Nr. 117» ZS. �ahrgcmg Ausgabe A Nr. HH Bezugspreis! Viertkliahrl-AV- M. nusnatl 10.— 38. ►r« ins Hau», rotous zahlbar Pvft» bcjuig: Monatlich 10.— 38» eluschl.Au- ittllunzsgedühr. Umer KrkUZdand für Deutlchiand und O-lterretch IKA)'M, für das ftdnge Dusiand bei täglich einmal. SuileDung 21,50 38. Polibe» . HtHimgen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tichecho-Slowalei. Däne- tnurä Solland. Luxemburg. Schweden und die Schwei).- Eingetragen In die Dost.zelinngd-Lreisllst«. Ser�aonBüite" mit der Sonntag«« heilcjj» ,S3olt und Seif und der Unter« Haltung sdellage Leimweif erscheint wochentägllch zweimal. Sonntag» und llkoniag» einmal. Telegramm- Adreste: »Iozinidemotrol verlief. Morgen Ausgabe Berliner Oolksblstt 30 Pfenma) Auzeigeupreist Die achtgeipalirne NonpareiUejelle kostet öchv'M„fitclae Anzeigen- da» tettgebrutfte Wort 1.50 38. n e r t durch Stimmzettel erfolgen mußte, ein umständliches Manöver, das die Sigung um zirka eine Stunde aufhielt. Aber offenbar war dies ein Gebot der Weltrevolution, die tatsächlich so um eine Stunde nähergebracht wurde. Als dann jedoch drei Vizepräsidenten aus den Fraktionen der D e u t s ch n a t i o n a l e n, der Deut- schen Volkspartei und des Zentrums gewählt werden sollten, batten die Kommunisten gegen eine Wahl durch Zuruf nichts einzuwenden. Nur der Wahl des Sozialdemokraten mußten Schwierigkeiten gemacht werden! Am Schluß der Sitzung stellte dann der Abgeordnete Lü dicke lDnat.) den Antrag, die Wahl des Ministerprasi- denten bereits am Freitag vorzunehmen, ein reiner Bos- heitsantrag, da im ganzen Hause bekannt war, daß eine Eini- gung der maßgebenden Parteien über die Regierungsbildung noch nicht zustande gekommen ist. Es war ein erbebender An- blick, als sich für diesen Antrag die gesamte Rechte erhob und— ganz auf der äußersten Linken, die Gruppe der K o m- m u n i st e n. Von der Sozialdemokratie wurde den Kommu- nisten zugerufen:„Ihr habt Euch falsch gesetzt, Ihr gehört auf die rechte Seite herüber." Darauf nahmen ein paar Kommu- nisten mit beschämten Mienen wieder Platz.. Das Gros aber blieb unter Führung Adolf Hoffmanns mannhaft stehen.— Die„Kreuz-Zeitung" hat schon recht gehabt, als sie die Kom- munisten der R e ch t e n als indirekte Unterstützung zurechnete! Geheime üeutsckvölkische Grüen. Enthüllungen der„Deutschen Zeitung". Die„Deutsche Zeitung", das Opgan der Deutschvöltischen. bringt an der Spitze ihrer Donnerstags-Abendausgabe einen Artikel„Hoffnungen— Enttäuschungen" des„Königlichen Landrats" von Hertzberg. Zunächst erscheint dieser Ar- tikel wie eine der üblichen Schimpfkanonaden gegen den seligen Bethmann. die schwarz-rot-goldene Judenregierung usw. usw.. Die Deutschvölkischen hätten— so schreibt der Versaffer— von den Juniwahlen l92y eine starke Regier: ng erwartet und hätten„mit langen Gesichten:" dagestanden, als dann ein„schlappes Kompromißgcbilde" zustandekam. Die gleiche Enttäuschung wütde man jetzt von den P r e u ß e n- wählen erleben. Soweit bringt der Artikel nichts beson- dcres. Aber dann schsießt er nnt folgender überraschender Wendung: Man hofft und hofft, und vergißt das Sprichwort: Hoffen und harren macht manchen zum Narren. Und das Bürgertum wird auch hier wieder dastehen, wie ein bctrübterLohgerber, wenn die Enttäuschungen kommen. So wird es auch den völkischen Kreisen ergehen, die da meinen, geheime Orden hätten ein Recht, sich die große Bewegung des deukschvölkifchen Schuh- und Truhbundes dienstbar zu machen, die in ihn durch Zusammenfassung der Ortsgruppen und Gaue in Mittel- deutschland zu einem Mitteldeutschen Block Sprengmineu legen and dadurch ihrem Orden die Macht in die Hand spielen wollen. Sie mögen sich gesagt sein lasien, insonderheit die Quertreiber, die da meinen, aus taktischen Gründen müsie eine Revolution von unten sie an die Spihe dieser Sprenggroppe rufen, daß die ge- heim gesponnenen Fäden bloßgelegt sind; sie mögen sich gewiß halten, daß die osien« Darlegimg dieser Machenschasien nicht nur sie in der völklsckien Bewegung an den Pranger stellen muh. sondern der gesamten völkischen Bewegung einen großen SchlagK geben wird. Auch ihre Hoffnung, auf diese Art die Führung der völkischen Dinge in die Hand geheimer Orden bzw. einzelner Quertreiber zu spielen, wird mit einer großen Enttäuschung enden! In diesen Ausführungen ist dem Uneingeweihten manches dunkef. Aber soviel geht doch klar daraus hervor, daß es in der dcutschvölkischen Bewegung einen geheimen Orden gibt, der eine verzweifelte Aehnlichkeit mit der illegalen kommunistischen Organisation und mit den kom- munistischen Sprengzellen hat. Nachdem das führende deutschvölkische Organ soviel von der Sache verraten hat, dürste es Aufgabe der zuständigen Sicherheitsorgane sein, völlige Klarheit über dos Wesen der gehei- men deutschvölkischen Orden zu schaffen. Daß hier viel zu verheimlichen ist, geht am besten aus der Bemerkung des Herrn von Hertzberg bervor, daß die A u f d e ck u n g der ge- beimen Ordensmachenschaften der gesamten deutschvöltischen Bewegung einen großen Schlag versetzen würde. Der ausgesperrte van Berkhoff. Bis in die jüngl'en Tage hatte der deutschnationale Abzeord- nete van Kerthöff, der unter dem scharfen Verdachte großer Steuerhinterziehung und der Beiseiteschaffung von Sleuerakten steht, die Dreistigkeit, an den Sitzungen des Reichstages teilzunehmen und sich herausfordernd vor her Rednertribüne aufzupflanzen. Als er am Donnerstag auf den Bänken seiner Fraktion Platz nehmen wollte, widersprachen einige deutschnotionale Ab- geordnete, die das politische Reinlichkeitsbedllrfnis noch n�ht ganz verloren haben, so energisch, daß sich van Kerkhoff in die Wandelhalle zurückzog. Hoffentlich findet er von dort bald und endgültig den Weg ins Freie. Die yeimkehr öer Siti ier. Am 2. März hat der Dampfer Gujarat mit 523 reichsdeutschen Kriegsgefanaenen Wladiwostok verlassen. Er wird in Trieft anfangs April eintreffen. Don Trieft aus werden die Heimkehrer nach Leck fcld in Bayern übergeführt und nach zwei- bis dreitägigem Ausenk halt in die Heimat entlassen. "Mit der Rückkehr dieser Gefangenen ist ganz Sibirien bis auf einzelne versprengte von deutschen Kriegsgefangenen geräumt und die Ausgabe des deutschen Bevollmächtigten in Wladiwostok, Herrn Gustav Gerber, damit restlos erfüllt. Die Deutsche Kommission kehrt im Lauf« des März gleichfalls nach Deutschland zurück. Ihr qebührt der uneingeschränkte Dank sür die unter den schwierigsten Verhält- nisten durchgefükrle Haimbeforderung der deutschen Kriegsgefangenen aus Ost- und Mittelstbirien. landes bei, aber sie tragen alle bei zur Förderung seiner In- dustrie, zur Erhöhung der Erwerbstätigkeit. Großbritannien batte im Frieden— ungerechnet die Kolonien— eine Kvhkenprvduktwn, die um die Hälfte größer war als die unfrige, seine Handelsflotte war an Tonnenzahl ungefähr viermal so groß, das Kapital seiner Aktiengesellschaften fast dreimal io groß, und es ließ fünfmal so viel Baumwollspindeln laufen als wir. Inzwischen haben wir unsere Handelsflotte verloren, unsere Kolonien usw. usw. Lloyd George verwies uns ferner darauf, daß Frankreich 18 Milliarden Franks im Jahre für feine vor- wüsteten Gebiete zu zahlen Habe. Aber Frankreich ist ja auch bereits bankrott, es erklärt das offen, seine Valuta ist ja auch bereits um die Hälfte gesunken, und seine ganze Hoffnung ist, daß wir zahlen werden. Sind wir aber deshalb besser daran, daß unsere Gläubiger bankrott sind? Im Gegenteil, weil sie bankrott sind, müssen sie selbst hohe Zinsen zahlen, verlangen dergleichen von uns, und drängen auf Zahlung. Soll der eine Banirotteur dem anderen aufhelfen, indem er Wechsel ausstellt, die er nicht wird einlösen können? Wir sagen ehrlich, wie die Dinge sind. Das ist die ein- zige Rettung für uns wie für die ganze Welt. Wir bestreiten ja nicht die Schwierigkeiten, in denen sich die Alliierten be- finden, die großen Lasten, die sie zu tragen haben. Es feblt auch nicht, an dem guten Willen, wir wollen alles tun, was wir nur können, aber Geld haben wir nicht. Es ist eine allgemeine Gsldentwmung in der Welt, die Kreditquellen find verstopft, und wir, die Besiegten, sind am schlimmsten daran, können am wenigsten uns und den anderen helfen. Die Frage des Wiederaufbaues ist eine Weltfrage, sie ist eine Valutasrage, sie ist eine Frage der Wiederherstellung der Industrie, sie ist ebenso eine französische wie eine deutsche Frage, denn ohne Kapital für unsere Fabriken und ohne Wohnungen für unsere Arbeiter können wir nicht produ- zieren, folglich auch nicht zahlen. Nur durch Verbindung und Entfaltung der industriellen Kräfte, anders ist das Problem nicht zu lösen.__ Dta preußische Regierungskrise. Verzicht der Deutschen Volkspartei? Die preußische Regierung ist verfassungsgemäß zurück- getreten. Die offizielle Erklärung finden unsere Leser im Parlainentsbericht. Inzwischen führt die alte Regierung die Geschäfte weiter, bis eine neue Regierung zustande ge- kommen ist. Wie diese aussehen wird, liegt immer noch im Dunkeln. Der springende Punkt war bisher bekanntlich folgender: Zentrum und Demokraten, namentlich aber das Zentrum, wollen die alte Koalition nur fortsetzen, wenn die Deutsche Bolkspartei mit hereingenommen wird, die Sozialdemo- kratie lehnt diese Verbreiterung mit Entschiedenheit a b. Neuerdings aber scheint es, als ob dieser Konflikt sich in ungeahnter Weise lösen könne. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das Organ Hugo S.tinnes.', schreibt nämlich m ihrer Donnerstag-Abendausgabe, nachdem sie den Kernpunkt des Konflikts ebenso wie wir bezeichnet hat, folgendes: Andererseits ist es auch bisher noch fraglich, ob dl« Deutsche Bolkspartei bereit sein wird, dem Wunsche des Zentrums in der Iorrn, in der er vorliegt, nachzukommeu. Die Deutsche Bolkspartei hat sich bekanntlich in erster Linie sür eine Einheitsfront von den Deutschnationalen bis zur Sozialdemokratie ' eingesetzt. Sie hegt aber weiter auch Bedenken, eine Koalition, an der die Sozialdemokratie beteiligt ist, einzugehen, ohne " baß in diese Koalition auch die veutschnalionalen aufgenommen werden. Eine grundsätzliche Erklärung der Deutschen Volks- Partei gegenüber der bisherigen Koalition liegt nach dieser Richtung hin allerdings bisher nicht vor. Die Deutsche Bolkspartei will danach also nur in die Koa- lition gehen, wenn außer ihr auch noch die Deutsch- nationalen mit hereingenommen werden. Das sieht zu- nächst aus, als ob der Appetit mit dem Essen käme. In Wirk- Sie Leanöschahung. Eine Legende aus dem Dreißigjährigen Kriege. Baner, der schwedische Reitergeneral, dessen Scharen jahrelang verwüstend und plündernd durch Deutschland zogen, befand sich ein- mal in schwerer Verlegenheit. Selt längerer Zeit hatte er den Sold nicht zahlen können, und seine Truppen wurden schwierig. Zum Glück erinnerte sich Bauer einer nicht unbedeutenden beut- scheu Handelsstadt, die er vor kurzem nach hartnäckiger Belagerung genommen hatte. Er lieh die Ratsherren und Patrizier zu sich kommen und herrschte sie an.„Ihr Hunde, schafft mir aus der Stelle 100 Ml) Goldglllden oder ich lege euer Nest in Asche." Die Ratsherren wandten in aller Ehrerbietung ein, daß ihre Stadl diese Summe unmöglich zahlen könnte, da sie schon dreimal in den letzten Jahren bald von�den Kaiserlichen, bald von den Schweden heimgesucht und gebrandschatzt worden waren. 20 000 Gulden wäre das höchste, was die Stadt aufbringen würde. „Ihr oerstockten Hunde!" schrie Bauer.„Ich werde euch lehren, wie man mit dem Sieger spricht!" In ihrer Todesangst gaben die Ratsherren eine genaue llebersicht über den Stand der Vermögen in der Stadt, sie zählten alles an Liegenschaften und Fahrnis auf, was die Einwohner besaßen Es ergab nur einen Wert von knapp 50 OM Gulden. Der schwedische General aber antwortete, daß seit Gustav Adolfs Zug. die Schweden das ihundertfache an Geld und Gut geopfert hätten und das mühten sie Heller auf Pfennig zurück haben. Darauf ließ er die Ratsherren herauswerfen. Vor die Stadt aber legte Bauer ein paar Kommandos, die sperrten alle Straßen und singen jedes Fuhrwerk ob, das zur Stadt hinaus oder hinein ging. Der ganze Handel des Städtchens geriet ins Stocken. Der Rat schickte eine erneute Deputation zu Banär, um vorstellig zu werden. Wenn die Plackerei nicht aufhöre, so könne die Stadt nicht 20 0M, nicht einmal 10 VM Gulden zahlen. Bauer aber schrie und fluchte:„Bringt ihr mir die IM 000 nicht bis zum letzten Heller am Sonntag, so werde ich noch ganz andere Saiten aufziehen." Der Sonntag kam, aber nicht die Hunderttausend. Eine Ge- sandtschaft, die schweren Herzens ISMO überbringen wollte, ließ Baner nicht einmal vor. Dafür legte er zwei Fähnlein seiner wil- besten Reiter als Besatzung in die Stadt. Die Soldaten machten sich in den Bürgerhäusern breit, soffen zunächst allen Wein aus, den sie fanden, dann stahlen sie, was nicht niet» und nagelfest war. Die Stadt verödete immer mehr. Schimpf- liche Gewalttaten waren an der Tagesordnung. Ein großer Teil der Einwohner wanderte mit Sack und Pack aus. Aber die- Hunderttausend kamen nicht. Da ließ Banär tausend der kräftigsten Bürgersöhne bei Nacht in ihren Wohnungen aus- heben und preßte sie in seine Schuren. Vergebens suchten die Städ- i«r ihm klar zu machen, daß die Sladt nur ärmer und ärmer werde, cr sie ihrer rührigsten Hände beraubt«. Bonor erklärt«, jetzt am Ende seiner Geduld zu sein. Wenn das Geld nicht in drei Tagen käme, so werde er die Stadt an allen vier Ecken anzünden. -Das Geld kam nicht und am dritten Tage machte Daner seine Drohung wahr. Ein furchtbcres Brennen und Morden Hub an, es währte ununterbrochen Tag und Nacht hindurch. Als schließlich nur noch die verkohlten Trümmer rauchten, befahl Baner, die ganze Einwohnerschaft gefesselt in sein Lager zu führen. Seine Reisigen gehorchten. Aber sie trieben nichts zusammen al» ein paar zerlumpte Gestallen. Sllles andere war erschlagen, verbrannt oder entflohen. Baner ließ die Gefangenen direkt unter den Galgen führen und herrschte sie an:„Nun heraus, ihr Lumpen- pack, mit den Hunderttausend oder euer letzte» Stündlein hat ge- schlagen." Die Gefangenen» grinsten blöde. Die Schrecken der letzten Nacht hatten ihnen den Verstand geraubt. Nur einer, der noch balbwegs bei Sinnen schien, sagte mit fester Stimme:„Herr, töte uns, aber spotte unserer nicht. All unsere Habe sind die Lumpen, die wir auf dem Leibe tragen." Da war es Banör, als ob er aus einem Traume erwach«.„Aber ihr habt mir doch selber 20 000 versprochen." sagte er mit unsicherer Sttmme. „Die hatten wir einmal," lautete die Antwort des Gefangenen, „und wollten sie dir geben Aber du hast sie in deiner Derblen- dung zurückgewiesen und uns olles genommen. Jetzt gill das alte Sprichwort: Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren." Da meinte Bauer kopfschüttelnd zu einem seiner Kapitäne: „Bielleicht wäre es besser gewesen, die 20 000 zu nehmen." Das geschah im Dreißigjährigen Krieg. Der so handelte, war ein unztvilisierter schwedischer Bandenführer, nicht etwa ein fran- zösischer Marschall. Denn im Jahre 1021 ist die Welt bedeutend klüger geworden... oder sollte es ein Irrtum sein? Die Preise für die volkstümlichen Konzerte der Skaatsoper, die Sonntag im Großen Schauspielbaus beginnen, werden t# beschriften aus unserem Leserkreise bemängelt. Die Preise sind für den 3. Rang aus 4 M., für den 2. Rang auf 0 usw. bis zu 20 M. fest- gesetzt.„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie im„Vorwärts" die Frage aufrollen würden, warum bei diesen Preisen das Konzert als „volkstümlich" bezeichnet wird," schreibt ein Einsender.„Die große Masse„Volk", für die das Konzert doch wohl gedacht ist, kann diese Ausgabe für ein Vormittagskonzert nicht leisten." Hingewiesen wird weiter darauf, daß die Preise für die Eonntagnachmiitagvor- stellungen bei weitem geringer sind(3,50, 5, 7,50, 10, 12 M). Bielleicht äußert sich die Intendanz dazu. Die höheren Preise wären nattirlich erträglich, wenn dadurch überhaupt erst das Konzert möglich wird und genügend billige Plätze zur Verfügung stehen. Solange freilich die Plätze freihändig verkauft werden, ist keine Garantie dafür vorhanden, daß sie auch in die Hände derer kam- men, für die sie bestimmt sind. Die Organisation der Konsumenten ist eben aus allen Gebieten die Borrnissetzung jeder„volkstümlichen" Kunstpflege. Der„verristene" Hebbel. Große Dichter sind bei ihren Lebzeiten häufig verkannt worden: aber selten wohl hat ein Urteil so fehl ge- griffen wie eine Kritik über Hebbel, auf die in dem bei Horst Stobbe in München erscheinenden.Grundgescheuten Aniiquarius" die Aufmerksamkeit gelenkt wird. Der Verfasser war de?„Platenibe" Ic-f Hannes Minckwift. Er nennt in seinem„Neuhochdeutschen Parnaß' Hebbel«inen„Lyriker und Dramatiker ohne klassische Bedeutung", und jährt dann fort:„Sagen wir es kurz, daß Hebbel der rechte Sinn für das Schöne niemals aufgeaangsn ist! Wi« es diesem Autor an gesundem Geschmack, an Natürlichkeit, Einsochheit und Klarheit der Darstellung im Lyrischen gebricht, indem leine„Gedichte" meist zwecklos, ohne tieferen Gehalt, ungenau, schwülstig und selbst unverständlich erscheinen, so treten auf dramatischem Gebiete diese Fehler noch greller heraus. Der Mangel an frühzeitiger klassischer Bildung äußerte sich hier wieder einmal in vollen Umfang« seiner Nach- teile. Die Dramen Hebbels verstoßen im ganzen wie im einzelnen nicht allein schnurstracks wider die Anforderungen echter Kunst, son- dern die Charaktere derselben sind so durchaus ungenügend, verkehrt, toll»nd abgeschmackt, daß denselben jeder eigentliche Wert abgesprochen werden muß, und daß man in ihnen, einzeln« Personen in der„Maria Magdalena" vielleicht ausgenommen, nirgends die Spur von wahrem poetischen Talent dargelegt findet. Denn in seinem Haschen nach Originalität spricht sich kein Genie aus; er ist originell. aber nicht im guten Sinne. Au? dramatisch« Wirkung hat es Hebbels lediglich abgesehen, alles übrige ordnet er diesem Zweck unter. Und Minckwitz schließt dies«„Würdigung" mit den Worten:„Nach Hebbels Tode stritten die Wiener Blätter, ob„er ein Dichter der Bergangen- deit oder der Zukunst sei": kein? von beiden, sag« ich, iondern ein Halbtalent unserer Tage mit den Eigenschaften eines Autodidakten mit Selbstgenügsamkeit und Cigensiim, mit Hochmut gegen Muster und Regel, mit Schwäche rechts und Schwäche links." Ein Urwaldmaler. Der tschechoslowakische Maler Iaroslaw Hnevkoosky, der gegenwärtig mit einer Ausstellung seiner Bilder in London Aufsehen erregt, wird als der erste und einzige Urwald- maler gepriesen. Er hat fünf Jahre lang mit den Eingeborenen im innersten Dschungel von Ceylon gelebt und, wie der Katalog be- hauptet.„während seiner Wanderungen sich ganz so wie ein Natur- mensch benommen". Er kam als Heizer auf einem Schiff nach Ceylon, blieb hier zurück und drang immer tiefer in den Urwald ei», in dem er sich durch Jagd seinen Lebensunterhalt verschaffte. Seine Bilder sollen eine höchst anschauliche Darstellung des Urwaldes dar- bieten. Spielplanönderung. Im Theater l. b. Königgrätzer Straße ce- langt Freitag und Sonnabend infolge Ertrankung von JoSma Srlim „Salome" zur Aufführung. Das 2. Volkstümliche VormtttagSkonzert der Staatsoper zu ennäuigten Preisen findet am 28. März<2. Oiterseicrtag), 11 Uhr. im Ärotzrn«chauspieibaiuc um er Leitung von Lea Blech statt. Programm: Beethovens„Eroica", Strauß'„Zod und Vertlärung',.Moldau" und die Onverlär« zur.Verlausten Braut" von Smetana. Boroerkaus ab Dienstag. den 15., Im Opernhaus«, Großen Schausvielhause, Jnvalidendank. Die Entwtcklung der Berliner Mcdaillenkuust dringt ein« von K. v. Kühlewcin dem Berliner Münziabinett vermachte Sammlung Darstellung, die setzt zum erstenmal bei der Biedcrerögnung der lmnmtlmg deS Kabtuett» im SaüeoFrledrich-Mujetua»jjentttch gezeiö» wird. n.m.u.ya�_ Httlage dcg Vorwärts Freitag. U.März 192? Die berliner Hai Arbeitslose vor dem Rathaus Die Stadtverordnetenversammlung setzte gestern die Haushaltberawng fort. Zu Worte kamen noch die Redner der drei kleinsten Fraktionen. Zu diesen gehört jetzt die demokratische Fraktion, die Erbin des Berliner Kom- munal�reisinns. die einst unter dem Dreiklassenwahlunrecht so mächtig dastand. Der demokratische Redner Merten glaubte, bestreiten zu dürfen, daß die Freisinnigen durch ihre damalige Finanzpolitik zur Berschärsting der jetzigen Ka- lamität beigetragen haben. Busch von der Wirtschaftlichen Bereinigung nahm sich der H a u s b e s i tz e r an und for- .v«rte die Beseitigung der Zwangswirtschaft des Wohnungs- wesens. Wie weit er dann die Mieten gesteigert zu sehen wünscht, sagte er nicht. Dr..Schmidt von der Zentrum.sparlei fühlte das Bedürfnis, an dem in der vorigen Sitzung durch Dr. Leidig angerempelten Oberstadtschul- rat P a u l s e n sich auch noch zu reiben. Der Haushalt- entwurf wurde dem Ausschuß überwiesen. Während der Le- ratung des Haushalts war vor dem Rathaus ein Zug von Arbeitslosen erschienen, die aus dem Lustgarten von einer Demonstration der Kommunisten kamen. Der Komnui- nistenantrag. die Sitzung zu unterbrechen und eine Deputation vorzulassen, wurde abgelehnt Die Sitzung brachte in ihrem letzten Teil eine Aussprache über die D i e b st ä h l e im Ost- Hafen. Was da der Stadtrat S ch ü n i n g vortrug, war allerdings böse. Sitzungsbericht. Vorsteher Dr. W e y l gibt Kenntnis von einem Schreiben des Neuköllner Magistrats, das die am 3. März in der Versammlung aufgestellte Behauptung richtig stellt, daß die Neuköllner städtische Druckerei ungünstig abgeschlosien habe. Di« Ein- »ahmen hätten von ISIS bis 1. Oktober 1920 rund 1 569 000, die Ausgaben 1 054 000 M. betragen, daher der Ueberschuh von 515 000 Mark. Zwei Dringlichieitsaniräge der Kommunisten, die die Zu- wendung außerordentlicher Beihilfen an die Er- werbslosen bezwecken, außerdem zu dem gleichen Zweck die Anerkennung des Obdachs als Wohnimg verlonaen, stoßen beider Rechten auf Widerspruch, ebenso der Antrag des Kommunisten Kabel auf sofortige Beratung ihres vorgestern eingebrachten Dringlichkeits- antrages auf unverzüglichen Zusammentritt der Bezirksämter ohne Rücksicht aus den Stand der Jestäkigungssroge. Die Beratung des Stadthaushalkvplans für 1320 wird fortgesetzt. Stadtv. Merten lDenO lehnt es ab, sich aus die stundenlange kommunistisch« Programmrede des Stadtv. Pfeisfei einzulassen, und beschränkt sich auf einen Protest gegen de» Aus- fpruch, daß es für die Kommunisten senselts der Landesgreiw» keinen Feind mehr gebe, sondern daß sie als Feind nur noch das Kapital und seine Vertreter innerhalb der Landesgrenzen ansähen. Wenn Herr Pi-usser die Versammlung als„Schwatzbude" ästimiere. so habe er sich damit selbst ironisiert.— Zn beklagen sei, daß auch der Unabhängige Leid wieder den Klassen kämpf und Klassenhaß pro- s �agiert habe. Der Angriff Leids auf die Zuverlässigkeit der Schul- ärzle müsie zurückgewiesen werden. Auch Hirsch sei im Unrecht, wenn er der alten Versammlung mit ihrer bürgerlichen liberalen Mehrheit vorgeworfen habe, sie hätte nicht rechtzeitig für Steuer- erhähung gesorgt. Berlin sei mit den Zuschlägen von 100 auf 167 Proz. hinaufgegangen, und Eharlottenburg, in dessen Vermal- tung Hirsch maßgebenden Einfluß besaß, sei Berlin durchweg nach» gefolgt. Wenn Hirsch dem Oberschulrot Paulsen sein Der- trauen bekundet und jetzt die Bahn für die sozialistische Jugenderziehung sür ircr erklärt habe, so lehne die Mehrzahl der Er- ziehungsberecktigten dieses Jugenderziehungsideal ab. Dos Berliner Schulwef«schabe stet" auf der Höhe gestanden.— Redner erörtert dann die Flnanzlacie und die Steuerpolitik, erklärt die bureaukratische und schematische Durchführung des Achtstundentage« für«inen Unfug und für eine Ungerechtigkeit gegenüber der Arbeiterklasse selbst sDen von der äußersten Linken kommenden Zuruf:„Blödsinn!" rügt Borsieher-Stello. Fabian als unparlamentarisch), sieht aber trotzalledem die_ — Die Diebstähle im Osthafen. Sredilfähigkeik Berlins und die Sicherheit seiner Gläubiger für absolut uner- s ch ü t t e r t an, und fordert dringend endliche Rechnungslegimg des Lebensmittelverbandes. Die Last, die Berlin für die Erwerbslosen zu tragen habe, werde nachgerade unerträglich: mit Hilfe des Reiches müßten die Arbeitslosen dahin verpflanzt werden, wo sie Arbeit finden: bei Eisenbahn- und Kanalbouten, in der Landwirtschaft usw. Dann würde auch der Wohnungsnot zu einem guten Teil gesteuert werden. Die Cinheitsgeineinde dürfe nicht zer- schlagen werden, Männer aus allen Parteien hätten sie erstrebt: Gcoß-Berlin sei nun einmal da. Die„fios-von-Berlin"-Parole fei künstlich in gewisse Vororte hineingetragen worden. Die Vertretung dieser Einheitsgemeinde müsse sich ober auch Ver- trauen erwerben, und dazu sei in manchen Teilen noch manche Wandlung notwendig. Hoffentlich werde keine preußisch« Regierung die Hand zur Aenderung des Gesetzes Groß-Berlin bieten.(Beifall b. d. Dem.) Stadtv. Adolf H o s f m a n n(Kom.) beantragt, jetzt(6 Uhr 10 Minuten) die Sitzung zu unterbrechen und einer Deputation Zu- tritt zu gewähren, die von taufenden vor dem Rakhause angesammeilen Arbeits- und Obdachlose« entsendet ist; Herr Merten solle der Deputation seine Rede noch ein- mal halten.(Große Unruhe.)— Der stello. Vorsteher Fabian lehnt es ab, den Antrag Hoffmann zur Abstimmung zu bringen: es finde sich weder in der Städteordnung, noch in der Geschäftsordnung ein Anhalt dafür, außerdem habe die Versammlung f. Z. einen analogen Antrag abgelehnt.— Ad. Hoffman n; Die Versammlung ist souverän und kann das jederzeit beschließen.— Dave (Dem.): Machen wir von unserer Souveränität Gebrauch unmsahren wir in der Tagesordnung fortl— Stello. Vorst. Fabian bleibt bei seiner Erklärung.— G ä b e l(Kam.): Der Versammlungs- beschluß gilt doch nicht für ewig. Mindestens muß Abstimmung erfolgen.— Dr. Caspari(D. Bp.) beantragt Uebergang zvr Tages- ordnung über den Antrag Hoffmann.(Zwischen der Rechten und dem Kommunisten N a w r o ck i entspinnt sich ein mit äußerster Heftigkeit geführter Wortwechsel.) Schließlich erklärt der stello. Vorsteher: Wir fördern die Interessen der Arbeitslosen dadurch. daß wir sachlich arbeiten.— Der Antrag Easpari wird an- genommen. Die Versammlung setzt die Etatberatung fort. Busch(Wirtsch. Bgg.) tritt für die Beibehaltung der Wirtschaft- lichen Einheit Groß-Berlln ein und unterstreicht das Bestreben des Oberbürgermeisters, den Personaletat auss unbedingt Notwendige zu beschränke». Den größten Teil der Rede nimmt ei» Plädoyer sür die Hausbesitzer ein, deren Lage unsäglich traurig sei. Im Namen der Gerechtigkeit protestiert er dagegen, daß man vom Hausbesitzer llromjgliches verlangt. Die Zwangswirtschaft für den Hausbesitz müsse unter gewissen Lautelen aufgehoben werden. Die Gewerbe» steuerklasse I sei ganz anders als bisher heranzuziehen. Dr. Schmidt(Zentr.): Wir grüßen von der Spree zum Rhein und zur Ruhr unsere bedrängten Arüder in der Hoffnung. daß ihr Leid bald ein Ende haben wird.— Die radikale, beschteunigte Sozialisierung macht das Zentrum nicht mit. ebenso verwirft es den von Herrn Leid, der doch jetzt auch Bürgermeister sei, wieder prvva» gierten Kwssenkampf. In der Sache hat nach der Meimmg des Redners Dr. Leidig ganz recht gehavt, wenn er den Vorgang vom 6. Januar in diesem Saal? eine schimpfliche Kapitulation der Ver- sammlung vor der Straße nannte: auch die Kritik Leidig? an Paulsen Hobe sachlich das Richtig« getroffen. Dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts ficht auch da» Zentrum m i t Ruhe entgegen, denn Recht müßMecht bleiben. Die Drohung des Herrn Koch in seiner neuen WüiM als Landtaqsabgeordnetcr mit der Revision de» Gesetzes Groß-Berlin ist dem Zentrum reichlich unangebrachk und als Thealerdonner erschienen. Der sozialistische Mogistrat hat uns mit dem Etat eine wenig schmackhafte Suppe eingebrockt, die wir nun ouslosseln sollen: die Suppe ist deswegen so bös, weil Mermuth dreingemischt ist und Dörr gcmüse...(Vereinzelte Heitertest.) In den Aus- gaben stecken direkt ungesetzlich« Posten. Soll Berlin wieder hoch- kommen, so darf es nicht weiter gehen mit dem Klassenkampf, noch mst der Futterkrippenpolitik. Der Haushaltsplan geht an den auf 25 Mitglieder zu crwestern- den Etatsausschuß. m Skme Menschenkind. IT. Mütterchen. von Martin Andersen NexS. .L)ann reisen wir nach Amerika," sagte Stine und legte ihn wieder sorgfällig zurück..Letzt nrußt du schlafen, damit du gesund zur Reise bist!" D« Knabe sah sie mit großen, gläubigen Augen an und legte sich zurecht. „Es ist eine Schande, denn sonst ist der Junge so tüchtig und gut." sagte Lars Peter flüsternd.„Wie der eine Frage ..Kt seinem kleinen Schädel anpacken kann— und wie er die Einrichtung in allem versteht I Er weiß besser Bescheid mit Rädern und Getrieben in einem Pferdegöpel als unsereins. Wenn er bloß meine Lust zu vagabundieren nicht geerbt hätte!" „Ach, das geht vorüber!" meinte Stine.»Lch bin ja auch einmal immer fortgelaufen.". Am nächsten Tage war Christian wieder auf den Beinen und sang draußen auf dem Hof. An die Schule war die Mel- dung abgegeben, daß er krank sei, und damit ließ sich ein paar Tage auskommen— er war strahlender Laune. Er hatte die Reste eines alten Kinderwagens erwischt, den der Vater mit nach Hause gebracht hatte, und war damit beschäftigt, ein Fuhrwerk daraus zu verfertigen, worin die Kleinen gefahren werden konnten. Die Räder waren auf Achsen gesetzt; nun kam es darauf an, den Wagenkasten zu zimmern. Die beiden kleinen Geschwister standen gespannt dabei und beobachteten ihn. Paul schwatzte drauf los und wollte mittun, jeden Augen- t'ick fuhren seine kleinen Hände dazwischen und stifteten Un- heil an. Aber Schwester Elie stand stumm da. mit großen. versonnenen Augen.„Das liebe Kind träumt immer." sagte Etüte von Ihr,„Göll weiß, wovon sie träumt!" Stine sellist träumte anscheinend nicht, führt« vielmehr ihren Tag ganz wach zu Ende. Das Leben halle ihr bereits die strengen Pflichten einer Erwachsenen auferlegt, und sie hatte sich mit einer eigenen Robusthelt ausgerüstet, mit der {ie den Verhältnissen entgegentrat. Für die andern war sie las strenge Hausmüllerchen. das schnell zu arbeften verstand und. wenn'« nötig war, auch einen kleinen Klaps austeilen konnte. Ab« unter der Oberfläch« lebt« ihr Kindersin» weit« m und führte heimlich seinen eigenen Haushalt. Don dem. was sie erlebte, bildete sie sich eigene Vorstellungen und Ansichten, von denen sie nicht sprach, sondern die sie sür sich behielt. Am schwersten wurde es ihr, sich damit vertraut zu machen, daß Großchen tot war, und daß sie nie, nie mehr zu ihr hinüberlaufen sollte. Das Zusammenleben mit Großchen war ihre eigentliche Kindheit gewesen und stand dauernd stark und lebendig vor ihr— unoergeMch. wie Erwachsenen Km- derglück vor Augen steht. Am Tage war kpin Zweifel möglich, Großchen war tot und in die Erde gelegt, sie kam nie wieder. Am Abend jedoch, wenn Sllne in ihrem Bell lag. mürbe und erschöpft von ihrem Tagewerk, und es dunkel im Limmer war, dann verspürte sie den Drang, selber klein zu sein, und kuschelte sich auf eigentümliche Art unter der Decke, wie wenn sie sich zärtlich an Großchen anschmiegte. Und während sie in den Schlaf hinüberglllt, fühlte sie den Arm der Alten schützend um sich und war wieder Kind. Die Müdigkeit rumorte in ihrem Körper, aber Großchen nahm alles weg— das kluge Großchen. das den Männern die Gicht aus dem Leibe ziehen konnte. Meistens endigte das Zusammensein dann mit dem Entsetzlichen— Grnßchens Kampf mit Sörine. Und Stine erwachte davon, daß Lars Peter über das Bell gebeugt stan» und beruhigend durch das Dunkel sprach. Sie hatte geschrien! Er verließ sie nicht, bis sie wieder einschlief— und preßte seine große Faust gegen ihr Herz, das wie bei einem Vogel in Todesangst arbeitete. In der Schule spielte sie nicht, sondern ging stets für sich. Die andern machten sich nichts aus ihr. und sie war auch keine gute Spielgefährtin. Sie war wie eine steinige harte Frucht. die mehr rauhes Weller als Sonne mitbekommen hat. Gesang und Spielreftain wurden biller in ihrem Munde, und ihre Hände waren schwielig. Der Lehrer sah es. Eines Tages, als Lars Peter vor- überkam, rief er ihn herbei und fing an, von Stine zu reden. „Sie muß In«ine andere Umgebung kommen," sagte er— „irgend wohin, wo sie neue Kameraden finden kann. Vielleicht hat sie zu Hause zu viel zu versorgen für ein Kind in ihrem Alter. Sie sollten sie wegschicken. Für Lars Peter war das wie ein Schlag ins Genick. Cr hatte großen Respekt vor den Worten des Lehrers— das war ja«in Mann, der in diesen Dingen sein Examen bestanden hatte; ab« was sollte« ohne sein brav« Hausmüllerchen Die Vorlagen wegen Berkouis eines Grundstücks in Berlin- Schönebcrg, Ecke Jnnsb rucker und Frhr.-vom-Stein-Stroße und betr. den Verkauf einer Parzelle in der Gemarkung Ruthe- und Saar- wiesen werden angenommen. Die Vorlage betr Einrichtung einer Stadtrechnungs» kämm er wird nach den Ausschußvorschlägen ohne Debatte ge- nehmigt. Darauf begründet Koch die Anfrage der Deutschnationalen wegen der Diebstähle im siädkischeu Osthafen. Stadtrot Schöning gibt die Antwort namens des Magistrats. Es sind zahlreiche Diebstähle vorgekommen: es haben wiederholt Warnungen, auch zwei- und dreimalige, stattgefunden. Die uns van dem Direktor vorgelegte Liste der Entlassungen war unrichtig: einige der als entlassen Aufgeführten sind weiter beschäftigt worden. Am 5. März 1920 hatte der Magistrat die Entlassung jedes beim Diebstahl Betroffenen verfügt: diese Verfügung erklärte der Di- reltor nicht zu kennen.(Hört, hört!) Die Kontrolle ist auch nicht lückenlos durchgeführt worden: auch ein beim Dieb- stahl ertappter Bodenmetster war noch im Amte, als die Untersuchung begann. Auf Wunsch des Betriebsrats ist die Kontrolle beim Ver- lassen des Hafens eingestellt worden,„weil sie unliebsames Aufsehen errege."(Hört, hört!) Um in das Dunkel hineinzuleuchten, habe er (Redner) beim Mogistrat die Entlassung des Direktors beantragt, desgleichen die Beurlaubung des Betriebsrats. Im letzteren Falle habe der Staatsanwalt die Untersuchung geführt, und schließlich habe der Betriebsrat seine Funktionen wieder aufnehmen dürfen, da Strafbares nicht festgestellt wurde. Zahlreiche Firmen hätten über Mankos an Zucker- und Mehlsäcken, an Wein u. dal. Klage geführt: bestimmte Straftaten wären den Arbeltern hes Osthafens nur in vereinzellen Fällen nachzuweisen gewesen, obwohl die füngsten Be- standsausnahmen diese Mankos zum Teil bestätigt hallen. Einige Mankos seien durch den Direktor auf dem Wege einer anderen Der- buchung der Wiegegebühren„ousaegtichen" worden. Wenn die Waren richtig angeliefert seien, müßt? das Fehlende gestohlen mar- den sein: ein Manael an Kontrolle erscheine bei der Unmasse von Personal als tatsächlich ausgeschlossen. Das schmähliche System, das sich dort eingenistet habe, müsse mit allen Mitteln bekämpft, das verlorene Vertrauen wiedergewonnen werden.(Lebhafter Betfall.) Schmidt(Komm.) führt«ine Reihe von Umständen an, die die gegen den Betriebsrat erhobenen Vorwürfe zu entkräften ge- eignet feien. Direktor Fischer sei Marineoffizier gewesen und Hab« von dem Betrieb« keine fachmännische Kenntnis besessen. Bei der Untersuchung sei der Betriebsrat svstematisch ausgeschlossen worden. Die Arbeiterschaft des Osthasens könne das Vorgehen des Stadt- rats Schöning nicht gutheißen. Die Fraktion verlange noch wie vor die Einsetzung eines unparteiischen Umerjuchnngsausschusses. Stadtrat Schöning: Der Betriebsrat hat stundenlang Ge- legenheit gehabt, sich zu äußern: das hat er nicht getan. John(U. Soz.): Die ganze Art des Betriebes, wie sie sich im Kriege gestalletc, hat es mll sich gebracht, daß auch die Arbeiter- schaft in den Sumpf-mit hineingezogen wurde. Die von den Firmen mitgeteilten Verfehlimgen find erst nachträallch auf Anfrage angt« geben worden: sie liegen ein, auch zwei Jahre zurück. Warum ist man nicht schon damals damit hsrousgekommen? Dem Betriebsrat muß zu seiner Ebre nachgefaat werden, daß er sich um die Auf« deckimg der Diebstähle bemüht hat. Die Maßnahmen der Ver» waltung aber waren unzulänglich; das verhallen des Hosendirektors hat vielfach zur fchärfftcn Kritik herausgefordert. Die Spitzen� Organisation der Betriebsräte hat zu der ganzen Angelegenhell aus« fiihrlich Stellung genommen; es wird dort der mangelhaften Auf- ficht die Hauptschuld zugeschoben. Die Korruptionscrfchemunqen sind in der Zeit des Krieges und nach dem K riege ü b e r ol l zutage getreten: sie sind eine Folge her Kriegszeit. Für einen nochmaligen� lintersuch, mgsausschuß liegt kein Anlaß vor. Koch erklärt sich durch die Antwort des Stadtrats befriedigt. Der Antrag Gäbel wird abgelehnt. Schluß der öffentlichen Sitzung nach �10 Uhr. Die Mrbeitslosenüemonstration. Nachdem der Zug der Arbeitslosen vor dem Rathaus ange- langt war, begab sich eine Abordnung von etwa 10 Demon» skrantpn in die Eingangshalle. Sie wurde von den Stadträten anfangen?«Wir sollten alle sehen, von hier wegzukommen," dachte er.„Hier gibt's nur langwellige Scherereien." Rein, zu Ansehen brachte man es hier nicht— nicht einmal Verkehr fand man! Er war dahin gelangt, sich nach Mll- menschen zu sehnen, und dachte oft an seine Verwandten, von denen er sell Jahr und Tag nichts gesehen und kaum etwas ge» hört halle. Dos Verlangen nach feinem Heimatsort befiel ihn, den er einst verlassen halle, um den Schinder abzuschütteln. und er trug sich ganz im geheimen mit dem Gedanken, den ganzen Plunder zu verkaufen und in die Heimat zurückzukeh- ren. Von dem Urteil der Leute konnte man sich ja doch nie freimachen, wie es schien, wohin man auch in der Welt zag. Hier zu bleiben, bereitete keine Freude mehr, und ohne Freude war auch kein Fortschrill möglich.„Fast nichts bringt Segen." dachte er. Mit Ausnahme der gesegneten Kleinen— und d»e würde man ja mitnehmen. Daß er sich im Innern auf den Aufbruch vorbereitete. machte die Dinge nicht besser; alles gewann dadurch dos Gepräge des Vorübergehenden.. Man mußte mit dem richtigen Zupacken warten, bis man in den neuen Verhältnissen war — mochte es nun werden, wie es wollte. Lars Peter und Stine besprachen die Sache zusammen, und sie hatte nichts dagegen, anderswohin zu ziehen, gleichgültig wohin.'Sie hatte nichts zu verlieren, der Gedanke an etwas Neues barg lauter günstige Verheißungen in sich. Ins- geheim trug sie sich mll einer eigenen kleinen Erwartung von etwas, das kommen würde— bloß hier nicht; der Ort hier war ja verflucht. Es brauchte nicht gerade der Prinz zu sein. von dem Großchen im Spinnlied gesungen hatte— an ihn zu glauben, dazu war sie zu klug: Prinzen verheirateten sich gewiß nur mit Prinzessinnen. Aber es gab doch genug, was ge- fchehen konnte, wenn man dem Schicksal nur die Gelegenheit bot— Stine war nicht anspruchsvoll. Ihr dürstig genährter Sinn sah das Ganze vom Grunde aus, es gab für sie nur ein Empor..Llber es muß ein prt sein, wo Menschen wohnen." sagte sie.„Richtige Menschen!" fügte sie hinzu und dachte dabei zumeist an die kleineren Geschwister. So plauderten sie weiter, bis sie sich darüber einig waren. möglichst bald zu versuchen, das Ganze zu verkaufen und weg- zukommen. Es geschah jedoch etwas, das sie eine Zeitlaug veranlaßt«, ihre Auffassung vom Dasein zu verändern uno ihre Pläne zu v«gessen.(Forts, folgt.) �intze, Wsge und Weise sowie den Stadtverordneten Egner. Koch, Dr. Schneider u. a. Vertretern aller Fraktionen empfangen und trugen ihre Wünsche vor. Ein Mitglied der Abordnung war mit dem E. K. I und anderen Auszeichnungen geschmückt! Stadtrat chintze einigte sich mit ihnen, worauf die Führer der Abordnung vom Balkon des Rathauses aus zu den Demonstranten sprachen. Auch Stadtv. Adolf H o s f ni a n n versuchte durch~iehr malige Ansprachen die erregten Gemüter zu beruhigen. Gegen 8 Uhr begaben sich die Obdachlosen zu dem städtischen Obdrch in der Fröbelstraße. Zu Zusammenstößen mit der aufgebotenen Schutzpolizei ist es nicht gekommen. Morögerücht. Geheimnisvoller Tod eines Tlchkzigsährigen. Ein 80jähriger Sonvcrling ist in Schöneberg gestorben und da fein Tod unter recht sonocrbaren Umständen erfolgt ist, so erregte er mehr Aussehen, als der Lebende während feines SOjährigen Erdenwallens wohl je erregt haben mag. Es wurde der Mord- bercitschaftsdienst der Kriminalpolizei alarmiert und aufgeregte Leute ergingen sich in furchtbaren Mutmaßungen. Die Unter suchung förderte folgendes zutage: Im chause Fregestraße 76 wohnte der 80 Jahre alte Freiherr Arno o. Wangenhcrm. Der alte Mann, der bei der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft beschäftigt war. bewohnte in dem Gartenhaus zwei Stube, und eine Küche. Der hochbetogte Greis liebte es. sich von der Welt zurückzuziehen und diese Zurückgczogenheit ging so weit, daß er keinen Menschen in seine Wohnung hineinließ. Er ließ sich die Lebensmittel durch die Pförtncrfrau einkaufen, holt- sie sich dort ab und bereitete sich auch selbst in seiner Wohnung das Essen. Während seiner freien Stunden vertiefte er sich in seinen großen Bücherschatz. Seit Montag nach mittag, als er aus dem Geschäft heimgekehrt war, ist der Greis nicht mehr gesehen worden. Ein Bote aus dem Geschäft erhielt auf Klopfen keine Antwort. Die Kriminalpolizei ließ die Wohnung gewaltsam öffnen und jetzt fand man den Greis in der Küche tot auf dem Boden liegen. Die Wohnräume selbst boten das Bild eines ganz wüft-n Durcheinander. Man nahm zunächst an, daß Einbrecher dort gehaust und der Greis ihnen zum Opfer ge- fallen fei Die Aufnahme des Tatbestandes durch die Mordkom- Mission ließ aber ball) erkennen, daß kein Derbrechen vorlag. Merkmale, die auf einen gewaltsamen Tod des Greises schließen lassen, wurden an der Le'ch' nicht gefunden. Di-se wurde daher be- schlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht. Das Durcheinander in der Wohnung ist darauf zurückzuführen, daß der Greis nur wenig auf Ordnung hielt. Sein Tod ist wahrscheinlich plötzlich eingetreten, als er in der Küche dabei war. sich das Abend- essen herzurickten. Wahrscheinlich ist er schon am Montagabend er- folgt. Em Selbstmord ist ebenfalls nicht von der chand zu weisen, da der alte Mann besonders in dex letzten Zeit Selbstmord. gedanken geäußert hat._ Hungerstreik in Grabowsee. Die Pitieuten der Lungenheilstätte Grabowkee liegen. wie im.Vorwärts' schon gemeldet wurde, im Streit mit der Landesverncheriii'gsai'stnlt Brandenburg. Sie fordern Wieder- gewä�rung des früher üblich geweienen K l e i d e r g e l d e s. da? na» Entziehung der AnltaliSkleidung als eine Vergütung für Ab» nüyung der eigenen Kleider gezahlt wurde. Nachdem die Be- mübuiigen. eine Einigung beibeizufuhren. gescheitert waren, griffen die Patienten zu dem Mittel, die Liegekuren zu verweigern. Da auch das nicht den Erfolg gehabt hat, den vorstand der LaiideSverficherungsanstalt umzustimmen, so sind die Patienten am gestrigen Donnerstag in den Hungerstreik ein» getreten. Der Beschluß war. wie wir hören, am Mittwoch mit mehr als �z-M-hrheit der Patienten gefaßt worden. War eS wirkli d nölig lasse»? eS zu dieser Ve, schärfung des Streites kommen zu Geörohte Häuser in öer Irieörichstraße k Die Untergrundbahnbauten in der südlichen Friedrichstraße ge- stalten sich wegen des dort aus Faulschlamm bestehenden Unter- grundes äußerst schwierig, so daß zur Herstellung des Tunnels«in umfangreicher Pfahlrcst erforderlich ist. Beim Einrammen der Pfähle bildeten sich Verlockungen an den Bürgersteigen, da ein Teil des Faulschlammes durch die Grundwafferabfenkunq sich verdichtete. Die Häuser dieser Gegend, von denen einig« seit Iahren Risse auf- wiesen, sollen jetzt durch die Unterqrundbahr.bauten gelitten haben. So hat der Besitzer des Hauses Friedrich st raßeEckeBessel- st r a ß e jetzt ein Beweissicherungsverfahren gegen die H2*5r?ru"kt'Qö"?tefetIfchaft eingeleitet, um diese für entstandenen „Schaden haftbar machen zu können. Die bauausführende Firma hat ihrerseits wieder ein Beweissicherungsoerfahren eingeleitet, um nachzuweisen, daß die Schäden am Hause Friedrich'tr. Z8 nicht durch den Unterqrundbahnbau. sondern durch unzureichende Fun- da mentierung des Hauses verursacht sind. Die fortlaufend« Kontrolle der Häuser hat im übrigen ergeben, daß sie seit Inangriff. nähme der Rammarbeiten weitere Beschädigungen an den Vorder- fronten nicht erlitten haben.__ Roszschlachter in der Sommerlaube. Zwei gewerbsmäßige Fuhrwerksdiebe wurden von der Berliner Kriminalpolizei hinter Sckiloß und Riegel gebraSt. Es bandelt sich um die beiden Gebrüder Karl»nd Waller I e n s ch. die, wie ihnen nachgewiesen werden konnte, eine ganze Reihe von Fuhrwerken von der Srraße gestohlen baben. Das Brüderpaar fuhr dann mit den gestohlenen Wagen nach der Jung�ernbeide. wo sie d:e Pferde ausspannten und in eine am Tegeler Wea de- legen« Laube brachten. Dorthin wurde dann der Roßschlächter Keller aus der Elbinger Straße gebracht, der die Tiere ab« schlachtete»nd das Fleisch in seinem Geschäft verarbeitete. Als b,e Kriminalpolizei hinter das Treiben kam. fand sie in der xanbe noch zwer Pferde, die gerade abgeschlachtet werden sollten. Die Felle der Tiere waren nach einem Laubengelände bei Weißensee gebrach, und dort verkaust worden. Die Ermittelungen, wo die gestoblenei, Wagen und die Ladung geblieben sind, waren jedoch bisher epgebniSloS. Mirteilungsn. die zur Aufklärung dienen können, werden von der Dienülielle VIS der Berliner Kriminal- Polizei im Zimmer 882 entgegengenommen. Zusammenbruch des Korruptionsjchwinöels. Die gestrige Verhandlung im Sonnenfeld-Prozeß be deutete einen völliger, Zusammenbruch der Clique, die länger als eio 3ahr Oessenllichkeik und Presse mit Ihrem Sorrupiionsgeschrei gegen die Sozialdemokratie erfüllt hat. Der Urheber der ganzen Sache, der Defraudant Ernst Sonnenfeld, kapitulierte glatt. Er. der das berühmte„Material* geliefert hatte, Material, das„viele Millionen wert sein sollte, Material, besten Veröffentlichung„eine neue Revolution hervorrusen* würde, er nahm gestern reumütig alles zurück. Sonnenseld zun. erklärte, daß er keine ungerechtfertigte Bereicherung des Herrn Georg Sklarz behaupten könne, daß er die anderthalb Millionen unterschlagen und nicht„zurückgehalten* habe, weil er Regreßansprüche besorgen mußte. Er schloß mit den Worten: „Ich sehe Zehk ein, bah an der Sache nicht» ist.* Damit ist der große Schwinde! restlos in nichts zer- flogen, der die reaktionre und linksradikale Presse monatelang von der„korrupten Sozialdemokratie* hat reden lasten. Auch, der Prozeh Sonnenseld wäre damit im wesentlichen erledigt gewesen, da der Hauptangeklagte Ernst Sonnenfeld auf weitere Zeugen v e r- z i ch t e t e. Da aber sein Dater, der offenbar geistesgestörte Her- mann Sonnenfeld, auf feinen Schein bestand, so mußte nun noch der Spiritus rector der ganzen Sache, Georg Davidsohn, vernommen werden. Die init großer Spannung erwartete Aussage des„Enthüllers und Parteireinigers* ergab ein Nichts. Daoidsohns sehr breite Aussoge bildete eine mit großer Wichtigkeit vorgetragene Aneinander- reihung von allerhand Nichtigkeiten, von Porteiklatsch und-tratsch niedrig st er Ordnung. Davidsohn suchte seine Aussage interestant zu machen, indem er mitteilte, was ihm an- geblich andere Parteigenosten in der Sache gesagt hätten. Soweit wir diese noch erreichen konnten, haben wir feststellen können, daß Davidsohn mit Aeußerungen, die ihm— damals noch als geachteten Parteiangehörigen— von Parteigenosten gemacht wurden, zum min- dosten sehr subjektiv umgesprungen ist. Der Zeuge D a v i d s 0 h n schilderte ausführlich die bekannten Vorgänge in der Partei, die aus sein und Baumeisters Be- treiben eingesetzte Untersuchungskommisston und ihre Verhandlungen. Der Untersuchungsausschuß war, wie der Gerichtsvorsitzende fest- stellte, zu dem Ergebnis aekommen. daß die maßlose Hetze, die monatelang gegen Parteiführer getrieben wurde, keinerleisach» l i ch e Grundlage habe. Davidsohn suchte dies Ergebnis dadurch zu diskreditieren, daß er behauptete, der Untersuchungsausschuß hätte zum größten Teil während der Verhandlungen ge sitzende selber Daoidsohns Ausfüllungen entgegen, indem er be- tonte, daß Dinge, die Davidsohn als sehr bedenklich hinstellte, sich in der Verhandlung als ganz harmkss und elnwaudfrci erwiesen hätten, so z B. die verschiedenen Ausweis« und B«- s ch e i n i g u n g e n für Sklarz. Mit Recht wies auch der Gerichts- Vorsitzende darauf hin. daß in den erregten Ianuartagen, wo alles drüber und drunter ging, doch nicht dieselben An- sorderungen an Buchführung gestellt werden konnten, wie im kiefste» Jrieden. Davidfohn wollte das für Sklarz nicht gelten lassen. ebensowenig, daß Sklarz durch seine Tätigkeit für das Regimen: Reichstag zur Niederwerfung des Spartakusausstandes beigetragen habe. Das Geld hätten ganz andere Leute gegeben.(Davidfohn, der damals für die„F r e i h e i t" schrieb, wohl nicht.) Davidfohn erklärte dann weiter einen Preisaufschlag von fünf Prozent'am die gelieferten Lebensmittelwaren für„ungeheuerlich": er mußte stch aber von dem Angeklagten E r n st Sonnenseld selbst sagen lasten, daß dies die Cnk'chädizung der Einkäaf« für ihre Mühewaltung gewesen sei. AußerdSW sind die fiinf Prozent nur auf den kleinsten Teil der Lieferungen ausgeschlagen worden. Selt- sames kam dann noch zur Sprache, als der Jall Rhodin mit zur Besprechung gelangte. Davidsohn, der Vorkämpfe? der Wahrheit, gestand offen zu, sich einer groben Unwahrheit schuldig gemacht zu haben. Als nämlich der Anwalt des Herrn Sklarz von ihm die Zurückgabe der Sklorz entwendeten Papiere ver- langte, erweckte Davidfohn absichtlich den Anschein, als ob er— da- mals noch Reichstaasabqeordneter.— die Papiere hinter sich habe, während in Wirklichkeit er sie der Familie Sonnenfeld zurückerstattet hatte. Von Rechtsanwalt Dr. Pröll wurde es als ein bedenklicher Eingriff in das Vorgehen der Behörden bezeichnet, wenn ein immuner Reichstagsabgeordneter ben_ Eindruck erweckt, er habe wichtige Papiere noch im Besitz�, während er sie in Wirklichkeit den interessierten Personen zurückgegeben hat. Das war das Ergebnis der Aussage Davidsohni Am Schluß der Verhandlung teilte der Vorsitzende noch mit. der Generalstaatsanwolt habe die Genehmigung erteilt, baß Stoatsanwaltschaftsrot Gut- jähr über die von der Verteidigung gestellten Frozen— mit einer Ausnahme— vernommen werde. Außer diesem sollen am Freirag noch die Zeugen Martin und Kurt Sochac.zewsti sowie die Sachverständigen vernommen werden. Damit dürfte dann die Beweisaufnahme beendigt sein, und am Montag werden vor- gu»»» li/ VI M i V«« i/Vi V i V« n l/ V 14 1» M V«1 Ö*----'>'' schlafen und nicht zugehört! Mehrsach trat der Gerich tsvor»l aussichtlich die Plädoyers beginnen. der Angeklagt«, als er beim Standesamt Friedrichshagen die De- sreiung von der Aufgebotsfrist beantragte, einen solchen A u s« i n- andersetzungsscheiu des Amtsgerichts Lichtenberg und ein angeblich vom Kammergericht ergangenes Ehefchetdungs-.. V....,_. "rt« i l vor. Bede Schriftstücke die er auch bei der Eheschließung �- selbst vorlegte, sind von dem zweiten Angeklagten, der seinerzeit verm gl. iwt.(.eujits.) Bez.r.smgrcr»nd«mtai.imsuui.ciiaB• Amtsgericht Lichtenberg tätig war, fälschlich angefertigt worden, wie dieser angab, auf sortgesetztes Drängen des Hellwig, der von se nen Schwiegereltern bestürmt worden sei, die Ehe'chließung zu beschleunige». Dem Angeklagten Hellwig wurden noch mehrere Diebstähle zur Lost gelegt, die er aber bestritt, sodann verschiedene jlreditschwindeleien. bei denen er sich als„Diplomingenieur* zu be- ze'chnen pflegte. Für den Angeklagten Aktuar Fleischer machte Rechtsanwalt Dr. Schwindt geltend, daß dieser bis dahin a's Be- amter sich nichts habe zuschulden kommen lasten und deshalb die Mild« des Gerichts verdiene, weil er ganz unter dem Einfluß des sehr gewandten und energischen Mitangeklagten aestanden haoe.--------,-----------------------„.„- Dns(Berrfit verurteilte ZZellwia zu 3 Jahren Gefängnis FkstsÄen, Neue Friedrich slr. Z?, Sitzung sdinilicher Ob. und Dertrouenzninnnrrr <5, verurren.e ryeuwlg z O II_|» Smpfangnttljme der Sa»dz-Nel plr die Mitgliederversammlung am DlenZta�. unter Anrechnung von 7 Monaten. Fleischer wegen semer leicht- 1 � 15. d. M. Erscheinen aller unbedingt ersordc-lich. 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung Hroß-Serliner parteinachrichsen. Heute, Areltag. den tt. März: im Nestaurant Sund- jeden Freitag abend. >Stexlitz.) Bez.r.smdrcr'»nd Ägilal.unsau-.chug.«Semetinume Sitzung beule abend 8 Uhr bei Clement. Dilppelltr 7. «t. Abt.(Lichtenberg). AdteilungZvrrsammIung in der Schulaula itran- prinzcnftr. 10. Referent Alex Knall. Zuaafazialistes. Gruppe Narben: Mitgliederversammlung 7 Uhr in der Schulaula, Putbuser Str. S/S.- Gruppe b-rmadars: 7(4 Uhr im Zugrntchcim. Roonstraß«, Lortrag über„Jolschewismus und Sozialismus'.— Gruppe Lichterscld«: 7 Uhr im Jugendheim, Albrechtßr. IIa, Bortrag über„Dvutlcha Poliiik'. Referent Genosse Kllihs..„, � -.--r--—---------- Martin. Luther-S,«3, Das Erscheinen atz« Ist dringend notwendig._, «ernan. Mitgliederversammlung 8 Uhr im Elnssum, Saal neben dem Lebensmittelamt. Referent W. Langer:„Stellungnahme zum Wahlausfall. Werbeausfchutz sozialdematratilcher Palizeibcamter. 7 Uhr IN Haberlands riedrichftr. Z?. Sitzung fdmllicher Ob- und fertigen Verfehlung zu von 10 Monaten Untersuchungshaft. der Gerichtsbeamte als Ehestbieber. Unbegreifliche Verfehlungen eines Gerichtsbeamten, der«in ganzes gerichtliches Ehescheidungsurteil fälschlich angefertigt hat, kamen in einer Verhandlung zur Sprache, die die Strafkammer des Landgerichts II beschäftigt«. Wege Doppelehe, Gebrauchs gefälschter Urkunden, schweren Diebstahls in 3 Fällen, intellektueller Urkunden- fälschung, Betrugs und versuchten Betrugs in zahlreichen Fällen war der Architekt Wilhelm Hellwig angeklagt, der Gerichtsokwar Willy Fleischer wegeri Beihils« zur Urkundenfälschung. Hellwig, der van se ner Frau getrennt lebt, stand mit dieser im EMckei'iungrprozeß. Roch bevor dieser beendet war, schloß er ein« neue Ehe vor dem Standesamt in Friedrichshogen mit einem Mäd. cken, mit dem er schon vorher zusammen gelebt hatte. Da er aus seiner erst«!:, nicht geschiedenen Elze Kind besah, bedurfte er zum Zwecke der Wiederverhetratun» eines Allseimrnde'rsetzsng<-ZsugWff drtNffiii Vi■'w. f Ig ♦->!(•>.»»-'-----— f..j Aukoverkehr zwischen Potsdam und Wannsee. Der Kraftmagen- verkehr in den Marken hat jetzt auch einen Autoverkehr zwischen Potsdam und Wannsee eingerichtet. Der Verkehr geht an den schönsten landschaftlichen Punkten Glienicke, Neubabelsberg und Kohl« hofenbrück entlang. Zentratauskunslflelle für Kriegsschäden. Entsprechend einem im Reichstag bei der Beratung der Krtegsfchädengesetze geäußerten Wunsche hat das Reichsministcrium für Wiederaufbau beim Reichs- kommistariat für Auslandsschäden in Zchlendorf, Am Urban, eine Zentralauskunftstelle für Kriegsschäden eingerichtet, die den Ge- schädigten auf dem Gebiet des Entschädignngswesens, wie es sich aus den zahlreichen im„Rkichsgesetzblatt* und„Reichsanzeiger* verstreuten Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien, betreffend die Gewährung von Entschädigungen für Kriegsschäden, ergibt. Aus- kunst geben soll Entsprechende Anfragen sind an die Zentralaus. kunststelle für Kriegsschäden in Berlin-Zehlendors, Am Urban, zu richten. Die E'nkraqunq der Kohlenbezugscheine für Zentralheizung, Warmwasserversorgung und Ofenbrand muß bei den zur Beiieserung bereiten Kohlenhändlern seitens der Derrbaucher bis zum 15. d. M. vorgenommen sein. Verbraucher, welche die Eintragung eines Händ- lers auf dem Bezugschein bis zum 15. d. M. nicht herbe führen konnten, haben ihre Bezugscheine mit entsprechender Mitteilung dem Kohlenamt Berlin, Abt. Zentralheizung,«inzureichen. Ter VolkSÄor Trmpelhof-Maricndorf(M d..?l.S..B.) oeran- flallct om Sonnabend, den 12. d. MtS, abends 8 Uhr, in der Aula des Gymnafinm». Kaiiersiraße, ein Volkstonzert. Da da» Konzert unler Mit- Wirkung deS Bondiumvereins einen genunrelchen Abend verspricht, werdin unsere Anbänger ersucht, diese Veranstaltung durch zahlreiches Erscheinen u unterstützen. 81.«it.(Fri-den-u). 51» Flugblattveebreitmig findet am Sonntag, den 1Z. März, vom Lokal Gundlach, Odenwaldstr. lg, aus statt. S.P.D., Gef-ng-.u-bil-a-stnnde». Der Grtangvere!»„Die Liederfreunde", Bezirk Borsiawald-.Bitt-nau. holt von>etzt ab seine Kesa-iosswnb-n in Tegel. Lakai.„Zum Friedensrichter'(Inhaber Schöbe). Beidtsira-io, eck- Ber- liner Strasse, ad. Di« nächste Gefangostunde findet Montag, den 14. März. statt, und nicht, wie bisher, am Freitag. Jugenüveranftaltungen. Heute, den 11. Illärz: Shael»tte»d»rg: Rofinenstr. 4, Vortrag:„Wie soll man mander:.?'— N-nlilln: Rogatstr. 5Z, Vortrag:„Eemeinschafts-rzi-hung'.—»ordoft: Schule Pastcurstrasse, Vortrag:„Rcvowtioncn". Gin« Mödch-ntonferenz findet Sonnabend, den 12. März, abends'-7 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde. EW.«8, Liodenstr. S, 1. Hos links, stall. Mmschau. Obzläich eine solche Auseinandersetzung nicht ftattgejunde« Hai, legt« t Auerteiuumg. Ein Obcrschlesten-Mlm. „Brennendes Land', ein Spieldrama aus OZerflklcLen von Maximilian Ackers, wird in den Deklalichlipieien, Unter den Linden 2l, gezeigt. Mit diesem Wert hat sich die Filmindustrie in den Dienst der oberschlesischen Propaganda gestellt." Diesem Zweck entsprechend ist die Handlung einfach und die Pbotoaraphien sind teilweise ausgezeichnet. Kern der Handlung ist eine au« dem Nationalitätenstreit erwachsene Feindickaft zwischen zwei Brüdern. von denen der polmich gesinnte nach Polen flieht, weil er seinen Bruder durch einen Mefferstich schwer veileyt hatte. Die Bebandluna. die ihm in Polen zuteil wird— er wipd zum Kriegsdienst gevreßt. entflieh» jedoch mit emiaen Hindernissen nach der oberschlesischen Heimat— gewinnt ihn für die deutsche Sache. Nebenher läi'.it die übliche Liebesgeschicht«. Es werden Ausschnitte au« dem Leben eines polnischen Generals und seiner Geliebten gezeigt, deren Luxus in scharfem Gegensatz zu der armseligen Umgebung steht. Nur die im ührigen ausgezeichnet gespielte Rolle eines polnischen Agitators ist— wohl mit Rücksicht auf den beabsichiigten Zweck— reichlich primitiv. Aber: alles in allem eine gelungene Sache. Die Dar- steller: Marie Wismar(Frau Walewsli), Ernst Deutsch. Curt Vespermann, Geo Bergall(ihre Söhne), die Versasterin als Braut des Mesterhelden, John Gaiia als polnischer Agitator, Albert Steinrück ider polnische General) und Lhda Selmanova als seine Geltebte, sowie alle dic zum Gslingezi beigetragen baden, verdiene:! Mus alier Welt. �remöcnl-flionstvcrber in Teutschland. Neuerdings finden, wie das Wolff-Bureau mitteilt, in größerem Umfange Anwerbungen für die französische Fremdenlegion statt. In erster Linie erfolgen die Werbungen zwar in den besetzten links- rheinischen Gebieten, doch ist auch aus dem unbesetzten Deutschland das Auftreten von Werbeagenten gemeldet worden. Mehrmals konnte festgestellt werden, daß Angehörige französischer Kommissionen oder französische Soldaten den Bewerbern die meistens im besetzten Gebiet belegenen Werbe- und Sammelstellen bezeichnet haben, an die sie sich wenden sollen. Derartige Werbe- bureaus bestehen in Köln, Bonn, Sieg bürg, Euskirchen, Frantfurt-Griedheim, Mainz. Landau, Ludwigfrf Hafen und Neustadt. Bon diesen Stellen aug werden die sio,. Meldenden mit der Eisenbahn, häufig unter militärischer Bedeckung. nach französischen Kasernen transportiert, wo sie meist erst d'n wahren Zweck der Anwerbung erfahren. Dort erfolgt strenge Bc- wachung und noch ärztlicher Untersuchung und Tauglichkeitsbefund der Abtransport nach Frankreich In geschlossenen Trupps. Gegen diese zwangsweisen Anwerbungen zur Fremdenlegion wird jetzt mit ollen gesetzlichen Mitteln nachdrücklichst vorgegangen, ß 141 des Strafgesetzbuches, der durch den Zlrtikel des Friedensoerrrages nicht außer Kraft gesetzt ist, bietet dazu die Handhobe. Gegen Deutsche, die sich mi: einer solchen Werbetätigkeit befassen, wird mit ollem Nochdruck eingeschritten. Da noch den fron- zösischen Bestimmungen für den Eintritt in die Fremdenlegion im allgemeinen ein Lebensalter von 20 Iahren vorgeschrieben ist, besteht die Möglichkeit, bei der französischen Regierung auf die Freilassung minderjähriger Personen hinzuwirken, sofern dies von den Angehörigen beantragt wird. Solche Frei- lastungsanträge müsten polizeilich beglaubigt und in doppelter Ans» fertigung mit den erforderlichen Unterlagen dem Minister des Innern eingereicht werden.____ x ♦-<- Sohlenschieber zu Dosier. Dem Reichswasterschutz, Krupp« Breslau, ist es gelungen, eine weitverzweigte Schiebergeselstchaft aist. zudecken, die mit gefälschten Wiegekarten Dampferkohle verschoben yal. Noch den bisherigen Ermittlungen dürften von November 1820 bis Februar 1921 etwa lZOSS Zentner Kohlen der AUgemeinb'si entzogen worden sein. Annähernd 500 Zentner wurden befchlag- nahmt. Acht Beteiligte wurden verhaftet. Bisher sind dreißig Per- sonen in die Angelegenheit verwickelt. EhurchiN ausgepllffen. Aus Alexandrien wird gemeldet, daß i Churchill bei feiner Ankunft von Jugendlichen ousgepirjje:: worden iijfc Zw« Polizipe« wurden verwundet. Kritik am 7nnenministerlum. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung stand zu- nächst der Bericht des Reichstagsausschusses über die Verbilligung der Verwaltung. Dem Regierungsoorschlag entsprechend soll ein Ausschuh eingesetzt werden, bestehend aus dem Reichsminister des Innern als Vorsitzenden, 6 Mitgliedern des Reichstags, 4 von der Reicheregierung zu ernennenden Mitgliedern und 4 Mitgliedern des Reichsrats.— Auf Vorschlag des Präsidenien wird die Beratung mit dem Reichsininistenum des Innern verbunden. Neichsministerium ües Innern. Die Aussprache wird sortgesetzt. Abg. Dr. Schreiber sZentr.): Wir unterstützen alle Mahnahmen Hebung der A o l k s ni o r a l und begrüßen besonders das daß sich Oberschlesien für das deutsche Vaterland aussprechen wird, und sich nicht van Ost- und Wcstpreutzen in der Anhängüchtcit an das deutsch« Volk wird üdertresfew lassen..-» 12. Miirz, 7 tibi-, Sibunz bei Kcinrich, Rnnsegr. 7.—«onn'.oLSIlioren: l. Abt. nnef) D'.cinkeiifclde. Stert l'/i Uhr Mlvwstr. 58.— 2. Wt. -8ter"*----- I__ - 2. Wt. ssrUbisur i(Salinianr); Start IWilhelnisbos). Start nach dem- Llepnltzs-e. Start 8 Uhr? nechm. 1 Uhr Bernau......______________ 1 Uhr gsntanrpromenade 18.— Z. Wt. nach Lirtchaarten IWilhelmsboO. Starr ' e 1; llyr.— 4. Abt. Anfahrt ncch Johannisthal(Vote). Start 1 Uhr Web«» miese. Ecke granksurier Allee.— 5. Abt. Fmnilienlour nach Hirschgarten iWilhelmshofi. Start 1 Uhr Komturciptatz.— 6. Abt. Sonnabend: Gemüt liches Beisammensein bei Vitttncr. Pflicht Aller ist es, zu erscheinen. Sonntag 1 Uhr Köpenick lSchwctzergarten).' Start ftoponhoctener Str. 28.— 7. Abt. nach Dernau(Salzmanni. Slort 12 Uhr Schul-, Ecke Prinz-Eugen, Sirah«.— 8. Abt. Früh 6 Uhr nach BeeNtz(Heilstätte): nachm. nach Nvwaroe?(Singer). Start 12 Uhr Waldstr. 8.— 9. Abt. Tour wird am Start Branden hnrgslr. 22 bekanntgegeben.— Ortsgruppe Neukölln. Bezirksfcst in Grünau. Start' Uhr Richardplatz.— Ortsgruppe Eharlotteabneg. Zum Bezirkssest nach Grünau. Start 7'4 Uhr„Birnbaum", Goloanistr'he. Arbeiter» Ziadiaheer. Verein„Kroß-Derlin". Sonntag nachmittag IV. Uhr Katerbummel nach Johannisthal(SenMeben). Start Mariannenplatz. T.-B.„E'.c Nptnrfrcunde", Abt. Bebdina(bisher„Kreier Wanderbtmd"). 13. Marz Erkner— Stahlberg— Wusterhausen. Abfahrt 7 Uhr vorm. Schief. Bhf. ntegnung ''S'"';'/'"'''/'".' Anzüge unserer eigenen Konfektion, aus guten, haltbaren Stoffen und Frladenazutaten verfertigt. 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MSrz t KostümSall Tombola Stimmung An die Abonnenten Es wird darauf hingewiesen, daß die AuffQhrnngsserie des vierten Abonnementsstackes(4. Abend) Der Kaufmann von Venedig Montag, U.Mürz beginnt Die Reihenfolge der Abteilungen für den 4, Abend ist folgende: 15.— 25. Abteilung, dann Abteilungen 27, 29. 31, 33, hierauf Abteilungen 1—14.* ApoUo-Thcafer ?>/- Direktion: James Klein. 7'/, MmMMRilttM Das große Ausstattungsstück In 4 Bildern i i Uhr Madame Sabarrg's f Siebesleben mit der weltberühmten| Saharet i Unter den Linden 44 Casanovas Sohn Eugen Burg, Mady Christa,>5, tlelnr. Schreib. Hans Albers ( als Gräfin Dubarry. 1 Ueber ISO Mitwirkende!— Sonntag 3V; das| vollst. Stück mit Sahnret.— Jeder Erwachsene I Kind frei I— Vorverk. ab 10 Uhr ununterbtoch.| S»WO«M Sarraaani jTägl.TU. Sonnt auch 3 U.. I Das Circus-Lchausiück: I ! Prärie und PuBta I Vorv.Clrcusk.ah toU ohne I I Unterbrech. geöffn. Tletz, j | Leipz.Str. u. 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Loebell, Präsident des Reichsbürgerrats; Dr. v. Lösch, Deutscher Schutzbund: Dr. Meerfrldt. M. d. 3t; Kaufmann Messer, Vorsitzender des Vereins.Rheinland"; Prof. Dr. SBoldenhauer, Rt d St: Generalleutnant z. D. Steve» du Skont: Dr. Züox Oshora: Dr. Mch Pfeiffer, SDL d R.; Dr. Rudots Presber; Recker. Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften; Staatsanwalt Retiene; Gliefredakteur Rlppler, M. d. 3t. Lorsu-ender des Reichsverbandes der deatfebnl Presse; Generaldirektor Rütte», Bad Reuenahr, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Bäderverbands; Geh Regicrungsrat Dr. Schellem; Preuß. Ministerium des Innern; Pros.». Schilling»; Reichswirrschastsmmister Dr. Scholz; Dr. Franz Secvaes; Dr. Karl Sonnenschein: Frau Elara Breblg: Verwaltungsdirektor Vogel; Svarveretn; v. si engen, Bereinigung deutscher Arbeitgeber verbände. Anfrage ,i:Mliaatzen!tr. LZ. Tel.: Roilendorf ÖOA). Pianos 1 gebrauchte, neue. 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Off. unL O, 20 an die(Spedition diese, Blattes 1S4B Zn der Stadt Magdednrq ist di, Stelle eine» Sladischulralas als M t.st'Ct-mitgüed zum tz Juli 1921 zu besetzen. Da» Dlensteinkommen rrchttt sich nach den Sägen der Gruppe 18 der staatlichen«esoldungsordnung. Eine Festsetzung, ob und wieviele der anderweitig verbrachten Dlenstsechr, auf da» Befoldunas- und Ruheqehalts-Dienstalter angerechnet werd« lullen, bleibt betonderer Berewbarung oordehalien Bewerber werden ersucht, ihre Meldungen unter Deisttgung von sieugniffen di» zum 15. Mai 1021 dem Unterzeichneten zugehen zu lassen. Eine genaue Kenntnis de« Bolksschvlwefen« und he« Verwaiwngssache« wwie möglichst der neuen Sprache» ist erwünscht. -'_ den 3 Mär» I02L der Swdi�ordneten-Bersammlmlg�� 2S MMarüen diktatkolken.]®{2 Mosk«»bs«dl-r. t *»• ÄS"?*"«»»rs",'?'"S r"»»W ÄÄSÄ ä Ä2Ä s 1 kuhrung des Friedensvertrages im Kapitsl 1 insgefa»t Kommunistische Jugend sollte"'" 292 737 500 M für dos Reichsministerium des Innern eingestellt zur Wmicklung der aus der Abtretung Elsaß-Lothringens und anderer Gebietsteile sowie aus der Flüchtlings- und Gefangenenfürsorge erwachsenden Geschäfte. Davon 07 000 000 M. für Besoldungen, Ruhegehälter und chinterbliebenenbezüqe der planmäßig angestellten Beamten der frü- Heren elsaßloihringifchen Landesverwaltung, 20 000 000 M. für Ab- transpvrt der Mobilien der verdrängten E'faß-Lothringer und 1 Züv 000 M. für die Bezahlung der vom Deutschen Reich zu be- gleichenden laufenden Derwaltungsschulden des Landesfiskus von Elsaß-Lothringen. Beim Reichswehrministerium sind gefordert 113 912 299 Bt. wovon 107 249 554 M. für Minenrämnarbeiten. Die Interalliierte Ilheinlandkommission erfordert 108 673 280 BT. Die persönlichen Kosten für die Interalliierte Rhsinlandtommisston und die Delegier- ten betragen für Belgien 8 000 000, für Frankreich 42 000 000, für England 33 000 000 M Hierzu treten 10 000 000 M. an sachlichen Kosten für die Rheinlandkommission usid 15 673 280 M. für die Dele- gierten. Für den Unterhalt der Besaßungstruppen und für Bcr- gütungen von Leistungen werden 7 266 374 000 M. ausgeworfen. Dies alles noch für 1920. Der Iahresbedarf für 1921 ist wie folgt geschönt worden: BTarkoorschüsse 6 009 099 000 BT., Requisitionen 1 060000 000 M., Berpflegungskosten 266 374 000 M. Die bis jetzt festgestellten Reguisition.sforderungen belaufen sich auf rund 1,3 Milliarden. Der Betrag wird sich noch beträchtlich erhöhen. 757 197 500 M. stehen für Grundstückserwerbungen, Neubauten und Umbauten zur Unterbringung der Besatzungstruppcn„zur Ver- fügung", davon allein 403 000 000 TN. für Offizierswohnbanteu nebst Ausstattung. Der Gcsamtbedarf an Ofsizierswohnungen ist durch die bisherigen Bewilligungen erst zu etwa einem Drittel gedeckt. Die Unterbringung der ünteralliierlrn Ueberwachunqsaus- schüsse wird 53 278 000 M erfordern, davon allein 19 340 000 M. für die Unterbringung von 763 Offizieren. Die Entfestiqungsarbeiten am Oberrhein, in Rastatt, Köln. Koblenz. Mainz, Germersheim. Kiel, Wesel und Helgoland sind auf 250 000 000 M. veranschlagt, die Kosten kür die Auslieferung und Unbrauchbarmachung des Kriegsmaterials und der Rückgabe von Beutegerät mit 275 000 000 M. in Ansatz ge- bracht. 3 000 000 000 BT. erfordert die Lieferung von lebenden Tieren an die Entente 300 000 000 M. die Ablieferung von Docks, Baggern und Hafenmaterial für Scapo.?l(uv, 35 000 000 M. die Rückgabe von Werten, insbesondere die Herstellung der Bibliothek in Löwen. Die Telegravhen- und Fernlprecheinrichtunocn für die Entenlekommissioncn sind mit 434 600 M. in Anlatz gebracht. Gesamtsumme 28 0S0 354 919 BT. Teutschösterrcichs Mitgefühl. Wien. 19. März. lWTB.) Im Nationalrat führte Präsi. dent Dr. W e i s k i r ch n e r in einer Ansprache, die von den Ab- geordneten st e h e n d angehört wurde, aus: Die Nachrichten aus London und Berlin haben uns tief er- schüttert, denn sie enthalten eine schwere Berschärfung der Wirtschaft- lichen Weltkrise und der mit ihr zusammenhängenden sozialen Kämpfe. Es gibt niemand unter uns, der nicht den bestimmten Eindruck bätte, daß das deutsche Volk in vollem Ernste und in aller Ausiichtigkeit entschlossen war, feinen vertraalicben Der- pflichtunzen nachzukommen und zur Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten Werte bis zu der äußersten Grenze seiner Leistungsfähigkeit beizutragen. Es ist ein Verhängnis und ein unermeßliches Unglück nicht allein für Deutschland, sondern für die ganze Welt, daß dieser gute Wille des deutschen Bolkes in London nicht erkannt und daß Mißtrauen und Vorurteile dort noch nicht überwunden worden sind. Deutsche Städte, die als Brennpunkte schaffender Ar- belt für ganz Mitteleurova von höchster Bedeutung sind, müsien als Pfänder der Gewaltpolitik der Entente dienen. Zur tiefften Trauer aller wirklichen Friedensfreunde ist der Feiertag der großen Völker- Versöhnung wieder in unabsehbare Ferne gerückt. Man müßte nicht deutschen Stammes und deutscher Sprache sein, um die Tragik dieser Geschehnisie nicht mitzuempfinden. Nach, tiefer und unmittelbarer müsien aber notwendigerweise wir uns durch das, was unseren Drüft«rn am Rhein in diesen Tagen geschieht, schmerzlichst ge- troffen-fühlen. Wir haben einer Einladung der englischen Regierung nach London Folge geleistet, die eine Gelegenheit geben will, unsere Lage in mündlicher Erörterung klarzulagen und die Mittel für eine Er- keichterunq unserer Angelegenheiten durckizuberaten. Wir wären der Sumpathien der ehemaligen Feinde, die sich in diesem Vorgange aus- drücken, und wir wären ihrer Achtung nicht wert, wenn wir den Dank für die uns zugedachte Hilfe in der Blünzc verrälerischen Schweigens erstatten wollten.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Msi der Kundgebunq brüderlicher Teilnadme für unsere schwer geprüften Bolksgenosien verknüpfe ich die Hoffnung, da? nun doch noch ein Weg zu einem Einrernebmen zwischen Deutschland und der Entente gesunden werden wird. Oesterreich, das durch den Krieg am meisten gelitten hat, ist der natürliche Fürsprecher eines Friedens, der ein gesichertes Gut der Völker erst an dem Tage werden kann, an dem"endgültig Recht vor Gewalt geht.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auf die Freundschaft aller Nationen angewiesen, hegen wir den einen Wunsch, daß ihnen allen die Sonne dieses Tages bald aufgehen möge.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Weltverkehr und Teutschlandsperre. Basel, 10. März. Die erste allgemeine Verkehrskonferenz, die votn Völkerbund einberufen worden ist, wurde in Barcelona eröff- net. Der Berichterstatter der.Basler Nattonalzeitung' verweist darauf, daß die von Lloyd George geäußerte Absicht, auch die in- direkte deutsche Einfuhr zu unterbinden, die Abmachungen de« Bötkerbundes verletze. Nach diesen könnten die Neutralen nicht dazu angehalten werden, ihren Warenverkehr mit Deutschland ouszu- geben. Sollte der Plan aber trotzdem verwirflicht werden, dann würde er für die neutralen Länder, besonders für Holland und die Schweiz, nicht unerhebliche Folgen haben. Bekenntnis einer schönen Aeele. Pari». 9. März. Gustave H e r v e leistet sich in der„Victrnre" folgenden Gesühlserguß: Die Deutschen �könnten den Friedensver» trag von Versailles als nicht bestehend anerkennen, was st« aber in Rechnung stellen müßten, sei, daß die Franzosen am Rhein stünden, daß sie die Brückenköpfe in der Hand hätten, daß Essen und Kohlengruben des Ruhrgebiets von den fron» zösifchen Kanonen bedroht feien, daß Deutschland z u neun Zehnteln entwaffnet sei. daß es von Feinden umzingelt, von Polen, der Tschechoslowakei, Südslawlen, Italien. Frankreich, Belgien und England, die alle bis an die Zähue be- woffuet seien, und die innerlich Gefühle gegenüber Deutschland hät- die Kronftäüter Zoröerungen. TerUki. 10. BTärz.(0®.) Dem BerlchterstaNer de, Ost- Cjpref} ist es gelungen, sich die vom üronstädlee Bevolukion»- fomitee herausgegebenen„OswestHa" vom 8. BTÄrj zu verschaffeu. 3m Leitartikel wird die Aorderuug ausgeNelll. daß die gesamte Ge- wall den Sowjets, nicht aber den Parteien gehören müsse. In einem anderen Artikel wird der Versuch der Sowjetpresse. den Sronstädker Ausstand als ein- weißgardistische Verschwörung hinzu- stellen, schroff zurückgewiesen und gegen die Beschuldigung protestiert. daß sich die SronstSdter Ausständischen an Finnland _________,., verkauft hätten, ver Henker T r o h k i verhindere mit allen Britten/ die weit entfernt seien von Sympathie und Wohlwoll-n, daß die �n die Entsendung von Aebeiterdelegiertea nach Sron- Alliierten Herren des Meeres feien, und daß das mllita- 1 Me nj, ü(,er wahren Ziele der Watrosen vergewissern ristische Deusichland nicht mehr auf den Mann zählen könne, der,{ann(en- einem.Wofür wir kämpfen" überschrieben«» Aussatz 1917 die russische Front zerstört habe.(Der langen Red- kurzer Sinn! werden folgende Sampsziel« ausgezählt: ist: daß wir den Friedensvertrag zerrissen haben, mag... s.in wahr fein, aber wir können es uns ohne Gefahr leisten. mir»alle bis m> die Zähne bewafmet' sind. Die Red.) stch an der Granitschale vor dem Museum treffen, hätte es aber vorgezogen, den Treffpunkt auf den Deckel der Schale zu verlegen. Die bekannten Parteiführer hatten diesmal das Wort weniger bekannten Persönlichkeiten, viel- fach recht jugendlichen Leuten überlasten. Die Redner hatten sich zu nahe beieinander aufgestellt und besonders vor dem Alten Museum versuchten sie sich schließlich gegenseitig zu übertönen, so daß die Hörer endlich unwillig"wurden und alle beide unterbrachen. Die Kommunisten hatten auch etwa 100 Ob- dochlose in ihrem crbarmungswürdiqen Zustand auf der Freitreppe des Museums postiert. Einer der Redner vor dem Alten Museum betonte, daß es ein Unglück für die deutsche Arbeiterschaft wäre, wenn Oberschlesien verloren ginge. Das Strafgericht der Obcrbonzen wird nicht ausbleiben! Am Lustgarten stand ein einziger Polizist, der sich �>ber darauf beschränkte, die Personalien eines Japaners, der ohne polizeiliche Erlaubnis photographifche Aufnahmen machen wollte, festzustellen. Nach Schlünder Reden bildeten sich kleine Demonstrationszüge. An der Schloßbrücke war eine Ordnerkelte gebildet, um zu ver- hindern, daß unbesonnene Elemente in die Bannmeile eindrangen. Einige hundert Mann brachten vor dem Rathause Hochrufe auf Svwjetrußland aus. Münchener Protest. Eine außerordentliche Generaloersammlung des Sozialdemo- kratischen Vereins München beschloß eine Kundgebung, welche den schärfsten Protest gegen Tie neue Gewaltanwendung der Entente erhebt, die Hilfe des internationalen Proletariats anruft und die ganze Kulturwelt auffordert, gegen die barbarischen Maßnahmen des Ententcmilitarismus Stellung zu nehmen. Die Bolksgenosien in den neu besetzten Gebieten werden zu ihrem ernsten Vorsatz beglückwünscht, mit Würde und Ausdauer im Interesse des Volksganzen die neuen Lasten ertragen zu wollen. Sevres-Revifton. Paris, 10. März.(TU.) Die Alliierten haben den Türken mit' geteilt, daß sie geneigt sind, in folgende Aenderungeu des Der- träges von Sövres einzuwilligen. 1. S m y r n a wird autonome � Stadt mit einem Hasen, die übrigen Teile des Bilajets werden den Türken zurückgegeben. 2. Konstantinopel wird von den alliierten Militärkontingenten geräumt. 3. Konstantinopel wird nicht in die Zone der internationalisierten Meerengen einbezogen, die unter die Kontrolle der Meerengen-Kommission gestellt sind. Um diese Meeres- straße unter der Kontrolle der Alliierten zu behalten, werden diese eine Flottenbasts auf dem europäischen Ufer schassen. Lord Eurzon hat den Türken diese neuen Vorschläge selbst überreicht. Aber die Griechen erklären, daß sie aus Smyrna und dem übrigen besetzten Gebiet nicht herausgehen. Für§rage üer Schuld am lveltkmg. Der mit der Aufklärung der Vorgänge, die zum Weltkrieg ge» iübrt baben, betraute Unrerilickiungsali'fchuß des Reichstages be- schloß in seiner Mittwochsitzung die Annabme der Feststellung: Der Ausschuß bat die von den Sachverständigen erstatteten Referate, die wir gestern abend mitterlten, geprüft. Tie folgenden Tatsachen und Daten hält der Ausschuß für erwiesen: I. Vorbemerkungen. 1. Die am 25. Juli lvl4 um'S Uhr 30 Min. abend» verfügte österreichtich-ungarrsche Teilmobitmachung gegen Serbien umfaßte 8 Armeekorps von insgesamt 22 Divisionen. Kein Bezirk dreser 8 Armeekorps grenzte an russisches Gebiet. Serbien hatte seine Mobilmachung an demselben Tage um 3 Uhr nachm. ausgesprochen. 2.' In der Zeit vom Abend deS 25. Juli bis zum Mittag des 3t. Juli ist nach den Alten deS Wiener Kriegsministeriums keine weitere Mobilmachung angeordnet worden. Die eigcuen Tagesbericht« des rulstichen Generalstabes bestätigen, daß dort noch am Abend des 30. Jult von einer allgemeinen Mobilmachuizg in Oesterreich-Ungarn nichts bekannt war. 8. Die amtlich zugegebene russische TeilmoBil» m a S u n g vom 29. Juli ei streckt sich über ein Gebiet von 86 Millionen.Einwohnein. Sie umiaßte 55 Jnlantem» sowie 8' z Kavallerie- Divisionen, außerdem mehrere Äoiakenfotmaiionen und bot Matrosen auch aus den weitesten nöidlich gslegenen Gouvernements auf. 4. Die Mobilmachung der englischen Flotte wrar außerordentlich erleichtert durch den Umstand, daß seit dem 10. Juli die drei Heimflolten mit 460 Wimpeln zu einer Probemobitmachung mit Manövern um Portland versammelt waren, und am 26. Juli die vorgesehene Demobilmachung emstelltcn. IL Zeitliche Reihenfolge der Anordnunaen des fehlen Stadiums vor der allgemeinen AlobUmachnng. t. Bußland: OrfitielleS Jnkcasttreten der.Kriegsvor» berelrungSpertode" für da» ganze europäiscbeRußland 26. Iuli. 2. Englaad:»WarnungStelegramm"(warnin te'egram) für Heer und Flotte 79. Iuli. 3. Frankreich: Befehl zur Nulstellung des Grenzschutzes (orckrs äs clsport en couverture) 30. Iuli. 4. Oesterreich-Ungarn:.Aiarmierung" gegen Rußland 31. Iuli. ö. Deutichland:»Zustand drohender Kriegsgefahr" 31. Iuli. IN. Zeilliche Reihenfolge der allgemeinen Rlovilmachung der Großmächte. (Alle Stunden nach mitteleuropäischer Zeit.) 1. Bußland: Wahrscheinlich insgeheim befohlen 29. Iuli, im Laufe des Abends. Oisiziell angeorl>iiet 30 Iuli, 6 lliir abends. 2. Oesterreich-Ungarn 31. Iuli. 12£3 Ubr nachm. 8. Frankreich 1. August. 4.40 Uhr nachm. 4. Deutschland 1. August, 6 Uhr nachm. 5. England: Flotte 2. August. 2.25 Uhr morg. Landheer l Expeditionskorps)_ 3. August, 12 Uhr mittags. Versklavung der werkkästgen Masten durch die Gewerkschaften: gegen die Wassenerschichungen von Bauern; für Bußland, das zur höheren Ehre der Kommunisten, denen die Bolksinleressen fremd sind, in Blm ertrinkt. Es wird dann freie Wahl der Sowjets gefordert— nicht etwa ihre Ersetzung durch ein allgemein gewähltes Beichsparlament. Zugeständnisse der Sowjetregierung? Die»Krasnaja Gaseta" vom 27. Februar bringt den Wortlaut des durch die Unruhen veranlaßten Aufrufs von K a l i n i n und S i n o w j e w an die Bevölkerung von Petersburg. Der Ausruf teilt beschwichtigend mit, daß gegen Gold im Auslande 300 000 Tonnen Kohle für Petersburg angekauft feien, daß unter Kontrolle der parteilosen Arbeiter Eilzüge nach Getreide entsandt wurden, und enthält wichtige Zugeständnisse der Sowjetreglerung. Alle zwangsweise durch die Arbcitsmobilisation aus den Dörfern nach Petersburg verbrachisn Acbeiter sollen sofort entlassen werten, die Sperrtommandos gegen die privat« Lebensmittelzufuhr nach Petersburg nur noch den Schleichhändlern und nicht den Arbe'terv- gegenüber in Tätigkeit bleiben. Bor allem verkündet der Aufru>, die Sowjetregierung wolle die Lage der Bauernschaft er- leichtern und plane, das bestehend« Ablieferungssystem für Ge- treibe durch eine feste Getreideabgabe in der Höhe eines bestimm- ten Prozentsatzes der E'nte zu ersetzen und den Bauern das freie Verfugungrrecht über den Rest einräumen. Dahingehende Bor- (chlöge sind bisher von der Sowjetregierung und der Sowjetpresse aufs schärfst« bekämpft und als praktisch g'eichbedeutend mit der Wiederherstellung des freien Handels bezeichnet worden. Es herrscht offenbar in der Sowjctregiermig starke Be- unruh'gung nicht nur wegen der Stimmung in den Städten, sondern auch bei der Bauernschaft. In seiner Moskauer Rede vom 28. Februar hat auch Lenin erklärt, die Sowjetregierung fei geneigt. jeden vernünftigen Dorlchlag der Tauern hinsichtlich der Gotreids- beschasiung zu prüfen, und der bevorstehende Parteikongreß werde über die Gctreideabgabe beraten. Russischer Thronkandidat in Berlin.' Der russ.sche Ex-Großfürst D m i t r I P a w l o w i t sch. der als der populärste Thronkandidat der russischen Monarchie en gilt, ist in Berlin eingetroffen. Er wurde von russischen Monarchisten be- orüsit, lehnte aber eine festliche Veranstaltung ab. Die Berliner rusiische„Kabetlen'zeitunq„Rul" betont, daß die man» archi-'ische Idee in Rußland als abgetan und die Versuche, sie zu beleben, als a u s' i cy t o s und schädlich zn betrachten feien. Petersburg gefallen? London, 10. März.(Hollandsch Rieuwsbmeau.) Nach einer „Times*- Meldung fallen die Revolutionäre Petersburg erobert haben, mit Ausnahme von zwei Bahnhöfen. Sämtliche Bolschewi' en» sührer sollen in Autos aus Petersburg geflüchtet sein. Eine weitere»Times'-Meldung aus Riga besagt, daß die russisch-polnische Konferenz ihre Arbeiten eingestellt habe. Die Bolschewiki gäben als Ursache an, daß Joffe krank sei. 09 1 Für die Befreiung der von den Kommunisten geknechtekcn Per- da i jonllchkeii; gegen die Gewalt der Außerordentlichen kc mmisiiou, '(Tsche-La). der Bureankmkie und der Dollnkammissace; gegen diel Pfeffer vor Gerickt. Skargnrd, 10. März.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts*.) Der Redakteur der„Freiheit* K 0 h l e r erzählt, wie im Semmer 1920 die Staatsanwaltschaft den Hauptmann Pfeffer, gegen den Haftbefehl erlassen worden war, nicht finden konnte. Da habe die„Freiheit* telephonisch den Hauptmann Pfeffer in Arnswalde angerufen und auch gesprochen, und diesen Scherz habe die„Freiheit" dann zur Kennzeichnung des Vorgehens der Staatsanwaltschaft veröffentlichti Auch bei der Vernehmung Kohlers läßt sich der Vorsitzende und besonders eincr der Beisitzer, dessen ganzes Austreten im Prozeß den Eindruck hervorruft, daß ihm Pfcffcrs Arbeit sehr sympathisch ist, von der Absicht beeinflussen, der„Freiheit* nachzuweisen, daß sie bei der Veröffentlichung von Material zu wenig kritisch vorgehe. Wieder hat man den Eindruck, daß die „Freiheit* und nicht der Hauptmann Pfeffer angeklagt ist. Eine weitere Eigenart dieses Prozesses ist es, daß «tue große Zahl wichliger Zeugen nicht zu erreichen ist, es sind einstige Psefferleute. Offiziere und Unter- offiziere, zum Test dunkle Existenzen, von denen man nicht weiß, ob sie Betrüger oder Hochstapler sind. Die Hauptbelastungszeugen I f e n b e r g und Büllemeyer, die Gewährsmänner der„Freiheit*, sind in dem Prozeß auch als überaus zweifelhafte Leute festgestellt worden. Die„Freiheit hat diese Leute in Berlin während ihres Ausenthalts im Gewerkschafts- haus unterbringen und überwachen lassen, doch, wie sich zeigt, ohne Erfolg. Es kommt noch zu einem Zusammenstoß, als der Ver« teidlger den Zeugen K 0 hl e r fragt, ob die„Freiheit* etwa Material der Entente— der Vorsitzende sagt statt Entente Feindbund— geliefert habe. Kohl er erklärt, daß er es für unnötig halte, auf «ine solche Frage zu antworten. Der Vorsitzende läßt es zu diesem Wortwechsel kommen und unterbricht erst nach dem Zusammenstoß zwischen Verteidigung und Zeugen die weitere Auseinandersetzung über diesen Punkt. Zeuge Schmidt vom Reichsschatzministerium erzählt: Isen- berg habe für sein Material über Wafsenlager im Kreise Arnswalde 60 000 M. verlangt. Schmidt habe selbst nachgeforscht, aber keine Waffen gefunden. Das Material Isenber�s und Büllemeyers ist zum Teil von diesem aus dem Schreibtisch Pfeffers g e st 0 h l e n worden, Privatkorrespondenz und Papiere der Arbeitsgemeinschaft, au» denen aber nicht viel Belastende» hervorgeht.— Die Verhandlung wird auf Freitag vertagt._ Kein Streik im Nahrungsmittel-Großhanüel Die im Nahrungsmittel-Großhandel tätigen Arbeiter und Ar» beiterinnen waren gestern abend wieder sehr zahlreich versammelt, um den Situationsbericht entgegenzunehmen und zu ihrer Lohn- bewegung wichtige Beschlüste zu fassen. Der Seklionslefter Schultz vom Transportarbeiterverband führt« aus: Auf die Verlängerung des Ultimatums bis zum Donnerstagnochmmitag 5 Uhr hade die Arbeitcgemeinschaft der Unternehmer, nachdem sie Mittwoch eme Mitgliederversammlung abgehalten hat, folgendes geantwortet: „Unsere Mitgliederversammlung hat einstimmig beschlossen, den Schiedsspruch des Schlichlungsausschustes anzunehmen, durch den Lohnerhöhungen abgelehnt wurden, der aber aussprach, daß die bis- berigen Lohnsätze bis zum 30. April weit-'rgezahlt werden lotdn. Wenn der Transportarbeiterverband den Wunsch hat, die Gründe noch näher zu hären, dann sind wir bereit, sie in einer Berhandlung am Donnerstag S'/i Uhr auseinanderzusetzen.*— Man sei darauf mit den Unternehmern zusammengekommen, um auch die letzte Ber» handiungsmöglichkeit zu erschöplen. Die Vertreter der Unternehmer hätten hier in kurzen Worten mitgeteilt, daß die wirtschaftliche Lage jetzt so unsicher sei, daß sie keine Lohnerhöhung bewilligen könnten, wenn sie auch den besten Willen hätten. Sie wollten gern in Frieden mit ihren Arbeitern leben und wären dann, wenn sich die Verhältniste ändern und klären sollten, zu Verhandlungen bereit. Für diesmal müßten st« aber Lohnerhöhungen ablehnen.— Die Frag« fei nun. ob man sich mit diesen Erklärungen d-r Unternehmer zufrieden geben wolle oder zum letzten Mittel, dem Streik» schreiten. Di« Mitg! eö- schast habe jetzt das Wurt In der geheimen Abstimmung über die Frag« des Streiks wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit nicht erreicht. Der Streik ist abgelehnt. Die Funktionäre blieben zu einer internen Sitzung zusammen. Sonntag früh Ilugblattverbreitung EeVerMastsbewegung von öea bekannten Lokalen Stimmt für Deutschlanü! Ter Bergarbeiterverband a«die oberschlesischeu Bergleate. In einer Revierkonferenz des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands, an der 500 Funktionär«, Vertrauensleute und Le- triebsrätemitglieder des Verbandes teilnahmen, wurde gegen vier kommunistische Stimmen ein Aufruf an die ober- schlestschen Bergleute angenommen, in welchem es u. a. heißt: „Deutsch oder polnisch heißt die Parole, Kameraden. Berg- arbeiter! Wir sind keine Nationalisten. Nur gezwungen durch unsere wirtschaftlichen Interessen müssen wir uns für die eine oder andere Seite entscheiden. Dan Eurer Klugheit hängt Eure Zukunft, das Wohl und Wehe Eurer Frauen und Linder ob. Der Militarismus, der Euch so lange bedrückte, ist für Deutsch- land für all« Zeiten beseitigt. Neun Millionen freiorganisterter Ar- beiter und Angestellten bieten diz Gewähr, daß die Reaktion ihre alte Herrschaft nicht wieder antritt. In Polen herrscht die Re» aktton und der Militarismus..., berechtigte Lohnkämpfe werden durch die Soldateska niedergeknüppelt. Freiheitliche Zeitungen werden verbaten, Gewerkschaftsbureaus gefchlosien, Organisationen aufgelöst, arbeiterfreundliche Abgeordnete, die im pabnschen Parlament... protestierten, wurden gewaltsam von den Berhandhmgen ausgeschlossen. Dem polnischen Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Aufforderung zum Streik mit Gefängnis und Zuchthausstrafe bedroht. Bergarbeiter, Kameraden! Ein deutsches Oberfchlefie» bringt Luch Erhallung und Ausbau Eurer erworbenen Rechte. Im polnischen Oberschlesien drohen Euch Ausnahmegesetze und militärische Stloverei. Eure knappschaftlichen Rechte sind bei einem polnischen Oberschlesien in Gefahr, ihr bevorstehender Ausbau in einem deutschen Oberschlesien ist bei Polen u n m ä g- lich. Tausend« van Euch finden jährlich Heilung und Erholung in den deutschen Heilanstalten, Polen besitzt derartige Heilanstalten nickt. In einem polnischen Oberschlesien müssen Eure Söhne unter dem Militarismus dienen. Im deutschen Oberschlesien gibt es keine M« litärpflicht. Zwei Sprachen beherrscht Ihr im deutschen Oberschlesien und beherrscht mindestens eine in der Schrift, desgleichen Eure Kinder, in einem polnischen Oberschlesien werden Eure Kinder bald, wie das in Polen der Fall ist. nicht mehr lesen und schreibeu könne». Arbeit und Brat bei Deutschland. Arbeitslosigkeit und da- mit Not und Elend bei Polen. Bergarbeiter Oberschlestensl Laßt Euch nicht durch natio- n a l i st i s ch e Phrasen betören. Berechnet kühl Eure w i r t- schaftlichen Darteile. Nicht nationaler Haß, sondern inter- nationale Solidarität führt uns auswärts. Kameraden! Im Interesse Eurer Familien, der Kultur, des Fortschritts und der Freiheit stimmt für deutsthülwü! folge der„Sanktionen* emer schmierigen Situation gegenübersieht. aber diese ewige Rücksichtnahme auf das Kapital benchigt die darbenden Arbeiter, die gern mit den Aktionären tauschen würden, absolut nicht. Hat man während d.s Krieges der Industrie alles bewilligt, was sie verlangte, und ihr so die Möglichkeit ge» geben, Riesengewinne aus Kosten der Steuerzahler einzu heimsen, so hindere man die Arbeiterschaft jetzt nicht daran, soviel von den Unternehmern als Lohn zu verlangen, wie zu einem menschenwürdigen Dasein und zur Erhaltung der Arbeitskraft notwendig ist. Sie ist das einzige Gut, über das dos deistsche Volk heute noch verfügt. Untergräbt und vergeudet man es. dann werden nicht nur einzelne Industriezweige, sondern das ganze Bolk daran zugrunde gehen. A« die im Afa-Buud organisierte« Augestellte«! Der Bezirksvverband Berlin-Brandenburg der D.K.P.D. erläßt in der„Roten Fahne' einen Aufruf zu Belsammlungen, die am 13. März stattfinden und sich mit der Tagesordnung„Die Zu- S. p. V.- Funktionäre! Heute Freitag, den 1 1. Marz, abends 6 Uhr Allgemeine Funktionär-Versammlung . im Lehrervereiushaus, Alexauderstr. 4t. Tagesordnung: Sozialdemokratie— Londoner Verhandlungen— Innere polllik. Referent: Dr. Adolf Braun, M. d. R. Zutritt haben nur mit neuen Ausweiskarten versehene Funktionäre und BetriebsvertrouenSleute. MUgliedSbuch der S.P.D. und Funkttonärkarte muffen übereinstimmen. Der Bezirksvorstand. kunft der deutschen Gewerkschaften' beschäftigen sollen. Durch die Ueberschrift de« Aufrufes, der sich u. a. an die.in der Afa organisierten Angestellten* wendeh wird erneut Verwirrung hervorgerufen. Wir erklären deshalb ausdrücklich, daß zwischen dem Bezirksverband der V K.P D. und den zentralen wie lokalen Körper- schaften de« Afa-Bundes keinerlei Fühlungnahme statt- gefunden hat und lehnen die parteipolitische Bevormundung unserer Asa-Bewegung durch die Bereinigte Kommunistische Partei Deutsch- landS und damit auch die Teilnahme an den angekündigten Ver> fammlungen ab. Allgemeiner steler Angestelltenbund kAsa-Bund.) Tie arme« Industrielle». Die von de» drei MetallarbeiterverbSndeu beou- tragt« Berbindlichkeitserklärung des am S. Januar 1S21 in Dort- wund gefällten Schiedsspruchs ist vom Reichsarbeitsminffter a b- gelehnt worden. Der Reichsorbeitsmlnifler begründete die Ab- lehnugg wie folgt: „Der vorwiegend auf die in letzter Zeit zurückgegangenen Ausfuhr eingeitellten Iserlohner Industrie wird durch die im Schiedsspruch vorgesehene Lvhnregelung, namentlich für die Akkordarbeit und die ausgesprociien« Rückwirkung der Teuerungszulagen auf den 15. Dezember 1920,«ine Leistung zugemutet, die sie im gegenwärtigen Augenblick nicht ertragen kann und die Einschränkungen der Erzeugung in den Betrieben zur Folg« haben müßte. Die zwangsweise Durchführung des Schiedsspruchs liegt danach weder im Interesse der Allgemeinheit, noch der Be« teiligten selbst.' Es soll nicht geleugnet werden, daß sich die Cxportindustrte in- Zu der Charloktenburger Gewerkschaststommisiion machte Flemming Mitteilung über die Bemühungen des Ausschusses, das Hintere Saalgebäude des Bolkshaufes, das am 1. April cr. in den Besitz der Konsumgenossenschast Berlin und Ilmgegend über- geht, zur weiteren Abhalrung von Dersammlungen zu erhalten. Die Knnwwgenpsssnschaff hat sich ablehnend oerholten, da ein Um- (usi der Säle in Lagerräume stattfinden muß. BescUoflen wurde, mit dem Besitzer Paul Hirsch nochmals in Verbindung zu treten, damit die übrig bleibend« Summe von ca. 100000 M. den Gewerkschaften zum Erwerb eines neuen Hauses überlassen werde. Die Versammlung sprach sich für das B e st e tz e n- lassen der Gewerbegerichte in den Vororten, ins- besondere für das Charlottenburger, aus. Sie hat nichts gegen ein zenrtales Kaufmannsgericht einzuwenden, da nach Lage ! der Dinge die Anzahl der Klagen der Angestellten im Kaufmanns- beruf lange nicht an die Zahl der gewerblichen Arbeiterschaft heran- reicht. Ein neuer Lohnkaris für dl« handelshilfsarbeiler und.Arbeite' riuue» de, Eiuzdhaudel» sollte am Mittwoch vor dem Schlichtung«' auSschuß Groß-Berlin abgeschlossen werden. Die Vertreter d«r Arbeitgeber ertlämn. keinerlei Zugeständnisse machen zu können. lehnten auch einen evtl. Vergleich von vornherein ab. Die Ber- treter de« TranSportarbeiterverbande« betonten, daß die bisherigen Löhne derart minimal sind, wie sie kein Tarifvertrag de« Berufe« aufweist. Nach stundenlangen Beratungen wurde folgender Schiebt,* spruch gefällt: Auf alle im Lohntarif vorgesehenen Löhne ist ein Zu- schlag von 7,5 Proz. zu zahlen. Diese Lohnerhöhung soll bis zum 80. April d. I. Gellung haben. Mit einer starken Minorität, die sich gegen die Annahme de? Schiedssprüche« wandte, stimmien die Funktionäre trotz der geringen Lohnerhöhung an? taklffchen Gründen dem Schiedsspruch zu. Die Versammelten brachten aber zum Ausdruck, daß die Organisaiion«- leirung alle Vorarbeiten zu treffen habe, falls vonseiten der Arbeit- geber der Schiedsspruch abgelehnt werden sollte. Eine beute statt- findende Branchenversammlung in der llnionsbrauerei, Hai'enhszde, wird entscheiden, ob sie den Schredsspruch annehmen oder ab» lehnen wird. Angestellte des Äiöbclhandels? Bar dem Schlichtungsmisschuß Groß-Berlin wurde am 8. März cr. über den Abschluß eines Tarif- Vertrages mit den Holzirrdustnellen und Möbelhändlern verhandelt. Der Beschluß des Schlichtungsausschusses, welcher dahin ging, den Arbeitgebern zu empfehlen, den alten Rahmentarif wieder in Geltung treten zu lassen und über neue Gehaltssätze bis»um 24. Marz cr. zu verhandeln, wird nach den Erklärunaen derselben weder die Zustimmung der Holzindustriellen, noch der Möbelhandler finden. Wrr weisen die Angestellten des Möbelhandels nunmehr darauf hin, daß ihre Arbeitgeber verpflichtet sind, auf Grund des verbindlich erklärten Tarifoertrages im Einzel- Handel die GeHalls- und Arbeitsbedingungen zu regeln und bitten die Kollegenschaft, in allen Fällen, wo dieses Ersuchen abgelehnt wird, sich an uns zu wenden, damit wir die Durchführung dieses allgemein verbindlich erklärten Tarifvertrages erzwingen.— Zentral- verband der Angestellten, Fachgruppe Holz. kommunale Betriebsräte! Die Neuwahlen zu den einzelnen Betriebsräten haben in diesen Tagen stattgefunden und tmissen in fast allen Betrieben erledigt sein. Die Meldungen über das Er- gebnis der Wahlen liegen dem Gescuntbetriebsrat bis zur Stunde nur zum kl ernsten Teil vor. Wir ersuchen, alle Resultate sofort dem Gesamtbetriebsrot zu übermitteln, um die Wahlen zu den Bezirksbetrieberäten usw. durchführen zu können. Der Gesamtbetriebsrat. unter„Wfl EettionsleiNwg waltung. " Zentralneriand der Angestellte». stratshilfsträfle: 7 Uhr in Saverland» bemt). und Zcllstoftc: 71-i Uhr in den Vorträge, Vereine unü verfammiungea. Kreil LehmAewertschnst. Senn-Send. den U. M-rz, 7 Uhr. Linter der Earniicntrrch� Geickiufie�ung. Tagesordnung, 1. Sewarffchaflliches. 2._Sci)trT den 14. März, 7 Uhr, in der Stunde vorher.— Montag, Wilhelm-Symnaliums, Nach lirahe 13, große ästeutlich« Eewerlschaflsversaonnlung. Zicfercnten: Stadtschui- Inlpettor Nvdahl, Dr. Herring, Frau Dr. Anna Slemten.— Band religioirr Sozialisten tSieuLUIu). Heule IV, Uhr Lichtbildervortrag de» Zndienreilendlm Dr. v. Graden Uber„Indische Well und indische Weltanschauung'. Eintritt: Mitglieder l M., Säst» S Mk. Serann», sstr den redall. Teil: Dr. Werver Arlscr, EharloUrndurg: ffe Sraemcn: SS. Glocke. Berlin. Seriaa: DorwärrS-Äerioq S. m. b. H.. Serun. Druck: Sur- «striS-Luckdrucker« o. LertaaSanlta!» Baul Singer u. Eo„ Sertul. Lindraftr.». Hirrza l vellagr. J Cieneral- Vertreter lür GroC-Herlin und Brandenburg Ernst lloritn, Charlottenhnrg, KaiserdamiS 114. Telephon: Amt Wilhelm Nr. 4S46 und 4947. AWert heim WdB&rmsmaMdC Leipziger Strasse Frisches Fleisch Schweineschinken 15°° Schweine-0"."�. �;B� 1500 SchweinerückenPfd. 1500 Rinderkamm..... Pfd. 1050 Rinderbrust....... Pfd. IQso Roastbeef......... Pfd. 11«» Schmorfleisch II50 Gulasch........... Pfd, lioo Gehacktes KÄcn II00 Hirschfleisch 9001300 Hühner, Puten ICoKoniaiwaren Pflaumen........... Pfd. 480 Gem. Backobst... Pfd. 480 Amerik.Ringäpfel Pfd. e20 KalifornPfirsiche Pfd 1300 Bruchreis........... Pfd. Z25 Volireis.............. Pfd S25 Graupen............. Pfd. 280 Erbswurst Ä"0" 250.8r; 2« Grünkernmehl Ä 2« König Strasse ßostnthaJer 5 t rosse M oritzplafz Soweit Vorrats Wurst Zwiebelleberwurst 12°° Rotwurst........... Pfd. IQ00 Landleberwurst. Pfd. 1900 Jagdwurst......... Pfd. IQ00 Fleischwurst..... Pfd. IQ00 Teewurst.......... Pfd 2500 Schink.-Speck..Pfd. 270° In StUokan von aa l'/, Pfd» Käse Weichkäse SSSlürSS: 6» Auslandskäse 980 Landkäse........... Pfd. 740 Goudakäse dan— Pfd. S25 Edamer Käse....Pfd. IS« Fische Kabeljau iSn&TSi S°° Bratzander......... Pfd.1050 Lebende Bleie....Pfd. 750 Lebende HechtePfd. 13« Räucherwaren Bücklinge.....—. Pfd. 422 Sprotten............ Pfd. s20 Salzheringe gr. stock 50 Pf. Fettheringe...... stock 1» Herings-Rogen. Pfd. 110 Herings-Milch..... Pfd. I40 OemQse, Obst Kartoffeln....... ioPfd. 400 Kohlrüben Hon.. Pfd. 40 Pf. Mohrrüben■'"'feg 35 Pf. Märk. Rübchen Pfd 50 Pf- Schwarzwurzein Pfd. I80 Schnittlauch Topf.... I40 Blumenkohl...... Kopf 222 Maronen........... Pfd. I80 Feigen.............. Pfd. 550 Zitronen geibe,sstock85Pf. Apfelsinen 50, 70, 95 Pf. Blutapfelsinen stuck 80 Pf. Johannisbrot..... Pfd. I80 Preise elnaohL I Flaaaha u Steuer Bordeauxwein 1918 Chat. St. Georg. 22°° 1S17ChZt. Ferrand. 2950 19l8Chät. du Pin...2375 1918Chät.Perreins 3050 1918Chät d.Vlgnes26<)0 1917ChäteauLarose3250 1919Montagnefr2Ä.1580 Heideibeerweln..... 11« Apfelwein............. 600 Johannisbeerwein.. 13» Leara Waschen werden mit Sa P.'s- per Stück lurückgar.ommen. Im Erfrischungsraum: SdtokoIadenkrSnze Stüde M, TJO Außergewöhnliches Angebot! Blut' oder Leberwurst 3. Pfand-Dose Rind' u» Schweinefleisch 0<25 2 Pfand-Dose StfmeBerer Abferitama halber empflehU es skb. Körbe oder Tesdien mUmbrineeu