Nr. 154 ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 67 Bezugspreis z BierttljShrl. SO.— 9JL, mnnaü. 10,— SR. frei ins Hans, voraus zahlbar Post- bezujj: Monatlich 10,— M. einidjL gu- ftellungsgeblllir. Unter Kreuz band füx Deutschland und Oesterreich IkA) 3S* für das übrige Ausland bei täglich eitmial. Zustellung UM M Poftde» ftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho-Ewwalet, Däne- mar!. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweix.- Eingetragen in öle Vost-Zeilungs- Preisliste Der»Vorwärts" mit der Sonntag»- beilege.Boll und zeit" und der Unter- haltungsbeilage Leimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntage und Montags einmal. 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Obschon auch in den Mittagsswnden des Montag noch keine endgültigen Resultate von der oberschlesischen Abstimmung vorliegen, so lasten die bisher eingelaufenen Einzelmeldungen doch mit einer sicheren deutschen Mehrheit von mindestens 6V Proz. rechnen. Berliner Morgenblätter, die zunächst nur die Meldungen aus den hauptsächlich deutschen Kreisen und Städten vorliegen hatten, haben bereits von „glänzendem"' oder„überwältigendem"' deutschen Siege ge» sprachen. Bor Uebertretbungen kann jedoch nicht ernst genug gewarnt werden. Das oberschlesische Abstimmungsgebiet ist nicht von ein- heitlicher Struktur, weder in nationaler noch in Wirtschaft- ltcher Beziehung. Rein deutschen Kreisen und Städten stehen große Industriegemeinden gegenüber, die hauptsächlich von polnischsprechender Bevölkerung bewohnt sind. Aber wenn man die bisher vorliegenden Zahlen aus den verschiedenen Distrikten zusammenrechnet, so ergibt sich trotz des polnischen Terrors und der lang andauernden gewalttätigen Propa- ganda ein sehr erfreuliches Uebergewicht der deutschen Stim- MHy, so daß man mit gutem Gewissen von einem weithin sich tbaren Siege der deutschen Sache sprechen kann. Wie an anderer Stelle zu lesen, stehen bisher etwa 530000 polnischen Stimmen nind 750 000 deutsche gegenüber. Wenn es nacy Recht und Billigkeit ginge, so wäre durch diese Bolls- abstimmung das Schicksal Oberschlesiens entschieden. Es wäre jedoch verkehrt, wenn man sich heute schon in Siegesgefühle einlullen wollte. Denn nach dem Friedensverträge kann und wird wahrscheinlich die Entente den Versuch machen, die ober- schlesischen Grenzen neu festzusetzen unter Berücksichtigung der gemeindeweisen Abstimmung und der Wirtschaft» l i ch e n Beziehungen. Das sind sehr dehnbare Be- griffe, und wir können nach allem Borgefallenen nicht das Vertrauen haben, daß die Entente-Staatsmänner diese Dehn- barkeit nicht zugunsten Polens zu verwenden beabsichtigen. As-er es muß doch schon unter dem ersten Eindruck der Abstimmungszahlen mit aller Klarheit ausgesprochen werden, daß für Deutschland die oberschlesische Frage eine einheitliche Frage ist, und daß jede Teilung Ober- schlestens im Angesicht dieser Volksabstimmung als eine B e r- letzungdesFriedensvertrages empfunden werden wird. Die Oberschlesier im Reiche, die zu �underttausenden in ihre Heimat geeilt waren, haben die Mühe dieser Abstim- mungsfahrt nicht unternommen, die Deutschen. in Oberschlesien haben den polnischen Terror nicht monatelang ertragen in der Voraussetzung, daß das Ergebnis der Abstimmung schließlich umgebogen werden dürfe zugunsten der Polen. Wir wollen deshalb heute schon neben unserer Freude über den deutschen Erfolg auch die Erwartung aus- sprechen, daß er als solcher anerkannt und vom Obersten Rat bei der Festsetzung der Grenzen respektiert wird. Ober- schlesien ist ein einheitliches Wirtschaftsgebiet und muß es bleiben. Jede Zerreißung würde es in seinem Gesamt- werte mindern. Das muß man auch in Paris gelten lasten, selbst im Interesse der Polen, von denen sehr viele offen aus- . gesprochen haben, daß sie entweder das ganze Oberschlesien oder gar k e i n s haben wollten. -Wenn jetzt eine für oberschlesische Berhältnisie außer- ordentlich beachtliche Mehrheit sich für das Berbleiben dieses Landesteils bei Deutschland ausgesprochen hat, so dan- ken wir das nicht zuletzt der Tatsache, daß das wilhelminische Unterdrückungssystem des Hakatismus beseitigt und an seine Stelle die Republik getreten ist, die auch den sprachlichen Minderheiten ihre Rechte gewähren wird. Lange Zeit vor dem Weltkrieg und vor der nationalisti- scheu Ueberhitzung Europas, hat I a u r d s das Wort von der Nation geprägt, die das Schatzkäst lein der Völker sei. Und nichts anderes ist uns der Begrifs„Vaterland", als die Zusammenfassung aller Menschen mit gleicher Sprache und gleichen Sitten zu einem einheitlichen Staatsgebilde, in dem es erst möglich ist, die körperlichen und geistigen Fähig- keiten feiner Bewohner aufs höchste zu vollenden, um die Früchte der Arbeit und der Wissenschaft im friedlichen Verkehr mit allen Böllern auszutauschen und sie allen Staaten teil- hastig werden zu lassen Wir brauchen unsere Baterlands- liebe und unsere Treue zur Volksgemeinschaft nicht auf allen Gassen und Märkten auszuschreien! Wenn wir unsere Wäl- der und Felder sehen, unsere Städte und Fabriken, unsere Technik, unsere Kunst und die Werke unserer Dicker und D-vkpr. dann wissen wir, was Nation und Vater- rand ist. "Zm Gleiche erleben wir bei allen anderen Völkern. In- 1»em wir politische, wirtschaftliche und soziale Freiheit und Gleichheit für alle Bewohner unseres Landes fordern, verlangen wir sie ohne Unterschied für alle Staaten und sehen in solchem Nationalismus die Internationale der Völler, dl« nicht in Rasienverhetzung und blutigen Kriegen, sondern öisher 74�000 deutsche, 555000 polen! Aus den vielen Einzelmeldungen lassen sich bis l l Uhr vormittags folgende Gesaniiergebnisse errechnen: Es sind bisher gezählt worden 743 000 deutsche und 553 000 p o l n i s m e Stimmen. Die Ergebnisse aus den Ewzelkreisen stellen sich wie folgt: Deutsche polnische Stimmen Ro'eaberg Stadt und Land... 24 200 11 400 Srenzbnrg......... 43 000 2 300 eubiioih.......... 13 100 13 300 Tarnomih......... 17 600 27 000 Groh-Strehlitz.;...... 22 500 22 900 Odergtogau......... 32 700 4 500 Solei........... 63 300 11 700 Sleiwih Stadt and Land.... 58 000 32 000 Leobschütz......... 65 000 300 Rattbor Stadt und Land.... 4S 700 20 700 Sattowih Stadl und Land.... 76 400 69«00 Söoiqshntte......... 31300 10300 Beuchen.......... 73S00 72 500 Hiudenburg......... 45 200 43 000 Oppeln Stadt und Land....«1 009 36 000 pteß........... 14 400 41 000 Rytmtt........... 28 000 50 000 Zufolge der Erschwerung des Nachrichtendienstes stad diese Zahlen noch uicht als die endgültigen zu befrachten. im friedlichen Austausch der Arbeit die Menschheit zu immer höheren Stufen hinanführt. Wäre solches die innere und äußere Politik Europas vor 1314 gewesen, wir hätten keinen Weltkrieg gekannt, noch eine oberschlesische Ab st immun g. Die Dreieinheit des Kapitalismus, Militarismus und Imperialismus brachte uns das Völkermorden: Preußens„Glanz und Gloria" den S ch i ck s a l s t a g von Oberschlesien. Daß in Versailles der Volksentscheid überhaupt nur an- geordnet werden konnte, verdanken wir dem Unrecht und der Gewalt, die unter der wilhelminischen Aera den Oberschlesiern zugefügt wurden. Wir verdanken es jedoch nicht minder den rücksichtslosen und profithungrigen Grubenbesitzern und L a n d b a r o n e n, die die billigen und anspruchslosen polnischen Arbeiter ins Land ge- rufen und Hunderttausende von deutschen Proletariern aus der Heimat nach den rheinischen und mitteldeutschen Jndu- striebezirken gejagt haben, wo sie qnfänglich als Lohndrücker gebraucht wurden. Es läßt sich nicht leugnen, daß in Ober- schlesien in großer Menge eingewanderte Polen sitzen und daß ein erheblicher Teil der dortigen Bevölkerung angewidert und erbittert über die ehemalige Unterdrückungs- Politik den Kopf nach Polen drehte, als dieses neu erstan- den war. Niemand verkennt die beutigen polnischen Aoitations- Methoden des Terrors und der blutigen Gewalt. Sie allein werden jedoch nicht die polnischen Stimmen erklären und sie werden sich vor ollem an den Polen selbst rächen. Es gibt in Oberschlesien eine polnische Bewegung. Wenn sie nicht die er- warteten Früchte brachte, wenn in den letzten Wochen die Stimmung für Deutschland beträchtlich gestiegen und über hunderttausend Reichsdeutsche begeistert zur alten Heimat zogen: die Republik hat sie getrieben, die wirtschaftliche, soziale und freiheitliche Erkenntnis. Wenn Oberschlesien gerettet wird, geschah es nicht mit alldeutschen Haßgesängen und Kladderadatsch- fraßen. Die Republik wird es getan haben, die Höhe der deutschen Wirtschaft und die sozialen Gesetze, im Gegensatz zur polnischen Unfreiheit, zur polnischen Mißwirtschaft und zur polnischen Rückständigkeit. Das Heer der P r o l e t a r i e r im Landq, wie die Armeekorps der Zugereisten gingen zur Urne als Deutsche, die zugleich ihre Stimme abgaben für die B e r- s ö h n u n g und den Wiederaufbau Europas. In der„Deutschen Tageszeitung" suchte vor etwa einer Woche ein ostclbischer Rittergutsbesitzer polnische Landarbeiter. Es war kein Zilsall. Der ehemalige Zsntrumsab- gsordnete Graf Oppersdorf und das sehr zweifelhafte Verhalten zahlreicher Industrieberren und vor allem des Land- adels, liegt auf der gleichen Linie. Es mußte erst die Land- vcrteilungskomimssion Konfantys kommen, um die Fürsten ! und Prinzen zur Umkehr zu zwingen, die alles andere ist als Patriotismus. E? wird nach dem oberschlesischen Entscheid noch manches andere Wort gesagt werden müssen. Das eine ist jedoch gewiß: Oberschlesien wird in jedem Fall für Deutschland eine harte Aufgabe bleibe«. Die ehemaligen Berpreußungsversuche und der jetzige Wahlkampf haben Land und Boll schwere Wunden geschiagen. Die nationalistische Verhetzung und der Terror werden lange nachwirken. Sie werden nicht durch Unternehmerwillkür urtd nicht durch die Methoden gehellt, wie sie in dem Inserat der„Deutschen Tageszeitung" gekennzeich- net sind. Bleibt Oberschlesien deutsch— wie das ohne Vergewaltigung der Bollsabstimmung nicht anders sein kann—, so gilt es ein Beispiel für Europa zu geben, wie der Frieden und die Wohlfahrt einer gemischtsprachigen Bevölkerung ge- währleistet werden können. Es sind die gleichen sozialen Ge- setze und die gleichen Rechte, für die die Arbeiterschaft jähr- zehntelang im Dreiklassen- und Obrigkeitsstaat gekämpft hat. die jetzt allein die Rettung für Deutschland bringen können. Die oberschlesischen Wunden können gleichfalls nur durch diese Behandlung geschlossen werden. Oberschlesien ist zum zweit- wichtigsten Industriegebiet unserer Heimat geworden. Ohne seine Bodenschätze und ohne seine Arbeit können wir nicht leben, kann Europa nicht gesunden. Sorgen wir, daß der künftige Ertrag der oberschlesischen Arbeit in der Tat der All- g e m e i n h e i t zufließt. Nicht für Unternehmerprofit gingen die arbeitenden Klassen zur Wahlurne und nicht um Revanche- gedanken gegen irgendeinen Staat sind Zehntausende aus den Fabriken von Berlin, Essen oder Halle nach Myslomitz oder Benthen gefahren. Seit 1914 zeigt sich in allen Stürmen, „daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war". Er verlangt keinen Dank und Lohn, aber das Recht auf seine Arbeit und auf seine Ideen, die allein die wahrhaft vaterländi- scheu sind, wie es sein großer Lehrmeister Iaurds so treffend gesagt._ Der �bftimmunssstog. kiattowih, 20. März, abends 7 Uhr.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts":) Der weltgeschichtliche Vorgang, die 21 b st i m m u n g um Oberschlesiens Zukunft, ist bis zur Stunde ruhig ver- laufen. Das ist insofern unerwartet, als in den letzten Tagen vor der Wstimmung von polnischer Seite noch eine ganze Reihe von Ge- walttätigkeiten gröberer und minderer 2lrt zu verzeichnen geroefen waren. Die Bevölkerung atmet wieder auf. Schon in den ersten Morgenstunden wanderte man scharenweise zu den Wahlurnen. Die Industrieortschaften, durch die ich kam, boten das Bild der Parka- mentswahlen, nur daß die Straßen infolge des sonntäglichen Ver- kehrs, der Einschränkung des Gasthausbetriebes und der zahlreichen Zlb�immungsgäste noch belebter waren als sonst. Die überraschend .starke Teilnahme der einheimischen und auswärtigen Bevölkerung � geht aus der Tatsache hervor, daß schon in den frühen Abendftun- den eine Wohlbeteiligung von 90 bis 97 Prozent, nach der Stichprobe einzelner Wahlbureaus, festgestellt werden konnte. Dabei schließt die Abstimmungszeit um 8 Uhr abends. Auf dem Lande dürfte es nicht viel anders sein. Auch dort drängte sich das Volk schon in den ersten Morgenstunden zur Stimmabgabe. Die «der auswärtigen Stimmberechtigten schien anfänglich infolge der Be- 'schlagnahme der Kraftwagen durch die Interalliierte Kommission und durch polnischen Terror bedroht zu sein, vollzog sich dann ober ebenfalls glatt. Ucbergriffe konnten bisher bis auf einen oerein- zelten Fall nicht festgestellt werden. Die Interalliierte Kommission hat in letzter Stunde noch einige wenige Landortschaften wie Mycho- witz, Bittkow u. a. mit militärischem Schutz versehen. Sonst wurde die Sicherung der Wahl nur durch Patrouillen besorgt. Nicht ein- mal die Abstimmungslokale waren vielerorts im Laufe des Tages besonders geschützt. In Kattowitz wurden Tanks aufgestellt, um im Notfalle eingreifen zu können. Im Laufe des Tages war— wie erwähnt— nur eine einzige größere Störung des Abstlmmungsaktes zu verzeichnen. Im Dorfe Brünow bei Kattowitz wurden die Deutschen an der Stimm- abgab« verhindert. Der Dorfall wurde durch Entsendung eines Kommandos erledigt. Man darf jedoch hoffen, daß die Ab- stinimung mit ihrem ungeheuren Menschenaufgebot nicht noch nach- träglich unwirksam wird, nachdem bei der Stimmabgabe alles ae- klappt hat. Das trübe Wetter des Vormittags, das das ganze In- dustriegebiet in graues Dunkel gehüllt hatte, wich nachmittags strah- lendem Sonnenschein. Dos sollten die Heimattreuen und Sokols als Vorzeichen auffassen. ?ie Rückkehr beginnt. Breslau, 21. März.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts") Der Rücktransport der Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche hat begonnen. Zahlreiche Abstimmungsberechtigte sind bereits gestern und heute vormittag mit den regelmäßig ver- kehrenden Zügen wieder in Breslau eingetroffen und zum Teil schon aus dem Wege nach Mittel- und Westdeutschland. Heute mittag um 1.22 Uhr trifft der erste für die Abstünmungeberechttgten allein reser- vierte Zug in Breslau ein. Die Stimmung der Abstimmungsberech t igten, die bisher wieder eingetroffen sind, ist gut und zuversichtlich. HS Prozent Deutsche in öen Stäöten. Sattowih, 21. Itidij.(KJIB.) Das Pl-biszikkommissarZat fa' Deulschlaad glbk befnantj Troh des ungeheuren polnischen Ter- rors, der ohne wirksame Gegenmaßnahmen der ZnleraMierlen Kam- Mission geherrscht hat. ist im Industriegebiet eine sicher«, n» Gebiete westlich der Oder eine überwiegende deutsche Mehrheit erreicht worden. Die Städte Myslowltz, Sattowlh, biSnigshütte. Veuthen. Gleiwih. Tarnowitz. Aofcnberg. Rybnik. Creuzburg haben bis 90 Prozent deutsche Stimmen er- reicht. Die Zudustrielandgemcindeu Laurahülte, Siemiauowitz. Schwieukochlowlh. Vismankhütte. hindenburg(Zabrze) haben die erwartete deutsche Mehrheit überlroffen. Während noch in der Nacht zum 20. TRäcj 1921 die Polen mit allen Mitteln der Ein- schüchterung gearbeitet haben, hat sich die Abflimmuagshandlung, so- weit bisher zu übersehen ist. in Ruhe abgewickelt. Kreuüe über üen ftbftimmungssieg. Auf dem Relchstagsgebäude waren heute zur Feier des oberschlesischen Abftimmungssieges vier schwarzrotgol» d e n e Floggen aufgezogen. Gleichzeitig trifft es sich, daß am Heu» tigen Tage der deutsche Reichstag das Jubiläum seines SO» jährigen Bestehens feiert. Da» Beispiel des Reichstages, in den neuen Reichsfarben zu flaggen, soW« von allen öffentlichen Gebäuden nachgeahmt werden. Es ist nun wirtlich Zeit genug gewesen, sich die erforderlichen Flaggentuche anzuschaffen; ein Flaggen in anderen Farben müßte als Zeichen bösen Willens aufgefaßt werden. Es liegt auch gar kein Anlaß vor, die schwarzrot- goldenen Farben zu verstecken. Denn nachdem das Kaisertum die schwarzweißrote Fahne mit militärischen Niederlagen und Z u- s o m menbruch befleckt hat, hat jetzt die Republik die Ehre der schwarzrotgoldenen Farben durch geistige und mora- tische Siege in den Abstimmungsgebieten ge» rettet.» üer Raubplan ftbon fertig? Der Berliner Korrespondent des»Daily Herald* in London telegraphiert seinem Blatt« »Es scheint, daß das Schicksal Oberschlesiens, das scheinbar von der heutigen Volksabstimmung abhängt» in Wirk- llchkeit von ganz anderen Faktoren bestimmt ist. Ich höre, daß der Kanipf um Oberschlcsien sich weniger um die Wohl- fahrt der Bevölkerung als um die in den oberschlesischen Kohlen» und Zinkbergwerken investierten deutschen, französischen und polnische» Interessen dreht. Nach meinen Informationen hat die Interalliierte Kommission in Berlin nach- fragen lassen, wie in den einzelnen Kreisen die genauen Kohlen- Verhältnisse liegen. Zweck dieser Fragen ist, den Wert der ein- zelnen Kreise für die bergmannische Ausbeutung heraus- zufinden und oanach zu entscheiden, welche Teile Oberschlesiens zu Polen kommen und welche bei Deutschland bleiben sollen. Das heißt mit anderen Worten: die Entscheidung über die Teilung Ober- schlesiens ist bereits getroffen durch«in Uebereiokommen der Alliierleu über die investierten Interessen. In der Interalliierten Kommission wird ein Kampf zwischen dem französischen und englischen Standpunkt stattfinden. Frankreich oerlangt, daß lediglich der nördlichste Teil der oberschlesischen Kohlenfelder zu Deutschland gehöre inner- halb einer Linie, die Gleiwitz, Veuthen, Kattowitz mit ihren sich der Erschöpfung nähernden Äohlenfeldern bei Deutschland läßt, aber dgs gesamte übrige Gebiet, auch den Kreis Hindsnbupg. mit feinen vorzüglichen Kohlengruben, Polen zuweist. Nach dem eng- bischen Standpunkt soll Deutschland wenigstens ein Fünftel sewer Kohlenfskder cm Polen abtreten; zu denen, vi« dieses bereits unaus- gebeutet in feinem eigen«, kongreßpolnischen und dem alten öfter- reichischen Gebiet besitzt. Die englische Meinung schreibt also zur Teilung der Äohlenfekder eine Grenzein derLinieLoelau- Kattowitz vor. Für den Rest Oberschlesiens mit seiner lmxdwirt- schasllichen Nutzung interessiert man sich weniger, es sei denn aus strategischen Gründen, um eine gewaltsame Besetzung des Kohlen- yebietes vorzubereiten, falls es dazu kommen soll. Es scheint, daß die Polen bereits Maßnahmen in dieser Richtung getroffen haben. Wen» sich die Mitteilungen des»Daily Herald* bestätigen, so würde das selbst einer sehr weitherzigen Auslegung des Friedens- Vertrages nicht entsprechen, tatsächlich aber der Voraussetzung der Bolksäbsiimmung ins Gesicht schlagen. Wir können infolgedessen Hunger. Eine Erinnerung von Artur Ander». Es war in einem großen Gefangenenlager in Oberschlesten und nah« der Stadt, in der der Hungerpastor groß geworden war. Das Sattesien war zur Erinnerung geworden, zu einer krank- hast-sehnsüchtigen und das bei den Gefangenen ebenso wie bei den Vedeckungsmannschasten. Wohl, man wurde so olle Monat einmal gewogen, es wurde gesunden, daß das Gewicht der Leute stetig ab- nähme und man schrieb darüber an das Generalkommando, aber es half nichts. Nach ein paar Wochen wurde das Brot wieder etwas geringer im Gewicht od-n: es bekam mehr Kortoffelzusatz, und so kam es, daß man am Zweiten Fassungstage bereits weggegesien hatte, was fünf Tage hätte dauern sollen. Liebesgabenpakete halfen aus und die großen Kartoffelfelder der Bauern, die um das Lager herum sich dehnten... Der zweite Vordermann in der zweiten Korpnralschaft hatte Zeit seines Lebens den Hunger nicht gekannt. Wie denn auch? Das waren ja die AUerärmsten gewesen, die im Frieden nicht satt zu essen hatten, und Adolf Reuter, jetzt der zweite Vordermann in der zweiten Korporalschoft, hatte immer genug, reichlich genug. Er hatte das Essen bereits wie einen Zeitvertreib kultiviert. Und nun war er au» seiner engeren Heimat herausgerisien worden und stand hier mit einem alten Einladergewehr auf Wache oder kritzelte in der Schreibstube geistloses Zeug. Und hungerte. Anfangs war es ärgerlich, dann wurde es unangenehm. Er schrieb nach Hause und kaufte mit dem Taschengeld einiges zu. Schließlich ging er zu den Kameraden, die versteckt die Kartoffeln kochten und bettelte mit vorgehaltener Mütze. Und dann kam der Abend, an dem sein seelisches Gleichgewicht erschüttert wurde, und Adolf Reuter, der Mann mit den zweiund- dreißig Iahren, sich seiner selbst und der ganzen Menschheit schämte. Sie saßen in der Baracke und schnitzelten an ihrem Brot herum, vor sich etwas Marmelode. Es wurde nicht viel geredet. Etliche hatten überhaupt nichts zu esien und putzten an ihren Uniformen. Gegenüber Adolf Reuter saß sein Kamerad, der Antke. Der kratzte an seiner Brotschmier« herum, für die er kein Brot mehr besaß, langte dann plötzlich über den Tisch und sagte, halb scherzend, zu Reuter:»Geh, du hast so noch genug!* »Laß!* rief sofort der Bedrohte.—»Ach. bloß ein Stück!* sagt« Antke und packte hastig zu. Da fuhr Adolf Reuter mit einem kurzen Schrei von feinem Eitze auf und hatte das Brot wieder erfaßt. Dieser Schrei, leicht gedämpft, hatte etwas Furchtbares! Es war der Schrsi der ent- blSßt«i. nackten Noturl Ein tierischer Schrei! f nicht annehmen, daß sich ernsthafte englische od« sonstige alliierte ' Politiker mkt diesem Gedanken befreunden sollten Man redet zwar ' davon, daß die Bemerkung Dr. Simons', die Boraussetzung der deutschen Zahlungsfähigkeit wäre das Verbleiben Oberschlesiens bei Deutschland, eine unerfüllbare Bedingung darstelle. Aber man wird sich in diesen sonst doch sehr kühl rechnenden Kreisen selbst sagen müssen, daß«in Deutschlaich, dem man diese für die Industrie und die Wirtschaft nicht nur des eigenen Landes unentbehr- l i ch e n Gebiete unter Beiseitefchiebung der Volksabstimmung weg- nehmen würde, in semer Zahlungsfähigkeit sehr wesentlich beschränkt bliebe. Aus diesen sehr nüchternen Erwägungen heraus vermögen wir nicht daran zu glauben, daß die Mitteilungen des»Daily Herald* wirtlich den Anschauungen der englischen und französischen Staatslenier entsprächen. Ze RvKös Dafelnszweck. Wie dem„B.T.* aus Paris gemeldet wird, berichtet der Sonderberichterstatter der„Ere Nouoslle" in Veuthen: Clemenceau und Mlson hatten sich bereits üb« die territorialen Fragen in Versailles verständigt, ohne daß irgend jemand an Ober- schlesien gedacht hatte. Da begab sich General Le Rond, ein« der Mitarbeit« Fochs, zu Elemenceau und machte ihn auf die Wichtigkeit des Gebiet« aafmerksam. Oberschlesien? Wo liegt dos? fragte Elemenceau.—»Hier, ich habe es gefunden!* sagte Wilson und zeigte freudig auf die Karte. Nun setzte L« Rond auseinand«, daß Deutschland seine Krisgswerk statt behielte und Polen immer von seinem gefährlichen Nachbar abhängig wäre, wenn das reiche Land nicht in seinen Besitz käme.»Die Sache Ist abgemacht,* erklärten Elemenceau und Wilson, und in der Tat war in dem ersten Text Oberschlesien ohne Abstimmung den Polen zuerteilt. Erst auf die Einwendungen Lloyd Georges, d« von Sir Philip Kerr beeinflußt war, wurde die Volksabstimmung zugestanden, lieber die Veränderung machte Wilson L« Rond fol- gende Mitteilung:»Lloyd George besteht auf einer V o l k s a b- st i m m u n g. Wir wollen aber den mögliche» Wirkungen zuvorkommen und werden Sie deshalb mit der Leitung der IntcraHiierten Kommission für Ob«sch!esien beauftragen.* Der französische Journalist schreibt weiter:»Die Aufgabe Le Ronds war nicht leicht, ab« er hat sie mit Ersolg gelöst. Wenn die Instruktionen, welche seine englischen und italienischen Kollegen von ihren Regierungen erhielten, wirkungslos gsmacht werden konnten, so haben wir das General Le Rond zu verdanken.* In der Tat! Nicht ohne Zweckbestimmung für die Volks- abstimmung hatte man die rechtswidrigen Sanktionen ergrifsen, zum 23. März eine Milliarde und zum 1. Mai 20 Milliarden von Deutschland verlangt! WZeöeraufbaukongreß in Paris. Paris, 21. Btärv(BJIB.) Heute findet auf Beran'osiuug des Allgemeinen Aroeituocrbaades(LOT.) ein du ß erordentlicher Kongreß statt, au dem nicht nur Vertreter dor Gewerk chaslen, sondern auch der kommunclcn Verwaltungen. Genossenichasien und sonsiiger ve Einigungen teilnehmen, d e sich mit dem Wiederausiiau in Trankreich beichäff gen. Der Kcuqreß scll in großen Zügen ein Wicde aufbauprogmmm fesiiegea. Ttach dem„Ivurnal* werde» folgende Städte in Ost- und Rordsrankreich vertreten seiru St. Onen- tin. Bapaume. Lens. Roubaix, Laoa. Peroune. Soisions, Reims. Arras, Thakcau-Thicrry. Senl's und andere mehr. Paris. 21. WLr,. sWTB.) In»E-.e Zdouvelle* schce'bl Ge- werkschaslsredatteuc Marcel Laurent über die Beteiilgunq deutscher Arbeit« an dem Wiederaufbau in Nordsrauk eich: Man habe gegen die deutsche Beteiligung die Stimmung ln den z«stö tea Gedicten aaerführt. Die aewerkschaflliche Ur.lersuchangskommislion habe au Ort und Stelle festgestellt, daß diese Besorgnis unbegründet sei. Was die Interessen der Arbeitslosen anlange, so müsse man fragen, ob sie bei der setziqeu Verfassung der Ruinen etwa besser aus- aehobeu seien, eis wen« diese wieder ausgebaut wären. Das Genfer Abtommn zwischen den französischen und den deutschen Bauarbestern sei für Deutschland von Männern unterzeichnet worden, d e in der deutschen Regierung gesessen hätten und morgen wieder daran keil- nehmen köuuten. Die deutsche Arbeit sowie die Lteserung von Ria- terialien durch die Dcuk'chen könne nicht' schädlich sein, wenn ihre Verwendung organisiert werde. Da» allein könne Frankreich Rettung bringen. Der Urmensch war erwochtl Der Urmensch, mit Zottelsell und Steinkeule! Dal Ein Schlag!!— Ab« der Schlag erfolgt« nicht. Der Kulturmensch hatte gesiegt. Adolf Reuter war eine Sekunde nach seinem Schrei zur Besin- nung gekommen. Er stammelte Unverständliches, lächelte verlegen und verkroch sich in einem Winkel der Baracke. Unbeachtet, lieh er sich setzt gehen; da überlief ein Zittern seinen Körper, er legte seine Hände vor sich auf die Knie und weinte. In der Baracke wurde es still. Draußen im Lag« wurde das Nachtkied geblasen. Der Ton klang unendlich einsam und hotte etwas von Friede in sich. Als die Lichter ausgelöscht waren, schlich sich Adolf Reuter zu seinem Kameraden. Und weckte ihn leise. „Du, Antke, ich bring dir ein Stück Brot—.*—„Laß es,* sagte der überrascht.„Laß nur.* »Nicht doch! Du mußt's nehmen. Ich Hab' noch«in Stück bei mir gefunden... Und morgen kriegen wir ja schon—* und« schob ihm das Brot in die Hand. Antke glaubte es gerne, zerriß das Brot in Stücke und ver- schluckte es. Dann sah er hinüber zu seinem Kam«aden. Der lag jetzt ganz zusammengekrümmt auf seinem Bett und rührt« sich nicht. ..Varflfal* Im Opernbans. Wie allfährlich, so ist auch setzt d« „Parsiknl als Serienvorstellung In das Staat«op«nhaus eingezo- gen. Durck, frühen Besinn, durch A-'bacht des Spiels und dadurch, daß eine Woche lana kein profanes Werk die Stimmung durchreißt, ist der Festspielcharakter möglichst gewahrt. Der von früher her bekannte und doch recht geschmackvolle Vorbau, der die Logen in den Prospekt einbezog, fäl't jetzt fort. Die Dekorationen zeigen im übrigen Geschmack, Würde, ohne äußeren Vomp. Per erste Akt litt unter Verschleppung des Tempos, das Banrenth zu unterbieten schien. Schillings war von da au ein feiner reservierter, eindrucksvoller Dir!» ocnt. In der Blumenmädchenszene störten die scharfen Stimmen der Führerinnen, die ganze Herrlichkeit dieser schwebend-tänz-rischen Musik kann leich'er, freundlich«, gesanglich-weicher aufklingen. Braun als Parfilal brauchte Zeit, um— am Ende des zw-iten Aktes erst— wirkiich Töne zu singen, er schien indisponiert. Frau K e mp wird an ih-er Rolle lernen. Sie bat ja die hohe Geistigkeit und die stimmliche Herbheit, die zur Bewötfiaung di-ler Zwitt-rrolle notig ist. Ihr Spiel mit und gegen Parsiml, ibr Werben. Fluchen, llmzinooln des reinen Toren, lind Elanzftücke lchausvielerilcher Fer- tiqkeit, die nur noch vom einzelnen in eine bildhafte dramatische Ge- lamthottuug überzugehen brauchen, um an die bisher unerreichte Bohr-Mildenburq zu erinnern Ihr Schrei, ibr Lachen und ihr Wimm-rn waren nnchgellende Menichenlaute. Die Herren Arm- st er, Braun. Zador sind vorzüglich am V'niz. In lnäteren Auf. führuNgen dürfte die Speerszene technisch sicherer ablaufen. Im Saale traf sich Deutschland und die Entente zu einträglicher Huldigung. K. S. „Dichtung*. jBeranstottung des 5ttepenheu«-Berlaqes Pote- dcnn.z Auf dem Hinweg dachte ich, ob noch immer Manifest und Extaje d« Jugend die Weg« weisen; dann las ich im Programm. Sforza über die Sanktionen. In der ital'enischen Kammer führte Außenminister Gras Sforza u. a. aus: Die Alliierten suchten noch einer Formel, die der Lag» Deutsch'ands Rechnung trug und die Zahl d« Annuitäten verringerte; die Sachverständigen begaben sich sogar zu den deutschen Sachverständigen, um die Fragen zu prüfen. Mehrere Punkte wur- den von den Deutschen angenommen, und einen Augenblick lang hatte man den Eindruck, daß man zu ein« Lösung gelangen könne. Im übrigen verlangte man von den Deutschen keine genauen Zahlen, sondern nur eine Festsetzung der einzelnen Faktoren, um zu einer Lösung zu gelangen. Schatzminist« Meda und ich, die wir immer und in allem ein« Meinung waren, taten alles, um die Ver- Handlungen glücken zu lasten. Unser« Sachverständigen waren sehr eifrig tätig, aber unglücklicherweise erschienen die neuen deut'chen Porschiag« nicht viel annehmbarer wie die ersten. Sie wurde» unter d« Bedingung gemacht, daß Oberschlcsien bei Deulschlaod verbliebe. Diese Bedingung war unannehmbar; dsrrn� das Schicksal dieses Gebietes soll durch die Volksabst'mmung enischieden werden. Auf feiten der deutschen Regl«ung fehlte jeder gute Wille, um zu einem Abkommen zu gelangen. Infolge der sehr verständlichen De- füble Frankreichs, das bish« nicht einmal in Worten e ne auf- richtige Absicht des Feindes von gestern sah, die schrecklich ver- wüsteten Departements wieder aufzubauen, angesichts der befonde- ren poiittschen und wirt'chastlichen Erwägungen in England und 'chließiich und vor allem infolge des schlechten Willens Deutschlands, schienen misttärstche und wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen unoer. meidlich. Sforza erklärte, er und Med« hätten weitgehrnde Bor- behalt« hinsichtlich der SC) Proz. vorgebracht, aber die Deutschen hätten se'bst diese Anregung in Brüssel gegeben(?) und Dr. Simons sie in London als gangbaren Weg für die Reparation beze chnst. Wenn Deutschland, wie wir es alle g'auben, ein starker Wirtschafts- organismus ist, so liegt es m seinem wahren In'ereste, loyal an die Bezahlung se'ner Schuld zu gehen und mit dem übrigen Europa ein neues Leben anzufangen. Italien vertraut darauf, daß auf der nächsten Konferenz ein loyale Verständigung möglich sein wird. öeratunq öer Internationale. Das Exekutivkomitee der 2. Internationale trat am 18. März im Bureau der Labour Party in London zu ein« Sitzung zusammen, in welcher eine ausgiebige Aussprache üb« die internationale Lage stattfand. Es wurde beschlossen, für die Frage der Wiedergut« machung und der Sanktionen«ine besondere Sitzung des Exekutivkomitee» unter Hinzuziehung von Vertretern der Wirtschaft- lichen Organisationen und der Parlamevtsfraktionen zum 31. März, 1. und 2. April nach Amsterdam einzuberufen. In Anbetracht des vollständigen Fiaskos, zu dem die Poütit der Regierungen heute geführt hat, soll die ganze Frage der Prüfung unterzogen, und sollen gemeinsame, detaillierte Vorschläge zu ihrer Lösung gemacht werden. Das Exekutivkomitee hat ferner zur Lage in Georgien Stellung genommen. Es wurde folgender Be'chluß gefaßte„Das Exekutivkomitee der 2. Internationale nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, daß bolschewistische Armeen von Aserbeidsckan. Armenien und Rußland aus in Georgien eingefallen sind, daß sie die auf Grund allgemeinen Wahlrechts mit üb« 80 Proz. aller Stimmen gewählte sozialdemokratische Regierung gestürzt und an ihrer Stelle eine militärische Diktatur errichtet haben. Dos Exe- kutivkomitce spricht der sozialdemokratischen Regierung sein Vor- trauen aus. Es versichert die Genossen sein« S-mpothie. die diese Regierung bildeten und unterstübten, und deren Verdienste um den Sozialismus ihnen in der Geschichte der Arbeiterbewegung einen hervorra'-enden Platz sichern. Es hofft, daß die Demokratie in Geor- aien bald wiederhergestellt und die sozialdemokratische Regierung siegreich sein wird.*_ - � Nollet ürän�t. Berlin. 21» März.(WTB.) General Rcllek Hai ein« Roke an das Auswärtige Amt qorichkel, in der er rügl, daß die deutsche Regierung bis zum 15. März das neue Wehrgeseh nicht veröffcnk- llcht und ein Gesetz über die Auflösung aller Selbslschuhorgauisallo- neu nicht«lassen habe. MTB. bemerkt dazu: Bekanntsich ist das neu« Wehrgesetz sowie ein Gesetz zur Ausführung der Artikel 177 und 173 des Vertrages von Versailles in den letzten Tagen verabschiedet worden. Das Wehrgesetz hätte also schon veröffentticht sein können! „Die„Dichtung* faßt aus d« Produktion der Gegenwart Aeußerun- gen des Wettgefühls zusammen, die nicht als Aufrufe und Schreie in das Getriebe der Zeit eingreifen, sondern durch strenge Gestal- tung, durch die Magie des dichterischen Wortes, durch künstlerisch« Verdeutlichung der anonymen Kräfte kulturgestattend wirken.* Eine Abkehr also, die dringend geboten war; zurück zu Straffheit und Bindung. Zwei werdende Dicht« und ein schon geworden«: zwei, die ihre Geschöpfe durch Vortrag zu Leben erwecken können, einer, der es vermag. So ist die Scheidung: dort Warten G u m p e r t und Simon Kronberg: weicher Lyriker jener, Dramatiker die'«. vollendet keiner. Einer aber ist vollendet: Hermann Kasack. Straffe Rhythmik, klare Sprache, Uebereinstimmung des Gewollten mit dem Erreichten, des Gefühlten mit dem Geschaffenen. Er ist nicht Zu- kunft nur, wie die beiden Erstgenannten,« ist Gegenwart(was mehr ist). Ein Wort noch über Loerke: ein intellektualisierendcr Sym- bolikcr. Man weiß nicht, ob er sich klarer über seine Geschöpfe ist, als die— nichtoerstehenden— Hörer. Die Matinee fand in d« „Tribüne* statt, sie war schlicht, still und ernst, sonder Lärm und Ge- rausch, wie die jungen Künstler selbst, und wirkte so unendsich wer- bender für die Ideen des jungen Deutschland, als manche Veran» stoltung der letzten Jahre, die man mit Lärm erstehen, mit schriller Dissonanz versinken sah. So war es«in Gewinn, nehmt alles nur in allem. vrp. Ver Emporkömmling von ehemals. D«„Kriegsgewinnler*, d« „neue Reiche*, der„Palvenn*, sind natürlich nicht Erscheinu-wen unserer Zeit allein, wenn es ihr auch vorbehalten war, diese Men- schensorte in besonders großer Menge und schärfster Ausprägung hervorzubringen. So finden sich denn auch in den Llleraturon oller Zeiten mehr oder minder boshafte Schi�erunaen des Emp�rkömm. lings. Die älteste wohl, so schreibt Dr. Max Pollaczek im„Wissen", in einem Spottgedickit des An.akreon von TroS, der im 6. und 5. Jahrhundert o. Chr. gelebt hat. Dieser„Bruder Leichtsinn*. dessen flotte Verse einer oanzen Poesiegottung den Nomen gegeben hadert, bält sich in einem Stacheloedicht über einen Nebenbuhler auf und zeichnet ihn mit treffenden Zügen als Pcrr'enu, Früh« sei er ein elender Plebejer gewesen. Jetzt ab«, nachdem er zu Reirbtum gekommen sei, fobre er stolz im Wcwen einher, trage go�ene Rinn« und führe einen Sonner.sch'rm aus Elfenbein mit sich. Ist dos nicht ganz doeselbe, wie wenn wir über das Auto und die Brillanten des neuen Reichen spotten?_ BolkSbübne Hardt-K Ir(de zn?chön» Seeg das„Stabatmotsr" von Pergoleie für Solostimmen.(Jvor. Orgel und O che'ier sowie die.Vier üegenden' au« den Tage-zcitcn von Zriedr. E. Koch für Aumenchor, Altsolo und Orgel zur Lust Ich ranz. Kopenhagens S.p.d. Zv der vsr einigen Tage» veröffeuQchle» Wolff-Meldung Wer die Lopenhageuer Gemciudcivahlc» ist rulchzuirageu, daß die Sozial- dcmokratcn rund 93 030, die fiomunisten gar keine und alle anderen Parteien zusammen 4Z000 Stimmen erhielten Grnß und Glückmunsch unseren dSnischen Brüdern! Ernst Grenz gestorben. Dresden, 21. März. �Eigener Drahtbericht de».Vorwärts".) ?m Mter von 66 Jahren ist im Dresdener Stadtkrankenhaus nach kurzem, schwerem Krankenlager der frühere Retchstagsabgeordnete und jetzige sächsische Landtagsabgeordnete Genosse Ernst Grenz aus Leipzig gestorben. Er hat von 190Z bis 1907, von 1912 bis zur Revolution dem Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Annaborg angehört und war seit Februar 1919 Abgeordneter in der stichstst.n Volkskammer und jetzt im sächsischen Landtage. In der Vartc./der er seit 1878 angehörte, hat er als Organisator und Agi- tator Hervorragendes geleistet. Zehn Jahre gehörte er dem Bezirks- vorstand in Leipzig an. Er war gelernter Former und als solcher viele Jahre Vertrauensmann der Former Deutschlands. Gebe''mkonferenz öer U.S.P.d. . Im Reichstagsgebäude begann am gestrigen Sonntag die Reichskonferenz der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die bis zum Dienstag tagen wird. Die Reichs- konferenz, die hinter verschlossenen Türen tagte, war von etwa 200 Personen besucht. Als Vorsitzende wurden Erifpien und Ledebour gewählt. Und sie zählten die Häupter ihrer Lieben.... Kommunistenstreik im Mansfelöer Gezirk. Halle a. S., 21. März.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Heute ist die Belegschaft der Mansselder Gewerkschaft in den Ge- nerolstreik getreten. Der Grund hierzu ist, wie in einem am Sonntag vom kommunistischen Gewerkschaftskartell Eis- leben verbreiteten Flugblatt an die Arbeiterschaft gesagt wird, der Einmarsch der Schutzpolizei in Mitteldeutschland. Eine Ab- sllmmung über den Generalstreik hak uichl slalkgcfuudea. Die Parole dazu ist augenscheinlich von der Berliner kommunistischen Zentrale ausgegeben worden. Die Bezirksleitung der BKPD. Holle-Merscburg hat in einem Aufruf, den sie am Montag abend im„Klasienkompf" veröffentlichte, die Arbeiter aufgefordert, nur dort die Arbeitskraft zu verweigern, wo die Sipo die Betriebe besetzt. In Halle ist bisher alles ruhig. Das Gewerkschafts- kartell Halle wendet sich ebenfalls in einem Aufruf an die mitteldeutsche Arbeiterschaft und warnk sie, sich zu unüberlegten Handlungen von den kommunistischen Drahlzieheru leiten zu lassen. Lockspitzclei ohne Ende. Die„Rote Fahne" setzt derweil unverdrossen ihre Provokations- arbeit fort.«Die Gegenrevolution schlägt los! Hör- fing läßt sein« Mordbanden marschieren! Die Zeiten des Bluthundes Noske kehren wiede r!", das sind ihre Schlagzeilen vom Sonntag. In dem fälligen Schreikrampf sieUgedruckten Spitzenaufruf) weist die«rote Klikuscha" weiter zu melden:„Der weist« Terror, die Blutbäder sollen in Mittel- d-utschland veranstaltet werden." Wenn die„Rote Fahne" das wir�ich meint, so sollte man meinen, daß sie den Arbeitern das einfache und gegebene Mittel empfehlen würde: s i ch nicht zu Blutbädern prooozieereu zu lassen. Aber ihre Mahnung geht umgekehrt: Angesichts der Provokationen der Gegenrevolution, der Feld- zugspläne der Orgesch, kann sich das Proletariat nur wehren mll der Waffe in der Hand. Wenn wirklich auf Regierungssekte die Absicht bestände, Blut- bäder zu veranstalten, so waren Aufrufs dieser Art das geeignetste Mittel, es da hin kommen zu lassen. Glücklicherweise ist der Blutdurst der„Roten Fahne" ganz einseitig. Die Gründe haben wir in der Sonntogsausgabe schon dargelegt. Moskau braucht Leichen, die BKPD. braucht Agitationsstoff um jeden Preis, da es ohne die schwerst«! Mittel nicht mehr weitergeht. GroßGerlln 1300000 Mark postgelöer geraubt. Tkachklicher Ueberfall auf das Postamt 54. Die Reihe der letzten Räubertatcn in Groß-Bcrlin hat ihren Gipfel erreicht durch den nächtlichen Uebcrfall auf ein Postamt in der Lothringer Straße, wrbei den Räubern übe? VA, Million Mark in barem Gclde in die Hände fiel. Folgende Einzelheiten werden uns dazu mitgeteilt: Nach dem Postamt 54 in der Lothringer Straße werden von sechs anderen kleineren Postämtern im Norden der Stadt die dort tagsüber eingegangenen Gelder gebracht und von hier an die R e i ch- b a n k abgeliefert. Am Sonnabend abend betrug die ge» sainte Einlieferungssumme über 1300 000 M. Das Geld sollt» dort bis Montag früh aufbewahrt und dann der Reichsbank zuge- führt werden. Auf diese Ge ber hatten es die Räuber, die nicht nur die Gepflogenheiten auf dem Postamt, sondern auch die Oertlich- leiten genau gekannt haben müssen, abgesehen. Dieser Umstand Mein läßt schon darauf schließen, daß irgendein noch auf dem Amt ■beschäftigter Mann oder vielleicht ein dort früher tätig gewesener Aushelfer bei dem Raubzug seine Hand im Spiel haben muß. Zur Bewachuna des Raumes, in dem das Geld niedsrgelegt wird, halten sich des Nachts über zwei Beamte in dem hinteren Teil eines Schalterroumes auf, der an das Zimmer stößt, das die großen Geld, summen birgt. In der Nacht zum gestrigen Sonntag hatten der 42 Jahre alte Pestbetrmbsassistent Pmil A n t o ch aus der Schwerter Straße 50 und der Postschaffner Max Dann« aus der Dänen- straße 50 diesen Dienst zu versehen. Außer diesen beiden Beamten war in den unteren Räumen des Postzebäudes niemand mehr, ein weiterer Postschaffner befand sich noch in einem d«r oberen Stock- werke. Der Uebcrfall. Kurz vor 2M Uhr nachts hörten die Beamten, wie«in« Tür leise geöffnet wurde. Sie nahmen nun zunächst an. daß der Beamte von oben heruntergekommen sei. Der Postschaffner Antoch sprang nun auf, eilte nach dem vor chm liegenden Schalterraum und sah durch diesen drei maskierte Männer in gebückter Haltuna heranschleichen. In kurzem sahen sich die beiden Postbeamten nicht weniger als sieben Räubern gegenüber. Diese packten die Beamten, zogen ihnen in dem Raum liegende Po st sacke über den Kopf und warfen sie auf den Fußboden. Die Beamren hörten nun, wie die Räuber sich daran machten, die verschlossene Tür zum Geldraum mit B r e ch e I s e n gewaltfam zu öffnen. Der Postschaffner Danne, der nicht gefesselt war, dreht« sich nach wenigen Augenblicken um und als er sah, daß niemand mehr zugegen war, eilte er sofort hinaus, um Poliz-ibeamte von dem Raubüberfall zu benachrichtigen, damit die Verfolgung der Räuber gleich aufgenommen werden tonnte. Auf der Suche nach einer Volizeipatrouille sah er in der Zehde» nicker Straße einen Mann, in dem er der Gestalt nach«inen der Räuber wiederzuerkennen glaubt« Er ging ihm nack. doch duht« sich dieser auch plötzlich um und rief ihm zu:„Bist du Schweinehund schon wieder aufV und drohte ihn weiter mit einer Schußwaffe. Daöei sah er. wie drei Männer aus dem Haufe Z:hdenicker Straße 16 herauskamen, dessen Hintergrundstück an den Posthof stößt. Der Post'chassner setzte ihnen, s oweit er konnte, nach, verlor sie aber bei der E'nb'egung in die W»i n m e i sie r str aß e aus dem Auge. Als er dort dann eine Polizeipatrouills traf, waren die Räuber nicht mehr zu faden. Die Beamten begaben sich nach dem Pcstzebäude, wo der gefesselte Anioch noch immer aus der Erde lag. Ihm waren die Füße zusammengebunden und die Hände mit einem fast fingcrstarken Strick auf den Rücken geschnürt. Bald darauf brachte dann em Hausbewohner des Grundstücks Zehdenickcr Straße eine Geld kl sie, die noch gefüllt war. Di« Räuber hatten sie dort im Stich gelassen. Bei einer Durchsuchung des Vorderhauses wurden im Erdgeschoß und im dritten Stockwerk noch zwei Geldsäcke gesunden, von denen der«ine noch alles, der andere von einem darin befindlichen Geldbetrage von ungefähr 800 000 M. noch 18 000 M enthielt. Zufammer waren auf diese Weise rund 800 000 Mark wieder herbeigeschafft. Der Rest von über eine Million Mark fehlt noch. Die Aufnahme des Tatbestandes auf dem Postamt ergab, daß die Räuberbande von der Rückseite des Postgrundstücks in das Amt eingedrungen waren.' Ein früherer Ueberfall auf dasselbe Posiamk. Trotz der eifrigsten Nocksorschung der Krimma'polizei, die d'e ganze Nacht hindurch fortgesetzt wurde, konnte bis heute nichts er- mittest werden. Auf dem Postamt 54 wurde bereits in der Nacht zum Sonnabend, den 6. November v. I. e'n Raubanschlag versucht, damals aber vereitelt. In jener Nacht befand sich der Post- jchafiner Jänisch auf dem Hofe des Telepravhenbauamtos, von dem sin Torweg nach dem eigentlichen Posthof« führt, aui seinem Rund- gange. Da fielen plötzlich drei maskierte Räuber über ihn her, knebelten und fesselten ihn und sperrten ihn dann in den Abortraum. Der Ucberfallene schlug trotzdem Lärm und wurde vom Nachtdienst innerhalb des Postgebäudes auch gehört. Dies« Nacht- dienstbeamten kamen sofort herausgelauken, um nach der Ur'ache des Lärms zu forschen, und das veranlagte die Räuber, ihren P an aufzugeben und zu e n t s l i e h e n. Der Raubverfuch im November gab damals Veranlassung, in dem Postamt nicht mehr so viel Geld anzusammeln. Während bis dahin 10 Aemter ihre Tageseinnahmen nach dem Amt 54 brachten, so daß sich dort Summen bis zu 5 Mill'onen ansammelten, nahm man jetzt eine Teilung vor. Sonst wäre den Räubern noch erheblich mehr in die Hände gefallen. Zur Aufklärung des Millionenraubes, besonders zur Ausfindung der ersten Spuren der Täter können viclle cht Bewohner des Hauses Zehdenicker Straße 16 oder Leute, die dort in der Sonntag- nacht in der dritten Morgenstunde vorübergekommen sind, beitragen. 20 000 Mark Belohnung. Auf die Ergreifung der Täter und die Wiederherbeischaifung des gsrai'bten Geldes hat die O b« r p o st d i r e k t i o n e ne Belohnung von 20 000 M. ausg>:sebt. Irgendwelche zweckdienliche Mitteilungen sind an Kriminalkommisigr Geißel und Werneburg, den Leitern des Raubdezernats des Berl ner Polizeipräsidiums, Zimmer 80, Haus- anruf 601 und �33 zu rickten. Dos geraubte Geld bestand zum weitaus größten Teil aus Fünfzigmarkscheinen. Ckne neue Zentraspark-Nazzw. Das wüste Treiben, das gerade im Zentrum des Fremdenver- kehrs auf dem Rummelplatz am Bahnhof Friedrich straße seit langem Acrgernis erregt und zu unzähligen Besibwerden Veranlassung gegeben hat, veranlaßte die Kriminalpolizei zu einer neuen Streife, weil nach der großen Razzia vom vergangenen Mo» not eine dauernde Besserung nicht eingetreten war. Am Sonn» ebend abend nahm Kriminaloberwach'meister Destmann mit vielen Beamten und einem Aufgebot der Schutzpolizei oine neu« gründliche Säuberung vor. Die Eingänge wurden besetzt und die Besucher des Platzes,' der Reitbahn und der Schaubuden wurden bis auf die. die sich genügend ausweisen konnten, auf Lastkroitwazen nach dem Polizeipräsidium gebracht, um dort weiter gesichtet zu werden. Ueber 300 Personen, meinen, halbwüchsige Burschen und Mädchen, füllten fünf Kraftwagen. Der nächt- liche Vorgang rief wieder eine große Anscimmlnng von Menschen hervor, die sich vom Bahnhof bis nach der Weidendammer Brücke hin er' reckte. Es wäre wirklicki interessant zu erfahren, weshalb nicht endlich mit diesem ganzen Radauzo.uber, der einem der lebhafteren Verkehrspunkte der Stadt weder zur Ehre noch zur Zierde gereicht, Schluß gemacht werden kann. Es mag ja für die Kriminalpolizei aanz bequem sein, aus solchen Sammelpunkten der Verbrecherwelt sozusagen„mit vollen Händen" schöpfen zu können, ober die Oeffent» iilbkcit hat wenig Der' ändnis dafür, daß deshalb dieser seit Iahren heftig befehdete Rummelplatz auch nur«inen Tag länger besteht. WieSer einer. Die Bezirksamtswahlen im Berwaltungsbe- zirk 12(Steglitz) sind, vom Oberpräsidenten bestätigt worden. Die Einführung der Gewählten dürfte am nächsten Montag erfolzen. Der Oberpräsident kann, wie aus dieser neuesten Bestätigung hervorgeht, auch schnell arbeiten, namentlich wenn es sich um Verwaltungsbezirke mit fast bürgerlicher Besetzung handelt. In Be- zirken mit sozialdemokratischen Mehrheiten scheint der Oberpräsident der allzu gewisseuhaften Rückfragen wegen nicht vom Fleck zu kommen._ Elternbeirat» nnd Slhuldeputation. Dars ein Elternbeirat in Sorge um die der Schule anvertraute Jugend sich mll Anregungen an die Schuldeputation wenden? Es scheint, daß die Schilldeputation das nicht wünscht. Auf diese Der- mutung kommen wir aus Anlaß eines Falles, der uns aus der Ber- siner 215. Gemeindeschule(Dunckerstraße) bekannt wird. Wegen häufigeren Auftretens von Gonorrhoe unter Schulmädchen hatte die Schuldsputation an alle Schulärzte die Bitte gerichtet, den Elternbeiräten auf Wunsch belehrende Vorträge über diese Krankheit zu hosten. Der Elternbeirat der 815. Schule reite daraufhin bei de? Schuldeputo.tion an, die Sckulräume und Aborte täglich zu reinigen und die Aborte zu desinfizieren. Die Schuldeputation antwortete, Ucbertragung von Geschlechlskran!» besten erfolge selten durch Bsnutzuna infizierter Worte, aber die Ein» schränkung der Reinigung beziehe sich selbstverständlich nicht auch auf die Aborte. Das soll vermutlich beißen, daß wenigstens die Aborte tSistch gereinigt werden. Diesen Bescheid.übersandte die Tckuldepu» totion aber nicht dem Elternbeirat direkt, sondern dem Rektor der 215. Schule, und sie wies ihn an:„Wir ersuchen Sie, dem cm trag- stellenden Elternbeirat, dessen Tätigkeit sich bestimmungsgemäß auf mündlichen Verkehr mit dem Lehrerkollegium zu beschränken Hot. in diesem Sinne zu bescheiden." Das sieht fast so aus, wie wenn d i e Schuldsputation sich die Elternbeiräte zehn Schritte vom Leibe halten will. Und seit wann hat die Tätigkeit der Elternbeiräte„sich auf mündlichen Verkehr mit dem Lehrerkollegium zu beschränken"? Gedenkfeier für die Sapp-Opfer In SchSneberq. Der Erinnerung an die bei den Märzunruhen vor einem Jahre Gefallenen, besonders unserem Varteigcnossen Georg H e i d r i ch, oalt eine stimmunasv-'lls G.dächtnisfei-'r. die vom Bezirksverband Groß-Berlin der SPD., 11. Kreis, 79 Abteilung, bei sehr zahlreicher Beteistgung am Sonntag veranstaltet wurde. Um die dritte Stunde sammelten sich im Partei- lokal von Groß, Sedonstraße, die Genossinnen und Genossen des 11. Kreises Schöneberg und zogen gemeinsam nach dem städtischen Friedhos»Blanke Hölle". Die Gedenkred« hielt Genosse Pfarrer Blei er. Genosse Stenzel legte im Namen der 79. Abteilung einen Kranz auf das Grab des Genossen Heidrich nieder. Der Schönsbsrger Männerchor, Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes, ver, schönt« die Feier mit dem Vortrag einiger Arbeiterlieder. Di« ein- drucks volle Feier nahm einen würdigen Verlauf. Erwellerter Delrieb in allen Radeanstolken. Eine Veriügnng de? ßohlenamieS die den Badeanilalten mit Rücksiebt ans die Koblen» erivarnis bis jetzt starke Betiieb- einstbränklmgen atsterlcgi batte, ist testweiie aufgehoben worden. Jnioioedkssen sind vom moigigen Dienstag ab iamilicke Badeanstalten in Gioß»Berl>n und Umgefend wöcheniliib wieder an 5 Taaen geöffnet und zwar von D�enStag bis Sonnabend, während die Anstalten Sonntag und Montag geseblosien bleiben. Ueber gtefeblrlbtstrantbeiten und ibre BekSmvsung veranftaltet der OandeSanMchuß für Hhgieuiläie Bolksbelebruug in Keweinlkbasl mit den ReickSvetsickeruncStiägern Gier-Bnbnü und der fSeicllfrfmft jür Betämpfung der(ÄesäsiecktSframhcitcn am TienStag. den 25 März(dbarlaltentnirg und Schöncberg 23. Mätz), abends 8 U6r. nneiNgeltlichc Lich'bildervorbäge von ?lerztlneen für Frauen in allen Testen der Stadt. Näheres stehe Au» ichlaglänlcn. Reichsbund der Keiegsbeichädigten. Bezstk Ost. Montag, den 21. März, abends 7 Uhr: Sitzung beim„Schultheiß�, an der SchilllngSbrttcke. Groß-Gerlkner parteinachrichten. Henke, Moukaa, 21. ZNärz: rs. und 28. AbteNun-. TVs Uhr in ber Schule Schönhauser Tllee Iß a: Frauen» abend. Neferent Gustav Weide. 42. tzlbteUunz. Der Frauenabend findet heute abend nicht bei Utnehmer. fondern bei Behrens, Tegeler Straße 22, statt. Sport. Berlin— ftolfbus— Berlin, Straßenrennen über 271,2 Kilometer. Berussfahrer: 1. H. Siewert-Berlin 8 St. 59 Min. 47 SeL, 2. Fischer-Köln 9 Std. 47 Sek., 3. Adolf Huschke-Berlin 9 Std. 3 Min. 45 Sek.. 4. F. Lauer-Eharlottenburg 9 Std. 6 Min. 11 Sek.— Amateure: 1. Karl Hofsmann 9 Std. 29. Min. 10 Sek., 2. A. Orlewicz 9 Std. 30 Min. 26 Sek., 3 Lachmann 9 Std. 32 Min. 44 Sek., 4. Blum 9 Std. 54 Min. 57 Sek.. 5. Karl Kohl 9 Std. 54 Min. 58 Sek. Die Radrennen auf der Olympiabahn am Sonntag waren tbotz des kalten, regnerischen Wett-rs noch weit stärker besucht, ells am Eröffnungstage. Das Hauptereignis, der Große Frühlingspreis über insgesamt 80 Kilometer, gestaltete sich aber leider zu einer nur zahmen Sache. Saldow haste in beiden Läufen gleich vom Start ab den sicheren Sieg in der Tasche. Am besten hiell sich noch Wittig zu Saldow: der sonst so schnelle Sawall sowie Krupkat enttäuschten und Stellbrink hatte kurz nach Beginn des Zwesten Laufes seine Kräfte bereits völlig verausgabt. In den Fliegerrennen war Stabe abermals der siegreichste Fahrer. Der Holländer Aandewiel konnte sich noch wenig Geltnag v.schaffen, aber dennoch schien es so, daß weit mehr in ihm steckt, als er gestern bei seinem ersten Start in Deutschland aus sich herauszuholen vermochte. Ergclnifle. Preis von Spandau, 1200 Meier: 1. Stabe, 2. Senneckc, 3. tdänSIer, 4. SeömnB.— K r« g e r Frühling s v r e i S, 1. Lank, 30 Kilometer: 1. Saldow 27 Min. 68/s Sek., 2 Mlt'g 930, 3. Stelldrinl 1290, 4. Sawall ItgO, 5. Krupkat 3270 Meter zurück. 2 Lauf, fiO Kilometer: 1. Saldow 4! Mm., Sek.. 2 WIttia UCO, 3. Krupkat 2320, 4, Sawall 2510, 5. Stellblink 7070 Meter zu, uck G e i a m l e rg eb- U ls: 1. Saldow 80 Klometer. 2. Witlig 77,610 Ki'ometsr. 8. Sawall 76.060 Kileme'er. 4. Krupkal 74.410 Kilomeler. 5. Slellbrink 71,690 Kilometer.— Sperber» Preis, Tandemfobren über 2000 Meter: 1. Scnneckc-Slabe, 2. Aandewiel-Packebuich, 3. Krabner-Petrie. 4. Schwab- Sch' öder, b Neinae- Schulz.— Vorpabefubren, 2000 Meter: 1. See!(140). 9 Makowlak(110), 3. Lmsen«(130), 4. Kutzer(llO), 5. Ztaöomsli(115 Meter Vorgabe). OerverSschQstsbewegurlg Streik im Cinzeihanöel. Heute früh hat in den mittleren und großen Betrieben des Berliner Einzelhandels der Streik der Handelshilfs- arbeite r begonnen, an dem 4500 bis 5000 Personen beteiligt sind. Am Sonntag fand die endgültig entscheidende Versammlung der Arbeiter des Einzelhandels, einberufen vom Transportarbeiter- verband, im Gewerkschaftshaus stast. Der große Saal war über- füllt, jeder Stehplatz ausgenützt. P o l l m e i e r gab den Bericht. Es geht um die Anerkennung des am 9. März gefällten Schicds- spruchs, nach dem auf alle Grundlöhne, die jetzt 200 bis 230 M. be» tragen, ein Zuschlag von 15 Proz. zu zahlen ist. Die Arbeiter hatten innerhalb 7 Tagen»ach Fällung des Schieds» spruchs diesem zugestimmt, während in der gleichen Zeit eine Erklärung der Arbeitgeber bzw. ihrer Organisation nicht zu erlangen war. Am Sonnabend hat eine Funitionärversammlung den Streikbeginn für Montag früh beschlossen. Ihr lag das Resultat der Urabstimmung vor, die die statutarische MeHrHest ergeben hatte. An der Abstimmung beteilizten sich 2150 Kollegen und Kolleginnen. Davon stimmten 2529 für den Streik. Nach kurzer Diskussion, in der alle Redner erklärten:„Nicht mehr reden, sondern kämpfen!" beschloß die Persamm- lung einstimmig, von Montag früh den Streik zu beginnen. Auch die Nachtwächter werden gleich am ersten Tage aus den Betrieben herausgezogen Wo hierin eine Ausnahme notwendig ist, entscheidet die» lediglich die Zentralstreikl'itmtg. Die kleinen Geschäfte sind bisher bei dem Streik noch nicht betelligt. Ter �riedhofsarbeiterstreik. Wir berichteten bereits in voriger Woche, daß die Lohnbewegung der Friedbofsarbeiter ein sehr kritisches Stadium erreicht hätte. Leider ist nun zitr Tatsache geworden, was die Organisation stets zu vermeiden sich bemühte. Am letzten Freitiag versuchte der Verband der Gärtner. in einem erneuten Termin des Schllchtunasau??ebusses, der von Amts weoen eingesetzt war, eine Einigung herbeizuführen Die Arbeitgeber hotten nur die platemische Antwort übrig: Unter der Bebin- gung, daß auf eine Lohnerhöhung verzichtet wird, sind sie bereit, die bisherigen Löhne und die Wirt'chaftsbeibilfe weiterzu- zahlen. Tie Kirchengemeinden einschließlich Berliner Stadffnnagoge sind asso gnädinlich bereit, ans den von ihnen beabsichtigten Lohnav- bau zu verzichten, wenn die Arbeiter sich mit dem bi-bmgen Hnnger- lohn zufriedengeben. Da ein« Einmuna im Vergleickswege nicht zu erzielen war nnd non den Herren Geistlichen strikt abgelehnt wurde, fällte der Skßlichstmgsauslchuß einen Schiedssvruch. Dieser Svnich brachte eine Zulage von 30 Pf. Erneut bewiesen damit die Arbest- aeberbeisitzer und der Vorsitzende, daß sie die brennende Rot der Friedhofsorbesterschaft nicht verstehen können. Die Arbeiterschaft mutzte diesen Schiedssvruch als eins glatte Verhöhnung be» trachten, zumal die Geistlichen überhaupt nichts zulegen wallen. Denn die Kirckenaemeinden waNen aar keine Einigung. Sie haben uns direkt aufgefordert: Streikt doch! Die Arbeiter aber wallten den Kampf rckcht. Sie find dazu von den Geistlichen fnstematilch hemisaefardert worden. Sie sind über» zeuat. daß sie einen aerechten Kampf kämpfen. Daher menden sie sich nn die gesamte Oeffenllichkest und bitten um Unterstützung durch vollste Svmpathie! Die Arbeiter bedauern a"fs tiefst«, daß sie durch den Kampf vfel- leicht den Schmerz der lMuferbfiebenen hart treffen«erden. Ab-r nicht die Arbeiter, nein die Vertreter der Kirchengemeinden, die Geistlichen selbst sind die Schuldigen. i Wir fordern die Arbeiterschaft, die ganze BevSlkeruNg auf: Helft uns! Wir haben nicht unerfüllbare Forderungen, wir kämpfen nur um menschenwürdigen Lohn. Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Gruppe Friedhofs» arbeiter. Lohukaurpf in der Brauindustrie. Di« Angestellten in den Brauereibetrieben Groß-Berlinz tagten am Sonntag in Haoerlands Feftfillen, um über weitere Schritte in der Lohnbewegung zu belchlehen. Gottwald berichtete über die bisherigen Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer- organifation und vor dem Schlichtungsausfchuß, die zu einer Eini» gung nicht geführt haben. Wir fordern für Lehrlinge eine Monat- liche Anlage von 50 M., für jugendliche Angestellte 125 M., tauf- männische in Gruppe I bis VI 150 M. und technische in Gruppe A bis F 200 2)L Dem Bericht folgte eine sehr gründliche Aussprach«, in der er. wogen wurde, ob man sich nun für das letzte Mittel erklären oder trotz allen schon geführten Verhandlungen noch auf weitere eingehen wolle. Die Versammlung nahm schließlich gegen S Stimmen einen Antrag an, nach dem am Montag(heute) in allen Betrieben eine llrabstlmmung über den Streik stattfinden soll. Die Freigewerkschafiliche Letriebsrätezentrale für den Mrt- schastsbestrk Groß-Verlin hat sich nunmehr konstituiert. Zu Mit» gliedern des Vollzugsrates wurden gewählt die Kollegen Alb recht, Hesse(Metallindustrie): Falk(Chemische Industrie): Frenz«! (Bauindustrie): Eüttner(Bekleidungsindustrie); Niekel, Otto Bank und Handel): Seckinger(Verkehr): Vollmerhaus, Aiska, Ortmann(Berliner Gewerkschaftskommisston): F l a t a u, Liebeskind(Afa-Bund, Ortskartell Berlin). Bvrsttzende des Vollzugsrates mit gleichen Rechten sind die Kollegen A l b r e ch t und Niekel. Gleichberechtigte Sekretäre find die Kollegen Barth, Fricke, Guiard, Hildesheim. der Zahresverfammtung der Handelsarbeiter gab Sektions- leiter Wolter einen kurzen Berickt über die Tätigkeit der Sektionsabteilung und über die vorjährigen Tarlfabiiblüsse. 14154 Berufskollegen tonnten der Organisation neu zugeführt werden; die Zahl der Mitglieder stieg von 23 807 auf 33 838. An Lohn- bewegungen war die Sektion in 196 Fällen mit 3164 Betrieben und 128 373 BerufSangehörigen beteiligt. Im Laufe deS Berichts- fahre* konnten kn allen Branchen drei vis vier Lohnbewegungen mit nennenswerten Erfolgen durchgeführt werderi. Für das neue Geschäftsjahr wurden zum ersten Sekironeleitsr C. Wolter, zum zweiren Sektionsleiter F. Pollmeier, zum ersten und zweiten Schriftführer P. Schacht und E. T h i e m o gewählt. Als Mitglieder der engeren Ortsverwaltung wurden die Kollegen E. Kroll, F. Lu ck o w, H. Sehner und R. Stein. der Generalversammlung zur Wahl empiohlen. Aeotraloerbaild der Anglstellteil. Nachstehende Bcrsanimlunaen finden nicht, wie angetündiat, heute abend, sondern morgen. Dienstagabend, ftait Einzelhandel: Abends T1/, Uhr„Schultheiß", Hasenheide 22-31.— Hoch- und Tiefbau: Abends 7'/, Uhr,„Havellands Festfäie". Neue Friedrichitr. 35.— tzigarrenhandel: Abends 8 Uhr,.Einsiedler-Bierhallen", Reue Promenade 3 10. Rohrleger und Heiser. Dienstag, abends 8 Uhr, in den Andreas-Fest» sät en, Andrea»« r. 21 Auße, ordentliche Branchenvcrsammlung. Tagesordnung: Der Stand unserer Lohnbewegung. Bertrands- und Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Deutscher Berkmctsterverdand(Fachgruppe Chemie). Mittwoch, abends 7 Uhr: Dertrauensmänner-Bersammlung im Restaurant Hude, Kopcrnitusstr. 17, 4 de Stmvn-Dach-Strahe. Leranlw. für den redakt. Teil Dr. Seiner Peiler, Cdariottendurg: für Steigen: Th. Gloite. Berlin. Verlag: Vorwärls-Veriag G.m.b.H.. Berlin. Trud Bor- wärls-Bulbdruckere: u. Lerlaasanstal! Vaul Singer u. Co Berlin L.ind: litr. 3. Diesen äscco-�nxuß sus Homespun bringen wir in kleidsamster Machart für Herren zum Preise von M. 800.— Für Junge Herren von Mark 685.- Raglan aus Homespun von Mark 750 an Covercoat- Sport- Paletot und Reglan M 750.- 850.— 1100.— bis 1500.- (fl Csdcrs&X)yckhof ßEKLm-C-/9'QER,TflAUDTEnSTfK..Ö-9 950 Mark Dl« Vorzüge de» neu- artigen Systems zur radikalen VerblUigung eleganter Herren-Garde- robe beruhen Im wesent- liehen auf folgenden wichtigen Faktoren: Verwendung bester Stoffe, tadelloser Arbeit, eleganten modernen Sdinlil, bei solorliäerilmtrobe nnif .mimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiisfiiiiiniiiiimiiuiiimiiu Ahlfeleruiiä tn wenitf. 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