Nr. 73 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 40 Bezugspreis i SH«tdiäI)tL30,— äR., monatl. 10,— SR. frei ins Hans, voraus zahlbar. Post- bezuz: SlmiatUch 10,— M., exkl. gn- flkllungsgebiihr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich I6L0 M., für das übrige Ausland bei täglich einmal, gustellung 2150 M. Postbe- stellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tichecho- Slowakei, Däne» mark. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.— Singetragen in w die Post-Zeimngs-Preisliste. Der„Sonnärts* mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit� und der Unter- Haltungsbeilage �Heimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Iozlaldeinokrnk Oeclis*, Morgen Ausgabe Devlinev Volksbleltt (so Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Ronpareillezeil« kostet 5,50 M.„«leine«nzeigen» das fettgedruckte Wort ILO M.(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l,— SU Stellengesuche und Schiafsiellenanzeigrn das erste Wort V— M» jedes wettere ZSort «0 Pfg. Wort« über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort». ffamilien-An- zeigen für Abonnenten geile 9i. Die Preise verstehen(ich einschließlich Teueningszuschlag. Anzeigen für die nächst« Summer müssen bis» Ahr nachmittags im Hauptgeschäst, Berlin SW W, Linden- straßc 3. abgegeben werden. Geöffnet oon S Uhr jrgh bis 3 Uhr abend«. Zentralorgan der rozialdemokratlfcben partel Deutfcblands Keöaktion und Expedition: SW 6$, Eiaöeastr. 3 Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. isl»v— lät v? Donnerstag» den 17. Februar IttÄl vorwörts-verlag G.m.b.H., SW SS, Lindenftr.? Fernsprecher: Amt Moritzpla«, Nr. I17SJ— öt vom preußischen Wahlkampf. veröatterung. Die Veröffentlichungen des„Vorwärts" über die Zu- stände im deutschnationalen Lager haben auf die deutschnatio- nalen Organe je nach ihrem Temperament verschieden gewirkt. Die„Kreuzzeitung" schlägt die Augen zum Himmel auf und beteuert, die Rechtsparteien hätten sich im Wahlkampf Zurückhaltung(!) und Mäßigung(!!) auferlegt, wie es „die politische Ethik" erfordere. Nicht so aber die Sozial- demokratie. Und nun geht es los. Dem«„Vorwärts" fei fein Raum nicht zu schade, drei Spalten mit so einem Machwerk auszufüllen. Unzufriedene und Verärgerte gebe es überall usw. Die„P o st" dagegen ist nicht nur schlau, sondern sie weiß auch, daß sie es ist: Wir tun ihm(dem„Vorwärts�) nicht den Gefallen, uns von der sicheren Straße des Programms der Deutsckinationalen Bolks» partei in das Gestrüpp sozialdemokratischer Wahl- d i a l« k t i k locken zu lassen. Wir wissen, daß es dem„Vorwärts" hSchst erwünscht wäre, auf diese Weise Kraft und Zeit auf feiten der nationalen Parteien vergeudet zu sehen. Eben deshalb versagen wir uns das und oerderben ihm somit das Konzept. Run kommt aber— o weh!— die„Deutsche Zei- tung" und erklärt: Da wir hören, daß die„Deutschnationole Volkspartei" im Laufe des heutigen Tages noch ausführlich zu den„Enthüllungen" des „Vorwärts" Stellung nehmen wird, verzichten wir auf jedes nähere Eingehen auf die neueste Ente des Soziolistenblatte«. Also die Deutschnationale Volkspartei tut, was uns er- wünscht ist, und läßt sich, Kraft und Zeit vergeudend, in das Gestrüpp der sozialdemokratischen Wahldialektik locken. Regie! Regie! � Eine 20 000-M.-Asfare. Die Korrespondenz der Deutschnationalen Bolkspartei be- hauptete am IS. v. M.— noch vor unserer Veröffentlichung Nr. III — es rtvürde noch eine Schrift veröffenllicht werden, die ihrer Partei für 20 000 M. angeboten worden fei. Dazu erfahren wir: Die Deutschnationale Volkspartei hat vor den Reichstagswahlen eine ihr unbequem« Schrift für den erwähnten Betrag angekauft. Dieser Vorgang mag es gewesen sein, der einen Ehrenmann veranlaßt hat, ihr neuerdings ein ähnliches Geschäft anzubieten, das abge- lehnt wurde. Die von uns am 13. d. M. oeröffenllichte Schrift ist ihr aber niemals zum Kauf angeboten worden und stammt von einer ganz andern Seite. Die Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei hat die Verfasser dieser von uns veröffentlichten Schrift zu u n re ch t als Erpresser zu diskreditieren versucht. Die ganze Geschichte, die oon der„Korrespondenz der Deutschnationalen Volkspartei" in höchst unvorsichtiger Weise angeschnitten wurde, ist nur ein neuer Beweis für die wahrhaft„treudeutschen" Zustände im deutschnationalen Lager. Deutstbe gegen veutscbnationalevolkspartei Die Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Volkspartei sieht sich durch die Veröffentlichung des„Vorwärts" ver» anlaßt, ihren bisher geheimgehaltenen Bericht über die Ver- Handlungen ihrer Partei zur Bildung einer Einheitsfront der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Der Bericht bestätigt die Dar- stellung, die im„Offenen Wort eines Deutschnationalen" (Nr. 73 d.„V.") wiedergegeben wurde. Hergt erklärte am 1. Februar vormittags. daß nach seiner Ansicht ein Eintritt der Deutschnationalen in eine Regierung der nationalen Abwehr nicht in Ve. tracht kommen könne. Keiner der 4 oder 5 Millionen Wähler der Deutschnationalen Partei würde das verstehen: er, Hergt, selbst würde hinweggefegt werden, wenn er«inen solchen Vorschlag vertreten würde. Der Wahlkampf sei im Gange und müsse au»- betragen werden, imbcfondere gegen die Sostaldemokratie.(Da- mit vergleiche man die scheinheiligen Erklärungen der„Sreuzzei- tung"! Red. d. ,.V.".) Am 2 Februar erklärte sich jedoch die deutschnationale Reichstagsfraktion in einem von Hergt unterzeichneten Schrei- ben grundsätzlich bereit in Verhandlungen über diese Frage emzutreten. Hergt hatte schon am 1 nachmittags femen Um» fall vollzogen durch die Formulierung der bekannten drei Punkte, die im„Offenen Wort' wiedergegeben sind. Ergebnis: Die„nationalste" aller„nationalen" Parteisn hat zunächst aus Wahlangst die nationale Einheitsfront ad- gelehnt und sich ein oaar Stunden darauf aus noch größer« Angst vor der Konkurrenz der Deutschen Volkspartei zu ihr bekehrt._ �Kreu�ze'tun� für U.S.Y.! Die„Kreuzzeitung" oöm Mfttwochobend bringt folgende Wahlbetrachtung, die in allen Betrieben plakatiert zu werden verdiente: In Preußen wird es jetzt ganz besonderer Anstrengungen be» dürfen, wenn das Ziel, der jetzigen sozialdemskratiscki be- stimmten Regierungskoalition den Boden zu entziehen, erreicht wdrden soll. Denn nach den Reichstagswahlen im Juni vorigen Jahres hat dos preußische Statistische Landesamt berechnet, daß die Ergebnisse der Reichstagswahl in den preußischen Landes- teilen zwar die Mondatsziffer der Regierungsparteien oon 307 auf 221 herabgesetzt hätten, daß ober diese 221 Mandate immer noch gegenüber den 183 der Opposition die Mehrhell gebildet hätten. Es wird also am nächsten Sonntag wesentlich besser gewählt werden Das alte Preußen wollen veotfchnatkonale unö Deutsche volkspartei wieüer herstellen. Das heißt drelNastenwahlredst � SestnSeorönung � Junker- Privileg für öle Staatsämter � Ausnahme- gefetze gegen Eanöarbetter � Mtlltarlsmos klafsenjustiz�Rechtlofigke it ö er Zraa Knechtschaft auf allen Gebieten. Wählt sozialdemokratisch(SPD) Gegen öos alte Junkerpreußen Zur öen neuen, freien Preußenvolksstaat. müsten, als im Juni vorigen Jahres, wenn die Sozialdemo- kratie aus der Regierung ausgeschaltet werden soll. Aber es wird um so schwerer sein, dies Ziel zu erreichen, da inzwischen im sozlaldemokralischen Lager unzweifelhaft eine Verschiebung auf Kosten der oppositionellen Unabhängigen zugunsten der TNchrheilssozlallstcu stattgefunden hat. Das ist wenigstens offen gesprochen. In Preußen soll statt des Genossen Braun ein Junker Ministerpräsident wer- den. Junker sollen das Innere und die Landwirtschaft ver- walten, ein orthodoxer Konsistorialrat soll Unterrichtsminister werden. Dieses Ziel ist aber verdammt schwer zu erreichen, weil zuviel Arbeiter sozialdemokratisch und zu wenige unabhängig wählen. Darum versetzt die„Kreuzzeitung" der Fortschritt der Sozialdemokratie und derRückgangder Unabhängigen in schwere Sorgen. Dieses Geständnis der„Kreuzzeitung", daß sie jede U.S.P.-Stimme als ihren eigenen Gewinn, jeden Verlust der U.S.P. als ihren eigenen Verlust bucht, müßte eigentlich die Unabhängigen— und zugleich die Kommunisten für die na- türlich das gleiche gilt— für jeden denkenden Arbeiter praktisch erledigen._ Roch zu wenlq... rüen?tag nbenb bielt in einer Reinicken« vorser deul chnanonolen Wäbleive-liammiuno vor einem Urnen und wenig krinuden Publikum der belaiinie Majoi Ä n ck e r eine Redeübung. der folgende Gedanken entnommen seien. Ter Krieg wurde verloren, weil wir noch zu wenig national waren I ES wurde zu wenig gerüstet, alljährlich blieben 150000 Menschen unauSgebildet. Reichstag und Regierung mangelte eS ebenfalls an nationalem Denken. 1004, da Rußland noch vom russisch- japanischen Kriege schlapn war. konnten wir Frankreich über den Haufen rennen, löl? siel uuS der Re-chsrag mit der ver- räteriichr» Friedensresolu tion in den Rucken. Der Pbaniait Velbmanu Hollwea vermochte nicht aiii den Vorichlag seiner koiier- lichen Hooeil. des Kronprinzen einzur>h?n. de» he: uien Zorn und Haß in das voit zu tragen, um es zum Äilsdaiten anzuspornen. Wir waren intern arronal verseucht. Nur daS interuaiionale Preußen der pazifisiftcheck Piaulasien bat uns zu bereingeialleuen Europäern gemacht. Wir mü"en dem Irrwahn des Internationalismus Valrt ia en. nationales Denken muß dir Richtschnur ffir die künftige Außenpolitik sein. Da eS un» nu« schon mal so dreckig gebt, mnsien wir das Via ul aufreißen, womit wir dem Ausland rnebr imponieren werden, a!S mit unterem weh- mutigen elenden Gewinsel. Die Besetzung des RubrgebieteS ist eine leere Drohung: wenn eS dazu kommt bin ich der Erst», der den Generalstreik proklamiert. Nach Major Ancker kam die Abgeordnete ldiau Becker z» Wo,te. die sich bei den an- aeblich sachlichen Erläii'eninoen über das Hebammengesey in heftigen antisemitlschen Ausfällen erging. Der Kern- Punkt ihrer Rede war die Sorg«, daß durch die sozialistischen Hebammen da« bisher.reine" Land.sozialistisch verseucht' werde.— Man sieht alio. daß Herr Ancker seine Mahnung, da» Maul aufzureißen, selbst bestens befolgt. Zu einer Wahlprügelei kam es am II. d. M. in Landsberg a.S. zwischen Deutschnationalen und Kommunisten, wobei ein Haupt- maim Beng'jch durch Mejjerstiche verletzt wurde. Das herrliche alte preaßen. Merkwürdig rasch hat sich der Vorhang über den Prozeß Hiller-Helmhake gesenkt, aber man hat doch noch gerade einen tiefen Rückblick in das alte Preußen werfen können, das „gute alle Preußen", wie es die Rechtsparteien zu ihrem irün« fügen Wahlgeschrei erhoben haben. Der von seinen Vorgesetz- ten zu Tode gemarterte Kriegsfreiwillige,— das ist der a P ck Preußengetst, wie er leibt und lebt. Der Fall Hiller». Helmhake läßt sich nicht als Ausnahmefall beiseiteschieben, et ist nur ein Gipfelpunkt in der unendlichen Kette von Roheitsakteu, die das Ruckgrat des preußischen Milstärsristems bildeten. Die Karpathentragödie ist nicht denkbar ohne den Hintergrund des altpreußischen Cyste Der Göttinger Geschichtsprosessor Brandt hat auf deü Potsdamer Tagung der Deutschen Volkspartei das wefentq liche Verdienst des alten Preußens entdeckt, nämlich den~» Parademarsch! Bitte nicht lachen. Der Mann hat mehx recht als er ahnt. Der Parademarsch, das ist der Triumph eines Systems, das den Menschen aus einem denkenden Wesen zur mechanischen Gliederpuppe umformt. Ein Volk von Automaten, das mit durchgedrücktem Knie und „Augen rechts" auf Befehl eines Unteroffiziers rechts und links schwenkt, ein Volk, das nur Gehorsam und keine eigens Meinung kennt, das war das altvreußische Ideal.. Dies Parademarsch-Preußen Hot den Kriegsfreiwilligen Helm- hake körperlich gemordet, es hat Millionen anderer Kriegs«, freiwilliger seelisch gemordet. Es hat die Widerstands- kraft des Volkes im Weltkrieg gebrochen, denn diese Wider- standskraft konnte sich nur auf Persönlichkeitswert und nicht auf Kadavergehorsam gründen. Der„alte Preußengeist" hat die Front von hinten erdolcht. In den Karpathen hungern die Mannschaften bei 25 und ?r) Grad Kälte. Das mühsam herangebrachte Essen muß mit Aexten aufgehauen werden, weil es zu Eis gefroren ist. Der Typhus bricht aus, weil die Mannschaft aus Tümpeln trinkt, in deren Tiefe Russenleichen liegen. Und zu genau derselben Zeit, wo sich in 151897 rund heraus im Abgeordnetenhaus erklärt,„er nehme HrundfAhM{«Seit Landrat in Schutz, der, sei« an ch außerhalb der gesetzlich zugelassenen Gren� z e n. gegen regierungsfeindliche Bestrebungen einschreitet." Deutlicher konnte die Aufforderung zur Ungesetzlichkeit wahr- lich nicht an die Berwaltungsbeamten ergehen. Und wie gut ist sie befolgt worden! Dicke Bücher ließen sich über die Ungesetzlichkeiten schreiben, mit denen die So- zialdemokratie im alten Preußen verfolgt wurde. Denken wir nur an die Handhabung des Vereinsgesetzes! Immer neue Hindernisse entdeckte das vorsorgliche Auge des Amtsvor- stehers oder Landrats, um sozialdemokratische Lersammlun- gen unmöglich zu machen. Als nach dem neuen Vereinsgesetz Versammlungen unter freiem Himmel erlaubt waren, da gab es doch in Preußen einen Amtsvorsteher, in dessen Bezirk nie- mals eine Versammlung stattfinden konnte. Denn bald ersah de? Wackere, daß die Zugangsstraße zum Grundstück zu schmal war, bald befürchtete er, daß wegen der Biegungen des Zugangsweges ein Teil der Besucher querfeldein durch die Aecker stampfen könnte, dann wieder vermißte er Aborte und schließlich oerlangte er getrennte Aborte für Männer und Frauen. Und wer als Beamter in solcher parteilichen Vcr- höhnung der Gesetze den größten Schneid bewies, der riskierte Vichts im alten Preußen, sondern brachte es am weitesten! Gegen den T e r r o rl Sa heult der Chor der Rechts- preste. Wo hat ein größerer Terror geherrscht, wo war die Gesinnungsschnüffelei gegen jeden einzelnen, namentlich aber gegen den Beamten, mehr im Schwange, als im alten Preußen? Das Gedächtnis der Menschen ist leider so gar kurz. Sonst würde man sich noch bester an Fälle erinnern. wie an den Fall jenes demokratischen Lehrers, der um jeden Preis gemaßregelt werden sollte und als man ihm schließlich nichts anderes nachweisen konnte, disziplinarisch bestrast wurde. well er die Luftklappen in der Älaste nicht noch Vorschrift so und so geöffnet hatte! Man würde sich erinnern, daß ein anderer Lehrer Knall und Fall aus dem Amte flog. weil er in einer Kaiser-Eeburtstagsrede gesagt hatte, Preußen brauche weniger Sozialdemokraten, aber mehr soziale Demo- kraten! Kein Sozialdemokrat, kein Republikaner konnte im alten Preußen nur in das kleinste Amt kommen. Gerechtigkeit! Bewußt wurde im alten Preußen die Justiz zur Dirne der Politik gemacht. Antwortete doch im Jahre 1895 der preußische Iustizminister Schön- st e d t der Sozialdemokratie, die sich im Reichstag über zweier- lei Maß der Justiz beschwerte, mit dem zynischen Wort:„Wenn zwei das gleiche tun, so ist es eben nicht.das gleiche." Und ein rechtsnativnalliberaler Jurist, Dr. H a a r m a n n, pries im Abgeordnetenhaus die Justiz als„festestes Bollwerk gegen die Sozialdemokratie". Muß man wirklich noch heute an das Dreiklastenwahlrecht und das Herrenhaus erinnern? Ist es bereits vergessen, daß ZW VW Wühler erster Klaste dasselbe Wahlrecht hatten. wie 7 Millionen der dritten? Daß dieses infame Wahlrecht in den siebenzig Jahren seiner Existenz nicht ha� geändert wer- den können— bis zum 9. November 1918?! Denn jener kon- fervative Profestor hat Recht gehabt, der in den„Gren.zooten" schrieb: Im alten Preußen konnte nichts gegen den Willen des Adels geschehen. Das ist der Kern. Ein A d« l s st a a t, ein Kasten- st a a t, beherrscht von kriegerischen Junkern, zusammcngehal- ten durch Pressung, Terror.und Brutalität, das war das alte Preußen. Entsinnt Euch doch! Ans seinem eigenen Leben werden jedem unzählige Belege dafür einsallen. Diesem alten Preußen des Parademarschs setzen wir entgegen das neue demokratische Preußen der Persönlichkeit, der Selb st Verantwortung und des G e i st e s! Dem ausbeuterischen Preußen, das die Futter- krlppe der Iunkerkaste war, setzen wir entgegen das Preußen des S o z i a l i s m u s. Die Kampffront steht am 2V. Februar, wie sie die Eingangsstrophe eines in der Ar- beiterfchaft gern gesungenen Liedes zeichnet: ,Der versailler Vertrag ist eine Schande' Von Paul Colin. ®tt Bclgie» Paul Coli« gohSrt z» I«nen MuH«««. Mc l« kra Sagm nun PcrfoilleÄ Pro lest««««« den Gewaltfrieden erhod««. Colin, geinaß. regtll und oerfolgt, erließ geharnischte Manifeste und!am al» erster �u un-. Seine Manifeste auo iener Zeit find jetzt in der Ueb-rfeßun« von Wilhelm Miiiicl in der„Jribstne fiir Kunst und gelt" erschienen iVerlag Erich Reiß, Berlin). Wir geben Auszüge daraus, die jetzt er. nait« Aktualitiit gewonnen haben. ?!och einmal haben die. denen das Glück der Menschheit über «tles geht. Gelegenheit, gegen das große Derbrechen den Ruf zu er- heben, den wir seit fünf Iahren erwarten. Roch einmal kommt Ge- legenheit, zu brechen mit dem Gesindel von Profitmachern und Mör- dern, und Europa wieder zu erhöhen vor der prüfenden Geschichte lind der zerquälten Welt. Fassen wir die Tatsachen in ihrer nackten Roheit zusammen. Als 1914 der Krieg ausgebrochen war, verkündeten die westlichen und noch ihnen alle hinzugetretenen Völker ihren Willen, zu kämpfen bis zu einem„gerechten und dauernden" Frieden, einem Frieden der endgültigen und aufrichtigen Versöhnung. Fünf Jahre hindurch Hot diese Vorspiegelung die armen Soldaten der feindlichen Armeen geblendet» und in den Schützengräben der beiden Gegner hat die gleiche Hoffnung den Mut genährt, die Schwäche bezwungen. Aber, als an der Schwelle eines fünften Winter» die große Er- jchlasfung kam bei allen Völkern, besonder» aber in Deutschland, da fabrizierten die Diplomaten einen Frieden des Raubes, der Gewalt«und de« Groll», der Hunderte von Kriegen im Keim entbült. Das sind die Tatsachen! Man komme mir nicht mit der Notwendigkeit der Sicherung gegen spätere Augriffel Der Groll und 5?aß, den dieser Friede bei den Besiegten hervorruft, ist tausendmal bedrohlicher als eine un- gesiwerte Grenze oder eine unbezahlte Staatsschuld. Nein, dies ist kein Friede. Es ist ein A k t b l i n d e r R a ch e. Die Zukunft wird blutig sein um seinetwillen. Es ist Anwendung der olüestamentarischen Formel: Aug um Auge. Zahn um Zahn. (Aber damals sang man zur Siegesfeier noch kein Tedemn dem «brifilicheu Gott.) Und außerdem, um ein berühmtes Wort aufzunehmen:„Es ist nicht bloß ein Verbrechen. Es ist ein Fehlgriff." Das werden unsere Kinder einsehen, wenn st« darunter leiden werden. Sie werden die Namen derer durch den Kot schleifen, die toll von einem vergänglichen Erfolg— olles ist vergänglich in der Geschichte— den gestürzten Feind zerpeitschten und von der Höhe ihrsr heuchlerischen Tugend verächtlich auf ihn niedersohen. Gewiß, man brauchte Deutschland nicht die Absolution zu geben, die cs ebensowenig verdiente als alle anderen. Man mußte uner- biMch fein in der Entschädigung für die Verluste, die es Belgien zue-fügt hatte(und Deutschland war dazu bereit). Man mußte aber »ie Verteilung der Schuld an der weit zurückliegenden Vorbereitung Krieges zugestehen. Man mußte anerkennen, daß gewisse Län« Sie standen auf Preußens Grund gerüstet zum Streit, die alte gegen die neue Zeit, das, was sollt wachsen, gegen das, was v« r g e h n sollt, das, was sollt fallen, gegen das, was bestehn sollt! Das alte Preußen soll am 29. Februar fallen und ver- gehen, das neue Preußen soll wachsen und bestehen! Wilhelm, üer Urheber. In dem Prozeß um den dritten Band der Bismarckschen„Ge- danken und Erinnerungen" wird die Urteilsbegründung be- kannt. Sie spricht im wesentlichen Wilhelm das Urheberrecht an den in Bismarcks Werk zitierten Briefen zu. weil ste persönlich po- litische Bekenntnisschriften seien. Sehe man von persönlichen An- reden, Bemerkungen und Zusätzen ab, so bliebe noch immer eine große Menge sachlichen Inhalt» übrig. Diese könnte zum großen, ja zum größten Teil fast wörtlich als politische Arbeit eine» belle- fügen Verfassers veröffentlicht werden. Als unwesentlich hat das Gericht dabei angesehen, daß eventuell die darin geäußerten Ge- danken nicht von Wilhelm herrührten, sondern ihm erst von anderen zur Verfügung gestellt seien. Der§ 16 des Urhebergesetzes, wonach der Abdruck amtlicher Schriften zulässig ist, treffe nicht zu. weil es sich um private Aeußerungen, wenn auch hochpolitischen Inhalts handle Einen Tag nach öer Preußenwahl! Beginn des Sonnenfeld-Prozesses. Am Montag, den ZI. Februar, beginnt vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I der Prozeß gegen die Sonnenfelds, die in der Sklarz-Angelegenheit«in« besondere Roll« spielen, weil sie die Urheber der ganzen Aktion sind. Ernst Sonnenfeld jr.. der Hauptangekiagt«, Ist belchuldigt, während feiner Tätigkeit in der Mar. tetenderel des Regiments Reichstag den Reichsfiskus durch Schwin- deleien um 237 000 TU. betrogen zu haben, während er sich außer- dem die Beträge der beiden letzten Rechnungen in Höhe von l 269 750 TR. widerrechtlich angeeignet, also unterschlagen hat. Mit diesem Geld ist er in Begleitung der Privatsekretärin Schlack nach Holland entflohen. Seine übrige Familie, der Note? Hermann Sonnenfeld, der Bankbeamte Wutke, dessen Schwiegersohn, die Mutter Paula Sonnenfeld und der Drude? Herbert Sonnenfeld stehen unter Anklage, die Flucht ihres hoffnungsvollen Anverwandten de- g ü n st i g t zu haben. Unter der gleichen Anklage steht die Korre- fpondentin Gertrud Schlack, die ihre früher« Tätigkeit deim Mi° nisterialdirektor Naumann benutzte, um Sonnenfeld durch jenen einen Paß nach Holland zu besorgen. Der Bruder, Hermann Sonnenfeld, steht außerdem unter der AnSage, zusammen mit dem Registrator Ratsch, der sich inzwischen erschossen hat, Urkunden und Akten in amtlicher Verwahrung vorsätzlich beiseite geschafft z« haben. Vater und Sohn Sonnenfeld sind schließlich der Erpressung gegen Georg Sklarz angeklagt. Srnmenseld jr. hotte nämlich bei seiner Flucht Privatpapier« des Georg Sklarz mitgenommen(was einen weiteren Punkt der Anklage bildet) und drohte zusammen mit seinem Boter mit der Veröffentlichung dieses Materials, falls sich Sklarz mit ihm nicht gütlich einige wollt«. Der Prozeß verspricht, außer- ordentlich umfangreich zu werden, er wird voraussichtlich vier Wochen dauern. Es ist außerordentlich auffällig, daß mit diesem Prozeß gerade «inen Tag noch der Preußenwahl begonnen wird. Diese Gerichtsoerl>andlung wird nämlich zeigen, welche Art.Ehrenmänner" die Hintennänner der Davidsohn und Baumeister sind, von denen das ganze Treiben ausgeht, das unter dem Geschrei„Sklarz" die Sozialdemokratische Partei systematisch zu diskreditieren sucht. Hat doch Sonnenfeld jr. gedroht, er würde die ganze(damalige) Regie- rung„in die Luft sprengen", wenn man ihm seinen Raub von netto 1% Millionen nicht ließe. Einen Tag nach der Preußenwahl beginnt der Prozeß gegen die Regierungsstürzer von Deftoudonten» Gnaden. Gerade«inen Tag noch den Wahlen. Merkwürdig... Schade... der— Bulgarien. Italien, Rumänien— mehr al» Deutschland räu- tierische und imperialistisch« Kriege geführt und dadurch die Derach- tung der zivilisierten W.'lt verdient haben. Man mußte vor einen Gerichtshof nicht nur die Berliner Kamarilla, sondern all« stellen, die in Deutschland und anderswo den Krieg ermöglicht und dann im Dezember 1916 seine Beendigung verhindert hoben. Ich habe solche Leute kennen gelernt, die ohne zu zögern alle Freundschaftsbande und Interessenvertnüpfungen mtt anderen Men- scheu brachen, nur um ihren Vätern und Ahnen gehorsam zu sein. Sie wollen die Schurkerei oder die Dummheit der Väter und Ahnen nicht sehen. Gerade so haben sich die Völker benommen. Sie haben sich nicht erneuert. Der Krieg hat sie zerfleischt, ober ste haben nichts aus ihm gelernt. Der Wille, die Welt nach neuem Plan wieder aufzubauen, lebt nur in wenigen Köpfen. Die Schlazworte der Vorkriegszeit bleiben unangetastet. Selbst da» verbrechen wird nicht mißbilligt. Leichten Herzens fängt man von neuem an, ohne zu bedenken, daß gleiche Ursachen gleiche Wirkungen geben. Statt eines demokratischen Friedens, der Verzeihung und Der- trauen bringt, zimmert man einen Frieden de» Imperia- l i s m u s und der Ueberhebung. Kein Erbarmen,(ein Gefühl. Und während die Bevollmächtigten unterzeichnen, befpucken dl» Schreiber den besiegten Feind und predigen ewigen unbarmherzigen Haß. Dies sind die Dinge, die— und dazu möchte ich ei» ketztesmal die freien Köpfe auffordern, die nicht gegen den Krieg aufg«. treten sind— mit Schärfe den Verbrechern gesagt werden müssen. die den Frieden von Versailles gemocht haben, die Europa im Krieg enwälkert hoben und jetzt schon wieder auf neu« Hekatomben hin. arbeiten. Da ist Zetergeschrei über Deutschlands Veriragsoerletzung, aus- ! gestoßen von Leuten, die alle Verträge Europas fortgeletzt mit Füßen treten. Da ist die sogenannte Völkersreiheit. errichtet aus dem Rücken einer versklavten Notton. Da sind die„Vorkämpfer der Menschheit". Schändlichkeiten häufend, hundert Millionen Unschul- diger zu ewiger Pein verdammend. Da sind die Apostel von..Recht und Gerechtigkeit", die Unrecht mit vollen Hönde» säen, Wiederher« steller alten Frevels, die die Besiegten bestehlen, berauben, morden und brandschatzen. Da ist Frevel. Meineid, Lüge. Grausamkeit— von allem zuviel—. Der Vertrag von Versailles ist eine Schande. Er ist ein bösartiger Anschlag gegen die einfachste Redlichkeit und gegen das Recht. Wer ihn verteidigt, der entschuldigt die imp-riallstilch? Polittk der ehemaligen Beherrscher Deutschland» und billigt ihr Verfahren. Die ihn diktiert haben, sind schuldig der ungeheuerlichsten Unter- schlagung von Energien, Begeisterungen und Glaubenskräften, die je begangen ward. Die ihn unter der Drohung der Bajonette unter- zeichnet haben, find durch ihr Unglück oller Sympathien wert g«. worden. das Ueberfchichtenabkommen gekündigt. Essen, 16. Februar.(TDX'B.) In einer Konferenz der vorstände der vier Vergorbeiterverbäade wurde heute beschlossen, dah Hebers chichtenabkom- men für den Ruhrbergbau zu kündigen, so daß vom lZ. März an keine Ueberschichten mehr verfahren werden, vorbehaltlich weiterer Verhandlungen. Der Beschluß der Bergarbeiterverbände, dessen Tragweite unabsehbar ist. kommt nicht mehr überraschend. Das Ueber- schichtenabkommen legt der Bergarbeiterschaft größere Arbeitslasten auf, als nach den Beschlüssen der Arbeitskonfe- renz von Washington, zulässig ist. Es zwingt die deutschen Bergarbeiter zu Ueberarbeit und— angesichts der Lage des Kohlenmarktes— die englischen und französischen Berg- arbeiter zum Feiern. Daraus erhellt der Widersinn der Be- schlüsse von Spa, der durch die Pariser Beschlüsse noch vcr- schärft worden ist. . Auf der anderen Seite bestehen für die Stimmung der Bergarbeiterschaft auch innere Gründe, von denen die Ver- s ch l e p p u n g der Kohlensozialierung nicht der geringste ist. Das Ergebnis der Verhandlungen, die vorbe- hallen sind, ist jedenfalls sehr ungewiß, und die nächste Zu- kunft ist mit einer neuen Unsicherhell belastet. pöhners politische Polizei. TRunchra, 16. Februar.(TU.) In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses des Landtages wurde von Rednern der Demo- kraten und der Bayerischen Voltspartei(die Sozialdemokratie nimmt an den Sitzungen nicht mehr teil. Die Red.) lebhaft Kritik an den Leistungen der Münchener Polizei geübt. Es wurde geklagt, daß die Demonstrattonen der letzten Zeit von der Polizei nicht verhindert wurden, daß eine durch Plakate betriebene z ü g e l- lose Hetze von der Polizel geduldet werde und daß schwere Mißgriffe bei der Handhabung der Fremdenpolizei vorkämen. Staatssekretär Dr. Schweyer erklärte, daß die rung in verschiedenen Punkten gegen das Vorgehen der Polizei Bedenken gehabt und der Polizeidirektton Vorhaltun- gen gemacht habe. Für die Polizei dürsten keine politischen, sondern nur polizeiliche Gesichtspunkte maßgebend sein. Hinsichtlich der Plakate seien bedauerliche Versehen unterlausen. In der Hand- habung der Fremdenpolize! seien einige Milderungen eingetreten, außerdem habe die Regierung in einer Reihe von Fällen k o r r i- gierend eingegriffen. Selbst die Kahrregierung wagt das korrupte Regiment Pöhners nicht mehr restlos zu verteidigen!. « • TRÜnchen, 16. Februar.(TU.) Wie die.Münchener Post" meldet, hat der Gewerkschaftsverein München einstimmig eine Entschließung angenommen, welche bas Vorgehen der sozialdemokratischen Parteien im Landtage begrüßt und erwartet, daß sie an ihrem Standpunkte f e st h a l t e n, die Regierung Kahr zu zwingen, „von ihrer verbrecherischen Politik im Interesse des Reiches abzusehen". Die Arbeiter Münchens sähen den kommenden Auseinandersetzungen mit Ruhe entgegen, und wenn notwendig, würden ste ihre schärfsten Mi t t e l anwenden. v« vrge'ch.lvassenschieber Assessor Dr. heyl ist nicht wecken Beteiligung am Kapp-Putsch von der Oberstaatsanwaltschaft des Kammeroer!ck>ts entlassen worden, sondern hat sein Assessorexamen erst nach dem Kapp. Putsch gemacht. Die gegenteilige Angabe beruhte auf der irrigen Auskunft, die den ermittelnden Polizei» beamten im Kammergericht von dortigen Beamten gegeben wurde. Der Reichstoqsabgeordnete Dr. Hugo(D. Vp.) hat sein Amt als Reichsbevollmächtigter der Außenhandelsstelle für den Exporthandel niedergelegt weil gegen ihn der Vorwurf parteilicher Amts- führung erhoben worden ist, den er zurückweist. Sehr milde Strafe /ür einen Volksfeind. Wie die„Pfälzische Rlmdschau" meldet, wurde Sekretär Haas von der freien Bauern- schaft, der während des Milchstreiks 300 Liter Milch der Stadt Frankenthal in den Straßengraben geschüttet hatte, zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Krapokkin ist, wie nunmehr von einwandfreier Seite gemeldet wird, bei Moskau im Alter von 78 Jahren gestorben.- Er war ein echt russischer Mensch: voller Gegensätze, zu keinem Kompromiß sähig, bereit, seinen Idealen nachzuleben und bereit, für sein Ideal zu leiden. Wie Tolstoj, an den er erinnert, entstammt auch er einem alten Adelsgeschlecht, wie Tolstoj bestimmten auch ihn die Eltern für die Offizierslaufbahn. Wie Tolstoj entsagte auch er allen Ehren, und dem Bolk, dem er sich verwandt fühlte, zu dienen. Aber hier trennen sich ihre Wege. Tolstoj ging aufs Land, zu den Bauern, Kropotkin blieb in det Stadt, bei den Fabrikarbeitern. Tolstoj war mehr Ethiker, während Krapotkin mit ganzer Leidenschaft politische Ziele verfolgte. In den sechziger Iahren, jener vorbereitenden Epoche der russischen Revolution, in der die Intelligenz die Organisation der Arbeiterschaft in die Hand nahm, wurde er Anhänger des politischen Anarchismus, dessen bedeutendster. Vertreter er dann wurde. Die These von der staatenlosen Volksgemeinschaft als der besten Form der menschlichen Organisation trug ihm natürlich die Feindschaft der.staatserhaltenden" Organe ein. die ihn unschädlich zu machen suchten. In Rußland sah er drei Jahre in Einzelhaft; in Frankreich verbüßte er später drei Jahre Gefängnis. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in England, Frankreich und der Schweiz. Erst noch Ausbruch der großen Revolution in Rußland kehrte er in seine Heimat zurück. Obgleich er sich nie den Kam- munisten anschloß und dem Bolschewismus fremd gegenüberstand, hat di» Sowsettegierung seine persönliche Freiheit nie angetastet. Am bekanntesten von seinen Schriften sind seine Werte„Die große Revolution 1789— 92",„Die russischen und französischen Gefängnisse" und„Memoiren eines Revolutionärs". Aber auch feinen anderen nattonalökonomischen Abhandlungen(„Feld, Fabrik und Werkstatt", „Philosophisches Handbuch der Anarchie",„Die geschichtliche Aufgabe des Staats" und„Der Kampf ums Brot") ist eine gewisse grundleaends Bedeutung nicht abzusprechen, wenn sie sich auch oft an der Grenze de» Ntopismus bewegen. Weniger bekannt ist, daß Krapotkin auch der Verfaller eines sehr gründlichen Werkes über die Geographie Asiens und eines Werkes über die russische Literatur ist, in dem er das Problem„Ideal und Wirklichkeit" in den Vordergrund der Betrachtung stellt. Da» Thüringer tialnrwlssenschaskliche Museum in Erfurt, da» sich immer mehr zu einem Zentralpunkt des ganzen Thüringer Landes entwickelt, ist im Ausbau begriffen. Zu den besonders wertvollen Beständen dieses Museums wird das Thüringer Herbarium gehören. zu dem der Grundstock bereits gelegt wurde. Ein einzige, Herbarium, eine Schenkung de» Lehrer» Rewecke, enthält 80 000 verschieden« Pflanzen an» 8000 Arten und ist damit ein.s der bedeutendsten Herbarien eine» deutschen Gebietes. Großartiges bietet das neue Museum auch in Insekten- und Dogeflammlungen, ferner in seiner umfassenden Mincralienabteilung und der Sammlung vorzeitlicher und späterer Tiere. Das Museum wird eine der größten Sehens- Würdigkeiten Erfurts sein. Earvs« i« Kteeie«. Einer HavaS-Dleldimg«u» New 7>»rk infolge liegt Caruso im Sterben. Cr erbielt die Sterbesakrsmcnte. Konsiausverkans In Nußland. Ter Rat der VolkÄkominissar« hat da» Außenhandelskonnmssattat das- Recht-erteilt, örtliche Kommissionen einzu- bernfen zur AuZfonderung von Kunstwerken der Antike sowie von Luxu»- gegenständen, die dem neubegründeten Fond? zum Export überwiesen wer- den{allca. Beilage öes vorwärts Kr. 79 �ÄS.Fahrgang Kommt alle in öle heute und morgen ftattfinüenöen öffentl. Wählerversammlungen Heute. Donnerstag, den t7. Aebruar, abends 7 Uhr: «-gestellt«««i> Lehr«« in. der Echuliwla. Rigacr Str. W. Referent Etadtr at Herrmann. Ehar�ottcnb-rg! Augsburger Str. 57 im Restaurant Wilhelm Straub«. Refe. rentin: Minna Todcnhaaen. Baun.'chuienweg: Lyzeum. B-umschulenweg. Referent: Regierungsrat»ranold. Borfigwaldc: Borstgwalder Festsäle. Spandauer Straße. Referent: Gustav Heller. M. d. L. «-cht bei Eöpfert. am Bahnhof. Referent: Arthur Häußler. Roscathal: bei Schneider. Hauptstr. Z. Referent: Rudolf Biffell, M. d. 9t Epaudau: Kochs Festfälc. Feldstr, S7. Referent: Heinrich Sträbel. Morgen. Freitag, den 18. Februar, abends 7 Uhr: tKewertschastshau», Engelufer IS. Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. Sl-tio-alhof, Blllowstr. 57. 128. Gcmeindesch-l-, Turmstr. 86.» «ala der Semeindeschtlle, Saldenser Str. 20. Pharussäle, Mllllerstr. 142. Toigt-Theatcr. Badstraße. Ech-lanla. Greifswalder Str. 25. Schulaula, Sencfelder Str. 7. Schulaula, Gleimstr. 4g. «Znigsbank, Große Frankfurter Str. Hl. Prachtfälc de» Ostenes, Frankfurter Allee so. Dracheaburg, Schlcstfche Straße. Bockdranerei, Fidic/.nstr. Z/8. «dler»hof: Wollstains Lustgarte», Bismarckstr. W. Blt-Glienicke: bei Bohn. Grünauer Str. ZS. Britz: Beckers KestsSIc, Ghausseestr. 97. Charlotte nburg: Volkshaus. Äosinenstr. 4. Köpenick: Stad'rthcater. Friedenau: B/rrgersaal de» Rathauses am Lautrrpfatz. Friedrich»felda: bei Haberland, Wilhelmftr. 88. Friedrichsham:-: Tonrads Festfälc, Friedrichstraß«.-v Frohnau:' stfasino am Bahnhof. Grunewalds Gvmnastum, Tafpar-Theiß-Straße, Ecke Königstraße. Kerlnsdorf: Löfflers Waldschlößchen am Bahnhof. Hohenschönhausen: Schulaula Äödernstraße. AohallUl»t!zal: bei Senttleben, Friedrichstratze 48. Kar»«: hei Berndt, Dorfstr. 41. Kaulsdorf: Turnhalle Adolfstraße. Kaulsdorf-Eud: Restaurant Sanssouci. Lantwitz: Realgymnasium Kaulbachftraß«. Lichtenberg: Cäcilien-Lqzeum, Rathausstraße. Lichterfeld«: Realgymnasium, Drakestraß« 76. Mahlsdorf: bei Anders, Bahnhofftraße. M-rienfelde: Gemeiudeturnhalle, Dorfstr. 54. Mariendorf: Aula des Gymnasiums. i Riederfchönhaufeu: Schloß Schönhausen, Lindenstr. U. Riederfchöneweide: Restaurant Loreley, Berliner Str. 81. Reulölln: Schultheiß-Restaurant, Wintergarten, Hasenheid« 22/81. Oberschöneweide: Schulaula Frlschenstraße. Pankow: ,Lum Kurfürsten", Berliner Str. Ife. Reinickendors-Vst: Bürgergarten, Hauptstr. 50/S1. Schmöckwitz: Restaurant Storchennest, Wcndenstraße. Schonedcrg: Ilbland-Schulc, Kolonnenftc. 22/28. Schincbcrg: Chamisio-Schule am Bardarossaplatz. Steglitz: Oberrealschule Elifeustroße. Tegel: Etrandfchloß am See. Treptow: Neues Gescllfchaftshan» am Bahnhof. Waidmannslust: bei Arlt tfrüber Kuchcnbecker), Waidmannstraße. Weißeufce: Gemeindcturnhallc, Pifwrinsstraße. Wilmersdorf: Biktoria-Luife-Schnle. Uhlandstraße. Wilhelmsbagen: bei Ostrowski, Wilhelmstraße, am Bahuhof. gehlendorf: Kaiferhof, Potsdamer Etr. 4»a. Tagesordnung: vor öer Entscheidung. Referenten:.Arthur Albinus, Jakob Altmaier, Heinrich Bahlke, Max Baranowski, Friedrich Bartels, Erwin Barth, Robert Brener, Dr. Max Ben- diner, Eduard Bernstein, Pfarrer Bleyer, Dr. Sassau, Dr. Cohn, Otto Frank, Pastor Francke, Gustav Fuß. Regienungsrat Goslar, Graßmann, Konrad Haenifch. Ernst v. Harnack, Job. Saß, Gustav Heller, Kurt H-inig, Karl Heßfchold, Paul Hirsch, Marie Iuchacz, Th. Kabclitz. Dr. Kall mann, Simon Katzenstein, Lehrer Kreutzigcr, Franz Krüger, Erich Knttner, Dr. Löwe, Hermann Llldemann. Willy Möbus, Josef Mühlmann, Arbeitersekretär Herm. Müller, Reichskanzler a. D. Serm. Müller, Dr. Reftriepte, Prof. Oestreich, Dr. Ostrowski, A. Willy Ramsbrock, Franz Riefftahl, Elfriede Rnneck, Friedrich Stampfer, Heinrich EtrSbel, Robert Schmidt, Schulze, Herm. Sllberfchmidt, Gustav Weide, Karl Mermuth, Rudolf Wissell, Adolf Wufchick, Dr. Walter gechlin. GrofrBerlln Die einmalige Einschulung. 'Zu dieser die gesamte Elternschaft interessierenden Frage ver- br/ltet jetzt das Nachrichtenamt des Magistrats folgende Auslastung: lieber die Einführung der einmaligen Einschulung in sämtliche Schulen der neuen Stadtgemeinde Berlin zu Ostern des Jahres und die Einstellung der Schulen auf diese sind in der letzten Zeit Nach- richten in die Presse gelangt, die weite Elternkreise beunruhigen /müsten. Diese Aeußerungen gingen, zum Teil zurück auf eine Denk- schrift, die schon während der Kriegszeit veröffentlicht worden war und ihre Folgerungen aus den damaligen Verhältnisten gezogen hatte. In einer Sondersitzung der Schuldeputation, in der am Dienstag, den 15. Februar, noch einmal die Notwendigkeit der ein- maligen Einschulung und die Maßnahmen für den Uebergang ein- gehend geprüft wurden, herrschte volle Ilebereinftimmiing aller Mitglieder darüber, daß bei dem Uebergang von der zweimaligen zur einmaligen Einschulung eine gleichzeitige Umwandlung aller Michaelisklasten stattfinden müsse. Um kein Kind auch nur im ge- ringsten zu schädigen, wurde beschlosten, daß jede Michaelisklaste um ein halbes Jahr emporrkcken solle, daß also aus der 7M eine 60, aus der 6M ein» 50 uftv. werden solle. Dabei werden die Klassen nicht aufgelöst und die Kinder bleiben im Verbände ihrer Mitschüler und möglichst unter Leitung ihrer bisherigen Lehrer. Die unter- richlliche Ausgleichung dieser Klassen an die bestehenden O-Klassen soll ganz allmählich und behutsam ohne besondere Anstrengung der Kinder vor sich gehen. Auch eine zu befürchtende Schädigung sitzen- bleibend»? Kinder soll vermieden werden. Von Ostern 1322 an wer- den di» Kinder, die sonst ein halbes Jahr zurückversetzt werden müßten, in Förderklassen vereinigt und ohne Zeitverlust nach einem Jahr ihrer Klaste wieder zugeführt. Im Laufe der Derhand- lunjjen sprach die Schuldeputation ihr Bedauern darüber aus, daß durch den Beschluß des Reichsschulausschustes, den Anfang des Schul- jcchres auf eindn Frühjahrstermin zu legen, der 1. Oktober als An- Schweres Vluk. 4 Ys Roman von Znhani Aha. .„Cs war schlecht von mir, daß ich dir nicht zu Hilfe ge- kommen bin..." .Du kamst ja doch?" .Woher weißt du das?"/ .Ich habe dich ja gesehen, als du in der Badestube standst ,,. dort..." .Warst du dort? In der Badeswbe... dort?" .Ich habe dich kommen und weggehen sehen." .Ulü> hast nicht gerufen?" .Ich durfte nicht..." .Hatten sie dir einen Knebel in den Mund gesteckt?" Marja hatte ihm den Rücken zugekehrt. Jetzt wandte sie sich herum, und aus ihrem Munde glitt es so leicht und fried- lich, daß sie sich selbst darüber wunderte: „Nein, aber ich wagte nicht, weil sie gedroht hatten, sie würden mich totschlagen, wenn ich irgendwem meinen Auf- enthaltsort verriete. Sie hätten jedenfalls dich totgeschlagen, wenn sie erfahren hätten, wer du warst." Iuha stand da, wie vom Donner gerührt. „Du rtforst da.. und ich sollte nicht wissen.. und kam nicht hinein, obwohl ich schon, die Tür der Badestube geöffnet hatte.. aber weil dort ein Kind war, das bitterlich zu weinen anfing.." In Marja zuckte es auf, und sie sagte schnell, hastig:' „Das war das Kind einer Leibeigenen des Gehöfts... ich hütete es, weil fesite Mutter gut gegen mich war. Sie war geraubt und w das GeHöst gebracht worden." „Wie du?" „Ja, da sie sie mißhandelten, kam sie mit ihrem Kind weinend zu mir, als ich wegging. Nimm, nimm mich mit!" flehte sie. Marja sprach schnell, wie Hingeristen, so daß es auch Iuha ergriff. „Warum Host du sie nicht mitgenommen?" Da traten Marja die Tränen in die Augen, indem sie sich erinnerte, wie Anja sie mit dem Kinde eine kurze Strecke be- gleitet hatte: „Sie lief mir nach, Die Aermste, über die Heide mit chrem Kinde." „Warum hast du sie nicht mitgenommen?" fragte Iuha ebenfalls immer, mehr gerührt, fang des Schuljahres ausscheiden müßte. Es hätte durch Zusammen- legung der Sommer- und Herbstferien auch eine Ferienordnung ge- schaffen werden können, die den unterernährten Großstadtkindern zum Segen geworden wäre. Die Kinder, die bisher zum Oktober- termin eingeschult worden sind, werden natürlich nach achtjährigem Schulbesuch auch zu diesem Termin entlasten. Bei Einführung der einmaligen Einschulung tritt folgende Bestimmung in Kraft: Schul- pflichtig sind alle Kinder, die bis zum 31. März das sechste Lebens- jähr vollendet haben. In Ausnahmefällen können auch Kinder, die in der Zeit vom 1. April bis zum 30. September sechs Jahre alt werden, schon vor Vollendung des sechsten Lebensjahres zu Ostern eingeschult werden, wenn ihre körperliche und geistige Schulreife durch den Schularzt bescheinigt wird. Bei dem ungünstigen Ernäh- rungszustand unserer Kinder erwartet die Schuldeputation, daß unsere Bevölkerung von diesem Ausnahmerecht möglichst geringen Gebrauch Machen wird. Die gekündigten Elektrizitätsarbeiter. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung heschlosten, die Kündigung bei 23 der gekündigten Elektrizilättzarbeiter zurück- zuziehen, ohne an den SÄlickitnngöauösckuß zu gehen und die von den Direktoren selbst beantragt» Beurlaubung der Direktoren auf- zuhebeu._ Der Einmietedieb. Ein gemeingefährlicher Einmietedieb ist von der Kriminalpolizei nnsihädlich gemacht worden. Er entpuppte sich als ein Schauspieler Kölsch. Dieser mietete bald bier dal» dort ein möbliertes Zimmer bei alleinstehenden Frauen, die ftoh waren, eine Nebeneinnohme zu haben. Er zahlte eine Kleinigkeit an und ließ sich jedesmal die Schlüssel geben, weil er erst spät abends nach Hause komme. In der Nacht kam er dann ganz leise nach Hause, packte an Wäsche und was er sonst für mitnehmenswert hielt, zusammen, schlich sich ebenso leise wieder hinaus und verschwand mit der Beute, Kriminalkommissar Geiseler hat dem Verhasteten bereits 50 Diebstähle dieser Art nachgewiesen, ersucht aber Vermieterinnen, die weiter noch bestohlen sind, sich im Zimmer 133 des Polizeipräsidiums �t�meldem�AlsAbNehme�de�Diebe�tvm�ei�mehrer��chaiik� „Sie hätte es ja mit dem Kinde nicht gekonnt." „Wenn ihr es abwechselnd getragen hättet." „Das hätten wir ja gekonnt, aber wohin wären wir... was wäre hier aus ihnen geworden, wenn es gegangen wäre — wer hätte sie hier in sein Haus genommen?" „Sie hätte hierher zu uns kommen können. Wir hätten sie doch wohl nicht in den Wald gejagt, wenn sie gekommen wäre." „Wer weiß, ob die Schwiegermutter sie nicht weggejagt hätte." „Die Mutter? Die hat hier nichts mehr zu sagen!" brauste Iuha auf. „Wer weiß, vielleicht kommt sie ja noch einmal mit ihm her." „Laß sie nur kommen. Bei uns kann sie bleiben, solange sie will, weil sie gut gegen dich gewesen ist." „Gut war sie." „War sie aus unserer Gegend geraubt?" „Ich glaube, sie war wohl aus chrem eigenen Lande." Marja findet sich dabei, wie sie Wasser aus dem Brunnen heraufholt, ohne sich erinnern zu können, weshalb sie sich auf- gemacht?- es zu holen. Wie war das so leicht gegangen?— Jetzt ist ja alles so weit vorbereitet! Er ahnt nichts und arg- wöhnt nichts. Niemals kann er sich denken, daß ich chn auf die Weise belügen konnte. Wie tonnte das so leicht gehen? Ich muß versuchen,, gut gegen ihn zu sein. Ich muß ihm für all das Böse lohnen, das ich getan habe. Wenn ich nur so gegen ihn sein könnte, wie ich-müßte. Dort geht er hin, wie um etwas bittend, scheu und ängsllich, wie früher, wenn er mit mir reden wollte und ich nichts dazu hm tonnte.. nichts. wie sehr ichs auch versuchte. Was könnte ich ihm tun. was könnte ich ihm sagen? Iuha hatte nicht in Worte zu fasten vermocht, was er gern gesagt hätte.. Aber er mußte es sagen können, auf der Stelle, noch heute abend. Marja durfte nicht länger in dem Glauben wandeln. Er sieht Marja mit müden Schritten nach ihrem Speicher gehen und begibt sich nach einer Weile dahin, indem er sich scheu auf die Schwelle setzt, wo zuletzt Schemeikka gesessen hatte. Marja hat eine Näherei ouf ihrem Knie. Was näht sie? Einen Knopf an ein Hemd— an mein Hemd? Kaum ist sie da. so fängt sie schon an einen Knopf an mein Hemd zu nähen, das nicht fertig geworden war, als sie ging. „Ich bin ja gewiß gekommen, wie du sagtest, Aber ich Wirte und polnische Händler ermittelt. Sein Haupthehler' war aber ein Pole Berel Dombina. Auch dieser wurde festgenommen. Einbruch bei Vilm« von Mayburg. Gestern früh wurden Beamte der Schutzpolizei nach dem Hause Neue Kantstr. 20 gerufen, wo Einbrecher in die Wohnung der Schau- spielerin Vilma von, Mayburg eingedrungen waren. Beim Nahen der Beamten flüchtete einer der Einbrecher mit seiner Beule— Teppichen und Silberzeug im Werte von 80 000 M.— nach dem Boden de? Hauses. Hier wurde er gestellt und aufgefordert, die Hände hoch zu beben und mit zur Wache zu kommen. Als der Bursche in die Tasche griff, um eine Waffe herauszuholen, machte der Beamte von seiner Schußwaffe Gebrauch und streckte seinen Gegner durch einen Schuß in den Unterleib nieder. Man brachte den Schwerverletzten nach dem Krankenhause Westend, wo er als der Arbeiter Richard Matthiaszeck aus Schöneberg festgestellt wurde. In seinem Mantel fand man Dietriche, Schraubenschlüstel und ein scharfes Messer. Zur Kommunalisierung des Anschlagwesens. Vom Betriebsrat der Firma Nauck u. Hartmann erhalten wir eine Zuschrift, die sich namentlich gegen die Einwände richtet, welche in den letzten Tagen sowohl in der Tagespresse als auch van bürger- lichen Rednern gegen die Kontmunalisierung erhoben wurden. Ins- besondere war verschiedentlich in der bürgerlichen Presse die Rede davon, daß mit der Uebernahme des Anschlagwesens in städtische Regie auch der Ankauf der Druckerei Nauck u. Hortmann in Frage komme. Der Betrieb sei in bezug auf das vorhanden« Maschinen- und Schriftenmaterial durch jahrzehntelange Benutzung der Gesamt- einrichtung abgenutzt. Hierzu wird folgendes bemerkt: Wir müssen dies in Abrede stellen und erklären daß Jahr für Jahr jede einzelne Maschine von Grund auf nachgesehen und schadhaste Teile ergänzt worden sind. Zum Schriftenmaterial ist zu erklären, daß bei der Firma Nauck u. Hartmann, ebenso wie in jeder anderen Druckerei, dasselbe in der Vorkriegszeit nach Bedarf von Zeit zu Zeit erneuert wurde, insbesondere wurden große Anschaffungen m Messingschriften gemacht, welche auf Grund ihrer Stabilität noch aus Jahrzehnte hinaus gebrauchsfähig sind? hierzu kommen noch Anschaffungen der letzten Jahre in Holz- und Bleifchriften moderner Schrift- gattungen, welche es dem Betrieb ermöglichen, auf dem Gebiet des Plakates jeder Konturrenz die Spitze zu bieten und dem Wunsche jeden Bestellers Rechnung zu tragen.— Schöffen die bürgerlichen Redner, insbesondere der deustchnationale Herr Ko ch in seiner verständlichen Abneigung gegen jede Kommunalisterung weit übers Ziel hinaus, indem er di« enormen Unkosten für einen weiteren Ausbau der Druckerei als Schreckgespenst an die Wand malte, so erklären wir hierzu, daß die Rentabilität der P l a k a t druckerei außer Frage steht, sofern die Leitung aus tüchtigen Personen besteht, Millionen, welche der Privatunternehmer bisher einsteckte, kommen dann der Allgemeinheit zugute. Schritt für Schritt kann dann zum weiteren Ausbau des Unternehmens geschritten werden. In einer stark besuchten Wählerversammlung im Kasino zu Wildau sprach der preußische Kultusminister Genone Konrad Haenifch. Der Redner Ilizzierte die allgemeinen poli- tischen Verbältnisse Preußens von ehedem und jetzt. Die Sonal- demokratie bilde di« fickerste Gewähr gegen die Reaktion. Wenn auch vieles noch nicht erreicht sei. so müste doch gesagt werden, daß wir unier den jetzigen Perbältnisten der Koalition mit Zentrum und Demokraten ein gutes Stück borwärt« gekommen seien. Pflicht der Hand- und Kopfarbeiter sei eS,-am 20. Februar diejenigen Parteien.-tz die das alte Preußen wieder aufrichten wollen, durch Stärkung der Sozialdemokratie wieder zurückzudrängen. Genoste Haenisch schilderte dann im einzelnen, welcke Schwierigkeiten sich namentlich einer durchgreifenden Reform des Schulwesens entgegen- gestellt hätten. Einen großen Teil schuld daran, daß nicht alle Forderungen erfüllt sind, trügen die Unabhängigen, die es abgelehnt hätten, in die Regierung einzutreten. In der dem bei« fällig ausgenommenen Referat folgenden Diskussion sprachen ein Rektor Lukau-Königswusterhousen und ein Angehöriger der unab- bängigen Partei namens Sckulz. Letzterer betonte zum Schluß, daß am 20. Februar nickt rechts, sondern sozialdemokrarisch gewählt, werden müsse. Nachdem Genosse Haenisch im Schlußwort noch einige Fragen beantwortet hatte, schloß er mit dem Appell, bis zum 20. Februar rege zu wirken, damit die Sozialdemokratie in ver- stärkter Zahl im Landtag einziehe. Arbeiler-Radfahrer-Bund„SolidarMSl". Die Bundesmitglieder treffen stch zur Wahlhilfeleistung am 20. Februar Rungestr. 7 von hätte doch viel früher kommen sollen, auf der Stelle. Und ich wäre za auch gekommen... ich habe mir selbst deswegen Borwürfe gemacht und mache sie mir noch jetzt.'" „Wozu das noch!" „Wenn du mir das verzeihen könntest— und noch etwas anderes." „Verzechen? Was?" fragte Marja verwundert. „Ich habe ja— ich habe ja zuerst geglaubt, du wärest gern gegangen." Iuha wartete, aber er erhiell keine Antwort. Marja drückte den Kopf auf die Näherei. „Ich hätte ja nicht... aber da mir meine Mutter immer das Gift ins Ohr goß— du mußt es mir verzechen, wenn du nur kannst— ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn du mir nicht verzeihst." „Das ist ja nichts," sagte Marja ausweichend. „Doch—/daß ich so etwas voll dir denken konnte, die— die— und daß ich der Mutter und vielleicht auch den anderen — auch den Teerbrennern— daß ich mir statt deiner eine neue, reiche holen wollte und keine Bettlerin wieder... ob- wohl du noch gar nicht tot warst, sondern nur jenseits der Grenze.. und der ein Haus bauen wollte wie ein Krämer in der Stadt.. und Grüße an dich bestellte.. höhnische.. an dich. Jetzt weißt du, was für einer ich bin.. während du dort weggeschleppt warst und als Leideigene gehalten wurdest... da habe ich so etwas..."' Er war zu Marja gekommen und hatte ihre Hand ergriffen. Er mußte es los werden, die Rührung begann ihm in der Brust zu schwellen und drohte hervorzubrechen,- er mußte Marja verlassen und hinausgehen, vor seiner Bewegung irgendwohin entfliehen. Aber schon hinter den Speichern muite er ihr freien Lauf lasten.. Sie hat mir noch nicht verziehen, es schien nicht, als hätte sie es. Aber mag sie mich damit strafen... sie darf mich strafen, wie sie will, nachdem ich es ihr endlich habe sagen können... damit sie weiß, was für einer ich bin.. und mm weiß sie es. Marja hörte Iuhas Rührung. Er bittet mich ,nn Der- zeihung?.. Wenn er aber einmal erfährt, wie es ist. dann bringt er entweder mich oder sich t/m. So ist er. Soll ich ihm alles mitteilen? Wie konnte ich ihn noch so belügen? Was soll hieraus werden? Wie soll ich sein? Aber sie war so müde, daß sie nur dies wußte: ich kann jetzt nicht, mag es gehen, wie es geht. (Forts, folgt.) früh 8 Uhr ah. Zwecks besserer WahkarbeU walken sSmMch« Par» teifunktionäre ihre Hilfeleistung nur von dort beziehen. Telephon: Amt Moritzplatz, 4472. P. Heinrich. Die Arbeiter und Angestellten des Osthasens nahmen in einer Versammlung zu den in letzter Zeit erhobenen Beschuldigungen gegen den Betriebsrot Stellung. Nach einem Referat des zur Disposition gestellten Vorsitzenden des Betriebsrats gelangte ein« an den Ber- waltungsrat für Häfen und Schiffahrt gerichtete Resolution zur An- nähme, worin dagegen Verwahrung eingelegt wird, dgß seitens des Verwalwngsrats noch keinerlei Schritte zur Einleitung von Ver- Handlungen mit dem Betriebsrat unternommen worden seien. Durch solch« Verhandlungen würden die gegen den Betriebsrat erhobenen Anschuldigungen in Nichts.zerfallen. Die Zurdlspositionsstellung des Betriebsrats verstoße gegen das Betriebsrötegesetz. Die Auf fasiung. daß bei weiterem Amtieren des Betriebsrats Berschieieruw gen Platz greisen könnten, sei schon um deswillen hinfällig, als der Betriebsrat erst seit Mitte August 1920 im Amt ist, alle in der Presse vorgebrachten Anschuldigungen aber weit vor dieser Zeit zurücklägen. Eine Hinauszögerung der Klarstellung nütze ledig'ich den Rechtsparteien und deren Agitation zu den Landtrtgswahlen. Die Ver- sammlung verlangt, daß dem Betriebsrat sofort das Betreten des Be- triebes wieder freigestellt wird. In einer weiteren Entschließung protestiert die Vollversammlung aller Hand- und Kopsarbelter des Osthofens gegen die Lügenmeldungen der bürgerlichen Presse und gibt der Erwartung Ausdruck, daß der Magistrat das an dem Be triebsrat begangene Unrecht wieder revidiert. Der Kasseler KommunistenproZeß. Razzia im Tcheunenviertel. Gestern nachmittag unternahmen 30 Beamte der Abteilung W, 10 Beamte der Sullirdkeilepolizei und ki0 Schutzpolizisten der Ab- teilung fsriedrichshain eine neue Razzia im Sweunenviertel. Es wurden besonders die Lokale in der Neuen Schönhauser Straße 13 und 20 und Weinmelfteistr. 7 einer gründlichen Besichtigung unter« zogen, da sich hier wilde Händler und Straßendirnen auizuhalten pflegten. Insgesamt wurden 223 Personen, davon 67 Grauens- vertonen, mitgenommen. Unter den Männern befanden sich sechs steckbrieflich veriolgte. Verplappert. Zu der in Nr. 62 veröffentlichten Notiz über ein Erlebnis einer stellungsuchenden Handlungsgehilfin. die von dem Kunstverlag Arthur Rehn u. Co.(Alt-Moabit 104) als F a k t u r i st i n bei selbständiger Arbeit mit 300 M. Monatsgehalt entlohnt werden sollte, schickt uns die Firma eine Erwiderung. Sie !|laubt, die Angaben als„durchgehend unzutreffend und bewußt ent- tellt" zurückweisen zu dürken, und behautet darauflos:„Die falschen Angaben rühren von der Mutter einer Dame her, die eine Stellung bei uns angenommen, jedoch nicht angetreten hat. Mit diesen falschen Angaben soll die Kontraktbrüchigkeit bemäntelt werden, und es soll ganz offenbar entsprechend einer uns gegenüber gemachten Drohung auf uns nach der Richtung eingewirkt werden, in die Aushebung des Vertragsverhältnisses zu willigen." Hier ist der Firma Arthur �Rehn u. Co. ein erheiternder Irrtum passiert. Diejenige junge Dame, auf deren wahrheits- gemäße Angaben unsere Notiz sich stützte, Hot die Stellung nicht„an- genommen", sondern mit unzweideutigen Worten abgelehnt. Sie brauchte also nicht.Lontrattbrüchigkeit zu bemänteln und nicht auf die Firma„einwirken", daß diese in die„Aufhebung des Vertrags- Verhältnisses" willigt. Selbstverständlich tonnte daher auch keine diesbezügliche„Drohung" ausgesprochen werden, weder von der für die Stellung dankenden Bewerberin, noch von ihrer Mutter, die in der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht mitgewirkt hat. Wie er» klärt sich der Widerspruch zwischen diesem Sachverhalt und den zu- persichtlichen Behauptungen der Firma? Offenbar hat die ein Monatsgehalt von 300 M. anbietende Firma Arthur Rehn u. Co. noch von einer anderen S t e ll en b e w e r b« ri n einen Korb erhalten. Dies« mag zunächst sich zur Annahme der miserabel entlohnten Stellung bereit gezeigt haben, hat aber hinter- her wohl gleichfalls dafür gedankt. Die Firma schließt ihren Brief an uns mit dem Ausdruck des mißbilligenden Erstaunens darüber, daß wir die Notiz gebracht hätten, ohne uns vorher überzeugt zu haben, ob die Angaben auch zutreffen. Nein, sie selber hat sich nicht vorher überzeugt, ob ihre Vermutung, daß die„kontraktbrüchige" Bewerberin gemeint sei, wirk- lich zutraf. Indem sie falsch riet und eilfertig ihren ungewollt komi» schen Rüffelbrief an uns schrieb, verriet sie selber, daß sie bei mehr als einer Bewerberin sich die verdiente Abfuhr geholt hat. Sie hätte hierüber sorgfältig Buch führen sollen, dann war« ihr der Hineinfall erspart geblieben, sich noch weiter bloßzustellen. VezirkS-vIldnngSavSschvß S.P.D. Sonntag, den 27. Februar, vor- mittags 11 Uhr, im großen Saal der Neuen Welt, Haletihnd,' 108/114, „Lustige Musik", Orchester— Gesang— Tanz. Mitwirkend«! Frau Steffi Hartman», Ballettmeisterin des Deutschen Opernhauses, Frau Gertrud Wolf, Gesang. Musikalisch« Leitung: Herr Kapellmeister Dr. IM. Dos Blüthner-Orchcster. Karten» 3 M. zu haben bei allen Abteilungskassierern und Vorsitzenden der Bildunasausschüsie, in der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 2, im Zigarrengcschäft Horsch, Engelufer IS und im Bureau de-, Bezirksbildungsausschusses. Wir bitten, die bis zum 20. d. M. nicht ver- kauften Karten zurückzugeben, hb die Nachfrage bei uns sehr groß ist.— Sonntag, den 13. Marz, letztes Abonnennutt":nzert. Wir bitten, schon jetzt die Marken einzulösen.— 4. Einführungsabend zum Mahler-Konzer« am Sonntag, den 6. März, abends 7 Uhr, im Festsaal des Berliner Stadt- Hauses, Eingang Klosterstraße. Vortrag mit Demonstrationen am Klavier von Herrn Eduard Mörike, 1. Kapellmeister am Deutschen Opernhaus. Eintrittskarte 1 M. Wegen der Wahle» bleiben am Sonntag, den 20. Februar, das«lte und Neue Museum, das Kaiser-Friedrich-Museum, das Museum für Völker- künde, die Sammlung für deutsche Volkstund« und das Zeughaus ge- schlössen.— Das Kunstgewerbemuseum ist wegen seines Umzugs von der Brinz-Albrccht-Straß« nach dem Schloß am Lustgarten ohnedies nicht ge- öffnet. Herr Otto hoch, gegen den kürzlich der Mieterverband eine Warnung erließ, ersucht uns mitzuteilen, daß er lediglich für den Derein zur Bekämpfung des Miel- und Bodenwucher» unter Vor- führung von Lichtbildern referiert habe. Es sei außerdem unwahr, daß er wegen unlauteren Manipulationen entlassen worden sei. Da» müsse auch den Verfassern der Warnung bekannt sein. Auch Hab« er. Hoch, die Geschäfte der Gruppe„Spree" mit Wissen und im Austrage des engeren Vorstandes geführt. Der Potsdamer Luklerverkauf. Wie der Potsdamer Magistrat mitteilt, Jet die Prüfung der Angelegenheit betreffend Ankauf hollän- bischer Butter ergeben, daß die Disconto-Gesellschoft in der Ange- legenheit vollkommen einwandfrei verfahren habe und lediglich be- strebt sei, autes Speisefett den Einwohnern bzw. Angestellten preis- wert zuzuführen. Die aus dem Geschäft entspringenden Schäden sei der holländische Verkäufer bereit, zu erstatten, und somit entfall« jeder Anlaß zu einer Inanspruchnahme der Disconto-Gesellschaft. Borträge. Im Lessing-Museum spricht Donn-rsteg,>7. Febr HS'Vtfyx, Pros. Ar. Rich. Sl�rnfel� üHeB gestalten". Gesänge aus den Rustkdrameu: Heüriett« Hvtüieb vom Deut« scheu Opernhaus. VolkedlldungSsmt NeuMu.»««ouutug. SO. Februar, abends T Nbr, veranstaltet. das BolksbildungSomt Neukölln in der viil« der ReaMule einen Heiteren Abend. Das Mitglied d«S StaatStheaterS der Schau- spieler.Hermann Böttcher, wird Bortrage heiteren und ernsten Charakters «i Gebör bringen und außerdem mit-inigen Liedern zur Laute aiiswarten. Eintrittskarten zum Preise von 2 M. find bei den durch SäiilenansSlag bekanntgegebenen Verkaufsstellen und im VolkSbildungSamt Neukölln. Zim- mer 218, des Rathauses Neukölln erhältlich. Marionettentheater d«S Jugendamt» Neukölln. Vom Sonnabend, den 10. bis Montag, den 28. Februar, gelangt als Abschiedsvorstellung zur Auf- fubmng..Tilchlein deck dich". Die Vorstellungen linden täglich 3Vi Uhr in der Aula des Lhzeums, Beritner Str. 10, statt. Karten zu 75 Pf. sind im Rathaus, Zimmer 226, zu haben. Britz. Lintrittskarteii zur das Neuköllner Marionettentheater sind auch auf dem Jugeudamt tm Britz, Nochowstraß«, ju habe». Hassel. 16. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Bei Eröffnung der heutigen Sitzung erklärt der Vorsitzende, er habe wegen der Veröffentlichung der Anklageschrift in der Presse dem General st aatsanwalt Anzeige gemacht. Rechts- anwalt Dr. Wolff begründet darauf einen hastenllassungsanjrag für sämtliche 7 Angeklagke. Er erinnert an Fälle wie Marloh, Kessel, die Marburger Studenten, Pfeffer, Roßbach, die sämtlich als Ange- klagte nicht in Haft genommen wurden, obwohl es sich bei ihnen zum Teil nicht bloß um politische Vergehen, sondern sogar um gemeine Verbrechen handelte. Der Verteidiger sagte: Ich will gern zugeben, daß das Gericht nichts getan hat, um die Oeffentlichkeit zu beeinflussen, aber ich muß bei dieser Gelegenheit auf das Vorgehen des Staatskommissars für öffent- liche Ordnung hinweisen, den der Vorwurf trifft, daß er die Oeffentlichkeit einseitig beeinflußt hat. Ich muß es sogar als eine Fälschung bezeichnen, in welcher Weise die Veröffentlichungen erfolgt sind. Jedenfalls ist aber das Anklagematerial in der Oeffent- lichkeit so bekannt, daß die Hastetillaisung bewilligt werden kann. Eine Verdunkelungsgefahr besteht nicht mehr. Ich bitte das Gericht, objektiv zu sein und nicht mit zweierlei Maß zu messen. Die Ange- klagten sind auch nach Auffassung des Vorsitzenden keine Verbrecher, sondern pollllsche AvgeNagle. Ein dringender Totverdacht liegt nicht vor. Das Sondergericht in Berlin hat erit jüngst in einer Verhandlung gegen einen Redakteur der„Roten Fahne" entschieden, daß die Verordnung des Reichs- Präsidenten erst dann überschritten sei, wenn im einzelnen Falle nochgewiesen ist, daß der Versuch gemacht wird, Anord- nungen der Reichswehr oder Sipo zu sabotieren. Auch das vorhan- dene Material, nämlich unausgefüllte Soldbücher, Landkarten usw., stellen bloß Borbereitungsmaterial dar, aber keinen Ver- such, eine Rote Armee zu gründen. Die vorgefundenen Waffen sind lächerlich gering, wenn man bedenkt, daß die Anklage auf Bildung einer Roten Armee lautet. Sehen Sie sich doch andere Fälle an. Der Kriegsfchieber Cohen in Berlin ist wegen eines kleinen Magenübels aus der Hast in ein Sanatorium über- geführt worden. Der Direktor des Edenhotels, der den hungernden Kindern Berlins Milch entzog, um sie zu Schlagsahne für seine schlemmenden Gäste zu verwenden, wird nach rechtskräftigem Urteil aus der Haft entlassen. Ebenso Hauptmann Kessel und viele andere. Daher bitte ich Haftentlassung auszusprechen. Der Staatsanwalt spricht dagegen. Fluchwerdacht recht» fertigt sich durch die Höhe der zu erwartenden Strafen. In einem politischen Prozeß kann von der Besserungstheorie keine Rede sein, da muß nach der Abschreckungstheorle vorgegangen werden. Zu bedenken ist, wie aus einer Urkunde hervorgeht, daß Angehörige der Roten Armee der Schweigepflicht in der Untersuchung unterliegen. Das vollkommene Geständnis des Angeklagten Harbich und das teilweise Geständnis des Angeklagten Schroer könnten durch Haftentlassung entwertet werden. Auf Grund dieser Zlusfagen liegt dringender Tatverdacht vor. Die Pro- zesse Birndörser, Kessel, Marloh usw. können doch nicht herangezogen werden, denn wir kennen ste doch nur aus den Zeitungen.(!) Das Gericht beschließt, wegen Fluchtverdacht und Tawcrdacht den Antrag auf Haftentlassung abzulehnen. Der Vorsitzende will sich sodann von jedem Angeklagten ein Bild seiner geistigen Fähigkeiten oerschaften, indem er jeden seinen Lebenslauf und die Entwicklung setner povkischen Uebeczeugung erzählen läßt. Die sieben Angeklagten werden nach der Schwere ihrer Belastung nacheinander vernommen. Der Bergmann Friedrich Harbich, der meist belastet ist, stammt aus Möhrisch-Sternbera, ist also Ausländer. Er, wie die meisten anderen Angeklagten, ist nur wenig über die zwanzig hinaus. Ein wechselndes Bild entrollt sich bei der Erzählung der Angeklagten. Max Kling- mll.ller ist Gartenarchitekt. Er hat aus Geldmangel dos Mittel- schulstudium unterbrechen müssen. Der Lehrer Wilhelm Z e i ß er war im Kriege deutscher Offizier und hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Professor Eltzbachers Buch über„Deutschland und der Bolschewismus" hat ihn der K. P. D. zugeführt. Sie ist die erste Partei, der er angehört. Pathetisch erzählt der Kontroll- gehilfe Lohagen von seiner freudlosen Jugend. Der Vater ist als Schweralkoholiker gestorben, der Junge gelangte auf dem Wege über den Katholischen Iünglingsoerein 1913 in die Arbeiterjugend. Auch er kann wegen Geldmangel nicht studieren. Nach dem Kriege hat er sich dem Spartakusbund angeschlossen. Der Expedient Heinrich R a b b i ch, der wegen eines lahmen Fußes militärftei hätte sein sollen, erzählt, wie er � lroh seines Gebrechens eingezogen wurde, weil er mit der Betriebsleitung als Vertrauensmann Zu- sammenstöße hatte. Schon vor dem Kriege sei er wegen seiner politischen Betätigung in der Sozialdemokratie von Betrieb zu Betrieb gehetzt worden. Einmal habe man ihn am Tage vor seiner Hochzeit entlassen. Der 1871 geborene Kontrolleur Küster ist das Kind eines Kriegskrüppels von 1866. Der Dater hatte auf feiten der Hannoveraner gekämpft und erhielt deshalb, als ihm beide Beine abgeschossen worden, keine Rente. So habe der Angeklagte schon als Kind dos Elend des Krieges kennen gelernt: er habe eine äußerst bittere Jugend durchgemacht. Die S.P.D. habe er verlassen, weil sie am 4. August die Kriegskredite bewilligte. Schließlich lei er dem Spartakusbuttd beigetreten. Rechtsanwalt Dr. S e k e l beantragt, den in.Kassel anwesenden Kommunistenführer Dr.. Paul Levl als Zeugen 1 darüber zu vernehmen, ob die K.P.D. eine Rote Atmee organisiere. I Der Staatsanwalt widerspricht. Dr. Levi könne ivst vernommen werden, sobald das gesamte Materiol dem Gericht beßannt sei. Das Gericht schließt sich der Auffassung des Staatsanwalts an. Darauf wird H a r b i ch über das bei ihm vorgefundene Material ver- nommen. Er gibt an, wir wollten uns bloß für den Fall eines Puftches von rechts sichern. In unseren Konferenzen haben wir niemals hefprochen, angreifend vorzugehen, ohne daß ein Rechtsputsch vorher- gegangen wäre. Der Vorsitzende verliest einen Plan der Zentral- oberleitung für den westdeutschen Bezirk, in dem als Leiter der > Organisation der Angeklagte Klingmüller, als Leiter des I Operattonsbureaus die Anaeklagten Schroer und Lehrer Z e i ß e r eingetragen sind. Der Angeklagte H a r b i ch gibt nur xägernd äußerst mangelhaft Aufklärung im Geaensatz zu seinem vollen Ge- ständnis bei der Voruntersuchung. Aus die Frage des Vorsitzenden, | wer ihn oeranlaßt habe, die Untcrbezirksleitung Dortmund zu über- I nehmen, erklärt Harbich nach längerem Zögern: Der Loaiswirt viber- trug mir diese Aufgabe. Ein zweites der von Harbich selbst ge- schriebenen Dokumente spricht von bewssfneten Stoßtrupps und zuverlässigen Reserven mit Aufzählung der Stärke. Es sind zu-. faipmen 2700 Mann gewesen. Die Bewaffnung ist genau angegeben. : Der Anaeklagte H a r b i ch erklärt: Das beziehe sich nur zum Tsil j auf die Arbeiter. Gerade die Notizen über die Bewaffnung bezögen sich auf die zu bekämpfende Oraesch. Darauf wird ein Brief ver- lesen mit Datum vom Dezember, in dem Harbich aufgefordert wird zu melden, ob er mit der Konstituierung der Unter- bezirke fertig sei. weiter ob harten vorhanden seien und ob er für Verbindung mit Post und Eisenbahn gesorgt habe. DaS Urteil im Nöthener Prozeh. Dessau. 16. Februar. Im vierten»öthener Kommnnisienprvzeß wurde heute das Urteil gesprochen. Das Gericht verurteilte s ä m t- liche 25 Angeklagten zu Geföngnisstrasen von 14 Tagen bis zu Z Monaten.— Der Staatsanwalt hatte für die jugendlichen Angeklagten Freisprechung beantragt.— Jugendliche Kom- munisten sind sich natürlich über ihr Treiben klar. Nicht klar ist sich nur der Waldenburger Orgesch-Leutnant Müll er! Grsst-Serttner Parteinachrichten. Die Bekanntgabe der wahlbureau« erfolgt in der Sonn- abendnummer des„Vorwärts". Diejenigen Abteilungen, die noch keine Angaben gemacht haben, werden ersucht, dies umgehend lelephonifch nachzuholen. Amt Hansa 1425. Der Bezirksvorstand. heute, Donnerstag, den 17. Februar: JI.*11. aiend» 7% Uhr S«l Lchwarj, Bl-uiteuf-Id«« Str. 10, Sißuns fSmt> liche« FunktiimSre und Wahlhelfer. 31. Ätzt, abend« 7>4 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. z», Sitzunz filmt- licher Funttionür« und Wahlhelfer. 8».«bt.(W:lmer»dars> adend, TZZ Uhr b«i llhsat. Brandenburgisch« Str. TZ, Mitaliederversammluna. Einteilung der Wahlarbeit. 7«.«dt. iWilmeredarf) abend« TVi Uhr bei Schramm, Hohenzollerndamm 2, Mitgliederversammlung. Einteilung der Wahlarbeit. Tl.«dt.(WU«er,b»rI) abend« Uhr bei Rohr, iiaifer-Allee, Mitglieder. Versammlung. Referent: Franz Rietstahl. Eiste willkommen. «7.«dt.(Slemlilln) abends 8 Uhr bei Schulz, Emser Str. 102, Funktionär- sttzung. Plltzensee. TZj Uhr i« Insel-Restaurani Sessentlich« Beamtenversammlung. Referent: Genosie Pfarrer Bieter. Zuvasozialifien. Gruppe Neukölln: abend« S Uhr im Restaurant von Pod- bielski, Beichfelstr. 2, Zusammenkunft. Thema:„Sie Wahrhilf« am 20. Februar." Morgen. Freitag, den IS. Februar: 12. Ui. abend» 10 Uhr ltleistertrupp! Treffpunkt bei»raus«, Mariannen- platz ZZ. Pat»d«». veffentlickie Wählerversammlung abends 8 Uhr im„Alten Fritz" in der gtmmerftraße. Referent: Staatssekretär Heinrich Schulz.— In dieser Versammlung soll außerdem der Millionenverlust der Stadt Potsdam durch den Buttereinkauf besprochen werden.� tktntg»»uftertz»»s«» sammlung. abend, TU Uhr im Bahnhossbalel. Ritgliederver- Zilmschan. Alfred vd» JngelhtiwS Lebensdrama. Dieser interessante Ziatnan von tan« Land wurde am Dienstagabend in den B.-D.-Lichtspielen, Potsdamer traße 38, verfilmt aufgeführt. Daß der Film auf das. Äinopublikum ein« ungeheure Zugkraft ausübt«, bewies der starke Andrang zu beiden Vorstellungen. An der Tarsicllung beteiligten sich Bruno Kastner in der Haupt- 1 rolle, Hanni Weiße, Fritz und Frieda Richard mit gutem Erfolg. Daß das Drama gerade ein geeignetes Objekt für den Jilni war. kann man, wenn man die Vorführung ihrer geschmackvollen Szenerie entkleidet, nicht gerade sagen. Soziales. WLchneritmenschutz und Neichswirhchasfcrvl. Dem sozialpolitischen Ausschuß des Reichsvirt« schoftsrat» lag, wie den P.P.N. mitgeteilt wird, in seiner Tagung mn 7. Februar ein Gesegentwurf des Reichsarbeitsmini- steriums über die Ratifikation der von der allgemeinen Konferenz der Internationalen Arbeiterorganisation in Washington am 28. November 1919 beschlossenen Uebereinkommen über Arbeiter- schutzbestimmungen vor. Es handette sich um die Regelung des Schutzes für Wöchnerinnen, der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich und der gewerblichen Nachtarbeit für Jugendliche. Die Dorschläge bleiben zum großen Teil hinter dem zurück, was durch die deutsche Gesetzgebung längst verwirklicht ist, und gehen nur beim Wöchnerinnenschutz insofern darüber hinaus, als sie eine Unterstützung jür 12 Wochen ver- langen, das Beschäftigungsverbot auf das Handelsgewerbe ausdehnen und die Arbeitsniederlegung schon 6 Wochen r»pr der Nieder- kunft ermöglichen. Ge gen diese Ausdehnung äußerten die Regierldggsoertreter schwere Bedenken aus finanziellen Grüyden. Ein« solche Mehrbelastung sei zurzeit weder von den Krankenkassen uoch vom Reich, auf das die Hälfte der Aufwendung für Fomilienwochenhilfs entfiele, zu tragen. Sie empfahlen daher den Nichtbeitritt x.u dem Uebereinkommen. Der Vorsitzende U m b r e i t vertrat als Berichterstatter dagegen die Ansicht, daß solche Bedenken bei einer Maßnahme von so hohem bevölkerungspolitischen Wert zurückgestellt werden müßien. Der Gegenberichterstatter Herr Dr. Ing. Riepert trat zwar gleichfalls für den Ausbau der sozialen Gesetzgebung ein, glaubst' aber die finanziellen Bedenken um so mehr teilen zu müssen, als eine Ratifikation des Uebereinkommens eine einseitige Bindung Deutschlands auf 10 Jahre bedeute. Die Notwendigkeit einer Klärung des durch die Ratifikation ensstehenden Geldbedarfs und seiner Deckung wurde von Dr. T h i s s e n besonders betont und ver- hindert ihn, seine Stimme dem von Arbeitnehmerseite unterstützten und mit Mehrheit angenommenen Antrag Umbreit zu geben, der der Reichsregierung die Ratifikation empfiehlt unter Ausdruck der Erwartung, daß auch die anderen Länder das tun werden. Gegen diesen Antrag stimmten die Arbeitgeber aus den von Dr. Riepert angeführten Gründen. Dasselbe Vild ergab sich auch für die beiden anderen Punkte über Festsetzung der Arbeitszeit und Nachtarbeit der Jugendlichen. Es wurde darauf beschlossen, die Vorlage dem Plenum zu über- weisen. Auf Antrag Beckmann hin wird ferner die Reichsregierung ersucht werden, baldigst eine Vorlage für die Deckung der Kosten zu machen, die aus der Ausdehnung der Wöchneripnenfürsorg« ent- stehen würden._ vortrSge. verelne und Versammlungen. Reichsduvd der Kriegsbeschädigten As». Bezirk 3(Sittost). Montag, diu, 21. Februar, abends 8 Ul,r, Bezirksversammlung, Ekasitzer Str. 128. Resereot: Kamerat Loren,.—»eichsvereioiguvg estemoliger»riegsgesangeu-e. Bezirks. gruppe Slltwest. Donnerstag, den 17. Februar, abends 7 Vi liste, Versammlung mit gemlitlickem Beisammensein, Blstchersäle, BUlcherstr. 61.— DentkRer Erfinder-SchutzverbaAd, E. B., Sitz München. Bezirksverein Berlin Heute 8 Uhr Lesfcnlliche Erssnderveriommlung, Restaurant„Zur Bieralocke", Belle- Alliance-Str. 106. Kostenlos« Beantmortung von Patcntfragcn. Dortrag Herr Rechtsanwalt Dipl.-Ing. A. Berger:„Da» n«ue Parentgesetz und die Erfinder. Sport. Jnternatiouales Tchwimuisest. Wie alljährlich, so eröffrrrt der Berlin er Achwinmi-Club auch in diesem Jahr mit dem internationalen Schwimm- fest am 5. und 6. Mär» in der Bademriiall cm der Schill ingsbrücke sei« diesjährige Schwimmfanon. Die Ausschreibung dazu euchaii 36 Kon- kurrenzen. Für 1. und IL Senioren, Jugendschwimmer und Damen sind wertvoll« Wanderpreise ausgesetzt: u. a. seien erwähnt die Wanderpreise dcZ Deutschen Schwimmverbandes des Knltiisministeriunts und des Deutschen Reichsausschusses für olympische Spiele. Anmeldungen zur Teilnahme sind zu richten an Herrn Zurmöhle, Berlin-Steglitz, Albrechtstr. 102. Meldeschluß ist Donnerstag, den 17. Februar, mittags 12 Uhr. Die Bekanntgab« der Meldungen findet an demselben Tage, abends 9 Uhr, im Restaurant Krause. Berlin, Köpenicker Str. 174 statt. Geschäftliche Mitteilungen. uuamm ver o-t«u vpe, tat, orten ist I»inestall» mit den von der Krtegvzeit in erinneruag gebliebenen 5krtegsd, dessen tzonplsorge augenblicklich in Europa dir Ernährung der Kinder ist, hat, wie ff. P. S. melden, ungefähr 20 Stationen eingerichtet, die meisten in Polen, und beabsichtigt sie in nächster Zeit bedeutend zu ver-> mehren. Es stehen für die E-nriibtung diesxr Stationen und ihten Nnterhalt gunäckist 6 999 999 Dollar zur Versügung. Jeder Station soll weniasienS ein Arzt, drei ausgebildete Schwestern, ein Pfleger, ein Chauffeur und nöligenialls ein Geistlicher beigegeben werden. Die Slalionen werden den verschiedenen Bedürsnisien der einzelnen Länder eniiprelbend ausgestattet, da? zurzeit in Europa wettende Rote-Kreuz-Personal durch amerikanische Aerzte verstärkt werden._ Doppelraudmord im Auto. Zu dem geheimnisvollen Mord auf der SlaalSsiraße M ü n che n- W e i l b e i m wird gemeldet, daß die beiden im Automobil ermordeten Personen als der MietS- antobcfitzer Milbael Bauer auS Müncben und der Chauffeur Loren', Türk festgestellt werden konnten. Der Verdacht richtet sich gegen drei i ü n g e r e Personen, die der Autobesttzer Bauer von München nach Garmisch fahren mußte. Eine letzte Meldung sagt, daß Bauer etwa 1S99M. bei sich gehabt haben soll. 399 M. und die goldene Uhr wurden noch gefunden. Bon der Schneekoppe schwer abgestürzt ist der Arzt Dr.. Bloch aus Trautenau. Cr fiel beim Abstieg 200 Meter tief in den Melzergrund. Mit gebrochenen Rippen und erfrorenen Füßen wurde der Verunglückte geborgen. Gewilkerstfirtne. AuS Cadix(Spanien) wird gemeldet, auf einer vierzig Kilometer breiten Strecke haben G e» witterstürme bedeutenden. Schaden verursacht. Mehrere fflüffe sind über da« Uier getreten und haben eine An;ahl von Orten überschwemmt. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt. Hunderte Stück Sieb ertrunken. Die Verbindungen sind unterbrochen auch der Drähtverkebr. Die-neue PROBLEM! .«■MLftftacÜNBT CHAKUkTTCNftUM.E Berliner Kranken-.UnterstiitzDnns- und Begräbnis- Yerein für Frauen und Mädeben Arn 14. Februar verstarb nach längerem Leiden unser langjähriger Kassierer, Ernst Gerlach Während der 26 jährigen Tätigkeit im Verein hat er demselben seine ganze Kraft gewidmet Sein Dahinscheiden isttür.den Verein ein schwerer Verlust. Ehre seinem Andenken I Die Einäscherting findetSonnabend, den 19. Februar, nachmittags 31/« Uhr, im Krematorium, Genchtstr., statt Der Vorstand. Als weiteres Opfer des ExplosiomunglDcks vom 21. Januar 1921 verstarb an den Folgen der erlittenen Verletzungen am 6. Februar 1921 der Schlosser Hermann Pietzker Tief bewegt betrauern wir den Jähen Tod auch dieses in treuer Pllichterfflllung Im Dienste Dahingeschiedenen und halten sein Andenken in Ehren, Deutsche Werke, Aktiengesellschaft Werk Spandau. Abteilang Maschinenfabrik Die Direktion. 10SD ürtskrankento der Klempiier zu Berlin I Am Sonntag, den 11 Februar, verstarb plötilkh an Gehirnschlag unser Angestellter, Herr Gustav Hallen im 71. Lebensjahre. Wir verlieren In demselben einen Angestellten, welcher In SSjähiiger Diensttätigkeii den Beweis der vollsten Ptlichterfüllung erbracht hat und | werden sein Andenken stets in Enren halten. Der Vorstand 152/16| der Ortskrankenkasse der Klempner za Berlin Am Sonntag, den 13, Februar, verstarb plötzlich | unser Kollege Gustav Hallep , Er war uns nicht nur ei* guter Kollege, sondern er war auch allen em lieber Freund im wahren Sinne Stets hilfsbereit, jedem freundlich gesim.t waren seine Lebensai schauungen. Wir werden ihm 1 ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. Die Einäscherung lindet am Freitag, den 18. Fe-> bruar, abends 6'/, Uhr, im Krematorium Gericht straBe 37/38 statt »1« Angestellten fl'2/16 I der Ortskrankenkasse der Klempner zu Barlin Of XftMM r u Erstkl. Ausführung;. 8 J, Garantie. chnnilr fonü Umarbe'tung alter Gebisse. Reparaturen W-.Ä?.„•l.an sof/Ooldkronan. Brücken. 9-7. Sonnt»!, HEMPeL, Dentist, LlnlenstraSe 330, nahe Sehönh, lor. Spezlal- Arzt ISSiS"SÄl'Ä Hartnäckige Attsstüsse, Ausschlag, Manntsschwäche, SypHUi»— Nachweis in alten u.zweifelhaUe» Fällen durch BUihmterfuchung. !tamb.Neuu.Hiihet-Soioars-n-4rttren. Separates Damenzimmer. vir.- Ä. 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KOnigpratzer Str. 7/2« Jekaterina vbv: Ivanovna (Lude Höflich, Paul Bildt, uernburg, Pröckl, Römer, Schlegel) Freitag: Salome Sonnabend; Salome Sonntag nachm.: Rausch Komödlenhaus >7�uhr:Das weiße Lämmchen mit Max Pallenberg Sonnt, nachm.; Herr Minister Berliner Theater •/jSUhr: Die spanische Nachtigall mit FritziMassary WaBmann, Brandt, Pasch Stg. nachm.: Der letzte Walzer Central-Thenter u�DiePostmeisterin Dentaeliea Opernlinne ' uhr: Wilhelm Teil Frtedr.lVlIhelmac.Th- i'/.uhrr-BolieitiJleTtoifl Kl. Mehanuptelhsns 7Vj Uhr, Reigen Komluehe Oper �.u-BaroueBchen Lnataplelbana 1*1, Uhr: Arnold Rleck In Die schwebende Junftrau Ketropol-Theater u: Hollandweibchen Blenes Operettentheat, Uhr, Der laehende Ehemann mit Fritz Werner Heilen Volkatheater 7>/,u.: Jugend SehtUer-THent, ChnrI, 7*/t u.: Helden Tkalis-Tltenter 7»/. uhr; Mascottchen Th.nm> oUendorTplata B1/, Uhr: Die drei Zwillinge 7 uhr; Venn Liebe ervaeht Theater des Westen a F/(uhr: Scbwalbenhoehzeit Sbd. V/t Uhr: Olnaellesel Th.l.d.Kommandantenstr. 7>/, U.: Wnllner-Thenter Heute geschlossen 7Bufi?=DieTanzgräfln Rose-Theater Th Uhr; Dfe KlflUS WVarlett.Cafe oritzplafz OranlenstraBe 84/(4 Täglich 8 Uhr: EUIc«Prosramin Volksbühne Theater am Bülowplatz. 7 Uhr: Das Postamt und Die Komüdia der Irrungen Usslng-Tlieatei u': Ein Idealer Gatte (Durieux, Götz, Loos) Freitag 7 Uhr; Peer Oynt Sonnabend und Sonntag 7>/,: Ein idcislep Gatte' Montag 71/, Uhr: Flamme Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 7'/, Uhr: DleScheldnngsrelse mit Max Adalbert und Trude Hesterbern: Residenz- Theater TSolich 7t/. Uhr- Lady Windermeres Fächer Haast Arnstadt Adele Sandrock Arnold Korft Sonntag 4 Uhr. halbe Preise: Die Freundin Täglich 8 Uhr: DleGenellschalt des Abbd Chateannenf Leopoldine Konstantin, llka Orünlnc, Herrn. Vallentln, Jul. Falkenstein, Adolf Edgar Lieh«, Luise Werckmelster, Kanal Burg. Sonnt 4 U.r Kammermnaik Kleines Theater Unter den Linden 44. Täglich V,? Uhr: Casanovas Sohn Lustspiel von Rudolf Lothar Eugen Burg, Mady Christians. Hans Albers. Schall und Baach im Großen Schauspielhaus Dir. Hans v. Wolzogen. Telephon: Norden 8643. Konz. P/t U., Beginn P/, U. Das groBe Februar-Programm Die Hose"von' Stambnl mit Mlzxl Delorm und Arnold Rleck KRnlgstadt-Theater Bahnhof JannowitibrOcke Tlgl. 7.80 Oalu-Sänger Im Balltaal TANZ '(f8 Folios Caprice'if Llnienstr. 132(Oranienb.Tor) Der actalaue Theophil Morgen, Freitag, VtS Uhr: Premlere. ImSeaaröe. ihr letzt. Abenteuer Zur Hebung der Nacktkultur. Vorv. 1 1-2 u. ab 6 U. i. Theater. Telephon: Norden 8650 Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.*/,8 Der neu« Schlager! Der Großfürst Ein lustiges Stück Berliner Leben in aus dem 3 Akten. Berliner Humor! Berl. Typen I Sonmag 3'/,: Eine Mdele Ehe. Theater am KottbuacrTor Kottbuser Str. 6 Tägl?>/, und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sanger Zum Schluß: Der KTleflsgewlnnler. Vorher: „Strand-Idyll— u. der hervorragende Sofotell Nachmittage halbe Preise! Vorverkauf: II-!'/, u. 4-6 an der Theaterkasse u Leipziger SiraSt 51(Splttelkolonnaden) ReicfashalL-Theater Abds. T/t U. u. Sonnt. nachm. 3 Uhr; SkeN-SöWij Nehm, halb. Pr. VarietöDönhoff- Brettl Ans.»/, 3m Berliner Theater findet am kom- Menden Donnerstag, dem 24. Februar 1921, die 100. Aufführung der erfolgreichsten Operette AieqtMAliellüeWII von Schauzer und Welisch, Musik von Leo Fall» statt tntt Fritz, M a s s a r Y Hans Wastmann, Emmy Sturm, Ralph Artur Roberts, Julius Brandt, Walter Jankuhn, Olga Engl, Georg Schnell, Paul Rehkopf, Hedwig von Lord« In den Hauptrollen Aämiraw?alas 7'. Die roten Schnhe Morg. TV«: Die roten Schuhe IHans Stosch-Sarrasanl| AtÄn-Klsmetl Die Flucht aus der Kiste Delannö EHendl. Tägl. 7°°. Sonnt. auch 3 Uhr I Vorverk. Circuak. u. Tletz| 1 Reines Variete Programm | Rauchen gestattet!| i— KeaeWelf—! VJcholZj_HasMhe|deM4 Heute Donners tag, d. 17. Februar: Bayer. Bierlest Großes Sch>veine- schlachten Anlang 6 Uhr. ö Kapellen. 30 bayer. Mad'l Dausfrauen! Dausfrauen! Seldet's Betroekneie Schnittbohnen und Karotten mit Zuehersehoten! Sie find bedeutend billiger ali®emüfefon(ettien in Dosen. Dar Anhull eines 100-®ramm-95euteI9(geibe Packung mit Kinderbitd) entspricht einer Menge von ca. 2ll, Pfund Ftischgeznüse oder einer Dt eipsunddase Gemüjetonserven. Seidel'» DörrschniUbobnen und Karotten mit Zucker- schoten werden seit über 30 Jahren in bester Qualität hergestellt und sind mit dem sogenannten KriegSdörrgemüse nicht zu verwechseln. Sridel'S Törrschnittbofinen und Karotten mit Zuckerschoten sind t««roß-Berttn zu haben bei: im Westen Rudolf Marku», Karl M; wecke, T Gebr. Müller, Hohenslaulenllr. S3 und w sämtlichen Filialen Seorg Rummler, Magdeburger Etr.28 Fritz Witte, Nellelbeckstt. 12/12 ..»lebttschttt. 44 Peinecke, Winlerlelblstr. 21a Fritz: in Schiineberg Mag Paul, Alazienftr. 7a Wilhelm Suckow, Elsenacher Stt. 58 in Friedenau Fritz Fehr, Südwestkorso 1 Otto M-ner,»aiser-Wee 8» Otto Schöning& Co., Lauter klr. 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Wilhelm Suckow, Wrangelstr. 76 Johanna Sotscheck, Marlihalle Dre». dener Straße »arl Samaschke, Dresdener Stt. 123 im Qften und Nordosten Erich Bartsch, Landsberger Allee 4» Ootar Friedrichfohn. Neue Königftr. 31 r ord Salbba, MenNewer Str.» Srö Ilmann, ttberöjftt. 2 B. Sröllmauv, Steifstnolbet Str. 4 J. Mietowstt, Dreif-waider Str. 211 Max Lehmann, t» Zehlendorf-Mttte Paul Sttehdlow, Beerenstr. 14 in Martendorf Otto Weadtlaudt, Kiepertplatz» in Spandan Paul Sarge, Brellestr. 57 Karl Seidel& Co.«WSKW?? Hfinsterbergt i. Schlesien. 31266* Röhr». Biumenstr. SS im Norden»nd Nordwesten Max Wolf, Brunnenür 13 Max Wolf Rst.. Lübecker Stt. 14 in Tegel Rewholb Beruer, Treskowstr. 22 in Weiftenier Bernhard Werner, Berliner Allee 18 Apollolheater Direktion: James Klein. fVa Das groüt Ausstattungsstück in 4 Bildern| JCadame flubarra's r fiiehesleben F mit der weltberühmten Saharet ( als Gräfin Dubarry. , Ueber 150 Mitwirkeilde I— Sönntag 3Vj da» 1 | vollst. Stück mit Saharet.— Jeder Ei wachsene I Kind treil— Vorv,rk. ab 10 Uhr ununterbroch. I Tigl.ch Konzeit In Ihrem eigenen Heim| 13 6fneralmuslkdIrektor Felix von Weingartner Uss/ sich über seine Beobachtungen wie/olgi vernehmen t„Das mir freundlichst vorgeführte „Grammophon" entspricht r was die Wiedergabe der Singstimmen beirijft, den höchsten Anforderungen. Es klingt so, als ob der Sänger neben einem stände, so deutlich treten alle individuellen Eigentümlichkeiten der Stimme und des Vortrags hervor. Das „ Grammophon" in dieser Vollendung hat aber nicht nur einen unterhaltenden, sondern auch einen pädagogischen Zweck....." Oper/ Oparette/ Lieder/ Ulrich«/ Tins« DeklamattoBcn/ Sologesänge/ Duett«/ Chöro Inttromen lalsoll/ Orchester Gmmophon-Speziäiiiaus t Berlin nur WS* FricflrldMfrafte 189 Pre.nekfe end Vowiel äertanloä SCatA Hausierer kauf, üosenträg. Kragenknöpfe« Strickbinder, Socken, Manchesterhosen u. Westen äußerst preisw. 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Der Minister sagte u. a.: Es ist möglich, es ist sogar wahrscheinlich, dah die Londoner Konferenz in ihren ersten Versuchen kein Ergebnis der Berständi- gung haben wird. Es wird außerordentlich schwer sein, sich in Lonvon über die neuen Methoden zu einigen. Eine peinliche Lücke des Friedensvertrages ist, daß man dem- deutschen Volke nicht ge- sagt hat, was man eigentlich von ihm verlangt, und wenn man uns jetzt Vorwürfe macht, dech wir nicht selbst Vorschläge gemacht haben, so müssen wir erwidern, dab die Unsicherheit bei uns zu groß ge- wesen ist, um Dorschläge machen zu können. Wenn wir jetzt Vor- schlag« machen, so konnten wir sie nur aus unserer Unsicherheit heraus machen. Der Minister hob sodann die Unversehrtheit der Reichsverfosiung hervor und meinte: Solange wir die Reichsver- fofsung haben, solange wollen wir sie auch verteidigen gegen den Angrist von innen und außen. Die Pariser Beschlüsse würden in ihren Folgen eine Unoersehrcheit der deutschen Reichsverfassung nicht gewähren. Dagegen müßten wir uns wehren. Die Pariser Beschlüsse liefen hinaus auf einen Zusammenbruch alles desien, was sich das deustche Volk auf ge-stigem und wirtschaftlichem Gebiet er- obert habe. Wenn wir die Pariser Beschlüsie nicht annehmen, so treten die Sanktionen in Kraft, die ebenfalls hinausgehen auf«ine Trennung des Deutschen Reiches. Nach Simons sprachen verschiedene Vertreter der Par- teien, darunter Gen. S ch ö p f l i n, der den Wiedergut- mochungswillen des deutschen Volkes betonte, aber die Pa- riser Bersklavungsbeschlüsse aufs schärfste ablehnte. Was aber die„Sanktionen" betrifft, von denen Simons annimmt, daß sie nach der Ablehnung der Pariser Beschlüsie in Kraft treten werden, so kann nicht oft genug wiederholt wer- den, daß die Besetzung neuen deutschen Gebiets oder die Er- richtung einer inneren Zollgrenze vertragswidrig sind. -md daß auch die vertrag? mäßigen„Sanktionen"(Der- längerung der Besetzungsdauer und Fernhaltung vom Bölker- bund) laut Vertrag nicht früher in Kraft treten können, als bis die Reparationskommission Deutschland Der- vslichtungen auferlegt hat, die zu erfüllen es sich weigert. So- lange die Reparationskommisiion nicht entschieden hat, wären alle„Sanktionen" vertragswidrig. 5lopü Georges Rede. tondon, 16. Februar,(chollandsch Nieuwsbureau.) Aus der gestrigen Rede Lloyd Georges im Unterhause sind noch folgende Stellen erwähnenswert: Der Premierminister erklärte, daß ihm von den deutschen Gegenvorschlägen nichts bekannt sei. Er glaub« nur. Laß jetzt Vorschläge formuliert würden und daß die Flnanzsachver» ständigen der deutschen Regierung die in Paris gemachten Dorschläge in ernsthafte Erwägung gezogen haben mit dem totsächlichen Wunsch, kräftige Maßnahmen zur Liquidierung der deutschen Verpflichtungen zu treffen. Wiederholt habe er, so führte er aus, das Unterhaus an die wichtige Bestimmung des Berfailler Abkommens erinnert, welch« die Großmächte instand fetze, Vorschläge zur Regelung der deutschen Wiedergutmachung entgegenzunehmen, und zwar auch die Lösung durch Zahlung eines festen Betrages, hierdurch würde sogar noch die Prozedur der Untersuchung und Beratung einzelner Ansprüche vermieden werden. Auch zwischen den Pariser Vor- schlagen und den früheren Entwürfen bestehe ein tatsächlicher Unterschied, besonders in den vorgeschlagenen Annuitäten, welch? jetzt im engen Zusammenhang mit dem Wiederaufblühen des deutschen Exporthandels gebracht worden stnd. Im Oberhaus hat bekanntlich Lord E u r z o n die Debatte über die Thronred« eingeleitet. Er führte, wie jetzt bekannt wird, noch folgendes aus: Zunächst beglückwünschte er Polen zu seinen Der- suchen, den Wiederaufbau zu beginnen, und meinte, daß auch in Rumänien allmähsich Ruh« einkehren werde. Die rumänische Politik scheine sich nach Polen zu orientieren, und beide Staaten könnten einen festen Wall in Osteuropa gegen die revolutio- näre Gefahr bilden. In Rußland herrsche noch immer eine traurige Lage, aber jedenfalls seien die internen Krieg« zu Ende. Di� Lage Oesterreichs verursach« noch immer große Sorge für olle, welche.an der Zukunft dieses Teils von Europa vmteresie haben. Schließlich sagte er zu den bevorstehenden inter- nationalen Konferenzen: Es ist die Hauptausgabe der Großmächt«, die noch immer zusammenwirken, die Bedingungen des Versailler Abkommens auszuführen, und zwar wenn möglich, mit allseitigem Einverständnis- Die ständige Zusammenwirkung der Großmächte und das Zusammenwirken England» und Frankreichs ist eine Ga- rantie für den europäischen Frieden. Sie hat sich aus der jüngsten Pariser Konferenz klar gezeigt. Zum russisch-englischen Handelsabkommen sagte er. es werde feine erst« Sorg« sein, falls das Handelsabkommen abgeschlossen werde, alles zu vermeiden, daß die Handelsgeschäfte nicht in feindseligem Sinne geführt werden. die Wahl poincarös. pari». IS. Februar. kW.T.Ds»Sre Roudelke" vezeichnet die Wohl PoincarsS zum Vorsitzenden de» SenatSouSschusie» für auswärtige Angelegenheiten als bedauernswert und tragt, cd die Kommission denn nicht ihre Recht« hätte wahren können, ahn.: den gefährlichsten Man» d«S Parlaments an die Svitze zu sicCtn. C6 man es wolle oder nicht. Poinears sei gegenwärtig die Hoisnung oller Reaktionäre und aller E b a u V i« r. i st" n und zwar in dem Maß«, daß sogar die treuesten Anhänger der Tagesordnung Bracke, also der Sozialdemokraten, die lein Kompromiß mit bürgerlichen Parteien eingehen wollten, nötigenfalls entschlosien seien, gegen ihn den Block der Linken aufzurichten. Poineari stellte in dem Augenblick, in dem es notwendig sei. die vündmsie zu befestigen und den Friede««idgültig sicherzustellen, eine Politik aggressiver Isolierung dar. tondon, 16. Februar. sE.E.s Zur Wahl Pot«c»r6s erklärt der Pariser Korrespondent de«„Daily Chronicle", e» sei kein Geheimnis, daß der ehemalig« Präsident der Republik aus der v o l l- ständigen Durchführung des Versailler Friedensver- träges besteh«. Der Senatausschuß teile zweifellos dies« Ansichten, da«r Poincarc zu seinem; Präsidenten erwählte. Poincare werde «in« bedeutende Rolle in der Leitung der auswärtigen Politik Frank- reichs spielen, insbesondere in der Entschädigungsfrage. Ve ne Wahl müsse ein« Warnung für vriand bilden, falls dieser von bei Londoner Konferenz zurückkehre, ohne feste Versprechungen De>. nchlands, die Forderungen Frankreichs zu befriedigen. Di« Re- aierung Drinnds würde sofort durch ein Kabinett Poincarö, er- 1«IM Die Regierungskrise in Schweden. Stockholm, 16. Februar.(WTB.) Braniing ha« heute dem Köulg erklärt, er könne nicht die Regierungsbildung übernehmen. Hierauf hat der König den frühereu Minister. Präsidenten Admiral Arvid£ i n d« a n beauftragt, die neue Regierung zu bilden. Inzwischen haben sowohl Adtntral Lindman wie auch der frühere liberale Miaisierpräsidenl Eden ebenfalls die Regierungsbildung abgelehnt. Die einzige£Ssung erscheint nunmehr ein B e a m t e n k a b i u e t t. Der Uebergriff im polnischen Korridor. Bersin, 16. Februar.(WTB.) Durch die Presie gehen Mittei- lungen über die im polnischen Korridor erfolgt« Beschlagnahme von französischen Beutestücken, die aus Ostpreußen an die deutsch« Luft- fahrzeug-Uebergabekommission Bischofsheim(Hesien) gesandt waren, um gemäß Anforderungsliste Nr. 42 der Interalliierten Kommission an die französische Regierung zurückgegeben zu werden. Der Dorfall ist den amtlichen Stellen in Berlin erst durch die Mitteilungen eines Königsberger Blattes bekannt geworden. Di« Ermittelungen sind im Gange. Königsberg. 16. Februar.(WTB.) Der Militärbefehlshaber für Bezirk und Wehrkreiskommando I teilt zur Beschlagnahme von Kriegsmaterialtransporten im Korridor mit, daß angeordnet fei, derartige Transporte n i cht mehr auf dem Land- weg« ins Innere des Reiches zu entsenden. Veutsch-tschechisches Abkommen. Berlin. 16. Februar. sWTA.) Die Verhandlungen, die hier feit Ende Jarnrnr mit Vertretern der tschecho-slowakischen Regierung unter Führung des Staatssekretärs im tschecbo- slowokisckien Handel« Ministeriums, des außerordentlichen Gesandten und bevollmächrigten Ministers Dr. Schuster über die SuS- führung de» deutsch-tschechoslowakischen Wirt- schaftSabkommens vom 29. Juni vorigen JahreS stattgefunden haben, find gestern zum Abschluß gebracht worden. Zur Re- gelang gelangten gewisse Fragen deS beiderseitigen Waren- austausche S. insbesondere auf dem Gebiete der Chemikalien. Knöpf«. Maschinen und d«S Malzes. Die Kohlenmengen, die nach dem Kohlenabkommen beiderseitig auszutauschen find, wurden um«in Geringe? erhöht. Such wurde eine Verlängerung dieses Abkommens bereits bis Ende Juni in Ausficht genommen- Die Verhandlungen, die gleickizeitig im Reichsfinanzministerium über den Abschluß eine? Vertrages zur Vermeidung der Doppel- besteuerung sowie de» Rechtsschutzes und der Rechtshilfe in Steuersachen stattgefunden haben, haben zur Ausstellung eines vorläufigen Entwurfes auf diesen Gebieten geführt. Alle Zweifels- fragen konnten hier allerdings»och nicht endgültig erledigt werden Der Entwurf wurde daher zunächst beüwrfeitigals unverbind- lich erklärt. Nach dem Gange der Verhandlungen steht aber zu erwarten, daß in naher Zeit der endgüstig« Vertragsabschluß auch hier erfolgen wird._ Spaltung der rumänischen Sozialisten. Bukarest, 16. Februar. lDA.f Der Kongreß der rumänischen sozialistischen Partei, der die Frage des Beitritts zur Dritten Inter- naiionale zum Gegenstand hrtte, endete nach dreitägigen heftigen Debatten wie in Deutschland, Italien und Frankreich mit einer Spaltung der sozialtstischen Partei. Die Zahl der zu den Kommunisten Übergegangenen Parieimitglieder ist im übrigen nicht groß. Die sozialistische Aumpspartei beschloß, die Frage des Bei- trilts zur Dritten Internationale durch Abstimmung des ge- samten rumänischen Proletariats entscheiden zu lassen. Di« Abstimmung über den Anschluß an MoSta» ist demzufolge auf den S. Mai festgesetzt worden. Die Sozialisten glauben schon jetzt. auf eine überwältigende Mehrheit für die Ablehnung der 91 Bedingungen Lenin» rechnen zu können. Die Internationale des Schwindels. Der Versuch der südslawischen Kommunisten, mit einem Generalstreik aus Heller Haut loszuputschen, führte Ende ver- ganzen«» Jahres zur Verhängung scharfer Ausnahmebestimmungen gegen die kommunistische Bewegung in Südssawien. Nicht nur durch eine Interpellation des slowenischen Genossen Etbin K r i st a n in der Konstituante hat sich die südslawische Sozioldemo- tratie gegen diese bismarckischen Methoden gekehrt und für die Wiederherstellung der politischen und bürgerlichen Freiheiten ein- gesetzt, aber aus ihrem tlrtell über die Taktik der Kommunisten, die halb nach Spitzeltum, halb nach Narrentum schmeckt, hat sie kein Hehl gemacht. Nun schreibt„S o c i j a l i st a". das Agramer Blatt der sogenannten Rechtskommunisten, die sich wohl bald wieder mit den Sozialdemokraten vereinigen werden, unter der Ueberschrift »Täuschung des Auslandes": In der Berliner.Roten Fahne" lesen wir«inen vom S. Januar aus Belgrad dotierten Bericht, der von den dortigen Kommunisten über das Wiener Korrespondcnzbureau„Rosta" in die weite Well geschickt worden ist. Dieser Bericht ist betitelt.Re- aktion in Südslawien". Dort wird zunächst erzählt, wie der Ge- neralstreik deshalb ausgebrochen ist. well die Regierung all« kommunistischen Blätter verboten und die ganze Tätigkell der Partei eingestellt habe. Reben anderen Wunderdingen wird dann erzählt, daß die Führer der Streiks in den einzelnen Orten ein- fach umgebracht worden feien. Daß es in Agram zu blutigen Kämpfen gekommen, daß das Stondrccht verkündet und daß der ganze Verkehr infolge der mächtigen revolutionären Bewegung wie in Belgrad so in Agram und Laibach eingestellt worden sei. In einer Stadt Südslawiens hätten die Revolutionäre sogar die Munitionsmagozine in die Lust gesprengt, und die ausgerufenen Räte feien mll Blut und Terror unterdrückt worden. Aber daß die Revalullon nicht Erfolg gehabt habe, daran seien die Sozial. dcmokraten mll Kristan und die„unabhängigen Sozialisten" Laptschewllsch und Topalowllsch schuld. Da alle diese behaupteten revolutionären Heldentaten der Kam- munisten von A bis Z freie Erfindung sind und die südslawischen Ar- beiter natürlich wissen, daß ihre Führer Moskauer Observanz die Nockenschläge der Regierung hingenommen haben, ohne auch nur den kleinen Finger zu rühren, kann„Socijalista" fortfahren:„Wir würden unseren Lesern am liebsten den ganzen Artikel vorsetzen, damll sie von Herzen lachen können, aber wegen des karg be- messen«» Raumes hoben wir uns auf diesen kurzen Auszug ve- schränkt. Darum so ins Ausland geschrieben wird, ist klar: Damll sich unsere Kommunisten vor den Moskauer Herren wegen ihrer Feighell rechtfertigen und sie wester über das zur Revolution reife Südjlawien täusch«, können, die einzig ven de» Sozialisten ver- hindert werde.... Das Ergebnis des Ganzen ist: Geld, Geld, ihr Herren, damit diese Sozialisten niedergeschlagen werden." So in Südslawien, so— anderwärts! Ist das der richtige weg? Unter diesem Titel bringt die flämische sozialistische„D o l k s- g a z« t" vom 7. d. M. folgenden Artikel: „Es ist nicht zu leugnen, daß die deutschen Heere der Wirtschaft- lichen Kraft Frankreichs und Belgiens tiefe und schwer zu heilende Wunden zugefügt haben. Die verwüsteten Landstrecken sind sowohl in Frankreich als in Belgien noch lange nicht wiederhergestellt und keines der Länder ist imstande, seine Auslandsschulden zu bezahlen. Die wirtschaftliche Wiederherstellung ist noch so weit rückständig, daß die Einfuhr noch immer die Aussuhr übertrifft. Dennoch bleibt die Frage offen. ob die interalliierte Konferenz in Paris wohl fähig ist, diese Sriegswundeu zu heilen. Werden Frankreich und Belgien, Deutschlands Nachbarn, nicht auf dos ärgste zu leiden haben unter den unheilvollen Wirkungen der deukschen Verarmung infolge der Beschlüsse der pariser Konserenz? Die belgischen und französischen Arbeller werden die ersten Opfer der Konkurrenz der deukschen Sulilöhne sein: die belgische und fron- zösische Industrie wird unter dem Unterbietungsmitbewerb zu- jammenbrechen müssen. Die Steuer von 1?. Proz. auf die deutsche Ausfuhr wird diese nachteiligen Folgen nicht zum. Verschwinden bringew Denn außerhalb der normalen Ausfuhr wird Deutschland Waren ausführen müssen, um die von der Pariser Konferenz aus erlegten Verpflichtungen zu erfüllen: dadurch wird die Konkurrenz mit Belgien und Frankreich verschärst werden. Jeder Absatz belgischer und französischer Erzeugnisse wird in Deutschland unnivg lich werden. Belgien und Frankreich werden wenig Freude au den Milliarden Gold erleben, die aus der Not der deutschen Arbeiterklasse heraus- gepreßt werden sollen; sie werden darin ersticken, ebenso wie heute Amerika und Westeuropa im Uebersluß von Erzeugnissen zu er- sticken scheinen. Das Proletariat darf sich, so schließt der Artikel, nicht betäuben lassen durch die„Milliarden Gold", welche in die laschen der herrschenden Klassen kommen werden. Das Proletariat muß im Interesse des Friedens und der wirtschaftlichen Wiederherstellung danach streben, die Kriegswunden zu heilen, indem Deutschland verguten muß, was vergütet werden muß, unter Anpassung an Deutschlands Kapstal- vermögen und Zahlkraft. Wo nicht» ist, verliert der Kaiser sein Recht und all« Gewoltmaßregeln find nicht imstande, aus Nichts— Etwas zu machen. Volksschule und„Freiheit*. Um die Tätigkeit des sozialdemokratischen Leiters des Unterrichtsministeriums herabzusetzen, bringt die unabhängige„Frei hell" die größten K uns stücke fertig. Nachdem Genosse Haenisch im„Vor- wärts" nachgewiesen hell, daß die gesamte Lehrerschaft der Meinung ist. es sei in den zwei Iahren sozialdemokratischer Minssler- schaft mehr für die Volksschule getan als in Jahrzehnten vorhex, behauptet die„Freihest", dies Urteil kompromittiere ja gerade die Sozialdemokraten, denn die Lehrerschaft sei reaktionär und wenn sie ihn lobe, so... und so weiter. Mit solchen Mitteln kann man allerdings immer recht behalten. Die„Freiheit" stellte aber dem Genossen Haenisch vier direkte Fragen, was er denn eigentlich für die Volksschule getan habe, nicht nur für die Lehrer. Dar- auf hat der Gefragt« der„Freiheit" solqende präzise Antwort geschickt, die wir wiedergeben, weil sie alle Leser des„Vorwärts" interessieren dürften: 1. In der Frage der£ehrerbildung ist den preußischen Volks- schullehrern die Universität zur Fortbildung in einem Umfange ge- öffnet wie bisher in keinem anderen deutschen Staat. Für die seit der Staotsumwälzung«ingerichteten Arbeitsgemeinschaf- t« n der Junglehrer, die in hochschulmähiger Weise arbeiten, sind im neuen Staatshaushaltsetat 460 606 M. ausgeworfen. Ein im einzelnen ausgeführtes Programm der künftigen Lehrerbildung ist im Dezember vom Unterrichtsministerium in der Landesversamm- lung vorgetragen worden und hat die Billigung sämtlicher Parteien, einschlleßllch der Unabhängigen, gefunden. Die prak- tische Durchführung dieses Programms hat übri-iens schon am 1. April 1020 beaonnen mit dem Ab�au der Präparanden- an stallen. Gleichzeitig ist ein neuer Lehr plan für den ersten Jahrgang der Zöalinge in den Lehrerbildungsanstalten geschaffen worden, der die Grundlag« zur neuen deutschen Ober- schul« bildet. 2. Zur Frag« der klassensreqnenz: Bisher galt ein« Schulklasse als überfüllt, wenn sie in der einklassigen Schule mehr als 80, in der Hälbtagsschule mehr als 70, in der mehrtlassigen Schule mehr als 60 Kinder zähste. Trotz dieser Zahlen wurden nach der letzten amtlichen Erhebung noch rund 1 Million Kinder in über- füllten Klassen unterrichtet. In dem neuen Lehrerbesoldunqs- gesetz wird der Staats, Zuschuß zu einer Lehrerstelle für je 6(1 Kinder aewährt. Eine Herabsetzung der Klassenbesetzung allein auf diese Zahlen wird die Schulverhättnisse für rund 2 Millionen Kinder verbessern. Außerdem gewährt ober das Gesetz auch Zuschüsse für Klassenbesetzungen bis herab zu 40 Kindern nach dem Stande vom 15. September 1920. Für die Landschulen ist eine noch weitere Her- absetzung vorgesehen, indem der Staatszuschuß für eine Lehrerstelle auch dann gezahlt wird, wenn die über 60 hinausgehende Kinder- zahl noch nicht erreicht wird. Da» war leider alles, was sich an- gesichis der kata�rophalen Finanzlage des Staates erreichen ließ: 8. Die Lehrbücher: In keine der seit 1919 neu gedruckten Auflagen von Lehrbüchern ist mehr dynastischer Anekdotenkram und öhnstches aufqenommen. Die früher im Geschichtsunter- r i ch t verwendeten Bücher wurden außer Gebrauch gesetzt. Eine von vier Fachleuten, unter der gutachtlichen Mitwirkung zweier be- deutender Historiker, ausgearbeitete Einführung in die neueste Ge- schichte, zunächst für die Hand der Lehrer, ist fertiggestellt und wird demnächst im Druck vorliegen. Eine vom demokratischen Geist ge- tragene Einführung in die Reichsversassung ist gleichfalls auf Ver- cinlassung des Ministerium» hergestellt und in einzelnen Schulen bereits im Gebrauch. Ein« sofortige und völlige Beseiti- gung aller alten Lehrbücher war aus äußeren und inneren Gründen undurchführbar. 4. Zur Berbilligutig her Lernmittel konnte trotz wiederholter energischer Bemühungen de» Unterrichtsministeriums bei dem Stande der Staats- und Reichsfinanzen bisher leider nichts erreicht werden._ Hinter verschlossenen Türen bargen sich gestern ln Berlln-Mitte die Deutschnotionalen im Berliner Stadthaus, wo ihr Par- teioorsitzender H e r g t reden sollte. Die Versammlung war so au- getündigt worden, daß man sie für eine öffentliche halten mußte. zu der jeder Wähler zugelassen wurde. Den Erschienenen wurden aber Einladungstarten oder Ausweise über Zugehörigkeit zur Deutschnationalen Dolksportei abverlangt, und wer kein? von beiden vorlegen tonnt«, mußte sich belehren lassen, die Versammlung sei nicht öffentlich, man könne ihn nicht als Gast zulassen, es sei nur ein enger Krei» beisammen. Offenbar hatte man Angst, dah es zu Auseinandersetzungen über den durch den„Vor- wücts" aufgedeckten Krach in der Deutschnatioualon Polt6»art»i komme« werde. Geweckjchsstsbewegung Ein Mahnruf an Sie Angestellten üer Reichs- unü Staatsbehörüeu. Von einem porteigenüsstschen Betriebsrotsmitglied erbalten wir in letzler Stunde nochmals die ernste Mahnung an alle Angestellten der Reichs- und Staatsbehörden, am 20. Februar zur Wahl zu gehen und dort ihre Stimme für die Sozialdemokratische Partei abzugeben. Der Verfasser bemerkt in seinem Mahnruf: Wenn wir die letzten Monate an uns vorüberziehen lassen, so zeigen die- selben nichts anderes als einen scharfen Kampf um die Wahrung der berechtigten Interessen der Angestellten und die gesetzlich der- brieften Rechte im Belriebsrätegeietz. Mit welchen Schikanen man versuchte das Betriebsrätegesetz durch Erlasse unmöglich zu machen und unter welchem Druck und mit welchen Mitteln man die An- gesiellienschafi aus den Behörden hinauszudrängen versuchte, dürfte wohl jedem Kollegen, vor ollem aber uns Betriebsräten, klar ge- worden sein. Wenn diese Mahnabmen nicht immer glückten, so ist dieses zum Teil nur möglich gewesen, weil vor alles Dingen das preußische Ministerium mit seinen sozialistischen Mitgliedern der bürgerlichen Reichsregierung oft genug in die Parade gefahren ist. Es handelt sich also darum, am 20. Februar einen Landtag zu schaffen, der zum mindesten eine ausschlaggebende sozialistische Ver- tretung erhält. Kollegen, einen wirklichen Rückhalt könnt Ihr heute nur in den Reihen der Vertreter der Sozialdemokraten finden. Diese empfinden und fühlen mit Euch, und wisien auch, wo Euch der Schuh drückt. Der Existenzkampf in dieser JJeit ist für Euch ein äußerst wichtiger und schwieriger ge- worden, und bei dieser Wahl gebt es um Sein und Nichtsern. Denkt daran,, wie kläglich Ihr heute geldlich abgefunden werdet, wie Ihr jeden Augenblick darauf gefaßt sein müßt, auf die Straße zu fliegen und wie mit einem Sieg der Reaktion Eure letzten Rechte binsälllg werden. Viele von Euch haben schon jetzt nicht genügend Mürel, um sich ein warmes Mittagbrot kaufen, viel weniger sick leiten verboten werden, ebenso wie an einem Trauertage, der an- läßlich des Pariser Diktats der Entente angeordnet werden soll. Auch siegen das Verbot von Lustbarkeiten in der Passionszcit wendet sich die Resolutio». Sie fordert, daß, wenn diese Verordnungen erlassen oder nicht zurückgezogen werden, den Musikern der durch dm Ausfall der Lustbarkeiten entgangene Verdienst aus Reichs- oder Staatsmitteln«setzt wsde und daß künstig vor dem Erlaß derartiger Verordnungen die Organisation der Musiker gehört werde. Zur Tarif bewegimg üer Gemein üearbeiter. Der Magistrat hat im der Sitzung am 12. Februar dem Schiedsspruch des SchlichtumgSauSschusseS Groß-Berlin zugestimmt. Die Urabstimmung in den Betrieben ergab nachstebendes Resultat: Abgegebene Stimmen: 41814, für Annahme 8 666 8, für Arbeitsniederlegung 5 866, ungültig 490. Die Bewegung hat damit ihren Abschluß gefunden. Kampf irr per Bürstemndustrie! Die in der Bürstenfabrikation besiMfiigten Arbeiterinnen und Arbeiter unterstehen einem 1919 abgeschlossenen ReichSiarif. Im November desselben JahreS erfolgten auf die in diesem Reichstarrf vorgesehene» Grundlöhne neue Aufschläge. Die Berliner Unter- uehmer erkennen aber den ReichStaris nicht an und weigern sich. diese Zuschläge zu zahlen. Alle Verhandlungen in dieser Frage sind an dem Starrsinn der Bürstenmacherunternebmer gescheitert. Nachdem dieser VeibandlungSzustand infolge der Hartnäckigkeit der Unternehmer und die Langmut der Arbeite, schalt jetzt monate- lang dauert, sahen sich die dem unterzeichneten Verbände ange- schtossenen Arbeiter und Arbeiterinnen gezwungen, für die Durch- sührung des ReichStarlfa in den Kampf zu treten. Die Kämpfenden fordern nun die übrigen Arbeiter auf, in dieiem Kampfe Solidarität zu üben. Unter kernen Umständen ist in Büritenfabriken Arbeit anzunehmen I Jede Strelkarbett ist selbst- verständlich abzulehnen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Rechtsverbindliche Lohntarife der Lederwirtschaft. Der zwiicheirdem Zentralverband der Angestellten und' den Arbeitgebervcrbänden«der Lederwirtschaft abgeschlossene Lohntarif vom 21. 10. und 27. 11. 1920 ist mit Wirkung vom 1. September 1820 ab vom ReichSarbeitSminifierium als allgemein verbindlich erklärt worden. Angestellt«, die nicht nach dieiem Lohn- tarif bezahlt werden, wollen sich an dre Fachgruppe 9 des Zentral- verbandes der Angestellten wenden. Achtung, Bauarbeiter: Die Brunnenbauer Groß-BerlinS stehen seit Montag, 14. Februar� wegen Lohndifferenzen im Streik. Da die Unternehmer versuch«� aus anderen Gewerben Streikbrecher heranzuziehen, werden alle baugewerblichen Arbeiter ersucht, darauf zu achten, daß Streikarbeit nicht verrichtet wird. Deutscher Bauarbeiterverband. Zweigverein Berlin. Berbiudlichkeitserklärung des Tarifabkommeus im Kohlengrohhandel. Au/ Verfügung des RsichSarbeitSministeriumS ist das Ab- kommen vvm 2. November 1920 zwischen dem Verband der Berliner Kohlengrotzhändler und dem Zentralverband der Angestellten als Nachtrag zum Tarifvertrag vom 31.'Januar 1920 für die kauf- mäiinischen Angestellten des Kohlengroßhandels für allgemein ver- bindlich erklärt worden.- Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit dem 1. November 1920. Auskünfte erteilt der Zentralverband der Angestellten, Belle« alllancestr. 7/10*_ In der Jarffetzung der Generalversammlung der Schuhmacher, die DienStag abend stattfand, teilte Herz zunächst mit, daß gegen die Wahl der OrtSverwaltung beim Zentralvorstand in Nürnberg P r o t e st eingelegt ist. Bis zur Neuwahl bleiben die Geschäfte in Händen der bisherigen Leitung. Auf Antrag Gericke wurden die Ereignisse in der letzten Generalversammlung vom 3. Februar auS- giebig erörtert. In der Debatte zeigte eS sich immer mehr, daß die nun veruneinigten Kommumsten ihre Zeit für gekommen er- achten, auch im Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands mit Hilfe des GewerlschafiSapparateS ihre von Moskau diktierten politischen Absichten zu verwirklichen. Ihr verunglückter Vorstoß in der letzten Generalversammlung war die Ursache, daß die auf dem Boden der Amsterdamer Internationale stehenden Mitglieder sich zur Abwehr zusammenfanden. Der Antrag Weiß, die OrtS- Verwaltung Parität rs.ch aus je drei Kollegen der drei Parteien zusammenzusetzen, um ein gedeihliches Zusammenarbeiten zu ermög- lichev, wurde zurückgestellt. Dagegen gelangte beim drillen Punkt der Tagesordnung ein lommunistiicher Antrag zur Annahme, in einer Mttgliederversommlung die Frage»Moskau oder Amsterdam?' zu erörtern. Dabei soll auch entschieden werden, ob der Verband Delegierte zu dem am 1. Mai stallfindenden Moskauer Gewerk» schaflSkongreß entsendet. Einmütig gewählt wurden die Mitglieder für die Torifkommisfion. für das ArbeitSnachwers-Kuratorium und für die Beschwerdekommiision. Mit den Richilinien für die Arbeitsordnung soll sich eine Betriebsräte- und Funktionär konferenz be- schästigen. Ueber die diesbezüglichen Verhandlungen mit den Unternehmern referierte Herz. Hierauf wurde die Versammlung geschloffen. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Die für DounerZ- tag, den 17. Februar 1921, angesetzten Bezirksveriammlungen fallen aus. Wir bitten die Kollegen, alle zu unserer Generalversammlung, welche abendS 6 Uhr, in BökerS Festsälen stattfindet, zu ericheinen. Die OrtSverwaltung. ttarifmiliiuische Angestcllt- und Werkmeister der Teztilindustrie, Färberei«» und chemischen Waschanstalten! Freitag, den tS. Februar, abends Uhr, iu der Reuen Philharmonie, Ruhmessaal. tlöpenicker Sie. 96,'97, Asa-Versammlung sämtlicher Angestellten der vmaen Industrien. Tagesordnung: Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches?— Asa-Bund, Ortskartcll Sroß-Berlin. Angestellte de» Buchhandel», de, Kunst, und Mufikalienhaudel«! Freitag, den 18. Februar, abends IVi llhr, in der Brauerei Habel, Großer Saal, Berg» mannstr. S/7, Oeffetüllcht Versammlung sämtlicher Angestellten dieser Branche. Tagesordnung: Bericht Uber die Verhandlungen mit de« ArbKtgeberverband. Deutscher Transportarbe ller-B erb and. Handelshilksarbeiter und«rrb eits- rinnen der Gruppe VI aus den Betrieben der Herreuwäsche.. Krawatten- und Schirmbranche! Freitag, den 18. Februar, nachm. Zih Uhr, im Lokal von Witte, Postltr, 29. Gruppennersanrmlung.— Branche Glas- und Keramischer Groß- Handel! Am Freitag, den 18. Februar, abends 6 Uhr, bei ffeqfaro, Melchior» straße 15, Vollversammlung.— Gruppe 0«Jc und Fette! Freitag, den 18, Fe» bruar, abends 7 Uhr, im Lokal von Prasser, MIchaeMrchstr. 29. Versammlung, Tagesordnung wird dortselbst bekanntgegeben. Vollzähliges Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. Kein Betrieb dars fehlen.— Die Gruppenführer. vetrirbsrit«, Angestclltcnräte und Beiriebsoblcute. welch« Mitglieder de» ?entralverbande» der Ange st eilten sind und den Fachgruppe, IIIS(Metalli angehöi 7 Uhr, in Havellands der Delegierte« Gruppenrat. Zeutraluerband der Angestellten. Donnerstag, den 17. Februar: Buch- bruaerei, Buchbinderei: abends 7 Uhr Mitallcderversammlung, Jerbanbslokal, Belle-Allionce-Str. 7l1ll.— Einzelhandel: abends 7ij Uhr MitgIieds>7»ersamM» lung Sophieusäl«, Sophienstr. 17/18.- Gas-, Elektrizitätswerke und Häsen: abends 6 Uhr Mitgliederversammlung Stadthalle, Klosterstr. 47/58.— Kranken» �mittag» llsh Uhr Oessentliche Versammlung Eewerkschaftshaus, lassen: na Enaelufer 15.— Pelzwaren: nachm. 5>,ö Uhr Funktionärvcrsammlung Schuir» heiß. Brücken str. 6K, Eck- Iannowihbrücke.— Iug'endgruppe Osten: abend« 7 Uhr Mitgliederversammlung Gemeindeschule, Koppenstr. 8t.— Seifenhandel: abends 8 Uhr Mitgliederversammlung Sophienslile. Sophirnstr. 17/l8.— Freitag, den 18. Februar: Provinzial- und Gemelndebehärden: abend« V,'t Uhr Funktionär» Versammlung Schultheiß, Reue Iakobstr. 24 25.— Nahrungsmittel» und Wirt» lchastsgenoffcnschaften: abends 7 Uhr Oeffcntlichc Versammlung Schulaula, Friedrich. Wikhelm. Glimnaüum, Kochstr. 18.— Betriebsräte, Angeftelltenräte und Betriebsebleute: Besprechung und Delegiertenwohl zur Generalversamm» lung der Betriebsräte abends 7 Uhr Havellands Festsälc, Reue Friedrichstr. 85. Verantw für den«da«. Teil- Et. Werurr B eiser. Eharwttendurg! für Anzeigen Tb Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag IS.«i. d.O.. Berlin Druck: vor- wärlS-Buchdruckerei u. Verlagsansi ol» Bon! Singer u. To.. Berlin. Lmde istr. 8. Hierzu l vciloge. iX-t fifiöl&n in 6 roß 58 ße/-//ir7- "�Assniianii Union Lorcley otto Ernsf