Nr. 74 ♦ 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 37 Bezugspreis: SiertfliäfctLSO,- M. monatL 10,- St frei Ins öaus, voraus jahlbat. Postbezug: Monatlich 10,— Sit, extl. Zu- stellungsgebilhr Unler Kreuzband für Deutschland und Oesterreich ISA) M, für das Übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21,50 M. Postde- stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tichecho-Sloroatei. Dän» mart Solland, Luxemburg, Echwedea und die Schweiz,- Eingetragen« die Poft-Zeiiungs-Preisliste. Der»Sorroarts" mit der Eonniags» beilage.Volt und Zeit" und der Unter- h?imn>isbkilage �eimwelt" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: JSojialOcniottal Sulla*. Abend Ausgabe Oevlinev volksblatt ( ZvNksnnks) Anzeigenpreis: Dl« achtgespallene RonvoreiArzess« kostet 3.— M„ Truernngsinschlag „&laiae lUnseigen* das fett- gedruckte War! 1,— M(zuIÄstg zwei b-ttgedruckie Worte), sedes weitete Wort 60 Psg, Slellengesuche und Schlafstellenanzeigen dez erste Wort 65 Psg,, fedes weitere Wort 40 Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungsznfchlag 50V». Familien» Anzeigen für Abonnenten Zelle 2,— M.. politische»nd geweri- schaftliche Vereins-Angeigen 5,— AI die gelle ohne Ausschlag. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäst, Berlin SW 68, Linden- ftraße 3/ abgegeben werden. Geöffnet von g Uhr früh bis 5 Uhr abends, Zentralorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchtands Keüaktion und(Expedition: SW 68, Linöenstr. 2 Fcrufprechrr: Amt Moritipla«, Nr. lSlilv— ISIS? Montag, den 14. Febrnar Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SW 68, Linüenstr.Z Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 11753—51 Simons über üie Londoner Konferenz. Relchsminlster des Auswärtigen Dr. Simons, der Sonntag zum Besuch der württembergischen Regierung eingetroffen ist, sprach am Bormittag vor mehr als 1000 Personen, darunter den württembergi- schen Ministern, den Vertretern aller Organisationen und Spitzen- verbände der Beamten, der Arbeiterschaft, des Handels, der In- dustrie usw. über die politische Lage, wie sie durch die Pariser Roten und die bevorstehenden Londoner Verhandlungen gekennzeichnet ist. Der Minister begrüßte zunächst die Gelegenheit, die ihm ge- boten werde, vor einem süddeutschen Publikum die brennendste Tagessrage zu besprechen und sich davon zu überzeugen, ob die Stellungnahme der Rcichsrezierung auch im deutschen Süden den Beifall der Bevölkerung finde. Ueber die Stellungnahme selbst seien in letzter Zeit Zweifel entstanden, besonders infolge der Annahme der Einladung nach London. Diese Zweifel seien unbegründet. Die Erklärung, die der Minister im Reichstaq abgegeben habe, bestehe vollkommen zu Recht. Eine nähere Prüfung der Bariser Beschlüsse habe das damals gefällte Urteil nur bestätigen können. Auch durch die zahl- reichen Reden, die leitende Staatsmänner der Entente in den letzten Wachen gehalten hätten, sei die Durchführbarkeit der Pariser Beschlüsse nicht erwiesen worden. Der Minister setzte fkb hierauf Insbesondere mit den Reden von Lloyd George, Driand und Graf Sforza ausein- ander. Er bemängelte, daß keiner dieser Staatsmänner es für der Mühe wert erachtet hätte, aus dem Material der Brüsseler Konse- renzen den Nachweis auch nur zu versuchen, inwieweit Deutschland zur Zahlung der ungeheuerlichen festen Annuitäten von 6 Milliarden Gald jährlich fähig sei. Keiner habe praktisch dargelegt, wie man sich solche Leistungen finanztechnisch und wirtschaftstechnisch zu denken habe. Stattdessen habe man nur völlig phanlastische Ziffern über die künftige Höhe des deutschen Exports gebracht, für die jede, auch nur die geringste Unterlage fehle.<,. ' Ueber die zwölfprozentige Ausfuhrabgabe seien die verschiedensten Ansichten zutage getreten, die vieUach in völligem Widerspruch zueinander ständen. So werde z. B. die Ausfuhr» abaabe von der einen Seite deshalb als besonders nützlich auch für Deutschland onaeprielen. well sie die deutsche Ausfuhrmdustrie vor diffcrenziolen Einfuhrzöllen der anderen Länder schütze, wäh- rend eine zweite Anficht dahin gehe, daß die Abgab« überhaupt un- mittelbar mit dem E x? o r t n i ch t s, u t u n habe, sondern lediglich «ine nach der Exparthöbe berechnete und van den deutschen Steuerzahlern allgemein zu tragende Zusatzannuität bedeute. Beide Auffassungen seien, wie der Minister nachwies, gleich u n v e r e i n- bar mit den Interellen nicht nur der deutschen Wirtschaft, sondern des internationalen Verkehrs überhaupt. Die bisherige Debatte habe nur eines mit voller Klarhett er- geben, daß die Deparafionsbestimmungen des Friedensvertrages die ungeheure Aufaabe des Wiederaufbaues der europäischen Wirt- lchaft nicht gelöst hätten, sondern durch neue Bestimmungen ersetzt werden müßten. Die neu« Lösung könne aber nicht diktiert werden üe müsse vereinbart werden. Da die Hauptlast der Aufgabe auf Deutschlands Schultern falle, sei es nötig, Deutsch- lentis freiwillige Zustimmung zu gewinnen. Die deutsche Regierung habe ibre Verpflichtung zur Erfüllung des Friedensver- träges arun�sätzlich anerkannt, und sei auch von der Notwendigkeit Lberieugt, daß das deutsche Volk, indem es sich für die sinterzeichnung des Vertrages von Versailles entschied, es auf sich genommen habe, bis an die Grenzen seiner Lei- stunasfähigkeit für d-e Heilung der Schaden des Krieges zu arbeiten Die deutl-h-n Gegenvorschläge wurden zeigen. d"* Deutschland seine Pflicht ernst nehme. Es werde sich ve- mühen, Vorschläge zu machen, die zwar nicht m,t pbanta, tischen Ziffern prunkten, aber den Vorzug hätten, praktisch du r ch- «ührbar zu lein, und die dringendsten Vedurfnisss der oMerten Länder zu befriedigen. Der Redner schildert« dies« Bedürfniste im Anschluß on die tranzöstsche Kammerdebotte und an die Rede des englischen Ministerpräsidenten. Er charakterisierte die durch das aroße Defizit hervorgerufene finanziell? Notloge r a n k- reick» und die Sorge Englands vor der Konkurrenz der deut- schen Industrie. Aus diesen Bedürfnissen und Sorgen heraus muffen die deutschen Gegenvorschläge gebellt werden. Ueber deren Anhalt erklärte der Minister, keine näh-ren Angaben machen zu können, da die Prüfung der S a ch- verständigen noch in vollem Gange sei. Er beschränkte sich deshalb darauf, darzulegen, welche Fehler der Pariser Vorschläg! nicht wiederholt werden dürsten. Der 5iauptsehler sei der, daß die Pariser Konferenz die Aufgabe zu sehr als ein finanzielles Problem und zu wenig als Produktionsvroblem onge- faßt bade daß sie völlig Unterlasten habe, die Wirkungen der von Deutschland geforderten finanziellen Leistungen auf den P r o d u k- tionsprozeß der Welt zu untersuchen. Aber auch die finanziellen Bestimmungen als solche seien«n- prakrilch, da eine Mobilisation der Annuitötenschuld nicht möglich sein werde. Abgesehen von ihrer langen Dauer seien die Annui- täten auch wegen der Unsicherheit über die Art ihrer Zahlung als Grundlage eines Kredits ungeeignet, denn im Zusammenhang mit den übrigen Bestinunimgen des Friedensvertrages könne man nie wissen, in welchem Umfange sie in bar. in welchem durch an- rechnungsfähig« Sachleistungen beglichen werden würden. Was die europäische Sesamtwirtschast brauche, nämlich eine groß« Bestimmungen des Friedensver> klare Finanzverpflich- ' internationale Anleihe zum Zweck ihres Wiederaufbaues, insbe- sondere des Wiederaufbaus der zerstörten Gebiete und zur Heilung � der sonstigen Kriegsschäden, sei nur erreichbar, wenn man eine � ganze Anzahl der komplizierten , träges durch einfache und t u n a e n ablöse. Weiterhin bedürfe es einer Verständigung über die Bedingungen, unter denen der deutsche Export, die einzige dauernde Quelle für deutsche Zahlungen, gesteigert werden könne, ohne sich selbst sowohl wie die Industrie der übrigen Staaten auss schärfste zu gefährden. Die zwölfprozentige Exportabgabe sei dazu jedenfalls das allerun- geeignetste Mittel. Man solle darüber die industriellen Sachver- ständigen der beteiligten Länder in unmittelbare Verhandlungen eintreten lasten. Endlich aber müsse das technische Problem des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete energisch angefaßt werden. Es gehe nicht an, daß Frankreich und Belgien jede technische Mitarbeit Deutschlands ablehnten, ohne selbst imstande zu sein, die Auf- gäbe zu lösen. Deutschland biete uneigennützige Hilfe on. es wolle weder Kolonien gründen, noch 53 abgewinne machen. Es habe nur nicht die Absicht, ungeheure Summen zu zahlen und zu verzinsen für Arbeiten, die es bereits mit sehr viel geringeren Kosten hätte ausführen können. Der Minister erklärte, er sei sich bewußt, daß jeder Dorschlag, den die Deutsche Regierung mit gutem Gewissen machen könne, bei der Gegenseite einen ähnlichen Sturm der Entrüstung aus- lösen werde, wie er jetzt bei der Bekanntgabe der Ententesorderungen durch Deutschland gebraust sei. Das sei eben die Folge des Fehlers, zahlenmäßige Fort.er««�», aufzustellen, ehe man den Versuch einer Verständigung über die wirtschaftlichen Unterlagen der Reparationspflicht zu Ende geführt habe. Hätte man das Brüsseler Programm zuerst oerwirklichi, so wäre es vielleicht möglich gewesen, nach dem sogenannien Seydoux schen Vor- schlag zu einer vorläufigen Regelung der deutschen Leistungen zu gelangen; jetzt sei das ausgeschlossen, weil das deutsche Volk hinter jedem Provisorium die unaehme Zahl der Goldmilliarden wie ein Gespenst aufsteigen sehe. Es erscheine undenkbar, daß der Reichs- tag ein solches Abkommen annehmen werde. Die Annahme jedes Abkommens, das in London geschlossen wer- den kann, durch die deutschen gesetzgebenden Körperschaften erklärte der Minister für notwendig, weil darin eine Aenderung des Friedensvertrages voa Versailles und daher der Reichsgesetzgebimg enthalten sei. Die Gegner hätten ja anerkannt, daß ihre Vorschläge vom Friedensvertrag abwichen. Der französische Ministerpräsident habe das schärfste Urteil über diesen Vertrag gesprochen, das bisher überhaupt gefällt worden fei: Er sei nicht lebendig. Dieses Urteil erscheine dem Redner zu hart, weil der Vertrag in vielen seiner schwersten Bestimmungen nur allzu wirksam sei. Aber darin habe B r i a n d Recht, daß gerade die Reparafionsbestimmungen sich als l e b e n s u n t ü ch t i g er- wiesen hätten. In der Tat hemmten sie den wirtschafU'chen Auf- schwung ebenso bei den Reparations g l ö u b i g e r n wie bei dem Reparations s ch u l d n e r. Sie bedeuteten eine bureaukra- tische, nicht eine geschäftsmäßige Lösung und müßten des- halb durch eine bessere ersetzt werden. Diese Erkenntnis unserer Gegner, daß das Werk von Versailles veränderungsbedjirftig sei, bilde einen Aktivposten in der Bilanz der Pmüler Konferenz. Die Schwierigkeiten einer richtigen Abänderung des Vertrages werden nach Meinung des Ministers dadurch vergrößert, daß die Basis der Verständigung nicht breit genug gewählt worden ist. Bei der überragenden Stellung, die sich die Vereinigten Staaten von Amerika als Gläubiger der Entente und als Rohstofflieferant für die europäische Industrie mit Recht für die Reporationssrage beimessen könnten, erscheine es auffällig, daß die Londoner Kou- ferenz auf einen Zeitpunkt angesetzt sei, in dem die omerikanisckse Regierung nicht in die Debatte eingreifen könne. Vermutlich sei der Druck, den die Mhe des i. Mai auf die Reparationskomwisslon ausübe, für die Beschleunigung der Konferenz entscheidend gewesen. Ebenso nachteilig wie das Fehlen Amerikas werde sich auch die ungeklärte Lage im Osten für eine dauerhafte Lösung des Reporationsproblems geltend machen. Wenn die Gegner damit rechnen- daß Dsutfchlatfd durch gcsteiaertsn Export Rlefenfummen für die Reparation verfügbar stellen werde, so müßte ihnen daran liegen, die deutsche Industrie, statt auf ihre eigenen ■ Märkte, auf die des Ostens hinzulenken. Stattdessen habe es den ! Anschein, als ob man auch hier zu einer Urdrosselungspolitik greife, , wie sich aus der Vereitlung der deutschen Wirtschaftsverhsichlungen ' mit den Oftstaaten ergebe. Das Problem werde nicht groß genug � und nicht einheitlich genug aickgefaßt. Man könne ihm nur bei- kommen, wenn man statt der Gedanken der Strafe und der Kon- I kurrenz die Gedanken der Hilfe und der Solidarität in den Vorder- � grund stelle. Zum Schluß forderte der Redner die Zuhörer auf, jeder in seiitein Kreise dahin zu wirken, daß die einheitliche Stimmung, mit der bisher das dsutlchs Volk den Pariser Beschlüssen gegenüber- getreten sei. nicht im Streit über Emzekheiten gefährdet werde, sondern doß die Männer, die Deutschland zu vertreten haben würden, sich dabei getragen fühlten von der einmütigen Unterstützung ihrer Volksgenossen. Die mehr als cinstündige Red« wurde vielfach von Zustimmung und Beifall unterbrochen. Der Beifall steigerte sich namentlich, als Dr. Simons erklärte, daß die deutsche ReichsrenieruNg an ihrer Stellungnahme zu den Pariser Veschlllfsen festhält, wie sie diese im Reichstage dargelegt hat, und daß die feindlich«!- Vorschläge indiskutabel bleiben. Als der Minister mit der Aufforderung un, Unterstützung der Regierung und seiner Person zu den Londoner Verhandlungen schloß, setzte mimitenlanger Bei- all ein. vom preußifthen WühlkaMpf» pommersche wahlblüten. Aus Vorpommern schreibt uns ein Genosse: chier arbeiten die Deutschnationalen jetzt nur noch hunderttousendmarkweise. In den letzten Tagen wurde von ihnen rund ein Dutzend Flugblätter verbreitet. Sie sind aus jedes Spezialinterejse zugeschnitten, im besonderen wenden sie sich an die Frauen. Dabei wird mit Mitteln, Bebanviungen, Lügen und Vorleunidunaen sjearbeitet, die ils plan Ein deutjchna'tionalcs Flugblatt schreibt in Zentimeter- nur als p zur Derro mäßige und bewußte Erziehung >u ng ausgefaßt werden kann. großen Lettern: Nieder mit der Reaktion, die Preußen zerstören Willi Nieder mit der Reaktion, die in den Sumpf der Kleinstaaterei führt! Ein anderes schimpft: „Wer hat die Zeitungen in Räuden, wer will Euch leiblich und seelisch verderben?" Und das dritte fordert die Bauern auf, sich von den Par- teien zu befreien, die d e n H a f e r um ein Spottgeld b e- ' ch l a g n a h m t e n, die die K u n st d ü n g e r p r e i s e so och trieben und die Lauern durch Verordnungen ast zur Verzweiflung gebracht haben! Ja, sind die Verordnungen �nichi ein patriotisches K r i e g s g e w ä ch s? Die verrückte Haferwirtschast, die Kunstdünnerverteuerung, sind das nicht Blüten, die nach dem 6. Juni 1920, nach der„Befreiung von den roten Ketten" wuchsen? Man spekuliert hier, und wahrscheinlich nicht nur hier, auf die Dummheit und Vergeßlichkeit. Die bösartigsten Lügen werden aufgetischt. So schreibt man: Seit der Revolution hat nichts so sehr den Wiederaufbau der Landwirtschaft gehindert, wie die Pionicrarbelk des Lcndwirkschosks- Ministers für deo roten kommunistischen Landarbeileeoerband. lim seine Pläne zu fördern, sollte euch Lauern die Verordnung des Ge- noffen Brau» vom 2. September ISIv von Haus und Hof oer- krciben. Ihr sollt wehrlos den gutbezahlten Agitatoren des Land- arbeiterverbaudes ausgeliefert werden. Deshalb wehr' dich, Bauer, und schicke den Buchdrucker Braun in die Rüben! Werden die Verleumdungen für den Verbreiter offen- sichtlich gefährlich, dann segeln die Deutschnationalen unter falscher Flagge. Sic verbreiten jetzt z. V. folgenden Handzettel: Genossen und Genassinnen, lest! Der sozialdemokratische ehemalige Polizeipräsident von Zürich, Rocher, der sich dieser Tage auf der Durchreise von Stockholm nach der Schweiz in Berlin aufhielt, kam in einer Gesellschakt auf die durch den Versailler Schmachvertrog fü- Deutschland geschaffenen Verhättnisse zu sprechen. Er äußert« dabei einem Berliner Beamten gegenüber: .Wissen Sie. ich bin Sozialdemokrat, ober eines will ich Ihnen sagen: Solange sich das deuifche Deik so hundomäßiz benimm! und sich so treten läßt, ist es wert, so behcrodelk zu werden. Das hat auch dazu beigetragen, daß wir Schweizer Sozialdemokraten weit von Deutschland abgerückt sind und keine Achtung mehr vor ihm haben. Wäre ich Deutscher, ich würde trotz meiner sozialistischen Parteiangehörigkeit ais Protest eine schwar-weiß-rote Rosette tragen." Deutsche Arbeiter, denkt nach! Mit so plumpen Mitteln, denen man die Fälschung auf tausend schritte ansieht, arbeiten dle Deuischnotionalen in Vorpommern. Dabei ist das von uns Abgedruckte nur eins kleine Gelegenheitslefs aus der Bildungssaat, die jetzt die einzig wahren Vateriandsfreunde in Preußen aufgehen lassen. Die Konservativen von ehedem haben nichts gelernt und alles vergessen. Ihre Schwindelarbett setzen sie auch unter ihrer neuen Firma fort. Es liegt an den Wählern, ob sie auf so blöde Mackze hereinfallen wollen, besonders nachdem die innere Hohlheit der Partei durch die Affäre Wulle-Helsferich-Kerkhoff- Mayer-Sinron gerade in letzter Zeit aller Welt die Augen ge- öffnet haben müßte. Der Zuchs im Eisen. Aus Mönchen wird uns geschrieben: Der Auszug der sozialistischen Linken aus dem Landtage beweist, wie wirksam die Aufhebung der parlamen- tarischen Gemeinsamkeit auf eine Regierung und deren Mehrheit ist, die sich taub und stumm gegenüber einer selbstverständlichen Forderung der Volksvertretung stellt. Seit Monaten verlangte die sozialdemokratische Fraktion eine oer- trauliche Aussprache mit dem Ministerpräsidenten herbsizu- fübren, aber die von der Bayer. Bolkspartei geführte Mehr- heit wußte sie immer zu verhindern. K r a n k h e i t des Herrn v. Kohr, das kindliche Mittel zum Schwänzen der Schule. erschien auch den hinterwäldlerischen Volitikern als ausreichend um eine große Partei im unklaren über die Ziele der baye- rischen Politik zu erhalten. Immer zu rechter Zeit mußte der Ministerpräsident erkranken, einmal sich sogar den Fuß in Berlin verstauchen. Diesmal aber kloppte das System zu- fammen. Das sozialdemokratische Ultimatum war um so be- rcchtigter, als ein Adlatus des Kohr im Widerspruch zu der eine Stunde vorher kundgegebenen Entschuldigung des Herrn v. Lust nun eine Erkrankung feines Herrn als Vor- wand der Nichtbeantwortung der Interpellation aufstellte. Gegenüber einem so plumpen und ungeschickten Lügenapparat mußten die gewöhnlichen parlamenta- rischen Hilfsmittel versauen. Die sozialdemokratische Fraktion habe lange genug der Schiebervolitik der Heim-Pöhner und E s ch c r i ch, als deren Bollzugsorgan die bayerische Re- gierung anzusehen ist, Langmut und Schonzeit erwiesen. Das Maß war voll zum Ueberlaufcn. Die plumpen Hände groß- mannssöchtiger. ip den Bal'nen der alten Zentrums- Politik wandelnder Männer durften nicht länger ein F a l s ch s p i e l treiben mit den Lebensinteressen des deutschen Volkes. In Berlin Reichstreue mimen und in München in geheimen Konventikeln reichszerstörende Maßnahmen beschließen, dieser verlogenen Winkelpolitik bereitete die baye- rische Sozialdemokratie das verdiente Ende. Wie drastisch das von der Sozialdemokratie angewandte Mittel wirkte, zeigt die Schnelligkeit, mit der jetzt die Beantwortung der neuen von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Interpellation beantwortet werden soll. Am nächsten Dienstag oder Mittwoch schon soll es geschehen. Durch die Obstruktion ist für die Kabrmebrheit eine andere Situation geschaffen und der Fuchs im Eisen muß daher andere Mittel anwenden, um sich aus der Zange zu befreien. Aber Aufgabe der bayerischen Sozialdemokratie wird es sein, ihm nicht die Freiheit zu neuen Streichen zu verschaffen. Man trauedenWorten derKahr-Regierungnicht! Sie ist unempfindlich gegen Demütigungen wie gegen die schärfste Kritik. Nicht aus Stärke, sondern aus S ch w ä c.) e. Denn sie ist abhängig von außerhalb der Ber- antwortung stehenden Personen! Daher ihr krampfhaftes Festhalten an der Einwohnerwehr, die Begünsti- gung der Rechts- und Links- Bolschewisten. Denn die Regierung Kohr ist schwach, trotz des Ergebnisses der letzten Wahlen. Sie hält sich nur durch den Belagerungszustand und ausnah megesetzlichs Verordnungen und mit Unterstützung einer P r e s s s, die stch alle Mühe gibt, die ihr von Eisner zuteil gewordene Kennzeichnung zu bewahr- heiten. Wie der Iustizminister und Malzschieocrprotcktor Roth, trotz der ihm von der sozialdemokratischen Fraktion bereiteten Niederlage noch heute den Ministersessel ziert, so wird auch das Kahr-Regiment, nachdem es nachgeben mußte, im altenStile derZweideutigteiien undUnaufrichtigkeiten weiter wirtschaften. Zu den bewährten Hausmitteln dieser„Politik" gehört es, auf die Vergeßlichkeit der sie stützenden Wähler zu rechnen und die eigenen Dummheiten anderen Leuten in die Schuhe zu schieben. Triebe die bayerische Sozialdemokratie wirklich nur reine Parteipolitik, wie ihre Gegner behaupten, so hätte sie allen Grund, über die Niederlage des Kohr zu tr'-umphieren. Aber dazu ist die Sachs zu ernst. Die Schwierigkeiten werden sich e r st er geben, wenn die Entwaffnung SoA!o!og!sihe? Geschichtsunterricht. Die Kinder der Zukunftsschule sollen die Arbeit als das Grund- mittel, Werte zu erzeugen, selber hinreichend kennen lernen. Aus der Beobachtung der Gegenwart und der theoretischen Unterweisung erkennen sie als weitere Mittel der Gülcrerwerbung: die Eswatl (Raub. Eroberung, den Inhalt der bis heute gelehrten„Geschichte") und die Erbfolge(dynastische Einkleidung der Geschichte). Ihnen kommen damit Zusammenhänge zum Bewußtsein, aus denen her- aus sie nun selber im öffentlichen Leben gestaltend mitwirken werden. Die bisherige„Geschichte" bestand nur aus Haupt- und Staats- oktionen, der Alltag dazwischen, das ökonomische und geistige Werden und Wachsen, sie werden vernachlässigt, verachtet. Und doch sind sie. nicht die„heroischen" Momente(die noch dazu byzantinisch geklittert wurden) die Hauptsache, das Entscheidende. Der Alltag und die Arbeit sollen heilig gesprochen werden. Aus der Beobachtung der kleinen, scheinbar so unbedeutenden Lebenserscheinungen, aus ihrer Wertung, aus dem Sinn und Verständnis für praktische Arbeit muß ein ganz neues Verständnis für bei, Alltag erblichem Es gilt jedem Dinge irgendwie den Stempel letzter Notwendigkeit und innigster Lebensfreude aufzudrücken. Dann— in voller sittlicher Mitoerant- wortung— fällt das„Heldentum", für freigewähltes Führertum ist die Voraussetzung gcschafsen: die Sittlichkeit des sozialen Menschen. dessen Willensentscheidungen Menschenentscheidungen sind. Auf diese erziehliche Wirkung sollte der— also sozia- lvgisch arbeitende— G c s ch i ch t s Unterricht ausgehen. Die alten Geschichtsbücher aber stopfen— wie die alten Lehrer— welter Heldenverehrung, Schlachtenpoesie, Monarchen„tct-n" in die Köpse der Jugend. Die Schriften im neuen Geist- sind rar. Es muß des- halb fsktzidig begrüßt werden, daß— als Vorläufer größerer, all- gemeinerer Arbeiten— jetzt ein Heft von S i e g f r i e d K o w e r a u. Parteigenosse und Schulreformer. erschienen ist:„S o z i o l o g i- scher Ausbau des Geschichtsunterrichts"(Verlag Neues Vaterland. Berlin W.. Rurfürstenslr. 125), in dem der Ber- fasser den Baugrund freilegt und Sinn und Plan des Neubaues umreißt. Alle Schulmeister und Eltenz, die die neuen Vorschläge wenigstens prüfen wollen, werden zu der Schrift greifen Sie finden in ihr nicht nur eine reiche Literatur zur Kultur- g e s ch> ch t e aufgeführt und gesichtet, sondern auch ein Arbeits- Muster, eine meisterhaste kullurgeschichtliche Analyse eines berühmten Romans(Jakobsen: Frau Marie Grabbe). Kaweraus Pionierjchrift kann gar nicht wann genug empfohlen werden, wenn man bedenkt und beobachtet, wie der heutige Geschichtsunterricht weitcrtorkelt und die Jugend in den Rausch statt in die Klarheit führt Paul Oestreich. der Einwohnerwehr und anderer geheim gehaltenen Organisationen vollzogen werden soll. Die Re- gierung hat in ihrer dem Reich erteilten Antwort nicht ohne Zweck ihm die Verantwortung zugeschoben. Damit sawiert sie sich im Lande selbst und gibt sich den An- schein der Reichstreue über alles, während sie den w o h l v o r- bereiteten Widerstand gegen die Entwafs- n u n g als ein brauchbcres Argument zur Begründung ihres eigenen Widerstandes benutzen kann. Schon machen sich An- zeichen eines gegen das Nachgeben der Regierung gerichteten P u t s ch e s der antisemitisck-deutschnationalen Koalition bemerkbor. In München, der Sammelstelle alles politischen Unrates, wimmelt es von tatendurstigen Abenteurern und arbeitslosen Offizieren. Und Geld für den Tatendrang dieser Gesellschaft ist im Ueberfluß da. Man wundere sich daher nicht, wenn jetzt sich gehegte Putschpläne m Taten umsetzen. Bacherns„LebenSnotwevdiqkeit." Das gestern dem Reichskanzler überzcbene Schreiben der bayerischen Regierung vom 11. Februar gibt, wie WTB. mitteilt, den aus den Beröffentlichungen der letzten Tage bekamiien Standpunkt der bayerischen Regierung in der Einwohnerwehr- und Entwaffnungsfrage wieder, wonach die Einwohnerwehr für das bayerische Volk eine Lebcnsnotwcndigke,t darstelle. Die bayerische Regierung betont ferner, daß sie den Entschluß der R e i ch s r e g i e r u n g, ohne die Londoner Verhandlungen abzuwarten, an die Ausführung der Entwaffnung heranzutreten, für verhängnisvoll halte. Wenn die Rcichsregierung gleichwohl in der Verfolgung ihres Stand- Punktes Maßnahmen zum Vollzuge des„Entwaffnungsdiktates' vorkehren zu müssen glaubt, so müsse die bayerische Regierung die Verantwortung für diese Maßna?)me der Reichsregierung überlassen._ ReichsDshr unö Waffenscbiebunaen. Am vergangenen Freitag hatten sich vier Angeklagte namens Kalk, W ei mann, Lindstedt und Amlang vor der 8. Strafkammer des Landgerichts In Prenzlau wegen Diebstahls bzw. wegen Begünstigung zu verantworten. Der Anklage liegt der Vorwurf rechtswidriger Waffenaneignung bzw. Mitwirkung bei Aeiseiteschaffung dieser Waffen zugrunde. Auf Befragen des Bor- sitzenden erklärte der Angeklagte Weimann, daß ihm im Herbst von dem Waffenmeister Otto Kisten mit Gewehren gebracht wurden, die er in einem dunklen Keller aufbewahrte. Zwei Tage später ließ er sie durch einen Bierfahrcr bei der amtlichen Waffenemziehungs- stelle abgeben und erhielt hierfür 2000 M. Hierauf wurden noch- mcls zwei Gewehre fortgeschafft. Achnliche Aussagen machte der Arrestaufseher Kalk, der, ebenso wie der Mitangeklagte Amlang, einige tausend Mark für die abgelieferten Waffen erhielt. Von den zahlreichen Zeugenaussagen ist die des Ober- leutnants Besch vom Wehrkreiskommando II von Interesse, der erklärte, soweit er sich erinnere, sei im Mai oder Juni eine An- Weisung ergangen, daß Wafsenteile ausgehoben werden sollen für ca. 6 Jahre. Den Waffenmeistern wurde das als Fachleuten überlassen. Er habe den Waffenmeistern Befehl erteilt, die Unter- bringung in einem geeignet erscheinenden Raum zu veranlassen, da die Kammerräume durch die Abwicklungsstelle I.-R. ßi belegt waren. Tie Tantgewehrc sollten bei den Truppen zurückgehalten werden.? In seinem Plädoyer suchte der Erste Staatsanwalt Trost eine Äeußerung des Waffenmeisters Otto als erdichtet hinzustellen, die gelautet habe: Ich habe etwas, was ich verschwindet', lassen muß. Ein Beweis hierfür sei nicht erbracht worden; allerdings sei sehr viel von einer Ententekommission gesprochen worden. Der Staatsanwalt beantragte für die ersten drei Angeklagten eine Ge- fängnisstrase von einem Jahr drei Monaten, gegen den vierten Angeklagten vier Monate Gefängnis. In seiner Verteidigungsrede wies Rechtsanwalt Dr. Liebknecht darauf hin, daß die Zeugen auf das äußerste interessiert seien, den Sachverhalt zu verdun- kein: man müsse deshalb den Aussagen der Zeugen außerordcnt- lich skeptisch gegenüberstehen. Der Verlauf des Prozesses habe erwiesen, daß es sich um ein geheimes Waffenlager der Ausgrabungen im Lahntal. Bei Diez an der Lahn, an einer malerischen Fclsgruppe, der sogenannten Wildweibcrlei, sind jetzt im Auftrage des Nassauischen Landesmuseums eins Anzahl von vor- geschichtliche» Höhlen ausgegraben worden, die eine inter- eflaute Fundstelle wahrscheinlich aus dem Magdalenienzeitaltcr er- schloffen haben. Wie H. H e ck im„Korrespondenzblau der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie mitteilt, fand sich dort in den Kulk- stcinhöhlen eine Ablagerung von Artefakten, die die Bcsiedelung der Höhlen während eines lanqcren Anschnittes der Urzeit beweisen. Ferner wurde eine steinzeitliche Werkstatt in seltener Vollständigkeit ausgedeckt, mit der Unterlage zur Herstellung von Steinwerkzeugen usw. Eine zweite vorgeschichtliche Besiedeluno der Hohle fand in kellisch-germonischer Zett statt. Besonders reich sind die Fundstücke an Tierknochen der Urzeit. Das schöne Lahntal war bisher schon durch sctne Schccdener Höhlenfund« als Siedlungsgebiet der Men- schen der älteren Steinzeit bekanat. Deutsche Künstler in Holland. Die vor kurzem im Städtischen Museum zu A m st e r d a m-rössnete Frübjohrsausstellunq der hol- Kindischen Künstlervereinigung„De Onofhankelyken" enthält auch eine Reihe von Werken moderner deutscher Künstler und öffnet da- mit zum erstcu Male seit 1914 wieder der deutschen Kunst die Psor- ten Hollands. Unter den deutschen Gästen, die in dem großen Ehren- saal ihre Werke zeigen, befinden sich hervorragende Vertreter unserer modernen Kunst, wie Pechstem. Heckel, Schmidt-Rottluff, Cesar Klein, Mclzcr, Wilhelm Schmid, Belling u. a. Bei de? Eröfinung betonte der Vorsitzende der Vereinigung Mauriis de Eroot die Wichtigkeit der internationalen Beziehungen für das Kunstlebcn und hob Deutsch- lands Anteil an der kulturellen Gemeinschaft hervor. Gegen den„Reigen". Am Sonntag fand in Wien eine Ver- sammlung des Katholischen Volksbundes statt. Nach der Versammlung zogen etwa.H3i) Teilnehmer, zumeist junge Leute, vor die Kammerspiele, ms sie Mlt den Worten„Nieder mit dem Reigen, nieder mih, den Sozialdemokraten!" die Unterbrechung der Derstel- lung zu erzwinge» suchten. Den Demonstranten stellte sich die Sicher- heitswache entgegen, welche schließlich die Menge abdrängte, wobei vier Verhaftungen wegen Widcrsetzl.chkeit vorgenommen wurden. Die Vorstellung selbst, welcher gestern auch Arhir Schnitzler bei» wohnte, verlief in aller Ruhe. Der Direktion des Theaters wurden von chriftlichsczialer Seite für den Fall weiterer Aufführungen neue Demonstrationen angedroht. Schausplelergehäller im allen Rom. Uebcr das Einkommen der Schauspieler im eiceronischcn Zeitalter gibt uns die Rede Aufschluß, die Cicero zur Verteidigung seines Freundes, des Schauspielers Ouintus Roscius hielt. Man ersieht daraus, daß die höchsten Gagen, die heute unsere größten Bühnendarsteller erhalten, im Ber. gleich mit jenen Gehältern im allen Rom nicht allzu imposant sind. Cicero sagt in der erwähnten Rede, daß Roscius 6 Millionen Sesterzien, die er in 10 Joh.en auf die ehrenvollste Art hätte oer- dienen können, ausgeschlagen habe. Diese Summe würde nach un- serem Gelde 750 000 M. betragen und mithin ein Iahresgehalt von 75 000 Gcldmark vorausfitzen. Noch Plinius VII. 30, belief sich des Roscius Jahresgehall nur auf etwa 52 490 M., dagegen be- Reichswehr gehandelt habe, da» von den Angeklagten auch als solches angesehen worden sei. Nach weiteren Ausführungen des Staatsanwalts und der Verteidiger wurde das Urteil bekannt- gegeben: Der Angeklagte Kalk erhäll 5 Monats, die Angeklagten Weimann und Lindstedt je 4 Monate Gefängnis wegen Dieb- stahls und der Angeklagte Amlang 3 Wochen wegen Bezun- stigung. Den Angeklagten Kalk und Weimann werden je dm Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet, dem Lindstedt zwei Monate und Amlang die erkannte Strafe. Die Ko" en des Verfahrens fallen den Angeklagten zur Last, die Untersuchungshaft wird ausgehoben. Der Verlauf des Prozesses sowie sein Ausgang werfen ein bezeichnendes Schlaglicht auf die deutsche Rechtspflege Während die Mitwisser der geheimen Wasfenlager, die dce Waffen ablieferten und gemäß der Verordnung des Eni- waffnungskommissars hierfür eine Adlieferungsprämie er- hielten, mit Freiheitsstrafen belegt werden, erachten die �eo- treter der Anklage es nicht siir erforderlich, diejenigen, die verbotene Waffenlager anlegten, unter Anklage zu stellen. Der Staatsanwalt führte in seinem Plädoyer aus, es sei nicht Sache des Gerichtes, die EntWaffnungsbestimmungen des Verfailler Friedensvertrages und des Abkam- mens von S p a oufzvrollerr. Diese Ansicht ist irrig: denn jene Entwassnungsbeding'ingen bildeten die Voraus- s e tz u n g, ohne deren Prüfung die Strafbarkeit der Hand- lungen der Angeklagten überhaupt nicht erörtert, geschweige denn hätte festgeftellt werden dürfen. Der Prenzlauer Wasfenschiebungsprozeß, in dem in Wirklichkeit ganz andere Personen auf die Anklagebank gehört hätten als die vier Berurtcilten, bildet ein neues Blatt in der wenig rühmlichen Geschichte der deutschen Justiz. KabiNTttsumbilSunl? in En�ianö. London. 14. Februar.(MTB) Amtllch wird gemeldet: Der König hat die Rücktrittsgefuche von Milner und Long angenommen und die E.nennung Churchills zum Kolonialminister, Worthington Evans zum Kricgsministcr, Lord L e e' s zum Marinemmistcr und Grifsich Boscawens zum Lcmdwirtfchasts. minister genehmigt. London. 14. Februar.(MTB.) Der Beschluß Lord Robert Eecils, im Unter Haufe in Zulunft auf der Opposition s- dank zu sitzen, ist«in Ereignis von großer Bedeutung und wird entsprechend gewürdigt.„Evenings News" schreiben, die Regierung werde sich gleich zu Beginn der neuen Tagung des Parin- ments einer verstärkten Opposition gegenübe'grstellt sehen. Der Londoner Berichterstatter des„M an ch« st er Guardian" schreibt. Lord Robert Eecils Tat bedeute, daß er zur l i b e. ralen Partei übergegangen sei. Wenn Neuwahlen stattfinden sollten, durch die die Liberalen ans Nuder kommen würden, so würde Lord Robert Eecils unter gewissen Bedingungen bereit fein, in eine liberale Regierung einzutreten. Die Lonüoner Konferenz. Parls. 14. Februar.(WTB)„Tcmps" erfährt, daß die französische Regierung den bringenden Wunsch hegt, jede Ber» zögerung der Londoner Konferenz zu vermeiden» die am 21. Februar beginnen und zuerst die Orientfrag« behende n fall. London, 14. Februar.(TU.)„Daily Mail" meldet: Die fcem- den Vertreter zur Konferenz von London werden Ende der Woche in London erwartet. All« Aufenthaltstosten werden von der Regierung getragen werden. Es sind schon Verfügungen getroffen worden zu ihrer Unterbringung in den großen Hotels. Man rechnet auf ungefähr 200 Personen. Die Wahlen in Süüafrika. London, 14. Februar.(MTB.) Bei den ParlamenfiNvahlen in Südafrika hat die Partei S in u t s 78 Sitze erlangt, dit nlltiona- listi'che Partei von Herzog 43 Sitze, die Arbeiterpartei 9 Sitze, die Unabhängigen haben einen Sitz erhallen. stimmt Macrabius Lib. II. 11. das täglich« Gehalt auf 1000 Denare oder 4000 Sesterzien, was nach unserem Gelde ein Jahres- geholt von mehr als 180 000 Galdmark ausmachte. Das Beispiel des Roscius steht in dieser Hinsicht keineswegs vereinzelt da. Macro- bius berichtet, daß der Schauspieler A e s o p u» seinem Sohn ein Vermögen von beinahe 3 Millionen Mark, die er nur durch seine Kunst erübrigt, hinterlassen habe. Bedenkt man, daß die Schauspieler damals ebensowenig wie jetzt Meister in der Sparsamkeit waren, so scheint dieser Aefopus allerdings eine recht schöne Summe ringe- »ommen zu haben. Der Tod als Erlöser. Der Direktor und die Aerzte des im Staate Connecticut gelegenen Irrenhauses von Norwich haben bei der Regierung und dem Parlament den Antrag gestellt. die Aerzte durch Erlaß eines Gesetzes zu ermächtigen. Geisteskranke, deren Leiden als unheilbar erkannt ist, zu beseitigen. Der Antrag wurde von einer großen Zahl von Senatoren unterstützt, die kürz- lich Gelegenheit hatten, die Anstalt von Norwich zu besichtigen. Man zeigte ihnen dabei einen Irren, der seit 5 Jahren nicht aus der Tobsuchtszelle und der Zwangsjacke herausgekommen ist. Nach der Versicherung der Aerzte besteht nicht die geringste Hoffnung auf Heilung, so daß der Kranke sein ganzes Leben lang in diesem er- barmumswürdigen Zustand wird oerbringen müssen. Die Befür- worter des Todes, als des letzten Mittels, um den Leiden der un» heilbar Kranken ein Ziel zu setzen, verlangen, daß die Regierung einen Ausschuß ernennt, der sich aus Mitgliedern zusammensetzt, welche in der medizinischen Welt unbeschränkte Autorität besitzen. Dieser Ausschuß von Sachverständigen soll mit der Aufgabe betraut werden, die Kranken zu untersuchen und das Todesurteil zu fällen, das durch ein raschwirtendcs Gift vollzogen werden soll. Vrok. chow-HauS. Litücnt 58/.>9, am Do.meiSlaa. 17. Februar, abends 7'/, Uhr. einen LitUbildervoilraz. „Atiodcrne Franendilblung« Neil am ToanerStag, 17. d. Mt»., abcndS 7'/, Uhr in der«ula de» OtymnasiiimS zum®r:uen Sloitet (filofleiftiaße) au' Einladung der Boi«bübne S. B. Ciaire Lepüre. Emiasckarle» zum Preise von l Ml. in der VollSbllhne. bei Tied und au der Abendiafse. Bon Paul lyutman» bringt der Verlag Ehr. Anbrö. Berlin S. 15. demnächit unter dem Tuet:.Alle« nur Menschen" ein« Bomtw. >ung sai irischer und andrer Erzählunze», von denen ein Teil den Leiern des.BorwaitS" bereits belaimt ist. die Tragödie in öen Karpathen. Unter sehr starkem Andrang des Publikums begann heute vor» mittag vor dem Schwurgericht in Moabit der Prozeß gegen den früha�en Ocrleutnant beim Gardefüsilierregiment, den jetzigen Assessor Hitler, wegen Mißhandlung eines Untergebenen und Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Der Fall Hiller-Helmhake hat bereits zweimal die Gericht« be- jchäftigt. Zuerst das Militärgericht, das den früheren Ober» leutnant Hiller wegen Körperverletzung mit tödl chem Ausgang freisprach mrd ihn wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu 7 Wochen Festung verurteilte. Das Oberlriegsgericht als Berufungsinstanz hat dagegen Hiller wegen Mißhandlung und Karporvertetzung mit tödlichem Ausgang zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil wurde vom Reichsmilitärgericht aus formalen Gründen angefochten, da die Besetzung des Richter- kollvgmms beim Oberlriegsgericht nicht ordnungsmäßig erfolgt war. Wie erinnerlich, waren die beiden bestellten Offiziere, welichz als Beisitzer fungieren sollten, nicht erschienen und man mußt« deshalb Ersatzleute beschaffen. Nach Aufhebung der Militärgerichte wurde der Fall Hiller. Helmhak« nunmehr dem Schwurgericht überwiesen, das jetzt noch- mals die ganzen Borgänge aufrollen wird, welche den Tod des Füsiliers helmhake herbeiführten. Wie noch erinnerlich fein dürfte, log Oberleutnant Hiller mit einer Kompagnie Illlö in den Karpathen. Di« Mann» fchaften waren durch die Strapazen des Grabenkrieges und die allgemeine herrschende Dysenterie sehr erschöpft, so daß zeit- weilig die Hälfte der Kompagnie krank war. Der Füsilier Helmhake war von Oberleutnant Hiller bei starker Lälte an einen Daum gebunden worden und wurde dann in einen als Arrestzell? dienenden Unter st and gebracht, der teilweise mit Wasser angefüllt war. Nach mehreren Tagen starb Helmhake, dem nach den Zeugenaus'agen in der zweiten Verhandlung vom Kompagnieführer die Verabfolgung von Nahrung entzogen wordin war, infoige Entk.äftung. Ueber die Todesursache war dann von Oberleutnant Hiller ein Protokoll aufgenommen worden, das dem Bataillon weitergereicht werden sollte, das aber nicht mehr bei den Papieren gefunden worden ist. Die heutig« Verhandlung leitete Landgerichtsrot Braun, während die Anklag« von Staatsanwaltschaftsrat Dr. Sauer ver- treten wurde. Die Verteidigung des Angeklagten hat wiederum Rechtsanwalt Dr. Georg Hirfchfeid übernommen. Bei der Auslosung der Geschworenen erklärte sich der Schlosser Donath für be- fangen. Er sei selbst Kriegsteilnehmer gewesen und habe mehrere Verletzungen erholten. Er Hab« jedoch mik Offizieren so ungünstige Erfahrungen gemacht. daß er sich dem Angeklagten gegenüber, d«r ja auch Offizier gewesen sei, für befangen halte. Es folgt der Aufruf der Zeugen, deren Zahl etwa 60 beträgt, darunter befinden sich zahlreiche ehemalige Angehörige der vom An- geklagten geführten 4. Kompagnie, mehrere frühere Offizier« von der Kompagnie des Angeklagten, mehrere höhere Offiziere, unter ihnen auch der früher« Reg'mcntsführer des Angeklagten Oberst Graf v. d. Schulenburg und Generalmafor Grauthof, der als Ge- richtsherr gegen das Urteil der ersten Instanz Berufung eingelegt hat. Die Zeugen werden bis auf acht auf morgen beurlaubt. Bor Eintritt in die Vernehmung des Angeklagten erhebt der Verteidiger den Einwand der Unzuständigkeit des Schwurgerichts und beantragt Gerichtsbeschluß hierüber sowie darüber, daß die Berufung des Gerichtsherrn sich nicht auf den si 123 des M.St.G.B. erstreckt und, daß hier ein nicht den gesetzlichen Vorsch'-iften entsprechend beurkundetes Rechtsmittel vorliegt. Siaatsanwaltfchaftsrat Dr. Sauer legte dar, der§ 10 des Gesetzes für die Uebergangsbestimmungen der Militärgerichte be- stimme ausdrücklich, daß ein Verfahren von den bürgerlichen Ge- richten in der Weife übernommen werden müsse, in der es sich befinde. Für ein übernommenes Verfahren fei lediglich der materielle Inhalt maßgebend. Der Inhalt der Anklag« gehe ober davon aus, daß der Ängeklazte sich im Sinne der§§ 122, 123 M.St.G.B. vergangen hnt. Für die Zuständigkeit des Schwurgerichts fei ein be- sonderer Beschluß nicht notwendig. Einwendungen gegen die Zu- ständigkcit des Gerichtes hätten sofort bei Eröffnung des Verfahrens erhoben werden müssen. Die Sitzung wurde dann auf einige Minuten unterbrochen, da im Auftrage des Reichswehrministers dem Gericht mitgeteilt wurde, daß der Neichswehrminifter Geßler dem Generalmajor Grauthof die Genehmigung zur Aussage erteilt habe. Hierauf wurde die Anklage verlesen, die sich zum Teil auf die Entscheidung des Oberkriegszerichts stützt. Es wurden noch einmal die Zustände bei Dolsky in den Karpathen geschildert, wo Oberleutnant Hiller mit der 12. Kompagnie des Garde-Füfilier- Regiments lag, in der sich Helmhake befand. Die Anklage geht da- von aus, daß Oberleutnant Hiller dem Helmhake eine Ohrfeige ge- geben, ihm in den Rücken getreten, beschimpft, an den Baum gebunden und dann in ein f»uchtes Crdloch ein- gesperrt habe. Und daß er schließlich den Defehl gab, dem Ge- sangenen Helmhake kein Essen zu verabfolgen. Wietsehaft Die hohen Fifchprcise. Auf den letzten Märkten in H a m b u r g, Cuxhaven, Geestemünde sind die ohnehin schon hohen Fischprcise noch bedeutend weiter in die Höhe gegangen. Für de» Kleinhandel stellten sich die Preise im Einkauf für Seefische wie folgt: Schellfisch 3,50—6 M.. KabeHau 3.60—5 M.. Seelachs 8.50 bis 5 M., Dorsch 2—4,50 M.. Flunder 2—1 TO., Scholle 5—6 TO., Rotzunge 6— 8 TO.. Seezunge 20— 22 TO., Steinbutt 12— 14 TO., Tarbutt 7—14 TO., Lachs 25— 23 TO. pro Pfund. Flußfische kosteten: Zander l-bend 9—13 TO., Karpfen lebend 11—12 TO., Hechte lebend 10—12 TO., Plötzen lebend 4—5 TO. Die Zufuhren an frischen Heringen waren sehr reichlich und die Preise gingen zurück. Bezohll wurden pro Pfund 1,50—2 TO. Krankhafte Erhöhung der Dod-npreise. Bei einer Versteigerung von P a ch t ä ck e r n. di- bisher 4350 M. eintrugen und die der Ge- meinderot auf 10 000 TO. schätzte, wurden 6 9 208 TO. erzielt.— Ein Landwirt in Erottorf lBez. Magdeburg) zahlte kürzlich 17 400 M. für M Morgen, von denen noch% Morgen Unland waren.— Aus Krassen wird berichtet: Für eine Siedlung würden ungefähr 400 Morgen Land in Frag« kommen, das zu dem 3200 Morgen großen Rittergut K. gehört. Der Besitzer hat zwei Jobre vor Kriegsausbruch den Morgen zu 210 M. erworben und will ihn jetzt nicht unter 5000 M. hergeben. Hochschuhzoll in Ungarn. Die Neuregelung der Zusäiläge zu de» Eluiuhrzöllen sieht'iir die Einfuhr von RobU offen und Masckinen ein Auigeld vor. das daZ Zwölffa-be de? Ein- fuhrzolles, für MasiengebrauckSartiket das.�wan zigfache, für Luxus« und M o d e a r r i k e l das Fünfunddreißigfache, für reine G e n u ß in i t t e l. wie Südfrüchte und Champagner, das Siebzigfache des Einfuhrzolles beträgt. GroßGerün Geyen Sie paxiser Sesthlüsse. Im größten Saal Berlins, dem Sportpalast, der dicht gefüllt war, fand gestern eine von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur veranstaltete Volkskundgebung gegen die Pariser Beschlüsse statt. Die Redner Reichstazsabgcordneter Professor Dr. Kahl, Ge- sandter Dr. R i c z l e r, Reichstagsabzeordneter Regierutzgsrat Laoerrenz, Reichstagsabgeordnetcr Dr. Maximilian Pfeiffer und Dr. Croll riefen zur Einigkeit des ganzen Volkes in der Frage der Ablehnung des neuen Diktats auf. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: Die am 13. Februar 1921 im Sportpalast versammelten Deut- schen aller Schichten und Berufe erheben einftimmiz Protest gegen die Tersklavungsbeschlüsse von Paris. Das Geinifch von Lasten, Aderlassen und Kontrollen bezweckt die Zerstörung der deutschen Wirtschaft und schaltet unser Doik als Kulturfaktor der Welt aus. Die Versammlung ist überzeugt, daß die schwächliche Ueber- nähme unerfüllbarer Bedingungen uns nur eine Galgenfrist ge- währen, uns aber damit die Achtung vor uns selbst und vor der Welt kosten und damit die Grundmauern für den Wiederaufbau der deutschen Zukunft zerstören würde. Es handelt sich nicht um Daseins- bedingungen der heutigen deutschen Generation, sondern um Leben und Ehre unserer Kinder und Kindeskinder. Die Versammlung fordert die verantwortlichen Leiter der beut- schen Politik auf. jeder unbilligen und undurchführbaren Lösung der Frage die Zustimmung zu versagen. Das verbrechen an ösm tzansniöSchen. Zur Aufklärung des Verbrechens an dein 19 Jahre aiten Hausmädchen Wladislawa Bclehnerowfka aus der Königgrätzer Str. 72 hat die Kriminalpolizei eine Belohnung von 5000 TO. ausgesetzt. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, bestimmte Anhaltspunkte, die auf die Spur des Täters führen könnten, zu finden. Der Zustand der Ueberfallenen ist so ernst, daß von ihr wohl keine Angaben mehr zu erwarten sind. Sie liegt nach wie vor völlig apathisch danieder. Der Schlag aus den Kopf, den ihr der unbekannte Täter versetzte, ist nicht mit der scharfen Schnittseite des Beils, sondern mit der Breit- seite geführt worden. An dieser wurden noch Haarreste gesunden. Im Laufe des gestrigen Soinitags wurden von den Kriminalkom- missarsn Dr. Grünbcrg und Bänger noch weitere Zeugen vcrnom- men, so auch Angehörige des Mädchens, die in Berlin wohnen, um über ihren Männervcrkehr Näheres zu erfahren. Wie bereits mit- geteilt, muß sich der Täter selbst stark mit Blut bcsuldclt haben. Die Krimmalpolizei bittet tahcr alle Personen, die am Sonnabendmorgen einen Mann mit blutbefleckten Kleidern gesehen haben, sich um- gehend im Zimmer 190a des Berliner Polizeipräsidiums, Hausan- ruf 411, zu melden. Im Ikreit erschlagen. 3ai Streik erschlagen. Unter den Linden geriet in der ver» gangenen Nacht ein etwa 35 Jahre alter Mann, desien Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte, kurz nach Mitternacht zwischen der Wilhelm, und Frledrichstraße mit einem ihm fremden Manne in einen Wortwechsel, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Sein Gegner versetzte ihm mit der Faust und mit dem Regenschirm so wuchtige Schläge aus den Kopf, daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Besinnungslose wurde nach der Rettungsstelle in der Kronen- straße gebracht, dort konnte man aber nur noch den Tod feststellen. Die Rettungsstelle ließ die Leiche nach dem Schauhause bringen. Der Gegner ging davon, wurde aber von Zeugen des Vorfalles verfolgt, festgenommen und der Polizei übergeben. Der unbekannte Tote ist 1,70 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und trug einen schwarzen Marengoanzug, graue Strümpfe, schwarze Schnürschuhe und einen schwarzen, steifen Hut. Sein Taschentuch ist E. H. ge- zeichnet. Bei sich hatte er einen Regenschirm. Besondere Kenn- zeichen sind eine alte Narbe zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, das Fehlen eines Gliedes am Mittelfinger der linken Hand und Warzen an der Stirn und auf der linken Wangs. Auslkefernng BirndörfcrS. Einer Meldung aus Lausanne zufolge hat das Bundesgericht einstimmig die von Deutschland verlangte Auslieferung des ehcmali- gen Direktors des Edcnhotcls Albert Birndörfer, der zurzeit in St. Gallen in Haft ist, verfügt. Birndörfer ist verfolgt wegen des dringenden Verdachts der fortgesetzten Deomtenbcstechung. An die Auslieferung wird die Bedingung geknüpft, daß er nur wegen dieses Vergehens verfolgt werden darf und es wird ein ausdrücklicher Vor- behalt gemacht iin Sinne des Artikels 4 Abf. 3 des zwischen Deutsch- land und der Schweiz abgeschlosfencn Auslieferungsvertrags. Die Wahlen im 20. Vcrivaltungsbezirk. haben einige Ueberraschungen gebracht insofern, als sie das mehr als doppelzüngige Verhalten der ll.S.P. und K.P.D. zeigten. Nach dem Bericht des Wahlausfchusics hatten sich die Parteien geeinigt, daß als 1. Bürgermeister der TOagistratsasfefsor V r u m b y-Neu- tölln vorgeschlagen werden solle. Ueber die Besetzung der anderen Posten war eine Einigung nicht erzielt worden. Bei der Wahl des 1. Bürgermeisters schlugen die U.S.P. und K.P.D. plötzlich den b ü r g er l i ch e n Schöffen R e i ch h e l m- Reinickendorf als Kaitdidaten vor, der denn auch mit 22 Stimmen gewählt wurde. Daß die Unabhängigen und Kommunisten, die vorher betonten, sich mit einem Bürgerlichen n'cht an einen Tisch setzen zu wollen, geschlossen sich für die Wahl eines Bürgerlichen als Bür- germeister rntschiedev— trotzdem ihnen ein anerkannter sozialistischer Jurist präsentiert wurde—, läßt ihr radikales Geschrei wieder einmal in einem grellen Licht erscheinen. Als stellvertretender Bürgermeister wurde Seite(U.S.P.X ge- wählt. Als besoldete Stadträte wurden Hecht(U.S P.), Fischer und Kcsierl(KP.D.), Neunzig und Scharf sS.P.D.) gewählt. Bemerkens- wert ist, daß der von unser.n Organisation aufgestellte Genosse TO e y e r-Tegel aussiel, weil dieser für die Berücksichtigung der zen- traten Abmachungen eingetreten war. Dagegen sollen, wie ein uns vorliegender Bericht vermerkt, die gewähllen Gcnvsien Schars und Neunzig Verfechter eines rein fozia- listischen Bezirksamts gewej'n sein. Es wird Sache der Partei- organisation sein, zu diesem Vorgong in geeigneter Weise Stellung zu nehmen. Soweit es sich bisher übersehen läßt, sind die zentralen Abmachungen von unserer Partei rn keinem Bezirk gebrochen wor- den. Als unbesoldete Stadträte gingen Schwabedahl(S.P.D.), Gra- sunder.(K.P.D.), Schäfer(U.S.P.) und Kempin(bürgerlich) herior. Vereinigung proletarischer Kindcrfreunde,?lbt Berlin. Unter diesem Namen ist eine Organisation ins Leben getreten. welche die Kräfte der Selbsthilfe und Eelbstverantwortung des ge- samten Proletariats zur Hilfe für die proletarische Kinderwelt wach- rufen und zu sinnvoller Betätigung führen will. Ihre besondere Aufgabe erblickt die B. v. K. in der Errichtung und Unterhaltung von im Geiste proletarischer Gemeinschaft geleiteten Kindergärten, Kinderhorten und Kinderheimen, sowie in der Heranbildung von Erzieherinnen aus dem Kreise der proletarischen Mädchen und Frauen. Sie will Ihre Wirksamkeit überall dort entfalten, wo die Einwirkung der öffentlichen(staatlichen oder kommunalen) Körper- schaften versagt oder gegenüber der proletarischen Initiative weniger fruchtbar erscheint: und zugleich einen neutrale» Boden darstellen. auf welchem alle Sozialisten dem gemeinsamen Zwecke dieser Hilf« für die Kinder des Proletariats dienen können. Die Bereinigung, deren provisorische Vorsitzende Dr. Lömenstein und Dr. Sußmann sind, wird bald nach den Landta�swahlen in einer großen öffentlick'en Kundgebung das Proletariat der Stadt- gemeinde Berlin zur Mitarbeit aufrufen. Beitrttserklärungen nimmt schon jetzt entgegen der Kassierer Franz R e i n s ch, Eharlottenburg. Am Volkshaus 1. Der Mit- gliedsbcitrag betrögt mindestens 1 TO. pro Monat. 3m Tlrell erschossen wurde ein 24 Jahre alter Arbeiter Max Nilling in der Schankwirtschast von Stefan Claoawatscha in der Münzstraße 3. Er geriet dort mit dem Wirt zusammen, dieser schoß auf ihn und traf ihn so sckzwer, daß er auf der Stelle verschied. Der Wirt wurde verhaftet. Ein folgenschwerer Anlomobi'unfall. bei dem mehrere Personen erheblichen Schaden erlitten, rief am Sonntagabend in der achten Stunde im Scheunenviertel große Aufregung hervor. Ein voll- besetztes Auio fuhr in der mangelhaft beleuchteten Kleinxn Alexonderstraße nahe der Volksbühne gegen einen dort lagernden starken Balken. Das Auto ging in Trümmer. Die Insassen wurden herausgeschleudert und schwer verletzt. Die alarmierte Feuerwehr brachte die unbekannten Verletzten nach Krankenanstalten. Aus der Chronik der Ccbenssnüden. Der 24 Jahre alte Musketier Osker G. hat sich Im Schloßlazarett in Charlottenburg durch zwei Schüsse in die rechte Schläfe getötet. Der 53jShrifle Georg P. erhängte sich in seiner Wohnung in einem Hause des Kurfürstendamms. Auf der Strecke Wanosce— Drewitz warf sich der Kaufmann Leo Fclsenstein vor einen Sladtbahnzug und wurde auf der Stelle getötet. Die Leiche brachte man nach der Halle in Waansee. Die 21 Jahre alte Dentistin Maria Sch. veraistete sich in ihrer Wohnung in der Ticckstrahe mit Lysol. Sie hat die Teck im Zu- stände geistiger Umnachtung begangen. von einem Priva'krallwogen überfahren und gelötet wurde gestern nachmittag In der Berliner Straße zu Wilmcrsdorf-Halcnsee die 50 Jahre alte Frau Johanna Marx aus der Pariser Str. 57. Beim Ueberschrclten des Dammes vor dem Hause Nr. 144 geriet sie unter den Wagen und wurde so schwer verletzt, daß sie nach kurzer Zeit starb, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein. Die Verunglückte war zunächst unbekannt, wurde aber im Lause des Tages als Frau Marx festgestellt. D. L. Vi. f. Naturtnnde. SienStna, den 13. f7t5-u(ir, V,s. Leib er» »rre liJdtttiS, Zllexandervlab, Z. 4/3. VoHiaizS'eide:.Die»nir'rchcn Gewässer.' I. Abend: H. Arndt:»Die GeoloLie der mäiliichcn Gewässer.' Der schwedische T'vviiotoge Tr. Liljesirand Slockliolm wird!e ne Gas! tu» leiunaen n» der Dei ijchcn Hochschule für Leibesübungen am svrcl» Im. dcnlS.,»rd ifrutan. den 21. Jebruar, abend? 7 bis Sllbr, im großen Hörsaale des Lange: bcll.Hauics. Verliii N. 24. Ziegeislraiic in- U, baiicn. Es werden bclar dcll am preitag, den 16. d. MIS.:.Der rrchiraiwiiche sIilwungs-sNatwechicI bei pewisien.ZloiJjeullhingm'. und am 21. d. MtS., 2' anlag: ,F,uv Alysiclogie drS etfiminui eri.' Di? Vorlesung ist össenluch und unenlgclslich. Sillc Turn- und 5 po: lsrrunde sind eingeladen. I» den Tecla-Lichtsplclen Unter den Linden gelangt zurzeit ein fünf- oktigcs Filmdrama„D a S M e d i u m" zur Lussühiung. Wie schon cuS dem Titel zu entnchmen ist, bat der Bersasier Max Jungk seinen„Stosi" dem El»riltZi:mS entnommen. Kartenlegerei, splritistische Si�ungen, mediumistischcö Hellsehen,„Materialilation der Geister, alles zieht in interessanten abwechslungsreichen Bildern vor dem Auge des Beschauers vorüber. Der Film entbcbrl neben seiner wunderbaren Klarheit euch wicht eines gewissen bildne.ilchen Jntcrcsies. Lech leres um so mehr, als der in der Darstellung die größte Nalle spielend« Rcvillo, der des Medium Linda völlig in seiner Gewalt hat, als ein gewerbsmäßiger Schwindler entlarvt wird. Sechzehnte Quittung. Für die KriegSzermalmten In Groß-Berlln-r Lazareikn stuidtc:: noch ein: Gäbe des RestanranlS Nich. Moor. Lichten- berg 70 iv: 10 M. Jilh eaeld in Sachen Marx/Aue durch Zchiedsniiinn Strahlen 67. Bez.: lteberschnn der Kranzsammlunq stl, Ka I Legicn. ver» aniialle« von der Rrbeiterschast der A.E K. Henningsdors 173.60 sy: G-lellio» leitsverein in Karow b. Buw 168 M.; bereits anitiiert 34893,90 M. und 120 Tl. KiicgSanIcihe, inSges. 353:41,50 At. u. 130 Sit. Kriegsanleihe. Grost-Serline? parteinackricbten. Dlarlendors. Dl« M'tgUedetveriamir.lung flndet nicht, wie g-siern angegeben. heule, Montag, sonder» uungen. Dienstag, abends, Schutaula, KuriUrstenstraße, statt- �ußenZveranftaltunyen. verein«rbeUrr-Jugend«rob-Berlin. Sekretariat: NW.«. In den gelte» 13. 5eVerM)Qstsbewegung vorstanöswahl im Cisenbahnerverbanö. Die Wahl des Vorstandes der Ortsgruppe Berlin war in der Generalversammlung am Sonntag vor acht Tagen unentschieden ge« blieben, weil jede der beiden Listen die gleiche Stimmen- zahl erhalten hatte. Die am gestrigeu Sonntag abgehaltene Generalversammlung nahm deshalb die Wahl von neuem vor. Dem Wahlakt gingen mehrstündige Erörterungen voraus. In einer Rcihe von Erklärungen kamen die Parteigeaensätze, die bei der Wahl eine Rolle spielen, teils direkt, teils indirekt zum Ausdruck. Eine längere Erklärung der Zahlstelle Lichterselde fordert eine Zu- sammensetzung des örtlichen Vorstandes ohne Rücksicht auf die poli- tische Stcllunq der einzelnen Mitglieder. Der Redner, der diese Er- klärung begründete, sagte, er sei der Gesinnung nach Kommunist, aber ein Gegner der Moskauer Bedingungen. Innerhalb der Ge- werkschaft müßte der Parteistreit schweigen und die gewerkschaftliche Arbeit im Sinne der Einheitsfront aller Arbeiter betrieben werden. Was die Lichterfelder Erklärung verlangt, das kommt durch die von der Ortsvecwaltung aufgestellte Liste Willy Schulz praktisch zum Ausdruck. Sie ist nur nach gewerkschaftlichen Gesichtspunkten aufgestellt, setzt sich zusammen aus Arbeitern und Beamten, Der- tretcrn der Werkstätten und der Berkehrsbctriebe und nimmt keine Rücksicht auf das politische Bekenntnis der Kandidaten. Die Gegen- liste Schmidtke soll zwar nach der Angabe eines kommunistischen Redners keine kommunistische Liste sein, sie ist aber in der„Roten Fahne" ausdrücklich als die Liste der Kommunisten b e- zeichnet und empfohlen worden. Bei der Wahl wurden 386 Stimmen abgegeben. Die Liste Schulz erhielt 189. die Liste Schmidtke 197 Stimmen. Die Zufallsmehrheit von 8 Stimmen für die kommunlstitche Liste entfachte bei den Kommunisten im Saale und auf der Zu- Hörergalerie einen tosenden Beifallssturm. Die sudelnden..Siegerbekamen aber lange Gesichter und entrüsteten sich gewaltig, als der Berbandsvo r fi tz e n d e Scheffel namens des Vor- standes erklärte. Der Vorstand fordert die alte Ortover- waltung auf. ihre Aemter nicht niederzulegen, sondern solange im Amt zu bleiben, bis sie vom Verbandsvovstand ander« Nachricht erhalten. Die eben vollzogene Wahl kann nicht anerkannt werden. Zunächst deshalb, weil einige Kollegen, gegen die ein Ausschlußverfohren schwebt, mttge- stimmt haben. Hauptsächlich aber kommt für den Vorstand al» aus- jchlaggebend in Betrocht: Ob die Gewählten Sozialdemokraten oder Kommunisten sind, ist gleichgültig. Es kommt nur darauf an, ob sie auf dem Boden des Statuts, der Beschlülse de» Verbandstages und der Amsterdamer Jnter« nationale stehen. Das trifst für die in der Liste Schmidtke i»erf3r?»•-/»»••• o• l*--- ö-ir------ worden. Das gleiche Schicksal hätte der Deutsche Eiscnbahnerver- band zu erwarten, wenn die Moskauer Richtung«inen bestimmten Einfluß in seiner Leitung bekommen würde. Der Verband muh vor der Zertrümmerung bewahrt werden. Er muß eine geschlosien« Macht im Kampfe für die Interessen der Eisenbahner bleiben. Nach dieser Erklärung, die auf der einen Seite lebhaften Bei- fall, auf der anderen Seite lebhaften Widerspruch hervorrief, wurde die Versammlung geschlossen._ vie Teuerungsbekhilfe Ser SvchSrucker. Der Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer hatte Sonntag eine stark besuchte außerordentliche Generalversamm- hing, in der der Bericht von der Tarifousschußsitzung gegeben wurde. Der Tarifausschuh hatte Stellung zu nehmen zu der Forderung der vehilfenschast de« Buchdruckgewcrbes nach einer neuen Teuerung?- zutage. Die Gehilfenvertreter verlangten eine Zulage von 33 M. pro Woche. Da die Arbeitgebervertreter sich durchaus ablehnend verhielten, wie der Referent M a s s i n i darlegte, so wurde tele- graphisch von Leipzig, dem Tagungsort des Torifausfchusses, aus das Reichsarbeitsminiftcrium um Vermittlung angerufen, womit schließlich auch die Unternehmer einverstanden waren. Der Schlich- tunqsausschuß beim Arbeitsministerium bewilligte für die Lohn- klaffen B und C folgende Wochenzulagen: In den kleineren Orten Mit einem Lokolzuschlag bis einschließlich Pro*. 10 M., in den mittleren Orten mit einem Lokalzu'chlaa bi» zu ITH Proz. 12 M., in den übrigen Orten IS M. Die Gehilfenschaft im Berechnen sollte diese Beihilfe n i ch l erhalten, soweit die Gehilfen mehr als 13 Proz. über ihren Tariflohn während der ersten S Wochen dieses Jahres »erdient haben. Auf Wunsch sollte die Beihilfe auch in Gesamtbe- trägen(130 M. bzw. 156 M bzw. 195 M.) gezahlt werden können. In Leipzig mochte sich nun eine Kommission cm eine Berbesie- rung des Schiedsspruchs. Der einstimmig, asio auch von den Ar- beitgebern angenommene Kommissionsvorschlag, der auch die vom Schlichtungsausschuß zugestandenen Zulagen erhöhte, wurde jedoch vom Plenum des Terifausschusies abgelehnt, was bei den Gehilfenvertretern große Erregung hervorrief. Schließlich kam am letzten Verhandlungstaz folgender Vorschlag zustande: s In Anb-trochk de? Lage der häuslichen Verhälwisie der Ge- . Hilfen wird eine weitere Mse für erforderlich angesehen, die am besten mit der Zahlung einer einmaligen Wirts chafts- b e i h i l f e geleistet wird. Diese Wirtschaftsbeihilfe soll in den Lohnklosien B und C betragen: an Orten bis zu 71- Proz. Lokal- Zuschlag 130 M., an Orten mit mehr als IVj Proz. bis 11% Proz. Lokalzuschlag 158 M. und an den übrigen Orten(wozu Berlin gehört) 195 M. Die Beihilfe kann in drei Roten gezahlt werden, und zwar mit je einem Drittel in den Monaten Februar, März und April jeweils am dritten Zahltage. Den Hilfsarbeitern über 21 Lohren ist ein anteilmäßiger Betrag nach den für die Entlohnung im Rcichstarifvertrog festgesetzten Prozentsätzen zu zahlen. Die seit dem 3. November 1920 unter Vorbehalt gewährten außer- tariflichen Zulagen können auf die obige Beihilfe angerechnet werden. Das am 8. November 1920 obgeschlosiene Lohnobkommen mit Einschluß der obigen Wirtschaftsbeihllfe hat nunmehr Geltung bis zum 30. April 1920. Die Berechner erhalten ebenfalls die Beihilf«. Die Mehrheit der Gehilfenvertreter beim Tarifausschuß hat nach langer Beratung und eingehender Erwägung alles Für und Wider diesem Vergleichsvorschlage ihre Zustimmung gegeben. Massini legte die Gründe im einzelnen dar und empfahl seinerseits der Generalversammlung, ihnen zuzustimmen, weil es in der ge- gcbenen Situation das zweckmäßig�« wäre. In der sehr lebhaften Diskussion kamen verschiedene Mei- nungen zum Ausdruck. Ein Antrag, an der Forderung einer Zu- läge von 35 M. wöchentlich fefizuhalten und den Gauvorstand zu beauftragen, die nötigen Schritte zu ihrer örtlichen Durchsetzung zu tun, wurde abgelehnt. Dagegen wurde mit überwältigender Mehrheit folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt folgendes: Die Haltung der Prin- zipalität wirkt provozierend auf die gesamte Ge- Hilfenschaft und fordert geradezu zum Streek heraus. Ebenso ist der Schiedsspruch so völlig ungenü- g e n d, daß auch hier die Anwendung des letzten Kempfnüdtels geboten wäre. Wenn dennoch die Versammelten dieses Mittel nicht anzuwenden empfehlen und den Schiedsspruch(in der beim Tarifousschuß gegebenen Fasiung) annehmen, so tun sie es lediglich aus taktischen Gründen Aus diesen Erwägungen heraus beauftraoen die Dersonimelten den Vorstand, in geeigneter Weise Borkehrungen zu treffen, damit siegreich in Kürze nachgeholt werden kann, wa» man jetzt in egoistischer Absicht oerweigert hat/ Achtlmg, Bauarbeiter! Die Delegierten des Deutschen Bauorbeiterverbandes, Bezirksverein Berlin, nahmen in einer Versammlung am Donnerstag, den 10. d. M., unter anderem auch zu den Lohnstreitigkeiten im Ber» liner Baugewerbe Stellung. Nachdem die Unternehmer den am 14. Januar d. I. unter Vorsitz des Herrn Regierungsrat Dr. Goldschmidt gesällten Schiedsspruch, der ad 10. 1. eine Lohn- erhöhung von 50 Pf. vorsah, abgelehnt hatten, fanden durch Ver- Mittelung des Neichsardeitsministertums am 26. Januar neue Der- Handlungen statt. Der Vertreter des Arbcitsmimsteriums hatte sich vergeblich bemüht, auf die Unternehmer Vertreter einzuwirken, bei ihren Mandatgebern den Spruch de, Bezirkslohnomtes zur An- nähme zu empfehlen. Vom Arbeitsministerium wurde nun der Vorschlag gemacht, auf die bestehenden Löhne ab 4. Februar eine» Zuschlag von 25 Pf. pro Stunde zu gewähren. Die Vertreter der Arbeitgeber des Hoch- und Tiefbaugewerbes verpflichteten sich, bei ihren Mitgliedern dafür eintreten zu wollen. Inzwischen Ist uns bekannt geworden, daß die Unternehmer des Hochbaugewerbes diesem Dergleichsvorschlag zugestimmt, die Unternehmer für das Tiefbaugewerbe dagegen abgelehnt haben. Hierdurch war eine neue Situation geschaffen, zu der der Ver- trauenskörper am 10. d. M. Stellung nahm. Nach ausgiebiger Aussprache, in der das Für und Wider erörtert wurde, ist die Gene» raloersammlung zu dem Resultat gekommen, den Vorschlag ab zu- lehnen. Lm Hinblick darauf, daß die Verantwortung bei solch immerhin doch wichtigen Entscheidungen zemlich groß ist. hat die Slbstimmung nunmehr durch Stimmzettel in den kommenden Be- zirksversammlungen zu erfolgen. Deutscher Bauarbeiterverband, Bezirkverein Berlin. Der Bnchdruckerstreik in Saarbrücke«. Aus Saarbrücken wird uns geschrieben: Der am 5. Februar aus- gebrochene Streik im Buchdruckgewerbe der Saar scheint sich zu einem Machtkampf des Unternehmertums zu entwickeln. Einigungsver- Handlungen vor dem Arbeitsamt der Saarregierung scheiterten an dem Widerstand der Prinzipalität. Der Streit geht unoer» ändert weiter. Verainw. Mr den rednkt. Teil' Dr. Sttcn Beller, Charlottenburg: für Sneemen: Id. 0>I»«r. Berlin. Lerlig: LorwärlS-Berlag(3. m. d. H. perlin. Druck: Bor- «ärt» Biilh.-H t: Kr. 19/20 Karl Radelt! Das dritte Jahr de« Kamor« gegen das Welfkapltcl./ Entente ntrt SowJet.RuSIand. (Am Grund der Dokumente des /Vuniste- iirTTS des Acuberen der Regierung in Oinss); England, Frankreich und die Vereinigten Staaten im Kamme mit der Sowictmacht./ N, Bucbarlni Das Nene in der russisenen Revolution., E. rrc(.braabenski> Die soziale Basis der Oktobe- Rcvolution./ B. Roustam BeJet Drei Jahre Rote Aim.'e. A. CUrJascbtaehJ.w t Die Baueenschatt im Krieg« und in der ReviTutlen. J J. Lerln: Drvi Jahie«ow jetwirtschalt/ J. Larla> Die russische In- «mtrie/ B. Ve r~a, L'eher die Form der Bezieknnge« eines proletarischen Staates iu dm kapitn- listiseben Ländern./ N. Lenin i D e Autgabe« der politischen Aulklärung./ M."Wlaell wiirsUy: Die Res'jlttitc der Arbeit � �-----•———-:' f in der Organisation der ditllchen Organe der Sowietmacht im Jahre 1920/ S. Älrutnllln: Des Problem einer Steigerung der Arbeitalelstung./ Prof- W. H. Bechterew i Fersön lieb keft und Arbeit./ L. ÜosnowsUli Dar Sch6pfergeist T'" Junker.- Kurskly: Oer dritte Jahrestag der prolctartschen Rettung. Sow-je 'Olutio •jetniBland./..Lenin» Fnhnes- tion und das Recht/ A. Anlkat: PlanmäSite Arbeft/ J. Lnrin i"Die Aurgaben' des vierten Jahre«. I N- Ossinski t Der pfanmäSige Anbau und die Normalisierung der Loae-mearbeitung./ N. Ossinski i Die Regelung der Lsndwirt- schalt durch den Staat./ N. Bnzdanuw: Die wichtigsten Fragen einer Orgarisahon des s.zla- listiseher. Ackerbaues./ A. Swlderskit Die HNtsguellen unserer Verpllegung./ A- Wyschlnskl i Dia Zweckversorgung. I N. Ossinski i Aul dein Wege tur VcrpHegungslront./ W. Nekrassow I Drei Jahre Revolution und das Verkehrswesen.; D. Mlchailowt Das Verkenrsvresen./ fl- Krtiranowskl I t)ie Elaktrltuierung als Voraussetzung einer VersesellscHattllchung der Produktion./ Kurze lieber» siebt über die Tätigkeit des Volkskomtolssarfats für AuUenhandel im Jahre 1920./ P. Schockt Probleme der N'aphthaversorgung./ S. Hersteiii• Drosslowskaja i Die Arbeiterin In der Oewerkschaftsbewecung während der drei Revolutionsjahre./ O. Noglnt Mutter und Säugllngs- schuta./ A. Jeilanrawi Kinderschuir in Sowietnrßlani/ S. Kaplun: Die Arbeiter n und der Arbeltsschutz./ Elktnt Arbeltctinne.) an der Kampffront gegen die Unwissenheit./ H, N. Brallsford i Eine Fabrik In Sowjetrußland. 1 32 Selten Preis M. 5.— znosh» Soeben erschienen die Keueste Deutsehe Kode niiiiiiiiitHiiriniiiimniiiiiriiimiiiiiiiiHtHiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiuiiiiiiiiiiiuitiiiiiii.iiiiiiiiiii Kg V 'DbTSaADatdm'Mii Frütijatir ud Sommer �hcbmxkn, VbZtetto&bD&j, Schnittmuster Verkaofsstellen in allen Stadtteilen Breite Strafie 11 OranlenstraSe 41 Reinickendorfer Str. 15 Neue SchSohanser Str. U Raiikeslraß» 7, Frankfurter Alles 64, GtoßbeerensLaß« 60 CharlottbnbarK> Sehillerstr. 88, Berliner Str. 1U Seukblla: HobrecbUtraE« 18 4»roO Lilehterfelde: Hladenborgdsoim«s eehaneberc: Apostel Fsnlas-Bbsa« 96 Kaufhaus Fr. Hahn, Alaxanderplats r\rs*s)t jy seOrrdm § itWlailii-li!« Ii Mltln Fillalu 1« Um§ W. Spindler§ •'v-i»,. Soeben erschienen I G. Sinowjews Vom Werdegang unserer Partei {Vortrag, gehellen In einer Versammlung der kommunistischen Parteilunktlonäre in Petrograd.) Einzige, rem Verfasser autorisierte Ausgabe (2 Seiten Preis M. 1.20 Zu beziehen durch die Verlags buchhanckstme Carl Hoym NacbIL Louis Cahnbley Hamburg II. 30,4t.» Ankamt von Brillanten, Perlen, Uhren, Platin- und(saldhrneh. G. Schliephacke,• Betttpäsche lanrietcerwloe dillial Dvdkettfcejuj SS.—, Rissen 14.60, Laken A.-. Fernet gelanaen diese Woche ,um Berlauf«oo ibarnitnren aus prima Renforc» und Luiftanatuch: jede Garnitur, shne Rücklicht auf den krlli,-. ren Wert, 129—, Inletts 118—, SRIfcheftsffe, Aiichen, fi«nbtarf;ft staunend billig. Fahrtnergütuiig. Wäfchelabrif Siump« und Jäger, Sands- bergerstraste«chtnnbachtzig. Randdette». saubere. Lind» nez. sei«. Aätsbftraß» 84. «�t»Uch« mn* binigi «•rteuf ,on»eKvst, nden »et»»>ß«n Soch«. Oberdet: v»—. Rissen 14.-. bafvn 97.—, Inletts 190.—, Da etwas bestaubt, weit unter Preis. Gedstnet bis 7. 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