n?. SS ♦ ZS. Ausgabe B Nr. 44 Bezugspreis» ZZi-rWiaijrl. SO,- M., monofl.»,- 9t frei ws fious, voraus zahlbar� Paft. bezug: Monatlich IS,— M., einschl. Zu» stellungsgebiihr. Unter Areuzdand fiir Deutschland und Oesterreich 16,50 TU, für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21,50 M. Postdestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tichecho» Slowakei, Däne» mark, Holland, Luxemburg, Schmede» und die Schweiz.— Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der»Vorwärts" mit der Sonntags- be..V>(->e»Volt und Zeit" und der Unter- haltnnqsbetlage„Heiurwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. reiegrawm■ Adresse: »Sozlaldemotraf Uerfhe". Abend Ausgabe Verlitter VolKsblstt ( 20p»«nnkg) AitzeigeapreiS- Die achtgespaltene RonpaeeÄezr.r'e lostet SchO Ist.„&{p.lae SJujcigesi" dos settgedruckte Wort 1.50 M.(z;;- lässig Zwei settgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 1,— SR. 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Nichts ist bezeichnender für die vorzügliche Agstations- arbeit, die die Ententepolitik zugunsten der extrem nationalisti- fchen und ontirepublikanischen Reaktion liefert, als die seit den letzten Rcichstagswahlen eingetretene Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen Volksparteiler und Deutschnatio- nalen. Bis zu den Juniwahlen hatten die beiden Rechts- Parteien in der nationalistischen Agitation und in der dema- gogischen Kritik an der.würdelosen" auswärtigen Politik der alten Koalition, die sich vor jedem Diktat der Sieger schließlich beuge, anstatt einmal energisch auf den Tisch zu hauen und .es darauf ankommen zu lassen", gewetteifert. Und als die Volksparteiler glücklich in der Regierung saßen und als Teilhaber der Macht— aber auch der Berant- wortung— nach Spa fuhren, da mußten sie genau dieselbe „Würdelosigkeit" an den Tag legen, die sie bis dahin an uns stets gegeißelt hatten. Die Deutschnationalen dagegen, jeder Verantwortung und jedes Verantwortungsgefühles bar, konnten es sich aber weiter leisten, das alte frevelhafte Spiel der Deklamationen und Drohungen gegen die Entente fortzusetzen. Während der Reichstagsdebatte über das Spa-Abkommen ereignete sich ein kleiner damals wenig beachteter Zwischenfall, der diese Si- tuation blitzartig beleuchtete. Der Redner der Deutschnatio- nalen und Parteivorsitzende 5) e r g t hatte die Annahme des Spa-Abkommens durch die deutsche Delegation mit den üb- lichen Redensarten scharf getadelt und sein Befremden dar- über geäußert, daß die Deutsche Volkspartei, die ja während des Wahlkampfes in nationalen Fragen mit seiner Partei scheinbar konform gegangen märe, diese Demütigung schließ- lich hmgenommen hatte. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich einen Hinweis auf„die nationale Würde", die bei der Deut- fchen Volkspartei in schlechter Obhut sei, nicht verkneifen. Als Hergt seine Rede beendet hatte, meldete sich der volks- parteilich? Vizekanzler Dr. H e i n z e zum Wort und er- widerte mit sichtbarer Erregung und steigender Leidenschaft- lichkeit auf die Hcrgtschen Angriffe. Wer nicht in Spa anwesend war, kann sich von der kritischen Situation kein Bild machen: er kann auch nicht darüber urteilen. (Unruhe bei den Deutschnationalen.) Wir erheben entschieden Protest gegen die scharfe Weise der Deutschnationalen, Zweifel an unserer nationalen Gesinnung zu erwecken. Gerade die wesentlichste Frage, die der Partei des Vorredners vor- gelegt worden ist, nämlich die, wie ein Minister seiner Partei sich In Spa verhallen haben würde, hat er ausdrücklich abgelehnt zu be- antworten.(Lebhaftes Hört, hört!)... Gegenüber dem vorge- schlageiien Mittel eines nationalen Appells an das Volk verweise ich aus die unendliche Pol des Volkes, wie es sich, von den Lasten des Krieges erdrückt, kaum mehr aufraffen kann. Es gibt für uns nicht die Möglichkeit, unser schwer daniederliegendes Volk nochmals aufzupeitschen.(/Lebhafte Zustimmung.) So richtig diese Zurückweisung an sich gewesen sein mag. so war sie doch letzten Endes ein gegen die eigene Partei trefflich sitzender Hieb. Denn'zwischen Versailles und Spa lag mehr als ein Jahr schwerer außenpolitischer Krisen, in dem die Partei des Herrn Heinze gegen die Sozialdemo- k r a t i e dieselbe demagogische Hetze betrieben hatte, die nun die Deutschnationalen gegen die neue rein bürgerliche Regie- rungskoalition richteten. Seit Spa ist nun mehr als ein halbes Jahr verstrichen, in dem die Minister und Abgeordneten der Deutschen Volks- partci im allgemeinen genau dieselbe auswärtige Politik der Entente gegenüber haben mitmachen müssen, für die die alte Koalition bis zu den Juniwahlen die undankbare Verantwor- tung getragen hatte. Unterdessen aber haben auch gleichzeitig die Deutschnationalen ihre gewissenlose Hetze unentwegt und ungestört weiter treiben können, und zwar fast aus- schließlich auf trösten des einst jo engalliierten und assoziierten Stalles Strefemann. Jene Verschiebung zwischen den beiden Rechtsparteien, die bereits bei den sächsischen Wahlen zutage getreten war und die nunmehr bei den Preußenwahlen sich noch deutlicher akzentuiert hat, ist vor allem das Ergebnis der Ententepolitik gegen Deutschland. Daß das Schicksal der Deutschen Volkspartei bei uns wenig Mitleid erweckt, wird man allerdings nach alledem be- greifen können, lleberhaupt verdient das deutschnational wählende Bürgertum, dessen politische U n r e if e sich bei jeder neuen Wahl als immer erbärmlicher entpuppt, die einzig mögliche Strafe, nämlich, daß man ihm das Schicksal Deutsch- lands nur einige Wochen überläßt, damit es sich in den Augen des ganzen Volkes und der ganzen Welt auf ewig lächerlich mache. Die Helsterich und Konsorten sollten nur acht Tage in Deutschlands Namen auf der Londoner Konferenz sprechen und dann würde auch der Blindeste erkennen, daß bei diesen Herrschaften weder Verstand, noch Mut jemals gesteckt hat. Allerdings gibt es auch unter ihnen einige Bankrotteur- naturen, die es tatsächlich„darauf ankommen lossen" würden. Und das eben darf im Interesse des deutschen Volkes, das ein Recht hat, zu leben und wieder zu gesunden, nicht geschehen. Im Gegenteil muß die Reichsregierung gerade aus dem ver- hängnisvollen Zuwach» der äußersten Reaktion die Konse- 113 Sozialöemotraten gewählt. Nach de« bisherige» Feststellungen find von den Landtagsmandateu einschließlich der oberschlesischen im Besitz der S.P D. 113 Mandate, im Besitz der bisherigen Regier» ngskoalitiott2Z9 Mandate, während nur 19S Landtagsmandate der Opposition aller Richtungen zugefallen sind. Stärke öer ßraktionen. Berlin. 22. Februar. Zu den 399 neugewählten Abgeordneten zum Preußischen Landtag treten noch die bisheri- gen 22 Abgeordneten des Wahlkreises 9(Oberschlesien) der Landesversammlung hinzu, so daß die Gesamtzahl 421 beträgt. Es Handell sich um 7 Sozialdemokraten. 11 Zentrum. 1 Demokraten. 1 Deulschnakionale», 2 Unabhängige. Der Landtag würde sich demnach wie folgt zusammensehen: Sozialdemokraten...... 113 Demokraten........... 26 Zentrum 90 Deutsche Dolksparkei........ 37 Deutschnationale Volkspartei..... 73 Wirtschaftspartei d. deutschen ZNillelstandes 4 Unabhängige Partei........ 28 Vereinigte Kommunisten...... 30. Die Lonösslisten. Aus der Verrechnung der Reststimmen für die Landes- mahloorschlSge ergeben sich weitere ZZ Vi a n d at e für die verschiedenen Parteien, und zwar für die Deutschnatiotialen 9, sür die Deutsche Volkspartei S. für die Zenkrumspartei Z. für die Demokraten 4. für die Sozialdemokratie 4. für die Iluab- hüngigen 4, für die Kommunisten 4 und für die wirtschastsparlei des deutschen Mittelslandes 2._ weitere Kreisergebmsse. Wehlkreis 11(Werseburg): Es erhielten: S.P.D. 71 889. ll.S.P. 75 859. K.P.D. 204 569, Demokraten 66 420, Deutschnationale 153 872. Dt. Volkspartei 97 031 Stimmen. Die Gesamtzahl der gültigen Stimmen beträgt 677 928. hiernach entfällt aus die S.P.D. 1, ll.S.P. 1, K.P.D. 5, Demokraten 1, Deutschnakionale 3, Volkspartei 2 Mandate. Die Zentrumspartei, auf die 8288 Stimmen entfielen, erhält kein Mandat. (Reim-tage.wabl: S.P.D. w SM, U.S.P. 310 953,«.P.S. 10 681, Dein. 68 600, ZciUr. 6534,®. Pp. 98 213, Dual, Dp. 132 002.) Wahlkreis 15(Ost-Hannover): Es erhielten die S.P.D. 141 474, U.S.P. 16 773, K.P.D. 19 461, Demokraten 19 648, Deutschnationalen 40 842, Dt. Volkspartei 63 268, hannoversche Partei und Zentrum 138 542 Stimmen. Es entfallen also auf die S.P.D. 3. Zentrum und Deutsch- Hann. 3. Deutiche Volkspartei 1. Deutschnationale 1 Sitz. Reichsiagswabl: S.P.D. 132 233, U.S.P. 52 045, K.«.D. 2305, Den,. 29 632, gentr. 5209, D. Dp. 03 466, Dnal. 55p. 83 479, D-'Honnov. P. 166 540.) Wahlkreis 20(Köln-Aachen): Es erhielten: S.P.D. 164 459, ll.S.P. 8580, S.P.D. 45 762, Demokraten 29 863, Denlfchnationale 49 404, Dt. Volkspartei 78 388. Zentrum 472 549, Fraklionslose Partei 125 Stimmen. Die Gesamtzahl der gültigen Stimmen beträgt 849 130. Hiernach entfallen auf die S.P.D. 4, die S.P.D., Deutsch- nationale 1. Volksvartei 1. Zentrum 11 Mandate. iNeickisiagswabl: SPD. 170 625. U.S.P. 70 663, Dem. 35 013, Zentr. 443 288, D. Dp. 77 293, Dnal. 83 917, Sonstige Part. 29 533.) Dahlkreis 21(Solllenz-Trier): Gesamtergebnis: 531 492 giltige Stimmen. Davon erhielten die Sozialdemokraten 61 250, die llnabhän Schtesiftbe GrgeschWaffen. Breslau, 22. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vor- würts".) 3u G l o g a u wurden gestern, nachdem von sozialdemo- kratischer Seit« eine Anzeige über ein verstecktes Waffenlager der Orgesch eingelaufen. 5000 Gewehre und eine Anzahl Maschinengewehre amtlich beschlagnahmt. Dte Entwaffnung io Bremen. Der Reichskommissar für die Entwaffnunci hat für Bremen angeordnet, daß auch der Rest der abliefsrungspflichtigen Waffen, der bislang noch mit feiner Zu- stimmung im Gewahrfam der Stadtwehr verblieben war, bis Ende dieses Monats abgeliefert werde. Der Senat hat An- wessunv gegeben, daß diese Anordnung termingemäß durchgeführt wird. Der Senat hat daher im Einverständnis mit dem Reichs- minister des Innern zu dem gleichen Zeitpunkt, die Aufhebung der einzigen, ün Realgymnasium befiud'ichen Stadt wehrwach« ver. fügt und wird ferner die Angehörigen der Stadtwehr zum gleichen Dermin» n t l a f f e u, soweit nicht di« Abwicklung der Geschäft« gigen 2812, die Sommnnisten 11 953, die Demokraten 14 721, die Deutfchnalionalen 29 554, die Deutsche Volkspartei 59 450, das Zentrum 338595. die Christliche Volkspartei 13 090 und die Fraktionslose Partei 67 Stimmen. Es entfallen also aus die Deutsche Volkspartei und auf die Sozialdemokraten je 1 Sitz, auf die Zentrnmsparlei 8 Sitze. iReichstoqswabl: S.P.D. 59 494, U.S.P. 28 040, Dem. 13 261, gentr. 293 252, D. 95p. 60 701, Dual. 3ip. 25 726, Sonstige Pari. 29 311.) D!e Reichstagswüh! in Sch!eswig-tzo!ftein. Siel, 22. Februar.(DTB.) Auf Grund der nunmehr vollständig vorliegenden Ergebnisse der Reichstags- wählen in Schleswig-Holstein entfallen auf die Sozial- d e m o k r a t e n 4, die Demokraten 1, Deutschs Volkspartei 2. Deukschnationalen 1 Mandat. Siel, 22. Februar. Das Stimmergebnis der Reichstag s w a h l in Schleswig-Holstein ist folgendes: Sozialdemo- {raten 242433, UnalHünzige 20 464, Kommunisten 40733, Demokraten 64 276, Deutsche Volkspartei 126 785, Deulschnakionale 140 646, Schleswig-holsteinische Landespartei 24 251, Danen 4651. Dazu kommen von der Hamburger Reichslagswaht im Zuui 1820 als Restflimmen: Unabhängige 24 767, Demokralen 37 728, Deutsche Volkspartei 24 24S. Deutschnationale 8752 Stimmen. Die gestern mitgeteilten Zahlen, wonach nur 2 Sozialdemo- traten gewählt wären, waren unvollständig und daher irreführend. Der Sieg in Düffe!öorf-Gft. 22. Wahlkreis. Elberfeld, 22. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Amlliches Resultat: Elberfeld: S.P.D. 18134(12 300). U.S.P. 8288(25 738), K.P.D. 4622(4446), Dem. 4374(5370). Dnat. 13 628 (20 400), D.Vp. 10 538(41 832). Zentr. 11430(11500). Barmen: S.P.D. 15 882(36461. U.S.P. 10 173(30 325). K.P.D. 7312(408), Dem. 5113(4651), Dnat. 24 548(24 387), D.Vp. 8477 (3063), Zentr. 8324(7316). Essen: S.P.D. 31 055(24 855). U.S.P. 12 533(57 643). K.P.D. 33124(2371), Dem. 3744(6738), Dnat. 20 251(17 335), D.Vp. 27 034(27 324), Zentr. 74 043(72 489). Düsseldorf: S.P.D. 18 585(13 624), U.S.P. 30 579(70523). K.P.D. 20 292(2550). Dem. 6375(7031), Dnat. 20 283(18 707), D. Vp. 23 636(23 123), Zentr. 59 635(53 052). Der Ausgang der Wahl bedeutet einen glänzenden Sieg der S.P.D., die allein in Elberfeld-Varmen 57,1 Prozent zunahm. Die Unabhängigen erlitten eine katastrophale Niederlage und verloren- 71,4 Prozent ihrer Stimmen: von den ehemals 37 424 Stimmen der Unabhängigen tonnten die Kommunisten nur 11 775 für sich erringen. Im Wahlkreis Düsseldorf-Ost erhielt die S.P.D. im ganzen 131 789 Stimmen. Reichskoalition unü Vreußenregierung. Berlin, 22. Februar.(WTV.) Heute fand eine Ve- sprechung zwischen den in der Reichsregierung ver- tretenen Parteien über die durch die preußischen Wahlen ge- schaffene Lage statt. Es bestand volle Einmütigkeit darüber, daß auf ßine Lösung hingewirkt werden müsse, bei der die Regierungen im Reich und in Preußen von derselben Partei» koalition getragen werden. Es wurde vereinbart, daß von diesem Gesichtspunkt aus ein einheitliches Vorgehen der in der Reichsregierung vertretenen Parteien bei der Neu- bildung der preußischen Regierung angestrebt werden soll. noch über den 1. März hinaus die Zurückbehaltimg einer geringen Anzahl von Personen nötig macht. Ein kurioses Dementt. WTV. teilt mit: In der Presse werden Auszüge aus einer Denkschrift übe: die Systeme der Ge- treidebewirtschaftung veröffentlicht. Um Irrtümer zu vermeiden, wird darauf hingewiesen, daß die Denkschrift von der Reichsgetreidest-Ue und nicht vom R c i ch s m i n i st e r für Ernährung und Landwirtschaft versaßt ist. Die Denkschrift hat als Grundlage für die Beratungen die verschiedenen Möglichkeiten zur Darstellung gebracht, die sich für eine Abänderung de- Bewirtschaftungssystems crgebem Irgend welche Vorschläge ent> hält die Denkschrift nicht.— Demgegenüber ist festzustellen: der von uns wiedergegebene Teil der Denkschrift hebt die„Vorzüge" des Umlagesystems so deutlich hervor, daß die Absicht, es vorzuschlagen, nicht gut geleugnet werden kann. Der Reichsernährungsminister stellt sich nun so an, als habe e. mit der Sache nichts zu tun, obwohl jedes Kind weih, daß ihm diese Stelle unter- steht. Ohne sein« Zustimmung dürfte die Denkschrift ja nicht an die Länderregierungen versandt werde». quettz ziehen, daß nur mit der äußersten Rücksichtslosigkeit gegen die deutfchnationalen Bankrotteure vorgegangen wer- den kann. Ein weiteres Lavieren, wie es von Seiten der Deutschen Volkspartei gegenüber der äußersten Rechten bisher geübt wurde, geht nicht mehr an. Der Stimmengewinn der Deutschnationalen bildet sowieso für die deutsche Delegation, die sich am Sonnabend nach London begibt, eine schwere B e l a st u n g. Dieser Belastung gegenüber steht allerdings als Gegen- gewicht das beträchtliche Wiedererstarken der Sozialdemo- kratie. Wenn die Reichsregierung durch ihr Auftreten in London beweist, daß sie entschieden die Katastrophenpolitik der Deutschnationalen ablehnt, dafür aber um so deutlicher im Sinne des arbeitenden Volkes handeln will, d. h. wenn sie, auch in der Frage der Entwaffnung, sich streng an die Richtlinien hält, die in der Erklärung der sozial- demokratischen Reichstag sfraktion vorge- zeichnet sind, dann wird es ihr gelingen, den schweren natio- nalen Schaden wieder auszugleichen, den die Gewinne der Deutfchnationalen verursacht haben. Sollte sie aber aus dieser Kräfteverschiebung zwischen den beiden Rechtsparteien die Schlußfolgerung ziehen, daß sie an die unentwegten Nein- Brüller und an die Orgesch-Banden Konzessionen machen müfle, dann wird die Sozialdemokratie entschieden von ihr abrücken. So sehr unsere Partei mit dem Reichsministcr Simons darüber übereinstimmt, daß unmögliche Forderungen des Gegners ab- zulehnen seien, so sehr wird sie auch darauf achten, daß der ehrliche Wille des deutschen werktätigen Volkes zur Wiedergutmachung und zur sonstigen Vertrags- ersüllung bis zur Grenze des Möglichen in London zum Aus- druck gebracht werde. ch Frankreich und die Preußenwahlcu. Paris, 22. Februar. Zum Ergebnis der Preußischen Landtags- wählen schreibt G u st a v ch« r v e in der„Vietoire", man sehe wohl, daß die beiden Rechtsparleleu einige Sitze gewonnen hätten. Aber da sie im allen Landtag nur den vierten Teil der Sitz« innegehabt hätten, würden sie eine durch legale Mittel vollständig uusähig« Alinderheit bleiben. Es fei also eine feststehende Tatsache, daß die Männer der Partei von 1314 nur ein Viertel der Wähler für sich haben. „Echo de Paris' erklärt, die Preußischen Wahlen hätten, wie man«wartet habe, eine Schwenkung nach rechts gebracht. Die Unabhängigen Sozialdemokraten Höllen sehr gelitten und die Ratio- nalisten hätten zum Schaden der gemäßigten Konservativen Erfolge erzielt. Die Mehrheitssozialdemokratie gewinne Stimmen, so daß die Koalition der demokratischen Parteien Herr der Lage bleibe. Man dürfe aber die Bedeutung dieses Ergebnisses nicht übertreiben. Denn die Mehrhettssozialdcmokraten dächten in bezug aus den Friedensvertrag von Versailles wie alle Deutschen, das heißt, sie hätten nur die Tendenz, ihn nicht auszuführen. Keine freie Getreiüewirtfchast. München, 22. Februar.(MTB.) Im bayerischen Landwirt- schaftsnrinisterium hat gestern mittag unter dem Borsitz des Reichs- Ministers Dr. Hermes die Konferenz der Ernährungs- minister begonnen. Die Konferenz beschäftigte sich m erster Linie mit der Regelung der Bewirtschaftung des Getreides sür das nächste Wirtschaftsjahr. In eingehender Aussprache wurde die Frage erörtert, ob ein« Aenderung des bisherigen System» notwendig sei, und welche in diesem Falle in Betracht käme. Die Aussprache ergab eine vollständige Ueberemstimmung darin, daß sür die freie Wirtschaft bezüglich des Getreides die Zeit noch nicht gekommen fei, daß vielmehr die öffentlich« Be- wirtschaftung des Getreides in irgendeiner Form nicht e n t- b e h r t werden könne. Als die geeignetste Form für die Dewirt- schaftung sah die weitaus überwiegende Mehrheit der Versammlung das Umlageverfahren an. Der Reichsminister gab Kenntnis davon, daß vom 16. März ab die Qualität des Kochmehls oer- bessert werden soll, indem es von da ab nur niehr zu 70 Proz. ausgemahlen wird. Zlugstbau. Von Willy Meyer, Hauptmann a. D. Wie oft hört man sagen: Für den modernen Menschen gibt es im Zeitalter der Technik keine Entfernungen mehr. Das ist richtig, soweit es sich um horizontal« Entfernungen handelt, hier verliert die Weite der Entfernung immer mehr und mehr an Schrecken. Brauchten wir früher, um mit der„Schnellpost' von Berlin nach München(ca. SSV Kilometer) zu gelangen, etwa 8% Tage, so bringt uns heute der v-Zug in 10 und' das Flugzeug in 4 Stunden hin. Und m«In paar Jahren werden wir vielleicht in zwei Stunden da sein. In der Tat, in bezug auf die Ueberwindung horizontaler Entfernungen ist Gigantisches in den letzten Jahrzehnten er. reicht worden. Etwas anders liegen die Dinge, wenn wir an die Besiegung vertikaler Entfernungen denken. In den Lustozean, der unsere Erdkugel umgibt, ist der Mensch erst etwa 11 Kilometer hineingedrungen. Kaum war der L u s t b a l l o n erfunden(1783), da trat auch schon bei den Wissenschaftlern das Verlangen auf, möglichst große höhen zu erreichen. Schon 1804 unternahm der franzosische Phy- siker Gay-Lussac ganz allein einen Ballonaufstieg, der ihn bis zu 7000 Meter führte. Er stellte dabei thermometrische, elektrisch« und magnetische Beobachtung«, an 1862 erreichte der englische Forscher Elaishcr 9000 Meter, und im Jahre 1901 kamen die beiden Berliner Professoren Berson und Süring mit dem Ballon„Preußen' auf 10 bOO Meter. Es ist dies die größte höhe, die bisher je ein Mensch erreicht hat. Llehniiche höhen wie mit dem Ballon wurden mit dem Flug- zeuge erreicht. Kurz vor dem Kriege«rtionun der Flugzeug- führer Oclerich mit einem Doppeldecker der Deutschen Flugzeugwerke in Leipzig 81ö0 Meter. Im Juni 1919 übertrumpfte ihn der Ober« leutnant Diemer. der von Müchen aus auf 9620 Meter kletterte, in einem Fluge, der im ganzen 2 Stunden 4 Minuten dauerte. Un- längst hat ein amerikanischer Flieger auch diese höhe noch etwas überholt. Je höher wir hinaufdringen, um so kälter, dünn«? und sauer- stoffarmer wird die Luft. Gegen die Souerstosfarmut läßt sich durch Einatmung von künstlichem Sauerstoff ankämpfen, den man in be- sonderei, Stahlfiaschen mitführt, die mit Schlauch und Mundstück versehen sind. Don 5000 Mete? ab pflegt man in der Regel mit der Benutzung dieser Flaschen zu beginnen. Gegen den stark abnehmen- den Luftdruck aber wird man sich, wenn man höher als etwa 11 000 Meter gehen will, wahrscheinlich nur durch eine luftdicht abge- schlössen« Golldel oder Kabln« schützen können, in der man künstlich« Lust, ähnlich wie im U-Boot, atmet. verfahren eingestellt l Kassel, 22. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts'.) Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wurde gestern eine Anklage gegen drei Marburger Studenten verhandelt, die ein Nachspiel zu dem bekonnten Studentenprozeß bildete. Drei Studenten, Goebel, Jonas und G o erd t, die Angehörige der Roten Zlrmee auf dem Vormarsch nach G ö t t i n g c n transportiert hatten, sind angeklagt, diese Gefangenen auf dem Marsche miß- handelt zu haben. Während vor dem Prozeß gegen die Führer der Roten Armee von reaktionärer Seite alles Notwendige vorbe- rettet wurde, um ein wirksames Echo zu haben, sollte dieser Prozeß gegen drei Marburger Rohlinge möglich st wenig Aufsehen erregen. Kein Pressevertreter war anwesend. Der Hauptzeuge B a tz, der sich als Nebenkläger, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Liebknecht, der offiziellen Klage angeschlossen hatte, erzählte, wie er bei dem Transport beschimpft und mit dem Gewehrkolben beorbcllek worden sei. Der frühere Offizier Goebel, jetzt Student in Marburg, habe ihn mit Worten wie„Du Schwein, Du soll st Wasser saufen' traktiert. Er habe mit den Händen über dem Kopf marschieren müssen und habe Kolben st äße erhalten, die ihn von der Chausiee abbringen sollten. Er habe sein Leben nur dem zu verdanken, daß er sich weigerte, die Chaussee zu verlassen. Zum gestrigen Termin waren 13 Zeugen geladen. Die Ange- klagten wurden von Rechtsanwalt Dr. Lütgcbrune, der auch ihr Der- teidiger während des Mordprozesses war, vertreten. Nach achtstündiger Beweisaufnahme hält der Staatsanwalt die Anklage bezüglich des Angeklagten Goebel für erwiesen und beantragt gegen ihn eine Gefängnis st cafe von einem Monat wegen Mißhandlung von Untergebenen. Lütgebrune verlangt Amnestie auf Grund des Amnestiegesetzes vom 4. August 1920: denn die An- geklagten hätten die ihnen vorgeworfenen Uebcrgrisfe zur Abwehr des Aufstandcs in Thüringen begangen und hätten zweifellos nicht aus Roheit gehandelt! Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an und stellte das Verfahren ein. Die Worte, die Zeuge Arnold, dessen Zähne mit dem Gewehr- kalben eines der Angeklagten bearbeitet worden waren, werden den honorigen Marburger Studenten von jedem anständigen Menschen vorgeworfen werden müssen:„Es ist die größte Feigheit, einen wehrlosen Gefangenen zu mißhandeln!' Deutsckvölkische Iug?nüvergistung. Daß der Antisemitismus an sich eine durch und durch unsitt» l i ch e Bewegung ist, wurde von vornehmen Charakteren in allen politischen Lagern oft genug hervorgehoben. Wenn es hierfür noch eines Beweises bedarf, so empfehlen wir denjenigen Kreisen, die bei allen Gelegenheiten sich so besorgt um die Sittlichkeit der Ju- gend zeigen, dringend, sich einmal mit gewissen d e u t s ch o ö l- tischen Lzetzerzeugnissen zu beschäftigen, die seit einiger Zeit in großen Massen gerade unter den Jugendlichen verbreitet werden. Vor uns liegt ein Heftchen, das unter dem Titel„Wissens- wertes für die deutschblütige Jugend, von Ernst Streit'(Verlegt bei Karl Rohm in Lörch) sich mit der R a s s e n f r a g e beschäftigt. In der Form einer Unterhaltung zwischen einem deutschnationalen Handlungsgehilfen und zwei jugendlichen(!) Handwcrkertöchtern wird in dieser„Jugendschrift' die roheste Rassenhetze propagiert. Wir zitieren aus der genannten dentschnational«: Jugendschrift wörtlich: „E? gibt keine größere Blutschande, als den Geschlechtsvcr- kehr zwischen Rassenfremden. Die Zahl der Fälle, in denen Juden junge deutschblütige Mädchen verführen, geht in die Abertausende. Ein solches von einem Juden geschwängertes Mädchen ist für die deutschgermanische Rasse vollkommen verloren, ja sogar schädlich. Denn alle Kinder, die aus einer späteren Ehe eines solchen Mäd- chens mit einem deutlchblütigen Manne hervorgehen, werden Iudenkmder.„Die Zucht ist verdorben", lagt der Landwirt in be,zug auf die Tierzucht, wenn eine mindern ertige Rosse auch nur ein einziges Mal zur Kreuzung zugelassen wurde. Jedes Land- mädchen.kann Ihnen diese einfachen Vorgänge bestätigen.' Es sollen hier die zahlreichen Unwahrheiten, Verallgemeinerun- gen und Fälschungen der antisemitischen Hetzschrift nicht widerlegt werden. Aber fragen müssen wir doch, wie es kommt, daß Geist» Hochsahrten sind nicht ungefährlich. Berson und Süring ver- sielen beide bei ihrer Welllekordsahrt abwechselnd in tiefe Ohn- machten. Und zwei Franzosen fanden 1875 in 8600 Meter Höhe den Tod, während der dritte seine Gehörschärfe einbüßte. Reben der Erforschung des Luftmeeres durch bemannte Fahr- zeuge geht die durch unbemannte Ballone einher, die ledig- lich Instrumente tragen, die selbsttätig registrieren. Mit diesen un- bemannten Ballonen wurden Höhen bis zu 29 000 Meter erreicht und Temperaturen bis zu 84 Grad Kälte sestgestellt. Die wissenschaftliche Erforschung der Vorgänge i m Luftmeer ist von größter Bedeutung. Kennen wir die Vorgänge, ihr Zustandekommen und ihre(vielleicht vorliegende) Gesetzmäßigkeit erst genau, so werden wir stets wissen, mit welcher Witterung wir zu rechnen haben werden. Und dies ist für unser Berkehrswesen, vor allem aber für die Landwirtschast und damit sür unsere ganze Volkswirtschaft unbezahlbar. Auch fü? die Volksgesundheit wäre dies« Wetterkenntnis von ungeheurer Wichtigkeit. Wenn wir Z. B. schon im Januar genau wissen, daß der Juni in Süddeutschland schön, in Rorddeuischland schlecht sein wird, daß der Juli im ganzen Land Regen, der August aber in ganz Deutschland Sonnenschein bringen wird, so werden wir unser« Urlaubszeiten und Urlaubsziele entsprechend wählen. Das klingt jetzt alles noch utopistisch, aber wie viele Utopien sind schon zu Wirklichkeiten geworden. War Luftschiff und Flug- zeug nicht auch einmal eine Phantasiere!?» Das Flugzeug wird im Dienste der Wissenschaft den Freiballon voraussichtlich völlig verdrängen. Es wird zu einem unentbehrlichen Mittel für die physikalische, meteorologische und luftelektrische Er. forschung der höheren atmosphärischen Schichten werden. Wenn jetzt die Entente— völlig wider Recht und Moral— unser ganzes Flugwesen auf wer weiß wie lange auerotien will, so sind diese Absichten(um ein Wort des genannten Prof. Derlon zu gebrauchen) Nicht nur deuischfeindlich, sondern auch kulturfeindlich. Diesen Entente-Anschlag müssen wir daher alle mit unerschütter. licher Entschlossenheit zurückweisen. Me Sterne pholographiert werden. Das Photsgropyieren ver Himmelskörper ist eine sehr schwierige Aufgabe, über die in der „Photoqraphischen Rundschau" näheres berichtet wird. Das phvto- graphisch ausgerüstete Fernrohr, mit dem diese Aufnahmen gemocht werden, braucht eine Eryositionsdauer von mehreren Stunden, nnd während dieser ganzen Zeit muß es natürlich der Drehung des Fix- sternhimmels nachbewegt werden, damit das optische Bild jedes Sternes auf der Platte immer auf denselben Plattenpunkt fällt. Diese Nachbewegung des Fernrohrs wird nun dadurch zuwege a«. bracht, daß das Fernrohr um eine zur Weltachse parallele Achse beweglich aufgestellt ist und mechanisch durch ein Uhrwerk der Be- wegung des Himmels nachgeführt wird. Dies Verfahren Ist aller- dings nicht unbedingt sicher, denn kein Uhrwert läuft durchaus gleich- lich« und Jugenderzleher. von denen doch«w großer Test im deutschnationolen Lager steht, die Verbreitung solchen Schmutzes unter der Jugend zulassen. Glauben sie, die so ängstlich und fein- fühlend sind, wenn es sich um sozialdemokratische Aufklärungsschriften handelt, daß die Verbreitung dieser deutschvölkischen, in seder Hinsicht tierischen Zuchtlehre besonders veredelnd auf die deutsche Jugend einwirken könne? Gberschlesien auf öe? Londoner Konferenz. Paris. 22. Februar.(EG.) lieber die gestrigen Beratungen in London Ucgl henke ein eingehender Bericht im„Echo de Paris' von Perlinax vor, dem für feine Darstellung die Verantwortung überlassen werden muß. Perlinax bespricht den Beschluß bezüglich der Abstimmung in Obcrschlesieu und erklärt, oaß B r i a n d sich aus den Standpunkt gestellt habe, die von dem Obersten Ral getroffenen Maßnahmen müßten aufrecht erhallen und die gefaßten Beschlüsse dürfken nicht rückgängig gemachk werden. Er erinnert Lloyd George daran, daß dieser der französischen Regierung den Vorwurf gemacht habe, sie wolle die Abmachungen von B o u l o g n e nicht einhalten und jetzt wolle er selbst den von den Alliierten gesaßlen Beschluß umstoßen. Frankreich habe die größte Veranlworkung, da es die meisten Truppen in Ober- s ch l e s i e n bereitgestellt habe, während England nicht einen ein- zigen Mann stelle. General L e R o n d hat erklärt, daß die Gefahr für Oberschlcsien darin bestehe, wenn die außerhalb Ober- schleflens Wohnenden mli den dort Ansässigen zur selbe» Zeil abstimmen würden. Was Lloyd George auf diese Ausführungen erwiderle, weiß Pertinar nicht anzugeben, doch hat sich Lloyd George bereit er- klärt, vier Bataillone nach Oberschlesien zu entsenden. Die Unterredung sei äußerst unangenehm gewesen und habe zwei Stunden gedauert, danach hak Briand sich entschlossen, sich zu unterwerfen. Es ses möglich, daß der gefaßte Beschluß unangenehme Folgen haben werde. Durch die Politik, welche die Alliierten jetzt einschlagen, entnerven sie ihre Politik gegenüber Deutschland und sie gewähren eine bedenkende Prämie aus das alldeutsche Geschrei. Nach einer Meldung des Holländisch Nieuwsbureaus wird England nicht vier, sondern zehn Bataillon« nach Oberschlesiea entsenden. Sie srfllen der Rheinarmee entnommen werden. Paris, 22. Februar. Wie„Echo de Paris' mitteilt, sind es di« beiden englischen und italienischen Mitglieder der nnli» tärischen Mission von Oppeln gewesen, die die Entscheidung zu- Fünften der Bestimmungen des Friedensvertrages über die Dolks- abstimmung in Oberschlesien gegeben hätten. Durch die ge» trennte Abstimmung, so hätten sie erklärt, könnten die pol- nischen Einwohner Oberschlesiens acht Tage nach der Abstimmung der Einheimischen den ankommenden neuen Wahlberechtigten Hin» d ernisse bereiten. Sie hätten deshalb gefragt, ob man nicht ein« angeblich deutsche Gefahr beseitige und eine polnische Gefahr schasse, die ebenso befähigt wäre, der Gerechtigkeit Abbruch zu tun. und schließlich hätten sich ja nur 150 000 Oberschlesier, die außerhalb Oberschlesiens wohnen, zur Wahl gemeldet und nicht 350 000. Dieses Kontingent werde nichts an der Verteilung der 800 000 Stimmen der Zum französifch-polnifche« Abkommen« Breslau. 22. Februar.(WTB.) Die„Schlcsische Bolkszeitung' untersucht in einem Artikel von beachtenswerter Seite die Bürgschaf- tcn für eine Sicherung der Volksabstimmung in Oberschlesien. Dos Blatt bespricht insbesondere die Bedeutung der französi- scheu Macht und der französischen Poliiik in Oberschlesien und Polen und stellt schließlich die Frage, ob Frankreich nach dem 2lb> schluß einer Militärkonvention mit Polen noch als die neutrale, d. h. über den Parteien stehende Patronutsmacht kür die oberschlesifche Volksabstimmung gellen könne. Holländische Zournalisten aus der Schweiz ausgewiesen. Di« holländischen Journalisten, die sich gegenwärtig in Bern und onde- tcn Orten der Schweiz befinden, haben den Ausweisbesehl erhalten. Die Ausenthaltsbewilligung wurde ihnen gekündigt, da ihr weiterer Aufenthalt nicht als noiwendig betrachtet rmrv. Der holländische Gesandte in Bern hat sofort gegen diese Maßnahm« protestiert. mäßig. Um diese geringen Schwankungen auszugleichen, sind di« photographischen Fernrohre stets noch mit einem parallel und starr mit dem Tubus vereinigten zweiten mächtigen Fernrohr verbunden. Dies ist mit einem Fadenkreuz versehen, in das der Beobachter den- selben Leitstern einstellt wie bei der Platte. Da er bei sehr starker Vergrößerung beobachtet, erkennt er sofort ein Voreilen oder Zurück» bleiben des Uhrwerks gegen die Himmelsbewegung, weil dann sein Leitstern aus dem Fadenkreuz heraustritt. Durch die sogenannten Feinbewegungsschrauben gleicht er die Abweichung des Fernrohrs augenblicklich wieder aus, und durch diese sehr schwierige Arbeit des ..Pointicrens' ist er in der Lag«, einwandfreie Ausnahmen des Sternenhimmels zu erhalten. Die Gartenarbeilsschule heißt eine Schrift, die der verdient« Neuköllner Gartenschulleiter A. Heyn im Verlage F. Hirt in Bres- lau soeben erscheinen läßt. Das Buch ist eine kleine in sich ge- schlossene Monographie des Gebiets. Es faßt die Sachs von allen Seiten an, gibt zur theoretischen Begründung das historische Wer- den, neben der Forderung die Praxis von Neukölln. Das ist sein großer Vorzug, daß das Wollen vom Vollbringen ausgeht. Die Neuköllner Gartenarbcitsschule fügt sich in die alte Schule ein, re- spektiert ihre Ordnung, kann mit den alten Lehrern arbetten, oer- ursacht wenig Kosten, denn sie ist„Produktionsschule"; ihr Letter geht in echt sozialistischem Sinne von der„Produktion' aus. Heyn gibt alle Einzelheilen: Den Stundenplan, die Stoffverteilung, die Beratung zum Säen, Pflanzen, er zeigt weitere Entwicklungsmög- lichkeiten. Das Buch, frisch geschrieben, durch Wiedergabe photo- graphischer Ausnahmen geschmückt, wird manchem reformwilligen Schulmeister helfen, wird Behörden und Eltern Wege weisen können. Heyns Schule ist eine erfreuliche Etappe im Werden der. produktiven Zukunftsschule. Paul Oe st reich. Zur llmgeslallung des Zeughauses! Im Anschluß an unfern „Im Z-ughause" betitelten Beitrag in Rr. 36, macht ein Lehrer folgenden Vorschlag:, Um die verheerende Wirkung der im Zeughaus aufgestellten Waffen den Kindern, die dorthin geführt werden, so zu veranschau- lichen, daß sie einen tiefen Sinn für das fünfte Gebot erlangen, fällten neben den Mordwaffen bildliche und plastische Ergebnisse der verheerenden Wirkung an Menscyen(Bilder von Kricgszer- malmten, plastische Darstellungen ihrer Verstümmelungen), Tieren und Wohnorten ausgestellt werden. Dadurch erst würde das Zeug- Haus eine segensreiche Einrichtung werden. VolkSSilhue®. 51. Nächster Lescavend Max Blümncr„Reue Wort- kunlt" in der Aula de« Gymnasium« zum Grauen Kloster am DoonerS« lag. den 24. d. Uli. Die Gesellschaft für Erdkunde zu verlt» hat»IS Aufgabe di« Pflege der Geographie im weitesten Sinne. Sie veranstaltet monatitch« VortragZobcnde bedeutender Reisender und stachsihungen. Eine Bibliothek von 40 000 Bänden steht im eigenen Hauie Wilhelmftr. 23 zur Verfügung. Eine Zeitschrift wird koiteiisrei geilesert Die Mit stiedschaft erwirbt mau auf Grund eine« BorichtageS dreier Mitglieder und Zahlung eine« jähr» lichen Beitrage» von 40 M. alt anjäjsiae» Mitglied und von 30 SR. oU autwärtige» Mitglied. Die Lonüoner Konferenz. Varls,?2. Februar.on chavas in London meldet, fand die erste Vollsitzung der Konferenz gestern nachmittag um 4 Uhr im St. Iames-Palast statt. London, 22. Februar.(WTB.) Gestern nachmittag nahm die im St. Lames-Palast tagende Konferenz die Erklärungen des grie- chischcn Premierministers Kalegoropulos über die Lage in Klcinasien entgegen. Kalegoropulos führte aus, die Griechen feien mit dem Vertrage von Seores vollkommen einverstanden. Griechenland sei bereit, mit den Kemalisten ohne militärische Unter- st ü tz u n g fenigzumerden und bitte nur um die Erlaubnis, das not- wendige Kapital ün Ausland aufzunehmen. Generc' G o u r a u d unterrichtete die Konferenz über die mili- tärilchs Lage in Cilicien und Kleinasten. Es folgte eine technische Er- örteirttlth. Tic Konferenz tritt morgen um elf Uhr wieder zusammen. Gegensätze in der türkischen Dfrage. London, 22. Februar.(WTB.) Der politische Berichterstatter des„Manchester Guardian" schreibt: Die Orientkonferenz beginnt mit einer klaren Spaltung der Meinungen zwischen Frankrcick) und Italien auf der einen Seite und Großbritannien auf der anderen. Die britischen Vertreter wollen keine territorialen Ab? änderungen des Vertrages von Sövres. Die Franzosen und die Italiener sind anscheinend für eine Abänderung. Die britische Ansicht ist kurz gesagt die: Der Vertrag von Sevres ist vielleicht nicht vollkommen, er war doch die beste Lösung, die die Alli! finden konnten. Sein Grundsatz ist, aus dem türkischen Reich« a nichttürkischen und Insbesondere die christlichen Gebiete zunehmen. Die Türkei als herrschende Macht ist verfi Llogd George und Foreign Office würden nicht bereit darauf zurückzukommen. Es seien jedoch Aend dem Vertrag möglich, die dem Stolz der Türkei schmeb insbesondere Abänderungen, durch die die Freiheit und keit der übriggebliebenen Türkei vergrößert und ihre gemildert wird._ Auf der anderen Seite fährt der Berichterstatter fort, find die Franzosen und die Italiener sehr für ein« LbSnderung des Vertrages und ihren Wünschen muß vollste. Bedeutung beige- messen werden. Dies ist der Grund des Aufschubes der�Frage'in Paris und der Berufung der griechischen und der türp scheu Ver- treter nach London. Wie der Korrespondent �mcitcrhm.meldet, ver- lautet, daß Italien noch mehr als Frankreich fw eine Rückgabe von Smyrna und Thrazien an die TÜrkci.'sti. Georgiens Vergervaltigüng. hstg- ndung GroßDeellR Ein unabhängiges Hezirksamt. Montag wurde Im Z. Verwaltungsbezirk(Wedding) das Bezirksamt gebildet. Zu wählen waren 7 Besoldete und ü Un- � besoldete. Der Berichterstatter des Ausschusses empfahl dem Plenum � von den sieben Besoldeten zunächst sechs zur Wahl, lieber die noch verbleibende offene Stelle sollte die Versammlung ent- scheiden, weil der Ausschuß den Kommunisten Lcupold nicht akzep- ticrte. Unsere Fraktion schlug dafür den Bezirksvcrordneten Fuß vor, die Bürgerlichen Herrn Schalldach. Während des ganzen Wahl- ganges herrschte eine große Spannung Die Bezirksvcr>ammlung besteht aus 27 U S P., 13 V.K P.D., 10 S.P.D. und 13 Bürgerlichen: die letzteren umfassen stinf Parteien und bilden eine Arbeitsgemcin- schast. Zum ersten Burgermeister wurde Redakteur Leid. U.S.P.D., mit Stimmen gewählt: stellvertretender Bürgermeister Lehrer Kulisch, U.S.P.D., erhielt 40 Stimmen, 23 Stimmen entfielen auf unseren Genossen Frank Kommunist Scbmidt gab dazu die Er- klärung ab, daß seine Fraktion für Kulisch eintritt, weil ein S.P.D.- Bürgermeister gleich ist einem Bürgerlichen.(So legen die Kam- munisten ihren„Offenen Brief" aus.) Bei dfcr Wahl der Stadträte bekam Blaszick, Werkzeugmacher, U.S.P.D., 43 Stimmen, Bock, Ingenieur, U.S.V.D., 51. Frank, S.P.D., 63, Schmidt, V.K.P.D., 44 Stimmen. Als 7. besoldeten Stadtrat schlugen die Kommlinisten erneut L e u p o l d, die Bürger- lichM hexrn Cor», die S.P.D. unseren Kandidaten Fuß, die Unobhängiaen, deren Stadtratshunger noch immer nicht gestillt war, Herrn Kreienbrink vor. Die Bürgerlichen und Kommunisten gl'.W'. jgetße Zettel ab. Die Unabhängigen stimmten für ihren Kan- didaten unS Ehielten somit von sieben Sitzen fünf. Unser Genesie Drews nagelte diese unabhängige Futter- krippenxelttik nicht einmal die alten Konservativen haben es gewagt, Im« Präsidium nur mit ihren Parteileuten allein zu besetzen. (Zuruf: Ießf'WMß die Unabhängigen mehr Stadträte als Wähler.) Nach der Aste der Unbesoldeten erbielten die Unabhängigen weiter« 3 Mandat«, die PL. P.D. 1. S.P.D. 1, Pfeiffer, die Bürge'*1*»«! auch t., .1541'!» Varls. 22. Februar.(WTB.) Nach Konstantinopel liegen dort Berichte vor, des Arsenals von Tiflis durch die georgische Regierung acht s i e r t haben soll. Eine andere Meldung besagt, w a n sei gestürzt und durch ein ersetzt worden. einer havasmeldung aus wegen der Besetzung stischen Truppen die hresklasien m o b i l i- jetregierung von Eri- 'tifch-armenifches Kabinett Vekriebseinschränkungea der ä'»e«fleichischen Eisenbahnen. Wie aus Wien gemeldet wird, erfoßM MiD einiger Zeit schrittweise eine ziemlich weitgehende ErdrosseiW!*,�» Eisenbahnverkehrs in Oesterreich. besonders der Schnellzüge,«e noch Fortsetzung finden soll, und von der alle Linien gleichmäßig betroffen werden. Die Ursache liegt nickst so sehr in dem Mangel an Kohle überhaupt, als au dem Mangel für die Feuerung bei den Fernzügen notwendiger hoch- weriiqcr Schwarzkohle aus Oberschlesien. Seit dem 18. Februar ist der Güterverkehr zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei vollständig eingestellt. Sin Vcokest der polnischen Regierung.„Dziennik Danski" meldet, daß die polnische Regierung beim Senat der Freien Stadt D a n z i g wegen des Abkommens über die gegen- ssitme Rechtshilfe zwischen Danzig und Deutschland, das kürzlich In dritter Lesung vom Volksrat ratifiziert worden ist, Protest eingelegt hat Kriegsgericht im Rheinland. Die beiden Beamten des Reichs« vermögensamtes, Abteilung Mainz, R e ck m a n n und Ulrich, die der Aufforderung der französischen Bewachungsbehörde, Möbel für Unteroffiziersräume zu beschaffen, nicht nachge- kommen waren, wurden heute vom französischen Kriegsgericht wegen Richtbefoloung eines miliiärischen Dienstbefehles zu je 6 Mo- naten Gefängnis und 5000 M. Geld st rose verurteilt. „Dür.gemlilclschiebcr im ganzen Reich." Zu dieser von uns kürzlich gebrachten Notiz bittet uns Herr Ingenieur Fritz Sattler, Berliw N., Elsasser Str. 96, mitzuteilen, daß er mit dem verhafteten Kaufmann Fritz Sattler nicht identisch ist. Daß eine schast noch nicht ein solche Vertretung in d Es scheint, als ob die bei der Landtagswahs sonst ist ihr Verhalten Prozeß Sonnenfelö unö Genossen Nach Eröffnung der Sitzung sollte sofort mit der Zeugenoer- nehmuna begonnen werden. Der Aufruf ergibt jedoch, daß nur der Zeuge P i r w i tz anwesend ist, während die übrigen Zeugen fehlen. Die Zeugen, namentlich Georg Stlarz, sollen telephonisch herbei- gerufen werden— Vom Angeklagten Sonnen seid zun. wird die Ladung hes Intendantursekretärs Olmann als Sachverständigen darüber beantragt, daß er. der Anaetlagte, berechttgt gewesew sei, über die fraglichen Schriftstücke selbständig zu verfügen. Dem An- trage wird stortgegeben. Inzwischen sind auch die vier erwähnten binnen Hefte beim Gericht eingegangen, aus denen verschiedene Schriftstücke zur Verlesung gelangen. Zumeist sind es Quittungen über von Georg Stlarz bezahlte Beträge. Der Vorsitzende weist auf die auitällige Tntsache hin, daß. obwohl bei Stlarz Millionengeschäfte abgewickelt wurden und dementsprechend sehr viele Quittungen vor- Händen waren, es sich bei den von Svnnenkeld jun. mitgenommenen Schriftstücken ausschließlich um solche handelt, die gegen Sklarz Verwendung finden konnten. Sonnenseld(Vater) erklärt, der Schwiegersohn Scheidemonns. H e n ck, habe ihn beauftragt, 8 Mili- tärautos auf Kosten der S.P.D. zu beschaffen, und aus diese Weise seien die betreffenden Rechnungen an ihn gekommen. Angeklagter Sonnenseld jun. läßt sich sodann mn einzelne Fragen des Vorsitzenden über den Charakter und die Bedeutung einzelner Belege in einer Weise aus, die den Borsitzenden veranlaßt. ihn dringend aufzufordern, die Farm zu wahren, die sich Im Ver- kehr mit dem Gerichtsvorsitzenden gezieme. Er bestreitet einen Wider- spruch in seinen Aussagen. Einen D i e b st a h l habe er nicht be» abstchtiqt. Di? anderen Sachen habe er an Sklarz herausgegeben, und dieser habe sich gefreut, daß die Rechnungen über die NaHrungs- mittel nicht mehr dabei waren. Justizrat Löwenstein regt an, das Verfahren gegen den Major v. Frankenberq abzutrennen, da die Strafkammer das Verfahren gegen Ernst Sonnenfeld wegen der Unterschlagung der 27g 000 M. für unzulässig erklärt hat. Der Staatsanwalt widerlvricht dieser Abtrennung»nd erklärt, daß bei dem Fall der Unterschlaaung der Million auch dieser für unzulässig erklärte Fall ols Indizium für die verbrecherische Gesinnung des Ernst Sonnen- i-Q für ihn notwendig sei. Das Gericht ging auf diese Anregung des Iustizrats Löwenstein nicht ein, da es glaubt, daß die Sache gegen Major Frankenberg doch verhandelt werden könne, wenn auch das Verfahren gegen Sonnenfeld jun. teilweise für u n z u l ä.s s i g erklärt sei. »elche in einer parlamentarischen Körper- ' die Hälfte der Sitze verfügt, für sich eine altung beansprucht, ist ein Rovum. mgigen nach ihrem Zusammenbruch �serer Partei haben röchen wollen: Wicht zu verstehen. Wir halten ein solches Vorgehen für ein«.duiru r« politische Arroganz. Die Unabhängigen find In ihrem PslIWchM Handeln noch nie groß gewesen, daß sie aber nun, nachdem sse«in«» so beispiellosen politischen Zu- sammenbruch erlitten haben, zgrllßör'Erscheinen wollen, als sie wirk- lich sind, entspricht der Handlung cttrtvjiolitischen Hanswursts. Sezirksamt_ Eine nette Ueberraschung bedemet M« gestern abend stattgesun dene Wahl des Bezirksamts im Krrtfe Tiergarten, in welchem eine bürgerliche Mehrheit von 35 Stimmers gegenüber 30 Stimmen der drei sozialistischen Parteien einschließlich der Kommunisten vorhan- den ist. Trotzdem hätte ein linksgerichtetes demokrattfches Bezirks- antt, einschließlich der Demokraten entsprechend den Richtlinien unserer Bczirksorganisation geschaffen werden können, wenn— ja wenn nicht die Herren Kommunisten als„Arbeitervertretsr" nach den Weisungen ihrer Zentrale es abgelehnt hätten, für einen De- mokraten als Bürgermeister zu stimmen. Dadurch wurden die Demokraten den Deutschnationalen in die Arme getrieben, die nunmehr schnellstens in letzter Stunde einen festen bürgerlichen Block erreichen konnten. In der Bezirksversamm- lung kämpfte dieser Block bei den besoldeten Stadträten sämtliche Vorschläge der drei Linksparteien mit 35 Stimmen rücksichtslos nieder und besetzte nach seiner Wahl mit dem Stadtrat D o f l e i n an der Spitze als Bürgermeister das Bezirksamt. Nur bei den un- besoldeten Stadträten war es mit Mühe möglich, sowohl für die Unabhängigen, Kommunisten und uns je einen Kandidaten zu er- hallen. Wir werden den bürgerlichen Parteien in Zukunft durch diese Maßnahme ihre Arbeit besonders erleichtern müssen. Die Ar- beiterschast sollte aber auch hieraus wieder lernen, daß man politische Kinder und Wirrköpfe nicht wählen darf, wenn praktische Arbeit im Interesse des Volkes geleistet werden muß. Wo ssnd jetzt die Ar- beitervertrcter? Auf 12 Jahre ist der Einfluß der Arbeiterschaft im Bezirksamt Tiergarten nur durch die Schuld der Kommunisten unterbunden worden.____ Kreistagswahl in Nieöerbarnim. Bei der am Sonntag mit vorgenommenen Wohl zum Kreistag wurden 7 Vertreter der S.P.D., 5 von der U.S.P., 3 Kommu- nisten, 2 Demokraten und 13 vereinigte Bürgerliche gewählt. Die kreistagswahl in Teltow. ergab S Sozialdemokraten, 6 U.S.P., 2 K.P.D., 2 Demo- traten und 11 vereinigte Bürgerliche. Der Einbruch in die griechische Gesandtschaft ist von der Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Als Täter wurden drei junge Burschen ermittelt und iestzenommen. Die drei gingen, wie sie sagen, einen Abends am Vötzowufcr spazieren und sahen, daß in dem Vorderhause der grttchischen Gesandtschaft kein Licht brannte. Sie entnahmen daraus, daß niemand oa sei und beschlossen, gleich einzubrechen. Nach einem vergeblichen Versuch, die Tür mit einem Dietrich zu öffnen, drückten sie im hohen Erdgeschoß eine Fensterscheibe ein und verschafften sich so Zutritt. Sie holten eine Anzahl wertvolle Teppiche tub andere Kostbarkeiten heraus, stahlen dann in der Regentenstraße eine» Handwagen und brachten damit die Beute nach einer Schankwirtschaft, wo sie sie unterstellten. Von hier aus betrieben sie nun den Verkauf. So ging ein besonders wertvoller Teppich der ihnen gleich abgekauft wurde, sofort nach � Düsseldorf weiter. Hier wurde er von der Kriminalzoliz-i auf tele- I graphische Weisung hin beschlagnahmt und für die bcstohlene Ge- i sandtschaft sichergestellt. Auck) der größte Teil der anderen Teppiche ' wurde wieder herbeigeschafft. Eine Durchsuchung der Wohnungen der drei Täter ergab, daß man es mit gewerbsmäßigen Einbrechern zu tun hatte. Die Behausungen bargen nicht nur Einbruchswerk- zeuge, sondern auch Beutestücke aus anderen Einbrüchen, die noch nicht aufgeklärt sind.__ vie Untersuchung über öle Schlachthofvorgänge. Der zur Prüfung der angeblichen Unterschlagungen und Un- regelmäßigkeiten auf dem Schlachthof eingesetzte Stadtverordneten- ausschuß hat gestern eine bis in die späten Abendstunden dauernde Sitzung abgehalten. Obwohl in der ersten Sitzung beschlossen war- den war, daß über die von unabhängiger und komminiisttscher� Seite erhobenen Beschuldigungen wegen angeblicher Fälschung von 200 Quittungen über Fleischlieferungen in der nächsten Sitzung Beweis j erhoben werden sollte, war der Hauptanklägor, ein kommunistischer Stadtverordneter, nicht erschienen. Er wurde durch einen Frak- tionskollegen vertreten, der stattdessen allerlei Behauptungen über angeblich zu unrecht gezahlte Löhne an Arbeiter erhob, die zugleich auf dem Magerviehhof Friedrichsfelde beschästigt gewesen wären, ferner über vom Schlachthof ausgegangene Wurstsendungen aus Pferde- fleisch usw.. ohne daß er aber greisbare Angaben hierüber machen konnte. Bezüglich der in der ersten Sitzung behaupteten Mangel- ' haften Kontrolle über abgeliefert� Fleischmarten wurden gestern ! mehrer« Zeugen, die in der Abteilung für Martenkontrolle tätig ge- �wes«n waren, und der zuständig« Inspektor Lorenz vernommen. Die MmckenzWer bekundeten, daß nicht alle Marken gezählt, sondern nur Stichproben gemacht worden seien, obwohl sie wiederhalt zum Besten der Allgemeinheit auf dos Zählen aller Marken gedrangt hätten. Durch das Verfahren seien Schlächter begünstigt worden, doch wurde von diesen Zeugen ausdrücklich betont, daß eine Scho- nung oder Begünstigung der Schlächtermeistsr oder Gastwirte a b- sichtlich nicht herbeigeführt worden sei. Dagegen wurde von den Markenzählern behauptet, es habe auf dem Schlachthof eine Liste solcher Kunden bestanden, die ohne Fleischmarken versorgt morden wären. Der Stadtverordnetenausschuh beschloß, sich diese Liste zur nächsten Sitzung vorlegen zu lassen, ebenso sollen alle Akten, die über die Entstehung dieser Liste Auffchluß geben können, zur nächste" Sitzung vorgelegt werden. Die leeren Abteile 2. Klasse. Geradezu skandalöse Zustände herricken de« Morgens und Abends bei der Stadt« und Vorortbahn. Während in der Zeit des größte» Andranges die Züge von den zur Arbeit fahrenden Arbeitern in der 3. Wagenklasse überfüllt sind, fahren die Wagen der 2. Klasse leer mit. In letzter Zeit wird nun eine ganz scharfe Kontrolle ausgeübt. Werden Arbeiter in der 2. Klasse angetroffen, so hagelt es Slraimandate. Auf die entrüsteten Hinweise derUebeifüllung lautet die sakoniscbe Antwort: „Warten Sie doch ans den nächsten Zug oder beschweren Sie sich bei der Tirckiion!" Die Arbeiter und Angestellten sind der Meinung, daß die Klasseneinteilung auf der Stadtbahn schleunigst zu verschwinden hat. Es kann nichts Aufreizenderes geben, als wenn die Menschen sich in Abteile 3. Klasse zusammeiipferchen müffen, während nebenan die Wagen 2. Klasse fast leer sind. Wenn die Eisenbahlivckrwaltung keine Aenderung berbcisübrt, so ist es nicht zu vermeiden, wenn sich eines schönen TagcS die unhaltbarsten Zustände ergeben. Letzten Endes haben die Arbeiter und An- gestellten ein Recht, als Mensch und nicht wie ein Stück Bieh be« fördert zu werden. Erlebnisse auf der Polizeiwache« Die Fälle, wonach Klage über Mißhandlungen auf Wochen der grünen Sicherheitspolizei geführt wird, mehren sich Am 9. Februar wurde in der Bernaucr Straße, zwi'chen Strelitzcr und Vrunnenstraße, von der Polizei ein Mann festgenommen, der der«nfforderimg der dort postierten Beamten, an feinem Pferde, welches er reitend nach Haufe leiten wollte, abzusteigen, nicht nachkam. Der Festgenommene befand sich in Begleitung seine« Baters und in angetrunkenem Zu- stand. Wie er uns mitteilt, bat er den Beamten er« widert, daß sie ihm gar nicht« zu sagen hätten. Hieraus sei er geknebelt und mit zur Wache genommen worden. Dort habe man ihn schon am Eingang gestoßen und geschlagen. Und im Bureau der Sicherheitspolizei fei er in verstärktem Maße mißhandelt und bis zum nächsten Morgen fesigebalten worden. Diese Beschwerde über Mißhandlung auf der Polizeiwache ist in kurzer Frlst die zweite. Wir nebmen von ihr Notiz, damit der Fall untersucht wird und sich das Polizeipräsidium hierzu äußern kann. Die Purschheide als Kulturland. Jetzt ist damit begonnen worden, einen Teil der Pürichheide abzuholzen. Das Gelände wird dann an Kriegsbeschädigte parzellenweise abgegeben. Zuerst werden 41 Morgen nutzbar ge« macht. Die AbHolzung geschieht durch Arbeitslose. Auch ein Teil de? bekannten FranzenSberges tollte zu SiedlungSzwecken bergerichtet werden; dieser Plan ist aber, nachdem die Folstverwaitiing Beschwerde eingereicht hatte, wieder rückgängig gemacht worden. Schlechte Ausstchkcn für Trichinenschauer. Es hat sich gezeigt, daß Trichinenschansr oder Fleischbeschauer sich ausbilden lassen, obwohl sie keine Aussicht auf Anstellung haben. Der Landwirt- schaftsminister hat daher angeordnet, dafür zu sorgen, daß die Zahl der Bewerber zu der der freiwerdenden Stellen im richtigen Ver- hältnis steht. Bewerber zu einem Ausbildungskursus für Trichinen- schauer oder Fleifchbeschauer sollen im allgemeinen nur dann zuge- lassen werden, wenn für sie eine Stelle in Aussicht steht. Deshalb soll die Zulassung zu Kursen von der Vorlegung einer B e s ch e i- nigung der zukünftigen Behörde des Auszubildenden abhängig gemacht werden, daß er in einem bestimmten Beschaubezirk angestellt werden soll. Rowawes. Kriegsbeschädigken- und Kriegshinkerbliebenen-Für- sorge. Die Hauptsürsorgestelle. der Provinz Brandenburg wird in diesem Sommer eine Anzahl Plätze im Gebirge und an der See für kriegshinterbliebene Kinder und Kinder Kriegsbeschädigter sichern. Das Alter der Kinder muß sich zwischen 5 und 14 Jahren für Knaben und 5 und 15 Jahren für Mädchen halten. Besonders bevorzugt werden Kinder, die an Erkrankungen der Atmungsorgane, Skrosu- lose, Rhachitis, Unterernährung und allgemeiner Körpcrschwäche leiden. Die Fürsorgcstclle ersucht nun alle Kinder, welche für diesen Aufenthalt in Frage kommen, bis zum 24. Februar d. I., mittags 1 Uhr, mit genauer Angabe des Alters im Bureau, Zimmer 2, des Rathauses, Kellergeschoß, schriftlich anzumelden. Sptäere Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Gnglisch.Amerikanische BortragSreihe am SnglisSen Seminar. Dorotheeiistiaße v MKS., Freitag, den 25., t>'/, Uhr: Tde Reo. Dr. Dickte (Psarrer der amerikanischen Kirche): George Louis Stevenson. Soziales. Oberschlesifche Kinder an der Ostsee. Die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für Oberschlesien, Genossin Hauke, hatte sich an die Verwaltung der Arbeiter- genossenschast„Produktion" in Hamburg gewandt um Ausnahme oberschlesischer Kinder in dem Kindererholungsheim der Produktion in Haffkrug an der Ostsee. Die„Produktion" hatte vor etwa Jahren dort ein Kinderheim erstehen lassen, das groß- städtischen Kindern, die durch Stadtluft, schlechte Ernährung und Krankheit In der Entwicklung zurückgeblieben sind, unentgeltlich Er- holung bieten soll. Wenn je Erholung nötig war, so hatten dies die etwa 100 Knaben und Mädchen aus dem oberschlesischen In- d u st r i e- und Grubengebiet dringend nötig. Die Verhältnisse in den oberschlesischen Ortschaften um Kattowitz, Laurahütte, Hinden- bürg, Rybnit usw. müssen, wenn man sie an dem Zustande der Ferienkinder in Hafftrug mißt, sehr schlimm sein. Die Unterer- n ä h r u n g ist sehr stark. Skrofulöse arg verbreitet, und man traut seinen Augen nicht, wenn man glaubt, etwa vier-, fünf- und sechsjährige Kinder vor sich zu haben und erfährt, daß sie acht, ncun und zehn Jahre alt sind. Was aber besonders erschütternd wirkt, ist der Vorstellungkreis, in dem sich das geistige Leben dieser be- dauernswerter Kinder bewegt. Di« leitende Oberschwester er- zählte, wie die Aeußerungen der Kinder besonders in der ersten Zeit sich immer nur um die grauenvolle Zustand« in ihrer Heimat, die seit langem der Schauplatz nicht nur heftiger Agitation, sondern auch häufiger Gewaltakte ist, bewegt. Schießereien, Plünderungen und ander« Gewalttätigkeiten sind dort leider an der Tagesordnung. Daß dies« Kinder sich in dem wunderschönen Heim der„Produktion" mit seinen hellen sonnigen Räumen und schönem Wandschmuck, wie in einer anderen Welt fühlen, kann man sich vorstellen, und wie die Ver- pflegung, die die„Produktion" ihnen angedeihen ließ, aus sie F:wirkt hat, erkennt man am besten aus der Tatsachc. daß alle Kinder in den vier Wochen ihres Aufenthattes dnrchschnilklich fünf Pfund an KSrpergcwicht zugenommen haben. Heute kehren dl« Knaben und Mädchen wieder in ihre Heimat zurück, Gswerkschastsbewegung Wahlkampf im SuchbinServerbanö. Eine� äußerst lebhaften Wahlkampf gab e» am Montag abend lm großen Saale der Bockbrauerei in der Fidicinstrajj«. wo die Branche der Buchbinder ihre Branchenleitung neu zu wählen hatte. Der Andrang zur Versammlung war ungeheuer stark. Am Eingang Wirtfchccfi Die Höhe der Abschreibungen. In dem Artikel:„Abschreibungen und Steuerflucht" haben wir dargelegt, daß die vom Derein deutscher Maschinenbauanstalten ver> fochtenen Grundsätze, den„inneren Wert" der Unternehmungen durch hohe Abschreibungen und vorsichtige Bilanzierung zu st ei stauten sich die Massen. Wer. nachdem seine Legitimation sorgfältig gern, dabei aber Aktienkapital, d. h. Zinsrechte oder— wenn geprüft war. den Saal betrat, mußte eine Gasse von Stimmzetteloer teilern passieren, die weit lebhafter und eindringlicher als die Zettel- Verteiler bei der sonntäglichen Preußenwahl ihre Zettel an den Mann und an die Frau zu bringen suchten. Drei Parteien bewarben um die Gunst der Wähler. Die Anhänger der S.P.D. und U.S.P. hotten zwar dos gemeinsame Interesse, di« bisherige Allein. Herrschaft der Kommunisten in der Branchenleitung zu brechen, es war aber unseren Parteigenossen nicht gelungen, trotz weit. gehenden Entgegenkommens, sich mit den Unabhängigen auf ein« gemeinsame List« zu verständigen. Außer den Listen der beiden sozialdemokratischen Parteien lag noch eine dritte, von den Vertrauensleuten und der bisherigen Branchenleitung aufgestellte List« vor. Sie soll zwar— wie ein Anhänger derselben sagte— keine politische und kein« kommunistische List« sein, es stehen aber, wie durch«inen Zuruf konstatiert wurde, nur Kommu. nisten darauf. Es fehlte auch nicht an dem Versuch, die Wahl- sreiheit zugunsten der kommunistischen Liste zu beeinträchtigen. Bor Beginn der Wahl sagte nämlich der Vorsitzende Rothe, nur der von den Vertrauensleuten aufgestellte Stimmzettel sei abzugeben. Wer die darauf verzeichneten Mitglieder nicht wählen wolle, müsse die daraus stehenden Namen entweder mit anderen überkleben oder st« ausstreichen und ander« dafür aufschreiben. Man denk«, was das bedeutet, in einer Versammlung, die so überfüllt war, daß die meisten ihre Arme nicht frei bewegen konnten, sollte man siebzehn Namen aufschreiben, noch dazu in sehr Neiner Schrift, denn der Zettel bot wenig Raum. Gegen dieses, an die Wahltricks alt- pr e u ß i s ch- 1 u n k e rl i che r Landräte und Amtsvor- st« h e r erinnernde Verfahren wurde selbstverständlich von unseren Parteigenossen energisch protestiert und eine Anfechtung der Wahl in Aussicht gestellt. Unser« Parteigenosien, deren Ausführungen von kommunistischen Schreiern mit ungeheurem Gebrüll begleitet wurden, drangen mit ihrem Verlangen durch und die Versammlungsleitung erklärte schließlich, daß auch andere als die von der Branchenleittmg ausgegebene Stimmzettel gültig seien.— Die Unabhängigen scheinen aus den von der Branchenleitung anfangs beabsichtigten Trick vorbe- reitet gewesen zu sein, denn sie hatten ihr« Kandidaten auf grnnmiert« Streifen gedruckt, mit denen die Namen auf der sozusagen offiziellen List« überklebt werden konnten. Der auf seiner Rußlandreise zum Kommunismus bekehrte Branchen'eiter Cz e r g i stand sowohl auf der kommunistischen wie auf der List« der Unabhängigen.— Di« Debatte über die Kandidaten der drei Richtungen war sehr hitzig und gmg oft ins Persönlich«. Die Wahl hotte folgendes Ergebnis:: C z e r» I ist mit 878 Stimmen zum Branchenleiter gewählt gegen äS9 Stimmen, di« auf Wie nick« lSP.D.) fielen. Von den übrigen Ist Mitgliedern der Brnnchenleitung erhielten die auf der kommunistischen Vorschlagsliste 615 bis 696 Stimmen: die Liste der S.P.D. erhielt 436 bis 47st Stimmen, die Liste de? U.S.P. 194 bis 23st Stimmen. In die Ortsverwallung wurden ebenfalls drei kommunistische Mitglieder: T z e r n i, Frau cherrmann und M a r k u s e gewählt. Die Kommunisten haben hier einen Wahlerfolq gehabt, der zu Ihrem durch die Landtagswahl festgestellten Stärkeverhältnis innerhalb der Arbeiterschaft in ausfallendem Mißverhält- n i s steht._ Achtung, Gruppenräte and MitSilieöer öes Zentral- rates der Zreigewerkschastiichen Setriebsrätezentrale! Die Freigewerkschostliche Betriebsrätezcntral« ruft für Mitt. «och, den 23. Februar, abends 6 Uhr, nach dem Dresdener Kasino, Dresdener Straß«, die Gruppenrät« und di« Mit- glieder de» Zentralrates zu einer Sitzung zusammen. Tagesordnung: 1. Arbeitsprogramm und die Arbeitstei- kuitg der F.B.Z.— 2. Geschäftliches. Zenkralverband der Bäcker und kiondiioren. Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschufsc«, der in der heutigen Morgenausgabe des „Vorwärts" veröfsenllichi ist, bezieht sich nur auf die K o n d i t o- r e i« u, nicht auf die Bäckereien. Sew-rUchaftsIommiiNon TchSneber». SUnrng: Donnerstag, den!4.F«. i t n a r obtnbs 7 Uöc pllnJtlid), bei Drundt, M c i nin g ex St r a b« 8. Erscheinen aller Delegierten, besonders der Friedenauer Unter- l» m m i ss s 0 n, erforderlich. Achtung, Tischler Bezirk RentZlln I Morgen nainittag von< bis 7 Uhr bei jtriegcl, Neutiilln, Nenterste. 2i. Wagl der Delegierten zur Deueral- Versammlung Berechtigt und vervflichtet zur Wabl sind alle dem Bezirk Reu- kölln angehiZrenden Tischler, die sich bereits am 7. Februar zur Ädsiimmu�g mcl- deten— auch die, die ibre Stimme bereit» abgegeben baden— und den Eleinpel Nr. SO int Ztuch oorro eisen können. Deutscher Holzarbeitcrvcrband, Verwaltung Bertin Deutscher Transportardeiter-Berbaud. Echokosaben- und Ssisiwarenlndusirie. Versammlung drr Transvortgrbeiter und beruksfremden Handwerker am Mittwoch, ZI Februar. 7 Ufir. bei Heinrich, Sc. FranUurter Sir. 36. — 1» II IIIH IWillll II—1111111 WH Uli I IIIHIM HA IIIIIWI Will— m man will— Mehrwert zu verschleudern, in einem scharfen Widerspruch zueinander stehen. Es bleibt nun die Nutzanwen- dung daraus zu ziehen. Der Berfchleuderung von Aktienkapital zum Zwecke der Steuer- flucht und der Bekämpfung der Sozialisierung ist unter allen Um- ständen entgegenzutreten. Der Aktienbesitz soll ja angeblich ein Risiiko sein. Risiko kommt aber von riskieren. Bei den bisherigen und vom Verein deutscher Maschinenbauanstalten gebilligten Prak- tiken riskiert der Aktionär höchstens, daß er im Börsengeschäft noch mehr v e r d i en t, als er sich hat träumen lassen. Ausplatzen wird die Seifenblase erst, wenn die große Krise am Geldmarkt da ist. Was schert den Spekulanten, der dann seine Papiere längst an dümmer« Kleinbesitzer los geworden ist, daß die Aktien nichts wert sind? Was ficht es ihn an, daß die Betriebe unrentabel arbeiten, well die erhöhten Abschreibungssätze die Selbstkosten ins Ungemesicne steigern? Was kümmert ihn die A r be i t s l o f i g k e i t, die eine solche Krise unweigerlich zur Folge hat? Durch die Ausgabe von Aktien zum besterreichbaren Werte sam- meln sich Aufgelder, die dem Reservefonds znfließen. St« können in diesen Zeiten zur Aufrechterhaltung des Betriebes— und da! den Arbeitern— dienen. Sie können aber auch durch Beschf»>ß' Generalversammlung flüssig gemacht werden, um ebenso wie c- Tariferhöhungen intr fSr cht Jahr Geltung hoben sollen vtesr» selben Grundsatz muß man auch aus die Industrie anwenden, solange nicht das Gegentell erwiesen ist, und die Erncuerungssätze nur so* weit erhöhen, als es beim gegenwärtigen Stand der Geldentwertung erforderlich ist. Die Fragen, die stch aus der Höhe der Abschreibungen ergeben, tonnten selbstverständlich hier nur gestreift werden. Der Betriebsrat, der vielleicht einmal als Aufsichtsratsmitglied seinen Namen unter die Bilanz setzt und so für sie die Verantwortung übernimmt, wird sich damit eingehender vertraut machen müssen. Aber auch die Arbeiterschaft als ganzes hat ein Interesse daran, den Gegensatz der Gemeinschosts- und der Aktionärsinteressen im Auge zu behalten und innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft ihre gröbsten Auswüchse zu verhindern.__ A.E.G.- In der Aufsichtsrotssitzung vom 21. Februar wurde beschlosken, einer aus den 15. März einzuberufenden außerordentlichen General, Versammlung die Erhöhung de» Grundkapitals um 50 Millionen auf 350 Millionen Stammaktien vorzuschlagen. Die neuen Aktien erhaften für das Geschäftsjahr 192921 den vierte» Teil des Gewinnanteils aller Stammaktien. Davon werden zur Durchführung der mit der Linke-Hoffmann-Werkc A.-G. vereinbarten Interesiengemeinschaft 39 Millionen von der letzteren gezeichnet, während restliche 2V Millionen im Kreis? d-" der A.E.G. nahestehenden Unternehmungen gezeichnet und fest übernommen werden. Zur Deckung des Geldbedarfs aus der Linke-Hoffmann-Trans« akiio.'! und zur Stärkung der Betriebsmittel, insbesondere zur Kräftigung des Auslandsgeschäftes der A.E.G., sollen weitere "illionen Mark Vorzugsaktien B ausgegeben werden. 'alten ab 1. Juli 1921 eine Borzugsdividende von auf dem Wege über die Abschreibungen(Erneuerungssondsj b werden sollen, braucht darum nicht allgemein durchbiß ch«ji zu wer- den. Die Ersatzanlage, die der allen Anlage niihf technisch über- legen ist, gehört bei dem Fortschrit. der Technik zu den selienen Aus- nahmen. Ein Tell davon ist in der Regel neue», werbendes Kapllal, kann also über den Geldmarkt aufgebracht werden. Entschieden Einspruch zu erheben ist euch i ogegen, daß Aus- gleichsbuchungen in einem Sammelposten als..Minderbewcr- tung des Unternehmen» als Ganzes" unter den Posiioen aufgeführt werden sollen. Zunächst wird dadurch die Bilanz unübersicht- lich. Neue,'Zu hohen Papiermarkpreisen angeschaffte Anlagen werden ohne Rücksicht auf einen etwaigen Stillstand der Werte in dem gleichen erhöhten Maße abgeschrieben, wie alte, bei denc die erhöhte Abschreibung berechtigt sein mag. Schließlich— und das ist das wesentlich«— besteht das„Unterwhmen als Ganzes" nicht nur au» Anlagen. Sein Wert, wie er stch im Börsenkurs ausdrückt, besteht auch— und oft zum besten Teil— aus der Organisation des Betriebes, dem Kundenkrcis, den Patenten, der Verbindung zu den Rohstoffen und zu anderen Lieferanten und vielem anderen mehr. Das alle» sind Dtqge. die— wenn überhaupt— oft nur mit geringen Zahlen zu Buch stehen. Es ist doch kein Zufall, daß an der Börse die Aktien zweier Unternehmungen sofort li.n die Höhe schnellen, sobald eine Interessengemeinschaft angekündigt wird. Dieser „innere Wert", der an der Börse in Prozenten seinen Ausdruck findet, und mit der Geldentwertung ebenfalls gestiegen ist, oerschafft man- chen Unternehmungen ein« hohe Kreditfähigkeit, die in Krisenzeiten wohl ausgenutzt wurde. Die Uebergangswirtfchaft mit ihren Hun- derttausenden von Arbeitslosen und Millionen von Kurzarbeitern steht man, nach der Gewinnpolitik zu urteilen, in kapitalistischen Krei» sen kaum als Krise an. Der nicht ausgenutzte Kredit aber ist eine st i l l e Reserve, die völlig brach liegt. Würde er aus- genutzt, so könnt« er zur Niedrigholtung der Selbstkosten beitragen. Der Berein Deutscher Maschinenbauanstalten verlangt— und nicht ganz zu unrecht—, daß die„als notwendig anerkannten Abfchrei- düngen und Erneuerungskosten bei der Ermittlung von Selbsttosten in voller Höhe zu berückstchtigen" sind. Würde zum mindesten der- jenige Teil der Erneuerungskosten, dazu vielleicht die früher pernach- läsiigten Abschreibungen, der bei einer Neuanschaffung einen Mehr- ertrag verspricht, durch Kapitolaufnahme gedeckt werden, so könnten die Selbstkosten niedriger bleiben, was der Allgemeinheit zu- gute kommt. Und der gemeinwirtschaftlich orientterte Betriebsrat wird im Gegensatz zum profitbewußten Kapitalisten und betrieb?. egoistischen Syndikalisten daraus Hollen müssen, will er ernsthaft am Preisabbau mitwirken. Ebenso muß darauf geachtet werden, daß die Abschreibungssätze entsprechend der Nutzungsdauer einer Anlage berechnet werden. Es geht nicht an, daß, wie es im Kohlenbergbau versucht wurde, teuere neu« Anlagen entweder über die Betriebskosten mittels hoher Preise sofort abgedeckt werden. Das gibt dann gewaltige Preissteigerungen und ein« heute für den Derbraucher uncrträg- lichs Belastung. Es ist auch unzulässig, daß die Abschreibungen über- trieben schnell vorgenommen werden in der Annahme, daß die Geld- entwertung unaufhörlich weitergeht. Wenn es sich um die Fest- setzung neuer Eisenbahntarise handelt, glaubt die Industrie ganz gern an einen Preisabbau in naher Zukunft und verlangt, daß die i wird. Für dos Geschäftsjahr 1920'21 beträgt diese Vor- de bis zu iVi Proz. und die Zusatzdividende Proz. «zent über Ist Prozent. Diese Dorzugsaktien können ab kS sederzeit mit dreimonatiger Ankündigung zu 115 Proz. werden: sie haben im Falle einer Liquidation ein Bor- ' Stammaktien auf einen Einlösungspreis von ebenfall» 115 Prozent. Das Konsortium der A.E.G. übernimmt 15Y Millionen vor» zugsaktien zur Börseneinführung, restliche 100 Millionen bleiben für TochtergeieLschaften reserviert. Um die Rechte der Ctammaktionär« zu wahren, soll da» Ettnun- recht jeder Slammukti« verdoppell werden. veuksche Lokomotiven für 5panie«. Amtlich wi:d in Madrid mitgeteilt: Der S:aat schießt den Eisenbahnen 4S' Millionen Peieta» für den Ankauf von 94 Lok»- inotiven, lieferbar bis 6. Oktober, vor. Sämtliche Lieferungen wurden der deutschen Industrie vorgeschlagen. Ms aller Welt. Znkeraasionaler Zeppelinwerken in Friedrich sechs Personen Aufnahme Luftverkehrslinie Linda» schluß an die Linien D Deutschland— Spanien usw. in dieser Angelegenheit eine ständigen Stellen statt. Mo» ......--ch Lindau— Genf. Mit den auf den en hergestellten Flugzeugen, in denen »den können, soll eine internationale eröffnet werden, und zwar im An- dweden, Deutschland— Prag, In Dübendorf in der Schweiz fand Unterstützung durch die hung mit den Schweizer zu- eine finanzielle riet weiz. Eine Abenleurerlaufbahn. Tue Bndapester Polizei verbaftete einen Hochstovler. welcher seine Tätigkeit auf ganz Europa ausgedehnt hatte. Es bandelt sich um einen gewissen Alexander K m o S ko. Nach Abbüßung einer Gefängnißsitafe wegen verschiedener Betrügereien ließ er seine erste Frau im Stich und ging nach Deutschland, wo er Kunstreiter wurde, aber lpäter als Verbindungsoffizier unter dem Namen Elmons auftrat und eine Gräfin beiratete. Er machte die Bekanntschaft eines Engländers, welcher ihn zum Stallmeister seines RennstaüZ machte. Wegen Beziehungen zu den S i n n f e i n e rn wurde K. interniert und dann ausgewiesen. Nach dem Krieg« tauchte er in Paris und Berlin auf und machte die Bekanntichafi einer finnischen Großkaukmannstochler, die er betratete. Nack Budapest zurückgekehrt, machte das Ehepaar mit finnischen Firmen Gcschäile. Kaigv'o ver« stand eS jedoch, die Geldsendungen in seine Hand zu bekommen und da« Abienden deS Geldes zu Unterlasten. Auk Anzeige der finnischen Firmen wurde er vor einiger Zeit v e r b a s l e t; auf Betreiben seiner Frau jedoch wieder freigelasten. Da sich aber die Anzeigen mehrten und auch seine beiden ersten Frauen gegen ibn auftraten, wurde nunmehr gegen KmoSko da« regelrechte Straf- verfahren eingeleitet. Verantw. tiir den redatt. Tetli Dr. Sern et Veiter. Sdarlottenbura:(flr Aozemen: Td. Sloike. Verlin. Verla»: VorwirtS-Verla, S. m. b. H., Berlin. Traf-, Bar- nweta-Viieddrixierei n. BerlaaSanltall Vaul Einaer n. Ca Veelia ß:n!»istr. 3. S Stammeln, LI k?>*7» JS__ wä Atemnot V.' r, i Angetgelahl»omi m' d K.J aeR? Sprechen heeeitlgt l. y W g ffi BTa 8 j» gründlich MiSiiVml«--iuä Dr. Schmüera Spezislinelitut Beeil* W, LUtzowstr. 30. lSpr. 4-7. auß. Sonnabends u. Sonntags.) Jeder Eisenbahner der oomnact» strebt und nach dem Srundla«: „Freie Bahn dem Tüchtigen" stch durch einschlägige Fachliteratur fortbilden mm liest zur Lervollkvimununz leiner Berufskenniniss« unsere konkurrenzlose Fachzeitschrift Sie WvvgWksWille Amtliche« Organ de« Verbandes Deutscher Eiscnbahnfachschulen und lechnische Zeitschi ist sür alle Eisenbahner. 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