Kr. 160 ♦ Zs. Jahrgang Mosgabe B Nr. SS «ez«g»pr-i»t W«MiS&rl.30.— at, Bumoa. fx£t ms Haus, voraus zahlbar. Post- b-Wg: Monatlich 10,— SR, rtnschl. Au- st-IIungsgebühr. Unter 5trruzdaud für Deutschland und Oesterreich Ibchü M.. für das übrige Ausland bei täglich einmal, gustellung 2lch0 M. Postbe- pellungen nehmen au Oesterreich. Ungarn Tschecho-Slowalei, Däne- Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in die Poft-geitilligs-Preisiist«. Der»Borwärts* mit der Sonntags- Silage J5oU und zeit" und der Unter- Haltung sdellage �eimwelt" erscheint wocheutäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Ad reffe: „Sezialfteraeftof Berthe". Abend Ausgabe Oerlinev Volksblatt ( �©Pfenfslg�) BvzetgcuvreiS: flste achtgespaltene RmiparrillezeUe kostet 5ch0 M.kleine Anzeigen- das settgedruckte Wort ldv M. szu- lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort l.— M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort h— M, jedes weitere Wort ff» Pfg. Worte über 1ö Buchstabe» zählen für zwei Wo««. Familien-An- zeigen für Abonnenten steile 3,— ÜL Die Preise verstehen sich einschließlich Teueruugs, Uschlag Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis»»hr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW 60. Linden- ftraße u abgegeben werden. Deossnet von 9 Uhr früh bis i Uhr abends. Tentralorgan der roztaldemohratifcbcn partd Dcutfchlands KeÜaktton und Expedition: SW 6$, Llnöenstr. 3 Aerusprecher: Amt Morivpla«, Rr. IS»»0— ISIS? Dienstag, de» 1. März i»Ül Vorwärts-V erlag G.m.b.H., SW 08,£indenstr. 3 fftt-nsprecher- Amt Moritzplatz, Nr.»I7SZ— S4 Simons Eröffnuni London. 1. Alärz sTE.) Gestern abend sandle Lloyd George seine» ersten Sekretär Morris Haukey zu Dr. Simons mit der Mit- teilnng. daß die erste Zosammeuknuft bereits Dienstag um 1 1 Ahr ZV Minnlea im Laucasterhouse stattfinden werde. Als Programm ist vorgesehen, daß Simon» seine Erösfnnngs- ansprach« halten werde, wobei es allerdings noch nicht feststeht, ob er bereits die deutschen Gegenvorschläge bekannt geben wird. Die Alliierleu halten heute nachmittag unter flch eine gemeinsame De- ratuag ab. Morgen erfolgt im St.-3ames-Palast die Antwortrede Lloyd George». Der gestrige Tag wurde von den Alliierten zur ein- gehenden Derawng benützt, ob der Artikel 233 des Ariedensoertrages die MSgllchkeit biete, die Strasmaßnahme« gegen Deutschland sofort in Vollzug zu sehen, falls die deutschen Gegenvorschläge für die Alliierten unannehmbar seien. Das amtliche WTB. veröffentlicht ein Interview des Vertreters der»Eoening News" mit Minister Dr. Simons. Wie eine Ber- liner Mittagszeitung erfährt, hat diese Unterredung niemals stattgefunden. Dr. Simons erkläre ausdrücklich, daß er leinen Pressevertreter gesehen und gesprochen hat. m Im Augenblick des Beginnes der Londoner Derhandlun- gen erscheint es uns gerade im nationalen Interesse dringend erforderlich, unseren Standpunkt zu der Frage der„Ein- Heits front" so deutlich wie nur möglich zu präzisieren. Unsere w verschiedenen Artikeln bereits erfolgte Stellung- nähme zur Londoner Konferenz hat auf der rechten Seite ein wütendes Echo erweckt und noch heute morgen wettert die ..Deutsche Tageszeitung" über die„Sabotage der Einheits- front" durch die Sozialdemokraten im Reichstag anläßlich der Debatte über die Verlängerung des Entwaffnungsgesetzes. Damit hat die„Deutsche Tageszeitung" den Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung selbst erbracht, daß der Begriff der.Einheitsfront" nichts anderes als ein p l u m p e r S ch w i n d e l ist. der den sogenannten„nationalen" Parteien die Möglichkeit geben sollte, allerhand reaktionäre Geschäfte 'inge'iört zu besorgen und die republikanischen Linksparteien, vor allem die Sozialdemokraten, einseitig zu binden. Unter dem Motto der„Einhettsfront" wollte man die Arbeiterschaft m einen wüsten nationalffttschen Rummel hineinziehen, sodann den Sozialdemokraten in Preußen den Garaus machen, ja vielleicht sollte gar jener Rechtsputsch von uns geschluckt wer- den, über den in den letzten Tagen so geheimnisvolle Andeu- tungen gemacht wurden. Auf diesen Schwindel sind wir vom ersten Tage an in kein»? Weise eingegangen und wenn heute die Rechtspreffe sich ber eine„Sabotage der Einheits« front" entrüstet, so sprich, daraus nur die herbe Enttäuschung über ihre verfehlte Rechnung, die sie ohne den Wirt gemacht hatte. Dr. Simons ist heute mtt dem Obersten Rat zusammen» getroffen und je geschloffener und breiter die Front der republikanischen Parteien ist, die hinter ihm stehen, wenn er die Gründe auseinandersetzt, weshalb Deutschland die Pariser Beschlüsse ablehnen muß. und wenn er die deutschen Gegenvorschläge unterbreitet, desto stärker ist seine mora- lisch« Position, desto größer sind seine Erfolgschancen. Wenn sich auch die äußerste Rechte w maßvoller und zurück- haltender Form mit der Reichsregierung solidarisch er- klärt, so kann es ebenfalls nur nützen. Was haben wir aber erlebt? Bon Anfang an haben sich die Deutschnationalen in den Vordergrund gestellt und in ihrer üblichen und auf- dringlichen Art haben sie versucht, in Deutschland den Eindruck zu erwecken, als führten sie die Protestbewegung gegen die Pariser Beschlüffe und als feien sie berechtigt, sie zu führen. Daß sie damit bei den Preußenwahlen einige Erfolge errungen haben, ist nicht übermäßig schlimm, da diese Erfolge vor allem auf Kosten der Deutschen Volkspartei er- ziell wurden, die sich als Regierungspartei gezwungen sah. eine verhältnismäßige Reserve zu üben. Viel schlimmer ist es aber, daß die Deutschnationalen auf diese Art bei der Entente den Eindruck erwecken konnten, als ginge die Ept- rüstungsbewegung gegen das Pariser Abkommen von ihnen aus. Wollte man den Rattonalisten auf der Gegenfette das Spiel erleichtern und den Verständigen jedes erfolgreiche Wirken unmöglich machen, so brauchte man nur mtt ver- schränkten Armen diesem Treiben beizuwohnen. Deshalb sind w i r aber rechtzettig diesem unheilvollen und unaufrichtigen Einheitsfrontrummel dazwischen- gefahren. In der.Kreuz- Zeitung" vom Sonntag hat Graf W e st a r p erklärt, daß die Tatsache, daß wir diesen Trennungsstrich in der gegenwärtigen Stunde ge- zogen haben,.für unsere Unterhändler in London g c- radezu verhängnisvoll werden kann". Wir sind da- gegen überzeugt, daß je unzweideutiger nicht nur die Sozial- denwkratie, sondern auch die Reichsregierung jede Gemeinschaft mit den Westarp und Genossen ablehnt, desto ft-ärkex die Stellung unserer zsreöe in London. Delegation in London sein wird. Wenn sich Dr. Simons auf die Zustimmung der einstigen Vaterlands- p a r t e i l e r berufen würde, die einst Belgien und Rordftank- reich annektterten, die Kriegskosten durch eine englische Milliarden- entschädigung decken wollten, die den rücksichtslosen U-Boot- Krieg verlangt und die Zerstörungen in der Kampfzone be- grüßt haben und die heute von kommenden Kriegen und von der Notwendigkeit reden,„Frankreich, wie vor Zeiten Spanien, zur Rolle einer Macht zweiten Ranges zu zwingen („Deutsche Zeitung" vom 27. Februar), dann würde er damit jede Möglichkeit einer Verständigung zerstören. Wir wiederholen deshalb mit voller Absicht und in der klaren Erkenntnis, daß, je öfter und je unzweideutiger wir dies tun, desto nationaler wir handeln: die Deutschnatio- nalen sind das Unglück Deutschlands und mit ihnen gibt es für uns, für die Arbeiterschaft und für die deutsche Republik keineGemeinschaft. Dagegen empfinden mtt deutschen Sozialdemokraten eine innige Notgemeinschaft mit den arbeits- und obdachlosen Proletariern Nordfrankreichs und Belgiens. Wenn die„Deutsche Tageszeitung" dieses unser Bekenntnis mit einem entrüsteten Ausrufungszeichen versieht und erklärt, die Bergarbeiter von Lens seien nur deshalb er- werbslos, well Frankreich in Kohlen schwimme, und die Ruinen seien nur deshalb noch vorhanden, well Frankreich daraus eine lukrative„Fremdenindusttie" mgchen wolle, so bestärkt uns diese fürchterliche Geistesverfasiung in unserem Entschluß, mtt den Westarp und Genossen jede Einheitsfront abzulehnen. Die von uns selbst mitgeteilten Tatsachen zur Kennzeichnung der kapitalistischen französischen Mißwirtschaft werden von ihnen systematisch aufgebauscht und verallge- meinert, um van den eigenen Sünden abzulenken. Nein, der Bergarbetter K Lens ist arbeitslos, well die nordfranzösischen Gruben auf Befehl unserer glorreichen Och.L. zerstört, der Textllarbeiter von Roubaix ist erwerbslos, weil die Fabriken auf Verlangen unserer Schwerindustrie ihrer Maschinen beraubt wurden. Diese Verbrechen des kaiserlichen Deutschland muß die deutsche Republik wieder, gut machen, und deshalb muß sie auch die Bewunderer des alten Regimes zum Schweigen bringen, wenn sie heute in die jetzigen Wiedergutmachungsfragen so aufdringlich drein- reden. Wie unehrlich das Gerede von„Einheitsfront" seitens der Deutschnationalen ist, mag man an der Tatsache erkennen, daß die„Deutsche Zeitung" von der großen Entrüstung der „deutschbewußten" Kreise über die Zusammensetzung der deutschen Abordnung erzählt.„Wieder einmal soll das Schick- sal der Deutschen in die Hände von Juden gelegt werden!" Also einersetts„Einhettsfront"— andererseits Pogromhetze. Fort mtt diesem Schwindel! Besprechungen über die Strafmasinahmcu. London, I. März. Nach dem diplomatischen Mitarbeiter des „Daily Chromcle" glaubt man nicht, daß der Umstand, daß der deutsche Außenminister nicht als Bevollmächtigter kommt, irgendwelche großen Verzögerungen in den Arbeiten der Konferenz zur Folge haben werde. Der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph" schreibt: Lloyd George habe mit Fach eine Unterredung über die Frage der Sanktionen gehabt. Lloyd George habe Fach Fragen bezüglich der verschiedenen Vorschläge für eine etwaige A u s d e h- n u n g des augenblicklichen Okkupationsgebietes in den Rheinlanden gestellt. Das Ruhrgebiet, Frankfurt, Stutt- gart und München wurden in der Unterredung erwähnt. Lloyd George fragte, wie viel Truppen in jedem der Fälle für eine Aus- dehnung des besetzten Gebietes benötigt würden, auch wie hoch flch die Kosten etwa belaufen würden, und welches wohl die Wirkung auf die deutsche Bevölkerung und auf die verschiedenen Klassen des beut- schen Volkes im allgemeinen fein würde. Es wurde auch die Kategorie der wirtschaftlichen Strafen besprochen. Dabei wurde die Frage eines be sonderenfiskali- schen Regimes im befetzten Rheinland unter der Kon- troll« der Alliierten eingehend untersucht, z. B. die Mittel, die den Alliierten zur Verfügung stehen, um die Zölle und andere Steuern zu erheben_ DemMon ües Reichssparkommissars. wie«lr au» sicherer Quelle erfahreu. hat der zum Reichv- fparkommisfar seinerzeit ernannte Präsident Dr. Carl seine De- Mission eingereicht. Die Ursachen seiner Amlsnlederlegnng dürften in der jüngst gemeldeten Einsetzung des gemischte« Au». schösse» zu erblicken sein, der seinerseits auf Ersparnisse im Reich hinwirke« soll. Hierin erblickt Dr. Carl eine Durchkreuzung seiner Pläne. Cr glaubt um so weniger sclu Amt sorkführen zu kSuueu. als er fich starke» wider stäuben gegenüber sieht, die ihre» Sitz anscheinend im Reichsminlperlam de« Inner« haben. Enökampf um Gbersihlesien. Man schreibt uns aus Kattawitz unter dem 27. Fe- brnar: Der Abstimmungstermin, der über Oberschlesiens Zukunft entscheiden soll, rückt immer näher. Es ist eine Entscheidung über Leben und Sterben der blühenden oberschlesischen In- dusttie, eine Lebensfrage auch für die fernere wirtschastüche und industrielle Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches. Von diesem Gesichtspunkt aus sollte man das Problem sehen, und von dem anderen: von dem Standpunkt der inter- nationalen Arbeiterschaft aus, die an einer Hebung der pol- nischen Produktion interessiert ist. Ungeheure Bodenschätze werden in Polen ungenutzt liegen bleiben, wenn es zu seinen erschließbaren Kohlen- und Energiequellen die fertigaufgebaute oberschlesische Industtie bekommt, die es der Mühe eigener Aufschlußarbeit enthebt. Beide Gesichts- punkte fordern gebieterisch, daß Oberschlesien deutsch bleibt. Der Amerikaner Sidney Osborne kennzeichnete die oberschlesischen und die deutschen Lebensnotwendigkeiten rich- tig, wenn er schrieb:„Wie das Rad ohne Nabe, wie der Wagen ohne Rad nicht arbeiten kann, so kann auch Schlesien nicht ohne Oberschlesien existieren, noch Deutschland ohne Schlesien. Bei diesem Vergleich fft Oberschlesien die Nabe, Schlesien das Rad und Deutschland der Wagen." Braucht man noch zu sagen, daß die Nabe ohne den Wagen ein wies Gerät ist? Ueber die Bande, die Deutschland und Oberschlesien zu- sammenketten, ist so viel geschrieben worden, daß es sich er- übrigt, heute Einzelheiten zu geben. Man hat aber in starker Betonung der industriellen oberschlesischen Werke zuweilen es so hingestellt, als ob Oberschlesien ein Wirtschaftskörper fei, der seinen Bedarf im eigenen Lande decken könne. Man betonte dgbei die Entwicklung der Rohstoff- und Halbfabrikation zum Fertigprodukt und stellte fest, daß in der Tat erhebliche Fort- schrttte in dieser Richtung zu verzeichnen sind. In Wirklichtett ist der größte Tett der verarbettenden Industrie aber noch heute lediglich auf den Bedarf der industtiellen Werke ein- gestellt mit vereinzelten Ausnahmen. Der Bedarfsartikel des täglicken Verbrauchs aber, angefangen von der Stecknadel bis zum Anzugstoff, von der elektrischen Birne bis zum Auto, wird weit überwiegend aus dem w e st l i ch e n Deutschland hereingeholt. Dieses konnte bisher die oberschlesischen Kohlen und Eisenleistungen, die Lieferungen an Waggonmaterial. Zink und Schwefelsäure usw. Oberschlesiens mit Fertigfabri- katen überreichlich kompensieren. Eine künstliche Grenzscheide zwischen den beiden, aufeinander angewiesenen Gebieten würde zweifellos diese wirtschaftlichen Bande durchreißen. ohne dem Ostlande mit der Angliederung an Polen auch nur einen einigermaßen entsprechenden Ersatz zu geben. Der Wahlkamps um die Staatszugehörigkeit, der hier nun feit Jahr und Tag andauert, wird jetzt natürlich leb- hafter. Die Polen hatten es für nötig erachtet, durch natw- nalistische Akte des Terrors die Abstimmung zu beeinflussen. Sprengung von Versammlungen unter Waffenanwendung, Gewalttätigkeiten gegen prominente Vertreter des Deutsch- tums, Ueberfälle und Banditentum sollten den Oberschlesier für das polnische Ideal begeistern. Die Vojowka Polska, eine regelrecht organisierte Mörderbande, zusammengesetzt aus Söldlingen der polnischen Nationalisten, hat sich in dieser Art Propaganda besonders hervorgetan. Erreicht wurde damit das genaue Gegenteil von dem, was die Polen wollten. Die besonnene Haltung der deutschen Parteien, an denen diese Exzesse abprallten, ohne daß sie zu den gleichen Waffen griffen, steht in einem so wohlwenden Gegensatz zu dieser Propaganda der Tat, daß die zweisprachigen Oberschlesier in immer wachsenden Scharen sich zu der deutschen Sache be- kennen. Die Abstimmungspolizei, die paritätisch aus deutschen und polnischen Oberschlesiern zusammengesetzt sein soll— durchgeführt ist das nicht immer—, wird ihrer Aufgabe, streng neutral die Ruhe und Ordnung auftechtzuerhalten, nicht voll gerecht. Und man kann es aus dem Mund halbpolnischer Frauen und vieler besonnener anderer Personen, die früher dem Polentum zuneigten, oft genug hören, daß sie sich für die polnische„Ordnung"(lies: planlose Gewalttätigkeii) herzlichst bedanken. Das scheinen die Polen auch gemerkt zu haben, und des- halb hält man drüben ein wenig zurück. Bei dem erbitterten Kampf, den sie gegen die sogenannten Emigranten führen, ist es freilich nicht unmöglich, daß auch in den nächsten Tagen Gewaltakte zu berichten sein werden. Man will eben um jeden Preis schrecken. Die Abstimmungsberechtigten im Reiche sollten sich das nicht übermäßig zu Herzen nehmen. Bei der Beurtellung dieser Gewaltakte ist und bleibt wesent- lich, daß das dichtbevölkerte Land hier seit Jahr und Tag sich in einem Wahlkamps von ganz unerhörter Schwere und Er- bitterung befindet, in dem alle Leidenschaften entfesselt sind. Sind aber bei jedem Wahlkampf Schlägereien und kleinere Exzesse unvermeidlich, so ist es schließlich kein Wunder, wenn in Oberschlesien, wo die Kriminalität schon früher infolge der eigenartigen Grenzlage, der gemischten Bevölkerung und so zialer Verhältnisse eine recht hohe war, der Kampf schärfere Formen annimmt al» im Reiche. Damtt sollen die Gewalt- taten in keinem Falle beschönigt tnerben. Wer weih, wie das Volk hier unter dieser Unruhe gelitten hat, der wird es nicht nur begreifen, daß die endgültige Festsetzung der Ab- stimmung auf den 20. März eine große Erleichterung war, er wird auch verstehen, daß es Pflicht jedes ausgewanderten Oberfchlesiers ist, jetzt seinen Landsleuten zu helfen, wenn es auch einige Unbequemlichkeiten tostet. Darum herbei alle aus den deutschen Landen und helft unserer Sache zum Siege! Denjenigen, die wegen der manchmal wirklich übertriebenen Alarmmeldungen in Sorge um die Reise sind, sei gesagt, daß eine Verstärkung der Besatzungstruppen durch Italiener und Engländer, die allgemein für neutraler angesehen werden als die schon aus alter Tradition polenfteundlichen Franzosen, zu- gesichert ist und daß demnach die Gefahr einer Bedrohung wesentlich verringert ist. Vor dem Endkampf um die Heimat sind die parteipoli- tischen Gegensätze oerblaßt. Alle deutschen Richtungen sind sich bewußt, daß der 20. März für Oberschlesien eine Schick- salsstunde ist, ein Wendepunkt von unabsehbaren Folgen. Auch das Oberschlesien, das beim Reiche bleibt, wird durch das Autonomiegesetz ein anderes fein als vor dem Kriege. So rüsten die Parteien. Flugblätter und Versammlungen, Klebe- zettel und Plakate werben in großer Zahl für die deutsche und für die polnische Sache. Haben die verschiedenen Partei- richtungen und Verbände schon innerhalb der Plebiszit- kommission viele gemeinsame praktische Arbeit zur technischen Vorbereitung der Arbeit geleistet, so treten in den letzten ent- scheidenden Wochen auch innerhalb der Agitation die partei- politischen Unterschiede völlig in den Hintergrund. Kattowitz machte den Auftakt mit einer von den deutschen Parteien und Gewerkschaften gemeinsam einberufenen Versammlung, die— obwohl in Eile vorbereitet— gut besucht war und einen wür- digen, sachlichen Verlauf nahm und auf der ein Parteigenosie neben einem Zentrumsmann sprach. Man enthält sich im allgemeinen aller rein nationalen Propaganda. Diese hat durch die Machenschaften der Reaktion vor dem Kriege sehr an Kredit verloren. Aber es bedarf ihrer auch gar nicht. Die Polen haben überall da, wo sie im Schutze des Abstimmungs- kampfes ihre terroristischen Akte zeigen konnten, so gründlich bewiesen, wie ein polnisches Oberschlesien aussehen würde, daß es keiner käuflichen Begeisterungsmache und keines Gefühls- raufches mehr bedarf. Die Lügen der polnischen Agitations- zentrale werden mit jedem Tag mehr erkannt. Sollte es den Polen einfallen, Schreckmanöver noch in letzter Stunde zu unternehmen— was, wie gesagt, nicht wahrscheinlich, aber doch nicht ausgeschlossen ist— so würden sie für jeden infolge der Terrorakte abgeschreckten Emigranten Hunderte von Stimmen aus dem eigenen Lande der deutschen Sache zu- führen. So liegen die Dinge. In wenigen Tagen fangen die Ab- stimmungstransporte an. Die Borbereitungen für ihre reibungslose Abwickelung sind soweit gediehen, daß sich jeder ohne Sorge um Fahrt. Verpflegung und Unterkunft auf die Fahrt begeben kann. Selbst für etwaige Berkehrsstockungen ist weitgehende Vorsorge getroffen. Es darf keiner fehlen. der das Oberschlesierland dem Deutschtum retten kann. Und auf allen liegt ein Teil der Verantwortung gegenüber dem Lande, das ihm das Leben gab. Kommt alle frei von Ueber- schwang, bewußt des Ernstes der Sache, nm die es geht! tzider und seinesgleichen. In unserer Dienstag-Morgenausgabe haben wft einen neuen Zeugen zum Fall Hiller genannt. Ein weiterer meldet sich in der„Rheinischen Zeitung, unserem Kölner Parteiblatt. Er schreibt: „Hiller war im Jahre 19tS mein Kompagnieführer und führte die l2. Kompagnie des ü. Gardeinfanterieregiments. Um 29. oder 30. Sunt 1915 rückte unser Regiment zur Front und ging bei Thiau- mont(Verdun) in Stellung. Hiller gab einen Befehl, wonach jeder Tornister gleichmäßig gepackt sein mußte, besonders war es v e r- boten. irgendein Paket außerhalb des Tornisters zu befestigen oder gar in der Hand zu tragen. Ein Kamerad empfing kurz vor Sonett an Franz Diederich. Dir legte weißen Kranz ein frühe« Atter auf's Haupt, doch trugst du lächelnd, ohne Klagen des Lebens Uebermaß an Not und Plagen, und deine Seele glich dem lichten Fatter, den aller Frühling freut. Du wardst Gestatter der hohen Sehnsucht, die wir in uns tragen, du gabst uns Antwort auf die heißen Fragen des jungen Sttebens, und zum hehren Psalter des neuen Glaubens ward dein reine« Dichten. Du trugst die Sonne in dir, und das Gleißen der blauen Augen, die sich nun geschlossen, hast du, ein brennend Meer, in uns gegossen, daß wir mit gleicher Glut da« Werk verrichten auf Wegen, die uns dein« Taten weisen. _ Alexander Seidel. Erich wolfgang Sorngold ist fest einiger Zell von dem sehr rührigen Hamburger Stadttheater als Kapellmeister zu besonderer Verwendung eingestellt. Als solcher brachte er am vergangenen Sonnabend zwei , einer Einaktopern heraus:„Der Ring de, Polykrates", eine heitere Oper nach einem Lustspiel von Teweles und„V> o- l a n t a", Oper in 1 Akt von Hans Müller. Das erste eine nicht ein- mal sehr unterhaltsame Belanglosigkeit, das zweite eine ins 15. italie- nische Jahrhundert getauchte Liebestragödie. Ist die Musik des ersten Werkes nur durch ein« originelle Instrumentierung interessant, so gemahnt die dramatische Kunst und Hochspannung der Musik zu„Bio- lanta" an des Komponisten„Tote Stadt. Korngold hat hier Steige- rungen des orchestralen Ausdrucks zu dynamischer Gewalt und eine gleichsam elektrisch geladene musitalische Atmosphäre geschaffen, die an einzelnen Stellen geradezu überwältigt. Seine Stabführung, die nicht nur ein inniges Derbundenfein mit dem Orchester, sondern eine teil- weise souveräne Beherrschung des ganzen Opernapparates aufzeigte, läßt den Zwanzigjährigen als zukunftsreiches Genie erscheinen. B____ r. Gründung von zehn Theaterschuleu. Zur Hebung der Miß- stände im Theaterfchulwesen, die während des Krieges und in der Nachkriegszeit derart schlimm geworden sind, daß die künstlerische Heranbildung des Nachwuchses ernstlich gefährdet erscheint, hat der Deutsche Bühnenoerein gemeinsam mit der Genossen- chaft deutscher BühnenongehSriger eine neue vrgani- ation ins Leben gerufen. Man hat die Gründung von zehn Theater- chulen beschlossen, die den Dutzenden von Privattheaterschulen und dem Abrücken ein kleines Feldpostpaketchen, das tt ans Kochgeschirr auf dem Tornister befesttgte. HMer gab ihm den Ve- fehl, das Pökel wegzuschmeißen, was der betreffende Soldat selbst- verständlich nicht tat. Er traktierte ihn hierauf mit gememen Schimpfworten(Schwein usw.) und schlug ihu mit der Hand vor der ganzen Front ins Gesicht. Die Erregung unter den Mann- schaften war hierauf erklärlicherweise groß, und es hätte damals nicht viel gefehlt, so wären wir geschlossen handgreiflich geworden. Der Soldat wurde sofort auf Befehl Hillers von zwei Mann ab- geführt." Man darf übrigens nicht glauben, daß dies Verhalten Hillers ein Einzelbeispiel darstellt. Tausende von Soldaten könnten Aehnliches über ihre Vorgesetzten berichten. Warum es aber so sein mußte, warum zwischen Offizieren und Mann- schaften ein klaftertiefer Abgrund lag, darüber gibt folgendes Dokument Auskunft: Bezirks-Kommando I. Ir.-Nr. 945/11. Hamburg, den 13. Mai 1910. Streng oertraulich! U. Dem Herrn Kommandeur des Res.-Inf.-Regts. 70 mit der Mitteilung zurückgesandt, daß ein Zeugnis gemäß§ 47 10 H. O. über S. nicht ausgestellt werden kann, da er noch nicht im Besitz des Nachweises der wissenschaftlichen Befähigung zum Ein- jährig-Freiwilligen-Dienst ist.(Kr.-Min. 21. 7. 15.— 1840. 0. 15 C. 1.) Sollte er diesen Nachweis durch Ablegung der Prüfung noch führen, bin ich dennoch nicht in der Lage, ihn zur Be. förderung zum Offizier des Beurlaubtenstandes geeignet zu erklären. S. ist Kaufmann und im Geschäft seines Daters tätig. Sein Einkommen ist nicht sehr beträchtlich, ebenso dasjenige des Daters, der nur ein kleines vermögen besihk. Der letztere ist also nicht in der Lage, den Sohn standesgemäß zu unter- halten, da das Einkommen gerade zum Unterhall der Familie, die aus 5 Personen besteht, hinreicht. Ferner kann ich die Lebenshaltung des Genannten dem Ansehen des Osflzierstandes entsprechend nicht bezeichnen(H. O. 47.3). Es handelt sich bei dem Geschäft des Daters um einen Einzelverkauf von INauofakturwaren. Nach der Lage des Geschäfts ist dasselbe auf den Verkehr von kleinen Leuten ange- wiesen, die von dem Vater und Sohn im Laden persönlich bedient werden. Borstehend« Auskunft bitte ich als streng vertraulich zu behandeln und auch dem S. von den Gründen, welche zur Ab- lehnung führen, unter keinen Umständen Kenntnis zu geben. 5 Anl. gez.(Name), Oberst u. Bezirkskommandeur. Nicht Tüchtigkeit entschied darüber, wer in der allen Armee Offizier wurde, ausschlaggebend waren allein Stand und Vermögen des Vaters, soziale Herkunft und dergleichen. Ein„Kofmich" wurde hohnlachend abgewiesen, zumal wenn er„kleinen Leuten" verkaufte, vom Arbeller ganz zu schweigen. Mit„kleinen Leuten" durfte nämlich der echtpreußische Offizier nicht zu verkehren wissen. Hochfahrendes Benehmen gegen die Mannschaften war eine Empfehlung, wer dagegen mit den Mannschaften„sich gemein machte", d. h. Kameradschaft hielt, der wurde schon deswegen als untauglich zur Beförderung angesehen Das �Delphische Grakel*. Paul Levi spottet in der„Roten Fahne" üb« den Zentral, ausschuß der D.K.P.D„ der vor seiner Entscheidung über die ita- lienische Spaltung das„Delphische Orakel" befragt habe, um aus dem Mund« der„Pythia" den wirklichen Sinn des italienischen Vorganges zu erforschen. Er behauptet, daß die Fragestell«„ihr« eigenen Urteilskraft kein sehr günstiges Zeichen" ausstellten, wäh- rend«, Levi, und die Mitausgeschiedenen sich Manns genug fühllen, au» den Vorgängen selbst auf die zugrunde liegenden Grundsätze Schlüsse zu ziehen und demnach zu urtellen. Wo aber die Angelegenheit schon auf Frag« und Antwort sich zugespitzt habe, wünscht Levi, daß die„Antwort keine delphische" sei, sondern klar und eindeuttg. Dieser Wunsch findet keine Erfüllung. Denn d« Zentralaus- schuh veröffentlicht eine lange Erklärung als Erwiderung auf die den Hunderten von Privallehrern. die skrupellos untalentterten jungen Leuten Unterricht geben, das Handwert legen sollen. Die Mitglied« des Deutschen Bühnenv«ein», d. h. sämtliche deutsche Theat«, haben [ich o«traglich verpflichtet, in Zukunft ausschließlich Anfäng« anzu« tellen, die aus diesen Schulen hervorgegangen sind. Der Unterricht n den neuzugründenden Schulen wird völlig kostenlos erteill, in besonderen Fällen w«den den Schülern sogar B e s h i l f e n zum Lebensunterhalt gewährt. Die Aufnahmeprüfung wird außerordent- lich streng und gewissenhaft fein, da man nur bestes Schülermaterial erhalten will. Bei der Auswahl d« Städte, in denen die zehn Schulen ihren Sitz haben werden, wird sowohl die künstlerische Bedeutung d« dortigen städtischen bzw. staatllchen Bühne in Bettacht gezogen, als auch die Möglichkell, durch den Besuch and«er Bühnen des gleichen Ortes den Horizont möglichst zu erweitern, wodurch«ine Schablonisierung»«mieden werden soll. Die Finanzierung der Schulen erfolgt gemeinsam durch den Deutschen Bühnenv«ein und die Genossenschaft deutsch« Bühnenangehöriger. Das Lehrer- k o l l e g i u m soll sich aus den besten Kräften der Theat« zusammen- setzen; die Lehrer wählen aus ihrer Mitte den Direktor. Irgend ein Abhängigkeitsverhältnis d« Schule von der Theaterleitung besteht nicht. Die Lehrer der Schule dürfen grundsätzlich keinen Prioatunter- richt erteilen, es fei denn an Schul«, die sich nicht dem Bühnenberuf widmen wollen. Die Ausbildungszeit wird im allgemeinen zwei Jahre betragen. Schlußzeugnisse gibt es nicht. Di« Schulen sollen vorläufig nur Schauspielschüler ausbilden. Di« Angliederung von Opern schulen ist für spätere Zeit vorgesehen. Um den freien Lehrern die Gelegenheit zum Nebenerwerb nicht zu nehmen, ist die Klausel vorgesehen, daß von den Bühnen auch Schüler anderer Lehrer angestellt werden können, vorausgesetzt, daß sie sich ein« Prü- fung bei einer dieser Schulen unterzogen haben. Als erste Schul« dieser Art wttd die seit einem Jahr in F r a n k f u r t a. M. bestehende Theaterschule bettachtet, die ollen vom Deutschen Bühnenv«ein und der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörig« gestellten Bedin- gungen entspricht. M. F. hopfenbau in Ob«schlcsien. Man schreibt uns: Es wird viele über- raschen, zu lesen, daß einst bei der oberschlesischen Stadt G l e i w i tz, die heute zu den größten Industrieplätzen Oberschlesien» gehört, ein namhafter Hopfenbau bcttieben wurde. Gleiwitz wird 1270 zum ersten Male als Stadt erwähnt. Die Hauptbeschäftigung der Bewohner war damals Ackerbau, wie denn überhaupt alle großen Indufttieorte Oberschlesiens«inst Ack«städtchen oder gar nur Dörfer gewesen sind. Später wandten sich die Gleiwitz« dem Hopfenbau und der Bi«- brau«ei im großen zu. D« Hopfenbau wurde im 15. und 10. Jahr- hundert für die Stadt eine Quelle de» Wohlstandes. Rings um die Städte zogen sich gut gepflegt« Hopfengärten, nach denen heute noch viel« Ackergrundstücke, insbesondere die Aeck« der Stadtpsarrei den Namen„Hopfengärten" führen. Nebenher ging, wie erwähnt, ein schwungvoller Brauereibettieb. Auch in anderen Gegenden Ober- jchlesiens ist früher Hopfen gebaut worden. Damit hängt es zu- sammen, daß Oberschlesien von altersh« berühmte Bier« braut, die heute noch weithin verschickt w«d«n. Räch dem Ni«d«gcmge des Hopfenhandels suchte die durch Brände arg heimgesucht« Stadt Ersatz in der Tuchmacherei. Gleiwitzer Tuche gingen früher nach Polen, Galizien und Ungarn. A.' von Levi und Genossen gestern in d«„Roten Fahne" abgegeben«. Trotz ihr« Länge ist diese Erklärung das Gegenteil von Klarheit. Sie wird allerdings gepfeffert dadurch, daß eine Anzahl von Mitglledern des Zenttalausschusses es für nötig halten, noch gesonderte Erklärungen zu d« Erklärung abzugeben. Auch das Delphische Orakel selbst, das hi« unter dem Namen Mar- boczi auftritt, erklärt etwas, und zwar daß es nur in Lioorno Vertreter der Moskauer Exekutive gewesen sei, in Deuffchland sich ab«„lediglich auf der Durchreise" befinde. Er be- hauptet, Levi, Zetkin und Genossen wollten durch eine„Der- drehung des Sinnes seiner Rede" den schroffen Wider- fpruch verschleiern, mll dem sie der kommunistischen Internationale gegenüberstehen. Die vollkommene„Einigkeit" und„Klarhell" der VJt.P.D. geht besonders aus den Beschlüssen h«vor, die der Zenttalausschuß zu den Fällen Graf und Thomas aus München gefaßt hat. Diese beiden Leuchten des Kommunismus, die in Bayern die Deuffchnationalen zu gemeinsamem Krieg gegen die Entente auf- riefen, haben nachträglich ihr Verhalten„bedauert" und„ihre Fehler eingesehen". Deshalb hat der Zenttalausschuß von ihrem Aus- schluß abgesehen, ihnen aber beiden ein« Rüge«teilt. Graf wttd„sofort von München versetzt" und muh sein Land- tagsmandat niederlegen, dem Thomas ab« wird bescheinigt, daß er„nicht geeignet sei, an führender Stell« der Partei zu stehen", und deshalb wird die Zentrale ersucht, Thomas außerhalb Bayerns „zweckentsprechend zu verwenden". Ein Notschrei öer Jlugarbeiter. Wir werden um Abdruck folgenden Aufrufs gebeten: Heute werden die Verhandlungen in London beginnen. Dabei werden auch die Fordeningen der Entente zur Sprache kommen, die dahin zielen, uns«en auf friedliche Ziele eingestellten Flug- zeugbou und damst auch unseren lediglich ebensolche Ziele verfolgen- den Luftverkehr auszurotten. Der Derttag von Versailles gibt der Entente zu diesen Mahnohmen kein Recht. Die tatsächlichen Verhältnisse tun dies ebenfalls nicht, denn uns«e Rüstung zur Lust haben wir vollständig abgelegt. E» gibt keine Flieger- truppe mehr, es gibt kein Flugpersonal mehr, das in militärischen Diensten beschäftigt würde. Das gesamte Kriegsg«ät ist, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, ausgeliefert oder zerstört und zertrümmert worden. Die winzigen Reste, die eventuell noch versteckt sein könnten, können nun und nimmer mehr eine mili- tärische Gefahr für die Entente darstellen. Das weiß sie fo gut wie wir auch. Wenn sie ttotzdem in bezug auf uns« Flugwesen aus beispiellos« Härte Forderungen ausstellt, so verfolgt sie damit Zwecke, die lediglich einzelnen Gruppen, nimmermehr ab« den Völkern zugute kommen. Wenn die Entente mit ihren Forderungen bei unserer Regierung durchdringt, fo werden wir Angestellten und Arbeiter, die wtt in den Flugzeugfabriten und in den Firmen, die Einzelleile für unsere Flugzeugfabriken herstellen, tätig sind, brotlos werden. Was es heißt, inmitten der tatasttophalen Arbeitslosigkeit brotlos zu werden, brauchen wir hi« nicht zu sagen. Aber nicht nur wir, sondern auch alle im Luftverkehr beschäftigten Angestellten und Arbeiter würden ebenfalls die Stellungen verlieren. Deshalb«warten mir von unser« Regierung, daß sie unbedingt die Flugforderungen d« Entente, da sie gegen Recht und Billigkeit oerstoßen, mit Entschieden- heit ablehnt. Wir wollen den Verttag erfüllen, soweit es über- Haupt nur Menschen ttm können. Wir wollen Frieden und keinen neuen Krieg. Wir werden auch nicht die Hand dazu bieten, jemals wieder deuffche Kriegsflugzeuge zu bauen, aber weil wtt den Frieden und nicht den Krieg wollen, deshalb müssen wir von unserer Regierung«warten, daß sie das Ansinnen d« Entente, das Wasser auf die Mühle der Ehauvinisten und Kriegshetzer gießt, auf jeden Fall zurückweift. Von der ge- samten Arbeiterschaft Deutschlands und d« gesamten Arbeiterschaft der Welt«hoffen wir, daß sie uns in unserem gerechten Kampfe um unsere Existenz tatkräftig unterstützt. Im Auftrage d« Betriebs- und Arbeiterräte d« deutschen Flugzeug, und Motorenfabriken, sowie des Luftverkehrs und zahlreich« Fabriken, die sich mit uns bereits solidarisch erklärt haben. Urzendowski. B«ger. Sund«shausen. Da» GeHall in Briefmarken. Wohl einzig dastehend fft ein Brauch, der auf Haiti, der Hauptinsel der Großen Antillen, schon sell Jahren üblich ist. D« Postmeister der haitischen Stadt Port de Paix erhält nämlich sein Gehalt nicht, wie sonst üblich, in barem Geld ausbezahll, sondern in Briefmarken, und, was noch merk- würdiger ist: bei dies« Form der Gehaltsauszahlung wird er in der Regel binnen wenigen Iahren zum schwerreichen Mann. Um das zu verstehen, muß man fteilich etwas Einblick in die haitischen Wirtschastsverhältnisse gewinnen. Zunächst ist die Republik Haitt ein Dorado für Briefmarkensamml«, und zwar insofern, als alle paar Tage neue Martens«ien hergestellt werden, sei es durch Neu- druck überhaupt oder durch Ueb«druck u. dgl., die den Wert der betteffcnden Marken verändern. Den Derkauf des größten Teil dieser Briefmarken hat nun, wie Ewers berichtet, ausschließlich der Postmeister, d« sie zunächst, da sie für ihn persönlich selbst- verständlich nicht den mindesten Wert besitzen, mit 20 Proz. Rabatt abgibt, vor allem aber gleich nach ihrer Fertigstellung— oft sogar noch bevor sie in Haitt selbst verwendet werden— an die großen Briefmarkenhändler in London, Paris und Leipzig sendet und hier- bei natürttch erst recht glänzende Geschäfte macht. Damit begnügt er sich aber keineswegs, sondern« macht gewöhnlich auch noch den Teil der Marken, der von Rechts wegen zum unmittelbaren Porto- gebrauch der Einwohner d« Stadt bellimmt und somit eigentlich das Eigentum der Post ist, auf eigene Faust zu Geld, wodurch oft genug vorkommt, daß die Briefmarken auf der Post„ausverkauft" sind, und daß man, wenn man einen Brief frankieren will, sehen muß, in irgendeinem Geschäft Briefmarken aufzutteiben. Da auf diese Weise so ziemlich die ganze Einnahm« flir die Briefmarken, die zudem auch immer in sehr ansehnlichen Mengen hergestellt werden, in die Taschen des Postmeisters fließen, so ist es kein Wunder, daß der Beamte in diesem Fall auf die Barauszahlung seines Gehalts v«zichtet und mit den Briefmarken vorlieb nimmt. HanS Pfivner fikbelt bei»ibiti'lui! feiner diesw'n'e-llrben Tätiqkeit in ?ertin, wo er bekanntlich eine Meiilerflnsie für Kompolition an der Akademie leitet, wieder Anfang März nach Unterichondors am Ammcrsee über, um sich während de? Commerz ganz feinen komvositorifchen Arbeiten zu widmen. Er wttd zunächst ein umiangreichereZ Werk für 4 Solostimmen. Ebor, grosieZ Orchester und Orgel nach Sprüchen und(Sedichten von Eickendorfs vollenden, dessen Komposition biZ zur Hälfte fortgeschritten ist. Die Uraufführung des Werses, das im Vrrlag von Adolph Fürstner erscheint, findet Ansang des Fabres 1322 statt. Vor seiner Ztb- reise dirigiert Vfilrner am 8. März da« in Berlin zugunsten der ver- triebene« Elsah-ttothrlnger statlfindende Konzert im Zoo. Tie nächste Avrndmusst in d« Kniser-WIIbelm-Medächtttskirche veranstaltet spritz Heitmann am Donnerstag, den 3. März, g Uhr abends. Milwi lende: Sedwig Raabe- Griese(All) und Llliao Raffcirberg(Violine). sBach-Händel-Abend). Ilka Grüning bat ihre Verbindlichkeiten mit dem Leifingtheater gelöst und ist ans dem Verbände der Barnowslh-Vnhnen geschieden. T« Bund d« Kriegsdienstgegner veranstaltet am 4. März, abend» '.>,8 Uhr in der Aula de« Friedrich-Wilbeimghmnaiium«, Kochstrasjc ist, eine öffentliche Kundgebung:„Ott« will der Revolutionäre y a z i s i« m u S Redner: Armin X Wegn«, Karl Vetter, Wolfgang ' Redding, Arthur Zickl«, Helene Stöcker, Rubots Rock«. �nleiheöenkschrist für dos Reich. Dem Reichstag ist jetzt, wie alljährlich, eine Anleihedenk» s ch r i f t jür das Reich und zwar jür 1920 zugegangen. Der Ge- samtbeirag der Anleihekredite belies sich noch der vorigen Denkschrift aus 178 328 902 026 M. Dazu traten dann aus Grund einzelner Gesetze aus dem Jahr« 1919 und 1920 weiter« Summen, die Rch um einig« Ersparnisse ermäßigten. Insgesamt stellt sich setzt der Betrag der Anleihekredite auf 245 730 441 977 M. Das gesamt« aus Grund des Anleihekredits begebene Schuldkapital betrug an öprozentigen, 4-, 31-6- und 3prozentigen Schuldverschreibungen, an 41-6- und Sprozentigen Schatzanweisungen, an unverzinslichen Schatzonweisungen und einschließlich der Prämienanleihe 1919 zu- sammen 224 049 764 861 M. Der gesamte bis 30. Dezember 1920 in Schuldverschreibungen und verzinslichen Schatzanweisungen be- gebene Anleihebetrag verzinst sich im Durchschnitt mit 4,993, also fast genau 5 Proz._ preußisthe Wohnungsfürsorge. Zur Gewährung von Baukostenzuschüssen für die Errichtung neuer Wohnungen, die preußischen Beamten und Ar- beitern auf längere Dauer zur Verfügung gestellt werden, sind bereits im vorigen Jahre auf Veranlassung des preußischen Wohl- fahrtsmini st«riums staalliche Mittel bewilligt worden. Di« Zuschüsse werden neben den aus Reichs-, Staats- und Gemeinde- Mitteln allgemein bereitgestellten Beihilsebeträgen bewilligt. Auf diese Weise sind bereits ein« große Anzahl gut« Wohngelegenheiten für staatliche Angestellte geschaffen worden. Der Staat beabsichtigt, auch in Zukunft w gleicher Weise Wahnungssürsorgemaßnahmen in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber durchzuführen. Dieses Bei- spiel mag die privaten Arbeitgeber an ihr« Pflicht erinnern, durch geldliche Auswendungen zur geordneten Unterbringung und Behau- sung ihrer Angestellten und Arbeiter selbst beizutragen. Die flbstimmungsreise. Dresden. 1. März.(TU.) Das sächsische Gesamtmtni» st e r i u m erläßt einen Aufruf an die Bevölkerung Sachsens, in dem an die Pflicht jedes abstimmungsberechtigten Ober- schlesier» appelliert wird, die Mühe der Abstimmungs- reife auf sich zu nehmen und seine Stimme abzugeben. Gleich- zeitig wird nochmals um Spenden zur Unterstützung der Ab- stimmungsgebiete gebeten. wisiell über öos Reichsmietengefetz. Vorsitzender Edler v. Braun eröffnet die Sitzung des Bor- läufigen Reichswirtschaftsrats um 11 Uhr 15 Min. und teilt mit, daß das Kabinett nunmehr die Frage der Etatisierung des Reicks- wirts chaftsrates in bejahendem Sinn« entschieden Hab«. Auch die Unterbringungsfrage sei gesichert. Der endgültige Vertragsabschluß stehe bevor, so daß der Reichswirtschaftsrat in absehbarer Zeit über ein eigenes Heim verfügen könne.(Beifall.) Das Haus tritt in die zweite Beratung des Reichsmietengesetzes ein. Eingegangen ist ein Antrag Dr. Belian(Vors. des Reichsstädtebundes), der besagt, daß ein« finanzielle Belastung der Gemeinden bei der Ausführung des Reichsmietengesetzes ver- mieden werden soll. Heuer(Arbeitgebervertreter der Industrie) gibt die Erklärung ab, daß seine Abteilung bereit sei, für den Gesetz- entwurs zu stimmen, wenn die 8Z 1 Abs. 1, 6, 7 und 16 in der Fassung der Regierungsvorlage wiederhergestellt und die Anträge seiner Abteilung angenommen werden. Disscll: Ein solcher Amrag ist recht merkwürdig, wenn man noch gar nicht weiß, wie sich das Gesetz überhaupt gestaltet. Gegen die Fassung des§ 1 habe auch ich Bedenken. Der Paragraph ist eine Kannvorschrist. Aus dieser Kannvorschrist muß nach meiner Absicht eine Mußvorschrift gemacht werden, damit die Ausnützunq der gegenwärtigen Rot für besondere Vorteile vermieden wird. Der Mieter muh in der Lage sein, wenn er zu einem ungewöhnlich hohen Preis« abgeschlossen hat, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes sich für die gesetzliche Miete erklären zu können. Das wird auch im Interesse der Arbeit- r,« b« r liegen.(Lebhafter Widerspruch des Dr. S ch w a r tz und Zuruf: Dann muß er eben nicht mietenl) Dr. Schwartz(Arbeitgebervertreter der Banken) wendet sich gegen grundlegende Abänderungsartträge. Man sollte die Fassung be behalten, wie sie gestern beschlossen ist. Regierungsrat Cbellng: Die Regierung ist de? Ansicht, daß Eingriff« in die Vertragssreiheit nur insoweit erfolgen sollen, als sie durch wirtschaftliche Notwendig- b.iten g, rechtfertigt sind. Die Regierung fft nicht der Meinung, daß es erforderlich ist, daß Mieter, die jetzt geringer« Mieten zahlen, gezwungen werden sollen, die höhere gesetzliche Miete zu emrichten. Ein so wettgehender Eingriff, wie chn der Antrag Wissel! bedeutet, erscheint nicht notwendig und ich bitte, es bei dem Grundsatz des Gesetzes, daß ein Zwang für Mieter und Ver- mieter nicht ausgeübt werden soll, bewenden zu lassen, krör-er lFreie Berufe): Man darf nicht immer von Berliner Berhältnissen ausgehen. Wenn der Antrag Wissell angenommen werden sollt«, dann würden die Mieteinigungsämter in einem' Umfang« in An- spnich genoinmen werden, daß die Kosten für die Aemter von jetzt 800 Millionen Mark sicherlich auf 2 Milliarden anwachsen würden. Eisenbahnfragen. Im Houptausschuß des Reichstages wurde am Dienstag über verschiedene Anträge zur Etatsberottmg des Reichs- rerkehrsministeriums abgestimmt. Ein demokratischer Antrag, das Mitbestimmungsrecht des Reichstages bei der Tarif. geftaltung im Eisenbahnfinanzgesetz zu regeln wurde mit großer Mehrheit angenommen, ebenso eine Entschließimg aus Beibehaltung der Fahrpreisoergünsttgung für Krantenpfleger. Angenommen wurde dann eine Zentrumsentschließung, bei notwendigen ArbeUerenklassungen in der Reichsverkehrsverwaltung auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter gebührend Rücksicht zu nehmen. Insbesondere sollen Arbeiter, die schon vor dem Kriege bei der Eisenbahn be- schäftigt waren, nur dam, entlassen werden, wenn sse einen so großen landwirtschaftlichen Landbesitz haben, daß dadurch ihr Lebensunterhast gesichert erscheint. Die Entlassungen von Ar- bettern, welche gegen diese Grundsätze verstoßen, sollen sofort rück- gängig gemacht werden. Angenommen wurde weiterhin eine demokratisch« Entschließung, welche Fahrpreisermäßigungen für Fahrten zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken und für ähnliche Zwecke in weitestem Umfange verlangt. Ebenso sollen unterstützt werden das Deutsche Museum in München, Arbeitsvermittlung, öffentliche Krankenpflege, mtttcllose Kranke und besonders mittellose Schwerkriegsbeschädigte. Auch die Ztchrprciserrtiäßigungen für Arbeiter mit handwerksmäßiaen Verrichtungen sowie die Einrichtung von Monatsnebenkarten sollen danach bestehen bleiben und auf minder- besoldete Arbeiter und Angestellte ausgedehnt werden. Angenommen wurde ein sozialdemokratischer Antrag, bei der Tarif. erhöhung Rücksicht zu nehmen aus die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, und insbesondere den Ver- kehr der Arbeiter und Angestellten zwischen deren Ar- beits- und Wohnort möglichst wenig zu belasten. Frankreich unö die Soarkohle. pari». 1. März. In der Kammer ist gestern ein Bericht über einen Gesetzentwurf vorgelegt worden, der die Schaffung eines Amtes für die Bergwerk« vorsteht. Dieser Bericht enthält ein Programm, durch das die augenblickliche Kohlenförde- rung im S a a r g« b i e t in 10 Iahren verdoppelt werden soll. Der Bericht verlangt einen Kredst von 150 Millionen Frank für die Vor- arbett der Umorganisierung. GroßSerllR Lernschule � Arbeitsschule. Die Umgestaltung unserer bisherigen sogenannten Lernschule in die durch Reichsverfassung gesetzlich geforderte Emheits-Arbeitsschule ist das Ziel der neuzeitlichen Schulreform. Ihr stehen außerordent- liche Schwierigkeiten entgegen. Am hinderlichsten ist der nicht zu verkennende Widerstand sowohl in behördlichen wie Fach- und Elternkreisen, der zumeist in fehlender oder falscher Orientierung über diese durchaus gesunde Reform begründet ist. Ihre Durch- führung wird keineswegs aus irgendwelchen oolttischen, sondern aus erziehkich-pädagogischcn und volkswirtschaftlichen Gründen gefordert, selbstverständlich zunächst in den Grenzen der augenblicklichen wirt- jchaftlichen und schultcchnischen Möglichkeiten. Weitere Hindernisse, insbesondere das Fehlen außerordentlicher wie planmäßige� Mittel und geeigneter, für die Idee begeisterter Lehrkräfte, müssen über- wunden werden. Dorum: Zusammenschluß aller der Durchführung der Arbeitsschulidee dienenden Kräfte! Diese Ausgabe hat sich der in diesem Monat gegründete Ver- band für die werktätige Erziehung gestellt. Er um- faßt die gleichnamigen Vereinigungen von Berlin, Charlottenburg, Neukölln und Wilmersdorf. Ohne die Idee der Arbeitsschule zu verkennen, betont er die zielbewußte Vor- und Ausbildung der manuellen Kräfte im Kinde als Grundlage einer erfolgreichen Durch- führung der Reform. Er bezweckt die zielklare und tatkräfttge Förde- rung der Arbeitsschule durch werktätige Erziehung in jeder Form. und zwar durch 1. Zusammenschluß aller dem gleichen Ziele zu- strebenden Bezirks- oder sonstigen Vereinigungen und Arbeitsgemein« schaffen zur gemeinsamen Bearbeitung und Durchführung allge- meiner Aufgaben, 2. durch Sammlung und Auswertung der Arbeits- ergebnisse der einzelnen Derbandsgruppen und 3. durch Gründung und Ausbau einer allen Anforderungen der neuzeittgen Arbeitsschule entsprechenden Werklchrerbildungsanstall in Berlin. Um seine Arbeiten auf möglichst breiter Grundlage und unter Berücksichtigung der verschiedenartigsten Verhältnisse und Möglich- keilen produktiv aufbauen zu können, fordert der Verband auf zum Zusammenschluß aller Arbeitsschulfreunde— gleichviel welcher Schattierung— in Vezirksvereinigungen und zum Anschluß an den Verband als Verbandsgruppen. Anfragen und Meldungen sind zu richten cm Lehrer Giake in Wilmersdorf, Burgunder Str. 2. Achtung, Genossinnen! Am Freitag, den 4. März. nachmittags S Uhr, la den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18: Funktionärinnen-Konferenz Tagesordnung: 1. va» Ergebnis der Dandkagswahlea. Referentiu: Gertrud Hanna, Ul.d. L. 2. Die Londoner Konferenz. Referentin: Marie Zuchacz. M. d. L. Mitgliedsbuch legitimiert. Die neue Straß enbahntarlfvorlage. In der gestrigen Sitzung der verkehrSdepulotion wurde die neue Vorlage des Magistrats bezüglich Ablehnung deS von der Stadtverordneten-Veriammlung vorgeschlagenen Staffeltarifs besprochen und der Beibehaltung des Vorschlags der Sinsührung deS Einmarktariss zugestimmt. Die Sozialdemokraten einigten sich mit den bürgerlichen Parteien über eine Neu- fassung des Beschlusses deS Ausschusses zur Prüfung der Wirtschaft- lichkeit bezüglich einer Lcnderung des Tarifvertrages vom 11. Juni 1920. Es ist daher anzunehmen, falls in der heurigen Stadt- verordnetenversammlung lein Einspruch gegen die Dringlichkeit der Magistratsvorlage erhoben wird, daß die Emführung des I-Mark« Tarifs beschlossen wird. Bei dieser Gelegenheit kam auch grundiätzlick die Frage der Umwandlung der Straßenbahn in eine andere Unternehmung*form zur Sprache. Die diesbezüglichen Erhebungen find noch im Gange. Seitens des Vorsitzenden, Baurat Dr. Jng. Adler, wurden nähere Aufschlüsse über die verschiedenen Projekte der OmnibuS-Gesellschast gegeben und dabei bemerkt, daß nur solche Linien zugelassen werden sollen, die nachweislich der Stadt einen Reingewinn bringen._ ver Raubüberfall bei Strausberg. Trotz der umfassenden Nachforschungen der Polizeiverwalwng in Strausberg und der hiesigen Kriminalpolizei ist es noch nicht ge- lungen, eine Spur der Täter zu finden. Ein Radfahrer, dem die Maschine schadhaft geworden war und der sie auf der Chaussee aus- besserte, sah nach dem Ueberfall mehrere Männer, die in der Richtung nach dem Bahnhof Strausberg-Ost zugingen. Vielleicht haben diese irgend etwas beobachtet, was zur Aufklärung beitragen könnte. Sie werden ersucht, sich bei der Polizciverwaltung in Strausberg, oder im hiesigen Polizeipräsidium, Zimmer 80, Hausanruf 601, zu melden. Erschwert werden die Ermittelungen dadurch, daß kein Kampf zwischen den Fahrgästen und den Räubern stattgefunden hat, daß also auch von diesen keiner irgendwie verletzt oder an den Kleidungsstücken beschädigt worden ist._ Die ErmorSung öes polen Rozenblum. Zu der Ermordung des Polen Rozenblum wird berichtet, daß die Nachforschungen der Kriminalkommissare Boese und Dr. Schuppe mit ihren Beamten zwar zu wichtigen Feststellungen geführt haben, der Täter bisher jedoch noch nicht ermittelt werden konnte. So wurde ein gewisser Kempner ermittelt, der nach dem Polizeipräsidium ge- bracht und dort einem eingehenden Verhör unterzogen wurde. Kemp- ner, der ebenfalls aus Lodz stammt und mit dem Ermordeten in enger Beziehung gestanden hat, bestritt bei seinem Verhör, für Rozenblum als Agent tätig gewesen zu sein. Festgestellt werden konnte, daß er wiederholt in dessen Wohnung gewesen, und daß es dort zwischen ihm und Rozenblum häufig zu erregten Auftritten gekommen ist. Zur weiteren Aufklärung der Bluttat ist die Ermittelung eines 32 Jahre alten Adam Geisler von großer Wichtigkeit. Geisler, der ebenfalls aus der Gegend von Lodz stammt und dessen wirklicher Name wohl ebenfalls ein anderer ist, hatte bis vor 14 Tagen in der Lange Str. 18 gewohnt. Seine Wohnung trat er dann an einen Landsmann ab. ohne daß man erfahren konnte, wo er sich seitdem aufhält. Da die Vernehmungen dieses Geisler für die Aufklärung des Derbrechens von großer Wichtigkeit sein können, wird er unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung ersucht, sich umgehend bei der Kriminalpolizei im Zimmer 51» zu melden. Nachdem der Mörder bei seiner elligen Flucht seinen braunen Stepphut am Tatort zurückgelassen, hat er gleich darauf ein Hut- geschäft in der Liebigstraße 8 aufgesucht und sich dort einen ähnlichen Hut, einen braunen Haarhut mit dunkelbraunem Bande, gekauft. Er kam ohne Kopfbedeckung in das Geschäft, hotte es beim Einkauf sehr eilig und zahlte den Kaufpreis von 80 M. mit zwei Fünfzigmart- scheinen, die er au» einem gebündelten Paket entnahm. Der am Tot- ort aufgefundene Hut des Täters und der ebenfall» zurückgelassene Dolch werden im Lichthof des Berliner Polizeipräsidium» zur Re- kognoszierung durch da» Publikum ausgestellt werden. Neue EiuheitSreviere in PolizeiSmter«. Am 1. März werden die neu eingerichteten Einheitsreviere in den Poli.zeiämtern Tiergarten, Schöneberg und Neu- t ö l l n ihre Tätigkeit aufnehmen. Es sind eingerichtet worden: Im Polizeiamt Tiergarten die Reviere 1 Tg., Klopstock- straße 29, 2 Tg.. Ottostr. 9, 3 Tg., Beusselstr. 23. 4 Tg., Waldstr. 33. 6 Tg.. Wichelmshavener Str. 8/4, k Tg., Stehanstr. 13. 7 Tg., Paulstr. 17. 8 Tg., Kurfürstenstr. 153, 9 Tg., Alvenslebenerstr. 23, und 10 Tg., Derff- linaerstr. 20a.— Im P o l i z e i a m t Schöneberg die Reviere 1 Sch., Apostel-Paulus-Straße 9. 2 Sch., Gvlbstr. 82. 3 Sch., HewaldS- straße 11, 4 Sch., Kriemhildstr. 7, und 5 Sch., in Friedenau, Mavbachplay (Baracke).— Im P o I i z e i am t Neukölln die Reviere 1 Nl., Do- naustr. 94. 2 Nk.. Leykestr. 17, 3 Nk.. Mainzer Str. 37, 4 N!.. Bürkner- straße 3, 5 Sil., Rcuterplatz 5, 3 Nk., Kaiser-Friedrich-Straße 193/194, 7 Nr., Lahnstr. 38, und 8 Nl., m Britz, Rochowstr. 4.— Im Polizeiamt Tiergarten ist die Beussrlwache, Waldstr. 33, eingezogen worden. Di« bis jetzt von der Kriminalpolizei innegehabten Räume der Kanalwache sind der Kohlenstell« eingeräumt worden. Der Nachtdienst der Kriminalpolizei wird in der Moabiter Wache eingerichtet.— Im Polizeiamt Schöneberg sind die Räume der Gothaer Wache in die Zimmer 43 und 43a der- legt worden. Die Kriminalpolizei verbleibt noch bis»ur Anmietung wei- terer Räume in der Frcge-, Hauptstraßen- und Eisenbahnwache. Der Nachtdienst der Kriminalpolrzei befindet sich im Gebäude des PolizeiamtS._ Im Pvlizeiamt Neukölln wird der Nachtdienst der Kriminalpolizei im Gebäude des Polizeiamtes eingerichtet. Was ein Hausherr„sich»erbittet". In der Agitation zu den Londtagswahlen mußte auf die H a u s a n g e st e l l t e n ein sorgsames Augenmerk gerichtet werden. An sie ist ja mit den üblichen Agitationsmitteln lehr viel schwerer als an andere Wählerinnen heranzulommen, und zur Sicherung ihrer Wahlfreiheit sind hier besonder- Maßregeln nötig. Welche Zeitung die Hausangestellten lesen, da« hängt meist von der „Herrichaft* und deren Parteizugehörigleit ab. Auch in der Frage des Versammlungsbeiuches wissen viele.Herrschaften' e« so einzurichten, daß sie ihre Hausangestellten den Sozialdemokraten fern« halten und möglichst den Deulschnaiionalen zutreiben. Aber sogar gegen Uedersendung von Ftugblätteru und Stimmzetteln der S o z i a l d e m o l r a t i s ch e» Partei an Hausangestellte hat, wie wir aus Tharlottenburg erfahren, ein Hausherr s i ch gewehrt. Au« dem Hause Fasanen st raße 26 kam ein an die Hausangestellten gerichtetes Flugblatt der S.P.D. samt den Stimmzetteln zerrissen an die Ab- sender zurück. Beigefügt war ein Zettel, auf dem zu lesen stand: Wir senden Ihnen hierdurch die uns zugeschickten sozial- demokratischen Stimmzettel wieder zurück, da wir als HauS- angestellte wissen, wie wir zu wählen haben: nämlich»Deutsch« nationale Volkspartei' oder»Deutsche voll»- Partei!' L. Hanke, Erzieherin. E. Schönrock, Hausmädchen. Wir wollen keine Betrachtungen darüber anstellen, welcher .Geist' diesen Hausangestellten das diktiert hat. Nur nebenbei sei erwähnt, daß die Handschriften in dem Namen Hanke und in dem Namen Schönrock sich von der Handichrist des Textes der Erklärung merllich unterscheiden. Auf der Rückseite des Zettels prangt in wieder anderer Handschrift noch folgender Ukas: Ich verbitte mir in Zukunft Ihre Zusendungen in mein Haus. Bi«. Der unterzeichnete B i e ist offenbar der Hausherr. Personen, die auf Zusendung gegnerischer Flugblätter mit einem»Ich ver- bitte mir' oder in gröberer Form antworten, gibt es wohl in allen Parteien. Man braucht sich über solche Leute nicht aufzu« regen— sie machen sich mtt ihren Wutausbrüchen nur lächerlich. Hier aber, wo es sich um Rücksendung eine» an Hausangestellte gerichteten Flugblattes handelt, ist es ein Hausherr, der sich Zusendungen»in sein Haus' verbittet. Seine jetzigen Hausangestellten haben so gewählt, daß er mit ihnen zu- frieden sein wird. Aber auch»in Zukunft' will er solche Zusendungen »seinem Hause' ferngehalten wissen, so daß auch lünflige Hausangestellte vor der Berührung mit Flugblättern der S.P.D. bewahrt bleiben. Der Einfall dieses Hausherrn, sein»Ich verbitte mir in Zu- kunft usw.' sei hiermit öffentlich festgenagelt. An die HauSange- stellten aber richten wir die öffentliche Anfrage: Wer kann uns Näheres über Herrn Bie mitteilen? Feuer im Bahnhof Alexanderplatz. Der Bahnhof Alexanderplatz war in der letzten Nacht der Schau- platz eines Brandes. Dort stand das Doch der großen Bahnhofs- halle nach 11 ulhr in Flammen. Die Feuerwehr wurde von zwei Seiten alarmiert und war schnell zur Stelle. Diesem Umstand ist e» zuzuschreiben, daß der Brand, der schnell reiche Nahrung gefunden hatte, auf dos Dach des Bahnhofs beschränkt werden tonnt«. JÖer Eisenbahnverkehr ging ohne wesentliche Störung welter. Dasbach an der Ecke der Panoramastraße ist stark beschädigt: sonst ist kein er- heblicher Schaden entstanden. Die Entstehung wird auf Schad- hafttgkeit der Heizung zurückgeführt. Besuch der FarmersShne bei der A.E.G.OberschSneweide. Die feit einigen Tagen in Berlin weilenden amerikanischen Farmersöhne, die den Transport der für Deutschland bestimmten Milchkühe ausgeführt haben, statteten dem Kabelwerk Oberspre« der AEG. einen Besuch ab. Die jungen Amerikaner zeigten lebhaftes Interesse für die einzelnen Betriebe des Werkes und insbesondere für die Leistungen der in der Werkschule tättgen Lehrlinge. Auch die Wohlfahrtseinrichtungen des Werkes, wie z. B. die umfangreich« Anlage der Arbeiterspeisung, fanden Beachtung und Anerkennung. Bei einem gemeinsamen Frühstück in der Werkskantine, da»»um Schluß die Teilnehmer mit den Vertretern der Direktion vereint«, dankte namens der Deutsch-Amerikaner Herr Ingenieur Einicke aus Houston für die erwiesene Gastfreundschaft und fand Worte leb- hafter Anerkennung für die deutsche Arbeit. Erste Schal-Kunstausstellung>n einer Volksschule. In der Zeit bis 20. März d. I. veranstaltet der Bund für Schul- knnstausstellungen in der Aula der 13. Bolksschule m Berlin- Schöneberg, Hohenstausenstr. 49, eine Ausstellung von Originalen hervorragender Künstler, u. a. von Ludwig Richter, Prof. Looschen, O. H. Engel, Lederer, Menzel, Slarck, Lewin-Funke, Candrock, Wendel, Kolbe, Sandkuhl, Thiele, Plontke, Blancke, W. Wilcke, Geyer, Fenkohl, Kayser-Eichberg, Lejeune. Albitz, Löwenstein, Pechstein und Herzog. Die Ausstellung ist geöffnet zum Besuch von Schulklassen vormittags von 9— 1 Uhr, für Erwachsene Sonntag» von 11— 1 Uhr und wochentags von 2—5 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen durch oie Ausstellung finden regelmäßig jeden Sonntag 11 Uhr, jeden Mittwoch und Sonnabend 3 Uhr statt. Schrelbmafchinendlebe. In der Nacht zum Sonntag gegen >410 Uhr erbrachen Diebe die Geschäftsräume der Ehemikaliengroß- Handlung Edmund Schröter, Friednchstr. 181«l, und stahlen daselbst zwei Schreibmaschinen, und zwar eine fast neue Stoewermaschine Nr 3/4541 und eine ebensolche Kappelmaschine Nr. 2775. Es ist der zweite bei obiger Firma verübte Einbruch innerhalb der letzten 6 Wochen. Vor Ankauf der Mchchlnen wird gewarnt. Personen, die durch Angaben zur Herbeischaffung der Maschinen bettragen, er- hallen pro Maschine 500 M. als Belohnung. (pinen groben Tiedliingsabrnd veranstaltet die Deutsche Gartendau- Gesellschast am Donneistag. den 3. Mörz, abends 6 Ubr, in der Landwirt« libaslliche.n Hochi-bule. Invaliden kir. 42. Herr Hauptmann Detlef Schmud«, der Bearünder der Heimnälten- Gefell' chast 71cu. Deutschland zu Völple. wird einen Vortrag mtt Lichtbildern halten:»Richtig Siedeln ein» Lebens» notwendigteit für das deutsche Colt*. »ine Versammlung der«uSlanbsdentschen au« britllchem Gebiet findet am Donnerstag, den 3. März, abends 8 Uhr, in der Reuen Stadt, hall«, Eingang Kloslersttatz«, statt. GewerGhostsbewegung Cla Generalstreik in potsöam. Am IN. Februar ist im Potsdamer Handel»- und Trans» portgewerbe ein Streit ausgebrochen. Die Arbeitgeber ver» suchten durch ein großes Inserat die Einwohnerschaft zu täuschen und suchten Streikbrecher, die sich im Werbebureau für Notstands- arbeiten melden sollten. Außerdem trat natürlich sofort die Tech- nische Nochllfe in Aktion. Am letzten Sonntag hotte nun das Pots- dmner Gewerkschaftskartell die Arbeiterschaft Potsdam» nach dem Lustgarten zu einer Dersammlung berufen, m der der Streit und die Stellungnahme zur Technischen Nothilfe behandelt wurde. Von den Lersammelten wurde die Zurückziehung der Tech» nischeu Nothilfe einstimmig gefordert. Am gleichen Tage fand abend» eine Zusammenkunft der Gewerkschaftsvorständ« und der poMschen Parteien von Potsdam-Nowawes statt, die gleich- fall» gegen die Technische Nothilfe Beschlüsie faßte. Sämtliche Gewerkschaften wollen zur Unterstützung der Transport- arbeiter in Verbindung mit den politischen Parteien den Kampf gegen die Tätigkeit der Technischen Nochilfe aufnehmen. Am Montag abend fand wiederum eine Sitzung sämtlicher Gewert» schaften. Betriebsräte und der politischen Arbeiterparteien statt, die einstimmig eine Resolution faßte, wonach die Gewerkschaften in «in« Gegenbewegung«intreten werden, wenn bei de» heutigen Verhandlungen keine Aenderung eintritt. Auch eine Bersammlung der Straßenbahner nahm mit Ent- rüstung von den Vorgängen Kenntnis und faßt« eine Resolution. wonach sie sich voll und ganz der Resolution de» Gewerkschaft»- kartells anschließen und bereit erklären, der Parole der in Frage kommenden Instanzen stritte Folge zu leisten. vis Hamburger Holzarbeiter für Amsterdam. Bei den Verwaltungswahlen der Zahlstelle chamburg des Holz- arbeiterverbandes siegten die Anhänger der Amsterdamer Inter- nationale mit Dreiviertel. Majorität. Damit sind die stark geschwellten Kommunistenhoffnungen auf mindesten« einen Teilerfolg in Nichts zerronnen. Die Betriebsrätewahleu der Holzarbeiter. Zu den bevorstehenden Betriebsrotewahlen nahm am Montag eine Bersammlung der S.P.D.- Funktionäre der Holz- industrie Stellung. Nach einem sehr interessanten Bortrage des Genossen Gerwin über Sowjetrußland, bei dem er sich auf seine persönlich in Rußland gesammelten Kenntnisse stützen konnte, sprach Genosse R e t n t n e ch t zu den Letricbsrätewahlen. Er verwies auf die Veränderung der Situation, wie sie seit den vorjährigen Betriebs- rätewahlen eingetreten ist. Was die Stimmung in den Betrieben betrifft, so herrscht ein ziemliches Kunterbunt. Die unabhängigen Kollegen sind sehr unzuverlässig. Die frühere Verhetzung in den Ge- werkschaften wirkt nach. Die Unabhängigen unten machen vielfach nicht so mit, wie es die Unabhängigen oben möchten. In einzelnen Betrieben stellen die Unabhängigen mit uns freigewerkschaftliche Listen auf, in anderen Betrieben gehen sie wieder mit den Kommu- nisten gegen uns. Jedenfalls besteht für die kommenden Betriebs- rätewahlen die unbedingte Notwendigkeit, daß sich daran unser« Ge- nossen restlos in allen Betrieben beteiligen und nicht etwa verärgert beiseite stehen. E« muß versucht werden, die Unterminiertätigkeit der Kommunisten im Keime zu ersticken. In der Diskussion vertrat Fleck den Standpunkt» daß dort, wo man die Voraussicht habe, mit einigem Erfolgt unseren Genossen zum Siege zu verhelfen, eine S.P.D.-Liste einer frelgewerkschast- lichen Lifte vorzuziehen sei.— Leopold betonte, daß, wenn von der Wahl gewerkschaftlicher Listen die Rede sei, dies sich an die großen Betriebe richte. Bon einer einheitlichen gewerkschaftlichen Liste könne nur in dem Sinne die Rede sein, daß die S.P.D.-Kollegen zu ihrem vollen Rechte kommen. Ein« Entschließung wurde nicht angenommen. ß Oberschlesier, 1 I. die nach dem 1. Oktober 1920 Ins Reich verzogen, 2. die nur vorübergehend sich aoQerhslb Oberschlesiens 9 aufhalten, Ihr braucht Passierscheine!| Zu 1. In Oberschlesien geborene und dort bis 1. Oktober 8 1920 wohnhaft gewesene Stimmberechtigte(Kate- E gorle A) und außerhalb Oberschlesiens geborene 99 Abstimmungsberechtigte, die seit dem f. Januar| 1904, oder seit einem früheren Zeitpunkt bis 1 I. Oktober 1920 dort ununterbrochen gewohnt I haben und nach dem I. Oktober 1920 ans dem| Abstimmungsgebiet verzogen sind(Kategorie L),| Zu 2. alle Stimmberechtigten der Kategorie A, die noch I heute im Abstimmungsgebiet ihren ständigen j Wohnsitz haben, z. Zt aber sich außerhalb des I Abstimmungsgebietes aufhalten(z. B. Studierende, I Geschäftsreisende, Saisonarbeiter usw.), müssen zur Einreise zur Abstimmung Passierscheine haben, 9 die zugleich als Stimmkarte dienen. Diese Passier- I scheine werden nur auf schriftliches Gesuch nach{ vorgeschriebenem Muster hin ausgegeben. Das Gesuch 99 muß spätestens am 2. März 1921 beim I Paritätischen Ausschuß eingetroffen sein. Formulare B hierzu und Beratung erteilt jede Ortsgruppe der Bl Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier| Moskau ober Amsterdam? Diese Frage beschäftigte eine Bersammlung des Zentralver» bandes der Schuhmacher Deutschlands, die am Montag im Lokal.Lönigsbant stattfand. Referent war K l a m e t(B.K.P.D.), Korreferent Emil Barth(U.S.P.D.). Klamet brachte in seiner sehr ausgedehnten Rede die bekannten Borwürfe und Anschuldigungen gegen den Gewerkschaftsbund und die Sozialdemokraten vor. In Rußland herrsche zwar die Diktatur, aber diese sei für die Gesamt- heit, wenn auch nicht von der Mehrheit. Der Anschluß an Moskau sei zur Fortsetzung der proletarischen Revolution dringend erforder- lich.(Beifall und Widerspruch.) Emil Barth wandt« sich gegen den Anschluß. Was der kommu- nistilche Redner zur Begründung seiner Forderung angeführt Hab«, sei llnsinn und als solcher schon von ihm(Barth) in dutzenden Ber-. sammlungen gekennzeichnet worden. Auf die Frage, ob Moskau oder Amsterdam, komme es weniger an als daraus, in welcher Weise es möglich werde, für das gesamte Proletariat der Welt eine macht» volle Geschlossenheit zu erreichen, die stark genug sei, den Kampf gegen den Kapüalismus mit Erfolg zu führen und Rußland den notwendigen Frieden zu verschaffen.(Beifall und Widerspruch.) An der folgenden Aussprache beteiligten sich kommunistische und sozialdemokratische Redner. Schließlich wurde mit 201 gegen 197 Stimmen eine Resolution angenommen, die den Anschluß an Moskau fordert. Wahlen im Deutschen Porti erverband. Am Sonntag nahm ein« von ca. 100 Funktionären besuchte Konferenz im Gewerkschaftshaus Stellung zur Neuwohl der Sektionsleitung. Der Sektionsleiter Kurgas gab einen kurzen Bericht vom verflossenen Jahre. In der anschließenden Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, daß der bisherig« Sektionsleiter nicht als geeignet betrachtet wird, den Posten weiter zu bekleiden. Bon der Sektionsleitung wurde der bisherige 2. Sektionsleiter L e u b e in Dorschlag gebracht, diesem Vorschlag schlössen sich sämtliche Branchen an, so daß der Vorschlag e i n st i m m i g von den Funktionären akzeptiert wurde. Zum 2. Sektionsleiter wurden Müller und der bisherig« 1. Sektions- leiter Kurgas in Vorschlag gebracht. Die Mehrheit der Funktionäre entschied sich für Müller. Als Seitionsschriftführer wurden Schreiber und Walter st ein in Vorschlag gebracht. Als MUglied der Bezirksverwaltung wurde Diekert vorgeschlagen. Die Wahl selbst findet am Sonntag, den 6. März, morgens �»10 Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses statt. Kolleginnen und Kollegen! Wer die Einheit der Organisation wahren, wer nicht will, daß die Organisation zersplittert wird, hat die Pflicht am kommenden Sonntag für die Lorschläge der Funk- tionäre zu stimmen. Achtung. Maler und Schablonenschneider! vi« Kollegen der Firma Beisen, Brückmann und Weber in Elberield be- gnden sich seit Montag, 21. Februar, im Streik. Da versucht wird, rbeitskräfte von außerhalb heranzuziehen, wird hiermit der Zu- zua nach Elberfeld gesperrt. Aufträge von Elberfeld sind nicht aus- zuführen. Verband der Maler, Filiale Berlin. Deutscher Werkmeister-VerSaub. Berlin J8. Fecharupp« Chemie. Mitgliederversammlung morgen abend 7 Uhr in Haverlands Feftstlen, Zteue Friedrichstr. 83. ssachgruppe 30, Gesamt» Automobilbau. Karosserie- und Wagenbau. Jersammlung am Donnerstag, den 3. März, im Schultheis, Reue Zakobftruhe. AugesteUteiwerdaud de» Buchhandels, Buch- und Zeitungsaewerbe», Fach- grupp« Bahnhoisduchhandel. Morgen abend»/,8 Uhr im.Nordischen Hof(gegen- über Etettiner Bahnhof): Bersammlung der Angestellten der Firmen Georg SttHe und Bereinigte Berliner ltiosk- und Trrnlhallengesellschasten. Arbeitslose der Firma Schstttr-Lanz, Zeesen I Morgen nachmittag SV, Uhr. für alle, die bei der Firma in der Zeit vom Zull bis Onober zur Entlassung ge» komme» find, wichtige Aussprache in Treptow, Reue, Sesellschaftshau», dir« am Bahnhof Treptow. Z. A.: Wilhelm Schmidt. Mus aller Welt. Der.arme' Rockefeller. Im F. P. S. lesen wir: Die.New« Aork-TimeS' hat an der Hand stalistischer Berichte festgestellt, daß Las Einkommen des Oel- Königs John D. Rockefeller von zirka 46 000 000 Dollar im Jahre 19l7 auf 87 000 000 Dollar im Jahre 1918 gesunken ist, vermutlich infolge verminderter Dividenden- Zahlungen der Gesellschaften. RockefellerS Einkommen in diesem Jahr wird von statistischer Seite auf 34 936 604 Dollar geschätzt. Berantto. für bta red alt. Teil: Dr. Werver Beifer, Charlottenburg: für Anzeige»: SH.«locke, Berlin. Verlag:»orwärlb-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Bor- wärtd-Ruchdruckerei u. BeriaaSanstalt Vau! Singer». Co.. Berlin. Lindenltr. Z. 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