Nr. t$4 ♦ St. �ahrgasg Ausgabe Ü Nr.S2 lveMgSvrelS» WiftWiaStL»,- SBL monctl.«.-«. frai tue Kau«, voran«»ahldar. Post- dezug: Monatlich i«.— M, rivlchi. ga» iiellungsgrbilhr Unter jtrnqdand für D-utlchland und O«lt erreich lSchO M, ffr da» llbrig« Ausland bei Uiglich «inmal. guftellung sich« M. Polt(>«• ltsllunzen nehmen an Orttmctist Ungarn. Tichecho-Sloroakei. DSne- worl. Kovand, Luxemburg, Schwede» und die Schweix.— Eingetragen in die Pojt-Zeilungs-Prelsliste. Per»Vorwärts" mit der Sonntag»- beilag«»Voll und Zeit" und der Unter- h»dungsbeilage»Seimweit* erscheint «ochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm- Ad reffe: »Jtojlalbomoteat ScelUrt, Abend-Ansgabe Devlinev Volksblatt der rozialdcmokratifcbcn Partei Dcwtfchtands (�20 Pfennig� Anzeigenpreis: Die achtgcspallen» Zionvaretllezetle kostet UV M»fileioe Nnzetgen** das tetigedruckte Wort tM M< zulässig zwei iengedriitite Wortel, lebe» weitere Dort i,— M Stellengesuche und Schtasstellenanzergen da, erst« Wort U— SDU lede» weiten Wort SO Psg. Worte üb« 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ffamilien-An- » eigen tür Abonnenten Zeil» 3s- Di Die Preise oerstehen sich einlchließüch T-uerungsiutchlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bt» S Ithr nachmittag» im Hauptgeschäst. B«ljn SW W. Linden. straße S, abgegeben werden lveässnet von 9 Uhr sriih bi» 5 Uhr abend». KeSaktioa unö«Expedition: SW 63, Onöenstr. 3 Kerusp recher: Amt Mortffvlatz, Nr. ISlSV— ISIS? Donnerstag, den 3. März Vonvärts-Veriag G.m.b.H., SW 68, Linüenstr. 3 Fernsprecher- Amt Mortliplap, Nr.>170»— 04 Der Kern öes üeutfthen Angebots. In diesem Augenblick, da in London die schicksalsschwere, ungeheure Entscheidung fällt, wird es manchem Leser des „Vorwärts" erwünscht sein, ein Bild zu gewinnen, wie die deutschen Vorschläge aus der Betrachtung der finanzpolitischen Weltlage heraus gewachsen sein mögen, welche Ueberlegun- gen zu ihnen geführt haben können. Wenn man nicht gerade den heutigen deutschen Zustand zum Maßstab nimmt, so ist die finanzielle Lage in Frankreich und Italien— um von den kleinen Trabanten und Schutz- befohlenen ganz zu schweigen— zweifellos sehr bedrohlich. Frankreich z. B. ilt nach den Angaben des bekannten Buches von Keynes, abgesehen von sehr hohen inneren Anleihen und schwebenden Schulden, an Amerika und England mit mehr als 21 Milliarden Goldmark(gleich 210 Milliarden Papiermark) verschuldet; andererseits hat Frankreich seinen romanischen und flämischen Verbündeten mehr als 7 Milliarden Goldmark vorgestreckt, und da davon fast die Hälfte auf Rußland ollein entfällt, so ist mindestens ein großer Teil von jener Summe als verloren zu betrachten. Diese zwei Ziffern genügen, um zu zeigen, daß die Entente keines- megs nur aus Rachsucht nach einer hohen deutschen Entschädi- gungszahlung verlangt: es liegt das sehr reale Interesse vor, die schwer gestörten Staatshaushalte durch außerordentliche Einnahmsn, durch Tribute der Besiegten, in das Gleichgewicht zu bringen. Bekanntlich haben die Alliierten in Paris beschloffen, von Deutschland eine auf 4 2 Jahre zu verteilende Gesamt« Zahlung von 226 Milliarden Goldmark zu fordern, dazu noch eine Abgabe vom deutschen Export, die sie auf jährlich zirka eine Milliarde Goldmark schätzen. Diese Forderung wurde von der gesamten deutschen Oeffentlichkeit, auch von den Vertretern der Arbeiterschaft, die ja in erster Linie die unge- heure Belastung unserer Wirtschaft abzuarbeiten hätte, als u n e ü l l b a r bezeichnet. Den Protest der deutschen Ar-! beiter Kaden ihre Klassengenossen in fast allen Ländern durch die GeWerkschastsinternationale in eindrucksvollster Kund- gebung unterstützt. Damit ist zugleich auch von unparteiischer Seite gesogt, daß notwendigerweise die deutschen Gegen- Vorschläge hinter jener unerfüllbar hohen Summe ziffernmäßig zurückbleiben mußten. Daß der Appell an die Vernunft nicht allzu viel vermag, haben wir genugsam erlebt. Es mußte also, wenn das ziffernmäßig niedrigere Angebot Aussicht auf Annahme finden sollte, mit ihm ein Appell an das wohlverstandene Interesse der Alliierten verbunden sein. Dem ziffernmäßigen Minus muß ein ander- Zeitiger Borteil für die Entente gegenüber stehen. Dies ist denn auch der Fall. Die gesamte Erörterung der Entschädigung in den alli- ierten Ländern wird von der Frage beherrscht, wie man die deutsche Schuld»mobilisieren" könne. Hierin liegt in der Tat der Kern des Problems: was Deutschland in 30 und -w Jahren zahlen wird, schafft den gegenwärtigen Bedräng- nissen des französischen Staatshanshalts keine Erleichterung: zwar werden einerseits die in Paris geforderten deutschen Zablungen infolge der Erstreckung über 42 Jahre durch die auflaufenden Zinsen so sehr vergrößert, daß aus einer ur- lprünglichen Summe von S0 Milliarden Goldmark am Ende der Zahlungsfrist 226 Milliarden Goldmark geworden sind— aber in gleichem Tempo vergrößern sich durch die auflaufenden Zinsen andererseits die Schulden der Ententestaaten, soweit sie nicht inzwischen zurückgezahlt worden sind. Daher der dringende Wunsch, sie eben möglichst bald zurückzuzahlen. Das aber kann nur durch Mobilisierung der deutschen Schuld geschehen: wenn Deutschland Garantien dafür gibt, eine internationale Anleihe zu verzinsen und allmählich zu tilgen, so können daraufbin die Kapitalisten der ganzen Welt sofort ihr flüssiges Geld für die Sanierung der Staatsfinanzen und für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen. Die Operation würde also so aussehen: Deutschland nimmt auf dem internationalen Kapitalmarkt eine Anleihe auf, stellt den Erlös der Entente zur Verfügung und leistet seine allmählichen Zahlungen, statt an die Entente-Regierun- gen nun als Zinsen- und Tilgungsdienst der Anleihe an die privaten Gläubiger. Nichts davon steht in den Pariser Beschlüffen der Mi- ierten, und es tonnte aus einem sehr triftigen Grunde un- möglich etwas davon hineingenommen werden, so sehr sich die Sachverständigen die Köpfe zerbrachen:»mobilisieren" kann ntan eine Schuld nur, wenn der S ch u l d n e r sie an- erkennt und sich zur Verzinsung und Tilgung verpflichtet, Was auf einem Wechsel das Akzept des Schuldners, das be- deutet für eine Sanierung der Ententebudgets die deutsche Unterschrift. Zwar hat die Entente die furchtbarsten Macht- mittel in der Hand. Der versailler Vertrag gibt ihr das Recht und jedenfalls die Macht, mlf graben und ungradsn Wegen Deutschland zu zerschlagen und zu vernichten, wenn sie es will(und wenn der neue amerikanische Präsident, der gerade morgen sein Amt antritt, es gestattet, da doch Amerika auf den Handel mit Deutschland angewiesM istl). Rur eines kann die Entente nicht: ohne Vergrößerung der eigenen Schulden- und Zinsenlast das Privattapital für Ihre finanziellen Bedürfnisse heranziehen! Jeder Kriegszug nach Deutsch- land müßte mit neuen Kriegsanleihen finanziert werden und würde die Zerrüttung in den Entente-Budgets also nur steigern. Aus dieser Sackgaffe einen Ausweg zu öffnen, ist augenscheinlich die Absicht, von welcher der deutsche Vorschlag ausgeht., Dazu kommt zweitens ein weniger komplizierter, aber darum nicht weniger wichtiger Punkt. Und im Falle einer gütlichen Regelung kommt das— von der deutschen Re- gierung mit allzu wenig Nachdruck ausgenommene— Anerbieten der deutschen Arbeiter in Betracht, sich beim Wieder- aufbau der zerstörten Gebiete zu beteiligen. Um die Trag» weite dieses Anerbietens zu ermeffen, genügt ein Hinweis auf die Tatsache, daß von den zerstörten Häusern in Nordfrank- reich bisher noch nicht 5 Proz. wiederhergestellt werden tonnten. So wäre die Mitwirkung der deutschen Arbeiter ein weiterer Bestandteil der Mobilisierung der deutschen Schuld — und nicht der schlechteste. Der Grundgedanke des deutschen Porschlages, Leistungen bis zur äußersten Grenze der Kraft zuzusagen, und mittels dieser Zusage die Bedürfnisse der Ententestaaten sofort zu finanzieren, nach dem Sprichwort»doppelt gibt, wer schnell gibt"— dieser Grundgedanke ist zweifellos richtig und not» wendig. Damit ist nach gar nichts darüber gesagt, ob im ein- zelnen die ziffernmäßige Bemessung des Angebots, feine Aus- stattung mN Zinsen und sonstigen Modalitüten sowie seine Formulierung als sachlich richtig und politisch geschickt gelten kann; diese schwerwiegenden Fragen bedürfen einer eingehen- den und strengen Prüfung, besonders auch vom Standpunkt der deutfcyen Arbeiter. Um des Grundgedankens willen aber verdienen alle Einzelheiten eine Erörterung, so gering leider die Aussicht zu sein scheint, daß die Alliierten das einsehen werden!___ Hugo Helmann. Seöenkzeit bis Montag. Part». Z. MSrz.(MTB.) Der SouderberichterstoKer des »Petit Journal" meldet aus Londou: Lloyd George werde heute Mittag den deutschen Bevollmächtigteu eine Note vorlegen. In dieser Note sollen die deutschen Delegierten vor die lUernatwe gestellt werden, nächsten Montag. 12 Uhr. rnlweder das Pariser Abkommen anzunehmen, oder neue Borschläge zu sormulleren, deren Erträgnis aber nicht geringer sein dars, at» das Erträgnis der im Pariser Abkommen vorgesehenen feststehenden unvariabten AunuilSten. London. Z. März.(MTB.) Der Sonderberichterstatter der Agence haoas glaubt in der Lage zu sein» über da» von den alliierten Bertreleru unterzeichnete Abkommen folgende Einzelheiten geben zu können: 1. Die deutschen Borschläge werden für unannehmbar erklärt. 2. Da» Pariser Abkommen mutz die Grundlage der Besprechungen bleiben, wobei wohlgemerkt die beiden beteiligten Parteien sich über die DnrchslihrungsmSglichkeiteu verständigen können. Z. Die denffche Abordnung wird vor eine HSchstfrist von vier Tagen gestellt, nm ihre Annahme de» Abkommens vom 29. Januar kundzugeben. 4- Falls sich die deutsche Mordnung weigern sollte, zu unterzeichnen. so würden die Alliierten zwei rheinische Sohlen- Häfen besetzen, deren Namen jedoch geheimzuhalten sind, für den Fall, daß diese militärische Snndgebung nät'g werden sollte. S. Wenn Deutschland weiterhin bei seiner Böswilligkeit bcharrt, würde es außerdem von wirtschaftlichen Strafmaßnah m e u getroffen werden, wle z. B. 1. Erhebung der häisle des Erlöse» an» den Bertäufen Deutschland» im alliierten Ausland, 2. Errichtung einer besonderen Zollverwalwng. welche das Nnte Bhelnufer vom jenseitigen Deutschland abtrennt, und zwar unter Aussicht der Reparattonetommisflou. heute abend soll ein neues Abkommen unterzeichnet worden fein, welches die neuen ZusiSudigteiten dieser Obertommission bestimmt. Die beiden Arten von Straf- maßlmhmen. militärische und wirtschafttiche, wovon die ersteren sofort, die zweiten in der Folge angewandt würde«, werden be- gründet mit den Berstöhe« Dentschlaudv gegen die B ,e r- pflichtungen de» Bersailler Bertrage», welche bis heute festgestellt find, besonder» l« der Frage der Entwasfnnng und der Sohleutiefernng, deren Gejamaiste beigefügt werden wird. d!e Segrünöung öer Ablehnung. In der von Reuter verbreiteten offiziösen Begründung der Ab- lehnung des deutschen Gegenangebote» durch die Alliierten heißt es u.a.: Die Lorschlag verdient weder eine Prüfung noch eine Diskussion. Um seinen wahren Charakter zu zeigen, braucht nmn nur auf folgende Punkte hinzuweisen: 1. Die deutsche Regierung nimmt an, daß sie ohne weiteres den Gegenwartswert der festgesetzten Annuitäten auf Grund der L-Prozent-Nechnung herauskalkulieren kann. Der Pariser Plan gestattet dies nur für die Diskontierung der für die ersten beiden Jahre festgesetzten Annuitäten. 2. Die deutsche Regierung kennt nicht den Wert der im Pariser Vorschlag vorgesehenen variablen Annuitäten, deren Höhe von dem Werte der deutschen Ausfuhr abhängt. 3. Die im Pariser Plan festgesetzten Annuitäten gelten als Zuschlag zu jeglicher Summe, die auf Grund der Reparationsbestimmunqen bezahlt werden soll. 4. Die deutsche Regierung nimmt den Wert der auf Grund verschiedener Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag geleisteten Zahlungen auf 20 Milliarden an. Die Reparätionskommisfion beziffert den Wert dieser Lieferungen auf weniger als die Hälfte d I e s« r C u m m e. Es wird sich herausstellen, daß der Betrag, der der deutschen Regierung in Berücksichtigung dieser Lieferungen aus der Reparationsrechnung gutgeschrieben werden soll, sehr klein ist. 5. Die deutsche Regierung macht Gebrauch von der 8-Prozent-Tabelle in der Absicht, den Betrag zu errechnen, den sie schuldig ist. Gleichzeitig aber schläfst sie vor, ba« die Zinsen ihrer Schuld auf ö Proz. beschränkt bleiben sollen. 6. Die deutsche Regierung ichlägt vor, daß Ihre Sicherhelten in dem Ausgabelande von der Steuer befreit werden, und belastet so das Ausgabeland mit einem Teil ihrer eigenen Verbindlichkeit. 7. In der Annahm«, daß der Betrag, den Deutschland während der ersten 5 Jahre bezahlt, eineinhalb Milliarden beträgt, und daß die Gesamwerpflich- tunq in 80 Iahren abgetragen wird, wird der Betrag, den es zu zahlen haben wird, während der 25 Jahre, die auf diese Zeit folgen, und der zur Verzinsung und Amortisicrung der Gcsamtschuld dienen soll, 3 Milliarden jährlich betragen. Der Gegenwartswert der deutschen Zahlungen beläuft sich auf höchstens ungefähr 2 7 M i l l i a r d e n. Es ist nur nötig, sagt Reuter, diese Summe mit dem Betrage der Zahlungen zu vergleichen, die nach dein Pariser Plan geleistet werden sollen, um die ganze Unzulänglichkeit der deukichen Borschläge oueeinanderzuietzen. Nach dem Pariser Plan beläuft sich der Gegenwartswert de? festen Iahreszahlungen allein nach der 8- Prozent< Tabelle ans 53 Milliarden Goldmark. Diese Tabelle ist indessen nur auf die Diskontierung der zukünftigen Iahreszahlungen während der ersten beiden Jahre anwendbar. Nach der 5-Prozent-Tabelle ldie auf die Diskonte nach 1925 angewendet werden kann) ill der Geoenwartswert über 83 Milliarden Goldmark. Es ist selbst- verständlich schwer, den Wert der variablen Iahreszahlungen, wie sie der Pariser Plan vorsieht, zu schätzen, aber zum mindesten muh ans die oben genannten Ziffern in Berücksichtigung dieser Annvi- täten ein wesentlicher Aufschlag gemacht werden. Die j Summe, von der die deutsche Regierung verlangt, daß die Alliierten i sie als Abgeltung ihrer Schuld annehmen, erreicht also nur einen kleinen Bruchteil d er in Paris fest gesetzten Summe. Die Folge würde sein, daß die auswärtige Schuld Deutschlands, die sich auf seine Verbindlichkeit aus der Reparation beschränkt, nur einem geringen Prozentsatz der auswärtigen Schulden gleichkommt, welche die A l- liierten für den Krieg aufzunehmen gezwungen wa«n. Auf diese„Reuter"»Kritiken veröffentlicht das MTB. eine„aus den Kreisen der deutschen Delegation" stammende Erwiderung, in der jeder Punkt ausführlich beantwortet wird. Verhandlungspause? London, 3. März.(CE.) Morgen wird in London keine»« falls eine Beratung mit den deutschen Vertretern stattfinden. Der ganze Tag>st für die orientalischen Fragen reserviert. Wie bereits mitgeteilt, lehnt die griechische Regierung die vorgeschlagene Untersuchung Thrucien und Smizrna ab. Gestern ! traf in London die Abordnung der Regierung von Angora ein. Sie stimmt unter gewissen Vorbehalten einer Untersuchung zu und er- j klärt, daß sie sich nach dieser Untersuchung der Entscheidung der Alliierten bedingungslos unterwerfen werde. Bezüglich der R e v i» sion de« Friedensvertrags von Sevres erklärt die Regierung von Angora sich unter der Bedingung hierzu bereit, daß gewisse wirtschaftliche und finanzielle Zugeständnisse zugunsten der Türkei gemacht würden. Abwartende Haltung der deutschen Delegation. London. 3. März.(TU.) Der Berichterstatter der»Frankfurter Zeitung" erfährt über die Haltung der deutschen Delegation folgen» des: Gestern tagsüber fand keinerlei Fühlung mit den A l» liierten statt, woraus sich die Gefahr ergibt, daß die Alliierten auf Drängen Frankreichs heute eine Entscheidung treffen, die mit militärischen oder wirtschaftlichen Sanktionen droht, wodurch die Möglichkeit für eine Verhandlung höchst erschwert wäre. Augen- blicklich ist nicht vorauszusehen, wozu die Alliierten sich entschließen. Die Haltung der deutschen Delegation ist unverändert ab« wartend trotz der starten Drohungen. Dte detdersetttge Zurückhaltung verhindert eine Aussprache, so daß die wesent- liche Annäherung, die früher die Experten im Sinne der Seydoux- schen Pläne erzie'ten, bisher nicht ausnutzbar ist. London, 3. März.(TU.) Der Sekretär im Finanzministerium, Röder, äußerte in einer Besprechung mit einem Vertreter der „Pall Mall Gazette" folgendes: Wir haben den Alliierten das Aeußerste angeboten, was wir zu leisten imstande sind. Wird unser Angebot nicht angenommen, so können wir vernünftiger- weise nicht weitergehen. Die deutsche Delegation ist ernstlich bestrebt, zu einer Lösung zu gelangen, weshalb sie Lloyd Georges Er- klärungen sehr enttäuschten. Sie hofft und glaubt, daß sämtliche alliierten Premierminister nach genauester Prüfung der Vorschläge ihre Meinung äußern werden. Falls die Alliierten die Vorschläge nicht annehmen, werden wir auf die Bestimmungen des V e r- sailles Vertrages zurückkommen, wonach die Wiedcrher- stellungskommission den endgültigen Entschädigungsplan a m 1. M a i vorzulegen hat. Zur Deckung der von uns vorgeschlagenen An- leihe bietet Deutschland Steuern und Monopole auf Alkohol, Tabak und Zucker an. Zur Wiederher st ellung der verwüsteten Gebiete Frankreichs beabsichtigt man nicht, einig« Tausend deutsche Arbeiter zu entsenden, man will vielmehr den sranzösischen Sachverständigen vorschlagen, die deutsche Industrie unter Umständen besonders zur Erzeugung des zum Wiederaufbau notwendigen Materials einzurichten. Oenesch über Sie politische �age. Prag, 3. März.(WTB.) In der gestrigen Sitzung des Aus- wärtigen Ausschusses des Abgeordnetenhauses erstattete der Mi- nister des Aeußern B e n e s ch einen eingehenden Bericht über den Verlauf und die Ergebnisse seiner mehrwöchigen Reise. Er besprach zunächst sein« Zusammenkunft mit dem österre chischcn Kanzler, dann seinen Besuch in Rom und Paris. In Paris habe der Minister den Eindruck gewonnen, daß die Frage einer Intervention in Rußland als endgültig abgetan betrachtet werden könne. Ueberhaupt halt« er kriegerische Verwicklungen im Osten für un- wahrscheinlich Pi« Konferenz in Porto Rose werde nach der Konse- renz in Rom Mitte April stattfinden./ Nach seiner Ansicht sei auf der L o n d o n e r K o n f e r e n z mit dem Ausbruch einer sehr ernsten Krise zu rechnen, da einerseits Frankreich, England und Italien— auf deren Meinungsverschiedenheiten zu rechnen ein großer Irrtum sei—, von den Pariser Be- schlüssen nicht abgehen würden, andererseits Dr. Simons sich zu lehr in der Richtung der Ablehnung festgelegt habe. Deutschland scheine über die internationalen Verhältnisse nicht hinreichend informiert zu sein. Es sei mit neuen Gebietsbe- s e tz u n g e n unter dem Gesichtspunkt der Sanktion zu rechnen. In Beantwortung einer Anfrage sagte der Minister, daß von einem Engagement der Tschechoslowakei mit Polen weder im Falle eines russischen Angriffes, noch im Zusammenhange mit dem Aus- gange des Pebliszits in Oberschlesien die Rede sei. Die deutschen Interessen im befetzten Gebiet. Koblenz, 3. März.(WTB.) Die interalliierte Rheinlandkom- Mission hat sich entschlossen, verschieden« Persönlichkeiten zu be- stimmen, die als besonders geeignet erachtet wurden, die m o r a l i- schen, geistigen, politischen und wirtschaftlichen Interessen der besetzten Gebiete zu vertreten. Zweck dieser Besprechungen sollte sein, die Politik der Rheinland- k 0 m m i s s i o n und ihre Maßnahmen der Bevölkerung bekannt- zugeben. Gleichzeitig sollen die Zusammenkünfte dazu dienen, der Rheinlandkommission Wünsche und praktisch« Vorschläge zu unterbreiten. Die erste dieser Zusammenkünfte hat am 1. und 2. März in Koblenz stattgesunden. Die RheinlanMommission hört« die Vertreter der Universitäten des linken Rheinusers, der katholischen und protestantischen Bekenntnisse und der Presse des besetzten Gebiets an. Di« interalliierte Rheinlandkommisflon beab- sichtigt, gegan Mitte des Monats die Vertreter der wirtschaftlichen und sozialen Ineressen des besetzten Gebiets anzuhören. London, 3. März.(WTB.) Im Unterhause erwiderte Bona? Law in Beantwortung einer Anfrage, die Gesamtzahl der im Das Märchen vom Tausenömartjchein. Es war einmal ein Mann, der trug ärmliche Kleider und kam dennoch in die Verlegenheit, eines Tages einen Tausendmarkschein zu besitzen. Da wurde er sehr froh und glaubte, olle Not müsse ein Ende haben. Er meldete sich auf der Arbeitslosen-Fürsorgestelle ab, fühlt« sich als reicher Mann und machte sich daran, seinen Hunger zu stillen. So trat er in einen Speisekeller seines Stadwiertels, den pa- piernen Schatz in der Hand.»Ich bedaure, auf tausend Mark können wir nicht herausgeben." Da ging er stolz hinaus und wandte sich nach dem Westen; er kannte ja im Esplanade oder Kaiscrhof dinieren, wenn er wollte. Im Westen betrat er eine der Schlemmerstätten. Weil aber der Portier sich Bemerkungen über seinen Anzug gestattete, verbot unserem Held sein Ehrgefühl ein weiteres Bleiben. Nun kam er in ein gut bürgerliches Restaurant. Und da er ein anständiger Kerl war, der niemand in Verlegenheit setzen wollte, fragte er gleich, ob man ihm auf tauiend Mark herausgeben könne. Wirt, Büffettdame und Oberkellner prüften darauf den Schein und feinen Besitzer mit kritischen Blicken und behaupteten, der Schein könne ja falsch oder gestohlen sein, wenigstens ließe seines Eigen- tümers Aeußeres darauf schließen. Inzwischen wurde aus dem Hunger des Mannes Heißhunger, und da noch einige Versuche, den Schein in Geschäften, auf der Post und in den Banken zu wechseln, aus den gleichen Gründen, die wir oben anführten, scheiterten, kehrte der Wann geknickt zu seiner Für- sorgestelle zurück, in stiller Freude auf die gewohnte Suppe. „Sie sind Besitzer eines Kapitals von tausend Mark, Sie können hier nicht oerpflegt werden." Das war vor vier Monaten. Gestern fand man die Leiche des Mannes, der ärztlichem Befund nach den Hungertod starb, im Walde. Den Tausendmarkschein entdeckte man in zerkautem Zu- stände zwischen den Zähnen des Verstorbenen. A. S. Parlamentsmoral. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Moral ist doch ein zu netter Verhandlungsgegenstand für Par- lamentel Das haben wir In Hamburg letzt wieder einmal gemerkt. Do sollte nämlich der Staat eine Bürgschaft übernehmen für «in Ferienlager der sreideutschen Jugend auf Westerland. Gs tritt auf Herr Rose, ein jugendlicher Elegant, ansonsten Parteisekretär der Deutschen Bolkspartei, M D. B., und erklärt mit dem nötigen Reserveoffizierston: Das geht nicht, die Leute baden ohne Badehose, und es ist sogar gang und gäbe, daß in den Ba- rocken junge Leute beiderlei Geschlechts zusammen nächtigen. Ein Entrüstungsschauer geht durch die Rechte, bu— u— u— u... Shocking. denkt die Deutschnationale Volksvertteterin und tupft sich den aufgeregt glühenden Kopf mit dem Taschentuch.... Rheinland befindlichen britischen Truppen berrage 10 90S Mann. Die K o st e n für den Unterhalt beliefen sich auf etwa 219 209 Pfund Sterling im Monat. Bonar Law erklärte außerdem, auf den Kopf der Bevölkerung entfielen in Deutschland an Steuern 599 M., in Frankreich 399 Franken, in Italien 298 Lire und in England 22 Pfund Sterling. Der �bftimmungskampf in Gberfchiesien. Die erste« englische« Truppe«. Oppeln, 3. März.(TU.) Gestern traf in Oppeln der erste Zug mit englischem Milttär ein. lieber die genaue Zahl der ange- kommenen Offiziere und Mannschaften ist bisher nichts bekannt ge- worden. Wie aus Kreisen der Interalliierten Kommission ver- lautet, werden weitere Transporte in regelmäßigen Abständen er- wartet. Im ganzen weroen vier Bataillone englischer Trup- pen nach Oberschlesten kommen. Die Meldung einiger deutscher Blätter, daß 19 bis IS englische Bataillone in Oberschlesien zu er- warten seien, wird von interalliierter Seite als nicht zutreffend be- zeichnet. Ueber den Derteklungsplan de» englischen Kontingents wird gc- meldet: Die einzelnen Truppenteile werden nur in der westlich:ii Zone verwandt, d. h. von der Oder westwärt». Ein Bataillon kommt nach Oppeln und Umgegend, ein Bataillon nach dem Kreise Kasel und dem zur Abstimmung kommenden Teile des Kreises Neustadt, ein Bataillon wird im Kreise Ratibor und L e o b s ch ü tz stationiert, oas vierte Bataillon wird als einziges ostwärts der Oder im Kreise Groß-Strehlitz Ordnungs- dienst« verrichten. Die Industriekreise und die Grenze nach Polen werden also keinen englischen Schutz erhalten. Die englischen Trup- pen wollen ober jederzett verfügbar sein und eingreifen, wo es not tut. Verhaftung eines Kriminalbeamten. Oppeln. 3. März.(TU.) Gestern morgen ist der Polizei- unterkommissar von Obcrglogau, Obremba, gegen den wegen Mordverdachts ein Haftbefehl vorlag, in Oppeln verhaftet worden, als er das polnische Generalkonsulat, in das er geflüchtet war, verließ. Die Unruhen in Italien. Rom, 8. März.(EE.) Die Unruhen von Florenz dauern weiterhin an. In der letzten Nacht wurden in den Arbeitervierteln neue Barrikaden errichtet, die von den Truppen gestürmt werden mußten. Im Stadtteile Band, na mußten sogar Geschütze aufgefahren werden. Die Nationali st en drangen in die Arbeiterbörse ein und zerstörten alles was sie vorfanden. Bisher sind 18 Tote und an 399 Verletzt« sestgestellit. 6 99 Verhaftungen wurden vorgenommen. Da oie Arbeiterorganisation die Aufhebung des Generalstreiks beschlossen hat, hofft man, daß der Zugverkehr heute wieder aufgenommen werden könne. Paris, 3. März.(TU.) Der«Chicago Tribüne" wird aus Rom gemeldet, daß infolge der letzten Unruhen in Florenz die Stadt einem Schlachtfeld« gleicht und vom übrigen Italien abgeschnitten ist. Das Standrecht ist proklamiert worden. Panzerwagen und Tanks patroullieren in den Straßen. Die Zahl der Toten konnte noch nicht festgestellt werden, doch ist sie sehr erheblich. Rom, 3. März.(EE.) Der Brand in der Schikfswerft Saimaro in Trieft ist nunmehr aufgeklärt. Es handelt sich um ein von kommunistischer Hand inszeniertes Attentat. Der Sachschaden beträgt an 39 Millionen. Etwa 399 Verhastun- gen wurden vorgenommen. Auch in Trieft gab es 3 Tot« und 39 Schwerverletzte in den blutigen Kämpfen. Florenz. 3. März.(MTB.) Die Arbeit ist zwar wieder aufge- nommen worden, doch hält die Gärung in der Umgebung noch an. In die in Betracht kommenden Ortschaften ist Militär ent- sandt worden. In S c a n d i c c i bei Florenz mußte die bewaffnete Macht eingreifen, um die Ordnung wiederherzustellen. Als das Mili- tär nach Florenz zurückkehrte, wurde es von der Volksmenge mit begeisterten Zurufen begrüßt. Rom. 3. März.(MTB.) Die Zeitungen melden aus Empoli, daß militärische La st wagen auf der Fahrt von Lioorno nach Florenz von Unbekannten angegriffen wurden. Vier Mili- tärpersonen wurden getötet und einige verwundet. Es war nur halb so schlimm. Herr Rose(mit der Badehose) konnte, wie das einem echten teutschen Manne so geziemt, nicht den Schatten eines Beweises erbringen. Auf die Idee, einen ver- kappten Filmoperateur in das Sündenbabel an der Nordsee einzu- schmuggeln, war er nicht gekommen, die Hamburger Bürgerschaft kam um den Genuß einer interessanten Kinovorstellung und der duftige Volksparteisekretär mußte sich ösfenllich solange einen Ver- leum'dcr heißen lassen, bis er seinen Anwurf beweist. Im übrigen war es natürlich fein.— Auf den Tribünen saß halsfrei und eine Unsumme Schalk in den Augen die Jugend und lachte unbändig über die zllchttgen Redensarten der„Vertreter von Sittlichkeit und Moral" aus der rechten Parlamentsecke, die ent- setzt die Hände von sich streckten.(„Wo sollen wir hinkommen, wenn unsere Jugend erst auf die Hochzeitsreise nach Westerland und dann aus Standesamt geht?") Ein lautes„Bravo erscholl, als der Sozialdemokrat und ehemalige Führer der Hamburger Arbeiter. jugend aufstand, mit einem Ruck die ganze Heuchelmaske der bürger- lichen Moral von der lackelhaften Fratze riß lind zeigte, wo die neuen, wahren Werte sind von Wahrhaftigkeit, Sitte und Reinheit. Die Demokraten aber wackelten ein bißchen rechts und ein bißchen links, und als die Vorlage von der linken Mehrheit längst beschlossen war, stand das Frattiönchen noch auf dem Korridor und drehte an der Drehscheibe. Hin, her, hin, her.... 3m Rose-Theater wurde gestern ein beifällig aufgenommenes „Volksstück" Ledige Mütter(Die Stunde des Der- t r a u e n s) von Paul Zoder gespielt. Der Autor zieht gegen die gedankenlose Selbstgerechtigkeit, die im Namen einer angeblichen Moral über Schwächen und Unglücksfällen des lieben Nächsten gern den Stab bricht, zu Felde und preist den Trieb der mütterlichen Liebe, welcher sich durch keinerlei Sophismen sogenannter Lebens- klugheit auf die Dauer täuschen läßt. Freilich die löbliche Tendenz oerstrickt sich In der Anlage der Handlung mit schwer erttäglichen psychologischen und moralischen Widersprüchen. Daß die Bürger- meisters-Tochter. die die Werbung des geliebten Jugendfreundes an- nimmt, nicht rechtzeitig den Mut zu der Erklärung findet, sie habe einem anderen heimlich ein Kind geboren, zwei Jahre in der Ehe wartet, bis die„Stunde des Verttouens" kommt, stimmt schiecht zur Sympathie, die man für sie empfinden soll. Und vollends bleibt es unverständlich, wie der Vater, der doch als ehrenfester Biedermann geschildert wird, das unwürdige Vcrsteckwiel still- schweigend mitmacht, ohne sein Kind zur elementarsten Wahrheits- pflicht zu mahnen. Die Empfindung, düpiert zu fein, ist bei dem Gatten, als ihm die Frau, und obendrein in hochfahrend anklägeri- schen Worten, ihr Geheimnis offenbart, nur allzusehr verständlich. Erst seine eigene von ihm verehrte Mutter, die von der Geschichte wußte, aber noch des Verfassers Rotschluß gleichfalls schwieg, be- sänftigt seinen Groll durch das Geständnis, daß sie— noch schwerer als die junge Frau gefehlt. Er selbst verdanke sein Leben einem Ehebruch, den sie ihrem Manne nie gebeichtet. Das er- schüttert und entwaffnet ihn. Er reicht der Frau, als sie mit ihrem Kinde vor ihm erscheint, die Hand.— Die gütige Alte, die (von jenem Zuge abgesehen) weitaus gelungenste, menschlich be- rührend« Testatt des Stücke», wurde durch Rosa S ch ä f f e l mit In der Provinz Bart ist dte Ordnung wiederher- g e st e l l t. Die„Tribuna" glaubt, daß die Zwischenfälle in Apulieu und Toskana von Kommunisten hervorgerufen wurden, um auf die Entschließungen des Allgemeinen Gewerkschaftskongresses Einfluß auszuüben. fforthp meldet sich wieder. Budapest, 3. März.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts'.) Der vor einigen Tagen ausgebrochene Streik der Setzer wächst sich zu einer Kraftprobe zwischen Arbeiterschaft und Regierung aus. Nachdem die Vertrauensmänner der Drucker und Setzer gestern verhaftet wurden und das Militär die Redaktion der sozialdemokrat schen„Nepszaoae" besetzte, traten die Maschinenarbeiter sowie die Buchbinder und Lichographen in den Sympathiestreik. Die Regierung verbreitet falsch« Nach- richten über eine angebliche bolschewistssche Bewegung und über Bildung von Soldatenräten, um auf diese Weise ihr scharfes Vorgehen zu rechtfertigen. Di« Spannung wächst stündlich. Rings um Budapest sind sechs Divisionen zusammenge- zogen._ Luöenöorff, der GefHobsne. Im„Militärwochenblatt" veröffentlicht Ludendorff unter der Ueberschrift„Der Zwang im Kriege" eine Darstellung, wie im Jahre 1917 der I m p o r t d e r r u s s i s ch e n B o l s ch e- wistenführer durch Deutschland nach Rußland zustande kam. Für ihn und sein Ausredetalent bezeichnend ist die Art, wie er sich als den Geschobenen und lediglich G e- horchenden der Zivilregierung hinstellt. Die Zivilregierung Hobe den Durchtransport angeordnet, die O.H.L. habe nur der Sache„nichts in den Weg gelegt" und fei bei der durch inilitärische Stellen erfolgten Ausfertigung der Pässe für die Volschewisten lediglich Handlanger und aus- führendes Organ gewesen. So bescheiden auf einmal! Wir hoben von Ludendorff nichts, anderes erwartet, als daß er wie stets sich auf die formale Verantwortlichkeit der Zivilregierung herausredet, während männiglich bekannt ist, daß die tatsächliche Lei- tung der Politik im Kriege nicht bei der forinal verantwort- lichen Zivilregierung, sondern bei der militärischen Nebenregierung lag. Doch Ludendorff treibt die Be- scheidenheit noch weiter. Er erklärt nämlich: er und die O-H.L. hätten 1917 gar nicht gewußt, wer Lenin eigentlich sei! Ein wunderbares Selbstzeugnis des Mannes, der sich befähigt hielt, die Politik Deutschlands ent- scheidend zu dirigieren. Auch auf die Sozialdemokratie möchte Ludendorff sich herausreden. Sie fei die eigentlich Urheberin des Durchtrans- ports. Dabei vermag er selber nur auf Grund zweier sehr unsicherer Geschichtsguellen auf eine Persönlichkeit hinzu- weisen, die in der Sozialdemokratischen Partei keinerlei A m t wäbrend des Krieges bekleidet hat. Sie hätte den Rat erteilt. Wir wissen nicht, ob das zutrifft. Aber wenn es selbst zutrifft: Herr Ludendorff muß natürlich gehorchen, wenn irgendein Privatmann einen Ratschlag gibt. Die ganze schuljungenhafte Ausrederei zeigt nur, welch kleiner politischer Charakter der zum offiziellen Genie auf- geblasene Mann in Wirklichkeit ist. Herr Ludendorff hat vor allen Dingen eins vergessen: wie feine Getreuen seinerzeit ihren bolschewistischen Genie- streich selbst gepriesen haben. Aus den Kier veröffentlichten Geheimprotokollen über den vaterländischen Unterricht haben wir die Stimme des Oberst Nikolai erwähnt, der sich im Juni 1918 vor einer Konferenz rühmte, die d e u t s ch e Propaganda habe zum Zusammenbruch der russischen Front geführt. Herr Ludendorff mag seine Vaterschaft noch so sehr bestreiten, an dem russischen Bolsche- wismus besitzt er zweifellos Laterrechte. Ein neuer Wahlsieg Lloyd Georges? Lloyd George hat, wie EE meldet, bei einer Nochwohl in W o o l w i ch einen bedeutenden Sieg errungen. Dieser Wahlkreis befand sich bisher in den Händen der Arbeiterpartei und ihr Führer Ramsay Macdonald nun- mehr gegen die Regierungspartei unterlegen._ einem Grundton natürlich-echter Herzenswärme dargestellt. Auch das junge Ehepaar(Frieda Schranz und Alfred Fuchs), der bärbeißige Papa(Sigismund K e i st e r), wie die Neben- figuren, waren schauspielerisch ansprechend und geschickt vertreten. dt. „Der Bogelhändler." Es war ein gescheiter Gedanke von der Leitung des Walhalla-Theaters, wieder einmal eine der alten, schon ins klassische Nebelreich versunkenen Operetten hervorzuholen. Und es gibt immer dasselbe Schauspiel: restlose Befriedigung, wenn auch manche Neroenaufpeitschung und grobsinnliche Beinverrenkung unserer heutigen Operette wegfällt. Dafür suchen die Textdichter A. W e st und L. H e l d um so sorgfältiger den Faden der Handlung auch bei den lustigsten und possenhaftesten Seitensprüngen festzu- halten und manches bei ihren Helden etwas mehr ins fein Psycho- logische zu vertiefen, als wir es heute noch gewohnt sind. Und Karl Z e l l e r, der im Privatleben so tragisch zugrunde gegangene Oester- reicher(im Zuchthause gestorben), schreibt eine Musik, die heute noch allen erhöhten künstlerischen Anforderungen, auch der der charakte- ristischen Instrumentation, aufs idealste entspricht. Und dann die Melodien und der Satz! Diese Chöre und Finalen haben einen Aufbau, dessen sich die beste Oper nicht zu schämen hätte. Aber das alles nicht protzenyaft, anspruchsvoll, sondern scheinbar ganz neben- bei, da uns der sprudelnde Melodiker doch in erster Linie gut unter- halten will. Man hatte viel Liebe auf die Ausarbeitung verwandt. Wollte auch zuerst der etwas verzagte Char und das allzu grob- körnige Orchester nicht recht behagen, so besserte sich das bald ganz gründlich, so daß der frisch zugreifende Dirigent Siegfried Schulz seine volle Freude an seinen Untertanen haben tonnte. Auch die Spielleitung des Oberregisseurs Alfred Walter verdient volle Anerkennung. In dem Ensemble erneuerten zum Vorteile der Vor- stellung mehrere Künstler ihre alte Bekanntschaft von anderen Kunst- stätten. So Gerda Lenne-Busch, die eine vorbildliche Kur- fürstin Marie ist, Marie Grimm-Einödshofer, die au» der Baronin Adelaide allen nur erdenklichen Humor herausholt, und Lizzi N e u h o l d, die Brief-Christl, die beim ersten Auftreten immer entzückt, auch ganz routiniert ssch gibt, dann aber regelmäßig(wie früher als Frau Bärbel) sich allzu sehr im äußerlichen verliert, wohl aus Mangel an warmer innerer Empfindung. Auf Ninzenz P r ö h l s Graf Stanislaus wäre ähnliches zu sagen, aber umgekehrt.... Sie trat zu trivial auf,— er wird immer trockener. Hans W a l l n e r ist ein tüchtiger Baron Weps Die ganze Operette hängt aber an der Titclpartie, und� die war diesmal ausgezeichnet besetzt. Max W i l l e m z ist ein so waschechter, nattirwüchstger, lustiger, gefühls- tiefer Tiroler, daß er kein« noch so leise Spur von Theaterschminte oder keuschem Saiontiroler zeigt H. M. Ein Lorking-Zlbend flndcl Sonnnbenö. 5. MZrz. 71/, Uhr im Neue» Nattaus, Schöia öerg. statt. Mitwirkende: Eltricde Dorp, Gustav Werner, Iccgnes Bilk. Erich Engel vom Teutjchen Opernhaus und Konzcrijänger Eugen Vricgcr. Vorträge. Das Kulturamt der Technischen Hochlchui« Berlin belchlieht jein« Tätigkeit im Winterjemester uiit einem Vortrag de» Unioeriltälsproieisors v. H a r n a ck äbert»Die Religion Goetdes in der Epoche seiner Bollendunq-, der am Montag, den 7. Mäcz, abend» S Uhr, in der Aula der T. Charlollrndurg, Berliner Str. 171, stattfindet. Hürgerllche Gbftruktkon in?tzeboe. Slel. 8. MSrz.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts�.) Am vergangenen Sonntag hatte in Itzehoe die Wahl eines zweiten B ii r g e r m e i st e rs stattgefunden. Mit einer Mehrheit von über 700 Stimmen wurde der bisherige Abgeordnete Stadtrat Genosse Schinkel gewühlt. Genosse Schinkel ist ein Mann, dessen bis- herige Arbeit die volle Gewähr dafür bietet, daß er sich für den Posten des Bürgermeisters gut eignet. Den Bürgerlichen paßte aber diese Wahl nicht, und sämtliche bürgerlichen Stadtverordneten mit einer einzigen Ausnahme legten ihre Aemter nieder. Ebenso haben die drei bürgerlichen Stadträte demissioniert. Man steht jetzt in Itzehoe vor der Tatsache, daß infolge des Austritts aller Bürgerlichen eine rein sozialistische Stadtverwaltung vor- Händen ist. Die Bürgerlichen glaubten, daß infolge dieser Demonstration Genosse Schinkel auf seine ordnungsgemäß erfolgte Wahl verzichten würde. Da irren sie sich aber sehr. Das Stadtverordnetentolle- gimn ist auch nach Austritt der 14 bürgerlichen Stadtverordneten mit den verbleibenden 16 Sozialisten beschlußfähig. Für die ausgetretenen drei bürgerlichen Stadträte müsicn eben drei neue aus den Reihen unserer Parteigenossen gewählt werden. Das ist der Standpunkt unserer Itzehoe? Parteigenosien, und es gibt gar keine andere Lösung: Entweder nehmen die Bürgerlichen ihre bis- herigen Posten wieder ein oder sie bleiben draußen. Unsere Partei hat gar keine Ursache, nach ihrer Pfeife zu tanzen oder gar die ordnungsgemäße Wahl eines gewählten Magistratsmitgliedes, nur weil er Sozialdemokrat ist, rückgängig zu machen. Deutstbnationale unü LanZarbeiter. In dem verflosienen Wahlkampf hatten es die Deutschnatlo- nalen ganz besonders darauf abgesehen, die Landarbeiter wieder als Wähler einzufangen. Diese waren ihnen durch das Aufkommen der Landarbeiterorganisation verloren gegangen. Es galt also, dem Deutschen Landarbeiterverband einen vernichten- den Schlag beizubringen, um die verlorenen Schäfchen wieder in den deutschnationalen Pferch zurücktreiben zu können. Bei der bekannten Skrupellosigkeit der Deutschnationalen fiel die Auswahl der Mittel nicht schwer. Man kaufte sich einig« Menschen, die der Organisation früher angehört oder ihr nahe- gestanden und ließ nun von diesen in Presie und Versammlungen die tollsten Geschichten über den verhaßten Verband erzählen. Ein ehemaliger Gaubeamter des Verbandes, Beschnitt, der in seinem U.S.P.-Herzen plötzlich eine zärtliche Neigung für deutsch- nationale Gesinnung entdeckte, mußt« in deutschnationalen Ber- fammlungen sein Sprüchlein von der Mißwirtschaft in der Gau- leitung, der er selbst angehört hatte, herunterstottern. Er vergaß nur hinzuzusetzen, daß er selbst bei seinem plötzlichen Aus'cheiden alle Kassenbelege usw. aus seiner eigenen Amts- Periode fein säuberlich mitgenommen hatte, um sich einer Nachprüfung seiner eigenen Kassengeschäfte zu entziehen. Dann war in Liegnitz im vorigen Jahre durch den verband eine Einrichtung geschaffen worden, um die Verbandsmitglieder mit sehr billigen Kleidungsstücken, Wäsche und Schuhwerk zu ver- sehen. Weil der Verband von sich aus keine Warengeschäfte machen wollte, übertrug er den Verkauf einer Privaffirmo, die oerpflichtet wurde, auf den Einkaufspreis der Waren lediglich die Unkosten, die beim Verkauf erwuchsen, in keinem Falle aber mehr als 16 Proz. aufzuschlagen. Aus diese Weise war es möglich, den schlesischen Landarbeitern R« i ch s w a r e im Einkaufswert von etwa 1 Million Mark so billig zu beschaffen, wobei die Preise fast stets nur den dritten Teil des üblichen Ladenpreises, oft aber auch noch viel weniger betrugen. Vor kurzem erwischte die Firma einen Verkäufer dabei, als er Warenpreise über die ihm vorgeschrie- denen heraufgesetzt und die sehr beträchtlichen Mehrbeträge in seine Tasche ge st eckt hatte. Der Betrüger flog natürlich sofort hinaus: ein anderer war vorher schon entfernt. Den letzte. ren kauften sich die Deutschnationalen und ließen ihn in Wälsterversammlungen erzählen, der Deutsche Landarbeiter- verband hätte durch den Verkauf vielfach überteuerter Waren die Landarf->«ster betrogen. Daß der Verband nichts mit dem Geschäft zu tun«�ite und daß der betrügerische Bursche, der kurz« Zeit ver- sucht hatte, sich auf Kosten der Käufer die Taschen zu füllen, sein Freund und Kollege war, das verschwieg natürlich der Stipendiat der Deutschnationalen. Er fabelte von riesigen Schmiergeldern an Angestellte und van Schönheitstänzen, die mit dem angeblich er- gaunerten Geld veranstaltet worden seien. Seine Erzählungen waren selbswerstöndlich nichts anderes als ein Gemisch von dreisten Lügen und Derdvchungen, die ans pathologisch« grenzen, ober Ihren Zweck als deutschnationalen Wahl- schwindel erfüllen sollten. Man gab sich aber nicht damit zufrieden, diesen imaeheuernchen Schwindel nur in Schlesien zu verbreiten. Man überschwemmte auch das platte Land in den Provinzen Pom- mern und Brandenburq mit chimderttaufenden von Flugblättern, fvrach von geplatzten Stmkbomben, von dem nunmehr dank der chilfe getaufter llcberläufer enthüllten„wahren Gesicht� des Landarbeiterverbandes. Und das reaktionär« Gelichter freute sich diebisch der erwarteten W'rkung seines bübischen Planes. Aber die Wirkung blieb aus. Die Landarbeiter blie- ben bei der Landtagswahl fest: sie merkten sofort den nieder!', ächt'gen Schwindel und wurden nun erst recht bestärkt in ihrer Gegnerschaft gegen alles, was nach deutschnational aus- sieht. Uebrig bleibt nur die Vermehrung der Sammlung„deutlch- nationaler Wahlschwindek" um ein neues Kapitel. Das Zentrum In Preußen. Nach endgültigen Fesistellungen.hat das Zentrinn in Preußen 2 810 000 Stimmen bei der Wahl erbalten. Dem entsprechen 70 Mandate. Auf aemeinsamer Liste mit den Welsen sind noch Z Zentrumsleute gewählt, dazu kommen 11 ober- schlesische Abgeordnete, so daß die Zcntrumsfraktion des Landtags aus 84 Abgeordneten bestehen wird. Prozeß Sonnenfelü. Am 7. Derhandlungstage wird weiter in der Zeugenvernehmung über die Marketendereigefchäfte fortgefahren. Durch die llZernehmung des Zeugen Thadewald wird die interesiante Tat- fache festgestellt, daß durch die seinerzeit von Ernst Sonnenfeld ge- nommenen Ueberpreise nicht da� Reich, sondern die K ä u f er. affo die aus der Kantine kaufenden Soldaten geschädigt worden sind. Andererseits erklärt der Zeuge auf Befragen des Verteidigers, daß die Soldaten in der Kantine immer noch fo billig kauften, vatz vier- fach die von ihnen gekauften Waren anderwärts weiter vertauft wurden.— Der nächste Zeug« Intendanturrat Küthe faqt aus, daß es sich bei der Martetenderei um eine reine Privatsache der Truppen gehandelt habe. Die Preise seien angemessen und meist billiger gewesen, als andere Angebote. Stutzig geworden ist der Zeuge, als ihm eines Tages Thadewald sagte. S o n n e n f e l d sei mit feinem Vater da und wolle mit der Marketenderei ein Sondergeschäft machen. Der Zeuge hat das anfangs nicht für korrekt gehalten, sich aber schließlich gesagt, wenn Sonnenseld preiswert llefere, könne er auch mit ihm ein Geschäft machen. E» handelte sich um ein Buttergefchäst mit Holland. GroßSerüA der Norü in üer Petersburger Straße. Der Täler bekannt, jedoch flüchkig. Die Nachforschungen der Kriminalkommisiare Boese und Dr. Schuppe zur Aufklärung des Mordes an dem Schriftsteller Theo- dar Körner haben zu wichtigen, aussehenerregenden Feststellungen geführt. Schon die ersten Ermittelungen zeigten, daß dieses Ver- brechen einen politischen Hintergrund haben müsse. Die Kommissare mit ihren Beamten stießen so auf ein ganzes Heer polnischer und russischer Bolschewisten, die als Agenten und Nnteragenten für polnische Mark und russische Rubel hier sehr eifrig an der Arbeit waren. Sie machten nicht nur Propaganda in Wort und Schrift, sondern betrieben auch einen umfassenden Schmuggel mit Waffen. So hatten sie ein großes Waffenlager bei Schöneiche eingerichtet, um die Waffen zunächst nach Oberfchlesien zu verschieben. Es ge- lang nach und nach, die ganze Spionagegesellschaft aufzudecken und so auch auf die Spur des Mörders zu kommen. Die Ermittelungen hatten ergeben, daß die Agenten und Unteragenten sich ausschlieh- (ich aus eingewanderten Galiziern und Polen zusammensetzten, die auch sonst in der Reichshauptstadt allerlei schmutzige Geschäfte machen und von denen daher schon eine große Anzahl mit den Strafbehörden dieserhalb in Konflikt geraten waren. Da sie bei ihren Verhaftun- gen durch die Kriminalpolizei fast alle photographiert und ihre Per- sonalien festgestellt worden waren, wurden die Bilder hervorgesucht und diese den Leuten des Hauses Petersburger Str. 25, in dem der Ermordete gewohnt hatte und auch der Verkäuferin aus der Liebigstraße, die dem flüchtigen Mörder nach der Tat einen neuen Hut verkauft hatte, vorgelegt. So wurde endlich von diesen Per- sonen der Töter in der Person eines der Polizei unter dem Namen Hermann bekannten Mannes einwandfrei wiedererkannt. Dieser .�ermann" war seinerzeit von der Kriminalpolizei angehalten war- den, als er 50 000 polnische Mark gegen deutsches Geld einzuwechseln versuchte. Das Geld, das damals beschlagnahmt wurde und noch nicht wieder freigegeben worden ist, trotzdem der Verhaftete und später wieder Entlassene einen Rechtsanwalt zur Hilfe nahm, stammt, wie sich jetzt herausgestellt hat, von„Körner" und war diesem von Hermann, der in seinen Kreisen wieder unter den Namen Skitz be> kannt war, gestohlen worden. Bei dem Versuch, das gestohlene Geld umzuwechseln, fiel er dann der Kriminalpolizei in die Hände, ohne daß dieser bekannt wurde, woher das Geld stammte. Bei den weiteren Ermittlungen noch diesem angeblichen Hermann stellte sich heraus, daß dieser in Wirklichkeit ein 26 Jahre aller aus Czenstochau gebürtiger Josef B u ch w a l t e r ist. der hier zuletzt in der Gips- straße 11 wohnte. Dort war er aber, als man feine Adresie er- mittelt hatte und zu seiner Festnahme schreiten wollte, nicht mehr zu finden. Er ist. wahrscheinlich unterstützt von seinen noch nicht bekannten bolschewistischen Freunden, geflohen. Auf die Ergreifung des Flüchtigen ist eine Belohnung von 3000 M. ausgesetzt. Zweck- dienliche Angaben nehmen die Kriminalkommissare Boese und Dr. Schuppe im Zimmer 51a des Berliner Polizeipräsidiums ent- gegen._ Oer Naububerfall bei Strausberg. Zu dem Ueberfall auf den Autoomnibus wird mitgeteilt, daß die Kriminalpolizei wichtige Spuren gefunden hat, die sie jetzt weiter verfolgt. Die Ermittlungen werden mit einem großen Aufgebot der Berliner Kriminalpolizei und der Ortspolizei von Strausberg be- trieben. Es besteht die Hoffnung, daß es bald gelingen wird, das aufsehenerregende Derbrechen aufzuklären. Eine ganze Reihe von Leuten aus dem Publikum sind der Kriminalpolizei mit wertvollen Angaben bereits zu Hilfe gekommen. Es ist aber notwendig, daß sich auch weiterhin das Publikum beteiligt und daß alle, die irgendeinen Fingerzeig geben können, das unverzüglich tun. Sie werden er- sucht, sich im Zimmer 80 des Berliner Polizeipräsidiums bei Krimi- nalkommissar Werneburg, Hausanruf 601 und 433, zu melden. ihr» voraussichtliche Höhe jedoch nicht gesprochen, dagegen sollen dfl» Monatskarten einer völligen Neuordnung Unterzogen werden, wo- bei mit einer v-ö lligen Abschaffung der Monats- Nebenkarten gerechnet werden müsse. Tie Verpflichtung zum Stenernachweis. Die Steueroerwaltung für das Gebiet der allen Stadtqemeinde Berlin hat die Mahnung wegen der fälligen Steuern veröffentlicht. Steuerpflichtigen, die diese Mahnung nicht beachten, können, abge» sehen von den Unannehmlichkeiten der Zwangsbeitrcibungsmaß- nahmen, schwerwiegende Nachtelle erwachsen. So wird bei Grund- steuerschuldnern, wenn ihnen nicht Stundung bewilligt ist, nicht die Mobiliarpfändung vorgenommen, sondern es werden in der Regel sogleich die Mieten beschlagnahmt. Diejenigen Steuerpflichtigen, die eine vorläufige Veranlagung zur Rcichseinkommensteuer oder ein Anforderungsschreiben erhalten haben, sind verpflichtet, auch wenn sie dem Lohn- oder Gehaltsabzüge unterliegen,-der Steuertasse durch Vorlegung der Steuerkarte rder einer vom Arbeitgeber ausgestell- ten Bescheinigung nachzuweisen, welche Beträge ihnen abgezogen worden sind. Machen sie die Tinwendung des Abzugs erst, wenn der Bollziehungsbeamte zur Pfändung erscheint, so müsien sie die halben Pfändungsgebühren zahlen. Bei Zechlung an den Vollziehungsbeamten zur Abwendung der Pfändimg ist darauf zu achten, daß der Vollziehungsbeamte in jedem Falle einen Pfändungsbefehl vorzeigen muß, da die� Zahlung, falls ein Unberechtigter die Steuern einzieht, als rechtsgültig nicht anerkannt werden kann. Städtisches Siedlnngssielände in Mahlsdors. Dos von der Stadt Berlm-Lichtenberg auf dem Gelände des ehemaligen Ritterguts Mahlsdorf geschaffene Siedlungswerk ist in seinen ersten beiden Teilen jetzt im wesentlichen abgeschlossen. Gegen 850 Siedlu ngspo rzellen von durchschnittlich je% Morgen Größe sind auf dem Siedlungsgelünde nördlich der Berliner Chaussee und zu beiden Seiten der Hönower Ehausiee feit dem Frühjahr vorigen Jahres an Interessenten, hauptsächlich Kriegsbeschädigte und Kriegs- teilnehmer, abgegeben und damit 500 Morgen Land tn gemein- nütziger Meise der Kleinsiedlung erschlossen worden. Sobald das Bedürfnis dafür Heroortritt, werden auch die südlich der Berliner Chaussee gelegenen, zurzeit noch landwirtschaftlich verpachteten 300 Morgen dem Siedlungszwecke zugeführt werden. Ein« größere An- zahl von Siedlern beabsichtigt, mit Hllfe der in Aussicht gestellten Baukostenzuschüsie bereits in diesem Jahre mit der Errichtung von Wohngebäuden auf ihren Parzellen zu beginnen.— Auskunft über die noch abzugebenden Parzellen an der Hönower Chaussee, die sich besonders zu Geschäftszwecken eignen, wird im Lichtenberger Stadthaus, Türrschmidtstt. 26, Erdgeschoß, Zimmer 12, erteilt, wo auch die Lageplän« eingesehen werden können. Verbesserungen im östtlichen Vororverkehr. Der verbesserte Sommerfohrplan und die Tariferhöhung im Bororwcrkehr bildeten gestern Gegenstand von Beratungen in einer Mitgllederrrrsammlung des Zweckoerbondes des Ostens. Auf ein« Einaabe batte die Eisenbahndirektion Berlin ein« Ab- ordnung des Verbandes zu einer Besprechung eingeladen, in der erhebliche Verbesserungen des Fahrplans der ö ll- lichen Strecken zum Sommer oder, soweit dies möglich ist, auch sofort zugesagt wurden. Diese Verbefferungen sollen vor allen Dingen den Anliegern der Strecke Strausberg- Dahmsdvrf- Müncheberg zugute kommen, die bis jetzt noch dem Fernver- kehr angehören� die jedoch in absehbarer Zeit auch in den Vorort- verkehr einbezogen werden sollen. Ferner wurde guf dieser Besprechung den Vertretern �des Zweckverbandes die Einrichtung direkter Züge von Rüdersdorf nach Berlin und erhebliche Berbesierungen auf der Werneuchener Strecke zugesagt. Hinsichtlich der Tarlserhöbung wurde die Einführung einer solchen als zum t Juni in Aussicht genommen bezeichnet, über Aus dem Genesungsheim Hsheneise bei Rheinsberg geht uns ein Bericht des Patientenausschusses zu, der die im„Vorwärts" schon mehrfach berührte Frage der Gewährung von Kleider« geld für die Anstaltsinsqssen in breiter Darlegung er- örtert. Da in den Verhandlungen der Hohenelser Patienten mit der Landesversicherungsanstalt Brandenburg die Wiederqewährung des, früheren Kieidergeldes nicht zu erreichen gewesen ist, protestieren die Insassen des Genesungsheims gegen die ablehnende Haltung des Vorstandes der Bersichcrungsanstall. Zu der Verfügung, daß Hohen- eise auch die Lieferung von Leibwäsche einstellen soll, wird behauptet, das jetzt nur mit 25 Patienten belegte Heim habe noch für 120 Patienten doppelte Leibwäsche. Hier fragen wir, warum die Anstalt nicht voll belegt wird? An Kranken wird es doch nicht fehlen. Die bei dem Bootsunsall auf dem Templiner See ums Leben gekommenen jungen Leute sind jetzt als der 22 jährige Student Georg Koeppen aus Potsdam und als der stellungslose Hermann Munker aus Nowawes festgestelll worden. Die Leiche des letzteren ist bis- her noch nicht geborgen. Fachmännische Beratung für Kleingärtner. Neukölln hat zahl« reichen Wünschen der Laubenkolonisten und Kleingärtner nach fachmännischer Beratung in der Weise Rechnung getragen, daß eine be« sondere Auskunsts- und Beratungsstelle dem städtischen Kleingarten« nmt angegliedert worden ist, woselbst Dienstags und Freilags in der Zeit von 5— 6 Uhr nachmittags Auskünfte über Fragen der Boden- bearbeitung, Düngung, Aussaat, Cortenwahl, Schädlingsbekämpfung, Zimmerblumenpflege u. a. durch gartentechnische Beamte erteill wer« den. Die Inanspruchnahme dieser Beratungsstelle, altes Rathaus, Zimmer 524, ist für jedermann unentgeltlich und wird somit allen Kleingärtnern im Interesse einer ausgiebigen Bewirffchaftung ihrer Gärten angelegentlichst empfohlen. Tie Volkshockiichule Groh-Brrlin veranstaltet am Sonntaa, den 6. März, nacrm. 5 Uhr, in der Aula Weiiimcisterslr. tö, eine Veranstaltung .liniere Stellung zum Film' mit Vorführungen. Vortragender: Professor K. Herrmann. Karten zu 1,50 M. an der Tageskasse. Fredersdorf-Petershagen und Umgegend. Die Jugendweihe findet am Sonntag, den 20. März, vormittags WO Uhr im„Alten Dessauer" in Petershagen statt. Anmeldungen von Kindern, die nicht am Moralunterricht teilnehmen, sind baldmöglichst an den Genossen Radomski, Petershagen, Bruchmühler Weg, zu richten.(Abends nach 6 Uhr.) Nowawes. Kaufmannsgerichtswahl. Arn Sonntag, den 6. März, findet die KausmannsgeriibtSwahl statt und zwar von 9 bis 1 Ubr vormittags in der Turnhalle der Gemeindeschule 4, Scharnhorstllraße. Wahlberechtigt sind alle weiblichen und mann« licben kaufmännischen Ängestellien, die am 6. März das 20. Lebens« jähr vollendet resp. überschritten haben Und in einem Handelsbetriebe in Nowawes beschäfligt werden, soiern ihr JahreSgehalt 30 000 M. nicht übersteigt. Für jeden denkenden Angestellten kommt für die Wahl nur die Liste I des Zentralverbandes in Frage, da kein An« gestellter, der eS mil der Föiderung seiner Interessen ernst nimmt, die Liste der Gewerkschaflsbllnde wählen kann, weil sie indirekt Unternehmerinteressen unterstützen. Hroß-Serlkner paeteinachrichten. Heule, Donnerstag, den Z. März: 5. Rrei*.(Friedrichshaw.) 6V, Udr in den Tomvienius-Eiilen, Memeler Straße£7, AußerordcnUicke Milgliederocrsammwng. Referent! Reichstageabgeord- neier Keil, Stuttgart. Thema!„Steuerkragen". Genosiinnen uns Genossen der nächstliegenden Abteilungen de, Kreises werden hiermit eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. S4. Abtrllmeg. Tharlottrnburg. 7 Uhr tn der Galvanlstrahe tm Lokal„gnm Birnbaum" Franenabend. Referent: Genosse Emil Duchhslz. Oberschünewetde. 7 Uhr, wichtige Konferenz aller in der KoimnnnalvolRk und w Kommissionen bislang Tätigen im Restaurant Neumann. Siemens-, Elte Deulstraße. Morgen. Freitag, den 4. März: Oberfchönewelde. 7>/, Udr. anberordentliche Mitgliederversammlung in der Aula ssriichenstroße. Schriststeller Robert Breuer svricht über das Thema:„Wer ioll tn Preußen regieren 7" Erscheinen jede» einzelnen Pflicht. Durch Mitglieder eingeführt« Gäste haben Zutritt. Sport. Der Reichsbeirat jür körperliche Erziehung. eine Einrichtung beim Reichsministerium des Innern, in der der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen und die Zentral- kommission für Sport und Körperpflege zu gleichen Teilen vertreten sind, hat dieser Tage unter Leitung des Staatssekretärs Schulz eine Sitzung abgehalten. Es wurden zunächst Referentenberichte über einzelne, bei anderen Reichsrcssorts zur Förderung der Leibes- Übungen vertretene und bewirkte Vergünstigungen entgegen- genommen. Bei der Aussprache über bevorstehende"größere Ver- a n st o l t u n g e n der beiden Reichsverbände wurde festgestellt, daß der Reichsbeirat bei Anerkennung des Wunsches der Verbände nach getrennten Veranstaltungen den neutralen Boden für ein Zusammen- arbeiten in bestimmten allgemeinen Fragen der Pflege der Leibes- Übungen zu bilden geeignet ist. Zum Spielplatzgesetzentwurf war der Reichsbeirat bei voller Würdigung der äußerst schwierigen Finanz- läge des Reiches und der Länder einmütig der Auffassung, daß die reichsgesetzliche Regelung der Spielplatzfrage eine lebensnotwendige Maßnahme zur Wiederherstellung der Volks- gesundhcit darstellt. In der Frage der Zulassung von Schülern zu den Uebungen allgemeiner Vereine für Leibes- Übungen und der Aufhebung der bisher in einzelnen Ländern vor- geschriebenen staatlichen Verleihung des Unterrichtserlaubnisscheines an Vereinswarte sprach sich der Reichsbeirat für die Aufhebung aller Beschränkungen aus. Zum Zweck der Förderung des Schwimmwesens wurde die Wiedereröffnung von Schwimm- anstatten und Hallenbädern, die Berücksichtigung von Uebungsstätten bei der Regelung von Wasserläufen und Kanalbauten und die Ein- führung des Schwimmunterrichts in Schulen empfohlen. Die Eröffnungsrennen auf der Olympia-Radrennbahn nehmen am Sonntag, 6. März, nachmittags 2% Uhr, ihren Anfang. Der große Eröffnungspreis wird in drei Läusen von 15, 25 und 40 Kilo« meter ausgefahren und erfolgt die Plazierung nach den meist« gefahrenen Kilometern. Zu den Fliegerrennen sind über 50 Meldungen eingegangen, darunter Stabe, Schwab, Packebusch, Hahn, Celle, Stolz, Gebr. Tietz, der Ex-Amateurmeistersahrer Schröder, sowie die Hannoveraner Gottfried, Slhlborn, Kogel, der Nürnberger Herz usw. Der„Freie Wanderbund" ist zum Touristenvereln„Die Naturfreunde" übergetreten. Alle Bekanntmach»» qcn der bisherigen Berliner Ortsgruppe er- folgen von jetzt ab als T. V.„Die Naiurfronndc". T. B.„Die Raturfrennde". Nächste Tour: 6. März. B-ltcn— Sommers. walde— Oranienburg. Abfahrt 7 Ubr vorm. Stettiner Borortbhf.— Ortsgruppe Eäpeniä. Sonntag: Wanderabrnd im das» Bcllernic, Lichtenberg, Hauptstr. 2 (Bhf. Stralau-Rummelsburg). «rbelter-Tura. und Sportbund.«. Bezirk. Sonntag: Provogandalanf 7— g Uhr. Sonntag: Kursus für Frauenturnen. Turnhalle des Köllnischen Elim. nastum-, Insel., Ecke Wnllstrabe. i/.ig—'412 Ubr vorm.— Sonntag: Turnfahrt aller Männerohteilungen nach Groß.Zietbe». Treffpunkt 2 Uhr her S-nnig.— Nordbezirk. Sonntag: Schülerabcnd d-r Abt. B. Dienstag: Bezirks. vorturnerftiinde, Dcmminer Etr 27—Ost bezirk. Donnerstag: Eröffi ig». turnen der 3. Mädchen- und 8 Frauen-Abt., Realschule. Rigaer Str. 8, tz—« bzw.»—10 Uhr.— Neukölln. Freitag: O-ff-ntliche- Turnen sd.Knaben» Abt.. Turnhalle«opfstr.,«l-» Uhr.-«»»? e ber a. Sonnabend! Eltern. abend mit Lichtbildervortra»,»nla der Eomeniu». Schule, Franke»., Eck« Eis«. »ach« SN- 1 Uhr. GewerGhastsbewegung VW /r�mbl''�U0fpcm«ag. Uns wird geschrieben: Am Sonnabend vormittag um 11 Uhr wurde dem Detttebsrat d-'r Belegschaft der Waggonreparaturwerkstätte A m b i plötzlich die Mitteilung gemacht, daß infolge gänzlicher Unrentabili- tat des Werkes der Bettieb geschlossen werden müßte. Bor längerer Zeit hatte die Firma mit dem Bettiebsrat Rück- spräche geno/nmen, wie es möglich fein könnte, die Produktion zu heben, um damit der Betriebsschließung aus dem Wege zu gehen. Diese Verhandlungen waren, wie jetzt festgestellt werden konnte, von dem Bestreben getragen, den gesetzlichen Lorwand für die Betriebsschließung zu suchen. Die Tatsache, daß der Bettieb in der Waggonreparatur äußerst unrentabel arbeitet, wird von keiner Seite bestritten. Denn die Waggonreparatur, für die das Reich im Höchstfälle 7000 bis 8000 Mk. zu zahlen hat, kostet in den Ambi-Werken 3S00V bis 40000 Mk. Die Grundlage dieser unfinnigen Kosten liegt in dem von dem Beaufttagten der Rcichseisenbahn mit der Direktion des Ambi-Werkes abgeschlossenen Reparaturvertrag, sowie dem mit der produktiven Erwerbs- , losenfürsorge abgeschlossenen Kompromiß. Auf Grund dieses Der- träges verpflichtet sich die die Arbeit vergebende Behörde, den von der Firma für jeden zur Reparatur benöttgten Arbeiter gezahlten Stundenlohn der Firma mit einen Aufschlag von 190 Pro- zent zu ersetzen. Die Direktton der AmbI hat nun ein« große Anzähl von Arbeits- kräften eingestellt zu dem ausgesprochenen Zweck, für jeden vom Reichs den"Zuschlag von 190 Proz. zu ergattern; ttotzdem der Be- ttiebsrat wiederholt darauf hinwies, daß es doch unmöglich sei, die angeforderten Arbeitskräfte produktiv zu beschäfttgen. Daß der Zustand über kurz oder lang zu einer Katastrophe führen muhte, war begreiflich, weil ja die verantwortliche Stelle der Eilen- Hahnbehörde nicht weiter der Firma 35 000 bis 40 000 M. für jede Reparatur in den Rachen werfen konnte. Nachdem die Bettiebsschließung Tatsache geworden war, haben die beteiligten Organisationsvertreter gemeinsam mit dem Betriebsrat bei den behördlichen Stellen Schritte eingeleitet, um die Bettiebsschließung rückgängig zu machen. Die Verhandlung bei dem Beaufttagten der Eisenbahnbehörde verlief resultatlos, weil der Lertteter sich aus den durchaus verstand- lichen Standpunkt stellte, daß erst dann der Firma Ambi weitere Waggons zur Reparattrr überwiesen werden konnten, wenn die Reparaturkosten bei der Firma Ambi nicht höher sind, als bei allen Firmen. Beaufttagte des Werkes haben dann gemeinsam mit dem bisher die Bewegung führenden Vertteter des Metallarbeiteroer- bandes über die zu ergreifenden Maßnahmen mit der engeren Ver- . waltung dieser Organisation Rücksprache genommen. Es wurde ver- «inbart, am folgenden Tage mit den freigewerkschaftlichen Funktionären sowie den Betriebsräten und den Vertretern der beteiligten Organisationen eine Konferenz abzuhalten, um noch einmal alle Möglichkeiten �durchzu- sprechen, die geeignet erschienen, die Bettiebsschließung rückgängig zu machen. In dieser Versammlung am 2. März regte der Vertteter des Metallarbeiterverbandes nochmals an, zu einer Konferenz der frei- gewerkschaftlichen Funktionäre zusammenzutreten und am folgenden Tage in einer erneuten Betriebsoersammlung Bericht zu erstatten. Die in dem Betrieb verttetene Betriebsorganisation wollte durch Wahl eines Aktionsausschusses die fteigewerk- ichaftlichs Organisation ausschalten und die Groß-Verliner Arbeiter- schaft zu einem Sympathiekampf aufrufen. Trotzdem der mit großer Mehrheit gewählte Aktionsrat die Tätigkeit� der frei- gewerkschaftlichen Organisation ausschaltete, bemühten sich deren Vertteter, der Ambi-Arbeitcrschost ihre Unterstützung ange- deihen lassen zu können. Unterdessen veranstaltete, aufgefordert von dem Akttonsrat, der übergroße Teil der Besucher der Betriebsversammlung einen De- monstrationszug. Nach kurzer Zeit machten sie durch Ein- dringen in das Konferenzzimmer, in dem die steige- merkschaftlichen Funktionäre versammelt waren, die Aussprache übe? die anzuwendenden Kampfmaßnahmen unmöglich. Der Vertteter des Metallarbeiterverbandes wurde gezwungen, vor der oersammelten Arbeiterschaft zu erklären, weshalb diese steegewerkschaftliche Funk- tionärkonferenz einberufen worden war. Eine sachliche Aussprache, die zur Klärung verschiedener Fragen gedient hätte, war aber nicht »nögiich. Wenn also bisher die von allen Organistttionsvertretern oner- kannte Möglichkeit bestand, auf einer für die Ambi-Arbeiterfchaft einigermaßen erträglichen Grundlage die Betriebs- schließung zu inhibieren, besteht jetzt, da jede praktische Arbeit un- möglich gcmqcht worden ist, keine Möglichkeit mehr, dem Gros der Ambi-Arbeiterschaft helfen zu können. Die Vertteter der freien Gewerkschaften haben die Absicht, alles zu versuchen, um den wirtschaftlichen Schaden, ver den Arbeitern erwächst, möglichst klein und gering werden zu lassen. Dadurch, daß sich der über- große Teil der"Belegschaft durch die jeder Einsicht unzu- (länglichen Elemente dazu hat verleiten lassen, jedes weitere Verhandeln mit der Betriebsleitung unmöglich zu machen, wird die Schwere der Bettiebsschließung leider alle beschäftigten Arbeiter treffen. Für den Ausgang dieser �revolutionären Aktion" werden sich die Ambi-Arbeiter bei denen bedanken können, die mit revo- lutionären Phrasen den Befreiungkamps der Arbeiterschaft un- geheuer erschweren, in einzelnen Fällen, wie dem vorliegenden, so- gar unmöglich machen.__ Niederlage der Komanmifie« tat Töpferverbaad. Unter außerordentlich starker Beteiligung, 75 Proz. der Mit- r jeder, fanden am Sonntag die Wahlen zum Filialvor- and durch Urabstimmung statt. Die Borschläge der Funktionäre wurden mit großer Mehrheit angenommen. Der größte Kamps wurde um den ersten Vorsttzenden geführt. Kemnitz er- hiett 485 Stimmen, während sein Gegenkandidat Lemhöfer es nur auf 236 Stimmen brachte. Gewählt wurden außerdem: Brüggmann, Mewes, Lanzki, Ernst Müller, Lippitz, Weseler, Reinke und Nowack. Als Revisoren Kranfeld und Frede. Augestellte der Färbereien und chemischen Waschanstalten! Jahre hindurch haben es die Arbeitgeber der Färbereien und chemischen Waschanstalten verstanden, durch rücksichtsloseste Aus- beutting ihrer Angestellten Riesengewinne einzuheimsen und b«- ttächtliche Kapitalien aufzuspeichern. Erst durch Eingreifen des Zenttalverbcmdes der Angestellten ist es nach Ausbruch der Revo- lution gelungen, mit diesen Arbeitgebern für die Angestellten der Färbereien und chemischen Waschanstalten, besonders für die Filial- leiterinnett, zu einem Tarifabkommen zu gelangen, welches ihnen «ine einigermaßen erträgliche Existenz ermöglichte. Neuerdings wittern diese Arbeitgeber Morgenluft, und ihr Druck auf die Ange- stellten setzt schärfer als je ein. Sie versuchen vor allen Dingen, die Unkenntnis und Indifferenz vieler ihrer Arbeitnehmer auszunutzen und legen namentlich den Filiallciterlirnen Verträge vor, die sie zur Uebernahme der Filialen als Pächterinnen verpflichten, Ihnen aber einen ganz geringfügigen Prozentsatz zubilligen, welcher unter keinen Umständen ausreicht, das dürftigste Dosein zu fristen. Ganz besonders tut sich hierbei die Firma Carl Pollnow, Front furter Allee 322, ferner D. Counde A.-G., Rungestt. 16, Heinrich Bergmann, Gebrüder Attenberg, Ali Moabit 95/97, hervor. Wir warnen die Filialleiterinpen ganz entschieden, irgendwelche Pachtverttäge zu unterschreiben, die nur bezwecken, die tarifver- traglichen Bestimmungen zu umgehen, denn gutgehend« Filialen haben die Arbeitgeber noch nie auf Pachtverttäge abgegeben, son- dern wälzen das Risiko der fchlechtgehenden Filialen ganz allein auf die Filialletterinnen ab. Der große Kreis de? Konsumenten hat aber auch unzweifelhaft ein Interesse daran, die Firmen zu kennen, bei denen die Arbeit- nehmer in so schrankenloser Form ausgenutzt werden. Die Vretterkräger, Plaharbetter und Sulfcher ans den Joarnier- und Zluhholzhandlungen haben durch den Transportarbeiteroerband an den Arbeitgeberverband Berliner Holzhändler eine Forderung auf Zahlung einer Kinderbeihilfe in Höhe von 500 M., sowie einer laufenden Wirtschaftsbeihilfe von 10 M. für die Frau und 20 M. für jedes versorgungs- berechtigte Kind gestellt. Die Arbeitgeber lehnten die Forde- rung ab. Der Schlichtungsausschuß legte„den Parteien nahe, über eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe— es wird ein Betrag von 300 M. in Vorschlag gebracht— sowie über eine laufende Familienbeihilfe für die Frau und jedes vvrsorgnngsberech- tigte Kind erneut in Verhandlungen zu treten". Auf Grund des Schiedsspruches wurden seitens des Transport- arbeiteroerbondes erneut Verhandlungen nachgesucht. Aber auch jetzt lehnten die Herren Arbeitgeber jede Berhand- l u n g ab. Wir begnügen uns für heute damit, das Verhallen des Arbeitgeberverbandes der Oeffentlichkeit zu- unterbreiten. Die Angestellten der Daren-, Kaufhäuser und Spezialgeschäfte nahmen Mittwoch zum neuen Tarif, zum 6-Uhr-Ladenschluß und zu den Verhandlungen bzgl. der Teuerungszulagen Stellung. Vor Ein- ttitt in die Tagesordnung geißelte Koll. Bu blitz die Moßrege- l u n g einer Kollegin im Haufe W e r t h e i m. Die Firma Wert- heim hat es für richtig gehalten, diejenigen Angestellten, von denen bekannt war. daß sie Einladungszettel zur Versammlung, weiche sich mit diesem Vorfall beschäftigten sollte, vertellt haben, mit Rügen, tum Teil mit Entlolsuogsandrohungen zu bestrasen. Das Unerhörteste der Handlungsweise der Firma besteht jedoch darin, daß sie denjenigen 2000 M. Prämie zusagte, die der Firma die Kol- legen namhaft machen, welche diese Einladungszettel angeklebt haben. Die Angestellten brachten ihre Stellung zu dieser Prvvokatton durch einstimmig« Annahme nochstehender Entschließung zum Aus- druck: „Die verfammeltm Angestellten der Waren-, Kaufhäuser und Spezialgeschäfte nehmen mit Enttüstung Kenntnis von der Maß- regelung im Hause Wertheim und die Auslobung einer Prämie für den Verrat derfenigen, die Zettel mit Einladungen zur Be- triebsversammlung verbreitet haben. Wird die Maßregelung und die Prämienauelobung nicht bedingungslos rückgängig gemacht, dann werden die Zlngestellten von A. Wertheim zum A b- Mehrkampf schreiten." Der vorgelegte Tarifoerttagsentwurf fand einstimmige Annahme. Den Bericht über die Verhandlungen bzal. der Teuerungszulagen gab Kollegin Licht, während Kollege Wille über den 6-Uhr- Ladenschluß referierte. Die Angestellten sind entschlossen, auch für diese Forderung mit aller Entschiedenheit zu kämpfen. Zum Transportarbeikerstreik ia Potsdam wird uns mitgeteilt, daß nicht, wie wir im Mittwoch-Abendblatt meldeten, ein Vertreter der Technischen Nothilfe den Oberbürgermeister bei den Verhond- lungen im Stadtschloß vertreten hat, sondern der zuständige Stadtrat._ Bnad dir tichnllchen BngisteUte«»od Deamti». Osten lt. Monatmersammlung Freitag?>/, Uhr. im Loaenkaiino, v. 112,»norrpromenad« 2. II a. Wahl drs Delegierten zum Bundestag 1921. Zentralvirband der«ngestelltr». Freitag. Osrmnkonzrrn: 7 Ilhr Mitglieder. Versammlung Mulikersiile 5tailer-WiIheIm-Str 31.— SolzmSbrlindostrie und Sandel: 7>-z Uhr Milgliederversamuiliing Ratenthal« Höh Rosenthaler Str. 11/12— Metall: 7 Uhr Sistung der Ditealertin Kavertands Feftslile.!»eue Feiebrichste � Z Wertzeugbau- und Metallwarrnsabrtiaturn: 7 Uhr MUgliedervirsammlnna Z � sali. Ztaiser-WUHeluxStr. 31.— Zugendgruppe. Sonntag 11 Uhr, im U-S Wixande» plag: Lehrfilmvvrsühruna. Karten im Bureau, Belle-Alliance-Etr. 7—10, von 10— 8 Uhe und Freitag»VN ä—7 Uhr, Sonnabend von 10—1 Uhr zum Preis» von 2 M. Wirtschaft Anarchie in der Aaliindusirie. Die Feststellungen, die wir in unserem Arttkel über die Lage in der Kaliindusttie(„Boiwärts" Nr. 97 vom 27. Februar) gemocht haben, liegen den Kali-Herren natürlich schwer im Mager.. Sie fürchten für ihre Profite und stellen sich, als ob es ihnen fürchterlich schlecht gehe, ttotzdem die Ziffern über die Erträgnisse der großen Kaliwerke das Gegenteil beweisen. Deshalb sendet uns der G e n'e- ralsetretär des Kalisynditats eine längere Erwiderung, die unsere Angaben entkräften soll. Natürlich wird man von Aus- führungen, die aus dem Kalisyndikat kommen, nicht erwarten können, daß sie unvoreingenommen sind, sie sollen einfach die I n t e r e s s e n der Unternehmerschaft vertteten. Aber vergebens wird man in diesen Auslassungen eine sachliche Richtigstellung suchen— um den Kernpunkt unseres Ärttkels weiß das Kalisyndikat äußerst geschickt herumzulavieren. Die Herren werden es uns daher nicht ubel nehmen, wenn wir den beschränkten Raum des„Vorwärts" mit ihren Auslassungen nicht noch wetter einschränken. Nur auf einige Punkte sei hier nochmals eingegangen: Das Kalisyndikat läßt behaupten, die Vertreter der Arbeit- nehmer, die im Reichskalirate gegen die Erhöhung der Kalipreise ge- stimmt, hätten sich eigenllich„im Prinzip" für diese Preiserhöhung ausgesprochen und sie als„berechtigt" anerkannt. Nur hätten sie vorher höhere Lohne und Gehälter verlangt. Also ein regel- rechtes Handelsgeschäft, das von den Kaliherren aber aus Gründen der„objektiven Ueberzeugung" abgelehnt worden sei. Wie ideal, wie selbstlos! Nach unseren Informationen ist aber kein wahres Wort daran, daß die Vertteter der Arbeiterschaft im Reichskalirate die Notwendigkeit der Preiserhöhung zugegeben hätten. Das ist ja ein bekannter Trick der Unternehmer, daß sie den Arbeitnehmern bei jeder wirtschaftlichen Frage die Berquickung mit Lohnforderungen unterschieben. Aber so naiv sind unsere Arbeiter nicht, daß sie die Zusammenhänge nicht einsehen und nicht wissen sollten, wie die Er- höhung der Kalivreise auf die Brotpreise und damit auf die Preise für die gesamte Lebenshaltung zurückwirken und jede Lohn- erhöhung in ihrer Auswirkung illusorisch machen würde. Das Kalisyndikat beklagt sich sodann über„riesige Ver- luste" im Iiilandsgeschäft, die durch die Ausfuhr auch nicht an- nähernd ausgeglichen würden. Richtig ist, daß die Kaliindusttie durch die bevorstehende Erhöhung der Eisenbahnfrachten eine nicht un- wesentliche neue Belastung erfahren werden. Aber in der gleichen Lage befinden sich sämtliche anderen Jndusttien. Wenn nun tat- Schlich die Erträgnisse der Kaliwerke durch die gegenwärtige Loge elchmälert werden, so dürfen sie nicht vergessen, daß sie außerordeni- ich fette Jahre gehabt haben, und daß sie nun auch den Um- schwung ttagen müssen. Man soll doch nicht vergessen, daß zum Beispiel dos Kaliwerk Aschersleben im vorigen Jahre 3 0 Proz. und das Kaliwerk Westerregeln sogar 3 5 Proz. Dividend« verteitt haben. In diesem Jahre sind es immer noch 7 und 10 Proz., also immerhin«ine recht anständige Verzinsung. Aber diese scheint den Unternehmern schon nicht der Rede wert, so sehr haben die Gewinne der Kriegszelt sie verwöhnt. Daran krankt ja unser ganzes Wirt- "«ftsleben, daß die Unternehmerschaft glaubt, sich von den i ese n p r of i t e n der K r i e g s k o n j u n k t ur nicht trennen zu können, und deshalb alles anwendet, um d i e Preise im Inlande hochzuhalten! Wenn es ober den Kaliherren so erbarmungswürdig schlecht geht, wie ihr Gejammer glauben machen will, worum sttäuben sie sich dann mit aller Kraft gegen die Sozialisierung des Kali- bergbaus? Auch die Einsendung des Kaltsyndikats nimmt da- gegen Stellung. Sfücrdings mit ganz oberflächlichen, abgebrauchdeu Gründen. Die Sozialisierung werde„produktionshem- mend" wirken,— eine vollkommen unbeweisbare Prophezeiung. nicht eine Tatsache kann dafür angeführt werden. Dann: weil die Kaliindusttie neben Kali auch noch verschiedene chemisch« Export- Produkte herstellt, werde die Eozialisierung„vernichtend" wirken. Wie kann man nur mtt so läppischen Einwürfen kommen! Auch der Kohlenbergbau stellt zahlreiche chemische Nebenprodukt« her— kein Mensch aber hat bisher behaupten wollen, bei der Sozialisierung werde Z. B. die Teerindustrie„vernichtet n-erden. Und endlich zum hunderttausendsten Male die eben so oft wD-rtegte Behauptung, die Etsayrungen, die bisher mit sozialisierten und kommunistischen Betrieben gemacht worden seien, ermunterten nicht zum Fortschreiten auf diesem Wege. Und die Ueberschüsse der preußischen Stoatsbahnen in früheren, normalen Zeiten? Und die Erträgnisse städtischer Gas- und Elektrizitätswerke? Allerdings wenn heute sozialisiert wird, wird man nicht nach dem Muster rüherer Aerstaattichungen verfahren, sondern so, daß die soziali- ierten Betrieb« auch wirklich der Allgemeinheit zum Nutzen arbeiten können! Doch davon zu reden, ist im Rahmen dieses Artikels nicht die geeignet« Gelegenheit. Wie wir hören, macht dos Kalisyndikat Anstrengungen, um beim Reichswirtschafts Ministerium eine Ver- größerung des Reichskallrotes und damit vielleicht eine Aenderung des Stimmenverhältnisses her. beizuführen. B. Veraniw für de» redatt. Teil: Dr. Wer»« Better, CbarloUendura! fltr Anzeige»: TS. Olvtft. Berlin. Berlvg: Borwärts-Lerlag G.m.b.H.. Berlin. Drut: Bor« wSrtS-Bucddruckerei u. VerloaSonlwi! Paul Siitger u. To.. Berlin öi»dl->str.-s. i Mara-u.Blatu&tersucli Pir. SCaii Reinhardt P©tssSemer Str. 117 1*.™� Beha:idl.auch schwerster �.veraltetster Leiden d.IangiShrdewährtco Arilvcrsahreir Sprechft. �12�-2,>/z0— 8 abend». Eonnla� V/.U— l. portofrei. fiuftlärcnbe Brvsi verschlosienem Kuvert gegen l -vrechft.'/,I2— 2,>/zk—«abend». Sonntag'/■. schüre mit Beschreibung stimtl. Hellversab iuvert gegen Einsendung von Zli. 2.50 pot DasCöristaspWsiügÄl��S�ÄII in einer alten urientalischen Bibliothek ist ein Dokument! geiund. worden, das ganz genau mitteilt, wer Jesus Christus I war; ein Bundesbruder des Essäerbundcs, einer Art! Kreimaurervereinigur.g. Es ist der Bericht des Aeltesten) djesesBundes in.lecusalem an den Aeltesten inAlexandrien Ein cbristlicherEriesterversuchtebeiderEntdeckungdas Dokument zu vernichten, da sich die ganzen mystischen Wundergeschichten auf einmal ganz natürlich erklären. Die Vernichtung gelang ihm aber nicht Dieser Bericht ist von Ferd. Schmidt ins Deutsche übersetzt Kein Denkender wird das Werk unbelriedigt aus der Hand legen gm Preis Mk.(uSO und Mk. 1,10 fr. Nachnahme. W Gr. Bücherkafalog gratis. Albrecht Donath Verlag Leipzig 42 Mos- Flügel grbrauchtt bekannteste Firmen tnstruivent»: neue Große««»»-HI Stets Gelegenheitskäufe plavohaus, Alexanderfir. 37 negenstber Paltzetpriifidwm L solid. Aus Ohrg.dauerhaite Bauart bestes Material Kasten, and Leiterwagen 90 100 110 UOemKast- 195.- 213.- 250.- 290.- lünge Holzware n-Indnstrie Hildesheim 4. SD Nutzeisen jeder Art: Rund«, Flach«, Lvuadrat« u. Bandeisen, (Sas-Ziede-Rohre, Is-Trägeru.v-Eiseu. Feldschmieden und Ambosse sofort ab Lager lieferbar Felix Kohls, BeriinüS, Dlicksenstr. 12, I Morlgplah 12072. Ecke Boitatrestraße. Morttzpla« 12078. j Stoffe Herren' Damen- Anzng- und Paletotstoffo. ind Kostüm- und Ulstcrstolfc SScter 50.—, 100.—, ISO.—, 200.— Start. 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