gg.t4» ckZS.�ahrgcttig Ausgabe Ü Nr. 70 Bezugspreis, SletttIiäj)tL 30,— M,. monatl 10,— 9L fiel ins Sans, voraus zahlbar. Post- bezug: Monallich 10.— M. elnIKb stu- ftellungsgrbUhr. Unter iireuzdand Ntr Deullchiand und Oesterreich 16,30 SR. für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 21,50 M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tlchecho-E!o«a!ei. Däne- Marl, bolland. Luxemburg. Echweden und die Schweiz.- Eingetragen in die Post-Zeilnngs-Preislist� Difc-JBvnvärts' mu der Sonntag»- beilage»Doli und Zeir- und der Unter- hallungsdellage.Seimweir' erlcheiui wochentägllch zweimal, Sonntag, und Montag» einmal. Telegramm- Adresse: JfoälalOcnottal Beeil«". Abend Ausgabe rnsmmammmmmmmmmmmsammmmmmmammmmmmBmm Berliner VolksbleM (20 Pfennig) AnzcigeuvretSt Dir achtgeipaltene Zlonparoillegeilr kostet 350 M»Kleine Anzeigen" da->e»gedruckte Wort ILO W(zu- lässig zwei fettgebrarfte Worte! ledss weitere Wort L— HL Siellengciuch» und Schlassiellenanzeigen da» erst» Wor! L— M. teö« weitere Wort SU Pkg Wor» übet 15 Puchstaorn zählen für zwei Worte Sotmlien-Sln. zeigen für Abonnenten Zeile 3.- M. Die Dresse oerstehen stch einichliehlnst Teuerungs zuichlaa Anzeigen Mr die nächste Stuanner müssen bis S Uhr nachmittag» im Kauvigeichäfr Perli» SW 63. Linden» stratze z. abgegeben werden(BedSrwl von 9 Udr jrüh bis 5 Uhr abend» Zentralorgan der fozJaldemokratirchcn Partei Deutfcblands Ueöaktion and Expedition: SW HS» LinSenftr. 2 Fernsprecher: Amt Mortvplap. Nr. ISlSV— ISIS? Donnerstag, den Ä4. März vorNärtSeverlag G.m.b.H.. SW 08,£indenftc. 3 Fernsprecher' Ami Morivplav Nr. Il?!33-S-t Gegen öen Kommunistenputfth. flusvahmezustanö in MittelSeutsthlanü. Berlin. 24. März. Der ReichsprSfidenk Hai heule nacht für die Provinz Sachsen auf Grund des Är- likels 48 Absah 2 der Reichsverfassung unter Gegen- Zeichnung des Reichskanzlers im Einverständnis mit der preußischen Regierung Borschristen zur wiederher- Stellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in den ge- ährdeten Gegenden erlassen. Es handelt sich hier um den nichtmilitärischen Ausnahmezustand, bei dem die Zioilverwaltung mit erhöhten Befugnissen ausgestattet wird. Dementsprechend ist zum Z i v il k o m- m i s s a r der Oberprüsident der Provinz Sachsen h ö r s i n g ernannt. Ernste Lage in EiSleben. E i s l e b e n, 24. März.(MTV.) Innerhalb der Stadt herrschte in letzter Rächt Ruhe, doch wurde an den Siidausgängeu ein ziem- Nch lebhaftes Feuer unterhalten, was mit der Erwartung der Kommunisten erklärt wird, daß weitere polizeiverstärtungen eintreffen werden. Eisenbahnlinie und Bahnhof find von den S o m- m u n i st e n beseht, so daß für Zuzug nur der Chausseeweg übrig bleibt. Die Sangerhausener Straße, der Westausgang der Stadt, ist von den Kommunisten stark besetzt. Beseht ist von ihnen crac, die höhe über der huneburg: von dort aus beschießen sie die anliegenden Straßen. Die Schuhpolizei hat sich ong-sicht» ihrer geringen Anzahl in ihre Quartiere, das Seminar und die Mäd- chen-Bslksschule, zurückgezogen,(vgl. Morgenausgabe d.„Vorw.".) me gestrigen Plünderungen wurden vorwiegend von jungen Burschen verübt und betrafen KoafeklionsgcschSsle soioie auch eine An- zahl Spiritus- und Tabakgeschäfle. Räch Tagesanbruch be- schießen die Kommunisten die QuarNere der Sipo wieder leb- hafter. Auf die Barrikade«! Halle, 24. März.(TU) In Halle erließen gestern nachmittag die Parteileitung der Sozialdemokraten, der Unabhängigen und das Ge» werkschaftskartell der Angestellten einen Aufruf, worin st« sagen, daß die Betriebe noch nirgends, auch im mansfeldischen Revier nicht, vSn Truppen besetzt seien. Es liege deshalb kein Grund vor, sich der Streikbewegung anzuschließen. In Halle selbst wird noch überall gearbeitet, aber die k o,m munistische Jugend ver» breitet Flugblätter, in denen sie ruft:»Aus die Aarrikadent hoch Sowsetrußland! Das revolutionäre Ruhrgebiet ist durch den Ententeimperialismu» abgetrennt worden. Damit ist Mitteldeutschland der Kernpunkt der deutschen Revolution geworden.(!) Auf die Barrikaden! Erstürmt die Weltr Kundgebungen vor dem Leipziger Rathanse. Leipzig, 23. März.(MTB.) Im Anschluß an eine Arbeit». losentundgebung auf dem Augustusplatz zogen gestern abend größere Mafien Demonstranten noch dem neuen Rathause, wo gerade eine Sitzung der Stadtverordneten abgehalten wurde. Ein Teil der Demonstranten verschaffte fich Zutritt zu dem Sitzung?» saale, so daß die Sitzung abgebrochen werden mußte, wurde aber von Polizei wieder hinausgedrängt. Die Demonstranten lärmten aber vor dem Rathause weiter, bis gegen 10 Uhr S i ch e r h e i t s- polizei eintraf und den Platz und die Straßen am Rathause säuberte. Dies ging ohne besondere Zwischenfälle vonstatten. Max Hölz' Verhaftung. Die Verhaftung des Max hölz scheint fich zu bestätigen. Die! Korrespondenz LS. erfährt darüber folgende Einzelheiten: Am Diens-[ tag vormittag erschienen bei dem Gutsbesitzer Weihfeld in Thondorf! ErzHeuchier. Zehn Tage lang ist Schulze herumgegangen und hat V.. jedermann erzählt, daß er nächstens seinem Nachbar Müller die Herren Kommunisten scheueu fich jetzt sogar aicht, be! den.Ge-, den roten Hahn aufs Dach setzen, ihm selbst die Knochen ent» werkschaslsbonzeu" vorstellig zu werden, um sie zu bitten, sich dafür � zwei schlagen werde. Zehn Tage lang hat er prahlend den zu verweudeu. daß ihuen der Loha noch vor Qsteru aus- Totschläger und die Zündschnur herumgezeigt, die er sich zu gczohtt wird. diesem Zwecke angeschafft hat. Am elften Tage gcht Müllers Daß der kommunistische Tollhäuslerstreik wohl vorbereiket war. Haus in Flammen auf, Müller selbst wird von Schulze furcht- gehl aus folgendem hervor: Am Montag abeud war der kommu- � bar verprügelt. Jetzt aber erklärt Schulze, an dem Brande nistische Obeibonze Berg er au» Berlin in einer Funktionärsitzung gänzlich unschuldig zu sein, und was die Prügelei anbeträfe, der VKPD.. die dann nach seinem Vortrag- beschloß, die p olizei � sei er von Müller provoziert worden. zn entwaffnen und die Erwerbslosen in die Betriebe zu schicken, um die Betriebe zu besetzen. Aus Antrag der Kommunisten T h ä l m a n nund L i n d a n. der erklärte, seine Sturmtrupps von Jugendlichen feien dazu bersit. wurde beschlofien, in Massen da» Raihaus zu stürmen. Alle Warnungen vor solcher Tor- heit wurden in den W'nd geschlagen. Vi» jetzt steht fest, daß die Zahl der Toten 30 beträgt. Die von den Kommunisten beseht ge- wesene Vulkanwerst ist von diesen geräumt worden. Amtlicher Bericht aus Hamburg. Hamburg. 24. März.(WTV.) Der Ehef der Ord- nungspolizei teilt mit: Gegen 3li Uhr nachmittags versuchten etwa 1500 Arbeiter der Vulkanwcrst über Roßdamm-Elb- kunnel tn die Stadt zn gelangen. An der Ellernholzbrücke wurde der Aufforderung, an der Sperre haltzumachen, nicht Folge geleistet, vielmehr forderte ein Hetzer trotz de» Ausnahmezustandes die Menge auf. gewaltsam in geschlossenem Zuge durch- zubrechen. Alz sie fich hierzu verleiten ließ, mußte die wache von der Schußwaffe Gebrauch mache», hierbei hatte» die Das ist die Taktik der„Roten Fahne" und der VKPD. Tag für Tag haben sie ihre Aufrufe zu den Waffen und zum Kampf erscheinen lassen, Tag für Tag haben sie darauf hingewiesen, daß es in wenigen Togen„losgehen" werde. Und nun, wo es„losgegangen" ist, iparkieren sie die unschuldig Angegriffenen. Dieser ekelhaften Heuchelei mutz ein Ende gemacht werden. Würde die BKPD. mit trotzigem Mute erklären:„Ja- wohl, wir haben den. Bürgerkrieg vom Zaun geln-ocizen, aber wir halten das für unsere revolutionäre Pflicht", so müßte man das wohl sachlich schärfstens verurteilen, brauchte ober den Tätern nicht jede menschliche Sympathie versagen. Jedoch anzugreifen und sich gleichzeitig beulend über Gewalt zu beschweren, das ist ein so nichtswürdiges Gewerbe, daß man sich mit Ekelund Verachtung von dieser Sorte„Revolutio- näre" abwendet. Alle Ludendorffschen Kriegsenten werden van den Putsch- _______ �____________ lügen der BKPD übertrumpft. Man lügt so dreist, daß mc'n Demonstranteu etwa vier Tote und zehn Verwundete. Dann wurde selbst vor der sichtbarsten Bergewaltig-'.ng der Logik nicht zu- der Aufforderung, in kleinen Trupps weiterzugehen, nochgekommen.! ruckschreckt. Man höre folgenoen«atz der„.-ivten ualjne; Ein Teil der Menge zog über WNhalwsburg-Veddcl in die Stadt. Am 4i4 Ahr nachmittags wurde dl« werft von aufrührerische« Elementen, die fich hinter Barrikaden zu verteidigen suchten, gesäu- oert. Bei ihrem herausdrängen hatten die Aufrührer mehrer« ver- mundete. Sie zogen durch den Elblunuel nach dem Millerutor. hier kam es zu einem Zusammenstoß mit der Absperrung. Zug- Wachtmeister Adler von der 11. Hundertschaft der kasernierten Ordnungspolizei wurde von rückwärt, aus einem Hause er- Erp Mitteldeutschland. Jetzt Hamburg, wo die Arbeiter- schaft. die als Erste den Willen gezeigt hat, den mitteldeutschen Vrü- deru beizustehen, von den Werftbesitzern, die schon längst auf cht« Gelegenheit zur Aussperrung warten, provoziert wird. Also die Hamburger Werftarbeiterschaft ist freiwillig als erste den mitteldeutschen Kommunisten beigesprungen, aber gleichwohl von der Gegenseite zum Kampf provoziert wordenl Das verstehe, wer kann. Und wie hübsch die Ein-- schösse». Al» die Ordnungspolizei daroushiu zur Waffe greisen schaltung, daß die Werftbesitzer schon lange auf eine(Seligen mußte, traten aus seilen der Widerslaad leisleuden Menge schwere Verluste ein. Sie hatte etwa IS bi» 20 Tote und Verwundete. kurz darauf ereignete fich am Zustizgcbände ein w e l l e r e r Zusammenstoß, hierbei halten die Demonstranten etwa S verwundete. Ilm S?L Uhr wurden die noch in der Vulkan- werft befindlichen Aufrührer herausgedrängt. Abends 10 Ahr herrschte in der Stadt und lm Hasen Ruhe. Die„Hamburger Bolkszeitung" beschlagnahmt. hell zur Aussperrung warten. Ist das etwas anderes als der berühmte Ludendorffsche Präventivkrieg? Jeder offensichtliche Angriff wird bekanntermaßen damit entschuldigt, man habe nur angegriffen, um die Gegenseite nicht zuvorkom- men zu lassen.— Oder betrachten wir eine andere Meldung der„Roten Fahne" vom„Kriegsschauplatz": Zwischen Wimmelburg und Eisleben griff heute früh eine Sipo- Patrouille von 15 Mann die bewaffnete Arbeiterschaft an. Dabei wurden 3 Siposoldalen getötet, ö verwundet und 4 gefangen. Der Hamburg. 24. März.(WTV.) Gestern abend wurde die"griff die Flucht unter Zurücklassung eines Autos. gesamte Auflage des hiesigen kommunistischen Organs, der„ham- burger volkszeilung", polizeilich beschlagnahmt und das Er- scheinen vorläufig untersagt. Die Beschlagnahme ist darauf zurückzuführen. daß dos Blatt zum Waffenraub und zur Besetzung der Quais durch die Arbeitslosen aufgefordert hatte. Die Sozialifierungskomödic. Hamburg. 24. März,(TU.) Wie bereits gestern abend gemeldet, haben die Kommunisten die Werst von Blohm u. Daß mit 1500 Mann belagert, die als erste Mannschaft die»Sozialisierung" de» Betriebes in die Hand nehmen soll und aus ihrer Mitte Meister und Obermeister ernannt hat. Diese 1500 Mann, die am heuttgen Morgen abgelöst werdey sollten, find aber durch die Sicherheits- e« Lt zwangen, sein Personenauto auszuliefern. Di« benach- richtigte Polizei stellte durch telephonische Nachfrage fest, daß bei Wagen die Richtung nach Ouedlinburg eingeschlagen hatte. Die dor> tige Polizei wurde alarmiert. Durch einen glücklichen Zufall mußte das Auto vor Ouedlinburg an einer heruntergelafienen Bahnsperre halten. Sofort sprangen die Polizeibeamten hinzu, verhasteten und fefielten die überraschten Insassen. Der eine gab unumwunden zu, Max hölz zu sein, die anderen beiden heißen Grünberg und Boguslao Müller. Außer Revolvern und Handgranaten fand man bei den Verhafteten auch 40 000 Mark, die aus den B o n k b e- raubungen in Mansseld und Heldra stammten. Würüige Arbeiterführer. die Werft verlassen müssen, da die Lebensmittelvorräte aus der Werft ihnen ein längeres Ausharren nicht erlauben werden. So leicht haben sich bisher selbst die kommunistischen Arbeiter das Sozialisieren nicht gedacht. Man besetzt«in« Fabrik, ernennt einen neuen Meister und die Sozialisierung ist fertig. Man könnt« lachen, wenn die F o l g'e n dieser kindischen Spielerei für die Ar- beiterschast nicht so furchtbar ernst wären. Kommuniftisther Spektakel in Serlln. Die verbrecherischen Heldentaten in Mitieldenfichiand und an- derenorts scheinen auf die auch In VerNu vorhandeueu kommnulfti- scheu WirrlSpfe anspornend gewirkt zu haben. Man will offenbar auch hier zu einer Aktion schreiten und versuchte daher, im Laufe de? h a m b u r g. 23. März.(Eigener vrahlbericht des.Vorwärts".) heutigen vormittag» im Arbeltanachwei, de» Metall- Räch dem Sturm de« gestrigen Tage» herrscht hepte überall kessle arbeilerverbande» die nötige Stimmung vorzubereiten. Ruhe, selbst bei den Kommunisten. Auf dm werften wird g e- Etwa 200 bi» 300 junge Leute hielten im Arbeitsnachweis Brand- arbeitet, mit Ausnahme der werften von Blohm u. voß. der reden, begeisterten sich durch Singen revolutionärer Lieder und störten Bulkanwerfi, der Deutichm werft Finken wärder. heute mittag den Betrieb dermaßen, daß der Arbeitsnachweis für einige Zeit ge- 1 Ahr haben die Betriebsräte der SPD. und ASP. mit dem schlössen werden mußte. Vemobilmachungskommisiar über die Wiederaufnahme der Arbeit Mit Ihrem Zlppell zur AkKon fanden fie jedoch bei dm Slterm von ihnen abzurücken, der kann sich nicht wundern, wenn ihm verhandelt. Charakteristisch für dle� kommnnislischm Führer ist e»,! arbeitslosen Metallarbeitem keine Gegmliebe. Schließlich zogm sie ein Teil der Verantwortung zugeschoben wird. daß sie fich bei dm Zusammmstößeu fernab vom Schnß ab und erNSrtm. nunmehr die vekriebe besehe» zu wollen.| Und nun noch ein Wort zu den Dynamitattentaten. Wir Danach sind von den 15 Mann der Polizelpatrouille st, also drei Fünftel der Stärke, getötet bzw. verwundet worden. Vier wurden gefangen. Nur 2 sind entkommen. Ausdrücklich wird betont, daß die Arbeiterschaft bewaffnet war. Trotz- dem soll man hier an einen„Angriff" der schwachen Patrouille glauben, die doch nur aus selbstmörderischen Absichten o hätte handeln können. Aber warum nicht? Belgien hat a auch Deutschland angegriffen— sagt Herr Ludendorff. Und oll fich die„Rote Fahne" von Ludendorff in den Schatten teilen lasten? Wie zu erwarten, stimmt die„Rote Fahne" ein furcht- bares Geschrei darüber an, daß auf die zahlreichen Ver- brechertaten und Dynamitattentate in Mitteldeutschland öffentlich hingewiesen wird. Ein ganzer Leitartikel wird dem amtlichen preußischen Pressedienst gewidmet, der natürlich dos Sprachrohr derpreußischenRegiernng und nicht, wie die„Rote Fahne" lügt(doch was ist eine Lüge unter hunder- ten?), das Sprachrohr der Sozialdemokratie ist. Der preußische Pressedienst hat die Wut der„Roten Fahne" erregt. weil er größte Entschiedenheit auch gegen die Leute angekün- digt hgt, die Räuber und Erpresser mit ungesetzlichen Mitteln inSchutznehmen. So etwas tut die„Rote Fahne" ber- leibe nicht. Nur schreibt sie heute früh: Nach einer Meldung aus Eisleben find die von WTB. ver- breiteten Nachrichten über Beraubung von Banken und Kasten un- wahr. Lediglich in Heldra wurden bei der Volksbank 17 530 Mark abgehoben. Einmal find die zahlreichen Raubmeldungen doch wahr und uns von zuverlässiger privater Seite bestätigt worden. Wäre aber auch nur der Bankraub in Heldra Wirklichkeit— seit wann bezeichnen anständige Leute einen glatten Bankraub mit dem schönen Ausdruck„Geld abheben"?! Wer in dieser Weise unentschuldbare Verbrechertaten mit dem Mantel �beschönigender Redensarten bedeckt, anstatt klar und deutlich hielten, um ihr eigenes Lebm nicht zu gefährden, währmd sie die Bei oll diesm Borkommnifim weiß man nicht, wo die Spitzelet find irregeleitelm Arbeiter frivol vor dl« Gewehr« trieben. Za,. anfängt und der Irrsinn aufhört. 1 t e r für die„Rote Fahne" überführt,„in das N a ch t w ä ch- Horn der bellenden Hunde der Bourgeoisie zu möglich sein werde und daß es vielleicht ratsam wäre, das ge- famte Gebiet entweder Polen oder Deutschland zuzuteilen und dafür den Staat, der das von ihm gewünschte Gebiet verliere, an anderer : Stelle zu entschädigen(?). Der polnische Terror. Amsterdam. 24. März, shollandfch JJleurostrarcau-) Der Korrespondcnl de».Algemeeu handelsblad" meldet aus kotlowitz, daß der Zustand in Oberschlesien stündlich schlimmer wird. Aus persönlicher Erfahrung könne er seslslellcn, daß die polnische Bevölkerung in ZNyslowitz talsächlich beschlossen habe, mit der beut. scheu Minderheit endgültig abzurechnen. Auf der ganzen Strecke südlich von Satlowih herrsche vollständige Anarchie. Sorfanty habe die Parole ausgegeben, daß die Grenze schon setzt nach dem Westen verlegt werden müsse. Seine Trabanten seien meisten» bewaffnete Zunge Leute von lö bis 20 Jahren, die seine Befehle mit dem größten Vergnügen aussühren. Es seien Verbrechertypen, die rauben, morden und plündern. Auch dieser Korrespondent versichert, es sei absolut wahr, daß die Be- völkerung aus den östlichen Gebieten fliehe. Beuthen, 24. März.(MTB.) Der Kreisgouverneur von Beuthcn-Land hat wegen der Ermordung mehrerer in Diensten der Interalliierten Kommission stehenden Personen in Kars besonders scharfe polizelliche Bestimmungen erlasien. Danach wird auf Gruppen von mehr als vier männlichen Personen sofort und ohne War- nung das Feuer eröffnet. All« Versammlungen, mit Aus- nähme von religiösen, sind verboten. Von 8 Uhr abends bis 4 Uhr morgens wird auf Gruppe» von mehr als zwei Personen beiderlei Geschlechts ohne Warnung gefeuert. Die Geschäfte dürfen nur von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr nachmittags offen bleiben. Aehnlich« Bestimmungen sind'für Miechowitz erlassen worden. Ueber die Vorgänge in Kurf wird von unterrichteter Seite fol- gendes mitgeteilt: Am Dienstag abend wurden acht Landjäger von einer großen Menschenmenge bedrängt. Sie slüchteten in ein chaus, das die Menge ununterbrochen von 11 Uhr abends bis S Uhr morgen» belagerte. Als die Landjäger im Feuergefecht mit der Menge ihre Munition verschosien hatten, zeigten sie durch ein weiße» Tuch an, daß sie sich ergeben wollten, und es wurde ihnen freies Geleit zugesichert. Als sie jedoch das Haus verließen, wurden vier von ihnen sofort bestiallsch ermordet und zwei so schwer verwundet, daß sie inzwischen gestorben sind. Die beiden übrigen wurden schwer verletzt. Während der Beschießung des Hauses wurde ein Dreher erschosien. Oppeln, 24. März.(III.) Gestern abend lagen zahlreiche Mel- düngen über terroristische Akte der Polen im südlichen und südwestlichen Teil°des Kreises K a t t o w i tz vor. In Maczeltowitz wurden die Deutschen aus der Ortschaft ver- trieben. Au» M y s l o w i tz werden neue Terrorakte gemeldet. Die dort liegenden Franzosen sind angeblich gegen den Terror machtlos. G i e s ch e w a l d ist für einen Deutschgesinnten nicht mehr betretbar. Der Terror hat aber auch bereits auf die übrigen Gebiete übcrge- griffen. So mußten in R y b n i ck- S t a d t die Italiener und die Apo den Marktplatz von polnischen Banden räumen. In K o b i e- litz und in Gielmitz wurden Reichsoberschlesier verwundet. In K o s ch e n t i n im Kreise Oppeln wurde in eine Unterkunft für Reichsoberschlesier drei Sprengkapseln geworfen, die Sachschaden an» richteten. In Stellarzowitz, Kreis Tarnowitz, wurde die Frau eine« deutschen Vertrauensmannes von fünf Polen überfallen und mit Eisenstäben Mißhandelt. In Makeschan, Kreis Hindenburg, mußte der Gemeindevorsteher mit seiner Familie flüchten. Aus R u d a sind zahlreiche Einwohner nach Hindenburg geflüchtet. Aus fast sämtlichen Tellen des Kreises Beuthen kommen ebenfalls Nach. richten, daß die dortigen Deutschen verfolgt werden. öesetzung öes Ruhrreviers! Koblenz, 24. vlärz.(EE.) ver»Chicago Tribüne" wird au« Koblenz gemeldet, daß unter amerlkanifcheu und frauzösischeu Autoritäten die Ansicht vorherrsche, daß weitere Zwang» maß- nahmen infolge der Weigerung Deutschland, zur Zahlung der einen Milliarde Goldmark zu erwarten seien. Man werde nunmehr das Ruhrgeblet,«iuschließlich Essen, besetzen. E» H• sei damit zu rechnen, daß diese Truppenbewegung bereit, heule ein- setzen werde, die alliierten Truppen im Vrückenkopfgebiele von Köln and im neubesetzten Gebiete seien entsprechend verstärkt worden. Londou. 24. März.»Daily Telegraph" zufolge herrsche in der City immer ein ziemlicher Skeptizismus bezüglich der Höhe des Be- träges, den Deutschland bezahlen wird, so daß die Nachrichten von der Nichtbezahlung der fälligen einen Milliarde Goldmark durch die deutsche Regierung und ihre Weigerung, die von der Reparations- kommifsion vor dem 1. Mai geforderten 12 Milliarden zu bezahlen, wenig Ileberrafchung hervorgerufen habe.»Dolly News" schreibt: Die Forderung der Reparationskommisflon nach Bezahlung von 12 Milliarden innerhalb sechs Wochen sei grotesk und un- möglich. Die alliierten Sachverständigen in Brüsiel und der Oberste Rat m Paris seien übereingekommen, daß da» Aeußerste, was Deutschland augenblicklich zahlen könne, durchschnittlich drei Milliarden jährlich sei. Unmögliches zu fordern und Zwangs- aktionen als Straftnaßnahmen für die Nichterfüllung aufzuer- legen, wäre die rohe st e und hoffnungsloseste Politik. Das beste sei eine Zusammenkunft der beiderseitigen Sachver- ständigen. » Nach einer Havas-Meldung wird die Reparationskom- Mission noch heut« der Kriegslastenkommission eine Mitteilung au die deutsche Regierung zugehen lassen, die sich mll der ablehnenden deutschen Note beschäftigt. Brian», Versailles und die Sanktionen. B r i a n d erklärt« gestern vor dem vereinigten Senats- a u s f ch u ß für Auswärtige Angelegenheiten und Finanzen, daß der V«rsaill«rVertragin Kraft treten würde, sobald die Deutschen nicht bezahlen würden, und daß von den Alliierten olle Maßnahmen getroffen würden, um den§ 18 Anhang II diese» Vertrages zur Anwendung zu bringen. Die Antwort lautete weiter, daß der Wort- laut des Vertrages förmlich sei und daß die Frist für die B e- s e tz u n g der deutschen Gebiete er st dann zu laufen be- ginne, wenn Frankreich Genugtuung erhalten hätte.(!) In Beantwortung de? Frage, wie die Schuld von 12 Milliarden Goid- mark flüssig zu machen sei, bemerkt« Briand, daß Deutschland auf der R« i ch s b a n k einen Goldbestand von 1 609 900 999 M. habe und daß übrigens die Möglichkeit emer Anleihe gar nicht ins Auge zu fassen sei.(?)__ Zloyd George, der Rrbeiterfreunö. Koalition gegen den Sozialismus. London, 24. März.(WTB.) Lloyd Georg« hielt vor der New Members Toalttion Group(einer aus 112 Parlamentsmit- gliedern bestehenden, von beiden Flügeln der Koalitton zusammen- gefetzten Gruppe) ein« große innerpolitische Rede, in der er für eine Koalitton zur Bekämpfung des Sozialismus eintrat. Lloyd George erklärte, die große Gefahr sei der phänomenale Ausstteg zur Macht einer neuen Partei mit neuen, äußerst umstürzlerischen Zielen. Diese Partei nenne sich Arbeiterpartei, in Wirklichkett sei sie eine kapitalistische Partei,(l) Sie reiße die anderen Parteien in Stücke, um darauf die bürgerliche Gesellschaft in Stücke zu reißen. Der Sozialismus bezwecke die Z e r st ö r u n g alles dessen, was die großen Propheten und Führer beider Parteien fett Generationen mühsam aufgebaut hätten. Die" unabhängigen Liberalen unterstützten diese Revolutionäre. Ihre Artillerie helfe, die Verteidigung»- stellungen der bürgerlichen Gesellschaft zu vernichten. Wenn sie Er- folg hätten, so würden die Sozialisten in die Zitadelle eindringen und dort allein herrschen. Lloyd George forderte alle auf, die sich der Gefahr bewußt seien, die Reihen zu schließen und schloß mit der Erklärung, alle Mahnahmen müßten getroffen werden, um die große Wählerschaft aufzuklären, die zu einem nicht entfernten Zeitpunkt zu entscheiden haben werde, damtt, wenn diese schicksalschwere Stunde schlage, das Wohl Englands ruhig ihrer Sorge anvertraut werden könne. Die Rede des Premierminister» findet w der Abendpresi« größte Beachtung ver Krieg im Orient. Reuter meldet aus Smyrna den Beginn der erwarteten griechischen Offensiv« gegen die türkischen Nationalisten. Die volschewisken baben nach WTB. die Kemalisten oufge- fordert, innerhalb 48 Stunden Batum zu übergeben. stoßen-.(Diese Redeblüte mag für den Geisteszustand d« kommunistischen Führer zeugen!) Ganz wie wir vorausge- sagt haben, beruft sich die„Rote Fahne" auf die Attentatshetze zu Bismarcks Zeiten, wo der Sozialdemokratie jedes Derbrechen an die Rockschöße gehängt wurde. Den Unterschied zwischen damals und heute haben wir bereits in der Morgen- au-gäbe dargelegt. Wir unterstreichen das nochmals. Zu Bismarcks Zeiten konnte die Sozialdemokratie mit Entrüstung und gutem Gewissen solche Anwürfe zurückweisen, weil sie gerade die entgegengesetzte Taktik verfolgte, wie heute die Kommunisten, weil die Sozialdemokratie nicht zu Putschen aufrief, sondern die Putschisten von sich ab- schüttelte, weil sie Terror und Gewalt nicht verherrlichte, sondern verwarf. Zu Bismarcks Zeiten gab es kein sozialdemokratisches Organ, das die delirierende P u t f ch s p r a ch e führte wie heute die„Rote Fahne"— mit einer Ausnahme. Diese Ausnahme war die in London erscheinende„Freiheit" des späteren Anarchisten M o st. Most wurde wegen seiner Hal- tung sehr bald aus der Partei ausgeschlossen, und es stellte sich heraus, daß das Geld seines Hetzblattes von dem Bismarckfchen Polizeiagenten Engel stammte. daß Mösts intimste Mitarbeiter und Redakteure Spitzel im Solde Bismarcks waren. Wenn die„Rote Fahne" diesen Vergleich auf sich nehmen will, wir sinds zufrieden. Wir betonen hier gern und laut, daß das Delirium der„Roten Fahne" mit dem Delirium der Mostschen„Freiheit" vor einem Menschenalter eine ver- bluffende Familienähnlichkeit hat. Und wenn ;[leiche Wirkungen auf gleiche Ursache»"zurückzuführen sind, o mag sich jeder über die Ursachen seine eigenen Gedanken machen. Wer die heutige Morgenpresie verfolgt, kann eins fest- stellen: Jauchzende Freude aller Reaktionäre über dies unverhoffte Ostergeschenk. Die Wonne guckt aus jeder Zeile hervor, mit der diese Blätter energisches Einschrei- ten, rücksichtsloses Niederschlagen des Putsches und größte Strenge fordern. Angst hat die Reaktion gar nicht, weil sie genau das Kräfteverhältnis kennt. Aber freudig erregt ist sie, weil die kommunistische Putschtaktik ihr ungeahnte Zutreiberdienste leistet. Diesen einen„Erfolg" werden die kommunistischen Putschhelden— wie aus jedem Putsch bisher— davontragen: Arbeiterblut zur Stärkung der Reaktion geopfert zu haben! Gegen öie Austeilung Gberschlestens. London, 24. März.(WTB.)„W e st m i n st e r Gazette" schreibt in einem Leitartikel, die Alliierten könnten die zugunsten Deutschlands ausgefallene Gefamtabi immung in Oberschlesien nicht unberücksichtigt lassen, ohne größtes Unrecht zu begehen. Sie könnten dies« Provinz nicht in Regionen nach dem Ausfall der Ab- ftimmung in den einzelnen Gemeinden zerschneiden, ohne die «berschlesische Industrie zu ruinieren oder schwer zu schädigen. Die Alliierten könnten keinerlei Zwangsregelung aufer- legen, ohne bereit zu sein, sie durch ihre eigene Kraft auftechtzu- erhalten. .Outlook" führt aus, es fei besonders erfreulich, daß die Mehrheit so groß war, daß die Polen den Obersten Rat nicht er- suchen könnten, den durch die Abstimmung gefällten Wahrspruch ein- fach beiseite zu schieben. Es sei seit langem die Ansicht der Mehr- heit der englischen Staatsmänner und Sachverständigen gewesen, daß die oberschlesische Kohle für Deutschland von vitaler Bedeutung sei, wenn es sich genügend erholen solle, um an- gemessene Reparationen zu leisten. Die französische Politik, die dar- aus ausgehe. Deutschland dauernd zu schwächen, slade im Loudoner Auswärligeu Amt ulcht viel Unterstützung, was auch immer North- «liste und ein großer Teil des englischen Publikums über diese Frage denken mögen.< Die»M orningpost" schreibt zum Abstimmungsergebnis in Oberschlesien: In London gewinne immer mehr die Ansicht an Boden, daß eine Teilung des Industriegebiets jetzt u n- Nur hineinsehen... „Wir wollten ja nur hineinsehen", sagten die beiden Mädchen weinend, als sie vom Geschäslssührcr und der„Direktorin" den Schutz. leuten übergeben wurden. Es half ihnen nichts, sie mußten mit zur Polizeiwoche. Ihr Hinterhaus aber, das den Hos mit den Casehaus- hinterräumen begrenzt«, in denen man sie oerhaftete, schwieg. Wenn frgendwo ein Fenster klirri«, so schloß es sich wieder, neugierig teil- nahmslos, als sie von den beiden Beamten abgeführt wurden. Das Hinterhaus, in dem sie wohnten. Es war das zweite, und noch zwei liesen ihm parallel, genau so düster und kahl, genau so klein« zementgesaßte Höf« rahmend wie die beiden vorderen. Trüb- selig« schwache Birnen über ten Torgängen warteten müde und ver- brassen aus die Stunde, die ihnen das Leuchten ersparte. Rur par. teere blinkte es im zweiten Hos noch hinler einer Reih« von Scheiben hell, atmeie ein belichteter Gang magenpricketnde Gerüche aus. Es war«in Weinrestaurant, das mit gleißenden Lichtbuchstaben und Vetchrosa schimmernden Bogenfenstern an der Straße protzte und den ersten Hof mit glänzenden Räumen umgürtete. Allabendlich halten die beiden Mädchen das lockende Licht durch- schreiten mästen, wenn sie von der Arbeit kamen und heimkehrten in die dunstige, kalte Wohnung, in der die siebenköpfige Familie in zwei Zimmern lebte Der Fünfzehnfährigen, der kaum aus der Schule Entlastenen, war oft schon der heißhungrige Wunsch entquollen, hineinzusehen in die verheißungsvollen Räume. Die Sechzehnjährige hatte abgewehrt: Da» ist nur für Schieber und Kriegsgewinnler, sagte sie. E» war am Freitagabend. Das Brot war schon am Donnerstag aufgegesien. In ihre knurrenden Magen drang der Duft von Braten und Kuchen. Di« Jüngere lockte: »Wenn wir dahinten reingehen, können wir vielleicht was sehen, unbemerkt." Fast ohne es zu wollen, waren sie an die offene Tür de» Flures getreten. Märchenhaft zart und weich schwangen Geigen. töne zu ihnen herab, eine Treppe herunter, die nach oben führte. Es zog sie den Tönen nach. Links von der Treppe lief ein endloser Korridor, gegenüber der Treppe, unterbrochen von einer Flügeltür, an der' das Wort stand„Rolensaal". Die Mädchen äugten herz. klopfend nach links und rechts. Ein Mauervorsprung, der einen Speisenaufzug umhüllte, rechts der Treppe: hinter ihn bargen sie sich. Wenn auch ihr Herz pochte vor Angst, als sich die%üx öffnete, der Aufzug rumpelte und die Kellner ihm ihr Bestelltes entnahmen. so bannte sie doch ein Bild von Rosengirlanden und rot blutenden Ampeln, von schwellenden Poistern und schneeweißen Decken, von goldgefaßten Spiegeln und blinkenden Sektkübeln. Und Geigen schluchzten und jubelten— sie blieben, bis die Kellner wiederkamen, nvch einmal kamen, bis man sie entdeckte. Seidenrauschend kam die„Direktorin" hinzu, Gäste sammelten sich um sie.„Stehlen nur wollten sie. So'n Pack meine Herr- schasten, schleicht sich nur zu so was ein." Di« Polizeibeamten holten die beiden ab, und vernahmen sie und protokollieren:.Angeblich wollten die Angeklagten sich nur den Saal ausehev." Zwar konnten weder die»Frau Direktorin" noch der Herr Ge- schäftsführer feststellen, daß etwas gestohlen war, aber sittlich entrüstet machte sich die Frau.Direktorin" ihren Stammgästen gegenüber Luft: »Di« beiden Mädels? Freigelasten hat man diel Denken Sie nur, freigelassen! So raffiniert und verdorben die jungen Bälger schon, daß sie schwindeln,»sie wollten ja nur mal reinfehen"." Die Frau Direktorin, die 299 M. für die Flasche Sekt nimmt, winkt einer»Intimen" zu, sie solle ihren Kavalier doch Sekt bestellen lasten— und hebt stolz das Doppelkinn: »Rein, solch verdorbenes, solch raffiniertes Pack." _ P. Haupt. Menschliches. Allzumenschllches. Di« Lebenstragödie des großen französischen Dichter» Verlaine wird in einer soeben erschienenen umfassenden englischen Biographie von Harold Nicholson in einem menschlich ergreifenden Lichte gezeigt. Das Leben dieses genialen Lyrikers war ja bekonntlich ein ewiger Kampf mit dem Alkohol und vor allem mit dem Absinth, der»grünen Hexe". Nur wenige Mo- nate gab er unter dem Einfluß einer großen Liebe das Trinken auf. Der Altohol konnte den sanften, duldsamen und feigen Dichter zu wilden Wutanfällen und Gewalttätigketten reizen; er soll auch den ersten Anlaß zu seiner religiösen Bekehrung gegeben haben.„Anatole France erzählt uns," schreibt Nicholson,»wie Berlaine, nach einem beim Absinth oerbrachten Tage in ttese Gewisiensqualen versunken, nachmittag« in die Kühle einer Pariser Kirche geriet und dort laut nach einem Beichtvater verlangte.»Ich bin ein Elender, ein Ber- brecher," schrie er,»ich will beichten und Absolution erhalten." Er benahm sich ober dabei so ungebärdig, daß er gewalisam in den abendlichen Sonnenschein hinausbefördert werden mußte." Auch um den Patriotismus Berlaine» war es nicht besonders bestellt.»Als er im Kriege von 1879 hörte, daß die Deutschen sich der Hauptstadt näherten, soll er gemütsruhig gesagt haben:»Na, dann werden wir wenigstens etwas gute Musik hören!" In einem Anfall von Kriegs- tust, der wohl vom Alkohol herkam, ließ er sich dann bei den Nationalgarden einschreiben, aber betrachtete dieses„Soldaten- spielen" nur als einen Scherz. Bis zu seinem Tode im Jahre 1888 war und blieb Verlaine ein großes Kind, Während der Zeit, die er als Schullehrer in England verbrachte, schloß er, wie Nicholson be- richtet, die engste Freundschaft mit einem italienischen Photographen, der in seinem Laden eine automatische Spieluhr und das große Skelett eines Walfisches befaß. Es gab nichts Schöneres für Verlaine, als mit seinem Freunde im Skelett dieses Walfisches zu sitzen, der Spieluhr zu lauschen und dabei Ale zu trinken. Auch sein Haß war kindisch, und kindisch die Art, wie er ihn äußerte. So hatte er auf den Dichter Leconte de Lisle eine besondere Wut, weit man ihm von diesem die Aeußerung hinterbracht hatte:»Verlaine, was, der lebt noch? Der Burfch wird wohl überhaupt nicht sterben, außer auf dem Schafott!" Der Reklamedicb. Wenn man dem Pariser„Moniteur" glauben darf, so sind viele der aufsehenerregenden Iuwelendiebstähle in den vornehmen Pariser Hotels bestellte Arbett, die zum Zweck der Re- Name im Rohmen emer ausgeklügelten Inszenierung zur Aus» führung gelangt. Ein sensationeller Iuwelendiebftahl dient dem Hotel, in dem er vor stch ging, als wirkungskräfttge Reklame; denn ein Haus. In dem man Kostbarkelten von so fabelhaftem Wert er- beuten kann, muß logischerweise Gäste aus den ersten Gesellschafts- kreisen zu seiner Kundschaft zählen. Ein Hotelier, der etwas auf sich hält, muß deshalb in der Saison mindestens zwei oder drei aufsehen- erregende Diebstähle arrangieren. Leicht ist die Sache eben nicht; denn das Publikum interessiert sich nicht mehr für die Diebstähle, deren Opfer bekannte Schauspielerinnen und vielgenannte Damen der Halbwett sind. Diese scheiden also von vornherein für besagte Retlamezwecke aus. Was deute noch zieht, ist der Diebstahl von Wertstücken reicher, auf der Durchreis« befindlicher Amerikanerinnen, die nach achttägiger Aufregung und unter tätiger Unterstützung der geriebenen Detektiv» das vermißte Kleinod schließlich in ihrer Hand- tasche wiederfinden. Selbstverständlich muß sich der Hotelbesitzer, de« diesen Reklametrick betreibt, der Mitwirkung eines erfahrenen Hotel- marders bedienen, der fich nicht nur auf fein Handwerk versteht, sondern der auch von unbedingter Zuverlässigtett ist, da in anderen, Falle aus dem Spaße leicht bitterer Ernst werden könnte. Der engagierte Hoteldieb läuft seinerseits nicht geringe Gefahr und muß deshalb angesichts des großen Risiko» durch«in« angemessen« Eni. lohnung schadlos gehallen werden. »Die Landesmutter". Der deutsch« Buchhandel stöhnt unter den ungeheuren Preisen, die die Absatzfähigkeit des deutschen Buches im Inland, wenn man von Unterhaltungsware abfleht, in erschreckender Weise ständig verringert. Aber heil unseren Geistesheroen! Noch gibt es Autoren, die das geistige Banner hochhallen, Berleger, hie werwolle Prachtbände herausbringen. Empkohlen vom deutsche» Landessrauenvere'm und dem Roten Kreuz, erschien in diesen Tagen „Auguste Viktoria als Landesnmtter" in echtem Halbpergamentband mit Goldschnitt und Schutzkartvn. Für fünfzig Mark. Verfasser: .Bogdan, Krieger, Königlicher Hausbibliothekar." Do» Buch— so versichert eine Anzeige des Berleger»— bildet ein werwolles Kon- firmationsgefchenk. Kindchen, was brauchst du noch mehr! Sowjetvaluta. Ein Norweger, der kürzlich au» Rußland zurückgekehrt ist, erzählt in einem Blatt folgende Geschichte: Al« eines Tages bei einem Regiment die Löhnung ousgezahtt wurde, liefert- man die Banknoten tonnenweise an die Offiziere. Ein Dataillons- kommandeur bettagte sich, er habe zu wenig erhalten.„So?" sagte der Zahlmeister.„Na, hier haben Sie noch eine Tonne— aber ve- gessen Sie nicht, mir die Tonne zurückzugeben!" Voltsbühne. Die vübnenbilder ,a«ophokle«'.Anttgone', die als niichsl« Erslauffübrung vorbereitet wird, find von San» Strohbach, die Musik von Hein, Tiessen. Kleine» Schauspielhaus. Karfreitag findet ein« Anllübrnng von Korti«.Nachtasyl- siatt. Nalija: öZertrud T y s o l d t. in der Inszenierung von Victor Schwannete. Bühnenbild: Hermann Krehan. «uuttiolon Kritz«urlitt. Potsdamer Str lt». Villa lt. bleibt vo» Freitag, den 2S. War,, bis Dienstag, de» 2S. Mäiz, geschlossen. Cur! Earrinth hat unter dem Titel.Sommer» ein neue» Scha» spiel vollendet. Die Nraufiühruna de» Berte» findet Anfang April ine Düfseldorjer Schauspielhaut statt. tDicdcr in üer Heimat... Äenosie Otto Landsberg, der deutsche Gesandte in Brüssel, schreibt in der Magdeburger„ßolfsftimmc* über seine Abstimmungsreise nach Oberschlesien aus R y b n i t: Wieder in der Heimat! Vor 45 Jahren habe ich sie verlasien, seit 36 Jahren habe ich sie nicht besucht, ober so wenig wie meine Liebe zu ihr hat ihre Zuneigung für mich sich vermindert. Die Pflastersteine, die alten Häuser erzählen mir Geschichten, wie sie der Großvater für die Enkel stets vorrätig hat. Bilder, die längst ich! vergessen geglaubt, tauchen vor mir auf. Bor meinem Geburts- haus stehend, fche ich im Geiste plötzlich unser Gegenüber von da- mals, den Tierarzt Kotelmann, dessen Papageienpärchen der Gegen- stand meines größten Interesses war, und neben ihm steht sein Nao�hcr, der Buchbinder Hertel, der von dem Drang erfaßt, unter die fahrenden Leute zu gehen, seinem Beruf untreu wurde, ein Karussell erwarb und, wenn er nach Rybnik kam, mir, seinem Lieb- ling, freie Fahrt gewährte. Aus meinen Träumen werde ich durch die Begrüßung von Jugendfreunden herausgerisien, die gleich mir herbeigeeilt sind, um der Erde, auf der sie die ersten unsicheren Schritte gemacht haben, ,}ü vergelten, was sie ihr danken, um die Heimat zu retten. Denn sie stt von schwerer Gefahr bedroht, und jeder, der hierher gekommen ist. um für Deutschland zu stimmen, weiß, daß Oberschlesien sterben muß, wenn die deutsche Sache unterliegt. Und deshalb sind Hunderttausende hergeströmt, und deshalb haben sich Oberschleficr aus Nord- und Südamerika, aus Australien und China, aus Dänemark und Belgien eingefunden: deshalb hat sich jene iskrau, die ein sechs Wochen altes Kind an der Brust trägt, jene andere, der ein Abszeß hohes Fieber verursacht, jener Mann, dem das Gewicht seiner 93 Jahre den Rücken krümmt, jener andere, an dem heute früh erst der Chirurg eine schwere Ohrenoperation vorgenommen hat— deshalb haben sie alle sich auf die Reise be- geben. Und der Heimatboden übt auf sie die belebende und stäh- lende Wirkung aus, die den mythischen Helden Antaio» unüber- windlich machte. Eine vorzügliche Organisation des Beförderungsdienstes hatte die Strapazen der Reise auf dos Mindestmaß gebracht. Di« Reisenden der Berliner Stadt- oder der Hochbahn könnten sich glück- lich preisen, wenn in denen Abteilen in den Haupwerkehrsswnden kein größeres Gedränge herrschte wie in den Zügen, die die Ober- schlesier aus ganz Deutschland in die Heimatprovinz führten. Und die Bevölkerung der Orte, an denen wir vorbeifuhren» wetteifert« in Kundgebungen, deren Herzlichkeit uns bewegt«. Den Preis er» kenne ich der Jugend des Dorfes Heia in dem als überwiegend polnisch geltenden Kreise Rybnik zu, die uns mit dem prachtvoll gesungenen Lied« �Deutschland, Deutschland über alles' empfing. Unter den Reisenden fällt der st ark« jüdische Einschlag auf. Für die echten Deutschnationalen ist es außer Zweifel, daß ein Jude nicht deutsch empfinden kann. In Scharen sind die aus Oberschlesien stammenden Juden gekommen, um ihre Stimme für Deutsch- land abzugeben. Keiner von ihnen verfolgt den Zweck, durch sein« Abstimmung blöde Vorurteile zu widerlegen; sie lächeln mit- leidig über di« Hakenkreuze, mit d«n«n manche besonders taktvoll« Helfer des Heimatschutzes ihre Brust verziert haben. Sie denken auch nicht daran, daß der Sieg der Polen in Oberschlesien ei�t Verschiebung der Pogromgrenzen nach Westen bedeuten würde. Kein anderer Gedanke beseelt sie als der: die engere Heimat und Deutschland vor dem Untergang zu bewahren. Das Beispiel des ehe- maligen Hospitanten der deutschkonservatioen R« i ch s t a g s fr a t i o n, Grafen O p p e r s d o r j f. der Oberschlesien den Polen zuschanzen will, lockt sie ebensowenig wie da» des sächsi- scheu deutschkonservatioen Landtagsabgeordne. t e n Barch, der die Wenden tschechoslowakisch machen wollte. DieTattlkderPolentst deutlich zu erkennen. Sie misten, daß sie auf Erfolg« im nördlichen Teil Oberschlesiens nicht rechnen können, und wollen wenigstens den Südzipfel, namentlich die Streife Rybnik und P l e ß, erobern. Was kümmert sie«s, daß di« Zer- reißung des Landes die beiden Teil« vernichten würde, in di« es zerfiel-� Weder an Versprechungen noch an Drohungen und Gewalt- taten haben sie es fehlen lassen. Jeder Oberschlesier soll, so haben sie verkündet, LS Morgen Land und zwei Kühe erhallen, wenn Ober- schlesien mit Polen oereinigt wird. Die Armen, die sich durch diese Verheißungen betören lassen! Für wie viele von ihnen würden die in Aussicht gestellten 25 Morgen auf das bißchen Erde zusammen- schrumpfen, das der Körper für die. letzte Ruhe braucht! Und die beiden Kühe würden'sich in jene Haustiere oerwandeln, die bei der Verbreitung des Flecktyphus eine so hervorragende Rolle spielen. Die Polen fühlen selbst, daß ein ungewöhnlich hoher Grad geisttger Schwerfälligkeit dazu gehört, an die goldenen Berge zu glauben, die sie den Oberlchlesiern verheißen, und deshalb haben sie im südlichen Telle Oberschlesiens ein Schreckensregiment errichtet, unter besten Druck weite Kreise der Bevölkerung seufzen. Jeder Abstimmungsberechtigte wird im Wahllokal zwei Stimm- zettel erholten, von denen der eine auf Deutschland, der andere auf . Polen lautet: einer von ihnen ist abzugeben. Auf dem platten Lande der südlichen Kreise haben die polnischen Agitatoren den Wählern angekündigt, daß sie sich nach der Wahl den deutschen Zettel von ihnen würden vorweisen lasten und sie zur Rechenschaft ziehen würden, wenn sie ihn nicht besäßen: es werde dann angenommen tverden, daß sie ihn abgegeben hätten. Jedermann weiß, was diese Drohung bedeutet. Polnische Hecke n-schützen liegen in den Wäldern und nach Eintritt der Dunkelheit auf den Land- und Dorf- straßen und wählen die Personen, die ihnen verhaßt sind, als Ziel- scheide für Schießübungen. Kein deutscher Arzt aus den Städten des Abstimmungsgebiets kann es wagen, von der Dämmerstunde an über Land zu fahren, um seinen Beruf auszuüben. Nicht wenige Oberschlesier haben ihr« deutsch« Gesinnung wtt dem Tod« büßen müssen. Und die Ententetruppen? wird man fragen. Sie liegen in Oppeln, in Gleiwitz, in Beuthen, in Rybnik usw., das heißt in den deutschen Städten: sie sind also in des Wortes engster Bedeutung weit vom Schuß. Die Landbewohner des eingeschüchterten Teils von Oberschlesien, die deutsch stimmten, erwiesen sich als Helden, vor denen man den Hut ziehen muß. /tos öer Partei. Ein« Delegiertenkonferenz aus den Kreisen Dortmund- Hörde wurde am Sonntag in Dortmund abgehalten. Genosse Henßler sprach über die politische Lage und befaßte sich u. a. auch mit der Frage der Reglerungsbildung. Eine von ihm vorgelegte Resolution wurde gegen eine Sttmme angenommen. Sie billigt, daß die sozial. demokrattsche Fraktion sich gegen die Einbeziehung der Dolkspartel in die bisherige Koalitton ausgesprochen hat. lieber den Stand der Organisaüon konnte Parteisekretär Mnkler die erfreulich« Mitteilung machen, daß di« Mitgliederzahl im laufenden Geschäftsjahr sich um 3000 auf 21 000(vor dem Krieg annähernd 10000) erhöht Hot. Luch di« Parieiprege weist ein« steigende Leserzahl aus._________ GroMeMn die �Siegesfäulenverschwörung�. Die Mitteilungen über den Dynamitfund in der Siegessäule werden von Tag zu Tag interessanter und widerspruchsvoller. Während nach der ersten Meldung am Montag, den 14. März, durch 1 eine Radfahrcrpatrouille die zur Hälfte abgebrannte Zündschnur abgeschnitten wurde, soll sie jetzt infolge eines Materialfehlers von selbst erloschen sein. Eine merkwürdige Geschichte. WTB. verbreitet heute folgende Meldung: Nach den bisherigen Geständnissen der an dem Anschlag aus die Siegessäule beteiligten Personen ist der Plan zu diesem Altentat in einer Versammlung der kommunistischen Arbeiterpartei geschmiedet worden unter der Begrünoung, daß die Revolution zu langsam vor sich gehe und man endlich zu schärferen Mitteln greifen müsse. Um den Plan genau zu besprechen, versammelten sich in der Nacht vom Sonnabend, den 12. März, zum Sonntag etwa 10—12 Personen in einem Quartier, wo sie den Plan bis in alle Einzelheiten be- sprachen und die ganze Nacht über blieben. Morgens gegen 4 Uhr hat sich dann die Gesellschaft auf den Weg gemacht und begab sich, um nicht aufzufallen, in einzelnen Trupps durch verschiedene Straßen nach der Siegessäule. Hier wurde das Tor von einem der Beteiligten ausgeschlossen, und mehrere Mitglieder begaben sich in die Siegessäule hinein, um dort den Karton niederzulegen und die Zündschnur in Brand zu setzen. Die anderen nahmen rings um die Siegessäule Aufstellung, uin im Falle irgendeiner Gefahr ihre Genossen benachrichtigen zu können. Nachdem der Karton mit der Sprengladung aufgestellt und die Zündschnur angebrannt worden war, entfernten sich die Täter schleunigst und gaben durch einen Pfiff ihren draußen harrenden Genossen die Nachricht, daß sie sich ebenfalls entfernen sollten. Infolge eines Fehlers im Material ist zum Glück die Zündschnur wieder erlöscht und die Explosion, die die fürchterlichsten Folgen gehabt hätte, ist nicht erfolgt. Das Polizeipräsidium tellt außerdem mtt: Abgesehen vom Ehe- paar Wolfs bekennen sich sämtliche Festgenommenen als Mitglie- der der KAPD., bei fünf von ihnen sind Mitgliedskarten dieser Partei gefunden worden. Im Interesse der weiteren Aufklärung der Angelegenheit können die Namen der Beteiligten noch nicht ver- öffenllicht werden. Verbesserung unserer Mehl- unö örotversorgung. Hierüber sprach Mühleningenieur Stefan Steinmetz am Mittwoch im Bürgersaal des Rathauses. Der Vortragend«, der sich schon seit etwa 30 Jahren mit der Verbesserung unserer Mehl- und Brotgewinnung beschäftigt, hatte zur Veranschaulichung seines patentierten Verfahrens Demonftrationsobjekte, graphssche Dar- stellungen und fertige Brote zur Stelle. Sein Verfahren unter- scheidet sich von dem gewöhnlich üblichen bei der Mehl- und Brot- gewinnung dadurch, daß das Getreide nicht trocken vermählen, sondern vorher gewaschen, also durch nasse Behandlung von den ihm an- haftenden Schmutzpartikeln befreit wird. Das Mehl werde reiner, erfahr« eine hygienische Verbesserung und gewinn« an Nährwert. Das Brot werde locker, erhalte einen größeren Wohlgeschmack und leichtere Verdaulichkeit, der ganze Nährwert bleibe darin. Nach dem System könne 93° bis 94prozent!g«s Mehl Verwendung finden, während bei der üblichen Müllerei und der dabei nötigen Kleie- ausscheidung KSprozentiges Mehl hergestellt werde. Man könne danach aus einer Tonne Getreide' beim Steinmetz-System etwa 1öS Kilogramm mehr Brot gewinnen. Vom Geh. Medizinalrat Dr. Hoftnann, Drvektor des hygienischen Instituts der Universität Leipzig, ist das Steinmetz-Mehl und-Brot als das gesündeste, nährendste und billigste Mehl und Brot begut- achtet worden, weil es frei von den Schwämmchen und P.lzfäden sei, die dem gewöhnlichen Mehl und Brot sonst anhasten und die durch die Backoienhitze nicht beseitigt würden, der Mensch also mit ver- zehren müsse. Dem Vortrag folgte ein reger Meinungsaustausch, an dem sich vornehmlich Fachleute vom Müller- und Bäckereigewerbe beteiligten. Mieterverbanü und Mieterftreik. . Zu unserem Bericht über die Stellungnahme der Groß-Der- liner Parteifunktionäre erhalten wir von einem parteigenössischen Vorsitzenden einer Vorortgruppe des Mieterverbandes folgende be- merkenswerte Zuschrift: Leider war ich durch die Mitgliederver- iammlung unseres hiesigen Mieterverbandes verhindert, an dieser Konferenz teilzunehmen. Zu den Ausführungen, die in der Funktio- närversammlung gemacht worden sind, möchte ich noch einiges er- gänzend hinzufügen. Es stimmt, daß die jetzige„Zentralleitung' mit ein oder zwei Ausnahmen rein kommunistisch zu- s a m m e n g e s e tz t i st. So auch fast alle Gruppen innerhalb des alten Berlin. In den Vorortgruppen trifft das aber nicht zu. Hier sind die Vorstände aus allen Beoölkerungsklassen zusammengesetzt. Und das kann nur zum Vorteil gereichen. Die Schuldenlast ist noch viel größer und zerfahrener, als dies aus der angegebe- nen trockenen Zahl ersichllich ist. Und sonderbar, diejenigen Ber- liner Gruppen, die die meisten Schulden bei der Zenttale haben, bilden das feste„Rückgrat" der Zentralleitung mit dem famosen Oberführer Klein! Alle Gruppenoorstände, die sich nicht vom kommunistischen Phrasennebel den klaren Blick haben trüben lassen, haben die Gefahr rechtzeitig erkannt, und empfehlen nunmehr ihren Gruppen, sich so schnell wie möglich von dieser Mieterrats. zentrale loszusagen. Soweit ich die Sache übersehen kann, überall mit Erfolg. Alle diese Kruppen lehnen diesen„General. streik der Berliner Mieterschaft" e i i m ü t i g o b. So auch in meinem Ort. Nach einem kurzen Vorttag meinerseits über den ge- vlanten Streik lehnten die Mitglieder den Streit einschließlich der sehr stark vert-etenen Kommuni st en ab. Am Karfreitag findet nun in Berlin ein Gautag statt, zu dem alle Gruppen eingeladen sind, die von dieser Zenttale weg wollen. Hoffentlich sind das recht viele. Die Mieter wollen ja gar keine Politik im Verbände tteiben. Sie verlangen in allererster Linie Schutz vor dem Hausbesitzer beim MEA. und Amtsgericht. Schiebergefchäste. In einem Cafe in der Schönhauser Alle« wurden von der Kri- minalpolizei für 100 000 M. Chemikalien beschlagnahmt, die nach dem Auslande verschoben werden sollten. Ein Arbeiter Fechner und sein Schwager, ein Monteur Paul Sablonski wurden verhaftet, da die Ermittelungen ergaben, daß sie diese Waren gestohlen hatten. Fechner war in einer Chemischen Fabrik tätig, schaffte so die Gelegenheit, dort mit seinem Schwager zur Nachtzeit einzudringen, und brachte die Beute auf einem Hand- wagen mit ihm gemeinsam zunächst nach dessen Wohnung In Pankow. Dann suchten beide einen Abnehmer und fanden durch Mittelspersonen auch einen, mit dem in dem Cafe das Geschäft ab- geschlossen werden sollt«, als die Kriminalpolizei dazwischenttat. Eisenbahnränber v-Zug-Diebe machen jetzt wieder besonders die großen Berliner Bahnhöfe unsicher. Die Verbrecher benutzen namentlich die Zeit kurz vor Abgang der Züge. Die Retsenden pflegen dann zum Fenster hinauszusehen oder auch auf einen Augenblick noch auf den Bahn- steig zu gehen, um sich von Angehörigen zu verabschieden usw. In dieser kurzen Zeit bemächttgen sich die Diebe ihre» Gepäcks und der Kleidungsstücke, die sie abgelegt haben, und verschwinden damit. So büßte ein Reisender au» Schweden auf dem Stetttner Bahnhof kurz vor Abgang des Frühzuges 8.20 Uhr«inen grauschwarzen Pelz mit Bisamfuller und Ekunkskragen im Werte von 7000Q 3K.«In, Auf seine Wiederbeschaffung hat er eine hohe Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar Dr. Riemann im Zimmer 34 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen Bestätigung des Bezirksamts Wilmersdorf. Die Wahlen zum Bezirksamt des Verwaltungsbezirks 9 Verantw. für den reSalt. Teil- Tr. Wetan Letter, rharlottendura: tllr itn,«igea: Tl>. Glocke vertaa: vorirörtS-Berlog G.m.b.H., Sellin. TniJ: Vor- ttört*«9*H(fihr«rferfi tt. 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