Nr. 127 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 65 Bezugspreis: SitttWioljü. 30,— St. uwaatl. 10,— St fcd tau Haus. Boraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 10.— St. einlchlgu- stestungsgebsthr. Unter Kreuzband fstr Deutschland und Oesterreich>kL0 M., sll: das Übrige Ausland bei täglich cmuwl. Aufteilung 2L50 M. Poftbe» Nellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tlchecho» Slowakei. Däne- mart Kolland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.- Eingetragen tu M» Poft-Zetlungs-Preislist«. : Der vorwärts- mit der Sonntags- b«>"läge-®0" und Zeit- und der Unter- hchuunosbeilaz» �eimwelt- erscheint «Scheniäglich zweimat Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: aSozlaldrmoktat Berlin'*. Morgen Attsgabe Berliner Dolksblntt (30 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Ronpareillezetle koste» 5,50 St„meine Üajelgea" das iettgedrnckte Wort ILO M.(zu- lässig zwei settgedruckte Wattes, sedee weiter» Watt t— St Stellengesuche und Schlasstellenanzetgen das erste Watt t— St sedes wettere Won 50 Pfg. Watt» Uber lb Buchstaben zählen Mr zw» Motte. ffamilien-An- zeigen sllr Abonnenten Zeile 3,- St Die Preise oerstehen sich einschließlich Teuerung,, Uschlag. Anzeigen Mr die nächste Nnmnte- müssen bis» Ahr nachmittags tan Kauptgelchäft Berlin EW 68. Linden- ftraß« 3l abgegeben werden Geöffnet von 9 Uhr triih bis 5 Uhr abends. 4 Zentnlorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchtandd Redaktion und Expedition: SW 68. Lindenstr. Z Kernsprecher: Amt Mortsspla«, Nr.>»IS0— ISIS? Donnerstag, den 17. März Vonvärts-Verlag G.m.b.H.. SW HS, Linüenstr. Z Kernsprecher> Amt Morihplay, Nr. Il7SZ— Ss Hrianö über Lonöon. V«rris. 16. März. flSTB.) Die Kammer setzte die De- ratung über die Interpellation betreffend das Ergebnis der Lon- doner Derhandlungen fort Abg. L e m a i l von der republikanisch- demokratischen Partei sprach zur Orientsrage.. Er verlangte besonders, man solle dafür sorgen, daß England über Ieru- s a l e m herrsche und daß dort nicht viel Leute sich niederließen, die von Deutschland kommen. Ministerpräsident' Driond erklärte sodann, sein« Reise hätte einen bestimmten Zweck, der zwischen der Kammer und der Regierung vereinbart worden sei. Die Kammer habe erklärt,, sie betrachte das Abkommen von Paris als die Sußersle Grenze des Entgegenkommens, fei ober der Ansicht, daß die Diskussion über, die Zahlung?- ort offen bleiben könne. Ein Nutzen des Pariser Abkommens bestehe darin, daß es die Einheitsfront der Alliierten aufgerichtet habe. Don der ersten Minute der Verhandlungen in London ab habe er aus Loyalität den Berbündeten erklärt, daß es sich hier um eine Grenze' handele, um eine Stellungnahme, die er beide- halten wolle.(Lebhafter Beisall.). Er behauptet nicht, daß die Er- gebnifse der Londoner Konferenz entscheidend seien oder daß sie iede Beunruhigung beseitigt hätten. In der? e r w i ck e l t e n u n d ernsten Lage, in der man sich befind«, Hätte man nicht erwarten dürfen, daß alle schweren Probleme gelöst werden könn» ten. Viele Fragen blieben noch offen. Er stellte fest, daß auf dem rechten Rheinufer die französische Flagge an der Seite der englischen und belgischen we�'z. Diese gemeinsam« Handlung bekundet den Willen, � Deui'chlaud zu zwingen, daß es seine Verpflichtungen erfüll«. Die Geste am Tage, nach dem man die Zwangsmaßnahmen angekündigt habe, habe ihren morall- scheu Eindruck nicht nur.aus die verbündeten, sondern auch in der ganzen Welt gemacht. Die Derbündeten hätten dies« ''Scschlüsie«in stimm ig getrossen insolge der ernsten Worte, die Minister Dr. Simons gesprochen habe und die er seitdem noch erschwert habe..* r Die Sanktionen seien militärischer und wirtschaftlicher Att. Man habe erklärt, sie hätten noch umfassender sein können. Die militärische Sanktion sei die, die Frankreich erlangt habe: sie sei ergiebig(?) und koste wenig. (Bei Schluß des Blattes lag die von WTB. angekündigte Fort- fetzung der Rede Driands noch nicht vor. Die Red.) Um öie 20 Milliarüen. Pari». tK. März, Dem.Zouruol* zufolge hat der Repa- ratiousausschuh gestern nachmittag in einer Sitzung, nach- dem er bisher in mehreren Sitzungen diese Frag- geprüft hotte, den Wortlaut der Aufforderung sefigesetzt, die an Deutschland ge- richtet werden soll, damit die» seinen Verpflichtungen vor dem t. Mai nochkommt. Die nach Berlin gerichtete Rote fragt anhndem bei der deutschen Regierung an. unter welcher«estalt sie die Zusatz- zahtnng der 20 Milliarden, da» wären ungefähr 20 Milliarden Goldmark, zu leisten gebentt. hierzu bemerkt MTV. Zu den wiederholten Meldungen an» Paris, die Reparattons- tommission Hobe beschlossen, an Deutschland noch vor dem 1. Mai lS2l eine Aufforderung zur Zahlung der nach ihrer Anficht gemäß Artikel 235 de» Frieden»»« trage» bis dahin zu zahlenden 20 Milliarden Goldmark zu richten, wird nn» von sachkundiger Seite«nent bestätigt, daß die beteiligten deutschen Stellen nach wie vor auf dem Standpunkt stehen, daß die bisherigen Leistungen Deutschland» den v e trag vo«20Milliarden Goldmark Überschreiten. Selbst wenn da» nicht der Fall sein sollte, würde die Folge nur die sein können, daß nach§ 12 Ziffer 1 der Anlage 2 zu Artikel 244 de» Friedensvertrag» die an» biete« Grunde nicht eingelösten unverzinsliche» Schahonwetfungen iaverzluslicheSchahanweisungea umzutauschen wären.) Georgien überrannt Z Sapenhogen. lü. März.(OC.) Die roten Truppen haben nunmehr auch Pott und Sutais, die letzten Stützpunkte der sozialdemokratischen georgischen Regierung, eingenommen. Datum und yr�igend ist nur von schwachen türkischen verbänden beseht. welche W georgischen Truppen und die Bevölkerung entwaffnet haben. Der englische Kreuzer Salypso mit den englischen Sonsular- beamlen an Bord hat Datum verlassen. Ei» Aufruf des Präsidenten Jordanias. Sufui». 13. März. Der georgische Ministerpräsident N o e I o r d o n i a richtete an das georgische Volk nachstehenden Auf- ruft Nach siebentägigen ununterbrochenen Kämpfen gegen einen übermächtigen Feind mußten wir am 25. Februar Tiflis verlaffen. Wir bewahrten danzit unser« lebendigen Streitkräfte und verkürzten unser« Front. Mt vermehrter Energie werden wir uns jetzt auf den Feind stürzen, um ihn aus Tiflis und ganz Georgien zbverjageti. Die Besetzung von Tisli» bedeutet noch keineswegs die Eroberung und den Verlust Georgiens. Der Verlust von Tiflis muß unsere Kraft verdoppeln und unsere Energie stählen zur Weiterführung des Kampfes und zur Wiederherstellung unseres ver- letzten Rechtes. Die begonnene Arbeit darf nicht abgebrochen wer- dm: die Truppen müssen weiter gesammelt, die Verpflegung muß herangeschafft und dem hauptkoinmandiercnden zur Verfügung gestellt werden. Ich verpflichte Euch, alle nur möglichen Mahnahmen zu ergreifen, um die Ordnung zu bewahren. Kein Bürger darf sich oem Eroberer anschließen und ihm helfen. Einig muß unsere Front sein, die Front der georgischen Demokratie gegen den Moskauer Imperialismus. Kein Schwanken und keine Verzweiflung! Die Zukunft gehört unsl Die Moskauer Silberlinge. Sin georgischer Paiteigenosie schreibt uns: Die.Rote Fahne�. der.Rowy Mir* und die übrigen Moskauer Reptilien'haben kaum jemals so.ehrlich* die Moskauer Silberlinge verdient, wie in ihrem Feldzuge gegen Geoigien. Au» dem Letzten dieser Sippe muß e« ja einleuchten, daß da» lleine wehrlose Georgien eine aggre'sive Politik gegenüber Sowjetrußland und die kaukasischen zwangSwetse sowjelisierten Republiken Armenien und Zkserbeidscknn nicht beireiben konnte, und jene von ihnen, die etwa« von den kaukasischen Verbältnisien gehört haben, �?n»s>sien auch wissen, daß kein Randstaa» so weit davon entiernt war. (ich in russische Angelegenheiten feindlich einzumischen, wie Georgien. Und trotzdem die tägliche Lüge, Georgien Halle Sowjetarmenien bedroht, armenisches Gebiet beletzt usw., und r u s s i s ch e Truppen seien überhaupt nicht in Georgien eingedrungen! Genau so wie na» dem Kischinewer Bluibad die damalige Petersburger Regierung dur» ihre damalige Piesie erklären ließ: die Inden hätten ihre Kaufläden selbst geplündert, und sonst sei nichts geschehen! Ließt man die Berliner.Rote Fahne*, muß man geradezu Pannen, wie tief das politische Begriffsvermögen der Anhänger diese» Blatte« gesunken sein muß. Von keiner kapital, stischen Regierung wurde die Preffe jemals so korrumpiert, wurden Tat- bestände so in ihr Gegenteil mnaelogen, wie die« heute die au«- ländischen Lakaien und Agenten des Moskauer KuütokommunismuS fertigbringen. Nach � Georgien sind nicht nur vom Süden über Armenien, sondern auch vom Norden her. also direkt au» Rußland, gewaltige Heeresmasien eingedrungen: Teile der 0.,'l0. und lt. russischen Armee. S»e nahmen Gagry(am Schwarzen Meere) und waren am 27. Februar schon bis Suchnm vorgerückt. In hart- nackigen Kämp'en wurden sie am 4. März von den georgiichen Truppen zurückgeworfen, Suchum und Gagry sind wieder >n georgischen Händen. Andere als russische Truppen konnten vom Norden überhaupt nicht eindringen. Die gegenieilige Behauptung ist genau so verlogen und widersinnig, wie wenn je- mand beute sagen würtft. Düsseldorf sei jetzt z. B. von russischen und nicht von französiich-belgtschen Truppen besetzt worden. Genau so Verhaltes sich mit allen übrigen Behauptungen der.Roten Fahne*. Verlogen von A bis Z ist die Behauptung der Rosta, Teile der georgischen Armee hätten sich den russischen Sowjettruppen an- geichlosien. In opferdollen schweren Schlachten haben die georgischen Truppen gezeigt, wie sie sich zum russische« KnutosowjetiSmn» stellen. Die gesamte Arbeiterschaft des Landes hat frei- willig zu den Waffen gegriffen— soweit Waffen vorhanden waren. Verlogen von A bis Z ist die MoSlauer Meldung,.georgische Ar- beiler und Bauern* hätten in TifliS die Sowjelrepublik ausgerufen- Nach neunlägigen schweren Kämpfen mußten die georgischen Ar» Leiter und Bauern ihr« Hauptstadt dem Feind« überladen, der sie von seinen Horden ausplündern und mit Blut über- stiömcn ließ. Das Verbrechen der Moskauer skrupellosen Diktatoren ist in diesem Falle derartig scheutzliä, und grauenvoll, daß auck die niüsteste Demagogie eineS Grischka Sinowsew nicbt ausreichen könnte, den Ucberiall einzugestehn und ihn zu rechtiertigen. Und deshalb erging an die dunkle» Leiter der ausländischen Replilien die Parole: Ableugnen! Und sie leugnen! Den» sie müssen eS: dafür bekommen sie die Silberlinge. Die Garung in Rußlanö. Lenin, der einzige Idealist in Sowjetrustland. Kopenhagen. 16. März.(WTB.) Der.Berlingske Tidende* wird aus Helsingfors telegraphiert: Das Revolutionskomi- t e« In Kronstadt hat bezüglich der Hallung des Komitees gegenüber den Kommunisten eine Entschließung angenommen. Darin wird Lenin als der einzige ehrliche Idealist unter den Mos- kauer Machthabern bezeichnet, während Trotzki, Sinowsew und die übrigen Elemente feien, die nur ihren eigenen Vorteil erstrebten und für die Zukunft Rußlands schädlich seien. Uebcr Terijoki wird aus Petersburg gemeldet, daß die G ä< r u n a unter den Arbeitern m.it jedem Tage zunimmt Die meisten Fabriken stehen still infolge Ausstandes, der trotz des strengen Verbote» der Volkskommiffar« gegen Ärbeitseinstellun- gen erklärt wurde. In den wenigen Fabriken, wo noch gearbeitet wird, kommen so viele Fälle von Sabotage vor, daß die Betriebe in Wirklichkeit auch ruhen. Die chinesischen Soldaten sind täglich in Tätigkeit und schießen auf Befehl der Polkskommiffare Hunderte von Arbeiterführern und ander« Personen nieder, die sich den Haß der Volkskommissare zugezogen haben. Politik unö Sittlichkeit. f Don I. M e c r f e l d. Am Dienstagabend zu schon vorgerückter Stunde ritt tn der Arena des Deutschen Reichstags der Urteutone Wulle eine schneidige Attacke gegen das Sündenbabel Berlin. Wenn ein deutschnationaler Kämpe an seinen Schild schlägt, klingt es allemal nach Blech. Herrn Reinhard Wulle erging es nicht anders. Zugegeben: in Berlin gibt es sittliche Fäulnis übergenug. Aber die um Wulle und Mumm sehen nur die Oberfläche der Erscheinungen. Sie dringen nie- mals bis zu den Kernpunkten vor. Und sie hüllen sich oben- drein so aufdringlich in die deutschnationale Tugendtoga, dag man unwillkürlich an die biblischen Pbarisäer denkt. Ueber- dies aber verdeckt die Toga nur unzulänglich den Partei- politischen Pferdefuß. Bon wannen datiert die Schlechtigkeit der Welt? Herr Wulle möchte uns glauben machen: vom Tage der Revo- l u t i o n. Leuten seines Schlages ist es nicht gegeben, soziale Erscheinungen in ihrer Totalität zu erfassen und an Zeit- ereignisse den Maßstab geschichtlichen Denkens zu legen. Sie sehen immer nur kleine und kleinste Ausschnitte. Ihr Gesichts- kreis ist dermaßen eingeengt, daß sie jedes Augenmaß ver- lieren. Ihre Gehirntätigkeit kulminiert in dem Haß gegen die Revolution und die Träger neuer Ideen. Das deutsche Bür- gertum hat im letzten halben Jahrhundert kaum einen ein- zigen überragenden Kopf gehabt Aber die Lasker, Miguel und Windthorst nehmen sich wie Riesen aus gegenüber dem kleinen Geschlecht, das die gewaltigen Probleme unserer Zeit mit abgelebten Redekünsten und plumper Demagogie meistern möchte. Lasten wir es aber bei solchen ollgemeinen Bemerkungen nicht bewenden. Herr Wulle ereiferte sich am Dienstag ge- waltig über die Berliner Theater, nannte sie— zitierend— Bordelle und klagte, daß er selbst am Weihnachtsfeste kein einziges für eine anständige Famllie geeignetes Stück Habs. finden können. Darin steckt doch eine ganz gewaltige Ueber- treibung. Was spielt, um nur einige Beispiele.zu nennen, zurzeit das staatliche Schauspielhaus?: Shakespeares„Sturm". Ibsens„Prer Gynt", Goethes„Torquato Tasso", Freytags .�Journalisten" und Hans Müllers Galilei-Drama„Die Sterne". In den von Wulle geschmähten Reinhardt-Bühnen aber spielt man gegenwärtig„Florian Gener",„Kaufmann von Benedig",„Jungfrau von Orleans",.König der dunklen Kammer", dieses ein Drama des hochsittlichen Inders Rabin- dranath Tagore. Daß daneben auf anderen Bühnen recht- schaffener Schund gegeben wird, daß Schmutzereien unter- laufen, daß Nackttänze kein hervorragendes Mittel find, die Schaubühne zur moralischen Anstalt zu machen, bestreitet kein gesund empfindender Mensch. Auch wir möchten auf manches, was sich heute auf Berliner Bühnen spreizt, mit Ber- gnügen verzichten. Schnitzlers„Reigen" ist als Buch in den Händen gereifter Menschen ganz ungefährlich— in der Vergröberung bühnendramatischer Gestaltung wirken jedoch die Szenen zwischen Mann und Weib viel ausdringlicher. Und das Schieberpublikum des Parketts erlebt behaglich grinsend den„Reigen" rein stofflich. Vielleicht aber ist es gestattet, ein wenig zunickzublättern. War denn etwa in früheren Zeiten alles eitel Sittlichkeit, Herr Wulle? Reden wir nicht von der Verfallszeit des römi- scheu Kaisertums oder dem Rom der Renaissancepäpste. Blei- den wir im Lande und in der neuen Zeit. Und da finden wir, daß selbst die glorreichen Hohenzollern mitunter in sün- diger Fleifchesllist nur so schwelgten. Die Geschichte vym dicken Frömmler Friedrich Wilbelm und Minchen Encke steht allerdings in einem Schullesebuch ebensowenig, wie diese und jene ändere hohenzollernsche Erbaulichkeit— bis herab zu dem früheren deutschen Kronprinzen und jetzigen Hufschmied von Wieringen. Herr Wulle. der über das Spreebabel in heiligen Zorn gerät, will uns hoffentlich nicht das f l a ch e L a n d als leuchtendes Gegenbeispiel vor Augen führen. Denn über die sittlichen Zustände in ländlichen Gefilden haben schon sahre- lang vor dem Kriege evangelische Pastoren beängstigende Statistiken aufgemacht, die darauf schließen lassen mußten. daß man dort nicht weniger, höchstens nur etwas izeimlicher sündigt als in dem großstädtischen Pfuhl. Und war es bloß ein neckischer Zufall, daß vor Jahresfrist bei der berühmten „Land wirtschaftlichen Woche'� sust in der„Deut- scheu Tageszeitung" eine bekannte Nackttänzerin angepriesen wurde? Und daß ausgerechnet in jener Woche die Eintritts- ! preise für die weibliche Fleischbeschan bis zu bundert Mark � gesteigert wurden? Ist es nicht überhaupt offenkundige Tat- lache, daß ein sehr stattlicher Teil des Publikums solcher Dar- bietungen aus der„Provinz" kommt, und ein sehr großer i Tell intensiv nach Stall duftet? Wer über Sittlichkeit zu reden sich anmaßt, ist ein Heuchler oder ein Dummkopf, wenn er die Einwirkung d e s K tj e g e s auf unsere sittlicben Zustände außer acht läßt Denn dieser Krieg, die größte Völkerwanderung aller Zellen, riß Millionen und aber Millionen lebensstarker Männer aus t ihrer Umwelt, ihrem Heim, ihrer Familie, stürzte Million«, an« soziale? Gebundenheit in ein wüstes La gerieben. Daheim litten sie Familien leibliche und seelische Not. draußen die Männer aber verwilderten. Das„Stahlbad" brachte die E r- Ziehung zum Bordell, das in der Etappe zu einem Bestandteil militärischer Organisation wurde und Stadt und Land, Ledige und Verheiratete zu ständiger Kundschaft ver- einigte. Im Bevölkerungspolitischen Ausschuß des alten Reichstags brachte seinerzeit ein Zentrumsabgeordneter einen Kommandanturbefehl aus einem Etappenort der Westfront zur Kenntnis, der den Sonntagsdienst der Mannschaften kund- gab. Morgens 8 Uhr— so hieß es da— katholischer, um 9 Uhr evangelischer Gottesdienst. Und dann, unmittelbar und sehr sinnig anschließend:„Der Salon der Madame Soundso ist wieder geöfsnet. Der Preis ist für Mannschaften auf 3 M. festgesetzt." Gottesdienst und Puff in einem Atemzug l Für denkende Menschen aber ist es klar, daß die unge- Heu« soziale Erschütterung dieses Krieges auch die sittlichen Grundlagen in der Gesellschaft und im Einzelmenschen lockern mußte. Gegen diese Erscheinungen hilft kein Polizeiknüttel und keine Moralpredigt. Uebergangszeiten, in denen Altes versinkt, Neues sich erst formen muß, sind nach den Ersah- rungen der Geschichte zugleich stet? Zeiten moralischer Ver- wirrung gewesen. Vielleicht sind aber die aufbauenden re- generierenden Kräfte in keiner früberen Epoche so stark ge- wesen wie heute, wo namentlich in den unteren Volksschichten jener zukunstsfteudige Glaube lebendig ist, der aus Trümmern ein neues Reuh zu gestalten trachtet. Schon allein die Bil- dungs- und Erziehungsarbeit des sozialistischen Proletariats, die sich unter anderem in ihren Volksbühnen einen weithin sichtbaren Ausdruck geschaffen hat. ist uns«in Bürge jener Zukunft, die über die Engstirnigkeit der Wull« und Genossen siegreich triumphieren wird. der unbequeme Jinanzmimster. Der Reichsfinanzminister Dr. Wirth hat in der Deutschen Bolkspartei, obgleich sie zur Regierungskoalition gehört, eben- sowenig Freunde wie bei den Deutschnationalen. Der Grund dafür ist, daß Dr. Wirth sich treu zu den Grundsätzen der Demokratie bekennt und der Steuerpolitik der Becker und Helfferich zuweilen Schwierigkeiten bereitet. Wir hören nun aus zuverlässiger Quelle, daß die DeutscheBolksparteidemReichsfinanzmini- sterium bereits einen ihr genehmeren P�o- litiker angetragen hat! An der Geneigtheit zur An- nähme des Angebots würde es nicht fehlen, nur scheint das Amt des Reichsfinanzministers noch nicht verfügbar zu sein. Herr Dr. �Virth scheint nicht daran zu denken, das Feld räumen zu wollen. Und auch die Stresemannen können das Fell des Bären nicht früher verteilen, ehe sie das Wild erlegt haben. Einlenken im Steueraussthuß. Der Sieuerousschuß de« Reichstages verhandelte am Mittwoch tn zweiter Lesung Wer die wichtige Frage der Ab schrei dun« g e n bei der Veranlagung der E i n k o m m« n st e u« r. Die Re- aierungsparteien schlugen jetzt selbst ein« Befristung der von ihnen beantragten Bestimmungen bis 1S28 vor. Abg. Seil(Eoz.) bezeich- mit es als unmöglich, die weitgehenden Abschreibungen auch de» juristischen Personen, bei denen die Reserve» nur mit 10 Prvz. de. steuert«erden, einzuräumen. Der Abschluß de, Hüttenwerk» Thal« zeige, daß die großen Aktiengesellschaften /ehr wohl in der Lage seien, die notwendigen Rücklagen au» dem versteuerten Einkommen zu machen. Auch den neu erfundenen Begriff des /lauernden gemeinen' Werts" als Maßstab der Bermögensberechnung der Betriebe lehnt« der Redner ab. Eifrig verteidigte Abg. Helfferich . die Anträge der Regierungsparteien gegen diese Kritik. Ein« Wendung trat ein, als schließlich auch Finanzminister Dr. Wirth die schweren Bedenken gegen di« Anträge nochmals unterstrich, und als auch«in Vertreter der preußischen Regierung sich gegen die Anträge wandte. Der Minister machte u. a. auf die politischen Wirkungen aufmerksam, die bei den Lohn- und Gehaltsempfängern daraus entstehen könnten, daß dies« Steuernovell« ?ugend von morgen. Konzert- und Komponistenschau. Ein bedeutender Komponist unserer Zeit verriet mir jüngst, er wag« es nicht mehr, eine viersätzige Sinfonie zu schreiben, well er das Abschreiben der Stimmen nicht bezahlen könne. Von solchen materiellen Nöten und Bedenken sind andere Musiker frei. Sie denken gar nicht daran, Zeiteinfälle, musikalische Sätze zu ratio- nieren. Das ist bei der führenden, großen Begabung nur gut und recht, wird bei den Durchschnittsaeistern jedoch peinlich. Phantast«, schöpferischer Gedanke, musikalisch« Durcharbeitung ist alles, das Handwerk nichts. Die Ausdehnung und da» Bresttreten schmaler musitalischer Gebilde, das Posieren mll tiner gewissen technischen Bravour entschuldigt nichts und verdeckt nichts. Zeit ist Geld, und das Sagenswerte, das Erlebte einer Musik läßt sich meist viel kürzer auf teure» Partiturpapier bringen, als es gemeinhin geschieht; das kreie Schalten mit den Formen, ein unglückliches Vorrecht aller Modernen, behauptet sich erfolgreich nur bei den wenigen Auser- wählten. Zu denen zählt der frühere Geiger Emil B o h n t e nicht. Er versucht sich mit Erfolg im Dirigieren und nimmt durch sein jugendliches Temperament, das sich frei austobt, sehr für sich ein. Auch die sinfonische Ouvertüre op. 2 wirbt ihre Freunde durch den Ernst, die Sachlichkeit eines dramatisch aufsteigenden, effektvoll losbrausenden Werks. Dann aber schwindet die Hoffnung bei op. 11, einem gegen die Geige komponierten, formlos zerslatternden Musik- stück. Selbst F l e s ch kann die Gleichgültigkeit dieses etüdenhaften, kn Passagen und virtuosen Griffen schwelgenden Ungetüms nicht retten. Das Orchester wuchert üppig, moderne Führungen, di« un- logisch sortgesponnen werden, interessieren einen Moment, scheinen dann fern von jedem Erlebnis aufgezeichnet und, um ihrer selbst willen gebären sie sortzeugend immer wieder Böses. Wo bleibt die Liebe zum Gesang? Wo der Respekt vor den Besonderhellen eines zur Liebkosung berufenen Instruments? Die Hoffnung von IlllLier- fließt 1920 zur Manier. O kehr' zurück, du kühner Sängerl Paul E r t e l s 1899 entstandene Harald-Sinfonie erlebt« eine Reuerweckung im Konzert des jugendlich-draufgangerffchen, noch gar unferngen, in die Materie versunkenen Hermann Ludwig. Der erste Satz dauert länger, als die Q-Moll-Sinfonie von Mozart. da» ganz« Wert 1� Stunden. Da, hält der themaüsch««rund- stock nicht au». Da« heroische, prunkvoll geschmiedete Allegro wird als frei« sinfonische Dichtung Wagner- Siraußscher Richtung be- stehen bleiben; auch dies mit großen Kürzungen und einer Retouche de« riefigen Orchesterklanges. Man begreift stilistisch nicht alles, und besonders die in der Mitte auftauchende, technisch famos gearbeitete Fug«, die doch gemeinhin den Schluß eines Werkes krönt, scheint weniger von der Logik des Aufbaue, als vom tontrapunktischen Können eines sehr routinierten und begabten Manne» zu erzählen. Warum diese Unendlichkeft? Von Paul Iouonz„Episode, concertantes" hörte ich nur noch den flotten und charaktervollen Schlußteil, den solistisch Larnbinon, Mendelssohn. Meissner glänzend bewältigten. Eine vorbildlich saubere Partitur schrieb Karl Kämpf m seiner Orchestersuite zu Andersens Märchen Xoen Müngersdors «denso sorgfältig vorbereitet wie gespielt). Ein zartes Melv, durch- zieht dies« vier innigen Stimmungen, deren schönst« Reize wir durch zur Entlastung leistungsfähiger Personen benützt«erde. Er lehnte auch ein entscheidendes Bestimmungsrecht des vorgesehene» Sachver- ständigenausschusses ab. Abg. Pohlmann(Dem.) erklärte hieraus, daß den Regierungsparteien sehr viel daran gelegen sein müsse, eine Verständigung mft der Sozialdemolratt« herbei- zuführen. Zu diesem Zweck sei er zu einem Entgegenkommen bereit, das dahingehe, den Begriff des dauernden gemeine» Werts fallen, die Befrismag nur bis 1326 gelten zu lassen, den Sachverständigen- ausschuß nur anzuhören und die ganzen Abschreibungsvor- schristen für die juristischen Personen(Aktiengesellschaften usw.) nicht gelten zu lassen. Ten Hompel(Zentr.) schloß sich diese» Lorschlögen an. Dr Becker(D. Lp.) wandte sich sehr heftig gegen die Vorschläge seiner Koaliftonsfreunde. Auch Helfferich bekämpfte sie. Trotzdem wurde entsprechend den Vorschlägen Pohlmanns beschlossen, teil» mit Zustimmung, teils bei Stimmenthaltung unserer Vertreter. Auf Antrag der Deutschnationalen wurde noch be- schloffen, daß ein Arbeitseinkommen der Ehefrau, das aus einem dem Ehemann fremden Betriebe bezogen wird, selbständig zu ver- anlagen, also nicht mit dem Einkommen des Mannes zusammenzu- rechnen ist. Den Anlaß zu diesem Antrag gab der Umstand, daß .bei der künftigen Lohnsteuer das Arbeitseinkommen zweier Ehe- gatten aus steuertechnischen Gründen nicht mehr zusammengerechoet werden kann. Der Aussckmß beriet sodann das Gesetz über die Berlangerung der Geltungsdauer de.r Kohlen st««er und beschloß auf sozialdemokratischen Antrag die Befristung statt auf welle« �sechs nur auf drei Monate, also bis zum 30. Juni. Begründet wurde der Antrag mit den auch vom Minister anerkannten großen Verschiebungen der Lage aus dem Kohlenmarkte. Der Kronzeuge üer„Noten ßahne". „Die Aussagen des Hauptmanns Kessel bei der Wiederau frollung des Marloh-Prozeffes beweisen»un, daß die Noste-Sozialbsten auch für die Märzschlächtereieu de, Jahres 1919 nicht nur indirekt, sondern direkt verantwort. lich sind." So triumphiert die„Rote Fahne". Aus unserem Prozeßbericht wiffen unsere Leser, daß der angeklagte Hauptmann o. Keffel versucht hat, sich auf Nosk«, Eugen Ernst. Staatsanwalt Weißmann und andere herauszureden. Wir bestreiten keineswegs, daß die Behauptungen des Hauptmanns v.Kessel eine Belastung der Genannten darstellen— wenn sie nämlich wahr sind. Und da sind wir beim springenden Punkt. Für die„Rote Fahne" ist natürlich alles, was ein Hauptmann ».�Kessel sagt, unum st ößliche. Wahrheit; denn, nicht wahr, oerehrte„Rote Fahne", reaktionäre Offiziere lüge» niemals?! Di«„Rote Fahne" hat zwar selber Dutzende von Malen geschrieben, daß Hauptmann v. Keffel im Marloh-Prozeß einen M« i n e i d geleistet hat, aber dos spricht doch nur für sein« erhöht« Glaubwürdigteitl Denn wer als Zeuge unter Eidespflicht die Unwahrheit aussagt, der wird doch auf der Anklagebank, auf der jedermann das Recht zum Lügen hat, nur die reine Wahrheit von sich gebenl Und wenn jetzt Eugen Ernst und Staatssekretär Weißmann als Zeuge» oernomme» wer- den. und die Angabe» des Allgeklagten v. Kessel atid erlege», dann- wird die„State Fahne" trotzdem für die Glaubwürdig. keil de» Kessel ihre Hand ins Feuer lege» und ausrufen:„Mag dieser Haupunann». Keffel sich ai»«in Meister der Intrige, de« Komplotts, de» Herauslügens, mag er sich als«in meineidiger und durchtriebener Mensch erwiesen habe», jetzt sagr«r gegen die Sozialdemokratie aus. Folglich ist er jetzt unser Wann und glaubwürdig!". Schließlich paffen ja auch Herr v. Keffel und di«„State Fahne" als zwei Fanatiker der reinen Wahrheit auf das trefflichste zusammen. Auch die Wahrheitsleistung der„Roten Fahne" wird von Tag zu Tag großzügiger. Behauptet doch dieses Blatt dreist und moskausürchtig, die Georgier hätten aus«ige- nem Antrieb ihre wzialistisch« Regierung vertrieben und sich zum Bolschewismus bekehrt! Wenn der deutsche Generalstab 1914 behauptet hätte, die deutsch« Armee sei auf Wunsch des gequälten belgischen Lölkes in deffen Land eingefallen, so hätte er nicht schamloser gelogen als seht die„Rote Fahne", die ihren Lesern hartnäckig verschweigt, daß der Bolschewismus in nordische Weisen und eine instrumental prächtig gefärbt«, problemlos gefangennehmende Harmonik gewahr werden. Bon nachroman- ttfcher Prvgrammufik der letzten Jahre sicher eine der allerbesten. Diese vornehme Hallung eines bewußt Unmodernen überzeugt und imponiert? Der sehr modern« und fast zur Modegellung kommend« E. W. Korngold leistet sich in seiner Musik zu„Biel Lärm um nichts" eine Extratour ins Reich der leichtgeschürzten Muse. Ich habe feine Anfänge als genialische Leistungen eines fast Vollendeten gepriesen(Sonate, Schneemonn-Pantomime, Violanra). So darf das Unzulängliche, salopp Hingeworfene, spielerisch Unwichttge dieser Gelegenheitsmusik bedauert werden. Das macht seder gut« Hand- werker; Korngold» Mission, di« er auf der Opernbühne zu erfüllen hat, sollte ihn von der Wingfreudigkell dieser allzu süßen Stückchen fernhallen. Die Begeisterung des Publikums gibt zu denken. Egon P o l l a k aus Hamburg wurde mll gerechtem Beifall aus- gezeichnet: sein Dirigieren verrät den trotz Routin« jeden Takt fejnst nachzeichnenden, an seinen Aufgaben wachsenden feurigen Theater- Musiker. An alte Zeit mahnen auch die vier Gesänge von Gustav Jen» er, di« eme rührige niedersächsische Musikvereinigimg iAffeffor Hiller die Seele des Unternehmens) erstmalig zu Gehör brachte. Weiche, sinnig dem Rückertschen Wort(„Nachtwache") fol- gend« Tonpoest«, nicht«igen, aber in schönem melodischen Gewand. Ebel am Klavier und seine Gattin als seelenvolle Gesangsinter- pretin, gestützt von Rembt, Freund und dem sehr ungleichmäßigen Geiger Gülzow hoben das anmutige Werk aus der Taufe. Hertha Kahn, eine tüchtige, sichere, aber im Ausdruck sehr unruhige Geigerin, und Claudio A r r a u, der seine Partnerin sehr unkaoaller- mäßig überdonnerte, spielten zwischen Sonaten von Brahms und Franck ein älteres Wert des jungen Eduard Moritz. Gefährliches Wagnis, da die lebhaft hinströmenden Partien von Schumann, die langsameren von Brahjns stark abhängig sind. Auf tadelfreien Satz und abwechslungsreiche Harmonik, die zuletzt sogar mit Debussy liebäugett, ist streng geachtet; doch ist der thematische Fluß starr, un- lebendig. Montz ist längst über diese, noch in Lernfeffeln keuchende Arbeit hinaus, sein« prächtigen Lieder, da» letzte Quartett, sein Orchester-Scherzo haben ihm unter den bestbegabten Komponisten von heute«inen guten Nomen gemacht. Am gleichen Abend verabschiedet« sich N i lisch»vn uns mit einem Programm, da» sö recht alle Herzen in Bann flßlägt: Leonor« Str. II, Schubert»„Unvollendete" und Brahm, Sinfonie E-Woll. Im ältesten Wert noch kommt un» dieser Meisterdirigent(der«in- zig« neben Furlwängker) mit neuen Einfällen, di« von der stets wachen Anteilnahme eines Urmusikers erzählen. So diesmal mit dem sonderbar verhaltenen, durch den Kontrast der schnellen Durch- führung fesselnden ersten Satz Schubert. Wie Ritisch dies und alles leitet, fühlt und überträgt, das ist herrlichste Kunst'st Jugend von gestern, heute und morgen. Und Feiertag ist. wenn Elair« Dur stygt Auch sie mit einem Abschiedsblick. Die Operette hat ihrer vollendeten Sangeskunft und dem eiaenarttg weichen Timbre ihrer Stimme nichts geschadet; im Gegenteil, auch die Mittellag« ist stark, tragend geworden. Mit großer Freud« hörte ich die letzten deutschen Volkslieder des Beethoven-Ehor», den Hanns M i e ß n e r leitet. Er ist ein überaus sorgfältiger und musikalischer Ehormeister, di« Georgien nicht aus irgendeiner«inheinnschen Bewegung entstanden, sondern von außen her auf den Bajonetten der bolschewistischem Eroberungsarmee importiert worden ist Aber die„Staoe Fahne" versieht es schon, schamlos wie nur irgendein imperialistisches Organ den gemeinsten Raubkrieg als erhobene Tat zu ver- herrlichen. Wie alle Schergen der Gewall fügt sie zur brutalen Tat noch den H o h n. daß die Dergewalligten es also gewollt hätten. Aber mutet die„State Fahne" der Leichtgläubigkeit ihrer Leser nicht mitunter gar zu viel zu? Als di« ersten Nachrichten über die Kronstädter Revolte etnliesen, erklärte die„State Fahne' feierlich, daß alles Schwindel und Erfindung fei. Sie versichert« ihren etwas verängstigten Lesern, daß in Sronstadt und Petersburg die größte Ruhe herrschte. Zwei Tage später teilt« sie mit daß es der Sowjetregierung bald gelingen werde, den Aufstand' zu unterdrücken. Wird es nun wenigstens«inen denkenden Leser der„Rote» Fahne" geben, der die Frage stellt, wie man«inen Auf- stand unterdrückt, der angeblich gar nicht ausgebrochen.st?! Die§reigretizen üer Wohnungsfteuer. Der Wohnungsausschuß de» Reichstages setzte am Mittwoch seine Beratungen fort und faßte u. a. folgende Beschlüsse: Bon der Abgabe bleiben befreit Rutzungsberechtigle von Wohnräumen, wenn ihr steuerbares Einkommen nicht mehr beträgt als 4000 M., wenn die Wohnung in einer Ortschaft der Ortsklasse Li Legt 4500 M. in der Ortsklasse D, 5000 W. in der Ortsklasse C, 6000 M in der Ortsklasse L, und 7000 M m der Ortsklasse A. Die angegebenen Freigrenzen erhöhen sich für jede zur Haushaltung des Wohnungsinhabere zählende Person, soweit ste nicht selbständig zur Einkommensteuer veranlagt ist, um je 1200 M. Dem steuer- baren Jahreseinkommen des Haushaltungsoorstandes wird das steuerbare Jahreseinkommen der selbständig zur Einkommen- steuer veranlagten Haushallungsangehörigen, svweft sie Familienangehörige sind, zugerechnet. Auf Antrag sind von der Abgabe ganz oder teilweise zu befreien: Nutzungsbercchtiqre 1. von Gebäuden oder Ge- bättdeteflen, die wirtschaftlichen Zwecken gewidmet sind, svweft sie infolge völliger oder teilweiser Einstellung des Betriebes ganz oder teilweise nicht ausgenützt werden; 2. von Gebäuden oder Wohnun 5en, deren Nutzung durch bauliche Veränderungen nach dem 1. Juli 918 so verteuert worden ist daß sie im Preise der Nutzung einer nach dem 1. Juli 1918 neugebauien Wohnungen gleich- oder nahe- kommen. Die belgischen Sozialisten. In der von uns besprochenen Auslasiung von belgisch- sozialistischer Seite in den P.P.N. wird bestritten, daß die belgischen Sozialisten mit den Sanktionen irgend etwas zu tun haben. Inzwischen ist die Meldung gekommen, daß der Generalrat der sozialistischen Partei Belgiens zwar beschlossen hat. in der Kammer Aufklärungen zu verlangen und jeden uiilitaristischen Gewaltstreich abzulehnen, daß er aber gleichzeitig— mit einem kühnen Kopfsprung•*- das Verhalten der Vertretung Belgiens auf der Londoner Kou- serenz gebilligt habe. Wir sehen uns mm veranlaßt, folgende Fragen an die belgische Soztalisienpartei zu richten: Ist e« richtig, ddß der Ausschuß der belgischen Repräsentanten.- tammer für auswärtige Angelegenheiten, dem vier Sozialisten angehören,»ach der Pariser Zusammenkunft einstimmig.da« Terhalten der belgischen Delegierten gebilligt hat?* Ist es richtig, daß»ach der Rück lehr der beiden belgischen Ser, treter der sozialistische Präsident der Kammer, Brunei, diese beiden Vertreter wegen ihrer Haltung beglückwünscht hat? Ist es richtig, daß derselbe Ausschuß während der Lonb ö ne, Tagung einstimmig beschlossen hat, die belgischen Vertreter zti ersuch-n, bei den Pariser Beschlüssen bestehen zu bleiben? Ist es richtig, daß die sozialistischen Parlamentarier Brunei und Deströe sich öffentlich für die Bildung eine» selbstän- digen rheinischen PusferstaateS ausgesprochen haben. ohne daß die sozial'stische Partei Belgiens irgend etwas gegen diese beiden unternommen hat! Wir dürfen von der belgischen Sozialistenpartei. die mit unS der gleichen Internationale angehört eindeutig Beant- wortung dieser Fragen verlangen. 50 Herren ersetzen nicht nur einen Massenchor, sondern bringen durch die Verantwortlichkeit jedes einzelnen auch besondere Stuancierun- gen, Steigerungen, Modulationen de» Klangs zutage, wie ich es von fast keinem anderen Männerchor kenn«. Seihst am Ende dieses langen Zlbends sind Stimme und Laune nicht oerbraucht, schwierige Werke scheinen wie von selbst gesungen. Ein Bravo der kleinen Schar!\__ Dr. Kurt Singer. Ilnhösllchketf. Es regnete. Ich wurde aber nicht naß. denn ich fuhr in der Elektrischen, ich saß in der Elektrischen: Ich bemerke besonder», daß ich saß, well ich für gewöhnlich, wenn ich überhaupt fahr«, auf der Plattsann stehe. Ich fühlt« mich sehr«oht weil ich nicht naß wurde und well ich eben saß. Ich dachte gerade«in wenig an den netten Mann, den ich neulich trotz seines kaiser-Wilhelm-es- ist-erreicht-Bartes auf der Terrasse hinter dem Reichstagsgebäude in unbewußter Symbolik»inen Kinderkreisel drehen sah, als meine Nase ein schreckliches Parfüm und meine Ohren der Satz traft Die Herren von heute— kein Mensch macht einer Dame Platz! Ich habe mir die Dam« ange'ehen und— bin sitzen geblieben, noch mehr, ich habe lümmelhaft über das ganze Gesicht gegrinst Dann habe ich meinen netten Kreiselmann verlassen und Hab» mich in Gedanken ein wenig mit der Dame unterhallen: Liebe Frau (goädige Frau sage ich grundsätzlich nicht, und— sie sah auch wirk- lich nicht gnädig aus), also, liebe Frau, ich will nicht fragen, waren Sie für mich drei Jahre im Schützengraben, oder ich für Sie, son- dern: Haben Sie nicht auch in den Jahren 14— 18'einmal ähnliches geäußert wie:„wenn sie nur erst zurück wären, unsere braven Feld- grauen, wir würden doch alles für ste tun", ja? Schämen Sie sich dieser Worte nicht!— Sie dürfen jetzt einmal für uns stehen. Weiter, Sie sind doch sicherlich befriedigt, daß di« Frauen jetzt die gleichen Rechte mit den Männern teilen? Ja. Gut, somft fallen Jogiftaerweife auch die Barzuqsrechte. Bleiben Sie ruhig stehen! , Weiter,� Sie haben doch keinen Tragloxb auf dem Rücken, sondern einen Weißfuchs, Ihre Hände zeigen keine harten Schwielen, sondern Brillanten, Ihre Füße standen nicht stundenlang im Straßenschmutz, sondern verließen eben erst die weichen Teppiche Ihres Heims, Ihr Körper steht nicht müde au», sondern wix einem erfrischenden Bad entstiegen. Ihre— hall, steig«, Sie doch nicht aus, so schlimm ist e« nicht, daß Sie nun au» Scham überhaupt zu Fuß gehen mußten! Da„ st« ist ausqestiegen. E» scheint doch Gedankenübertragung zu geben. Fast will ich e« meinen. Da höre ich die Stimm« de» Schaffner»: -Die Dame mit det Parföng? Di« wohnt hier fissafleh!" Also doch nicht Gedankenübertragung— schade—. a. s. Tbeater. In die AbonnementSauisübi'ungen de» Großen Schau I p I e l d a« f e S werden für die nächste Zpielzett Hauptmanns.A eb er' ausgenommen«erden. Jngeitd-VolkSdüfine der BolkSbilbne®, v- üingendvarstellm,, am Sonnabend, den 19. März. 3 1%, im N e u e n Bol kstdeotcr. Cöve- nicker Sir. SS;„Der Parasit oder Die Kunst, skinJäliick ja machen', Lnftspicl von Friedrich Schiller. Eintritt 1.S0 W. RLebtte«»rmdmnük w der«oiser-Wilbelm-DedächtniS�dirche Donner«. tag,� 17. Starz. 8 Uhr abend». Fritz Hettmernrn: Pagtonsmufit vo» Jfe. 1�7 ♦ 3S. Jahrgang !♦ Heilage öes vorwärts Vonnerstag. 17. März 1H2? GroßGerlln Serllner fioschlag- und Reklamewesen H. m. b. H. Nachdem die Berliner Stadtverordnetenversammlung am S. d. M. beschlossen hat, das Berliner Anschlagwesev in Eigenbetrieb zu nehmen, soll nunmehr die GrLndttng einer„Berliner Anschlag- und Nellametvesen G. m. b. H." ersolgen. Das vorgeschriebene Mindest- slanunlapnal von 20 Ol» M. wird der Magistrot als Gründer in Höh? von IS 000 M. und Stadtbaurat tzabn als zweiter vom Gesetz «-"ndest geforderter Gesellschafter mit 1000 M. erlegen mit der Vfoßgabe, dah letzterer Betrag aus den Magistrat übergeht. Ter zum Geschäftsführer in Aussicht genommene bisherig« Leiter des GesamtbetriebeS von Nauck u. Hartmann soll den Betrieb möglichst an bisheriger Stelle belasten, deren Räume der Gesellschaft nebst allem Mobiliar. Utensilien und Ausrüstungsstücken überlasten werden. Die Mittel zur Foriftihrung de« Betriebe« find auf 800000 M. veranschlagt und werden, ohne dost besondere städtische Gelder fluisig zu machen sind, aus dem vertragsmäßig von der Firma Nauck u. Harlmann bei Beendigung des Vertragsderhältnifies an die Stadt abzuführenden Anteil am Reingewinn des letzten Ge- schäsrsjahreS in der erforderlichen Höhe zur Verfügung gestellt Werder. Der Magistrat hat der Etodlverordnetenversommlung ein« entsprechende Vorlag« zugeben Irrsten, zugleich mit dem Ersuchen um Vorschläge für die zu bestimmenden vier AusfichtSratSmitgliedrr. Sezirksmnt Chorlottenburg bestätigt.' Die Wahlen zum Bezirksamt des Verwaltungsbezirks 7 Uhr im Sitzungssaal des Schoneberger Rathauses durch Oberbürgermeister Boß; im Bezirk Tiergarten am Mittwoch, den 23. März, abends 6 Uhr in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Bochumer Straße 8s, voraussichtlich auch durch Oberbürgermeister Büß.> « ./• Wie«in« Korrespondenz berichtet, erleidet die Bestätigung einer Ateche Bezirksamtswahlen lediglich dadurch«ine Berzögerung. daß dk« Gewählten eine Annahmeerklärung eingereicht hoben, welche an bestimmte Bedingungen und Doraussetzungen geknüpft sei. Wir glauben, daß dieser Grund der Nichtbestätigung namentlich derjenigen Bezirksämter, die schon zu den erstgemahlten gehören, nicht zutrifft. Uns wird vielmehr mitgeteilt, daß der Oberpräsidem kein» der Bezirksämter bestätigen wolle, in die tein Jurist gewählt worden sei. Wenn dies)tie Aufsafsung des Oberpräsidenten sein sollte, so wäre es schon längst sein« Pslicht gewesen, den in Frage kommenden Bezirken entsprechende Mitteilung«, zu machen. da sonst das Zustandekommen dieser Bezirksämter um weitere Wochen hinausgeschoben würde. Ob ein juristischer Dezernent im Bezirksamt notwendig ist, wollen wir im Augenblick weder bejahen noch verneinen. Angesicht» der Tatsache, daß den Bezirken eine Reihe wichtiger Berwallungsausgaben entzogen sind, möchten wir meinTV daß das Fehlen eines jurrstischen Dezernenten kein aus- schlag�Äender Grund sein kann. Bezirksämter nicht zu bestStigen. Leberfall auf eine Kartenlegerin. I» ihrer Wohnung überfallen und''niedergeschlagen wurde die 72 Jahre alte Witwe Goerz cms der Richardstrotze S2. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß die alte Frau eine Ge- £ Hirnerschütterung, Wunden im Gesicht und ein« Quetschung der Echädeldecke davongetragen hat. Die Verlegungen rühren von Schlägen mit einem stumpfen Werkzeug her. Frau Goerz wurde gestern im Krankenhause Buckow vernommen. Sie gab dabei an. daß um 7% Uhr plötzlich eine große Frau bei ihr eingetreten sei, ohne zu klingeln, und sie gebeten habe, ihr die Karten zu legen. Sie gab an, daß sie von einer Bekannten aus der Änesebecksttaße geschickt worden sei. Auch erzähtte sie, daß sie in einer Waschanstalt tätig sei und seit vier Jahren an Asthma leide. Sie hatte«in blasses, mageres Gesicht und trug ein großes grünkariertes Kopstuch, das sie auch über das Gesicht gezogen harte, so daß nur die Augen zu sehen waren. Nachdem sie sich ungefähr eine Viertel Swnde bei der Kartenlegerin aufgehalten hatte, schritt die Besuchertn plötzlich zur Tat.' Was sich dabei zugetragen hat, vermag die Ueberfollene nicht anzugeben, die sie sofort die Besinnung verlor. Geraubt morden ist, wie festgestellt wurde, sonderbarerweise nichts. Wahrscheinlich ist die Täterin gestört worden, denn bald daraus kamen Nachbarn, die die alle Frau hatten stöhnen und deren Papagei schreien hören. Man glaubt nicht, daß es fich um einen verkleideten Mann, sondern tatsächlich um eine Frauensperson gehandelt bat. Zweckdienliche Mitteilungen zur Aufklärung des rätselhaften Ueherfalls, für die 1000 Mark Belohnung ausgesetzt sind, sind an Kriminal- kommisiar Geißel, Zimmer 133 des Berliner Polizeipräsidiums, Hausanruf 490, zu richten. , Ter Haushalt der Rieselgüter. Der Haushaltsausschuß der Berliner Stadtver- ordnetenoersammlung hat am Mittwoch abend seine Beratungen sortgesetzt unter dem Dorsitz des Stadw. Bruns, und wird vor- aussichtlich am Freitag schon seine Schlußsitzung abhalten können. Der Etat der Stadt Berlin sowie der übrige» 57 Gemeinden usw. wurde angenommen. Eine längere Erörterung entspann sich bei der Beratung des Etats für die Rieselfelder, der im laufanden Jahr« einen Fehlbetrag von 12 Millionen Mark auswies. Der an- welende Güterdirektor Dr. Reeths gab dazu näher« Auiktärungen. Die Gutsverwottungen feien nicht auf eine rein landwirtschaftliche Bewirlschaftung der Güter eingestellt. Sie müßten zunächst Rückficht aus die Kanalisation und die Ausnahme der Abwäfler aus Berlin nehmen. Sodann hätten die Güter während der Kriegszeit, und auch später, die städtischen Anstallen mir allen möglichen landwirtschmt- lichen Erzeugnissen beliefern müssen, und Zwar zu vorgeschriebenen Preisen. Sie hätten also nicht, wie zahlreiche Landwirte, die Produkte der Landwirtschaft höher verwerten können. Diese Mtteilun- gen wurden' von einer Seite bemängelt. Di« Anstalten hätten der Gutsoerwoltung genau dieselben Preise zahlen müssen wie anderen Lieferanten. Ein Antrag, die G r u n d st« u« r auf 4 vom Tausend für bebaute und K vom Tausend f L r un. bebaute Grundstücke festzusetzen, wurde �abgelehnt. Es bleibt somit bei der Grundsteuer von 5 vom Tausend'für bebaut« und 7 vom Tausend für unbebaute Grundstücke in Berlin. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Büß und Bürgermeister Ritter sowie zahlreiche Mitglieder des Magistrats»ertreten. Ei» merkwürdiges Verfahren: Der jetzige Vorstand der Wilmersd orfer Landkranken- kasse, mit besten Tätigkeit viele nicht einverstanden sind, soll seit 2 Jahren neu gewählt werden. � Der Vorsitzende, Herr Heenemann. ft't der Verleger der»Wiin, ersdorfer Zeititng", die beute„Der Westen* beitzt. Das Statut der Krankenkasie bcslnnmt nun. dätz ihre Ver- ösiemlichungen in der. Wilmersdorfer Zeitung* ersolgen sollen. Die Neuwahl wirh jedoch im„ReichSanzeiger* ousgeichriebcn, weil dielen wahricherulich jeder Äilmersborfer Einwohner liest. Herr H. scheütt vergessen zu haben, daß„Der Weiten* die Fortsetzung der„W'lmerS- dorfer Zeitung* ist, wie diese ielber in Nr. 222 vom 30. 0. 20 mit- teilte. Was war also selbstverständlicher, als nun auch die Bekannt- machnngen der. Krankenkasse im„Westen* zu vet öffentlichen. Wir sind zwar nickt der Aufiasiung, daß Herr Heenemann die? etwa aus dem Grunde getan hat, um auck fernerhin die meisten Auftröge der Druckiachen für die Landtrankenkasie zu erhalten, sondern nehmen an, daß er nur aus g u t e m H e r z e n für die Versickerten gehandelt hat. glauben aber nicht, daß sich da« Versickerungsamt Berlin diese Machenschaften des in Berlin-WilmerSdors allmächtigen Heenemann gefallen lasten wird. Beim Güterdiebstahl angeschossen. Auf dem Berschiebebahnhof Wustermark wurden in der letzten Nacht gegen Morgen zwei Per- sonen beobachtet, die sich an einem dort haltenden Güterzuge zu schaffen mächten. Die sofort benachrichtigten Ueberwochungsbeamterr der Eisenbahndirektion Berlin nahmen die Verfolgung dieser beiden auf, die auf den mehrfachen Anruf der Beamten nicht stehen blieben, sondern unter Zurücklossung eines schweren Ballens die Flucht er- griffen. Als die beiden Beamten nunmehr von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machten, wurde der eine der beiden, ein arbeitsloser Klempner Marx, durch einen Beinschuß nicht unerheblich verletzt. Der andere, der beiden Täter entkam in der Dunkelheit unerkannt. Die nähere Untersuchung erqab, daß die beiden einen Eisenbahn- wagen erbrochen und«inen Ballen Leder im Gewichte von 3 Zentnern gestohlen hatten. Der Angeschosiene wurde nach Anlegung eines Notverbandes noch dem Krankenhause Spandau übergewhr:. wo ein schwerer Knöcheffchuß festgestellt wurde. Ein unaufgeklörk.'r Lelchensund beschäftigt seit drei Wochen d!o Charlottenburger Kriminalpolizei. Arn 23. Februar wurde in der Nähe des Bahnhofs Fürstenbrunn auf dem Lahnkörper zwischen den Schienen des Personengleises Spandau— Berlin die Leiche eines Mannes ausgesunden, dem von einem Eisenbobnzuge der Kops zerschmettert war. so daß man dos Gesicht nicht mehr erkennen konnte. Es ist bisher noch nicht gelungen, die Persönlichkeit, de» Toten festzustellen. Der Tote war etwa 40 bis 45 Jahre alt, kaum mittelgroß und schlank, hotte dunkelblondes Haar und trug einen grauen Regenmantel mit grün- und braunkaricrtem Fütter, eine grünlich graue Joppe, braunkarierte Beinkleider mit weiß und schwarz gestreisten Trägern, graues Trikotünterzeug, braune Strümpfe, schwarze Schnürschuhe und eine braune Sportmütze mit. rotem Futter. Er besaß eine goldene Uh,r die aus Petersburg zu stammen scheint. Sie trägt aus dem vorderen Deckel eine Krone. darunter die verschlungenen Buchstaben 0!. M., aus dem Hinteren Deckel die römische Zahl 25 und innen im Deckel den Namen der Firma Pawel Bure. Wer über die Persöislichkeit des Mannes irgendeine Auskunst geben kann, wird ersucht, sich bei der Kriminal- polizei in Chorlottenburg zu melden. Sozialistische Bildnngsschnlc. Heute abend pünktlich 7 llhr 2. Fori- letzung der Arbeiisgemeinichast des Genolsen Dr. Engelbaidt„Die Pbiloso pbie und der Sozialismus*. Lokal: Saal.der Iuristüche» Spoechülinde. Lindrnftr. 3, 1. Hos links Part. Ferner 2. Nbsnd aus der Dorttcgsreizs. des Genofien C. Schmidt,.Die materialistische Geschichtsauffgssimg*. Lokal: Aula der Mädchen-Mittelschnle. Donaustr. 120, Reukölln. Am Freitagj den IL. März, abends 7 Uhr. ii Fortjetzung der„Seminaristischen Hebungen" über Marr'„Kapital*. Genos'c Mar Anmwald, Lokal: Saal- der Iuriüi- schen Sprechstunde, Lindcnslr. 3, t. Hof links Part. Für die-drei Ver- anstaltunpen werden noch Hörer zuvu-iassen.— Soouabend. den 19. März. im Role-Tbeater. Große Frankfurter Str. 132.„DaS Tal des uebens". Historisches Lnftipiel von Max Di eher. Eintritt einlchiieziick Garderot s 8,50 M Karten find zu haben bei allen Abieimngssüdrcrn des 4. Kreises sPrenzlaucr Tor) und bei den Kontrolleuren am Einganp des Theaters,— Am Sonnabend, den 19., abdS. 7 Uhr, in den Sophien-Festsälen. Soybieu- ftrafie 17,'18, Märzfeier des Vereins„Arbeiier.Jugrnd* Groü-Vcrlin. Mir- wirkende: Das Schubert-Quartett(Streichmusr!) und daS Dr. Euttmaiinsche Doppelquartett-(Gesang) Eiutrittstarlen k 2,50 M. im Bureau Arbeit«: Jugend. In den Zelten 23 und in der Buchhandlung„Vorwärts*, Linden- straßr 2.. Verschwunden ist seit dem J. März der Referendar Fritz Alb recht, wohnhaft Berlin, Friesenstr, 10, der bei der Deutschen Allgemeinen Korrespondenz tätig war. Irgendein Grund, der dos Verschwinden des jungen Mannes hätte erklären können, liegt nicht vor. Der Bermißte ist. zirka 1,70 Meter groß, von blasser Gesichtsfarbe, hat gelichtetes Haar und Schmisse auf der Stirn. Er ist 25 Jahre all und trug zurzeit einen graumelierten Anzug, blauei: Schlips mit weißen Tupfen, eilten weichen, graublauen Hut und und dunkeln Paletot. Nachrichten über den Verbleib des Der schwundenen nimmt jedes Polizeirevier entgegen. Innere und äußere Lage, lieber dieses Thema referiert« in der Mitgliederversammlung, der 1.07. Abteilung(A l t- G l i e n i ck e F a l t e n b e rg) Genosse Kaufmann. Noch dem fesselnden Referat nahm die Bersammlung«ine Resolutton gn, in welcher sie sich fiir dos Derbleiben unserer Genosien in der Regierung aus her bisherigen Basis erklärt. Für den Fall, daß es gelinge, abermals eine Koalition mit den bisherigen Parteien einzugehen, müßte von unseren Vertretern auf alle Fälle das Ministerium des Innern, das Landwirtichasts- und das Kultusministerium besetzt werden. Bcreiaignng proletarischer Kinderfreunde. Die SröffnnngSleicr findet am Sonntag, den 20. März, vormittags 11,! Uhr. in der.BolfS- büdne*, Theater am Bülowplatz, ilalt. Milwirkende: Berliner Vollschor, Frau Keitrud Ehsold. Festrede Dr. Kurt Locwenstcin, M. d. R. EintriltS- larten ä 2M. in der GeschäslSslelle der Bereinigung und an der Tlientei kofie. Genosse Pfarrer Bleier HM seine nächlle religiöke Feierstunde am Tonntag, de» 20. d. M.. morgens um 10 Ubr, in der Trinitatiskirche m Charlottenburg ad. Dort findet am Domterstag, den 17. d. M., ly Uhr, die Einsegnung der Kinder statt. Urber die schöne deotsche Stadt spricht w der Reihe der dam Bunde„Die.yetmaiwanderer* veranjlaltelcn Lichibilder vortrage am heutigen Donnerstag f1/, Uhr in der Urania Pros. Gonke. Skine Menschenkind. n. Mütterchen. 18] Von vlarklu Andersen Ztexä. JSd) werd' doch wohl nichts davon für den Haushalt he- kommen!' sagte Stme, mit einer Grimasse auf die Dinge zeigend. .Lab' keine Angst, Mädel, der WurstschlSchter iht seine Waren nie selber," entgegnete Johannes. W„Was willst du nun mit dem Zeug da anfangen?" fragte Lars Peter. Man konnte ihm ansehen, daß er die Antwort bereits kannte. Natürlich werd' ich's verkaufen!" Johannes zeigte feine weißen Zähne und packte eine Wurst.«Fühl' einmal, wie fest und drall!" „Und du meinst, daß du so etwas absetzen wirst? Dann kennst du die Leute hier in der Gegend schlecht."•, „Hier natürlich nicht. Ich fahre damit auf die andere Seite des Sees, wo nlemand mich kennt und weiß, woraus die Sache hergestellt ist. Zu Hause beim Meister haben wir's oft so gemacht. Was wir an verdorbener Ware in dem«inen Bezirk kauften, wurden wir in dem andern los. So tonnte man uns nicht kontrollieren. Ist das nicht ein famoses Ge- ftbäft? Darin mußt du mir doch rechtgeben.* „Mit der Fahrt will ich nichts zu tun haben," sagte Lars t dt- 1--■-1-% X Und ich will dich auch gar nicht mithaben— du bist mir " m umständlich. Morgen fahr' ich los. Aber du mußt mir einen anderen Gattl besorgen. Wenn ich mit der alte» ver- rosteten Dompfdreschmaschme da drm fahren soll, werd ich in einer Woche nicht fertig. Das ist ein widerwärtiges Mon- strum. Ich an deiner Stelle machte Würste draus." .Das wirft du nicht nötig haben." erwiderte Lars Peter gekränkt.„Der GauMY gut. wenn er auch nicht genau nach deinem Geschmack ist.*, � v.„.._. Die Sache war einfach die: Johannes und der große Klaus paßten nicht zusammen; sie waren wie Feuer und Wasier. Johannes wollte am liebsten über die Landstraße wegsausen; daß das nicht ging, merkte er ja bald. Da ver- langte er, daß der große/ Klaus— da er nun einmal nicht lausen konnte und so schwer in Gang zu bringen war— in Bewegung bleiben sollte, auch wenn er abstieg. Als Schlächter war er daran gewöhnt, abzuspringen, mit einem Stück Fleisch in ein Haus zu rennen, das Fuhrwerk einzuholen und wieder auszusteigen— ohne Unterbrechung der Fahrt. Aber der große Klaus hatte kein Interesse daran, sich auf derartige neue Kunststücke einzulassen: er wollte sich selber davon überzeugen daß alles ordentlich besorgt wurde. Darum prallten sie zu- sammen. Johannes machte sich daran, den Gaul einzufahren, und ließ dos dicke Ende der Peitsche auf ihn niederhageln. Der große Klaus blieb erstaunt stehen. Ein paarmal schlug er hinten aus— zur Warnung, dann machte er kehrt, zer- brach die Deichselftangen und versuchte, auf den Wagen zu steigen. Grinsend zeigte er seine langen Zähne, was recht gut bedeuten konnte: Ich möchte dich unter meinen Hufen haben. du schwarzer Lümmel! Dies spielte sich aus der Landstraße an dem Tage ab, als Johannes draußen war, um einzukaufen. Aber Lars Peter und die Kinder wußten recht gut. daß be- reits Feindschaft zwischen den beiden bestand. Wenn Io- Hannes in der Tür der Tenne erschien und der'große Klaus seine Stimme hörte, legte«r die Ohren zurück und stand im Begriff zu beißen und zu schlagen. So viel war sicher. As? Johaimes am nächsten Vormittag fortfahren wollte. wurde Christian mft dem großen Klaus zu einem Hüfner nördlich der Landstraße geschickt und bekam dafür das Pferd des Mannes.„Dieser Gaul hat viele Jahre lang einem Schlächter gehört, mit ihm wirst du also mlskommen können." sagte Lars Peter, als sie anspannten. Es war eine lange, dürre Mähre, so recht ein Tier nach dem Kopf des Johannes. Kaum war er auf dem Wagen, da merkte der Gaul schon. was für ein Mattft die Zügel in der Hand hatte. Mit einem plötzlichen Ruck fuhr das Tier los und schoß wie eine Stern- schnuppe um die Hausecke. Im nächsten Augenblick waren sie drüben auf der Landstraße und jagten in einer Staubwolke von dannen. Johannes rumpelte auf dem Sitzbrett auf und nieder, er schrie und schwang die Peitsche und Zügel über seinem Kopfe. Es war. als wäre er richtig vom Teufel be- sessen., „Er soll den großen Klaus nicht wieder zu fassen kriegen," murmelte Lars Peter und ging ins Haus. Am Tage darauf kehrte Johannes zurück, mit Banknoten in der Brieftasche und mit einem Gaul, der hinter dem Wagen herlies. Er war ungefähr von derselben Art. wie der, der vorgespannt war, nur ein wenig steifer: Johannes hatte ihn für eine Kleinigkeit getauft,— zum Schlachten.„Aber das wäre wahrhaftig schade: er kann hier auf Erden noch viele lichte Augenblicke haben," sagte er und schlug aus das Hinter- teil des Pferdes. Dieses schrie auf uftd schlug aus. daß ihm das Wasier herausspritzte.. „Das Tier ist bald dreißig Jahre," sagte Lars Peter, ihm ins Maul schauend. „Ja, viel los ist nicht mit ihm, aber jedenfalls ist der Wille gut Sieh bloß, wie er sich abquält!" Er knallte mit der Peitsche, der alte Klepper warf den Kopf zum Himmel empor und begann zu traben. Bon der Stelle kam er nicht recht; es sah aus, als tanze er auf Nadeln, so steif war er. „Es ist ein richtiger Himmelsstürmer," sagte Lars Peter lachend.„Er gebärdet sich, als wollte er für ein gutes Wort in die Lust gehn und in den Wolken verschwinden. Aber bist du dir klar darüber, daß es strafbar ist, ihn leben zu lasten und zu verwenden, wenn du ihn zum Schlachten gekauft hast?" Johannes nickte.„Er muß natürlich unkenntlich gemocht werden," sagte er. Sobald er etwas im Leibe hatte und in seinem' Arbeits- zeug steckte, machte er sich daran, den Gaul umzumodeln. Er schnitt chm Schweif und Mähne ab und stutzte ihn än den Festelgelenken.„Nun ist nur noch ein bißchen braune Farbe notwendig zum Verdecken der grauen Haare— und ein paar Flaschen Arsenik, dann sollst du mal festen, wie jung und feurig er wird- Kein Teufel wird ihn wiedererkennen." .„Habt ihr das auch bei deinem Meister so gemacht?" ftagte Lars Peter./. „Nein, das Hab ich von unserem Alten gelernt. Hast du bei ihm nie diese Nummer gesehn?"' Lars Peter erinnerte sich nicht.„Das muß Vach meiner Zeit gewesen sein," sagte er abweisend. „Es ist ein guter alter Kniff in der Familie." meinte Io- Hannes.! eriangen.— Staatsanwalt G e r l a-y betont jedoch demgegenüber, daß es dem Genannten daran lag, Marloh in seine Hand zu bekommen.— v. Kessel erklärt noch dazu, daß ihm die ganz« Vereidigung überraschend gekommen sei. Er sei gesagt worden, ob er seine Aussage beeiden könne, und nach der Bqahung sei er schon in der nächsten Sekunde vereidigt worden. Manchen Fragen sei er aus bestimmten Gründen ausgewichen. Ausführlich äußert er sich dann zu dem Punkte der Anklage, in dem er davon sprach, daß Marloh an Verfolgungswahnsinn leide, daß er schon in zwei Irrenanstalten gewesen und von der Anklage der Körperver- letzung auf Grund des 8 öl freigesprochen worden sei.„Ich lernte Marloh im Sanatorium Hahnenklee kennen, wo er gerade einen schweren epileptischen Anfall gehabt hatte. Der Arzt bat mich, mich seiner anzunehmen und bezeichnete ihn als nervenkranken Mann. Ich hielt ihn auch für schwer nervenkrank, fiir geistesverwirrt jedoch nicht, so daß ich ihn leichten D i e n st in meiner Staffel Sessel die Hand im Spiele balle, und welche Offiziere ihn abgeholt hatten. Ich sagte v. Kessel direkt aus den Kops zu, daß ich in ihm«inen Helfershelfer vermute. Kessel verstanb es aber, mich im Laufe der Vernehmung anderer Meinung zu machen. Der Eindruck, daß Kessel nicht da- hinter stecke, veronlaßte mich zur Sicherung des Beweises eine etd» lich« Vernehmung norzunehmen. Ich bot v. Kessel, mir einen Ossizier als Gericlitsschreiber zur Verfügung zu stellen. Der einzig«, der da war, war Oberleutnant H o f m o n n. Der Zeuge er- innert sich nicht, daß Leutnant v. Grolmann mit ihm gefahren sei. — Zeuge Grolmann macht darauf aufmerksam, daß ihn Dr. Meyer von der Bcndierstrahe in seinem Auto nach der Wohnung am Oliva cr Platz mitgenommen hatte.— Vors.: Das ist za ein ganz erheblicher Umweg. Das war ja ganz raffiniert angestellt. Hotte erscheint ja immer mehr in einem recht merkwürdige« Ihre Oicht Sie veraulassen den harmlosen llulersuchungsrichler. Sie lasseu.«ad das t nach Jra Hauje zu fahren, um Marloh Zeit zu lassen, und das alle» Znleresse des Vaterlandes".~ Zeuge v. Grolmann: Es war damals der Straßenbahner streik.—- Zeug« Dr. Meyer: Es war für mich eine«norme Ueberrofchung.� als mir Marloh nach seiner Verhaftung angab, daß Oberleutnant Hofmann ihn abgehol, hatte, der doch in aller Seelen- ruhe bei der Vrotokollierung dabeigesessen hatte. Am Schlüsse der Sitzung will der Bruder des Ange» klagten dem Gericht die 1S0000 Mark Kaution für die Freilassung des Angeklagten überreichen, doch ist dies nicht mehr möglich, da die Gerichtskasse schon geschloffen ist. Wie der �Verteidiger mitteilt, wird die Kasse um 3 Uhr geschlossen tun ließ. Niemals halte ich ihn zu einem Auftrag, wie dem Unter- und der Bruder des Angeklagten konnte erst um 3 Uhr ly Minuten nehmen in der Araazö, ischen Straße, ausgesucht. Nach diesem Unter- 1 mit dem Gelde zum Gericht kommen. Der Vorsitzende vertröstet nehmen hielt ich ihn infolge der zutage getretenen Einzelheiten für � den Angeklagten, daß er noch eine Nacht im Gefängnis zubringen einen nervenkranken Menschen, der unter Zmangsvorftellungen müsse. Die Verhandlung wurde darauf auf morgen früh 9� Uhr leidet. Ich tonnte mir nicht vorstellen, daß ein normaler Mensch m vertagt. gehandelt hätte wie Marloh. Ich hatte auch gehört, daß er in einer Nervenheilanstalt gewesen war. In dem Ausdruck„Irrenanstalt" mag ich mich vergrisseu Grund des§ 51 meinte i dieses Paragraphen einmal hierzu Nunmehr wandte sich die Erörterung dem sogenannten „Melneidsbekenntnis" de» Hauptmanns v. Kessel N gewesen roar, iM oem iiusurua„orrennniitui ergriffen haben. Bezüglich einer Freisprechung auf meinte ich nur, daß es bei einer Anklage auf Grund zhen einmal hierzu kommen könnte. der Toö in öen Karpathen. und mich des Die in rascher Folge sich abwechselnden Zeugenaussagen zahl reicher Kameraden und ehemaliger Vorgesetzter des Angeklagten, darunter auch die Oberstleutnants v. Seesen, v. Witzleben u. a. lassen sich dahin zusammenfassen: Der Angeklagte sei ein stren- ger, ober gerechter, nervöser passionierter Offizier gewesen____ Unter den Belastungszeugen berichtet der Zeuge Heinrich Müller über eine Mißhandlung, die ihm der Angeklagte zugefügt habe. Wegen dieses Falles ist der Angeklagte schön rechtskräftig ver- urteilt worden. Der Zeuge erzählt, er fei beauftragt gewesen, mit 9 leeren Kochgeschirren zur Gulaschkanone zu schleichen und Essen für 24 Mann zu holen. Er habe aber den Weg nicht ge- funden, sich verirrt und sei dann am nächsten Morgen ohne Essen zurückgekehrt. Da sei der Angeklagte sehr wütend geworden um Ge- und habe ihn mik seinem Seitengewehr ersteche« wollen, indem er Eisernen, ihm Ueberlöuferabsichten unterschob. Er habe ihn dann am Ge- nick gepackt und ihm mit dem Säbel gegen die Schulter geschlagen und die Absicht gehabt, ihn mik einem Gewehr zu erschießen. Cr sei infolgedessen niedergekniet und habe den Angeklagten gebeten. ihn doch am Leben zu lassen. Zur Strafe sei er dann an eine» Vau« gebunden worden, und zwar 100 Meter vom Feinde ent- fernl.— Der Angeklagte stellt die Aussagen als Märchen hin. Er habe Müller lediglich einen Schlag mit dem Seitengewehr versetzt.— Zeuge Schlächter Pfaff: Als sich einmol sein G«>- wehr aus Unvorsichtigkeit entladen hatte, habe ihn der Angeklagt« mit dem Schimpfwort„Du Schwein" belegt und ihn mit dem Gewehr über den Kopf schlagen wallen. Der Schlag ging Er sei dann zur Strafe aus kurze Zelt angebunden wor- Zeuge will auch einmal gesehen haben, daß der Ange- zu. Der Angeklagte soll später dem Leutnant Wehmeyer gesagt haben:„In meiner Aussage Ist manches ungenau. Ich habe sie aber doch beschmoren." Auf die Worte Wehmeyers:„Warum haben Sie' dann die Aussage nicht verweigert?", soll Kessel gesagt haben:»Man muß doch manchmal lügen". A n g e k l.: Es ist nach meiner ganzen Gesinnung ganz ausgeschlossen, daß ich mich in diesem Sinne ausgedrückt habe. Wehmeyer hatte dieses„Meineidsbekennt- nis" dann dem Pfarrer Rump erzählt und beide haben es sich sofort notiert. Es ist dann doch sehr merkwürdig, daß Pastor Rump trotzdem mit mir noch ein Vierteljahr sreundschafj-; l i ch oerkehrte, mir Liebenswürdigkeiten erwies fälligkeiten ersuchte, so um die Beschaffung Kreuzes für ihn bat. Die weitere Vernehmung betraf dann die Herausforderung de» Pfarrer» zum Zweikampf. Nach dem Prozeß wurde Pfarrer Rump im Kriminalgericht von zwei Kameraden des Angeklagten gestellt und ihm eine Forderung unter schwersten Bedingungen im Auftrage o. Kessels überbracht.— Ana e kl.: Es ist allerdings ungewöhnlich, jemanden auf Grund einer Zeugenaus'ag« zu fordern. Ich war aber aufs tiefste über das Austreten von Pastor Rump empört, der noch am Tage vorher sich meiner Frau gegenüber als FrtiindX,� bezeichnet hatte. Außerdem hotte er vor mir im Saale bei der Wer- 1 af)er Handlung gegen Marloh ausgespuckt, was mich w schwere Erregung � z,er versetzte Daraufhin ließ ich ihm die Forderung überbringen, die gegen einen Posten mit einem Spaten peschlagön er ablehnte..„„,__.„( habe.— Der Zeuge Kaufmann Max S t e p h o n bekundet u. a£, Poinit ist die Vernehmung de» Angeklagten iteentiel und es gr f,0f,e gesehen, daß Helmhake mindestens dreimal an einen Daune v'lrd m_„.,__ 1 gebunden worden sei. Das«ine Mal habe ihn, als er gegen die ole Lewetsauftulyme Sttofe murrte, der Angeklagte mit der Hand ins Gesicht eingetreten. Als erster Zeuge bekundet General v. Oven, daß ä- f» l a ge n- Ein weiterer Belaswngszeuge ist der Arbiter am zweiten Tage nach Antnit feiner Dienststellung ihm ein uon Karl Pü sch« l. stwher Or dann a nz bei dem Angeklagten. Eines Kriegsgerichtsrat Meyer ausgefällter Haftbefehl zur Unter-! Tages �e er im Unterst«� Beobachtungsdt�ft gehabt als Ober. fchrift vorgelegt wurde. Er habe dies anfänglich abgelehnt, da feutnrntt Hiller auf'W zutrat und mtt den Worten:„Was machst Marloh sick stets zur Verfügung hielt und nachXrei Monaten nicht Du hier, Du willst wohl schlafen?", ihn mit einem Gewehr geflohen war. Dann habe er aber erwogen, ob nicht Marloh aus Kreuz schlug, so daß der Kolben abbrach. Er sei in- politischen Gründen und auch zu seiner eigenen Sicherheit i s-lfl? des Schlages zwei Tage kr a n I gewesen. Zeuge hat ein. in Hast genommen werden sollte. Do zu jener Zeit Oberleutnant � mal gesehen, daß Helmhake au einen Baum gebunden war und. Vogel auf Grund eines gefälschten Befehls aus der Haft befreit i*0«*s ou'f'a ten'°nnte.' gerode vorbetkommen. worden war. ersuchte ich Meyer, recht vorsichtig zu sein.! den Bawillonsfubrer zu Hllf« rief. Dieser sei aber weitergegangen insbesondere sollte die Truppe nichts von der Derhafiung erfahren, und habe chm gesagt:„Schweinehund, halten Sie die Schnauzet— Aus Fragen des Vorsitzenden erklärt Zeuge, er wisse nichts davon. Der Leuwantder Reserve L ie dm ull« r bekundet w«..daß der daß von irgendeiner höheren Dienststelle oder Persönlichkeit der Angeklagte allerdings sehr scharfe, fast übermenschlich« Ansprüch« Wunsch geäußert worden sei. man solle Warloh zur Flu cht™ seine Leute stellte. Der Zeuge hat auch gesehen, daß der An- oerhelfen. Er. Zeuge Hobe ebenfalls ule einen derariigeu TBuasck«eklogte einmal einen Posten, der eingeschlafen war. mst einer Ohr- aehabk oder geäußert. ifeig« weckte. Noch Vernehmung noch mehrerer Zeugen, dt- zur Oberleutnant o. Grolmann, setzt in Karlskrona in Schwe- Sache wesentlich neues nicht bekunden, tritt eine Mittagspause ein, den, erhiett den Auftrag, eine Arrestzelle zu sichern, die für Marloh Di« Geschworenen bekunden durch zahlreiche Fragen rni� die einzel. bestimmt sei. Er habe darauf die Staffel Sessel gewarnt. nen Zeuaen ihre volle Aufmerksamkeit und ihr großes Interesse an der Aufklärung der Sache. Am Telephon war Leutnant Ho ff mann, wie er erst jetzt erfahren habe. Auf Vorhall des Vorsitzenden, wie er denn hinter dem Rücken des Gerichtsherru in dieser Weise der Gerechtig- kell in den Arm fallen konnte, erklärt Zeug«, er habe in voter- ländischem Interesse zu handeln geglaubt. In Offizierskreisen sei allgemein davon gesprochen worden, daß der� Marloh- Prozeß in diesen unruhigen Zell nicht stattfinden dürfe, und Hauptmann Pabst hc.be ihm gesagt, alle maßgebenden Per- sönllchkeiten wollen da» nicht. E» wurde behauptet, daß Staats- anwoll Weismann dagegen fei, den Namen Noske habe er nicht gehört. Zum Schluß wird Kriegsgerichtsrai Meyer, jetzt Staatsanwaltjchastsrat beim Außerordentlichen Kriegsgericht in Cassel vernommen. Der Angeklagte war überrascht, als ich kam, Marloh zu oerhasten. Er macht« wich aufmerksam, daß Nach der Pause wird zunächst der Prokurist Löwenthal»er.. nommen. der schwere Anklagen gegen Hiller erhebt. Di« Leute seien sehr brutal behandelt worden. Der Angeklagte habe f o r-t- gesetzt geschlagen, er selbst sei auch geschlagen warben. Er sei in einem elenden Zustand gewesen, habe Dormerkrankung und erfrorene Füße gehabt und sei deshalb auf dem Marsche mehrmals zurückgeblieben. Er habe sich aber stets bei der Kompagnie gemeldet. Bei einer solchen Meldung habe ihm der Angeklagte mit einem Buch ins Gesicht geschlagen und ihn beschimpft. Als er den Unterarzt unvorschriftsmäßig mit Herr Doktor anredet«, habe der Angeklagt« gesagt:„Schlagen Sie doch dem Lümmel ein paar in die Schnauzel"— Der Hauptmann o. Schneidewind, der die Nochbarkvmpagnie des Angeklagten befehligte, schilderte in ähn- licher Weise wie dieser die schlechten Ernährunasverbällnisse in den Karpathen, die Krankheitszustände und die üblen Folgen der ge- lockerten Disziplin. In gewissen Situationen sei gar nichts andere» Marloh in letzter Zeit zu Gewalttätigkeiten neige. Ich übrig geblieben, als handgreiflich zu werden. Auf Darhalt des erbat darauf zwei Offiziere. Es dauerte ober sehr lange, bis sie kamen. In der Wohnung hörte ich von der Wirttn, daß vor einer halben Stunde ein junger Offizier Marloh abgeholt hatte. Kessel übergab mir auch einen Brief Marlohs. der von unbekannter Seite abgegeben fein sollte, und den ich für fingiert hielt. Bei der Vernehmung am 8. Juni wollte ich feststellen, wie Marloh kurz vor meinem Eintreffen gewarnt werden konnte und ob, wie ich vermuleie, Staalsonwalls bestätigt der Zeuge, daß er dem Angeklagten einmal den Rat erteill habe, bei seinen Leuten eine andere Metbode als z» große Strenge zu versuchen. Richtia sei, daß einmal 31 belgisch« Leute, die mit gehacktem Blei viele Mannschaften erschossen hatten. von einem Feldgericht zum Tode durch Erschießen verurteilt worden seien. Hiller, der das Urteil vollstrecken sollte, habe damals gebeten, einen anderen dawll zu beaustragen, weil er das nicht könne. Hierauf wird die Sitzung auf Donnerstag V Uhr vertagt.. TRADTTION Dis-neue 1 Strumpfwaren Damen- Strümpfe long, schwarz....... 695 895 Frische Landejer Stück 145 Lebensmittel Fleisch reine Seide, schwarz mit 3375 Schweinefleisch Suppenfleisch Florrand und Doppelsohle. 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Rügenwalder Gänsepökelfleisch 1250 In Dosen, gute Qualität 2- pid.- Dose 390 ZU Leberwurst Rindfleisch 9³ Der Republitanische Führer- Bund hat die Beitung bee heute abend um 7 Uhr im großen Saal ber Stenen Belt Battfindenden Rundgebung gegen die Realfion für die Republit Ebernommen Die Re erate werben Don Rednern aller republikanichen Parteien gehalten. Mitglieder und Freunde bes Republitanischen Führer- Bundes wollen fich an dieser Runbgebung recht zahlreich beteiligen. AAAAAA Theater, Lichtspiele etc. Opernhaus 7 Uhr: Mignon 7 Uhr Schauspielhaus Marquis v. Keith Deutsches Theater 7 Uhr: Die Jungirau v. Orleans Freitag 61, Uhr: Faust I. Tell Kammerspiele / Uhr: Der König der dunklen Kammer Freitag Uhr. Er ist an allem schuld. Der Heiratsantrag. Der Spieler. Gr. Schauspielhaus ( Karlstraße) 7: Der Kaufmann von Venedig ( 18 Abte 1. 4 Abena), Fr. 7: DerKaufmann v.Venedig ( 19. Abteil. 4. Abend) Theater i. d. Königgrätzer Str. Volksbühne Theater am Bülowplatz. Uhr Nach Damaskus 1. Teil. U.: Lessing- Theater Ein idealer Gatte ( Durieux, Götz, Loos) Sunnabend bis Montag 7: Freitag 7: Peer Gynt. Ein idealer Gatte Dienstag 7: Zum 1 Male: Der Frauenmut Lustspiel in 4 Akten von Hermann Essig ( Dorsch, Salfner. Junkermann) Deutsches Künstler- Theater Allabendlich 12 Uhr: DieScheidungsreise U.:. mit Max Adalbert Central- Theater Die Postmeisterin Deutsches Opernhau Uhr: Die toten Augen Uhr Hoheit die Tänzerin 8 Uhr: Salome( Orska. Friedr. Wilhelmst.Th. Dernburg, Bildt, Branden) Freitag Jekaterina Iwanowna Sonnabend: Salome Sonntag: Salome Komödienhaus weiße Lammeben 8 Uhr mit Pallenberg Berliner Theater Die manische Nachtigall & Uhr mit Emmy Sturm, Waßmann, Roberts, Kiper. 7½ Residenz- Theater Ida Wüst in クリュ Kl. Schauspielhaus 14 Uhr. Reigen Komische Oper PU. Zigeunerblut Lustspielhaus 18 Uhr: Arnald Rieck in Die Mausefalle Metropol- Theater Hollandweibchen Neues Operettentheat. Fritz Werner Der lachende Ehemam Uhr. Neues Volkstheater 7, U. Der Mann Fjodor Schiller- Theat. Charl 7 U.: Doktor Klaus Thalia- Theater Uhr Mascottchen Th.am Nollendorfplatz 3 Geschwister. D.zerbr Krug Uhr Wenn Liebe erwacht U. Theater des Westens 8 Ur Tanzabend Lady Windermeres Fächer Adele Sandrock, Käthe Haack, Julius Falkenstein, Arnold Korit. U. Trianon- Theater 74 Leopoldine Konstantin in eGesellschaft des Maria Leeser u. Hasso Holm Th.i.d.Kommandantenstr. U. Der verjüngte Adolar Wallner- Theater Uhr DieTanzgräfin Walhalla- Theater 7. Ա ։ Abbé Chateauneuf U. Vogelhändler and in Abschiedssouper Jika Grüning, Herm. Vallentin, A. E. Licho, Hugo Flink, Mamelok Werckmeister Sonnt 4. U.: Die Raschhoffs. 7/2 Uni Kleines Theater Unter den Linden 44 7/2 Uhr Schall und Rauch im Großen Schauspielhaus Telephon: Norden 8643. Konz 7 U Beginn 8, U. Kurt Warnebold Isabel Herma und das Casanovas Sohn große Marz- Programm Eugen Burg, Mady Christians. Beinr. Schroth, Hans Albers. Eintrittspreise von 5-35 M. 302708 渡 IM M CINER отр 19. 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Als notwendige Aufgabe aller VeteiNgten wurde es bezeich- uet. dafür zu sorgen, da», die Veoölkeruug sich durch keinerlei Provokationen der Polen zu Unbesonnenheiten hinreihen lätzt, wie sie der polnischen Seite zur Schädigung der Abstimmung erwünscht wären. Im Trüben fischen... Saktouüh. 1K. März.(Eigener Drahtbericht des.DorwSrrs'.) Je näher der Tag der Abstimmung heranrückt, desto mehr ver- dächtig« Organisationen tauchen auf. Einige Mitglieder des B u n» de» der Oberschlesier erlassen grotze Inserat« gegen den eigenen Bor st and, indem sie ihn der Polensreundschaft bezichtigen. Außerdem hat sich ein Bund Oberschlesischer Staatsbeamter gebildet, der ebenfalls versucht, im Trüben zu fischen. Wcirer ist ein Verband Oberschlesischer Berufs- vereinigungeu m Kottewitz gegründet worden, der höchst- wahrscheinlich eine gelbe Organisation ist. Alle diese Gründungen versuchen setzt die Bevölkerung irrezuführen. Ihre Bemühungen werdm jedenfalls ganz fruchtlos sein. Abreise der Wiener. -Ble«. 16. März.(TU.) Gestern sind von Wien ans, wie be- reits berichtet, zwei Extrozüge mit zusammen 1200 Personen zur Abstimmung noch Oberschlesien abgefahren. Besonders nel der Aufmarsch von 300 Rönnen, durchweg Ober- ichlesierinnen. auf, welche in ihrer Ordenstracht die Reise nach Ober- jchlefien antraten. Tor dem Besteigen der Züge hielten der Abg. Gtraffner und der deutsche Gesandte o. Rosenberg An- sprachen. flus öem Yorthp-Lanöe. Manschreibtuns: Der LandeSkongretz der Ungarischen Sozialdemokratischen Partei, der am 13. und 1�. März in Budapest staiifinden sollte, wurde von der Polizei verboten. DieieS unerhört brutale Vorgehen der Budapester Polizeibehörden erweckte bei der Arbeiterichast um so größere Empörung, als am selben Tage die berüchtigte Pogromvereinigung der er- wachenden Ungarn ungehindert Demonstrationen veranstalten konnte, in denen zur Ausrottung der Juden und der Sozialisten aufgereizt wurde._ Ireie Sahn dem Srotwucher! Halbamtlich meldet 5BTB.: Nachdem die Frage der künf- tigen Getreidebewirtfchaftung zunächst von der Re- gierung und einem kleineren Kreise von Vertretern der Landwirt- schast und der Verbraucher erörtert und ferner Ende Februar auf der Versammlung der deutschen Ernährungsmrnister in München ay-isährSch berate» morden fit. hatten heute die Vertreter der Land- Wirtschaft, des Handel», der Getreide verarbeitenden Gewerbe und der Verbraucher Gelegenheit,« einer vom Reichsminister für Er- nährung und Landwirtschast einberufenen Versammlung zu der Frage Stellung zu nehmen. Weitaus überwiegend wurde dem Gedanken zugestimmt, daß«ine Beibehaltung des bisherigen Vewirtschaftungssystems für Brotgetreide'nicht zmeck mäßig fei, sondern ein neuer Weg gesucht werden müsie. der einerseits ge- eignet ist, die einheimische Getreideproduktion neu zu beleben und uns so allmählich, in dem wichtigsten Nahrungsmittel vom Ausland unabhängiger zu machen, andererseits aber auch eine Gewähr dafür biet«, daß die große Masse der verbrauchenden Bevölkerung trotz unserer beschränkten Einfuhrmöglichkeiten ausreichend mit Brot versorgt werden könnte. Wenn auch die von den Vertretern der Jeden nnjz der christlichen Gewerkschaften mit besonderem Vachdruck Ji dornet, fozialpolilischeu Schwierigkeiten des Aebergangs zu« Am- i-rgesyst«« oder gar zur völlig freien Wirtschaft, die von einzelnen Rednern unter gewissen Voraussetzungen empfohlen wurde, keines- wegs verkannt wurden, so bestand doch im allgemeinen die lieber- zeugimg, daß die tatsächliche Entwicklung der Verhälrnisse und die Notwendigkeit stärkster Produktionsförderimg«ine Aenderung des bisherigen System» notwendig machen. Eine llebereinstimmung über die Einzelheiten der künftigen Getreidebewirtschastung ergab die Der- hondlung nicht: jedoch war die überwiegende Mehrheit der Der- fammlung der Ansicht, daß die Einführung eine« Umlage» Verfahrens der geeignetste Äeg zu dem zu erstrebenden Ziele der boldigen völligen Freigabe d«» Getreides sei.•-Der langen Rede kurz« Sinn: Auch in der Getreideversorgung soll zugunsten des Wuchers die Bewirtschaftung aufgehoben«erden. Zu den Landwirtschaftskammerwahlen. Der preußische LandwirtschaftSmiuister hat verfügt, daß ent« spreckend der Wahlordnung zum preußischen Landlage, die bei der Bearbeitung der Wahlordnung für die Landwirt» schastSkammern noch nicht vorlag, eine besondere Veröffent- liärnng der Abgrenzung der Llimmbezirke, der Ernennung des Wahlvorstehers und seines Slellvertreter», der Beirimmung des WahlraumeS sowie Tag und Siunde der Wahlen durch amtliche Bläuer unierbleiben kann. Die ortSübküche Bekanntgabe wird als ausreichend angesehen. Die Bekannlmackmng soll»xäte- stens am iflnften Tage vor dem Wahltage(20 März) erfolgen. Im ssalle de« AulasseS eine« Wahlvorlchloges sollen die vorgeschlagenen Bewerber'ohne besondere Wahl als gewählt gelten., Der Sonnenfeldprozeß.- Am Mittwoch gingen die Tchlußvoriräge der Bertcibiger zu Ende und nach einer nochmaligen DiStuision mit dem Staatsanwalt folgie da« letzte Wort der Angeklagten« Ernst Sonnenseld nahm in längerer Red« alle« ans sich und bar. seine Angehörigen nicht der Miuälers-baft usw. schuldig »u sprechen. Er selbst sei auch nichi schuldig, denn er Hab» sich damals infolge der Hetze über de» Charatier und dre Absichten des Herxn Sklarz in einer Täuschung befunden. Leider sei ibm die beabsichtigte Rückfahrt nach Berlin zur Rückgab« de« Gelde« durch seine«erHaftung unmöglich gemacht worden. Heinrich Sklarz habe jedoch al« Zeuge bekundet, daß Srnü Sonnenield ihm am ersten Tage seiner Haft diese Absicht bekundet hat. Zur Flucht sei er auch durch Angst vor der Auf- rtchtung einer Miliiarberrichaft getrieben worden, denn er hake selbst gesehen, wie die Lfststere. au« deren Mitte die Sklar,-Hetze gekommen sei. politisch Beihafiet« erschießen ließen, weil sie nicht genügend stramm standen... Als Ernst S. sich selbst an- klagte, durch sein Vorgeben das ganze Unheil über die Familie S., über Sklarz ulw. gebracht zu haben, brach Sonnenield Vater in krampfhafte» Schluchzen aus. Der Borsitzende Uetz ihm Wasser rd-y*-,'..■ Saperns wiöerftanö. Ausschuß de» Reichstages zur Borberaomg des Gefetzent-, Abg. Dr. Fleischer(A.): Man kann sich nicht auf den Boden wurfs betr. Verbot der Selbftschutzorgauisationeudes Pariser Diktats stellen, muß aber den Bersailler Vertrag auch kam es gestern zu lebhaften Ausemanderieyungen über die S t e I-! nach Abbruch der Londoner Verhandlungen anerkennen,-oast wäre Bayerns zum Reich und den Schriftwechsel" �'........"~--- , der beim Völkerbund eingelegte Protest erkolglos. In Ergänzung des Man darf nicht vergessen, daß die Selbstschutzorganisationen in Ost- 5reußen und Oberschlesien mit der bayerischen Orgesch nichts zu tun oben.— Weiterberatung Freitag. Inn zwischen Bayern und dem Reiche. Berichts aus dem Abendblatt ist mitzuteilen: Auf Anfrage des Abg. H o f f m a n n(Soz.) hin erklärt> Reichsmimster Hoch auch namens des Reichskanzlers: Seitens der Reichsreaie- r u n cj ist der Veröffentlichung des Schriftwechsels kein Hinoer- nie m den Weg gelegt worden, ober dte bayerische Regierung wünschte die ZNchivO.bner.ilichuue de» Schriftwechsels. Bedauerlicherweise sind vertraulich zu behandelnd« in. der Konserenz be- rsthrte Punkte veröffentlicht worden, schlüssige Erörterungen über den künftigen Gang der Reichspolitit für den Fall des Scher- tern» der Londoner Konferenz sind nicht gepflogen worden. Für den Fall, daß keine außenpolitischen Komplikationen eintreten, hat sich damals auch die bayerische Regierung mit der Schaffung eines Gesetzes bis zum 15 März einverstanden erklärt, daß die Ausführung der Artikel 177 und 178 regelt. Eine Erklärung darüber, was die Reichsregierung noch der Londoner Konferenz zu tu» gedenke, ist keiner Landesregierung gegenüber abgegeben worden. Bayertscher Gesandter v. Preger: Hch kann den Ausführungen des Ministers nicht in allem beistimmen. Durch ihr Schrei- den vom 17. Februar 1021 hat die bayerische Regierung ausgedrückt, daß die Bevölkerung auf Selbstschutz«in natürliches Recht habe. Eine Veröffentlichung der bayerischen Note ist van keiner Seite beabsichtigt gewesen. Es ist mit dem Reichskanzler eine Verständigung darüber erfolgt, was daooy in dle Presse kommen sollt«. Wenn die Reichsregierung den Wunsch hat. die Jtote zu veröffenllichea. so wird Bayern nicht» dagegen einzuwenden Hab». Hinsichrliw der Leivrechung der Ministerpräsidentevxam 6. Februar 1021 hat die Reichsregierung auf die Vertraulichkeit keinen Wert gelegt, so daß von einem Vertrauensbruch nicht gesprochen werden kann. Der Gesandte beklagt sich dann darüber, daß trotz Zusage die bayerische Regierung von der Einbringung des' vorliegenden Gesetz- entwirrfs nicht rechtzeitig verständigt worden sei. Abg. hoffnuma(Soz.) bezweifelt die Richtigkeit der Darstellung hinsichtlich der Veröffent- lichunz. Minister v. Kohr habe sich im Landtag daraus berufen, daß man in Berlin die Veröffentlichung nicht wolle. Nun habe Mi nister Koch das Gegenteil festgestellt. Ich muß imbe- dingt die Vorlage des Schriftwechsels verlangen, wie es gestern auch vom Plenum beschlossen wurde. Die bisherigen Darlegungen haben schon setzt interessante Einzelheiten, nicht bloß nach der sachlichen, sondern auch nach der persönlichen Seite hin. ergeben. Minister Koch: Gegen die Porlage des Schriftwechsels habe ich um so weniger einzuwenden, als dem auch der bayerische Gesandt« nicht widersprochen hat. Der Wunsch zur vertraulichen Behandlung der Sache ist von Layern ausgegangen und der Reichs- konzker war indigniert, als man dies der Reichsregieruny zu- geschrieben hat. Abg. Dr. Drdlscheldl(IL Soz.): Die bisherigen Verhandlungen ergebe» kein klare» Bild über die Vorgänge. Mit einer vertrau- licheu Verlesung des Notenwechsels lediglich im Ausschuß bin ich nicht eiuveritanden. aber es scheint, daß Bayern bercch- rigt war. zu der Auffassung zu kommen, es sind Komplikationen«in- getreten, so daß Bayern in der Emmohnerwehrfrqge nichts mehr zu tun braucht. Die Schuld trägt die laxe Haltung der Reichs» regterung Bayern gegenüber. Minister Loch: Ich habe nie und mit keinem Wort den Stand- punkt vertreten, daß ich die Regierung nicht an den Bersailler Vertrag gebunden erachte. Abg. Schiffer(Dem.): Der Brief der bayerischen Regierung ist der Niederschlag und die Antwort auf die in der Ministerkonferenz festgesetzten Punttationen. Die bayerische Regierung hat noch nie auf dem Standpunkt gestanden, daß die Auslösung der Ein- wobnerwehren aus dem Frieden svertrag begründet fei. Die Entwaffnung ist Zwar im Prinzip, jedoch zu einem ge- eigneten Termin in Aussicht zu nehmen. In der bedenklichen Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen den einzelnen Regie- rungen und der Reichsregierung müssen Ausnahmen zugelassen werden. Sodann wird die Erklärung de» bayerischen Zfiinlsterpräfideakeo im Wortlaut, auf den wir an anderer Stelle eingehen, verlesen. Vor- sitzender Abg. Hildsbraud(Soz.) bittet, da der Brief nichts Neues bringt, sich der Beratung des Gefetzentwurfs zuzu- wenden, findet aber zunächst kein Gehör. Nachher kam es zwi- schen dem Abg. Unterlelluer(iL Soz.) und dem Gesandten»..Preger zu Auseinandersetzungen über die bayerische Einwohner» wehr. Abg. hoffmann-Kafierslautern(Soz.) wünschte die volle Erfüllung der Bestimmungen des Friedensvertrages in bezug auf die Entwaffnung und kritisierte den Geletzentwurf sowie die letzte Red« des bayerischen MivisterprSsidea- t e n. der in allen Nachbarvölkern Feinde Bayerns ficht. In seinen Leußerungen im Landlage über die Einwohnerwehr erblickt er eine Aufforderung, zur Mißachtung der Reichsgesetze Reichsminister des Innern Loch: Mit dem vorliegenden Eni- wvrf soll der Entente auch der Schein de» Rechts für ein Vorgehen gegen Deuffchland genommen werden. Ein demokratischer Aairag. Di« Demokraten haben inzwischen folgenden Antrag ein- gchracht: Der Ausschuß wolle beschließen, dem Gesetz zur Durch- führung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages in folgender Gestalt seine Zustimmung zu erteilen: 8 1. Keine Vereinigung irgend welcher Art darf 1. sich mit militärischen Dingen oder mit Maßnohmen be- icosen, die aus Mobilmachung hinzielen; 2. ihre Mitglieder im Kriegshandwerk oder im Gebrauch von Waffen ausbüden oder üben, oder ausbilden oder üben lassen; 3. sich mit dem Reichs- wehrministerium oder einer anderen militärischen BeHürde in Per- bindung fetzen oder hallen. Das gleiche gilt für Umerrich�s- anftalten und Universitäten mit der Maßgabe, daß an die Stelle der Mitglieder die zu ihnen gehörigen Lehrer und Schüler treten. § 2 steht für Verstöße gegen§ 1 Geldstrafe bis zu 50 000 Mars oder G« f ä n g n is bis zu 8 Monaten vor § S sieht Auflösung durch die Oberste Sandesbehärde oder eine von ihr bestimmten Stelle aus Verlangen des Reichsministers des Innern oop. Beschwerdeinstanz rst das Reichsverwallungs- geruht und vor dessen Errichtung der Staatsgerichtshof. 8 4. Der Reichsminister de» Innern ist zu unter- stützen durch die Reichs-, Landesbehörden und öffentliche Selbst- Verwaltungskörper und durch die Rechtshilfe der Gerichte. Den Anforderungen des Reichsmlnfiters de» Innern ist Folge Zu leisten. § 5. Das Gesetz tritt mit seiner Verküngung in Kraft. Reichzminister des Innern Loch: Die Ausführungen des Ministerpräsidenten Kohr erbringen den Beweis für die Notwendigkeit, die Ausführung des Gesetze» über die Durch- führung der in Frage torymendcn Bestimmungen von Versailles dem Reiche zu übertragen, well die Reichsregierung es war, die den nialschädengesekes berichtete Gouverneur Kahl über den Vertrag abg-schlosse« hat. Wenn die Entwaffnung bis 30. Juli Stand des Borentschädisungsverfohrens. Er schätzt die Zahl der /lus Kohrs Aktenmappe. München, 18 März.(WTA.) Der Wortlaut der von der bayerischen Regierung unser dem 8. Februar 1021 an die Reichsregierung in' Verlin gerichteten Erklärung wird nunmehr amtlich. bekanntgegeben. Die Erklärung lautet: Dle bayerische Regierung hat in der Frage.der Entwaffnung und Auflösung der bayerischen Einwohnerwehren bisher unverrückbar an dem Standpunkt festgehallen, daß L die Förderung der Auf- l ö s u n g in dem Friedensvertrag kein« Begründung habe und daß demzufolge«ine rechtlich begründete Verpflichtung der deutschen Regierung zur Auslösung der Einwohnerwehren von den alliierten Mächten nicht in Anspruch genommen werden könne. 2. Die Entwaffnung der Einwohuerwehren ist zwar grundsätzlich in Aussicht zu nehmen, ihre Durchführung m dem vom Gegner vor- geschriebene» Zeitmaß und zu den von ihm bestimmten Terminen aber n i ch t m ö g ki ch, da mu Rücksicht auf die bestehende Bedrohung der staatlichen Ordnung auf der einen Seite und der dem Staat und Reich zur Verfügung stehenden ungenügendenMachtmittel auf der anderen Seite der Bevölkerung die gegenwärtigen Selbst- schutzorganisattonen nicht entrissen werden können, da sie diesem Versuch Widerstand entgegensetzen würde. An diesem Standvunkl hall die bayerische Staatsregierung auch der Pariser Entwaffuungsnote. gegenüber fest, sie ist der Meinung, daß alles, was Über den Fnedensvertrog hinaus geht, strikte abgelehnt werden müsse und daß es sachltch und taktisch unrichtig sei. die Entwaffnungvfrage von der Reparationsfraae zu trennen und das Entwaffnungs diktat schon jetzt in Dollzug zu setzen. In«wem solchen Vorgehen liegt nach ihrer Auffassung eine Preisgabe der in den Einwohner- wehren kegenden ideellen und staatserhollenden Volks traft und Be- strebungen zugunsten der rein materiellen Interessen, was einer Versündigung am Etaatsgedanten gleichkommt, deren sich keine Regierung schuldig machen darf. Dieser Gesichtspunkt mutz nach der Auffassung der bayerischen Stvatsregierung um so schwere- wiegen, als die Befürchtung nicht unbegründet zu sein scheint, daß dieses Opfer ohne Ruhen für die bevorstehende» Verhandlungen üb« die Wiedergutmachungsforderunge» bleiben werden. Für di« Wahl diese» Standpunktes war für die bayerische Re- 2«ung weit« auch die Erwägung maßgebend, daß die Ford«»»- t Verbandsmächte ein« irrigen Auffassung üb« Wesen und Ziel d« Einwohnerwehren entsprungen sei und daß bei der weittragenden Bedeutung dessen, was auf dem Spiele steht, alle Mlltel, diesen Irrtum zu berichtigen, erschöpft werden müssen. Die bayerisch« Einm oh»erwehr ist eine Selbstschutzorganisation. die keinem anderen Zweck dient, als die Sicherhell der Person und de» Bgenrume zu gewährleistsu und die Ruhe und Ordnung im Staate auftechizuerhalten. Der Verdacht, sie sei ein Instcumeiü Im Dienste reaktionärer Rsstauratiou»bestrebuugen und militärischer Revanchepolitik, von dem dia Ver bondsmächte, nicht ohne Zutun solch««taheimischer Kreise, welch- an der Beseitigung d« Emwohnermehr interessiert sind, beherrscht werden, ist durchaus unbegründet. Die bayerische Staatsregrerung hall es nicht für cmsgffchsosim. daß die bevorstehende Aussprache über die Wiedergutmackimgs- forderungen auch noch eine letzte Möglichkell bieten konnte, dieses Irrtum entgegenzutreten und die ans ihm eulsprungeueu Forderungen zu milden». i Eine solche Möglichtell würde beiderseits selbst nicht von vorn- herein abgeschnitten werden, wie es durch die Absond«ung d« Ent- waffnungsfrage von der Wiedergmmachungsirage geschieht. Ent- gegen dieser Auffassung d« bay«ischen Etaalsregierung Hot die Reichsregierimg sich entschlossen, die Entwaffnungsfrage von der Reparationsfrage zu trennen und ist somit, ohne das Ergebnis der London« Verhandlungen abzuwarten, an die Ausführung des Entwaffnungsdlktates herangetreten. Die llay? rifche Staatsregierung häll diesen Entschluß für verhängnisvoll. Sie läßt sich dabei von der Rücksicht aus die Inrtressen des Reiches und der nationalen Einheit nicht wenig« als von d« auf die eigenen Lebensinieressen leiten. Die Verhandlungen haben leid« nicht zu ein« Einigung und Verhütung eines Schrittes geführt, von dem die bayerische Staatsregierung schw«unegeuöe Nachtelle nicht weniger für das Reich al» für Bayern befürchtet. Für dte Maßnahme, die die Reichsregi«ung in Verfolg ihres «randpunttes nunmehr vorkehren zu müssen glaubt, und, wie die bayerische Staatsregierung voraussetzt, selbst zur Ausführung bnn- gen wirt», muß die bayerische Staatsregisrung die volle Ver- autwortung d« Reichs reaierung überlassen. Di« bayerische Staatsregierung häll sich zu dieser Erklärung nach der besonderen Lage der bayerischen Verhältnisse für verpflichtet, un- beschadet d« bisherigen Stellung Bayerns zum Reiche und un- beschadet des unverbrüchlich von ihr festgehaltene» Standpunkte?, daß die Frage der Gestaltung de» aus dem V«salll« Friedensver- trage sich ergebenden Schicksals des deutschen Volkes gemeinsame Sorge aller deutschen Regierungen ist. Die Kahr-Nehrheit obstruiert. München. 16. März.(TU.) Im Landtage wurde heute die Poll- tische Debatte über die Einwohnerwehr fortgesetzt. Abg. G o r e i s erklärte für die Unabhängigen, daß dies« die Ha.ttmg der Regierung Kohr als elli Verbrechen am Deutschen Reiche betrachten und die Regierung Kohr als ein Unglück für das deulsche voll ansehen. Die Unabhängigen würden mll allen Mitteln den Kampf gegen das Ministerium Kohr bis zu seiner Beseitigung fort» fetzen. Eine ähnliche Kampfansage gab d« Kommunist Aenderl ab. Für die Bayerisch« Mittelpartei erklärte dagegen Abg. L r o s i u s, daß die E.nwohnerwehr lediglich ein Mittet sei gegen die Selbstentmannung des deutschen Volkes. Baiieru lehn« all.' separatistischen Lockungen ab. es müsse daher erwarten, daß seinen Lebenstttteressen in Berlin Rechnung getragen-«rde. Mll Drohungen könne die Roichsregierimg dem deutschen Volke nicht imponieren._- 3« 24. Ausschuß de» Reichstage» wurde gestern die zweit« Lesung des Bertnängungsschädengesetzes abgeschlossen. Einem An- trag Fleisch«, die Reichsfinanzp«woltung solle umgehend« Maß. nahmen«greisen, daß den Pensionären und Renten- empfängern.in den abgetretenen Gebieten ihre Bezüge in der gleichen Weise gewährt würden» als wenn sie ihren Wohnsitz im Reiche hätten, sagte Ministerialrat Siller(Reichssinanzministerium) Berücksichtigung zu.— Bei d« Beratung des Kolonialschädengesekes berichtete Gouverneur Kahl über den 1921««rtrogsmäßig durchgeführt ist, entfallen für Schadensfälle ayf zstta 17(ÜO mit einer Gesamtschadenssumme von das Reich weitere Moßnechtnen. Passives Verhalten der Regierung, 260 Millionen. Proz. von diesen Anmeldungen beträfen Fälle, wäre hier nicht am Platze, j zoo mmionen, 90,0 Proz. von vielen-anniewunger ibei denen d« Schade» nur bis 15000 M. betrage. Gewerkschaftsbewegung ber Siriche bei der J... zu berichten wissen. Bir aber wollen Der Buchbinderverband gegen Moskau. Die kommunistisch orientierte Ortsverwaltung des Deutschen Buchbinderverbandes hat in ihrem letzten Mitteilungsblatt" der in ben nächsten Tagen stattfindenden Generalversammlung zwei Anträge unterbreitet, nach welchen der Verbandsvorstand aufge fordert wird, an dem Weltkongreß der Mostauer Internationale teilzunehmen, und weiter auch die Zahlstelle zur Beschichtung des Kongreffes auffordert. Wegen der weitgehenden Konsequenzen dieser Anträge hat der Verbandsvorstand bereits vorher zu den felben Stellung genommen und einstimmig beschlossen, die Drtsperwaltung vor der Durchführung dieser Anträge zu marnen. Es ist ihr daher nachstehendes Schreiben zugesandt worden: Berte Kollegen! Im Mitteilungsblatt" Nr. 2/1921 find auf Seite 12 zwei Anträge der Ortsverwaltung zur Jahresgeneralver jammlung den Mitgliedern unterbreitet, die dem Verbandsvorstand Beranlassung gaben. au der damit angeschnittenen Frage Stellung zu nehmen. 1 Bendraiserboub bes Ungefteltes. Delegierte guz Belicher Geneseiverfemm bern Donnerstag, den 24. März 1921, abends 7 Uhr in den Sophiensälen, mg. Die nächste Delegiertennersammlung findet night Montag, ben 21, fo Sophienfte. 17/18, ftatt. Die Ortsverwaltung. Berbanb ber Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Stappe Landschaftsgärtner. Freitag, den 18. März, abends 7 Uhr, Neue Rathausfäle, Schöneberg, Martin Buther- Str. 69, Gruppenversammlung. Der Stegulator" wird nun ficher von einem großen Einfluß den verirrten Schäflein, die der verrückten Parole des Hirsch Dunderschen Bäderbugend folgten, fagen. daß fie von den Hirschen nichts zu erwarten haben. Man darf Verhandlungen mit der Direktion nicht nur mit feiner Anwesenheit beehren, wie es Herr Getpertvereinler Rabe im ganzen vorigen Jahre tat, sondern muß zur gegebenen Zeit auch mal ein Wort, reden. Dazu gehört dann aber etwas mehr Gehirnichmalz, als zur Herausgabe einer ablparole, die lediglich die reaktionärste Gewerkschaftsrichtung beg günstigen muß. Achtung, Betriebsratswahlen! Wir ersuchen unsere Genoffen, in allen Betrieben sich lebhaft an den Wahlen der Betriebsräte zu beteiligen. In den Betrieben, wo das Aufstellen einheitlicher Ciften nach den Beschlüssen der Organisationen durch das Berschulden der Kommunisten vereitelt wird, fordern wir unsere Anhänger auf, in allen Fällen eigene freigewerkschaftliche Ciften aufzustellen.. Wahlmaterial, vor allem Flugblätter, find in unserem Bureau rechtzeitig zu bestellen und abzuholen. S.P.D.- Betriebssekretariat. Achtung Transportarbeiter! Der Antrag 2a mill, daß der Berbandsvorstand eine De legation zu dem Weltkongreß der Roten Gemertschaftsinternatio nale am 1. Mai 1921, inzwischen vertagt auf den 1. Juli 1921, entsenden soll. Wir bemerken dazu, daß der Verbandsporstand, Freitag abend 7 Uhr findet in den Brachtfälen Alt- Berlin, falls der Antrag Annahme finden sollte, sich nicht verpflichtet Blumenstr. 10, eine Berfammlung aller auf dem Boden der S.B.D. fühlen würde, dem Berlangen zu entsprechen. Bir find als Verband dem Allgemeinen Deutschen Gewerf. stehenden Mitglieder des Transportarbeiterverbandes statt. Borschaftsbund angeschlossen und durch diesen dem Internationalen trag: Selbsterlebnisse in Rußland". Referent: Genoffe Gervin. Gewerkschaftsbund mit dem Siz in Amsterdam. Solange dieses Situationsbericht. Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig. Berhältnis besteht, merden wir uns an Beranstaltungen, die dem Der Fraktionsvorstand. 3.G.B. entgegenstehen, nicht beteiligen. Der Antrag 2b will, daß die Zahlstelle Berlin eine DeleEine Branchenverfammlung aller Portiers, Heizer und Fahrgation zu dem geplanten Kongreß nach Mostau entfenden soll. Stuhlführer(-führerinnen), die in Geschäfts- und Industriehäusern Falls dieser Antrag Annahme finden sollte, würden wir das als tätig sind, beauftragte ihre Lohnfommission, umgehend mit dem einen Berstoß gegen die 3ntereffen des Berbandes Berband der Geschäfts- und Industrie- hausbefizer in Tarifver. ansehen und dementsprechende Maßnahmen zu treffen uns gehandlungen einzutreten. Beim Nichtzustandekommen foll fofort nötigt sehen. der Schlichtungsausschuß angerufen werden. Sollte auch Die Ortsverwaltung als Antragstellerin macht sich durch die das zu feinem greifbaren Refultat führen, so find die Versammelten Borlegung der beiden Anträge an und für sich eines groben entschlossen, von allen ihnen zu Gebote stehenden Machtmitteln Disziplinbruches fchuldig. Sie müßte wissen, daß unsere Organi- ausgiebigsten Gebrauch zur Erringung menschenwürdi fation gebunden ist an die Beschlüsse der Berbands, ger Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu machen. Noch tage, der Gewerkschaftstongreffe und der Interift diefe Berufsgruppe die am schlechtesten bezahlte. nationalen Gemertschaftstongreffe, und daß diese fowie die gesamten Brinzipien unferer Gewerkschaftsbewegung es nicht zulassen, sich an Beranstaltungen zu beteiligen, die diesen Brinzipien entgegenzuwirken bestimmt sind. Indem wir Ihnen vorstehende Auffassung des Berbandsvor. standes zur Kenntnis bringen, warnen wir Sie zugleich, die in den Anträgen zum Ausdrud tommenden Tendenzen weiter zu fördern, da diese zu einer 3 erstörung der Einheit un feres Verbandes zu führen geeignet sind. geftellten am Ostersonnabend in Eisenach. Die Bewegung der Einen Reichsjugendtag veranstaltet der Zentralverband der Anfaufmännischen Jugend, die bis vor einigen Jahren erst in den Anfängen stedte, ist so gewachsen, daß dus 60 Orten Delegierte zufammentreten werden. Es sollen in Eisenach wirtschaftliche Fragen sowie die Bildungsarbeit für die faufmännische Angestelltenjugend besprochen werden Besonders wird die Stellung der Lehrlinge in unferem Britschaftsleben erörtert werden. meihen freien Angestelltenbundes ift foeben erschienen. Die Zeit Die Märznummer der Zeitschrift Der Betriebsraf des Allgeschrift erscheint in neuer Einteilung und beginnt mit dieser Nummer eine Artife ferie Die Kontrolle der Brobuftion". Es foll damit den Betriebsräten die Möglichkeit gegeben werden, fich theoretisch führung einzuarbeiten. Als erster Artikel der Serie erscheint Buchbaltung und Bilanz als Kontrollmittel von 2. Haimann. Als zweiter Art tel folgt Boltswirtschaftliche Erfahrungen mit einem Anhang Wie lese ich den Handelsteil der Tageszeitung von Sturt einig. Dann bringt die Zeitschrift einen fehr wertvollen Beitrag: auftraft, Kred teinschränkung, Deflation" und einen Artikel:„ Bu eine Reihe von Schiedssprüchen, Urteilen und Entscheiden in Be § 61 des Betriebsrätegefeges. Außerdem enthält die Zeitschrift triebsräteangelegenheiten. Unser im wohlverstandenen Intereffe des Berbandes an Sie zu gebender Rat geht dahin, die für die Generalversammlung ge stellten Anträge zurückzuziehen und sie in der Generalversammlung gar nicht erst zur Verhandlung und zur Abstimmung zu bringen. Mit erfreulicher Deutlichkeit hat der Verbandsvorstand hier gegen die Beschickung des Moskauer Kongresses Stellung genommen, und praktisch in das so ungeheuer wichtige Gebiet der Wirtschaftsund es ist zu wünschen, daß die Mitglieder der Bahlstelle, inshefonbere die Delegierten zur Generalversammlung fich dieser Auffassung anschließen, Denn es ist naheliegend und ausgesprochene Absicht der fommunistischen Ortsverwaltung, der Beschidung des Kongresses den Anschluß an die Mostauer Internationale folgen zu laffen. Da aber bie große Maffe bar Mitglieber feine Kommunisten find, so würde ein folcher Beschluß mit Naturnotwendigkeit zur Spaltung bes Berbandes führen. Dieses zu verhüten, müssen die Mitglieder mehr denn je auf dem Plan sein, um die Absicht der Drisverwaltung zu durchkreuzen. „ Der Betriebsrat tann bei jedem Boftamt zum Preise von 3 mi. pro Bierteljahr abonniert werden. Seine Anschaffung und fein Studium ist allen Betriebsräten, Arbeiter und Angestellenräten, sowie den Gewerkschaftsmitgliedern im eigensten Interesse zu empfehlen. 4 Die Hirsche" als Schrittmacher der Deutschnationalen. Die freigewerffchaftlichen Arbeiter und Angestellten der Julius Binti attiengefellfaft hatten in Betriebs. 6.B.D. Delegierte aut Generalversammlung ber Metallarbeiter. Freitag, berfammlungen beichlossen, zur bevorstehenden Betriebsratswahl 7 Uhr, Borbesprechung In den Belten 28. Fraktionsvorstand. eine gemeiniame Liste aufzustellen. Es follte eine gemein- Metallarbeiter ber Jnnungsbetriebe. Montag, 21. März, abends 6 Uhr, fame Front gegen Angestellte geschaffen werden, die sich im Vor- findet im Berliner Klubhaus, Ohmstraße 2, die Wahl des Gefellenausfcuſſes, jabre nicht schenten, auf der deutschnationalen Angestelltenbie Bahl ber Arbeitnehmerbeisiger und deren Stellvertreter zum Schiedsgericht liste au fanbibieren, um dann als Bevollmächtigte der Firma bes Innungsausschusses statt. Es ist Pflicht aller wahlberechtigten Kollegen, an erscheinen. 3. A.: Beutner, Mitglied bes Gefellenausschusses. vor Schlichtungsausichüffen uim. gegen ihre eigenen Wähler aufs autreten. Um dem Betriebsrätegeleb zu genügen, nahmen die Arbeiter nun am Freitag die vorgeschriebene gebeime Abstimmung im Betriebe vor. Die hiri- Dunderiden Gewer! bereinler proflamierten Wahlenthaltung. Mehrheit für ein Zuſammengehen mit den Angestellten wurde nicht erreicht und damit fiel die Möglichkeit zu wirkiamster Betämpfung der Auch- Angestelltenvertreter". Gine elettrizitätswerten der Privatindustrie beschäftigten Maschinisten und Seiser Zentralverband der Maschinisten und Seizer. Bersammlung aller in ben Freitag, 6 Uhr, bet Schuls, Am Rönigsgraben 2 Sonntag Besichtigung ber Technischen Hochschule zu Charlottenburg. Treffpuntt morgens 8 Uhr in Char lottenburg, am Knie. Allgemeiner Berband der Deutschen Bantangestellten. Heute 7 Uhr öffent liche Bantangeftelltenversammlung im Lehrer- Bereinshaus. Tagesordnung: Die Beltwirtschaftstrife und die Bantangestellten". Eduard Sanftmann. Der Reichstarifvertrag im Bantgewerbe". Rarl Emonts. Wirtschaft Folgen der Sanffionen". Bie mitgeteilt wird, hat eine Reihe erfter Banken, darunter die Reichsbant, den Antauf von Scheds auf London und Paris eingestellt. Die Gründe liegen auf der Hand: Nachdem die Santtionen in Kraft ge treten find, gewinnt es verstärkte Bedeutung, daß die französische Regierung bisher noch nicht die Unantastbarkeit von nach dem Kriege entstandenen Guthaben ausgesprochen hat, und es tritt die Nosicht der Entente hinzu, 50 Broz der Erlöse aus privatem deutschen Er port für das Reparationskonto zu beanspruchen, ein Entschluß, der in England bereits von der Legisla'ive in erster Lesung angenommen ist. Die in Betracht kommenden Banten erflären, daß weder ste noch die englischen Bezogenen der Schecks erfennen fönnten, ob ste gegen Guthaben oder gegen Fafturenbeträge gezogen sind. Bei der Rigorofität namentlich des englischen Vorgehens feht man also den deutschen Einlieferer der Schecks, sofern man fie wie bisher unter Binsabzug einfauft, der großen Gefahr aus, daß nur 50 Broz iedes Schecks brüben honoriert werden, daß der deutsche Eigentümer also für die andere Hälfte Erfaz anschaffen würde und ihm demnach ein großes Balutarififo aufgebürdet werde. Der Wert des einfachen Einzugs des Geschäfts sei für beide Teile vorzuziehen. Die Cagerbestände auf den Zechen des rheinisch- westfälischen Industriebezirks. Der schon seit einiger Zeit zu beobachtende Rüde gang der Lagerbestände auf den Zechen des rheinisch- mestfälischen Industriebezirks hat angehalten. Ende Februar waren auf allen Bechen Läger nur in Höhe von 972 800 Tonnen zu verzeichnen. Diefe Menge entspricht nur einer Förderung von fnapp brei Tagen, ist also als Reserve nicht ausreichend. Beranto. für ben rebaft. Teil: Dr. Werner Beiler, Charlottenburg; für Arzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Bore wärts- Buchbruckerei u Berlagsanstalt Baul Einger u. So.. Berlin Binder. 3. Sierzu zwei Beilagen und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". caLiter ORIGINAL WEINBRAND MARKE GOLDSTÜCK WEINBRENNEREIEN Jacob Stick Machig Hanan REINER WEINBRAND WEINBRENNEREIEN JACOB STÜCK NACHF. A.G. HANAU A/ MAIN GEGRÜNDET 1826. ukirol K Millionenfach bewährt. Schachtel M3 beseitigt schnell sicher und schmerzlos Hühneraugen Hornhaut Schwielenu Warzen Jn Apotheken Drogerien erhältlics A.WERTHEIM Putz- Artikel Moderne Schleier feine Farben ..Meter Frottéborden großes Farb sortiment..... Viskaborden 675 Meter 75PE moderne Farben Meter 150 225 275 Fuchsschwanz aus Strauß, moderne Farben.... 1975 Damen Handschuhe Leinen- Ersatz knöpfe Leinen- Ersatz 2 Druckknöpfe... 2 Druckknöpfe.... Damen- Hüte Kleine Glocke aus Frotté borde, handgenäht, mit Kirschen 8500 und hängender Bandgarnitur..... 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