Nr. t14» 38. Jahrgang Ausgabe tt Nr.S7 vezuftSvrei», WmtltüljrL«.—«., monatt KU- IL fett m* Jxtu«. voraus jabibat. f.oft- dtzug Monatlich 10,— M. tinlchl Zu» ftcNuitgsgtdUiir Unter Krru»daad für Deutichland und Oesterreich 16,30 M» für da» übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 2l.S0 Dl Poslde- fleHungcn nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho» Siowairt Däut» wart, bollanb, Luxemburg. Schweben und die Schweiz.- Eingetragen in die Post-Zeitung»- Preisliste. Der.Botwart»" mit der Sonntag«. bettage.Boll und Zeil" und der Unier» He fiU» t»de> läge J�timwelt* erscheint »achemäglich zweimal, Eon mag« und Dloniag« einmal Telegramm- Abreite! »I»zi»lde«n»tr»l verlU»-. Abend-Ausgabe Bciimcn Dolhölileitt (20 Pfennig) »«zeigntpretSt Die echtgefpaltm« ScmparetOegeiU lost« 5chtJ M.Aleine Anzeigen' da« iettgebrutne Wort IM Dt(zulässig zwei, engedruckte Worte), iebw weitere«ort L- M. Stellengesuch« und Schlawellenanzetgen da« erst- Wort L— DU lede« wettere Wort 60 Psg. Worte üb« 15 Buchstaben zählen für zwei Worte �omilten-An zeigen sür Abonnenten Zeile M Dir Preise oerstehen sich etnschitehliä Teuerung» tuschlag. Anzeigen Nir die nächste Ktttmuei müssen dt» 6 Uhr nachmittag» im hauotgeichäst. Berlin SW 66. Linden. ltrahe 6, abgegeben wrtben cheoffnc.' »an» Uhr früh dt» 5 Uhr abend» �entralorgan äer fozlalclemokratifcken Partei Veutscklanäs Neüaktton unö Expedition: SW öS. Linöenstr. 3 Kcrnsprrever! Amt tviortuplan. Nr. lül iti»— lSi i)? Simons auf öer Heimkehr. Elberfeld. S. März. Vle.Vergisch-MärNkch- Zel- lung" schreibt: Bei der Rückkehr von London nahm der Son- Verzug der deutschen Delegation heute vormittag um 914 Uhr in Elverseld, als der ersten Stadl im unbesetzken Deutschland, einen längeren Ausenthalt. Eine unübersehbare Menschenmenge hielt den hauplbahnhos besetzt und begrützte Dr. Simons unter begeistertem Absingen des deutschen Liedes. Als Vertreter der Stadt hietz der Oberbürgermeister den Minister in seiner Heimatstadt willkommen. Der Minister dankte bewegt und richtete einige ausmunternde Worte an die vcr- sammelte Menge, wobei er zum Ausdruck brachte, die Dele- gation habe in London getan, was nur irgend möglich ge- wesen sei. um die Feinde von weiteren Matznahmeo gegen die Heimat abzuhalten. Es sei aber unmöglich gewesen, mehr zu versprechen, als Deutschland zu halten imstande wäre. Das Vaterland würde aber alles überstehen, wenn nur alle Deut- scheu treu zusammenständen. Ucberwältigende Zustimmung»- ruse brachten dem Minister das Treugelöbnis zum vaterlande dar. Dr. Simons wurde reich mit Blumen beschenkt. Daraus verlieh der Zug die Halle, während Tausende mit entblößten Häuptern ihm cas Lied nachsagen:.Ich Hab mich ergeben mit herz und mit Hand."_ Neue Hoffnungen? C o n b o n, 9. März.((£$.) Der deaksche volschafisral vretzler erNSrle Zeiwvgsoerlretera:.Sie tverden sehen, meine Herren, daß la kurzer Zeit neue Versuch« gemacht werden, um die Vesprechungen wieder auszunehmen, wenn nicht im Ruhrgebiel Unruhen entstehen. Eine sreund'chastliche Lösung, selbst nach Anwendung der Zwangsmahnohmeu durch ein oder zwei Wochen hindurch, Ist der Gewalt vorzuziehen. Veukschland selbst ist nicht in der Lage. Widerstand zu leisten, wie peinlich es auch sei, so nehmen wir die Lage mit Ruhe hin. Ohne Zweifel herrscht bei uns Enttäuschung. aber die Vevölkerung wird sich den RIahnahmea unter- werfen, obwohl ich persönlich nicht eninsehe, dah die Gewallmatz- nahmen der Alliierten eine schncller« und wirksamere Verwirk- llchungi ihrer Forderungen zusichern könnten, als die, ein freund- schastUche.» Einvernehmen ermöglicht hätte, selbst wem» dies wenige Wochen später geschehen wäre. vor der v o I t» ob st l m m ung in vberschlesien kann Deutschland keinerlei Angebote machen. Wir haben die größte Hoffnung, daß die Mehrheit der Vevölterung Oberschlefien» sich zu- gunslen Deutschlands aussprechen wird. Man darf auf keine über- wättigende Mehrheit rechnen, doch glaube Ich. daß öS Prozent ihre Stimmen Deutschland geben werden. Dies würde die Zahlungs- sähigteit Deutschland» erhöhen, da Oberschlesieu an Kohlen und Erzen reich ist. Pari», 9. März.(TU) Der Londoner'verichterstatler des »Zniransigeant" telegraphiert: wenn Deutschland neue annehmbare Vorschläge machen wolle, so werde man die deutsche Regierung noch London oder Paris einladen, um zu neuen Verhandlungen und damit vielleicht zu einem Abkommen zu ge- langen. /lngebllche Keußerungen Simons'. London. 9. März.(EE.) Vor de? Abreise empfing Dr. St» mons einige Journalisten, denen er unter anderem sagt«:.Wir reisen enttäuscht ab und sind durch die geringen Erfolge unserer Mission entmutigt. Wir waren hierher gekommen, um eine «ndglllllge Regelung der Entscheidungsfrage Herbeizuführen. Unsere Absicht war, von den Alliierten«ine klare Entscheidung zu erlangen, welche die Gesamtheit unserer Verpflichtungen ent- halten sollte, ebenso die Modalitäten, unter welchen wir uns dieser Verpflichtungen entledigen könnten. Statt dessen sahen wir, daß die Entscheidungen der Pariser Konferenz bekrästigt wurden, an welcher wir nicht teilgenommen hatten. Und um un» nun deren Entschließungen aufzuerlegen, hat man zu der Gewalt seine Zu- flucht genommen. Eine Voraussage über die künstigen Ereignisse zu geben vermag ich n i ch t. D i« l l e i ch t wird die Konferenz in London, obwohl wir gor keinen unserer Sachverständigen zurück- lassen, nicht so ergebnislos sein, wie es den Anschein hat." London. 9. März.(Reuter.) Rur eine Nein« Anzahl Zu- schauer wohnte der Abreise der deutschen Delegation bei. Dr. Simon» erklärte einem Reuter-verlreter gegenüber:„Ich hoffe, dem- nächst wieder zurückzukehren. Ich gebe die Sache nicht aus." Sfttch ist-nkzücft. Pari». 9. März.(EE,) Gegenüber einem Vertreter de».Petit Parisien" erklärte sich Marschall Fach entzückt von der Art und Weise, wie die Besetzung von Düsseldorf. Duisburg und Ruhrort vor sich gegangen sei. Ececkt nicht. Pari», 9. März.(EE,) General von Seeckt wurde von alliier- ten Journalisten gefragt:.Sind Sie. tzerr General, von Ihrem Aufenthalt In London befriedigt?".Nein." antwortete Seeckt und drehte den Frageru den Rücken. tvem nützt es? ! London, 9. März.(ET.) Eine offizielle Statistik der eng- tischen Ein- und Ausfuhr im Februar beweist den starken Rück- > g a n g. vi- Aussuhr belauft sich aus öS 221 731 Psd. Slerl.(ver- Minderung um 24 öZ4 ZöZ gegenüber llanuar). Die Einfuhr er reichte lm Februar 98 973 710 Pfd. Sterl.(um 20 077 172 weniger als lm llanuar). Die tiohlenaosfahr Hai stark abgenommen: von S SSZ 704 Pfd. Sterl. Im Januar 1921 and 9 ögZ 712 Pfd. Slerl. lm Februar 1920 aus 4 240 021 Psd. Slerl. im Februar 1921. Wie wird die Ausfuhr erst abnehmen, wenn Deutschland nicht mehr kaufen kannl London, 9. März.(TU.).Westminster Gazette" nennt da» Scheitern der Londoner Konferenz einen Bankerott der Diplomatie ohnegleichen in der Weltgeschichte. Der.Manchester Guardian" nennt die Sanktionen einen Blender von größter und verhängnisvoller Le- deutung. Durch die Haltung der britischen Regierung und de» Ministerpräsidenten werde eine Politik getrieben, die direkt im Gegensatz zu Britannien» nationalen Interessen steht. Mailand, v. März.(TU.) Der Londoner Berichterstatter de» .Sero" telegraphiert: Um die Wahrheit zu sagen, sind die Fran- zoseu mit dem, was sie erreicht haben, nur wenig znsrieden. Im Gegensatz dazu scheinen die Deutschen erreicht zu haben, wo» sie erreichen wollten.(?) Die Lage scheint aber aus beiden Seilen vom Uebel zu sein. P e r t i n a x kommt im„Echo de Pari»" zu dem Schluß, nicht an die Dauer der Konfiszierung des deutschen Aussuhrertrage» zu glauben, da hierdurch der deutsche Handel noch Amerika und den neutralen europäischen Staaten get'ieben werde. London. 9. März.(Frks. Ztg.) Die City erblickt in den wirt- schaftllchen Sanktionen allgemein eine schwere Gefährdung der müh- j sam wieder angeknüpften Beziehungen, die auch sür England an- gesicht» der fortdauernden Wirtschaftskrise, der Stockung de» Han- , del», der Arbeitslosigkeit und des Preissturzes unentbehrlich � sind. Lloyd George» Idee der Abführung eines Teiles des Kauf- preise» deutscher Waren wird al» ruinös angesehen. Die Ankündi- j gung eines sofortigen Gesetzentwurfes mit rückwirkender Kraft durch Lloyd George führte eine völlige Ungewißheit herbei, ob selbst > schwebende Geschäfte zerstört werden. Die Besorgnis vor Eingriffen 4» Prioatrechte dürfte die Zurückziehung von Guthaben aus Eng- land zur Folge haben, da die Sanktionen beweisen, daß für die Alliierten Rechtsschrankeu vicht existieren. Eine entsprechende Tendenz ist bereit, bemerkbor. Gleichwohl sind selbst einflußreiche Citykreise anscheinend apathisch. Sie zucken mit den Achseln, weil e» keinen Wert habe mitzureden, solange die Fl- nanzfragen zu einem politifchen Streit ausarten. Die Pariser Ideen � werden allgemein als p h a n i a sti f ch bezeichnet. Hamburg. 9, März.(DA.) Ein« bekannte hiesige Firma hat lau« Pari» einen Brief erhalten, in dem es u. a. heißt:„Was da» Schutzgesetz gegen die Einfuhr aus Deutschland betrifft, fo sind von einer beträchtlichen Anzahl Firmen durch die Handelskammern de- reit» Schritte unternommen worden, die diese Maßnahmen als un- geeignet unterlassen zu sehen wünschen. Einfanaung yarüings. Pari», 9. März.(Havas.) Mlllerand hat an Hardlng ein Telegramm gerichtet, in dem er seinen Regierungsantritt be- grüßt und aufrichtige Wünsche fiir dos Gedeihen der Bereinigten Staaten zum Ausdruck bringt. Mill-rand erinnert daran, daß die ruhmreiche Vergangenheit die beiden Länder für immer verbinde und weist daraufhin, daß ihre Interessen den beiden Nationen de» fehlen, einander zu unlerslühen. Präsident Hardlng versichert Millerand in seiner A n tw o r t der unabänderlichen Freundschaft Amerika» für Frankreich und spricht seine Wünsche aus fiir eine noch engere Gestaltung der historischen Freundschaftsbande, die Frontreich und die Bereinigten Staaten oerbinden. Spaniens Ministerpräsident ermordet. Madrid. 9. März.(WTV.) MinisterprSfideu« Dato fuhr im Kraftwagen vom Senat nach feiner Wohnung zurück. Drei Un- bekannte, vermutlich Syndikalisten, welche Ihm mit Motorräderu gefolgt waren, holten den Kraftwagen ein und gaben 2 7 Re- voloerfchüffe ab. Ver Chauffeur fuhr mit größter Gefchwln- dlgkell nach der nächsten Unfallstation, wo die Aerzte nur noch den Tod de« Ministerpröstdente« feftstcllen konnten. Die Angreifer hatten die Sögeln au ihrer Spihe abgeschnitten, um sie in Dum- dum-Gefchosse omzuwoudcla. Die Angreifer entkamen. Visher fehlt sede Spur von ihnen. Seit Monaten wurden aus Spanien zahlreiche Terrorakt« und danach scharfe Regierungsmaßnahmen gemeldet, bei deren Ausfüh- rung«• zum Gegenterror kam. Reue Wahlniederlage der eugfifcheu Regierung. Bei den Nackiwahlen in Penistone winde«ldetman Gilli« von der Arbeiterpartei mit 850» Stimmen gewählt, während der unabhängige Liberale A. M. Pringle 7 984 und der Koalition». libetale F. 5. Hinchliffe 7 128 Stiuimen«hielt vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 6$, Ltnüenstr. Z i�ern lp reche r,«mi ivt»ri»piay, Nr. I17S3—&4 Nüchterne Tatsachen. von Max Ouarck. Wir sollen bei den Verhandlungen mit der Entente über die Kriegsentschädigung so nüchtern als möglich denken, sprechen und handeln, hart gegen uns selbst, nicht meniger Hort ober auch gegen den Widerpart, dem wir kein« Unmög- lichkeiten zusprechen können und dürfen. Daß die Gegenseite diese Nüchternheit leistet, bestreite ich ganz entschieden. | Sonst hätte Lloyd George nicht die Schuldfrage am Krieg wieder aufrollen können. Das französisch« Sozialistenblatt„Populaire" hat l ihm kräftig und richtig mit dem Hinweis auf die Gesamtschuld des Kapitalismus geantwortet: unsere deutschen Delegierten nicht. Bei der Gegenüberstellung der deutschen Lebensverhält» niste nach dem Krieg und derjenigen in den Enienteländern ist Lloyd George als Mundstück der Entente wiederum nichts weniger als nüchtern geblieben. Er hat vielmehr im meto- dramatischen Agitationston geredet. Riesenbelaftung drüben. Drückebergerei hüben! In England sind sie alle Steuerengel. iDas war etwa das Bild, das er malte. Die Quäker, die seit Monaten in Deutschland für Kinder- speisung arbeiten, könnten ihn zur Nüchternheit zurückführen. Auch sonstige Engländer oder Amerikaner, die sich in Deutsch- land aufhalten. Man kann nämlich immer noch gewisse � Arten von Lebensmitteln billiger aus England zu l uns einführen, als man sie hier kauft. Zeugnis dafür kann angeboten werden. Ist also wirklich die Belastung in allen Stücken drüben größer, als be! uns? Nüchterne Frage! Die Post- und Eisenbahnoerteuerung in Deutschland ge- nügt der Entente noch nicht? Hier hat sie die nüchterne Wir- kung, daß sich jeder Private ängstlich fragt, ob er nur noch ' einen Kilometer ohne dringenden Anlaß fahren und einen , Brief mehr schreiben soll, als ihm die Lebensnotwendigkeiten vorschreiben. Demnächst soll's ohnedies noch höher gehen mit den Gebühren. Dann werden sie für de rjenigen, der sie nicht abwälzen kann, unerschwingbar. Daß sie überhaupt einfach wie indirekte Steuern wirken, und daß sie jedes Geschäft auf seine Preise schlägt, ist doch sonnenklar. Indirekte Steuern bessern doch aber bei nüchterner Be- trachtung unsere Lage nicht um einen Pfennig! Sie erhöhen die Preise und damit die Papierinflation, die uns immer ärmer macht. Und das sollte Lloyd George nicht wissen, wenn er nüchtern, statt im Siegerrausche spricht? Nur direkte Steuern können unsere Reichskaste voller und zahlungsfähiger machen. Nebenbei haben sie übrigens die Wirkung, große Kapital- Profite zu senken und damit auch die Preise. Fürchtet Lloyd George für den englischen Kapitalismus, weil er sich so stark auf die Empfehlung indirekter Steuern versteift? Deutsche Reaktionäre it la Scholz sind ihm ja behilflich dabeil Aber nüchtern finanzpolitisch ist das alles nicht. Die direkten Steuern sind weniger abwälzbar, well ihre laufende Hauptquelle das D o l k s e i n k o m m e n ist. Nach dieser Richtung drängt die volkstümliche Finanz� Politik der neuen deutschen Republik seit zwei Jahren. Gegen ungeheure Widerstände in den besitzenden Klassen und den Beamtenkreisen. Stärkt denn nun nicht Lloyd Georg« geradezu diesen gegen die ehrliche Kriegsentschädigung ge- richteten Widerstand unserer großen und kleinen Bourgeois. wenn er indirekte Steuern empfiehlt? Ganz sicher: alle direk- ten Steuerdrückeberger in Deutschland werden ihm jubelnd zustimmen. Dabei beklagt sich Lloyd George über diese Drückeberger! So wenig kennt und sieht er die wirklichen Zusammenhänge. Das„alte kaiserliche Deutschland", gegen das anzurennen und lahmlegen zu wollen er vorgibt, ist ja sein hocherfreuter Bundesgenoste für einen neuen deutschen Träger indirekter Steuern. Die Erbschaft des alten Systems ist belastend genug! Noch erhebt das deutsche Reich notgedrungen nicht weniger als 37 Milliarden Mark Zölle und Verbrauchssteuern(vgl. Vor- anschlag für 1920). Und das soll nach Ententevorschrift ge- steigert und damit die Tendenz der Abwälzung auf untere Be- völkerunasschichten gefährlich erhöht werden, während die deutsche Revolution endlich die direkte Zahlungspflicht der Be- sitzenden festzulegen und auszubauen suchte? Seltsame Repa- rationspolitikl Freilich---- auch das direkte Steueropfer kann gewisse Grenzen nicht überschreiten. Eine nüchterne Tutsache dazu, die Kuczynski eben in feiner„Finanzpolitischen Korrespondenz" feststellt: Das deutsche Bolkseinkommen ist heute unter gewisten- hafter Annahme sicherer Erhöhung aus Kriegsgewinnen auf rund 10 Milliarden Goldmark zu schätzen(1 Dollar 69 Pa- piermark gerechnet). Die Einstellung des öffentlichen Schulden- dienstes für Deutschland bedeutet nichts weiter, als daß von diesen 19 Milliarden eine Milliarde an privaten Zinsenein- Inahmen abzusetzen ist. Die Bezahlung der Kriegsentschädt» gung durch Ausfuhr aber P Mir ewe BerfchieblMg der Zah- lungsherkunst. Müssen die exportierenden Fabrikanten®e- winnanteile an das Ausland abgeben, so erheben sie Ent- schädigungsforderungen an die deutsche Reichstasse. Man mag sich also drehen wie man will. Das deutsche Bolksein- kommen aus Kapitalgewinn und Lohn und Gehakt ist die einzige ernsthafte Unterlage für die Wiedergutmachung, soweit wir sie leisten können. Alles andere ist nur Umweg und alles muß doch wieder aus dem Einkommen ersetzt werden. Wird endlich diese einfache Rechnung gemacht? Ist es überhaupt noch eine Frage, ob Deutschland aus einem jährlichen Gesamtvoltseinkommen von 9— 10 Milliarden Goldmark 6 Milliarden jährlich Kriegsentschädigung bar zahlen kann? Daß es mit dem Rest von S— 4 Milliarden einfach nicht leben kann und sich auf einen Tiefstand von Kultur heruntersetzen müßte, der es aus der Reihe zivilisier» ter Völker ausschaltete, dies wird wohl nicht bloß von dem Kenner Kuczynsti anerkannt und betont werden müssen. Das ..glückliche" Deutschland, das Lloyd George wünscht, kommt sicher bei jener Operation nicht heraus I Nochmals: nüchterne Tatsachen sind harte Tatsachen für beide Teile. Deshalb ist es aber auch mit nüchterner deutscher Haltung durchaus vereinbar, Lloyd George zu antworten, wie der Engländer Keynes seinem eigenen Landsmann auf feine phan- tastische Schönmalerei der deutschen- Finanzlage antwortete: beide Teile sind irregegangen seit Versailles, Brüssel und Paris. Es wird hohe Zeit, daß sie sich mehr auf die Tatsachen einstellen. Das heißt für Deutschland, daß es fein« direkte Steuerpolitik weiter ausbaut; für die Entente aber, daß sie nicht auf Irrwege mit indirekten Steuerkunststückchen führt und weist, und oaß sich beide Teile nüchtern darüber verstän- digen, was vom deutschen Volkseinkommen verwend- bar für Kriegsentschädigung ist, damit die deutsche Arbeiter- schaft nach den Vorschlägen des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbundes wirksam an einer Erhöhung ihres Volks» einkommens arbeiten kann. Das ist die ganze Fragestellung. wkeüergutmachung— �lleskaputmachuns. Köln. S. Mörz.(„Köln. Ztg.") Bei einem großen Werk des besehten Gebietes ist bereits im Hinblick auf die kommende Zollab- schnürung ein Zndustrieaustrag im Werte von 6 0 Millionen Mark rückgängig gemacht worden. Die Aolgen für die Arbeiter und die Gesamlbevölkerung sind klar. Paris, g. März.(WTB.) Wie Pertinax mitteilt, haben einige Warte, die Lloyd George am Schluß der Montagssitzung des Obersten Rates gesprochen hat, darauf schließen lassen, daß die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen nur ausgeführt werden sollten, wenn die militärischen Maßnahmen erschöpft und chr Ergebnis für unbefriedigend befunden worden fei. Das sei ein Standpunkt, den die französische Regierung nicht annehmen könne. Die militärischen Zwangsmaßnahmen feien als notwendige Ergänzung der wirtschaftlichen anerkannt worden. Sie sollten Haupt- sächlich dazu dienen, die Versorgung der R h e i n l'a n d e, die als autonomes Wirtschaftsgebiet konstituiert werden sollten, mit Kohlen sicherzustellen. Die Gesetzentwürfe in Frankreich und England über den famosen Einsuhrausschlag auf deussche Waren sollen in den nächsten Wochen oder Monaten eingebracht werden. Warum denn erst zögern mit der Erwürgung? Ein moderner Henker macht's kurz. Koblenz, 9. März.(MTB.) Die Interalliierte Rheinlands- kommifsion hat zwei neue Verordnungen erlassen, die sofort in Kraft treten. Nach Verordnung 7« tritt die Telephon, und Tele- graphenzensur durch die Besetzungsbehörden für je 8 Tage, die immer wieder um dieselbe Zeit verlängert werden können, in Kraft. Ebenso werden die Nachrichten, die sich auf Bewegungen der Truppen beziehen, unter diese Zensur gestellt. Verordnung 77 bestimmt, daß die an der deutschen Westgrenze erhobenen Zölle beschlagnahmt werden. Weitere Weisungen hat sich die Interalliiert« Rheinland- kommifsion vorbehalten. Vis auf weitere« werden die bisherige» Zollsätze erhoben. Die Zollverwaltung, die der deutschen Ein» und Ausfuhr dient, und der Dienst zur Verhütung der Kapitals- flucht, der in dem besetzten Gebiete eingerichtet ist, wird der Jnter- alliierten Rheinlandkommisston unterstellt. Die Besehung von Duisburg. Arankfnrt o. Hl, 9. März.(.Frankl. Ztg.") Die Ausrüstung der Truppen, die eine Menge Munition und Maschinengewehre mit- brachten, war feldmarschmäßig. Die Stimmung wurde gekennzeich- net durch Oberbürgermeister Dr. I o r r e s, der in einer noch am gleichen Nachmittag abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung er- klärte, daß man es sich zur Ehre anrechne, für das ganze denksche Volk zu leiden. Aankce muß bleiben! Washingion, 9. März.(Haoas.) Der Staatssekretär des Krie- ges hat das Gerücht dementiert, die amerikanische Regierung habe sich mit der Frage der Zurückziehung der amerikanischen Trup- pen vom Rhein beschäftigt. Dänische ChauvinistcnplSne. Alensbnrg, 9. März.(TU.) Gestern abend ist eine dänische Privat» Abordnung von Esbjerg nach London gefahren, um dort vor der Abreise der interalliierten Delegation eine Entscheidung dahin her- beizuführen, daß die gemischtsprachigen Gebiete Nordfchleswig» unter den„Schutz des Völkerbundes" gestellt werden, um auf diese Weise zu erreichen, daß Dänemark das Mandat über dos deutsche Schles» wig erhält. Mitglieder der Abordnung sind die Professoren Vinding- Kruse und Paul Derrier. Lieber nach Holland! Haag, 9. Würz.(Hollandsch Rieuwsbureau).) Aus Dentsch- land kommen zahlreiche deutsche Arbeiter über die holländische Grenze. Bei Benloo allein kamen Wontag nacht 50 Arbeiter nach Holland, die sich der Besetzung nicht unterwerfen wollen. Sefehlsempfänger antreten! Alles Abschwören des Anschlußgedankens nützt der bürger» lichen Regierung Deutschösterreichs gar nichts. Sie soll durchaus den letzten Rest des Goldbestandes der Oesterr.» Ungar. Bank in Liquidation abliefern, und als ihre Bittgesuche den Weltherrschern lästig wurden, hat man ihr einfach mitge- teilt, daß keine mehr angenommen werden. Letzrhin hieß es, der Bundeskanzler Dr. Mayr fei nach London berufen, und ganz Deutschösterreich, dessen lOO-Kronen- 1 Schein in Zürich 0,90 Franken kostet, schöpfte neue Hoffnung auf Hilfe. Der Zweck der Berufung wird aber jetzt folgender- maßen gemeldet: London. 9. März.(WTD.) Die österreichische Regierung wurde eingeladen, sofort Vertreter nach London zu entsenden, um die Anwcndungsmöglichkciten einiger steuerlicher Bestimmungen von St. Germain zu prüfen. Die Sachverständigenkonferenz, welche dar- über Ende der Woche beraten wird, macht die Gegenwart Vriands nicht erforderlich. Er gedenkt spätestens Freitagabend wieder in Paris einzutreffen und wird auf dieser Konferenz wahrscheinlich durch Loucheur und Berthelot vertreten werden. Immerhin: Sachverständigenkonserenz. Aber so fängt es ja gewöhnlich an und der Schluß ist ein Diktat. Der ftbärfere Kurs. Wainz, 9. Mär;.(WTB.) Der kürzlich vom französischen Kriegsgericht im deuifchen Landau zu acht Tagen Gefängnis und 1009 M. Geldstrafe verurleilie Oberregierungsrat v o e h m von der Reichsvermögensverwaltung wurde heule vom Kriegsgericht in Mainz, wohin das Revifionsgcricht die Angelegenheit zur erneuten Verhandlung verwiesen hatte, zu neun Monaten Gesäng- n i s und 7509 M. Geldstrafe verurteilt. Oberregierungsrat Bochm !iatte seinerzeit der Anordnung der Befahungsbehörden auf lieber- assung der Einrichtung des S ch u l l o k a l s für fran'ösische Sinder sowie aus Lieferung von Möbelu für Unlerossizierssamilieu keine Aolge geleistet. „Los! fan tutte" in der Staatsoper. Ein Jahr vor seinem Tod«, an Leben und Seele krankend, schreibt Mozart auf Da Pontes Text.diese Oper. Neben dem Fi- gurenlustspiel und dem Singspiel der»Entführung aus dem Serail" lebt dieses hingewirbelte Buffoftück als köstlichste Gabe des Theater- genies Mozart. Man hat dem Stoff und de�r Handlung vielerlei vorgeworfen, hat daran gemodelt und gewandelt, Gestalten ein- gefügt, Calderonschen Text unterlegt. Da, ist olles sehr gescheit. Aber lassen wir die Literaturkritik beiseite. Was ist der schlechteste Stoff nicht wert, wenn ihn ein Mozart verzaubert, entsinnlicht, oer- gessen macht! twei Frauen bestehen vor zwei Männern nicht die Probe auf reu«, wenn ihrer Einsamkeit verkleidete Derführer nahen. Das ist wenig, auch in der lustigen Form einer Wette, und ist unnatürlich selbst noch im Salonspaß. Ader hier ist ja bei Mozart alles auf den kichernden Ton der Ironie, der graziösen, phantastischen Illusion gestellt, au« Menschen sind Figurinen, au» Schicksalen Mastenscherze gemacht. In den Liebesszenen scheint diesmal der Ernst der Si- tuation und die dramatisch« Linie der Partitur«inen inneren Riß zu schaffen. Die zierlich« Ironie aber kichert in das Pathos hinein, und wesenlos, unlogisch, verführerisch unwahr ist die Handlung ge- worden. Ein einziges Lächeln, ein feines, silbriges Spötteln geht durch die Musik, die letzten Endes erkennen läßt, daß die salschen Paare sich gefunden zu haben scheinen. Dieses glückliche Ende mit Iubelgesang der Wiedergefundenen ist die letzt« Ironie, die in dieser vollendetsten Opera Buffo Stilprinzip wird. Cosi fan tutte— so machen es alle. Sollen wir dem Leben oder dem Spiele glauben? Frag nicht lange, die Mustt behält recht. Ernst Lert, einer der besten Mozartkenner, hat da» Prinzip der Ironie und der Symmetrie in diesem Spiel am stärksten heraus- geholt. Ein Maskenscherz: Hier zwe« Frauen, dort zwei Liebhaber, in°r in der Mitte ein« lustig verliebte Zofe, dort der lebenserfahrene Msmist», so muß auch die Inszenierung entsprechend dem bis zum Aufbau der Musiknummern scharf geprägten Spiel der gleichmäßigen Gruppierung gerecht werden Franz Ludwig Hörth traf diesen Stil mst unübertrefflichem Geschick. E» ist eine innere Rhythmik, eine spielerisch durchdachte und märchenhast gestaltete Inszenierung. Kostüm, Bilder, Vorhänge, ja da» erhöht« und leicht puppenhaft gerahmte Szenarium ollein schon versetzte in die notwendige Unwirk- lichkeit einer unwirtlichen Zeit. Ihm half P a n k» k mit Farbe und Decor des achtzehnten Jahrhundert». Die beiden Liebhaber brauchten auch nur als dalmottnische Räuber nicht durch Fußsäcke an den Wangen im Singen gestört zu werden. Wir wissen doch, wer sie sind. Die vielen Verwandlungen lösten sich mit seltener Schnelligkeit ab. Im Orchester hielt Blech mit strengem Blick auf Sachlichkeit in einem flott hingejagten Tempo. Bon den Spielern mar Wera Schwarz, eine Laune ansteckender Witzigkeit, fäden- spannender und lockernder Spötterei, weitaus die feinst-charakteri- sierende Figur auf der Bühne, trotz de» Rauhreifes ihrer Stimme eine famose Destina. Frau Eatopol, gesanglich ein« feine Fior- diligi, spielerisch zu starr, Frau Heckmaan-Bettendorf wieder als Dorabello zu schwerfällig und bewußt. Dos war kein italienischer Star. Guglielmo und Ferrando waren bei Z i e g l e r und Kirchner gut aufgehoben. Sie spielen sich rasch in Feuer und Gelenkigkeit hinein, und zwischen ihnen marschierte Desider Z a d o r als kluger, weltweiser Frauenkenner. Eine Ausführung, die sich lohnt und die mit Recht schon in den nächsten Tagen als Bolksoor- stellung wiederholt wird._ k. s. Shaw hat das Wort. Der Londoner Berichterstatter der„Poll- tiken" hatte mit Bernhard Shaw eine Unterredung über die Schaden- ersatzfrage, in der sich der Dichter so äußerte:„Warum nennen Sie diese Angelegenheit einen Schadenersatz? Selbstverständlich nennt man die Forderung in England so, aber in der ganzen übrigen Welt mit Ausnahme der Länder der Verbündelen weiß man ganz genau, daß das. was die Entente von den Deutschen wünscht, nicht S ch a- d e n e r s a tz, sondern einfache Beute und Raub de» Sie- g e r s ist. Die einzige Frage ist jetzt folgende: Wieviel können wir überhaupt erhalten? Unglücklicherweise lebt unsere Arbeiterklasse von der Herstellung von Waren für die am Ruder befindliche besitzende Klasse. Sobald dies« das, was sie braucht, von ayderer Seite erhält, wird unsere Arbeiterklasse orbeiislos. Fall» Deutschland Waren fa- briziert und diese nach England als Schadenersatz sendet, werden die englischen Straßen bald mit arbeitslosen früheren Soldaten überfüllt sein, die mit der Revolusio» drohen. Eine andere Möglichkeit, wie Deutschland bezahlen kann, existiert aber nicht. Und daher steht der Premierminister zwischen Teufel und Beelzebub. Gelingt es Lloyd George nicht, Deutschland zum Zahlen zu zwingen, so werden die oberm Zehntausend, die das Fehlende in Form von Steuern werden zahlen müssen, die Angriffswaffe gegen ihn wenden, und gelingt es ihm, Deutschland zum Zahlen zu zwingen, wird er sich der Revo- lution der Arbeitslosen gegenübersehen. Die ganze Situation ist im Augenblick der deutliche Beweis des Fiaskos de» kavitalistischen Systems, und daher wäre es für die oberen Klassen, wie auch für die Arbeiterklassen viel besser, zu dem alten Rufe der Pazifisten zurück- zukehren: Keinen Schadenersatz! Wenn die Kunden eines Schuhmachers dessen Geschäft plündern, kann er auf sie schießen, bis diese zur Vernunft kommen Setzt er aber die Schießerei auch nach diesem Zeitpunkt noch fort, so ruiniert er nur sich selbst und tötet die andern. Genau so handeln augenblicklich die Alliierten. Reichskullurabgabe und Buchhandel. Eine urheberrechtliche Kommission, die der Unterausschuß des Reichswirtschafts- rates zur wirtschaftlichen Förderung der geistigen Arbeit ein- gesetzt hat, verhandelt zurzeit über den Plan einer Kulturabgabe, die durch Reichsgesetz eingeführt werden soll. Der Plan, der im Interesse der notleidenden geistigen Arbeiter aller Art verhüten will, daß die Konkurrenz der freigewordenen Autoren und Musiker, der Reproduktionen alter Kunst immer mehr die Aussichten der jungen Kräfte unterbindet, stößt auf den scharfen Widerstand des Buch- Handels. Das Organ des Börsenvcretns nennt z. B. die Kultur- abgab« eine das kaufende Publikum belastende indirekte Steuer, die nur kulturfeindlich wirken wird. Das heißt denn doch etwa, dick austragen. In derselben Nummer der Duchhandlerzeitschrist teilt ein großes Verlagshaus feine jetzigen Klassikerpreis« mit: 4 Bände Moskauer Marmruf. Helslngfor», 9. März.(DA.) Die sowjet offiziöse»kraßnaja Gazeta"(»Rote Zeitung") appelliert in einem Aufruf an die visz». plin der kommunistischen Arbeiterschaft und sagl:.Hohlköpfe und Lügner sind alle diejenigen, die sich zur Ausruhrbewegung durch di« Agenten der Entente, durch die Sozialrevolulionäre und die Men- schewiki hinreihen lassen. Begreift doch, kameradeu, daß die Macht der Arbeiter und der Bauern sosort oerschwinden wird, wenn 3hr Sure Anstrengungen nicht mit den unsrigen vereinigt, um die schrecklichen Prüfungen, die die Sowjetrepublik jehl durchmacht, mit über» winden zu Helsen. Diese Stunde ist entscheidend! heute wird e» uns noch gelingen, denjenigen die Massen zu entreißen, die unsere Vernichtung wollen, aber wer weih, ob es morgcu noch möglich sein wird!" London. 9. März.(TU.) Der schwedische Berichterstatter der »Times" meldet, daß General K o l o t s ch i n an die Räteregierung ein Ultimattim gerichtet habe, dessen InhaU noch nicht bekannt ist. Die Führung des Ausstandes in Kronstadt hat nicht der bekonnte Mathematiker und General der zaristischen Armee Solotschin inne, sondern ein fünfunddreißigjähriger Mann gleichen Namens, der während des Krieges Oberst wurde und von Kerenski den Generals- "'�Helsingfors, 9. März.(Hollandsch Nieuwsbureau.) Nachrichten au« Wyborg besagen, doh in der Nacht vom 7. März zahlreiche Ar» bester aus den Fabriken in T u l o, Serpuktow und anderen Vor- städten Mostaus sich den Aufständischen angeschlossen haben. Zwei Doktorfragen. Die»Rote Fahne" hatte im Anschluh an die letzte Relchstagsrede de. Unabhängigen Dr. Rudolf Breitscheid die Frage erhoben:»Wir fragen jeden klar denkenden Arbeiter:»kann ein(SufUiher Agent de« Enlentekapital» anders reden als Herr Breitscheid?" Die.Freiheit" antwortet heute daraus mit folgender Gegen. frage:»Wir aber fragen jeden klar denkenden Arbeiter: Kann ein käuflicher Agent der deutschen Schwerindustrie ander, schreiben als dieser Mitarbeiter der»Roten Fahne"? In bekannter Bescheidenhest erklären wir uns außerstande, di« beiden Fragen zu beantworten. Wir überlassen vielmehr unseren Lesern das Urteil— über dl« Fragesteller! Berichtigung. 1. Es ist nicht richtig, daß Ich.da»»edürfnl, empfunden Hab«, mir Zucker hintenherum zu oerfchafsen". Richtig Ist vielmehr, daß mir als Miteigentümerin des Gutes Großburg in Schi, nach den gesetzlichen Besummungen für abgelieferte Zuckerrüden«n« b«, stimmte Meng« Deputatzucker zur Berfügung steht. Lediglich diese Zuckermenge ist, und zwar mit ausdrücklicher auf dem Frachtbrief vermerkter Genehmigung des zuständigen Kommunaloerband«» Strehlen, an mich zur Versendung gebrocht worden. 2. Es ist ferner nicht richtig,»daß ich einen Wink bekommen habe, die Freigabe des(beschlagnahmten) Zuckers zu bewirken. Richtig ist vielmehr, daß der Zucker nur deshalb, weil der die Recht» Mäßigkeit der Sendung beweisende Frachtbrief aus der Bahn oer» loren war, irrtümlich von dem Lcbcnsmstteloerband Groß-Berlin beschlagnahmt ist, und daß ich darauf meinerseits, ohne einen Wink von anderer Stelle, selbstverständlich Freigabe des versehenttich beschlagnahmten Zuckers beantragt habe. Charlottenburg, den 21. September 1920. Frau Staatsminister Thekla Friedberg. Lcmdtagswahlen in Gokha. Bei der Landtagswohl im Frei» staate Gotha erhielten die im Heimatdund vereinigten Parte'-m (Deutschnationale, Deutsche Dolkspartei. Bauernbund und Demo» kraten) 41 915, die Sozialdemokraten 4280, Unabhängigen 8307, die Kommunisten 24 797 Stimmen. Bei der Reichstags» wohl am 0. Juni 1920 wurden abgegeben für die S o z i o l d e m o» kraten 3032. Unabhängigen 41 805, Kommunisten 2804. Demo» traten 7030, Zentrum 409, Deutsche Bolkspartei 10 307, Deutsch- nationalen 27 101(unter diesen 21 738 für die landwirtschaftliche Be» rm'svereiniqung). Kommunisten und Unabhängige zusammen verloren also 11 025 Stimmen, während die Sozialdemokraten, die in der linksradikalen Hochburg einen schweren Stand haben, 054 gewannen» die Bürgerlichen aber 8938 einbüßten. Die Wahnungsabgabe. Ter WobnungSauisiduß de« Reichstages beendete am TienScog die eiste Lesung de« Geietz» eniwuis« über die Förderung de« Wohnungswesen« durch Erhebung einer besonderen Abgabe. Goethe in Auswahl 80— 110 Mark je nach Einband, Schiller 8 Bände 100 bis 220 Mark, Heine 5 Bände 90 bis 137,50 Mark usw. Kommen da wirklich 10 Proz. Ausschlag für die Kulturabgabe hinzu, so de» deutet das bei Leuten, die solche hohen Preise ausgeben können, gar nicht so viel. Und der Käufer mag sich dann noch sagen, daß dieser Aufschlag den Dichtern von heute ihre Existenz erleichtert und Ihr Hervortreten ermöglicht. Der Dörsenverein hat neulich den Sorti» menterausschlag und die Valutaordnung aufrechterhalten, beides Dinge, die gegen das Interesse der Autoren eingeführt worden sind, und tat es gegen den Vorschlag des Rcichsfinanzministeriums. Der Sortimentshandel fordert beim schönwissenschaftlichen Buch vom Verleger 45 Proz. für sich. Was würde wohl erst der Buchhandel sagen, wenn auch der geistige Urheber mit derartigen Forderungen käme. Die Kulturaboabe muß kommen, wenn das geistige Leben Deutschlands nicht infolge der Verelendung der Schriftsteller» und Künstlerwelt unheilbaren Schaden nehmen soll. Eine Affenhochzclk. Bon allen verrückten Einfällen, an denen die amerikanische sogenannte Gesellschaft so reich ist. ist wohl die rücktest« die Zeremonie, die vor kurzem von einem reichen Ehikagoer Herrn auf seinem Landsitz zu Palm Beach in Florida einem be» lustigten und entzückten Kreis von Freunden vorgeführt wurde. Es handelte sich dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Hochzeit?: zweier Affen, die mit grotesker Nachahmung aller Feinheiten einer reichen MenschenhochzeU vollzogen wurde Di«»Braut" trug ein Brautkleid aus kostborstcr weißer Seide; sie wurde geleitet von drei Brautjungfern, die ebenfalls sehr fein angezogen waren, und von vier gravitätisch gekleideten Brautführern. Die Rolle des Geist» lichen spielte ein Herr au» Philadelphia. Ein Izachzeitsmohl. bei dem die erlese sten Leckerbissen serviert wurden, vereinte da, jung- vermählte Affenpaar mit einer zahlreichen Assengesellschaft, während die menschlichen Zuschauer mit größter Neugierde dem Fest idrer »Stammväter" zuschauten. Nach dem Essen begleiteten die Gäste das Brautpaar nach feiner Hütte. Das ganze Schauspiel trug einen deutlich blasphemischen Charakter, und der einzig Vernünftige bei dem ganzen Fest scheint der Affenbräutiqam gewesen zu sein, von dem der Fcstbericht mit einer gewissen Entrüstung feststellt, daß er »keinerlei Interesse" zeigte.__ Vorträge. Donnerstag Nbr ftnSt in der Kant-GeseMckost Im Hörsaal 4 des neuen iMnlagebaiidrS der Uuivecsitäl Pros. A erwegen über»Begebungen zwischen nütlclolterlicher und neuzeitlicher Erkenntnis» Icbre.'— Freitag, den lt.. Tl, Nbr. It> eicht im Pdaimakolog. ftniiilut.K Dorotbeensleahe 28 II, im Bunde zur l-örderung der Pilzkunde Dr. Saba- littchka über den»Nährwert der Pilze' und Dr. Wollenweber über »Cbnmplgnontreibereien».»äste willkommen.— Im Rahmen der von der Volksbühne E. V. veeanüalteten Vortragsabende lpricht cm Sonnabend 7'/, Ubr Kunstmaler Rud'ols Bauer im Kunstgewerbe- muic m über.Expressionist Ische Malerei". Äm Sonnlag VI, llbr ipnch» Julius Mab im Gyinnailurn zum Grauen Kloster über»Tie Zukunjt deS Theaters». Einlatzkaiten zu Ml. t,—. Kuuilchronik. Zum 1. Vorsitzenden de» Berliner w irisch alt» lichen Verbandes bildender Künstler wurde Pros. Max Fleischer gewählt. Der bisherige Vorsitzende. Olto Marcus, hat den Posten niedergelegt da er zum Geneialiekretär de» Reichswtrljchaltsoerbaude« bildender Künstler Deutschland« berulen ist. Kein Genkel Hn dieser Stelle ist mehr als einmal festgestellt worden, daß der deutsche Militarismus, daß insbesondere Herr Ludendorsf und seine Getreuen die eigentlichen Geburtshelfer des russischen Bolschewismus sind. Diese historische Er- innerung ist den Deutschnationolen sehr unangenehm. Nachdem Ludendorff höchstpersönlich im„Militärwochenblatt" seinen hier schon gekennzeichneten mißglückten Rechtfertigungsversuch unter» nommen hat, gackert jetzt in der„Deutschen Tageszeitung" ein Dr. E. Jenny, Spezialist im Antibolschewismus— aber kein Genie, ein Langes und Breites zu dem Thema. Seine Ausführungen sind in Wirklichkett nur eine schwere Be- l a st u n g derer, die er verteidigen will. Denn Dr. Jenny plädiert nicht auf erwiesene Unschuld, sondern von vornherein nur aus mildernde Umstände. Seine Ausreden stehen aus folgender Höhe: Die Begünstigung der Bolschewisten sei doch gar nicht so schl-fnm. die Entente selber habe doch die erste(März-) Revolution in Rußland angestiftet, ein gerissener Kerl wie Lenin würde auch ohne deutsche Hilfe mit der Zeit den Weg nach Rußland gefunden haben, es seien ja auch andere Bolschewisten auf Umwegen nach Rußland gelangt, schließlich habe man damals in Deutschland gar nicht so genau gewußt, wer Lenin und Sinowjew eigent- lich seien usw usw.— Das mag alles sein, wie es will, aber es ändert kein Jota an der Totiache, daß Ludendorff die Dolsche- wisten nach Rußland importiert und daß sein Pressechef Nikolai durch deutsche Flugblattpropaganda den Bolschewismus in der russischen Armee hochgezüchtet hat. Daß beide politisch viel zu einsichtslos waren, um die Konsequenzen ihrer Handlung übersehen zu können, da» ist ja gerade, was wir stet» be» Haupt et haben! die NeeSerei-Alillionen. Der Hauptouslchuß des Reichstage» setzte am Mittwoch die Be- ratung über den Reedereiabfindungsvertrog fort. Dr. Reichert(Dnatl.): Die Regierung möge der Frage näher- treten, auf welche Art entsprechend der den Reedereien zugebilligten Beihilfen auch eine Unterstützung der in den abgetretenen Gebieten und im Feindesland liquidierten industriellen Unternehmungen be- werkstelligt werden könne. Abg. wieder lZentt.): Ueber den Riesensummen der Reederei- abfindung sollten die jetzt durch die Sanktionen der Entente arg be- drängten rheinisch-westsälischen Industriegebiete nicht vergessen und vernachlässigt werden. Abg. Hoch(Soz): In dem Gesetz über die Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte vom 7. November 1317 ist ausdrücklich einem späteren Reichsgesetz vorbehalten, ob und in welcher Höhe das Reich cm den Gewinnen der auf Grund jenes Gesetzes wiederher- gestellten Schiffe zu beteiligen ist und ob hinsichtlich der B e r- mendung dieser Schisse Beschränkungen notwendig sind. Diese Bestimmung ist das Ergebnis langer Verhandlungen im Jahre 1917 gewesen, und sie ist heute notwendiger denn je. In der großen Not unseres Volkes ist es unerttäglich, wenn zur Wetterbefchäftigung der Werftarbeiter an die Reeder so viel Milliarden ausgezahlt wer- den, ohne daß sich der Reichstag die Rechte aus jenem Gesetz vom Jahre 1917 wahrt. Hoch empfiehlt daher in einem Antrage, dem Reedereiabfindungsvertrog nur unter der Voraussetzung zuzu- stimmen, daß darin noch eine Bestimmung aufgenommen werde, wonach der in Frage stehende Paragraph des Gesetzes über die Wiederherstellung der deutschen Handelsflotte vom 7. November 1917 auch für diejenigen Schiffe Gellung haben soll, die aus Grund des Migen Recdereiabfindungsvertrogs gebaut werden. Ministerialdirektor Zonquleres(Wiederaufbauministerium): Bei der Frage der Gewinnbeteiligung des Reiches an den neu zu er- bauenden Schiffen muß unterschieden werden zwischen den Zah- langen, die auf Grund des Beihilsegesetzes geschehen und denjenigen, die als Entschädigung für die leinerzeitige Enteignung gewährt wer- den. Die Kontrolle darüber, ob und in welchem Umfange dem Reich im Einzelfalle ein Gewinnanteil zusteht, ist schwer durch- führbar. Abg. Henke(U. Soz.) kritisiert im ollgemeinen den ganzen Recdereiobfindungsvertrag. Gerade die Reedereien haben im Kriege beträchtliche Gewinne gemacht und sollen jetzt'noch mit 12 Mil- liarden untert'ützt werden. Sie haben durch den Krieg nicht mehr Einbußen erlitten als der Mittelstand und die Arbeiterschaft. Die ganze Vorlage erscheint mir durchaus unzureichend begründet. Staatssekretär Müller lWiederaufbauministerium) hält dem Abg..«f'tnke entgegen, daß gerade für die Seeleute seitens der Re- gierung viel getan worden sei. Pfeffers Zrontbun) vor Gericht. Aus der Beweisaufnahme am Dienstag ist noch folgendes hervorzuheben: Der Zeuge Dittbänder, Ueberwachungsbeamter der Reichs- netrcidestelle, hat in einem Arnswalder Hotel aus dem Nebenzimmer ein Gespräch des Unteroffiziers Esser mit einem bayerischen Stu- denten gehört. Csser sagte, die Leute bekämen zu ihrem Arbeitslohn von Hauptmann Pfeffer täglich 1,50 M. Lohn, da» Geld käme vom Landbund und vom Bund der Großindustriellen. Zeuge Büllemeyer. Mitglied der Organisation Pfeffer Im Somnysr 1920, sagt sehr vorsichtig aus: Der Kreis war elnaeleill in Abschnitte, jeder Abschnitt hatte einen Führer, ebenso die Unterab- schnitte. Es war so organisiert, daß die Leute gleich beisammen sein konnten. Der Zeuge hat seinerzeit Material der„Freiheit" ein« gesandt. Aus seine Ermittlungen hin ist Hauptmann Pfeffer verhaftet worden. Zeuge y s e n b e r p, Mitglied des Freikorps Pfeffer: Der Ber- ttauen-mann des Hai ptmanns Pfeffer. Asston, auch Günter ge- -"nnt, habe ihm gesagt, Massen vnd Munition seien vom Sennelager ach Arnswalde unterwegs.— Obe'wochtmei"er Fahldieck sagt r"c,: Ich habe einen Bericht auf Grund der Mitteilungen der rren Jsenberg, Büllemeyer und noch zwei anderer über die mili- niche Organisation des Hauptmanns Pfeffer an das Berliner ''olizeipräfidium gesandt. Jsenberg und Genosien erzählten, Pfeffer habe eine Leibgarde von 20 Mann, „m sich gegen eine Verhaftung zu schützen, auch Assion habe erklärt, ;cdcn ntederzuschl''ßen. der Pfeffer nahetteten wolle. Die Angaben Jlenbera» und Büllemeyers gegenüber Fahldieck waren viel aus- fü hrli ch er als jetzt in der' Verhandlung, so daß der Vorsitzende den beiden Zeugen vorhält, daß sich auf Grund ihrer jetzigen Aus- sage die Staatsanwaltschaft vielleicht überlegt hätte, Anklage zu erheben. Fahldieck erklärt auch, daß Jsenberg und Genosien für ihr Ma- terial gegen Pfeffer Geld haben wollten. Als Zeuge wird sodann der politische Redakteur der„Freiheit" R a b o l d vernommen: Das Freikorps Roßbach war auch auf- gelöst in eine Arbeitsgemeinschaft und beim Kapp-Putsch trat es doch sofort in Berlin wieder g e s ch l o s s e n i n A k t i o n. Die Ar- beitsgemeinschaft Pfeffer war eine militärische Organisation. sie hat Leute in Berlin angeworben, die Fahrscheine erhielten, auf denen stand, sie seien im Sennelager entlasten worden. Bülle- meyer und Jsenberq waren gar nicht die Hauptzeugen für die„Frei- beit". Zeuge Rabold hat dem Gericht auch ein Schriftstück übergeben, auf dem der Adjutant Leutnant Schlorenberg Fliegerpersonal sucht. Pfeffer erklärt, davon nichts zu wissen. Al» nächster Zeuge wird der Holzarbeiter Hävers ver- nommen» der behauptet, an nichts mehr sich«rinern zu können. Er ist im Sommer 1920 auf dem Bahnhof Friedrichstraft« in Berlin angehallen worden, als er mit einem militärischen Fahrschein nach Arnswalde reisen wollte. Damals hat er auf der Kommandan- tur in Berlin genaue Angaben über den militärischen Charakter seiner Anwerbung gemacht, an die er sich jetzt nicht mehr erinnern will. Am Mittwoch wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Zeuge Timm ist vom Fähnrich-Wäscher im Juni 1920 mit der Frage, ob er wieder Soldat werden wollte, in Bielefeld ange- worden worden und nach Arnswalde gefahren. Pfeffer lehnt für die Tätigkeit Wäschers jede Verantwortung ab. Pfeffer hat aber die Leute für die Tag» in Arnswalde entlohnt. Timm be- hauptet, Pfeffer habe ausdrücklich gesagt, daß sie nötigenfalls zur Abwehr von Putschen verwendet werden sollten. Pfeffer bestreitet dos. Der Zeuge bleibt bei seiner Behauptung. Der Versitzende wirft allen Zeugen vor, daß sie mit gefälschten Militärfahrscheinen gefahren seien. Man oergißt, daß nicht die Zeugen, sondern Hauptmann Pfeffer an- geklagt ist.— Zeuge Boll ist aus Arnswalde wieder fortgegangen, da er statt Soldat zu fein, für 11 M. zwölf Stunden als Land- arbeiter arbetten sollte. Pfeffer habe gesagt, sie sollten aus Staatskosten wieder zurückfahren.— Zeuge Marx ist auf dem Stettiner Bahn« Hof in Berlin angeworben worden für das Freikorps Pfeffer. Der Angeklagte lehnt auch dafür jede Verantwortung ab und er- klärt den Werber auf dem Stettiner Bahnhof für einen Spitzelt — Zeuge K e n n t e l i ch von der Sturmbatterie Pfeffer sagt nichts wesentliches aus. Der Schutzpolizist Mendt aus Zossen bei Berlin gehörte auch einige Zeit der Arbeitsgemeinschaft Pfeffer an. Er hat keine militärische Geheimorganisation bemerkt. Uneinige Reakstonäre. Die bayerischen Deutschnatio» n a l e n(bayerische Mittelspartei) haben in einer scharfen Entschlie- ßung ihres Landcsausschusies gegen die bayerische KS- n I g s p a r t e i Stellung genommen. Der Königsportei wird vor- geworfen, daß sie den monarchischen Gedanken ge- s 2 h r d e(I) und eine Gefahr für die Reichs- und Landesinteresien sei. Kein Mitglied der Deutschnationalen dürfe da- her Mitglied der Bayerischen Köniqspartei sein.— Die Enthüllungen des Herrn Mayer-Koy über die Kanzlerfche Mord- und Prügelzenttale scheinen die Uneinigkeit im reaktionären Lager Bayern» gefördert zu haben. So muß nun selbst die Königspartei sich sagen lasten, daß sie eine Gefahr für den monarchistischen Ge- danken sei._ Großiverün Noch kein Sezirksamt bestätigt. Wo» sagt der ZMuistrr de» Inner«? Als eine Sabotage des einheitlichen Droß-Derlin bezeichneten wir vor acht Tagen die Art, wie der Oberpräsident gegenüber den ge- wählten Bezirksämtern sein Bestätigungsrecht anwendet. Ein« Kor- respondenz, die von einem Stadwerordneten der Deutschen Volks- Partei herausgegeben wird, unternahm gegenüber unseren Angriffen den Versuch, den Oberprösidenten reinzuwaschen und die Schuld an der Verschleppung der Bestätigung dem Berliner Magistrat in die Schuhe zu schieben. An diesem Dorwurs gegen den Magistrat ist so viel richtig, daß der letztere überhaupt keinen Anlaß hatte, die gewähl- ten Dezirksämter zur Bestätigung einzureichen, weil weder au» dem Gesetz Groß-Berlin, noch au» der Städteordnung eine solch« Pflicht herzuleiten ist. Schon der Grundsatz der Selbstverwaltung hätte den Berliner Magistrat davor bewahren sollen, dem Oberpräsidenten ohne genü- genden Grund die für die Bezirksämter Gewählten zur Lestättgung zu unterbreiten. Richtig ist des weiteren, daß die Wahlakten einiger Bezirk»-- ämter, insbesondere des von Charlottenburg, etwa 14 Tage Im Ber» liner Rathause gelegen haben. Wenn der Magistrot schon glaubte, die gewählten Bezirksamtsmitglieder dem Oberpräsidenten zur Be» stätigung einreichen zu müsten, dann hätte er die Ueberreichung an denselben etwas schleuniger bewerkstelligen können. Anscheinend hat es einem Mogistratsrat im Berliner Rathause Spaß gemacht, die Akten so lange festzuhalten. � Trifft so den Berliner Magistrat ein teilweise» Verschulden an der Verzögerung der Bestätigung, so wäre e» völlig falsch, den Ober» Präsidenten von dem verdacht der geflistentlichen Hinauszögerung zu befreien. Es steht einwandfrei fest, daß bereits seit Wochen Listen von Bezirksämtern dem Oberpräsidenten vorllegen, und darunter befinden sich solche, gegen die au» rein sachlichen Gesichtspunkten Einwendun» gen schwerwiegender Art nicht zu erheben sind. Diese Bezirksämter könnten bereits tätig sein, wenn der Oberpräsident seine Pflicht erfüllt hätte. Wir müssen auf Grund dieser Verschleppung immer mehr zu der Ueberzeugung kommen, daß der Oberpräsident unter dem Zwange bestimmter politischer Einflüsse steht, um so mehr, vls der deutschnationole Redner in der Stadwerordnetenversamm» lung am Dienstag bereits eine Korrektur des Gesetzes Groß-Berlin in Aussicht stellte. Hinzu kommt, daß der Oberpräsident eine Un- gültigkeitsertlärung der Stadtverordnetenversammlung durch das Obervcrwaltungsgericht erhofft und nicht zuletzt eine abwartende Stellung hinsichtlich der neuen Regierungsbildung einnimmt. Eine solche Methode. amtlicheMaßnahmennachwechselnden politischen Konjunkturen zu treffen, wäre uner- hört. Nachdem wir wiederholt auf die großen Schäden aufmerksam gemacht haben, welche der Groß-Derliner Berwaltung durch ein«. weitere Hinauszögerung der Tätigkeit in den Bezirksämtern er- wachsen, fordern wir vom Minister des Innern die schleunige Bestätigung der Bezirksämter, soweit gegen die Gewäblten Einwendungen ernsterer Art nicht vorliegen. Di« Bestätigungsfrage der Bezirksämter wächst sich nachgerade zu einem Skandal aus, an dem ledialich die Feind» des einheitlichen Berlin und der Selbstverwaltung helle Freud« haben. Will der Minister des Innern nicht das Odium der Mitschuld an diesem Skandal aus sich laden, so mag er gegen die Saboteure des neuen Berlin vorgehen, eheeszuspätist. Innerhalb der Parteigenossenschaft Groß-Ber- lins ruft die Passivität des Ministers des Innern gegenüber der Verschleppung der Groß-Berliner Verwaltung bereits lebhaftes Be- fremden hervor.__ 100 000 Mark poftgelöer unterschlagen. Nach Unterschlagung von über 100 000 M. Postgeldern ist aus Buer in Westfalen der 24 Jahre alte, aus Münster gebürtige Postgehilfe Paul K w a p i s ch geflüchtet. Der ungetreue Beamte hat sich nach den bisherigen Feststellungen von dort nach Berlin gewandt und ist auch hier bereits gesehen worden. Kwapifch, der das Geld durch Schiebungen mit Fahrkarten und Unterschlagungen an sich brachte, ist aus Buer bereits seit dem 21. Februar d. S. verschwunden Zweckdienliche Mitteilungen, die zur Festnahme des Gesuchten, auf dessen Ergreifung und die Diederbeschaffung des veruntreuten Geldes etne hohe Belohnung ausgefetzt ist, sind an die Dienststelle C 2. Kriminalkommisiar Boese, Georgen» kirchstt. 30a, zu richten. Der Flüchtige ist 1,68 Meter groß und schlank, hat aufrechten, elastischen Gang, ein volles, blasses Gesicht, gekräusette Haare von blonder Farbe, die er links gescheitelt trägt, einen kleinen Schurrbart und etwas abstehende Ohren. Ein beson» deres Kennzeichen ist das Fehlen aller Finger bis auf den Daumen an der rechten Hand. Warum ruhen die Museumsbauten'i Die ungeheure Arbeitslosigkeit und besonders auch im Bau» gewerbe beschäftigt dauernd die Arbeiterorganisationen, die Gewcrk- schaftskomMissionen usw. Währenddesien werden Arbeitsmöqlich- leiten, die vor aller Welt offen daliegen, gar nicht berücksichtigt. Die stilliegenden Mufeumsneubauten im Zentrum der Stadt werden ledem aufgefallen sein, der aufmerksam beobachtet. Hier wäre es möglich, im Interesse der Arbeitslosen die Arbeiten zu fördern, zu- mal Materialschwierigkeiten, wie uns von unterrichteter Seite �it- geteilt wird, nicht bestehen. Wenn man die Parlamentsverhandcan» gen verfolgt, so wundert man sich über die ungeheuren Summen, die oft für unproduktive Zwecke bewilligt werden. Hier ober, wo es wirklich möglich wäre, einer großen Anzahl von Berliner Bauhand» werkern usw. Arbeit und Existenz zu geben, ist wieder kein Geld da. Was an kulturellen Werten vernachlässigt werden muß und verloren geht, soll dabei völlig außer Bettocht gelassen werden. Lehrerinnen im Postdienft. Wie der Oberpostdirektion Berlin bekanntgeworden ist, besteht zurzeit«in Ueberanqebot an jüngeren weiblichen Lchrkrästen. die wegen de» Fehlens von Stellen nicht untergebracht werden können. Aus der anderen Seite weist die Oberpostdirektion darauf hin, daß augenblicklich ein größerer Mangel an Bewerbe» rinnen aus Bcamtensteven im Post- und Fernsprech» dienst herrscht. Auf ihr Ersuchen hat der preußische Unterrichts- minister den jüngeren weiblichen Lehrkräften durch die Schulde- Hörden bekanntgeben lasten, daß sie sich für solche Posten melden können. Die Bewerberinnen müssen dos 18. Lebensjahr vollendet und dürfen da» 25. nicht überschritten haben: sie müssen minde» stens gute Dolksschulbildung besitzen und körperlich gesund sein. Be- Werbungen mit Lebenslauf sind an die Oberpostdirektion Berlin zu richten. In Betracht kommen jui.ge Mädchen und auch kinderlose Witwen. Wer«mf Belohnung hofft... Eine heillose Schlamperei scheint im Amtsbereich de» Reichs» wehrminister» Gehler zu herrschen, wie folgender Fall beweist: An» fang Mai 1920 gelang es unserem Genosien Krause, die versuchte Verschiebung von ungefähr l4 Million Gewehrpatronen nach Polen zu vereiteln. Der Schuldige,«in Offizier, wurde oerhaftet— vielleicht auch bestraft. Soweit ging alles glatt vonstatten. Nun glaubte unser gutgläubiger Genosie die öffentlich angezeigte Belohnung für die Herbeischoffung des gestohlenen Hceresgutes zu erlangen, zumal Ihm die Sache eine ganz nette Summe gekollet hatte: aber weit gefehlt. Nachdem er von der Polizei eine klein« Summe erhalten, wird er von einer Amts stelle zur an- deren verwiesen. Niemand ist„zuständig". Endlich erfährt er Im Dezember v. I.. daß dos Reichswehrministerium resp. das Reichs- wehr-Regiment Nr. 5 in Potsdam, das die Patronen„erfaßt" hat, die Belohnung auszahlen muß. Persönliche Vorstellung, einge- schriebene Briese verfehlen ihre erhoffte Wirkung. Der Mann ist nach den vielen Laufereien und Schreibereien ratlos und möchte doch wenigstens zu dem verauslagten Gelde kommen. Wtt!"ben ihm zunächst gesagt, daß der Minister Geßler aar keine Zeit lür ihn hat: seine Zeit wird zur Bekämpfung des R.F.B.. Preßpolemiken gegen die sozialdemokratische Presse und dergleichen völlig aus» gefüllt. Wie recht wir haben,«beweist das Stillichweigen, das er ollen Anfragen uns-rerseits nD üelen sein Ressort betrc'-e-.Zen Fragen beobachtet. Im übrigen könnte man im Fall Krause bei» nahe zu der Annabme kommen, daß die vor der Verschiebung nach Polen bewahrten Patronen vom Reichswehr-Reaiment Nr. 5 gar nicht„erfaßt"— sondern vielleicht doch noch verschoben sind: wenn auch nicht nach Polen. Möglich ist alles! Amtlicher Nachweis von Kriegergräbern. Der Kriegerqräbernochweis und die Kriegeroräberfürsorge sind eine von der Reichsregierung anerkannte Ehrenpflicht des Deutschen Reiche», zu deren Uebernahme das Reich hinsichtlich der feindlichen Gräber auch durch den Friedensvertrag verpflichtet ist. Mit der Durchführung der großen Aufgabe im In- und Auslände ist das Zentrol-Nochweiseamt für Kriegerverluste und Kriegergräber, Berlin NW 7, D o r o t h e e n st r. 4 8, be» auftragt. Gestützt auf die während des Krieges an der Front und in der Heimat entstandenen und ständig weiter bearbeiteten Gräberakten und-pläne sowie auf die laut Friedensvertrag von den ehemaligen Feinden fortlaufend weitergelicferten Unterlagen und auf Grund sonstiger Nochforschunaen weist das Zentral-Nachwciseamt die ge- naue Lage jedes deutschen Kriegergrabes nach. Es regelt die er- forderlichen oder gewünschten Umbettungen und den Grabbcsuch im In- und Auslande und erteilt allgemein kostenlos jede ge- wünschte Auskunft über alle Kriegergräber betreffende Fragen. Grabnachforfchunqen unmittelbar im Auslände durch Private und Vereine ohne Vermittlung des Zentral-Nachweiseamts verursachen den Angehörigen unnötige Kosten und bewirken überdies eine un- erwünschte Zersplitterung und Verzögerung der amtlichen Gesamt- nachforschungstätigkeit. Soweit nach dem Friedensvertrag« die frem- den Regierungen dazu verpflichtet sind, nimmt das Zentrul-Nach- weifeamt die Interessen der Angehörigen an einer geordneten Gräberpflege wahr. Dabei ist zu bedenken, daß bei dem ungeheuren Umfange der Gräberarbeiten im früher feindlichen Auslände nicht alle Gräber zugleich hergerichtet werden können. Alle Anfragen wolle man an das„Zentral-Nachweiseamt, Berlin NW. 7, Doro- theenftt. 48", richten.___ Dem Brandenburgischen Giroverbande sind Im letzten halben Jahr« die Landkreise Niederbarnim, Teltow, Oberbarnim. West- priegnitz und Königsberg beigetteten. Von den Landkreisen der Provinz Brandenburg stehen nur noch zwei dem Giroverbande fern, jedoch ist der Beitritt derselben bald zu erwarten. Die größeren und mittleren Städte der Provinz sind bis auf eine dem Verband« angeschlossen. Zu viel poNzeiNche Rachsicht Im Autoverkehr. Da» Ministerium des Innern wirft jetzt den Krastfahrabteilungen der Polizei vor, daß sie es in zahlreichen Fällen an der nötigen Vorsicht und Aufme k- samkeit fehlen lassen. Di« Wagen werden nicht r i ch t i g g e s ü h r t, die Fahrer»-cht richtig ausgewählt, das Material nicht ge- nügend nachgeprüft und sogar auch die gesetzlichen Bestimmungen nicht beachtet. Es wird, so heißt es weiter, z. B. von den Wagen- führen, zu schnell gefahren, bei den Ueberqueren der Straßen, dem Umbiegen an den Straßenecken und dem Durchsahren der Straßen- kreuzunaen nicht genügend auf Fußgänger, scheuende Pserde und andere Fuhrwerke geachtet. Die Führung wird n cht genügend er- fahrenen und zu jungen Leuten anvertraut: die Untersuchung der Wagen, insbesondere der Bremsen vor der Fahrt wird unterlassen: die Anhänger.sind nicht mit Gummireifen versehen, nicht mit einem Bremser besetzt usw. D'e Abteilungen sollen deshalb eingehend und wiederholt über ihre Pflichten und die aesetzl'chen Bestimmungen belehrt werden, da der Staat für alle Schäden aufkommen und des- halb gegen die Verantwortlichen Rückgriff nehmen muß. Die Schul- digen würden unter Umständen nicht nur nach dem Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, sondern auch wegen Sachbeschäd gung, Körperverletzung. Tötung. Gefährdung der Eisenbahn usw. bestraft. GewerGhQstsbewegung kommunistische Sozialpolitik. In Moskau«sideinl eine neue ZageS, eilung de» Allrussischen Zenlral'GewerkichaslsrateS.Trud" s.Die Arbeit-), die als ibre vor- nehmfte Au'gabe e»ie geiunde Kritik der Zustände«n der Sowjetrepublik bezeichnet. Die erbe Nummer brinql u. a. eine Zuichun eines Setzers der Druckerei der 3, Jnlernationake, der die Äzbeit in der Druckerei felgendermaßen'childerl:.Eine Bentilalioii pibi es so gut wie par nichi. Die Maichrnen, die zu» sammeiipepierchien Arbeiter und das auspehänite Geräi verpesten die Lust derart, dafc man kaum atmen kann. Eine Mittagspauie gibt es nicht. Gegen Abend gleichen die Arbeiter Schatten, sind abgemattet usw. Manchmal gibt e» eine oder zweiUeber stunden, also zehnSlunden Arbeit ohne Pause. Eine wahre Holle.- Tie Lohnbewegung im Lebensmittelgewerbe. Wie bereit» gemeldet, befinden sich die Transportarbeiter des Groß-Berliner Lebensmittelqewerbe» in einer Lohnbewegung. Nach. dem ihre Forderungen durch den Schlichtungsausfchuh Groß-Berlin Abgewiesen worden waren, stellten sie den Arbeitgebern ein Ulti- matum, das am gestrigen Dienstagabend abgelaufen ist. Da die Ar» beitgeber jedoch erst im Laufe des heutigen"Mittwoch zu der neuge- fchaffenen Lage Stellung nehmen werden, haben die Transport- arbeiter in einer gestern abend abgehaltenen Versammlung den Be- schluh gefaßt, das ihrerseits gestellte Ultimatum zu verschieben und eine endgültige Entscheidung, ob man in den Streik treten soll oder nicht, bis zum Donnerstag abend zu verschieben. Zum Ttreik bei der Mitropa. Der Streik der Angestellten bei der Mitropa hat gestern»ine wesentliche Verschärfung erfahren. Die Direktion der Mitropa hatte am Sanntag eine Anzahl Transportarbeiter, die sich ge» weigert hatten, mit arbeitswilligen Angestellten zufammenzu» arbeiten, kurzerhand entlassen. Eine Versammlung der bei der Mitropa tätigen Transportarbeiter erklärte sich mit den gemäß» regelten Kollegen solidarisch, da es einem anständigen organi» sierten Arbeiter nicht zugemutet werden könne, mit Streikbrechern zulammenzuarbeiten. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Arbeit sofort niederzulegen. Durch dieses Verhalten der Trans» portarbeiter dürfte der Streik eine neue Wendung nehmen. Bis» her konnten die Speisewagen noch mst den nötigen Speisen und Getränken versehen werden. Nachdem dies jetzt unmöglich fein wird, dürfte die Direktion bei den morgigen Verhandlungen vor dem Reichsarbeitsministerium einen anderen Standpunkt ein- nehmen, so daß die Beilegung des Streiks in einigen Tagen zu erwarten ist. Streikarbeit im Gefängnis. Die Bürstenmacher befinden sich seit längerer Zeit im Streik. Sie kämpfen um Anerkennung des Reichstarifs der Bürstenindustrie, den die Berliner Unternehmer sich weigern anzuerkennen. Man sollte doch nun meinen, daß die behördlichen Instanzen eifrig bemüht sein müßten, genau so nach den Grundsäßen der Demokratie des gegenwärtigen Regierungssystems zu verfahren, wie sie es seinerzeit nach den monarchistischen der früheren Regierungssorm getan haben. Diese Sorge scheint aber der Gefängnisverwaliung in Tegel gar keine Kopfschmerzen zu verurjachen. Denn gerade just zu der Zeit, wo die Bürstenmacher Berlin» in den Kampf zu gehen gezwungen sind, wird im Gefängnis zu Tegel eine Bürstenfabrikation eingerichtet! Und das geschieht trotz fehlenden Platzesl Um diese Bürstensabrikation einrichten zu können, mußte eine Netz- flechterei, eine Station, und eine dort ebenfalls eingerichtete Feder- sortiererei, eine halbe Station abgeben! Der findige Bürstenfabri- kant hatte nämlich oen d r e i f a ch e n Preis für die bei einem Streik besonders wertvolle Arbeitskraft der Gefangenen geboten, so mußten die beiden anderen eben einen Teil räumen. Wir müssen ganz energisch dagegen protestieren, daß staatliche Einrichtungen in dieser Weise eingreifen in den Wirtschaftstampf zwischen Arbeitern und Uniernehmern. Zentralverband der Angeslellken. Die für den Bezirk Groß» Berlin gewählten Delegierten des Zentraloerbandes der Angestellten tagten am Dienstag in den Sophiensälen, um die weiteren Neu- wählen für die Verbandsleitung zu erledigen und Stellung zum Ber- bandstag zu nehmen. Die Wahlen wurden mittel» Stimmzettel vorgenommen, konnten aber noch nicht vollständig erledigt werden, weil eine Reihe von Stichwahlen erfolgen muß, die der vorgerückten Zeit wegen nicht mehr ausgeführt werden tonnten. Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zum Verbandstag(der zum 28. Mai nach Weimar einberufen worden ist), hielt B u b l i tz das einleitende Referat. Nach einer sehr langen und lebhaften Diskussion wurde die Vertagung der Versammlung beschlossen. Die Lehrilagowirtschast im Ariseurgewerbe hat einen derartigen Umfang angenommen, daß Eltern und Vormünder e« sicki sehr reif- lick» überlegen müsie», unter den obwaltenden Verhälinisien ihre Kinder und Pflegebefohlenen in die Friienrlehre zu geben. Die Wocbenlöbne in Bei lin betragen seit Juli 1320!3S M. für Herten» friieure und 145 M. für Damenkriienre und Friseusen. An Lehrlingen und.jungen- Gehilfen, welch letztere zur weiteren»Aus- bildnng- al» Voloniäre— nacki freier Uebereintunit— bezahlt werden, haben die Arbeitgeber stet»' Bedarf Sind die Gehilfen aber erst älter and anspruibsvoller geworden, bann sind sie»zu alt-, zu teuer, und werden durch neue Lehrlinge und Ausgelerme ersetzt. Der Arbeitnehmerverband de« Friseur- und Haargewerbe« bat auf Grund eingehender Erhebungen die Zustände auf dem Gebiete der Lehrlingswiititbaft einer Betrachtung unterzogen, die eine Warnung vor der Ergreifung dieses Berufe« zur Pflubl maän. wenigstens'o lange, bis eine gewisse Besserung eingetreten ist. Etwa« günliiger sind die Verhältnisse im Damensaw für Lehrmädchen, wo jedoch insofern große Vorsicht geboten ist, um nicht Lehrherren oder ihren Ebefiauen in die Hände zu fallen, die in dieiem Fache nur elende Stümper sind und so die jungen Mädchen ausbeuten aber nicht ausbilden können. In jedem Falle empfiehlt es sich, beim ZweiavereinBerlin des Arbeitnehmerve rbondeS im Gewer kichaftshauS, Sngelufer 15, Zimmer 58. Erkundigungen einzuziehen. s geatraloerbaad der Barestellteo. Thnnis»» Indnltrie: Morgen abend TV, Uhr. Mitaiiederverlommliing. MuslkrrsSIe, Kaiser-Wilbelm-Siraße gl.— Bersorgung». behSrben und Ziersorouniisla,«reite! Morgen nachm. 4 Uhr. Mitglieberverfammiung, ttonzertiilie Btilorio, Belle-Mtianee-EtraKe 21. Bu»d der technische««»gestepte««od«eamte«. Slldwest. Morgen abend TV, Uhr In der.Biergloite-. Bellr>AMance-Gtrahe iOT. Bersommlung. chewerkschastokartell Stowawe». Morgen abend T Uhr bei Hinte auherordent- liche ttartellfitzung mit den SewertschastovorsUlnden. V&ivtfcfoaft Umstellung auf der Wilhelmshaven er Werft. Au» Wilhelmshaven wird uns geschrieben: Die Umstellung der größten deutschen Reichswerst, der ehe- masigen„kaiserlichen- Kriegsschiffswerft Wilhelmshaven, auf Friedensarbeit macht rasche Fortschritte. Zunächst wurde die Werst in vier Teile zerlegt. Während der eine Teil al» Marinewerft weitergeführt wird, kam der andere zum Konzern der Reichs- werke A.G., einem Wirtschaftsqebilde, da» van dem Privattapital au» Konkurrenzgründen arg befehdet wird. Der dritte Teil wurde zu einer Abwrakwerft eingerichtet und der vierte und letzte ist durch die neugebildete Hochseefischerei der beiden Städte Wilhelms- Hoven und Rüstringen für ihre Zwecke übernommen worden. Durch diese rasche Einstellung aus Friedenstätigkeit ist es gelungen, die Zahl der vor dem Kriege hier beschäftigten Arbeiter vorläufig weiter zu halten. Ob das auch für die fernere Zukunft möglich sein wird, hängt davon ab. inwieweit es gelingen wird, auswärtige Aufträge aus Reichs- und Privathänden nach den Iadestädten zu dirigieren. Im einzelnen ergibt sich aus der jetzigen Täiiqkeit der ge- nannten Betriebe folgendes Bild: die Marinewerft dient in erster Linie der Reparatur von Kriegskahrzeugen, die teils für Zwecke der Entente, teil» für die eigene Marine ausgeführt werden. Da- neben werden auch Prioatauftraae in großem Umianae erledigt. Das Reichswerk ist ganz auf die sst-Iedenstätigkeit eingestellt. Auf diesem sind zurzeit 18 große Ftschdampfer, für Islandfahrt be- rechnet, in Arbeit. 12 davon werden im Auftrage des Reichs- schaßministeriums aebaut, sechs gehen auf Rechnung der deutschen Seefischerei A.G. Cuxhaven. Reben den Fischdampfern befinden sich drei Uebersee-Frachtdampfer in Reparatur. Sie gehören der Rolandlinie in Bremen und bedürfen neuer Maschinen, da die alten während des Krieges, als sich die Schiffe In Südamerika befanden, von den eigenen Leuten zerstört worden sind. Damals befürchtete man, daß die Schiffe in Feindeshond fallen könnten und machte sie deshalb vorsichtshalber unbrauchbar. Der Zeit- räum für die Ausbesserung ist auf ein halbes Jahr veranschlagt. Zu erwähnen wäre auch der Umbau des früheren Panzerschiffes „Odin- zu einem Motor-Frachtschiff, der auf Rechnung einer Ham- burger Reederei ausgeführt wird. Weiter befinden sich zehn durch eine Oldenburqer Firma bestellte Torfbagger im Bau, und neben einer großen Reihe kleinerer Aufträge der verschiedensten Art wird die Reparatur von 33 Eisenbahnwaaqon» und 53 Lokomotiven er- ledigt. Die Direktion des Werkes ist eneroisch bemüht, neue Auf- trä->e heranzuziehen. Beide Werften beschäftigen gegenwärtig rund 13333 Arbeiter und Angestellte. Die noch junge Seefischerei A.G. bat bereit» 22 Dampfer laufen, weitere befinden sich Im Bau. Wilhelmshaven und Rüst- ringen gehören zu jenen Städten, die durch den Krieasausgong am schwersten betroffen find. Nur durch geschickte Einstellung auf Friedensbedürfnisie und rastlose Tätigkeit der leitenden Stellen wird es möglich sein, die beiden Nordseestädte einer neuen Blüte- Periode zuzuführen. Die konsumgenosfenschasten in England und ln Deutschland. Es ist für die Beurteilung der konsumgenossenschaftlichen Eni- Wicklung wertoall, die englischen Konsumgenossenschaften, ihre Mit- gsiederzahl, ihren Umsatz und ihr Betriebskapital mit unseren beut- schen in Vergleich zu bringen. Allerding, bezieht sich die vorliegende Statistik auf das Jahr 1316, gibt aber dach einen geeigneten Maß- stab. Was zunächst die Mitgliederzahl anbetrifft,'o standen die deutschen Genossenschaften verhältnismäßig nicht weit hinter den englischen: 8% Millionen in England gegen 2)4 Millionen in Deutschland, also in England rund ein Drittel mehr Mitglieder al» bei un». Detrachtet man ober den Umsatz, so ändert sich da» Der- hältni» sofort zu unsern Ungunsten. Für England ergibt sich ein Umsatz von 2,4 Milliarden Schilling im Jahre 1316 gegen 680 Millio- nen Mark In Deutschland, mithin ist der Umsatz der englischen Kon- sumgenossenschafter rund viermal größer als der der deutschen. Noch frappanter ist das Derhältnis bei den G e s ch S f t» g u t h a b e n: in England 843 Millionen Schilling, in Deutschland nur 49 Millio- nen Mark. Oder: in England hat jede» Mitglied ein Guthaben von durchschnittsich 263 Schilling, tat Deutschland aber nur von 16 Marl Wo» dagegen die Reserven anbetrifft, so sind dl« deutschen Kon« sumgenossenschaften verhältnismäßig wieder besser fundiert al» die englischen: hier werden 43 Millionen Mark ausgewiesen gegenüber 68 Millionen In England, ferner an Leihkapital 139 Millionen Mark gegen 123 Millionen In England. In Berücksichtigung muß man ziehen, daß der Durchschnittslohn des englischen Arbeiters damals wesentlich höher war als der des deutschen Arbeiters, wobei die Entwertung der Mark nicht in Rechnung gezogen, sondern ein Schilling ungefähr einer Goldmark gleichgestellt werden kann. Ader es ist bemerkenswert, daß der englische Genossenschafter um das Zwcieinhalbfoche mehr in seiner Genossenschaft kauft, als der deutsche. Der Grund hierfür liegt nicht blaß in den höheren eng- tischen Löhnen, sondern mehr noch darin, daß die englische» Ge- nossenschaften hinsichtlich der Eigenproduktion und der Warenoer« teilung vielseitiger entwickelt sind als die deutschen. Es Ist deshalb & erstreben, daß die Entwicklung unserer deutschen Konsumgenossen- asten in ähnlicher Richtung geführt wird wie die englischen, wöbet allerdings in erster Linie an eine wesentliche Vermehrung de» Be- lriebskapilals herangegangen werden muß. L. Sündigung de» deulsch-schwelzertsche« Handelsverlroge». D« schweizerische Handels- und Zolloertrag vom 12. November 1334. der zum 16. März 1323 gekündigt wurde, dann provisorisch verlängert wurde, ist nunmehr von der deutschen Regierung zum 6. Juni 1921 endgültig gekündigt worden, jedoch mit der Auslegung, zu diesem Termin die Tarife außer Kraft treten zu lassen, während der Vertragstext mit dreimonatlicher Kündigungsfrist weiterbestehen würde. Tschechoslowakische S-hleu. Die Steinkohlenlörderung der Tsibecdoitowake, hat im Jadre 1323 It., Mill. rannen erreicht gegen 13, Mill. Tonnen im Vorjahre. Die Brauntohlengewiunung war mit' 19., Mill. Tannen um 2., Mill. Tonnen höber al«»m Jahre 1319. Die Kolserzeugung stellte sich auf t,„ Mill. Tannen gegen l,w Mill. Tonnen im Vorjahre, die Erzeugung von Br'leii» beirua 234 243 Tonnen geaen 22« 677 Tonnen. Tie geiamte Kohlen» ausfuhr stellte sich im Jahre 1323 aut 4� Mill. Tonnen gegen rund 4 Millionen im Vorjahre. Einer ProduluaiiSsteigerung von rund S., Mill. Tonnen sieht also eine Zunahme im Sloblemxvort von nur rund 333 333 Tonnen gegenüber. Aus dieien Ziffer» geht hervor, daß sich die Brennstoffversorgung der T'chechoilowakei icbon im Jabre 1323 wefenilich gebessert Hai, ,umal ja auch die Kohten« einfuhr beirächitich zuaenammen bat. Was die Bezugkländer anbelangt so bar Deutschland bezogen: 28 563 Tonnen Sie'nlohle tgegen 51» Tonnen im Jabre 1313). 2 833 132 Tonnen(1336 874 Tonnen) Braunlohle, ferner 43 234 Tonnen Brileu«. Soziales. Die produlkive Erwerbslosenfürsorge. Der gemeinsame WirlichasiS« und sozialpoluiiche Ausschuß deS ReichSwnischaiiSrai»(Wissell) beschäsligie sich, wie den P. P. N. mitgeteill wird, in seiner Sitzung am 2. März mit den Fotderungen der Geweitschaslen. Beiriebsräte und Erwerbslosen im Jndusiriebezuk Chemnitz und Gret, für eine produktive Erwerbslosensüriorge. Sie erstrecken sich im weientlichen auf eine Fördeiung jeder Art von Ardeiismög« lochleit durch eine planvolle Gestaltung der Wiil'chasr, u. a. auch der R o h st o s s v e r t e i 1 u n g und der Auslragsver« mitttung. Besonderes Jnieresse erweckte der Vorschlag einer Einstellung aller erwerbslosen ArbeitSlräfte in alle Betriebe de« Handel«. Gewerbe« und der Industrie durch zweckmäßige Einteilung der WochenarbeitSzeit unier Forige. Währung der jeweiligen Tariflöhne aus Fursorgeiniltetn, wozj» der Aiufchuß mit besonderer Bezugnahme aus ReichSauiiräge schon am 17. Februar Siellung genommen hat, Arbeilgeber und .»ehmer waren sich darin einig, daß zur Unierbringung der Er- werbslosen vor allem eine ProdultronSsleigerung iroi» wendig ist. Vcrireier der Industrie waren der Ansichi. daß dazu neben der teckmichen Vervollkommnung der Bei riebe vor allem eine persönliche Leistungssteigerung der znrzeii beschämgien Arbeiter noiwendig sei, die eine verbesierie Produkiion, den Ausbau der Werke und damit die Einstellung weilerer Arbeiter erst ermögliche. Die Ardeiliiebmer verirelen die Auffassung, daß die Erwerbslosen nicht warten lönnien und es daher möalich gemacht werden müsse, auch bei Kurzarbeit mir bänfigem Schichtwech'el die Produktion zu steigern. Beionders betont wurde von dieser>?eiie, daß die Erwerbslo'en keine Almosen wollen, sondern gerechten Lohn sür geleistete Arbeit. Man einiote sich schließlich dahin, die im Sommer 1323 ge« faßten Beschlüsse einer Ueberprlliung zu unterziehen und neue Richilinien aurznstellen. die der«eudem veiänderlen Weliloge. dem starten Sinken der Weltmarktpreise und der damit zulainmcn« hängenden Absatzstockung Rechbnng tragen Zu den weiteren Beratungen soll die Regierung Benreter entsenden. /tos aller Welt. 800 Chinesen ertrunken. Hongkong, 6. März(Reuter.) Ein Dampfer mit mehr al» 833 Chinesen an Bord ist untergegangen._• üetamra für den redaN. Teil Tr. Sfeener«eilee. eharlollendurg: wr»I>«>gei>: St, Gloite. t>erlin. Lerlaa: korwärls-iierlo« G. m d. H.. perlin. ttuJ-.Vof würt4.�ncht»ruckere? u Beniasanstolt Paul Linaer u Co. �erli.i Llndr isfr 3 Gewaltiger Prcisabban! Dueib Na»'«roher Pollen M6bel aus erftflaffioen Fabriken spelseziMkl ,47-: kompl. von M. SSlksZiMMechelomo. mit echi Marmor gSLN von M. OÖOU->» SmenAmc i.SOtn gcSchrant 433(1 tomple«. von R Ucktka» Mm"Än 4,3 Farbe«, von M. Tfcüur. 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Pot- damer Straße 10-d ••••••••"•»•T»»•»•••'««»»"»>••»»«»»«»»»»»»»»«»»»», Der Icleine�en Von Heinrich Schulz � xÄ j %rL: POr Eltern und K:nderlreunde ist ///\K 2 dieses neue entzückende fluch /■Ar--' /ab* mit künstler Einband und Text- c r Zeichnung, ein auagezeichnetes hC\ A( GÜMCHBNKWERK V\\. Preis gebunden M. 1030 Buchhandlung Vorwärts, SW 68, Lindenstr.3 Jlieiie9oate|_ iMditraidion rolito Ihr f>aortraltn)afIer toitM Wunder nach Zmatigrm Emreiden. Eo oder ahnlich lanien viele Auerkeununaen »der Neich«!'» haor- , trostruassrr„ N« e I i > Ii. M tl.-»»7.-. |0kta Nelchel, verNa 43. St), E>>cnl>ahnlirahe 4. isuvllsräank!! g! Dassicnersi Mittel. das BR hauchen t*anz od teilw. JaÄ einzustell Wirke ver- V blüffend. Auskunft ums. vers �an Aitik.flg.EnsIbrccht, München R6, Kavuzinerstr. 9 Kaufe laufend Caitnnfls- Dynnrn» und wlhersia,:d,dröht«. lo» wie ZniloUaNansnia«rial. Ulaliloinrclianlll remruin Orooor. Berit«. Krirzeftr. 15. Atezauder 4784.» «„ Tellraklunz-.i�.riaranl. Itroncn>8!». 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