Nr. 81 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 41 Bezugspreis: Bierteljährl. 30,-., monatl. 10,-. fret ins Haus, Doraus zahlbar. Post. bezug: Monatlich 10,- M., egil. Bu stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich 16,50 M, für das übrige Ausland bet täglich einmal. Buſtellung 21,50 M. Poftbe stellungen nehmen an Defterreich, Ungarn Tschecho Glowatei, Däne mart. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Bost- Zeitungs- Preisliste. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit" und der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" erscheint whentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm Adresse: Sozialbemotrat Berlin". Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 30 Pfennig Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezelle Loftet 5,50 M.„ Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Bort 1,50 M.( zuläffig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 1,-. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Bort 1-, jedes weitere Wort 60 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 3,- 2. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für die nächste Shimmer mtiffen bis 5 Uhr nachmittags in Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Morigplay, Mr. 15190-151 97 Freitag, den 18. Februar 1921 Vor den Reichstagswahlen haben die bürgerlichen Parteien die Aufhebung der Zwangswirtschaft gefordert und dafür dem Volke versprochen: Billige Kartoffeln Billiges Fleisch Billige Eier Billiges Brot Aufblühen der Wirtschaft usw. usw. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Morigplaz, Nr. 11753-54 Der 20. Februar und die Republie Bon Eduard Bernstein. Nach den Wahlen aber haben sie, trozdem sie allein in der 20. Februar für Preußen und weiterwirkend für ganz Deutsch Reichsregierung fißen, dem Volke gebracht: Steigerung der Kartoffelpreise auf 60 Pf. das Pfund Steigerung der Fleischpreise auf 25 M. das Pfund und mehr Steigerung der Eierpreise auf 4 M. das Stüd Steigerung des Brotpreises auf 14,50 M. das Laib( wozu das Reich 10 M. aus allgemeinen Mitteln hinzuzahlt) Stillegung der Betriebe und Arbeitslosigkeit ohne Ende! Vor den Preußenwahlen kommen dieselben Parteien mit ähnlichen Versprechungen. Wer will ihnen diesmal wieder auf den Leim gehen? Jede Stimme für die Deutschnationale oder die Deutsche Volkspartei bedeutet eine Vollmacht für weitere Steigerung der Lebensmittelpreise, für Arbeiterentlassungen, für Volksentrechtung, für Verhinderung des Aufstiegs, für Wiederherstellung der alten Knechtschaft und der junkerlich- kapitalistischen Fron! Wähler! Gebt den den verdienten Fußtritt und wählt sozialdemokratisch! Die lebenswichtigen Fragen, welche durch die Wahl von land zur Entscheidung kommen sollen, laufen in die eine große Frage der Befestigung der Republik zusammen. An ihr hat feine Gesellschaftsklasse ein größeres Interesse, als die Klasse der Arbeiter in Werkstatt und Kontor, in der Grube der geistigen Bildung. Wie die Parteien zur Republik stehen. und auf dem Felde, in Verkehrsanstalten und in den Stätten danach haben die Arbeiter und alle, die der Partei der Arbeiter angehören, ihre Stellung zu ihnen zu bestimmen. Wir haben in den deutschen Ländern, die zusammen die Reich genannte deutsche Bundesrepublik bilden, wie in dieser selbst noch nicht die sozialistische, sondern nur erst die demotratische Re publit. Wir können aber auch heute noch nicht mehr haben. Es ist ein Wahnsinn, fich einzubilden, eine fo tiefgreifende Umwälzung, wie sie die Umgestaltung der in Jahrhunderte währender Entwicklung gewordenen bürgerlichen Volkswirtschaft und mit ihr organisch verbumdenen Rechtseinrichtungen in eine sozialistische Gesellschaft bedeuten würde, könne das Wert einiger Jahre sein. Diese große Umwälzung fann nur das Ergebnis einer ganzen Reihe von schrittweise sich vollziehenden organischen Reformen sein. Alle Versuche, sie durch willkürliche Gewaltatte über Nacht zu ver wirklichen, müssen notwendig scheitern und würden statt in Fortschritt in Reaktion enden. Die organische Entwicklung zum Sozialismus aber ist in feiner Staatsordnung ficherer verbürgt, als in der demokratischen Republik. Es ist feine Uebertreibung, fondern nur die Zusammenfassung der auf Erfahrung gegründeten Erkenntnisse des wissen schaftlichen Sozialismus, wenn man fagt, daß in Ländern moderner Entwicklung die demokratische Republik den unausrottbaren, mit der Notwendigkeit von elementaren Kräften sich durchseßenden Trieb zur sozialistischen Gesellschaft in sich trägt. Das ureigenste Interesse der Arbeiterklasse, ihre Gegen Anfragen aus dem Kreise Teltow machten uns darauf aufwart wie ihre Zukunft erheischen die Erhaltung und organischmertiam, daß die Polizeibehörden ein merkwürdiges fortschrittliche Weiterbildung der Republik. Und so haben sich Interesse für unsere Drganisationen an den Tag daher die Parteien, die am 20. Februar um die Stimmen der Deutschnational- kommunistische Athleten. legen. Sie ersuchten um Angabe ber Mitglieberzahlen, Wähler fämpfen, ganz besonders auch auf die Frage zu prü fen, wie sie zur Republik stehen. Sie ist unter dem Gesichts= Mit jedem Tage, den die Wahl näher rückt, wird die der Namen und Adressen der Vorstandsmitglieder, u. a. mehr. Wir sind dieser Sache nachgegangen und haben festgestellt, daß punkt der aktuellen Politik sozusagen die Restfrage des Wahl Freundschaft und gegenseitige Bewunderung zwischen Komden Ortspolizeibehörden vom 2 anbrat des Kreises Teltow ein tampfes. munisten und Deutsch nationalen größer. Wir zi- Schreiben zugegangen ist, dessen wesentlichen Inhalt wir im folgentieren zwei Aussprüche prominenter deutschnationaler Berfammlungsredner. Die Eisenbahner sollen wählen!. Der Reichsverkehrsminister hat, wie Wolffs Bureau meldet, die Eisenbahndirektionen angewiefen, dem Eisenbahnperfonal die Beteiligung an den Wahlen zum preußischen Landtag in weiteftem Umfang zu ermöglichen. Das Personal wird von dieser Anordnung in weifeftem Umfange Gebrauch machen, und zwar wird es in der Mehrheit sozialdemokratisch wählen! Reinhold Bulle, deutschnationales Reichstagsmitglied, am 4. Februar in einer Wählerversammlung zu Dahlem:„ Ein fommunistischer Führer in Erfurt hat mir gesagt, es hätten jetzt nur noch zwei Parteien in Deutschland Existenzberechtigung, die fommunistische und die deutsch nationale. Ich möchte hier. mit erflären, daß ich diese Anschauung vollinhaltlich teile." Staatsminister a. D. Hergt, deutschnationaler Parteivorsitzender und Landtagsabgeordneter, am 16. Februar in der deutschnationalen Wählerversammlung im Stadthause Berlin: ,, Bor menigen Tagen, als ich im Liegniger Bezirk sprach, trat nach mir ein Kommunist auf und führte in sehr idealster Weise, wie es manchmal Kommunisten tun, die Unterschiede zwischen der äußersten Rechten und der äußersten Linken aus. Da begann er mit der Anerfennung: er und seine Leute achten an uns unsere Entfchloffenheit, Energie und Offenheit, mit der wir unfere Ziele verkündeten. Ja, sie hätten Respekt vor uns; wir wären wenigstens ganze Kerle.( Heiterkeit.) Was freilich in der Mitte zwischen den beiden Aeußersten läge, sei schwammig( Sehr richtig!), und nur wir fönnten einen ernsthaften Widerpart abgeben. Bei ihnen nun fände sich dieselbe Energie. zeugt, daß der Parlamentarismus Quatfch iff, anderer feits bitte ich Eudy, mich ins Parlament zu wählen. Nummer 2 wird noch tonfuser wirken als Nummer 1! 83 Was soll das bedeuten? den wiedergeben: Der Landrat des Kreises Teltow. L. I. 225. Berlin W 1, den 27. Januar 1921 Viktoriastraße 18. Wie steht es nun da mit den Parteien? Als unverkenn bare Feindin der Republik steht die Deutsch nationale Partei da, sobald die Berhältnisse es ermöglichen jeden Augenblid bereit, ihr deh Dolchstoß zu verseßen. Nicht als offene Feindin, aber auch nicht als vertrauenswürdige Stüße steht zu Auf Anordnung des Herrn Oberpräsidenten der ihr die sich Deutsche Boltspartei nennende Partei der Proving Brandenburg ersuche ich, für den dortigen Bezirk eine Nationalliberalen. Sie hat die Republit akzeptiert, weil sie da Uebersicht anzulegen über die dort bestehenden politischen ist und die Wiederherstellung der Monarchie vorläufig ause Parteien und wirtschaftlichen Verbände, Namen und Wohnung fichtslos ist. Aber als die eigentliche Partei der Großindustrie, der parteischen Führer, Angabe der Parteibureaus, deren Telephon- der Großbanten und der privilegierten Wissenschaft ist diese nummern, die Stimmenzahl bei Wahlen, Aufzählung größerer Fabriken und sonstiger Betriebe, deren Leiter, Angestelltenzahl, Telephonnummern, zuständige Technische Nothilfe. Dabei sind ferner anzugeben die bei Unruhen zum Schuß heranzuziehenden staatlichen Organisationen, wie Reichswehr, Polizei, deren Führer und Standort, Technische Nothilfe ust. Diese möglichst fura gefaßte Uebersicht, die aber alles wesentliche enthalten muß, ersuche ich tunlichst bald einzusenden. Ferner erfuche ich, Meldungen der lokalen Bresse, die einzelne Ereignisse in ihrem Bezirke betreffen, die für öffentliche Drdnung von Wichtigkeit sind, mit einem furzen erläuternden Bericht versehen, einzusenden. An sämtliche Drtspolizeibehörden des Kreises. gez. b. Achenbach. Wie wir weiter in Erfahrung gebracht haben, ist der Erlaß, Das Ganze erinnert an gewisse Schaubühnen auf Rummelplätzen, vor denen zwei„ Athleten" mit Papiermuskeln sich auf den das Schreiben des Landrates des Kreiſes Teltow Bezug gegenseitig herausfordern, wobei jeder den anderen über den nimmt, weder vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, grünen Klee lobpreiſt, damit hinterher sein Sieg um so groß noch in feinem Auftrage gezeichnet! Die Berordnung trägt viel artiger erscheine. Das Publikum freilich durchschaut den mehr die Unterschrift eines Freiberrn von Dungern und ist Schwindel und ruft: Phiole, Falle, Schiebung! sogenannte Bolkspartei im Herzen ebenfalls antirepublikanisch gefinnt und daher jederzeit fähig, die Republik zu verraten. Jeder Erfolg dieser beiden Parteien würde eine Schwächung der Republik bedeuten. Etwas anders steht es mit 3entrum und Deutschdemokraten. Sie haben die Republik nicht bloß deshalb akzeptiert, weil sie da ist. Sie stehen auch zu ihr, weil sie wissen, daß die Wiederherstellung der Monarchie in Deutschland nicht möglich ist ohne gleichzeitige allgemeine politische Reaktion und daß der Versuch der Wiederherstellung auf den leidenschaftlichen Widerstand der Arbeiterklasse stoßen und Kämpfe hervorrufen würde, wie sie erbitterter Deutschland noch nicht gefannt hat, über Deutschland einen Zustand der Anarchie im schlimmen Sinne dieses Wortes heraufbeschwören würde. Aber bei alledem ist das Verhältnis dieser Parteien zur Republik doch nur ein wesentlich äußerliches. Sie ist ihnen allenfalls Vernunftssache, aber ist ihnen nicht Herzenssache. und darum ist nicht darauf zu rechnen, daß sie in Stunden Um aber den tiefften politischen Sinn dieser Seelenbrüderernster Gefahr mit Aufbietung all ihrer Kraft für fié fämpfen schaft zu begreifen, muß man sich der hier unlängst zitierten werden. Im Gegenteil muß man von einem großen Teil der Anhängerschaft dieser beiden Mittelparteien gewärtig sein, daß Worte der Kreuzzeitung" erinnern, daß die Beseitigung der Aus den übrigen Streifen find uns derartige Vorgänge bisher rechnung, so doch aus Schwäche, gleichfalls verraten wird. er in solchen Krisenzeiten die Republit, wenn nicht aus BeSozialdemokratie aus der Regierung leider diesmal so ich wer sei, weil zweifellos eine Verschiebung im sozial nicht bekannt geworden. Die Arbeiter empfinden dieses Borkommnis, ganz abgefehen Natur ihrer Politik und Ziele nach republikanisch sind heute Aus voller Ueberzeugung, ihrem ganzen Wesen, der demokratischen Lager zugunsten der Sozialdemokratie a uf Kosten der Linksradikalen stattgefunden habe. davon, daß der Wiültür Tür und Tor geöffnet wird, als eine nur die sozialistischen Parteien. Aber sie sind es in verMan möchte die unentbehrlichen Linksradikalen gern wieder empfindliche Bedrohung ihrer Rechte. Bittern einzelne Herren schiedener praktischer Betätigung und daher auch in verschiede bereits Morgenluft? Rechnet man mit dem Ausscheiden der Sozial- ner Rückwirkung auf die Entwicklung und innere Festigkeit ein bißchen hochpäppeln! demokraten aus der Regierung? der Republik. unter Umgehung des Regierungspräsidenten direkt an die Landratsämter mit der Aufforderung gefandt worden, die gewünschten Angaben dem Freiherrn von Dungern, Charlottenburg 5, Kaiserdamm 1, zu übermitteln. Zwei Konfusionsräte. Wir empfehlen dem Genossen Sebering die eingehende Die Kommunisten find Gegner der demokratischen Die„ Rote Fahne" bringt unter der Ueberschrift„ Der Kon- Prüfung dieser Angelegenheit. An die Wähler aber richten wir Republik, wie diese heute besteht und auch heute nur möglich fufionsrat" bas Bilb eines K.A.B.D.- Redners am Bult, der folgen- bie eindringliche Mahnung, am 20. februar ihre Stimme der ift. Sie wollen nicht burch die organische Entwicklung dieser Des sagte:„ Arbeiter! Einerseits bin ich der Ansicht, daß wir jede Sozialdemokratie zu geben, damit es auch in Zukunft Republik zu einer höheren Gesellschaftsform gelangen, sondern Gelegenheit zur Propaganda unserer Ibeen benügen müssen. An- möglich ist, jeder reaktionären Bestrebung, die fich irgendwo in der durch ihren gewaltsamen Sturz und eine neue KlassenherrVerwaltung bemerkbar macht, entgegenzutreten. schaft, die sie Diftatur des Proletariats nennen. Um der Der dererseits glaube ich, daß die Wahlbeteiligung Quatsch ist..." Wir fönnen der Roten Fahne" gleich ein Bendant hierzu meintlichen Zauberfraft dieser Diktatur willen stellen sie sich Reich verweigern sie ihr die Mittel der Existenz, bereiten sie " liefern. Wir schlagen als solches vor einen Kandidaten der B.K.P.D. Der Tod des Postefels. Nach der Berl. Börsen- 3tg." stellt die der gegebenen Republit grundsätzlich feindselig gegenüber. Im am Rednerpult mit folgender Ansprache: Einerseits bin ich über- Zeitung Die Boft" zum 1. April ihr Erscheinen ein. I ihr nach Möglichkeit Schwierigkeiten, spekulieren sie auf die Verschlechterung der Zustände, weil sie von ihr die Herstellung der Situation erhoffen, aus der die erstrebte Diktatur hervorgehen würde. Wohl haben neuerdings Kom- munisten in einigen Klein- und Mittelstaaten, wie Sachsen, Thüringen usw. eine der demokratischen Republik günstigere Haltung eingenommen. Aber das sind nur erst Ausnahmen, Schwalben, die, wenn sie auch Boten einer Zerbröckelung des kommunistischen Schwarms sind, darum noch nicht den Som» mer machen. Für diejenige politische Arbeit, wie die Republik sie für ihre gesunde Entwicklung braucht, ist auf die Kommu- nisten kein Verlaß. Nicht viel anders steht es aber heute auch mit den Un- abhangigen. Sie sind, nachdem sie neun Zehntel der Moskauer Bolschewistendoktrin akzeptiert hatten, im Angesicht des zehnten Zehntels entsetzt zurückgewichen, haben aber den Weg zur alten sozialdemokratischen Politik noch nicht zurück- gefunden. Ohne sich der Republik schlechthin feindselig gegen- überzustellen, zeigen sie doch keine Bereitwilligkeit, den Not- wendigkeiten der Republik die Bequemlichkeiten der Oppositionsstellung zum Opfer zu bringen. Wer aber zu diesem Opfer nicht bereit ist, der ist in bezug auf die Republik immer nur erst ein Halber. In anderem Sinne als bei den Demokraten und Zentrumsleuten, aber darum doch der Sache nach, ist auch bei den Unabhängigen und Kommunisten für den Bestand der Republik kein voller Verlaß. Wenn es zum Aeußersten kommt, dann werden sie voraussichtlich, das hat ihr Verhalten beim Kapp-Putfch gezeigt, mit ganz anderer Energie als jene den Feinden der Republik Widerstand leisten. Aber alles das zu tun, was notwendig ist, daß es gar nicht erst zum Aeußersten kommt, dazu wollen sie sich nicht ent- schließen. Sie setzen damit das Schicksal der Republik den Wechselfällen von Zusammenstößen, von denen nur das eine sicher ist. daß sie auf den Fortschritt hemmend und verzögernd zurückwirken, die aber leicht noch weit schwerer wiegende Schädigung der sozialen Entwicklung zur Folge haben können. In jeder Hinsicht Stütze, ja Pfeiler der Republik ist dagegen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die alte S.P.D. Ihre Politik ist auf die Förderung und Sicherung der Republik unter allen Um- ständen eingestellt, für das Werk der organischen Ar- b e i t in Gesetzgebung und Verwaltung ebenso entschieden wie für die Verteidigung in Augenblicken der Krisis. Sie ist, das darf man ohne Ueberhebung sagen, die Partei der deutschen Republik» in dieser Eigenschaft heute auch von allen einsichtigen Politikern des Auslandes anerkannt. Welche Zu- geständnisse aber das Ausland Deutschland zu machen bereit ist, wird es nur dem als Republik gefesteten Deutschland machen. Darüber kann niemand zweifeln, wer die Presie des Auslands aufmerksam verfolgt und Gelegenheit hat. mit fach- kundigen Politikern des Auslandes zu sprechen. Nichts Schlimmeres könnte den Deutschen als Nation passieren, als ein Wahlsieg der Partei, die sich deutschnational nennt. Denn daß das Ausland sich durch deren großen Mund einschüchtern lassen würde, kann man nur politischen Kindern einreden. Es würde aus ihrem Sieg vielmehr nur den Schluß ziehen, daß am deutschen Volk Hopfen und Malz verloren ist und es da- nach behandelt werden muß. Der Ausgang der Wahl in Preußen, das mehr als drei Fünftel der Bevölkerung Deutschlands umfaßt(37 von kl) Mil- lionen Seelen) wird allerorts als ein Gradmesser der politischen Parteiverhältnisse in Deutschland betrachtet. Es ist daher unter dem Gesicbtspuntt der inneren wie der äußeren Politik von größtem Wert für unser Volk und obenan für die deutsche Arbeiterklasse, daß der 20. Februar in Preußen ein Siegestag für die Republik fein wird. Tue jeder noch in letzter Stunde das Seinige, ihn zu einem solchen zu gestalten. Nichts Besseres aber kann der Arbeiter und Sozialist tun, der die Notwendig- keiten und Aufgaben der Zeit erkannt hat, als wenn er bis zum letzten Augenblick wirbt für die Partei, mit der das Wohl und Wehe der deutschen Republik aufs engste verbunden ist. die Sozialdemokratisch« Partei Deutschlands! Not, öie zum Gimmel schreit! Hunderttausende deutscherKinder leiden an chroni- scher Verkümmerung infolge Unterernährung. Die Kriegsnot hat sie im Wachstum siech gemacht. Millionen deut- scher Frauen wissen nicht, wie sie sich selbst und ihre Kinder mit dem Notwendigsten kleiden und nähren sollen. Ist das die Not, die zum Himmel schreit? Keineswegs— es gibt eine noch größere, denn die deutschen Hohenzollern-Anbeter weinen Tag und Nacht bittere Tränen über die Armut und das Elend, das über ihren Wllhelm und seine Familie hereingebrochen ist. Da druckt die „Kreuzzeitung" heulend folgende Stilblüte aus dem Blättchen des„Bundes der Aufrechten" nach: Wer in Haus Doorn war, erzählt immer wieder von der Enge der Räume, die ja bei der Krankheit der Kioserin ganz besonders drückend ist.... So wurde denn beim Finanzministerium Mitte Dezember die Lieferung von Gegenständen aus königlichen Beständen beantragt. Antwort: Glatte Ableh- nung. Es erscheine nicht tunlich, die„allgemeine Aufmerksamkeit" erneut auf„Transporte nach Doorn" zu lenken! Da es sich nur um Hausrat einfach st er Art handelte, der aber bei dem Geldstande in Holland ganz ungewähnliche Kosten fordern würde, und da ein Transport solch einfachster Art doch wirk- lich nicht gerade.aufreizend" wirkt, so wurde der Antrag bei der roten Regierung erneut gestellt. Die rot« Regierung aber antwortete trotz alledem wieder mit einer glatten Ablehnung... Für Doorn waren erbeten: 18 Taselstühl«, 12 Zogpendel- Veleochkunge», 5 Deckenbeleuchtungen mik Glasschirmen. 6 Schiffs- deckenbeleachtungen, 12 Schirme für Nachttischlampen. 1 elektrische Lauslampe, 6 Spirituslampen, 12 Oelwandlampen. 2 Petroleumlampen, 2 Paar Filzschuhe, 6 Nachttisch», 6 kleine Tische, 2 Waschtoiletten, 2 Besenschränke, 12 Gardinenstangen mit Konsolen. 12 Rohrstühle, 100 Seidcnschirme für elektrisches Kerzenlicht. Es ist wirtlich wahr: die„Enge der Räume"" im S ch l o ß Doorn— im Niederdeutschen nennt man die Herrensitze viel- fach„Haus"— ist bei der Krankheit der Frau von Hohen- .zollern so„besonders drückend", daß man, um Raum zu schaffen, schleunigst noch 18 Tafel stuhle, 6 Nachttische, noch 6 Tische und eine Menge Beleuchtungsmaterial fordert, das in Deutschland wohl einigen Dutzend Familien sehr reichlich Licht spenden würde! Die Not ist wirklich groß... Noch größer ist freilich die Gefühlsrohelt jener An- Hänger Wilhelms, die in Deutschland mit dem kranken Körper der Exkaiserin politischen Schacher treiben. Wie der Deutsche Bauernbund dem BT. schreibt, wird von der D e u t s ch n a t i o n a l e n Vo l k s p a r t e i zu der bevor- stehenden Reichs- und Landtagswahl in Ostpreußen folgendes mit Schreibmaschinenschrift hergestellte S ch r i f t st ü ck ver- breitet, das angeblich einen Auszug aus einem Schrei- den des Prinzen August Wilhelm darstellt: „Denken Sie. diese schmachvolle Regierung will die Ueber- führung meiner armen Mutter bei Tage verhindern. Gröner sagt, seine Leute würden streiken: Broun erklärt: Alles wird durch die Reichswehr abgesperrt, damit die Bevölkerung nicht teilnehmen kann. W e i s m a n n sagt: Früher hätte man Liebknecht und Rosa Luxemburg auch nicht mit allen Ehren beisetzen lassen (gelogen, denn Bebel und Singer wurden im Triumph durch den Tiergarten geschleift). Dies muh mündlich schnell verbreitet«erden. Bitte, helfen Sie uns dabei, damit in weiten Kreisen diese Schamlosigkeit bald bekannt wird. Ebert erklärt: Sie ist eine preußische Person und geht mich nichts an.— Wie es mir als Sohn dabei ums Herz ist, können Sie sich denken. Stets dankbarst Ihr August Wllhelm, Prinz von Preußen." Der I n h a l t des Briefes ist selbstverständlich erlogen. Der Verfasser— wir wissen nicht, ob wirklich der August Wilhelm selbst es ist— muß sich bereits heute durch Wolffs Bureau amtlich bescheinigen lassen, daß der R e i ch s p r ä s i- d e n t die ihm zugeschriebene Aeußerung niemals g e- t a n hat. Und die gleichen Erklärungen werden wahrscheinlich bald von den anderen Genannten erfolgen. Es handelt sich bei dem Schriftstück ja auch nur um eine Wahlmache, die um so schamloser ist, als die Exkaiserin nochnichteinmaltot ist. Man kann das Ableben der„edlen Dulderin" augenscheinlich gar nicht erwarten. Welche abgrundtiefeSohnes- g e s i n n u n g man durch die Fälschung dem Zollernsprößling August Wilhelm unterschiebt, ist den Deutschnationalen äugen- scheinlich gar nicht zum Bewußtsein gekommen. Aber ein Wort im Vertrauen: Warum suchen sich Wll» Helm und seine Söhne nicht endlich eine ehrliche Beschästi- gung? Warum wollen sie sich immer noch von hungernden Bolksmassen ernähren lassen? Außer dem Regieren haben sie zwar nichts gelernt und das nur sehr schlecht. Aber so mancher Offizier hat heute schon einen bürgerlichen Beruf er- lernt, warum suchen sich die Zollern nicht auch Beschäftigung als Handwerker oder als Angestellter? düngemittelsthkeber im ganzen Reich. lieber die Verschiebung von Düngemitteln in« Ausland'.eilt da« Landespolizeiamt beim Ministerium des Innern mit: Diese Schiebungen werden bereits seit mehreren Monaten ener» gisch verfolgt und haben zu zahlreichen Festnahmen an verschiedenen Plätzen des Reichs geführt. Unter anderem wurden vor einiger Zeit»in H i l f s r e s e r e n t der hiesigen Außenhandels- stelle für Chemie namens Ritzefeld und seine Amtsoorgängerin Fräulein R a b e u s verhaftet. Die letztere hatte nach ihrem Aus- scheiden aus der Außenhandlsstelle mit dem Kaufmann Hen» nicken» in Charlottenburg. Wielandstr. 38, die„American Che- mical-Produkts" gegründet. Beide betrieben einen umfangreichen Export mit Düngemitteln. Die Ausfuhrbewilligungen„besorgte" der in die Außenhandlsstelle hineingeschobene R i tz e f« l d gegen entsprechenden Gewinn. Eine Bewilligung aus dieser Quelle ging nach Köln, von da nach Lobberich in die Hände eines Spediteurs und wurde dann in Holland mit falschen Skempela der Eifenbahngüterverwoltung versehen. In Köln führte der frühere österreichische Konsul Dr. Leschanowski die not- wendigen Geschäfte. Wegen dieser Borgänge schwebt gerichtliche Voruntersuchung in Köln. Ein großer Tell der Beschuldigten be- findet sich in Haft. In Frankfurt a. M. wurde vor kurzem der Kaufmann M. Rothschild wegen Verschiebung von Chemi- kalien nach Holland dem Richter vorgeführt, aber gegen eine Sicher- heitslcistung wieder in Freiheit gesetzt. Rothschild benutzte nicht gefälschte Aussuhrbewilligungen, sondern sogenannte st a t i st i s ch e Erklärungen, die von den Zollämtern auf Grund vorgelegter Einfuhrbewilligungen ausgestellt werden. In dieser Angelegenheit wurden im Hamburger Hafen große Mengen von Chemikalien und Medikamenkeu beschlagnahmt. die teilweise von einer süddeutschen Großbank beliehen sind. Wegen ähnlicher Schiebungen, in die Beamte der Kaliindustrie Mitteldeutschlands verwickelt sind, befindet sich ferner ein Kaufmann Sattler im Berliner Untersuchungsgefängnis. Auch gegen die Firma R o o s u. C o. in Berlin. Voßstr. IS. schwebt ein Verfahren wegen verbotener Ausfuhr von Chemikalien nach Amerika auf Grund gefälschter Ausfuhrbewilligungen. ReaMonäre venunsiantenmache. Wir haben schon wiederholt Veranlassung genommen,' darauf hinzuweisen, daß die Reakttonäre ; in Ermangelung einer sachlichen Wahlparole zu den niedrigsten Ver- dächtigungen greifen und auf Grund dunkler Angebereien die Amts- i führung der ausgeschiedenen sozialdemokratischen Reichsminister zu diskreditieren suchen. Mit besonders plumpen Mitteln geht die I„Deutsche Zeitung" ins Gefecht. Sie behauptet, daß unter der Lei- hing Robert Schmidt«, natürlich unter Assistenz des Herrn Staatssekretärs Hirsch ein Lebensmitteleinfuhrgeschäft mit Belgien gemacht worden fei, bei dem da« Reich«inen Verlust von 17 5 Millionen Mark erlitten habe. Dieser Vertrag llt von der Eisenbahnverwaltung Elberfeld, nicht vom Genossen Robert Schmidt abgeschlossen worden durch«inen Vertreter des vreußifchen vertehrsministeriums, das zur damaligen Zelt(30. Juni ISIS) nicht in sozialdemokratischen Händen war. Staats- sekretär Hirsch war, wie schon bei anderer Gelegenheit festgestellt wurde, im Ernährungswesen niemal» tätig, sondern der konservative jetzige Entwasinungskommissar Dr. Peters. Es ist ja anzunehmen, daß der Reichsernährungsminister sich bis nach den Wahlen Zeit lassen wird, um die Angelegenheit sachlich aufzuklären, vielleicht wird sich bei dieser Aufklärung auch herausstellen, durch welche Hände derartiges zweifellos rein amtliches Material zur„Deutschen Zeitung" gelangt ist. Die Kultur als Kollektivarbeit. Don Peter Krapotkin »rapotttn wirb— voraussichtlich— in zwei Werken forlleben: ber wirklich povulilren weschtchi« der frunziisifchen Sievolution und in dem auf einaehendcn Studien beruhenden Buche.Gegenseitig« Hilfe", worin er nachweist, dag in der ganze» lebenden Natur ein grnosscnschaflliches Prinzip neben und Uber dem«ompf um. Dasei» sich durchsetzt. Seine geseUschasUiche» Ideal» hat er dagegen in dem..Wohlstand für alle" entwickelt, einer edlen Utopie, au» der wir«ine Probe geben. Es gibt nichts, und sei e, ein Gedanke oder eine Erfindung, was nicht Kollektivarbeit wäre, was nicht in der Vergangenheit und der Gegenwart zugleich seinen Ursprung hätte. Tausend« von Er- findern, bekannt oder unbekannt, gestorben im Elend, haben die Erfindungen dieser Maschinen, in denen der Mensch von heute sein Genie bewundert, vorbereitet. lausende von Schriststellern, Dichtern und Gelehrten haben an dem Aufbau unseres Wissens, an der Beseitigung der Irrtümer, an der Schaffung jener wissenschaftlichen Atmosphäre, ohne welche keines der Wunder unsere» Jahrhunderts hätte in Erscheinung treten können, gearbeitet. Aber diese Tausend« von Philosophen, Gelehrten, Erfindern sind selbst wieder nur durch die Arbeit vergangener Jahrhunderte angeregt worden. Sind sie nicht während ihres Lebens ernährt und erhallen worden(in körperlicher wie geistiger Beziehung) durch Legionen von Arbeitern und Handwerkern aller Art? Haben sie nicht ihre treibende Kraft aus ihrer ganzen Umgebung geschöpft? Das Genie eines Seguin, eines Mayer und eine» Grave haben sicherlich mehr dazu getan, die Industrie auf neue Bahnen zu lenken, als olle Kapitalisten der Well. Aber diese Genies sind selbst wieder nur die Kinder der Industrie, nicht weniger als die der Wissenschaft. Denn es war notwendig, daß Tausende von Dampfmaschinen von Jahr zu Jahr unter aller Augen die Wärme in dynamische Kraft und diese wieder in Schall, in Licht und in Elektrizität umsetzten, bevor diese genialen Geister de» mechanische« Ursprung und die Einheit der physischen Kräfte proklamieren konnten. Und wenn wir, die Kinder des IS Iahrhunoerts. endlich diese Idee begriffen haben. wenn wir verstanden haben, sie praktisch zu verwenden, so rührt dies wieder nur daher, weit wir durch die Masse der Erfahrungen aller früheren Tage fast darauf gestoßen wurden. Die Denker des oerflosssnen Jahrhunderts hatten sie gleichfalls erfaßt und ausge- sprachen: aber sie waren unbcgriffen geblieben, weil das 18. Jahr- hundert nicht wie wir mit der Dampfmaschine ausgewachsen war. Man denke nur, wie lang, Jahre noch in Unkenntnis jenes Ge> setzes, welche» uns erlaubte, die ganz« modern« Industrie zu revo- lutiomeren. verflossen mären, wenn nicht Wall in Soho Arbeiter gefunden hätte, die geschickt genug waren, seine theoretische» An- schläge in Metollkonstruktton und in vollendeter Form aller Teile auszuführen, und so den Dampft eingeschlossen in einem vollstän- dige» Mechanismus, gelehrig« wie das Pferd, fügsamer wie da» Wasser, zur Seele der modernen Industrie gemacht hätte». Jede Maschine hat die gleiche Geschichte: eine lange Geschichte erfolglos durchwachter Nächte, von Enttäuschungen und Freuden, von partiellen Verbesserungen, ausfindig gemacht durch mehrere Generationen unbekannter Arbeiter, welche der primitiven Erfin- dung jene kleinen Unbedeutendheiten hinzufügen sollten, ohne welche die fruchtbarste Idee unfruchtbar geblieben wäre. Ueberhaupt jede neue Erfindung ist eine Synthese— ein Resultat von tausend vor- angegangenen Erfindungen auf dem unermeßlichen Gebiete der Mechanik und Industrie. Wissenschaft und Industrie, da» Wissen und sein« Anwendung, Erfindung und ihre Verwirklichung, die wieder zu neuen Erfin düngen führt, Gehirnarbeit und Handarbeit— Gedanke und Mus kelanstrengung— alles steht in inniger Verbindung. Jede Eni- deckung, jeder Fortschritt, jede Vermehrung des Reichtums der Menschheit hat seinen Ursprung in der Gesamthell von Hand» und Hirnarbeit der Vergangenheit und Gegenwart. « Die Delsehnng krapoMv». Au» Moskau wird gemeldet: Am 13. Februar fand in der roten Hauptstadt die feierliche Beisetzung Krapotkin» statt. Die Leiche war mit einem Extrazug nach Moskau gebracht und im Gewertschaftshaus ausgestellt worden Aus ollen Teilen Rußland» waren Abordnungen revolutionärer und wissenschaftlicher Organisationen he beigeeilt, die Kränze am Sarge nieder- legten. Der Leichenzug, der sich zu einer großartigen Massenkund» gebung der Mostauer Bevölkerung gestaltete, wurde angeführt von den Vertretern des Sowjet« aller sozialistischen und revolutionären Parteien, den Vertretern der wissenschaftlichen Institute und der russischen Studentenschaft. Die Massen bildeten ein meilenlanges Spaller zum Friedhof. Taufende von Arbeitern und Studenten schlössen sich dem Trauerzuge an Am Grabe sprachen die Vertreter aller revolutionären Parteien, des Moskauer Sowjets, der wissen- schaftlichen Institut«, der revolutionären Künstler u. a. m. Für die Anarchisten Amerikas nahm Emma Goldmann das Wort. Nach der Beerdigung schlössen sich die Teilnehmer wieder zu einem imposan- ten Zug zusammen, der unter Abssngung revolutionärer Lieder durch die Stadt zog._ Reu« Operettenkheaker:„Der lachende Ehemann". Es ist so j schön, wenn man von Zeit zu Zeit die Wutkrallen einziehen und sich l mit bem Publikum so herzlich freuen kann. Ein solcher Lichtblick ist i Edmund Eyslers„Der lachend« Ehemann". Der Text von Julius Brammer und Alfred G r ü ti w a l d ist im ersten Akt eine geistreiche Plauderei, die im zweiten Überraschend zu einem tragischen Konflikt hindrängt. Alles mit wienerischem Gefühl und dem darauf bald leise-diskret, bald energifch-explodierendem Humor. Die Musik ist auch dem Rang nach zu Eyslers ersten Werken zu zählen. Zwar dem Originalquell entspringt auch sie nicht, zu viel Bekanntes und aus zweiter Hand drängt sich ein. Aber w l e Eysler das sagt, da» ist doch ganz anders. Das Weinlied z. B. darf größter Verbreitung sicher sein. Die«inschmeichelnde Jnstrumen. tatton. feinste Wiener Tunte, schmeckt dem verwöhntest« Gaumen wie de« anspruchslosen.* Unter den vielen Wienern, die teils als Gäste, teils als Mit- glieder das Milieu tadellos vertraten, leuchtete der Liebling der Wiener und Berliner Fritz Werner turmhoch empor. Die Bom» benpartie, dit auf ollen Grenzgebieten sich bewegt, vom tragischen bis zum schnurrig-possenhafteften, scheint ihm absolut auf den Leib geschrieben. Auch als Regisseur war der einzigartige Künstler,'der noch eine gerührte Red« schmetterte, auf derselben Höhe. Marie H o f f m a n n war vor einem Dutzend Iährchen der schön« Star de» Theater» des Westens: sie ist stimmlich doch nicht ganz unverbraucht, wenn auch eine Indisposition in Rechnung gezogen werden muß. Aber der Gesamteindruck ist gut. Poldi A u g u st i n, die wahrhast göttliche Lucinde, Albert P a u l i g, Ludwig H e rol d, Lilli F l o H r s apparte, feinnervige Stella und Ernst W u r m s e r reihen sich würdig an. Dr. Egon N e u m a n n hatte das Orchester und die Sänger vollständig in der Hand. H. M. Die Reform des Urheberrechts. In einer Sitzung des Unter- ausschusses des Reichswirtschaftsrat» zur wirtschaftlichen Förderung der geisttgen Arbeit wurde der Pmn einer durch Reichsgesetz einzu- führenden Kulturabgab« behandelt. Der Berichterstatter Dr. Rösch führte aus, daß durch diesen Plan»ine dauernde Sicher- stellung der künstlerischen Arbeit, nicht etwa nur eine vorüber- gehende Notstandsaktion bezweck« sei. Ein« Reform des Urheber- rechts zum Wohle der geistigen Arbell und damit zur Hebung von Kunst und Kultur hat einzusetzen Eine Kulturabgabe von 10 Proz. muß erhoben werden, die in-ine allgemeine Kulturkass« fließt. Der Ertrag wird von einem au» Autoren oller Kunstqebiete zu- sammengesetzten Selbswerwaltungskörper für folgende Zwecke ver- teilt: 1. Unterstützung verdienter bedürftiger Autoren; 2. Beröffent- lichung wertvoller neuer Werke; 3. Verbreitung solcher Werke in den weitesten Bevölkerungskreisen zu billigen Preisen. Um eine unnötige Belastung der Bevölkerung durch die Kultur- abgab« zu vermeiden, muß erstens ein« Umgestaltung der Lustbar- keitssteuer und zweitens eine Reform des Sorttmentshandels ein- treten, dem heute der größte Anteil an einem Werke zufällt. Dieser unhaltbare Zustand bedarf noch einer eingehenden Prüfung im Ausschuß. Die allgemeinen Folgen, die eine gesetzgewordene Kulturabgabe hervomifft sind«ine Art von geistiger Revolutton, die das unterlegen« Deutschland ol» Bekundung feines geistigen Lebenswillen» den Siegerstatten vorwegnimmt. Dieser Plan wird von einer engeren urheberrechtlichen Korn- Mission weiterbearbeitet werden. Enrulos Befinden soll sich gebessert haben TZ besteht Hoffnung aus feine Wiederbcrsiellung. Der eingefiellte„Neigen-'. Die Wiener Polizeidirettion bat die weitere Anffübrung von Schnitzler»„Reigen" in den Kammeriplelen m t Rücksicht aus die Tichallung von Ruhe. Ordnung und Sicherheit verboteir. Wir ballen den„Reigen" für eine tzlngelegenlrelt, die nicht aut die iffenlliche Bübne gehört. Aber daß den Radondemonttranten zu Tillen gehandelt wird, Iii wenig erfreulich. Der Verfasser hätte, anftatl die Kon- junktur auszunützen, sein Stück zurückziehen fallen Tchltehuus der«iu-S in TSssrldort. In Düss-ldors soll tn den nächsten Tagen dte dereit» w einer am 2. d. R. abgehaltenen Protest- Versammlung angekündigt««tNetzung dar Lichtspieltheater zum Protest gegen die Erhöhung der LustdarteitSsteuer aut 80 Pro,, durchgeführt Verden, Die tkündigimg dar»naestellte, ist bereit« erfolgt 5 Kr. 8? 4 Z8. Jahrgang Heilage ües vorwärts Freitag, 78. Februar 1�2� Volk unö Staat. Lon Otto Braun, preuß. Ministerpräsidenten. Die folgenden Ausführungen sollten das Borwort ' einer Ausgabe der neuen Verfassung Preußens bilden, die von der Reichszentrale für Heimat- dienst herausgegeben worden ist. Infolge eines sehr merkwürdigen Mißgeschicks, das noch der Aufklärung bedarf, ist das Vorwort dort weggeblieben— wir geben ijr- es hier sehr gerne wieder. Red. d.„Vorwärts". Nachdem das Reich sich in Weimar eine neue Verfasiung gegeben hatte, die das Grundrecht des Reiches vollständig um- gestaltet, mußten auch die Länder ihre verfasiungsrechtlichen Bestimmungen neu gestalten. Die Hauptrichtlinien für diese Neugestaltung sind berests im Artikel 17 der Reichsverfassung vorgeschrieben: Die Volksvertretung muß in gleicher Wahl von allen Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Ver- hältniswahl gewähtt werden. Die Landesregierung bedarf des Vertrauens der so gewählten Volksvertretung. Die Um- wälzung unserer staatsrechtlichen Verhältnisie, die sich nach dem Zusammenbruch im November 1918 vollzogen hat, kommt in der Preußischen Verfassung zum Ausdruck in den wuch- tigen Sätzen der Art. 1 und 2:„Preußen ist eine Re° publik".—„Die Staatsgewalt liegt beim Volke". Damit ist der alte Obrigkeitsstaat begraben, der freie d e- mokratische Volks st aat ist an seine Stelle getreten. Das Volk hat sein Geschick selbst in die Hand genommen. Wer es regiert, darüber soll nicht mehr der Zufall der Geburt, son- dern allein der Volkswille entscheiden. Fortan bestimmt nicht mehr die Laune eines Einzelnen das Ministerdasein, sondern Minister kann nur werden, wer das Vertrauen der Mehrheit der Volksvertretimg besitzt, und er muß zurücktreten, sobald es ihm entzogen wird. Jetzt erst hat auch für das preußische Volk, das trotz seiner gewaltigen kulturellen Leistungen in unwürdiger politischer Abhängigkeit erhalten wurde, das Wort jenes französischen Diplomaten seine volle Bedeutung erlangt: JedesVolkhatdieRegierung, dieesverdient. Doch nicht nur neue Rechte bringt die demokratische Der- fasiung dem Preußenvolke, als Korrelat ist ihm damit auch ein großes Maß von Pflichten und Verantwort- l ich leiten auf die Schultern geladen. Niemand darf sich der Pflicht entziehen, an dem Wiederaufbau unserer Wirt- schaft, an der Neugestaltung unseres Staatswesens in allen seinen Zweigen tatkräftig mitzuwirken. Jeder ist mehr wie bisher verantwortlich für die Geschicke unseres Landes, da er sie nach der neuen Verfassung entscheidend bestimmen kann, soweit uns das nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges noch vergönnt ist. Staatsbürgerliches Pflichtbewußtsein und Verantwortlichkeitsgefühl, das der Obrig- keitsstaat der alten Zeit durch die Politik der Bevormundung in den breiten Schichten des preußischen Volkes erstickte, sind nunmehr zu neuem Leben erwacht, müssen im Volke weiter geweckt, gefördert und vertieft werden. Das erfordert Zeit. Rom ist auch nicht an einem Tage erbaut, jjein Volk wie das preußische, das sich Jahrhunderte in monarchisch-obrigkeits- staatlichen Gedankengängen bewegt hat, so erzogen ist und in seinem Füblen und Denken von dem Geist und den Attributen der alten Staatsfarm bestimmend beeinflußt wurde, kann sich, vornehmlich in seinen älteren Jahrgängen, nicht von heute auf morgen innerlich restlos auf die demokratische Republik umstellen. Und dennoch wurzelt der neue demokratisch-repu- blikcknische Staatsgedanke, der seinen Niederschlag in der neuen Verfassung gefunden hat. schon tief in den Herzen und Köpfen der großen Mehrheit des preußischen Voltes, was sich so glänzend in den Märztagen 1929 zeigte, als milita» ristische Reaktionäre sich vermaßen, durch einen Putsch das Rad der Geschichte- gewaltsam zurückzudrehen. Geffentliche Wähler-Versammlungen Heuke, Freitag, den 18. Februar. abeird» 7 Uhr: ««wrrischaNrh»»». Engelufer 1Z. Srphiensäle, Sophienstr. 17/1». Nationalhof. BiUowstr. 57. 128. Semeindesibule, Tnrmstr. 85. Aul» der Semeiadeschnle, Valdenfer Str. 20. Ph-r»-säl«, Miwcrsir. 142. Doigt-Theater, Badstraße. Sihnlanla, Ereifswalder Str. SS. Schulaula, Senefelder Str. 7. Schulaula. Slcimstr. 49. Slönlgabauk, Große Frankfurter Str. U7. Prachtfäle de» Osten«, Frankfurter Allee 50. Drachenbur», Echlesische Straße. Bochdeauerei, Fidieinstr. V3. Adlershos? Wöllsteins Lustqarten, Bismarikftr. 82. Alt-SlieniSr: bei Bahn, Grstnauer Str. 35. Vriß: Becker« Feststile. Ghaussecstr. 97. Edarlottendurg: Volkshaus, Rostnenstr. 4. ESuenick: Stodtthcater. Friedenau: Bstrqerfaal d. Rathauses am Eauierplah. Friedrichsfelde: bei Kaberland, Wilhelmstr. 38. Friedrichshaae»! Conrads Fcstfiile, Friedrichstraße. Frohnau: Aastno am Bahnhos. Srnvewald: Gymnasium, Caspar-Thciß-Straß«, Ecke Äöniastraße. A«rmsd»-f: Löfflcr» Waldschlößchen am Bahnhof. Kohenschönhausen: Schulaula Rödernstraße. Iahannisihal: bei Scnftleben, Friedrichstraß« 4». Rar»»,: bei Berndt. vorfstr. 41. flaulsdorf: Turnhalle Adolfstraße. itaulsdors-Stid! Restaurant Eanssouel. Lankwitz: Realgymnasium flaulbachstraße. Lichtenberg: CScilien-Lyzeum, Rathausftratze. Lichterfeld«: Realgymnasium, Drakeftraße 7K. Mahlsdorf: bei Anders, Bahnhofstraße. Marienfeld«: Gemeindeturnhall», Dörfstr. 54. Mariendorf: Aula des Gymnasiums. Riederichtzahanstn: Schloß Schönhausen, Lindenstr. 11. NiederschSneweide: Rest, goreley, Berliner Str.»1. Renkölla: Schultheiß. Restaurant, Wintergarten, Kafenheid» 22/31. vberschoneweid«: Schulaula Frischenstraße. «aukow: ,„stum«urfllrsten". Berliner Str. 10-2. Rcintckendorf-Ost: Burgcrgarten, Hauptsir. 30151, Schmöckwitz: Restaurant Storchennest, Wendenstraß«. Schineberg: Uhland-Eibule, llolonnenstr. 22/23. Echineberg: Chamissr. Schule am Barbara fsaplad. Steglitz: Oberrealschule Elisenstraße. Tegel: Strandschloß am See. Trentow: Neues Gescllschoftshaus am Bahnhof. Waidmannslnft: bei Arlt(fr. stuchenbeckcr), Waid- maiinstraße. Weißensee:«emelndeturnhalle. Bisioriusstraße. Wilmersdorf: Biktoria-Luif». Schule. Uhlandstraße. Wilh lmshage». Ostrowski, Wilhelmsir., am Bahnh. gehlcndarf: staiferhof, Potsdamer Str. 49o. Tagesordnung: vor der Sntscheiüung. Referenten: Arthur Albinu«, Jakob Alt- maier, Heinrich Bahlke, Max Baronowski, Friedrich Boriels. Erwin Barth, Rektor Bofe, Robert Breuer, Fritz Brolat, Dr. Max Bendiner, Eduard Bernstein, Pfarrer Bleyer, Dr. Cassau, Dr. Cohn, Richard Fischer, Ott» Frank, Pastor Francke, Gustav Fuß, Regierungsrot Goslar, Graßmann, Äonrad Harnisch. Ernst v. Harnack, Ioh. Haß, Arthur Höußler, Gustav Heller, Rurt Heinig, Start Hctzschold, Paul Hirsch, Marie Iuchacz, Th. Rabelitz, Dr. Rallmann, Simon Ratzenstein, Emil Rnies, Rarl Roblenzer, Lehrer Rreutziger, Franz Rrllger, Erich Ruttner, Emil Lehmann, Dr. Löwe, Hermann LUdemann, Willy Möbus, Josef Msthlmann, Arbeitersekretär Hermann Mtlller, Reichskanzler a. D. Hermann Müller, Dr. Restriepke, Prof. Oestreich, Dr. Ostrowski, Franz Riefstahl, Elfriede Ryneck, Friedrich Stampfer, Henrich Ströbel, Rodert Schmidt, Schulze, Georg Ucko, Gustav Weide, Rarl Mermuth, Rudolf Wiffell, Adolf Wuschick, Dr. Walter Zcchlin. Morgen, Sonnabend, den 19. Februar, abend» 7 Uhr: Wilmersdorf: Bismarck-Kymnastum, Pfalzburgee Str. 30/31. Ref.: Ronrad Haenisch, Rultrismin. Tempelhos: Gymnastum, Raiserln-Augnsta-Straße. Ref.: Heinrich Schulz. Staatssekretör. Tegelort: Hermann, Echorfenbcrgerstraße. Ref.t Gustav Weide. »lesdorf: Porath, Marzahner Str. 31. Ref.: Lehrer Rreutziger. Indes, erst wenn derGeistderneuenrepublika- Nischen Verfassung Gemeingut des ganzen Volkes geworden ist, sich in der Gesetzgebung, Verwaltung und Wirtschaft auswirkt, erst dann ruht die Republik Preußen und auch Deutschland auf so festem Fundament, daß sie durch keinerlei reaktionäre Strömung jemals wieder erschüttert wer- den kann. Dann wird auch der von jedem Chauvinismus freie ge- sunde nationale Gemeinschaftsgedanke, der durch parteipolitischen Mißbrauch vielen Volksgenossen ver- leidet worden ist und noch wird, in den breiten Volksschichten wieder Eingang und Boden finden und unserem unglücklichen Volke die Kraft geben, deren es bedarf, um in zäher Kultur- arbeit und friedlichem Wettstreit mit den Völkern der Erde erfolgreich an seiner Wiederauftichtung zu arbeiten. GrofrBerlln Ei« fibenömahlsthwknöel. Ein« unglaublich niedrige Verdächtigung lischt die.Deutsche Tagetzzeiiung" in ibrer Donnerstag-Abendnummer auf. Sie be- banplet. daft in Schöneberg der sozialdemokratische Stadtrat Eichelbardt von der S.P.D. durch den Kankmann Herzberg ersetzt worden sei, weil Herzberg bei der letzten Bezirksamtswahl einen Wablbeitrag von ca. 1090 M. und ein Abendbrot den Genossen gewendet habe mit der Verabredung, ibm dafür das Amt zu verschaffen. Eichelhardt sei daraufhin ans der Partei ausgetreten und werde sich einer rechtsstehenden bürgerlichen Partei anschließen. ES gehören schon Leser von der Qualität deS Publikums der .Deutschen Tageszeitung" dazu, um einer derartigen Geschichte Glauben beizumeffen. Selbstverständlich ist der Ersatz Eichelhardts durch Herzberg au« rein sachlichen Gesichtspunkten obne jede Verbindung mit finanziellen oder materiellen Momenten erfolgt. Die Scköneberger Partei war mit Eichelhardts Tätig- keit schon längere Zeit unzuirieden, teils weil er nur sehr unregel» mäßig an den Sitzungen teilgenommen hat. teils weil er als Stadt- rat in verschiedenen ftällen gegen die Fraktion eine Haltung ein- genommen hat, die Zweifel an seiner sozialistischen Gesinnung er- wecken muhte. Wenn jetzt die„Deutiche Tageszeitung" den Ueber- tritt Eichelhardts zu einer rechtsgerichteten bürgerlichen Partei meldet, so zeigt sich, daß dieie Zweifel nur allzu berechtigt waren. Eichelhardt hat nach seiner Nichtwiederaufstellunq übrigens bereit4 an den Schöneberger Magistrat einen Wutbries geschrieben' 'n dem er behauptet, daß die Stellen»an den Meistbietenden ver» kauft' würden. Wegen dieses BrieieS wollte ihn jetzt die Partei zur Rechenschaft ziehen. Der Brief läßt vermuten, daß Eichelhardt auch der Notiz in der.Deutschen Tageszeitung" nicht fernsteht. Wie erlogen im übrigen die Vehauptunq von dem Aemter- verkauf ist, geht daraus hervor, daß das angeblich von Herzberg gestiftete Abendessen ein gemeinsames Fraktionsessen war. zu dem sämtliche bessergestellten Mitglieder der Schöne- berger Stadtverordnetenfraktion beigesteuert hatten. Die ,$näÖ{g*'l Daß die Titelincht trotz aller llmwälzungen, Ausklärungen uiw. nach wie vor in schönster Blüte steht, zeigte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht, welch« eines starken humoristischen Einschlags nicht entbehrt. Wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. Max Kantorowicz war eine Frau von Lojewski angeklagt.— Dr. Kantorowiez hatte im Auftrage eines von ihm in einem Zivil» Prozeß vertretenen Generalmajors an die Angeklagte v. LojewSli einen Brief gerichtet, in welchem al« Anrede die Worte.Sehr ge- ehrte Frau" benutzt worden waren. Als Antwort hierauf erhielt der Anwalt folaenden Brief:.Ich vermisse die unter gebildeten Leuten übliche höfliche Anrede. Ich werde Jhre� Briefe nicht mehr annehmen und mir überlegen, ob ich Jbnen mckt meinen Mann zusch'cke. damit er Ihnen die einfachsten»formen der Höflichkeit und des Anstände» beibrinat. Ich habe mindestens Anspruch auf die Anrede.gnädige Frau"»>w.— Aus Grund dieieS von Höflich- keit förmlich triekeNden BiiefeS erstattete Dr. Kantorowiez Anzeig« wegen Beteidiguna. Als das. Gericht die Angeklagte wegen Be- leidigling zu S0 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, fragte die Angeklagte etwas ironisch lächelnd den Vorsitzenden, ob sie diese Kleinigkeit gleich bezahlen dürste, um dann stolz erhobenen HaupteS den Saal zu Verlaffen._ Die Juristische Sprechstunde fällt heuke aus. Die öluttat ia öer Königgrätzer Straße hat trotz aller Nochforschungen der Kriminalpolizei noch keine Auf- klärung finden können. Die Ueberfallene, das Dienstmädchen Wla- dislaw Belcherowska, hat sich nach der Operation jetzt wieder soweit erholt, daß sie von den Kriminalkommissaren Dr. Grllnberg und Bünger wiederholt vernommen werden konnte. Als sie sich in einem verhältnismäßig günstigen Gesundheitszustande befand, gab sie über das Verbrechen folgende Angaben: Als sie morgens zur gewohnten Zeit aufgestanden fei, habe sie wie immer in dem kleinen Wartekaum und im Bureau Licht angezündet. Dann habe sie die auf dem Vor- Schweres Dluk. 411 Roman von Zuhaui Aha. XV. Iuha sitzt auf einem Baumstumpf seiner Schwende, oben auf der Anhöhe. Die ganze Welt unter ihm ist in Nebel gehüllt, die Seen, die Wälder, seine Wiesen und seine Aecker und das Gehöft. Ein ferner Bergrücken nur erhebt sich wie ein Gespenst aus dem Nebelmeer hervor. Hier und dort reckt eine verdorrte Föhre ihre Spitze empor, wie die erstarrte Hand eines Ertrunkenen aus vereisten Wasserwogen. Die Stromschnelle ist nicht zu sehen, aber ihr Brausen tönt so nahe, daß man glauben möchte, man könne sie mit einem Steinwurf erreichen. Es ist Iuha, als habe er vor sich eine gähnende Leere, in deren Boden er sich vergeblich bemüht hat einzudringen, seitdem Marja gekoinmen ist. Daraus erhebt sich vor ihm gewiß Marjas Verschwinden und ihre Rückkehr, alles andere aber ist wie dunsterfüllter Bruchwald, in dessen Inneren nur die Gespenster seiner eigenen grübelnden Gedanken hausen.. Jener versuchte sie damals mit seinen Lumpen und Spangen zu blenden und mit seinen geschmeidigen Worten. Doch Marja warf seine prunkenden Fetzen weg und kam— wie eigens, um es ihm zu zeigen— an dem Sonntag abend, die Netze auseinanderzuwirren. Dann lief sie vor der Mutter davon an das Ufer der Schnelle und ward nicht mehr gesehen. Bis dahin war Iuha klar, was sich zugetragen hatte. Don da ab war alles in Dunkel gehüllt, bis Marja unter den Kühen auf der alten Rodung erschien. Was dazwischen l�g. war wie im Nebel. Aber darin konnte sich alles Mögliche verstecken, das Furchtbarste. Weshalb spricht sie nichts? Wenn sie wenigstens erzahlte. wenn sie die Rede darauf brächte, da würde ihr vielleicht auch selbst leichter. Sie mögen sie dort gequält, gemartert, gezerrt. gerissen, vergewaltigt haben, die Stolze. Scheue. Empfindliche, die wie ein Renntier zittert, wenn man sie nur leise anrührt; woher weiß ich, was sie ihr getan haben, wo sie nicht erzählt? Aber da sie wie zebn Jahre älter ist. der Zopf dünn gewor- den, der Glanz der Augen getrübt, die Brust eingesunken, die Stirn voll Falte»— möge» sie sie so erschöpft haben, daß sie wohl auch am Tage wird ruhen müssen... und sie jammert in ihrem Bett und wandert am lichten Tag wie im Traum umher. Ist so verschüchtert, daß sie nicht einmal mit Kaisa plaudern mag. Iuha kehrt jeden Abend von seiner Schwende mit dem Entschluß zurück, jetzt werde er fragen, jetzt werde er Maria erzählen und sich erleichtern lassen; aber die Frage bleibt stets ungetan. Marja sitzt an einem regnerischen Tage— es war ein nebeliger, regnerischer und nasser Sommer in diesem Jahr— in der Stube, unter dem Eckfenster und strickt an einem Strumpf, einem kleinen Kinderstrumpf. Mag er ftagen, wenn er will, ich werde ihm sagen: ich stricke für mein Kind. Ich kann es nicht verheimlichen... und mag es nicht... er kann es wissen... einmal erfährt er es ja doch. Mag er mich dann fortjagen, wenn er will, ich gehe zuritf. Oder mag er mich mit der Stampfe dort schlagen, wenn er Lust hat. Und Marja stockte und starrte mit müden, zerstreuten Augen vor sich in die Stube, wo Iuha in der Gegend der Tür mit dem Schnitzbeil arbeitete. Sie sah zusammcnhang- lose Bilder, ohne sie herbeizurufen, ohne sie von sich weisen zu könuen, obwohl sie es maft versuchte. Sie sah Schemeikka zurückgelehnt, sorglos dort auf der Bank am Tisch, mit seinem gestickten Hemd bekleidet. Sah, wie er langsam seinen Ron- zen öffnete und seine Seidenbänder und Spangen über die Finger hängte. Sah, wie er sie an seine Brust riß wegschenkte, wie er auf der Insel unten an der Stromschnelle erwachte, das Laub fortraufte, Ueberdruß w den Zügen— ich hätte in die Schnelle springen sollen, dann wäre mir i-tzt besser. Aber wieder stieg Schemeikka vor ihr auf. wie er in den Strudeln das Boot lenkte, der Bart auf beiden Seiten'm Winde stotternd,»m den Mund ein stolzes Lächeln, Jubel und Spott im'A"qe. Daß er mich doch betrog, daß er es»'och fertig brachte! Und mochte auch sein Kind nicht sehen... Weshalb finde ich keine Ruhe vor ihm? Aber sie konnte diese Erinne- rungen nicht wegwischen, hatte keine Kraft dazu, nicht die einen und nicht die anderen. Sie kamen, wie das Vieh auf der Waldwiese, deren Zaun vermorscht und eingefallen ist, und gingen, fraßen gierig und stampften umher, und sie konnte sie nicht verscheuchen, und alles war so öde und jämmerlich— immer noch regnete es— ob wohl Anja mit dem Kinde auf- gebrochen ist, wenn sie sich überhaupt getraut hat— wes wird aus ihnen werden— sie werden wohl nicht kommen, da sie noch nicht gekommen sind. Ach, Herr Jesus, was soll hieraus werden, wenn Anja nicht das Kind bringt! Wenn sie sich in die Wälder gusge- macht und sich verirrt habe? Oder gar nicht aufgebrochen sind, wenn Fischer-Matti nicht mitkommt, obwohl er es ver- sprachen hat... Ach. daß ich es dort gelassen habe! Iuha hörte Marja wieder seufzen. Das sieht man ja aus allem, daß sie einen, Kummer hat und leidet.— Er legte das Beil beiseite, stand auf und begann mit seinem Messer zu schnitzen. Zuletzt sagte er mühsam: „Hat er dich dort sehr übel behandelt?" I«tzt fängt er an danach zu fragen. Sie hatte schon ge- glaubt, Iuha, werde nicht darauf eingehen. Was fpll ich ihm sagen? „Wo? Ach so. dort?" „Wie hat er dich denn in das Boot bekommen?" „Irgendwie ist es wohl gegangen." „Warst du bewußtlos geworden�aß du nicht einmal den Kopf gehoben hast? Konntest du kein Glied rühren?" „Ob ichs nicht konnte?" .Laisa hat gesagt, du hättest wie gelähmt vorn im Boote gelegen. Sie hätte dich auch nicht rufen hören. Aber wie hätte man das auf der Stromschnelle gehört, wenn du auch gerufen hättest?" Hatte Kaisa es gesehen? Was hat sie gesehen? erbebte Marja. „Ich erinnere mich nicht," sagte Marja.„Ich bin erst unterhalb der Schnelle wieder zu mir gekommen." Iuha schwieg eine Weile und maß das Holz mit den Augen; dann begann er wieder, und seine Stimme zitterte: „Haben sie dich da gebunden?" „Wer, sie?" „Na, der und seine Genossen." „Ot�sie mich gebunden haben?" „Im Boot, ja, oder an einen Baum oder sonstwie, daß du nicht entfliehen konntest?" Marja antwortete zuerst: „Nein." Aber dann: „Es waren ja keine anderen als er allein." (Forts, folgsi) flur belegene Toilette aufsuchen wollen, dabei aber entbedt, daß die Fahrkarte nach Blissingen Treppentür aufftand. Im selben Augenblick sei ein Mann auf fie bestellt und dann das Automobil, das ihm ständig zur Berfügung augetreten und habe sie sofort mit den Worten: Ruhig, oder ich stehen mußte, vom Hotel aus durch den Pförtner nach dem Botsmache Dich falt!" angefahren. In ihrer ersten Angst sei sie davon- damer Bahnhof dirigieren lassen. Nachforschungen ergaben jedoch, gelaufen und, trotzdem sie noch nicht angefleidet war fie trug daß er den Kraftwagen nach dem Lehrter Bahnhof hatte fahren über der Wäsche nur den Mantel die Treppe hinauf auf den Dach- lassen. Daraus wurde geschlossen, daß er sich zunächst garten gelaufen. Dort habe sie sowohl nach der Königgräger Straße zu wie auch nach dem Halleschen Tor um Hilfe gerufen. Es habe nach Hamburg gewandt Often( Petersburger Biertel): Jugendheim Schute Straßmannftr. 6. Bor trag: Was ist utopistischer Sozialismus?" Bankow: Jugendheim Schule Reinickendorf- Oft: Wollantstr. 131. Distusfionsabend: Wie wandern wir?" Jugendheim Lokal Residenzstr. 120/21. Bortrag: Schiffsbrand auf hoher See." Gerichtszeitung. Wie Schieberware nach Berlin fommt, fie jedoch niemand gehört und sie sei dann nach einer Weile, als es habe, und ein Berliner und ein Pariser Kriminalbeamter fuhren fie in der notdürftigen Kleidung gefroren habe, wieder in die Boh- fofort dorthin. Es gelang auch, ihn dort in einem der ersten Hotels zeigte eine Verhandlung, welche den Lademeister August Brimfe Der Verkauf von zerkleinertem Brennholz nung hineingegangen. In dem Glauben, der Eindringling sei wieder zu verhaften. unter der Anflage der schweren Urfundenfälschung, der Bestechung verschwunden, habe sie sich an die Arbeit gemacht. Ganz unerwartet und der Begünstigung vor den Strafrichter führte. Der Angefei ihr dann ein Sad über den Kopf gezogen worden und dann habe fie den Schlag über den Kopf erhalten. Den ihr angeblich unbefann( Stammbola) im Kleinhandel in Mengen von weniger als Raum- flagre war Lademeister bei der Gepäckabfertigungsstelle des Bahnten Mann beschreibt sie als mittelgroß mit schwarzem Schnurrbart, meter ist nur im 8- Schnitt( etwa 25 Zentimeter Länge) oder 4- Schnitt hofs Zoologischer Garten und hatte als solcher die Gepäckträger zu der einen großen schwarzen Hut und schwere Stiefel trug. Nach dieser( etwa 20 Bentimeter Länge) in geeichten Meßbänken von 0.2, 8.1, beaufsichtigen und die sogenannten Ladeliften aufzustellen. Schon Darstellung des Mädchens muß es sich um einen Einbrecher handeln, 0.5 und 0.2 Duadratmeter zulässig. Bündelhola, Anmacheholz und por längerer Zeit war es den Ueberwachungsbeamten zu Ohren getommen, daß Butter, Zucker und Mehlschieber sich der Mithilfe des der von ihm gestört worden ist. Gestohlen ist aber gar nichts, ob. Küchenholz darf im Kleinhandel nur im 6- Schnitt( etwa 14 Benti: Angeklagten bedienten, um ihre Schieberware unbehindert durch die wohl in dem Bureau eine Staffette auf dem Tische stand. Die An- meter Länge) in geeichten Mezbänken von 0.02 Quadratmeter ver- Kontrolle zu bekommen. Eine längere Beobachtung ergab, daß dar gaben der Ueberfallenen merden als wenig glaubwürdig beurteilt. tauft werden. Der Verkauf in anderen Schnitten und in anderen Angeklagte mit einem gewerbsmäßigen Schleber in Berbindung Auch die Erzählungen, die das Mädchen dem Rechtsanwalt und seiner Maßen, insbesondere nach Gewicht, Kiepen und dergl. ist verboten. stand, der ihn mit Butter, Zucker, Mehl, Eiern, Schinken usw. in Frau über seine Kirchgänge und seine Besuche des Jungfrauenvereins Stubben und Holzabfälle dürfen nach Gewicht verkauft werden. Hülle und Fülle versorgte. Hierfür nahm Brimfe die sogenannten gemacht hatten, haben sich als unwahr herausgestellt. Auffällig ist Buwiderhandlungen werden bestraft. Näheres ergeben die Säulen Expreßkarter des Schiebers in Empfang, unterschrieb sie mit einem es, daß der Mann, der sich bei dem Ueberfall unbedingt start mit anschläge. fingierten Namen und ließ die Schieberware durch die Bz. Bg." Blut besudelt haben muß, nirgends gefehen worden ist. an die Adreffe feines bei ihm wohnenden Schwiegersohnes fenden, wo sie der Schieber dann abhofte. Der Staatsanwalt beantragte Nach einer mit Zustimmung des Reichsrats vom Reichspoft mit Rücksicht darauf, daß sich in letzter Zeit die Fälle häufen, in minister erlassenen Berordnung werden fortan die mit dem Frei denen Eisenbahnbeamte mit den Schiebern Hand in hand arbeiten, martenstempel versehenen Bojt tarten, Bostanweisungen 9 Monate Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust und Aberkennung der und Kartenbriefe mit einem Buschlag für die Papiertosten verkauft, fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter. Demgegenüber machte weil diese Kosten sich erheblich gesteigert haben und in den Beförde. Bezahlung der Beamten sowie eine durch Krankheit in der Familie Rechtsanwalt Dr. Fren als strafmildernd geltend, daß die geringe rungsgebühren feine Dedung mehr finden. Der Zuschlag beträgt verursachte Notlage der Grund fei, baß der Angeklagte auf die schiefe für Postkarten und Bostanweisungen fünf Pfennig, für Karten Ebene geraten fei. Das Gericht fam auch zu einer milden Beurbriefe zehn Pfennig. teilung der Tat des Angeklagten, indem es auf 4 2 o chen Be fängnis bei bedingter Beanadigung erkannte, unter Freisprechung von der Anklage der Begünstigung und der Urkundenfälschung. Küchenabfälle und Milchnot. Man fchreibt uns: 20 Woran liegt aber das Nachlassen der Sammlung? Papierzuschlag auf Boftkarten. Gesangsaufführungen von Gemeindeschulkindern. In dem Artikel Die Milonot" in Nr. 57 vom 4. Februar wird von seiten des Milchamis Klage darüber geführt, daß die Sammlung der Küchenabtälle nachlägt und dadurch die Milch beriorgung der Stadt gefährdet wird. Das ist soweit ganz richtig. Die Küchenabfälle sollen auf den Höfen in besonderen Behältern gefammelt werden, um von den Molkereibefizern abgebolt und an die Milchlühe verfüttert zu werden. Woraus bestehen aber dieie Küchenabfälle? Wie die dafür in Betracht kommende Ver ordnung befagt, aus Kartoffelichalen, Brots, Fisch. Fleisch, Suppen, Am 27. Februar und den darauffolgenden brei Sonntagen im Tunfenreften usw. Es ist flar, daß diefe zufammenfeßung faum März finden im Zirkus Busch Gesangsaufführungen von für Schweine, geschweige denn für Milchlüße verwendbar ist. Wenn 2000 Gemeindeschultindern statt. Aus über 100 Berliner wirklich ab und zu braudbare Abfälle vorhanden sind( es fommen Gemeindeschulen find bie besten Sänger und Sängerinnen zu einem eigentlich nur Kartoffelichalen in Betracht), so ist es doch in den Chor bereinigt, der unter der Leitung des Direktors des Domchors, einzelnen Stadtteilen sehr verschieden, sodaß der eine Molter vielleicht Brofeffor Rüdel, eine Reihe vierstimmiger Lieder zu Gehör bringt, im Ueberfluß vorfindet, der andere aber garnichts. Diese Sammlungs darunter auch mehrere bisher unbekannte von Wilh. Berger, Baul methode birgt aber auch eine große Gefahr für die Gefundheit der Mitiche u. a. Aufführungen wie diese hat der jetzt aus dem Amte Bevölkerung in sich. Denn, besonders in der warmen Jahreszeit, fcheidende Stadnichulrat Geheimrat Dr. Fischer zuerst im Jabre 1900 geben diese Abfälle sofort in Fäulnis über, und bieten den Ratten, und seither von drei zu drei Jahren veranstaltet. Starten zum die in Berlin schon geradezu eine Plage find, willkommene Nahrung. Breise von 1 m. bis 50 m. bei Bothe u. Bod und an der TheaterDa Ratten bekanntlich gefährliche Seuchenüberträger find wird die taffe bei Wertheim, und, soweit noch Starten verfügbar sind, vor der Seuchengefahr durch diese Sammlungsmethode geradezu begünstigt. Aufführung, die um 11 Uhr vorm. beginnt, an der Staffe. Der Das Milchamt bemängelt es, dab in Lichtenberg die Reinertrag ist für die Swede der Jugendwohlfahrt bestimmt. Schalen durch Händler geiammelt werden und bat deshalb dort die Einführung der Sammlung nach Berliner Muster angeordnet. Sehr zum Schaden der Allgemeinheit. Die Hausfrauen erhielten dort von Händlern Holz für Schalen, die sich in fauberem Zustande befinden mußten. Die ortsanfäifigen Molter batten mit diesen Händlern Verträge abgeschlofien, daß die Echalen nur an diese ab zugeben feien, natürlich gegen ein angemeffenes Entgelt. Die Händler hatten dank ihrer Tauschidee so reichlich Schalen, daß fogar Berliner Molter von ihnen beliefert werden fonnten. Trosdem also in Lichtenberg die Schalen gekauft werden mußten, war der Milchpreis dort nicht böher als in Berlin. Wir geben diefe Buschrift wieder, ohne uns mit ihr in allen Buntten zu identifizieren. Vielleicht ließe sich durch eine beffere Einteilung die Qualität der Abfälle erhöhen. Der freie Sandel der Abfälle erscheint uns aber nicht als ber richtige Beg, um allgemein zu einer Steigerung des Milchkoniums zu gelangen. Stehle mit Zweck! Diefer Mahnruf gehört in die Wagen unserer Stadt- und Ningbahn. Wo man früher harmlos- vergnügt die Sundeabteile für Reisende mit Hunger" einrichtete und fich vergeblich bemühte, die Rudiadabteile für Reisende mit Knafter" umzugestalten, fo hat man später die ledernen Fensterriemen für Schubflecke requiriert und nachher aus den Hänfenen Hosenträger gemacht. Die Bands pläne des Bahnneges wurden mit Recht entfernt, denn Somüce dein Heim!" ist die Parole. Soweit, so gut. Aber was hat es für eine tiefere Berechtigung, die neuen Bappstreifen einer neuen Zigarettenreklame fofort abzureißen und so die letzten paar Firmen von befizitmilberndem Blakatieren in der Stadtbahn abzubringen? Es kann doch nicht etwa der Stein des Anstoßes gewesen sein, daß die Zigarette Enver Bey" beigt, welcher Name laut Blafat für Besondere Güte bürgen foll; Enver Bey war der Verbündete Wilhelma, er ist heute der Alliierte Troskis alio was fann man gegen ihn einwenden. Und was fann schon gar bie Bappe dafür ? Fräulein Referendar im Moabiter Gericht. Die erste preußische Referendarin, Fräulein Dr. jur. Edith Sußmann, bat gestern ihren Vorbereitungsdienst im Bezirke des Rammergerichts angetreten. Sie ist dem Amtsgericht Berlin- Schöne berg überwiesen worden, wo sie zunächst 3 Wochen in der Straf abteilung bei dem Gerichtsaffessor Dr. Chlebowsly arbeitet. Ein Weltgauner verhaftet. Durch Sufammenarbeit Pariser und Berliner Kriminal beamten ist es gelungen, einen langgefuchten internationalen Hoch Stapler und Bankbetrüger, ber millionenwerte erbeutet hat, in Hamburg festzunehmen. Es handelt sich um einen Armenier, den 29 Jahre alten, aus Smyrna gebürtigen Andree Florian Di. gran, ber gulegt unter dem Namen„ be Barmas" große, Aufsehen erregende Schwindeleien begangen hat. Digrar der bei den Lazaristenmönchen in Smyrna erzogen worden ist und über sehr gute Sprachkenntnisse verfügt, hat ein sehr gewandtes Auftreten. Trotzdem wurde einwandfrei festgestellt, daß er im Juli vergangenen Jahres in Paris nicht einen Gou in der Tasche hatte. Durch Bermittlung eines Landsmannes fand er zunächst Anstellung bei der Red Star Line. Schon ganz furz darauf aber war er Befizer eines eleganten Lugus autos, machte häufig Luftfahrten nach Brüffel und Antwerpen, und hatte bei einer Bariser Bant über 220 000 Frants. Seine Reichtümer ermarb er zunächst durch einen großangelegten Emigrantenschwindel vom Auguft bis Oftober vorigen Jahres in Paris. Mehr als 250 auswanderungsluftige Polen und Ruffen hat er um 1000 und 1500 Frants betrogen, indem er ihnen vorspiegelte, er werde ihnen dafür Fahrkarten nach Amerita besorgen. Am 16. Oftober fuhr er nach Athen, um dort seine Schwindeleien fortzufeßen. Unter dem Namen de Parmas fchwindelte er in Paris Juwelen im Werte von 500 000 Franks heraus. Unter Beilegung verschiedener falscher Namen reifte er zunächst nach Italien und bann von dort nach Berlin. In den meisten Fällen gab er sich als Botschaftssetretär aus, da er entsprechende Papiere in Paris gestohlen hatte. Er wohnte nur in den allerersten Hotels, war ständiger Gast in den Lokalen der Lebeweit und auch häufiger Befucher von Spielflubs. Auch die Theater, Film, Kabarettschulen usw. genehmigungs. pflichtig. Durch Verordnung des Ministers für Wissenschaft, Runft und Boltsbildung find alle Schulen, in denen Unterricht für Theater, Oper, Film, Kabarett, Barieté und Ballett erteilt wird, genehmi gungspflichtig geworden und für den Stadtkreis Berlin der Aufsicht des Polizeipräsidenten von Berlin unterstellt. Dasselbe gilt auch für den Einzelunterricht für Theater, Oper, Film, Kabarett, Barieté und Ballett. Alle Personen, die den in Frage fommenden Unterricht erteilen, werden aufgefordert, bis zum 15. März 1921 beim Polizeipräsidenten zu Berlin( Abteilung III) die erforderliche Genehmigung nachzusuchen. tarten nicht beliefert. Die Liter Stranfenfarten werben voll beliefert Milchbelieferung. Am 18. Februar werben die Liter- stranten um 19. Februar erhalten die Liter- Stranfenfarten nur 4, Liter Frisch milch, bieter Strantentarten werden voll beliefert. Die übrige Be lieferung bleibt mie bisher. Eine Gehalts- und Lohnquittungskarte ift im Berlag von Herm. Gleje, Berlin- Lichterfelde, Auguftaftr. 9, für ständig beschäftigte Angestellte und beiter erichienen. Die Karle dürfte Behörden und Firmen bei der jezigen fomplizierten Lohnberechnung vortreffliche Dienste leisten. In einem ertblatt des Verfassers wird dargelegt, wie sich mit Hilfe der Karte Buchungs- und Echreibarbeit bedeutend vereinfachen läßt. Der Verleger übersendet Interessenten Muster der Duittungstarte nebst Merkblatt nach Einsendung von 2 M.( Postschecktonto Berlin 107750). Aus aller Welt. Die Tragödie von Klepelsdorf. Die Untersuchnng geht dahin, ob der verhaftete Beter Gruben die Schüsse selbst abgegeben hat, oder ob er durch hypnotische Einwirtung auf seine 12jährige Stieftochter Ursula Schade diese dazu gebracht hat, Fräulein Dorothea Rohrbed und dann sich selbst umzubringen. Der Brief, der bei Ursula Schabe vorgefunden wurde und in dem sie betennt, fich selbst und ihre Kufine er scheffen zu haben, wird von den Schreibfachverständigen genau geprüft werden, jedoch soll sich schon nach flüchtiger Prüfung ergeben, baß der Brief unmöglich von der Kleinen geschrieben worden sein tann. Weiterhin sollen die Schriftzüge auffallende Aehnlichkeit mit denen Peter Grubens aufweisen. Dieser hat die verschiedensten Berufe ausgeübt, bezeichnete fich teils als Grundstücksspetulant, teils als Architekt und rühmte fich oft, es im Schießen zu einer Fertigkeit gebracht zu haben, die an die eines Kunstschüßen heranreiche. Schon im vergangenen Sommer ist ein Attentat auf die ermor dete 16jährige Dorothea Rohrbeck verübt worden. Es wurde damals von außen her in das Zimmer, in dem sie sich aufhielt, ge schossen. Von dem Täter war feine Spur zu ermitteln; baß Gruben fich zu jener Zeit in Lähn oder Klepelsdorf aufgehalten habe, ist nicht nachweisbar Die Flasche Rognat, die nach der chemischen Analyse ein startwirkendes Gift enthalten, hat Bruben im vorigen Spätsommer der Hausbame mit dem Bemerken überreicht, daß ber Rognat für ihn zu start sei, daß aber vielleicht Frau Ethardt die Großmutter der Dorothea Rohrbed und zugleich die Großmutter feiner beiden Stieftinder. deren eines die erfchoffene Ursula ist gerne davon trinken würde. Zum Glück ist die Flasche nicht geöffnet worden. Die Erbin der Schloßherrin von Klepelsdorf ist die alte Frau Ekhardt. Nach deren Lode erbt, da die Mutter der Dorothea Rohr bed, die älteste Tochter der Frau Ekhardt, vor etwa 12 Jahren verftorben ist, ihre zweite Tochter, also die jetzige Ehefrau des Gruben, das gesamte Bermögen. Diese lebt aber Das Sommersemester der Verwaltungs- Akademie beginnt am schon seit geraumer Zeit von ihrem Ehemann getrennt. Nach 1. April 1921 in der Friedrich- Wilhelm- Universität. Von den Borlejungen den Angaben Grubens ist seine Frau nach Amerita ausgewanüber Staats- und Rechtswissenschaften find besonders zu nennen: Ne- dert. Die Behörde forscht nach dem Berbleib der Berschwundenen. gierungsrat Dr. Tiburtius: Theoretische Nationalökonomie: Brof. Dr. Wenn auch diese aus dem Leben geschieden sein würde, so kämen Schmidt: Die Theorie des Sozialismus; Ministerialrat Dr. Bonfid: Die als nächste Erben ihre Kinder aus erster Che, eben die kleinen Bodenpolitik in Reich, Staat und Gemeinde; Dr. Eberhard Schmidt: Rechtsencyklopädie und Kriminalpolitit; Staatsminister, Präsident des Schades in Betracht, von denen Ursula ermordet aufgefunden Oberverwaltungsgerichts Dr. Drews: Berwaltungsrecht und Berwaltungs. wurde. Ueber diese Erbenreihe hinweg würde dann Gruben wissenschaft; Universitätsprofeffor Heyde: Gewerkschaften und Bewertschafts- selbst das mehrere Millionen große Bermögen zufallen! Gruben politit; Universitätsprofessor Dr. Sastel: Grundzüge des Arbeitsrechts; ist vor etwa drei Wochen zugleich mit Frau Ekhardt, seinen beiden Professor Lampe: Wirtschafts- und Verkehrsgeographie; Daneben find Stieftöchtern und dem Kindermädchen, das seine Geliebte sein soll, vorgesehen: Uebungen und Sondervorlejungen für Finanz, Steuer, auf Riepelsdorf zu Besuch eingetroffen. Justiz-, Kommunal, Eisenbahn, Bait, Telegraphen-, Sozial, und Reichs. bantbeam e. Die Anmeldung erfolgt vom 20. Februar ab in der Geschäftsstelle der Berwaltungs- tademie. Charlottenstr. 50/1. Das Märkische Museum bleibt am Wahltage, Sonntag, 20. februar 1921, für die Besichtigung geschlossen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Achtung, Abteilungsleiter! Agitationsmaterial zum Sonnabend und zum Wahltage ist noch im Sekretariat, In den Zelten 23, vorrätig. Bitte abholen. Ebenso die Listen zur Feststellung des Wahlrefultats. Die noch fehlenden Wahlbureaus find bis heute mittag telephonisch anzugeben. Anderenfalls ihre Bekanntgabe nicht Der Bezirksvorstand. erfolgen tann. Heute, Freitag, den 18. Februar: 10. bt. Das 8entralmahlbureau befindet sich bei Schuckert, Rüdersdorfer Str. 3. Genossen, welche fia aur Wahlarbeit zur Berfügung stellen, bitte dort zu melden. 105. Abt.( Ablershof) abends 7 Uhr in Wollsteins Luftgarten, Wähler. verfammlung. Seferent: Friedrich Bartels, Mitglieb des Parteivorstandes. Die politische Lage und die Barteien zu den Breußenwahlen am 20. Februar." Jungsozialisten. Sämtliche Ortsgruppen beteiligen fich an ben Wählerver. fammlungen der Partei. Eine halbe Stunde vor Beginn treffen fich zweds Einteilung zur Wahlhilfe zum 20. Februar die Mitglieber der Gruppe Rorben: Sophienfäle, Sophienstraße. Gruppe Süden: Bodbroueret, Fidicinstr. 2/3. Gruppe Lichterfelbe: Realgymnasium, Traatestraße. Morgen, Sonnabend, den 19. Februar: Areis 1( Mitte) nachm. 5 Uhr im Bürgerheim", Alte Schönhauser Str. 23/24, Sigung der Abteilungsführer mit dem Borstand. 5. Abt. Genoffen, welche zur Bablarbeit nicht eingeteilt find, treffen fich abends 7 Uhr im Wahlbureau bei Reufner, Sagelberger Str. 20a. 9. bt, abends 7 Uhr bei Gläser, Rottbufer Ufer 39/40( Rantine), Sigung fämtlicher Funktionäre. Babbelfer finb einzutaben. erklärt sich daraus, daß Dorothea und Ursula fich in einem abge Daß niemand im house die Schüsse gehört hat, legenen Gartenzimmer aufhielten, während die gesamte übrige Familie in der oberen Etage weilte. Der Gutsdirektor Bauer steht außer Berdacht. Es gelang den Kriminalbeamten nur mit Mühe und Not, Gruben auf dem Transport vor der Wut der Volksmenge zu schützen. Eine Großnichte Franz Schuberts in Nof. Eine Großnichte Franz Schuberts ist in bitterste Not geraten. Durch den Tod ihres Mannes hat sie ihr legtes hab und But verloren und befiht derzeit nicht einmal mehr ein Bett, sondern muß auf dem Fußboden schlafen. Sie ist der Verzweiflung nahe und wendet sich mit der flehentlichen Bitte an die Deffentlichkeit, ihr mit Spenden zu helfen. Die Adreffe der unglücklichen Frau ift: Marie Rolowrat, Wien 17, Blumengaffe 52, 1. Stod, Tür 10. Die Schlaffrankheit in London hat in der letzten Woche 22 Fälle, In der vorhergegangenen Woche 29 Fälle erreicht. Sport. Breie Turnerschaft Schöneberg- Berlin.( Mitgl. b...... Sp... Montag: Bildung der Berrins- Sängerabteilung, abenos 1,8 Ubr, Gesangstaal des Köln. Gymnasiums, Insel, Ede Wallitraße( Untergrundbabnhof Inselbrüde). Dienstag: Hallensporte und Sportlebritunde für Leicht athletit in Schöneberg, Tuinballe Rätheritraße, abends 8 Uhr. Mittwoch: Turnratsfizung, 7 Uhr, Seydelftr. 3, Fußballer sowie alle Streis- u. Bezirks tagsdelegterten erscheinen. Freier Wanderbund. Reine Fabrt. Rach Wahlbeteiligung: Grunewald- Wanderung. Treffpuntt 1 Uhr: RingTouristenverein Die Naturfreunde"( Untergruppe Dstbabivororte): bahnhof Halensee. Arbeiter Radfahrer- Bund Solidarität. Am Sonntag, den 24 Abt. Funktionäre und Wahlhelfer! 1. 1. 2. Gruppe: Materialausgabe ab 8 Uhr Smmanueltirchstr. 24. Dafelbft Treffpunkt aller noch nicht eingeteilten 20. februar, ist es flicht, daß familiche Bundesgenoffen fich zur WahlGenoffen. 3. Gruppe bei Schwanhers, Naugarder Str. 3. ai beit nach ungeftr. 7 bei Helmi ich begeben; die Bundesgenossen dürfen 84. bt,( Santwis) abends 8 Uhr bei Kirchner, Raiser- Wilhelm- Str. 58, feine Bablarbeit einzeln übernehmen, es werben die Hilfskräfte nur non Treffpunkt fämtlicher Bahlhelfer. gabe des lehten Materials. Um 8 Uhr Borstaubssigung. 93. Abt.( Reutölln) abends 7 Uhr bei Rellert, Ralfer- Friebrich- Str. 88, Ausfahrten erteilt Otto Hantel, Zentralfahrwart, Reuföln, Lichten: ader Str. 31. der Radfahrer- Zentrale bon früb 8 Uhr bezogen. Austunft über Touren 110. Abt.( Grünan) nachm, von 4 Uhr ab Flugblatt- und Stimmzettelver. breitung vom Botel Werner, Spender Str. 108b, sowie Ausgabe des Materials und Lorenz Donnerstag vom Lehrter Bahnhof nach New York Nach Amerifa eingeladen, find die deutschen Meisterfahrer Rütt und lehte Borbereitung zur Bahl. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Die abgereift. Gigung fält heute wegen der Wahlarbeit aus. Jugendveranstaltungen. Bariser Kriminalbeamten, bie feine Spur verfolgten, tamen eigens hierher und setzten sich sofort mit der hiesigen Kriminalpolizei in Berbindung. Beamten des Dienstbereiches B II. 1 gelang es in ganz Berein Arbeiter- Jugend Groß- Berlin. Sekretariat: t. 40, Ja ben gelten 23. furzer Zeit, feinen Aufenthalt zu ermitteln. Der Hochstapler hatte aber, de er sich auch hier nicht mehr sicher fühlte, Berlin wieder verlasjen. Bie festgestellt wurde, hatte er eine Freitag, den 18. Februar, abends 18 Uhr: Brig: Jugendheim Shife Chauffeefte. 132. Mädchenabend. ( Reck in Gib): Jugendheim Stogas 5 Distuffionsobenb: Bosiftomus Reukölln Briefkasten der Redaktion. Die Juristische Sprechstunde fällt heute aus. Schriftliche Auskunft wird nicht erteilt. 23. Benden Gie fich an Herrn Lehrer Rydahl, Neukölln, Weferftr. 99. B. Ri, 14 221. Rotia in bet you gonen angezogenen Rummer night auffindboe. T Kaffeler Kommunistenprozeß. Staffel, 17. Februar.( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Die Bernehmung des Angeklagten Harbich wird heute fortgefeht. Aus den bei ihm gefundenen Schriftstücken geht eine geglie derte Organisation der Roten Armee" hervor. Alles ist bestimmten Dezernaten zugewiesen, das notwendige Personal eingeteilt, Stammrollen find zu führen, in sie sind Mobilmachungs orders einzutragen, Löhnung, Kleidung und Verpflegung wird gewährt: 10 M. Böhnung, für die Frau 30 M., für jedes Kind 5 M. Rechtsanwalt Dr. Wolff: Ich übergebe hiermit dem Gericht Material über die Orgesch in Westfalen, das eine verteufelte Aehnlichkeit organisierte der Bergaffeffor Billing eine Drgesch, die fich auf ganz genaue Pläne stüßte. Ich übergebe hiermit die Bläne dem Gericht und bitte die in ihnen genannten Personen als Zeugen bafür zu laden, daß die Orgesch schon bestand, bevor überhaupt Pläne für die Schaffung einer Roten Armee vorhanden waren. Die Berhandlung wird sodann auf Freitag, 8 Uhr morgens, vertagt. Wirtschaft Die Kallindustrie. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands teilt mit: sigern und Arbeitervertretern Verhandlungen statt, die zu feinem Ueber die Lage in der Kaliindustrie fanden zwischen Wertsbe befriedigenden Ergebnis führten. Beide Parteien erkannten die augenblidlich äußerst schwere Lage der Kaliindustrie. Die Ar beitervertreter erflärten sich zu ihrer Behebung bereit, wenn die seit Monaten schwebende Lohnfrage vorher geregelt würde. Die Arbeit geber erflärten, daß ihnen nach dem Schwinden der Aussicht auf Breiserhöhung durch die Stellungnahme der Vertreter der Ars beiter nichts anderes übrig bleibe. als durch Serablegung der Selbstfosten die Unwirtschaftlichkeit der Industrie nach Mög Bon Arbeiterseite wird auf einer Reichstonferenz der Kalimit dem eben verfefenen Material hat. Ich habe es von Spigen produktive Erwerbslosenfürsorge Jag eine Eingabe der Chem. arbeiter über den Bauf der Berhandlungen Bericht erstattet werden. erhalten. -Aus den bei Harbich gefundenen Schriftstücken geht weiter hervor, daß die Finanzierung durch Beschlagnahme der Banken und des Privatgeldes erfolgen soll. Harbich erklärt, den militärischen Organisationsplan vollständig aus Essen erhalten zu haben. In einem Unterbezirksbefehl Dortmund vom 21. Dezember 1920 spricht Harbich von dem Rahmen einer regulären Armee, in dem die Note Urmee geschaffen werden soll. Kohlen, Edelmetall und Edelsteine sollen sichergestellt werden, um nach einem Rechtsputsch, der das deutsche Geld entwertet hätte, ein internationales 3ahlungsmittel zu haben. Bezirksleitungen waren in Effen, Remscheidt, Düsseldorf, Bielefeld und Raffel. Harbich gibt auf Befragen an, daß er auch von Schroer und Zeißer aufgefordert worden sei, den Unterbezirk Dortmund zu übernehmen. Harbich erklärt meiter, die V.K.P.D. sei mit der Schaffung der Roten Armee nicht einverstanden gemelen, er habe deshalb einen Zusammen stoß mit der Partei gehabt. Auf Frage des Staatsanwalts erklärt Harbich, daß sein Logiswirt, der ihn aufgefordert hat, den Unterbezirk Dortmund zu übernehmen, Leiter der B.K.P.D. in Lünen gewesen sei. Es werden dann genau detaillierte Aufzeichmungen Harbichs über die Bewaffnung der Reaktion ver Lefen. Staatsanwalt: Ich habe, soweit es sich bei den Notizen Harbichs um iffegale rechtsgerichtete Organisationen han deit, nachgeforscht. Das Ergebnis war negativ. Es werden sodann einige Briefe Harbichs verlesen, die in Schlüffelschrift der Reichsaufträge und produktive Erwerbslosenfürsorge lichkeit zu verringern. Dem Unterausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats für niger Gemertfchaften auf Aenderung der Bor. Die Kohlenförderung des Ruhrbezirks( einschließlich des linksschriften zur Erwerbslosenfürsorge vor. Die Ein gabe stellt ein bis ins einzelne gehendes Programm für einen Umbau rheinischen Bedens) hat betragen im Januar 1921: Gesamt. der Erwerbslosen in eine Arbeitsfürsorge auf, da sie von dem Geförderung: 8072 912 Tonnen, arbeitstägliche Förderung 332 904 danten ausgeht, daß keine Unterstüßung, sondern nur Arbeit die Er. Tonnen. Die Gesamtbelegschaft betrug Ende Januar d. J. 537 399 Mann gegen 532 798 Ende Dezember 1920, ist also um 4601 gestiegen. werbslosen ihrer traurigen Lage entreißen tann. die bisherigen Maßnahmen der vorhandenen Not gegenüber nichi höher In der Erörterung wurde von mehreren Mitgliedern betont, daß Die arbeitstägliche Förderung war rund 6000 Tonnen als im Dezember 1920, also etwa auf ausreichten. In vielen Bezirken, besonders im Freistaat Höhe des Monats November. Die auf Lager genomme Sadylen, in Hamburg und Berlin sei fortdauernd eine Armee von nen Bestände find infolge des ungenügenden Abtransportes von Arbeitslosen, die verzweifeln und verhungern müßten, falls nicht 882 000 Tonnen Ende Dezember auf 10 083 000 Tonnen Ende Jadurchgreifende Hilfe eintrete. Eine Erhöhung der Unterstützung sei muar angewachsen, inzwischen aber wieder ein menig zurückgegangen. bei der Finanzlage des Reiches unmöglich, es bleibe also nur ber auch auf sittlichen Gründen vorzuziehende Weg der Arbeitsbe. Die Kohlenlieferungen im Januar. Havas verbreitet folgende fchaffung. Die Reichseisenbahnverwaltung, die Bost und andere Mitteilung: Die deutschen Koblensendungen für den Behörden haben zurzeit Reichsaufträge in Höhe von etwa 16 Milliar- Monat Januar belaufen fich auf 1681 996 Tonnen, wovon den. Für diese Arbeiten müßte eine Arbeitsstredung ein- 1060 482,5 Tonnen Koblen, 398 575,8 Tonnen tots( was 524 767,7 treten, um möglichst viele Arbeiter zu beschäftigen. Der Ausschuß Tonnen Kohlen entspricht) und 96 666 Tonnen Braunfohlenbriketts. nahm folgenden Dringlichkeitsantrag an: Von diesen Mengen wurden 1069 075,5 Tonnen Frankreich Der Unterausschuß für produttive Ermerbslofenfürsorge bean- zugeteilt, 208 012 Tonnen Italien, 274 696 Tonnen Belgien tragt:„ Der Reichswirtschaftsrat hat mit Befriedigung von dem Plan und 130 213 Tonnen Qu gemburg. Die Kriegslastenfommission der Reichsregierung Kenntnis genommen, für öffentliche Arbeiten bat am 29. Januar eine längere Ausführung über die Schwierig im Verkehrswesen und Wohnungs- und Siedlungszwede feiten gefchicht, auf die die deutsche Regierung bei Durchführung größere Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Reichswirtschaftsrat der Kohlenlieferungen stößt. Diese Ausführung unterliegt zurzeit richtet an die Reichsregierung das dringende Ersuchen, die einer genauen Prüfung durch das Koblenamt der Kommission. Ausgabe dieser Aufträge und die Bereitstellung der vorgesehenen Die Deutschen werden von der Kommission angehört werden, Mittet derartig zu beschleunigen. daß der großen Arbeitslosigkeit fobald das genannte amt feinen Bericht zu Ende geführt haben schon in Bälde gesteuert werden fann. Der Reichswirtschaftsrat häft wird. Diese Vernehmung(!), die wahrscheinlich in den ersten Tagen es indessen für notwendig, daß diese Reichsaufträge als not des Monats März stattfinden wird, wird sich jedoch nur mit der tandsarbeiten zu behandeln feien, deren Erteilung an gewiffe eft iegung der von Deutschland im Monat April 1921 au Bedingungen im Intereffe der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geleisten den Koblenlieferungen befassen, während feinerlei fnüpft wird. Aenderungen der für Februar und März festgesetzten erhöhten Zahl Als solche Bedingungen erachtet der Reichswirtschaftsrat in Frage fommen. die folgenden für angebracht: verfaßt find.. Den Schlüssel hatte Harbich aus Essen erhalten, und auch ein Protokoll über eine Sigung in Effen am 17. Januar wurde vorgelesen, an der Schroer, Klingmüller, Rabbich und Harbich teilgenommen haben. Durch alle Schriften zieht sich als roter Faden, daß die Orgefch fertig mobilisiert sei, mogegen angetämpft werden müsse. Schroer erflärte nach Harbichs Notizenin einer Konferenz vom 16. Januar in seinem Referat, eine wähl barkeit der Führer gäbe es nicht. Sie werden von der Parteileitung ernannt. Harbich gibt zu, daß er 3war Parteileitung geschrieben habe, es fet aber auch möglich, daß Schroer Militäroberleitung Stand erreicht hat. sei gefagt habe. Harbich erflärt weiter, bei den zerrütteten Berhältnissen innerhalb der deutschen Arbeiterschaft fönne an ein offensives Vorgehen überhaupt nicht gedacht werden. Wäre es zu feinem Rechts putsch gekommen, der Anlaß gegeben hätte, einzugreifen, dann hätten wir versucht, in den Parlamenten eine Mehrheit 1. Die Bevorzugung folder Bezirke, in denen die Ar- Die Erhöhung der Zuckersteuer auf das Siebenfache! Das beitslofiateit dauernd einen außerordentlich hohen Reichsfinansministerium hat dem Reichsrat einen Gefeß entwurf zur Abänderung des Zuckersteuergesetzes vorgelegt mit der 2. Die Bertetfung der Arbeitsgelegenheit in einer Bitte, die Beschlußfaffung mit möglichster Beschleunigung herbeiBelfe, daß möglichst viele Arbeitslose eingestellt und beschäftigt zuführen. Die 3uder ft euer foll ftatt 14 M. von jetzt ab 100 m. werden fönnen, fowie daß die bisher Bollbeschäftigten für 100 Kilo betragen. In der Begründung des Gesezentwurfs wird. bie gfeichen Arbeitsbeschränkungen erfahren wie die laut ,, B. T." gesagt, daß der Zuckergroßhandelspreis um das Sieben. einzustellenden Arbeitnehmer, unter der Voraussetzung, daß der Aus- fache und der Kleinhandelspreis um das Dreizehnfache des Friedens. fall an Bollarbeitslohn zu gleichen Teilen vom Arbeitnehmer, Ar- preises gestiegen sei, und ber alte Steuerfaß zu dieser starten Preisbeitgeber und Reich getragen wird. steigerung in feinem Berhältnis mehr stehe. Das Reichsfinanzmini fterium rechnet mit einer mehreinnahme aus der Zuckersteuer von rund einer Milliarde; gegenwärtig ergibt diese Steuer nur rund 200 Millionen Mart. 3. Die Kontrolle der Beachtung dieser Vorschriften durch paritätische Aufsichtsorgane. zu erreichen. Wir wären nicht zu der illegalen Organisation gefchritten, wäre die Orgeich nicht in Rheinland- Westfalen, besonders in Dortmund fo gut organisiert gewefen. Borsigender: Ja, aber die Orgesch steht ja auch auf dem Standpunft, erst dann anzus fangen, wenn die Rote Armee bereits angefangen habe. Dr. Wolff: Die Bläne von lints find erst in legter Self ge fchaffen worden, während die von rechts bewaffneten Organisationen feit mehr als einem Jahre bestehen. Im Kreise Siegen werden." Der Reichswirtschaftsrat erachtet es als bringlichste Aufgabe der Reichsregierung, jede Maßnahme auf dem Gebiete der Erwerbslosenfürsorge baraufhin einzustellen daß möglichst viele Arbeits- Preisermäßigung für Meffing. Die deutschen Messingwerte fofe unmittelbar dem troftlofen Elend und der Berzweiflung, in haben den Grundpreis für Meffingbleche um 150 m. auf 2050, für welche sie durch ihre Beschäftigungslosigkeit geraten find, entrissen Meffingstangen um 100 m. auf 1200 m. für den Doppelgentner er mäßigt Kaiser's Kaffee- Geschäft Billigste und beste Bezugsquelle für: Ueber 1000 Filialen Kaiser's Schokolade wieder billiger, die Tafel zu M. 3.40, 4.50, 5.20 und 5.50. 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Hohenschönhausen Berliner Str. 113 Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wilhelmstr 10, Mariendorf Chausseestr. 34 Neukölln Bergstr. 140 Hermannstr. 40 Hermannstr. 119 Kaiser- Friedrich- Str. 242 Nowawes Friedrichstr. 20 Oberschöneweide Edisonstr. 58 Wilhelminenhofstr. 41 Pankow Schönholzer Str. 1 Potsdam Brandenburger Str. 20 Nauener Str. 38 Reinickendorf- Ost Residenzstr. 107 Rosenthal Hauptstr. 10 Schmargendorf Breite Str. 22a Schöneberg Colonnenstr. 66 Tempelhofer Str. 21 Spandau Breite Str 49 Hamburger Str. 35 Jägerstr 1 Neuendorfer Str. 5a Potsdamer Str. 1 a Schönwalder Str. 87 Steglitz Rheinstr. 42 Schloßstr. 85 Südende Steglitzer Str.25 Tegel Berliner Str. 9 Treptow Baumschulenstr. 19/20 Weißensee Berliner Allee 242 Wilmersdorf Berliner Str 131. Nürnberger Str. 33/34 Olivaer Platz 2 Wexstr. 28 Theater, Lichtspiele etc. Opernhaus Die Fledermaus 6½ Uhr Schauspielhaus Neu einstudiert Der Sturm 7 Uhr Deutsches Theater 8 Uhr: Cäsar und Kleopatra Sonnabend, zum 1. Male 7 U.: Die Jungfrau v. Orleans Kammerspiele Volksbühne Theater am Bülowplatz. Das Käthchen v. Heilbronn Lessing- Theater 7 Uhr: Peer Gynt Sonnabend und Sonntag 72: Ein idealer Gatte ( Durieux, Götz, Loos) Montag 7 Uhr: Flamme Deutsches Künstler- Theater Allabendlich 7% Uhr: Heute, zum letzten Male DieScheidungsreise 72 U.: Der pathetische Hut Sbd. 7: Büchse der Pandora Gr. Schauspielhaus ( Karlstraße) 7 Uhr: Danton( auß. Abonn.) So. 7: Flor. Geyer( auß. Abon.) Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Salome ( Kitty Aschenbach, Hartau, Veidt, Liechtenstein, Dernburg) Sonnabend: Salome Sonntag nachm.: Rausch Sonnt.: Jekaterina Iwanowna Komödienhaus 8 Uhr: Das weiße Lämmchen mit Max Pallenberg Sonnt. nachm.: Herr Minister Berliner Theater 148 Uhr: Die spanische Nachtigall mit Fritzi Massary Waßmann, Brandt, Pasch Stg. nachm.: Der letzte Walzer 7/2 Central- Theater Die Postmeisterin Deutsches Opernhaus 7 Uhr: Tiefland Friedr, Wilhelmst.Th mit Max Adalbert und Trude Hesterberg P assageTheater Unter den Linden 22/23 Dir. M. Soliman. 2 Uraufführungen 2 Die goldene Mauer Genfationelles Schauspiel in 5 Atten. In der Hauptrolle: Ludwig Trautmann Mabel May Jong Das Geheimnis der Gladiatorenwerke. Genfation. Abenteuerfilm 2. Teil: Unter der Maske des Sumliers In der Hauptrolle: Louis Ralf Carla Ferra Casino- Theater Lothringer Str. 37. Tägl.48 Der neue Schlager! Der Großfürst Ein lustiges Stück aus dem Berliner Leben in 3 Akten. Berliner Humor! Berl. Typen! Sonntag 3: Eine fidele Ehe. 7% Uhr: Hohelt die Tänzerin Circus Buch KI. Schauspielhaus 74 Uhr: Reigen Komische Oper TU. Baroneßchen Lustspielhaus 71, Uhr: Arnold Rieck in DieMausefalle Metropol- Theater b.: Hollandweibchen Nenes Operettentheat. Der lachende Ehemann Uhr: Neues Volkstheater 7% U.: Der Parasit Schiller- Theat. Charl. 7%.: Der ehem. Leutnant Thalia- Theater 7% Uhr: Mascottchen Th.am Nollendorfplats 7 Uhr: Wenn Liebe erwacht Stg. 3: 3 alte Schachteln Theater des Westens 7% Uhr: Schwalbenhochzeit Sbd. 3 Uhr: Gänseliesel Th.i.d.Kommandantenstr. 7. Der verjüngte Adolar Wallner- Theater 7 Uhr: DieTanzgrāfin 7 Residenz- Theater U. U. Lady Windermeres Fächer U. Hansi Arnstädt Adele Sandrock Arnold Korff Trianon- Theater DieGesellschaftdes Abbé Chateauneuf Hierauf: Abschiedssouper. Leopoldine Konstantin, Ilka Grüning, Herm. Vallentin, Jul. Falkenstein, A. E. Licho, Hugo Flink, Hansi Burg. 7½ Kleines Theater Casanovas Sohn Hans Stosch- Sarrasani| Neue Kismet Attraktion. 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TYPOGRAPHIA Unseren werten Mitgliedern zur Kenntnis. daß bie Einäscherung unseres feit 25 Jahren dem Berein angehörigen braven Mitgliedes Ernst Gerlach am Sonnabend, den 19. Fe. bruar, nachm. 32 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße stattfindet, wozu zahlreiches Erf einen, besonders ber Sänger, erwünscht ist. Der Borstand. Ruder- Verein Vorwärts Am 14. Februar verstarb nach längerem Leiden unser lieber Sportsgenosse Ernst Gerlach Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 19. Fe bruar, nachm. 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Der Borstand. Spezialarzt f. Syphilis, Harn-, Frauen- I leid, Schwäche, Beinkranke Behandig. schnell, sicher u schmerzl.inDr.Homeyer & Co. konz. Lab. Blutuntersuch. Fäden im Harn usw. Friedrichstr. 61. gegenüb. , Panoptik Spr. 10-1, 5-8. Sonnt. 10-1 Teilzahl Separ.Damenzim. Bezirksverband Berlin XI. Kreis( Schöneberg) 77. Abt. Wir bringen hiermit zur Renntnis, daß unser Mitglied, Genosse Albert Bestier am 15. Febr. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Gonnabend, nachm. 4 Uhr, auf dem II. Städt. Friedhof( Blanke Hölle) zu Schöneberg statt. 174/2 Um rege Beteiligung wird ersucht. Der Abteilungsvorstand. Allen Freunden und Be tannten die traurige Mitteilung, daß mein innigftgeliebter Mann und treuforgender Bater, der Chauffeur Gustav Rißmann nach langem, schwerem Leiben am 15. Februar im 45. Lebensjahre fanft entschlafen ist. 3136b Berlin N 65, Türfenstr. 20. Die trauernde Gattin: Pauline Rißmann geb. Klinke nebst Kindern. Die Einäscherung findet am Sonnabend, 19. Febr., abbs. 6% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Rugellager, neu, coftitet, fauft jeden Boften P. Schulze, Billdenowftr. 14, Moabit 648. Trauringe Dutaten 14 Rataf 3 900 geftempelt, Stüd m. 120 an 585 333 TO 99 35,50 99 Bolle Garantie für Feingehalt, ftets vorrätig am Lager. H. BOCK, BERLIN O., Andreasstr. 44 vis- a- vis Jandorf, Fernspr. Aleg. 3265 Neben- Anschl Dringend! Gute Preise! Dringend! 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Kur noch J f heute sIreitag) werüen Wahlscheine aussestellt. H � Jz Gericht über Kohr. München. 17. Februar.(TU.) Bei vollbesetztem t?ause und überfüllten Tribünen begann heute nachmittag im Landtage die Besprechung der Interpellationen der Sozialdemo» traten und der Unabhängigen über die Haltung der bayerischen Regierung zum Pariser Diktat. Der Interpellant der Sozialdemokraten, Abg. Ackermann, griff zunächst den Ministerpräsidenten wegen Ausschaltung des ge- samten Landtages bei den Verhandlungen über die Entwaffnungs- frage scharf an. Dann erklä-te er, daß niemals die Derantwor- tung aller größer gewesen wäre, als in diesem Augenblick. Die Wiedergutmachungsforderungen der Entente verlangten llnmög- liches und Unerfüllbares. Trotzdem müßten wir nach London mit unseren Gegenvorschlägen gehen. Aber der Weg der deutschen Unterhändler sei vollständig hoffnungslos, wenn sie ein durch Miß- trauen entzweites, verkrüppeltes Volk hinter sich ließen. Infolge der jüngsten Vorgänge in Bayern liege diese Gefahr außer- ordentlich nahe. Die Hallung der bayerischen Regierung in der Entwaffnungsfrage habe die Stellung der Reichsregierung ungemein erschwert. Es sei die Schuld der bayerischen Regierung und der Koalitionsparteien, wenn es zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Regierung zu einem folgenschweren Konflikt gekommen sei. Der Redner beschäftigte sich dann ausführlich mit der Einwohnerwehr. Die bayerische Regierung habe den bolschewistischen Schreck benutzt, um deren Notwendig- keit in Bayern nachzuweisen. Auf die Entente habe das aber nicht gewirkt und das Pariser Diktat fordere daher die Auflösung der Einwohnerwehren. Zu diesem Diktat müsse klar« Stellung genommen werden. Leider hätten die bayerisch« Regierung und die bayerischen Koalittonsparteien aber nicht den Mut gehabt, die Konsequenzen zu ziehen, sondern hätten die Verantwortung auf die Reichsregierung abgewälzt. Die bayerisch« Regierung sei überhaupt keine bayerische Regierung mtt eigener Entschlußfähigkeit mehr, sondern der Sklave und Gefangene von Leuten. die sich außerhalb der bayerischen Regierung befänden. Di« augenblickliche Situation in Bayern sei furchtbar ernst, da auch die Flammen nationalistischer Verhetzung emporzüngelten. Vor 11 Monaten habe der Ministerpräsident dem Lande Ruhe und Ordnung versprochen. Heule stehe Bayern vor einem Abgruade, der für Deutschland verhängnisvoll werden könne. Die Parole der Sozialdemokratie fei: Mit Bayern für da» Reich, mit Bayexn gegen das Reich niemals! Die Unabhängigen verzichteten auf eine Begründung ihrer Inter- pellation. Gegen M5 Uhr nahm der Ministerpräsident Dr. o. Kohr zur Beantwortung der Interpellation in Anwesenheit des Gesamt- Ministeriums das Wort. Ministerpräsident Dr. v. Kohr wies zu- nächst ausführlich die Vorwürfe zurück, daß er aus Gering- s ch ä tz u n g für den Landtag oder unter Beleidigung großer politi- scher Parteien die erste Interpellation der Unabhängigen nicht beantwortet habe. Er erklärte, daß er auch jetzt noch an die streng« Vertraulichkeit der Berliner Ministerkonserenz gebunden sei. Di« Heranziehung der Oppositionsparteien zu den Verhandlungen der bayerischen Regierung mit den Koalttionspar- teien hätte nicht der Sachloge entsprochen, nachdem die Oppositionsparteien es abgelehnt haben, sich an der Regierung?- Verantwortung zu beteiligen. Bei den Verhandlungen zwischen der bayerischen Regierung und den Koalitionsparteien habe auf ollen Seiten von vornherein festgestanden das treue Festhalten am Reich, das überhaupt von keiner Seite auch nur einen Augen- blick in Zweifel gezogen wurde. Der Standpunkt der bayerischen Regierung und der Koalitionsparteien sei dahin gegangen, daß die Auflösung der Einwohnerwehr von den alliierten Mächten unter irgendeinem Rechtstitel nicht verlangt werden könne, und daher abgelehnt werden müsse, daß ihre Entwaffnung zurzeit und innerhalb der neuerdings festgesetzten Termine tatsächlich nicht möglich sei und den Staat auis allerschwer st e schädigen müßte. Außerdem gehe die Auffasiung dahin, daß e» unrichtig wäre, sich mit der Frage der Durchführung des Entwaffnungsdiktator» zu befassen, ehe man wisie, wie die Verhandlungen in London laufen. Di« Einwohnerwehr habe keinen anderen Zweck als den Schutz der Ruhe und Ordnung, sie sei oerfasiungstreu, habe ihre Aufgabe noch niemals mißbraucht, fei weder ein Instru- ment im Dienste der Reaktion, noch habe sie irgend- welchen militärischen oder militaristischen Charakter. Daß die staatliche Wiedergenesung Fortschritte gemacht habe, sei im wesentlichen ihrer Unterstützung zu danken. Sie werde ganz von selbst verschwinden, wenn der Staat genügend e r st a r k t sei. um seinen ganzen Bestand sicherzustellen und der Bevölkerung den notwendigen Schutz zu gewähren. Heute schon festzulegen, bis zu welchem Zeitpunkt das der Fall fein wird, fei schlechterdings unmöglich. Heute sei er noch nicht erreicht. Di« Um» sturzbestrebungen dauern fort. Die Vorbereitungen für den Um» stürz seien sehr»rnst zu nehmen, ebenso die balschewisti» sche Gefahr von außen, da sich die bolschewistische Agitations- zentrale in einem der Nachbarstaaten befinde. Dieser Gefahrzustand wird sich noch verschärfen durch die Verschlechterung der Wirtschaft- lichen Lage, wachsende Arbeits'osigkeit und das Elend in den öfter- reichischen Ländern. Das Pariser Diktat selbst bedeute eine starke Förderung des Radikasismus und des Bolschewismus. Angesichts dieser Lage sei die Einwohnerwehr noch wie vor eine staatliche Lebensart w-ndigkeit. Unsere Gegner wür- den sich der Logik der Tatsachen nicht auf die Dauer entziehen können. Wir haben es für unser« heilig« Pflicht erachtet, diesen Standpunkt» auch der Reichsreglerung mit allem Nachdruck gegen- über zu vertreten Sollte die Reichsregierimg zu der Anschauung gelangen, sich diesem Standpunkt nicht anschließen zu können, so müßte sie für alle Maßnahmen, welche sie etwa treffen sollte, auch die ausschließlich« Lerautwortung»ach jeder Bich- wog hin trage». I Die Koalittonsparteien gaben dann eine gemein- fam« Erklärung ab. welche die Hoffnung ausspricht, daß ein Weg gefunden werden wird, der die erforderliche Berücksichtigung der Lebensnotwendigteitcn des Reiches und Bayerns mtt der lonalen Ausführung übernommener Verpflichtungen zu vereinbaren vermag.— Der U.S.P.-A bgeordnet« Neumann griff die Regierung aufs schärfste an. Die sozialistische Arbeiterschaft werde nicht vor den schwersten Kämpfen zurückschrecken. Im Falle eines Bruches sei dafür gesorgt, daß nicht eine einzig« Tonne Ruhrkohle mehr nach Bayer» komme. Auch der sozialdemokratische Abgeordnete Timm kritisierte die Rede des Ministerpräsidenten. Unsere Unterhändler in London müßten sich auf das Vertrauen oller Volkstrcise stützen können. Untergeordnete Fragen wie die Einwohnerwehr könnten nur hemmend wirken. Nachdem noch der Kommunist Aenderl für ein Bündnis mit Rußland gegen die Entente Stimmung gemacht hatte, kam der Ministerpräsident Dr. v. Kohr nochmals kurz zum Wort und erklärte, die Einheit des deutschen Volkes soll und darf uns nicht gefährdet werden. Der Präsident stellte noch fest, daß weitere Wortmeldungen nicht vorliegen und der Gegenstand erledigt sei. die Gntenteforüerunssen eingetroffen. Berlin, 17. Februar.(WTB.) Bon der Reparationskom- Mission sind der deutschen Regierung in den letzten Tagen die Schadensberechnungen des größten Teils dP Enkente- staakeu gemäß Artikel 233 des Friedensoertrages zur Aeuße- rung übersandl worden; der Rest der Berechnungen ist für die nächsten Tage angekündigt. Auf Grund dieser Berechnungen beabsichtigt die Reparalionskommlssion gemäß dem genannten Ar- tikel bis zum 1. Mai d. 3. die Gesamtsumme der von Deutschland zu vertretenden Schäden festzusetzen. Sie hat der deutschen Regierung für die Acußerung kurze Fristen gestellt, die bei dem Umfang des Materials und dem Fehlen ausreichender Unterlagen unmöglich eingehalten werden können. Der Rcparations- kommission ist eine entsprechende Erklärung abgegeben worden. Ueber die höhe und den Inhalt der Schadensberechnungen wird näheres bekanntgegeben werden, sobald die Sichtung des Materials eine Uebersicht gestattet. Rumäniens Ansprüche: SR Milliarden Goldlei! Berlin, 17. Februar.(Dena.) Wie die Dena von zuständiger Stelle erfährt, hat Bukarester Zettungen zufolge Rumänien durch seinen Vertreter Niculcea bei der Wiedergutmachungskommission in Paris Entschädigungsansprüche in einer Gesamthöhe von 31099 440182 Gold-Lei angemeldet.(Rumäniens Anteil an der deutschen Kriegsentschädigung wurde auf der Interalliierten Kons«- �.....••imUlpM-miimHil........................................... [ Wahlausweife j f Amtliche Wahleinladungskarten werden zur M � Wahl am 20. Februar nicht versandt. Zeder J 1 Wähler— Mann und Frau— nehme daher= [ eine Legitimation(Paß, Steuerquiltung. Ver-} i sicherungskarte, Mietvertrag, Geburts» oder£ f Keiratsurkunde) zur Wahl mit. - i 5Tiln..iH[lilTlhliinn>lllll)llhi.HitttltTUitiiinil1iHTlThi,ui,tlflni!thi*mtlllHIUliiiiiilltfnilhniiitl1li1ifllMni.itffk renz ht Brüssel im Juni 1920 aus 2 Proz. festgesetzt. D. Red.) Der Betrag der von der deutschen Mttitärvenoaitung durch die Vanca Generala veranstalteten Banknotenemission sowie das Gelddepot der Banca Nationala bei der Reichsbont in Berlin sind in die Gesamtsumme nicht einbegriffen. Das Quantum o b e rs chles i sche r Steinkohl«, auf wel- che» Rumänien aus Grund des Versailler Vertrages Anspruch erhebt, ist noch nicht endgültig festgestellt. Nach vorläufiger Schätzung soll dasselbe etwa 10 000 Waggons jährlich betragen.(Laut Artikel 231 des Versailler Friedensvertrages ist Deutschland oerant- worllich für olle Kriegsschäden und-kosten aller alliierten Staaten, also auch solcher, die ganz unzweifelhafte Angreifer im Weltkriege waren. Bekanntlich wurden die Petroieumgruben in Ru- mänien während des Rückzuges aus englischen Befehl und durch englisch« Offiziere systematisch und gründlich zerstört, um ihre Ausbeutung durch die Deutschen zu verhindern. Aber dennoch soll der.Boche" die Zeche bezahlen! Die Red.) Auch Serbien... Belgrad, 17. Februar.(EE.) Der Ministerrat nahm den De- richt des Unterausschusies, der die Kriegsschäden Serbien» und die Ansprüche aus Wiedergutmachung festsetzen soll, zur Kenntnis. Es ist nicht bekannt, wie hoch die Summe sich belaufen wird, die Südslawien von der deutschen Wiedergutmachung zu sordern gedenkt. Nur soviel ist sicher, daß die Südflawen mit einer zweieinhalbpro- zentigen Beteiligung, wie sie bisher sestgesetzt wurde, keinesfalls einverstanden sind. Ententeeinspruch gegen Sozialisierung in Deutschland. Pari». 17. Februar.(Dena.) D«r„Temps" stellt«infti Einspruch der Entente gegen die Sozialisierungen im Deutschen Reich in Aussicht, falls diese deutsche Staatsmittel in An- spruch nehmen sollten und sie dadurch der Wiedergutmachung ent- zögen. Vor neuen Heldentaten... pari». 17. Februar.(TU.) Eine wichtig« Konferenz hat heute morgen beim Ministerpräsidenten stattgesunden, an der außer B ri a n d B a r t h o u, die Marschälle Fach und P e t a! n und die Generale B u a t und W e y g a n d teilgenommen haben. Briand hat außerdem General Franchetd'Esperey empfangen, der au» Serbien zurückgekehrt ist._ Die Grientkonferenz. Part«. 17. Febr.(WTB.) Der griechische Ministerpräsident K a l o g e r o p u l o s ist mit elf Begleitern nach London abgereist. Die türkische Konstantinopeler Delegation, bestehend aus dem Großwesir Tewfik Pascha und dem Vertreter der Türkei in Rom, Osmonn Risamt Pascha, sowie zwölf Beiräten. Sach- oerständigen und Sekretären, ist durch Paris nach Lyndon gereist. Kabogeropulos erklärte dieser Tage, er sei ein Gegner von Veniselo», aber beim Diktat von Sevres müsie es bleiben. Dunkel ist der Sinn der britischen Thronrede, daß das Recht im Orient wiederhergestellt werden solle. Haben sich Londons Auf- fasiung vom Recht geändert?--- Die Abordnung der Kemal- türken von Angora soll angeblich in London nur zugelasien werden, wenn sie sich der Konstantinopeler Delegation anschließt. Kemal selbst hat Erklärungen veröffentlicht, wonach er keineswegs mtt Moskau durch dick und dünn gehen wolle. Allerdings versichert Kemal» Außenminister, vetir Sa«» v«y,« einer Not« nach, D>»">»�p,»..... iiiiiuiii..................................................................................'iiiii(in"""n!t l Stimmzettel j f die in allen Groß-Berliner Wahlkreisen für alle 1 | Wahlen gültig sind(Landtag, Provinziallandtag, j f Kreistag), sind überall bei den örtlichen Juaktio- 1 k nären der Sozialdemokratischen Partei, im Bezirks-£ f sekretariat, Berlin NW., In den Zelten 23(Fem- H � sprecher: Äanja!424— 25), sowie an den Wahl- i f lokalen erhältlich. H Moskau, daß die Nichterfüllung der türkischen Forderungen in London erst recht den Kampf entbrennen lassen werde und daß— Treue um Treue— Sowjetrußland der natürliche Verbündete Angoras sei. Die Abordnung von Angora ist in Rom eingetroffen und wurde nachmittags von Graf Sforza empfangen. Angora und Konstantinopel. Paris, 17. Februar.(Havas.) In Konstantinopel Ist das erste Telegramm von M n st a s a Kemal an den G r o ß w« s t r ver- ösientticht worbrn. Dar!» wird gesagt, ein»■;rl'.iilxs Ergebnis könne m London nur erzielt werden, wenn die türkische Delegation durch Me Nationalversammlung von Angora bestimmt sei. Die tür- l'iche Regierung in Konstantinopel könne Berater für diese Del«- gatton bestimmen die Aufklärungen und Veleze zur Beneidigling der Rechte und Forderungen des türki'chen Volkes beibringen kö-ntcn. Im Falle der W.igerung der ru-k'schcn Regierung werde die Nctionalvcriammlung von Angara in voller Freihett handeln und d-e Verantworilichkeit für diese Weigerung werde von der Regierung von Konstantinope. getragen werden müssen. Schlechte Wahlerfahrnngen der Volschewiki. Kopenhagen, 17. Februar.(OE.) Die amtlichen Moskauer Mel- düngen, wonach die Kommunisten die absolute Mehrheit in der Konstituante der Republik des Fernen Ostens haben würden, sind durch die vollständigen Wohlergebnisse nicht bestätigt worden. Nunmehr meldet ein Moskauer Funkspruch: In die Konstituante der Republik des Fernen Ostens wurden endgültig 424 Deputierte gewählt. An den Wahlen beteiligte sich die ganze Bevölkerung von Selenga bis zum Stillen Ozean. Die Deputierten sind überwiegend Bauern. Der Partei nach sind 147 Kommunisten, 20 Sozial- revolutionäre, 40 Menschewisten und 20 Bujaten(ein hochkultivierter sibirischer Volksstamms Ueber die Stärke der Bauernfraktion und der bürgerlichen Gruppen macht der Funkspruch keine Angaben. Unter den Deputierten befindet sich eine Frau. Der Tag der Er- öffnung der Konstituante, der 12. Februar, ist zu einem allgemeinen republikanischen Feiertag erklärt worden. wichtige Neichsratsbeschlüffe. Der R e i ch s r a t genehmigte am Donnerstag«ine Verordnung zur Ausführung des vom Reichstag beschlossenen fZiotgesetzes über die Förderung de» Wohnungsbaues. Diese enthält allgemeine Grundsätze für die Hergabe von Reichszu- schüffen für Wohnungsbauten. Angenommen wurde der Entwurf einer Verordnung, wonach die Demobilmachungsausfchüsie und-kommiffare in den einzelnen Gemeinden aufgehoben werden. Bis zum 31. März 1922 treten alle Anordnungen über die wirtschaftliche Demobil- machung außer Kraft, sofern nicht eine gesetzliche Fesllegung erfolgt ist. Nunmehr erstattete der braunschweigische Gesandte Boden Bericht über Sie Erhöhung See Postgebühren. Es handelt sich darum, das Postdefizit von rund vier Milliarden möglichst zu beseitigen. Von der Erhöhung der Gebühren wird allerdings nur eine Mchreinnahme von 2 Milliarden erwartet. Das Gesetz wird dahin abgeändert, daß das Porto für den einfachen Brief SO Pf. und Postkarten 40 Pf. bettagen soll, für Briefe über 20 Gramm bis 100 Gramm 1 Mi. Briefe über 100 Gramm 1,S0 M. Ansichtskarten können zum Drucksachenporto befördert werden, wenn sie nicht mehr als fünf handschriftliche Worte und die Absender enthalten. Auch die Postscheckgebühren werden erhöht. Bei den Postscheckgebühren haben die Ausschüsse unter sonstiger Zustimmung zu der Vorlage eine Zwischenstufe von 1000— 2000 M. eingefügt. Die Postscheckämter haben den Finanzämtern Auskünfte zu erteilen. Das Telegramm- wort wird auf 30 Pf(Mindestgebühr drei Mark) erhöht. Schließlich erledigte der Reichsrat noch die beiden Eisenbahnelak» für 1920 und 1921. Während 1920 noch mit einem Defizit von 18,2 Milliarden rechnet, ist dieses für 1921 infolge der aus der Tarif- erhöhung zu erwartenden Mehreinnahmen nur noch auf 6 Milliarden berechnet. Ministerialdirektor Sachs betonte aber, daß dies nur für den ordentlichen' Etat gelte. Auch für 1921 werde wohl mtt einem Fehlbetrag von 11,7 Milliarden gerechnet werden können. Ein Neaktionär weniger. Schwerin i. Meckll, 17. Februar.(Eigener Drahtbericht de» „Vorwärts".) Ministerialdirektor Walter hat feine Eni» l a f f u n g genommen. Walter, der als der reaktionärste, aber ein» stußreichste Beamte galt, soll besonders dem