ftr« HZ ♦ 8S.�ahrga«s Msgabe � Nr.4S Bezugspreis: ?5urttIi2I)rL30�- M.,«nonatL 1#,— SS. frei ins H-us. voraus zahlbar. Post- dizag: Monatlich l0,— M.,etuschi.gu- fiellungsgediihr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich IchA M, für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 2l.ö0 M. Poftde- stellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tlchecho» Slowakei. Däne- riari. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Post.geimngs-Preislifte. Der»Vorwärts� mit der Sonnlaos- b Silage �Volt und Zeit' und der Unter- Haltungsbeilage JpeimweU' erscheint w�chentiiglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozial dersokrot verilu». Morgen-Ausgabe berliner volksblntt 30 Pfennig) Anzeig eupretS: Di« achtgelpaltene Nonparelvezejle lostet bio M.„Kleina Anzeigen" das iettgedruckte Wort lchll M.(zu- läfftg zwei settgedrucite Worte), sedes weitere Wort l,— M Stellengesuche und Schlasstellenanzetgen das erste Wort lj— 2R, jedes wettere Wort Pfg. 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Da die Sozialdemokratische Partei bereits tn der Reichstags- debatte ihr Einverständnis mit den Ausführungen Simons zllm Ausdruck gebracht hat, erübrigt sich eine besondere Stellungnahme unsererseits zu dieser Kundgebung. Immer- hin haben wir aus dem Munde des Ministers einiges Neues gehört, das einer besonderen Verzeichnung bedarf. So hat er u. a. etwas mitgeteilt, was bisher nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen war, nämlich daß bei der abschließenden Sitzung eine Einigung über die erzielt werden konnte. Wenn auch Dr. Simons diese besonders über- raschende und ernste Enthüllung sogleich mit einer optimisti- scheu Wendung ergänzte, des Inhalts, daß die Anregungen der Sachverständlgenausfchüsse jedoch im engeren Kreise weiter verfolgt worden seien, und daß er nunmehr glaube,„in sich klare und für die deutsche Wirtschaft erträg- uche Vorschläge machen zu können", so ergibt sieh doch daraus ganz unzweideutig die Tatsache, daß es eben innerhalb der zugezogenen Sachoerständigenkreise tiefgehende Mei- nungsverschiedenheiten gibt, die bisher nicht über- brückt werden konnten. Rur diejenigen, denen die schweren Kämpfe unbekannt geblieben sind, die sich namentlich in S p a hinter der Kulisie zwischen den Sachverständigen abgespielt haben, werden durch diese Mitteilung besonders überrascht gewesen sein. Es zeigt sich, daß- diese schon damals zutagegekommenen Gegensätze bei der Ausarbeitung unserer jetzigen Gegenvorschläge wiederum in die Erscheinung treten. Uni) das ist um so weniger er- simmsich, als es sich dabei im Grunde genommen weniger um sachliche als um politische Divergenzen handelt. Zwei Tendenzen, ja zwei Weltanschauungen haben in Spa anläßlich einer verhältnismäßig minderwichtigen Frage miteinander gerungen, und es hat nicht viel gefehlt, daß schon damals. wegen des zu liefernden Äohlenguantums, die S t i nn e s f ch e Richtung, die„es darauf ankommen lasten" wollte, die Oberhand behielt. Jetzt dürfte diese Richtung die Gelegenheit, eine Machtvrobe zu veranlassen, um so mehr wahrnehmen, als es sich bei der Wiedergutmachungsfrage ordentlich tiefgehende Existenzfragen des zu fmden. So d i g e n O v f« Gegenvorschläc um außer deutschen Volkes dreht, und da"sie glauben, tn"dem allgemeinen Proteststurm der ganzen deutschen Nation einschließlich der Arbeiterschaft eine günstige Atmosphäre für eine schroff ablehnende Haltung finden. So werden die aus der Erkenntnis dSr no t w e n- f e r und der realen Machtverhältnist« geborenen läge der in Spa siegreichen verständigen Richtung von den Vertretern der unnachgiebigen Richtung als zu weit- gehend und unerfüllbar bekämpft. Nicht umsonst haben wir am Dienstagabend in unserem Leitartikel„Preußenwahl und London" die Regierung drin- oend davor gewarnt, wegen des Stimmenzuwachses der Deutschnationalen bei der Ausarbeitung ihrer Gegenvorschläge Konzessionen an die unentwegten Nein-Brüller zu machen. Wir wissen sehr wohl, daß man gerade auf der äußersten Rechten die bevorstehenden schicksalsschwongeren VerHand- lungswochen zu einem großzügigen parteipoliti- scheu Geschäft ausnutzen will, das besonders blühen würde, wenn es zum Bruch mit allen seinen Folgen käme. Diesen Bruch herbeizuführen, zu provo- zieren, war bereits das zielbewußte Bestreben gewisser Kreise während Spa, und man braucht nur das besonders vor- laute und aufdringliche Auftreten gerade der Deutschnatio- nalen seit der Bekanntgabe der Pariser Beschlüsse zu beob- achten, um deutlich zu erkennen, daß die gleichen Kräfte heute mehr denn je in dieser Richtung am Werke sind. In seiner einleitenden Ansprache hatte der Vorsitzende des Reichswirtschaftsrates Herr v. Braun erklärt, das ganze deutsche Volk sei zwar einig in der Ablehnung der Pariser Bedingungen, aber ebenso einig in seinem Entschluß, seine B e r p fl i chtu n g e n bis an die Grenze der Leipungsfählgteit zu erfüllen. Wir wünschten. auch das letztere entspräche den Tatsachen. Aber— und es muß auch hierin ausgesprochen werden, was stt— e s i st leider nicht wahr: Man frage nur die Herren Helfferich, Westarp, Wulle und tuttü nnavtt, ob sie die Verpflichtung Deutschlands zur Vertragserlüllung und zur Wiedergutmachung anerkennen. Selbst im Rahmen des Möglichen lehnen sie dies ab, und gerade mit Hilf« dieser ge- wistenlosen nationalistischen Agitationsparole haben sie bei den Reichstagswablen im Jum und bei den Preußenwahlen ß(t ihren steigenden Stimmenzuwachs erzielt. Man höre her auf, von einer Einheitsfront auch des guten Willen« zu reden, die nicht besteht, und entschließ« sich endlich, die Dinge so anzusehen und so auszusprechen, wie sie sind: Es gibt in Deutschland Parteien, oder zumindest eine bestimmte Partei, mit der eine gemeinsame Front in den Fragen der auswär- tigen Politik schon deshalb ausgeschlosten ist, weil sie auch be- rechtrgte Forderungen des Gegners grundsätzlich ablehnt. Diese Partei war früher das Unglück Deutschlands, indem sie es zum Kriege trieb, inoem sie zum Verluste des Krieges beitnig, und sie ist weiter das Unglück Deutschlands, indem sie durch ibre Hetze planmäßig jede noch so schwache Möglichkeit der Verständigung mit den Siegern zu hinter- treiben versucht. Gerade im nationalen Interesse liegt es, daß die republikanischen Parteien und überhaupt alle, die einen Funken von Berantwortungsgefühl gegenüber dem Volke be- sitzen, einen deutlichen Trennungsstrich zwischen sich und dieser pseudonationalen Partei ziehen. Dies ist um so notwendiger, als plötzlich Gerüchte von Putschplänen ü In Kapp auftauchen, die bezeichnenderweise sogar zu allererst in der offiziösen und Stinnesschen„Deutschen Allgemeinen Zeitung verzeichnet worden sind. Dieser wird von einer nicht genannten Per- s ö n l i ch k e i t, die im Wirtschaftsleben eine hervor- ragende Stellung einnimmt, unter mehr oder minder klaren Andeutungen geschrieben, daß die gegenwärtige Er- regung die„M öglichkeit einer unüberlegten Handlung in sich birgt". Es wird darin weiter von ngents provoestsurs, von einem„kleinen Kreis politisch kurzsichtiger Phantasten" und dergleichen gesprochen und vor einer„W i e d e r ?olung der Verhältnisse, wie sie im März 9 2 0 zuerst von rechts, dann von links herbeigeführt wurden, eindringlich gewarnt.(Sollte die warnende Persönlichkeit gar Stinnes selbst sein, den die Kapp-Iünger eingeweiht hätten?) Jedenfalls siegt etwas m der Lust und Dr. Simons selbst hat es für erforderlich gehalten,..vox allem vor unbedachten politischen Abenteuern" ebenfalls zu warnen. Das zeigt jedenfalls, wie nötig es ist, daß sich auch die Regierung endlich entschließt, allem Gerede von„Einheits- front" zum Trotze das Tischtuch zwischen sich und der äußer- sten Rechten gänzlich zu zerschneiden. die verhanölungen im Neichswirtschastsrat. (Schluß aus der Abendausgabe.) In seiner Beleuchtung der Pariser Beschlüsse sagte Außenminister Dr. Simons weiter: Es ist nicht eine durchdachte, sondern von rasendem Optinns- mus eingegebene Idee, daß wir dauernd sechs Milliarden Goldmork aus unserem Ausfuhrüberschuß den Gegnern zur Verfügung stellen sollen. Nun ist aber unsere bisherige Gegnerschaft nicht darauf aus, uns eine derartige Aussuhr möglich zu machen, sondern im Gegen- teil, schon jetzt macht sich überall das Bestreben geltend, unsere Ausfuhr zu u n t e r b i n d e n. Es ist nicht nur das«in klares Ergebnis des Bersailler Friedensvertrages, der uns im Welt- bandel unmöglich machen will, es ist auch das klare Ergebnis der Bestrebungen, das sich über oll da zeigt, wo wir den normalen Handel aufnehmen wollen, daß überoll Borsorge getroffen wird, um die deutsche Konkurrenz, die durch den geringen Wert der deutschen Valuta zum Steigen gekommen ist, wieder zurückzudrängen. Wie paßt dazu das Verlangen, neben den sechs Milliarden Goldmark uns auch noch eine zwölfprozentige Ausfuhrabgabe auszuerlegen. tLebh. Sehr richtig!) Der deutsche Steuerzahler kann diese Lerpflichtung nicht trogen, das müßte die deutsche Industrie tun di- für den großen Export arbeitet, die wichtigste Quelle für den Wiederaufbau wird damit nicht nur behindert, der Wiederaufbau wird vielmehr zum Erliegen gebracht. Die Welle der Gescbäftslosigkeit, die sich in Amerika zeigt, wird auch uns erfassen.(Beweguna und Zustimmung.) Das ist die all- gemeine Welttendenz, die dahin geht, die furchtboren Lasten, die der Krieg allen ouserleat hat, durch Sparsamkeit wieder abzubürden. In dieser Zumutung liegt nichts weiter als der Wille, die deutsche Wirtschaft zugunsten der fremden Industrien zu zerrütten, wodurch dann allerdina» auch die Wirtschaft dieser Lander selber zerrüttet wird.(Sehr richtig!) Diese Fronarbest würde sich heraus" ellen als eine Vernichtung des ehrlichen Handels und der ehrlichen Arbeit der ganzen Welt.(Lebh. Zustimmung.) Im Art. 23 des Friedensvertrages oerpflichten sich die Vertrogslfaaten zu angemcsicnen Arbeiksbedingungen für Männer, Frauen und Kinder MSrt! hört!) Auch von uns ist das unterschrieben. Auch ist eine tohniohlung vorgesehen, die eine angemessene Lebensführung sichert. Mit diesen Methoden läßt sich das nicht erreichen! Aber die Kritik genügt nicht, wen» wir nach London kommen. Bei unseren. Gegenvorschlägen müsien wir suchen, den Bedürfnissen unserer Gegner Genüge zu tun. Es handelt sich namentlich um das gewalkige Finauzbedürfnis Arank- reichs. In der abschließenden Sitzung der Sachverständigen haben wir Einstimmigkeit in den Eegenoorschläaen nicht zu erzielen ver- macht. Inzwischen Hab«» wir aber die Anregungen des Sachoer- siändigenausschuises in engerem Kreise noch verfolgt und sind dahin gekommen, der Reichsregierung in sich tragbarere und für die deutsche Wirtschast erträglichere Borschläge machen zu können, die auch die Bedürfnisse der Segner berücksichtigen und praktisch ausführbar sind. Selbstverständlich werden wir unsere Gegenvorschläge nicht früher der Oeffentlichkeit unterbreiten können, als sie unseren Gegnern vorsiegen. Mehr als je habe ich seit meiner Reise ini deutschen Südwesten es erfahren, daß die Männer, mit denen ich verhandelt habe, die Folgen eines Nein genau vor sich sehen. Sie sind nicht nur geneigt, darüber nachzu- denken, sondern auch, diese Folgen auf sich zu nehmen.(Beifall.) Ich benutze die letzte Gelegenheit vor der deutschen Oeffenttichkeit noch einmal, meiner festen Ueberzeugimg Ausdruck zu geben, daß es gegen Vertrag und Recht verstößt, wenn eine Ablehnung über- Haupt zu Sanktionen Anlaß geben würde.(Lsbh. Zustimmung.) Dorschläge sind dazu da, angenommen oder abgelehnt zu werden. Dieses Recht ist auch durch den Vertrag von Versailles berücksichtigt, wonach. Reparationen oder Sanktionen erst in Frage kommen können, wenn festgestellt ist, daß wir unsere Derpslichlungen nicht erfüllen. Diese Verpflichtungen sind uns aber noch nicht einmal mitgeteilt worden in der Form, daß sie als Entschluß von uns anzusehen sind und ohne daß wir Ge- legenheit hätten, sie zu prüfen. Die Herren von drüben lassen sich jahrelang Zeit,»m ihre Bedingungen zusammenzustellen. uns werden ober nur ein paar Tage gelasfeu. um Stellung dazu zu nehmen.(Sehr richtig!) Alst-, meine Herren. ich erkläre, meine Ueberzeugung geht dahin, daß Sanktionen noch nicht zu erwarten sind, wenn es nach Recht und Billigkeit geht. Aber andererseits erkiäre ich, daß sich manche Anzeichen mo.hrnehmen lassen, daß eine Ablehnung der Vorschlage von Paris als Wider- svenstigkeit Deutschlands aufgefaßt und zu Sanktionen führen wird. Dazu gehört die Verlängerung der Besetznng, die Nichtaufnahme in den Völkerbund, die Errichtung eines eigenen Zollgebietes m den besetzten Rheingebiete» und weitere Besetzung deutscher Gebiete außerhalb des Rheinlands-. Die wirtschaftlichen Folgen sind schwer für die deutsche Wirtschast, insbesondere infolge der Zer- ! reißung zusammenliegender Wirtschaftsgebiete oder Unterstellung ' deutschen Gebietes, das bisher frei war, unter fremde Herrschart. Es kann nicht Aufgabe der deutschen Delegierten in London sein. den Eindruck zu erwecken, daß wir le i ch t h e r z i g über diele Gefahr hinweggehen, sondern zu betonen, daß wir den guten Willen haben, mitzuarbeiten an den gemeinsamen Plänen des Wiederaufbaues. Aber es ist nicht menschenmöglich, daß ein Volk den ganzen Schaden wiedergutmacht, der 27 anderen Völkern geschehen ist.(Sehr richtig!) Man hat dem Friedensvertrag eine Form des Strafurteils gegeben. Wir hoffen aber, daß eine Zeit kommen wird, wo dieses Strafverfahren wieder ausgenommen wird, wo unsere Feinde ein- sehen werden, daß die Voraussetzungen und Folgerungen unrichtig, auch für unsere Feinde selbst schädlich sind. Die Grenzen des Mög- lichen gehen nicht annähernd so weit, wie unsere Gegner glauben. Es handelt sich hier um eine gemeinsame Ausgabe der ganzen Snlturnrenschheik. Alle, die am Kriege beteiligt waren, ja selbst diejenigen, die nur Zuschauer waren, müsien mitarbeiten. Die Reparation ist nicht nur eine wirtschaftliche, sie ist eine geistige Ausgabe, die von einer nenen Anfsassuvg des Derhältnisies zwischen den Völker» durchdrungen sein muß. Die Androhung von Sanktionen ist nicht die Form, in der wir die Welt von den Folgen des Krieges befreien können! lSebr richtig!) Neben der Internationalität der Ausgabe liegt jetzt die besondere Aufgabe London gegenüber vor. Das deulsthe Volk schickt seine Leute vor den Feind. Sola ige sie dort stehen, muß die Heunnt geschlossen bleiben. Wir müsien unserer Palitlt und unserer Wirtschaft eine Schonzeit auferlegen, damit wir nicht durch unerwartete und unüberlegte Streithandlungen in der Aktionsfestigkeit gefährdet sind. Ich warne vor allen, vor unbedachten politischen Abenteuern, wie sie noch von mancher Seite geheat werden. Diese Abenteuer wird sich keine Re- gieruna aesallen lassen. Ich werde das meinige tun, ieden Versuch unnachsicbtllch niederzuschlagen. Wir�brauchen eine Zeit des Alls- otmens für unsere Wirtschast, eine Sicherheit dafür, daß uns die Gegner nicht srsblt die Möolichkeit zuschanden schlagen, ihnen in den Grenzen des Möglichen für ihre Bedürfnisse behilflich zu sein.. Wen» der Reichswirtschaftsrat hier der Regierung Unterstützung leiht» so werde ich persönlich ihm von Herzen dankbar sein.(Lebhafter an- dauernder Beifall und Händeklatschen.) Die Debatte. o. Siemens: Zur Begleichung seiner Rechnung muß der Feind auf unsere Arbeitskrast zurückgreifen. Von unserer Produktion können wir aber nur den Ueberschuß abgeben, über das, was wir selbst hineinstecken. Die Wert«, die einen großen Goldstrom nach Deutschland geleitet haben, durch den wir unser« Lebenshaltung steigern und die Ausgestaltung unserer großen Werke durchführen konnten, haben die Gegner in ihre eigenen Hände abgelenkt Zur Erzielung eines Ueberschusies bleiben uns heute nur noch zwei Mittel: 1. Ersparnisse durch Beschränkung unseres eigenen Der- brouches und Herobdrückung unserer Lebenshaltung, 2. Erhöhte Pro- duktion. Unsere Lebenshaltung hat bereits ein so tiefes Nivea» erreicht, daß wir uns nicht noch weiter«inschränken können. E« ist wrwrWrt, daß m»»om Ausland« gefagi wird, wir sollen unsere Luxusausgaben beschränken. Wie sollen wir das tun, wenn Frank- reich uns gleichzeitig zwingt, hunderte Millionen auszugeben für franzSslsche Seife, Portüms und Joupons! Frankreich will uns so- gar zur zollfreien Eiusuhr dieser Luxusdinge zwingen. Wenn man logisch sein wollte, mühte uns die Gegenseite zur Erreichung ihres Zieles«in Vorzugsrecht auf die Absatzgebiete einräumen!(Leb- haste Zustimmung.) Wenn wir die Forderungen der Entente durch- führen wollten, mühten unsere Arbeiter, die jetzt schon ein Drittel ihrer Arbeitskrast für die Bestreitung der Schulden des Staate» auf» «ende» müssen und nur zwei Drittel ihres Arbeitsertrages für ihren Lebensunterhalt verwenden können, 42 Jahr« hindurch drei Stunden länger arbeiten. Man will uns unmögliche Forderungen stellen, um uns den Be- weis unsere» guten Willens unmöglich zu machen.(Lebhafte Zu- stimmung.) Auch unter unseren Gegnern find genügend Personen, die wirtschaftliche Gesetze genau beurteilen können. Aber wir hören nur wenige Stimmen der Vernunft. Es ist der Fluch der bösen Tat, daß sie sortzeugend Löse» muß gebären. Die böse Tat ist die Lüge, die die feindlichen Führer jahraus, jahrein gebraucht haben, Deutschland kann alles zahlen.(Lebhafter Beifall.) Jetzt hat man nicht mehr den Mut zur Wahrheit!(Erneute Zustimmung.) Wir wissen, daß wir den Krieg verloren haben und daß der Besiegte, so« lange die Welt besteht, die Kriegsfolgen zu tragen hat. Es muh un» aber eine Möglichkeit gelassen werden, durch Arbeit und Entbeh» «ungen die uns auferlegten Lasten abzutragen, damit wenigstens nnser« Kinder unter glücklscheren Verßölrntflen leben können.(An« haltender lebhafter Beifall.) Genosse Vissel!: Mit dem Quadrat der Lahre seit Beendigung de» Krieges scheinen sich die Ansprüche der Gegner zu steigern. Die Sorgen und Note, unter denen namentlich Frankreich zu leiden hat, scheinen ihnen den Blick für die Tatiacheu getrübt zu haben. Der Redner gibt ein« gedrängte Uebersidrt über die günstige wirtschaftliche Lage Deutschlands vor dem Kriege und fährt dann fort: Fast vier Jahre hindurch haben wir die gesamten Produktionskräfte in da» unproduktive Unternehmen de» Krieges gesteckt. Bon unseren Vor- raten besaßen wir am Ende des Krieges nicht» als einen Haufen Kehricht. Was wir an Rohstoffen hatten, ist zum Teil noch nicht bezahlt. Wie angesichts unserer außerordentlich geschwächten Leistungsfähigkeit das gelordert werden kann, was geiordert wird, ist unverständlich. Die deutsch« Arbeiterschaft ist gewillt, bis an die Üuherste Grenze der Leistungssähigkest hinsichtlich der Verpflichtungen dem Gegner gegenüber zu gehen. Aber sie ist auch ebenso fest entschlossen, sich nicht für ein Menschenleben und länger in«in Eklavenleben hineintreiben zu lassen. Mehr als ihre«rbeitstrast können die deutschen Arbeiter nicht hergeben und dazu müflen sie ihr« Arbeitskrast erhalten können. Die deutsche Arbeiterschaft gibt ihr« Errungenschaften, namentlich den Achtstundentag, nicht preis und sie läßt sich auch das Streben nach weiteren Verbesserungen selbst durch die Entente nicht oerkümmern. Wenn man die Er- füllung der Forderungen durch Mittel der brutalen Gewalt sollte erzwingen wollen, dann erscheint es un» sehr zweifelhaft, ob wir »och weiter«m dem internationalen Arbeitsamt tellnehmeu sollen. Wir möchten der Arbeiterschaft der andere» Länder die Bedeutung dieser Forderungen gerade im Hinblick auf ihr« eigene Loge vor Augen führen. Die durch«in« Verlängerung der Arbeitszeit ermöglichte Verdllligung der Produktion würde ver- lange», daß in anderen Ländern die Arbeiter genau so lange ardei« ten wie die deutschen Bisher ist noch nicht einmal der versuch gemacht worden, die ganze Welt einzuspannen. Der Völkerbunds- rat will demnächst»ine Wettwtrlschafi». und Flnanzkoaferenz «inberufen. Die» mühte aber vor der Festsetzung der Wedergut- machungsschuld geschehen, die A.beiterschast mühte beteiligt sein. Wir haben uns wiederHoll erboten, Arbeitskräfte für de» Wieder- aukbau Nordfrankreichs zur Verfügung zu stellen. Aber alle diese Angebote find bisher nicht angenommen worden. Wenn man dem ganzen deutschen Volke die Hoffnung nimmt, wieder hochzukommen, wenn man e« zur Sklavenarbeit veturteill, dann kann eine Wie- dergutmochung nicht geleistck werden. Die deutsche Arbeiterschaft will für die Wiedergutmachung arbeiten, aber sie will die Hoffnung haben, daß es ihren K i n o e r n wieder bester geht. Diese Hofs- nung wird aber durch die Forderungen vernichtet. Wenn unter diesem Geist die Arbeit in Deutschland geschehen soll, dann wird und kann auch für die Gegner nicht» herauskommen. Lust und Licht zum Leben sind nur möglich, wenn der Geist der Menschlich- keft und Vernunft siegt. Ich will hoffen, daß er sich bi» zum De- ginu der Londoner Verhandlungen noch durchringt. Wenn nicht. wenn der Geist der llnduldsamkeu sich noch weiterhin gellend macht, dann müssen wir die un, aufgezwungenen Beschlüsse in dem Be- wuhtsein tragen, alles angeboten zu haben, was wir nur irgendwie anbieten können, dann können wir nur hoffen daß einmal eine Zell kommt, in der wieder Recht Recht ist!(Lebhafter Beifall.) August Rlüller: Man kann Deutschland nicht in der Weise aus- beuten, wie ein Kolonialland, das nur Rohston« liefert und wo es auf die Gelch cklichkeit der Arbeiter nicht ankommt. Wenn wir von Kohle und Kall absehen, so verfügt aber Deutschland über kerne natürlichen Reichtümer, es ist ein Deredlungsland. Di« Voraus» fetzungen für dos Gedechen der deutschen DoUswirtschast bildet der Import von Rohstoffen und eine technisch wie intellektuell hoch- stehende Arbeiterschicht. Di« ungeheuren Entenieforderungen können nur erfüllt werden, wenn da» Ernährungsbedürfnis des deutschen Volkes befriedigt wird. Höher als alle Schadensersatzverpflichtungen steht das Gebot der Humanität, daß Millionen Deutscher vor dem Hungertod bewahrt bleiben müssen. Erst wenn dies« Voraussetzung erfüllt ist. kann man eine vernünftige Prüfung der Reparationssrage herantreten. Vor dem Kriege waren 2,7 Milliarden Goldmark er- forderlich, um das Defizit unserer Volkse rnährung zu bestreiten. Im Jahre 191A bereit» über drei Milliarden: 63 Proz. de» Ernährung»- bedorss nur wurden auf heimischer Scholle erzeugt. 11,5 Millionen Deutsche waren bereits auf Lebensmitteleinfuhr angewiesen. Dazu kam die notwendige Einfuhr von Futtermitteln und künstlichen Düngemitteln. Schließlich wurde ein« halb« Million fremder Ar- befter in der deutschen Landwirffchast beschäftigt. Da» Ergebni» war: die deutsche Landwirtschaft führt« hochintensioen Betrieb durch, der Deutschland trotz des kärglichen Bodens und der klimatischen Rachteile höhere Ernteerträgnisse pro Flächeneinheit erzielen ließ als dl« der meisten europäischen Länder. Der hochintenflv« Betrieb ist aber gegen jede Erschütterung ungenrem empfindlich. Bon 1913 bis 1919«riolgte ein Rückgang des bestellten Bodens um ö Proz. Die deutsch« Landwirtschaft ist gezwungen worden, zu exten- s i o e n Methoden überzugehen. Von 1913 bis 1929 ist für Roggen ein Rückgang de» Ernteerkrägniste» von 09 Proz., für Weizen von 50 Proz., für Kartoffeln von 47% Prozent zu verzeichnen. Hand in Hand damit hat sich z. B. die Zahl der Schweine um 43 JJioz. verringert. Durch die Wegnahme der Ueberschuß Provinzen sind die Nah- rungsmittel um ein Sechstel verkürzt worden. Obendrein ist die deutsche Bevölkerung dichter geworden. Wir bedürfen allermindestens ein« Fleischeinfuhr von 699 999 Tonnen innerhalb des nächsten Iahves, um auch nur 2S Kilogramm Fleisch pro Kopf liefern zu können, 3 Millionen Tonnen Brotgetreide, um nur die gegenwärtige unzure'chende Brotration geben zu können. Insgesamt bedürfen wir einer Einfuhr von 11,6 Milliarden Goldmark, selbst der Notbedarf würde noch SP Milliarden Goldmork Einfuhr erfordern. Unserer Landwirtschaft muß durch Einfuhr von Rohphosphaten und Futter- Mitteln intensiver zu wirtschaften ermöglicht werden. Da die Aus- fuhr des deutschen Volkes Im vergangenen Jahre nur 4P Milliarden Goldmark betrögt, so ist klar, daß nach Befriedigung des Ernährungs- bedürfnistes weiter« Leistungen unmöglich sind. Jedes Ab- kommen, das von uns unterzeichnet werde« soll, muß uns zum mindesten das Existenzminimum gewähren. Die Verpflichtung zur Ausführung der Pariser Beschlüsse würde Millionen unserer Volk«- genossen zum Siechtum und Hungertod« verurteilen. Weil dem so ist, fft das Abkommen in der vorliegenden Form unannehmbar. (Lebhafter Bettall.) wikthöfft(Vertreter des Handels und der Danken): Wir büßten im ganzen etwa 1499 Schiff« mit IS Millionen Vrutto-Regifter- tonnen ein. Dadurch sind mindesten» 60 000 Seelente brotlos geworden. Hunderttausende von Ausländsdeutschen muhten ihrem Heimatlarch zur Last fallen. Im fernen Osten haben sich die Japaner ixnb zum Teil auch die Engländer in jene Geschäfte hineingesetzt, die wir frühsr beherrschten, in Südamerika machen uns namenil ch die Vereinigten Staaten das Handelsgeschäft mit Erfv'g streitig. Das ungeheure Ruhlond ist uns nvch fast gänzlich ver'chlosien. Australien bat sich gegen unser« Einfuhr abgesperrt. In Afrika find uns unsere Koionien genommen. Ein größerer Teil der englischen Kolonien ist uns wenigstens für die direkte Einfuhr nicht mehr zugänglich. Kanada erhebt Zuschlaqszölle auf deutsch« Waren. In allen Ententeländern sind wir den Zugriffen des Feindes ausgesetzt. Wir können gar nicht daran denken, die Ausfuhrziffer derart zu erweitern, wie früher, i Daltrusch(Christliche Gewerkschaften): Als Gefchäftssührer der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands richte ich an die christl che Bevölkerung des Auslandes die Bitte und die dringende Mahnung, nicht zuzulassen, daß brutaler Kapitalismus ein 69-Millionen.Dolk i zu jähriger Fronarbeit zwingt, um Zinsen in�schwindAnber Höhe zu erarbeite«, obwohl wir bereits Arbeits- und Sachle.slungen angeboten haben. Em solcher Zwang ist unmenschlich, unsittlich, unchnst- lich und verdammenswert.(Beifall.) Wir wollen uns sa nicht auf die Negation beschränken, wir sind bereit, den Weg bi» zum bitteren Ende zu gehen, und wir bieten dem schwerleideude» Frankreich Arbeit»- and Sachleistungen. Sollte man dies im französischen Volk nicht verstehen? Wir könne« nichts unterschreiben wo» über unsere Kraft hinausgeht.«» ist un- möglich, ungeboven« Generationen vorweg zu belosten. Frau Krower(Hausfrauenverband): Die deucschen Frauen und Mütter lehnen einmütig diese Forderungen ab.(Lebhafter Beifall.) Möge der Reichsminister den E.ndruck mit hinausnehmen, daß wir oll« geschlossen hinter ihm stehen. Unser aller Wünsche degleiten ihn. (Anhaltender lebhafter Beifall und Händeklats che«) Präsident Edler v. Braun verliest ein« entsprechende Erklärung de» Gewertschastsringes deutscher Arbeiter», Angestellten» und Be- amtenverbänd«.— Danach wurde folgend« Entschließung einstimmig angenommen: Die im Reschswirtschaflsrak vereinigten Vertreter der gesamten deutschen Wirts chast. Unternehmer wie Arbeiter, stehen ans dem Standpunkt, daß die Deutsche Regierung die von ihr im Frieden». vertrage übernommene Verps.ichtuug der Wiederherstellung in loyaler weise und mit allen Kräften zu erfüllen suchen muß. Die Durchführung der Boriser veschlüffe würde aber zur baldigen Zerstörung de» deutschen wirischastsleben» führen und jede Wiederherstellung unmöglich machen. Schon vor dem Kriege mußte ein sehr erhebsicher Teil der Rahrungsmittelmengen eingeführt werden. Die fast vollständige Absperrung vom Auslande hat zu der dauernden Unterernährung der breiten Waffen der Vevölte- ruog geführt, so daß die Regierung eine erhebliche Zufuhr von Nahrungsmitteln aus dem Auslande ffcherstellen muß. um das staaflsche und soziale Leben Deutschlands nur einigermaßen ge- ordnet aufrechterhalten zu können, ver Ertrag der deutschen Aussuhr gestattet jeß! nicht einmal die Bezahlung der geringen Mengen der bisher eingeführten Lebensmittel. Dazu kommt noch die Rot- wendigteil, den Bedarf an Rohstoffen aus den Erkrägnlffen der Ausfuhr zu bezahlen. Dringend notwendig ist auch die Aufnahme von Krediten im Auslande. Alles das wird durch die Bariser Beschlüsse unmöglich gemacht. Die Rote scheint davon auszugehen. daß die deutsche Ausfuhr noch erheblich gesteigert werden könne. Da» wäre nur mSqsich unker Breisgabe wesentlicher sozialer Errnngeoschafteu. vor allem auf dem Gebiete des Arbeiterfchnße» und de» Achtstuodeutoge», der im Art. 427 des Friedensvert age» gefordert wird. Die Bestre- bnnge» nach weitgehender Verbefferung der Lage der arbeitenden Klaffen würden dadurch vereitelt werden, ver«eichswiil. ichastsrat ist überzeugt, daß Deuffchland durch d'e Lahmlegung der unbedingt erforderlichen Einfuhr mit Rirfenichritteu der weitere« Verelendung zugeführt würde, wie seine ö st- l i ch e n Rachbarn. Vesha'b erachtet es der Reichswirtschastsral für seine Bflicht, vor dem Laude und der well zu bezeugen, daß er die Pariser Veschlüffe für undurchführbar hält, ver Reichswirffchafisrat bittet deshalb die Regienmg, in Erfüllung der Verpflichtung zur Wiederherstellung die äußer- sten Grenzen der Leistungssähigkeit Deulschiand, einzuhalten. Sollte auf dseser Grundlage keine Eiu'gung erzie't werden, so bittet der Reichswirkschaslsrat in voller Erkennlul, der Folgen die Reichsregiernnq dringend und einmütig bei ihrer Ablehnung der gegnerischen Borschläge zu beharren. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr: Steuerfreiheit des Existenz- Minimums. Abänderung de» Einkommensteuergesetze«. Reichsnot- opfer. steuerliche Heranziehung der indirekt durch den Krieg be- troffen«« Gebiete, Einsetzung eines Ausschusses zur Behandlung der Fragen der Heranbildung unserer wirtschaftlichen Kräfte. •• • Christlicher Herverksthastsprotest. Haag, 24. Februar.(Hollandsch Nieuwsburecm.) Der international« Verband der christlichen Fabrikarbeiter, Transportarbeiter und Arbeiter der Nahrungsmittelbranche veröffentlicht eine Kund- gebung, in der gesogt wird, daß die Entscheidung der Pariser Konfe- renz für all« Arbeiter der ganzen Welt von weitestgehender Be- deutvng ist. Die Bedingungen, die man Deuffchland auferlegen will, könnten nur dann erfüllt werden, wenn die Erzeugung Deuffchland» noch immer höher geschraubt wird. Daher wird die Welt dann mit Cm klein wenig Ruhe. Irgendwo im Orient sitzt«I einer Straßenecke ei» Mann, kocht«inen FNchkopf dreimal am Tage ab. schlürft dies« Brühe, läßt sich dabei die Sonne auf den Bauch scheinen, murmelt ein frommes Sprüchlein und fetzt einen Echluhpunkt auf sein Tagewerk, indem er den Fischkopf verzehrt. Di« Handlungsweise diese. Manne» siegt außerhalb unseres Begriffsvermögen». Wir können und dür- fen auch nicht zu der Anspruchslosigkeit de» Orientalen herabsinken. Uber um eins ist er beneidenswert und das ist—- feine Ruhe. Di« hat uns«in böser Seist, wenn nicht der Teufel selbst ge- «ommen. Namentlich wir Großstädter haben sie für ein Nichts verschenkt, haben fte meuchlings verschludert. Als ewige Bewegsich- kett find wir, uns selbst zur Last und unseren Mitmenschen zum »ervenzermürbenden Anblick, in die Steinwüste gestellt. Wir sehen nur Mauern und zuweilen«in paar Bäume, die vom andauernden Staubschlucken krank find. Und ist unser Tagewerk inhaltreich ge» «esen, dann sind wir innerhalb 12 Stunden mindesten» viermal vergeblich hinter einer Straßenbahn hergelaufen, sind von einem Nutoomnibu» gefallen, hörten dreimal auf dem Untergrundbahnhos dieses aufreizend« Zurückbleiben�' und verpaßien einen Ringbahn- zug. Wir bilden un» ein, unser Leben sei reich, und es ist doch nur «ine Hätz. Wir kommen nicht mehr dazu,«in gute» Buch zu lesen. Wie sollten wir auch! Trotzdem haben wir ein brennendes Interesse an allen weltbewegenden Fragen und daher lesen wir auch von den Zeitungen die Ueberschriften, so nebenbei, an den Zeitungsverkauss- ständen. Wir sehen und hören alles nur in der Diagonale, sei es Theater, Oper, Konzert oder Film. Selbst die ganz reichen Faulenzer sind heutzutage schon zu vervös, um in Ruhe in den Kiffen ihrer Chaiselongue glatt liegen zu können. Sie muffen sich mit Eilzugsgeschwindigkeit in Ab- «echswngen aller Art stürzen. So quirlt alles durcheinander, die Arbeil und das Vergnügen. Wir Unruhigen sind das Geschlecht der Zeittosen geworden. Wir hab-n weder Zeit zur Treue, zur Liebe nach zur Leidenschaft. Mit 39 Jahre» sind wir verbraucht, er- lodigt, abgehetzt, übermüdet. Ganz auf eine verklingende Gelgen- molodi« gestimmt. And dabei ist ein klern wenig Wollen zur Ruhe unsere beste Medizin. Die Ruhe ist vollendete Schönheit, ist eine Offenbarung. Gleichgültig, wo man st« findet, sei es im Walde, sei e» am See, sei«» beim Anschauen eines Kunstwerkes, beim Lesen eines guten Buches, beim Spiel mit einem Kinde oder in einem Plauderstünd- che» mit sich selbst. Etwas weniger ist mehr. Vergnügung an Vergnügung gereiht. «tötet der Genuß. Sport ist gut, h-ilsam und stärkt, seine Ueber- treibung schädigt den Körper, Arbeit ist Lebensnotwendigkeit, ein« Arttsitsüberbürduog zermürbt. Wir dürfen nicht nur nippen wollen, wir müflen aber aach ein finden könne». Air dürfen kein Glled an de« Reigen der Oberflächsichkeiten schließen. Zur ganzen Arbeit, zum reinen Genuß müflen wir bereit sein und die Ruh« als eine Kostbarkeit hüten. Sie muß ein Geschenk sein, das wir uns tägsich selbst überreichen, denn sie ist das beste Hemmnis gegen das nutzlose Verzetteln seiner selbst._ e. b. Die Grippe ms ihrem weftzuge. Die Grippe macht flcb auch jetzt wieder bei uns bemerkbar, und wir«rinnern uns mit Schrecken der furchtbaren Epidemie» die als unmittelbare Folgeerscheinung des Krieges in den Jahren 1918/19 über die ganze Welt ging. Auf Veranlaffuno de« englischen Gesundhettsmini'ierium, ist«in ausführsicher Bericht über die Beobachtungen veröffentlicht worden, die man bei der Epidemie im ganzen britischen Reiche gemacht hat. Die Seuche hat damals eine viel größer« Anzahl von Opfern gefordert äl« der ganze Weltkrieg. In England und Wale» allein erreichte die Zahl der Todesfälle die Höhe von 151466. Die Zahl der in Indien an Grippe Gestorbenen wird mit 6 Millionen Toten beziffert. In Südafrika starben 139486 Menschen an der Krankheit, auf den Fidschi-Inseln 7999. Auch in Australien, Neuseeland und im fernen Osten wurden sehr groß« Opfer gefordert. Ueber die Ursachen, die die Seuche hervor- riefen, läßt sich keine vollgültige Erklärung abgeben. Kliniker, Bakterioloaen und Epidemiologen sind sich darüber einig, daß der Bazillus Pfeiffer eine Rolle dabei spielt. Aber ein« endgültige Lösung der Frage würde eines der größten Ereignisse in der Ge- schichte der Medizin sein. Gegenwärtig ist wenig Aussicht dafür." Als charakteristische Erscheinungen der Pandemie von 1916'19 werden angegeben:„Ihre Erscheinung erfolgte plötzlich: sie zeigte eine außer- ordentliche Schnelligkeit des Forffchrectens. Di« Sterblichkeit war außergewöhnsich hoch. Die schlimmsten Opfer wurden unter der Jugend und den kräftigen Männern gefordert. Di« Krankheit breitete sich ebenso aus in übervölkerten und ungesunden Gegenden wie in Gebieten, deren Lebensbedingungen für die Gesundheit Verhältnis- mäßig günstig sind." Der VerickU gelangt zu der Folgerung,„daß die Ent�ehung einer großen Pesi, wie sie die Grippe darstellte, von einer Störung de» Gleichgewichts im sozialen Leben abhängig ist, indem bei einer großen Anzahl von Menschen durch Entbehrungen und Aufregungen aller Art Bedingungen geschaffen wurden, die für die Ausbreitung und das Eindringen der Parasiten günstig waren. Es ist kein« Aussicht auf eine wirksame Abschwächung dieser Ge- fahr vorhanden, solange nicht eine allgemein« Verbesserung der Lebensbedingungen und der Lebenshaltung eingetreten ist." Die Son�erv'gan safton der.prom'nenlen" Dühnenkünsllcr. die soviel in den Feuilletons der bürgerlichen Press« von sich reden macht« und in Wirklichte t nur Fronde war, hat sich mtt de' Bühnew- genossenfchaft geeinigt. Darüber wird mitgeteilt: D:r Arbeitsau»- Schuß des Verbandes Berliner Bühnenkünstler, der Lerwa dindencn Dr. OSborn) über„Der DaieinSlampt de» ThealerS�. Muffk. Die Große Bolksoper Berlin bat TorneliS BionSgecit für einige Gaiiipiele verpsUchict. zuerst in„Tiefland�-m 1. März im Walballaiheaier Am Sonntag, den 27., nachm. 2 Uhr, wird .Lohengrw' zu ledlen Mal« ausgeführt. Dir Marienstatur und der Holzaltar der berühmten italienischen WalljahctSkirch« zu Loretto wurdet» durch ein« aeuertbruigt zerstört. Ne.YZ�ZS.Iahrgang Seilage öes Vsrwarts Freitag, 25. Februar 1921 Der 1-Mark-Straßenbahntarif abgelehnt! Borschläge zur Ertragsteigerung. Die Stadtveordnetenversammlung begrüßte gestern den neuen StadtschulratPaulsen und begann dann sofort die zweite Lesung des aus dem Ausschuß zurück- kommenden Magistratsvorschlags über die Erhöhung des Straßenbahntarifs. Zugleich wurden die vom Aus- schieß gemachten Vorschläge zur Steigerung der R e n t a- b i j i t a t des Straßenbahnunternehmens erörtert. Die De- Kattr. ging, wie im Rathaus jetzt üblich, mehr in die Breite als in die Tiefe. Nach dreieinhalbstündigem Reden konnte man endlich zur Abstimmung schreiten. Die Vorschläge zur Er- tragsteigerung wurden größtenteils angenommen: abgelehnt wurde aber die vom Ausschuß empfohlene Revision des Tarif- Vertrages. Abgelehnt wurde auch ein Antrag der Demokraten, die bei der Aufbringung neuer Betriebsmittel wieder das Privattapital beteiligen möchten. Infolgedessen stimmten die verärgerten Demokraten mit den rechtsstehenden Parteien gegen die Tariferhöhung. Da hier die Kommunisten sich dem bürgerlichen Block anschlosien, so wurde d i e T a r i f- erhöhung abgelehnt'. Einstweilen ist hiermit die Magistratsvorlage erledigt— bis zu ihrer Wiederkehr, die nicht lange auf sich warten lassen wird. Sitzungsbericht. Zu Beginn der heutigen Sitzung erfolgt die Einführung des Ob erftadtschulrats Paulsen, der durch die Mitglieder Dr. Löwenstein(U.S.) und Fröhlich(Soz.) in den Saal geleitet wird. Oberbürgermeister Löß begrüßt ihn mit einer Ansprache, in der es heißt? An der Stelle Ihres bisherigen Wirkens ist es ge- langen, für die Ueberzeugung, daß neue Wege gegangen werden müssen, Erfolge zu erzielen und Anerkennung zu finden. Sehr viele erwarten Sie hoffend und glückwünschend, andere widerstrebend und sorgend, alle mit höchstem Interesse. Große Aufgaben werden Ihnen gestellt werden, haben Sie sich selbst gestellt: ich wünsche Ihnen, daß Sie mit Tatkraft und im Bewußtsein der hohen Berant- wortung sich an diese Aufgaben heranmachen, sich ihnen voll ge- wachsen zeigen und auch hier Erfolge erreichen werden. Ich wünsche von ganzem Gerzen, daß Ihre Arbeit in hohem Maße dazu bei- tragen möge, unsere Jugend zu kräftigen für die großen Ausgaben der Zukunft, die einst das heute geknechtete, in Schmach und Elend seufzende Baterland hinüberführen soll in eine Zeit, in der alle wieder jung und voll Licht und Sonne fem werden. Auch Vorsteher Dr. W e y l richtet an das neue Magiftratsmit- glied Worte der Begrüßung Der Oberstadtschulrat werde die Mehrheit der Versammlung hinter sich haben, wenn er darauf ausgehe, im Schulwesen die Neuerungen einzuführen, die erforderlich sind, um die Linder zu aufrechten, ihres Persönlichkeitswerts bewußten Menschen zu erziehen. Die Schablonen haftigkeit des bisherigen Unterrichts babe die Jugend abgestumpft, jetzt solle die Schule zu einer lebendigen Arbeitsgemeinschaft umgewandelt werden..Wer die Jugend bat, hat die Zukunft, wer die Zukunft hat, erbt schließlich die ganze Welt. Ihre sachlichen Gegner beschämen Sie durch die Tatst' lBcifall.) Ein Dringlichteitsautrag von Loch(deutschn.), sofort einen Ausschuß zur Prüfung der gesamten Geschäftsführung des Lebens- mittelperbcmdes niederzusetzen, kann heute, da von links Wider- fpruch erhoben wird, nicht erledigt werden. Zur Beratung gelangt zunächst die Vorloge wegen Erhöhung des Slraßenbohntarifs, Verbindung mit dem Bericht des Ausschuffes, der zur Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Straßenbahnverwaltung eingesetzt ist, und mit dem Antrage der Kommunisten wegen Ge- Währung von Straßenbahnfreikarten an Schwerkriegsbeschädigte. Ueber die gesamten Ausschußberahingen wird von dem Stadto. Frank tSoz.) ein umfassendes Referat erstattet. Die Tarifer- höhung'Hat der Ausschuß genehmigt, den Antrag Gäbel abgelehnt. Zur Frage der Wirtschaftlichkeit hat der Ausschuß eine Reihe von Entschließungen vorgeschlagen, worin die Ueberzeugung zum Aus. druck gelangt, daß durch rationellere Arbeitsmethoden und durch systematische Erziehung der A n g e st e l l- t e u und Arbeiter zum wirtschaftlichen Denken erhebliche Ersparnisse erzielt werden können, daß der Tarifvertrag der Revision bedarf, daß der durchlöcherte Achtstundentag im Zusammenhang mit hygienischen Verbesserungen wieder voll durchzuführen ist, daß die Aufgaben der Betriebsräte auf die ihnen nach dem Gesetz zu- stehenden Befugniffe beschränkt werden müssen, daß die Reichsver- kehrssteuer für die komniunalen Straßenbahnen beseitigt und wei- tcre Herabsetzung der Stromkosten angestrebt werden muß, daß eine weitere Erhöhung der Tarife nicht zu ver- m e i d en und eine umsoffende Erneuerung der rückständig gewor- denen Anlagen nicht mehr aufzuschieben ist. » Stadtbaurat Adler beantwortet die Anfrage der Deutschnationalen vom 81. Januar 1921 betr. die Beurlaubung der Straßenbahndirektion. Die Herren hätten zum Teil schon 1919 ausscheiden wollen. Nach den gegen die Direktion am 29. November von rechts und links gerichteten Angriffen hätte sie, weil sie nicht mehr die notwendige Autorität be- säße, um Enthebung nachgesucht. Die Untersuchung habe alle Vor- würfe entkräftet: die Herren Wuffow, Meyer usw. hätten aber wiederum abgelehnt und so habe der Magistrat zwei neue provi- sorische Direktoren eingesetzt.— Uebergriffe der Betriebsräte feien in letzter Zeit nicht vorgekommen. In der weitschichtigen Diskussion, der das Referat und eine Menge Abänderungsanträge zugrunde liegen, plädiert Fabian (deutschn.) für den Uebergang zum gemischt-wirtschaftlichen System, das auch dem Privatkapitol die Beteiligung erlaube, während G r u u o w(U.S.) die Schuld für den heruntergewirtschafteten Zu- stand der Bahnanlagen dem alten Konzefsionsfystem zuschiebt: die alte Direktion habe alles verkommen laffen und Berlin babe schließ- iich einen Trümmerhaufen übernehmen müssen. Die Betriebsräte hätten in den Ausschußberatunaen gerade von den Vertretern des alten Systems ein glänzendes Zeugnis erhalten: nur der General- direktor Wuffow habe ein ganz überstiegencs Autoritätsprinzip propagiert. Die Fraktion will den Antrag Gäbel der amtlichen KriegsbeschSdigtenfüriorgeflelle als Material überweisen und nimmt den. Tarif mit einigen Modifikationen an: den Passus aus dem Ausschußantragc, der den Tarifvertrag, den Achtstundentag und die Betriebsräte betrifft, wollen sie streichen. Ostrowski(Kom.) lehnt die Tariferhöhung als unsozial ab und polemisiert gegen Fabian; das Zeitalter der Privat» und ge- mischten Betriebsweise sei vorbei. Die 4— 500 Millionen zur Erneuerung der Anlagen müßten, sofort beschafft werden. Schwarz(D.V.P.): Die Tariferhöhung ist durchaus mäßig. Mit dem Tarif allein kann der Straßenbahn nicht geholfen werden, helfen kann nur das Kapital. Schuld an der verzweifelten Lage ist die Kommunalisierung. Treff ert(Z.): Die Kommunalisierung kann doch nkcht an allem schuld sein: man muß in der Kritik Licht und Schatten gerecht verteilen. Immerhin ist in letzter Zeit der Betrieb etwas besser ge- worden. Die Uebergriffe von Betriebsräten müssen unbedingt un» möglich gemacht werden; eben erst haben sie Arbeiter der Straßen. rcinigung»ms Brot gebracht, nur well diese christlich organisiert wäre«! Kinder vom 6.— 10. Lebensjahr sollen nur die Hälfte der Fahrpreise zahlen; jedem Blinden muß Freifahrt gewährt. werden. Herrmann(Soz.): Wir stimmen für die Ausschußanträge. verwerfen aber denjenigen, der die Revision des Tarifvertrages ver- langt: diesen Antrag soll man an die Tarifkommission oerweisen. Wir sind mit dem verwahrlosten Zustand, in dem wir das Unternehmen übernehmen mußten, direkt irregeführt worden. Für die Verteilung einer guten Dividende hat die frühere Ver- waltung stets gewissenhast gesorgt, nicht so für die Erneuerung des Materials. Die erforderlichen 100— 500 Millionen wird Herr Väß schon zu beschaffen wissen, daß sie notwendig sind, dafür wird ihm ein Blick in die Hauptwerkstatt genügen. Der Kredit Berlins kann auch unter den heutigen trüben Verhältnissen nicht ernst- lich erschüttert werden: die falsche Vorstellung von den Krediwerhältnissen Berlins ist erst die Folge des Zetergeschreis der Gegner, die jede weitere Kommunalisierung um jeden Preis ver- hindern wollen. Dr. Michaelis(Dem.): Wir nehmen die Tariferhöhung nur an, wenn die Ausschußentschließungen einschließlich der Ziffer 1, die die Revision des Tarifvertrages in den Punkten der Bezahlung der Wochenfeiertage, des Krankenlohnes, des Urlaubes, ferner die volle Durchführung des Achtstundentages und die Beschränkung der Aus- gaben der Betriebsräte betrifft, angenommen werden. Heute fallen die Sozialdemokraten und die Unabhängigen um und verleugnen diese entscheidende Ziffer 4. Woher soll Berlin die halbe Milliarde für die Erneuerung der Anlagen nehmen? Kann uns das der Oberbürgermeister sagen? Der Magistrat muß, wenn er es nicht bekommt, eine» Weg suchen zu einer Neuorganisation des Unternehmens, die dem Privatkapital die Beteiligung ermöglicht. Das will unser Antrag. Hier aber sehen wir bei der Linken wieder das Streben nach einer Rätediktatur, nach einem System, welches die Betriebsräte zu Betriebsherren macht. Da tun. wir nicht mit. Hierauf wird um 9 Uhr ein Schlußantrag angenommen. In der Abstimmung gelangen die Ausschußanträge zur Frage der Wirtschaftlichkeit bis auf die Ziffer 4, die gegen die bürgerlichen Parteien abgelehnt wird, zur Annahme. Der Antrag Michaelis wird abgelehnt. Die Abstimmung über die Erhöhung des Fahrpreises von 80 Pf. auf 1 M. bleibt nach wiederholtem Handaufheben zweifelhaft: f ü r die Erhöhung stimmen Sozialdemokraten und Unabhängige. Die Auszählung ergibt die Ablehnung mil 81 gegen 74 Stimmen. (Große Bewegung.) Gegen die Fortsetzung der Abstimmung über Umsteigescheine, Freifahrtkarten usw. protestiert Dr. Steiniger (Dnat.): die Abstimmung darüber unterbleibt, die Vorlage gilt als gefallen. Ein Antrag des Ausschusses, daß der'Magistrat prüfen soll, ob die Einführung eines Staffeltarifs angezeigt erscheint, findet eine Mehrheit. Abgelehnt wird dagegen ein Antrag Koch(Dnat.), den Magistrat zur Prüfung darüber zu veranlassen, ob die Straßenbahnen und andere notleidende Betriebe in gemischt- wirtschaftliche umgewandelt werden können, und darüber Sachver- ständige zu hören. Kurz vor M10 Uhr wird noch die neue Luslbarkeitssteuerordnung in aller Elle ohne Erörterung nach den Ausschußvorfchlägen verabschiedet. Nach Erledigung, einer Reihe weiterer. Vorlagen schließt die Sitzung gegen?i10 Uhr.___ polizeiftunöe 11 Uhr ab Montag. Die schon oft angekündigte Kürzung der Verliner PoNzelstnnd« auf 11 Uhr abend s ist, wie die P. P. 71. von zuständiger Seite hören, nunmehr endgültig und unwiderrnfllch. Sie wird vom kommenden Montag au in Kraft treten. Neue Strom- und Gaspreiserhöhung. Eine neue Erhöhung der Preise für Gas und Elektrizität stebt Berlin in kurzem bevor. Die durch die Annahme des Schied?« ipruches für die städtischen Arbeiter sich ergebenden Mehrkosten belaufen sich auf ellva Q2ll2 Millionen Mark jährlich. Für die nicht dauernd Angestellten ergibt sich eine jährliche Mehrausgabe von 28'/» Millionen Mark, zusammen also etwa 121 Millionen. Mark jährlich. Die schwebende Schuld deZ laufenden Rechnung?■ jahres erhöht sich somit um weitere ungedeckt bleibende 60 Millionen. Zur Deckung der vom 1. April 1921 ab entstehenden Mehrlosten ist eine weilere Erhöhung der Werktarife in Aussicht genommen, imd l zwar wird vorgeschlagen, den Preis für 1 Kubikmeter Gas um 10 Pf. »,, 1 Kitowatl-Stunde Lichtstrom um 50 Pf. ,,, 1 Ktlowatt-Stunde Kranstrom für Kleinabnehmcr um 20 Pf. zu erhöhen. Der Magistrat hat nunmehr die Stadtverordneteu- Versammlung ersucht, sich mit dem Schiedsspruch des Schlichtung?» ausilbusieS vom 9. Februar 1921 einverstandeu zu erklären und der Erhöhung der Preise für Gas und» Elektrizität nach dem vom Magistrat gemachten Borschlage zuzustimmen. „ Sline Menschenkind. Bob Wartin Andersen NexL. 1. Morgen im Elsternnest. Der groß« Klaus schlang in seinem Stand fleißig und mit viel Lärm das Futter in sich hinein. Er hatte eine eigentüm» liche Art zu fressen; so gut auch Lars Peter die Körner mit dem Häcksel vermengte, der große Klaus brachte es immer fertig, sie Herauszuzupsen. Zuerst fraß er die Krippe halbleer— um in sich einen Grund zu legen. Dann war Platz zum Zu- packen: er schob das Ganze in der Mitte der Krippe zusammen, schnaubte stoßweise durch die Nüstern, daß der Häcksel nach den Seiten flog, und suchte mit seinem weichen Maul die Körner heraus. Hatte er alle Körner gefressen, so scharrte er wiehernd auf dem Steinpflaster. Stine lachte..Er bittet um mehr Zucker drauf," sagte sie. „Genau wie Paul, wenn er seinen Brei esien soll: der schrapt auch von oben weg." Aber Lars Peter brummte.„Friß du nur auf, du vier- eckiges Gespenst," sagte er.„Die Zeiten sind nicht danach, den Belag abzuessen und das Brot wegzuwerfen." Der große Klaus, antwortete mit einschmeichelndem Wiehern, das kein Ende nehmen wollte. Endlich erhob sich Lars Peter, ging hin und schob den Häcksel in der Mitte der Krippe zusammen.„Da friß, du Querkopf!" sagte er und versetzte dem Gaul einen Klaps übers Kreuz. Der große Klaus tauchte das Maul hinab, roch und wandte dann den Kopf Lars Peter zu; es sah genau so aus, als wollte er sagen: was ist denn heute mit dir los? Es blieb nichts anderes übrig. Lars Peter mußte eine Handvoll Hafer nehmen und unter den Häcksel mischen.„Aber jetzt keine Possen mehrt" sagte er und ließ seine große Hand auf den Rücken des Gauls fallen. Diesmal iroß das Pferd alles auf. Lars Peter setzte sich wieder unter die Laterne. „Der große Klaus ist so klug," sagte Stine.„er weiß genau, wie weit er's treiben darf. Aber wählerisch ist er nun mal." „Ich will dir etwas sagen: er weiß, daß wir eine weite Fahrt vorhaben: da hält er es für das richtigste, gut vorzu- sorgen," antwortete Lars Peter entschuldigend.„Er ist ein kluger Bursche!" „Aber so durchtrieben wie Kater Pirs ist er doch nicht." jagte Stine wichtig—„denn der macht selber die Tür zur Speisekammer auf. Ich konnte nicht verstehn, wie er hinein- gekommen war und von der Milch getrunken hatte; ich glaubte, der kleine Paul habe die Tür hinter sich offen gelassen— und wollte ihm schon deswegen eins auswischen. Aber gestern kam ich hinter die Schliche unseres Katers. Kannst du dir denken, wie er's anfing? Er sprang auf den Spültisch, und von da sauste er zur Speisekammertür hinüber und schlug die Klinke mit der Pfote nieder. Dann konnte er die Tür ganz leicht vom Fußboden aus aufkratzen." Sie saßen unter der Laterne, die von einem der Balken herabhing, und sortierten Lappen. Rings um sie herum lagen die Lumpen in großen Haufen, wollne für sich, leinene für sich und baumwollne für sich. Es war ndch-finstre, kalte Nacht, aber hier drinnen war es gemütlich. Der große Klaus ar- bettete wie eine Dreschmaschine, um satt zu werden, die Kuh lag und schnaubte beim Wiederkäuen vor Behagen weit vor sich hin, während die Hühner drüben in ihrem Verschlag im Schlafe leise vor sich hin gackerten. Das neue Ferkel träumte gewiß von der Muttermilch— von Zeit zu Zeit hörten sie einen Lutschlout. Es war der Mutter erst vor ein paar Tagen weggenommen worden. „Ist das Wolle?" fragte Stine und hielt Lars Peter einen großen Lappen hin. Lars Peter befühlte ihn lange prüfend, zog dann einen Faden heraus und hielt ihn in die Flamme der Laterne. „Wolle muß es sa fein." sagte er endlich,„denn es schmilzt und riecht nach Horn. Aber der Henker mag wissen."— nachdenklich befühlte er den Lappen nochmals.„Vielleicht ist das so ein moderner Schwindel: man sagt ja, daß die Leute jetzt bestimmte Pflanzen so verarbeiten können, daß sie nicht von Wolle zu unterscheiden sind. Und Seide wird aus Glas her- gestellt, so behauptet man." Stine sprang rasch auf und öffnete die Scheunentür. Sie lauschte hinaus; dann oerschwand sie über den Hof. Bald darauf war sie wieder zurück. „Stimmte was mit den Kindern nicht?" fragte Lars Peter. „Ach, der kleine Paul weinte bloß; er hat ein Bedürfnis gehabt. Jetzt, wo man ikrn mal an Reinlichkeit gewöbnt hat, muß man aufpassen. Läßt man das Uebel erst wieder ein- reißen, so wird's nie was mit ihm." Stine sah mit erfahrenem Ausdruck vor sich hin. Lars Peter nickte.„Das hast du wirklich gut gemacht, daß du ihm Ordnung beigebracht hast," sagte er mit rückhalt- loser Bewunderung in der Stimme—„ich begreife bloß nicht. wie du's angefangen hast! Demi Mutter hat nichts bei ihm erreicht." „D, wenn man nur will— und nicht locker läßt; so ein Kind muß sich darein finden. Am schlimmsten ist es in der Nacht, wenn's dunkel und eiskast ist. Dann denkt man: Ach, mm lieg' ich so schön und mag wirklich nicht ausstehen, er wird sich bis morgen früh schon helfen. Aber das darf man eben nicht, denn dann-- Wie kann man Seide aus Glas herstellen?" fragte sie plötzlich—„Glas ist doch so spröde!" „Ja, das ist die neumodische Seide auch, also deswegen könnte es schon passen. Man sieht es ja hier: wenn nur ein. Fetzen Seide dazwischen ist, ist er fast immer gebrochen." „Und was für wunderliches Zeug ist denn Glas?" „Ja, was ist das— wer das bloß sagen könnte! Mit Eis kann es ja nicht verwandt sein, weil es hart bleibt, auch wenn die Sonne darauf scheint. Vielleicht-- nein, ich wag' den Versuch nicht, es dir zu erklären. Es ist doch jämmerlich, daß man nichts Ordentliches gelernt hat: und sich die Dinge auf eigne Faust zurechtzulegen, dazu ist man nicht schlau genug." „Kann das denn jemand?" „Ja, das muß doch sein; wie sollte sonst der erste die Sache herausgefunden haben— wenn er nicht zuerst den Einfall gebäht hat. Früher Hab' ich auch immer gefragt und Hab' mir Gedanken über alles gemacht; aber ich hab's aufge- geben, denn man kriegt ja doch keinen Bescheid. Das mit Mutter kann emem wohl auch das Dasein verleiden." Lars Peter seufzte. Stine beugte sich über die Arbeit hinab. Run geriet die Unterhaltung auf Abwege, da war es ebensogut zu schweigen. Der große Klaus war gewiß endlich satt— er hatte sein« eigne luftige Art, es zu äußern. „Willst du wohl anständig sein, du Windschlucker!" rief Lars Peter.„Du vergißt ganz, daß du Gäste hast." Stine lachte. Kurz darauf sagte sie:„Ja, aber warum sollen die Tiere nicht ebensogut lernen, anständig und artig zu sein, wie wir?" „Gewiß, weil sie's nicht lernen können," erwiderte Lars Peter nachdenklich.„Es ist hier in der Welt wohl so, daß ein jeder Lehre annehmen und leisten soll— so gut er s vermag. Uebrigens sind die Tiere oft ordentlicher als wir Menschen. man sollt' sich häufig ein Beispiel an ihnen nehmen." (Forts, folgt.) ?fn Politiker Spktzelmorök Au» dem Gehelmleben eine» Agenten. Der Mord in der Petersburg« r Stroße, dem der .Schriftsteifer" Karl Körner zum Opfer gefallen ist, ist nach den wetteren Ermittlungen wahrscheinlich ein Racheakt au« poli- tischen Beweggründen. Es ist festgestellt, daß Körner, der sich nur deshalb.Schriftsteller" nannte, weil er für den Bühnen- oerlag als Uebersetzer und Faktor tätig war, in Wirklichkeit ein Agent war, der sich zunächst für Polen im Deutschen Reiche betätigte und auch mehrere Unteragenten beschäftigte. Das Material, das er zu bearbeiten hatte, und fein« Weisungen gingen ihm von Warschau und Lodz über Danzig zu. Auf dem. selben Wege erhielt er auch seine Geldbezüge, die zuerst reichlich flössen.(Wir geben diese Meldung der Berliner Polizeikorrespon» denz mit allem Borbehalt wieder. D Red.) Körner reiste auch selbst wiederholt nach Z o p p o t und Danzig. zuletzt noch kurz vor Weihnachten. Seitdem änderten sich seine Verhältnisse. Be- fonders seine Geldmittel wurden immer knapper, so daß er zuletzl tändig in Verlegenheit war. An ein flottes Leben gewöhnt, machte er jetzt in Lokalen, auch der Lebewelt, Schulden. Wiederbolt ging er hiesige Freunde um Darlehen an, die er zum Teil auch«rhieli. Körner selbst Halle aus bestimmten Gründen verbreitet, daß er ver- haftet sei, während er in Wirklichkeit aus freiem Fuße lebte. Er ließ diese falsche Ausstreuung verbreiten, um sich Verfolgungen zu entzieh»». Es ist bekannt, daß viele Agenten zu gleicher Zeit für beide Seiten arbeiten. Auch Körner geriet bei den Polen In Der- dacht, daß er sein Material auch der Gegenseite zur Ver- fügung stell«. Deshalb fühlte er sich, wie er wiederholt äußerte, verfolgt und auch in seiner Wohnung in der Petersburger Straße nicht mehr sicher. Er wie» sogar auf bestimmte Ausländer hin, die ihm nachstellten. Wenn man sich dort bei ihm erkundigte, so erhielt man auf Körners Veranlassung die Auskunft, daß er ver- haltet sei. In Wirklichkeit wohnte er zu dieser Zeit in einem Hotel im Zentrum Berlins. Als er glaubte, daß er durch die falsche Verbrellung seiner Ver- Haftung für seine Sicherheit genügend gesorgt habe, kehrte er nach seiner Wohnung zurück. Hier fand er nun gestern seinen gewalt- samen Tod. Schon die Art der Ausführung des Verbrechens, das blindwütige Zustechen, ließ eher auf einen Racheakt, als auf einen Mord aus anderen Beweggründen schließen. Dem gehört das Taschentuch? Der Raubmord an Frau Meinhardt aus der M a l p l a- q u e t st r a ß e hat llotz eifriger Nachforschungen noch nicht auf- geklärt werden können. Die O b d u k t i o n der Leiche hatte ein überraschendes Ergebnis, das zunächst im Interesse der weiteren Ermilllungen verschwiegen wurde. Außer der gehäkeven Decke wurde Uef in der Kehle der Ermordeten ein zweiter Knebel gefunden, ein Taschentuch, das, da es nicht zum Haushall des Meinhardtschen Ehepaares gehört hat, Eigentum des Täters gewesen sein muß. Dieses weiße, bereits abgenutzte Taschen- tuch trägt roteingestickt die Buchstabe» ft. 5. Um den Eigentümer festzustellen, wird das Taschentuch im Lichthof des Berliner Polizeipräsidiums zur Rekognoszierung durch das Publikum ausgestellt werden. Ehedrama aus Eifersucht. Ein Ebedrama spielt« sich gestern nachmittag in Potsdam, Kolonie Cecilienhöhe ab. Dort erschlug der 28jährige Glas- schneider Pohl nach einem streit feine kaum ÜOjährtge Frau MK einer Axt und durchschnitt sich dann selbst die Pul«» «der». In hoffnungslosem Zustande wurden beide in da« Städtische Krankenhaus in Potsdam eingeliefert. Wie es heißt. war Eifersucht das Motiv zur Tat. Pohl, der in Potsdam arbeitslo» war. hatte im Rheinland eine Stellung gefunden und traf beut« vormittag zum Besuch seiner Frau in Cecilienhöhe ein- In keiner Wohnung fand er zerrissene Liebesbriese vor. die er bald daraus zusammenstellte. Hierbei geriet er durch den Inhalt ver Briefe derart in Aufregung, daß er die furchtbare Tat volliührte. Segen polizeiliche Mißhandlungen. verschiedene Beschwerden über Polizeibeamte wegen Miß- Handlung festgenommener Personen— wir teilten einige dieser Fälle mit— haben den Berliner P olizeipräsidenten ver» anlaßt, in einem Erlasse Borkommnisse dieser Art auf daS ent» schieden st e zu rügen. Gegen Beamte, die sich solche Ber- geben zuschulden kommen lassen, soll mit aller Strenge vorgegangen werden. Im gleichen Stnne hat das Kommando der Schutzpolizei seine Beamten davor gewarnt, sich zu Tätlichleiten hinreißen zu lassen, wenn auch gewisse Elemente e« daraus an« legten, durch ihr Verhalten die Beamten zu reize». Das Schupo-Kasino. Aus Lichterfeld« schreibt man uns: In der Lichterfelder Hauptkadetteuanstalt wird von dem Offizierkorps der Schupo, die dort einquartiert ist, ein merkwürdiger Geist gepflegt. In letzter Zeit ist er so ungeniert hervorgetreten, daß die Umgebung der Kadettenanstalt sich darüber ebenso wundert, wie viele Mannschaften der Polizei. Die Offiziere richteten die altpreußifchen Kasino- fest« wieder ein. Die Einladungen erfvlgen unter der Firma Herrenabend. Bei unbeschränkter Polizeistund«, Musik der Schupotapelle und dem nötigen Alkohol werden in regelmäßiger Wie- derholung im vorrevolutionären Stil stramm militärische Offiziers- feste gefeiert. Die offizielle Rede hält gern der Major von Dieskau, der Kommandeur hier draußen. Inhalt seiner Rede ist immer die gut» alte Zeit, die böse Gegenwart und die herrliche Zu- tunft. Dabei wird der Schluß der Rede verschluckt und statt de» donnernden Hoches auf... fliegt das Weinglas andieWand. Dann fingen die Herren Offiziere stehend gemeinschaftlich und feierlich unter Musikbegleitung„i)«il dir im Siegerkran z'I Auch sonst geht es nach allen Regeln de» allpreußischen Koflnoregle- ments zu. Im besonderen wird als selbstverständlich erachtet, daß die nötige alkoholische Geistesumnachtung erreicht wird. Offiziere, die sich nicht aus den Beinen halten können, werden im Dienstauto der Echupo noch Hause geschafft. Als sich herausstellt«, daß die Chauffeure nicht dicht hielten, ist man dazu übergegangen, in solchen Fällen elnen der Offizier« an» Steuer zu setzen; er zieht dam, nur der Einfachheit halber— einen Mannschaft»rock an! Kalte» Wasser und ein«iferaer Besen scheine» un» hier nicht unwichtig. Die Kleiderfrage i» de« Lungenheilstätte«. Bereits zu An'ang Oktober v. I. wurde im.Vorwärts" gerüqr. daß man in der Lungenheil st ätte Grabow ie« den Paiienten das feit der KriegSzeit gezahlte Kleidergeid entzog. Jetzt erhalten wir aus Grabows«« »lnen vom Obmann de» PaiienienauSllbusse» unterie'ckmeien Be- riivt über ein« Abwehrattion, die von den Patten««» ge- plant ist. Lau« Berlügung der Land«»verNcherungSanstalt Brandenburg wird, io lckteibt un» der Obmann, jedem Patienten mitgeteilt, daß er bei der Aulnabme zwei ordentliche Anzüge, doppelte Fußbe- kleidung. doppelte Leibwäsche, doppelte Unterkleidung und anderes mit,»bringen bat. In den srüheren Jahren war es üblich, daß dte Patienten AnstaltSkleidung bekamen, infolge Stoffmangels aber wurde« Unzlig« nicht mehr angefertigt und auch nicht mehr ge» liefert. Die Patiemen dekamen daher Kleidergeld. aber seil 1. Ok- tover lv2v wird auch da« nicht mehr gewährt, io daß die Pa- tienlen in eigener Kleidung täglich iech» Stunden Lregetur machen müssen. Die Berhandlungen mit der LandesversicherungSanstali Brandenburg wegen Gewährung von Kleidergeld ichellerten. Die Paiienienvetsammlungen haben daher am 14. und am 82. d. M. folgende Resolutionen beschlossen: l. Die Patienten erheben schärfsten Prolest gegen die Betschlepptingstaklik der Landesverstcherungsanstalt betreffs des Kle»derge!des. Millionen wurden von ihr für da» Völler- morden zur Verfügung gestellt, während für uns. die wir die Oprer dieses wahnsinnigen Kriege» geworden sind, nicht paar Mark Kleidergeld übrig sind. Wir fordern daber die Kollegen der anderen Heilstätten aus. sich mir uns solidanich zu erklären, indem wir die Liegekuren in eigener Kleidung verweigern. 2 Die am 22. Februar tagende Patientenversainmlung ist fest ent- ichlassen, nachdem ibre berechtigten Forderungen von der Lande«- verficherungSanstolt abgelehnt wurden, die Liegekuren vom Freitag. den 2S. d. Mi»., ab zu verweigern.— Der Bericht ichließt: Wir verkennen nicht, daß die Liegekuren zur För'erung unserer Gelund- beit dienen, wir können aber unmöglich unlere Kleider, das Letzte, was wir noch besitzen. b>S zur gätulichen Entwerlung verbrauchen. D elen Klagen wird niemand die Berechtigung ab'precken können. Wir hoffen, daß ein Weg gefunden wird, den geplanten Patienienstretk abzuwenden. Schaden hätten von einem solchen Vorgehen nur die Patienten selber, ober gerade deshalb wird die Landesoersicherungsansialt dafür sorgen müssen, daß nicht zu diesem Verzweiflungsakt ge'chritren wird. Eine Ve-irksversammlung des 13. Bezirk»(Mariendorf) nahm die Reuwahl des Vorstandes oor. Es wurden gewähll: Vorsitzender Jung(bürgerl.), 1. Schriftführer M a n s k e(U.S.P.), als Stellvertreter des Vorsitzenden Genosse H e n f ch e l und Vertreter des Schriftführers Brandt(Ät m.). Ein Antrag Küter und Genossen zur Behebung der Wohnungsnot wurde mit folgendem Wortlaut einstimiq angenommen: Der Magistrat Berlin wolle durch den Aus- schuß für Siedlungs- und Wohnungswesen und sämtliche unter- stellten Wohnungsämter die Anzahl der Häuser und Wohnungen feststellen lassen, die von Reichs- und Staatsbehörden oder Ge- meinden zu Vureauzwecken benutzt werden und dann zweck» Be- Hebung der Wohnungsnot die erforderlichen Schritte einleiten, daß 1. keine weiteren Wohnungen zu DienftrSumen in Anspruch ge- nommen, S die Diensträume in Kasernen und öffentlich« Gebäude verlegt, die Wohnräume ihrer eigentlichen Bestimmung wieder zugeführt werden.— Hierauf erstattete Küter Bericht über die Siel- lungnahme zu dem Vorschlag der städtischen Markthallendeputation betreffend Erhöhung des Marktstandgeldes. Es wird beschlossen, diese Angelegenheit dem Bezirksamt zu überweisen. Das Verbot des Stratzenhandels. Gegen die demnäckit in Krall tretende Polizeiverordnung, wo- naib in Berlin hunderie von Straßen illr den Siraßenbandel ver- boten werden sollen, richtet sich eine von den vereinigten Händler- organisationen für Sonntag, den 27. Februar, gll, Ubr vorm.. nach dem großen Saal der Böyow-Brauerei, Prenzlauer Allee, ern- berufene Protestversammlung. Markenloser Flelschbezvg. Durch die Blätter geht im Zu- sammenhang mit den Vorgängen auf dem Berliner Schlachthof eine Notiz, wonach im Schlachthof eine Liste von Kunden bestanden habe, die ohne Fleischmarken versorgt worden seien; zu diesen Kunden habe auch der frühere Ministerpräsident Paul Hirsch gehört. Diese Behauptung ist, wir die P P.N. auf Erkundigung vom früheren Ministerpräsidenten Genossen Paul Hirsch erfahren, a b s o- lut unzutreffend; er ho! auch nicht ein Gramm Fleisch markeulo» bezogen. Milchbclieferung. Heute werden die tt�-viter-Krankenkarten voll de- liefert, die>/,-lltter-Kranteniaiten erholten nur Liter Frilchmilch. Am Sonnabend, den 26. Februar, erbalten die>f,.L'ter-Krankenkarten keine Milch, die'/,-Liior-Krankenkarien werden voll beliefert. Die übrige veliese- rung bleibt wie bisher. Zlrbeiterschachsvieler und solche, die eS gen» werden wollen und ge- wtllt sind, cvemuell einer neu zu gründenden Abteilung im Südweiien beizutrclen, können ihr« Adresse ichnillich b!» zum 3. März an den Unlcr- zeichneten einzusenden. Im Süden befindel sich der Hauptiotelabend jeden Donnerstag Waldemarstr. 32, zweier Svielabend jeden Dienstag Waffer- torstr. 1« bei Adrian Freier Schachvertehr sür Droz-Beil>n jeden Sonn- tag. norm. 9 bis 1 Uhr, im Vereinsbaus„Süd-Dit", Michaeitirchltr. 29a. In allen Abteilungen wird koßenloS llilterricht für Anfänger erteilt. Stich. Scholz, 8 42, Waffel torfir. IS. Freie Lebrergewerkschall. Sonnabend, de» S6., abend» 7 Ult, Gelchäftsützung Ralhau», Zimmer Ski. Tagesordnung: t. Lehrerlammer. 2.»orfchläge. Groß-Ssrliner parteinachrichtea. heute. Freitag, den 25. Februar: Ml.«TM.(Cuptaai). Achtuna, Nvnsmnmitalleder der SS. Bertaufsftell«! Tty Uhr Mitgtied-rveifammlung Im Zei<-niaal der Schul» VI, Sildeubruch- ftmhe.—»er Obmann de« Senoffenschastsrat«. Ritter. Zuaofoziallste». Srapp« Lichterfelde- TH Uhr im Jugendheim, Alb recht- strah« U», Vortrag übet„Materialistische Getchichlsaufsassuna". Referent Ge- noff« Luran.—»atme Ro-de»! 7U> Uhr in der SemsindeschtU«. Putbuser Straß, tü, Vortrag Uder„Seinalfcagtn*. Referent Lehrer Schiw«. Morgen, Sonnabend, den 26. Februar: SR. tat< Uhr im„Strtuehof�, Perleberger Str. 26, Heiterer Abend. Rar für Erwachsen«. Eintritt SM. »lbeitiaemclaschast so, ialdemotr»tische, Lehrer und Lchrrrinne«. Räch. mittags S Uhr Sitzung im Stadthau»,«wsterstrah»(Zimmer WS). Wichtige Tagesordnllirg._ ?ugenüveranstaltungen. Berti»«rveNer»Z»gead»rotz. Berlin. Selretnriat!«W. SS. Za he» gelte» ZA Zreilag, den 2b. Februar, abends Uhr: BerntM! Zuaendhetm, Schul«»ronprinzrnalle«, Vortrag!„Entwicklung des Bergbaues".— Britz: Zugendheim, Schul, Chausseestr. 132, Vortrag:„Geologie von Britz".—«ordopeu: Zugenobtim. Schal« Pasteurftrab«. Bortrag:.Peit und Raum".— Osten sPetersburge« Vle-tel): Jugendheim, Schule Strohmann- ftrahe t, Vortrag:„Die Französische Revolution und Ihr Einfluß ans die Rand» stallten.— Schlneberg: Jugendheim, Rubens-, Eck» Hauptstraz», Vortrag: „Sezuelle Hygiene". Treptow. Baumschutenweg: Jugendheim, Elsenstr. 3, Vortrag:„Detlev vvn Liliener»»".— Weitzeas«: Jugendheim, Svelckprome» «ad« 1. Dislusstdnsabend._ Sport. Arbeiter. Stadsahrer-Vnnh„Svlidnritht". Sonntag, den T. Febrnae, Berel nstour nach Ilaulsdorf'Siid.„Sanssouci", mit der Bahn dt» Sadowa»der KZpentck. Dortselbs: findet am Vi, Juni unser Woldfest statt. Start l Uhr. Sammelstart in Köpenick. Mahlsdorfer Str. 2. Restaurant Dreffel, am Bahn» Hof. Betreffs Informierung de, zum 12. Juni stattfindenden Prsislorso» in „Sanssouei"". Eintritt l R..»urzarbettsr öd Vf.. Erwerbslos« frei.— Achtung, 2. Abt.! Durch nochmalige. Verhandeln finden die Sigunge» un» Starts nach wie vvr Zontanepromenabe 18 statt.— Abt. Tegel. Am X. Februar uach Waidmannsluft<„Schw«Iz«rhau,">. Arbeiter.Radiehree. Verein„chrstz-Verlin". Sonntag, de» ZI., nachmittag, lZj Uhr, Tegel(Strandschloß). Start: M-riann-nplatz. Znaeadlich« Schachspieler! Am Sonnabend, den 23. Febrnae. abend« I Uhr, findet im Jugendheim. R« u k I l l n. Stvimnetzstr. 113, ein Vortrag über„Sa, Schach und feine Bedeutung fiir dit Jugend" statt. Eintritt frei. öriefkaften üer Reüaktion. Die juristische Sprechstunde fällt heute au». «christliche«nsknuft wird«ich« erteil». M. P. Zoh. Ein Buch, da, llber all« Filme Au«kunft gibt,»ristiett nicht. Nijheres lönnen Sie durch die Film-Courter»ersuch« rein wissenschaftlich« Art den Laboratorien der versuch». anstalten übertragen werden. Um unnötiges und kostspielige« i Parallelarbeiten zu vermeiden, sollen künftig Druckschriften über vi« Techniken der Lehmbauweise nicht mehr von den einzelnen Be» ratungsstellen herauegrgeben werden, dagegen ist eine«inheit» liche Bearbeitung durch das Preußische Wohlsohrtsministerium, das als oberste Laupolizeibehörde für die Prüfung de» Verfahren» zuständig ist, in Zusammenarbeit mit den Leitern der Leratung». stellen beabsichtigt. Auch wird durch da» Wohlfahrtsministerium voraussichtlich eine vorläufige amtliche Verichterftattung üb« die Be» Währung der Lehmbauweisen erfolgen. Prozeß Sonnenfelö unö Genossen (Schluß aus der Abendausgabe.) Nach köngerer Beratung verkündet d« Vorsitzende den ve- schluß, daß der Abiehnungsantrag Hermann Sonnenfelds gege« den Gerichtsarzt Dr. V L r g e r abgelehnt werde, da kem Anlaß vorliege, der Unparteilichkeit Dr. Bürgers zu mißtrauen. Die vorgebrachten Tatsachen seien nicht von solcher Erheblichkeit, daß man auf ein« Be- fangenheit des Dr. Bürger al» Sachverständigen schließen könne. _ Hierauf werden mehrere Zeugen über die von Ernst Sonnenfeid angeblich entwendeten Papiere vernommen. Zeuge Fritz Henk. Gchwieget'obn Scheidemann», bekundet u. a., daß«» richtig sei. daß häufig Schriftstücke in dem Bureau von Ekiarz in der Regenten- straße herumgelirgen hätten, aber immer nur die laufenden Sachen, wickstlger« Urkunden nicht. Lehnliches sagt der aus der Haft vorge- führt« Gastwirt Theodor Sommer, feinerzett i» der Marke- renderei Lüttwitz gewefen. Der frühere Intendanturfekretär Fritz M a ß w i g macht die gleichen Angaben. Der Vorsitzende richtet an ihn«in? Frage bezüglich der S09 Mark monallicher Bezahlung von Sk'arz. Der Staatsanwalt bittet, den Zeugen daraus i austnerkfam zu machen, daß er sein« Aussag« verweigern känn», da der Verdacht der Vestechlichkeit vorlieg«. Zeuge: Bei der«us-- stellung der Freiwilligentruppen war den Beamten freigestellt, dort gegen Bezah'ung tiäig zu sein. Ich hatte schon vor der Revoluiivn die Erlaubnis,«in« Nebenbefchäftigunp zu übernehmen, well Ich mit den 299 M. Gebälk mit meiner Familie nicht leben konnte. Vors.: Eigentümlich ,ft aber, daß die Bezahlung gerade von«in« mst der Rechnungsaut stellung, mit der Sie dienstlich zu tun hatten, in Beziehung stehenden Seite«folgt«. Zeug«: Ich hatte nur Herrn Sonnenfeld dabei zu helfen und ihn zu beraten. Mit der sachlichen Prüfung, ob die Forderungen berechtigt waren, hott« ich nichts zu tun. sondern nur festzustellen, ob richtig gerechnet wurde und d e Delege vorhanden sind.(Aus weiteres Befragen:) E» sind Herrn Sonnenseld einige Belege offiziell zurückgeschickt worden. Eines Tages kam er und verlangte die Herausgabe d« Delege von der Intendantur. Ich sagte aber, ich könnte da» nicht machen. Bors.: Wäre es doch möglich, daß Sie i!p privat eini( Beleg« herausgegeben haben? Zeug«(nach längerem Besinnen Ich kann es nicht sogen. Vors.: Ist«» möglich? Zeuge: Möglid fa.— Al» Sachverständiger erklärt Oberintendanturletretör Oll» mann vom Reichsministerium de» Innern, es sei auf Maßwig oll«- ding» ein schiefe» Licht gefallen. Daß er Nebenbeschäftigung hott«. war bekannt. Maßwig hätte nach der Anweisung de» Ministeriums, die ollerd nq» nicht sehr klar war. annehmen können, daß er nur rechnerisch die Belege zu prüfen hotte. E» wird dann die Anklage megen Belruae» gegenüb« der Ber- ficherungsgefewchaft„Nordstern" verhandelt. Angeklagter v. Fronten- berg war Gefchöslssühoer der Marketenderei Lüttwitz und H«r Sklarz ließ die Sendungen ausländischer Lebensmittel bei„Nord- stern" für den Transport versichern. Ernst Sonnenfeld. v. Franken- berg und Henk ließen sich von d« Defellf-haft Pro» fionen auszahlen. Es« rd nun den beiden zur Last aeleat. dn Geselffchast verschwiegen zu beben baß üe AnoesteNte leien. Die AnaeNagten bestreiten jede Schuld. Provision würde für jeden versicherungsabschluß gezahlt. und wenn nicht sie, so hätte eben jemand ander» die Provision«- hallen. Ernst Sonnenseld Ist übrigen» wegen dieser Sache wicht »usgellelert.— Freitag Fortsetzung._ Wirtschaft Bekämpfung der Rinderpest. Von Osten ist üb« Südrußland bereit» nach einigen Ländern Europos eine Tierseuche vorgedrungen, die R> n d e r p« st. Nur dank der ganz auß«ordent»ch getroffenen Maßnahmen gelang es bisher, die Verbreitung der Seudhe zu verhindern. Begünstigt wurde die» durch den Mint«, in welchem ja da» Vieh durch den Stall» ausenthalt stch nicht gegenseitig infizi«en kann. Die Gefahr wächst natürlich im Frühjahr mit dem Bezug d» gemeinsamen Weiden und Tränken. Die» ist sür die litauische Regierung B«onlossung gewesen, nach Kown« einen Kongreß von Fachleuten einzuberufen, damit die Ar- bellen zur Bekämpsung d« Seuche in Gang kommen. Es soll ein gemeinsamer Plan zur Bekämpfung d« Rinderpest ausgearbeUet werden, wobei die Mittel Berückstchtigunq finden müssen, die schon früher in Westeuropa zur Bekämpsung d« Rinderpest imgewandt wurden, wie Rottchlochtung und strenge Quarantäne, besonder» ob« auch dl» Antipest-Impfnngen. Der bekannt» Spezialist fiir die Anti- pests«a und Jmpfftrn'fe. Professor G v g e l i», der jahrelang in Sournabat in Transtaukasien auf ein« Antipeststation gearbeitet bat und noch zuletzt bei d« Bekämpfung der Rinderpest an der Wolga im Jahr« 1919/20 tätig mitwirkte. Ist nach Litauen zurück- aekehrt und bat dort die Leitung der Arbeiten und ihre vrgani- saston in die Hand genommen. � Förderung de» Realkredit» für den KlesatvoßnvngBbau. Auf Anregung de, Stootskommlssar» für da» Wohnungswesen waren im Jahr« 1919 durch ein« Reih« von Hypothekenbanken SO Millionen Mark für erst- und zweitstellig« Hypotheken zu de« sonder» günstigen Bedingungen bis t. Juli 1920 zur Verfügung ge- stellt. Auf erneute Anregung de» preußischen Minister» für Volk». wohksakrt werden die an diesem Abkommen beteiligten Hypotheken- danken dem Kleinwobnungsbau auch weiterhin ihr» besondere Unterstützung gewähren. Die Bonken hoben zugesagt, die vor- kommenden Beleihungsanträae mit dem größten Entgegenkommen zu bearbeiten und den Siedlungsgesellschaften usw. besvnd«» günstig« Bedingungen zu gewähren. E» wird jedoch nicht wie bis- her ein begrenzt« Betrag zu festgelegten Vorzugsbedingungen be- reitaestellt, sondern die einzelnen Beleihungssäll« bleiben besond«« Enffcheidung vorbehalten. Die Einhaltung der bisher gewährten Bedingungen Ist Im Hinblick aus die rückläufige Bewegung de» Pfandbrieskurse» und die erhebliche Steigerung d« Geschästskosten ollerNna» leid« nicht erreichbar gewesen. Dt» Banken wollen die MSalickkeit haben, die Bedingungen der jeweiligen Lag« de» Kapllalmortte» anzupassen. Berakvns»flellen für cehmbarnvelse. Zur Förderung der Lehmbauweije find auf Anregung de» Mi- nisters für Voikswohlfohrt in Preußen Beratungsstellen eingerichtet worden in Verlln, Köslin, CIsleben. Kici. Münster, Breslau. Sarau, Königsberg. Achim und Haan(Rhld.). Die Leit« dies« Beratung»- stellen üben Ihre Tötigkeit ehrenamtlich au», versuche mit besonderen Raturbauverfahren sollen nur auf besonderen Auftrag durchgeführt, Gerlchtszeitung. Ein Moröprozeß aus See Kappzeit. Freispruch gegen den Antrag de» Slaaksamvalt». Die vor dem Schwurgericht des Landgericht» II geführte Der- Handlung gegen den Regi«ung»baumeister Schütz wegen d« Er» schießung de» Heizer» Paul W« t g e l t in d« Kadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde tonnte gestern erst kurz vor 1 Uhr fortgesetzt werden. BI» dahin hatte sich der Lokaltermin in Lichter- seid« ausgedehnt. Geh. Medizinolrat Dr. Pfleger, d« die Obduktion des Ge- töteten vorgenommen hat, berichtete üb« die Lage der beiden Stirnv«letzungen. Wenn gestern ein Zeuge der Ueberzeugung Ausdruck gegeben habe, daß dem Weigelt mit Stuhlbeinen zunächst der Schädel eingeschlagen und er dann durch die Schüste vollends getötet sei, so müsse dies« Vermutung entschieden zurückgewiesen werden, von einem Schädelbruch sei keine Rede.— D« Schteßsochverständige B a r« l l a kam vom schießtechnischen Stand- punkt zu dem Schluß, daß d« objektive Befund in keinem Wide»» spruch stehe mit der Darstellung, die der Angeklagte von der Art gegeben, in der die Schüsse abgegeben worden seien.— Nach Schluß d« Beweisaufnahme plädierte Etaatsanwaltschaftsrat Dr. Ort- man« auf Schuldig im Sinne der Anklage. Der Angeklagte müsse wegen Tolschlag«, verurteilt werden unter Zubilligung mild«nder Umstände, weil seine Tat au» der Stimmung heraus erwachsen sei, seinen bedrängten Kameraden zu Hilfe zu eilen. Nebenbei müsse auch die Echuldfrage wegen Waffen» mißbrauch» bejaht werden.— Rechtsanwalt Dr. Iohanny er» klärte es demgegenüber für unbegreiflich, daß bei der vorliegenden Sachlage von der Militärbehörde überhaupt«ine Anklage erhoben werden konnte. Sein Klient bedaure von Herzen, daß ein Mensch von Ihm getötet worden, der an sich keine böse Absicht gehabt habe, ab« er habe in seinem bitt«»n Dienst lediglich seine Pflicht getan. Dies« Mann, der von allen Seiten ala ein außerordentlich ver- ständig«, ruhiger und besonnener Mann geschildert wird, habe stch freiwillig in den Dienst de» Vaterland«» gestellt, um die Angriff« gegen die Regierung abzuwehren und die Bürgerschaft zu schützen. Und dieser Mann habe sich nun schon zum zweitenmal« dagegen zu wehren, daß« al» gewöhnlicher Totschläger behandelt werden soll. Der Angeklagte gab nochmals seinem tiefsten Bedauern Aus» druck, daß« in Ausübung seiner militärischen Pflicht einen Menschen zum Tod» gebracht habe.— Die Geschworenen»er» n» i n t« n sämtliche Schuldfrogen, worauf die Freisprechung de» Angeklagte» erfolgt«. Da» Koallkionerecht der Beamten. Ein« Angelegenheit, die noch weitere Kreise ziehen tckrfl», hat kürzlich in einer L«hand!una vor dem Oberkirchenrat als Perufungs- inftanz ihren vorläufigen Abschluß gesunden.— Der expedierend« Sekretär der Stadtsynode Karl G e r t h war im Wege de» Disziplmar- verfahren» vor dem Konsistorium der Mark Brandenburg angeklagt, stch durch lein Verhalten außer dem Amte der Achtung, de, Anfehen» und de» vertrauen», welche» sein Berus«fordert, unwürdig gezeigt zu haben. Verth sollt« stch, wie dl« Anklage behauptet,.unbotmäßig" .gezeigt haben, indem« w Eingaben an den gefchästsführenden Aus»:, Ichuß der Berliner Stadtsynod«, die« in seiner Eigenschaft a l, Obmann be» Beamtenausschusse» unlerzeichnet hotte..Forderungen" gestellt hatte, die al»»respettwidrtg" anzusehen feien. Ferner fallt«»in« Unbotmäßigkelt darin bestehen, daß« dem wegen sittlicher Verfehlungen inzwischen entlassenen Bureaudirektor O e h m k e»selbstherrliche» Regiment und Autotralie" vorgewors«» hatte. Da» Konsistorium lehnte den Antrag de« Verteidiger,, dach zunächst über dt« Beschuldigungen gegen Oehmte, Zeuginnen zu ver- nehmen, ob.«kante gegen Gerth auf Amtsenthebung und sprach Ihm da» Ruhegehalt auch nur auf 3 Jahre zu. Hiergegen legte Rechtsanwalt Dr. I. Abraham Berufung»in und macht» vor dem Oberkirchenrat geltend, daß das Urteil«in« Vertetzvng d» Koalitionsfoeiheil bedeute, well d« Angeklagt« nur m seiner Eigen» Ichast al» Obmann de» Beamtenausschusse» und außerdem ou» rein ideellen Motiven gehandelt habe, vi« Anwendung de, veralteten Disziplinargesetze« sür Kirchenbeomte vom Jahre 18Lö gegen den AngeNogten. der stch 22 Jahr» dienstlich einwandfrei geführt Hab«. widerlprech« der Reichsversassung, weil nach Artikel 129 der Reich». Verfassung nur solche viszipiinorgesetz« gültig seien, welch« die Möglichkeit einer Wiederoufnohm« kennen. Die» sei bei dem Gesttz von 1886 nicht der Fall. Besonder» befremdend müsse auch die Feststellung de» Konsistorium» wirken, daß Gerth unbotmäßig gv- handelt habe,«eil« den Unterstaatssekretär Dr. Baege vom Kultus- Ministerium tu der Angelegenheit ausgesucht habe.— ver Ober» kirchenrot Hot die Berufung zurückgewiesen. Ob- wohl dt« langjährigen guten Dienst« und die nicht unehrenhaiten Motiv« anerkannt wurden, sei doch da» Verhalten de» G. geeignet. die Stellung d« Stadtsynode und de» Buremidi rettor, vehmk« zu erschüttern und.z«!«tzend" zu wirken, ver Artikel 129 der Reiche» verfostung bezieh« sich nicht auf Kirchenbeamte und stelle nur Grund» sätzc auf. nicht bereits sest« Rechtssätze, so daß da» Disziplinargesetz »an 1866 Anwendung finden müsse. Geschästllcbe Mitteilungen. Et»« t«»d»litl>S»ftlIch« Mischt»«»-»»» ch»rtt»mufl«I»»» flnW«»MNch t»« ,L»ndwirllch°sIUch»n Wsch« vom ZI. Februar bi» 0. Mär» d. Z Im Manu» mentalaedäud« FrUdrichgr. lla/IIIZ(»hrmnllar« Pasla,,kaufb»»»>, galt. Slam- hafte Firmen Hab»» mit»rftNasge»» Fabrttat«» dl» Ai,»st«llunq b»schUtt! M -mpfikhi« sich d,h«r ch» l»d«n Int«r«Il»n»«n, dt»«u«st»Iune«u»»suchen. 3» b» gl«Ib»»»»rk»n«»»»«,»». agilnie»«krtauf»ft»ri« In b»r ch-uss»»» grab» t»IM, sin» nunm»hr di« Schlpsunze» der n«u»s>rn Frlthiahramad» frrtig- 6»st»I» morden. W» tRolonfcrtlaung»»folgt in wnlilerlfch»» Vollendung! da« lertig« Meldiingesläck entsiiht i» d»n»lg»»»» fUtikttmatita»ach ntutft» M»- dellen. Preise steh« heutig«» Inserat. Die GewerksdutUen � ÄS i Von Adolf Braun und Hermann Müller/ Zwei starke vornehme Halbleinenbinde t c ein anentbehrllcho Werk tar jed»ii gewerktchatmeti Organletertm,(tefch ob Pr«» oder Min«, Inibciondcr«»bor«' v«f- �| trauensminner. Mit so einem Secb-, Boruli-, Otts- and Peraonenrejiuer, dto du Nechachlafo« ohne Zcitvcrliut«rmAgtlchon. 1 ß Band 1: JDic Ctcwcrkschaficn vor dem Kriege*' von A. Broun ist soeben zum Preise von M. 45.- erschienen. It Der 2. Band Mg« In KOria, worin Roiet»arbei««rselmUr Kartnann MBtlcr die Oewerksehafttbevegung nach dorn Krieg«, ihr» MWIl« j neuen Problem« und Präge» auatatirUch behandelt"* Bestellen Sie sofort mi! anhangendem Bestellschein i/ Die Auflage wird bald vergriffen sein. Budihandlung Vorwärts« Berlin SW.OS, lindemfr. 2 Bestellschein ich bcttcllc hiermit bei der Buchhandlung VorwSrti Ibartl» SW. 66, Lindem trotz« S Ruemplare Brann-MBIIon DI« eUwoi Prel» de» 1. Band« M. 4g.— Lieferung aolort die de» 2. Bande» scbclnea unter Nachnahm«. Vor-u Zuname: Ort n. Datum; StraBea.Nr.t. •.. �' s» ,• ,/'■: TheatertILier(AoB.A.) So 7: Florian öeyer(Au». Ab.) Theater I. KOnigpätzer Str. 1/28 Jekaterina Ukr; Iwanowna (Lucio Hflllieh. BiWt, Dcm- bure,Pr&ckl, RCmer.eehlofieO -Sonnabend: Salome Sonata»: Salome Komödienhaas S-B- Volksbühne Theater am BQiowptatr, 7 uhr: Vallensteins Tod Lessing-Theater tohr: Peer Gynt Sonnabend bis Montag 7>/,: Hin Idealer Gatte (Ourieux, 06:t, Loos) Dienstag 7>/.: Zum 71. Male: Ein idealer Gatte (Duricux, flötr, Loos) Beotselies Idostler-Theater Allabendlich 7>/j Uhr: DieScheidungsrelse mit Max Adalbert und Trade Hesterberg Casino-Theater ü.othrlnfer Ztr. 37. TSgL«/� Oer neue Schlager! Der Großfürst Zla lästiges Sttlck aus dem berliner Lehen in 3 Akten. Berilaer Hnnteri Beti. Typen( SotuiMg.C/d Eine tldsle Ehe. Inassase-j Theater I jBalrrhenSmbcttSS ? Vir. M. ZoIIman. '/j-s Uhr mit Paiienberg Berliner Theater Jfcs.Sfmfr >/A Fritsi M«*»ary WaSnann. Emmy Sturm, Boberis, Janknlio_ Cnnernl-Itinatev �DiePosirteitwin Oentsc.hnn Spvrmhnnn 7 uhr: Zkevserlirei r. W I rh el m Ht.T b. 7v.uhr. B6i»ü MMzor» Kl. Sehanaplelliann 7«/, uhr. Reigen Komlack« vv,ü.:lMei. Schnee IdUMttipieilaastb 7J/t Uhr: Arnold Biook iu Die»Ion.efall« 'i.-Boilandveibehei Neue» O�orotroieiisimi. Prltr: Werner uhn Deflr.ebenilaEhaiam; Neu«« Taikistkuatea- �u.- D«r Parasit MehUIcr-Vhaat. Ohart- 'V.u.- Mtor Klaus Tlialin-Thenter '■/s uhr: Mascottchen Th.ai»"(»nnadnrtplnt» 7 Uhr: Mü lMMkM Theater Wontnin 7leGa«r>ila« halt des Abb« Ohjsieaftneaf Rinrauf: Ahsatiiedssoaper von Sormitzler. Kka erflalmc, Uerm. TalJantln, A. I. Lisa«, Dago tlinlc ■t steter� Iii Eugen Burg, Msdy Christians. 8am Alber», Hsinr. Schmtl) Rose-Tiieatir »otm Dr. Klaus Königstadt-Theater Bahnhof Jannowltibrackc Täal.yJO Gala-Sänger nn Balleaal TANZ MbMh VarfitS-Cdlc JaoritzpUtz OraaleastraBe 33.84 Täglich 8 Uhr: Eltte-Pir »ro�ramni Schal! und Ranch im UroBen äcbauspielhaue Telephon: Norden%4A Konz. Tk Beginn MA U. Bas grofio Fekrnar- Progra«a fe Hose vi StatoM mit Mir*! Deform und Arnold Rieck lHOiifS (Variet 1 Rnacli Vkoaler" Reine« [Vartetö-Prapamm Rauche» gestattet: am KnVUtogcr Vor M Kedtbuser Str. 6 JL Tljl 7*/, und So« utax MH nachm. 3 Uhr i »* W nStrsud'Idyir1 n. dnrtsnrvorragende Soloteil Naohmlttaga halbe Preise! Vnrvnrkaui. n-l'/s o. 4� an der Theaterkante n Lsipaiger Zirntngl(Spltinlkolonnadnw) Elite- Sänger gZirm Schluß; Der Kriegsgevinoier. Vorher j Coseonüi-filist-neatar 84 tlnbtcüsltc. 84, Das«andsrnde Bild Bütztitmlchaut Vsrfi.... und zugsnäht l)»gtniit(S«fgn9 n. gatu 1 W. Potsdamer Str. 38 Turm str. II Hannerl und ihre Liebhaber mit trete Fmmd/ Felix Rasofi Prledeuau, Rhsinstr.14 BroiM Kästner Hl Alfred ▼. lagelfielms Lebensdrama AlexanderplnsPas«. !>«« vterrt« tiebot Apollo-Theater 7V, Direktion: James Klein. 7'/," | Das große Ansstattungsstfick iu 4 Bildern| Xadatne Suharrg's Meslehenj mit der weltberühmten Saharet! als Gräfin Dubarry. Geber ISO Mitwirkende!— Sonntag 3V« das 1 1 vollst. Stuck mit Saharet.— Jeder Ei wachsene 1 1 Kind freil— Vorvtrk. ab 10 Uhr ununterbröch. Admirals Palast "vDie roten Schuhe Morgen; Baby. Ball 1— HeueWit-n A. Scholz, Hasenheide 114 Täglich: Bayer. Bierfest Anfang 6 Uhr. S Kapellen. 30 bayer. Mad'I orrent Hocbbahnhot Schleoisches Tor [Im blauen liciit] Groß Verwandlunas-Sketsch aus 6. ruSs. Anarchlstenlebeo dazu:er große Variete-Spielplan Im ersten Stock; esiä Tanz-Diele �Residenz-Kasino� Bluturnflc. 10 M>$onnabcnb tagllck!: Ein Strand(est in Swine mUndo 9hre für dir älter« Jugend � iSommertotlctte erm. 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Diese find: vom Auswärtigen Amt die Ministerialdirektoren Dr. «Soeppert und v. Simson; vom Reichsstuanzministerium die Stwitsfekrctäre Dr Schröder und Dr. Bergmann: vom Reichsministerium de» Znnern Staatssekretär Dr. Lewald: vom Reichswehrministerium Generai v. Seeckt und vom Reichswirt- schaftmninisterium Ministerialdirektor moa le Suir«. Außerdem werden die Delegation etwa 2S höhere Beamte der beteiligten Reichsrestorts, sowie ein Sondervertreter Preußen« and Bayer«, begleiten. Das Bureau der Delegation besteht aus etwa 20 Personen. Das versteck öes Kappsstea. Der.Demokratische Zcituugsdieufi- teilt anläßlich der Ankündi- gung de» neuen Eniwassnungsgejehe». welches die Forderungen der Pariser veschlüste erfüllt, die solqeude lnterestaute Einzelheit mit: E« verlautet, daß KapitSaleutuant Ehrhardt, der am 9. Mär, 1920 als Slule tung de» Kapp-Putsche» feine Mariuebrigade gegen Berlin geführt hat. und gegen den setzt ein Haftbefehl ertasten ist, bei dem bayerischen Zusti, minister Roth, dem bekannten deustchnationaien Führer. Anterschlupf gefunden hat. Eine schlevniae Aufklärung diese» seltsamen Vorganges scheint uns dringend erwünscht. Denn«» erscheint kaum glaublich, daß ein Hochverräter, der von dem höchsten Gerichtshof de, Reiche, stetfbrieflich»erfolgt wird, bei dem höchsten Zusthbemnten e'nes Laude» Unle- kommen findet. Diese Vorgänge erscheinen besonder, auffällig im Zusammenhang mit der Warnung der.DeuNchen Allgemeinen Zeitung", die Minister Simon, im Reichswirtschaftsrat er- wähnt hat._ Diebe als Emhektsfroatler. Die.Kreuz-Zeitung", das Blatt de» meußtschen Adel«, wälzt stch in ihrer DonnerStag-Abendnummer einmal wieder mit ganzem Körper in jenem Element, da« den preußischen Juntern am shm- pathiichsten ist. Sie bringt zwei lange und charakteristische Dreck- Notizen: die eine ist der Verherrlichung und Verteidigung einer deutsch- nationalen Rednertn gewidmet, die den Reichspräsidenten Ebcrt als Landstreicher, Pferdedieb. Trunkenbold ulw. be- zeichnet hat. Die andere aber glorifiziert«ine Anzahl Königsberger Rüpel, die dem Minister Harnisch in einem Königsberger Lokal u. a. seine» Hut gestohlen und vor dem Lokal einen Radau inszeniert hoben. An anderer Stelle wirb bann in patriotischem Brustton die Einheitsfront für die Londoner Konferenz ge- predigt und die Deutschnationale Parter als diejenige bezeichnet. die unter Hintansetzung jeglichen Parte>egoi«mll» nur die voter» ländiick« Einheitsfront zu festigen trachre. Man sieht, wie dies« Festigung erreicht wird: durch unentwegte Handhabung der Dreckichlender gegen Andersdenkende. Die.Kreuz- zeitung" sollte schließlich ein Gefühl da'ür haben, daß es für an- ständige Menschen nicht ganz leicht ist. sich mit Gassen- jungen und deren Beschützern in eine Einheits- front zu stellen. Ob die« Gesindel nun Haenisch den Hut stiehlt oder Scheidemonn die Wohnung vernagelt ober in Theaterauf- sübrnnge» St ulbomben wirf«, es benimmt sich auf jeden Fall mit- samt seinen journalistischen Schützern derartig unanständig und unklug daß es ein« Beleidigung der deutschen Nation wäre, wollt« man dieses Gelichter in eine nationale Einheitsfront ein- reihen. Dort könnte es das deutsche Volt nur heillos lom- promtZirre«.'_ verschobene Gewehrschäste. Duisburg. 24. Februar.(HL) Zu den am Vnlsbnrger Hafen gelegenen Lagern der Allgemeinen Spedistoasflrma wurden 50 000 Gewehrschäfte aufgefunden. A» Freitag voriger Woche wurden tO 000 Schäfte in drei Waggon« nach vromberg verladen. Vor ungefähr 14 Togen ging eine Schiffsladung mit Gewehr- schäft'u nach Holland. Diese waren in der Oberschicht mit Eisenbahnschwelle» belegt. 3a Wesel wurde die Schiffsladung bei Revifion de» Schiffe» durch Belgier entdeckt, woraus die Ver- nichtuag der Gewehrschäste nugeordnet wurde. Ententerecht in VeutstblanÜ. Benthe«(O.-S.), 24. Februar.(WTB.) Morgen» �ünf Uhr Hollen ein französischer Ossizler und mehrer« Sol» daten den des Morde» an Iheophil Supka angeklagten Schloffer Myrezlk aus dem Gefängnis, hierdurch ist der Angeklagte der deutschen Gerichtsbarkeil entzogen worden: er soll angeblich vor da» luteralMerte Militärgericht kommen, vle Gerichtsbehörde protestiert energisch gegen diese» rechtlich unbegründete vorgehen und behäll fich vor. ihre Stellungnahme demnächst der Oessentlichkelt zu unter- breiten. Da» gegen da» geltend« Recht verstoßende Vorgehen der hnter- alliierten Kommission ähnelt in gewister Weise dem Verfahren im Mordprozeß I a u r e», wo die Verhandlung hinausgeschoben wurde, bi» die politische Wirkung verblaßt war und der Täter einer verhältnismäßig geringen Strafe zugeführt wurde.... Veulhen. 24. Februar.(TU.) Trotzdem weder der Angeklagte noch die Akten vorhanden waren, beschloß da» Schwur- g e r! ch t, in die Verhandlung einzutreten. Staatsanwaltsrat Lau gab eine Erklärung ob, die in einer Rechtsverwahrung gegenüber dem Vorgehen der Interalliierten Kommission gipfelte. Danach ver» teidigt« Rechtsanwalt Werner die Maßnahmen der Kam- misston. die unparteiische Rechtsprechung stcham wolle! Nach kurzer Berotimq beschloß das Gerichi, den Prozeß zu vertagen. Der Angeklagt« Schloffer Heinrich Myrczik aus Scharley war seit dem Sommer vorigen Jahres bis zu seiner am 24. November erfolgten Verhaftung im polnischen Pl-biszitkvmmiffariat im Hotel Lomnitz in Beuthen gegen Entgelt al» Mitarbeiter titig. Mainz. 24. Februar.(WTB.i Die Interalliierte Rheinland- kommistion hat der Ernennung de» Herrn T i l l e n s e n zum beut- schen Postkontrolleur die Bestätigung verweigert, weil er al» ehemaliger Offizier der Sicherheitspolizei angeblich keine genügenden Garantien für die Sicherung der Besatzungstruppen biete.— Die Interalliierte Kommission hat die Vorführung von Filmen in zwei Sprachen angeordnet, um den Besatzungs- truppen die Teilnahm« an den kinematographischen Veranstaltungen zu ermöglichen. Ein roter provknziallanötaa. Roch den vorliegenden Ergebniffen haben die Wahlen zum Provinziallandtag der Provinz Sachsen eine s o z i a- listisch« Mehrheit ergeben Es ist jedoch nicht ausgeschloflen, daß die endgültige Feststellung noch Verschiebungen in den Mandats- zahlen bringt. Es können als gewählt gelten: L Im Bezirk Magdeburg: S.P.D. 10. U.S.P. 3, Kommunisten 2, Demokraten 5, Zentrum 1, Deutsche Volkspartei 7, Deutschnationale Volkspartei 8. 2. Im Regierungsbezirk Merseburg: S.P.D. S, U.S.P. 5. Kommunisten 15, Demokraten 5, Deutsche Volkspartei S, Deutschnational« Volks- partes 11. 3. Im Regierungsbezirk Erfurt: S.P.D. 2, U.S.P. 4. Kommunisten 2, Demokraten 1. Zentrum 3, Deutsche Volkspartei 3. Deutschnatiouale Volkspartei 2. Landbund 2. Das vorläufige amtliche Wahlergebnis zum Rheinischen Provinziallandtag zeigt folgendes Bild. Regierunqsbezirk Düsseldorf: Deutschnationale 10, Deutsche Volkspartei 12, Jen- trum 30, Demokraten 3, Sozialdemokralen 12. Unabhängige 6, Kom- munisten 11. Regierungsbezirk Köln: Deutschnationale 2, Deutsche Volkspartei 3, Zentrum 15. Demokraten 1, Sozialdemokraten S, Un- abhängige 0, Kommunisten 2. Regierungsbezirk C o b l e n z: Deutsch- nationale 2, Deutsche Volkspartei 3. Zentrum g. Demokraten 1. Sozialdemokraten 3, Unabhängige 0, Kommunisten 0. Regierungs- bezirk Aachen: Deutschnationale 0, Deutsche Volkspartei 1. Zen- trum 11, Demokraten 0, Sozialdemokraten 2, Unabhängige 0, Kommunisten L Regierungsbezirk Trier: Arbeitsgemeinschaft(Demo- traten, Deutsche Dolk-por�i und Deutschnat'onal«) 1, Zentrum 8, Sozialdemokraten 1, Christliche Volkspartei 1, Unabhängig« 0, Kam- munisten 0, zusammen 159 Sitze. Ein politischer Prozeß. Branuschweig. 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des.Vor- wärt»".) In Braunschweig wurde heute das Urteil gegen den sozial- demokratischen Landesschulrat Stoelzel gefällt. Seit Mitte voriger Woche dauert dieser politische Prozeß, der zur Sprengung de» sozialdemokratischen Landesschulomte» führen sollte. Auf Antrag des Philolagen-Bere'.ns hatte die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Aussagen- Erpressung in 2 Fällen und Amtsmißbrauch«, erhoben. Der Antrag des Staats- anwolte» ging auf 1U Jahr« Zuchthaus. Das Urteil ließ die An- llage wegen Aussagen-Erpreffung fallen und verurteilte Stoelzel nur wegen Amtsmißbrauches zu zwei Monaten Gefängnis. Im verlause de» Prozesses offenbart« sich die ganze systematische Art und Weise, wie vom reaktionären Philologen-Verein, nachdem sein« politisch« Hetze gegen den sozialdemokratischen Landesschulrat nicht zum Ziele geführt hatte, versucht wurde, durch da» Mittel der Justiz zum Ziel« zu kommen. All« Entlastungsmomente wurden möglichst nebensächlich beurteilt. Al» Einzelheit für die bei- spiellose Hetze sei erwähnt, daß ein Profeffor und Oberlehrer, der sich zur Mitarbeit mit unserem Genoffen Stoelzel bereit erklärt hatte. sofort aus dem Philologen-Verein und aus der Deutschen Volkspartei ausgeschlossen wurde. Einer der Hauptbelastungszeugen, der Schuldioektor Müller aus Wilmersdorf ist ein bekannter fanatischer Alldeutscher, der wegen monarchistischer Schulfeiern und hetzerischer Reden in der Schule von unserem Genoffen haenisch sthon in Ordnungsstrafe genommen war. Es zeigt sich, daß zum Zwecke des Sturze» unseres Genoffen Stoelzel alle Philologen, mit denen«r zu tun gehabt hat«, ihr« Amtsverschwiegen- heit gebrochen hatte». Die schmierigste Roll« spielt««in Sekretär im Ministerium, der dem Genoffen Stoelzel zur Hilfeleistung zugegeben war irnd da» dazu benutzte, um dem Philologen-Verein Material gegen de» Genossen Stoelzel zo liefern. Bezeichnend für die ganz« Art, wie gegen den Genoffen Stoelzel gearbeitet wurde, sind die Schlußsätze des Berteidtgers Dr. Robert, Er sagte:.Ich habe einen Ekel, wie hier von einer Partei gegen einen Mann gearbeitet wurde, nur um einen Sozialisten und die sozialistische Regierung zu treffen. Der Landesschulrat Stoelzel mußte gestürzt werden, um dem parteipolitischen Plan des Philalogen-veriins zum Siege zu verhelfen. Es war scheußlich zu beobachten, wie hier auf den Zeugen- und Zuschouerbänken die Treiber hämisch geseffen haben, um zu sehen, wie hier ihr Opfer abgeschlachtet wird." In Draunschweiger sozialistischen Kreisen herrscht größte Cm- p ö r u n g über das Urteil. Man erwartet von der sozialistischen Re- gierung, daß sie dem reaktionären Philologen-Berein und der gesamten Meute, die den Genossen Stoelzel gestürzt hat, nicht den Gefallen tun wird, den Genossen Stoelzel auf Grund dieses Urteils der bürgerlichen Klassenjustiz von seinem Amt zu entfernen. Du sollst betrogen werüen! .Preußisches Volk, du sollst betrogen werden!", so ist«in Epitzenartitel der �Deutschen Tageszeitung" überschrieben, als dessen Verfasser Freiherr v. Wangenheim zeichnet. Es ist nicht alltäglich, daß«in Artikelschreiber durch die Ueberschrist den Zweck seiner Schreiberei so deutlich kennzeichnet» wie das Freiherr v. Wangenheim hier WL Auf welch« Weif« soll das deutsche Volt betrogen werden? Herr v. Wangenheim sagt es sehr deutlich. Weil bei den Wahlen von mehr als 18 Millionen Wählern 2,8 Millionen deutschnationol gewählt haben, darum muß nach Freiherrn v. Wangenheim künsl'g in Preußen deutschnational regiert werden. Die 4.2 Millionen sozial- demokratische Stimmen zählen nicht, denn 2 ist doch mehr als 41 Dies drückt Freiherr v. Wangenheim in dem Satz aus: Niemand kann und wird heute daran denken, dem A r- belter fein oollgerüttelt Maß von Rechten zu vertagen. Er denkt nicht daran? Wie sollt« er auch daran denken? Er ist doch derselbe Freiherr v. Wangenheim, der al» Führer des Bundes der Landwirte jahrelang dafür gekämpft hat, die Recht- lofigkeit der Landarbeiter zu verewigen, die Aufhebung der infamen hundertjährigen Gesindeordnung zu verhin- dern. Folglich denkt er jetzt nicht daran, dem Arbeiter sein»voll gerütteltes Maß von Rechten" zu versagen. Deutsches Volk, du sollst betrogen werden! Herr v. Wangenhelm verffchert es dir, du darfst ihm in diesem Falle ruhig glauben. Du sollst betrogen werden— von den Gesinnungsgenosse» des Frei- Herrn v. WangenheimI postlerstbeine für GberftMesteti. Die Dereinigten Verbände heimattreuer Oberfchlesier teilen mit: Di« Interalliierte Kommission erteilt aus Antrag Passier- schein« an gewisse Stimmberechtigt« der Kategorie A und C von den paritätischen Ausschüfien. Die Passierscheine haben den Zweck, die wegen Abwesenheit von Oberschlesien nicht e m p- fangenen Legitrmativnskarten(das schsint verflucht häufig der Fall zu sein. Red.) zu ersetzen und dienen zur Einreise yoch Oberfchlesien und auch als W a h l t a r» e. Solche Passier- Icheine müssen beantragt werden: 1. von Stimmberechtigten der Kategorie A und C, die nach dem 1. Oktober 1920 aus dem Ab- stimmungsgebiet verzooen sird, 2. von Stimmberechtigten der Kate- gorie A, die ihrer Wohnsitz im Abstimmungsgebiet haben, sich aber vorübergehend außerhalb de, Abstnnmungsgediets auf- halten. Für diese lekteren ist es ohne Belang, seit welchem Zeit- Punkt sie sich außerhalb de» Abstimmungsgebiets aushalten. E» ge- hören hierzu z. B. Studierend«, die zur Vniversttät gezogen. Ge- schästsreisende, junge Kauft- ute, vre eine Handelsschule besuchen, junge Mädchen, die in ein Pensionat oder in einer Familie an einem fremden Ort eingetreten sind, Saisonarbeiter u. a. m. Der Antrag aus Uebersenkung diese» Passierscheins muß so- fort auf vorgeschriebenem Formular erfolgen, wie sie bei allen Ortsgruppen der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberfchlesier k o st e n l o s zur Verfügung gestellt werden. Die Grientkonferenz. t o« d o«. 24. Februar.(EE.) Die heutige Sitzung begann, da Tewflk Pascha bettlägerig ist, mit einer Red« Osmaa JlLami Paschas. Er sprach über Smyrna und Thrazien. Die Dardanellen-Frage kam nicht zur Sprache. Um 11 Uhr 50 Minuten verließ die türkische Abordnung den SitzunqssaoL Um 1 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen, nachdem S a l a g e r o p u l o s die von der türkischen Abordnung vorgelegten Bevölkerungsslaliskiken zur Kenntnis genommen hakte. Salageropulos wurde eingeladen, am Rachmistog jene Ziffern bekannt- vaeben. die er für richtig bälL vse von der Türkei vorgelegten Statistiken über Thrazien, die Europäische und Astastsche Türkei haben vollkommen französischen Ursprung(?). Die Wiener Konferenz. Men. 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des.vorwärts".) heute sprach zunächst(Bannerträger) C r i s p i e n. Er führte aus, die Spaltung der alten deutschen Sozialdemokratie sei die Schuld der Re-formsoziolisten. Während des Krieges seien von den führenden Instanzen- Genossen, die gegen die Kriegspolitik auf- traten, ausgeschlossen worden. In Moskau hätte die U.S.P. nicht gebettelt, sondern man habe als aufrechte Klassenkämpfe« mit Moskau verbandest Der Zustand der Diktatur könne dem Pro- tariat nicht erspart werden, er sei in der Zeit de» Ueberganges eine hi"orisch« Notwendigkeit und der Ausdruck dessen, daß die Arbeiter- klaffe die Macht übernommen habe. Wir verstehen unter der Diktatur eine Regierung au» bewußten Sozialisten, die die Gewalt ausübt im Auftrag« des Proletariats, wenn auch unter Umständen nur im Auftrage der entscheidenden Schichten des Proletariats. Diktatur bedeutet keine Schreckensherrlchaft, keine terrorkstische Regierung, sondern eine planmäßige Betätigung, um die klastenfoeie Gesellschaft zu erreichen. Deshalb sind wir keine Gegner der Demo- kratie: Demokratie kann im Klassenstaat immer nur eine Ver- schleierung des Kapitostsmus sein, und sie kann erst verwirklicht. werden, wenn die klassenbewußte Gesellschaft einaekührt ist. Des- balb wird die Diktat"? des Proletariats mit dem Fortschreiten der Derwirklichuna des Sozialismus sich allwäblich in eine Demokratie umwandeln.(Einerseits— andererseits' Red) Shinwell(Independent Labour Party): Die Sapitallsten haben nicht metzr notwendig, die Arbeiterklaffe zu spalten. die Arbeiterklasse besorgt da» schon selbst. Gewiß ist die Zweite Internationale daran zugrunde gegangen, daß ihr« Begründer nicht vorauszusehen vermochten, wohin der Kapitostsmus die M->nlch> heit führen werde. Unsere Parte! wünscht kein Urteil über R"�land zu fällen Sie hat ihre eigenen Anstchten über die russischen Oraanisationsmethoden und Theorien. Aber solange die kapitalllti- schen Reaierunaen da» russische Volk nicht zu ssch selbst kommen lassen, haben wir über Rußland nichts zu sagen, als daß die Russen selbst entscheiden müssen, wie ste es machen wollen. Hände weg von Rußlanb! Wenn wir, ae'palken find, so müssen wir bekennen, daß wir selbst daran schuld sind; wir selbst haben, allen Theorie» von woskan ein Ohr qestehen und die Genossen ermutigt, einen K-im von Wahrheit darin zu setzen. Wir sind bereit, un» den Prinzivien zu unterwerlen, die.' tziese Konferenz ausstellen wird, aber unsere Kampfmethoden und, Organisationen müssen wir den konkreten Bedingungen unseres Landes anpassen.*. K u n s l(Ungarische Flüchtlinge): Die»naarische Sozialdemo- kratie stand vor der Wohl, entweder mit der Waffe gegen einen Teil des Proletariats zu kämpfen oder mit ibm zusammenzugehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, datz der Wille zur Revalutirni und zu einer be'stmmten Oraonisationsform an sich nicht genügt, wenn die otziektwen Vorbedingungen zur Revolution fehlen. Die Marxisten müssen den pollkischen Fetischismus ablehnen, der darin steqt, zu glauben, daß gewiss« politische Formeln die soziale Revolution an sich bewirken können! Die Uebertraaung der bolschewistischen Methoden auf Westeuropa ist nach unseren Er- fahrungen unmöglich. Die Industriearbeiter haben sich schon nach wenigen Woche» gegen die DlNaknr aufgelehnt— und do» in U n g o r n, wo man an die Diktatur schon seit jeher gewöhnt ist: wie erst in einem demokratischen europäischen Staat! Sozialöebatte im Reichstag. In der gestrigen Retchstagssitzung wird die Genehmigung zur Strafversolgung des Abg. h ö r si n g lSoz.) in einer Privatklagesache des Obersten der Schutzpolizei Weber in Eisenoch weoen Beleidigung nach dem Antrag« de» Geschäftsordnungsousschusses versagt. Es erfolgt dann die Wahl von 4 Schriftführern durch Stimmzettel. Es folgt der Haushalt des Reichsorbeitsministeriums. Präsident Löbe bittet die Redner, sich kurz zu fassen. Abg. Leopold(Dnat.) wendet ssch gegen den Achtstundentag und bezeichnet die Crwerbslosenunterstützunq als �teilweise viel zu hoch"! Abg. Andre(Z.) erklärt, die Arbeiterschaft sei bereit, an der Er- füllung der Lerlailler Bedingungen zu arbeiten, doch st« wolle frei bleiben und nicht zum Sklaven der Entente werden. Die Arbeiten der freien Gewerkschaften seien durch den politischen Streit gelähmt, der in sie hineingetrooen wurde. Die Arbeitsvermittlungen müssen von der bureaukratischen Schablone möglichst sreibleiben. Vizeuräsident Bell gibt da» Eraebnie der Schriftführerwahl bekannt. Gewählt sind- Schmidt- Sachsen(Soz.), Nacken(Z.). Graf- Thüringen(Dnat), Dierenreiter(Bayer. 33p.). Abg. Simon(11. Soz.) verlangt ein einbeitliche» Arbeitsrecht. Die Arbeiter aller Richtungen bis zu den Christlichen ssnd sich darin einig, daß ste am Achtstundentag nicht rütteln lassen. Schleu» niqss auszuheben ist die Bestimmung, daß nach haltzjähriger Arbeitslosigkeit keine Unterstützung mehr gewährt wird. Dann bleibt dem Arbeitslosen ja nur übrig, zu verhungern oder Verbrecher zu werden. Der Redner wendet sich sehr energisch gegen die Heimarbeit. Wenn von der rechten Seite so viel vom Terror der Gewerk- schalten gesprochen wird, so sollte man den Terror der gelbe« Gewerkschasten und der Unternehmer nicht vergessen. Im ganzen muß man sagen, daß die Klassengegensätze sich seit dem Kriege nicht gemildert, sondern verschärft haben. Darauf wird die Derahrng abgebrochen. Nach einigen persön- Nchen Bemerkungen vertagt sich das hau» aus Freitag 1 Uhr: An- fragen. Weiterberatung, verkehrsministerium. Die Enkwaffnungxftage im Reichsrat. In der gestrigen Reich». ratssitzung wurde die Ausdehnung der Geltungsdauer des Gesetzes über die Entwaffnung der Bevölkerung bis zum 1. Juli d. I. on« genommen. Der bayerische Gesandte v. P reger erklärte, daß Boyern unbeschadet feiner Stellunanahme zu dem Entwaffnung»- gefetz und dem Problem der Entwaffnung selbst gegen die Verlange- rung de» Termin» keinen Einspruch erheb«. GswerGhaftsbewegung Gewerkschaftsarbeit oüer Parteipolitik! In der Abendausgabe der„Roten Fahne" vom 23. Fe- bruar 1S21 finden wir unt�r der lleberschrift:„Die Front gegen die D.E.V.-B u r e o u k r a t i e", zu der wir folgendes mitteilen: Die Zahlstelle Spandau- Wust ermark des D.E.V. zählt zirka 650 Mitglieder. Von diesen waren in der genannten General- oersommlung 6 9 anwesend. Der Zahlstellenobmann Kollege Klein gab seinen Tätigkeitsbericht. Die Diskussion ergab, daß die gewerkschaftliche Arbeit des Kollegen Klein äußerst groß und fruchtbringend gewesen ist und daß derselbe seine Pflicht voll und ganz im Interesse seiner Kollegen getan hat. Das haben auch die auf dem Boden der V.K.P.D. stehenden Kollegen ein- miitig anerkännt. Bei der Wahl aber ist deutlich zum Aus- druck gebracht worden, Klein kann nicht mehr als Zahlstellenob- mann gewählt werden, weil er nicht auf Moskau schwört. Ist das nicht Partei Politik, die immer von selten der Anhänger der V.K.P.D. bestritten wird, ist das nicht Sabotage gewerkschaftlicher Arbeit, wenn man befähigt« Kollege� mit solchen Argumenten abtut? Es ist einfach die krasse Auswir- kimg des bekannten Spruches:„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein." Run jubelt die„Rote Fahne" übe? die Niederlage der Bureau- tratie des D.E.D. Was ihre Genossen aber tun. ist alles andere als vernünftige und praktische Gewerkschaftsarbeit. Auf der einen Seite verlangt man aus rein agitatorischen Gründen die Einheitsfront aller Arbeiter und auf der anderen sucht man wirklich zielbewußte Arbeiter und Funktionäre unmöglich zu machen. Das iü aber beileibe keine Hemmung und Zersplitterung gewerkschaft- licher Arbeit. Daß durch diese Art ihres Vorgehens die R e a k- t i o n den Dorteil hat, werden jedenfalls unsere Eisenbahner in nächster Zeit oerspüren und die, welche noch Moskau nachlaufen, werden eines Tages aus ihrem Rausch erwachen. Nicht um das Wohl und Wehe d�r Eisenbahner, sondern um ihre Partei« s u p p e gut auf den Tisch zu bringen, wendet die VL.P.D. ihre Mrtdoden an. Richtig ist, daß eine eingebrachte Resolution über den„Offenen Brief" gegen 4 Stimmen ongenoinmen wurde. Man verschweigt aber wohlweislich, daß nur 13 dafür ge stimmt haben, wäh- rend der übrige Teil schon den Saal oerlassen hatte und etliche sich nicht an der Abstimmung beteiligt haben. Wie solche Siege zustande komme» und in die Welt hinausposaunt werden, ist ja hinlänglich bekannt. Wenn Zusammenkünfte von 10 bis 20 Personen eine Resolution gefaßt haben im Sinne Moskaus, dann werden diese Zirkeichen als große Versammlungen hingestellt und so der Allge- meinheit Sand in die Augen gestreut. Nur weiter so und der Erfolg der Politik eines Ludendorft und Hindenburg wird auch einst der Zl.K.P.D. beschieden sein. Im übrigen ist bei der Berliner Ortsverwaltuug des Deutschen Eisenbahnerverbaudes ein Vertreter Glaser vom Hauptvorstand nicht bekannt. Gegen das Sperrgeseft. Die Angestellten der Krankenkassen Groß-Verlins hatten sich cm Donnerstag zu Tausenden in der Bockbrauerei versammelt, um noch einmal Sturm zu laufen gegen die töerfügung des Mi- nisters für Vvlkswohlfahrt vom 23. Januar 1921, die auf die Krankenkastenangestellten das Sperrgeseft für Reichs- und Staatsbeamte vom 24. Dezember 1920 anwenden will. M a v n z berichtete eingehend über die Verhandlungen mit den Ministerien, die im Verfolg früher gefaßter Beschlüsse statt- gefunden haben. Vorweg stellte er fest, daß die seit der letzten Ver sammlung vorgenommene Abstimmung glänzend ausgefallen sei und daß mit dem Krankenkassenverband in Groß-Berlin ein gmminsames Vorgehen in der Angelegenheit gesichert sei. Steger- mald. mit dem zuerst verhandelt wurde, lehnte es ab, die Verfügung zurückzunehmen oder im Instanzenwege ihre Anwendung zu ver- bindern. Immerhin habe er zugegeben, daß man über Tenor und Tert des Sperrgesetzes verschiedener Meinung sein könne. Schließ- lich verwies er auf das Reichsarbeitsministerinm als eigentlichen Veranlasser. Wenn dieses leine Auffassung als falsch bezeichnen würde, würde er seine Verfügung zurückziehen. Man habe sich nun an das Reichsorbeitsministerium gewandt, wo nach Besprechungen vom MiniOerioldirektor S i e f e r t erklärt worden sei, man sei im ReichsarMtsministerium, gestützt a»f den Finanzminister W i r t h, zu der Meinung gekommen, das Sperraesetz müßte auch auf die Angestellten in den öffentlicki-rechtlichen Versicherungen angewendet werden, um dem ewigen Wettlauf beim Aufstellen von Forderungen ein für ollemal vorzubeugen. Im übrigen wäre aber, sagte der Ministerialdirektor noch, von Reichs weaen noch keine endgültige Regelung getroffen: auslchlaaqebend wäre überhaupt das Finanzministerium. Durch den Genossen Stein- köpf sei nun ausdrücklich erklärt worden, daß die Krankenkasten- angestellten vom Sperrgesetz nicht erfaßt werden können. Und heute werde gemeldet, daß dem Kollegen Giebel bei einer Rück- spräche im Finanzministerium gesagt worden sei, man sei dort der- selben Meinung und nähme an, daß vom Knsienperlonal höchstens diejenioen als Beamte gelten könnten, die lebenslänglich an- g e ss e l l t seien und denen auch sonst die Merkmale eines Be- amten ausdrücklich beigelegt worden wären., ■i»»»»»»»im»»......................................................... Um wetteren Verhandlungen einen geeigneten Boden zu geben, MU en, einer Anhat die Vertreterkörperschaft der Angestellten b regung des Ministerialdirektors Siefert gemäß, die Auffassung der Angestellten eingehend s ch r i f t l i ch zu fixieren und den verschiedenen beteiligten Ministerien zugehen zu lasten. So stehe die Sache jetzt. Es wäre mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß die Verfügung des Wohlfahrtsminifters fallen wird. Dafür bürgten ja die Ver- treter, die in der Kommission fitzen. Die Bewegung werde gestützt durch die Afa, den Gewerkschaftsbund, de» Hauptvorstand, und auch der Haupwerband deutscher Ortskrankenkasten(Dresden) habe sich angeschlossen. Ohne Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: „Die Seklionsleitung hat die Verhandlungen zwecks Rücknahme der Anwendung des Sperrgesetzes auf die Krankenkassenangestellten Oberschlesier, die nach dem 1. Oktober 1920 ins Reich verzogen, die mir vorübergehend sich außerhalb Oberschlesiens aufhalten, Ihr braiieht Passierscheine! 1. In Oberscblesien geborene und dort bis I. Oktober 1 920 wobnliaft gewesene Stimmberechtigte(Kategorie A) und außerhalb Oberschlesiens geborene Abstimmungsberechtigte, die seit 1. januar 1904, oder seit einem früheren Zeitpunkt bis I. Oktober 1920 dort ununterbrochen gewohnt haben und nach dem I. Oktober 1920 aus dem Abstlmmangsgebiet verzogen sind(Kategorie C), 2. alle Stimmberechtigten der Kategorie A, die noch heule im Abstimmungsgebiet ihren ständigen Wohnsitz haben, z. Zt. aber sich anßerhalb des Abstimmungsgebietes anfbalten(z. B. Studierende, Geschäftsreisende, Saisonarbeiter usw.), müssen zur Einreise zur Abstimmung Passlerscheine haben, die zugleich als Stimmkarte dienen. Diese Passierscheine werden nur auf schriftliches Gesuch nach vorgeschriebenem Musler hin ausgesehen. Das Gesuch muß spätestens am 2. März 1921 beim Paritätischen Ausschuß eingetroffen sein. Formulare hierzu und Beratung erteilt jede Ortsgruppe der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier W schnellstens zu Ende tu führen. Eine Verschleppung der Verhandlungen seitens des Ministers oder Zwangsmaßnahmen der Regierung sind sofort mit dem Streik zu beantworten." Zwei bemerkenswerte Bctriebsratswahlen. Bei den Deutschen Telephonwerken, Zeughofftraße. fand am Dienstag die Neuwahl des Arbeiterrates statt. Zur Wahl standen eine S.P.D.- und eine K.P.D.-Liste. Die Unabhängigen be- schlössen zum Teil Wahlenthaltung, zum Teil Unter- stützungderK. P-D. Abgegeben wurden für die Liste der K.P.D. 674 Stimmen— 6 Sitze, für die Liste der S. P. D. 45 3 Stim- men— 4 Sitze. Der Stimme enthalten halten sich 248 Wahlberechtigte. Die U.S.P. mag ruhig schlafen. Der Kampf für Am st er- dam wird ausgekämpft, die„Reformisten" schaffen es auch allein und fühlen sich dabei ganz wohl. Am Mittwoch fand bei L. L o ew e u. Co. als Nachspiel der letzten Auesperrung die Neuwahl des Betrieberates statt. Aufge- stellt waren"je eine Liste der S.P.D., U.S.P. und VK.P.D. Es er- hielten: S. P. D. 723 Stimmen(4 Vertreter), U.S.P. 272 Stimmen<1 Vertreter), V.K.P.D. 983 Stimmen(6 Vertreter). Bon den Angestellten wurden 4 Ala-Vertreter gewählt. In beiden Fällen zeigen die Wahlen, daß die Axbeil unserer Genossen in den Betrieben rüstig vorwärts schreitet. firbeitslosenratswahlen unü �rbektslofenräte. Die GewerkschaftSkommtsston Berlins und Nmgegend macht nochmals darauf aufmerksam. daß die gewerkschaftlich organisierten Arbeitslosen ihre Arbeitslosenräte bereits ge- w ä h 11 hgben. Mit den von anderer Seite geplanten Wahlen von Arbeitsloienräien haben wir nichts zu tun, sie sind lediglich für die Unorganisierten anberaumt. Von feiten des Magistrats wird nun mitgeteklt, daß der HauptauS ichuß der Erwerbslosenfürsorge in feiner Sitzung am Sonnabend, den 2«. Februar, sich mit der An er- kennung der von den gewerkschaftlich organifierten Arbeitslosen gewählten Arbeitslosenräte beschäftigen wird. ES ist damit zu rechnen, daß der HaupiouSschutz zu dem Beschluß kommen wird, dieie LrbeitSlosenräie anerkennen und umgehend in Funktion treten lassen wird. Weitere Mitteilungen bezüglich Berufung der gewählten Arbeits-- lofenräte erfolgen an die Gewerkschaftsvorstände. Zuckerbrot und Peitsche. Donnerstag begann in Warschau ein Streik der Loko- motivführer. Auf Anordnung der Behörden wurden die Strei- kenden durch Spezialkräfte ersetzt. Ein Teil der Lokomotivführer wurde, nach einer TU.-Meldung, arretiert und gewaltsam auf die Lokomotiven gebracht. Der Staatsprstsident hat ein Dekret erlassen, das alle Effenbahnbetriebe unter Kriegsrecht stellt. Der Eifenbahnminifter hat beschlossen, den Eisenbahnern von der 15. bis zur 5. Gehaltsstufe einen Vorschuß in Form einer Anleihe zu gewähren, und zwar den Ledigen 2000 M., den Verheirateten 3000 M., jedoch sollen diese Anleihen nur diejenigen Beamten erhalten, die in der letzten Zeit nie ge- streikt haben. Glaubt man etwa auf diese nicht neue Art die Arbeiter zu willfährigen Dienern des Kapitals zu machen und von der Erkämpfung ihrer Forderungen abzuhalten? Man wird auch im„freie n" Polen mit dieser Polltik Fiasko erleiden, früher als die Gewalthaber sich träumen lassen! Betriebsräte der Untergruppe Eisenbahn! Sonntag 9 Uhr Vollversammlung aller im Deutschen Eisen« bahner-Berband organisierten Betriebsräte im Königstadt-Kasino, Holzniarktür. 72, 1 Tr. Tagesordnung: 1. Stellnngnabme zu b>-r neuesten Verfügung der Eisenbahn-Direktion. Refelent: Kollege Haseküster. 2. Wahl der Delegierten zum Zentral-Gruppenrat und zur Generalversammlung. Die Wichiigteit der Tagesordnung erfordert vollzähliges und pünktliches Erscheinen oller Kollegen. Milgliedsbnch und Betriebs« ratSausweis legitimiert. Die örtliche Betriebsräteverwaltung des D. E. V. I. A.: Polyka. Buchbinder und Buchbindereiarbetterinuev in Buchdruckerei ev! Am 22. Februnr wurde mit dem V.B.B, die Vereinbarung ge- troffen, wonach sinngemäß die Zulage der Buchdrucker auch für das Duchbinderperfonal volle Anwendung findet, für alle über 21 Jahre alten Gehilfen 65 M. pro Monat, für Spezialarbeiterinnen 35,75 M. pro Monat, für Tifcharbeiierinnen 32,50 M. pro Monat, erstmalig zahlbar in dieser Lohnwoche. Gedruckte Formulare sind auf dem Bureau erhältlich. Die Leitung der Buchbinderbronche. Buchbinderverband, Ortsverwaltung Berlin. Cinzelmitglieder und Kleinbetriebe bis zu 4 Mitgliedern werden hierdurch ersucht, zu der am Sonntag, 11 Uhr, in Graumanns Feftfälen, Naunyn- ftraße 27, stattfindenden Wahlversammlung zu erscheinen. Es sollen die Delegierten zur Generaloersammlung gewählt werden. Kalle- ginnen und Kollegen, erscheint unbedingt in der Versammlung. Die Ortsverwaltmig. Deutscher Holiarbriiervrrdaud. Maschinenarbeirer. Schneidemllllerr Soruy tuti 9 Uhr in der.�Uinigshant", Große Frankfurter Str. 117, außer» rieulliche Branchenverfammlnng. Deutscher Wrrlmeisteruerbanb, Berlin 17. Heute 5 Uhr außerordentliche Generalversammlung im„Alexandriner«. Kündigung des Tarifvertrages. Mntfcher Transportarbeitcrverband. Handcisarbciier und-arbeiterinneer ans allen Betrieben der Uniformbranchc und den Echtielder-MahgefchSfie»: Heute 7 Uhr bei Witte, Postfir. 29, Gruppenverfammlung. Der Icntralocrband der Angestellten, Ortsgruppe(Sroh-Jerlin,»«ransialtet für seine Funttwnäre heul« 71? Uhr in den Sophien. Sälen, Sophienstr. I7slS, eine Versammlung. Genosse ktcltski spricht über„Börsenstimmung und?"-*• schafralage". Einlaß nur qegeu Borgeiguug des Fmlltionärausweifes und Mitglledsbnches des Z. d. A._ Wirt. des Ms See Partei. In der Hochburg der Anfisemilen. Der Kreis H e r s f e l d ist einer jener Kreise, der 27 Jahre eine Hochburg der Antisemiten gewesen ist. Er wurde in Der- bindung mit den Kreisen Hünfeld-Rotenburg während langer Zeck vom Antisemiten Werner im deutschen Reichstag vertreten. 1912 kam unser Genosse Schnabrich in Stichwahl, das war für den ersten Anlauf ein guter Erfolg. Nach der Revolution erwachte auch hiör die Arbeiterschaft und das Kleinbauerntum. Schon bei der letzten Reichstagswahl erreichten unsere Genossen im Kreise Hersseld fast die Mehrheit über alle Parteien. Jetzt bei den Preußenwahlen hat unsere Partei alle Parteien überholt vom Kommunisten bis zu den Deutschnationalen. Unsere Partei erlangt« bei der Kreisiogswahl 9710 Stimmen und damit die Mehrheit im Kreistag. Im Kreise Rotenburg gewinnen unsere Genossen 4 Sitze imd sind damit die stärkste Partei im Kreistag, da sie die Hälfte aller Sitze gewonnen haben. Auch im Kreise H ü n f e l d hat sich die Sozialdemokratie glänzend behauptet und gewinnt 2 Sitze, obwohl dort von Zentrumssanotikern selbst wieder zu dem Mittel, die Per- sammlungssäle abzutreiben, gegriffen wurde. Die Kreis« Roten- bürg und Hersfeld erhaften jetzt sozialdemokratische Landräte. Im Kreise erscheint ein« eigene Zeitung, die„Hersfelder Volksstimme". und dt« ParteiorgauisatilM ist auf rund 4000 Mitglieder �«jr legen. B-ramw für den redaki. Teil: Dr. Wer-er Bei,'er. Char.'ottrndurg: lür a�ewsti! SS. vllorft. Berlin. Verlag: DerwSrls.Brrlaq Ä. m. b. H.. Brrlin. Druck; Vor- LerlagSanilail Baal Singer«. Do., 33et!ut. Lmdenhr. S. würiS-Buchdruckersi u. vier»» 1 Beilage. üeneral- Vertreter tür Groß- Berlin und Brandenburg: Ernst üloritz, Charlotten borg, Kaicterdamm 114. _ Telephon: Amt Wilhelm Nr.«16 und 4947. 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