Nr. 77■» ZS. Jahrgang flusgabe J& Nr. AH Bezugspreis: ?iertel|a)tLSO.— M, ntonatl. 10,— Sit frei m. Saus, voraus zahlbar. Pofr» i ezug: Monatlich 10,- M.. fjtl Ztl- iielluugsgebiihr. Unter Kreuzband kiir Deutschland und Oesterreich ISiO M, für das übrige Ausland bei tiiglich einmal. Zustellung 2l.50 M. Postbe- ftcllungen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho» Slowakei. Dan» mark. Solland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.- Eingetragen tu die Post-Zetiungs-Preisliste. Der.Korwarts" mit der Sonntags» Beilage»Volt und Acit" und der Unter» ÄdNuN'sbeilage �Seimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags lmd Montags einmal.' Telegiamm» Adresse: «Kozialdemotra» Ceclia". argen Ausgabe Dcvlinev Volksblstt (20 Pfennig) Slnzeigenvreis: Die achtgespaltene Ronparetllezeile kostet SLV Dl.»kloin« Aozelg««»» da» seitgedruckte Wort IM M.(zu. lassig zwei fettgedruckte Worte)» jedes weitere Wort l.— SEIL Stellengesuche und Schlafstellenanzelgen da» erst? Wort V- SL, jede» wettere Wort «0 Pfg. 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Da wir nicht wissen, wann diese Sitzung stattfindet, möchten wir uns beeilen, das ihren Beratungen zugrundezulegende Material zu veryoll» händigen. Wir tun das, indem wir zunächst eine Anklage- schrift der Opposition gegen die Parteileitung in chren Hauptstücken zum Abdruck bringen. Bei unseren Lesern, die ja sonst eine solche Pertiefung in fremde Parteiangelegen- Helten nicht gewohnt sind, glauben wir uns aber nicht erst entschuldigen zu müssen, die Lektüre wird ihnen zeigen, daß man es hier mit einem sehr interessanten politischen Kulturdokument zu tun hat, das in die Seele unserer Gegner von der äußersten Rechten tiefe Einblicke gewährt. Wir haben schon erklärt und wiederholen, daß wir in dieser Angelegenheit nicht Dichter, sondern nur Berichterstatter sind. Wir wollen bloß zeigen, wie sich die dfcutschnationalen Mimen, wenn sie ihre vaterlandsretterischen Tiraden vom Podium herabgebrüllt haben, hinter den Kulissen miteinander unterhalten. Und nun hoben die Feinde unserer Feinde, die darum aber noch nicht unsere Freunde sind, das Wort: DeutMnationale oöer jüöifche Volkspartei! Ueberreichend, und auck wieder nicht, ist für politisch interessierte Kreise die Gründung der Preuhischen Königspartei ge- � kommen. Ob sie— rein äußerlich genommen— eine Notwendigkeit war, wo doch bereits eine ganze Reihe monarchisch gesinnter � Verbände mit gleicher oder ähnlicher Marschrichtung bestehen, bleibe dahingestellt: grundsätzlich ist die Preußische Königspartei ein Split» j tsr mehr in der bürgerlichen Rechten und es fragt sich, wer denn die Verantwortung hierfür trägt. Die„Hallesche Zeitung" � hat kürzlich behauptet, die neue Organisation stehe unter jüdischem' Einfluß und �erl'öre den monarchischen Gedanken, anstatt ihn zu stärken. � Diese Behauptungen lassen sich nicht nachweisen, aber es ist ein b'e u t f ch n a t i o n a l e s Blatt, das sie aufgestellt hat. Etwas anderes ober ist es mit der Erklärung, die in deutschnationalen Partcikrcisen gegeben wird. Danach soll die Preußische Königs- � parte! die ausgesvrochenen Monarchisten sammeln und sie der Deutschnationalen Volkspartei später zuführen, weil diese fü? die Betonung des nwn archischen Gedankens aus ganz bestinimten Gründen keine Verwendung hat: sie wünscht davon„entlastet" zu werden, sicherlich aus keiner anderen. Ursache heraus, weil gewisse Kreise in ihr allmählich so großen Einfluß gewonnen haben, auch finanzieller Art, daß die Parteilei- tuna auch In der monarchischen Frage sehr vorsichtig arbeiten muß. Da sich deshalb unter den Monarchisten eine Masiensluchk aus dem deukschuatioonalen Lager vorbereitet und Zum Teil schon im Gange ist, sollen diese„Fahnen- flüchtigen" von der Preußischen Königspartei ausgefangen werden: mit anderen Worten: die Deutschnationale Volkspartei-will sich in der Preußislben Königspartei ein neues politisches Instrument schaffen, dos sie mit Rücksicht auf ihren— nun iagen wir es offen heraus— judenfreundlichen Oberbonzen von sich aus nicht anwen- den darf. Es trifft den Kern der Sache, wenn das geschäftsführende Bor�andsmitalied der Partei, der vreußische Abgeordnete Graes (Anklam) bei einem Froktionsoenosien, bei dem auch sonst allerlei passierte, kürzlich ahnungsvoll meinte:„Bei den Preußenwahlcn wird alles mit gehen, es sei denn, daß bei uns noch vor» her irgendeine große Dummheit gemacht wird." Herr Graes, wenn auch selbst keine führende Leuchte am parlamen» t'rllchen Himmel, muß seine Pappenheimer kennen, denn wenige Zeit darauf war die von ihm befürchtete Riesendummheit da: Herr Hergt, Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei, erklärte auf die Aufforderung der Deutschen Dolksportei, zur Stärkung der nationalen Einheitsfront gegen die Pariser Besck.'üsse in das Reichs- tabinett mit einzutreten:„Das geht nicht. Wenn wir das tun, laufen uns am 2 0. Februar vier MiMonen Wähler davont" Diese Hintansetzung nationaler Notwendigkeiten knnter parteitaktische! Erwägungen und Mandathunger aus dem Munde des Führers einer nationalen Partei ist so ungeheuerlich, daß man sich fragen muß, ob sich die deutschnationalen Wähler wirklich weiter von Verblödeten„führen" lassen wollen. Hergts Aeußerung hat denn' auch in der Hauptaeschäfts�elle— zu ihrer Ehre muß es ge» sagt werden— wie eine schwere Handgranate qewirkt und draußen im Lände ein lähmendes Entsetzen erregt. Und angesichts dessen sagt man wohl nicht zu viel, wenn man behauptet: Schlagen die Preußenwnhlen am?si. Februar fehl, la tragen Hergt und seine ge. treuen Ratgeber in der Bernburger Straße in� Berlin ganz allein die Verantwortung unddieParteizerfällt. Der bervorsteckendste Zug im Sprechen und Schreiben der. senioen, die beute sich in der Deutschnnsionalen Volkspartei„Füh. rer" heißen, ist. wie der ihrer eng-ren Mitarbeiter und Vertrauens- leute: Unwahrhaftigkeit. Wie ganz anders stehen gerade hierin die alten konservativen Fübrer dal Ihnen war«» Ueber» ASUNUN�, was ihren sogenannten Nachfolgern nur Madie ist. Der Konservative von altem Schrot und Kam ist ein, in seiner Aniiriit durch nichts zu beirrender Gegner des Judentums, der Deutsch- nationale von heute ist— O p p o r t u n i tä t s. A n t i s e m i t. Be- weis: wied« einmal Herr Hergt selbst. Als einige Zell noch der Gründung der Deutschnationalen Volkspartei der jüdische Kon- s u l Marx, der Vorsitzende des Reichsbürgerrats, an Herrn Hergt eine Anfrage über die Haltung der Deutschnationalen Volkspartei zur Iudenfrage richtete, erteilte Herr Hergt ihm schriftlich eine Ant- wort, in der es unter anderem hieß: Sie haben den bisherigen Verhandlungen des Hauptoorstandes über die antisemitische Frage regelmäßig beigewohnt und wissen über die Gründe, wegen deren das Programm sich auf die bezüg- lich der Konfession darin enthallenen Punkte beschränken mußte, wie über die Schwierigkeiten, zu einer präzisierten Fassung zu kom- wen, genau Bescheid. Ich kann daher meine Verwunderung nicht unterdrücken, daß Sie gleichwohl auf eine gegenwärtig un- mögliche Lösung der Frage in Ihrem Sinne drängen. Biel wichtiger würde es mir erscheinen, wenn die Herren jüdischer Ab- siammung, die auf unserem Boden stehen und sich der Partei auch nach außen zurechnen, durch ihr Verhalten, durch ihr« Propa- gonda und durch Opfer, die sie der Partei bringen, die von ihnen erstrebte Stellung in der Partei und die Sicherung ihrer Inter» essen bei derselben erkämpfen. Es wäre mir erwünscht gewesen, wenn ich auch von Ihnen statt der beiden Schreiben Beweise dafür erhallen hätte, daß Sie gleichfalls von der Richtigkeit dieser Auffassung durchdrungen sind und sich entsprechend betätigen. Eine bekannte Sentenz aus dem„Faust" hierauf angewandt, heißt das doch: Ein guter Deutschnationaler mag keinen Juden leiden, doch seine Gelder nimmt er gern. Was sagen die Deutschnationalen, die in dem Judentum den Krebsschaden, die Schmarotzer an unlerem Volksmark:-.Kden. zu dieser würdelosen Schnorrerei ihres„Führers" Hergt um den ergaunerten Mrnn. mon des hebräilchen Uradels?! Und wie vermag Herr Hergt seine noch auf dem Parteitage in Hannover feierlich und leidenschaftlich beteiierte Erklärung mit diesem Brief in Einklang zu bringen, nie- m a l s„Iudengeld" für die Partei angenommen oder e r- beten zu haben? Ist es ein Wunder, wenn sich der Flügel um die Altkonservattven und der Dentschoölkischen von diesen Opportu- nitäts-Antisemiten in der deutschnationalen Parteileitung lossagt? Die Angelegenheit geht u. E. durchaus einer Sakastrophe enkgegen, die unter Umständen zu einer Spaltung der D.R.D. führen kann. Die um Hergt haben die Gefahr einer Spaltung der Partei allerdings richtig erkannt. Hergt selbst hat slchcunigst sein sogenanntes „Ordnungsprogramm" preisgegeben, aber als es auf die erste prak- tische Probe ankam, als es galt, nun Farbe gegen das Judentum zu bekennen, da ist die ganze todesmutige Gesellschaft wieder um- gefallen. Denn bei der Wahl eines neuen Oberbürgermeisters von Groß-Berlin haben die deutschnationalen Stadtverordneten auf Weisung der Parteileitung glatt sür den jüdischen kondidalen der ll.S.P.D. Dr. Weyl gefklmml. Daß sich � die Parteileitung dieser ihrer Katastrophen- Politik selbst, wenn auch erst nach geschehener Tat bewußt geworden ist, geht aus einem erschütternden Entschuldigungs- l a m e n t o des deutschnationalen ersten Hauptgeschästsführere und Stadtverordneten von Lindein er-Wildau in der„Deutschen Tageszeitung" hervor, deren innere Politik unter der Leitung des früheren Jesuiten und Mittelsmannes, päp"lichen Prälaten Wil- Helm Ackermann in dieser Hinsicht eigentlich besonders bewertet und beleuchtet worden müßte. Die Art, wie die jetzigen deuischnalionalcn Preußenkandidaturen zustande gekommen sind, hat wegen ihres ausgesprochenen jüdischtin Geistes in den weit-ften Kreisen peinlichstes Befremden erregt. Be- weqgrimd: Chronischer Geldmangel! Also ging man nach dem Muster Hergts schnorren. Lediglich Herr H u g e n- b e r g stellte einige Summen in Aussicht, aber oa die ihm nahe- stehende.'Nrmo Krupp mit Rücksicht auf den Betriebsrat erklärte, sie dürfe keiue Gelder mehr zur llnlerssgßung der Deutschnationalen herausrücken, wurde Hilgenberg kaltgestellt, so sehr dessen Juden- sreundlichkeit in der Parteileitung auch Anklang findet. Immerhin hat Herr Hergt selbst versucht. Herrn Krupp von Bohlen bei seiner schon erwähnten Anwesenheit in Essen sür die D.N.D. zu„inter- essieren", aber aus gewissen Aeußerungen Hergts in schwerindu- ftriellen Kreisen läßt sich schließen, daß auch er ein finanzielles Fiasko erlitten hat. Woher sonst die Wut aus die„Essener Blase"? Der Schatzmeister, Geheimrnt' Dr. Dryander, ein von sich sehr überzeugter Herr, ober belastet mit dem Verdacht. Ab- tömmlinq der Libansn-Tiroler zu fein, bat oußerdem eine besvn- dere Geldsammluna für den Wahlkampf abgelehnt, weil dadurch der Erfolg des partejofsiziellen Opfertages am 1. April in Frage gebellt werden könnte: die Preußenwahlen, für die man das Geld bitter nötin braucht, aber sind bereits am 20. Februar! Ein wettblickender Mmin also, der mit großartiger Kiml ferttakeit die Partei- freunde im Laut>s ggf den Fuß zu treten weiß— siehe Westbcwei- land!— und dakür auch auf die Kandidatenliste gekommen ist» Recht lol Wie aber Geld schaffen? Da kam in der Stunde der höchsten Not ein rettt"der Gedanke, der in Amerika beretts zu glänzenden Erfolgen geführt hat: Man griff zum Mondattauf! Dewäßrke parlamentarische Delennen wurden zugunste» lahlkrcif- liger DersLnlichkeikcv abgesägt, die bereit waren, sich die Ehre, dcutichnokionaler Landlagsabgeordneter zu werden, eine Stange Geld kosten zu lassen, d. h. die Parlcikasse finanziell unkerstüßen wollten. Aber da? dicke Ende ließ nicht lonoe aus sich warten. Die Zahlkondidaten haben nach ihrer Aufstellung erklärt» erst zahlen zu wollen, wenn sie gewählt find! Kann man sich die langen Gesichter von Hergt bis zum letzten Boten- jungen vorstellen? Nett ist jedenfalls auch, daß gerade während der. Hochkonjunktur des Wahlkampfes gewisse Bemühungen der Deut- scheu Bolkspartei, Beamte der deutschnationalen Parteileitung für sich zu gewinnen, aus fruchtbaren Boden gefallen zu sein scheinen. Dr. Weiß und in einiger Hinsicht. auch der Obcrbetriebsrat von Lindeiner, der sich plötzlich rühmt, ehemals jungliberaler Agi- tator gewesen zu sein, dürften hierüber unterrichtet sein. Das heißt man dann Fahnentrcue. Trotz all dieser offensichtlichen Kvrruptionserscheinungen in der Parteileitung Höst mon nach außen streng auf Moral und gute Sitte. Aber nach innen?-- Parteifreunde, die viel in der Ge- schästsstelle zu tun haben, erzählen von recht erbaulichen..... (Die Herren Verfasser getreten hier ein Gebiet, auf das wir ihnen auch nur berichterstattend nicht folgen wollen. Red. d.„SS.") Schlechte Welt! In der Parteikasse herrscht also großer Dalles, aber sonst flattern die Tausendmarkjcheiue tu dicken Vüadeln umher und Rechnungsablage wird nicht gern gesehen: Drucksachen werden in ungeheuren Auflagen bestellt, dann im Keller eingelagert, um nach geraumer Zett dem Drucker wieder als Makulatur angc- boten zu werden. Herr Graes bestellt Flugblätter, die Herr hergt zur Verbreitung verbietel, aber erst wenn sie gedruckt sind, denn der Drucker will doch auch leben. Partennstanzeu im Reich verlangen die Aufhebung des Hrrgtfchen Ver» bot», dem auch stattgegeben wird, andere werden darüber wild und es ergeht ein neues Verbot. Endergebnis: Makulatur! Mißwirtschaft mit ungeheuren Kosten wohin man blickt, und wehe dem, der sich erlaubt, dagegen Kritik zu erheben, er wird so auf die Hinterbeine gesetzt, daß ihn nicht einmal mehr die Tippmani- sells zu grüßen wagen. Und so wären noch viele, viele andere Interna aus der Reichs- zentrale der Deutschnationalen Volkspartei zu erzählen, aber das würde zu weit führen, denn es muß noch anderes beleuchtet werden. Der Deutschnationalen Bolkspartei nahesteht die sogenannt« < Liga zum Schuhe der deutschen Kultur, während der Revolutton von Juden gegründet und unter jüdischem Einfluß stehend, der auch jetzt noch vorhanden ist, wenn man ihn auch klug zu verschleiern weiß. Daher kommt es, daß die Industrie noch immer schwere Opfer für diese völlig nutzlose Sache bringt, wie die Firma B o r s i g z. B. wohl zu bestätigen weiß, ebenso Herr Stinnes durch seine Direktoren Fehrmänn und Vö- g e l e r. Welcher Geist aber in Wahrheit durch diese Kulturliga großgezogen wird, hat man in Frankfurt a. d. O. gesehen, wo der i demokratische Redakteur Greupner vor einigen Wochen im Auftrage I der Liga einen öffentlichen Vortrag halten durste, der in gemelneir ! Anpöbelungen des Kaisers bestand. Die schon ermähnte Juden- sreundlichkeit des deutschnationalen Hugenberg zeigt sich auch in an- deren sehr bemerkenswerten Dingen. Mit Hilfe der ihm als ein- ssigem Vorsitzenden des Direktoriums der Firma Krupp in Essen in reichstem Maße zur Berfügung stehenden reichlichen Geldmittel hat er die .Vera-Verlagsgesellschaft" in der Linksst. 12 in Berlin gegründet und zu ihrem Leiter— weil es selbstverständlich keine christlichen Fachleute gab— aus der jüdischen Firma Ullstein einen Juden, Mar G e r s ch e l, berufen. Dieser„Vera" liegt es ob, Zeitungen aufzukaufen und zu„sanieren", wie der Geschäftstüchtige die Erdrosselung der Verleger zu nennen ! beliebt. Da aber aus später noch zu erörternden Gründen die Kruppgclder heute nicht mehr in die Kassen Hugenbergs stießen, | läßt dieser den betriebsamen Herrn Berschel auch bei anderen großen Industrieunternehmungen schnorren: der Eesamtverbcmd Deut- �scher Baumwollwebereien z. B. gibt reichliche Mittel zu angeblichen„Propagandazwecken" an die„Vera", und die von dem Generaldirektor Fuchs betreuten R i e d e l we r k e in Berlin haben ebenfalls schon bedenklich bluten müssen, damit dem jüdischen Hugenberg-Schützling Gerschel ein märchenhaftes Gehalt gezahlt werden kann. Diese Versippung ist der Firma Krupp angeblich peinlich geworden, und sie hat sich deshalb auch von„ihrem" Hugenberg losgesagt, aber nur, um ihr Geld durch mehr heimliche und unterirdische Kanäle anderweitig fließen zu lassen, jedoch nicht für wirkliche vaterländische Zwecke, die etwa gegen das Judentum ausgenützt werden könnten. Gewisse Privatsekretäre der Direktions- Mitglieder könnten darüber Aufklärung g«ben. wenn sie nicht um ibr Brot fürchten müßten, und wenn nicht allergrößte Borsscht ge- übt würde, die eigentlichen Hilfsquelle« industrieller Herkunft zu- gunsten de? Judentums zu verstecken. Denn insgeheim unterstützt Krupp heute viel weiter links stehende politische Organisationen, denn dos ganz» Direktorium ist feil der Revolution echt demokratisch geworden und„macht" angeblich nur in charitattven Unterstützungen. Wenigstens will man das von Essen aus glauben machen. Dieses niederträchtiae Verleugnen der Tatsache, daß Krupp ohne ein starkes deutsches Kaiserreich niemals das geworden wäre was er ist, bezw. was er war, muß dach end- lich einmal festgenagelt werden. Ein Wort de» alten Friedrich Alfred Krupp: »Der Kaiser ist unser bester Geschästsreisender!", zeigt, daß man einst jene Tatsache sehr wohl richtig zu würdig« gewußt hat. Aber als im September 1918, also kurz vor der Re- volution, der Kaiser zuletzt in Een war, und vor den Kruppsche« Arbeitern sein« bekannt« groß« Rede hielt, als letzten Ansporn für Da sich sämtliche Mitglieder der Fraktionen auf Wahlrei- sen befinden, müssen die Fraktionssitzungen, in denen die er- wähnten„einmütigen" Beschlüsie gefaßt wurden, seltsam aus- gesehen haben. Im übrigen sei wiederholte es handelt sich nicht um eine„Mystifikation, noch um eine einzelne Person, son- dern um eine Richtung in der Deutschnationalen Volks- partei. die natürlich die Dinge aus einem anderen Gesichts- punkt sieht als wir. Daher sagen wir auch nicht:.Dhe Behauptungen dieser Richtung sind richtig", sondern wir sagen viel- mehr:„So sieht ein Teil der Deutschnationalen Dolkspartei die Zustände in der Deutschnationalen Volkspartei". Daß dieser rebellierende Teil von der herrschenden Richtung sehr ernst genommen wird, zeigt gerade der große Entrüstungs- apparat, den gegen ihn aufzubieten man für notwendig hält. Sapern erkennt an... Berlin. 15. Aebr.(WTV.) V« Reichskablvett hat sich io seiner heutigen Sitzung mUderAntwortderbayerischenRegie- rung in der Entwaffnungsfrage beschäftigt. Danach erkennt Bayern �an. daß die Verantwortung und Zuständigkeit in dieser Frage beim Reiche siegt, und daß e» Sache der Reichs- regiernng ist. nach vlaßgab« der Gesetze das Erfordersiche zu veran- lasten. So viel und so wenig gibt die Reichsregierung endlich aus der bayerischen Antwort bekannt. Es ist Herzsich gering. Die bayerischen Kommentare aber sind auf einen ganz anderen Ton gestimmt, als die Reichsregierung hier andeuten läßt. In den offiziösen Kundgebungen des Kahr-Kabinetts wird immer aufs neue die angebliche Lebensnotweydigkeit betont, die die Einwohnerwehr für Bayern bedeute. Und die konfervarioe Presse deutet ihrerseits ganz offen an, daß das Reich zwar die Verantwortung habe, also solle es nur einmal versuchen, die Bayern zu eirtwaffnen! In seiner schon im letzten Abendblatt zitierten Münchener Rede hat Genosse Erhard Auer den Inhalt der vierFra- gen angedeutet, die der bayerischen Regierung von Berlin aus gestellt waren. Danach solle die bayerische Regierung u n» zweideutig erklären: 1. Daß sie der Reichsregierung keineSchwierigkeiten mackfen wird, 2. daß sie damit einverstanden sei, daß bis zum 1. März ein G e s e g f>egeben wird zur Ausführung der Entwastnungsbe- t i m m u n g e n des Berfailler Vertrags, 3. daß sie damit ein- verstanden ist, daß die schweren Waffen und ein Teil der leichten Waffen bis zum 21. März abgeliefert fein müssen. 4. daß das alles nur Geltung habe, wenn keine außenpolitischen Aenderungen eintreten. Was die Kahr-Regierung geantwortet hat, ist immer noch nicht bekannt. Denn was die Reichsregierung durch die obige Wolff-Meldung mitteilen läßt, sst so gut wie nichts. Wir müssen verlangen, daß die Reichsregierung endlich dem Volke reinen Wein darüber einschenkt, was man von Bayern zu gewärtigen habe._ Das Interview mit öem Exkaiser. Kein Mensch hat«v anders erwarten können, als daß die Unter- redung mit dem Exkaiser, die von.United Preß" in Amerika»er. breitet und im Auszug auch im ,.V o r w ä r t s" wiedergegeben wurde, dementiert werden würde. Die Aufgab«, dieses Dementi zu erlassen, ist dem Korrespondenzbureau„Data' zugefallen, und da in diesem Fall nicht wie seinerzeit im Fall„Ddly Telegraph" eine sozusagen notariell beglaubigte Urkunde existiert, stehen sich Aussage und Aus- sag«— nämlich die des Grafen Bentinck und die des Herrn Peter- meyer— gegenüber. Wenn gegen Herrn Petermeyer ausgespielt wird, daß er„eigentlich kein Journalist" sei— weil er stüher einmal Lehrer gewesen— so ist dagegen festzustellen, daß er in Berlin eine Reihe von holländischen Blättern, darunter„Hct Volt", vertritt. Im übrigen wäre Herr Petermeyer nicht nur ein Journalist, sondern so- gar ein journalistisches Genie, wenn er ein Gespräch, das so voll- ständig das Gepräge der exkaiserlichen Psyche trägt, hätte ersinnen können. Wir halten ihn für ein solches Genie nicht, sondern viel- mehr für einen Berichterstatter, der Erlebtes und Gehörte» mit ziemlicher Genauigkeit wiedergibt, den Grasen Bentinck aber für einen braven Mann, der seinem früheren Gast Unannehmlich- leiten ersparen will._ Schieberverschiebung. Breslau, 15. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Dorw.".) In einer hier aufgedeckten Riesenschieberei mit Fleisch sind bisher belastet der Leiter der P r o v i n z i a l f l e i s ch st e l l e, ein Ober- r e g i e r u-n g s r a t des Oberpräfidiums, der leider aus dem alten Regime beibehalten worden war, obwohl von sozialdemokratischer Seite an seiner Amtsführung wiederholt Kritil geübt wurde. Ferner find anscheinend eine Reihe von Unterbeamten, sowie mehrere Viehhändler und Großfleischereifirmen belastet. Da unter den Belasteten sich mehrere Juden befinden, so versucht die rechtsstehende Presse die Angelegenheit im a n t t s e m i- tischen Sinne auszuschlachten, vielleicht gerade aus dem Grunde, weil der am st ä r k st e n belastete Beamte den Parteien der Rechten sehr nahe stand. Dieser Oberregierungsrat ist zunächst bis auf weiteres beurlaubt worden. Die Milchkühe. Nachdem durch die seinerzeit von uns berichtete Berichkeppung die Lieferung der geickenlien amerikaniscben M i l lü he in Frage gestelll war, fühlt sicb jetzt das ReichSernährungSministerium verpflichtet, für teures Geld durch WTB. in die Welt zu drahten: Die techniichen und finanziellen Schwierigleiten, die sich bisher einer glatten Löiung der SchenkungSongelegenheit der amerikanischen Milchkühe entgegensielllen, können nunmebr in der Hauplsache behoben werden. Der Mini st er für Ernährung und Landwirtschaft war in der Lage, die erforderlichen Mittel für den Seetransport der Kühe zur Verfügung zu stellen und feine Ermächiigiing zur Abiendlmg folgenden Telegramms an das amerikanische Hitsskomiiee zu geben: Schiffsraum wird durch unS gechartert. Der nächste Transport wird voraussichtlich durch die.West Arrow" ausgeführt werden. Weitere Nachrichten folgen. AuSlandShilfe._ Noch ein Putschprozeß. Dessau, 15. Februar. Hier begann heute vor dem außerordent- lichen Gericht des Reichswehr-Gruppenkommandos I Berlin unter dem Lorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Schmidt-Blanke- Berlin der vierte Köthener Putfchprozeh. Angeschuldigt sind 25 Personen wegen Teilnahme an einer durch Verordnung des Reichspräsidenten verbotene Organisation(Rote Armee). Hie Be- schuldigten sind zumeist Einwohner von Kothen. Die Verhandlung dülft« voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen. Für die Roßbach und Pfeffer ist im wer noch kein Gericht gesunden!_ Mieder einer. Wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Ebert wurde der Kaufmann Heinrich Heinlein in München vom Landgericht zu zweihundert Mark Geldstrafe verurteilt. Heinlein hatte im Miet- einigungsamt in erregten Gesprächen mit anderen Personen sich in beleidigender Weise über den Reichspräsidenten geäußert und ihm Trunkenheit, Völlerei usw. vorgeworfen. Das Ende der Interviews. Reichsminister de» Aeußern Dr. Simons erklärte auf die Frage eines neutralen Journalisten, der stch wegen eines Interviews an ihn wandte, daß ein K a b i- nettsbeschluß der deutschen Reichsregierung vorliege, wonach in Zukunft keineJnterviews mehr gegeben werden sollen. Gemeiudewahlen auf Helgoland. Bei einer Wahlbeteiligung von 9Ü Proz. trugen die Alt-Helgoländer einen vollen Sieg bei den Gemeindewahlen davon. Gewählt wurden sechs Helgoländer, zwei Sozialisten und ein Deutschbürgerlicher. Verhaftung von Kommunisten in Paris. Dienstag morgen sind in Paris der Verwalter der Zeiwng ,Le Conscrit"(Der Rekrut) und der Jugendsetretär La Pontre verhastet worden. den Endkampf, da siel bereits im Direktorium das hämische Wort: „Immer derselbe Kitsch!" Dank vom Hause Krupp an das kaiser- liche Deutschland, das ihm unzählige Millionen zugeführt hatte! Und nun ein Kapitel noch für sich. Als eine besonders gesin- nungstrcuer Schutztruppe der Deutschnationalen wird draußen im Land« der Alldeulsche verband angesehen. Niemand aber weiß, wie sehr die Dersudung auch dort bereits eingerissen ist. Denn Herr Elaß, bis zur Revolution schärfster Judengegner, erklärt heute, daß der Aufnahme von getauften Juden in den Alldeutschen Aerband nichts im Wege stehe, was sich dies« Gesellen nicht zweimal sagen lassen. Diese Wandlung sieht man ja auch in der„Deutschen Zeitung", in deren Aufsichtsrat der jüdische Mischling Otto Hellmuth Hopfen«ine entscheidende, also der deutschen Sache verhängnisvolle Rolle spielt. Darum muht« auch ein Neinhold Wulle einem Max Maurenbrecher weichen, dem Verfasser der berllchkigken.hoheuzollerulesende", in der er die niedrigsten Anwürfe gegen die Königin Luise richtete. Zum Ueberfluß hat der Auffichtsror auch noch eine als sogenannte Rechtfertigung gedachte Schmähschrift herausgegeben, um Wulle in öffentlichen Mißkredit zu bringen. Verfasser ist der frühere kaiser- liche Regierungsrat Fritz, Geschäftsführer der Neudeutschen Treu- Hand- und Verlagsgesellschaft, in deren Verlag die„Deutsche Zeitung" erscheint. Es sollen hier nicht die moralischen Qualitäten der Herren Fritz-und Elaß näher erörtert werden...(wie oben! Die Red. d.„V.") Uebergehen kann man hier auch, wie sich ein der Reu- deutschen Tre uhand» und Verlagsgesellschaft nahe. stehendes Druckereiunternehmen aus der Bewocherung des ehemaligen Oberkommandos in den Marken kurz vor der Revolution vollständig mit Maschinen neu einrichten konnte. Alles natürlich.fürs Vaierlandt" Niemand aber hat schon vor dem Kriege mehr am Kaisertum ge- freoell und während des Krieges gegen den Kaiser gehetzt, als ausgerechnet die Alldeutschen unter ihrem Führer Heinrich Elaß. Wenn man das alle« nun weiß, muh man es da nicht für eine llnverschämtheit sondergleichen ansehen, daß sich die Herren noch darüber entrüsten, weil man es wagt, den Fall Kerthoff aus- zurollen? Erzberger ist der Erzschädling, aber wer selbst eigen« Parteigenossen im Glashause sitzen hat, sollte doch wahrhaflig nicht mit Steinen'werden. Warum vernimmt man dergleichen Unglaub- lichkeiten nicht auch von der Deutschen Bolkspartei? Warum ist gerade bei den Veukschnakionalen so ein Morast, sollte der jüdische Einfluß vielleicht hier noch stärker sein, als bei jener? Dann sollte man es sich bei den Wahten doch lieber noch überlegen, wem man feine Stimme gibt. Demokraten und Sozia- listen sind für einen solchen ausgeschlossen. Bleiben nur die beioen Rechtsparteien, wenn man sich nicht überhaupt der Stimme ent- hallen will. Die Zustände bei den veulscbnationaien sind wahrhaftig nicht dazu angetan, ihr am 20.Februar vle Massen zuzuführen, auf die sie eigenmch Anspruch erheben müßte. Und so wlro e» sür viele diesmal das letzte Mal sein, daß sie denkschnakional wähieu! Erklärung der deutschnationalen Volkspartei Die Deutschnationale Volkspartet erläßt folgende Erklä- rung: Die P a r t e l l e i t u n g. die R e i ch s t a g»° und die Preußische Landtagsfraktion der Deutschnati analen Lolkspartei haben mit Entrüstung von der DeröffentUchung in der Sonntagsnummer des„Vorwärts" vom 13. Februar 1921 Kenntnis ge- stammen, in der heftige Vorwürfe gegen unseren Parteivorsitzende» Hergt erhoben und eine tendenziös gefälschte Dar» ftellung von Vorgängen innerhalb der Partei und bei den Der- Handlungen mit der Deutschen Dolkspartei enthalten sind. Der Der« fasser des Artikel», der angeblich der Deutschnationclen Volks- partei angehören soll, zeigt eine so völlig verkehrte Auffassung der! Borgänge und der Stimmung in der Partei und den Fraktionen, daß man geneigt ist, an seiner ZurechnungsfShigteit zu zweifeln. Wir begnügen uns für heute mit der Feststellung, daß es sich bei der fraglichen Veröffentlichung entweder um feige verlenm- duug oder um eine plumpe Mystifikation handelt. Die Partei und die Fraktionen stehen einmütig und geschlossen im vollsten Vertrauen' hinter ihrem bewährten und über alle Verleumdungen und Der- dächtigungen erhabenen Vorsitzenden, Exzellenz Hergt. Konzert-Umsthau. Und Immer wieder a hier. Bor zwei Jahren dachte an ihn kainer von Berlins Dirigenten. Der junge Heinz llnger, inner» sich betroffen von Charakter, von Stil und Ausdruck Mahlerfcher Sinfonik, versuchte das Interesse, das Wien jahrelang schon im Bann de» letzten großen Orchestermeisters hielt, auch für kaltes Mittel- deutschland zu wecken. Das gelang um so mehr, als der Anfänger eine erstaunliche Gabe hatte, eine solch« Sinfonie als einheitlich«. unzersplitterte Gedonken-Formung.�öcbar zu machen. Starke Kon« zentration und durchhaltender Stilwille, schöpferische Merkmale iRohlerschen Geistes, fammetten sich auch in dem Interpreter». Selbst der fieberkranke Dirigent tonnte im Gefühl großer Verantwortung den Riefenwurf der 7. Sinfonie»vagen. Eine beträchtliche Leistung »n jeder Hinsicht. Aber, aber.... Paul V» t k e r nennt in seinem monumentalen, geistreich analysierenden und umfassend aufbauenden Werk über Wählers Sinfonie als das stilistische Grundprinzip dieser Fünssötzigkett die Wiederherstellung der tosmischen Einheit gegen- Uber der individualistischen, curf Einzelprobleme gestellten Instrumental-Sinfonie des jüngeren Mahler. Ich gestehe, daß mir der Blick für solches Matz und solche Bearisse fehlt, und daß mich die gläubige Grundgelehrchett Belkers nicht überzeugl. Dem Genießen» den, auch dem, der die Einheit des sinfonischen Programms im ganzen Werk, nicht in seinen Teilen mit der Seele sucht, bleibt das Naumlofe, Eckig«, Ungeformte der beiden Ecksätze fern: Kraft, die pch ziellos vermisgabt, Ztonftruktion ohne erkennbaren Grundriß. Di« eingeschachtelten drei Idyllen wirken nicht als Jronisienmg ver- klungener Romantik, sondern als Musik an stch, wundervoll leicht, fantastisch, melodisch, ledendig geformt. So war der Eindruck bei M tisch, so bei Unger. Das letzte Urteil über diese problematische Sinfonie steht noch «uv: ein Wert seiner Zeit, 19()5 vollendet, wird es nicht von Zelt- genossen ausgewertet werden können.- Ell»« Stund« beim IX. Kon- » zert der Volksbühne, und wir wissen, wo der Anfang und wo das Ende aller erdenthobenen Lust in der Musik ist. Mozartsche "Kammermusik mit Bläsern, darunter als festlichster Höhepunkt ein kaum jemals gespieltes Konzert für Flöte, Harfe und Klavier und die Bläfer-Serenad«(Oktetl). gespiell von Meistern der Staotsoper, erquickte sonntäglich, und der matte Gesang von Frau Escher störte nicht die Feier. Um den Mozart-Gesang steht es überhaupt nicht gut; Frau Irma M. P e t a r sollt« an ihn vorbei» gehen. Sie singt Arien von Scarlatti, Pergolese, Haydn so glocken- klar, sinnlich-reizooll, daß man den Mangel an Zartheit, die stillos« Verschleppung und innere Trägheil in einer Figaro-Arie kaum be- greifen kann. Einen Strauß Brahmslchcr Lieder kunstgerecht dar- fubieten, gehörte eher schon zu den Durchschnittsleistungen unserer tooizen. Woraus zu fol�e-n ist, daß Margaret« N e u m a n n mit der säuselnden Unfreiheit ihre« knapp tragenden Soprans noch nickst podwmreif ist Der Ertv'g de» Abends war der Begleiter Sbiiard Behm. Im Liederabend von Heß». d. W y k kamen neben den schon bekannten, durch groteske Charakteristik ausgezeichneten Vierrot-Viedern Kowalskis drei liefsinnig-ernste Gesänge I. Simon» zur Erstaufführung. Mombert» Vision entgleitet in Einzelzügen dem Komponisten und ist wohl überhaupt nicht musikalisch faßbar. .Gethsemane" von Meynicke und«ine.Phantaju»"-Stroph« von Holz dagegen sind in stillem Pathos und beweglichem Ausdruck feine Liedgebilde. Paul W> t t g e n st e i n hat sich als Pianist der linken Hand einen Ruf geschaffen und ist den Kriegsoerletzten ein dauernder Trost, ein Zuspruch und Sporn. Er macht seine Sache sehr wacker, ist gelenkig und geschickt mit seinen Fingern und stuft Empfindungen ob. Nur müßte es ihm möglich fein, in der Literatur kleine Stücke auszuspüren die besser für eine Hand liegen oder sogar nur für eine Hand geschriebe»» sind. Durch Pedalverschiebung läßt sich viele« verdecken, nicht aber die oersehlle Rhythmik eines Lanner- schen Walzers. Bon den Kl>ngl«r-Leuten wird in bestbewährter und un- ermüdlich weiterstrebender Art Edelmusik im Quartett getrieben; so im späten Beethoven wie in einem neuen Werk von Reznicek ((l5ls-Dur), dos mir von Kennern als gesund«, tüchtige Arbeit ge- lobt wird. Eine Sonate von Eugene Goossens. die das wohltempe- rierte Ehepaar von Kresz erstmalig spielte, ist gute, solide Hand- Wertsarbeit, fesselt ober nicht sonderlich durch Glanz oder Farbe. Frau Schubert'Petzko braucht eine Biertelstunde, um einge- spielt zu sein und die Berniedlichung des Ton», die Aengstlichkeit der Passagen abzuwerfen. Dann erst ist sie in vollem Zuge, beseelt dir Geige, zeigt, daß sie viel gelernt hat und dem romantischen Surs, der sinnlich-verträumter, Atmosphäre de» Dvorakschen Geigen» konzer rs gewachsen ist. Gerade klang mir noch das Echo eine» Gcniewerks au» früh- romantischer Periode in den Ohren. Ochs hatte Mendelssohns „Walpurgisnacht" mit Hochschulchor und Orchester aufgeführt. Der fiebrige Schwung dieser dramatischen Kantate, ihre Humore, theatra- tischen Akzente und weihevoll gestimmten Ausklänge kamen in ihren- chorischen Partien geradezu musterhaft zur Geltung. Und es war erstaunlich, wie dos junge Orchester in diesem tollen Wirbel klar und präzise durchhielt. Das Hauptstück des Werks, der Chor der Druiden» Wächter war trotz de» heftigen Tempos ein Kabinettstück charakteri» stierender Gesangstunst. Der Schluß bekam in priesterlicher Ton- schönheit bei den Worten„Dein Licht, wer kann es zaubern!" geradezu etwa» erschütternd Aktuelles. Don den Tenören des Chors hätte fast jeder das Solo besser gesungen, als Willi Schmidt, und die Bassisten wäre» insgesamt kleine Albert Fischers, der diesmal allerdings in der Tonentfoltung stark gehemmt war. Gibt es aar kein« ganz zuverlässiaen Solisten mehr? Auch Ruth Arndt wußte mit dem Intermezzo der komischen Alten gar nichts anzu- fangen. Nachwuchs heraus! Dr. Kurt Singer. Ernst Ziel, der aufrechte Demokrat und freigesinnte Lyriker, ist im 8l). Lebensjahre gestorben. Dem jüngeren Geschlecht war er weniger vertraut, aber in seinen guten Iahren hat er manch kräf. tigen Föeiheitsspruck gedichtet, in Satiren und Invektiven Der- altetes und Hemmende» gegeißelt und in schön ziselierter Form ernste gedankliche Lyrik geprägt. Ernst Ziel war am 5. Mai 1811 in Rostock geboren, in jungen Jahren kam er nach Berlin, wo er dem„Tunnel" angehörte. Ln Leipzig und Stuttgart mar er später als Redakteur der„Gcn-tenlaube" tätig. Seit etwa zehn Iahren lebte er in Berlin. Bon seinen literarischen Arbeiten sind die scharf herausgemeißelten .Literarischen Reliefs",„30 Dichterporträts"(darunter Hartmann, Freiliorath, Meißner, Pfau) hervorzuheben. In seinen Gedichten »«ranstaltete er selber«taa gute Auslese. Als Herausgeber hat er sich um die Dramen Albert Dulks(bei Dietz in Stuttgart) und Ludwig Pfaus Gedichte oerdient gemacht, die er in einer Auswahl herausgab. Mit Ernst Ziel ist wohl der letzte der festen unabhängigen Poeten dahingegangen, der die Tradition von 48 fortsetzte und als Sänger demokratischer Ideale für Menschenrechte und Freihett stritt. Timerio nennt der Architekt T i e m e r sein System zur«in- jachsten schrisllichen Verständigung zwischen verschiedensprachigen Menschen ohne Zuhilfenahme ingendeiner Sprache. Tiemer setzt ein- fach für etwa 7000 Worte Zahlen fest und steigert durch Potenz- zifiern für die Mehrzahl, Unter- oder Ueberstreichung für Vergangen- hest und Zukunft, römische Potenzziffern für den Fall, Ringlein oben für das weibliche Geschlecht, Kreuzchen für die Steigerung usw. die Zahl der ausdrückbaren Begriffe auf 12 000. Für Wissenschaft- liche und technische Ausdrücke bestehen besondere Schlüssel. Natürlich handelt es sich nur um Briefe im Telegrammstil, ohne daß darum der bereits bestehende Kabelcodex nachgeahmt wäre. Das System ist durchdacht und sehr einfach, erfordert aber den ständigen Gebrauch des gedruckten Schlüssels. Es mag vielleicht für die internationale Korrespondenz von Nichtkeimern einer der Wellsprachen einige Be- deutung gewmnen._ Spielvlauitnderung. In der StaatSoper wird Freitag statt „Zar und Zimmermann' die. Fledermaus" gegeben. Da» 1. volkstümliche Bormittagskanzert der Staatsoper im Grossen Schauipielhauie am Sonntag, den'ZI. Februar, bringt unter Schillmgs ueilung lämtUche Borloiele zu Wagners dramatischen Werten sowie die Fauslouvertür«. Beginn lv'/, Uhr. Vorträge und Nezltatione». Friedrich NJ a eil liest Mittwoch, 714 Uhr. Fasanenpr. 38, Novellen von Po«.— Aus dem dritten Vortragsabend der „Auslandspost" wird Alfred Beierle am Donnerstag, 7Z4 Uhr, Werke von Alex. Blok, Maxim Gorki� Leonid Andrejew. Kursürftendamm RS, rezitiere».— Alfred Beierle lieft Sonnabend, 8 Uhr, in der Berliner Sczellion das Vorspiel aus„Der Weg nach Golgatha" von Dosw Kofller. ' Die Schöneberaer Künstler wollen znm erstenmal durch eine Kimst- auSstellung geschlossen an die Ocffentlichkeit treten. Vom 4.— 24. April steht ihnen die Ausstellungshalle deS Neuen Schönebcrger RachauseS zur Verfügung. Auskunft durch Herrn Mühel, Michlenstr. 7. Sturm und Drang im Smoking. Ein„Boheme-Verlag" versendet eine Notiz über eine Sturm- und Drangbühne, die vom stilisierten Naturalis- mus bis zum gemässigten EipressioniSmus reichen und nach einer„begrisfs- ntöglichen Wende tosten" soll. Für die Vorstellungen ist Gesellschaftskleidung vorgeschrieben. Ob im Lokal Sekt serviert wird, bleibt unacsagt. Karl Hauptmann(„Genie und Gespenster"), H. L. Wagner, Ernst Gever <„Feuersbrunst"Z, Heinrich Launiiwä..„st.»trat einer SchauGielenn") sollen im Noswichascal den vorg-schriebei-en Stnrm und Drang bei:»gen. Lesehallen und Volk-hanS. Der Deuische Vclkshausbund bietet allen' Lesehallen, Vereinen und Büchereien durch sein Arbeitsamt sür Volks- bücherei Gelegenheit, ein« Stommbüchcrei sür 100 M. und mehr geschenkt zu erhalten. Die näheren Bedingungen sind bei der HauPtgcschastSstelle Hamburg-Gross-HanSdors zu erhalten. Di« Erhaltung de« künstlerischen Gepräge» der Siedelnage«. Die neuen Sicdelungen sind meist nach einheitlichem Plan gebaut, künstlerisch durchgebildet, der Landschaft angepaßt. Um dieses Gepräge zu erhalten, verweist ein Erlaß des Wohlsabr:sministeriumS aus das LcrunstaltungS- und daS WohnungSgesetz: ein Lrlsstotut kann die nachträglichen Willkür- lichen Veränderungen, z. B. die Anbringung von Anpreiseschildem verhin- der» und jeder Beeinträchtigung de» Ortsbild«» entgegentreten. Nr. 77 �ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 7ö. Jebruar 1H27 tlb�nö Flugblatt- unö Stimmzettelverbreitung y i» Treffpunkt aller Parteimitglieder in den bekannten lokalen, i. GroßSerüu Eine wohnhöhle. E?n Zeitdokument ist die folgende von der Berliner Woh- nungsinfpektion 3(Moabit) einer Familie ausgefertigte Be- fcheinigung, die zur Kenntnis des Mieterverbandes Groß-Berlin ge- langte und von ibm dem„Vorwärts" mitgeteilt wurde: „Wir bescheinigen hiermit Frau Anna Neumann, Bändel- straße 18, daß sie sich hier wiederholt um Wohnung bemüht hat, wir aber bisher nicht in der Lage waren, ihr eine ihren Verhält- nisten entsprechende Wohnung nachzuweisen. Wir bitten, von der Fortnohme der Kinder vorläufig Abstand zu nehmen und werden bemüht bleiben, der Familie Neumann baldmöglichst eine gröhere Wohnung nochzuweisen." Nach den Ermittlungen des„Vorwärts" handelt es sich um die Familie eines Arbeiters, die in einer auf dem chofe gelegenen elenden Kellerwohnung leben muh. Das aus einer Küche und einer einfenstrigen Stube bestehende Quartier beherbergt das Ehepaar und vier Kinder im Alter von 14 Monaten bis zu 15 Iahren. Die Jugendfürsorge hat angekündigt, daß sie drei der Kinder anderswo unterbringen wolle. Als wir die Familie in ihrem„Heim" aufsuchten, mutzten wir uns im Quer- gebäude eine halbdunkle Kellertreppe hinabtasten mid kamen dann in eine noch dunklere Wohnung, die man richtiger als'Höhle be» zeichnen könnte. Obwohl es in der Mittagsstunde war, hatten wir zunächst Mühe, in der kleinen Küche die darin befindlichen Personen und Gegenstände zu unterscheiden. Don der Sonne, die an dem Tage am wolkenlosen Himmel lachte, kam hier kein Strahl hinein. In dieser sogenannten Wohnung liegt der Fußboden 120 Zentimeter unter dem engen Hof. den das vierstöckige Lorder- haus beschattet. Die Frau, die das 14 Monate alte Kind auf dem Arm trug, ließ uns eintreten Erst als unser Auge sich allmählich an das Dunkel der Küche gewöhnt hatte, entdeckten wir noch ein fünf Jahre altes Mädchen, das schweigend neben dem Kochherd hockte. Nachdem Licht angezündet worden war, konnten wir die beschädig- ten Wände, die geschwärzt. Decke und den abgenutzten Fußboden betrachten. Hier ist sicherlich seit langem nichts mehr repariert worden. Auch in der Stube präsentierten sich die kahlen Wände, von keiner Tapete bekleidet. Die Familie wohnt in dem Keller seit Dezember 191S. Sie mußte damals ihre bisherige Wohnung wegen Feuchtigkeit und Pilzdildung aufgeben. Wenn jetzt die Jugendfürsorge meint, daß in dem dunklen Kel-er die Kinder verkommen müssen, so kann man dem nur zustimmen. Aber dann soll man nicht den Eltern die Kinder nehmen, sondern die ganze Fa» milie in eine andere und menschenwürdige Woh- nung bringen. Die Mutter versicherte uns, daß weder gegen die Kinder noch gegen die Eltern irgend etwas vorgebracht werde und daß nur wegen des d'e Gesundheit bedrohenden Zustande» der Wohnung die Jugendfürsorge eingreifen wolle. Don dem Ehe- mann rühmte sie, daß er ordentlich ist und für die Familie sorgt. Küche und Stube waren bei aller Dürftigkeit der Ausstattung doch im Zustande der Ordnung und Sauberkeit, soweit das in einer solchen Höhle möglich ist. Manches deutete hin auf den Wunsch und Trieb, selbst vielem elenden Quartier noch ein ansprechendes Aussehen zu geben Man bringe die Familie endlich in eine aus- reichend große, helle, luftige, gesunde Wohnung! In ihr würde sie sich ein freundliches Heim schaffen. in Auftrag gegeben hat, w'rd im Einvernehmen mit dem Reicks- komniistar für die Koblenverteilung die unter dem 4. November lS2l) erlassene Notstandsbestimmung(Nacktsckichiverordnung)aus- g e b o b e n. Nach Verhandlungen mit dem Magistrat Berlin und mit den Ärbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden treten mit Wirkung ob IS. Februar 1921 neben der bestehenbleibenden allgemeinen Kontingentierung im Stromvcrbranck Sonderbestimmungen in Kran: die im emzelnen in der heutigen Ausgabe des„Reichs- anzeiger" angeführt find. Geffentl. Wählerversammlungen heule, Mltwoch, den IS. Februar, abeuds 7!lhr: Eharloltenburg: Auguste- Viktoria- Schule. Nürnberger Straße SS. Reierent Ministerialrat Sandrock. Suchholz: bei Käbne, Berliner Straße 89. Referent Rudolf Wisiell. Grünau: bei Buckhol z, Friedrichfiraße. Reierent Franz Krüger. Lichtenrade: bei Rohrmann. Waldrestaurant Hilpertstraße. Referent Eduard Bernstein. Neukölln: GambrinuS-Säle. Kaiier-Friedrich-Straße, am Hertzberg- viatz. Rekerentm Hedwig Wackrnheim. Schäoeberg: Hohenzollern- Gymnasium, Belziger Straße 48/52. Referent Ernst Heilmann. lvillenau: Beamte und Angestellte abends 8 Ahr im Lokal Dorn. Berliner Straße 7V. Re'eientFranz Kugler. Die Beamten und Angestellten der Irrenanstalt Dalldorf sind besonders eingeladen. Morgen. Vonnerstag, de« l7. Februar, abends 7 Ahr: Vaumfchulenweg: Lyzeum. Baumschulenweg. Referent Regierung? rat Kianold. Borsigwalde: Borsigwalder FestsSle, Spandauer Straße. Referent Gustav Heller, M.d.L. Buch: bei Göp'eri. am Bahnhof. Referent Arthur Häußler. Rosenthal: bei Schneider. Haupistr. 3. Referent Rudolt Wisiell. M.d.R. Spandau: Kochs Festsäle, Feldstr. 57. Referent Heinrich Ströbel. gesfevkWe wvevversMmlllllg mit tlev SlrasmMtev Eharlotlenburg: AugSburger Str. 57 im Restaurant Wilhelm Straube abends 7'/, Ahr Referemin Minna Todenhagen. SM. MlerversMtnllW(fit keamle. Angestellte n.Mm abends 7 Ahr in der Schulanta, Rigaer Str. 82. Referent Stadt rat Hcrrmann. Tagesordnung in allen Versammlungen:„Vor der Entscheidung". Sie Nachtschichtversrönung aufgehoben t Die Kohlenwirtichaftsstelle teilt mit: Nachdem vom Magistrat Berlin die Nackrickt eingegannen ist, daß er ausländ, icke Kohle in hinreichender Menge für die ElektrizitäiSwerke innerhalb der Stadtgemeinde Berlin qeaen die Ziinckerung rechizeitigerLieferimg Mit 19 fahren„Großkaufmann'. 200 000 Mark Iahresverdienst. Der Typ des jugendlichen Großverdieners, den der Krieg groß zog, ist durch die neueste Attraktion, einen ISjährigen Grohhehler, 1 In den Schatten gestellt worden. Ein Jüngling dieses Sturm- und ! Drangalters wurde von der Kriminalpolizei als Großhehler und Steuerhinterzieher entlarvt und festgenommen. Bei der Aufklärung eines Diebstahls stießen Kriminalbeamte vom Polizeiamt Lichtenberg auf ein L a m p e n g« f ch ä f t am Luisenufer 4. Sein Inhaber war ein 19 Jahre alter früherer Arbeiter Paul Seifert aus der Langhansstraße 19 zu Weißenle«. Do ergab sich, daß desien Lampenhandel nur ein Deckmantel war für I einen ausgedehnten Vertrieb von gestohlenen Waren aller Art. Seifert trieb einen förmlichen Großhandel mit Pferden, Teppichen, Wsln und dergleichen mehr lieber alle die?« G«. schäfte ober führt« er keinerlei Bücher. Di« Leute, die er als sein« Lieferanten und Abnehmer angab, waren in keinem Fall« zu er. Mitteln. Er gibt aber selbst zu, daß er angenommen habe, daß die ihm angebotenen Waren aus Diebstählen herrühren. Wie er sagt, hat er Geschäfte gemacht wo sie sich ihm boten, wie andere auch. Nach den bisherigen Feststellungen hat er an diesen Geschäften i n einem Jahre 200 009 M. verdient Diel Hot er von dem Erlös ausgegeben, well er auf großem Fuße lebte. Aber sein Lager- bestand hat immerhin noch einen Wert von 64 009 M., und außerdem fand man bei ihm noch einen Hypothekenbrief über 110 000 M. Alles wurde befchlagnahmt, der„Großkaufmann" wegen Hehlerei und Steuerhinterziehung hinter Schloß und Riegel gesetzt. Die Kämmerer-Kandidaten. Unter dem Vorsitz des Stadtverordnetenvvrstehers Dr. Weyl tagte gestern abend der Stadtverordnetenousschuß zur Vor- bereitung der Wahl eines Stadtkämmerers an Stell« des zum Ober» bürgermeister gewählten Kämmerers Boeß. 1k>ie zum Vortrag ein- geladenen Herren, Stadtrat Dr. K ä d i n g- Flensburg und Bank- beamter E m v n t s waren erschienen und beantworteten die ihnen vom Ausschuß vorgelegten Fragen. Ein Finanzprogramm konnten beide Kandidaten nicht entwickeln. Sie entschuldigten sich mit der Kürze der Zeil. Stadtrat Dr. Aöding legte besonderen Wert darauf, seine Stellung zu den Steuern hervorzuheben, während Emonts wieder besonderen Wert auf feine Stellung zur Sozialisierung reifer Betriebe, zur Frage der Beschäftigung von Hilfskräften und der Er- werbslofenirage usw. hervorhob. Ein Beschluß wurde vom Ausschuß nicht gefaßt Die nächste Sitzung soll Ende nächster Woche statt- finden. Zwei Mitglieder des Ausschusses wurden beauftragt, die bis dahin eingegangenen Bewerbungen aus die öffentliche Aus» schreibung der Stelle zu sichten und dem Ausschuh vorwag zu halten. «Mehlkrayer." Schon vor Jahren, als die Mehlpreile anzogen, machten sich nngetreue Mühlen- und Speickereiarbetter. insbeiondere aber Mehl« tuticher und ihre Mitkabrer ans Werk, die ihnen anvertrauten Mehl- sacke zu berauben. Wo» an Gewicht fehlte, mußte der Magistrat den Kaufleulen. Bäckern usw. ersetzen und wurde so au!s sckwersts geschädigt. Die Diebstähle und Unlertcklaguilgen an Mebl weiden aber auch heute noch ohne jede Scheu auf offener Straß« unter dem aufgespannten Wagenplan auSgeiührt, wobei Kmicker und Mitfahrer im vollsten Sinne des Wortes„unter einer Decke stecken". Dieses„Mehllratzen" besteht darin, daß der Mitfahrer. während der Kulscker langsam die Straßen durchsährt. jeden Sack öffnet, ihm einige Pfund Mebl entnimmt und mit Vielem Ge- lckäft so lange forlfädrt, bis er einen leeren Sack volliiändig geiüllt hat. Räch amilicken Schätzungen dfiriten auf diese Weiss täglich 150 Sack Mehl spurlos verschwinden. Welche Aus« dehnung diese Seuche genommen hat, geht auch daraus hervor, daß die Kriminalvolizei ein besonderes„Meblkratzerdezernar" einrrchlen mußte, dem eine nicht geringe Zahl von Beamten angebött Sache jedes einzelnen ist e«, mituihelten an der Belämptung dieser Hinterziehungen; denn letzten Endes ist e« der Steuerzahler, der dos veruntreute Mebl doppelt bezahlen mutz. Alto, achtet auf die Mehlfubrwerk«, die selbst bei gutem Weiler den Wagenplan sorgsam ausgespannt haben. Wer verdächtige Bewegungen de« Planes bemerkt, sollte sogleich den nächsten Schutzpoliztslen benach» richtigen._ Wie die Affeupintscher entstehen... Das Folgendr kennzeichnet sich al« ein Stück ans der natnr- geschichtliche» Moral einer deut'chnationaicn Letrcrin. wie iolche »och immer in der Republik Kinder„belehren" düiien. An der Privat'chule der Frau Direktor v. GrolsiuS, Eiienacker siraße 84 hat vor einigen Tagen eine vebierin, Frau v. Wald- bei n, während des Unterrichts die lSjäbrigen Swülerii neu ge- fragt, wieviele von ihnen„nicht geläutt" seien. Darauf meldete» sich drei Mädchen, darunter ein blondes Kind. Anf die Frage der Lehrerin weshalb sie nicht geiauii iei. anlworute da» Mädchen:„Mein Vater in Jude und meine Mutier war Christin, aber bei der Veiheiralung zum Jndenilim übcraeireirn." Darauf antwortete die Lebretin mit»ngesädr folgenden Woitcn:„Da ist dem deutschen Vaterland wieder eine deutsche Mulier und Tockier entzogen worden. Das ist ungefähr so. al« wen» au« der Straße eine Bulldogge mit einem Bernbardtner an- bandelt und die Kinder, die lie bekam in en, Aflen» p i n t s ch e r sind." Weiterhin tchimpite dieie zeitgemäße Bildnerin der Jnaend auk die gegenwärtige Regienina, rnsbeiondere auf den 89] Schweres Blut. Roman 00» Anhaut Aha. XIV. Marfa schläft in ihrem Speicher. Sie schläft nicht mehr. ist aber auch nicht richtig aufgewacht Sie ist in ber Äadestube von Schemeikkas Gehöft, auf der Schwitzbank, mit dem Kinde neben sich auf dem Stroh. Plötzlich ist es gar kein Kind, fon- dern eine junge Katze, die sie von ihrer Brust reißt und auf die Diele schleudert. Da ist es wieder das Kind und liegt auf seinem Bettuch unten vor der Schwelle. Marja vermag sich nicht loszumachen, ihr ist, als fei sie mit den Händen und Füßen an die Schwitzbant gebunden. Hinter der Wand dröhnen Schritte. Die Luke wird geöffnet, und man hört, wie I jemand seinen Kopf hereinzwängt, aber Marja kann nicht sehen, wer es ist Die Tür wird aufgerissen. Schemeikkas Mutter hebt ihren Fuß über die Schwelle. Maria will schreien, sie solle nicht auf ihr Kind treten, aber ihre Stimme versagt. Da ist es gar nicht Schemeikkas, sondern Iuhas Mutter. Die kommt auch gar nicht herein, sondern weicht zurück und ruft hinaus:„Komm und sieh! Früher standen ihre Brüste wie volle Samenbeutel, jetzt baumeln sie herab wie die Tasche eines Zuanetzes. Sie hat ein Kind geboren!— Schau, da ist es ja!" Sie nimmt es und gibt es dem, der feinen Kopf zur Fensterluke hereingeschoben hätte.„Wirf es in die Wake. Iuha, wirf die Mißgeburt von dem Russenmensch in die Wake!" Marja ruft:„Nehmt mir mein Kind nicht weg!" und erwacht Hatte jemand ihr Rufen gehört? Sie stand auf u,w öffnete die Tür ein wenig. Es ist niemand zu sehen. Der ganze Hof ist leer Marja schwindelt der Kopf, und sie schwankt auf ihr Bett zurück. Was soll aus alle dem noch werden? Ob ich es jemals hierher bekomme? Ob es Ania gelingt/ es zu bringen? Wie konnte ich es dort lassen? Wenn ihm nur nicht am Ende etwas geschehen ist? Es war Anjas Plan gewesen, und Schemeikkas Mutter hatte schließlich beigestimmt. Wenn Ne aber nur beigestimmt hätte, damit sie mich los würden? Wäre es nicht besser, ich sagte Suha alles, statt daß ich ihn zu betrügen versuche? Er hat mich ja auch gegen seine Mutter verteidigt Nein, er glaubt nichts, er hält wich für ebenso gut wie früher. Wie iaan ich«o ihm bann aber sagen? Er kann da» Kind eines anderen nicht annehmen— er. der sich immer ein eigenes gewünscht hat.— Ob wohl jemand gehört hat. was ich im Traume gen-fen habe? Marja fiel in Halbschlummer und schlief eine Zeitlang. Dann erhob sie sich und ging in das Haus. Da faß Kaisa und las. Jetzt erst bemerkte Maria, daß Sonntag war— wie damals, als sie weyging. Es hatten sich ihr alle Tage in den Wäldern durcheinandergewirrt „Wo ist der Wirt?" „Er ist wohl in den Wald gegangen." Um etwas zu sagen, erwiderte Marja: „Do ist ja ein neuer Dielenbalken gelegt." „Ja, der alte ist zerbrochen," erklärte Kaisa. „War er denn schon morsch?" „Nein, das nicht; der Wirt hat ihn zerbrochen." Und nach und nach erzähtte Kaisa, wie der Wirt wegen irgend etwas über feine Mutter wütend geworden...„na ja, ich kann ja jetzt sagen, weswegen— oeswegen, weil sie gesagt hatte, ihr wäret gern weggegangen.. ja, darüber wurde er wühend und schmiß die Stampfe aus die Diele... war dann lange Zest wie blöde... Sich, wie er euretweg�i getrauert hat! Marja hatte nur den Wunsch, vor Kaisas forschendem Blick zu fliehen. Sie verließ die Stube, ging von einer Stelle zur anderen. So geht es nicht so wird es nichts. Cr wird nicht imstande sein, alles zu hören, wie es ist Wenn ich wenigstens gut gegen ihn sein könnte. Aber ich Hobe es ja nicht über mich gewinnen können, auf chn zuzugehsn, nicht einmal, ihm die Hand zu reichen. Weshalb bin ich so?... Daß ich mich doch davongemacht, daß ich nicht doch auf Schemeikkas Rückkehr gewartet habe... Wenn ich irgend- wie einen Anfang fände hier, zum mindesten, bis sie mit dem Kinde kommen oder bis ich daran denken kann, wenigstens auf sie zu warten. Auf keinen Fall kommen sie schonjn einigen Wochen, wenn sie überhaupt kommen. Wenn sie kamen, liefe ich so'ort davon und bettelte mich gar bis ans Meer durch. Marja irrte umher, auf dem Hofe und am Strand und überall, schaute um sich, ohne etwas zu sehen, osine das Auge auf etwas zu heften. Alles schien zu sein, wie es gewesen war, ach, dort war ja noch die Nadel, die sie Im vorigen Sommer in die Speicherecke gesteckt hatte. Aber alles war frewd, wie wenn sie hier nur auf der Durchreife gewesen wäre. Wenn ich irgendwohin entkommen könnte, wenn ich fortgegangen wäre und nicht die öchwiegermuner. Sie entfernte suh weiter vom Hose» ging in da» Echego hinunter, wo st« die Schellen der Kühe hörte. Plötzlich stand Juha vor chr auf dem Psade. frierst wußten sie einander nichts zu sagen. Dann sagte „Ich wollte nach den Kühen sehen.. Juha erwiderte: „Ich habe Zaungatter ausgebeffert.. Und dann gingen sie nach verschiedenen Seiten. Sie weicht mir aus, dachte Juha, nach dem Hof gehend. Sie vermeidet es, mir ins Gesicht zu sehen wie früher. Hat mir auch nicht die Hand gegeben. Und sie klagt mich ja auch nicht ohne Grund an. Man muß ja einen Mann verachten. der sein Weib im Land der Ränder läßt, bis sie selbst zurück- kommt, eine einzelne Weibsperson ans einem fremden Land, aus den Händen der Feinde, durch Moorwälder und Sümp'e. Und als sie kommt, wie wird sie da emp'angen? Während sie dort in wer weiß welchem Elend lebt, währenddem schaltet die Sckwiegermiitter hier mit meiner Erlanbnis und fällt über sie yer wie ein reißendes Tier. Und Marja mag alauben, daß ich derselben Meinung gewesen bin und es viel' leicht immer noch bin, weil ich die Alte die ganze Zeit hier geduldet habe. Marja ist nach einiger Zeit zurückgekehrt Sie haben zu dreien gegessen, Juha, Marja und Kaisa. Gesprochen worden ist so gut wie nichts. Nach dem Essen ist Kaisa gegangen, Marja ist geblieben, um den Tisch abzuräumen und das Ge° schirr an der Ecke der Ofenbank zu säubern. Juha scheint es. daß sie auf etwas wartet. Jetzt muh es ins reine gebracht werden. Cr will es schon sogen, da hast er wieder zurück, ein- mal nach dem anderen. Schließlich bringt er es heraus, indem er seiner Stimme einen ruhigen Klang zu aeben versucht: „Wi— wie host du dich denn von dort hierher gefunden ... und hast's ausgehalten?" „Wenn ich irregegangen war. habe ich nach einer Stelle gesucht, von wo unser Berg zu sehen war" „Darauf bist du zugewandert! Der hat dir den Weg ge- zeigt? Unser Berg!" „Ja. Jetzt mußt« es gesagt werden. Aber wenn ich sie damit kränke. Wenn sie«s mir übel nimmt, daß ich davon spre he. ... Wenn es ihr womäglick, weh tut. Wenn es besser ist, baß ich nicht daran rühre. Bielleicht hat sie es daraus ver- standen, daß ich die Mutter sofort weggejagt habe. Wenn sie aber schon van Kaisa gehört hat, weshalb ich mich nicht aufgemacht habe, obwohl ich«» wollt«? Jetzt hat sie die Näpfe abgewijcht.«eich geht P».. Eons, folgt) Minist?? Haenisch siib überall einkchmeicSeln wolle. Demakgon- üt>er ienne Adolf Hoff>»ann zwar nicht den Unterichied zwnchen mir uiid mich, sei aber wenigsten» geradezu gewesen. Die jüdischen Kaufleute seien Deutschlands Ruin, sie nähmen anderen die Stellen sort»iw. Eltern von jüdi'chen Kindern baben sich nach diesem voikall beschwerdciührend an die ssrau Direktor gewandt, die sich zwar bereu e, klärte, der Lehrerin einen Verweis zu erteilen, qber nicht, diese zur Kindererziebiing völlig ungeeignete Dame zu tnl- lassen. Aes Amtes das ist, möge hiernach der Ooerstadtschulrar feststellen. Volksfeinde rechts! In einer sehr gut besuchten Wählerversammlung in Steglitz sprach tileposse Heinrich S t r ö b e l zu dem Thema: .Der Feind steht rechts!" Der Redner legte dar, daß sich bei dem jetzigen Wahlkampf eine gewisse Wahlflauhett bemerkbar mache. Ein großer Teil des deutschen Volkes leb�in einer gewissen Gleich- g ü l t i g k e' t dahin, obwohl wir doch bei einem Defizit von 79 Milliarden Mark alle Ursache häiten, alle unsere Kräfte anzuspannen, um ans der Pumpwirtschaft und dem Elend herauszukommen. Die ungehewren Lasten, die uns jetzt von der Entente auferlegt werden, danken wir den Rechtspartelen, denn wie Hclfferich und Konsorten während des Krieges oxrufen haben:„Die Feinde müssen zahlen!", so ruft man jetzt in Frankreich:„Die Deutschen müssen zahlen!" Wir müssen bedenken, daß der Kampf, der jetzt ausgefochten wird. sich ausschließlich flogen rechts zu richten hat. Der Ruf der Reaktion nach der Einheitsfront crfordcrt>das Zusammenstehen der gesamten Arbeiterschaft gegen diesen Rummel. Der Redner wies weiter dara"f hin. daß die j'tzigen Forderungen der Entente unmöglich zu erfüllen sind und forderte von der Regierung zahlen- mäßigen Nochweis dieser Tatsache v*b sachliche Gegenvorschläge: dagegen könne ein« nationalistisch« Hetze unser« Lage nicht ver- bessern. Wir müssen im Fnnern die Demokratie na-h sozialistischen Grundsätzen ausbauen und darüber hinaus endlich zur Sozial!- sierunq kommen. Genosse Franz Krüger stellte das geringe Interesse an den früheren Landtagsnmhlen wegen der öffentlichen Wahl und dein Dreiklossenwahlrecht fest: häiten doch 191Z die konservativen Parteien 143 Abgeordnete, die Sozialdemokratie 10 Abgeordnete bei gleicher Stimmenzahl erhalten Linkssiehende Teile der Arbeiterschaft seien schiild an der Kleinstaaterei, sonst müßten wir eine einheitliche Republik haben. Die Zusammensetzung des Preußischen Landtags sei ausschlaggebend für dir Gesetzgebung des Reichs. Auch die Metbode der Rechtsparteien, die Zeit von vor 100 Jahren zu ihrer Wablpropaganda heranzuziehen, wurde von Krüger einer Kritik unterzogen: denn gerade die alten Konservativen setzten den von Steinschen Staatsresormen den heftigsten Widerstand entgegen, Ihre gulsherrtichen Re4 Uhr: 1. B-zlrk bei«chwelkert.4 Uhr bei Günzel,«atharinenstr., Sit« Seil- bronner Str..«kma-ZnHlabsnd. Einteilung zur Wohlarbeit. 7».«it.(Schdneberg) abend»« Uhr Flugblattverdrettung von K-ditzk«, Eb»r»sw. SS, und von gendel, Borberg str. U» au». ich nicht unrecht gehandelt denn die Pfllchk gegen mich steht höher als die Pflicht gegen das Recht., Kaisers Verleger Kiepenhauer gibt als Zeug« Aufschluß über die wenig günstigen Dermögensverhältnisse des Angeklagten. Das Urteil lautete: Georg Kaiser wird wegen Unter- schlagung in drei Fällen zu einem öahr Gefängnis verurteilt, worauf vier Monate Untersuchungshaft in Abrechnung kommen. Margarets Kaiser wurde von der Anklage wegen Unterschlagung und des Diebstahls in einem Falle freigesprochen, wegen eines Diebstahls in einem anderen Falle zu vier Rconaten Gefängnis rerurteilt, worauf ein Monat Untersuchungshaft in Abrechnung kommt. Georg Kaiser wird für die Straf« von sechs Monaten, der Margarete Kaiser für die ganze Strafe Bewährungsfrist zugebilligt. « Mit dcr Bcendig'ing de- Koiser-Prozesses findet eine Dn- Gelegenheit ihren Abschluß, die seit Wochen und Monaden einem gemissen Teil der bürgerlichen Presse mit allen Mit'eln billigster Reklame bre'tgetreten wurde. Insbesondere war es die„liberale" Presse, die sich an langatmigen-Ausführi'ngen über den unglücklichen Dichter, der vielfach zum deutschen Genie gestempelt wurde, nicht genug tun konnte Psychiatrische und soziologisHe Untersuch mgen w'irden angestellt— nicht um den Fall Kaiser sackssich zu klären, sondern um den Arge- schuldigten in ein möglichst g ii n st i g e s L i ch t zu setzen. Die dichterische Bedeutung Kaisers stand und steht jedoch nicht auf der Tagesordnung. Es handelt sich um einSn Fall von Diebstahl bzw. Unterschlagung, der nicht da- durch siMpathischer wird, daß der Delinquent zufälligerweise ein paar literarisch belangvolle Dramen geschrieben bat. Die wachsende Rot und Verelendung der breiten Massen des a r» bettenden Volkes brachte es mit sich, daß die Vergeben gegen das Eigentum im Deutschen Reiche von Jahr zu Jahr zunahmen, ohne daß sich jemals eine bürgerliche Stimme gesunden hätte, die auch nur ein einziges Wort des sozialen Verständnisses äußerte Der Ä r b e i t e r, der sich— oft aus tiefster Rot und nach schweren inneren Gewissensqualen— eines Eigentumsver- gehens sch'stdig macht, wird vom Ehorus der bürgerlichen Presse als D i e b geächtet, der ins G e f ä n g n i s muß. Georg. Kaiser erklärt— offenbar ohne die mindesten Gewissensbe- denken—, daß er für sich auf Grund seiner„göttlichen Stel- lung außerhalb aller Gesetze" ein besonderes Recht proklamiere, und die bürgerliche Presse findet für diese unge- beuerlichen Anmaßungen, die entweder von Größenwahn» sinn zeugen oder simuliert sind, kein Wort der Ver- urteiluNg. Sie streicht vielmehr jenen Mann heraus, weil er einer der Ihren ist, und scheut sich nicht, einen Stand- punkt zu vertreten, der den Klassencharakter der bürgerlichen Gesellschaft bis in seine verstecktesten Tiefen enthüllt. Die Bourgeoisie hat kein Verständnis dafür, daß ein Mann, der Dramen voll sittlichen Rothos und morali- schen Inhalts schreibt, und der sich selbst als Dichtergenie bezeichnet, zunächst die selbstverständliche Pflicht hat. jene Moral zu l e b e n. 6«.«bt. kSchlvedera). Sie«»nassen treffen si-si zu» Btetblgung der«5». nossin Thoniae um 4 IIH» hei«ürlich. Ruheneftr.. Tcke Begaaste. 157. Abt.(Reiuickenvorf-Scft) abend, 7 Uhr Mitgliederversammlung in der 2.«emeindeschule, Augustc-Biktoria-Mee. Eharlottr nburfl. 1«. Gruppe Flugdlattverbreltuni vom Restaurant Serick, Naisrr-Friedrich.Etr. 54, aus. Morgen. Donnerstag, den 17. Februar: Ritalieder der Aeit-a-»ta»m>sfla» au» der Spedition Friß, Prinzensir., treffen sich 7'4 Uhr bei Kruger, Engelufrr 15.«uch die«bteilnngsliiter müssen anwesend sein. 1.«bt. abend. Vi Uhr bei SchitzkawÄi, Sophiensir. 22/33, Treffpunkt aller Funktionäre und freiwilligen Helfer. 17. Abt. abend» 7 Uhr bei Murrer, Eaprivisir. 2, Sitzung der Funktionär», Betri«h»vertrouen»leute, Frauenagitationamitglieder, Bezirksführer usw. 20. Abt. abend, 7 Uhr bei Ronadors, Petersburger Str. SS, autzrrordentliche Mitaliederversommluilg. 82.«bt. abend, 7 Uhr hei«atter,«leimstr.«5, wichtige Sitzung der Be. zirkssllhrer und aller arbeitefreudigen««nassen. 35.«bt. abend, 7 Uhr bei«rüger, Hufsitensir. 34, Sitzung der Bezirksführer und Wahlletter. Materialausgabe. 15.«it. abend, 7 Uhr bei Pose, Kaloniestr. Ii. und bei Ieserlck, Schweden- stratze II», Ertra-gahlabend. 46.«bt. abend» 714 Uhr bei Kinterreiter, Reinickendorfer Str.' 91, Sitzung sämtlicher Funktionär«. ' 78.«bt. sSchlacberg) abend» Vi Uhr in der«chloßbraueeei, Hauptstraße 122/122(kleiner Saal), Extra-gahlabend. Wichtig« Tagesordnung. 81.«bt.(Frieden»») abend» 714 Uhr im Restaurant Kühn, Hackerstr. 3, wichtige Besprechung»tt de» Funktionären und Wahlhelfern. Wahlhelfer- listen mitbringen. 85. Abt.(Tempelhas) abend» Vi Uhr bei Bus»,«alfer-Wilhelm-Str., ttdt Werderstr� Frauenaben». Referentin: Hcdwig Wachenheim.„Tu, Wirksamkeit der Landtagswahlen und die Hau»onglsttlltin.»Die Hausangestellten find hier- durch sreundlichst eingeladen. Äöntgenthal-Zepernick abend» 7>4 Uhr bei Marx gahlabenbc Zungsozialtpeu.»rnppe Renk»»» �------------ Vortrag über„Sozialtstische und" Treptow! 7 Uhr im Jugendheim,______..... musikalischen Erläuterungen).— Gruppe Hermsdaif: 7V4 Uhr im Landhaus Neunzig, Neue Btsmarckstr. 42, Bortrag über„Bolschewismus und Sozialdemv- kratie".— Krupp« Fri-drich»hag«»:» Uhr bei Scholz, Friedrtchstr. 81, Vortrag über„Der Liberalismus�.___ ?ugenüveranftaltunaen. Benin«rbetter-Zugend Srat-Beellu. Sekretariat!«S.4«, In de» gelte» 22. Mitkwoch. den IS. Februar, abends � Uhr: Kratz-Uichterfeld«! Jugendheim«ldrrchistr. 14a.«ortrag:.Lwelk, und Fiele dr« Vereins»rbeitrr.Äugend.-—«iinl»»»rf: IuaeudheimäSchule«dolfstr. 25. Vortrag:„Sternen kund».— Licht» nbera: Jugendheim«arkau« 10. Bortrag des Genossen G reinert.— Mahtabatti-----"" ao.iv— fiflnhftrnf»*•_ inert.— Rahtadirti Iuaendbeim Schule Walderseestrasi«. Bortrog:„Romantik der Laudstrah»,-— Picnsiann V»rstadti Jugendhrlm Schule Senefelderstr. st. Bartraa:„Rase, oder Darwin.-— SSdaft(Kspenilke, Viertel)! Jugendheim Schule Wrangelstr. 132. Dortrog:„Die ckntstehun, de« Menschen."— Tempelhrti Jugendheim Lnzeum Sermaniastr. st/7. Diskussion». abend:„Der d-ntschnatlsnal« Ingendbund."— vilmer»d»rt: Jugendheim Schul« Koblenzer Steoßi. Vortrag. Vorträoe. Vereine unü ver�ammwn�en. Der Berei»„Rvmphae» alba-, Berel» für Aquarien- unb Terrarienkunde «. v. veranstaltet Heu», Vi Uhr im Bereinslokal Sophiensäl«, Sophienstr. 17/12, «inen Propagandaabenb mit Vortrog und Borsührang:„Die Einrichtung de» Aquariums". Gäste herzlich willkommen.- Hauptvere!» sllr Gab-lsbirgershe Stenograph» in Berit» ä. B.>b2 Uhr Luisenstadttsch« Obere ealsch'ile, s. 1«, Dresdener Ltrost, 112 und Hotel~""-----~' religiöse Gcwewde. Oetex 17. Februar, 7 Uhr, im Bol Reserentio: Frau Dr.«rische. - �ius aller Welt. Der mysteriöse Mord in Schlesien. Westen des Dovpelmorde« auf Ickiloß Klopve!»dorf'ist dem.Bot? an« dem Rietengebttst«' Zlssolge der Onkel der er- mordeten R/iterstutSbentzerin. rtn pewisser Peler G r u p e n au» Berlin, unl« dem dringenden verdacht der Täiercdaft ver- dostet worden. Tie sechzehn jäbriqe Besitzerin de» Scd osse«. Dorothea Rohrbeck, alletntge Erb>n von drei Rittergütern wurde von etnem Hausmädchen in ihrem Zimmer, durch mehrere E-vüfle i in Hals und Brust verletzt, tat ausgesunden. Im selben Zimmer wurde die auf dem Schloß zu Besuch weilende zwölfjährige Kusine der Rohrbeck, Ursula Schade auS Berlin, mit einem Schuß über dem rechten Äuge schwerverletzt aufgesunden: sie ist zwei Stunden daraus ihleu Veiletzungen erlegen. Jn dem- ielben Zimmer fand man einen Damenrevolver, der jedoch noch gesickert war. Jn der Tasche der Schade wurde ein Brief an ihre in Berlin wohnende Großmutter aufgefunden, in dem da? Kind mitteilt, daß eS die Nohrbeck und dann sich selbst erich/eßen werde. Der nunmehr verhaftete Grupen halte gleichsallS Besuch auf dem Schlosse geweilt. Räuberbande verhaftet. Eine Räuberbande schltmmsier Art. die seit dem Zuiammeubruch im Siegerland und Wesserwald unter Undrohung de« Erichießen« bei Landwirten ganze Ladungen Mehl, Getreide uiw. erpreßte, wurde verhastet. Die Hauptansührer waren ein Gastwirt und ein Techniker. Polnisches Abgeordnekenidyll. Unter dem Titel„Anzahlung rnrf den Senat" bringt der Warschauer„Narod"(Die Nation) folgende Notiz:„Der nationaldemokrotische Seymabg. Marek erhielt von seinen Wählern in Lipowa, Kreis Zywiec, 26 Slockschläqe. So lautet eine offizielle Interpellation. Er erhielt die Schläge dafür. weil er für den Sjnat war. während feine Wähler es vorziehen, auf eine zweite Kammer zu verzichten. Man wollte ihm so viele , Stockhiebe auszählen, als es in Polen Senatoren geben soll. Weil jedoch deren Zahl bisher nicht feststeht, begnügte man sich vor der Hand als Anzahlung mit 23 Hieben." Das ist doch wohl ein recht fühlbares und empfindliches Beispiel von Vergewaltigung dcr i Abgeordnetenimmunität.— Das darf man wohl sagen! Gefährllch« Sosiümwaffen. Die belgischen Militärgerichte im Lande des anderen Partners des Friedensvertrages gehen jetzt trotz aller Einsprüche und Existenzsoraen mit schweren Freiheits- und Geldstrafen ssegen Besitzer von Maskenleihanstalten vor, zu deren Geschäftseinrichtung neben mittelalterlichen auch«in paar neuzeitliche Waffen gehören, selbst wenn diese aus den siebziger Jahren stammen. Part» ist nicht mehr die hauptsiadk Frankreich«. Diese schreck- ltche Entdeckung hat man soeben in dem französischen Mini' erium� gemacht. Und wa, noch schlimmer Ist, alle offiziellen Dokumente' seit Dezember 1914 sind theoretisch ungültig. Man hat nämlich vergessen, die am 3. September 1914 unter dem Druck de« deutschen Vormarsches im„Journal osfictel" mit Gesetzeskraft erlassene Verfügung zu widerrufen, daß nunmehr Bordeaux die gesetz- liche Hauptstadt wäre. Monsieur Bureaukratius sträubt sich der Zopf bei dieser Entdeckung. Fällt etwa der Versailler Friedensver- trag auch unter die ungültigen Dokumente? Schwimmende Mine Im Hafen von Marseille. Sine l-bwlmmende Mine erplodierle im Hoken von Mäcieill, mit oewaitiger Detouaiion an den U'rrfel'en. Jn der Nähe liegende Bissen erliiien le'chie Ve- sstädigungen. Pe, tonen wurden nicbl verletzt. Ein Lenkbasto» bat iosori die Rastkortchnn-en ausgcnoiumen, ob in der Nähe noch weitere Minen sich befinden. Hriefkaflen üer Neüaktion. Eestniti che Ausknns» wird nich: erteilt. Jeder kür den Briefkasirn brsiimmten Aniraae füg« man»« i n, n Buckisted»» und«ine Nummer bei. Brieflich« Auskun.il lried nicht erteilt. Eilige An. fragen trag« man in der Zuristifchen Sprechstunde, Lindenstr.», 1. Hof vor- terre link», vor. Schriftstücke und Verträge sind mitzubringen. F. G. 12. 1. u. 2. Dil Ziichii-keit der Angaben können wir nicht noch, prüfen. 3. Im Klegeweg«.- L. St. 74. l. Nein. 2. Ja. di, oefetzlich vor- geschriebenen Gebüstren—« P. 12 Bei der dortigen Gemeindeverwaltung bzw. dem zuständigen Finanzamt.- S 27. Si'gibi nur den Klageweg._ A. B. 43. 1. u. 2. Nein, abei»ine einncatige Abfindung in Höhe de» dreif'ch», Iahresbetrag», der Debilhrnisse. die der Beschädigte bezogen dat. 2. Nein. 4. Ez mutz ein neuer Antrag gestellt werden.- F. F. 1v«. Der Abzug Ist nickt zulässig.— 8. 2. 1. Ja. 2. Reichssiedlungigesrtz vom 11. 2. 121«. 2. Da, richtet sich nach der Ersitze de» i» Frage kommenden Gutes. 4. Wenden El« sich a* da, «ulturamt in Guben. Wirtschaft Gegen Beteuerung des Existenzminimums. Am 10. Feliruar stand ein Antrag Görnandt-Humar im finanz- poNtischen Ausschuß des vorläufigen Reichswirtfchastsrats zur Be- ratung. der sich mit der Besteuerung des E x i st e n z m i n i- m u m s beschäftigt. Er lautet: Die in§ 20 des Einkcmmensteuergesctzes grundsätzlich richtig festgelegte Steuerfreiheit des Existenzminimums ist bedauerlichermeifs durch§ 30 des Landessteuergesetzes, von dem zahlreiche Gemeinden in ihrer finanziellen Notlage Gebrauch ge- macht haben, praktisch aufgehoben. Di« trmmunvlen Steuercrdnungen erfassen diese Beträge nach den verschiedensten Grundsätzen. Der finanzvclitische Ausschuß des Reichswirtichafts- rats erhebt gegen diese Art. der Gesetzgebung, die eine Irre. führung de�. Volkes darstellt, und das Vertrauen in die Gesetzgebung untergräbt, entschieden Widerspruch. Wenn die " Gemeinden auf die Einnahmen aus der Einkon.menbesteuerunz nicht verzichten können, bält es der Ausschuß für unbedingt er- forderlich, daß das Reich die Besteuerung selbst aus Gerechtigkeits- gründen nach einheitlichen Grundsätzen im Rahmen des Einkommensteuergesetzes regelt, und das daraus erziehe Auf» kommen den Gemeinden restlos zur Verfügung stellt. Der Ausschuß erhob den Antrag ein st immig zum De- schluß. Ein zweiter Antrag Görnandt, der Steuerfreiheit für alle besonderen Entlohnungen aus Ueber stunden und Ueberschichten vorschlug, wurde abgelehnt, weil man ihn für praktisch undurchführbar und sozialpolitisch bedenklich hielt. Die Reichseisenbahnen im neuen Rechnungssahr. Das ReichsverkeHrsministerium hat feinen vor- anschlag für das Rechnungsjahr 1S21 bereits fertiggestellt. Er sieht auch für das neue Rechnungsjahr hohe Fehlbeträge vor, näm- lich rund 3,6 Milliarden Mark lim Vorzahr« 14,4 Milliarden) im ordentlichen Haushalt und 3,4 Milliarden Mark in dem außerordent» lichen Haushalt. Das neue, erhöhte Defizit im außerordent» l i ch e n Haushalt wird damit begründet, daß mehrere Milliarden zur Beschaffung von Fahrzeugen benötigt werden, um den Betrieb wieder leistungsfähig zu machen. Es sollen 169 Lo'o- motiven, 1000 Personenwagen,.sowie eine größere Anzahl Gepäck- und Güterwogen angeschafft werden. Die Ausgaben haben sich gegen das Vorjahr noch um 1,8 Milliarden erhöht, doch sind die Ausgaben für Bauten darin nicht enthalten. Dem steht auch eine Erhöhung der veranschlagten Einnahmen um 12,6 Mill.arden gegenüber, die man durch die bereits erfolgten und noch weiterhin geplanten Tariferhöhungen einzubringen gedenkt. Die Gesamtsumme der Verkehrseinnahmen wird auf 26,8 Milliarden geschätzt. Einer optimistischen Beurteilung dieser Zahlen steht die Tat- fache gegenüber, daß die neuen Tariferhöhungen erst durchgeführt werden müsien, und vorläufig wenigstens nicht zu übersehen ist, ob sie nicht, wie meist in solchen Fällen, vorübergehend einen Rück» gang des Verkehrs nach sich ziehen werden. Auf dem Papier nehmen sich die Zahlen recht günstig aus. Sie sind allerdings nur dadurch mö-llich gewesen, daß die Tarife der Geldentwertung angepaßt wurden, was besonders den Personenverkehr sehr verteuert hat und noch weiterhin verteuern wird. Die vfllziöse Mitteilung, die den Voranschlag bekanntgibt, küudiat an, daß auch im neuen Relbnunasjohre„die Dastrcbuaaen zur Herstellung eines richtigen Derbö'tnissee zwischen Arbeitsseistunaen und Arbeitskräften noch- dnicklichst fortaesekt norden". Sie füat jedoch hinzu, daß aus eine Reduzierung des Personals auf den Vorkriegsstand nicht zu denken ist. Hoffentlich gelingt es nicht nur auf dem Papier, die Eisen- bahnen wieder z-: einem Unternehmen zu machen, da» sich selbst rentiert. Sollten jedoch Entlaflimaen ersolaen, wo sie nicht un- bedingt erforderlich sind, so wäre dem entschieden zu widersprechen schon deshalb, weil bei den gegenwärtigen D?r�~ltn>ssin am Arbeitsmarkt durch die Erwerbslosenfürsorge hohe B"tröge aufzuwenden stnd, die bester angelegt werden, wenn die Arbeitskräfte pro- d u k t i v verwendet werden. Es gibt noch genug Möglichkeiten, das Verkehrswesen zu reorganisieren: das Relchsnerkebrsministerlum sollte diese Pred„kttonsmö"llchk»iten gerade in der lleberganaszeit ; in erhöhtem Mo�e ausnutzen, um bei etwa notwendigen Ein- � schränkunaen an Personal im eigenen Betriebe den Arbeitemarkt l anderwärts wieder eine Krästigunq zu bringen. Vis die Schäden. die im Eisenbahnwesen durch den Krieg herbeigeführt wurden, einigermaßen atisgeglichen sind, wird es noch mancher Arbeit be- dürfen. Die Eintrgsbnng der Körnerschgllessener läßt b-kanntllch"benso wie die anderen Kopito'steuern niel zu wünschen übrig. Diese St"usr wird bekanntlich vom Reingemmn der Unternehmer erhoben. Run stellen die Gesellschaften ihre Abrechnungen über das verflosiene Ge- schäftsjahr oft erst nach Monaten fertig Aber auch dann noch treten in der Steuerzahlung infolge von Atiseinandersetzungen mit den Struerorannen über die Höbe der Steuerveranlagung bäusig g mg langwierige Verzögerungen ein. Um den Steuer- einganq zu beschleunigen, wird dem Reichstag lt.„Dena" demnächst ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, durch den die Erwerbs- gesellscho tten bei hoher Geldstrafe verpstichtet werden, innerhalb eines Monats nach Feststellung der jährlichen Bi- l a n z. Rechnung oder de? Geschgft"obschl"sses 10 Rroz. des Reingewinns auf die svöterhiu ermittelte Körperschaftssteuer an di? Finanzkasse abzuführen. Der kaliabsah des Zahres 19A) betrug noch der„Deutschen Bergwerksztg." insgesamt 9 241 684 iz(gegen 8 120 023 dz im Jahre 1919), so daß also ein Mehrabsatz von 1 121 660-tz tm Gesamtwerte von 1 534 214 120 Mk. zu verzeichnen ist. Das Auslands- geschäst, das vor kurzem noch völlig gestockt hatte, hat sich in der letzten Zeit ein wenig' besser gestaltet. Neuaufnahmen des Rheinisch-Westsälischen Kohlensyndikaks. In der Mitgliederversammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlen- sgndikats wurden die beiden Zechen Annoburg in Sprockhoevel und Taugenicht ir Herbede(R"hr), die lieferfähig geworden sind, neu in das Syndikat aufgenommen. Ferner wurde die An- oNederunq der Gewerkschaften Trier 1—3 a n den Köln- Neuessener Berxwerksverein genehmigt. Mangel an hei-makerlal in Rußland. Der Mangel an Heizmaterial in Rußland wird immer größer. Auf einer ganzen Reihe von Dahnstrecken in der Ukraine ist der Verkehr eingestellt. Bis vcr kurzem wo? der Mangel an Heizmaterial hauplsächlich in den Fabriken des Südens sehr oroß. Jetzt ist die Krisis auch im Zentrum cinoetreten. In Petersburg, wo die In- dustrie seit dem vorigen Herbst sich merklich zu beleben anfing, wer- den jetzt aus Mangel an Heizmatcriol die wichtigsten Werke geschlossen. Iw Zentrum herrscht auch großer Nahrungsmittel- Mangel. Der Mangel an 5ieizmatcrial macht es'.mmöglich, die für dos Donezgebiet bereitgestellten 1000 Waggons Nahrungsmittel sortzufchaffen. Soziales. Die neue Schllchlungsordnung. Di« Ssa-"f?Hitzer be? SchlichNlnaSaukschusteS Groß-Berlin »ebmen zu de, neuen Slblick-turn-Sordminy m einer Resolunon Tlellung. in d«i Tie'vsgende Forderungen aufstellen: 1. SchlxbtungSnistgnren unler panräijscber Besetzung für Kollektivstreitigkeiten, jedocb obne Beschränlung desStretk« recht«, da« nnäntastbar bleiben muß. 2. Die SchlichtnugSordiiiing muß ein Arbeiterschntzgeletz werden und daher da« Reckt zur Beantragung der Verbindlichkeit»- er t läru n g eine« Schiedssprüche« nur den Arbeitnehmer» gebe». g. Vollstreckbarkelt derartig verbindlich erklärter Fchied«sprLcke. 4. Emwondsreie Abgrenzung der Zuständigkeit der Schlich- tungSauZscküsse und der zu schassenden Arbeitsgerichte. ' ö. Schutz der Arbeitnebmsrbeijitzcr gegen ungerechtfertigte Eni- lassuna oder sonstige Benachteiligung durch den Ä-beirgeber. Die Aka-Betützer ersucken den Ata-Bund. in dieiem Sinne bei den kür die Vorbereilnng der neuen EchlichtungSordnutig in Frage kommenden Stellen einzutreien. Weiter erachten es die Äsa-Beisitzer für unbedingt erforderlich, daß die BeiriebSiäte, die Beisitzer der JchlichtungSauSschüsse und die Beisitzer der Kaufmann«- und Gewerbegerichte zu gemeinsamen Versammlungen regelmäßig zu- sammenrerufen werden. Opernhans Ritter Blaubart 7 Uhi Schanspielhans Torquato Tasso 7 Uhr Dentsches Theater 8 Uhr: Cäsar und Kleopttra Da 7: Kabole und Liebe Kammerspiele Tl, Uhr. Stella Do. 8 Uhr Er Ist an allem schuld. Der Spieler. Der Heiratsantrag. Cr. Schanspielhans (KarlstiaBet 7 Uhr s Florian Geyer(Au8. A.) Do. J: Flor. Geyer(O.Abt. 3.A.) Theater I. d. KOniggratzer Str. 8 Uhr: Salome (Kltty Aftchenbach, Lpdwlg Hariau' Conrad Veidt, Ruse Liechtenstein. E. Dernhurg» Donn: Jekaterlna Iwanovna Freilad; Salome Sonnabenn: Salome Sonntag nachm.: Rausch Sonnt; Jekaterlna iwanovna KomOdionhans wuhr Das weiße Lämmchen mit Hax Palienbwg Sonnt, nachm.; Herr Minister Berliner Theater ■/.«Uhr: Die spanische Nachilsall mit FritziMassary WaBmann, hrandt. Pasch lesidenz- jheater räeiicn t'/iUhi; .ch Wifiiiernures Fächer Hanal Ain.tfidt androcK, Korlt, Haase, Sctataemann, Semlcr mag I>1 « Vrenudin Triantvn-Theater Täghch 8 Uhr: DteOewIlachattdes Abbe Chateaaneuf Lcopoldlne Konstantin, Uta Orunini. Herrn. Vallenlln, jul. FaUtensteln, Käthe Haack. Luise VUerckmclstcr, Hansl Burg, Ado.t Edgar Llcho Sonnt 4 U.! Kammermnalk JUsines Theater Unter den Linden 44. Täglich Vt* Ohr- Casanovas Sohn Lustspiel vO" Kudoit Lotnar. Eugen Burg, Mady Christians. ians Albers, lieinr. bchroth. Schal! und Ranch im uiuBen Schauspielhaus Dir. Hans». Woliogen Telephon; Norden 8043 Aonz Vi, U., Beginn 8>/, U. Das grofl. Febnar• Frogram« Die UdseW Stanihül mit Mizzi Delorm und Arnold Rleck fiose-Iheater Brstaaffflhruns vi, uhr. Dr. Klaus eiontral-Thrntor uv Die Postmeisterin Ueatxrhen«Mternlinu» 7 uhr; Zar d. ZimmermanD Vrledr. Willi ol niMt/rii- T/,uhr RohellilleTanzerlD Kl. Soliannplclliana iv.uhr Reigen KomtMoho Oper 'Vi u.: BaroneSciien Ii«8tiüplelhaaR 'Vi Uhr; Arnold Rleck in Die schwebende Jan�frota Hetropol-Tht'arer u.HolIandwelbchen Menea«•perrttentheat. "/.Ii.: Yn-Shl tanzt Nene« V»lkntheari-r t/i u. Maria Masdaiene M-hlllrr-Theat.tilinrl, 3 Uhr: Wilhelm Teil vi, u. Der Biberpelz Thalla-Tlipnier 'v« Uhr Mascottchen Th.*ni Votlcuitarfplnts 3*1, Uhr; Die drei Zwillinge i uhr Wenn Liebe erwaebl Theater de» Westen» v/,uhr: Sctiwaibeniioehzeii Tb. I.d. Kommandant enatr. vhu.. DcrierjöngteAtlolar W«IIner.The»ter fr Der Geiger*on Logano Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'/,« Der neue Schlagerl Der Großfürst Ein lustiges Stück aus dem Beniner Leben in 3 Akten. Berliner Humor! BerLTypcn! Sonn'ag S'/c Eine ildelc Ehe. Polles Caprlce Am Oranigeiburger Tor TSglicli i)rf Uhr Der schlaue TheophN Der Doppelgänger Telephon; Noruen 86�0 Frehag, den 18. d./« Uhr D. lustige Spielplan ReiciistislL-Ttieater Ahds. 7>/iU. u. Sonnt. neebm. 3 Uhr: SteltSS�el Nehm, halb Fr' VarleläDOnhafl- Brettl Ans 6'/, | Park-Restanrant •SUdende jKSS~- CSiC�eaSi&�mCsXlSXSXs�GSXSXSf'- Cal� Orient/ Variete. Strausberger Platz, s Min.*. AlexanderpL Hervorragendes FehrnarProgramm Ester Ruth Franz Hochländer Becar und Partnerin Richard ..Poppy" Bernhcrd-nernhardl Iren« Frank Schwarz Montag, den 28. Februar 1921t /> Großer Ehren- nnd Abschiedsabend flir den beliebten Sfinger Franz Hochlfindero Auf allgemeinen Wunsehl Noch einmaliges Cotrim A mit Ihrem geaamten Vlederaultrcien--?CtlL»>IIC. Ballett sowie unter Mitwirkung allererster Kabarett- und Varietekünstler. DWG- Beliebte Hanskapelle Haneid. 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Berlin-Moabit Waldstr. 33, Lungenleiden, Blutarmut, Nervenschwäche gehellt— 2. Herr Georg Heinrich, Baumschulenweg, Baumschul enstralze 29 IL Langenlciden gehellt.— 3. Frau Berta Dachow. Neukölln, Emser Strafte 158. Von Bronchialasthma, nervöser Herzschwäche und Neurasthenie geheilt.— 4. Herr K. Ensle. Restaur., Charlotten- 5. Frau Käte Tschoepe, Bin-Südende. Lichterfelder Str. 37. Von all gem. Nervenschwäche, Herzneurose und Unterieibsleiden gehellt— 6. Frau M. Zafke, Berlin, Nollendorfstr. 40. Rheumatismus u. steife Schulter gehellt.— 7. Herr B. Ehrhardt Gr.-Lichterfeldc, Ringstrafte 52a. Chronisches Hüftgelenkleid*"' wiederholt erfolgreich behandelt— 8. Frau E. Hohdorff. Berlin, Kolberger Str. 28-29. Nerven- u. Knochenhautentzündung— vollständig gelähmt— geheilt— 9. Herr F. Nayda, Berlin. Prinzenallee 72-73. Von Kopf- und Kreuzschmerzen, trockener Brustfellentzündung nach Influenza geheilt— 10. Frau E. Herzmann, Schöneberg, Feurigstr. 61. Eiternde Piste! nach Blind- darmoperation gehellt— IT. Herr E. Ritter, Friedenau, Spon- holzatr. 56. Von Kniegelenkleiden gehellt.— 12. Frau A- Rohrmoser, Berlin, Breslauer Str. 1. Altes fünfzehn rühriges Herzleiden gehellt— 15. Herr M. Auftnef. Reinickendorf-West. An- tonienstr. 5. Kiefervereiterung geheilt— 14. ffrau H. Hagel. Sachsenhausen b. Oranienburg L M. Hnterl-Blutungen und Nervenleiden gehellt— 15. Frau Wwe. FritschJer, Berlin, Ma- rienburgex Strafte 43. Darmgesch wulst geheilt— 16. Frau des Herrn Inspektors O. Heinrich, Berlin-Friedrichsfelde, Magerviehhof. Von Geb.-Knickung gehellt— 17. Herr Erich Bock. Berlin, Havelberger Strafte 15. Von Nieren- und Blasenleiden. Wassersucht, allgemein, gross. Schwäche gehellt.— 18. Frau Restaur. Hering. Berlin, Schönhauser Alle« 87. Von Basedowscher Krank- Iwr-n geheilt.—- IQ. Herr A. Bros®, Berim-Tempelhof. Friedrich- Wilbelm-Strafte 14. Schweres Rückenmarkleiden mh Lähmung der Beine vollständig gehellt- 20. Frau E. Popp Bln.-Lichten- berg. Gartnerstr. 10. Von chron. Frauenleiden Herzschwäche «. Verstopfung gehellt.- 21. Herr A. Schlabitz, Berlin. Caprivi- strafte 24. Von Gesichtslupus gehellt; vorher mit Radium er» fplglos behandelt— 22. Herr A. Hellwig, Bln.-Borsigwalde, Emststrafte 25. Von Magengeschwulst Verstopfung und Nervenschwäche gehellt.- 23. Herr Milchhändler Eckert Berlin, Greifenhagener Str. 26. V on gichtisch-rheuma tischen Schmerzen • 24. Herr Gastwirt C. Micha rg, Wallstr. 87. Von chronischem Leberlekii uno oeiDsuctit gehellt- 25. Frau M. Knorr. Berlin-Lichtenberg Schamweberstrafe« 62. Von Herzschwäche. Leber- Anschwel- hmg und Magmkrebs gehellt- 26. Sohn Paul des Weichenstellers Herrn Wilhelm Haffner, Berlin. Westend, Beamtenhaus. Von schwerem Bemlerden gehellt Bein sollte abgenommen «e- en III werden. Briefliche Original- Anerkennungen ron uns gehellter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht Sprech- it Behandlungszeit; 9—1, 4—754, Sonn- rt Pelertegs 0— L Hetlanstaltsbesitzep Prefettor P. Mltteltky Ar« approbiert um, von der deutschen Fepieranc enerkornt. Beritn SOt6y Er�ckertsfr�sse ICb am Bahnhof Jannowitzbrücka K«lna brl«flln hätte. Jetzt liege wieder ein Gesetzentwurf zur Regelung der Arbeitsverhältnisse für die Hausangestellten vor, und wie stch diese gestalten werden, hänge wesentlich von dem Ausfall der Landtagsrvahken ab, die am nächsten Sonntag stattfinden. An diesem Tage werde die Herrschaft ein sehr freundliches Gesicht zu den Hausangestellten und mit ihnen einen Spaziergang nach dem Wahllokal machen, damit„Marie". oder„Johann" auch ja den „richtigen" Stimmzettel im Wahllokal abgebe. Es fei deshalb nötig, daß man stch vorher einen Stimmzettel für die S.V D. beschaffe und in der Wahlzelle nur diesen In den Umschlag stecke Alle Haus- angebellten müssen am nächsten Sonntag ihre P flickt tun, denn nur die Sozialdemokratische Partei wird ihnen eine bessere Zukunft schaffen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf folgten noch einig« Gesangvorttöoe der �Harmonie". die stürmischen Beifall auslösten, dann schloß Genosse Schuldt die Versammlung.> OewerMsfisbewegung Einigung zwischen flfabunö unö werkmeifterverbanö. Am 14. Februar tagte in Berlin in den Räumen des Zentral- Verbandes der Angestellten die Reichsvertretersitzung des Asa- Bundes. Alle angeschlossenen Verbände waren vertreten. Den Hauptberatmigsgegenstand bildete der Bericht über die Verständigung zwischen dem Afa-Bund und dem Deutschen Werk- meister-Verband, den Kollege Süß erstattete. Aus Besorgnis um die Einheit der Arbeitnehmerbewegung Deutschlands hatte der 2. Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Ge- nosse Adolf Cohen— unter Zustimmung der A.D.G.B.— seine Vermittlung angeboten. Es ist außerordentlich erfreulich festzustellen, daß einmütige Auf- fvssung darüber bestand, daß an dem Gedanken der freigewerkschast- lichen Idee auch die Kollegen gewillt sind, unter allen Umständen festzuhalten, die sich aus mißverständlichen Erwägungen heraus in der letzten Zeit abseits stellten. Ohne jede Diskussion und ein- stimmig wurde die nachstehende Entschließung angenommen: 1. Parteipolitische Neutralität. Voraussetzung für alle freigewerkschaftlichen Organisationen ist die möglichst resttose Erfassung aller Berufsgenossen. Dabei müsien religiöse und partei- politische Fragen ausgeschaltet werden. Dos sind keine Opportun!- tätserwägungen, sondern die Erkenntnis, daß das Voraussetzung für jede Gewerkschaftsarbeit ist. Die dem Afa-Bund angeschlossenen Verbände sind Berufsorganisationen, die ihre Ziele unter Anerkennung des Grundsatzes der parteipolitischen Neutralität zu verwirklichen suchen. Es wird anerkannt, daß sich auch im DLV.V. Mitalieder aller Partsien zu gemeinsamer Durchsetzung wirtschaftlicher Forderungen zusammen- gefunden haben und er besonderen Wert auf die Wahrung der partei- politischen Neutralität legt. Die Stellungnabme zu wirtschafts- und sozialpolitischen Problemen wird dadurch nicht berührt. 2. Zentralarbeitsgemeinschaft. Es wird festae- stellt, daß der Afa-Bund, unbeschadet seiner in der Vorstände- konferenz am tz. und 7. November 1920 zum Ausdruck gebrachten grundsäbsichen Stellung, sich nach wie vor an der Zentralarbeits- gemei-schaft beteiligt. Der Deutsche Werkmeisterverband stebt auf dem Beden seines auf dem Gelfenkicchener Verbandstage gefaßten Beschlusses zur Fraae der Zentralarbeitsasmeinfchast und wird dem- gemäß für die Z-ntralarbeitsgemeinschaft eintreten, bis ein gleich- wertiger Erlaß geschaffen ist. 3. Internationaler Gewerkt chastsbund. Es be- stebt Uebereinstimmung, dass die freigewerklchgftlichen Ziele nur erreicht werden können durch nationale und internationale Solidarität oller Arbeitnebmer. Aus diesem Grunde wird eine Verwundung mit dem A.D. G.B. und dem Inteeugtionalen Gewerklchaftsbund, Sitz Amsterdam erstrebt. Unter Wabruna der varteiposstischen Neutnalitgt fallen die Angest-lltenverbänl'e aller Länder gesammelt und d-m Internationalen Bund der Privatangestellten zugeführt werden. 4. Sozialisier ung. Dos Allaemeinwohl mutz über das persönliche I-teresse gestellt werden. Die Gemeinwirtschast ist mit allen genierklchastlichen Mitteln zu fördern, 5. Sabunasentwnrf und Programm. Der Afa- Borstand empfiehlt der Vertretersttzunn, den Z 1, letzten Absatz, der Satzungen wie folgt zu formulieren: „reliaiöfe und parteipolitische Bestrebungen sind ausgeschlossen. Der Afa-Bund kann' mit anderen Oraanisationen von Fall z» Fall zur Errinmmg gsmemsomer Ziele zusammenarbeiten, jedoch nur, so weit sie sich im Rahmen der Afa-Zwecke halten.' Satzungsentwurf und Richtlinien der Satzungskommission wer- den erneut unter Hinzuziehung der Kollegen Leonhardt und Klingen einer Durchprüfung unterzogen.. Der Deutsche Werkmeisterverband hat daraufhin seine Mitarbeit im Afa-Bund wieder aufgenommen. Als dritter gleichberechligter Vorsitzender des Afa-Bundes wurde von dem Deutschen Werkmeisterverband Franz Klingen vorgeschlagen und einstimmig gewählt. s Angeschlossene Verbände bis zu 5000 Mitgliedern sollen in Zu- kunft nur berechtigt sein, einen Vertreter in die Reichsvertreter- sitzung zu entsenden. Im übrigen bleiben die hierüber bisher be- stehenden Bestimmungen in Kraft. Gegen die Ententeforderungen wurde eine Ent- schlleßung einstimmig angenommen, in der der Afa-Bund den Vor- stand des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Amsterdam er- sucht, die Arbeiter und Angestellten aller Länder zur Wahrung der internationalen Solidarität aufzurufen, um die der arbeitenden Be- völkerung der ganzen Welt drohenden Gefahren abzuwenden. Der Gewaltfriede von Versailles und feine Auswirkungen können nur durch die Macht der vereinigten Arbeitnehmer aller Länder über- wunden werden. Streikabbruch in öer ölusen- unö kleiöerkonfektion. Am Dienstag mittag fand im Lehrervereinshaus eine Streikversammlung obiger Branchen statt, in der beschlossen j wurde, den Streik aufzuheben. Begründet wurde der Beschluß damit, daß man mit dem Erreichten sich einst- weilen begnügen wolle, und sieht man darin eine Handhabe. die ferneren Forderungen aufzubauen. Die Arbeitsaufnahme erfolgt heute Mittwoch in allen Betrieben der Zwischen- meister sowie in denen der Engrosgeschüfte. verbanöstag öer Musiker. Der Deutsch« Musikerverband, der am 1. Juli 1919 durch Vsr- schmelzung des Allgemeinen Deutschen Mustkerverbandes mit dem Zentralverband der Zivilberufsmussker entstanden ist, hält zurzeit in Berlin seinen ersten Derbandstaq ab. Er wurde am gestrigen Dienstag durch ein« Ansprache des Berbandsvorsitzendsn Fauth- Berlin eröffnet. Den Allgemeinen Deutz'chen Gewerkschaftsbund vertritt Genosse Knall. Das Kultusministerium ist durch feinen Musikreferenten Kestenbsrg von der Hochschule für Musik ver- treten� vom Reichsarbeitsminisierium sowie van anderen eingelade- nen Bebörden sind ebenfalls Vertreter anwesend. Das Reichswehr. Ministerium, das für die Militärmusiker zuständig ist und desbalb an den Musikerangelegen heilen intev-fsiert sein sollte, har die Ein- ladung abgelehnt. Von ausländischen Bruderorganisationen ist ein Vertreter des Mustkerverbandes in der tschechoslowakischen �Re- 1 Soli soviel Mähe und Arbeit | umsonst sein? ScImteBt Euren Antrup-»nf Eintrgxnv? in die Rtirnm- SfSB listen durch sofortige Erhebnnp des Einspruchs, falls Seö Ihr roch nicht schriftlich oder telepraphisch vom paritätischen Ansschuß oder vom deutschen Plebiszit- 1 Kommissariat Xaobricht über erfolgte Ein- BH| t r a g n n g erhalten habt ■H ausweis ■g Ortsgruppe | Euer Einspruch spSvestens von hier abgehen. HB Die Paritätsansschüsse sind großenteils polnisch be- setzt und benutzen jeden Vorwand, um Eure Anträge zu P||j Fall zu bringen. Beispiele für Beanstansinnpen: Ml! Weil der Rufname nicht unterstrichen sei, aSS well die Zeugen bei Vorlegung des 4 mal 4-cm-Bildchens ans einer Mehrvahl vorgelegter Bilder den seit 20.lehren aus Oberschlesien abwesenden Rtiram- berechtigten nicht sofort berauserkannten und nicht sofort seinen Nsnien angehen konnten. a well der Antrag ohne Umschlag eingegangen sei, well die Zeugen„unbekannt seien"(wenn nämlich auswärtige Zeugen benannt sind, was nach Reglement zulässig ist\ well die auswärtigen Zeugen auf Vorladung im Burean des W a h 1 o r t s nicht erschienen seien, aSj well die Zeugen mit dem Antragsteller verwandt seien fdurch keine Reglementsbestimmungen gedeckt), well als Legitimationspapier lediglich die Geburtsurkunde beigefügt sei(letztere ist von der Irter- iQ alliierten Eompn?k>ion am 24. Januar— also kurz vor Ablauf der Frist für die Stellung der Anträge— für belanglos erklärt worden!!).'' Mm well das Dalum des Wegzuges ungenau angegeben sei fz. B. 1893 statt 1894). «a well das polizeilich beglaubigte Bild„zum Alter ru jung sei." lH Da» sind Beispiele, wie gegen uris gearbeitet wird.— BM Schützt al-o ieden Antrag, hei dem Ihr nicht zuverlässig Euwi erfahren habt, daß Ihr in die Stimmliste eingetragen HB seid, durch Einspruch! Geht auch in jedem Zweifelsfslle zur Orts- jSjjl gruppe. W Vereinigte Verbände helmattrener Oberscblesier. publik und ein Vertreter des deutschöfterreichsschen Musikerverbandes anwestnd. Beide Hielten Begrüßungsansprachen, welche die Soli- darität mit den deutschen Kollegen betonten. Der deutschösterreichische Vertreter, Hasselbrunner- Wien gab mit warmer Empfindung N?r kulturellen Zusammengehöriakeit der Deutschösterreicher mit den Reichsdeutschen Ausdruck und betonte, diese Kulturgemein�chast müsse früher oder später auch zum staat'ichen Zusammenschluß füh'en. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstattete der Verbandsvorsitzende Fauth. Er behnnd'lle be'onders eingebend die Toriffrage. Der Vorstand war mit Erfolg bemüht die Ein- kommensoerhäUniss« der Musiker durch Tarifverträge zu regeln. Dabei gab es avianas Dikie cnzen— die aber wäter behoben wur- den— mit der Deutschen Bübnenaenossenschaft. die die Zuständiakeit für die Theatermusiker beanspruchte. Mit dem Verband der Ge. meind«. und Staatsarbeiter sowie den Beammnarganisntionen aob es Zuständigkeitsdifferenzen wegen der in städtischen und staatlichen Kapellen angestellten Musiker. Reichstarife find abgeschlossen mit dem Deutschen Vühnenverein und mit dem Allgemeinen Bäderver-, band. Weitere Reichstarife abzuschließen war bis jetzt nicht möglich,! weil die Voraussetzungen dosür auf- der Arbeitgeberseite nicht vor-> Händen sind. Aus dem gedruckten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß viele örtliche Lohnbewegungen geführt wurden, die meistens ohne Streik einen befriedigenden Abschluß fanden. In zahlreichen Fällen mußten aber auch durch Streiks Verbesserungen erkämpft und Verschlechte- rungen abgewährt werden.— Verhandlungen mit den zuständ-gen Behörden wegen De-eitigung der Mssitärmusskerkonkurrenz hatten keinen Erfolg. Die Konturrenz der musizierenden Beamten ist durch ein Derbot der Behörden«ingeschränkt, ober nicht ganz beseitigt, weil das Verbot oft umgangen wird. Ende 1920 hatte der Verband in 470 Ortsverwaltungen 46199 Mitglieder, darunter 1245 weibliche. Nachdem der Kassierer Blan'fchefski den Kassenbericht ge- geben und die vom Vorstande beantragte Beitragserhöhung emp-> fahlen hatte, wurde die Diskussion über die Berichte eröffnet. Hin» sichtlich der mit Beamteneigenschoft bei Staatstheatern angestellten Musiker machten sich gewisse Gegensätze bemerkbar. Während man auf der einen Seite dies« Musiker für die gewerkschaftliche Beamten- Organisation reklamierte, plädierte die andere Seite für die restlose Aufnahme aller Musiker im.Deutschen Musikerverband.— Die Diskussion wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt. Neue Konflikte in der Klavierbranche? In der Musikinstrumentenindussrie sKlavier- und Flügekbranche) drobr es aufs neue ,u ernsten Differenzen zu kommen, nackdem erst im Vorjahr ein ISwöckiiger Kampf geführt werden mußte, um einen Stundenlohn von 6 M. durckMndrucken. Im Januar kam dann eine Vereinbarung zustande, die einen Lobnzu'cblag von ö Proz. »ür Jugendlickie und 10 Praz. für Arbeiter über 20 Jahre in Form einer WirtschasiSbeihilse vorsah. Dieses Abkommen ist vom Reichs-- verband der Klavierindustriellen zum 18. Februar gekündigt mit der Absicht, den Slundenlobn wieder auf 6 M. herabzudriicke-*. Die Klavierarbeiter, die gleichialls die Kündiguna eingereicht baben, fordern dagegen eins den Teuerunasverhälinifsen entsprechende Erhöhung der Durchschnittslöhne für Fachorbeiter auf 7.20 M. Die Unternehmer lehnen eine VerbanMuno über diese Frage ab, während sie über andere nebensächliche Punkte verhandeln wollen. Es ist unglaublich: den Tischlern ist durch einstimmig gefaßten SchiedS- ipruch eine Erhöbung deS DurchichnitrslobneS auf 6.75 M. zu» gesprochen worden, während der Lohn der Klavierarbeiter abgebaut weiden soll. Betriebsräte und Vertrauensmänner der Musik» instrumentenindustrie, erscheint vollzählig heute Mittwoch, nachm. 5 Uhr, im Reichenberger Hof, Reichenberaer Str. 147. um zu dieser Herausforderung Stellung zu nehmen. Am Mittwoch, den 23. d. M., nachm.»5 Uhr, wird sich eine Brancheuversammlung in den Andreas» festsälen mit dieser Fraae beschäftigen. Zur Besprechung anderer Branchenanqelegenbeiten werden die auf dem Boden der S.P.D. stehenden Kollegen eriucht, am Donners- mg. den 17. d. M., nachm. ä Uhr, im Reichenberger Hof zu erscheinen. Zentralverband der Zimmerer Deutschlands. Da der Andrang bei der Auszahlung der Erwerbslosenunter» stiitzung des Sonnabends in den Morgenstunden groß ist, ballen wir es für notwendig, daß die AuSmblung alphabetisch aeordnel wird, und zwar: 8—9 Uhr von A—G, 9—10 Uhr von H— K, 10—11 Uhr von L— P, 11—12 Ubr von Q— Sch, 12—1 Uhr von St— Z. Bei einigermaßen gutem Willen läßt sich diese Einteilung bei der AuS- zahlung der E.-U. durchführen, wenn ein jeder dre vorgeschriebene Zeil rnnebölr. Tie Kamerade», die des Sonnabends abstempeln gehen, müssen vor der Auszahlung in ihrer Geschäftsstelle abstempeln lassen. Wir bitten die Kameraden, dem Wunsch des Vorstandes in ihrem eigenen Interesse Rechnung zu traten. Zeniralverhand der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Bertrn und Amgegend. altionäre der T.P.D. Donnerstag, nachm. 4 Uhr, Fraktianstitzinrg 7 Uhr Versammlung der Truppe 5 In den ..-orbesprechung schon SM, Uhr. Zeder muh cr- scheinen.— Der Fralrionsvorstand. Deutscher Transportariciter-Verband. Truppe der Briefumschlag-, Konto» diäter, und Papierausstattungsbetriebe. Heute abend 5 Uhr wichtige Truppen- vcrsammlung bei Fcyfara, Mclchiorstr. IT).— Bodenledergruppe. Versammlung Donnerstag, den 17. Februar, 7 Uhr, bei Witte, Poststr. 29. zcntralperband der Angestellten. Versammlungen ftir heute abend: Jugend- gruppe Neukölln: 7 Uhr, Städtisches Luteum, Neukölln, Berliner Str. tO.— Jugcndgrupp« Norden: 7 Uhr, KismarckUSymnastum, Rheinsberger Str. 4!5.— Spedition: 7 Uhr, Tit. Berlin, Blumenstr. lll.— Bein, Spirituosen, Meyer» Filialen: 8 Uhr, Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. -Sanatogen da« altbewährte 5!rSfttgnuzsmittel fSz.Äozper und Olezven in allen Äpotheten und Drogerien rvieder vorratig. tmm idlDlQttGTi sch.-lb�m TwIlllStGTi, EviidUtrn� Erhältlich in den. Apotheken und Pro Herten» j-f.von. Gimhovn-A-G. Emmericti a/Rhevn mach! es besser Mukiro! batf/igt sthndl, ikfitrujdimerzh?' Mühneraugm ichäthitl ft 3.- JnApathtkm a tngtritn trhUÜidt? Perantm für den redakt. Teil Dr. Werner Veiser. Cbarlottendurg; wr Aozelaen r&. Wliitft. Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Trn-f: Bor» «SrtS-Vuchdruiterei n. Berlagsantroll Von!«inaer u. Co.. Berlin. Lindl rttr. S. _ Hierin 1 Beilage. nseanung •"////*""///'" ///""/ f/'"'S*'