzustimmen. Sie forderten deshalb, den Reicks tarif am 15. Februar in Kraft treten zu lairen. Die Arbeitgeber lehnten dielen Vorscklaq ab und brockten rckließlick als Termin den 15. April in Vorichlag. In einer sckrtstltcken Erklärung sagten sie jedock aüsdntckltch, daß eine Fertigstellnirg auck bis dahin unmöglich erscheine, und drohten zugleich, ihr Angebot zurückzuziehen, wenn die Arbeitnehmer den Termin ablehnen würden. Aus ihren Erklärungen ging gleick, eilig hervor, daß sie nickt gewillt find, jetzt eine Regelung der Löhne eintreten zn lassen. Die Arbeitnehmerverbände aller Ricktungen wiesen diese Erklärung entschieden zurück. Di« Verhandlungen wurden daraufbin resultatlos abgebrochen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Herrenkonfeklion haben jetzt bierzu Stellung genommen und durck Urabstimmung gegen ganz vereinzelte Stimmen bei'cklosien, am 7. und 8. F e b r u a r in sämtlichen Jndustriebezirken der Herren- konfektiomdie Arbeit einzustellen. In Frage kommen etwa 30 000 bi« 32 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. E» drobt ein Komps, ungleich größer dem ersten Lohnkampf in der Konfekttons- industrie im Jahre 1898, der damals so großes Aufsehen erregte und zu einer Interpellation im Reichstage führte. BetriebsratSmitglieder i« den Aufsichtsrätcu. Nach Vorbesprechungen mit den Arbeitgeber- und Arbeitnehmer« verbänden ist der im ReichSarbeitSministerium gefertigte Entwurf de« SuSführungSgefetzeS zu ß 70 des BelriebSräte-GesetzeS betr. Entsendung von BetriebSratSmitgliedexn in de» AuffichtSrat fertiggestellt und nach Verab'chtedung durch daS Reichskabinett dem vorläufigen RerchSwirrschaftSrat vorgelegt worden. Der Gesetzentwurf sieht die En t f en d u n g von ein bi» zwei BetriebSratSmitgliedern in die AuIsichtSräte der Aktien- und«ktienkommandilgefellichasten, der Genosienschaften, VerficherungSveine auf Gegenseitigkeit und der Gesellschaften mir beschränkter Haftpflicht vor. Tie entsandte» Mitglieder sollen nach dem Entwürfe, abgesehen von dem in ß 70 B.R.G. voraeschriebanen Ausschluß von dem Tantiemenbezug, die gleichen Rechte und Pflichten wie die übrigen A u ff i ch t Sr a tS m i t« glieder haben. Ob ein oder zwei Mitglieder entsandt werden. bemißt der Entwurf nach der Zahl der sonstigen AufsichisratS- Mitglieder. Für freies Angestelltenrecht. Die Bewegung, welche die Kronkenkaisenange stellten für die Ausbesierung ihrer Gebälier führen, soll uiiterbiinden werden durch eine Verfügung des WohlfahrlSmintsterS Stegerwald. Die Verfügung besagt, daß das Sperrgesetz(wonach die Staats- und Gemeindebeamten nicht höher besoldet weiden dürfen wie die s Retchsbeamienj auch aur die der Dienstordnung unterstehenden«»- l gestellten der Rranlentaflen anzuwenden ist. Das bedeutet: Während j die Angestellten btSber ihre Gebälter durch Tarifvertrag mit ' den Kassenvorstäuden vereinbart haben, sollen in Zukunft die Be» | stimmiingen des BeamtenbeioldungSgesetzeS für sie maßgebend fein. Die Einreibung der Angestellten in die betreffenden Gehaltsgruppen soll den Oberversich-rungSämtern übertragen werden. Gegen die Verfügung de« WohlfahrtsministerS protestierte am Freilag nackmttlag eine sehr stark betuckte Versammlung der Krankeiikassenangestellteit. ES wurde ausgeiübrt, daß die Regierung bei der Beratung de« Sperrgesetzes ausdrücklich anerkannt hat, daß das Gesetz keinesfalls auf die K r a n l e n ka s i e n« angestellten Anwendung finden soll. Gegen diese Zusickeruiig verstößt die Verfügung des Wobisa briSministers. Wenn sie zur Ausführung kommen sollte, so würde das sür die Kranken» kaffenangestrllteit eine Vericklechte�ung bedeuten, und da eS ja den Äasieitvorständeit unmöglich gemacht wird, die Gebälter mit ihren Angestellten zu vereinbaren, so kann von Selbst� Verwaltung der Krankenkassen keine Rede mehr sein. Aus dielem Grunde mußte auck der Krankenkaffenverband gegen die Verfügung Stellung nehmen. Der Haitpivorstand des ZeniralverbandeS der Angestell'en ve» zeichnet in einem Rundickretben an die Kollegen die Venügung als eine schwere Verletzung derReckte derAnge stellten, die sie sick unter keinen Umständen gefallen lassen dürfen. Der Hanptvorstond bat den Woblfabrts» minister ausaesordert. die Verfügung außer Kraft zusetzen, und den Arbeitsminister ans die Folgen aufmetlfam gemacht, die auS der Aufreckterhaitung der Venitoung entstehen müssen. Der Haupt» vorstand fordert die Kollegentchaft auf. eine Protestbewegung gegen die Verfügung ins Werk zu setzen, denn die Verfügung muß fallen, wenn nickt im Guten, dann werden die Angestellten zeigen müssen, daß ste nickt mit sich spaßen lassen. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, die sckarsen Protest gegen die Verordnung erbebt und tordert, daß die Besoldung wie bisher in freier Veretnbaiung mit den Kassen» organen tariflich zu regeln ist. Die SeiiionSleiliing.wird be- �auftragt, Abwebrmaßnabmen gegen die Verfügung zu unternehmen. Schließlich lagt die Reioiulion: Sollte das Wohl- sahrtSmiiiisterium die Verfügung nickt oulheben, so tu die Kollegen» sckaft enttchlosien. gestützt auf ihre Gewerkickafy den Zenlralverbond der Angestellten, mit allen, auck den sckärrsten gewerk» sckafilicken Kampsmitteln dte Zurücknahme der Verfügung zu erzwingen. Achlung, Bnchdntckeri Die Firma W. Grev«(Inh. Max Pasch), Ritterstr. 50, sncht durch Inserate in der Tagespresse Ersatz für das ausgetretene Personal. Sie bietet jedem dort Eintretenden 50 M. über das tarifliche Minimum! Der Grund der Streichung der Firma aus dem Verzeichnis tariftreuer Druckere en war bekanntlich die Nichtanerkennung der Urteile der Schsichtungsinstanzen: Tariffchiedsgericht, Schlichtungsansfchuß und Gewerbegericht. Jetzt spielt dos Geld keine Rolle. Die 50 M. sollen das I u d a s z e l d fe'n für verrat und Treulosigkeit der Arbeiter gegenüber ihrer Organisation! Arbeiter und Arbeiterinnen, zeigt durch eure Solidarität, daß ihr nicht gesonnen seid, für 50 M. eure Ehre zu verkaufen. Jeder, der dies dennoch tut,� wird sowohl aus der Parifgemeinfchaft wie auch aus der Organization ausgeschlossen! Darum: bewahrt eure Ehre? Meiallarbeiterstreik in Stralsund. In Stralsund streiken die Metallarbeiter einschließlich der auf dem Elektrizitäts- werk beschäftigten Arbeiter wegen Lohnforderungen. Di« von dem Regierungspräsidenten am gleichen Tage anberaumten VerHand» lungcn, in denen eine Beilegung des Streiks oersucht werden sollte, scheiterten an dem Widerst ande der Arbeitgeber. die nicht erschienen waren. Die Lichtversorgung der Stadt hat keine Unterbrechung erlitten. Zur Bedienung der durch das Kalkwerk gefetteten Elektrizitätsversorgung sind drei Mann tech- irische Nöthilfe in Tätigkeil getreten, mit deren Wirksamkeit die Ar- bester sich einverstanden erklärt haben. Die Schlichtungsoer- suche seitens der Behörden werden fortgesetzt. Aussperrung der Tischlereiarbeiter in Prag. In Prag streiken die Installateurarbeiter. D e Unternehmer verlangen die bedingungslose Rückkehr zur Arbeit und drohen, nach Ablehnung durch die Ar- bester eine Sperre sämtlicher Arbeiter im Baugewerbe, in erster Reihe der Tischler, zu verfügen. «qrung,„»ga». Die«ersammtun-i ftndct tu-yi Dioniaz, r-nverr, om Dienstag vorm. 10 UI)t im Sewerstchaftshaus statt.— Der Betriedsrat. Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und»erwandtc Derufsgeuosten. Sonntag, 10 Uhr. im Rofenthaler Hof. Rosenthaler Str. 11/12. Versammlung. Wahl der Sruppenleitung und Stellungnahme zu unserem Lohnabtommen. Soziales. Das Kartell der BerbSode lellender Angestellter hat beschlossen. seinen Namen umzuändern in Gemeinschaft' der Bereinigungen der leitenden Angestellten in Handel. Industrie und Bankgewerb« zur Bearbestung handelsrechtlicher Fragen. Der Gemeinschaft gehören nach wie vor an die Bereinigung der leitenden Angestellten in Handel und Industrie E. V. und die Vereinigung von Oberbeamten im Bankgewerbe E. B. Das Arbeitsgebiet der Gemeinschaft ist wie bisher die Bearbestung der Fragen"des Arbeitsrechts einschließlich des Ausbaus der Körperschaften gemäß Art. 165 der Reichsver- fassuny. Die Geschäftsstelle der Gemeinschaft befindet sich: Berlin W. 8, Behrenstr. 20. Geschäftsführer der Gemeinschaft sind die Ge- schästsführer der beiden genannten Bereinigungen Dr. Muffel- mann und Regierungsrat Dr. Dir. < Schluß be, retaltiouelle» Zell».) Veratilt». für den redakt. Teil: Tr Werner feilet, llbarlouendurg:(üc Hnjeti Tb.©lotft."------- mm--"- wärlS-Vuebdruckcrez vicrzu 1 Stllagc . Verlin. Verlag! Vorwärls-Verlag«.«. d. H.. Berlin. Dru/t Vor» Itdructcrei u. verlagsanitatl Bant Singer». Co.. Berlin. Ümoenttr. Z. Th. E. Huse& Söhne Könlg�bers i. 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