Itr« ♦ ZS. �ahrgasg Msgade ö Nr. 41 v�«s»VretS» «ertelillhrl. ZV.— M-, monaL. 1V,— 9, frei Ins Haus, voraus zahlbar. Post» brzug! Monatlich lv,- M, exkl. gn- stellungsgebllhr Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich>6,50 St, für das Übrige Busland bei täglich einmal. Zustellung 21,50 M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tichecho-Elomalei. Dtin» Marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post-Zeilnngs-Preisliste. Ger �vorwärts" mit der Sonntags- beilaßt:.Boll und ZeU* und der Unterhaltungsbeilage«Heimwelf erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse! »Sozialdemolral Loci in«. Abend Ansgabe Derlinev VolksblAtt ( 20 Pfennig) Anzeigenpreis l Di» achtgespaltene Ronparrillezetle kostet 5&i M.»filein* Anzeigen« das lettgebruckte Wort l�v M.. sedes weitere Wort l.— M. Stellengesuche und Schiasstellenanzelgen das erste Wort V— SR, jedes weitere Wort 60 Pfg. Worte über 15 Buchstaden zählen für zwei Borte. Familien-Au» zeigen für Abonnenten geile Z.— SR. Die Preise»erstehen stch einschließlich Teuerungs, Uschlag. Anzeigen für die nächste Simmner müssen bis. 5 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SB 6g, Linden- straße 3. abgegeben werden Deöffnet oon» Uhr früh bis 5 Uhr abends. Tentralorgan äer fozialdcmokrati fcben Partei Deutfcblands Nsöaktion und Expedition: SW HS, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Mortssplatz, Nr. ISl SU— iS1S7 Freitag, den 18. Februar 1V21 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW HS, Llndenstr.Z _ Fernsprecher, Amt Moritzplatz. Nr. l17SS-S4 vom preußischen Wahlkampf. Zum öeutfthnationalen Parteikrach. Die„Deutsche Zeiwng' veröffentlicht eine Zuschrift der Ortsgruppe Potsdam des„Deutschen Herold". Die Ortsgruppe Potsdam kämpft, wie aus der Zuschrift ersichtlich ist, gegen die Richtung Wulle und fordert, daß die AnHanger dieser Richtung ausgeschlossen werden. Die Ortsgruppe Potsdam klagt über Quertreiberei, Zersplitterung und Zersetzung des Verbandes, zumal die beiden Vorsitzenben ihr Amt niedergelegt hätten. Die Entscheidungsschlacht in diesem Frosch» mäusekrieg wird, wie wir schon meldeten, am 6. März in einer Hauptoersammlung ausgefochten werden. In der Erklärung der Ortsgruppe Potsdam finden wir dann folgenden Satz be- sonders bemerkenswert: mu großem Unwillen haben wir davon kiennwis genommen, daß das durch den hauplvorfiand als streng vertraulich versandte Rundschreiben vom 5. Aebruar Eingang in den.Vorwärts' ge- suuden hat. Wahrhastig sonderbar, höchst sonderbar! Als das Rund- schreiben im„Vorwärts" erschien, hieß es in der deutschnatw- nalen Presse, das fei eine Mystifikation und eine plumpe Fäl- schung. Ei, Schiedsgericht. Folgende Mitteilung geht uns mit der Bitte um verössent' lichung zu: Bei dem Wechsel der Hauptfchristleitung der„Deutschen Zei- tung" find persönliche Differenzen zwischen uns an die Oeffentlich- keit gelangt, die im Interesse der nationalen Bewegung durch ein von uns angerufenes Schiedsgericht einwandfrei geklärt und restlos beseitigt worden sind. gez. v. Schilling, gez. Wulfe. Rechtsputschiften vor üen Wahfev« Aus Breslau meldet uns ein eigener Drahtbericht: .Die Mitteilungen der Breslauer„Dolkswacht" über die Nüst um gen der Rechtsputschisten in Schlesien haben in der Prooinz Schlesien selbst großes Aussehen erregt. Die rechts- radikale„Schlesische Tagespost" hat sofort zu Vertuschung-- zwecken sich auf dem Umweg über Berlin melden lassen, daß die — Kommunisten in Schlesien ihrerseits Putschabsichten hätten. Der Breslauer Polizeipräsident Gehetmrat Liebermann mußte aber gegenüber diesen lächerlichen.Enthüllungen" der Rechten in einer omtlichen Mitteilung darauf hinweisen, daß die Kommunisten in Schlesien nur ganz geringen Anhang besitzen und die Mittel zur Durchführung großsprecherischer Drohungen auch nicht haben. Damtt sind die Enthüllungen der Rechtspresse als Abwehrmanöver und W a h l m a ch e deutlich genug gekennzeichnet. Die Breslauer.Volksmacht" fragt gegenüber der konfer- vativen„Schlesischen Zeitung", die die sozialdemokratischen Meldun- gen nicht ernst nehmen will, ob die Bildung bewaffneter Banden in Niederschlesien unter dem Kommando de» Generalmajors Freiherrn v. L ü t t w i tz(nicht der Kappist) mtt dem Stabsquortier Glogau und dem Reservetommando des Obersten Litzmcmn mit eingeteilten Orts- und Landesschützen nicht als bewaffnete Bande gilt. Dem Staatskommissar für öffentliche Ordnung ist das Material, auf dos sich die.Dolkswacht" stützt, auch bereits übermittelt worden." Daß die Rechtsbolschewisten ihr« Reihen schließen, ist wahr- scheinlich und begreiflich. Unbegreiflich aber ist, daß die sozialistische Arbeiterschaft sich immer noch gegensettig befehdet, anstatt einig und geschlossen allen Rechtsputschisten gegenüberzutreten. Aller Puffchspuk wird verfliegen, wenn der 20. Februar eine sozialdemo- kratische Mehrheit gibt. der Korruptionsfonös. Breslau, 18. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Der in Breslau nach Mitteilung der„Breslauer Dolkswacht" ge- gründete Untcrnehmerverband zur Unterstützung bürgerlicher Parteien, die die Interessen der Unternehmer- ichaft des Großhandels und der I n d u st r i e wahrnehmen wollen, ist, wie sofort von der Parteipresse vermutet wurde, teme auf Schlesien beschränkte Erscheinung. Das Material, das unserem hiesigen Parteiblatt in die Hände gefallen ist. ergibt, daß auch in Bayern, Rheinland-Wesffalen, in Magdeburg, Halle und in Thürin- gen ähnliche Organisationen unter dem Titel:„Wirffchastsbund der Industrie' tätig sind. Der Großhandel ist dort nicht zugezogen worden. Die.Breslauer Volksmacht' ist in der Lage, die Namen der Vorstandsmitglieder dieser schlesischen Organisatton zu Wahl- korruptionszwecken zu veröffentlichen. Es sind durchweg bekannte Großindustrielle und Großhändler, zu Teil übrigens Juden. Das ist um so bemerkenswerter, als die Deutschnationale Bolls- Partei bisher mtt keinem Wort bestritten hat, das Geld an» genommen und die Bedingungen des Verbandes unterschriebe» zu haben. Die„Deutsche Demokratische Partei' und die Zentrums- portei haben dagegen mtt großer Verspätung und anscheinend nach schwere» inneren Kämpfen öffentlich dementiert, daß sie die Bedin» gungen de» Geldgeberverbande» unterschrieben haben, von demo- kratsscher Lette werden aber unseres Wissen» indirekt noch heut« die Verhandlungen weitergeführt, und eine Reihe von bekannten Demo- traten gehört dem Dorstand des Verbandes ebenfalls am f- deutschnationale Erpresser! Die Korrespondenz der Deuffchnationalen Dolkspartei" bleibt bei der Behauptung, daß ihrer Partei das Manuskript der Schrift: „Deuffchnattonale oder Jüdische Dolkspartei?' für 20 000 Mk. zum Ankauf angeboten worden sei. Wäre diese Behauptung richtig, so wäre sie für die Deutschnationale Volkspartei wenig ehrenvoll. Wir sind aber der Wahrhett schuldig zu erNären, daß von uns für den Abdruck jene» interessanten Dokuments aus dem deuffchnationalen Parteileben nicht ein Pfennig Honorar gefordert worden ist. Aufbauen wollen die bürgerlichen Parteien: Die Preise für den Lebensbedarf., Die Vorrechte für Junker und Kapitaliste». Die Monarchie. De« alten Militarismus. Die Gesindeordnnng. Die Macht der Kirch« über die Schule. Niederreiße» wollen die bürgerliche» Parteien: DaS Mitbestimmungsrecht deS arbeitenden Volkes. Die Steuer» auf Besitz und hohe Einkommen. Das gleiche Recht der Fraue». Die Republik. Das Koalitionsrecht der Arbeiter. Beamten und Angestellten. DaS gleiche Wahlrecht. Die Sozialdemokratie will es umgekehrt machen. Wählt S.P.D. Luöenüorffs fiberwih. Von den Alldeutschen bescheinigt. Die„Deuffche Zeitung" wettert gegen die Anerkennung der ehemal» russischen Randstoaten durch die Entente. Sowjetrußland werde sich gewiß nicht daran kehren, aber auch ein zukünftiges Ruh- land nicht. Die„Deuffcke Zeitung' schreibt: Das kommende Rußland wird es als seine erste und vor- nehmst« Aufgabe ansehen, sich die Wege»zu den Meeren wieder freizumachen und die aberwitzigen Landsperren zu vernichten. Das hätte sich jeder andere vernünftige Staat gleich von selbst sagen können, ehe er feierlich mit.anerkannte', insbesondere aber venffchland, dem es doch am meisten daran liegen müßte, mit dem großen Nachbar im Osten w Frieden zu leben. Arm«„Deuffche Zettung'I In der Hitze des Gefechts hat sie ganz vergessen, daß die russisch« Randstaatenpolttit nicht von der Entente, sondern 1917 von den Alldeutschen unter Führung Ludendorff» begonnen wurde. Ludendorff war es, der die„aberwitzigen Landsperren' gegen Rußland zuerst er- richtete. Welche» Dernichtungsnrteil gegen Ludendorff liegt in den Worten der„Deuffchen Zeitung". Versammlungen. Der 20. Februar! In einer sehr gut besuchten Versammlung in Lichtenrade sprach Genosse Eduard B e r n st e i n über den 20. Februar. Der Redner schilderte die Ursache des furchtbaren Elends, in dem das deutsche Volk sich befindet: zugleich legte er aber dar, wie dem abzuhelfen sei. Er erinnert« an die Vorschläge, die unser Landwirtschaftsminister Genosse Otto Braun zum Aufbau der Landwirtschaft gemocht habe. Ferner zeichnet? der Redner in kurzen Ausführungen die Kulturarbeit, die die Sozialdemo- kratie auf allen Gebieten geleistet habe. Die Stellung der einzelnen Parteien von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten wurde den Zuhörern dargelegt. Großer Beifall lohnte ihn für seine Dar- legungen. In der Diskussion meldete sich ein U.S.P.-Vertreter, dessen Ausführungen den Unwillen der Berfammluna hervorriefen. Das vsn dem Redner Gesagte gipfelle in ein persönliches Herunter- reißen der führenden Persönlichkeiten der S.P.D. Von mehreren Diskussionsrednern und dem Referenten wurde der ll.S.P.-vertreter schlagend abgefertigt. Kommunistischer parteiwirnvarr Die„Rote Fahne" veröffentlicht folgende Mitteilung: Die Zentrale unserer Partei beschloß in ihrer gestrigen Sitzung den Ausschluß von Otto Thomas und Otto Graf wegen der bekannten Vorkommnisse in der Münchener Partei. Diese beiden Kommunisten hatten bekannttich in München die Verbrüderung mit den Nationalisten und die gemeinsame Vorbereitung zum Reoanchekrieg gegen die Entente ein- geleitet. Den nach München gesandten Vertretern der Partei- zentrale war es zwar gelungen, in der Parteiversammlung ein Mißbilligungsvotum gegen das Verhalten von Graf und Thomas durchzudrücken, doch wurde den beiden kommunisti- schen Revanchepatrioten nachträglich sofort wieder ein Ver- trauensvotum erteilt. Dem Münchener Vertrauensvotum folgt nun der Berliner Hinauswurf. Dieser Vorgang ist nur ein Zeichen mehr dafür, daß es m der V.K.P.D. an allen Ecken und Enden brennt. Die Ver- liner Lokalorganisation steht gegen die Reichszentrale, diese bemüht sich vergebens, in München Ordnung zu schaffen, sie muß sich dabei von der Berliner Opposition sagen lassen, daß sie selbst an der Münchener Konfusion schuld sei. Denn die Reichszentrale hat die Parole„Bündnis mit Sowjet- r u ß l a n d l" ausgegeben, sie will damit das Bündnis Deutsch- lands ohne Rücksicht auf dessen innerpolitische Verhältnisse mit Rußland als ein Schutz- und Trutzbündnis gegen die Entente. Von da bis zur Münchener Verbrüderung mit den Rationa- listen Ist nach der Auffassung der Berliner Opposition nur ein Schritt. Die„Rote Fahne", die auf selten der Zentrale steht, wendet sich in der gleichen Nummer gegen die Behauptung der„Freiheit", Dr. Levi habe seinen Brief an den geheimen Abgesandten Moskaus in Berlin absichtlich verloren und damit eine eigenartige Flucht in die Oeffentlichkeit angetreten. Sie behauptet, daß jener Brief ehrlich verloren und von den Unabhängigen gemaust worden ist. Aber wie dem auch immer sei, so hat auch dieser Brief die furchtbare innere Zerklüftung der V.K.P.D. enthüllt, und seine Veröffentlichung hat zu ihrem weiteren Fortschritt beigetragen. Aus dem Brief ergab sich bekanntlich, daß man in Moskau mit Levi sehr unzufrieden ist und daß Levi sein Verbleiben als Vorsitzender der Partei von der Entscheidung Moskaus abhängig macht. Es ist wahrlich zum Lachen, wenn diese konfuse, in sich total zerrissene Gesellschaft in dem gegenwärtigen W a h l k a m p f mit dem Ausspruch hervortritt, sie wolle„die Einhettsfront des Proletariats" herstellen. Wie sieht es denn mit ihrer eigenen Einheitsfront aus? Immer wieder er- füllt sich an den Arbeiterzersplittereni der unerbittliche Spruch der Geschichte, daß wer die Einigkeit der Arbeiterklasse frevent- lich spaltet, selbst dem Fluch der Spaltung anheimfällt. Mögen doch die Arbeiter begreifen, daß jede Stimme, die am 20. Februar ffir die Veruneinigte Kommunistische Partei abgegeben wird, die verhängnisvolle Zersplltterung der Arbeiterklasse vermehrt, ihre Aktionskrast lähmt und ihren gefährlichsten Feinden Vorschub leistet. In den Aufrufen dieser Partei kann man jetzt lesen, daß sie das unmittelbare Glück der Arbeiterklasse anstrebe. So hieß es in der„Roten Fahne" vom letzten Mittwoch: Der Kommunismus ist eine Frage nicht der fernen Zukunft, sondern von heute und morgen. Der Kommunismus ist der Kampf um Fleisch und Brot und Stube und Küche, um Hemd und Rock, um die Fa- briken und das Land, um das Leben unserer Kinder... Das ist der Weg, den der Kommunismus geht. Darüber, ob ihr ihn gehen wollt, sollt ihr am 2 0. Februar enffcheidrn! Früher hatten die Kommunisten gelehrt, daß das Wählen eine vollkommen gleichgültige Sache sei. Heute fällt nach ihrer Auffassung am Wahltag die Entscheidung darüber, ob die Arbeiter�„Fleisch und Brot, Stube und Küche, Hemd und Rock, Fabriken und Land" haben sollen. Sie brauchen nur einen„richtigen", einen kommunistischen Wahlzettel in die Urne zu werfen, und sie kriegen das alles! Ein blödsinnigerer Versuch, die bedauernswerte Un- wissenheit mancher Wählerschichten zu mißbrauchen, eine plumpere Wahldemagogie ist noch niemals dagewesen! Solange bei den Kommunisten noch die ehrlichen Fana- ttker und nicht die mit allen Mitteln um Mandate kämpfenden Demagogen das große Wort hatten, wurde zugegeben, daß der Sieg des Kommunismus dasElendderArbeiter- klassezunächstnurnochvergrößern würde. Aber. so sagten die Fanatiker, die Arbeiterklasse müsse auch noch ourch dieses Elend hindurch, um dann später die Gesellschaft nach ihren Bedürfnissen aufbauen zu können. Mit einer solchen Lehre konnte man aber freillch höchstens eine kleine Schar religiös begeisterter Kämpfer gewinnen, sie war kein Köder, um Wähler zu fangen. Also hat man heute. leichter als den Rock, die Ueberzeugung gewechselt und preist den Kommunismus als eine Methode, den notleidenden , Massen„nicht in ferner Zukunft, sondern heute und morgen I alles zu verschaffen, wonach ihr Herz begehrt". Sogar vom„Leben armer Sin der* wird schein- ! eilig gesprochen. Dabei weiß jeder ehrliche Kommunist, daß die ungeheure Verwirrung, die nach einer plötzlichen Macht- ergreifung durch die Kommunisten entstehen würde, die aller- schlimmste Gefahr für die Volksernährung wäre und daß den Kampf, der dann entbrennen würde, Hunderttausende von Arbeiterkindern mit ihrem Leben bezahlen müßten. Gerade diese schauerliche Aussicht ist es, die jeden denkfähigcn Arbeiter daran hindert, die kommunistische Toll- heit zu unterstützen. Es gibt nur ein Entweder— Oder. Entweder, die Kom- munisten wollen den blutigen Kampf, die gewaltsame Macht- ergreifung, den wahnsinnigen Versuch, die ganze kapitalistische Gesellschaft im Handumdrehen zu einer kommunistischen zu verwandeln, und dann müssen sie den Mut haben zu sagen. daß ihr Weg über die Leichen von Erwachsenen und Kindern geht. Oder aber, sie haben endlich begriffen, daß nur die Eroberung der politischen Macht durch geistige Mittel und die schrittweise Umgestaltung der Gesellschaft vom Kapitalis- mus zum Sozialismus der Arbeiterklasse„Fleisch und Brot, Stube und Küche, Hemd und Rock" verschaffen kann, und dann müssen sie zugeben, daß sie Esel gewesen sind und daß die Sozialdemokratie recht gehabt hat! Die Kommunisten werden am 20. Februar nur einen neuen Beweis dafür erbringen, wie weit sie von der Er- greifung der Macht entfernt sind. Vielleicht werden sie etwas an Stimmen gewinnen— das ist immerhin möglich! Aber gewiß ist, daß sie sich durch die Methoden, mit denen sie diesen Wahlkampf führten, selberdenHals gebrochen haben. Zwischen den ehrlich Irrenden unter ihnen und den mandathungrigen Revolutionsschwindlern wird dann der Kampf auf Leben und Tod entbrennen, die Gegensätze, die man selbst jetzt im Wahlkampf nicht ver- schleiern kann, werden mit Ungestüm aufbrechen— jenseits dieses Trümmerhaufens aber wird sich die E i n h e i t s- front des Proletariats wieder aufbauen in den Gewerkschaften und in der Sozialdemo- kratischen Partei. Wer diese Wahrheit jetzt schon erkannt hat, der wählt am Sonntag sozialdemokratisch! de?„Maffenrfng" Ser Verschwörer. fi.-.sicl, 18. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Das heutige„Kasseler Volksblatt" schreibt unter der Ueberschrift „Hier ist der Beweis": Der Staatsanwalt Dr. Meier, der im Augenblick mit allen Mitteln staatsanwaltschaftlicher Kunst sieben Kommunisten aus dem Ruh'rgebiet vor dem Kasseler Sondergericht einen Strick zu drehen versucht, hat vor einigen Wochen das Verfahren gegen den Jung- deutschen Orden eingestellt, da es sich nach seiner Meinung um eine harmlose Organisation handle. Im Kasseler Kommunisten- prozcß erklärt er, der Iungdeutsche Orden mache nichts, als patrio- tische Lieder singen in Räumen, von denen Kaiserbilder herabsehen. Das sei das einzige, was der Iungdeutsche Orden mit dem Militär gemeinsam habe. Auf Grund der Einstellung des Verfahrens gegen den Iungdeutfchen Orden, der auch feine Statuten änderte und die Verbindung mit der Orgesch gelöst zu haben erklärte, mutzte der Ober Präsident das Verbot des Ordens zurückziehen. Wir erklärten schon bei der Aufhebung des Verbots, datz der Iungdeutsche Orden solange gestattet bleiben würde, bis man ihn neuerdings erwischt. Wir sind nun in der Lage, ein Schriftstück zu veröffentlichen, dessen Richtigkeit nachzuprüfen Sache des S t a a t s a n w a l t s Dr. M e i e r ist. Wir hoffen, datz er, trotzdem er in der Voruntersuchung gegen die Kommunisten erklärt hat, er sei d e u t s 6) n a t i o n a l e r Monarchist, mit demselben Elan gegen die in diesem Schriftstück genannten Personen vorgehen wird, als wenn es sich um Führer der sogenannten Roten Armee handelt. Voraussetzung ist aber, datz ihm der Prozeß soviel Zeit läßt, seine Nachforschungen so schnell onzu- stellen, daß nicht alles verdunkelt wird. Die Fähigkeit zu einer derartigen„schnellen Justiz" können wir dem Staatsanwalt Dr. Maier nicht abstreiten. Es bleibt nur die Frage, ob er als deutschnationaler Monarchist imstande sein wird, seine linksgerichtete Energie nach recht, umzustellen. Da, Schriftstück, das wir hiermit der Ocffentlichkeit übergeben, lautet: „Nürnberg, IS. Januar 1S21. Teilnehmer: Orgesch: Oberst Thonnstcin, Hauptmann von der Tann, Jungdeutscher Orden: Oberleutnant Dr. Kurt Weishaupt, Stahlhelm: Oberleutnant v. Bülow, v. Rätter, Zeitfreiwillige: Oberleutnant Böhm u. Oberleutnant Beck, Leutnant Meunzert, Jungbayern: Hauptmann v. Mottle. Erster Tag: W e i s h a u p t berichtet über die Lage in Nord- deutschland. Während die preußische Regierung die Organiiationen Jungdeutscher Orden, Orgesch, Stahlhelm usw. mit ollen Mitteln, auch den ungesetzlichen, bekämpft, duldet sie ruhig die Wühlarbeit der K.P.D. und der U.S.P. Wafsenverkeilung an Orgeschmitglled« unmöglich wegen Transport- und Verkehrskontrolle durch die Eifcnbahnergewerkschaften. V. Bülow gibt im wesentlichen das gleiche Bild. Er ersucht um Ueberweisung von Waffen der bayerischen Einwohnerwehr, Stahlhelm und Jungdeutscher Orden. Er verlangt Entfernung der Sozialdemokralen an, den Staatsfiellen. v. d. Tann erklärt, Waffenunterstützung an Orgesch unmög- lich wegen Kontrolle der Eisenbahner, v. M.oltte wünscht Gründung von vaterländischen Jugendvereinen. Oberleutnant Böhm schiebt die Hauptschuld an den mißlichen Zuständen im Reich auf die Nachgiebigkeit Preußens gegenüber der Entente bei der Forderung auf Auflösung der Einwohnerwehren. Die Ar- b e i t g e b e r sollen möglichst auf ihre Arbeiter einwirken, um die sozialistischen Betriebsräte einzuschränken. Zweiter Tag. Arbeitsprogramm: Befestigung des in Ham- bürg geschlossenen Dafsenringcs zwischen Orgesch, bayerischer Ein- wohnerwehr, Stahlhelm, Zungdeutscher Orden, gcgcnieiiige Unter- stützung mit Dassen, Material, gemeinsame offizielle Organisation. Agitation: Militärische Jugenderziehung und mili- tärische Ausbildung. Hierzu soll der Jungbayernbund das Pro- gramm ausarbeiten. Aus taktischen Gründen soll die militärische Jugendousbildung zunächst in Sportvereinen betrieben werden, da die Wiedereinrichtung des Wehrkraftoereins zurzeit noch nicht möglich. Juugdeuischer Orden und Stahlhelm, die be- reits Mitglieder der Orgejch sind, sollen nunmehr auch der Füh» rung der Orgesch unter st ellt werden." Erweist sich der Tatbestand, der aus diesem Schriftstück hervor- geht, als richtig, dann darf nicht der Iungdeutsche Orden neuerdings verboten we�en, sondern wir verlangen sofortige Der- Haftung Oberleutnants M a r a u n auf Grund der Der- ordnung des Reichspräsidenten vom 3l). Mai 1920, da er da, Haupt des Iungdeutfchen Ordens ist, in dessen Auftrag Weishaupt ge- handelt haben mutz. Denn Weishaupt ist ja in Bayern, diesem schönen Ordnungsstaat, kaum zu fassen. Der Staatsanwatt hat im Kommuniftenprozetz gewallig über unsere korrupte Zeit geklagt. Es ist an ihm zu zeigen, daß im Falle der Untersuchung gegen Mit- glieder des Iungdeutfchen Ordens von einer Korruption gesprochen werden kann. Unbelehrbar. Aus München wird uns geschrieben: Herr v. Kohr beantwortete am Donnerstag nachmittag die sozialdemokratische Interpellation in einer einstündigen Erklärung, über die bereits im Morgenb'att berichtet wurde. Man sieht daraus, wie n n b e l c h r b a r die bayerische Regierung und die sie stützen- jfen Parteien sind. Auf das, worauf es ankommt, die Frage der Entwaffnung von der Wiedergutmachung zu trennen und sich den Bestimmungen des Entwaffnungsgesetzes zu fügen, geht der bayerische Ministerpräsident überhaupt nicht ein. Dagegen wiederholt er in breitester Weise die allgemein bekannten finan- zicllen Forderungen der Entente, die er als ebenso diktatorisch ansieht ols die Erfüllung des wegen der Entwaffnung in S p a von Deutsch- land anerkannten Abkommens. Die Erklärung Kahrs sst fertiggestellt worden, ehe die Be- gründung der sozialdemokratischen Interpellation durch den Abg. Ackermann der Regierung bekannt war. Was Kohr erklärte, hätte sich ein aufmerksamer Zeitungsleser aus der Presse selbst zu- sammenkleben können. Was es bei diesem Spiel mit Worten für einen Sinn haben soll, auch heute noch die Stellung Bayerns bei der Beratung der Ministerpräsidenten in Berlin mit dem Schleier der Vertraulichkeit zu verhüllen, ist schwer verständlich. Wenn aber die bayerische Regierung die vier Fragen der Reichs- haben Dichter Sonderrechte» Von Lucian. Der Fall des Münchener Schriftstellers Georg Kaiser lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf jenen merkwürdigen soziale» Typ, der von den Menschen Dichter genannt wird. Wer ist ein Dichter? Ist es jemand, der geschickt Verse macht, der ein wirkungs- volles Theaterstück aufbaut, der phantastische Vorstellungen in Worte kleidet? Dann wäre l-nsere und jede frühere Zeit reich an Dichtern. Die Nachwelt aber kargt mit diesem Ehrentitel, sie weist ihn nur ganz wenigen zu, solchen, die sich von der großen Menge der Schreibenden wesentlich unterscheiden. Handelte es sich bloß um den Reichtum an Phantasie, so wäre manches Kind, mancher ur- sprüngliche Mensch, der im Wald oder auf der Flur seine Beschäfti- gung hat, ja oftmals der Verbrecher dem berufsmäßigen Dichter weit überlegen. Es mutz also noch etwas hinzukommen, was ihn vom gewöhnlichen oder selbst ungewöhnlichen Begabten sich abheben läßt. Kaiser behauptet von sich, ein Dichter, ja, einer der wenigen Grotzen zu sein. Warum? Well er, wie er von sich selber sagt, von einer wahrhaft dämonischen Schöpferphantosi« getrieben wird. Lassen wir die Kritik beiseite und fragen wir nicht nach Wert oder Unwert seiner Stücke. Seine hemmungslose Phantasie teill er mit den beiden größten Schädlingen der Gesellschaft: dem Geisteskranken und dem Verbrecher. Phantasie an sich ist nichts, wie der erstaunlich produktive Irre, der belgische Maler Wiertz in dem nach ihm be- nannten Museum zu Brüssel beweist. Solche Leute verblüffen wohl ihre Zeitgenossen, aber nach ganz kurzer Dauer ist die Wirkung vor- bei. Der Dichter oder Künstler, der sich über den Phantasten er- heben will, mutz noch eine Eigenschaft mehr haben, er muß sich zur Weit in eine sittliche Beziehung setzen, er muß mtt einem Wort gut sein. Ick) behaupte nicht, daß ein Mensch gut ist, wenn er niemandem etwas schuldet, seiner Frau treu ist. die Nacht nicht zum Tag« macht, neiu, die Güte des Dichters ist höherer Natur. Er ist das Gegen- teil des Philisters. Er kann bürgerlich korrekt, er braucht es nicht zu sein. Aber er weiß, daß die Materie tat ist und daß nur Geist sie belebt. Mit Faust flucht er allem, was die Seele mit Blend- und Schmeicholwerk umspannt. Die Welt, die er darstellt, ist der Weg zu jener höheren, geistigen. In jene Schätze, worin sein« Phantasie zu wühlen scheint, ist er nicht verliebt, sie sind ihm, wie jedem auf- bauenden Menschen, dem sozial schaffenden, leerer Plunder, der unter seinen Händen erst Wert erhatten soll. Arbett, wie Zola sie gepredigt hat, Menschenliebe wie Tolstoi,' Wahrheit wie Ibsen, innere Harmonie wie Goethe sie verkündet hat, sind jene Menschhettswerke, die eine Schöpfung der Phantasie erst zum Dichtwerk machen. Alles andere itt Spielerei, müßiger Zeitvertreib oder bestenfall« Unter- Haltung. Kaiser behauptet nicht nur, daß er ein Dichter ist, sondern daß er deshalb eine Sonderstellung zu beanspruchen Hot. Nietzsche war es, der im.Larathustra" jenes große Wort aussprach:„Trachte ich denn nach Glücke? Ich trachte nach meinem Werke." Auch Kaiser trachtet nach seinem Wert, aber er schmachtet gleichzeitig nach dem Glücke, er überschreitet deswegen die Gesetze und, was das Unverzeihlichste von allem ist, er täuscht deswegen das Der- trauen seiner Freunde. Der große Spinoza schlug trotz bitterster Not aus Vornehmheit jede Unterstützung aus und verdiente sich lieber sein kärgliches Brot mit der schweren Tätigkeit eines Dia- mantschleifers. Kaiser behauptet, er brauche den Luxus, er habe als Dichter ein Anrecht darauf, er versucht mit diesem Ausspruch sogar seine Vergehen zu rechtfertigen. Wäre er der Dichter, der er zu sein vorgibt, so wüßte er kraft jener Intention, die all« Großen miteinander, Jesus mit Shakespeare, Tolstoi mit Schapen- Hauer verbindet, daß er es nur insofern sein kann, al» er gut ist, er das Gewissen der Menschhett repräsentiert, das aller geistigen Entwicklung, aller fruchtbaren sozialen Revolution zugrunde liegt. Die Verliebtheit in bA Luxus, in den toten Stoff teitt er mt seinen Zeitgenossen, den Schiebern und deren Weibern. Und hier beginnt der Fall Georg Kaiser ein typischer Fall der Gegenwart zu sein. In der Dichtung der Jüngsten spielt der Reichtum, der er- wordene oder erraffte Besitz eine wichtige Rolle. Di« Helden find oftmal» Milliardäre, die Heldinnen juwelengeschmückte Objekte der Sinnlichkeit. Schon bei Wedekind bemerken wir bisweilen eine kindlich anmutende Verehrung der großen Zahl, der Macht, der Kraftpose. Es ist die Romantik eines unromantischen kapitalistischen Zeitalters. Die Dirne als das Snmbol der reinen Materie gnieht fetischartige Anbetung. Jene Scheinrevolutionär« der Form sind ausgesprochene Reaktionäre der Gesinnung, Sklaven ihrer Zeit. Zwar geben sie sich bedeutungsvoll den Anschein, als stünden sie hoch über ihren Zeitgenossen, ober deren Juwelen, Autos, Luxus- einrichtungen, Kleider und Weiber erfüllen ihr« Seele mit Neid und heimlicher Bewunderung. Ihr Reich ist durchaus von dieser Welt, und was sie von ihrer Umgebung unterscheidet, ist lediglich der Umstand, daß man für Kattun, Schellack, Stahl oder Weizen höhere Gewinnste einheimst, al» für Theaterstücke. Bielleicht ge- lingt's auch damit. Dann kann man vielleicht ebenfalls am Kur- fürftendamm wohnen. Gelingt's nicht, dann ist man eben«in Genie, das den Gesetzen der Braven ein Schnippchen schlagen kann. Georg Kaiser war bisher kein Genie. Cr hätte jetzt Gelegen- heit, sich dahin zu entwickeln, wie die wahrhaft Großen dieser Welt, die aus Leid und Verfehlung zu höchster menschlicher Reinheit auf- gesttegen sind, wie Dostojewskis Mörder Raskolnitoff, wie Tolstois Dirne Katjuscha in„Auferstehung". Di« angemaßten Sonderrecht«, der Neid auf den„Äurfürstendmnm" zeigen ihn als Philister unter regieruug am 1k. Februar wirklich in dem heute angegebenen Sinn« beantwortete, so ist die Entwaffnung der Einwohnerwehr«ms einem toten Punkte angelangt. Dann geht der bayeri- schen Regierung jedes Verantwortlichkeitsge- fühl dafür ob, welche Schuld sie für die fernere Entwicklung und das Schicksal des deutschen Volkes auf sich nimmt. Denn wie die Nachrichten aus der Pfalz beweisen, haben die Franzosen alle Vorbereitungen getroffen, den Rhein mit großen, auch sarbi- gen Truppen zu überschretten. Die Pfalz leidet bereits schwer unter den militärischen Konzentrattonen. Zahlreiche Militärzüge befördern neue Truppen an den Rhein, die Landstratzen durchqueren ganze Kolonnen von Autos, französische Gendarmen kontrollieren an den Bahnhöfen jeden Soldaten. Alle Wohnungen in der Pfalz sind von den Franzosen nach ihren Raumverhältnissen aufgenommen worden, ebenso alle Ställe und alles vorhandene D i e h. Die Geschäfte mit Haushaltartikttn, Blechgeschirren, Eßgerät, Kücheneinrichtungen und dergleichen wer- den von ihnen völlig ausgekauft! Der Pfalz stehen so schewre Zeiten bevor wie noch niemals. Und der seine Liebe zur Pfalz bei jeder Gelegenheit betonende Kahr gibt sie nach seiner letzten Rede der Willkür der Feinde preis. Was in Bayern in ernsthafter Treue zum Reiche Hütt, erwartet nun von Berlin aus ein entscheidendes Wort. Der Phrafendrechfelei ist jetzt Genüge getan. Die bayerische „Justamentnöt"-Polittt darf das Schicksal des deutschen Volkes nicht bestimmen._ Englanös Arbeiter gegen öen. pariser Pakt. London, IS. Aebrvar.(MTB.) ver Parlomenlsausschuß des Gewerkschaftskongresses ond der Vollzogsausschah der Arbclterparkei haben ein gemeinsames Manifest ver- öffentlichk, in dem zugleich mit der Erklärung, daß die von Deutsch- land geforderte Entschädigung nicht gezahlt werden könne, auf eine nochmalige Erwägung des Betrages der deutschen Entschädigung im Interesse der Arbeiter des Zn- und Auslandes gedrungen wird. Dos Manifest erklärt, die Bedingungen des Iriedensver- trage» seien die hauptursache der augeublickllchen Er- werbslosigkeit, da sie die wirtschaftliche Erholung der ruinierten Länder und die Wiederherstellung ihrer Kaufkraft ver- hinderten, ver von Deutschland geforderte riesige Tribut werde die Fähigkeit des deutschen Volkes, englische waren zu verbrauchen, noch weiter oermindern. Die Entschädigung könne nur in Aossuhr bezahlt werden, während Deutschland 42 Zahre lang nur unbedingt notwendige Lebensbedürfnisse im Ausland kaufen dürfe. Dies bedeute. daß der englische Markt in Deutschland nicht wiederhergestellt werden könne, was zu einer Fortdauer der Erwerbslosigkeit führe. ver Verlust de» Vorkriegshandel» mit Deutschland und Oesterreich genüge allein schon, um die augenblickliche Jtot in England zu erklären. Do» Manifest erklärt, Deutschland könne und solle die tatsächlich angerichteten Zerstörungen wiedergutmachen, die Rech- nung sei jedoch gestiegen durch Anrechnung von Pensionen und ver- gütungen. die unvereinbar seien mit den vor dem Abschluß des wassenstillstande» gestellten Bedingungen. Zum Schluß fordert das Manifest nicht nur eine neue Erwägung der EnkichZdi- gungsfordcrnng. sondern auch eine Aenderung des gesamten Verhaltens der Alliierten gegen Mitteleuropa und Rohlaud. Slmcrika zieht sich zurück. Paris. 18. Februar.(Havas.) In Pariser amerikanischen Kreisen ist das Gerücht verbreitet, datz die Vereinigten Staaten ihrem Vertreter bei der Reparationskommisfion, B e y d e n, Weisung erteilt habe, nicht mehr an deren Sitzungen teilzunehmen. Dieses Gerücht scheint sich zu bestätigen. Der Grund für diese Haltung soll der Wunsch der gegenwärtigen Re- gierung der Vereinigten Staaten sein, der am 4. Mörz ihr Amt an- tretenden Regierung völlig freie Hand zu lassen bezüglich des Friedensoertrages von Versailles und seiner Durchführung. London. 18. Februar.(TU.) Die„Times" melden aus New Port, datz die neue Einladung der Alliierten an die amcri- kanische Regierung zur' Entsendung eines Vertreters zur Londoner Konferenz vom Präsidenten erneut abgelehnt wurde. Mn Ein- spruch Wilsons gegen die Pariser Beschlüsse ist jedoch noch nicht erfolgt. der Maske der Kunst, als viel verwerflicheren Philister denn jene, die lediglich Instrumente der Natur sind. Will man aber das In- strument des Lebens meistern, dann mutz man der Wirklichkeit ent- sagen, dann gibt es nur ein Leitmotiv: Arbeit im Dienst der Menschheit. Bernard Shaw hat ein neues Werk vollendet, das sich nach der Angabe Londoner Blätter die höchsten Ziele steckt. Es ist ein Drama in fünf Akten, deren jeder ein vollständig abgeschlossenes Bühnen- stück bildet. Da» erste dieser Stücke führt den Titel„A m A n- sang". Der Schauplatz ist der Garten von Eden nach der Ver- treibung aus dem Paradies. Die zweite Abteilung spielt in der Gegenwart und führt den Titel„Das Evangelium der Brü- der Barnabas". Sie stellt den Führer einer religiösen Sekte und dessen Bruder, einen Gelehrten, die beide den Besuch eines Staatsmannes erhalten, in den Mittelpunkt der Handlung. Bei dieser Geleqenheit machte der Stoa�sittann den Drüdern die er- staunsiche Eröffnung, daß nur die Verlängerung de» menschlichen Lebens bis zu den Altersgrenzen der Menschen aus vorsintflutlichcr Zeit unsere Zivilisation zu retten vermag. Der dritte Teil heißt „W ie die Dinge geschehen". Er bietet einen Ausblick auf die Zeit nach 31X1 Iahren, und seine handelnden Personen sind Men- schen, die aus unserer Zeit stammen und demzufolge eine Lebenszeit von 300 Jahren hinter sich haben. Ihm schließt sich die„T r a g ö- die eines älteren Herrn" an, die tausend Jahr später spielt. Sie entrollt die Zeit, in der die Britischen Inseln ausschließlich von Menschen bewohnt werden, die über 300 Jahre zählen, und die des- halb von der übrigen Welt oerehrt und als Orakel beftaqt werden. Den Schluß bildet ein Teil, der im Jahre ,31 920 spielt, der den Titel„Soweit Gedanken reichen können" führt, und dessen Inhaltsangabe nach der englischen Presse ein Ding der Un- Möglichkeit ist. Shaws Ouintologie wird demnächst unter dem Generaltitel„Zurück zu Methusalem" erscheinen. Neber„Intnsirie«nd Sirdlnng�, ein Weg des chrnkillchen Ar?- bmi*. wird Hauptmann S ch m n d e am Freitag. 26. ftebruar. abends 8 Uhr, in der klula der Technischen Hochschule Charlottenburg sprechen. ttronio.»Vmi San Rcmo nach Florenz" am Sonniag, DonnerStaa und Sonnabend; Montag:„Krim, Land und Leute-; Dienstag:„Spanien-: Freitag:„Winter�anber-: M Itwoch:„Sturmwellen und Brandungen auf den Scilly- und Orkncy-Jnicln-. Im Hörsaal: Montag: Prof. Dr. Donath: „Elektromagnetismus-: Dienstag: Dr. INeifiner: �KrankbeitZerlcnnung und-bebandlung-; Mittwoch: Dr D. Berndt:„UeberEmbrponnIentwicklung-; Donnerstag: Kuoflbuchbinder Herfurtb:„Die Buchbinderei-; Freitag: Prof. Dr. Kebner:„Alumwium. Nickel, Chrom und Aolfram-; Sonnabend: Oeheimrat Professor Dr. SpieS:„Dynamomaschinen und Motoren-. Di« Ausstellung„Alt-Chlna>Orchideen-Kaktee»-', Budapeller Sttahe 8, wird bis Sonurag, den 27. Februar inkl. verlängert. Vlämische und frauzöstsche Strömungen i» Belgien. In Brüssel wird demnächst eine Akadem>e für Iranzölliche Lileratur und für französische Sprache errichtet.— Das Schicksal einer plämilchen Universität ist dagegen noch immer ungewiß. Der Minister für Kunst und Wissenschaft möchte den franzöfischeu Kursen im vlämiichen Gent bloß vi ä milche Kurs« anzliederu. Veamte! äääää AMM wählt S.V.A. und Sozialismus machen euch Llopö George über öie w!rtsthastskrife. London, 17. Februar.(WTB.) Das Unterhaus verwarf mit einer Mehrheit von 178 Stimmen den Zlbänderungsantrag der Arbeiterpartei in der Arbeitslosenfrage. Im Verlauf der Debatte hielt Lloyd George eine Rede, in der er ausführte, in Mitteleuropa herrsche eine Stockung im Handel. Die Völker, die früher von England kauften, kaufen jetzt anderswo, weil sie in englischem Gelds nicht bezahlen können. Die Völker Mitteleuropas brauchten vor allem R o h st o f f e. Die ganze Frage fei die Beschaffung von Krediten. Die englische Regierung habe einen Fonds von 28 Millionen Pfund Sterling vor» gesehen, um Kredite für den Handel mit Europa zu beschaffen. Tie Negierung habe erklärt, sie wolle 80 Prozent des Risikos des Kosten» Preises des Artikels übernehmen, fo daß der private Händler nur 20 Prozent des Risikos übernimmt, und diese 20 Prozent sollten ihm vorgestreckt werden. Die Regierung habe versucht, die Banken daran zu interessieren. Diese feien aber nur unter der Bedingung bereit, das Geld vorzustrecken, wenn die Regierung das ganze abnorme Risiko übernehme. Lloyd George richtete einen Appell an die Banken, im Jnterefle des britischen Handels ihren Anteil an den Kreditrisikos zu übernehmen. Sie seien die einzigen, die wirklich helfen könnten. Lloyd George wandte sich hierauf gegen den unmäßigen Rationalismus einiger Länder, der in einer Form zum Aus- druck komme, die für den Handel zerstörend wirke, indem er'sich aggressiv verhalte. Lloyd George sagte, man finde ein wenig davon in Polen und anderen Ländern. Diese Länder erklärten, große Gebiete müßten wirffchaftlich zu ihnen gehören, da sie vor SM Jahren einen Teil ihres Landes ausgemacht hätten. Dieser aggressive, unmäßige, gierige Nationalismus komme auch auf andere Weise zum Ausdruck. Man habe ihn hier in England, in Frankreich und in Amerika. Es sei eine Art von Empfindung, daß alle große Mauern um sich herumbauen müßten, und daß man nie dem Nachbar den Becher reichen dürfe. Lloyd George sagte weiter: Liebe deinen Nächsten. Das ist nicht nur gutes, rechtes Christentum, sondern gutes Gefchästl Auf den Hinweis eines Arbeitermitgliedes, daß die deutsche Mark auf weniger als X Penny stehe, erwiderte Lloyd George:.Daun sollen die Deutschen sich besteuernd Am Ende des Lakeins. Unter dieser lleberschrift erwiderten wir am 13."Februar auf einen Angriff der„Deuffchen Tageszeitung" gegen Minister Severing. Wir bezogen uns dabei auch auf eine Auskunft, die der Polizeipräsident von Frankfurt a. M., Genosie E h r l e r über den Oberleutnant der Sipo Richarv Schr. in Hanau gegeben hat. Wie wir dazu erfahren, entsprach diese Auskunst in wichtigen Punkten nicht den Tatfachen. Post» zeipräsident Ehrler war auch, da ihm die Hanauer Sipo nicht unter- stellt war, wohl nicht in der Lage, die Auskunft erschöpfend zu geben. Taffächlich ist der genannte Oberleutnant Schr., wie uns urkundlich nachgewiesen wurde, seit der Revolution Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Vordem konnte er als Militärbeamter nicht Mitglied sein. Er hat auch während des Kapp-Putsches ausdrücklich geäußert, daß er sich mit einer sehr koppfreundlichen Rede, die sein vorgesetzter Major hielt, nicht ein- verstanden erklären könnte. Seit daher rühren die Schikanen gegen ihn. Seine Entlassung ist inzwischen auf ausdrückliche Be- schwerde an Minister Severing aufgehoben worden. Dabei ist nicht uninteressant, daß ein erstes Beschwerdefchreiben im Mini- stcrium des Innern spurlos verschwunden ist!— Wir be- dauern, daß durch die falsche Auskunft des Polizeipräsidenten Ehrler der Oberleutnant Schr. auch für die„VorwSrts"-Leser in schiefes Licht gekommen ist und stellen den Sachverhalt hie'-'r.'l n ,, s d r ü ck- lich r t i g. Wirtschast Die Reform der handelsstalistlk. Unsere Außenhandels st ati st it krankt an Fehlern, die - ihren Wert besonders in letzter Zeit nahezu illusorisch machten. Die Werte der Ein- und Aussuhr werden nämlich für die Handels- statistik nach verschiedenen Grundsätzen festgestellt. Während für die Ausfuhr von dem Versender der taffächliche Wert der Waren angemeldet werden muß und fo im allgemeinen einwandfreies Ma> terial zur Berechnung des Wertes der Gesawtausfuhr Deutsch- lands vorliegt, wird der Wert für die eingeführten Waren durch den beim Statistischen Reichsamt errichteten handelsstatisti- ichen Beirat nur geschätzt, und zwar in den Monaten Februar und März eines Lahres für das ganze Vorjahr. Eine zuverlässige Unterlage für die Beurteilung unserer Handelsbilanz wurde auf diese Weise nicht geboten. Bei den heutigen Verhältnissen mit ihren ungeheuren Preisschwankungen ist es geradezu ein Unding. z. B. die Einfuhr des Jahres 1020 und der ersten Monate des Jahres 1021 nach den für das Jahr 1919 ermittelten Sätzen zu bewerten. Das hat in letzte- Zeit bereits zu unerträglichen Zu- ständen geführt. Eine Sachverständigenkommission beim Reichs- wirtschaftsministerium ist nun bemüht, für die vergangene Zeit, also insbesondere für die einzelnen Monate des Jahres 1920 richtige Wertzahlen des Ausfuhrhandelsverkehrs zu finden. Um aber auch für die Zukunft grundsätzlich Wandel zu schaffen, haben so- eben der Reichswirtschaftsminister und der Reichsfinanzminister an- geordnet, daß vom 1. März d. I. ab für alle eingeführten Waren, die nach dem Gesetz betreffend Statistik des Warenverkehrs mit dem Ausland vom 7. Februar 1906 anzumelden sind, bei dieser Anmeldung auch der Wert anzugeben ist. Zur Wertanmel- dung ist grundsätzlich der Empfänger verpflichtet. Rorddeuficher Lloyd. In der Apfsichtsratssitzung des Nord- deutschen Lloyd wurden vom Vorstand die Gewinn, und Ver- I"strechnunpen und Bilanzen für die Lahre 1914 bis 1918, 1919 und !920 vorgelegt. Der auf den 5. März einberufenen Generalver- sammlung soll vorgeschlagen werden, den nach Bornahm« der er- forderlichen Abschreibungen verbleibenden kleinen Gewinnrest von rund 30 000 M. aus den Kriegsjahren aus neue Rechnung vorzu- tragen und für die Lahre 1919 und 1920 bei vorsichtiger Bemessung der Wert« und Auslandsschulden ehre vom 7. März 1921 ab zahlbare Dividend« von je acht Prozent auszuschütten. Di« General- Versammlung soll ferner über eine Erhöhung des Grundkapitals auf 230 Millionen Mark beschließen. � Ein enqNsch-russisches Naphkha-Abkommen. Die Sowsetpresse be» richtet über einen Vertragsabschluß zwischen Moskau und dem Napbtha-Syndikat der Royal Dutch Company, dem englisch- holländisckien Petroleumsnndikat. Das Syndikat erhält die Ausbeute sür 100 Millionen Pfund Naphtha in den Gegenden von Baku und Utah. Di« Angestellten sollen das Recht der Ausländer ge- nießen. Als Gegenleistung soll die Royal Dutch Company beim Wiederaufbau der russischen Naphtha-Industrie mitwirken und Transoortmittel liefern. GroßSerlw Gestohlene Gelöhamsterer. „Ein Dienstmädchen, das ihrer Herrschaft 30 000 M. stiehlt"— „Eine Frau, die ihr Vermögen in Höhe von 130 000 M in der Hand- tasche bei sich trögt und beraubt wird"—„Ein Gewerbetreibender, der 60 000 M. zu sich steckt, um ein Geschäft mit einem ganz unbe- kannten Mann abzuschließen und betäubt und ausgeplündert wird"— wer hätte diese und ähnliche Nachrichten nicht schon in den Blättern gelesen! Was aber nicht an die Oeffentlichkeit dringt— weil die Betroffenen gute Gründe haben, zu schweigen— sind Diebstähle an barem Gelds, das von glücklichen Spekulanten, Schiebern und ähn- lichen Stützen der kapitalistischen Gesellschaft zu Hause aufgespeichert Ist. Natürlich ist es die Steuerscheu, die diese Leute zum Geld- hamstern veranlaßt: sie verzichten auf die zinstragende Anlage in Papieren oder auf einem Bankkonto, um der Steuerbehörde gegen- über den Leistungsschwachen spielen zu können. Da ihre Geschäfte, die so ziemlich alles umfassen, was gehandelt wird, solcher Art sind, die per Telephon oder im Kaffeehause abgewickelt werden, so fehlen Geschäftsbücher, Bilanzen usw. und die Behörde hat geringe Mög- lichkeit, diese Drückeberger anzupacken. Ln so manchem Hinterhaus« des Westens sitzen Leute, die 100 000, 200 000 M. bei sich zu liegen haben, die Frucht emsiger Arbeit bei der Auspooerung unseres Vaterlandes. Im Kontrast zu der oft bescheidenen Wohnung steht die opulante Lebensführung, die sich aber sowohl vor den Leuten wie vor den Steuerbehörden verbergen läßt. Und solche scheinbare Philister wurden bestohlen? O ja, natür- lich von Leuten, die in die Lage gekommen sind, Einblick in die Verhältnisse zu nehmen. Manchmal ist es der Anhang von Dienst- boten, manchmal auch ein„Geschäftsfteund", denn nicht wenige dieser Herren haben gewisse Erholungsstätten„mit dem Aermel" ge- streift.— Der Coup ist geglückt, das gehamsterte Geld in die Tasche des verwegenen Einbrechers gewandert.— Bor den Trümmern seiner Hab« steht der Geplünderte. Soll er nun Lärm schlagen, seine Vermögensverhältnisse offenbaren? Wenn er es vermelden kann, nimmt er davon Abstand: er trägt den Verlust„mit Würde", höch- stens, daß er einen Privatdetektiv mit Recherchen beauftragt.... Lm übrigen ist sein Grundsatz.Leben und leben lassen", und seiner Geschäftstüchtigteit wird es leicht fallen, den Verlust wieder wett- zumachen. Jedenfalls ersieht man aus solchen Vorfällen, wieviel Geld verheimlicht wird... zum Schaden der anständigen Leute und derer, denen man jeden Pfennig ihres Einkommens nachrechnen kann. Der neue Straßenbahntarif. Der mtt der Lorberatung der Straßenbahntariferhöhung bettaute Ctadtverordnetenausschuß hat gestern seine Beratungen be- endet und in der zweiten Lesung im wesentlichen den Vorschlägen des Magistrats zugestimmt. Die Beschlüsse der ersten Lesung über den Einzelfahrschein zu 1 M. und den I�nsteigefahrschein zu 1,50 M. wurden aufrechterhalten und die Preise für die Zeitkarten nach ein- gehender Aussprache gemäß den Sätzen des Magifttats(90 M. für eine Linie, 115 M. für zwei, 145 M. für drei und 225 M. für alle Linien) angenommen. Den erhöhten Preisen der Arbeiterwochenkarten wurde nach der Vorlage zugestimmt. Diese sollen nur an Arbeiter b i s z u 5000 M. Einkommen ausgegeben werden, sind also heute sast ausschließlich Lehrlingskarten. Der Magisttat wurde ersucht, diese Einkommensgrenze nicht zu ändern. Auf Anttag von feiten der Deuffchen Volkspartei wurde beschlossen, die Sammelkarte bei- zubehalten, und zwar sollen 7 Fahrten zu 7 lDt. ausgegeben werden. Die jetzigen Sammel kalten verlieren mit dem Tage des Inkraft- ttetens des neuen Tarifs ihre Gültigkeit. Die noch nicht gelochten Abschnitte sollen durch Nachlösung von 25-Pf.-Fahrscheinen gültig gemacht werden. Ein kommunistischer Anttag, einen er- mäßigten Fahrschein zu 50 Pf. an Arbeiter, Angestellte und Beamte auszugeben, wurde gegen 1 Stimme abgelehnt, dagegen eine Ent- schließung angenommen, worin der Magistrat ersucht wird, die Frage zu prüfen, ob gegenwärtig die Einführung eines Staffeltarifs empfehlenswert erscheint. Der Preis für Schülerkarten wurde von 18 auf 20 M. erhöht und der Antrag, diese Karten auch den notleidenden Studenten zukommen zu lassen, abgelehnt, da hierdurch ein jährlicher Ausfall von 1 Million enfftehen würde. Lebhaft umstritten waren die für die V o r o r t st r a ß e n- bahnen noch geltenden Ausnahmen vom allgemeinen Tarif. Ins- besondere wurde auf die CLpenicker und Spandauer Linien hinge- wiesen, auf deren kurzen Stteckcn bei der vorgeschlagenen Zeit- kartenerhöhunz eine völlige Verödung eintreten werde. Es wurde dann auch ein Antrag angenommen, bei diesen Linien dasselbe Steigerunqsverhältnis festzusetzen wie in Berlin, so daß gegenüber der Magistratsoorlage noch eine Ermäßigung eintritt, deren höhe die Verwaltung festsetzen soll._ vereitelter Naubüberfall. Der Kriminalpolizei ist es gestern gelungen, durch geeignete Maßnahmen einen geplanten Roubüberfall zu vereiteln. Ihr war zur Kenntnis gelangt, daß auf die in der Mcierottostraße wohnhafte Rentiere Witwe W i l l m a n n ein Roubüberfall geplant war. Zum Schutze der alleinstehenden Frau und zur Festnahme der Täter begaben sich ein Kriminalkommissar und mehrere Beamte in die Wohnung imd versteckten sich hinter einer Tür. Gegen 10% Uhr verschaffte sich ein junger Mann gcwalffam Eingang in die Woh- nung, der der Aufforderung, stehen zu bleiben, nicht Folge leistete, sondern den Ausgang zu gewinnen suchte. Da er auch auf halte- rufe nicht stehen blieb/ f e u e r t e n die Beamten auf ihn. Beide Schüsse trafen und der Verletzte brach sofort zusammen. Seine Ver- wundung war so schwer, daß er bald darauf v e r st a r b. Den draußen stebenden Beamten gelang es auch, zwei Mittäter in dem kleinen Park festzunebmen. In den Taschen der Verhafteten wur- den Dolche und schwarze Masken gefunden. Sie wurden festgestellt als ein Arbeiter Krause und ein Kaufmann S e i e r. Der E r s ch o s s e n e ist der jüngere Bruder des Seier. Durch die Vernehmung der Verhafteten stellte sich heraus, daß ein Raubüber- fall auf die Rentiere geplant war. Aus ihrem Geständnis ging hervor, daß sie die Geleaenhcit durch eine Masseurin Scholz erfahren hatten, die seit längerer Zeit bei der Rentiere ein und aus ging und deren vollstes Verttauen genoß. Der AliUZonenschwinSler„öe Parmas" über dessen Verhaftung in Hamburg unter Zusammenwirkung der Berliner und Pariser Kriminalpolizei wir gestern berichteten, ist nach Berlin übergeführt worden und hier heute früh eingettof- fen. Trotz seiner eleganten Kleidung macht der kleine hagere Mann einen so unscheinbaren Eindruck, daß es kaum zu verstehen ist, daß ihm die großen Schwindeleien geglückt sind. Der Verhaftete, der geständig ist, gibt an, daß er durch seine Beschäftigung bei der Red Star Line aus den Gedanken gekommen sei, die Auswande- rungslustigen zu betrügen. Diese, wie mitgeteilt, Polen und Russen, hatte er nach dem Bahnhof Cherbourg bestellt, und eine große Schar von Männern, die mit Kind und Kegel, Sack und Pack sich dort eingefunden hatten, waren nicht wenig enttäuscht, als sie ge- wahr wurden, daß sie einem Schwindler ins Garn gegangen waren. Dielen von ihnen hatte er das letzte Geld abgenommen. Völlig hilf- und mittellos boten die Emigranten das Bild eines großen Elends. Die von.de Parmas" alias Florian Digran durch Akkre- ditivfchwindel erbeuteten Juwelen im Werte von 500 000 Frank wurden noch fast alle bei ihm vorgefunden und konnten für die geschädigte Firma sichergestellt werden. Groftfeuer in Charlottenbnrg. Großfeuer kam in der letzten Nacht in Charlottenburg in der Potsdamer Str. 27 aus noch unbekannter Ursache zum Aus- bruch. Dem Feuer sind u. a. vier wertvolle Pserde, mehrere Schweine, Kaninchen usw. zum Opfer gefallen. Ferner verbrannten acht Wagen, darunter mehrere Kuffchwagen, landwirffchaftliche Maschinen, große Vorräte an Sttoh und Heu u. dgl. Ausgekommen soll das Feuer in einer Stallung sein. Die Flammen fanden schnell reiche Nahrung. Durch offene und undichte Fenster teilten sich die Flammen und der Rauch den übrigen Stallungen mit. Den Kohlenhändler A. Kowalsky soll der größte Schaden tteffen. Als die Charlottenburger Feuerwehr, von drei Seiten alarmiert, unter Leitung des Brandinspektors v. Leupoldt an der Brandstelle erschien, brannten schon mehrere Stallungen und Schuppen in großer Ausdehnung. Bis zum Morgen dauerten die Löscharbeiten. Die Aufräumungsarbeiten nahmen dann noch mehrere Stunden in Anspruch. Personen sind nicht verletzt. Der größte Teil der Pferde und Kühe konnte von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden, ebenso mehrere Schweine. Sechs Tiere sind leider erstickt durch von außen eingedrungenen Qualm. Alle Versuche, diese Tiere zu retten, waren vergeblich. Vermutlich ist das Feuer durch Unvorsichtigkeit eines Kuffchers der Kohlen» Handlung von Kowalsky enfftanden. hohe Sttafe gegen einen Kohlenhändler. Der Kohlenhändler Gustav Heinze, Augsburger Stt. 39, hatte wiederholt feine Kunden mit Mindergewicht beliefert. Als einer dieser Kunden ihn deshalb zur Rede stellte, wurde er gegen diesen aus offener Sttaße unter den unflätigsten Beleidigungen tätlich, wobei sich seine Ehefrau er- heblich beteiligte. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte den heinze wegen Bettuges und öffentlicher Beleidigung zu 10 00 MarkGeld strafe bzw. 100 Tagen Gefängnis, feine Ehefrau zu 300 Mark Geldfttafe resp. 30 Tagen Gefängnis. Im Urteil wurde ausdrücklich hervorgehoben, daß nach der'Kohlenverordnung das Publikum zu verlangen habe, daß ihm die Kohlen genau abgewogen verabfolgt werden. Zu Baumschulen weg sprach am Donnerstag abend Genosse K r a n o l d vor einer vollbesetzten Wählerverfammlung im Lyzeum. In fesselnder Weise schilderte er die Schwierigkeiten der wenigen Sozialisten in den Verwaltungen, um sich gegen den Widerstand der Beamten alter Richtung durchzusetzen, und ließ die politischen Par- teien kritisch Revue passieren. In der Diskusston Kot ihm nur ein Redner entgegen, dem die Beseitigung des reaktionären Beamten- tums nicht schnell genug gegangen ist. der aber ttotzdem allein im sozialdemokratischen Stimmzettel den Weg zur Besserung sah. Der Referent ging unter dem Beifall der Versammlung eingehend auf die Einwürfe ein. Der Ausgang auch dieser Veranstaltung war ein guter Auftakt zur Wahl. „Volk vnd Zeil", unsere Mustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Ein Mutterschulkursus beginnt am 24. Februar d. I. in der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Kaiserin- Auguste-Bictoria-H aus in Charlottenburg, Frankstr., Ecke Mollwitz- sttaße. In dem Kursus, an dem Mütter und Mädchen teilnehmen können, soll all das theorettsch und praktich gelehrt werden, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wissen muß. Der Kursus umfaßt vier Stunden, jeweilig am Donnerstag van 414 bis 6 Uhr. Es wird dabei großer Wert auf praktische Uebungen am lebenden Kinde gelegt. Die Einschreibegebühr für den Gesamtkursus bettägt 15 M. Meldungen im Bureau der Anstalt. GewerMajwbeVegung verbanüstag öer Musiker. � Am Donnerstag behandelte der Verbandstag die Frage der Ausbildung der Musiker. Der Referent, Kammermusiker T e u ch e r t- Dresden, sprach über die Lehrlingskapellen von Stadt- musikern und führte aus, daß diese Ausbildungsmethodr nicht un- bedingt zu verwerfen sei, da sie Gutes leisten könne. Der zweite Referent Ja h n- Berlin, Orchestcrmitglied des Deut- schen Opernhauses, sagte unter anderem, die Lehrlingskapellen bieten nur eine handwerksmäßige Ausbildung und die Musikschulen be- trachten die Heranbildung von Virtuosen als ihr Ziel. Gefordert werde«ine künstlerische Ausbildung der Musiker. Das 5\e' könne nur erreicht werden, wenn die Schule vom Gewerbebetrieb vollkg ge» ttennt unter staatlicher Aufsicht die Ausbildung der Musiker betreibe. Der Redner vertrat ein Programm, das im September 1920 von einer SachverstänMgenkomwission ausgestellt worden ist. Dies Pro- j gramm fordert in der Hauptsache, daß das gesamte Musikunterrichts- und Musikausbildungswesen schulgemäß zu behandeln und den Kultusministerien zu unterstellen ist. Zur Hebung des musikalischen Geschmacks und der Musikkunst sollen Volksmusikschulen errichtet werden. Kestenberg, Vertreter des Kultusministeriums, der be- merkte, daß er hier nur seine persönliche Meinung sage, erklärte sich mit dem vom Referenten Jahn verttetenen Programm einverstan- den. Was sich in der öffentlichen Kunstpflege gebessert habe, das sei unter einem sozialdemokratischen Mini st er erreicht wor- den. Das möge man bei den Wahlen bedenken. Das Ministerium habe den Auftrag zur Gründung einer Orchesterschule erteilt. Die Forderungen des Referenten Jahn wurden auch von den Diskussionsrednern fast ohne Ausnahme gebilligt. Es wurde be- tont, daß das Lehrlingswesen zu verwerfen und das ganze Aus- bildungswesen den Kultusministerien zu unterstellen fei und alles auszuschalten sei, was die Zuständigkeit anderer Behörden begrün- den könnte. Das vom Referenten Jahn verttctene Programm wurde ein- stimmig angenommen und beschlossen, daß der Verband zu den Kosten von Freistellen an der staatlichen Orchesterschule eine Beisteuer leistet und daß die hierzu nötigen Gelder durch Musikaufführungen der Mit- glieder aufgebracht werden/ In der Nachmittagssitzung wurden Berufsfragen be- handell. Hierzu sprachen der Referent Prietzel(Verbandsvor- stand) und die Gruppensekretäre Schwiegt(freistehende Musiker), Math es(Ensemble) und Lachtin(Orchester). Eingehend wur- den die Arbeitsverhältnisse erörtert und an Beispielen gezeigt, daß das Einkommen der Musiker im Verhältni-�u anderen Berufen sehr ungünstig ist. Es soll dahin gesttebt werden, daß für möglichst alle Musiker, soweit sie von Arbeitgebern beschäftigt werde«, außer den Lohntarifen auch allgemeine Tarife abgeschlossen werden. Di« Konkurrenz der MKtärmustker konnte trotz fortgesetzter Bemühungen nicht beseitigt werden. Der Reichswehrminister hat am 27. und 28. Januar im Reichstag er» klärt, wegen Schädigung der Zivilmusiker durch die Militärmusiker müsse eine Verständigung zwischen den Militärbehörden und den Zioilmusikern herbeigeführt werden. Ein Verbot des gewerblichen Svielens der Mllitärmusiker sei aus nationalen Gründen nicht an- ?ängi?. Demgegenüber stellt der Verbandstag fest, daß der Deutschs Musikerverband mit dem Reichswehrministerium wiederholt in dieser Angelegenheit verhandelt und Vereinbarungen herbeigeführt hat, mit denen sich die Zivilmusiker abfinden konnten, obwohl ihre be- rechtigten Forderungen nur ungenügend berücksichtigt wurden. Leider hat das Rcichswehrministerium diese unter seiner Mitwir- kung zustandegekammenen Vereinbarungen vom IS. Februar und 7. Oktober 1920 trotz Zusage nicht in Kraft gesetzt, sondern eine neu« wertlose Verordnung erlassen. Räch diesen Erfahrungen und da das Reichswehrmintsterimn der Einladung zu diesem Verbandztage nicht Folge gegeben hat, ist aus eine Vereinbarung nicht mehr zu hoffen. Der Verbandstog fordert deshalb erneut das Verbot des gewerblichen Spielens der Mriilärkapellen und verpflichtet die Organe des Verbandes, mit allen, auch allen gewerkschaftlichen Mitteln diese Forderung durchzusetzen. 'Der Strahenbahnerstreik im Ruhrgebiet. Bon dem Ausstand werden 83 Bahngesellschaften be- trofsen. Im ganzen Jndustriebezirk von Duisburg bis Hamm und Dohwinhel verkehrt keine Straßen» bahn. Die Remscheider Straßenbahner, die an dem Lohnkampf nicht beteiligt sind, da sie noch dem Tarif der städtischen Werke be» zahlt werden, sind ebenfalls in den Ausstand getreten, um die For- derungen ihrer Kollegen zu unterstützen. In Düsseldorf ruht der Verkehr nach den Vororten: auf den städtischen Strecken soll der Streik heute einsetzen. Die Besatzungsbchörden verhandeln wegen Aufrechterhaltung des Betriebes im besetzten Gebiet. Beilegung deS Streiks in den Geldschrankfabrike«. Durch Vergleich am Montag, den iL d. 88t«., vor dem SchlichtungSauSschuß Groß-Berlin wurde folgender, von beiden Parteien unterzeichneter Beschluß gefaßt: Die Angestellten der Geldschrankfabriken erhalten eine LSprozrntige und die An« gestellten der Schlossereien eine 20proz«ntige Gehalts- erböhung. Die Arbeitszeit bleibt die bisherige. Außerdem wurde durch besondere Verhandlungen mit den Arbeitgebern der einzelnen Geldschranklobriken noch vereinbort, daß die bisher von einem großen Teil der Angestellren über die bisherigen Tarifiäye hinaus bezogenen Sonderzulagen auch fernerhin beibehalten werden. Wir machen jedoch nochmals daraus aufmerksam, daß der Aufschlag von 25 Proz. nur auf das Grundgehalt in Frage kommt. Die Arbeit wurde in allen Betrieben wieder aufgenommen. Afa-Bund, Ortskartell Groß-Berlin. Verantw. tilr den redalt. Teil: Dr. Werner Pclser, eharloUenbura: für Nrje.qea! Td. Glmfe. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag®. m. b. H., Berlin. Drnrt:&>r- »Sri«- Buchdruckeret n. LerlaaSanilalt Paul Sinaer u. Co.. Berlin. lZindrnitr. 3. teilweise mit kleinen k�sMenn Sdunonsple Sciunondpii Kasserollen 18 ein Sclilisseln»..» Schüsseln Wannen 28 tief oval 6.50 28 8.90 60 49JS~ 26 8.75 . 26 s.dO 55 24 4.90 24 4IJ0 6.««" SO 52.50 22 T.W 22 8.75 HSV 8« • 14«M JOS 28 cm|875 20 cm 2®® 20 cm 4�99 2150 18 cm /lrbeiter-Väfihe za Fabrikpreisen Z!Mell'!lMlölkeil.öasevf-rb.o 18 � 23®. n n» weiß 20 bis 25®. (ftt JtinDer........... l�btslSsR. mit Splhen pro Mick 8 Nt. Ausschlag. Einzelne Männer-Hemden 25 M. | beste Berardeitg., leine Reichsware, solange der Vorrat reicht Nur abend« zwischen 5—8 Uhr. Herbert Epstein, Charlottenbnrg I danroggeaer Str. S. portal I, 2 Tr., am Luisenplaj : Luisenplast. hnoerdmdunz: Linie 5, 8. 10, IS, 54, 164, Bahnttation Iungfernheid«. fta Aus erster Hand 48 cm ab Cngroslager W. Reinecke, Kurf. 214, an Jedermann: Feldbi „Vulpius" m. Unterf. b. 90 cm br. 122,-, drtL Aufl. 90,-,>60,-, 175.-. Kinderbett»:. 180.-, Kr Meiallbettst 130.-, m. 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