Nr. ♦ 38. Fahrgang Ausgabe A Nr. 67 VezagSpreiS, ''®ietleIiät)tL30�- äll., mooatL W,— St fttl Ins Sans, voraus zahlbar Soft* ' bezug: Monatlich 10,— M.»luichtZli- stellungsgebühr Unter Kreuzband für Deutschland und Oefterreich lSLO M, für das übrige Ausland bei tSglich einmal. Zuliellung 2I,S0 M Poitde. fiellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tlchecho-SIomaier Däne- mart. Solland, Luxemburg, Schmedeu ' und die Schweiz,- Singetragen in . die Post-Aeiiungs-Preisliit« Der!»Äorwärt,- mU der Eonniag»- bei»«««.Volt und ZetN und der Unter- dalttrnasbetlage �>eimweli� ericheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm- Adresse! �Svzlaldemotral verlw-. Morgen Ansgake Bciiincc 30 Pfennig) AnzctssenvrelS: Dl» achig eivaltene«onvareillezellk toliei HL» M.kleine Anzeigen" da»'etigedrultte Wort ILO M(zu- lässig zwei ietlgedrurkte«orte», lede, wenere Wart l, M Slellengeluch« and Schlaisikllenanzeigen da» erst« Aori l. M, lede« weiiere«ort üv Pig Worlr übe, ld Luchstaden zählen lllr zwei«on» �omilien-An- zeigen iiir Abonnenten Zeil« 3,- M Die Lreile oerlichen sich emschltehlich Teuerungszuschlag. Anzeigen iüi die nächste Nummer müssen dis S 21(it nachmittag» im Hauvigeichast Lerlin SW Ob Linden- straß» 3. abgegeben werden Seöffnet von 9 Uhr früh bi» b Uhr abend». i-id ZentraXorgzn der fozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr. Z ' Aernkpreairr! Amt Mortlivta«. Nr. I»I i»l>— läl»7 vorwärts-verlag G.m.b.H.. SW OS, Lindenstr. 3 itctuitirerber, Ami Morivvta» Nr. 11753—64 Gbersthlefler, stimmt öeutsth! einWechfelaufdieweltindustrie. Der Relchspräsidenl erläßt folgenden Aofrns: oberschlesteri Die Stunde der Culscheidung ist gekommen. Don Such wird es abhängen, ob Oberschlesien, durch Jahrhunderte mit Deutschland ver- eint, in Jahrhunderten mit Deutschland groß geworden, sich auch in Zukunft in Äliite und Wohlsland weUer entwickeln kann. Ober- schlesiea und Deutfchlaud sind unlöslich miteinander verbunden durch Rande de» Rloke», durch die gemeiusame Kultur, durch den gleich- zeitigen sozialen Ausstieg und durch die gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung. Würde» diese Rande zerrissen werden, so ist die srncht- bare Arbeit de» letzten Jahrhunderts zunichte gemacht, und Hunger. Rot und Elend find die unausbleibllcheu Folgen. Oberschlesteri Roll Stolz und voller Zuversicht blickt da» ganze deutsche Volk an Eurem Schicksalstage auf Euch, aus allen Teilen des Reiches, aus dem Auslände find Eure R rüder und Schwestern zur Euch gekommen, um aller Well die Einmütigkeit aller Deutscheu und die Zusammengehörigkeit Oberschlesieus mit dem Deutschen Reiche zu beweisen. Weder Drohungen noch Lockungen, weder Mühen noch Entbehrungen haben vermocht, ste von der Erfüllung ihrer vaterländischen Pflicht abzuhalten. Wir vertrauen darauf, daß die Abstimmung in Ruhe und Ordnung vor sich gehen wird. Der Reichsregierunq ist es ein Redürfnis, in dieser feierlichen Stunde erneut zu erklären, daß ste das oberfchlestsche Volk in der Reu- gestaltung seiner Zukunft nach Srästeu unterstützen wird. Die erste gemeinsame Aufgabe der Zukunft wird es fein, Gegensähe aus- zo�'ichhev. die der Abstlmmungskampf geschossen hat. und sich zu gemeinsamer Friedensarbeil zusammen-ufinden. Oberschlesteri Die Stunde der Entscheidung ist da. Da» deutsche Volk und die Deutsche Regierung hassen und vertrauen aus Euch. Denkt an Eure Zukunft, denkt an Euch und Eure Kinder und stimmt '�ür ein deutsches Oberschlefiea! Der Reichspräsident: Eberl. ver Reichskanzler: Fehreubach. . Tic letzten. Sopderzüge. Gelegentlich'der Abfahrt eine» der Sonderzüge nach QHexschlesien begrüßte Freichg abend H6 Uhr Außenminister Dr. Simons auf dem Schlesischen �Bahnhof die Oberschlester namens der Reichs- regierung: die Regierung bürge dafür, daß den Heimattreuen wäh- rend der fjahrt und im Abstimmungsgebiet keine Gefahren drohen wurden. Greise, gebrechliche Leute und werdende Mütter lcheuten�W Beschwerden der Reise nicht, um für Deutschland, für ihr« Hafewt einzutreten. Er wünschte allen glückliche Reise und Heimkehr und schloß mit einem Hoch auf die deutsche Heimat. Ein alter Abstimmungsberechtigter brachte, ein Hoch auf den Mi- nister aus. Der letzt« Abstimmungssonderzug ocrNeh heute Nacht 1 Uhr Berlin, da alle Sonderzüge Sonnabend, nachts 12 Uhr, die „Grenze�, die hoffentlich bald keine mehr fein wird, passiert haben müssen. « Die Geschäftsführung für die technischen Abstimmunqsvorberei- tungen der Heimattreuen gibt bekannt: Die Jntgrulliierte Kommission hat genehmigt, daß alle Stimmberechtigten, die in der Stinunliste eingetragen sind, aber ihre Wahlkarte(Passierschein) noch nicht erhalten haben, vom französischen Konsulat in Breslau die Erlaubnis für die Einreise in bas Abstimmungsgebiet erhalten können. Sie haben die Wahlkarte bei ihrem zuständigen paritätischen Ausschuß nach Ankunft im Abstimmungsgebiet zu er- bitten. In Breslau können sich derartige Personen am Breslauer Hauvtbahnhof erkundigen, wo ihnen die erforderliche Beratung zuteil wird und wo das französische Konsulat die Einreiseerlaubnis erteill. Alle Ausweispapiere, die der Betreffende besitzt, und alle Benachrichtigungen, die ihm von dem paritätischen Aus- schütz zugegangen sind, müssen mitgebracht werden. Ein Unparteiischer. Sattowitz. 18. März.(Eigener Drahtbericht des„Borwärts'd Heute vormittag wurde der Berichterstatter der„Vossischen Zeitung". Dr. Manfred Georg, von zwei Kriminalbeamten mit einem Polizechund au» seiner Wohnung abgeholl und zum hiesigen K r eis- kontrolleur de Viz(Franzose) geführt, angeblich zu einer.De- sprechung". Im Derlauf« dieser.Besprechung" griff ihn der Kreiskontrolleur tätlich an._ Ein Rhemlanö-Staatsfekretär. S erlin, 18. Rlärz.(WTR.) Das Kabinett hat beschloffen, beim Reichsministerium de» Innern die Stelle eines Staats'ekretärs für die rheinischen Angelegenheiten einzurichten, dem die Vertretung der 'Iteinischen Juteressen in allen Fragen, die in der»eichsverwallung bearbeitet werden, übertragen werden wird. Es werden alsbald die nöKaen Schritt« eingeleitet werden, um eine Fühlungnahme dieser«it de« Verwaltungen der Länder herbeizuführen. VerUn, 18. März.(MTB.) Die Deutsche Liga für Völkerbund Hot über die„Sanktionen" ein völkerrechtliches Gutachten an die Dölkerbundgesellschaften der ganzen Well ver- sendet Di« Liga fordert damit die anderen Völkerbundgesellschosten auf. darauf hinzuwirken, daß beim Wiederaufbau de» geistigen und wirtschaftlichen Lebens der Welt der gute Wille zur gegenseitigen Derständiaung und die Einsicht in die Sosidarirät die Entschließ»». aen bestimmen soll, sowie daß der Völkerbund die aller Vertrags- tr»u« widersprechenden Zwangsmaßnahmen des Obersten Rate» rückgängig machen muß. Oeutschlanös Angebote erledigt! Verl in. 18. März.(DTR.) Die Sachverständigen, die au der Srilik der Pariser Reschlüffe und der wirtschaftlichen Porbera- kung des deutschen Angebots in London teilgenommen haben, sprachen heute bei dem Reichsminister des Aeußcrcn vor und er- klärten, daß sie auf Grund ihrer Kenntnis der denkscheu Wirtschaft- sicheu Leistungsfähigkeit nach wie vor der lleberzeuguug sind, daß weder die mit den Pariser Forderungen der Entente noch mit den beiden Londoner Angeboten der Deutschen Regierung verbundenen jinanzlelleu Leistungen von der deutscheu Wirtschaft ausgebracht werden könnten. Diese deutschen Anerbietungen. die wirtichasstich nicht gesichert find, muffen für ihre Erfüllung an ähnliche Dorans- sehongen gclnllpst werden und Shvlich? Folgen zeiligen, wie fle von , den Sachverständigen in ihrer Denkschrift über die Pariser Forde- rangen dargelegt sind. Demgegenüber erklärte der Rachsminister, daß er die Stellungnahme der Sachverständigen, wie er bereits im Reichstag betont Hobe, voll zu würdigen wisse, daß die höhe der Angebole der Deutschen Regierung aus politischen Erwägungen heraus bemesien worden sei und biß sowohl die Reichsregierung als auch der Rdchswg diese an bestimmte Voraussetzungen gebundenen Angebote in London nach den Ereignissen der letzten Zeit als nicht mehr bestehend und endgültig erledigt betrachten. Z?och geht weiter. Verlin. IS. Mörz.(DTR.) Die Lage in Mühlheim ist unverändert. Die Stärke der Truppen, die den Bahnhof Speldorf und Umgebung beseht haben, wird auf 100 Mann geschätzt Auch der ilahnhos Oberhousen-West ist durch einen Ossizier und 15 Mann lFranzosen) befetzt Teutschlands Protest beim Völkerbund. Genf. 18. März.(MTB.) Auf da» Vegleitfchrelben Dr. Si- mons an den Seneralfekretäe de» Bölkerbunde» zur Denkschrift über die Zwangsmaßnahme» hat der Generalsekretär- geantwortet, daß er'dä» MemoräNdum sofort an die Mitglieder des' Völkerbundrates weitergeleitet Hab«. Uebungsgemäß würden die Dokumente gleich- falls an die Mitglieder des Bölkerbundes zur Kenntnis übermittelt Frankreichs Strafzollgesetz. Die französische Kammer hat das Gesetz über den Mprozentigen Strafzoll gegen Deutschland mit 421 gegen 66 Stimmen kurz nach der Einbringung auch schon angenommen und die gegen Deutschland angewandten Maßnahmen gutgeheißen. Raset 18. März. Die„N a t i o n a lz e i t u n g" weist im Handelstell darauf hin, daß entgegen allen Erwartungen beim Ein- trttt der.Sanktionen" der stanzöfische Franken mehr zurückgegangen ist als die deutsche Mark. Das Unterhaus hat einen Antrag, die Reparationsbill zu vertagen, bis Frankreich. Italien und Belgien eine ähnliche Maß- regel angenommen hätten, mit 204 gegen 3g Stimmen abgelehnt. Polnische Demokratie. Warschau. 15. März.(OE.) Die polnische versaffung ist im Sejm eudgüllig angenommen worden, nachdem die Kompromißoer. Handlungen die Linke veranlaßt hatten, voa ihrer Obstruktion Abslaud zu nehmen. Das Zwei tammersystem ist beibehalten worden, dagegen hat die Rechte die ZNöqlichkeit einer Revision der ver- sassung erleichtern müssen. Der sozialistische.Robotnik" kritisiert schürf die versasiung: es fei fedoch den Linkspartelen gelungen, der Reaktion und den Klerikalen einige Pofitionen abzuringen. Das Rlatl tadelt an der Rerfaffuna das völlige Fehlen eines Referen- dums(!) und einer Sicherung der demokrakischen Kommunalver- sasiungen, die ungenügende Garantie der Bürgerrechte, die Einsüh- rung der Slaatstirche(!) und den Mangel sozialen Geistes. Pari», IS. März.(EE.) Deutschland hatte der volschafier- tonferenz eine Rote wegen der Haltung Polens in Oberschlesien überreicht Die Konferenz anlworlete mit einer Gegennote, die be- sagtz daß die Aufrechterhaltung der Ordnung Sache der Zoter- alliierten Souimission sei und für den Fall eines Eingreifens beut- scher Truppen die deutsche Regierung allein verantwortlich set Eine gleichlautende(Ranu! Doch wohtz daß für Poleneinmarsch Polen verantwortlich! Red.) Rote wurde dem polnischen Rot- schaster übergeben. Reibe Roten waren von vriand unterzeichnet. der polnistb-ruPsche Jrieüen. Riga, IS. März.(ES.). Die definitive Einigung der Frie- denskonferenz in den hauptsireitftagen des Goldschatzes und des Eisenbahnmaterials beruht auf folgenden Grundsätzen: Räch Ar- ttkel 13 zahl« Rußland au Polen spätestens in einem Jahre nach der Ratiflkattou 30 Millionen Rubel in Goldmünzen oder Goldbarren. Als Ersah für das weggeführle Eisenbahnmalerial wird die Sowfetregieruug da» gesamte normalspurige Material zurückstellen und den Rest mit dem Gesamtbeträge von 21 Millionen Goldrnbel, zahlbar in Metallmünzen oder gleichwertiger Ware, begleichen. Sämtliche, von der früheren russischen Regierung nach der ersten Teilung Polen» nach Rußland verschleppten Kunst werke werden von dee Sowjetregierung innerhalb von zwei Jahren au Polen zurückerstattet Die Rasisikottou soll 30 Tage nach llulerferUguua»od der Austausch der Rattfikationsurkundeu nach weiteren 15 Tagen erfolgen. Es sollen alsbald rnmänlsch-rnffische Verhandlungen in Renal beginnen. Lloyd George erklärte nunmehr mit aller Ent- schiedenheit, die Entente wolle keine Papierzahlungen mehr, die Schuld üt itschlan?» könne nur durch Sachlei st ungen und Arbeit abgetragen werden. Auch in Frankreich scheint man dieser Ansicht sich zuzuwenden. Das wäre ein wichtiger Schritt zur Verständigung. Denn, was wir zahlen können, das kann bei den schwankenden Geldverhältnissen kein Mensch bestimmen: was wir aber leisten können, das läßt sich nach dem Stand und den Entwicklungsmöglichkeiten unserer In- dustrie annähernd berechnen. Man muß aber auch die Konsequenz dieses Standpunkts ziehen und die deutsche Industrie in Bedingungen stellen, die ihre Entwicklung ermöglichen. Dann wird man sich auch der Erkenntnis nicht oerschließen können, daß die d e u t s ch e In- dustrie sichnurimZusammenhangmitderWelt- i n d u st r i e entwickeln kann. Stellt man sie auf den Isolier- schemel, verdirbt sie. Und man wird auch erkennen, daß man die deutsche In- dustrie nicht aus dem Weltverkehr herausreißen kann, ohne die Entwicklung der Wellindustrie zu hindern. Die Welt» industrie drängt aber mit Gewall nicht nach Verengerung. vielmehr nach Erweiterung des Weltmarkts. Lloyd George erzählt uns, daß England 500 Mil- lionen Pfund jährlich hauptsächlich zur Verzinsung seiner Staatsschuld zu zahlen habe. Frankreich 12 Milliarden Frank. Aehnliche Zahlen liegen auch aus den anderen Staaten vor. Es ist das Ergebnis der aufgenommenen Kriegs- f�ch u l d e n. Der Weltkrieg erforderte kolossale Ausgaben. Sie find verbraucht. Die Schulden sind geblieben und müssen verzinst«erden. Llond George sprach einmal von den „silbernen Kugeln", mit denen England den Krieg gewinnen will- Die.500 Millionen Pfund Iahreszahlungen des britischen Staats find die Rechnung für diese silbernen Kugeln. Und- so m allen Staaten. ' Wie sollen aber die Staaten diese Zahlungen austreiben, wenn nicht die Produktion gesteigert wird? Ist es denkbar, daß England, dessen gesamte ordentliche Staats- einnahmen vor dem Krieg keine 200 Millionen Pfund be- trugen, nunmehr, außer der Deckung seines auch sonst gc- steigerten Staatsbedarfs, auch noch weitere 500 Millionen Pfund Jahr für Jahr wird zahlen können, ohne entsprechende Steigerung seiner industriellen Tätigkeit? Und was soll aus diesen zahllosen Milliarden werden, die die Staaten zur Ver- zinsung ihrer Kriegsschulden auszahlen, wenn sie nicht zu einem großen Teil Anlage in der Industrie finden? Daß man über das besiegte, wehrlose Deutschland her- fällt und es mit Füßen tritt, um aus ihm Geld herauszu- pressen— man bekommt Blut statt Geld— ist eine Ausflucht, durch die man die aufgeregte öffentliche Mei- n u n g t ä u s ch t, aber keinAusweg! Nicht bloß Deutschland, alle Industriestaaten sind bankerott, wenn nicht schleu- nigst Maßnahmen ergriffen werden zur Entwicklung der Welt- industrie. Deutschland kann nicht die Schulden der ganzen Welt zahlen. Aber je mehr man aus ihm herausholen will. desto mehr wird man seine Industrie steigern müssen. Also muß man ihm Kapital zuführen. Das Kapstal muß produktiv angelegt werden. Sonst gibt es keine Rettung. Da hilft weder die Notenpresse noch die Goldausmünzung. Das Geld ist ja nur ein Wertmesser. Wenn die Industrie stagniert oder gar zurückgeht, so wird dieser Wertmesser automatisch, wenn auch nicht ohne Störungen, die gleichen bzw. geringere Werte angeben. Ob man mit der Elle oder mit dem Meter mißt, die Entfernung zwischen zwei festen Orten bleibt die gleiche, und man mag noch soviel Meterstäbe in den Verkehr bringen, die Entfernung wird dadurch nicht größer. Die Gläubiger der Staaten werden um ihren Besitz kam- men, wenn nicht die Industrie mit aller Macht vorwärts ge- trieben wird. Ich denke dabei keineswegs an den politischen Widerstand, obwohl auch dieser ein sehr ernst zu nehmender Faktor ist. Lloyd George erzählte uns, daß England eine Million Arbeitslose zählt. Die Zahl der Arbeitslosen ist in den anderen Ländern entsprechend groß. Wohin soll das führen? Millionen Arbeiter haben nichts zu tun. Mil- liarden Geldwerte liegen unproduktiv da, sammeln sich in den Taschen von müßigen Rentnern, das Volk entbehrt der not- wendigsten Gebrauchsartikel, und nur die Steuern wachsen ins Unermeßliche! Werden die Massen es sich auf die Dauer gefallen lassen? Werden sie nicht zu der einfachen Schluß- folgerung gelangen: beseitigt die Kriegsschuld, erleichtert die Steuern und schafft uns Arbeit! Aber ich spreche nicht da- von, sondern von den Wirkungen, die sick aus dem Kapital» | verkehr selbst ergeben. Wenn sich solche Kapitalsummen un- produktiv ansammeln, werden sie entwertet. Sie drücken auf den Markt, sie steigern die Preise und beseitigen so durch Geld- entwertung das Mißverhältnis, das sich zwischen dem Reim» 1 wert des zirkulierenden Kapitals und der Wertsumme der Produktion herausgebildet hat. Die Kriegsschulden der i Alliierten, wenn nicht alle Hebel zur Entwicklung der In- dustrie eingesetzt»erben, werden ebenso entwertet msrden wie die Schulden Deutschlands und Oesterreichs. Darum ist denn auch Amerika, das während des Krieges zum Gläubiger Europas geworden ist. am meisten daran interessiert, die wirtschaftliche Entwicklung Europas zu fördern. Ob die Alliierten mit unserem oder mit eigenem Geld zahlen, Amerika bekommt nichts oder sehr wenig, wenn nicht die Industrie in einer Weise gesteigert wird, die diese Zahlungen ermöglicht. Wir haben mit den gewalligsten Mitteln der Industrie jahrelang zerstört, ohne zu produzieren. Die Kriegs- schulden sind die Schlußsumme dieser Zerstörungen. Darum besitzen sie keinen Gegenwert in dem gegenwärtigen Stand der Industrie. Was bedeuten sie also? Einen Wechsel auf die zukünftige Entwicklung der Weltindustrie. Nur so können die Kriegsschulden bezahll werden, sonst ist die Welt bankerott. Aber ist auch die Weltindustrie imstande, diese Leistungen zu erfüllen? Unbedingt. Zunächst ist ja der W i e d e r a u f- bau die Kompensation für die Zerstörung. Und da aufbauen schwieriger ist, als zerstören, so erfordert der Wiederaufbau sogar einen größeren Aufwand von Kapital und Arbell, als die Zerstörung. Ferner, was während acht Iahren versäumt worden ist, das muß doch nachgeholt werden. Arbeit genug, schier unbegrenzte Mögllchkeiten für Kapitalanlage. Man muß nur das Ganze ins Auge fasten. Nehmen wir ein Bei- spiel: In Deutschland sind eine Million Wohnungen neu zu erbauen. In Frankreich sind allein im zerstörten Gebiet 600 000 Häuser ganz oder teilweise neu zu errichten; der Gesamtbedarf an neuen Wohnungen wird dort sicher nicht unter einer Million sein. Dann kommt England, die öfter- reichischen Staaten usw. Das gibt Arbeit in Massen. Dann hat der Weltkrieg, der eine wirtschaftliche Revolution ohnegleichen bedeutet, die gewaltigsten Perspektiven für die Erweiterung des Weltmarkts und der Weltproduktion eröffnet. Rußland allein, wenn es zur Be- ruhigung kommt, braucht 200000 Kilometer neue Eisen- bahnen. Man denke an Sibirien. Zentralasien usw. Noch nie war der Bedarf an industrieller Tätigkell so groß, wie gegen- wärtig. Wir stehen vor der gewaltigsten Entwicklung der Wellindustrie, wenn erst die störende Politik engherziger Regierungen und einige wirtschaMche Trägheitsmomente überwunden werden. Engherzig und kleinlich ist die Politik der Alliierten selbst vom kapitalistisch-natwnalen Gesichtspunkte aus. Frank- reich zumal treibt eine Politik kleiner und großer Bosheiten, in der es feine Macht und sein Ansehen verbraucht. Wenn man frägt, ob Frankreich seine im Krieg gewonnene Macht- stellung dadurch am besten zur Steigerung seines Ansehens und seines Wohlstandes ausnützt, daß es auf dem Kriegsfuße bleibt und Deutschland ewige Feindschaft schwört, oder da- durch, daß es seine wirtschaftlichen Kräfte entwickelt, so liegt die Antwort auf der Hand. Man hat im Frieden soviel über die deutsche»p6n6tration padfique", die.friedliche Durch» dringung", geschimpft. Warum macht man es jetzt nicht nach, da man dazu ganz außerordentsiche Möglichkeiten besitzt? Und wenn man die Dinge von einem allgemeineren Ge- sichtspunkte ins Auge faßt, so wird man leicht erkennen, daß die wirtschaftliche Verflechtung der Industriestaaten unterein- ander die beste Gewähr für den Weltfrieden abgeben würde._ Zalsthe Wahlziffern aus Mecklenburg. Schwerin L Staflenba* 18. WSrz.(Eigener Drahk- Bericht des.vorwärts".) Infolge«och uuausgeklärier v e r- sehen im amtlichen Dahlburean find falsche Be- snltake entstanden. Fest steht bereits, daß Sozial- demokraten ZS. Deutschnakionale lS. Volkspartei 12 Man- dake erhalten. Die LIaksparteleo haben 54. die Rechkspar- keien 35 Mandate. Die Bekanntgabe des definitiven aml- llchea Resultats soll am Sonnabend erfolgen. Reaktion unÜ Radikalismus. Die gestrige Reichstagssitzung, über die wir an gewohnter Stelle berichten, hatte mehrere beachtenswerte Momente. Der Versuch der Sozialdemokratie- die ehefeindlichen Bestimmun- gen gegen weibliche Reichspostbeamte aufzuheben, fchellerte nach heftiger Debatte an einer Stimme Mehrheit, wobei nur einzelne Demokraten, aber auch einzelne Vollsparteiler mit der Linken stimmten. Der Kampf der offenen und heimlichen Kahr-Stützen gegen die schleunige Fertigstellung des Gesetzes zur Auflösung der Einwohnerwehren hat eine vielleicht unerwartete Hilfe ge- funden: die kommunistische Fraktion hat durch ihren Widerspruch verhindert, daß heute, Sonnabend, an die zweite Lesung sofort die dritte angeschlossen werden kann. Die Herren Kommunisten verdienen sich ehrlich den schmückenden Bei- namen einer Kahr-P.D. Der Reichstag aber wird erst gegen Mitte nächster Woche die Osterpause eintreten lassen können. Beim Wehrgesetz mißlang erfreulicherweise der Versuch der Deutschnationalen und Volksparteiler, die Be- Zeichnung des Heeres als eines republikanischen zu be- seitigen. Dagegen wurden aber auch alle sozialistischen Ber- besserungsanttäge abgelehnt. Merkwürdig war das Beginnen der Unabhängigen, den Finanzminister in der Frage der Ortsklassenzulagen für Beamte zu einer gesetzwidrigen Handlung zu oeran- lassen— sie, die sonst die Hüter der Verfassungsmäßigkell spielen, wenn es ihnen paßt. Natürlich fielen sie damit durch. Durchaus tragfähig! Mitunter entschlüpft der reaktionären Presse wider ihren Willen ein Bekenntnis der Wahrheit. Wochenlang hat sich die Deutsche Bollspartei gegen die Wiederbildung der allen Koalition in Preußen mit der Begründung gewandt, daß diese zwar eine zahlenmäßige Mehrhett bei den Wahlen erlangt habe, diese Mehrhell aber.micht t r a g f ä h i g" sei. Jetzt lesen wir sogar in der„Deutschen Tageszeitung. daß die alle Koalllion in Preußen eine durchaus trag- fähige Mehrheit besitzt. Und das kommt folgendermaßen: Im hannoverschen Provinziallandtag hat sich ein Bürgerblock aus Rechtsparteien, Zentrum und Deutschhannoveranern gebildet unter Ausschluß der bürgerlichen Demokraten, die diese Rechts- koalition nicht mitmachen wollten, wie sie auch für ganz Preußen den Rechtsblock ablehnen. Die„Deutsche Tageszei- tung" ist von diesem Block sehr begeistert und möchte ihn gern auf ganz Preußen übertragen. Sie schreibt:„Ebenso wie in Hannover wäre in Preußen ein Rechtsblock ohne die bürgerlichen Demokraten durchaus ttag- fähig." Diese Feststellung ist sehr wertvoll. Denn nach dem amt- lichen Wahlergebnis würde ein Rechtsblock ohne die Demo- traten in Preußen über genau 229 Mandate verfügen. Die absolute Mehrheit beträgt 21Z. Die alle Koalllion verfügt aber unter Einschluß der Welsen über 2 3 2, ohne die Welsen über 2 2 4 M a n d a t e. Sie ist im günstigen Falle um drei Mandate stärker, im ungünstigen um fünf Mandate schwächer als der«durchaus tragfähige" Rechtsblock. An diesen fünf Mandaten kann aber die Tragfähigkell unmöglich hängen. Diese geringfügige Ziffer wird zehnfach ausgeglichen durch die Mittelstellung der allen Koalllion, die leicht bei Nach- barparteien Unterstützung finden und nur durch das u n n a- tllrliche Bündnis der gesamten Rechts- und Lintsoppo- sitton gefährdet werden kann, während ein Rechtsblock den Linksblock von fast gleicher Stärke gefchlof- fen gegen sich hätte. Bezeichnet also die„Deutsche Tageszeitung" de« Rechts- block als durchaus tragfähia, um wieviel tragfähige? muß sie dann den Mittelblock der allen Koalition ansehen. Sie bestätigt damit, was die Sozialdemokratie immer betont hat, daß die bisherige Regierungskoalition eine durchaus tragfähige Mehrheit hinter sich hat. Sajmoarkfihes. Der.Bayerische Kurier" hat«neu Schwindel ausgeheckt, der | von der Berliner schwerkapllalrsLschen Presie begierig nachgeplappert � wird: Minister Severing soll in der Wandelhalle des Reichstages ! erklärt haben:.Das mit der bayerische» Einwohnerwehr sind Zicken. Da müssen wir wieder emmal ein paar preußische � Regimenter hinschicken und die Bayer» zur Vernunft bringen." Dieser Wandelhallenklatsch ist nicht einmal geschickt erfunden, da es doch nur noch Reichswehr und keine preußischen Re- g i m e n t e r mehr gibt. Typisch für die in Bayern betriebene H e tz e ist mm aber der l Schimpf er guß, den der»Bayerische Kurier" an diesen selbsterfun- ' denen Äoisch anknüpft. Das Blatt der Bayerischen Volks- parte! spricht den Wunsch aus, Severing möchte sich an die Spitze des Expeditionskorps stellen, da man in Bayern schon bürgst gern kennenlernen möchte. Als Erkennungszeichen möge er eine Kognakflasche, eine volle natürlich, tragen. Eines herzlichen Empfanges in Bayern dürfe er sicher fein, auch wenn die Kognak- fiasche bis zur Ankunft in Bayern leer fein sollte. Heber dieses politische Knotentum darf man sich nicht wundern. Das ist der unter der Kahr-Regierung in Bayern üblich gewordene Ton. In einem bayerischen Blättchen, das uns zufällig zu Gesicht kommt, dem»Miesbacher Anzeiger", lesen wir an der Spitze des Blattes folgenden Erguß: Funkspruch an alle San- und Regierungs'udeu au der Vaake, Dahme, Briese. Doste. an der Havel und an der dreckigen Spree: Wir haben vernommen, was Ihr alles verbieten und verboten haben wollt, und wir erkennen wohl, daß Ihr damit im Dienste eurer Sozen, Uspen und Kapeden einen Feldzug gegen uns Bayern eröffnen wollt. Wir machen Euch kund und zu misten, daß Ihr das beschließen oder nicht beschließen könnt, ganz nach Belieben, daß aber jetzt und hinfür für Eure Machtsprüche, die nichts sind als Sprüche ohne Macht— und das werden wir Euch beweisen—, in Bayern kein Gelluagsgebiek ist. Ihr könnt bei uns Schwätzer und schlechte Kerle aufhetzen; wir haben Gesindel und Lumpenhunde im Land, denen Eure Paragraphen recht nett anstehen werden, aber unser Ge- santtvolt verachtet Euch, Eure Befehle und Cure Ge- setze, wenn sie nach unserer unbeirrbaren Ueberzeugung dazu an- getan sind, die Tyrannei des Pöbels wieder aufzurichten. Wir haben damit aufgeräumt, und wenn Ihr glaubt, daß wir sie uns durch Berliner Sau-Iudeu wieder ins Land schaffen lassen. dann ist das bloß ein Beweis, daß Ihr zuviel Maschinen- gewehrschnauzen, aber zu wenig Hirn habt. Ihr kennt weder uns noch unsere Verhältnisse und braucht sie auch nicht zu kennen. Die Ordnung, die wir im März 1320 ohne Euch und Eure dumme Meinung geschaffen haben, die erhalten wir uns. Ob sie Euch paßt, ist uns wurscht. Uns paßt sie, und wenn Ihr glaubt, daß Ihr uns Euren jämmerlichen Willen aufzwingen könnt, dann macht nur die Probe! Mit Eurem Enlwasfnungs- und Eatmammngegeseh wischen wir uns die..... In unserem Lande ist Euer schwarz-rol- gelber Weimarer puhhadern. Euer demokratischer Schandfetzen nicht in Geltung.... Wollt Ihr's darauf ankommen lasten, dann kommt nur selber herunter, und hernach wer- den wir ja sehen, ob uns die bejchnltleaen Eunuchen der Eutenie Gewalt antun können. Borläufig aber regen wir uns darüber nicht auf. Wir to'» die Berliner Sau-Iudeu gebieten und verbieten und lachen dixzu. Bei uns in Boyern ist alle Tage Kirchweih, zu der die Mach:- Haber an der Spree eingeladen sind. Es soll nur so ein gali-ischer Prikes-Iud kommen und ur? entwaffnen wollen— den schlagen wir. daß er in keinen Sa« mehr Kueiupaßt. Wir hätten ja nun eigentlich keinen Grund, uns über diese Schimpfereien aufzuregen, denn sie gehen ja nicht an unsere Adresse, sondern an die Adresse der— bürgerlichen Reichsregie. rung, bestehend aus Zentrum, Demokraten und Deut- scher Dolkspartei. Diese Herrschaften dürfte« immerhin interessieren, daß es ein bayerisches Amtsblatt ist, das in so achtungerweckender Weise über die Reichsregierung schreibt. Was würde man übrigens in Bayern sagen, wenn man in Berlin über Bayern und München w ähnlichen A u s h i ü ck e n schreiben würde, wie es von der Gegenseite geschieht? /llexanöer firchipenko. Archipenko, der russische Bildhauer, den die jüngst« Künstler- Generation als ihren Führer und Meister verehrt, und der vielen als das größte plastische Genie unserer Zeit gilt, hat im Sturm, Potsdamer Str. 134-, ein« Ausstellung. Die S2 Werte, darunter auch Aquarelle, Tusch- und Bleistiftzeichnungen, geben eine klare Anschauung von der Eigenart und der Entwicklung dieses künstlerischen Phänomens, dem alle Empfindungen, Gefühle und Stimmungen mit elementarer Gewalt in plastische Form sich um- setzen, und dessen jüngste und reiffte Werke all« Demente bildhaue- rischen Gestaltens zu einem vollkommen neuen, ganz persönlichen, konsequent und organisch gewachsenen Stil zusammenfassen. Archipenko» Entwicklung beginnt mit Arbeiten, die sich äußer- lich zunächst an mittelalterliche(Nr. Z„Granatbaum"), dann an pri- mitiv exotische Formen anlehnen(Nr. 1„Salome". Nr. 5„Negerin". Nr. 13.Kniende Frau", Nr. 2„Benus", Nr. 4„Plafond"). In dieser Zeit, es sind die Jahre 1303—1313, wirkte er auf unseren Lehmbruck ein, der in Paris durch ihn die entscheidende Anregung erhielt. Die charakteristische Vorliebe für den schwingenden Rhyth- mus ausdrucksvoller Flächen und scharfer Grate(Nr. 11„Gebeugte Frau", Nr. 12„Torso") tritt allmählich mehr und mehr in den Wordergrund, bis schließlich die klar« Tendenz zu festem archttetto- nischem Aufbau alle diese verschiedenen Stilelemente zu einer vollen, einheitlichen Wirkung zusammenklingen läßt. Das Gegenständliche wird nun fast völlig übertönt von der Sprache der reinen Form und die eigene, ganz persönliche Note sst gestanden.„Der Kuß" (Nr. 6),„Frau"(7),„Sitzende Frau"(8) und„Stehende Frau"(16) bezeichnen diesen Höhepunkt der bisherigen Entwicklung. Dem künstlerischen Ausdruck dient jetzt nicht nur die plastische Masse selbst, sondern auch die Atmosphäre, die die begrenzenden Flächen umgibt und in zahlreichen Durchbrächen in das Innere der Masse eindringt. Daraus ergeben sich Wirkungen, die denen wesens- »erwandt sind, die die moderne Graphik, namentlich der Holz- und Linoleumschnttt, durch den Gegensatz der weißen und schwarzen Flächenteile zu erzielen sucht. Die reissten und schönsten Arbeiten Archipenkos sind nicht nur Meisterwerk« einer vollkommenen Rund- Plastik, sondern sie erzeugen im einzelnen Eindrücke, die sonst nur die Innenarchitektur zu geben vermag. Dieses Drängen nach groß- zügiger architektonischer Gestallung ist das besondere Kennzeichen von Archipenkos Etil. Um so mehr muß man bedauern, daß die im Sturm ausgestellten Arbetten, mit Ausnahme der„Venus"(2), in kleinem und kleinstem Format gehalten sind. Zwar wirkt ihre elementare wuchtige Monumentalität well über die beschränkten Maßstäbe hinaus, aber ich glaube doch, daß sie ihre volle Kraft erst dann entfallen würden, wenn die äußere Form auch quantitativ dem geistigen Gehalt entspräche. Das gleiche gill für die reliefarügen„Skulpto-Malereien" Ar- chipentos, die bei aller distinguierte» Delikatesse niemalz ins Klein» liche verfallen und deren Farben überdies, im Gegensatz zu der neuesten von Frankreich kommenden Mode, nicht am äußerlich Sinn- lichen, kühl Dekorativen hasten bleiben, sondern stets tteffte seelische Wirkungen auslösen. Trotz der französischen Geschmackskultur— Archipenko hat die entscheidenden Jahre seiner Entwicklung in Paris erlebt— spricht aus ihnen die flaoische Seele mit ihrem zarten®e- fählsleben, ihrer geheimnisvollen Mystik und ekstatischen Inbrunst. In demselben Stil sind die Aquarelle geHallen, während ein Teil der Bleistiftzeichnungen uns die überraschende Kunde gibt, daß Ar- chipenko, der Meister eines streng aufbauenden Stils, bis zum Heu- tigen Tage sorgfältige Studien nach der Natur macht. Der Künstler steht jetzt im 40. Lebensjahr und seine Entwicklung ist zweifellos noch nicht abgeschlossen. Welche Wege sie einschlagen wird, läßt sich kaum ahnen. Zu wünschen wäre in jedem Fall, daß ihm recht bald Gelegenheit geboten würde, seine Plastik, besonders seine farbige Plastik, in einen organischen Zusammenhang mit stil- verwandter Architektur zu bringen. Erst dann, glaube ich. könnte Archipenkos Kunst ihr Letzte und Höchstes geben, ihr« stärksten, reinsten und tiefsten Wirkungen auslösen. Dr. John Schitowsti. Einschränkung der hävslicheu Schularbeiken. Den Klagen, daß die Kinder der höheren Schulen zu sehr mit häuslichen Aufgaben belastet werden, hat der preußisch« Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildurtq Rechnung getragen. Ein Erlaß an die Provinzial- schulkollegien bestimmt: Es ist darauf zu hatten, daß in unteren und mittleren Klassen keine häusliche Aufgabe gestellt wird, die nicht unmittelbar aus dem in, Klassenunterricht behandelten Stoffe hervor- geht. Dem Ellernhause sollte keine Arbell aufgebürdet werden, die Sache der Schule ist. Sonst wird nur ein ungesundes Nachhilfe- wesen gezüchtet und die Freude an der Schule getrübt. Weiterhin bedarf der gesamte Lernstoff einer entschiedenen, zielbe- wußten Beschränkung und Verringerung. Wenn die Schule ihre Hauptaufgabe, zu bilden und zu erziehen, wahrhaft er- füllen will, muß sie sich befreien von allen Stoffen, die werllos und tot sind oder eine unnötige Belastung für das Gedächtnis darstellen. Sie mutz den Unterricht oergeistigenundverinnerlichen. Immer wieder ist zu prüfen, weiches Maß häuslicher Arbeit den Schülern und Schülerinnen unter Berücksichtigung der körperlichen und geistigen Entwicklung und der Leistungsfähigkeit der Alters- stufen neben dem täglichen Klasienuitterricht noch zugemutet werden darf. Zu Beginn eines jeden Iahresabschnittes sind unter Berück- sichtigung des arbeitsfreien Nachmittags und der monallichen Wan- denage Arbeitspläne kür die Woche aufzustellen. Diese Arbeitspläne sind in seder Klasse aufzuhängen. Bon Zeit zu Zell sind die Schüler, etwa in einer Klassengemeinde, zu veranlassen, dem Klassenlehrer ihre Tageseinteilung mit Rücksicht auf die Bemessung der häuslichen Arbeiten in zwangloser Aussprache darzulegen. Wünschenswert scheint es, daß die Frage der häuslichen Arbeiten regelmäßig auch in den gemeinsamen Besprechungen der Elternbeiräte und der Lehrkörper erörtert wird. Tanzabende. Der Tanz als besondere Kunsweranstaltung wird in seinen Ausdrucksformen immer mannigfalliger, in seinen künst- lerischen Zielen aber nicht klarer. Die große Erschütterung, die alle Künste ersaßt hat, macht sich auch auf diesem Sondergebiet gellend. Alle Ballettschule, der Spitzentanz ,n neuer Aufmachung, nackte Erotik, kluges Iustemilieu zwischen aller Technik und neuem Ausdruck, wilde Improvisationen. Hebungen bloßer Körperkullur, Bieldeuttge Pantomimen, krasse dilellantische Hüpferei, verstt'eqene Symbolik— alles wirbett durcheinander. Reue Wege weist Mary W i g m a n; sie will den Tanz zum Raumkunstwerk gostallen, und ihr außcrordenllicher schmiegsamer Körper, ihre Beherrschung aller Mittel gestattet ihr einen weiten Spielraum. Ihr Tanz ist wirklich mehr als bewegte Plastik, verkörperte Musik, wie sie denn auch ohne Musik tanzt. Bei ihr steht der ganz« Mensch im Dienste ihrer Kunst, die auch wieder den ganzen Menschen ergreifen soll, ganz anders als es die Akrobatinnen, Beinschlenker und bloßen Rhythmiker ver- mögen. Ob es sich nun um eine individuelle Begabung oder um ein Neues von allgemeiner Bedeutung handelt, diese Künstlerin wird man im Auge behalten müssen. Inzwischen fahren die andern fort, hübsch« Beine und farbige Kostüme in größter Auswahl zur Schau zu stellen, Clownerien und Harlekinaden vorzuführen und sich von ihren Gönnern und Freun- den durch riesige Lorbeerkränze und ganze Blumenläden ihr Talent bestätigen zu lassen. Der Geist der Tanzkunst, das rechte Taktgefühl fehll nur zu häufig. Bisweilen hat man den Eindruck, daß bei aller Begabung die innere Sicherhell oder die rechte Führung fehlt. So bei Annie Liescr, die vor lauter Originalität und Manier das eigene Wesen des Tanzes mißverstand.— Eine eigenartige Mischung von Tanz und Pantomime boten Maria L e e s e r und Hans Holm (im Theater des Westens). Ihre Idee, den Tanz nicht verstandenen und häufig als Tanzoorlage wenig geeigneten Kompositionen anzupassen, ist ganz richtig. 2lber das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Wolter Kämme war noch nicht bezwingend. Der geschmeidige, ephebenhafte, gut geschickte Körper der Tänzerin wird sicher auch bei geringerem Aufwand an Kostümen und Panto- Mimik wirklich Tänzerisches leisten können. Oder war das ganze nur ein gesellschaftlicher Sport— wie die geschmacklos übertrieben« Anhäufung von Blumenspenden?-r. Zficfpfattättierana. In der S t o a t S« p e r wird Sonnabend wen«, Erkraokunq de« Herrn Kirchner stakt„Cosi taa tatte" ,Bohd«e- gegeben. Anfang ey, Ubr. Bühnenchrontt. Pas! Wegen er tritt tn der zweiten Hälfte des März im Refidenz-Tdeater in der Uraufführung der Komödie»Das P r i v i l e g-. von S. O. Hesse, auf. Pelksbübn««Vortrag. Sonnabend findet im Kunstgewerbemuseum der zwei!« Vortrag des Kunstmalers Rud. Bauer über expressiv- nistifche Maleret statt. Einlaß 1 M. Di« dentich« Vädertagnng iBalnkologenkonareß und Allgemeiner Devtfcher Baderverbandj begann Donnerstag in Siesbaden. Maß- nabmen zur Besserung der witti-bafllichen Sag« der Kurort- werden be. raten"M die deutschen Bäder wieder auf ihre frühere Höhe zu bringen. D Audrades Beisetzung. Die Leiche des in Berlin verstorbenen SängerS d�l»drade wurde in Lissabon unter grossen Ehrungen aus allen Schichten der Bevölkerung beigesetzt. ....�55�iabriae«spcrantifteukongretz wird in Prag vom St. Ja» biS 6. August stattfinde». Nr. 131«> 38. Fahrgang !♦ Heilage ües vorwärts Sonnabenö, lg. März lg 21 Wechselnde Reichstagsmehrheiten (Schluß aus der Abendausgabe.) $n der Reichstogsdebatte über die„Reichsbeveidimgsämier" spricht: Abg. Giebel(Soz.): Es ist eine eigenartige Auffassung, daß bei den minderwertigen Stoffen, die die Bekleidungsäinter zu ver» cxbütiti hatten, noch große Zuschüsse stir dos Aeich herausge- wirtschaftet werden sollen. Die Befleidimgsämter haben keine Zu- schuffe, sondern nur Darlehen bekommen. Wenn sie buchmäßig zum Teil schlecht abgeschnitten haben, muß man auch den teuren Einkauf der minderwertigen Stoffe zu den Marktpreisen von l9l9 berücksichtigen. Die Behauptung, die Beamten wollten von den Bekleidungsämtern nichts wissen, ist unzutreffend. Der Bund deutscher Beamten hatte erst kürzlich eine Eingabe gemacht, in der v sich für Beibehaltung ausspricht. Es stehen hier für die Allgemeinheit große Interessen auf dem Spiel. Nach kurzen Bemerkungen der Abgeordneten Simon(U. Soz.), Oberfohren(Dnat.), Burloge(Z.) und Hoch(Soz.) wird der Titel Bekleidungsämter angenommen, die fozialdemokra- tische Entschließung, welche ein unbeschränktes Weiterbestehen der Bekleidungsämter und Zurücknahme der bereits erfolgten Kündigungen von Arbeitern und Angestellten fordert, gegen die sozialdemokratischen Parteien abgelehnt. Die Entschließung M S l l er- Franken(Soz.), die Neichsregie- rung zu ersuchen, die ausnahmerechtliche Behandlung der weiblichen Post- und Telegraphenbeamten und-angestellten, die in der Entlassung der unehelichen Mütter ihren Ausdruck findet, aufzuheben, wird im Hammelsprung mU 137 gegen 136 Stimmen ab g e l e h n t.(Große'Unruhe finks.) Es folgt die zweite öeratung öes Vehrgesetzes. Abg. v. Gallwih(Dnat.) begründet einen deutschnationalen An- trog, in§ 1 statt„.Wehrmacht der Deutschen Republik" zu sagen: .ches Deutschen Reiches". Abg. Schöpflin(Soz.): Diese Begründung war wesentlich vor- sichtiger gehalten als im Ausschuß, wo die Herren Deutschnationalen betonten, daß sie Mona r ch isten seien, und hofften, ln zwei bis drei Iahren die Monarchie wieder einzuführen. Daraufhin haben dann die bürgerlichen demokratischen Parteien begriffen, wie not- «endig die Anwendung des Ausdrucks„Deutsche Republik" sei. Hoffentlich fallen sie im Plenum nicht wieder um. In dem Gesetz muß zum Ausdruck gebrocht werden, daß es sich um eine Republik handelt. Gerade weil die weit überwiegende Mehr» zahl der Offiziere monarchistisch gesinnt ist, soll betont werden, um was es sich für sie bei einem eventuellen ge- waltsamen Umsturz der Verfassung handelt. Die monarchistische Propaganda wird in Zeitschriften, an denen aktive Offiziere mitarbeiten, ganz offen zum Ausdruck gebrocht.(Redner verliest Absätze aus einer Marinezeitschrift.Mitschiffs", in der der Kapp-Puffch verherrlicht und der Geist der Freikorps gepriesen wird.) Herr G e ß l e r sollte doch dafür sorgen, daß aktive hqh> Marineoffiziere sich nicht mit Unterschrift ihres vollen Titels mf.Alchen Zeitschriften beteiligen. Der Antrag der Unabhängigen, wonach die Bertrauensleiite im Heer nach dem Verhältnis- Wahlrecht gewühlt werden sollen, ist uns sehr sympathisch, ich habe mich aber überzeugen müssen, daß er bei der Zersplitterung der Truppenteile technisch undurchführbar ist. Ich bitte est deshalb, unserem Antrag zuzustimmen, der dos geheime W a h l r« ch t für � die Vertraüensleüfe verlangt. Auch den gnab- hängigen Antrag, daß die Heereskammer zu allen Gesetzen und Berfügungen über die Reichswehr Stellung zu nehmen hat, können wir nicht annehmen.' Die O'efientlikeit seder Verhandlung ist bei gewissen internen Angelegenheiten nicht durchführbar. Wir be- antragen deshalb, daß nur der Reichswehrminister das Recht hat, die Geheimhaltung gewisser Angelegenheiten anzuordnen. Der Reichstag kann ja dann immer noch auf öffentliche Be- ratung dringen. Den Mitgliedern der Heereskammer dürfen aus ihder Ktztlungnahme keine dienstlichen Nachteile er- wachsen.� Bei den Beratungen des Heeres- und Marineetats müssen Bertreter des Unteroffiziers- und Mannschaftsftandes als Regie- rungskommissare zugezogen werden. Reichswehrminister Geßlers Der Chef der Marineleitung hat niemals, auch solange er inaktiv gewesen ist, an dem genannten Blatt mitgearbeitet. Aon der Mitarbeit anderer aktiver Marine- Mitglieder an dieser Zeitschrift habe ich erst heute erfahren.(Traurig genug! Red.) Die Protokolle der Heereskammer sollen dem Par- lwnent zugestellt werden. Heeres- und Marinekammer sollen nicht immer gleichzeitia einberufen werden. Abg. Rheinländer(Z.): Im Gegensatz zu den Deutschnaiionalen nehmen wir enffprechend der Berfassung keinen Anstand, in den Entwurf hineinzuschreiben: Das Heer der deutschen Republik ist die Reichswehr. Wir haben kein Söldnerheer im alten Sinne, sondern«in Heer von deuffchen Berufssoldaten. Abg. von Schoch(D. Bp.): Durch den Ausdruck„Wehrmacht der deuffchen Republik" wird die monarchistische Gesinnung nicht totgeschlagen werden können. Abg. Roseiffeld(U. Soz.): Wir begrüßen das Ende der allge- meinen Wehrpflicht und bedauern nur, daß es erst infolge des D i k- tatsder Entente erfogt ist und daß das deutsche Volk die Wehr- pslicht nicht aus eigener Kraft abgeschüttelt hat. Das Wort„Repu- k blif" darf gerade in einem Militärgesetz nicht fehlen. Gewiß überschätzen wir den Wert der gegenwärtigen Republik als einer kaplla- listischen keineswegs, aber wir setzen uns für sie ein. weil wir sie gegenüber dör Monarchie als das kleinere Uebel be- trachten. Mit einigem guten Willen läßt sich die Lerhältniswahl wohl durchführen. Den Soldaten muß bei der Wahl der Vertrauens- leute freie Hand gelassen werden. Wir müssen versuchen, aus den Soldaten freie Männer zu machen, und aus diesem Grunde bitten wir um Annabme unseres Antrages. Abg. Dr. Haas tDem.l: Da unser heutiges Heer eben das der Republik ist. gebrauchen wir auch dieses Wort. Wir müssen zunächst abwarten, was das Rcichswedrministerirnn tun wird, und wer« uns keine Parteipolitik getrieben werden darf. Dem Reichswehrfoldaten kann es durchaus nicht schaden, wenn er in politischen Versammlungen über große wirtschaftliche Fragen aufgeklärt wird. Nach meinen Insor- mationen ist im Reichswehrministerium eine derartige Animo- fität gegen den Reichswirtjchaftsverband derzeitiger und ehe- maliger Bernfsfaldaien vorhanden, daß man ihm mit allen Mitteln ans Leben gehen will. Anfangs hat der Wehrminister dem R.D.B. ein direktes Lob ausgestellt, aber unter dem Einfluß seiner Um- gebung hat er seinen Standpunkt ganz verändert. Während gegen- über dem R.D.B, eine derartige Abneigung herrscht, erfreuen sich anbei« Organisationen der größten Zuneigung. So hat in Braunschweig eine Versammlung des Selbstschutzes statt- gefunden, an der die Spitzen des dortigen Wehrkreiskommandos teilgenommen haben. In dieser Versammlung sind v e r f a s s u n g s- widrige Aeußerungen gefallen, so vom Referenten, dem bayerischen Hauptmann N e b i n g e r, und dem Angehörigen des dortigen Wehrkreiskommandos Rittmeister von Neufoille. General von S e e ck t hat für die Bedürfnisse des Heeres eben- sowenig Verständnis, wie es die alte Heeresleitung gehabt hat. Er glaubt, man kann die Leute zwölf Jahre in die Kaserne hinein- pressen, ohne ihnen wirtschaftliche Garantien sowie Garantien über ihren nachherigen Verbleib zu geben. Eine Organisation der R.D.B, lehnt sätzungsgemäß jede politische Betätigung ab und ver- tritt nur die beruslichen Interessen', und mau muß doch den Leuten wenigstens die Möglichkeit geben, ihre Interessen vertreten zu können. Im übrigen ist es sehr merkwürdig, daß der General von Seeckt es nichl der Mühe für wert hält, selbst einmal hier oder im Wehrausschuß zu erscheinen. Minister Geßler: Ick) stehe allen Bünden mißtrauisch gegenüber. des nicht"«nehm ist. müssen mir dann eingreifen. Abo. Dätimlg(Komm.) Wir lehnen das Gesetz a.b, well es feiner S�uktur nach von der Entente und der deuffchen kapita- listischen Regierung nur dazu ben-cht werden soll, um revolutionäre B'strebungen zu zerschmettern. Wir wollen es den alten Offizieren gar nicht z--muicn. sich aufden neuen Geist umzustellen. fNas stqt ein„Arb eitervertreter"!) Der Typus des neuen Heeres, 'den wir erstreben, ist ein« Rote Armee. Abg Lang kBanr. Dn.): Das deutsche Volk braucht est>e polt- sssche uiid gewerkschaftlich völlig unaübönglge Wehrmacht zum S-butzc seiner Aeriassung und zun, Schutze gegen Angriffe von ° � Abq. v. Gallwih(Dnat.): Die sozialdemokratischen Anträge lehnen wir ab. Abg Schöpsin(Soz.): Der von mir erwähnte Artikel ist tatsäch- «ich nicht vom Chct der Admiralität versaßt: damit entfallen auch die Folgerungen, die ich daraus zoa. Ich verwahre mich aber gegen den Borwirrf. daß ich gegen die Offiziere voreingenommen wäre. Ich weiß mich von ieder Voreingenommenheit gegen irgendeinen Stand völlig trei. Auch stehe ich auf dem Standpunkt, daß im Dienste bei der Reichswehr da sie meistens durch ihre politische Betätigung Zucht und Ordnung gefährden, auch der Naiionaloerband deuffcher Soldaten. Bei den zentralen Verbänden besteht die Gefahr, daß sie ihre tatsächliche- Macht auch einmal gegen die Regierung verwenden. Den Chef der Heeresverwaltung möchte ich nicht in das politische Getriebe hin- einziehen. Die Borwürse, die gegen General von Seeckt wegen seiner Rede zu seinen Beaiuten und Offizieren erhoben worden sind, weise ich als unberechtigt zurück. Abg. Sühnt(U. Soz.): Zur Reichswehr als einem Jnftrn- ment der kapitalistischen Regierung gegen die Arbeiterschaft stellen wir uns ablehneiid Das hält uns natürlich nicht ab, uns für die Rechte der Soldaten einzusetzen, ebenso wollen wir daran mit- arbeiten, daß der Reichswehr der Söldnercharakter genommen wird. Wir beantragen, daß das Tragen von Ziollkleidung allen Soldaten erlaubt fein'soll: die Offiziere tun es ohnehin, wenn sie auf ihren dunklen Wegen schleichen. Außerhalb des Dienstes sollte man weder Uniform noch Waffen tragen:!>as verhindert nur die Assimilation an die Zivilbevölkerung und schafft Konflikte zwischen Militär und Zivil.(Zwischenruf des Ministers Geßler: Was werden dazu die Mädels sagen!) Ja, die Mädels kann man allerdings nicht ab- schaffen.(Heiterkeit.) Das Stcuerprivileg wird durch die angebliche Lebensgefahr der Soldaten nicht begründet. Es denkt kein Mensch daran, denjenigen Arbeiter kategorien, die ständig in Lebens- gefahr schweben, ein Steuerprivileg einzuräumen. Abg. Rheinländer(Z.): Als eine Partei der Autorität treten wir dafür ein, daß den Offizieren die Führerstellung in jeder Weise erhalten bleibt. Das Zusammenfinden von Soldaten und Zivil in unpolitischen Vereinen begrüßen wir, solange nicht die Disziplin darunter leidet. Das volle Koalltionsrecht können wir den Sol- daren nicht gewähre». Abg. v. Schach(D. 23p.): Hinaus mit der Politik� aus den Kasernen! Die alten Generäle, mit ihnen Ludendorff und Hinden- bürg, haben auch gegenüber dem republikansschcn Deutschland ihre Pflicht getan.(Gelächter links.) �. Abg. v. Gollwitz(Dnat. Lp.) schließt sich dem Vorredner an und spricht gegen den 2lntrag Müller-Franken. Der Antrag der Dnat. Dp. und D. Dp., wonach 3m Gesetz ee „Heer des Deutschen Reiches" statt„der Deutschen Republik heißen soll, wird gegen die Rechte abgelehnt.— Der U. Soz,-Komm Antrag, wonach die Vertrauensleute allgemein, gleich, direkt und geheim mit 23erhöltniswohl zu wählen sind, wird gegen die«stimmen der Antragsteller abgelehnt, ebenso der Antrag, daß die Kammer sich ihre Geschäftsordnung selbst gebe und das Recht habe, zu allen 5)eer oder Marine betreffenden Gesetzentwürfen und Berfugiingen Stellung zu nehmen sowie die Pflicht, ihre 23erhandlungen öffentlich zu führen.. Der Antrag Müller-Franken(Soz.), wonach die 2LohI allgemein und unmittelbar zu sein hat, je ein Drittel der Kammern von den Offizieren, den llnterosfizieren und den Mannschasten ge- wühlt werden soll und die Pflicht der Geheimhaltung für die Handlungen nur bestehe, ioweit sie für einzelne Angelegenhetten der Reichswehrminister besonders anordnet, wird mit 148 bürgerlichen gegen 125 sozialistische Stimmen abgelehnt.— Angenommen wird ein Antrag Haas(Dem.), die Bestimmung zu streichen, daß die Beschlüsse der H-ereskammer dem Reichswehrmmister und dem Reichstag unverzüglich zur Kenntnis zu bringen find. Alle unabhängigen und soziotdemokratischen Abänderungsantrage«eröen abgelehnt, darunter die Anträge, d e den Soldaten die Ten- nähme an volitischen Neriammlungen sowie Zugehörigkeit zu un- politischen Bereinen gestatten wollen, ebenso die Antrage, den eool- dalen außerhalb des Dienstes das Tragen von Zivil zu«e,talten und das Tragen von Waffen zu verb eten. Vor der Abstimmung de- merk: Dr. Rofenseld(U. Scz.). daß leine Parte! nach Ablehnung alkr Antrag,? zu? Verbesserung des Gesetzes nunmehr gezwungen fei, die Vorlage als ein Ausnahmegesetz gegen die Soldaten abzulehnen. Darauf wird das Gesetz in zweiter und dritter Veralung geqeii die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten angenommen. Der Kahr-P.-D.-Ttreich Präsident Löbe: Nachdem es durch den Widerspruch der Som> mvulsilschcn Partei unmöglich geworden ist. am Sonnabend die dritte Beratung der wichtigen Gesetze zur Ausführung des Frieden». Vertrages vorzunehmen, sind wir gezwungen, am Montag und Dienstag zu tagen. Der Reichstag kann die Vero'-twortung nicht übernehmen, an diesen Tagen nicht in beschlußfähiger Zahl zu- sammcnzutreten, da die Gesetze vor dem 1. April verabschiedet werden müssen. Wir haben aber keinen Grund mehr, die Tages- ordnung heute so reichlich zu belogen, wie an Heu Tacken vorher. Wir werden daher nur noch die Gesetzentwürfe beraten, zu denen i voraussichtlich keine Wortmeldungen ersolgen. I In der zweiten Lesung der Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Kohlen st euergesetzes sprechen sich die Abgg. Henke CU. So,.). Düwell(Komm.) und Keil(Soz.) kurz gegen das Gesetz aus. Das Gesetz wird angenommen, ebenso die Aenderung des Zündworen� euergesetzes und das Gesetz über vorläufige Zah- 'llingen auf die KörperschoftsS'euer. > Zu der nun folgenden Beratung des Ortsklassenverzeichmsses für die Beamten verlangt der Ausschuß in einer Enffchließung mög- lichst beschleunigte Vorlegung eines Gesetzentwurfes über Tie Ortstlaffenzuschläge unter Vorbehalt endgültiger Regelung. Die Auszahlung soll laber sofort nach Zustimmung des Reichsrots stattfinden. Abg. Fron Zieh(U. Soz.): Wir find gegen Notgesetz und prooi- sorische Regelung, weil spätere Besserung gesetzlicher Bestimmungen stets außerordentlich schwer ist. Wir wünschen statt 5 nur 3 Orts- Vossen und eine Einteilung nach Wirtschaftsgebieten. Ueberhaupt ist es ausgeschlossen, ein Provisorium, das wir noch nicht vor uns ge- sehen haben, en Uoc anzunehmen. Wir beantragen, daß die Reichs- regierung die Summen, auf die die Beamten zweifellos Anspruch haben, sofort auszahlt, und daß danach erst endgültige Regelung des Ortsklassenverzeichnisses erfolgt. Abg. Frau Wackwih lKomm.) schließt sich dem an. Reichsfinanzminister Dr. Wirth: Mir liegt eine Enffchließung der maßgebenden Beomtenver- bände und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes vor, worin sich die Beamten mit dem Notgesetz einverstanden er- klären. Der unabhängige Vorschlag dient nicht den Beamten und bedeutet eine Aufforderung an den Finanzminister, eine ungesetz- liche Handlung zu begehen. Als Finanzminister darf ich nur auf Grund des Gesetzes Zahlungen vornehmen Mit der Annahme des vorläufigen Gesetzentwurfes soll der endgültigen Regelung des Orts- klassenverzeichnisses nicht vorgegriffen werden. Abg. ZNoft(Dnat.) stimmt den: Minister zu. Abg. Frau Zieh(U. Soz.): Wir wünschen die sofortige Aus- Zahlung, können uns ober trotzdem rnchk mit diesem Provisorium abfinden. Reichsfinanzminister Dr. Wirkh: Der Antrag Zietz muß obge- lehnt werden, denn er fordert mich zu einer ungesetzlichen Hand- lung auf. Der Ausschußantrag wird angenommen. Anträge des Beamtenausschusses über Besahungszulageu in den neu besetzten Gebiekeu sowie über Unterbeamtenfrogen werden nach einer Geschästsord- nimgsdebatte, wobei Abg. Müller-Franken(Soz.) daraus hin- wies, daß der Beamtenausschuß Beamtenfragen nur dann endgültig vorbereiten kann, wenn keine finanziellen Forderungen damit ver- knüpft sind, werden dem Hauptausschuß überwiesen: dieser wird noch Montag zusammentreten, da die Anträge noch vor dem 1. April erledigt werden müssen. Angenommen wird ein Gesetz zur Durchführung des Friedensvertrages durch Rückgabe von Gegenständen. Sonnabend 12 Uhr: Iuyeadwohlfahrtsgesetz, Aenderung der Reichsabgabenordnung, Vertretung der Länder im Reichsrot, dritte Lesung der Etats 1920 und 1921, Postgebührengesetz, Aenderung des Einkommensteuergesetzes und das Entwaffnungsgesetz, das auf Antrag Schulz- Bramberg(Dnat.) noch auf die Tages- ordnung gesetzt wird. Schluß: 8 Uhr. Ungesühnter Grevel. Es geschieht viel Unrecht in der Welt. Aber das ist nicht das empörendste. Das Unrecht, das sich frank und frei als sab- ches bekennt, trägt immer noch einen versöhnenden Zug in sich. Ekelerregend wird das Unrecht erst, wenn es sich in den ehrwürdigen ManteldesRechts hüM, wenn es H o ch a ch» t u n g und Respekt für sich heischt. Ferdinand Lassalle schrieb einst, als er durch eine gehässige Rechtsverdrehung zu 6 Monaten Gefängnis ver- urteilt worden war, in einem Briefe die Worte:„Galeeren- sträflinge scheinen mir höchst ehrenwerte M e n s ch e n g e g e n d i e i c R i ch t e r". Er hatte m seinem Falle recht. Ein Galeerensträfling bricht wohl das Recht, aber er behauptet doch nicht wie der das Recht verdrehende Richter.. daß er der Menschheit höchste Würde, Unpartei? lichkeit und Gerechtigkeit, vertrete. Der Fall H i l l e r- Helmhake ist empörend. Der Offizier. der den Kriegsfreiwilligen zu Tode marterte, wird eine fort- lebende Gestalt im deutschen Volke bleiben, ein greifbares Bei- spiel für tausend namenlose Menschenschinder, die wie Hiller die Front erdolchten. Empörender als der Fall Hiller ist das Urteil gegen H i l l e r, weil es zeigt, daß den zum Richteramt berufenen Männern die innere Kraft und sittliche Größe kehlte, den Trennungsstrich zwischen dem deutschen Volk und solchen Menschenbestien zu ziehen. Die sechs Monate Festungs- Haft, die Hiller zudiktiert wurden— fideles Gefängnis nennt man ja wohl die Festung—, können als Strafe überhaupt nichtbezeichnct werden, so groß ist der Kontrast zwischen Tat und Urteil. Hiller und seinesgleichen haben aus dem deutschen Heere die Begeisterung, den Opfermut, das Vertrauen zu den Vor- gesetzten herausgeprügelt. Die Richter, die sich zu keinem der Tat entsprechenden Urteil aufraffen konnten, haben im deutschen Volke den Glauben an das Recht, an eine das Unrecht ausgleichende Justiz geraubt. Man komme uns nicht mit dem Zetergeschrei, daß wir ohne Beweis unantastbaren Richtern bewußte Rechtsbeugung vorwürfen. Fällt uns gar nicht e i nl Wir haben so wenig wie ein anderer ein Mittel,»m in das Denken des einzelnen Richters hineinzuleuchten. Die b e- wußte Rechtsbeugung eines Richters kann überhaupt nur behauptet werden, wo entweder ein äußerlich s i ch t- barer Bestechungsakt(oder etwas ähnliches) vorliegt oder aber der Richter selbst sich dieser Tat b e z i.h t i g t. Weder das eine noch das andere lrisst hier zu. Und so er- klären wir frank und frei: Was die Richter innerlich zu ihrem Urteil bewogen bat. das wifsenwirnicht, können wir auch nicht wissen. Wir behaupteil daher nicht, daß sich auch nur einer dieser Richter innerlich mit der Absicht getragen hat, zugunsten des Angeklagten das Recht zu verletzen. Aber etwas anderes wissen wir dafür um so sicherer. ■ Wir wissen, daß die ungeheure Empörung, die das ganze deutsche Volk mit verschwinoenden Ausnahmen ' über das rohe Tun des Leutnants Hiller durchzittert, von diesen Richtern nicht gewürdigt worden ist. Wir wissen, daß diese Richter nicht begriffen haben, daß es tbre Ausgabe | mar, das in äußerste Erschütterung geratene Rechtsbewußtsein I durch eine entsprechende Sühn: wieder ins Gleich- �gewicht zu bringen. Wir wissen, daß diele Richter nicht mitgefühlt haben, was die große Masse de>; Volkes fühlte, die klar empfand: hier lag eine der s ch e u ß l i ch st e n Ausschreitungen der Vorgesetztenbrutalität während des gan- zen vierjährigen Krieges vor, ein Musterbeispiel für tausend ähnliche Exzesse, die ungesühnt geblieben sind, aber gleichzeitig auch eine der brutalsten und unwürdigsten Handlungen, die durch eine exemplarische Strafe gebrandmarkt wer- den mußte. Dafür haben diese Richter kein Verständnis gehabt. Das zeigen die sechs llstonate Festung, das zeigt die B e g r ü n- d u n g. mit der die Festungshaft an Stelle der Gefängnisstrafe fe gesetzt wurde. Der«schneidige Offizier* Hilter hat in den Augen dieser Richter alles gesühnt, was der Menschenschinder Hiller verbrochen hat. Er hat«die Disziplin gewahrt". Hört es alle! Die L e u t n a n t s u n i f o r m hat wieder ein- mal triumphiert, sie hat das Urteil des Gerichts geblendet. Das Gericht hat Hiller zugute gehalten, daß er ein tüchtiger Soldat war. Daß aber der von Hiller zu Tode gemarterter Helmhate ein Kriegsfreiwilliger war, daß dieser Kriegssrei- willige unter der„Obhut" dieses tüchtigen Leutnants schlimmer als ein Stück Vieh verrecken mußte, in einem halb ersoffenen Unterstand, absichtlich ohne Essen und Trinken ge° lassen, noch im Sterben mißhandelt und brutalisiert— dem hat das Gericht keine Rechnung getragen. Die Breslauer Menschenschinder vom Freikorps Aulock sind zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Die Strafen waren nicht einmal besonders hoch, aber sie haben doch ausgereicht, um das Gefühl einer der Tat entsprechenden Sühne herzustellen. Freilich drängte sich auch hier gleich das Gefühl auf: Nur die Untergebenen, Unteroffiziere und Mannschaften, sahen auf der Anklagebank. Die Offi« ziere erschienen als Zeugen, obwohl ihre Schuld minde- stens gleich groß mit der der Angeklagten war. Man bekommt nachgerade das Gefühl, als ob die Offi- ziersuniform ihren Träger immunisiere. Für Offiziere scheint es auch bei f ch w e r st e n Vergehen keine entsprechenden Strafen zu geben. Bei ihnen gewinnen immer wieder die Milderungsgründe die Oberhand, mag ihr Tun auch noch so schändlich gewesen sein. Will man durch solche Urteile immer noch künstlich den Glauben an die Unfehlbarkeit aller Achsel- stückträger erwecken?! Das ist umsonst. Herrr Hiller wird, nachdem seine Un- 'tot durch vier Gerichtsverhandlungen klargelegt worden ist, auch durch das endgültige Urteil nichts in den Augen der Oeffentlichkest gewinnen. Nur die Justiz wird an Ansehen .verlieren. Man wird sagen müssen, daß selbst die Richter des Oberkriegsgerichts, die Hiller zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt hatten, dem Fall Hiller um einiges mehr gerecht geworden sind, als sowohl die Geschworenen wie die �Richter des letzten Justizaktes. Der Fall Hiller wird nicht aufhören, ein Schandmal des altpreußischen Militarismus zu fein. Seine gerichllichs Behandlung und die gerichtliche Sühne aber setzten ein neues Schandmal dazu; ein Schandmal der Justiz. E r i ch K u t t n e r. • ♦ « Der Schlußakt. (Schluß aus der Abendausgabe.) Der Staatsanwalt geht dann auf die Einzelheiten bei der Be. Handlung de, verstorbeneu Helmhate«in. Durch einwandfrei« Zeugen, die zum Teil sehr vorsichtig in ihren Aussagen waren, ist der Beweis erbracht worden, daß der Angeklagte dem an den Baum gebundenen Helmhate ins(Besicht geschlagen hat. Nach der ganzen Art de. An- geklagten stt dies« Behandlungewcise durchaus wahrscheinlich. Wenn einige Zeugen sagen, sie hätten nichts gesehen, so Ist diese negatioe Aussage nicht geeignet, die positive Bekundung verschiedener anderer Zeugen zu entkräften. Es mag ihrem Gedächtnis«nt- schwunden sein, denn das Schlagen in der Kompagnie war so all- täglich, daß sie gar nicht, mehr darin gefunden Hadem Danach ist erwiesen, daß der Angeklagte sich einer schweren, vorsählichen Mißhandlung an Unkergeben« schuldig gemacht hat. Das gleich« trifft für den zweiten Fall zu. Als Helmhate aus dem Arrestloch geführt wurde, hat er ihn schwer beschimpft und mißhandelt. Auch hier sind zahlreiche Z«ugen mit . bestimmten Bekundungen aufgetreten, darunter solche, die mit dem Angeklagten gut standen, also nicht oerhetzt fein konnten. Auch die Hauptfchuldfrage, ob der Angeklagte in D k e n st* ausübung eine Gesundheitsfchädigung und Mißhandlung des Helmhate durch Nichtbeachtung des Slrankheitszustandes und durch Nahrungsentziehung herbeigeführt hat, ersucht der Staatsanwalt zu besahen. An diesen Feststellungen ändert nichts, daß der An- geklagte eine überaus nervöse Persönlichkeit war, dessen Leiden durch sein« Verwunkmna und die außerordentlichen Schwierigkeiten kn den Karpathen gesteigert wurde. Der Angeklagte war in seiner Kam» pagnie gewiß gefürchteter als die Rüsten. Das Ansehen des Heeres und damit das Ansehen des deutschen Lölkes hat er nach außen htn geschädigt. Das bedarf der Sühne. Nach einer kurzen Pause nahm de? Verteidiger Dr. Georg Hirsch feld das Wort, der in längeren Ausführungen nachzu- weisen sucht, daß der Angeklagte ein rein militärisches Delikt ve- gangen habe. Er gebe zu, daß der Angeklagte nicht immer so ge- handelt habe, wie er als Offizier handeln muhte, aber Ehrgeiz uno Liebe zum Baterlande(!) leiteten ihn. Es könne höchstens eine vor- fchnftswidrige Behandlung eines Untergebenen vorliegen, die aber durch die Amnestie der Doltsbeauftragten straflos fei. Der Aertei- diger bekämpft weiter die Ansicht des Staatsanwalts, daß der Angeklagte sich bei der Ausübung der ihm vorgeworfenen Straftaten im Dienst befunden habe. Schließlich versteigt sich der Verteidiger zu der Behauptung, es wäre vielleicht ein Glück gewesen» wenn wir lauker solche Ossiziere gehabt hätten. Im Schlußwort wehrt sich der Angeklagte Hiller noch gegen den Vorwurf de» Staatsanwalt,, daß bodenlose Roheit dt« Trieb- seder seiner Handlungen gewesen sei. Nach kurzer Rechtsbelehrung durch den Vorsitzenden zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Die Geschworenen verneinten in zwei Fällen der Miß- Handlung die Schuld des Angeklagten, bejahten dagegen die Schuld in einem Falle, ferner bejahten sie die Frage, ob der Anqe. klagte die Tat in Ausübung des Dienstes oerübt Hab«. Die Frage, ob durch die Mißhandlung der Tod des Helmhak« herbeigeführt worden sei, wurde v«rn«lnt. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Sau«r beantragt die Zurückver- Weisung der Berufung des Gertchtsherrn gegen das Urteil des Kam. inandanturgerichts in den beiden ersten Fällen. Die für d«n«in«n übrig bleibenden Fall zu erkennende Strafe fei begrenzt nach oben durch die Straffestsetzung des Oberkriegsgerichts in Höhe von 2 Jahr S Monaten Gefängnis und Dienstentlastung. Letzteres falle weg. da der Angeklagte inzwischen verabschiedct worden sei. Der Staat»- anwalt beantragt 6 Monate Gefängnis. Daneben bleibe die rechtskräftig gewordene Berurteilung des Angeklagten zu 7 Wochen Festung bestehen. Verteidiger R.A. Dr. Hirsch feld plädiert für Festungs- Haft. Nach kurzer Beratung verkündete der Borsitzende. Landgerichts- rat Braun folgendes Urteil: Nach dem Spruch der Geschworenen ist der Angeklagte wegen der Anklage, dem helmhake eine Ohrfeige und einen Iußtritt verseht zu haben, freizusprechen und e, bleibt nur die Anklage wegen der Behandlung des hclmhake während seiner llnterfuchungshafi übrig. Das Gericht hat lange erwogen, ob auf Gefängnis oder Festung zu erkennen fei. Es Hai die Festungshaft gewählt, und zwar au» folgenden G r ü u d r u: Der Angeklagte ist ein Soldat gewesen, wie man ihn wohl selten im Felde gesunden hat. Er ist ferner durch mehrfache Berwundun- gen und dl« tolostalen Anstrengungen seines Dienste» nervös gewor- den und hak so. wie festgestellt, vielfach im Affekt seine Leute schlecht behandelt. Da er aber nicht au» ehrloser Gesiu- n u n g gehandelt hat, sondern in der Absicht, die vi s z i p l in in der Trupp« zu erhöhen und zu sefligen. wobei er allerdings über das zulässige Maß hinausgegangen ist. hat der Gerichtshof Monate F~_ bereits rechtskräftig geword auf eine Gesamtstrafe tonnt. z hlmiusg-gm'.Zen ist. hat der Gerichtshos auf füus est ung»Haft und unter Zusammen, lehmig mit der 'cöftig gewordenen Strafe von? Wochen Festungzhaft vonsech, ManalenFefluug er Soziales. ZMlttSrrentner und Invalidenversicherung. Durch Gesey vom 26. Dezember 1020 wurde den Beztehern von Renten aus der Invalidenversicherung eine längst notwendig gewordene Beihilfe zu ihrer Rente bewilligt, zugleich aber auch ioicken Rentenbeziehern, die daneben noch eine Rente nach Militär- veriorgungSgeietzen beziehen, daS Recht auf Beihilf« und zum Teil auch auf die Zulage abgesprochen. Dadurch sind einige Invaliden schwer geslbädrgt worden, da ihr« Bezüge mitMtlitär« Hinterbliebenenrente niedriger find al» die In« vakidenxent« mit Zulage und Beihilfe.»Manch« ? nvalide würde sich zurze» bester stehen, wenn er keine Militär« interbliebenenrent« nebenbei bätte. weil diese mit der Invaliden« rente allein ohne Zulage und Beihilfe bedeutend niedriger ist als letztere mit Zulage und Beihilfe. Au« diesen Tatsachen heraus ist die Frag« am Platze: War dieser Erfolg des Gesetzes vom 2 ö. Dezember 1920 Will« des Gesetzgeber« und ist e« möglich, eine andere Handhabung herbeizuführend Um diese Frage beantworten zu können, muß die Rechtslage einer kurzen Betraihlung unterzogen werden. Die Verordnung vom 21. August ISIS bewilligte Zulagen für all« Personen,»die auf G-und der reichsgesetzlichen Invaliden« Versicherung eine Invaliden-, Alters-, Witwen- oder Witwerrente beziehen, sofern sie nicht Ausländer sind, die sich im Ausland aus« kalten.' Dadurch wurde auch den Beziehern von Militärrenten und Miliiärhinlerbiiebenenrenien da« Recht auf die Zulage von 2 0 M. für die Invaliden- oder Altersrente und von 10 M. für die Witwen- oder Witwerrente gegeben. Durch die Verordnung vom 20. Mai 1920 wurden die Zulagen auf 30 M. für die Invaliden- oder Altersrente, auf IS M. für die Witwen- oder Witwerrenie erhöht und für die Waisenrente neu ein« Zulage von 10 M. festgeietzt. Zugleich wurde aber auch be- stimmt, daß Personen, die auf Grund de« ReichSversorgungSaesetzes eine Rente für Minderung ihrer ErwerbSfähigteit um mebr al« zwei Drittel oder«ine Hinterbliebenenrente beziehen, die Zulage nickt erholten sollten. Die Verordnung vom 21. August 12>g wurde auf- gehoben. Da aber dm« sie den Smvfängern von Militärrenten- und Militärhinterbliebenenrenten das Reckt auf die alten Zulage« bis 31. Dezember 1921 gewährt war. wurden ihnen dies» bis zu diesem Termin belasten. S>« bekommen also nicht die erhöhten. sondern die alten Zulagen, die nun m Wegsall gekommen sind.... Das neue Gesetz brachte aber noch eine weitere Einschränkung. GS setzte im allgemeinen iür die Bezieher von Invaliden«, Alters», Witwen- oder Witweuent« ein« Beihilfe von 40 M. monatlich, für Empfänger einer Waisenrente von 20 M. monatlich fest, schloß aber alle Personen von dem Bezüge auS, die auf Grund d«S Reicks- versorgungsgesetzeS oder. andererzMilitärverf orgungSgefetze eine Ber- sorgung erhalten. Die Rechtslage ist nun so, daß sich die B« z l« h» r v o n Militärrenten allgemein damit abfinden müsien, leine Beihilfe auf Invalidenrenten zu erhalten. Wer eine Militärrente für Erwerbsbeschränkung um mehr als zwei Drittel bezieht, mu daneben auch nock auf die Zulage verzichten. Letzteres trifft an noch auf die Bezieher von Militärhinterbltebenen- reuten zu. Denjenigen aber von ihnen, die auf Grund eigener Leistungen Invalidenrente beziehen, ist zu empfehlen, ein« En t« s ch e t d u n g der I n st a n, e n der A r b e i t e r v« r s r ch e r u n g herbelzusübrcn, ob auch ihnen weder Zulagen noch Beihilfen zu« stehen. Sie können sich dabei auf die Rechtipreckung in Arbeiter- versickerungSsachen berufen. ES ist nämlick� anerkannter AecktS- grundlatz, daß für Ersatzansprüche die Einheit des LeistungSgrundeS Voraussetzung ist. Dana« kann ein« Krankenkasie. die einem Unfallverletzten Krankenbilfe für eine Zeit gewäbrr. für die der Berechtigte auch-inen Anspruch auf Unfall- entschädigung hatte, als Ersatz die Unfallentichädigung beanspruchen. aber»ur dann, wenn die Krankbeit als Unfallfolge zu betrachten ist. In anderen Krankheitsfällen kann einem Unfallrentner da, Krankengeld nickt gekürzt werden, weil die Krantentasie keinen Ersatz von der BerusSgenostenschaft zu verlangen hat. Andrerseil« hat der infolge eines Unfall» Erkrankte leinen Snlpruck auf Krankengeld, wenn die LerufSgenostenschaft da» Heilverfahre» übernimmt. Luch Gemeinden oder ArmenverbanM können Ersatz au» den Leistungen der Krankenkasien nur verlangen, wenn die Unterstützung deS Erkrankten wegen der Krankheit erfolgt ist. oder Ersatz au« den Leistungen der Unfallversicherung nur dann» wenn ein« Unterstützung infolge dei Unfall» gewährt wurde. Witwen oder sonstige Hinterbliebene, die eine Milltärhinter- i; bliebenenrente beziehen, können auf Grund der Leistungen deS Verstorbenen Rente aus der Invalidenversicherung beziehen. Sie erwerben diese, Recht durch den Tod deö Manne» oder Baters, der infolge einer Kriegsdienstbeschädigung«intrat. Hier hat also die Rente die gleiche Uriach« de« LeistungSgrundeS. Ander, be» den Invaliden. Sie würden auch Invalidenrente bekommen, wenn der Verstorbene, wegen besten To» sie Militär«. Witwen« oder Elternrente beziehen, noch lebte. Hier hat der Bezug der Jnvallden« rente nicht, mit dem Kriegsdienst zu tun. Deshalb erscheint«, auch ungerecht, diele Personen vom Bezug von Zulagen Bei« bilfen auszuschließen und sie dadurch schlechter zu stellen, j*. HALPAU3' RAR ITÄT b.i Husten Heiserkeit. Astbrna and langenlelden ist 9an.'Rat Dr. Wcx« cheidert 1 Brust* Tee nach Orgl.• Vorschrift| seit Jahren ärztlich I empfohlen u. bewährt. I Pakete>u 3.— u.»so. I Elefanten• Apotheke Berlin SW 212, Uipzi. er I Straße 74, Dönhoffplatr cftemniner StnunpShans Berl!D.LeljizIgerU UnUberttolfen in Qualität u. Preis DamenstrQinpfe flerren-Sockcn, Kimler- Strümpfe In allen Qualitäten und Preislagen Altmetalle jnUm Ucbcrptctie Gebr. tDoffmana, Zchdc- nlittt Strafte 21. Oberlandeseerictitsrat lodKjemfiSe Rechtederatung,»tbmldluiui Httnferiahet Ehe. amnenten. Betlrauetiesachen. Ermittewnaen. Potsdamer Str. UZ. Cihtoro 24»4. Direktor Fablsch.- «Grossen Erfolg . erziel. Anzeig. Vfmnürtc Wer daher etwas, Jeder Art im f öl WailS kaufen od. Ter- A kaufen, wer Grundstücke. 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In Gemästheit der Ltiitungsbestimmunaen fordern wir zur»ewerduna nm dieselbe auf: wir demerirn. dag die Bewerderinncn Töchter solcher hieiigru verarmten Kausten!« sein niUfsen. welche entweder in dürftigen Verhält- Nissen leben»der IN solchen Verhotlntssen gestorben sind, daii unter mehreren Bewerberinnen, die einen makellosen Lebenswandel geführt haben müssen, den Bor»ug dt« Tochter eine» Kausmonnr» haL welcher den Handel mit Malertalwaren he> irieden ha: oder noch bctretdL tu Ermangelung einer solchnt aber d» Bedüriligste. De» Gesuchen ist hiernach delzufüge«: 1.»in»olizeiliche» Füdrung»atteft. X ein«neu de» detrefsenden Beüirlivorsteher« Über die ckv- werds- und Vermögensverhälfnisse der Bewerberin utti» ihrer Gliern, 8. das Geburlsaffest der B-werberln. Df« Aussteuersumm« wird nach erwiesener Berhesrawng der Benefizlatin an dlef» ausgezahlL Bewerbungsgesuche werden nur M» zum 30. Juni er. ein» flich oon uns entgegengenommen.___ erlin. de» 4. Mörz 1921. I. N°. 840/21«ttft Stäbtifdir StiftungS'Deputation. ResteHaus C.Pelz Kottbuaer Str. F Anzugstoffe Kostamstoffe Mantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Mäntel Kostüme Röcke Qul, reell, billigt .___________ m Metallbetten Slahldrahnnatrastnt, Kinderbetten. Polster an jedermann. fr. ElsoomÖdelsodrll:. Katalog. Suhl in Thür. 88/15 «L Mark, für Wiedrrverkdustr Dessen,«lezanderpiatz 3, 1 Tr. ,MsI� Bodeuland horah- zesolzla Preis« Bar oder iBilzahluno Kleinste An- uibzatiiung Wohazlflintr, SehliUiimner, Spilsizimir.er.KerraDilininir, dol»« Idchsn linzkltiMIbsl* llifirs auch lusvtrts Landwehr Hüiienlr. z WoddtngpUtx. Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle k«u(«n zu Tagespreisen Metaüschmeizwerke, Waldemarstr. 74. Telephon: Moritzplatz 90W Üeiaei «Ind sie billig! 2 fabrizieren selbst und veraenden nnr direkt an unsere 133 Verkaufsstellen Darum«lad vir»och«o billig - � Herren- und Daincnstiefel '�'�AK�AAr�v-vvrn�ck�rvvd. 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Mär;, abends 3'/s Uhr, im kleinen Saal der„Ncnen Well", Hasenheide: General-Bersammlung Tagesordnung: 1. Bericht vo» der Ganvorsteherkonferen;. 2. Festsetzung der Beiträge und Beschlnstfafsuttg über die 50tzro;e»tige Abgabe von den Uebrrstunden. Zu dieser Generalversammlung sind auxer den Delegierten und den Teil- nebmern nach§ 4 des berliner Sfafuts auch die Pcrfrauensleute und Drnckrrri- kasfierer eingeladen.— Ohne Legitimalsonsfarte lein Euilrilt. 4i/i» Der Ganvorstand. Filiale Berlin. Die Urabstimmung über die Erhöhung der Beiträge und UnterstiitzungS- sähe sind« am Sonntag, den SO. März 1921, von 10 bis 1 Uhr, in solgeiidcn Lokalen starr He.rdll»: Prinz-Handjery. SurnKc 3. SUsrloffeatatcg; Rolw«»« ittofte 4. rvilmccsdorf; Pfnlzbnrger Snaige öä. dkeaNtz:?ntrMlflra§f T. Jchleaftocf s Petsdniner (Thauifc 21 Smiannün- der enage 93. JiO. i S3ln»ftra§0 Mt.. ar. Flascheusanger l M!.. 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März, vor- mittags Uli Uhr im Marmorhaus, Kurfürstendamm 236, in einer Sondervorstellung zur Vorführung. Kasseneröffnung ein« Stunde vorher._____ Groß-öerliner Partemachrichten. heuke, Sonnabend, den 13. März: Zuagfozlalisten. Gruppe Süden! TH Uhr im Saal der Juristischen Sprech- stunde, Lindenstr. Z, Vortragzabend. Morgen. Sonniag, den 20. März: U. Ztrei, Schüneberg. Nachmittags findet eine Ehrung der beim Kapp» 'lirUi a m» ,-> n a rti � ,v �(Ts;.-, er1 � � � � �: x>-_______—, Hiille", Enchstraste. «. Abt. s Uhr früh Vorwärtsagitation oon.dcn Bezirkslokalen aus. UM. Abt. Tegel. 10 Uhr norm, auf dem Tegeler Friedhofe Gedentsteinent- »Wung der beim Kapp-Putsch gefallenen Genossen Vitztc und Feigentreff. Eedächtniecede Dr. Schütte. Nachmittags Besichtigung des Museums für Meereskunde. Abfahrt Endhaltestelle 2'n Uhr. .78. Abt. Schoucberg. Die Funklionärsthung am Dienstag, den 22. März, findet wegen der Berliner Funktionärkonferenz nicht statt. ■ S.P.D�ElternbcirSte. Nächste Sprechstunde Donnerstag, den 7. April, von S bi» S Uhr, In den Zelten 23, Zimmer 10. J\m der Partei. Mai-Zeikung 1321. Während im Vorjahre der Kopp-Putsch die rechtzeitige Her- stellung der geplant gewesenen Maifestschrist verhinderte, so daß not- gedrungen die Mainummer von„Volk und Zeit" zum Ersaß heran- gezogen werden mußte, läßt der Parleioorstand in diesem Jahre wieder ein« eigens Moizeitunq für die Partei bei der Buch- Handlung Vorwärts, Berlin CW. 68. erfche'nen. Bei einem Umfang von 16 Seilen und im Tiefdruck auf gutem Papier hergestellt, wird sie fich sowohl texiich als auch durch ihren reichen künstlerischen Bilderschmuck den besten früheren Festschriften zitm Westfeiertag würd'g anschließen. Den Maigedanken seiern eine Reihe rückschouender und zielweisender Beiträge namenhafter Ee- nassen. Im besonderen findet der 1. Mai in seiner Beziehung zu den Frauen eine ausführliche DeHandlung, ferner auch die sich aus rhm für unsere arbeitende Jugend ergebenden Forderungen und Ziele, worüber Genost« E. R. M ü l l e r- Magdeburg schreibt. Die Maizeitung gibt in Wort und Bild Zeugnis von dem schweren körperlichen und geistigen Schaffen unseres Volkes und steht natur- gemäß unter dem Zeichen der siir Deutschland so hart verlaufenen Londoner Konferenz. Denn leßten Endes werden die unmenschlichen Forderungen, welche die Entente uns aufzuzwingen trachtet, Fessel und Kette für die deutsche Arbeiterschaft sein. Mst laut vernehm- licher Stimme avvellstrt daher die diesjährige Maizestunq an die Solidarität der Arbeiierschait in den Cntenteländern. Nicht nur Z>eutschlands Zukunft ist in Gefahr, sondern der internationale Mai- ' gedanke überhaupt Niemals tat es mehr not, den allen Kampf- und Befreiungsruf„Prosetarier aller Länder vereinigt euch!" dring- licher in die Welt hinauszuschreien,.als jeßf..Daß er stine Wirkung p ck>t verfehle, dafür muß die klasienbewußte Arbesterschaft durch«ine massenhafte Verbreitung der..Maizeitung" selber sorgen, die ob ihres reichen Inbatts und ansprechenden Aeußeren überall guter MifnabiNe sicher ist. Jeder, auch der kleinste Ortsoerein, wende stch daher wegen des Bezuges einer größeren Äw-ahl sofort an sein zuständiaes Sekretariat oder dstekt.on die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW.'68, Linden- straße 3._ 3n den preußischen Staatsrat wählte der rbeinischeProvinzial- lanbtag folgeode S oz i a l d e m o kr a l e n: Bürgermeister Jobann Meerielb-aöln, Beigeordneter Karl Eberle-Barmeii. Redakteur Peter Berten Düneldorf sletz«eren auf Vorschlag der U.S.P.l.— Stell- �*�ter: Schäfer-Köln, Dröner-Elberfeld, WeyerS-Kreseld. Wirtschaft Die wirtschaftliche 7lok der Schweiz. Unser Nachbarland, die Schweiz, hat unter schwerer Wirtschaft- licher Not zu leiden. Diese Not hatte schon während des Krieges be- gönnen, hat dann nach Friedensschluß mehr und mehr zugenommen und ist jetzt zu einer Krisis herangereift, die nicht weit von einer Katastrophe entfernt scheint. Und das, obgleich die Schweiz wäh- rend des Krieges gewissermaßen das Clearing House von Europa war und unter dem Kriege nicht direkt zu leiden hatte. Aber man begreift die Not der Schweiz, wenn man die wirtschaftliche Struktur dieses Landes kennt. Es ist falsch, sich die Schweiz als„ein Volk von Hirten" vorzustellen. Das war früher einmal. In den letzten 60 Iahren hat die Schweiz sich zu einem wichtigen industriellen E x- p o r t l a n d entwickelt, besten Bedeutung darin liegt, daß es vor- zugsweise nur Qualitätsware produziert. Dies erklärt sich daraus, daß die Schweiz für ihre Industrie alle Rohmaterialien und Brennstoffe einführen, diese Einfuhr also durch den Mehrwert der Qualstätsarbeit bezahll werden muß. Sogar die schweizerische Landwirtschaft ist nach und nach in wichtigen Teilen zu einer Cxportindustrie geworden und zwar durch den Uebergang vom Körnerbau zur Milchwirtschaft, die die Aussuhr von Milchprodukten — vorzugsweise Käse, kondensierte Milch und Milch-Schokolade— in immer steigendem Maße erlaubt. Diese starke Exporllätigkeit, auf der— neben der Fremdenindustrie— der Wohlstand des Landes beruht, hat durch den Krieg eine Unterbrechung erfahren und konnte bis heute noch nicht wieder aufgenommen werden. Der Hauptgrund liegt in dem hoben Stande der schweizerischen Baluta: nur im Berhällnis zum Dollar hat die schweizerische Valuta den Friedenskurs, alle an- deren Valuten, auch der Sterlingkurs, stehen in der Schweiz dauernd unter Pari. Dieses Verhältnis wirkt auf die schweizerischen Export- industrien geradezu prohibitiv ein— die schweizerischen Waren stellen sich aus den Wellmärkten zu teuer, sie können der Konkurrenz nicht standhalten und werden deshalb nicht gekaust. Der dadurch entstehende gewaltige Ausfall kann durch einen vermehrten Ber- brauch in der Schweiz selbst auch nicht annähernd ausgeglichen werden. Erstens weil der schweizerische Inlandsmarkt an und für sich ein beschränkter ist und durch den Ausfall im Fremdenverkehr noch mehr beschränkt wird, und zweitens well die Länder mit niedriger Valuta auf dem schweizerischen Jnlandmarkt durch ihre billigeren Waren eine scharfe Konkurrenz darstellen. Auf dos Drängen der nolleidenden Industrie hat deshalb der schweizerische Bundesrat neuerdings zwei Matznahmen getroffen, die die Ueber- schwemmung des Landes mit billigen ausländischen Waren eindämmen sollen: es werden vorübergehend— d. h. bis zum 30. Juni 1923— gewiste Erhöhungen des Zolltarifs vorgenommen und ferner wird die Wareneinsuhr überhaupt bestimmten Bcschrän- kungcn unterworfen. Es ist klar, daß sich diese Maßnahmen vorzugsweise gegen die deutsche Einsuhr richten. Aber es erscheint als höchst zweifelhaft, ob man damit auf dem richtigen Wege ist. Sicherlich ist die Not der Schweiz weniger durch die übermäßig billige Einfuhr, als vielmehr durch die Wirkungen der allgemeinen Welt» wirtschaftskrisis bedingt, sowie weniger durch die Einfuhr- konkurrenz, als durch die A u s f u h r st o ck u n g. Dazu kommt, daß die Maßregeln zum„Schutze des einheimischen Marktes" für die Schweizer selbst nur eine erneute Teuerung zur Folge haben müssen. Die Schweiz ist heute schon, infolge ihrer hohe» Valuta, eines der teuersten Länder Europas Der durchschnittliche Tagelohn � des schweizerischen Arbeiters wird mit 12 bis 13 Franken berechnet, in Mark umgerechnet nach dem heutigen Kurse etwa 126 bis 160 M.; deutsche Ruhrfettkohle kostet franko Basel 190 Franken die Tonne, das heißt mehr als das Zehnsache des deutschen Jnlandpreifes von 175 M. Diese Preise, die hier nur als zwei Beispiele aus zahlreichen anderen angeführt seien, spiegeln sich dann in den Preisen für alle Lebensbedürfnisse in der Schweiz wider. An den Abbau der Preise ist dort schwerlich zu denken, und daß sich das Verhältnis der schweizerischen Valuta zu den Valuten anderer Länder in abseh- barer Zeit ändern werde, ist wenig wahrscheinlich. Infolgedessen verstärkt sich die Krisis zu einer wirklichen Arbeitskrisis. Ende Januar wurden in der Schwei, amtlich 34 600 ganz Arbeitslose und 72 000 teilweise Arbeitslose gezählt. Aber diese Ziffern, so bedenklich sie im Verhältnis zur Gcsamtziffer der schweizerischen Arbeiterschaft sind, bleiben noch wesentlich binter der Wirklichkell zurück, da wichtige Exportindustrien, wie die Stickerei-, die Seiden-, die Band- und Strohhutindustrie teilweife Hausindustrien sind und die Ver- hältnisse der ländlichen Heimarbeiter sich nur schwer übersehen. lassen..___ B. ?ugenüveranfta!tunaen. Verein«rSetter.Zugrnd Sreß-Berli«. Selretarlat: NW.«0, In de» Zeven ZZ. Eine Mäerfeiee mit ausgewsihltem Programm findet beute abend 7 Uhr in den Sophiensglwi, Eophienstr. 17.7)8, unter Milwirlung des Trau-Quarietts und des Dr. Suttmannschen Doppelquartetts statt....... Sonnlag. den 20. März: Borfigivalde: Vchule, Tietzstr. Mitgliederversammlung.— Tegel: Äahnhof- straße 15. Vortrag:„Der 13. bis 20. Mars 1920.� Abend des 2. Ottober 1920 dem Zeugen B. in Stargart) zwei Pferde zum Kaufe an. Da diese'aber durch Blutflecken Verdacht erregten, wurde der Herkunft der Pferde nachgespürt. Auf der Kunststraße Altdamm-Stargard wurde dann der Arbeiter Ollo Adermann er» mordet ausgefunden. Die beiden Angeklagten waren dem Adermann dort begegnet und erstachen ihn, um die Pferde sich anzueignen und zu verwerten. Gegen das Todesurteil hatten die beiden Angeklagten Revision eingelegt. Da es sich nur um unbeachtliche Prozeß- rügen handelte» o e r w a r f das Reichsgericht das Rechtsmittel als unbegründet._ Vorträge, vereine unü verfammlunoen. Lehrknrse für Mussktreibcnde. Der Bunb der Arbeitermitsckvrreine richtet ain 1. April smct Lehriurfe ein, und zwar Kursus. I: für Anfänger(Elementar» Unterricht). Kursus ll: für Fortgelchrttteue(Instrumentalunterricht für Man. doline. Laute, Gitarre. Bioltne und alle anderen Znstrumente). Bundesmtt. gliedern und allen Arbeitern stehen, diese Kurse offen. Anmeldungen zu diesen Kurseu sind sofort an Erich Werschat. 0.112, Sllrtelstr. 17, zu richten. Alles Nähere geht den Teilnehmern schriftlich zu. Die Notwendigleit dieser Kurse hat stch sllr den Bundesvorstand aus See Tatsache ergeben, daß viele Beretne um Aufnahme in den Bund nachsuchten, die nicht die nötigen Notenkennwisse hatten und daher nicht an den Bundesproben und Veranstaltungen teilnehmen kann- ten. Des weiteren aus der Erkenntnis, daß viele Musikfreunde wohl die Ele- mentarkenntnisse besißen, aber den dringenden Wunsch haben, stch weiterzu».- bilden. Es ist ewe der Hauptaufgaben des Bundes der Arbetter-Vwsikveretne. allen Arbeitern und Arbelterinnen, Zugendlichen und auch unserer Schuljugend, die Lust und Interesse zur Erlernung eine» Instrumentes haben, Gelegenheit zu geben, stch die nötigen Vorkenntnisse unter fachmännischer Leitung allzu- eignen. Dies soll der Lauptzweck der Lchrkurse sein. Der Preis für einen Kursus von ungefähr 5 Doppelstunden beträgt fllr Bundezmitglteder 4 20., für Ntchtmitqlieder 7 20. Fllr Arbeitslose und schulpflichtige Kinder Arbeitsloser ist der Unterricht unentgeltlich. Als Untemchtslokal ist eine Schule t« Zentrum der Stadt in Aussicht genommen...___, Tonristen-Verein„Die N-turfreunde*. Am Mittwoch, den 29. März, Außer. ordentliche Generalnersamnilung, 7 Uhr abends, Schulaula Gipsstr. 2Z. Tages. ordnuna: Statutenberatiing. Anschließend Ortsgruvpensttzung mit Vortrag.— Die Ortsgruppe Berlin des Bundes deutscher Kriegsbeschädigter e. B.. Sitz Ham. bürg, hält heute, 7 Uhr, bei Wvlferniann, Stcinmeßstr. 10, eine außerordentliche Mitgltoderversammliing ab. Der Bundesvorsißende Kamerad Pelseriau Ham- bürg, wird llber die augenblickliche Lage und Ziele der Kriegsbeschädigten spnÄen.— Reinickendars-W. Oesfentliche E l t e r n v e r s- m m l u n g am Dienstag, den 22. März, abends 8 Uhr, in der Aula der 5. Eentetndeschule, Auguste-Biktoria-Allee(graue Schule). Vortrag: Die Ausgestaltung der weit- lichen Schule. Ref.: Lebrcr Genosse Kunkel.— Verband der Lungen- und Tu- berlnloselrankeu Deutschland». Am Sonntag, den 20., oatmirtags VetO Uhr. findet eine Mitgliederversammlung in der Aula des Sovhie-Realanmnastunts, Steinstr. 81/34, statt. Die Mitglieder werden ertucht, möglichst vollzählig und pünktlich zu erscheinen.— Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 10 Uhr Im Stadthaus,«lasterstr. 30, Jugendweihe. Festvortrag des Herrn Dr. A. Rosen- berq, Männerchor, Harmonium und Bioline. Gaste willkommen.— Nelchsver- clnignna ehemaliger Kriegsgefangener. Gruppe Berlin RO. Montag, den 21., abends 7% Uhr, in den UillllNS-Festsäleii, Ereifswalder Str. 21, Mitglieder. Versammlung. Gericktszeitung. Wer ist üer Vater! Vor dem Schmurstericht des Landgerichts II hat vor einigen Tdgen e n Prozeß begönnen, in welchem sich der wegen Kuppelei und Zuhälterei vorbestrafte Stukkateur Ernst Malchow aus Ober- schöneweide wegen Vornohme unzüchtiger Handlungen an einer Person unter 14 Jahren und d e jetzt 20 Jahre alte Velda Rösccke wegen Meineids- und Bcistandsle istung des Malchow, um ihn der Bestrafung zu entziehen, jsu verantworten hatten. Die R. hafte im Alter von noch nicht 14 Jahren e n Kind zur Welt gebracht, dos später gestorben ist und ihrem Vormunde zunächst erklärt, daß ein ihr sonst unbekannter Mann namens Otto Stein der Vater fei, während sie später ihren Konsirmatwnslehrer, den Pfarrer Glaso- mersky, als Vater bezeichnete, der sich im Konfirmandensaal an ihr vergangen habe. Bei dieler Behauptung blieb sie und hat sie auch später, als sie eidesmündig geworden war, beschworen. Nach An- sich! des Staatsanwalts soll dies« eidliche Bekundung falsch und der Mitangeklagte Ma'chow der Bater sinn. In der Verhandlung be- strill dieser ganz entscbieden die Vaterschaft und die R. verweigerte jede Aussage. Das Gericht kam zur Vertagung, da noch we tere Zeugen und auch ein medizinischer Sachverständiger vernommen werden sollen.__ Wegen Raubmordes sind am 16. Dezember 1920 vom Schwur- qer'cht Stellin der'Arbeiter Walter Gustmann und der Arbeiter Ernst Schallschneider zum Tode verurteilt worden. Sie boten am Mus aller Welt. Das tägliche Explofionsunglück. Zn dem M'imNonslager«.chmerboru bei Erfurk. in dem gefüllte Fliegerbomben. Seeminen usw. zum Zwecke der Metall. Verwertung entladen werden, flog ein Schuppen mit Schrappuell- muniNon in die Luft. Zu der gesamten Umgebung wurden Fenster und Dächer eingedrückt. Vier Frauen konnten, zum Teil m,t eingedrücktem Brustkorb und schweren Brand» wunden, sich retten. Die übrigen, etwa zehn Arbeiter. haben allem Anschein nach den Tod gefunden. Genaue Fcttstellungeu über die Zahl der Gelöteten werden erst nach Ende der Explosionen mögllch sein, die fortdauern. »/ Selbstmörderische Auloraserei. Freitag vormittag zertrüm. merte ein in voller Fahrt befindlicher amerikanischer Fracht- wagen die im Nordend- des Bahnhofs Weißenturm bei Koblenz b«. findliche geschlossene Wegeschranke und wurde von einem im selben Augenblicke herankommenden D-Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Dse Insassen, drei amerikanische Soldaten, wur- den sofort getötet. Der D-Zug tonnte nach einem Ausenthalt von 15 Minuten seine Fahrt fortsetzen. Der Ueberfa« aus den/ Po Na gen ten von Oberkail. bei dem 63 000 M. geraubt sein sollien, hat sich als erfunden herausgestellt. Der Posiaqent bat sich von seinem Bruder fesseln, knebeln und sich sodann einen Schlag aui den.Kopi verieven lasien. Der Bruder nahm dann das Geld und versteckte es in einer Scheune, wo es gefunden wurde. Belde Brüder sind verhaftet word.m. Abssimmungsbrie'marken! Die Interalliierte Kömmission gibt bekannt, daß am AbstimmungSiage besondere Briefmarken in den Werten von zebn bis hundert Pfennigen einschließlich auS- gegeben werden, die bisherigen Brie marken werden mit dem Auf- druck:.Abstimmung 20. 3. 21" versehen. f Ein ehemaliger russischer Kriegsgefangener zum Tode vernrleilk. Der württembergische Staatspräsident hat das von dem Schwur» ger'cht Ellwangen aegen den Raubmörder Orlowski, einen ehemaligen russischen Kriegsgefangenen und Landarbeiter, ergangen« Todes- urteii bestätigt und für vollstreckbar'erklärt. Orlowrki. hatte einen 72 Jahre alten Schuhmacher bei Haldenheim überfallen und er» mordet. Die Zahl der Reger in Rem$orf beträgt beute rund 150 000, ist allo seit der Volkszählung von 1910 um 61000 gleich 67 Proz. gestiegen l_ Sport. Arbetter-Radfahrer-Verei»„Graß-Berlin". Sonntag nachmittag. 1)4 Uhr Kiekemal(Heidekruq). Start: Marianyenplaß. Die Versammlung de»„Arbeiter-Spartkartell» für de» 12. Verwaltung». bezirk"(Stegliß-Lichterselde-Lonkwitz Elldende) kindet heute abend 7>4 Uhr rncht in der Aula der OSerrealschule in der Ringstraße statt, sondern in der Aula des Realgymnasiums in der Dralestraße in Ltchterfelde. euen Salamanüerpreise S«tsrnNnKev-GKef>el Sei» ern ß«i rrCmnarrit Äußerst fölilg h&lhulicti.— Üafeee stnS Ist utsfrmt sehzm zu frtikficn Mi'ißen jhrHftn ein$etr0ffen."2Utf dteft Örrife oir emih««fsw ümetwstänfe shne ytütkfityt aui und c Thenns b&vev n 4ZS.?ahrgakg 2. Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, März 1H27 GroßBerlw Die gefälschten Tribünenkarten. ES herrscht Kohl kein Zweifel, daß die nnrechimäßige/Her- stellung und Verteilung von Tribünenkarten �ur Stadtverordneten- Versammlung durch die Kommunisten erfolgt ist. Um ihren durchaus nicht im Interesse der Arbeits- und Ob- dachlosen aufgeführten Tiraden ein größeres Auditorium zu ver« schaffen, mußten sie zu diesem Fälschertrik greifen und auf„illegi. iime* Weise einer größeren Anzahl Radaumacher Zutritt auf die Tribflnd verschaffen. Denn was bedeuten die Adolf Hoffmann und Genoffen in der Stadtverordnetenversammlung, wenn ihre Hans- wurstiaden nicht von der Tribüne einig« Unterstützung erführen. Ein« Korrespondenz berichtet, daß die Verteilung gefälschter Tribünenkarten abends durch mit roten Binden kenntlich gemachte Ordner und Ordnerinnen der Kommunistischen Partei im Lust» garten erfolgt sei. Die Ruhestörer auf der Stadtvcrordnctentribüne rekrutierten sich auch nicht nur aus den Reihen der Obdachlosen, andern die Hauptschreier waren durchaus gut gekleidete Personen. Aus dieser Tatsache geht klar hervor, daß der ganze Krakeel bestellte Arbeit war, lediglich zu dem Zweck, die, Beratungen der Stadtverordnetenversammlung zu stören. Daß die Gemeinde Berlin aus eigener Kraft dem durch die ungeheure Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot vorhandenen Elend nicht steuern kann, wiffcn auch die Kommunisten, und wenn es ihnen ernst wäre mit ihren zahlreichen Anträgen, so müßten sie dieselben an anderer Stelle anbringen. Aber die Tatsache, daß sie weder im Landtag noch im Reichstag mit entsprechendem Tribünen Publikum einen solchen Klamauk inszenieren können, veranlaßt die kommunistischen Drahtzieher lediglich, die Stadtverordnetentribüne für ihre unsauberen Zwecke zu mißbrauchen. Es wird ernstlich zu erwägen sein, ob denn gerade da? Berliner Rathaus sür kommunistische Orgien gut genug ist. Unter den ob- waltenden Verhältnisiew wird denjenigen, die ernstlich an der Befferung unserer sozialen Verhältnisse arbeiten wollen, die kom- munale Tätigkeit geradezu verekelt. Laubenkolonien. - Die nachfolgende Zuschritt eines erfahrenen Lanbenkolonisten deröffentlichen wir, well sie zum Teil bchrrzigeiiswertc Anregungen enthält. Für den Industriearbeiter ist der Kemütsanteil nicht hoch genug zu schätzen, den ein Stückchen Natur, ein grünender, blühender Gar- ten, frische Sträucher und Bäume in ihm hervorrufen. Ich denke bisrbei an einen Sommersonntagmorgen, wenn weit und breit noch Menschenstille herrscht, wenn im Osten die Sonne hcroorlugt, wenn die Böglein in Strauch und Baum schüchtern ihre Morgensprache bc- ginnen, wenn die Tautropfen auf Blatt und Halm im Sonnenstrahl wie Kristallperlen glänzen.— Nicht umsonst waren die Laubenkolonien in der Umgebung Berlins am schönen Sonntag das Ziel Tausender: jeder Anwohner, der die Strapazen eines Sonntageausflugs mit der Bahn scheute, suchte sich am Grünen und Blühen der Laubenkolonien zu ergöißen, und j« mehr Grün, je mehr Bäume und Sträucher, desto großer der Genuß. Die Laubenkolonien waren aus dem besten Wege, für die minderbemittelte Bevölkerung der angrenzenden Stadtteile gemeinnützige Stätten zp werden. Ndchdem die Kolonien in eigene Derwaltung übernommen waren, glaubte man, daß dieser Entwicklung nun erst recht die Wege gebahnt würden: leider ist heute zu bemerken, daß— trotz Widerstand einzelner in den Verwaltungen— sich mehr und mehr der Zug nach kleinlicher, persönlicher.Nutzbarmachung geltend macht. Um dem Uebelstand der zu-zeit etwas stark grassierenden Dieberei zu steuern, werden alle die Kolonien kreuzenden Wege verschlossen: jeder Durchgang bekommt eine Tür, zu der nur der Kolonist den Schlüssel besitzt. Dabei erreicht man mit dieser Maßnahme noch nicht einmal den gewollten Zweck, denn neben der meterhohen Tür steht der Begrenzungszavn des anliegenden Kolonisten in der Regel in einer Verfassung, die dem Spitzbuben sicher keinen Respekt ein- flößt. Aber weiter: Weil dieser und jener Baum der Pflanze das Sonnenlicht verstellt oder weil dessen Wurzel den Boden„aussaugt", muh er beseitigt werden. Die Kolonie muß möglichst nur solche „Bäume" haben, über die man mit der Nasenspitze hinwegsehen kann. Ich habe hier im Auge die Kolonien im Winkel der Thaer- und Röderstraße am Zentralviehhof entlang. Das Gelände besaß eine Anzahl schöner Baumalleen, schon um deren Willen es eine Sehenswürdigkeit war. Wie sehen diese Bäume heute aus? Es ist geradezu aufreizend, wie Menschen in ihrem kleinlichen Interesse die Natur so verstümmeln können. Da wird so viel von der Notwendi keit gesundheitlicher Naturanlagen und Einrichtungen um die Gros, stadt herum geschrieben und gesprochen, man sollte meinen, daß unter diesem Gesichtspunkt für den Menschen jeder Baum ein Heiligtum sein müßte und was geschieht? Ich wünschte, fühlende Menschen würden sich den Frevel ansehen.— Und das alles nur deswegen, A - pvstabonnenten � Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor- N wärts" im nächsten Monat keine unlieb» '§ saitle Unterbrechung erleidet, ersuchen wir uns cre Postab onnenten, das Abonnement 'I für den Monat April zum & Preise von Mk. inkl. Zu- K stellungsgebühr, bei dein f. zuständigen Postamt q schon jetzt zu bestellen a UM £ ÄiM | Vorwöris- Verlag beim Ruderklub„Erkner", F r i e d r i ch S h a g e n bei der„Alt-Brandenburg", Akademischen Nudergesellschaft, vom Karfreitag, den 25. März, ab wieder in Betrieb gesetzt werden. Ebenso soll vom gleichen Tage ab wieder ein Rettungsdienst auf den Wannsee-Ge- Iv ä s s e r n durch da« Motorboot„Hetc" eingerichtet werden. Ferner ist beabsichtigt, einen Warnungsdienst zu den Osterfeiertagen iür den Wolzigcr See einzurichten. Alle Wassertporltreibeildeir werden gebeten, beim Befahren des Müggelsees die größte Auf- merkfamkeit zu beobachten und auf jeden Fall zu vermeiden, bei gezogener roter Sturmflagge den See zu befahren. Ein netter ll.S.P.D.-Genoffe. Bon einem Genoffen wird uns ein Vorgang mitgeteitt, der sich beim Flugblattverbreilen abspielte. linser Gewährsmann schreibt: Da mir am Sanntag und Montag unwohl war, machte ich mich am Dienstag abend auf die Strümpfe, uni ineiner Pflicht als Flugblattverteiler nachzukommen. Zu meinein Ncrtcilungsbezirt gehört auch das Haus Matternstraße 17. Meiner Pflicht gemäß warf ick? in jeden Wohnungsbriefkasten ein Flugblatt. Im Parterre des Quergebäudes war an einer Wohnungstüre kein Briefkasten angebracht, und es erschien mir, als ob diese Wohnung überhaupt nicht bewohnt ist. Vorsichtshalber legte ich aber doch etn Flugblatt vor die Türe. Da tauckite plötzlich ein baumlanger Mensch auf"der Bildfläche auf, der mich in der allergröbsten Weise an- ranzte, wie ich dazu käme, Flugblätter„hinzuschmeißen". Die könne ich mir sonstwo hinstecken. Als ich Einwendungen machte und darauf hinwies, daß der Mierer, wenn die Wohnung wirklich be-- wohnt ist, dos Blättchen zweifellos an sich nehmen werde, fuchtelte mir der Herr mtt den fiflnöcn vors Gesicht und betonte in übelster Weise, daß er hier allein zu bestimmen hätte— vastehste— das „vostehstc" betonte er besonders. Ich hatte dos sichere Gefühl, einen richtigen Haustyrannen vor mir zu haben, einen kleinen Spießer, der es zu nichts weiter im Leben als zu einem Hausverwalter ge- bracht hat und der seine vermeintliche Macht einem hausfremden Flugblattverteiler gegenüber herauskehren will. Wie erstaunte ich aber nachher, als ich" später ganz einwandfrei feststellen muhte, daß dieser Herr— ein Herr Löschmann— eingeschriebenes Mitglied der U.S.P.D. ist. Da wohl kaum angenommen werden kann, daß ein früheres Mitglied der Sozialdemokratischen Partei einem'Flugblatt- Verbreiter gegenüber so auftreten würde, so ist wohl anzunehmen, daß Herr L. noch ein innges Mitglied der U.S.P.D. ist und daß er sich in seiner Partei mit solch unbequemen Arbeiten wie Flugblatt- verbreiten noch nicht abgegeben hat. Die juristische Sprechstunde findet heute uichk voa 3 bis 5 Uhr, sondern oou 4 bis 6 Uhr statt. BezirkS-vildunaSausschuft. Heuteabcnd im Rose. Theater lSroße Franlfurtcr-Str. 132..DaS Tal bei Lebens", htllortiches Lulllbiel von Mar Dreyen Eintritt einschließlich®at derobe und Zcheater- zellcl 3.50 M. Karten lind zu baden bet allen Abtcllungss'lhrern des i..Kreises(Prenzlauer Tor) und bei den Kontrolleuren am Ein>an<, de« Theaters.— Leute abend 7 Uhr in den«ovbienlälen, Sophienttr. 17,18, M S r, f« t« r de» verein».Arbeiler-Iugend» Groß-BertM. Rilwirkende: da» Tchubtri-Qu artet!(Streichmusiki uni» da» Dr. GuUmanniche Doppel» quarlelt(Gesang). Sintriiltiarten a. 2,50 M. im Bureau 6er.Arbeiter. Jugend", In den Zelten 23, and w der Buchhandlung.BorwSrls". Linde». straße S. Mißbrauch zu Reklamezweck ea. Don der Firma Gustav Cord« wird uns mitgeteilt, daß die in der Presse verösfenll cht« Anzeige, ihre Firma veranstalte vom 16. ab eine groß« Modenschau im Nestourationsbetrieb des„Palais der Friedr chstadt", als ein Miß- brauch der Firma Cords zu betrachten sei. Es sei ihr bis zum Er- fchemen des Inserats von dem Unternehmen einer Modenschau ihres Hauses nichts bekannt gewesen. Die Verllner Sewerklchaslstommisston hat zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsdund zur Linderung der Be- klerdungsnot auch in Berlin und Vororten Verteilungsstellen der Waren versorgungs stelle Deutscher Gewerkschaften eingerichtet. Wir verweisen auf das Inserat in der heutigen Auflage, und Pflicht der Gewerkschaftsmitglieder, dieses neu gegründete Unter- nehmen sämtlicher Gewerkschaften zu unterstützen, zumal in bezug auf Preise und Qualität große Vorteile geboten werden und den Kollegen Arbeit geschaffen wird. Isührnngen im Botauischen Garten Dahlem. Wie in den Vor jähren, werden au.h tu die'em Sommer wieder vollitumüche ffllhrunge. 201 Sttne Menschenkind. II. Mütterchen. Von Marlin Andersen RexS. Lars Peter steckte die Hand in die Weste und zog die Brieftasche hervor, sie war leer! Johannes hatte aus der ge- meinsamen Kasse hundertfünsztg Kronen mitgenommen— Geld, für das Vieh gekauft werden sollte. Mehr war nicht im Hause; und diesen Betrag hatte er also durchgebracht. Lars Peters Hände zitterten. Er beugte sich über den Bruder, als wollte er ihn anfassen; aber dann richtete er stch auf und verließ die Tenne. Ein paar Stunden schlendeiie er umher, um dem Bruder Zeit zu lassen, seinen Rausch einigermaßen auszuschlafen. Dann ging er wieder hinein, nun sollte abgerechnet werden. Er rüttelte den Bruder wach. „Wo ist das Geld, für das wir die Färse kaufen wollten?" fragte er. „Was schert das dich?" Johannes wälzte sich auf die andere Seite. Lars Peter stellte ihn auf die Beine.„Ich Hab' mit dir zu reden," sagte er. „Ach, scher' dich zur Hölle," murmelte Johannes. Er schlug die Augen gar nicht auf, sondern taumelte tiefer in die Scheune hinein und warf sich ins Heu. Lars Peter holte einen Eimer eiskaltes Waffer voni Brunnen.„Run sollst du aufwachen, du magst wollen oder nicht!" sagte er und ließ Wasser über leinen Kopf. Wie eine Katze war Johannes auf den Beinen und hatte sein Messer hervorgeholt. Er ging einmal um sich selbst herum, durch das plötzliche Erwachen verwirrt; dann fiel sein Blick auf den Bruder, und er setzte zum Sprunge auf ihn an. Lars Peter fühlte einen Stich in der Wange, die Klinge des Messers knirschte gegen seine Backzähne. Mit eincin Faustschlog schleuderte er Johannes zu Boden und warf sich über ihn, um ihm das Messer zu entreißen. Johannes war stark und blitzschnell in seinen Bewegungen: er wand und bog sich, be- diente sich seiner Zähne und suchte mit dem Messer heranzu- kommen. Der Schaum stand ihm vorm Munde. Lars Peter mußte das Messer mit den Händen abwehren. Beide bluteten aus mehreren Stichen. Erst als Lars Peter dem Bruder das Knie hart auf das Zwerchfell setzte, überwand er chn. Johannes rang nach Atem.„Last mich los!" fauchte er. „Ja, wenn du glaubst, daß du dich bezähmen kannst." sagte Lars Peter und lockerte dtn Griff ein wenig.„Du bist mein jüngster Bruder, und ick will dir ungern etwas zuleide tun-, aber mich wie ein Schwein von dir abschlachten zu lassen, dazu Hab' ich keine Lust." Johannes stemmte mit einem plötzlichen Ruck Nacken und Fersen gegen den Loden, um den Bruder abzuwerfen. Es gelang ihm, den einen Arm freizumachen, und er warf sich nach der andern Seite hin, um des Messers habhaft zu wer- den, das eine gute Armlänge von ihm entfernt lag. „Ach so!" rief Lars Peter, und zwang ihn mit feinem ganzen Gewicht auf den Boden der Tenne—„dann ist es wohl das Beste, ich binde dich fest. Bringt mir einen Strick, Kinder!" Die drei standen vor der Tür der Tenne ans einem Klum- pen und schauten dem Kampfe zu, sich hintereinander heran- drängend.„Run!" rief der Dater. Da schoß �Christian ins Haus, um Stine zu holen, und sie brachte eine Schnur Ohne Furcht ging sie zu den Kämpfenden hin und reichte sie dem Vater.„Soll ich dir helfen?" fragte sie. „Rein, dos ist nicht nötig. Mädel," sagte Lars Peter lachend.„Halt' nur die Schnur, während ich unfern Patron umdrehe." Er band dem Bruder die Hände auf dem Rücken gehörig fest, dann richtete er ihn auf und bürstete ihn ab.„Du siehst aus wie ein Schwein," sagte er—«du mußt dich ja im Straßendreck gewälzt haben. Jetzt komm ruhig in die Stube. sonst steh' ich für nichts ein. Deine Schuld ist es nicht, wenn du heute nicht zum Mörder geworden bist." Johannes wurde ins Haus geführt und auf den Stroh- stuhl am Oien gesetzt. Die Kinder wurden hinausgeschickt, Stine und Christian mit dem Bescheid, das Fuhrwert des Onkels anzuspannen. „Jetzt, wo wir allein sind, will ich dir sagen, daß du dich ganz und gar wie ein Lümmel benommen hast," sagte Lars Peter langsam.„Da hat man sich viele Jahre lang nach seinen Verwandten gesehnt, und als du dann kamst, war's wie ein Gruß aus der Heimat. Jetzt mächt' ich viel darum geben, wenn ich diesen Gruß nie bekommen hätte. Wir hier sahen alle etwas Gutes in dir: verwöhnt waren wir nicht, darum war' es nicht schwer für dich gewesen, uns im guten festzuhalten. Aber in was hast du uns hineingebracht, in Schweinerei, Schurkenstreiche und Schlechtigkeit! Du kannst dir wohl denken, daß du hier nusgewirtschaftet hast; du kriegst das eine Fuhrwerk und was sonst noch dein genannt werden kann, und damit fertig! Geld kannst du nicht bekommen. Du hast mehr durchgebracht, als dir zukam. Johannes antwortete nicht. Er schielte nach der Seite, als gönnte er dem Bruder seinen Blick nicht. Draußen fuhr der Wagen vor. und Lars Peter führte ihn hinaus und hob ihy wie ein Kind auf den Sitz. Dann löste er den Strick mit seinen zerstochenen, blutigen Händen. — aus der Wunde an der Wange floß ihm das Blut über Kinn und Anzug.„Nun mach', daß du forttommstl" sagt« er drohend und wischte das Blut von seinem Kinn ab.„Aber laß es im guten geschehnl" t v Johannes faß einen Augenblick auf dem Sitz, schwankend wie ein Schlafender. Plötzlich raffte er sich auf und stimmte ein schallendes Gelächter an. Er zog an der Leine und jagte um den Giebel nach der Landstraße hin. Lars Peter starrte dem Fuhrwerk eine Weile nach, dann ging er ins Haus und wusch sich das Blut ab. Stine badete seine Schrammen in kaltem Wasser und legte Heftpflaster darauf. An den folgenden Tagen hatten die beiden emsig zu schaffen, um die Spuren der Sommertätigkeit zu beseitigen. Lars Peter vergrub die letzten Aasreste, warf den Block bei- feite und mistete aus Wenn zur Nachtzeit der eine oder an- dere Bauer init dem Peitschenstiel an die Fensterscheibe klopfte und rief:„Lars Peter, ich hob' krepiertes Vieh für dich," so antwortete er nicht. Er wollte den Wurstschlächter und den Hundeschlächter und den Kadaverschlächter wieder von sich abschütteln. 8. Aufbruch aus dem Elsternnest. Stine trällerte bej der Arbeit; sie hatte allein für das Ganze zu sorgen und war bald drinnen, bald draußen. Bor dem einen Auge trug sie eine Binde, und jedesmal wenn sie an der Küche vorbeikam, lüftete sie die Binde und badete das Auge in etwas Braunem in einer Tasse— Urin. Das war ein Mittel, in dessen Anwendung die Großmutter sie seiner- zeit unterrichtet hatte. Das Auge war blutunterlaufen und tat weh, es spielte in allen Farben; und doch war sie frob. Ja, eigentlich war das kranke Auge schuld an ihrer guten Laune. Sie sollten vom Elstenmest fort, wett fort und für iminer, und das hatte das Auge ausgerichtet.(Forts, folgt.) Wr der Kuflosung der Grgekh« Neu« Rückzog Bayerns. b» der Fr«ia«sfitzung des 2S. Zlusfchusies des Reichstages tv«- bot der Gelbstschutzorgonrsationen), der der Reichskanzler F eh r e o- dach. Re!chsmimst«r Dr. S i m o n s sowie Reichsminister Dr. K o ch beiwohnten, mahnt« der Dorsitzend« Abg. Hildebraud(Soz� zur beschkennigten Bera.-ilng. um den Entwurf noch vor de» Ost er» feiertagen verabschieden zu können.— Bayr. Gesandter v. Pr«« aar verliest den Wortlaut der Red« des bayerischen Minffterpräsi» deuten, um zu beweisen, daß sich dieser nicht gegen die Ausführung der Reichsgeseße gewendet habe und fährt dann fort: In der gestrigen Rede im Bayerischen Landtag hat Herr v. K a h r, vm etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen, ausdrücklich ausge- ivrochen. daß der Smnpf gegen da» Entwaffnung sgei eh r nht ein jkampf gegen die Reichseinheit fei, und daß von einer Revolte Bayern» gegen das Reich kein« Rede fein könne. Wäre die bayerisch« Regierung rechtzeitig von der Ein- kringung des Entwurfes verständigt worden, hätten verschiedene Mißverständnisse oermieden werden könne». Abg. Dr. Leck er-Hessen(D. Vp.): Meine Fraktion steht auf dem Standpunkt, daß der Friedensvertrog ausgeführt wer- den muß. Di« bayerische Regierung scheint damit nicht e i n o e r- standen zu sein. Die sachliche Beratung leidet darunter, daß die ganzen Erörterungen fast ausschließlich auf bayerische Verhältnisse umgestellt sind.— Abg. Henning CDnot Dp.): Der Gesetzentwurf scheint über die Bestimmungen des Friedensvertrages hinauszugehen. Handelt es sich hier um ein verfassunasänderndes Gesetz?— Reichsminister koch: Die Re'chsregienmg hält die Verabschiedung des Ge- feges für. außerordentlich dringlich; auch für den Reichstag ist die Verantwortung für das Nichvzustandetommen außer- ordentlich groß. An den vorzeitig veröffentlichten und an den Re chs- rat gebrachten Dorlagen und an den übertriebenen Protesten gegen sie trägt die Reichsregierung keine Schuld. Solange sich ein Gesetz im Rehmen des Friedensvertrag«, hält, kann nicht von einem verfassungsändernden Gesetz gesprochen werden. Abg. Seemann(Soz.): Zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Ostpreußen reicht die Reichsweh? völlig aus. Einwohner- wehre» erweitern nur die Kluft zwischen den Parteien und den ein- z einen Bevöikernngs kreisen. Solang« die Ortswehren nicht auf- gelöst werden, bleiben auch die sozialdemokratischen Mit- g l i e d e r darin, um die Ortswehren nicht ganz nach recht» ab- rutschen zu lassen.— Abg. Rosenfeld(U. Soz.): Die zweite Rede des Herrn v. Kohr ist zwar etwas geschickter gewesen, aber fem« Srellungnabm« gegen ein Zieichsgesetz ist und bleibt e'n unerhörter Vorgang. Die Ausführung des Gesetzes darf nicht in die Hände der Landesregierungen gelegt werden.— Abg. Unter- leitner(U. Soz.):§ 1 geht über den Friedensvertrag hinaus.— Ein Vertreter des R e i ch s j u st i z m i n i st« r i u m s: Das Mehr bei diesem Gesetz liegt auf dem Gebiet des Strasrechts, auf dem dos Reich völlig souverän ist.— Abg. Schisser(Dem.): Zur Vermeidung weiterer Verwicklungen und Zwangsmaßnahmen muß das Gesetz schnellstens verabschiedet werden. Die technischen Schwierigkeiten der Materie und die in Frag« kommenden Eingrisse in die Rechte der Staatsbürger lassen die Sache aber nicht über das Knie brechen. Der Friedensvertrag muß restlos durchgeführt werden, aber nicht mehr. Reichskanzler Fehrenbach: Der außenpol' tische Druck und der des Friedensvertroges machen«in« rascheste Verabschiedung des Ge- fet-es dringend notwendig. Die aus einer längerea Verzögerung eut- n b enden Sonse-meoieu vermag weder ich noch d'e Reschsreglerung . fragen.— Abg. Dr. Fle scher(Zentr.) verlangt Rechtsgarantien ge�ri eine allzu scharfe Ausführung des Ge'etzes bei Verfehlung eines Mitgliedes einer Drreinigung.— Reichsminister Koch sagt zu, daß bei einem einmaligen Verstoß eines Mitgliedes der in Frage kommende Verein nicht aufgelöst werden soll. Gegenüber den Ausführungen von Rednern der Linken sucht der Minister sestzu- stellen, daß der Friedensvertrag und der Vertrag von Spa keine Auflösung der Ortsnerein« vorsehe». Dos Pariser Diktat verlangt ollerdinaz mehr: diese« ist aber von uns nicht anerkannt worden.— Damit fch'ießt die Generald-batt«. Der Ausschuß einigt sich für die Spezialberatung auf zwei Lesungen.— Weiterberatung Sonnabend. der General als Kmme. Folgender skondalöse Vorfall, der aus die Anmaßung ge- wissex'«illitärischer Kreise ein bezeichnendes Licht wirft, wird uns zur Kenntnis gebracht: In Allen st ein betreibt ein Parteigenosse seil seiner Rückkehr ans dem Frontdienst ein Schankgeschäft. Die Kundschaft setzt sich hauptsächlich aus frelgewerkschaftlich organisierten Arbeitern zusammen, Versammlungen finden des beschränkten Raumes wegen nicht statt. Zu Zusammenstößen mit anderen Gästen kam es noch niemals. Im Sommer vorigen Jahres mußte unser Gewärhsmann nun die Wahrnehmung machen, daß Reichswehr- a n g e h ö r i g e, die bis dahin auch zu seinen Gästen gezählt hatten, da» Lokal nicht mehr besuchten. Durch Umfrage wurde festgestellt, daß dies auf ein Verbot des Garnifontommandos zu- rückzuführen war. Auf eine Beschwerde beim Kommandeur der R.-W.-Br. 20 erhielt unser Parteigenosse folgenden Bescheid: Garnison.-Komm. A l l e n st« l n, den 20. 10. 20. Lllenstein . Tgb.-Rr. 20/20. pers. Herrn Anton K....... m A l l e n st e i n, Hindenburgstraße. Auf Ihr Schreiben vom 30. 0. 20 an den Kommandeur der Reichswehrbrigode 20 teile ich Ihnen folgendes mtt: Ersten« ist vom Garnison-Komm. aus kein Verbot Ihres Lokals er- ggngtn, sondern es sind nur die Kommandeure darauf hingewiesenworden. daßden Relchswehraugehörigeu emp- fohleu wird, da».Reue-Ralhaus-Restaurant" zu meiden; zweitens, zu meinem Bedauern sehe ich mich nicht in der Lage, diesen Wunsch meines Vorgängers aufzuheben, da ich nach wie vor daran festhalten muß, daß der verkehr von Reichswehrange- hörigen mit dem bei Ihnen verkehrenden ZlvUpnbUknm nicht wünschenswert ist. gez. E h r h a r d t, Generalmajor u. Garnison-Aeltester. Beachtenswert an diesem anmaßenden Schreiben ist die Spitz- findigkekt, mit der zwischen einem Verbot und der tatsächlich er- folgten Aufforderung zum Boykott unterschieden wird. Im übrigen atmet dos Schreiben ganz den Geist aus jener Zeit, in der man glaubte, das M i l i t ö r vor dem.zerfetzenden Einfluß" des Zioilpublikums, insbesondere der Arbeiterschaft durch Verbote B derartigen Inhalts schützen zu sollen. Daß solche Dinge auch noch vorkommen können, ist ein Skandal ohnegleichen, und feie zuständigen Behörden sollten den Herrn Generalmajor Ehrhardt mtt dem nötigen Nachdruck darüber aufzuklären, daß er zwar der Borgesetzte der Reichswehrsoldaten, nicht aber ihre— Amme ist, die die Kindlein vor Schaden und Zugluft zu bewahren hätte. Ein langsamer Skeuerz ahler. Dooru, 18. März. fHN.) In der Gemeinderatsver'ammlung von Doorn stellte ein Mitglied die Frage, weshalb der frühere deutsche Kaiser noch keinen Steuer- zettel erhalten hätte. Der Vorsitzende cmtmorrei«. dies sei noch nicht geschehen, da der Exkaiser von der holländische» Regierung seinerzeit die Erlaubnis erhatten habe, mit der Angabe seines Ein- kommen? bis mim 1. Aprll zu warten. Der Kaiser werde aber die Stevern für 1020 noch bezahlen müssen. Abrechnung ni Der»odisteherrde Offene Brief des früheren Ministers des Auswärtigen Grafen Brockdorff-Rontzau an den General der Infanterie a. D. Ludendorff geht dem WTB. mtt dem Ersuchen um Veröffentlichung zu. Herr General der Infanterie! Unter der Ueberschrift.Der Zwang im Kriege" veröffent- lichten Eure Exzellenz am 26. Februar d. I. un.Militär- Wochenblatt" einen Artikel; in diesem Artikel zitieren Sie aus dem Decke eines Herrn ÄlbrechtDirth folgenden Passus: .Nun kam Graf Brvckdorff-Rantzau. der als Gesandter in Kopenhagen eine seiner Lebensführung entsprechende überaus bunte Gesellschaft um sich gesammtett hatte, und der offen den Um- stürz betrieb, durch Parvus-Helphand, einen der gerissensten Ostjuden, auf den leuchtenden Gedanken, den Teufel durch Beelzubub auszutreiben und die Revolution durch die Anarchie zu erschüttern. Er regte dazu an. Lenin und Trotzki nach Rußland zu befördern und dadurch den Bolschewtti zur Macht zu verHelsen." Dieser Passus ist hier an amtlichen und außeramtlichen Stellen dahin aufgefaßt worden, daß mir der Vorwurf ge- macht wird, ich hätte in Deutschland auf den Umsturz hingearbeitet, mit anderen Worten, mich des Hoch- verrats schuldig gemacht. Infolgedessen habe ich, sobald ich von dem Artikel Kenntnis erhalten hatte, Exzellenz von Berg gebeten, in meinem Auftrage Euere Exzellenz um Auf- klärung zu ersuchen und zur Wahrung meiner Ehre von Euerer Exzellenz im.MUttär-Wochenblatt' die Erklärung zu verlangen, daß es Ihnen selbstverständlich nicht in den Sinn gekommen sei, mir den ungeheuerlichen Vorwurf des Hochverrats zu machen, und daß Sie sich keineswegs mit der jedenfalls leicht mißzuverstehenden Äeußerung des Herrn Wirch, die, wie ich hier wiederhole, hier auch an maßgebenden Stellen als Verdächtigung des Hochverrats auf- gefaßt worden ist. identifizieren. Euere Exzellenz haben, wie ich soeben erfahre, Herrn von Berg gegenüber es abgelehnt, meinem Ver» langen zu entsprechen. Ich sehe mich daher genötigt, vor der Oeffenllichkeit folgendes festzustellen: Euere Exzellenz weigern sich, den zum mindesten mißver- ständlichen und tatsächlicy mißverstandenen Passus des Herrn Wirth klarzustellen und identifizieren sich also mit dieser Äeußerung, die geeignet ist, meine Ehre in der schwersten Form zu kränken. Zur Steuer der Wahrheit und um mit den nichtswürdigen Anwürfen gegen meine Person und meine politische Tätigkeit auszuräumen, konstatiere ich daher nachstehendes: Aehnliche Verdächtigungen, wie sie in der von Ihnen zitierten Äeußerung erblickt worden sind, wurden bereits, wie Euerer Exzellenz bekannt, während des Krieges gegen mich erhoben. Professor Harms in Kiel hatte Ende 1917 einen Bericht an die Oberste Heeresleitung er- stattet, in dem er mich als Defaitisten denunziert und behauptet, daß ich mich als deutscher Gesandter in Kopen- Hägen für den Plan einer Abtretung Nordschles- w i g s einsetze. Ich habe daraufhin unter dem 24. Dezember 1917 eine eingehende Depesche an das Auswärtige Amt ge- richtet, deren Schluß folgendermaßen lautet: .Well ich Grund Hab«, anzunehmen, daß seine(des Professors Harms) Gewährs- und Hintermänner weniger in Dänemark als in Deutschland zu suchen sind, bestehe ich auf einer sofortigen Untersuchung: vielleicht schafft diese endlich Klarheit, auch darüber, welche Subjekte hinter den sett sechs Monaten in der Presse gegen mich getriebenen Intrigen stehen. Eine erfolgreiche politische Tätigkeit ist heute für mich hier aus- geschlossen, wenn ich nicht die Gewißheit habe, persönlich dauernd auch da, volle Vertrauen der Obersten Heeresleitung zu besitzen." Der Inhalt dieses Telegramms ist Eurer Exzellenz unter dem 25. Dezember mitgetellt worden. Am 26. Dezember habe ich in der gleichen Angelegenheit an den Reichskanzler Grafen Hertling einen ausfuhrlichen Bericht erstattet, der Euerer Zufallsmehrheit der Scharfmacher. Dresden, 18. März.(TU.) Der Landtag nahm in seiner gestrigen Sitzung den Antrag der demokratischen Abgeordneten, das Vogtland mit Sicherheitspolizei in ausreichender Weife zu schützen und durch eine Kundgebung an die Bevölkerung zur Kennt- nis zu bringen, daß die Falkensteiner Verbrechen nicht unter die ge- plante A m n e st i e fallen, mtt den bürgerlichen Stimmen an. Die Annahme war, wie des öfteren in der letzten Zett, nur durch ein« zufällige Mehrheit der Bürgerlichen möglich und erfolgte trotz des Widerspruches der Regierung. Erhöhte Belohnung für Ergreifung der Attentäter. Der Reichsentwaffnungskommissar hat die vom Präsidenten des Landgerichis in Plauen ausgeätzte Belohnung von SOOO W. für die Ergreifung der Töter des Falkensteiner Bombenanschlags um2S 000M.clusS0000M.erhöht. Die im vorigen Jahre aus- geworfene Belohnung von etwa 30 000 M. auf die Ergreifung des Max H ö l z bleibt nebenher bestehen. Kusfperrung in Dänemark. Kopenhagen, 18. März.(Ctg. Drahtderichl de».vorwärts".) Um den Widerstand der Arbeiter gegen eine Z0p:ozenklge Lohnherab- fehung zu brechen, haben die Unternehmer heute SO 000 Arbeiter, vor- nehmlich der TerM- und Eisenindustrie ausgesperrt. Kronstadts Zall. Kopenhagen, 18. März.(WTB.) Telegramme aus Helsingfors besagen: Der finnische Grenzkommandant teilt dem Minister des In- nerv in Helsingfors mit, daß ein langer Strom yon Flüchtlingen, von denen der größte Teil Militärpersonen sind, sich über das Ks von Kronstadt nach Finnland bewegt. Das amerikanisch« Rote Kreuz hat die Verpflegung der Flüchtlinge übernommen. General Los- l o w s k i. der sich unter den Flüchtlingen befindet, teille mit. daß Kronstadt am 2. März nach Petersburg die Meldung sandte, man erkenne die zetzige Gewallherrschast der Räte nicht an. In lieber- eiusiimmung hiermit wurde in Kronstadt ein Komitee aus Matrosen und Lrbeftern gebildet. Alle früheren Offiziere boten dem Komitee ihren Dienst an und übernahmen die Lettung de? Opera- ttouen. Am 3. wurde ein Rat gebildet und am folgenden Tage schlugen die milttärischen Mitglieder vor, auf Oranienbaum einen Angriff zu unternehmen. Das Komitee stimmte jedoch diesem Vorschlage nicht zu. Nachdem man auf diese Weise oersäumt hatte, zum Angriff überzugehen, richtete man sich auf die Verteidigung ein. iit Luöenöorff. Exzellenz auf meinen ausdrücklichen Wunsch am 1. Januar 1918 zur Kenntnis gebracht worden ist. Dieser Bericht schließt wörtlich: »Ich weiß sehr wohl, daß manchen Herren bei un» die Polittt nicht behagt, die ich i» Dänemark inauguriert habe; da sie die Er- folge dieser Polftik aber nicht abstreiten können, versuchen ste jetzt, mich persönlich zu verunglimpfen und als fubver» fives Element zu verdächtigen. Ich überlasse es beruhigt dem Urteil der Geschichte, zu entscheiden, wer dem Land« und der Krone treuer und uneigennütziger gedient hat— diese Herren oder ich." Der Fall Harms wurde für mich erst bestiedigend er- ledigt, nachdem ich dem Reichskanzler gemeldet hatte, daß ich meinen Abschied einreichen werde und entschlosien sei. mein Rücktrittsgesuch vor Seiner Majestät dem Kaiser persönlich zu begründen. Ich habe gleichzettig eine Ehrenerklärung Euerer Exzellenz verlangt, die Sie in der von mir geforderten Form abgegeben haben. Ihre an den Grafen Hertling gerichtete Erklärung lautet wörtlich: »Euerer Exzellenz spreche ich für die im Interesse einer Bei- legung der Angelegenheit unternommenen Schritte meinen Dank aus. Ich bitte den Herrn Kaiserlichen Gesandten Vrockdorfs-Rantzau wissen zu lassen, daß das ihm von der Obersten Heeresleitung, und insbesondere von mir persönlich, bisher stets entgegengebrachte Der- trauen durch die Berichte des Professors Harms inteinerWeis« erschüttert worden ist." Diese Erklärung ist von Euerer Exzellenz am 17. Mai 1918 abgegeben worden. Die Borgänge, die m dem Artikel »Der Zwang im Kriege" erwähnt werden, haben sich im Jahre 1917, also ein Jahr früher, abgespielt; ich muß annehmen, daß sie der Obersten Heeresleitung bekannt waren, ebenso wie die Rolle, die ich dabei gespielt hoben soll, und die keineswegs der Darstellung ve» Herrn Wirth entspricht. Trotz der mir noch 1918 schriftlich gegebenen Versicherung Ihres persönlichen Vertrauens und des Vertrauens der Obersten Heeresleitung weigern Euere Exzellenz sich jetzt aber, mich vor dem Verdacht des Hochverrats» der in der Äeußerung des Herrn Wirch erblickt worden ist, zu schützen und zu erklären, daß es Ihnen ferngelegen habe, mich des feigsten Verbrechens zeihen zu wollen. Ich überlasse es dem Urteil der Mit» und Nachwelt, darüber zu entscheiden, ob Euerer Exzellenz Tätigkeit während und nach dem Kriege dem beut« schen Volke schließlich nützlicher gewesen ist al« meine Arbeit. Leider bin ich z u s p ä t in die leitende politische Stellung berufen worden, sonst hätte ich versucht, Euerer Exzellenz da s Eingeständsnis zu erleichtern. daß nach der verunglückten Offensive im Juli 1918, wenn nicht schon früher, der Krieg für uns militärisch verloren war. Ob Euerer Exzellenz sich bewußt oder unbewußt dieser Erkenmms verschlossen haben, weiß ich nicht; diesen Entschluß nicht gefunden zu haben, bleibt die ungeheure Ver» antwortung. die Sie vor dem deutschen Volte und der Geschichte tragen. Durch die Angriffe im„Militär-Wochenblatt" war ich zu meinem riefen Bedauern genötigt, die Rolle, die Euere Tp» zellenz und ich w der Schicksalsstunde des deutschen Voltes gespielt haben, vor der Oeffentlichkett darzulegen. Dabei habe» wichtige vaterländische Interessen mich abgehalten. Bor» aänge zu erwähnen, deren Erörterung dem Lande nachteilig sein könnte. Bis heute habe ich diese Rücksicht bei der Abwehr der Angriffe gegen meine Person beobachtet und hoffe, daß es mir möglick, fein wstch» diese freiwillig Übernommene Schweige- Pflicht auch in Zukunft zu üben. Das Vaterland steht über der Person. Berlm, den 18. März 1921. gez. Brockdorff-Rantzau. Die Angriffe der Kommunisten wurden jeden Tag erneuert: den letzten Angriff tonnte man nicht zurückweisen. Nach anderer Meldung soll Trotzkis erneutes Amneftiean- gebot die Kapitulation beschleunigt haben. Tschechische Krise. Nach einer Präger Drahiung des»B. T." fordert die tschechische Presse fast einmüiig die Auflösung der vor einem Jahre gewählten Nationalverianimlung und Ausschreibung von Neuwahlen, sowie den Riickiiitt der Veamtenregierung, bin der Bereits die Minister für Handel und Finanzen abgedankt haben. Das Parlament bat mit großer Majorität gewünscht, das stehende Heer durch Miliz zu ersetzen. Der Staat mutz auf Enteniedittot allgemeine Wehr« Pflicht haben. In den Kommunisteuprozessen wurden bis jetzt an ISO Jahre schweren Kerkers verhängt. K. P. Tsch. Der Reichenberger Parteitag hat programmgem-itz die Koo». munisiische Partei gegründet, aber nicht— wie Moekau und feine Reichenberger wünschten— die einheitliche, gemeinsame, über» nationale, sondern nur die»Deutsche Abteilung". Die tschechischen Linkser zögern noch._ Revision des Debs-prozestes! Washington, 18. März.(HavaS.) Präsident Harding bat de« Attorncygeneral etittcht. den Fall des wegen Kriegsgegnerichaft auf zehn Iahre in» Zuchthaus gesteckten Soiialistenführers Eugen D e b S zu prüfen. Debs war bei der Ptäsivenienwahl wiederholt sozialistischer Kandidat. Beschlagnahme einer»Roten Fahne". Am Freitag erschienen Kriminalpolizisteu in der»Roten Johne", um die noch vorhandenen Nummern der Morgenausgabe zu beschlagnahmen. Den Anlaß zu dieser Beschlagnahme gab noch TU. der Artikel»Eine klar« Antwort". Der Betrieb wurde von der Krim nalpolizei besetzt, um die Herausgabe der Kopfblätter zu verhindern. Nach einigen Stunden entfernte sich die Polizei. Trennung von Staat und Kirche in Reuh j. L. Die Trennung von Staat und Kirche in Reuß jüngerer Linie steht nach Meldung der TU. unmittelbar bevor. Das Staatsgesetz ist für die nächst«» vier Wochen angekündigt. Die verfassunggebende Synode der evangelischen Landeskirche hat den Landestirchenrot an Stelle der staatlichen Kirchenleitung bereits gebilligt. Er bt* steht aus dem künftigen Landesoberpfarrer und zwei Laien. Ein ständiger Synodalausschuß von vier Mitgliedern bildet mit ihnen den erwesterten Landeskirchenrat. Der Derwattungstrennung wird die finanzielle Trennung von Staat und Kirche folgen. OewerMostsbewegung verbanöstag üer mittleren Postbeamte«. Bom 14. bis 1ö. März hielt der Verband dentsiber Post- und Telegraphenbeamien im Lebrervereinsbaus einen außer» ordentlichen VerbandStag ab, zu dem aus dem ganzen Reiche, einicdließlich der süddeulfcden Länder. Vertrete, entsandt waren. Die Verhandlungen standen unter dem Eindruck der den mittleren Poslbeomien durch die BesoldungSordnung zu- gelügten Zurückietzung gegenüber gleichzubewertenden Beamten- gruppe» aller anderen ichs-. Staate- und Gcmeiudeverwal- tungen. Der Verbandsvoi sitzende@011 schal f schilderte in eingebender Weise den Leidensweg, den die Postbeamten seit einem Jahr- zehnr durcblauien hatien und den kaum glaublichen Widerstand, der insbeiondere im Reichsfiiranzministerium zu suhen iei. Die neue Personalordnung, über die der zweite Verbandsvorsitzende Schneider berichtete, wurde einstimmig ab« gelehnt und eine sofortige Revision gefordert, die auch vom Vertreter des Reichspostministcrs, Staatssekretär Teule, zugeiagt wurde. In einem eingehenden Referat berichtete das Vorstandsmitglied Gronefeld über Veamtenräte und B e a m t e n l a m m e r n. Seit einem Jahre warte die Beamlenichaft nun aui die im Art. 130 der Reichsversassung zueikannlen Beamlenverlretungen und es bestehe die Ge'ahr, daß dieies Gesetz nur verschleppt werde, um es bei passender Gelegenheit r n der Versenkung verickwin- den zu lasien. Nachdem dre Personal- und Besoldungsreform verabichiedel sei. müsse sich die gesamte Beamtenschaft mit ihrer ganzen Ärail tür ihr verbrieftes Recht einsetzen und Beamten- verrretungen fordern, die der neuen Zeil Rechnung tragen und es der Beamienschail ermöglichen, an den Ausgaben ihrer Verwaltungen als denkendes Glied längen Anteil zu nehmen und den Beamten das geiesliche Recht geben, bei der Regelung der persönliche» Dienst- verhallnisie milbeftiminenden Einfluß zu sichern. Einmütig kam znm AliSdrnck. daß die Kammern abzulehnen seien, da die Beamten- schafl mehr denn je ihrer festgerüaten. auf einem einheitlichen Willen beriibenden Organikaiionen im Kampi nm die Lebensbedingungen bedürfe. Grund'äylich wird das Mitbestimmungsrecht in allen Aiigelegenheite» des persönlichen DienstveihältnisieS verlangt, desgleichen paritätische SchlichiungSauSschgsse rn Angliederung an die im RegierungSentwuri vorgesehenen Haupt- beomieniäie. Im Rahmen des gewährten MiibestimmungSrechtS wird auch die Mitverantwortung von der Beamtenschaft freudig übernommen werden._ Der Schiedsspruch für die Klavierindustrie. Die Klavierarbeiter nahmen am Donnerstag zu dem von uns bereits veröffentlichten eigenartigen Schiedsspruch des Schlichtung»- ousfchusfes Groß-Berlin Stellung. Der Schiedsspruch hatte für die Zeit bis zum Abschluß eines neuen Tarifvertrags einen Zuschlag von 5 Proz. aus die Löhne und Akkordsätze zuge- billigt, zugleich aber das frühere Abkommen über eine Wirtschafts- hechilfe von 10 Proz. für abgelaufen erklärt. Das tatsächliche Ergebnis ist also ein Weniger von 6 Proz. Dorn berichtete über die Verhandlung und den Schiedsspruch sowie über die Stel- liMgnahme der Branchenkommission. Diese ist zu dem Schluß ge- kommen, zu empfehlen, den Schiedsspruch anzunehmen, wenn er auch durchaus nicht b»friedigt und keineswegs den ge- rechten Forderungen der Arbeiter nachkommt. Abzuwarten wäre dann, was die Verhandlungen über einen neuen Tarif, die einzu- leiten der Schiedsspruch den Parteien aufgibt, ergeben. Nach einer Diskussion wurde der Schiedsspruch des Schlichtung»- ausschusfes von den Bersamme'ien gegen wenige Stimmen a n g e« st o ntm est. Der Protest der Unabhängigen gegen die w einer früheren Per- fammlung getätigten Wahtea iut Branchenkommission, die sich danach aus 1 9 S.P.D., 9 K.P.D. und 2 U.S.P. zusammen- setzt, wurde nach längeren Erörterungen von der Bersammlung a b- gelehnt._ Kampf in Pommern? Im ReicbSarbeiiSministc'rium fand eine Belpreckning für Her. beisübrung neuer Taritvertiäae der vommericben Landwirtschast statt da die besteb-nden V�i träge mit Monats- kcbluß größtenteils ablausen. Die EiniaimaSvorschIäge wurden von den Gewerkschaften unter Ziirückstelllnig arundiätzlicher Bedenken anyenommen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an dem Standpunkt des Bommers-ben Land- b u n d e s, der jede fleme'n'ame Arbeit mit den Gewerkschaften so- lange ablehnt, bis die Frage der Tarifveriraossäbiakeit seiner Arbeiinebmergruppe in dem von ihm gewünschten Sinne ent- schieden wäre. Zur Zlbstimmnnq der Berliner.�olzarbesker. In einer vor den Kommunisten verlanaten Urabstimmung haben die Holzarbeitcr ihre Stellung zur Maskauer Gewerkschafts- zentrale bekundet. 6518 stimmten für Moskau und 10 717 da- gegen. Die kommunistischen Berwaltungsmitglieder waren bei Ihrer Wahl für ei"e jedesmaliae Abberufung der Führer, wenn die Mehrheit der Wähler mit ihrer Taktik nicht mehr einverstanden ist. Da nun die Mehrheit gegen ste entschieden hat, soll ihr Grund- satz nicht mehr gelten. Sie sträuben sich gegen die Abberukung. Die Wahl der Mitasieder zur Ortsverwoltung muß in einer zweiten Urwahl am 24. und 25. Marz, und zwar durch Stichwahl zwischen der kommunistischen und der unabbänalaen Liste vorgenommen werden. Die mehrheitssozialistischen Mitglieder haben !.u entscheiden, welche der beiden Richtungen die Ortsoerwaltung be- etzen soll. Gleichzeitig mit der Ortsvermattimg werden die Delegierten zum Berbandstage gewählt. Bei dieser Wahl entscheidet die einsacke Mehrheit Da die Kommunisten bei der letzten Urwahl als stärkste der drei Richtlinaen hervorgingen, können sie alle 27 Mandate in ihre Hände bekommen Darauf hoffen sie auch. Sie treffen alle Dorbereitungen, um aus dem Berbondstag den ganzen Verband unter kommunistische Herrschaft zu bringen. Zu diesem Zweck haben sie eine Reichskonferenz der Holzarbeiter ein- berufen. Die S.P.D.-Fraktion beruft zu Montag, VA Uhr. eine Holz- arbeitei Versammlung nach dem großen Saale des Gewerkschafts- Hauses ein und ersucht alle Genosten, für guten Besuch der Wer- fammlung zu sorgen. Alle Branchen und alle Betriebe müssen oer- treten sein. Auch NichtParteimitglieder sind eingeladen. Maler, Lackierer, Anstreicher! Am Sonntag, den 20 März, vormittags von 10 bis 1 Ubr, sindet in den bekannten Bezirkslokalen die Urabstimmung über l die Erhöbung der Beiträge statt. Kollegen! Wer für das Weiter« ! bestehen, für die AktionS'äbigkeit und innere Festigiing unserer Organisation ist, gebt am Sonntag zur Ilrabstiinmiing lind stimmt für die Borlage des Berbandsbeirates, der Lrisveiwaltung und der Betriebsräte Berlins._ Die Ortsverwallung. Die Transportarbeiter im graphischen Gewerbe nahmen in einer Branchenversammlung den Jahresbericht des Kollegen P o d u b r i n entgegen. Er schilderte die schwierige Situation, in welcher sich die einzelnen Gruppen der Branche befunden haben. Daß nicht alle ' Wünsche der Kollegen erfüllt werden tonnten, siege nicht an d« Leitung der Branche, sondern an der Unentschlossenheit der Kollegen, die auch den Arbeftgebern nicht unbekannt ist. Die Diskussion gab dem ernsten Willen Ausdruck, im Sinne der Amsterdamer Internationale praktische Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Wenn es auch hier und da den Anschein hafte, als ob nicht alle Wege und Mittel erschöpft wurden, so wurde doch von fast allen Rednern anerkannt, daß dies nicht auf ein Bersoaen der Branchen- leftunq, sondern ans die überaus schmierigen wirtschaftlichen und politischen Berhältnilse zurü-ezufübren sei. Die Neumahl der Bronchenleitunq hotte folgendes Resultat: 1. Bronchenleiier: Podubrin, 2. Branchenleiter: Butzin, Schriftführer: B o l t m a n n. Der neugewällfion Leitung wurde eine Entichließ'inq an das gronvitcke Kartell überoeben, in der gefordert wird, daß die Trans- vortarhefter und-arbeit-rinnen des graphischen Gewerbes zu samt- llchen Sißunoon und Berhandftingen des Kartells Vertreter des zj-(jT--tirii,tarbeUerverhflndes entsenden dürfen. Weiter werben die Beritssorianilaftonen der technischen Kvl- leaenichoft ersucht, bei o""» Tari'nerhandlunqen auch dem Vertreter der ll'>-gnsv»rtnrbeiter S'b und Stimme zu geben. Ferner beschloß die Versammlung ae»en drei Stimmen, ein« Vranchenmarke im Werte van 30 Pb einzuführen, die jede Kolleain nnb j-der Ka"»»- der grovhischen Branche allmonatlich zp entnebmen hat. Die Marken wenden durch die Bertrauensleut- ausaeaeben. Der bierdurch aes-baftene Fonds soll dazu dienen, dir Agitallonsmäasichkoiten innerbalb der Branche zu erweitern. Auskunft in allen Verbaulc-xuartegenbellen erteilen die Kallegen Podubrin. Enaelufer 14'15. Zimmer 3811; Volkmann. Engel- , nfer 14'15, Zimmer 3a ncirt. Aallegen I Holtet zusammen, denn nur eine geschlostene elnbeit- ticke Oraanlsation ist imstande, E"re Lebenshaltung zu verb-stern, und das kommende Jahr braucht Kämpfer und keine Schlafmützen! Die Fisials Borst n des Verbandes der Kupserschmiede beschäf- tiate sich in der am' Mittwoch im Gewerkschoftzhous stattqefundenen Bersammluna mit der Waat eines Geschäftsführers. Der bisheriqe Geschäftsführer Kollege Kübne ist als Stadtrat für das Bezirksamt„Mitte" gewäblt worden. Als Nachfolger wurde Kollege Paul F l e t s ch m a n n- Newawes bestäftgt. Di« Kollegen der B.K.P D. gaben weiße Stimmzettel ab. da die nominierten Kandi- daten nicht ihren Tende«zen entsprächen. Außerdem wurden noch einige Bezirks- und Berbandsangelegenheiten erledigt. Ein Antrag der V.K.V D., eine Extraoersammlunq mit dem Thema„Moskau oder Amsterdam" einzuberufen, wurde abgelehnt. S«w«r!l-e»st».UuterI»mmllli-» Sonnt-,«, t Uhr, auf dem Wil» helmoplatz E-tentsei« für di« Opfer des«app-Putsches. Drutfcher Snt-rbrttrr. verband. Montag abend 7 Uhr bei Sckmlz,«m HS- nig-graben 2, Versammlung aller In der Pugbranche beschäftigten Rollegen. Tagesordnung: Soll der Tarif gelllndigt werde»? Deutscher Tran»? ortarbeiter- Verband. Ardeiter des Einzelhandels. Sonn» tag vormittag 10 Uhr im G-wertschaitshause Mi,«licd-r-«rsaminlung. Bekannt. gäbe des Aistimmungsr-iultats betreffead«treil.— Technische, Bllhnen. personal. Sonntag vormittag, pllnltlich 9 Uhr, Ml Sewerlfchastsh-U-, Saal b, Mitgliederversammlung. Verantw«tr den redalt. Teil- Tr, Veruer«eiser. Tbarlottendurg: Nlr tl�elgen: Tb Glocke, Verlin, Verlag: vorwänZ-Verla» S, m, b, H. Veriin Druck- Vor- wärts-Vuibdruckerei u. VerlaaSnnlralt Vanl Tinaer u. Tv.. Lerlc.g, Linde utr. Z, vier,» 2 Beilagen. Mmanol vor- \ füglich bei rheumatischen Erkrankungen Zu n-ben In fen Aoot'-eken lüa'aü» ! 5 5 5 8 5 5 d 5 d 6• bckel r« w Aufruf! Arbeiter und Angestellie Berlins! Eure Not an Ober- und Unterkleidung zu lindern und gleichzeitig Euren Kollegen der Be- kleidungsindustrie Arbeit zu schaffen, hat der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund die Warenversorgung der Mitglieder in die Hand genommen.— Deckt Euren Bedarf in Wäsche, Trikotagen und Girümpfen aller Art in Herren- und Lünglingsbekleidung aller Art in Schuhwerk aller Art bei den durch die Berliner Gewerkschastskommiffion eingerichteten Verteilungsstellen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes: Zimmerstraße 68 Engelufer 21(Transportarbeiter-Berband) Sebastianstraße 37/38 Karlshorst-Waldsiedl., Hegemeisterweg 54 Brunnenstraße 185 Charitestraße 3(A.e.g. Konsumverein) r»«WDVUWMAWWGe»»WMUMD»»U»AaMWWVaMM»I»U»w««U»wU»M>»,»«,»»,»»»»»»»»»»» t Abgabe der Ware erfolgt nur gegen Nachweis der Mitgliedschaft! llnlerMl Alle Sure Sewerkschasl bei diesem gemeinnützigen Wer! der Selbsthilfe! Asabund(Ortskartell) & A.: Flatan. Gewerkschaftskommission Berlins u. Amgegend. 3. A«: S a b a t h. w 1 5*•„ �