Nr. 92 ♦ 3$. Jahrgang Ausgabe B Nr. 4b VezukSpreiS» «?erteN!N>rl.Aa- M, m->na!1 10.-9. frtl in« Haus, voraus zahlbar. Polt» trzug: Mouatluh 10,— einschl. An- fielkvigsgebühr. Unter itreuzdanb für DeutlchlanS und Oesterreich 16�0 PH, für das übr ge Ausland bei täglich einmal. Austeilung 2l.Z0 M. Postbe- stellungen nehmen an Oestirreich, Ungarn Tlchecha- Slowakei. Däne» Marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schwei».— Eingetragen in die Poft-getiungs-Preisliste. Per»Borwärt»" mit der Sonntag» dsitage»Volt und Zeit" und der Unte» : hallunflsbeilage»Heimwelt" erscheint ze-chentäglich zweimal, Sonntags und Montag, einmal. Telegramm. Adresse: Jfejlaltemottal SccH«*. Abend Ansgabe Berliner DolKsblntt ( aOPfennia") LluzcigenpreiS, Die achtgeipalrene Zionoareillezelle kostet bLtl M„Slslne Anzeigan" das«ellgedrurkte Bort lchtl M(zu- lässig zwei lellgednulle Wortes, sedes weitere Gort l,— M. Stelteugetuche und SchlaifleUenanzcigen das erst» Won l,— M. lede» weitere Worr 00 Plg. Wone Uder lb Buchstaben zählen für zwei Wort«. Foinilieii-An» zeigen iür Abonnenten Zeile 8,— M Die Prelle oeritrhen sich etnlchllchlich Teuerung»(Uschlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags im Hauvtgelchäst. Berlin SW 08. Lmdeu. itrahe 8. abgegeben werden ibeossuet von 9 Uhr srüh di» S Uhr abends. �entraloi'gan der rozialdcmokrattfchen partd Dcutfchlands Eedaftfon und Expedition: Sw 6$, Lindenstr. 3 Kerusprecher: Ami Mortlivla». vir. l5»l i»1— lSl S7 Donnerstag, den 24:. Februar 131�1 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW b8» Lindenftt. 3 fhcrnfutcdtcrj filmt Morihvlah. Sir. 117 33-64 Simons im Reichswirtsihastsrat. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen trat der Neichswirt fchaftsrat in seiner heutigen Sitzung in die Ta- pesordnung ein. Der erste Punkt ist Stellungnahme zur Londoner Konferenz. Nach längeren Ausführungen des Vorsitzenden Edlen v. Braun ergreift Minister Simon» das Wort.. Rtläfsminister Dr. Simons führt u. a. aus: Bon der deutschen Arbeit wird außerordentliches durch die Pa- rifer Beschlüsse gefordert. Die Vertreter der deutschen Arbeit sind es in erster Linie, die gehört werden müssen und die auf die Anforde- rungen eingehen müssen. Nach der Tagesordnung handelt es sich um Stellungnahme des Reichswirtschastsrats zu den Pariser Be» fchlüsien und zur Londoner Konferenz. Die Pariser Beschlüsse setzen sich zum großen Teil aus den Entwafsnunqsfragen und zu einem kürzeren Teil aus den Neparationsfragen zusammen. Ich wiederhole den Grundsatz, den ich in meiner Reichstagsrede ausgedrückt habe. Die Grundlagen meiner Ausführungen waren dabei, daß die Neichs- regierung gewillt ist, die Enkwaffnungsverpflichkungen, d'e der Friedensvertrag von Versailles und das Abkommen von Spa uns auferlegt habe, in der Form, wie sie setzt in ihrem niäßige- ren Termine dem deutschen Volke in Paris auferlegt sind, loyal innerhalb des Rahmens des Friedensvertrages zu erfüllen. Wir haben uns ja militärisch so ziemlich bis aufs Hemd aus- gezogen.t es auch schon in der vorigen Landesversammluna, in der Nationalversammlung usw. war. In den bisherigen Parlamenten ist er nicht effektw �geworden. Droht man jetzt mit ihm, so kann die Drohung 'zweierlei bedeuten: Bluff oder Realität. Auf einen Bluff werden wir nicht hereinfallen. Ist die Drohung aber Realttät, d. h. besteht bei den bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme wirklich innere Neigung zu dieser Koali- tionsbildung, so ilt die Situation für uns noch immer u n- verändert. Denn alsdann müssen wir uns sagen, daß jede anders geartete Koalition trügerischer Schein wäre, solange hinter ihr das Gespenst des Bürgerdlocks steht. Denn sobald dieser sich als reale politische Möglich- k e i t erweisen sollte, würde e r in Wirklichkeit die Geschicke Preußens lenken und nicht eine vorgeschobene Koalsticns- regirrung. Aus einer solchen Situation hätten wir Sozialdemokraten einfach die Konsequenz zu ziehen. Wir begreifen voll- auf, wenn selbst extrem deutschnationalen Blättern bei der Erörterung der rein bürgerlichen Regierung nicht wohl zu- mute ist. Uns schreckt man jedenfalls nicht. Was die Folgen einer arbeiterfeindlichen Bürgerblock-Regieruna sein würden, wissen wir— und das Bürgertum weiß es noch besser. Tftb.echisthe /lrbeiterbilöung. Auf Beranlasscmq des damoliqen Philosophieprofessors Dr. T. G. Masaryt» der heute Präsident der Republik'st, wurde 1896 von. einigen Intellektuellen und Arbeiterführern die Arbeiteräka- demi« in Prag genrändet. Sie sollte zu einer Arbeiterbochschule werden, deren Ausgab« die Popularisierung der Wissenschaft und Kunst, sowie die Erstehung der Massen war; doch die eigenen Mittel der Akademie waren gering, viele Jahre führte sie ein kümmerliches Dasein und beschränkte sich aus die Abhaltung von Hnternchtskursen, Verbreitung guter Literatur, Herausgab« von Broschüren, Veran- staltung von Theatervorstellungen uiw. Erst seit dem Umstürze konnte sie sich frei entwickeln und ist jetzt zu einem bedeutenden Kulturfaktor in der Republik geworden. Die Arbeiterakademi« in Prag, die sich auf die Gerverkschafts- organifationen stützt, umsatzt an 700 000 gewertschafllich organisiert« Arbeiter, und zusammen mit den angegliederten Korporationen fast 1 Million Mitglieder. Sie erstreckt ihre Tätigkeit auf da» ganz« Gebiet der Republik und Insbesondere aus die Industriezentren. All« ihre Bestrebungen verfolgen das ein« Ziel: der Erziehung zum S o z i a I t s in u s. Diesem Zwecke dient vornehmlich die sozialistische Schule, die für intelligente Arbeiter bestimmt ist, um sie zu Führern und Organisatoren der Arbeiterbewegung zu erziehen. Da werden ge- lehrt: Bürgerkunde. Nationalökonomie, Statistik, Weltgeschichte vom Standpunkte des Sozialismus, Marxismus, ethische Grundlogen und Geschichte des Sozialismus, Grundprinzipien der Technik, Ethik, Arbeitsgefchichte, Sozialhygiene und Psychologie. Der Unterricht findet zweistündig on vier Abenden der Woche statt und dauert acht Monat«. Nach dem Vortrag« folgt immer«in« Debatte und im An- jchluh an die sozialistisch« Schule arbeitet ein sozialistisches S e m i- n a r, in dem wichtige Fragen aus dem Gebiet« der Sozialpolitik, Sozialisierpng usw. erörtert werden. Die Arbeiterakademi« hat ferner eine Betriebsräteschule gegründet Don den sonstigen Kursen seien hervorgehoben:«in lite» rarisches Seminar, ein Rednerkursus, eine Handelsschule für Arbeiter, «ine Arbeitersortbildungsschul«, sowi« praktische Kurs«(Nähen. Haus- Haltung usw.) Zur Verschönerung und Durchgeistigung des Privatlebens der Arbeiter pflegt die Arbeitsratademie besonders die K u n st. Sie oer- «nstaltet Besichtigungen von Sammlungen und Kuestausstellungen, Theatervorstellungen, Konzerte, Kunstobende und hält Dorträg« über die Kunst ab. Di« dramatisch« Arbeiteroerelniqung widmet sich der Erziehung des Proletariats zur dramatischen Kunst, veranstaltet für die Arbeiter direkt in den Fabriken nach Arbeitsschluß Bor- stellimgen und trachtet durch kollektive Rezitationen(Ehöre) be- geisternd auf die Masten zu wirken. Der Arbeiterakademi« sind angeschlossen: der Arbeitergesaug- verein, der Arbeitertouristenverein, die Pfadsinder, die Theater- dilettanten und andere dergleichen Korporationen. Di« Arbeiterakademi«, deren umfangreiche Geschäfte in Prag von einem Sekretariat gsieitet werden, entsendet in die Provinz Wander- Rechtsgewinn-- 57 Eine sehr interessante Berechnung stellt das„Berliner Tageblatt" an, um den Beweis zu führen, daß das Gerede von dem„großen Sieg der Rechten" in Preußen Flunkerei ist. Das Blatt macht mit Recht darauf aufmerksam, daß man wirklich vergleichen kann nur die Zahlen vom 6. Juni und 20. Februar. Daß seit der Revolutionswahl vom Jahre 1919 bis zum Sommer vorigen Jahres eine Umstellung der Wähler in erbeblichem Maße eingetreten war. ist bekannt. Aber diese Umstellung konnte in Schleswig-Holstein und Ost- preußen bisher nicht zum Ausdruck kommen, da dort am 6. Juni nicht gewählt wurde. Man muß also, um den tatsäch- lichen„Gewinn" der Rechtsparteien seit den Reichstagswahlen festzustellen, die ostpreußischen und schleswig-holsteinischen Ziffern vom Gesamtergebnis abziehen. Dann ergibt sich fol- gendes Bild: Es erhielten voÄ der vorläufigen amtlichen Zählung in ganz Preußen am 20. Februar die Si'mmen DeulschnaHonaken 2 892 667 Abzustehen sind hiervon die Slinmren, die sie nach amt- lieber Zählung erhielten in Osipreutzen............ 290 643 und in Schleswig-Holstein....... 140 654— 430 997 Bleiben sonnt für den Teil PreutzenS, der am 6. Juni 1920 gewäolt halte............ 2 461670 Am 6. Juni 1920 hatten die T eutfchnationalen in Preußen, soweit es damals wählte, laut onnliver .Siaustil des Deutschen Reiches", Band 29 l. II. Seite l2l, erhalten..........■■ 2 i5t 00" Ihr Gewinn beträgt danach für Preußen ohne die obigen beiden Prov'nzcn.......... 809 678 Nach derselben Rechnungsart ergibt sich für die Deulfche Volkspartei folgende Tabelle: Fetzige Gesamliumme............. 2 266 587 ab Ostpreußen............ 188 794 , Schleswig-Holstein......... 127 407— 266 201 Bleiben 2 000 386 Am 6. Juni 1920 im damaligen Lssahlgebiet erhalten.. 2 252 450 Somit ergibt sich ein Verlust der Deutschen Volts- parlei für das preußische Gebiet, das am 6. Juni 1920 gewählt hat. von........... 252064 (= ungefähr 11 Prozent) Die Gesamtaufrechnung der Rechtsparteien ergibt demnach: St'.mnien Gewinn der Deutschnationalen......... 809 763 Verlust der Deutschen Voltspartei........ 252 061 Gesamtgewinn der Rechten 57 609 So sieht der riesenhafte Gewinn der Rechten in Wahr- heit aus! Die Deutsche Volkspartei, die jetzt so anmaßend aus- tritt, hat eine ViertelmillionWähler allein in dem Gebiet verloren, wo am 6. Juni gewählt wurde. Das ist ein Neuntel ihrer Gesamtziffer oder über 11 vom undertl Woher diese Partei den Mut nimmt, wegen der egierungsblldung noch Drohungen gegen die Sozialdemo- kratie aussprechen zu lassen, wäre unverständlich, wenn nicht die kapitalistischen Interessen alles verständlich machten. die Entente verhindert einen Nordprozeß! Breslau, 24. Februar.(TU.) Am 24. Februar sollte vor dem Schwurgericht in Beuthen der Prozeß gegen den einen der vier Mörder des Begründers der Zeitung„Wola Ludu", T h e o p h i l K u p k a, beginnen. Am 22. Februar ließ der oberste Iustizbeamte der Interalliierten Kommission in Oppeln den Beu- thener Oberstaatsanwalt mit den Prozeßakten zu sich rufen und er- öffnete ihm, daß die Akten erst geprüft werden müßten, da der Der- dacht bestünde, daß die d e u t s ch e I u st i z den Prozeß politisch ausnützen werde. Es müsse erst die Entscheidung des General» lehr« und Vortragende, verleiht Bibliotheken an Arbeiterverein«, gibt Broschüren und ein« Zeitschrist(„Arbeiterkultur") heraus. Für die Arbeiterkinder werden Märchenoorstellungen, Marionetten- spiele, Theater- und Kinovorstellungen. Ausflüge und Ferienreisen veranstaltet. An diesen Veranstaltungen haben im Jahr« 1920 an 100 000 Arbeiterkinder teilgenommen. Die Bibliothek umsaßt S000 Büch«. Außerdem haben die Eewerkschastsorganisationen in Prag ihre eigenen, bei weitem größeren Bibliotheken, wie z. B. die Metallarbeiter 50 000, Handels- angestellte 12 000, Holzarbeiter 10000, Typographen 8009 Bände. Auch in der Provinz hat ein jeder Arbeiterverein seine Bibiliothek, und die Arbeiterakademi« geht allen diesen Organisationen beim An- kauf der Werk« mit Ratschlägen an die Hand. In Prag, Pilsen, Brünn und Mährssch-OsNau unterhält si-Z ösfentlich« Lesehallen. Ein jeder Arb«ii«verein hat nicht nur in Prag, sondern auch in der Provinz eine Lesehalle für seine Mitglieder. Im lausenden Jahre plant die Arbeiterakademie die Veranstaltung«ine» Ausstellung über die Sozialisierung der Wissenschaften. Rudolf Illowy. Präg. Ein Freigeist vor 290 Zahren. Wenn wir den Namen Gundllng hören, so denken wir an den bekannten„Hofnarren" des Soldaten- königs, mit dem er so viel Schabernack getrieben. Es gab aber in jenen Tagen einen viel berühmteren Gundling, der Professor der Weltweisheit In Halle war und damals für ein„großes Licht" galt. An diesen oergessenen, aber nicht unbedeutenden Gelehrten, seit dessem Geburtstage am 25. Februar ein Dierteljahrtausend verstrichen ist, erinnert Fritz Mauthner Im zweiten Band feines Werkes „Der Atheismus und sein« Geschichte im Abendlande". In dieser Darstellung«scheint d« Professor als Beispiel für die Bedeutung, die die Ausklärungsgedanken des 17. Jahrhunderts schon damals im deutschen Geistesleben belaßen. Nikolaus Hi«onymu» Gundling war in Halle zunächst Schüler, dann Nachfolger von Christion Tho- masius, der zuerst jo mannhaft gegen olle Vorurteile und falschen Dogmen gekämpft. Gundling Halle als Professor durch feine geistvoll witzige Vortragsweise einen großen Kreis von Schülern um sich gesammelt und wurde auch nach seinem 1729 erfolgten Tode noch viel gelesen und sehr geschätzt. Er hat eine eigene" Rede üb« die Religionsfreihett herausgegeben, am deutlichsten ober neben feine aus dem Nachlaß erschienenen Vorlesungen über Politik den frei« geistiaen Ton seiner Weltanschauung wieder. Bei der Betrachtung des Verhältnisses zwischen Staat uckd Kirche sagt er. der Fürst habe kein Recht, religiöse Lehrsätze aufzustellen.„Die Dogmnta gehen ihm so wenig an als mir. Ich kann nach meinem Gutdünken sticht Dog- mata etabli«en, er auch nicht." Nur d« Türke könne es, der fei aber ein Dummtopf, mit dem man nicht weiter zu rechnen brauche. Kein Fürst habe dl» Macht, der Welt feine Religion aufzuzwingen: die Christen feien auf der Erve in der Minderzahl, und nur mit Gewalt könne man andere zu fein« eigenen Anschauung betehren.„Gib mir Geld, gib mir Dragoner, so will ich p« torce Anhänger be- kommen, welche defensieren, man könne durch ein Brett sehen, welches vi« Finger Dicke." Unruhestifter dürfe der Fürst nicht dulden, auch nicht unt« den Geistlichen.Ich bin kein Priesterfeind," erklärt Gundllng.„bin selbst eine» Priester» Sohn, habe auch schon gepre- L« R o n d abgewartet w«d«n. Fall» d« Prozeß stattfinden könne, würden die Allen zurückgegeben, andernfalls werde die Inter- alliierte Kommission die achtzig Zeugen und Sachverständigen tele» graphisch abbestellen. D« Oberstaatsanwalt protestierte energisch gegen den Verdacht, der von der Interalliierten Kommission gegen die deutsche Justizbehörde erhoben wurde und«klärte, die Akten nur der Gewalt weichend auszuliefern. Die Interalliierte Kommission hat daraus die Zeugen tatsächlich abbestellt und somit den Prozeß verhindert. Der Gerichtshof wird eine E r k l ä» r u n g über die Aktcneinforderung abgeben und den Prozeß not» gedrungen vertagen. Kupka war bekanntlich früher Mitarbeiter des polnischen Abstiinmungokommissars Korjanty, der sich von den Polen loslöste, eine eigene Partei gründete und in seinem Organ „Woia Ludu" die Arbeitswetje Korsantys und seiner Mitarbeiter geißelte. Es ist nicht recht ersichtlich, in welcher Weise der Prozeß politisch ausgenutzt werden könnte. Stehen die Mörder Kupkas. wie vielfach angenommen wurde, in engerer Beziehung zum polnischen Plcbiszitkommissariat, so spricht die Sache für sich, und das Plebiszitkommissariat in seiner jetzigen Zusammensetzung wäre iür Odcrschlesien erledigt. Sollte sich aber die Unschuld Korsantys und seiner Hintermänner herausstellen, dann wäre jedes irgendwie unparteiische Wort von deutscher Seite Torheit. Richtig ist also die Hand- lungsweise des Justizbeirats der Interalliierten Kommission auf keinen Fall. Sie stößt die deutschen Obcrschlesier wieder ein- mal unnütz vor den Kopf und setzt sich so dem Verdacht der Be» fangenheit aus, einem Verdacht, her um so schwerer wiegt, als Frankreich, das innerhalb der Jntcrolliierten Kommission sür Oberschlesien eine hervorragende Stellung einnimmt, soeben mit Polen eine Milttärkonoeniion abgeschlossen hat. Die Lage in Gberschlesien. Breslau. 24. Februar.(E gener Drahtbericht des„Vorwärts".) D« einheillichs Abstimmungstermin in Oberschlesien, der in der deutschgesinnten Presse des Abstimmungsgebietes groß« Freude hervorgerufen hat, hat die polnische Presse ebenso enttäuscht. Das Organ Korsantys. die deutsch geschrieben«„Oberschlesische Grenzzeitung" erklärt heute, daß dies« Beschluß der Alliierten«in schlechtes Zeugnis von der Fähigkeit sei, den einsachsten Weg zur Lösung ttx gespannten Zustände in Oberschlcsien zu sint-rn. Welcher Weg den Polen als der einfachste«scheint, ist aus der Aufforderung Korsantys zur Gewalt hinreichend be» tannt. Es scheint aber auf die Polen von alliierter Seite jetzt ge- nügend eingewirkt zu sein, um die Ruhe am Abstimmungstag zu sichern. Selbst die„GrenzzeNung" erklärt jetzt im Zusammenhang mit d« Erörterung, ob es zu Gewalttätigkeiten kommen wird, daß das oberschlesische Volk am Abstimmungstag di« Probe seiner Reise bestehen werde._ Ge!ö riecht nicht... Breslau. 24. Februar.(Eigen« viahkberichl des„vor- wärls".) Der Vorsitzende der Deutschen demokratischen Parlei M tlel- schleflens. Dr F r i h K ö b i s ch. ha!, wie die„Breslau« Voikswacht" «fährt, sein Amk niedergele gl. Se.n Bücklrlll fleht i m Z u- sammenhaog mit der Annahme g r o h l nd u stri ell e r wahlgelder die Deutsche demokratische Partei, die von sozialdemokralischetAst eile ausgedeckt worden war. Dr. Köbi'ch hatte die Annahme d.es«. Geldes seinnseit» abgelehnt und öffenl ich dementiert, war ob« spät« von seiner Partei im Stich gelassen worden._ Ein Üuellwütiger Staatsanwalt. Breslau. 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) D« Breslau« Staatsanwaltschastsrat Dr. Rhode, der hl« die Mitielstandspartei führt und sich vor der Wahl durch wüste Angriffe auf die gesamte Presse bemerkbar machte, setzt diese An- griffe jetzt in sehr merkwürdig« Form fort. Er hat nämlich zwei hiesige demokratische Redakteure zum Duell h«ausgesordert, weil sie ihn angegriffen hatten. digt. kann ab« nicht in Abrede sein, daß die Priester müssen im Zaum gehalten werden." Duldung der Andersgläubigen ist eins der Hatipldlnge, die« fordert. Mit der Bezeichnung„Atheisten" dürfe man keinen Unfug treiben. In der ganzen Kirchen- und Philosophie-Geschichte feien kaum zwei richtige Atheisten zu finden. Selbst Spinoza habe einen Gott gelehrt und ihn nur der Welt gleichgesetzt: wie die alten Swiker. Praktische Atheiften gäbe es freilich genug unter den Lllstlinnen, den Idioten, den„Oxen", um die man sich aber nicht zu bekümmern brauche. Wahrhaft gottlos fei nur, wer seinen Nächsten nicht liebt, w« Unruhen«regt usw. So hat Gundling vor 200 Iahren bereits wacker für di« Ideen der Aufklärungen und Humanität gewirkt. Die Museumsreife d« Ilegerkuiist. Die so lange nur von den Eihnoloqen und Geoirapbe» beackneie und oeiammelie, von den Aefthetikern gering geschätzte Kunst der Nuinrvöller ist in neuester Zeit plötzlich Mode geworden und wird von manchen Schwäimenr als ei» Höbepunlt naiv gestalteter SkvönhcN verberrlicht. Besonders ist es die Kunst der Neger, die da? Enlzücken erregt, und so manch« nnleier jungcn Künstler ahmen mit hingebcndein Eifer die Neger- Plastik noch. Wie man stch nun onck zu dieser Wertung stellen mag, >o ist do.b jeden'all« der Einssuß der Negertunit au' uiNere modernsten Schöp'mlgen außerordentlich groß, und jeder, der sich ein lieberes Verständnis für di« Kunst Übung unser« Taae erringen will, muß sich auch mit dielen Arbeilen primitiver Böller be'chäiligen. Bei uns sind diese Knnstweike der Naturvölker meisten« in den Völker- kundlich-n Mn'een versteckt und vergraben und daber in ihrer eigen- artigen Gestaltung schwer zu erlassen. Dasselbe ist auch in Frank- reich der Fall. Dock, strebt man dort nach einer gründlichen Aende- rung. Kübne Neuerer haben die Frage ausgeworfen, ob die Neger« knnst iür das Louvie-Museimi. daS bisher nur den anerkannlen Meisterwerken der e»ropäI« hat da« d'a'etioloqilche In'l tut, das sich en der M a r- b u r g e r N n i v e rä i« S t bei Pro!. W r e d e durch die Verelnlaung de« L>essen-?lasiauilchen Wörlerbnche« mit dem Svrgchatla« de« Deutschen Reiche« hcrausgebüdel hat, zur ZenUalsielle sür deutsche ivlundartenforschunz erhöbe«. /
verunglückte 5anüfrieSensbruchsklage. Aörllh, 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Am Mittwoch fand in Görlitz ein Landfriedensbruchprozetz statt. Angeklagt waren 10 Glosmacher, zumeist Glasschleifer aus Weihwasser. Sie waren beschuldigt, als Führer einer Menge von etwa 150 Personen, die sich vor den Fabrikanlagen der Ver- einigten Glaswerke Weihwasser angesammelt hatte, gewaltsam in die umfriedeten Gebäude des Werkes eingedrungen zu sein. Von der Zusammenrottung wurde behauptet, sie sei er- folgt, um Gewalttätigkeiten zu begehen. Damit war der Tatbestand des Landfriedensbruchprazesics gegeben. Die Ursache der Vorgänge lag aber in Wirklichkeit in einem Streik, der entstand, weil die Uebernahme der teuren Werkzeuge der Feinschlcifer, die diese bisher selbst gehalten hatten, durch die Unternehmer trotz mehrfacher Ver- sprechungen bisher nicht erfolgte. Dadurch kam es zum Streit, in dessen Verlauf an dem fraglichen 20. November eine Kommission der Streikenden erneut mit den Unternehmern Verhandlungen onzu- bahnen versuchte. Der Staatsanwalt ließ auf Grund der Beweis» aufnähme das Delikt des Landfriedensbruches fallen. Auch die nebenher erhobene Anklage wegen Hausfriedensbruches wurde nur gegen fünf nicht zur Kommission gehörende Angeklagte aufrechterhalten. Gegen die übrigen Angeklagten beantragte er Verurteilung nur wegen einfacher Nötigung. Das Urteil lautete: Zwei Ange» klagte wurden wegen schweren Hausfriedensbruches zu einem Monat Gefängnis verurteilt, drei Angeklagte wegen einfachen Hausfriedens- bruches zu zwei Wochen Gefängnis. Für alle Strafaussetzung aul drei Iabre. Die übrigen fünf Angeklagten, für die eine Geldstrafe von 200 Mark beantragt worden war, wurden freigesprochen. Entrüstete tzelöen. Kassel, 24. Februar.(TU.) Zu heftigen Auftritten kam es gestern abend in der außerordentlichen S tzung der Stadt ver- ordnetenoersammiung. Die Aussperrung des Oberbllrgcr- meisters Scheidemann und seiner Frau nach einer Wahioer- sammlung gab den Anlaß dazu. Di« sozialdemokratische Mehrheit machte unter lauten Pfuirufen und Zwischenrufen der Rechten den Deutschnationalen den Vorwurf, die indirekten Urheber der Vcrschandelung der Tür de» Oberbürgerme sters gewesen zu sein, serner den Wahikampf unfair geführt zu haben und seit einem Jahre ihre ganze Propaganda aus persönlich« Verunglimpfung des Lbge- ordneten Scheidcmarn eingestellt zu haben. Die Rechte antwortete mit Gegeiworwürfen. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, der den Magistrat ermächfgt, die vom Polizeipräsidenten zur Er- greifung der Täter ausgesetzte Belohnung von S0l> M. b i» zu S000 M. zu erhöhen. Der Steuerausschuß arbeitsunfähig. Der Steuerausschuß des Reichstages nahm sein« Tälig- keit heute aus, wie er sie vor drei Wochen abgebrochen hotte: mit Geschäftsordnungsdebatten. Die Regierungsparteien sind sich immer noch nicht Nor über ihre Stellung zur E i n k o m- mensteuernovelle. Helfferich, der sich die unter den Regie- rungsparteien herrschende Unklarheit und Uneinigkeit zunutze zu machen versteht, schlug deshalb vor, den Ausschuß sofort wieder auf einige Tage zu vertagen. Der Antrag wurde schließlich auch gegen die Stimmen beider sozialdemokratischer Par- tcien angenommen und die nächste Ausschußsitzung auf Dienstag nächster Woche festgesetzt. Zunächst wollen nun die Regierungsportelen unter sich eine Einigung über eine Reihe von Grundfragen herbeizuführen suchen; in er'' er Linie über die Frage des Veranlagungsjahres, dann über die Umwandlung des Steuerabzuges in«ine Lohnsteuer, über die Höhe des einheitlichen Steuersatzes für die Lohnsteuer, über die Cinkommcnsgrenze, bis zu welcher die Lohnsteuer die gesamte Steuerschuld decken und über die Abzüge, die an der Lohnsteuer vorgenommen werden sollen. Diese Fragen sollen bei Erledigung der vorliegenden Novelle präjudiziell entschieden werden, wenngleich ihre gesetzliche Regelung erst in einem besonderen Gesetz geplant ist, das noch den Erklärungen des Staatssekretärs Zapf der sorgfäl- tigsten Porbereitung bedarf und deshalb vor Ostern den Reichetag kaum beschäftigen wird. In der zur Beratung stehenden Novelle soll in der Hauptsache das Veranlagungsjahr endgültig entschieden werden, das für das allmählich drängende Deranlagungsgcsetz von grundlegender Bedeutung ist. Die Regierung beabsichtigt, die im Monat März ab- zugebenden Steuererklärungen auch von den Lohn- und Gehalts- cmpfängern mit einem Jahreseintomen von mehr als 10 000 Mark einzufordern, obgleich sie davon ausgeht, daß die Steuerreste der Lohn- und Gehaltsempfänger vom Jahre 1920 nicht erhoben werden können. Dom Genossen Keil wurden Bedenken gegen dieses ver- fahren geäußert, weil es die Steuerbehörden mit einer entbehrlichen Arbeit belaste. Von unserem Redner und ebenso von Dr. Herz (U.S.P.) wurde auch erklär», daß sie sich dem Versuch, die dringend notwendige Milderung des Steuertarifs in den unteren Stufen zu einem Abbau der Einkommensteuersätze in den oberen Stufen aus- z-mützen, mit aller Entschiedenheit widersetzen würden. E» ist nun abzuwarten, was aus den Sonderberatungen der Regierungspar- teien herauskommen wird. Prozeß SonnenfelS und Genossen In der heutigen Sitzung bringt Sonnenfeld(Dater) vor. daß er Dr. Bürger als befangen erklärt. Während des vesgangenen Sommers habe ihm Dr. V. z. B. abgelehnt, Las Fenster seiner Zelle öffnen zu dunen, um frische Luft hereinzulassen. Die Folge war, daß er als Herz- und Lungenleidender fast täglich 2- bis Zstündige Ohnmachtsanfälle erlitten habe. In der kühlen Jahreszelt habe Dr. B. ihm verboten, den Hut aufzubehalten, obwohl er unter seinen Kopfschmerzen schwer zu leiden halte und jede Zugluft ihm Schmerzen bereitete. Schließlich habe Dr. D. ihm als Lungenkranken Inhalationen, verstärkt durch Terpentin oerschrieben, so daß er ein 6 Wochen dauerndes Lungenbluten davongetragen habe. Als vor einiger Zeit eine Verfügung herauskam, nach welcher diejenigen Gefangenen, welche ihre Zelle nicht selbst aufwischen wollten, eine Mark an den Flurwärter zu zahlen haben, habe er sich aus seinem Rechtsempfinden heraus als kranker Mensch dagegen gesträubt. Dr. B. habe ihn darauf angefahren:„Sie sind frech. Sie und Ihren Sohn, Sie beide ke.me ich aus den Akten. Ihnen müßte man ordentlich etwas auswischen." Bei einer anderen Unterredung habe Dr. B. gesagt:»Im übrigen habe ich jetzt festgestellt, daß Ihr Sohn Unterschlagungen gewacht hat und mit dem Geld« geflüchtet ist." Das sind alles Dinge, um die sich Dr. B., so fährt Eonnenseld fort, als Arzt überhaupt nicht habe kümmern dürfen. Dr. Bürger widerlegte die Beschwerden des Angeklagten Sonnenfeld ausführlich und betvnte, daß er sich nicht befangen fühle. Der Staalsnnwall ersucht, den Antrag abzulehnen, da die Bs- fangenheit nicht glaubhast gemacht sei. Rechtsanwalt Grünspach ist der Meinung, daß es nicht bloß aus die objektive Befangenheit an- komme, sondern daß schon in Anbetracht des pathologischen Zustand» des Angeklagten die Besorgnis der Befangenheit zur Ablehnung genüg«.' GroMerlln Der Nlorü an öem Schieber. Ueber den von einem Landsmann« ermordeten 27 Jahre alten „Schriftsteller" Kar» Körner aus Lodz, der sich jedoch Theodor Körner zu nennen pflegte und auch Papiere auf diesen Namen besaß, wird jetzt.folgendes berichtet: Der Ermordete besaß zwar einen schriftlichen' Ausweis eines hiesigen Bühnenvcrlags, gemäß dem er als Ueborsetzcr polnischer Dramen für diesen tätig sei und als solcher ein hinreichendes Auskommen habe, doch war sein sonstiges Tun und Treiben sehr zweifelhafter Natur. Die Kriminalpolizei ist be- müht, dieses aufzuklären, um seinen Bekanntenkreis kennen zu lernen, in dem zweifellos der Mörder zu suchen ist. Es ist dies ein Landsmann von ihm, der. wie die Wirtin bei ihrer Vernehmung be- kündet, vorher schon bei Körner gewesen war. Gestern kam er gegen 3?» Uhr nachmittags, als Körner gerade in seinem Zimmer Kaffee trank. Da es bei Körner immer sehr lebhaft zuzugehen pflegte und die Gespräche fast ausschließlich in polnischer Spreche geführt wur- den, so fiel es der alten Frau zunächst nicht auf, als es gestern Nachmittag wieder sehr lrnN war Als sie dann ober ihren Unter- mieter rufen hörte, sah sie sich nach ihm um und so kam sie gerade hinzu, als dessen Besucher nnousgesetzl auf Körner einstach. Beim Erscheinen der Wirtin ließ dieser von seinem Opfer ab und lief da- von. Das Mordinstrumcnt, den Dolch, warf er im Hausflur fort. Eine Frau hatte diesen dort gefunden und ihn nach Kenntnis von dem Verbrechen bei der Polizei abgeliefert. Der Dolch ist Eigentum des Täters gewesen. Dieser wird beschrieben als ein Mann von etwa 20 bis 50 Jahren mit iüdifchem Aussehen. Er ist mittelgroß, etwa 1,68 Meter, hat ein bartloses Gesicht und trug einen grau- melierten Schlüpfermantel. Seinen Hut, einen braunen Stepphut, ließ er bei der eiligen Flucht am Tatort zurück. Er sprach, wie schon mitgeteilt, polnisch Auf seine Ergreifung hat die Kriminalpolizei eine Belohnung von 3000 Mk. ausgesetzt. Zweckdienliche Mitteilun- gen nehmen die Kriminalkommissare Boese und Dr. Schuppe im Zimmer Sin, Hausanruf 115, entgegen. Bei Besichtigung der Leiche durch den Gerichtsarzt Profesior Dr. Störmer, der ebenfalls noch gestern abend am Tatort erschien, stellte sich heraus, daß der Ermordete nicht weniger als acht Stiche erhalten hatte, in die Brust, in die Achselhöhle, in die Arme und in den Rücken. Die Leiche wurde, nachdem sie vom Erkennungsdienst photographiert worden war, nach dem Lcichenschauhause gebracht. 3n den Papieren de» Ermordeten wurden viele Adressen und Bilder, auch mehrere von Mädchen ge- funden. Noch in der Nacht wurden diese Personen von sofort aus- gesandten Beamten aufgesucht und über die Beziehungen zu Körner befragt. Dabei stellte sich heraus, daß dieser auch ein häufiger Gast der Lotale der Lebewelt war. Wie einige Mädchen bekunden, waren sich diese nicht recht klar darüber, ob sie e» mit einem polnischen Grafen oder mit einem Hochstapler zu tun hatten. Jedenfalls machte Körner oft große Zechen und blieb auch an mehreren Stellen die Zeche schuldig. Durch Ermittelung anderer Adressen wurde festgestellt, daß er auch Schleichhaadelsgeschäst« aller Art betrieben hat. Er war auch bereits einige Zeit unter dem Verdacht,«in polnischer Agent zu sein, festgenommen worden. Bei ihm gingen polnische Landsleute ein und aus, und dos Telephon läutete fast ununter- brachen. Sogar mitten in der Nacht wurde Körner an den Apparat gerufen. Die Gespräche führte er dann immer in polnischer Sprache, so daß niemand verstehen konnte, um was es sich handelte. Aus einem der letzten Gespräche war nur zu entnehmen, daß es sich um eine Summ« von 2000 M. drehte. Ob nun der letzte Besucher und Mörder Körners mit diesem Gespräch etwas zu hm gehabt hat, wird gleichfalls zurzeit nachgeprüft._ Hegea Aufführungen von Nackttöazen. Die Seri«bie geben in letzter Zeit gegen Gastwirte wegen DnldenS von Nackilänzen mit empfindlicken Strafen vor. So er- kannte dos Swöffengericht verlin-Mme liinlicb gegen einen Gastwirt wegen Duldens von Nackliänzen und Neberscbrrittmg der Polizeistunde auf ackt Monate Geiängnis bei sosortiger ver Haftung. In einem anderen Falle wurde der Brranstaller von Nackttänzen zu drei Monaten Gefängnis und die beiden Tänzerinnen zu einem bezw. anderthalb Monaten Geiävgnis ver- urteilt. In der Praxis pflegen die Veranstalter iolcker Darbieiungen Zimmer oft nur aui kurze Zeil zu mieten, um dann, wenn ihnen „der Boden unier den Füßen zu beiß wird", zu verschwinden und anderweit dasselbe Manöver zu wiederholen. Revision tm Morüprozeß Strauß. Der vor etwa vier Wochen vor dem Schwurgericht de« Land- gerichts III gegen die D rüder Sti-auß und ihre MiiangeNagten beendet« Strafprozeß dürfte in nächster Zeit dos Reichsgericht als Reviflonsinstanz beichäftigen. Die Berlobte des Emil Strauß, Frau Behrendt aus der Guineastraße, hat gegen dos gegen ste ergangen« Urtsil von 6 Monaten Gefängnis Revision eingelegt. Di« verur- teilten Brüder Strauß haben von diesem Recht keinen Gebrauch ge- macht und werden im Laus« der nächsten Woche nach dem Zucht- Hause In Sonnenburg gebracht werden. Beide haben eine sehr lang« Strafe zu vevbüßen, da an ihnen nicht nur dos letzte Urteil zu voll» strecken ist, sondern auch noch ein« erhebliche Reststrase an« früherer Zelt zur Abbüßung besteht. Wahlzettel und Kirche. Ein eigenartiges, aber bezeichnendes Bild bot sich am Nach- mittag des Wahlsonntags den St.aßenpassänten, die am Wickinger- user entlaug gingen und an der Zionskirche vorbei kamen. Aus dem Pfarr» und Diakonissenhaus, das mit der Zionskirche zusammen» hängt, warfen Gymnasiasten Mengen von Papier heraus. Vor- übergehende, die ein frommes Traktat eines christlichen Jünglings- Vereins oder ähnliches aufzufangen glaubten, lasen erstaunt: „Wache auf, deutsche.? Arbeiter." Unter dieser Ueber- lchrift wird dann in bekannter deutschnationaler Weise über Sozial- demokratie, Republik und alles, was seit der Revolution geschehen ist-, hergezogen. Mit der Aufforderung, am 2V. Februar deutsch- national zu wählen und dem Ruf:„Arbeite, I Organisiert Euch und tretet der deutschnationalen Dolk-partei bei", endet dieser aus dem evangelischen Gemeindehaus geworfene Wahlzettel.— Lerschiedene Vorübergehende hielten sich denn auch über diese eigenartige christ- lich« Betätigung auf. Sie mußten sich von den Schülern aus sicherer Höhe sagen lassen:„Das ist hier keine Kirche, die ist nebenan." Und ein Herr, der ins Pfarrhaus ging, rief nach oben, man möchte ruhig weiter werfen. Und weiter flogen die Zettel herab. Der Wahltag ist vorbei, doch diese Wahlzettel sind auch nach der Wahl nicht ohne Interesse. Wir sehen daraus mal wieder, wie es bis auf wenige Ausnahmen um die evangelisch«„Dolks"tirch« steht. Der Arbeiter geht nicht auf den gewöhnlichen Leim, da sosss in dieser Zeit politischer Unlust das Wort vom„christlichen Sozialis- mus"— auch dieses findet sich in dem Flugblatt— aus dem am Weg über die Kirche fertig bringen. Für die Zukunft nehmen die Herrschaften vielleicht den guten Rat an, nicht gerade Gymnasiaste,, zur Berteilung zu benutzen. Einen der guten Lache nutzbringenderen Eindruck würde es machen, wenn die au« dem Wahlzettel sprechenden„schon ausgemachten Arbeiter" selbst die Sache besorgen würden. In ihrem deutsch- nationalen Idealismus tun sie er licher gern Sie würden auch sicher nicht den Bürgersteia vor einer evangelischen Kirche damit besäen. Arbeiter hätten selbst bei deutschnationaler Gesinnung sich l einen besseren Geschmack bewahrt. KronßSeikommiß»mö HemeinöegnmSsteuer. Wegen seiner Veranlagung zur Gemeindegrundsteuer für die Jahre 1914 bis 1918 war zwischen dem Krons.deikommiß und dem Magistrat von Berlin ein Rcchtsstreil entstanden. Dem Krön» fideikommiß gehören einige Grundstücke in der Dc> othecnslraße, Prinz-Louis-Ferdinand- und Prinz-Fnedrich-Karl-Straße. Dort be- fmdcn sich das Berwaltunasgebäude und das Dekorationsmagozin der ehemaligen Hosrheater. Für diese Grundstücke hotte der Mogistrat bis zum Jahr« 1917 keine Gemeindegrundsteuer verlangt, weil sie al» stcuersrei« Nebengebäude des Schlosses angeiehen worden waren. Als aber der Magistrat zur Ueberzeuauny gelangt war, daß d.« Hos» tlfeater n'cht als Nebengebäude des Schlosses anzufeizen seien, zog er das Kronfideikommiß für die betreffenden Grundstücke sür den Zeit- räum von 1914 bis 1918 mit über 25 000 M zur Eemeindegrund» steuer heran. Nach erfolglolem Einspruch beschritt das Kronüdet» kommiß den Weg der Klage im Verwaltungsstrc toerfahren und ver- langte völlige Freistellung von der getorderten Steuer, weil die Hof» theater nebst den dazu gehörigen Nebengebäuden gemäß§ 24c de» Kommunalabgabengesetzes zu einem öffentlichen Gebrauche bestimmt seien; ohne die Nebengebäude wäre ein Tlzeaterbetrieb ausgeschlossen. Der Bezirksausschuß erkannte aber auf Abweisung der erhobenen Klage und betonte, dem Kronfideikommiß stehe kein Anspruch auf Steuerfreiheit gemäß 8 24c des Kommunalabgabengeietzes zu. Diese Entscheidung focht das Kronfideikommiß durch Revision be'm Ober» verwaitungsgericht an. Der VIII. Senat des Obervcrwaltungege- richts hob auch die Vorentscheidung zum Teil aus und pellte da» Kronfideikommiß sür die Steuerjahre 1914 und 1915 von der ge- forderten Steuer frei, weil sich die Nachforderuno aus einen mekr ol» dreijährigen Zeitraum zurückerstrecke. Für die Steuersahr« 1916 bis 1918 sei aber die Seueriorderung des Magistrats gerechtfretigt-, es kommen vorliegend weder Staotsoebäude noch auch Nebeng'bihrd« des SWIosses in Frage Di« Hoitheoter kommen nicht iür Zwecke des Schlosses in Betracht; sie seien vielmehr hauptsächlich zur Be- Nutzung durch dos Publikum und zur Förderung de» Aunstverständ» nisses geschossen worden._ Christliche Stestnnliimbme zum 5kaPP-CrlrbniS. Für Leute, die mit Gesangbuchliedern einigermaßen De'chcid wissen, dürste folgendes Vorkommnis eine, starken Interesses nicht entbehren. In einer Gemeindekirchenratssitzung ter Heilg-Kreuz» Gemeinde verwahrt« sich der pazifistisch und sozialistilch gerichtet« Pfarrer Franck« gegen den Vorwurf, daß er sein« polit.sche Wirk- samkeit mit seiner Amtswirksamkeit verquicke. Daraus entgegnete ihm ein Amtsbcuder, der für sich beanspruchte, der Beteiligung der Geistlichen an der Rechtspol tit ebenso kritisch gcgenübe'zustehen, wie der Beteiligung an der Lintspolitit. Pfarrer Froncke sei in gleicher Verdammnis wie die nationalistisch gerichteten Geistlichen der äußer- sten Rechten. Denn wenn z. B. der orthodo'» Pfarrer Pbilipps gegen dos christliche Prinzip dam't verstoßen Hobe, daß er am Sonn- tag nach dem Kapp-Putsch(13. Mörz 1920) seine Gemeinde ivonton das Lied„Nun danket alle Gott" singen l eß so Hab« Pfarrer Francke genau denselben Verstoß begangen, indem er ebenso leine Gemeinde zum Gesang des Lutherschen Bußliedes auisorde-te:„Au» tiefer Not schrei ich zu dir. Herr Gott, erhör' mein Rufenl"■— Es gebärt doch ein« starke Begriffsverwirruna dazu, um in der Zufluchtnahm«, die eine durch verbrecherisch« Anschläge im tiefsten errente und bewegt« Gemeinde be! einem Lutherl'ede sucht, ein« politische Provokation zu erblicken, verg'e ichbar der. die flch Herr Pfarrer Philipps geleistet hat, wenn er wirklich— vielleicht ist di« Tatsache gar nicht wahr!— seiner Gemeint« das Lab- und Pre-s- lied„Nun danket alle Gott" vorschlug. Reichswehrangehörige, die bis zum 31. Dezember 1920 zur Snt- lassung gekommen sind, hoben etwaige Anspruch« auf Gebührnisse in ihrem eigenen Interesse spätesten» bi» zum 1. März 1921 bei der zuständigen Abwicklungsstelle ih-'es letzten Truppenteils— oder, fall» diese nicht bekannt ist— beim zuständigen Wehrkreiskommando gel» tend zu machen. In einer öffenMchen Beamtenversammlung, die— einberufen vom Provinzialkartell des Deutschen Beamtenbundes— am Dien»- tag in der Bötzow-Brauerei tagte, sprachen als Referenten Pro- fessor S ch ü ck i n p über„D i e Unmöollchkett der Pariser Forderungen" und Ministerialrat Falkenberq über„Die Auswirkungen des Pariser Diktats auf die Ge» werkschaftspolitik". Professor Schücking führte in seinem Dortrag im wesentlichen folgendes aus: Angesichts der jetzigen For- derungen der Entente kehrt die Frage immer wieder, wieso es mög- lich gewesen sei, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Die. ganze deutsche Friedensdelegation sei sich einig gewesen den Vertrag nicht zu unterzeichnen, und wenn ihr di« Schuld beigemessen wird, so ist das eine Verleumdung. Der Redner ging hierauf auf die ungt- heuerlichen Lasten, die dem deutschen Volte auferlegt werden sollen, näher ein und hob hervor, daß auf einen fünfköpfigen Haushalt etwa 6— 8000 M. jährlich entfallen würden. Diese horrende Summ« aufzubringen, sei einfach unmöglich. Die gegnerische Behauptung, daß es dem deutschen Volke gut gehe, könne höchstens für«inen kleinen Bruchteil zutreffen, der weit überwiegende Teil sei arm und werde immer ärmer. Auch den Franzosen und Engländern geh« es nicht gut. Immer mehr zeige sich, daß der WohPand des«inen Landes von dem des anderen abhänge. Dieser ErkennMis werde hoffentlich zu'einer Verständigung der Bälker führen. Am Schluß wurde eine Entschließung einstimmig angenommen die Protest gegen die Pariser Forderungen erhebt und in der ausgesprochen wird, daß auch die deutsche Beamtenschaft gewillt i", zu ihrem Teil an der Wiedergutmachung der von deutscher Seite verursachten Kriegsschäden mitzuwirken. Sie fordert aber Gerechtigkeit auch für Deutschland und ruft Mann und Frau im Beamtentum zur Abwehr der Vergewaltigung aus. Die Charlottenburger Ivaldschnl« im Grunewald nimmt auch im kommenden Sommer wieder körperlich schwache, normolbegabt« Schüler der Sexta bis Untertertm»"d Schülerinnen der entsprechen» den Lnzealklassen VII bis IV auf. Auskunft erteilt der Direktor der Kalscr-Friedrich-Schule, Geh. Studienrot Dr. Zernecke, Knesebeck» straß, 24, werktags zwischen 10 und 11 Uhr. Die Waldschule bat die Aufgabe, körperlich schwächlichen oder schonungsbedürftigen Kindern, denen die Anstrengung eines 5- bis Oltündigen Unterrichts in den stark besetzten Klassen schadet, Gelegenheit zur Erholung zu geben, ohne daß der Unterricht unterbrochen wird. Geistig minder» wertige Kinder können nicht aufgenommen werden. Tos
gilckie Miftenm der Stadt Berlw bat au» seht« itber>/, Million Jnsektenarten zählenden erammlung ein« AuSükllnvq eM» aerichlei hie am Eorvtaa. 27. Febcuar. von den Mt�liede-n deZ v-rltner Wanderklub» unter gühruna de» Diiekloi» Dr. Dorn besichtigt wird. Für Ntchtmttgtieder gibt die