Nr.?4S■» ZS.�ahrgang Misgabe B Nr. 73 Bezugspreis: Vlerteljährl. 30,— M.. monatl. 10,— M. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Mouailich 10,— M.. einschl. Au- flellungsgebllhr. Unter Kreuzbaud stir Deutschland, Danzig, das Laar» und Memelgebiet, lowic die cheinals deut- ichen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 2»,— SU, für das übrige Ausland bei täglich einmal. Zustellung 27.— M. Postbe- ftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho- Slowakei. Däne- mar!, Solland, Luxemburg, Schweden und Me Schweiz.—(Eingetragen in y'lie Post-Zeilungs-Preislifte. Der �Vorwärts" mit der Sonn'ags- bellage„Volt und Zeil", der Unter- baltungsdeilage»Heimweit" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Eono- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozialdemokrat O erlin- Abend Ausgabe Nerlinev Volksblstt � 20 pksnnig) Auzeigenpretst Die ochtgespaliene Nonyareilleze»« loste! ä/Ä M.»Sieine Anzeigen" das tettgedructle Won ILO M.,— M.. sede, weitere Wort SU Pffl. Worte übet l.V Buchstaben zählen für zwei Wone. Ratmlicn-An- zeigen für Abonnenten Rcile 3,— Ad Die Preise verstehen sich einschließlich Seuerungnzuschlag, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Ahr nachmittag» im Sauptgeschäft, Berlin EM W. Linden- ftraße Z, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr jriih dt» S Uhr abend», ZcntmXovQnn der rozialdemokratifchen parte! Deutfchlands Keüaktion unS Expedition: SW 08, fiindcnjlc. Z Fernsprecher: Amt Mortvpla«, Str. lSISO— ISIS? Mittwoch, den«50. März 10Ä1 vorwärts-verlas G.m.b.H., SW 08, Linöenstr.Z Fernsprecher: Amt Morivplap, Str. I172Z—»t Mai-/lufrus öer Gewerkjchasten. Paris. 38. März.(HJXB.) Der Znternalionalc Ge- werkschafksliund erläht zum 1. ZNai eine Proklamation an die Arbeiter der gesamten Welt. Darin wird u. a. gesagt, in diesem Zahre müßten die Arbeitcrkundgebungcn am l. Atai großartiger denn je werden. Die Reaktionen in allen Ländern werden immer kühner. Die Bourgeoisie widersetze sich mit einer sich steigernden Energie den gerechten Aoroerungen der Arbeiter. Die Arbeiterorganisationen hätten die Regierungen zum Teil gegen sich. Die Bemühungen der Vertreter des Großkapitals, die Regierungen unter Vormundschaft zu bringen. würden jeden Tag stärker. Alan müsse sich erinnern an die Greueltaten, die gegen die Kameraden in Irland, in Finnland, in Spanien und in den Vercinigken Staaten von Amerika begangen worden seien. Rlan müsse sich ferner erinnern an den Widerstand, den in allen Ländern die Verbesserung der sozialpolitischen Gesetzgebung erfahre. Schließlich müsse der absolute Rlangel an gutem Willen betont werden. den die Leitungen des Völkerbundes zeigten, um die wirtschaftliche Wiedererbebung Europas herbeizuführen dadurch, daß sie sich weigern, oas Wechselkursproblem zu lösen, daß sie sich serner weigern, die Verteilung der Rohmaterialien für die Industrie zu organisieren. Durch diese Nachlässigkeit der Re- gerungen und der Kapitalisten werde sich die Arbeitslosigkeit üdsrall verschärfen und infolgedessen der schlechte Ernährungszustand in den Arbeiterfamiliea verewigen. Die Leiter des Völkerbundes machten sich verantwortlich beispielsweise für die Arbeitslosigkeit der Bergarbeiter in England. Frankreich. Belgien und Holland, während zu gleicher Zeit die deutschen Bergarbeiter gezwungen wären. Ileberstundcn zu leisten. 1 Ferner müsse an die Anstrengungen der Bourgeoisie aller! Länder erinnert werden, die Sozialisierung der Produktions-! mittel zu verhindern. Mehr denn je müßten sich deshalb die Arbeiter zusammenschließen. Der l. Mai müsse der Ausgangspunkt einer energischen Handlung zugunsten der von den organisierten Arbeitern am 1. Rovember auf dem letzten Internationalen Gewcrkschastskongreß in London gestellten! Forderungen sein, nämlich der Sozialisierung des Bod s und, der Produktionsmittel, des Inkrafttretens der sozialistischen Abmachungen von Washington, des Kampfes gegen die Ar-, beiislesigkcit durch die Regelung der Verteilung dec Roh- makenalien. Der l. Mai müsse der Propaganda für diese Forderungen gewidmet sein. Die Kundgebung schließt, die Organisationen müßten da- für sorgen, daß am l. Mai die im Internationalen Gewerk- schastsbund organisierten zehn Millionen Arbeiter sich erheben zur Eroberung einer menschenwürdigen Existenz: Es lebe öer internationale Kampf öer Arbeiter! Karls Knabenstreich. Wie aus Wien gemeldet wird, leitet die christlichsozials Regierung eine Untersuchung darüber ein, ob Karl über Deutschösterreich gereist sei. Die Habsburger sind nämlich aus Deutschösterreich durch Gesetz ausgewiesen. Wenn Karl nicht etwa im Flugzeug über Italien und Südslawien— die Staaten der Hauptgegner seiner Wiederkehr— geflogen ist, dann kann er nur über Deutschösterreich nach Steinamanger (madjarisch: Szombathely) gekommen sein, das hart an der Grenze liegt und wohl auch zu dem abzutretenden Burgen- land gehört. Er mag sich gedacht haben, ruhig über Deutschösterreich fahren zu können, da ein Wortführer der re- gierenden Ehristlichsozialen Partei soeben in der„Neuen Zürcher Ztg." betont hat. diese Partei sei zum allergrößten Teil unbedingt monarchistisch— trotz ihrem Eintreten für die republikanische Berfaffung! Aber durch die kleine Entente und durch Deutschösterreichs Arbeiter ist dafür gesorgt, daß der lächerliche Ktkrl nicht wieder ein Allerhöchster wird. Die wahren Gründe für die schleunige Rückreise Karls liegen darin, daß fast sämtliche Parteien des Landes mit großer Entschiedenbeit gegen seine Putschabsicht Stellung ge- nommen haben. Sogar diejenigen Gruppen, die bisher den „Christlichen Kurs" unterstützt haben, wandten sich gegen die Rückkehr Karls. Besonders gilt das für die Partei der kleinen Landwirte, die an der Regierung beteiligt ist und die mit der schärfsten Opposition drohte, falls Karl seine Absicht wahr- machen wollte. Aber auch die Legitimisten unter Führung des Grafen Andrassy trugen im jetzigen Augenblick Bedenken, die Thronbesteigung zuzulassen, da sie wohl wußten, daß dies vonx der Kleinen Entente als Kriegsfall betrachtet werden würde. Bedingungslose Anhänger Karls sind nur die„Cr- wachenden Ungarn" und ein Tell der Offiziere der National- armes. Die Hoffnung auf diese bewaffneten Gruppen schewt es zu sein, die Karl veranlaßt hat, vorläufig bei dem katholischen Bischof in Steinamanger, der zu den Getreuesten seiner Getreuen gehört, Aufenthalt zu nehmen. In Budapest unterdrückte zunächst die Zensur alle Meldungen über das habsburgische Abenteuer, so daß die Bevölkerung der Hauptstadt erst am Dienstag gerüchtweise davon Kenntnis erhielt. Die Aufregung war ungeheuer, die Volksmeinung richtete sich in unverkennbarer Weise gegen die verhaßte Habsburg-Dynastie. Aber nicht nur die Arbeiterschaft und das Bürgertum in den Städten, sondern auch die Bauern- schaft erklärte in Versammlungen und Entschließungen, von «iner Rückkehr Karls nichts wissen zck wollen. Somit ist der Exkönig fast völlig isoliert. Vom internationalen Standpunkt aus wird man die weitere Entwicklung der Angelegenheit mit Aufmerksamkeit verfolgen müssen, da die habsburgilchen Umtriebe nicht nur einen Anschlag gegen das ungarische Volk, sondern auch eine Gefahr für die Demokratie ganz Europas bllden. Gindruck in Wien. Men. 30. März.(WTB.) Die Mehrzahl der Blätter betont, daß der„König" lcbleckt beraten war, als er sich zu diesem Schritt entschloß. Wenn Ungarn in semer Mehrheit auch monarchisch sei und Karl als seinen legitimen König anerkenne, so hätte seine Rück- kehr nur im Einvernehmen mit den Regierungsfaktoren in Budapest vor sich gehen sollen. Für Oesterreich seien wohl keine Verwickelungen zu befürchten. Ms Kllrk von Horlhy Uebcrgabe der Regierung verlangte, erwiderte dieser, daß der König Unmögliches verlange. HortHy habe fein| Amt von der Nation erholten und er könne dieses Amt nur der j Nation wieder zurückgeben. Er müsse, vor die Wahl zwischen König und Volk gestellt, sich auf die Seite des Volkes stellen. Der König solle warten, bis das Parlament die Entscheidung getroffen habe. Der König sei durch diese Mitteilungen äußerst erschüttert gewesen und soll seiner tiefsten Enttäuschung Ausdruck gegeben haben, da er einen stürmischen Empsang in Ungarn erwartet hatte. Von den„Sarlisten", die(wie bereits gemeldet) oerhaftet werden sollen, ist B e n i c z k y Minister des Innern gewesen, Abg. S m r e c s a n y i ist der Präsident der Pogrombanden„Erwachende Ungarn" und Lukachich war früher Stadtkommandant von Budapest. Wien, 30. März.(TU.) Bei der Ankunft in Budapest trug Karl — die Uniform eines Feldmarschalls. Karl erklärte, daß er lieber sterben werde, als Ungarn noch einmal zu verlassen. Karl schützt jetzt leichtes Unwohlsein vor, um womöglich noch im Bischofs!- palast von Steinamanger bleiben zu können. Verhandlungen mit der österreichischen Regierung sollen geführt werden, um dem Ex- kaiser ireies Geleit nach der Schweiz über Tirol zu sichern. Seiner Rückkehr durch Oesterreich würde man kein Hindernis in den Weg legen, da Oesterreich ein Intercsie daran hat, daß der Exkaiser so rasch als möglich wieder nach der Schroeiz zurückkohri, aber man würde dafür sorgen, daß er die Durchreise unter sicherem Ge- leite zurücklegt. Die Einstellung des internationalen Televhon- und Telcgraphenverkehrs in Westungarn spricht aber für die Wahr- schcinlichkeit, daß stch der Exkaiser beim Horthy-Obersten L e h a r in Steinamanger beiindet. Wien. 30. März.(TU.) Ein Reisender, der aus Budapest gestern abend in Wien eingetroffen ist, berichtet, daß Karl in Steinamanger im bischöflichen Palais wohne, wo er vom Militär stark bewacht wir?. Es sei ein ganzes Ofstzierbakailloa eingetroffen, ebenso ein Cxtrazug mit Ministern. Die Reisenden dürfen in Steinamanger, dessen Bahnhof durch einen militärischen Kordon ab- gesperrt ist, weder«in- noch aussteigen. Die Telephon- und Tele- graohenlinien sind mililäriich gesperrt. Karl falsch berichtet. Men. 30. März.(TU.) Einem Vertreter des„Neuen Wiener Tagblatt" erklärte der Vertrauensmann des gewesenen Kaisers, Sek- twnschef Dr. S ch a g e r, er könne nur annehme�, daß Oberst Lehar als überzeugter Legitimist ihm Hilfe angeboten habe und dem Exkaiser Karl die Situation so dargestellt wurde, al» ob die Mehrheit Ungarns die Wiederherstellung der Ordnung nur durch die Rückk-hr des Exkaisers erhoffe. Teutschösterreichs Vorsicht. Me». 30. März.(TU.) Die Regierung hat noch gestern abend Gendarmerieabteiluno-n und kleiner« Truppenabteilungen an die Grenze dirigiert. Nollet rügt. Die mMkärifche Enleutekommisflon hat am lS. März gerügt, daß den Eutwaffnungsbestimmungen in verschiedenen Rich- tungen nicht Rechnung gelragcu sei, und bis zum Zl. März Erfüllung verlangt. Die Ankwoc! de» Auswärligen Amtes bestreitet durchaus die Richtigkeit der Angaben Rollets, erklärt avch die vollkommene Entwaffnung der O fi festungen als unter den gegenwärtigen Der- hältviffen unmöglich, erinnert in bezug aus die Fabriken au die noch ausstehende Vcoulwartung deutkcher Vorstellungen, die auf dem Ver- tragslext beruhen, und erklärt sich wiederum bereit, alle Streitfälle einem unparteiischen Schiedsgericht zu unkerbreiteu. J kritisches zur Abstimmung. Von Heinrich Löffle r. Im Jahre 1913 kam ich als Angestellter des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands nach Obcrschlesicn und verblieb dort in"dieser Eigenschaft bis 1920. In dieser Zeit lernte ich da? Land, die Bevölkerung und ihre Gebräuche kennen, so daß mir wohl ein kritisches Urteil über das Ergebnis der Volks- abstimmung gestattet ist. Oberschlesien hat bekanntlich seit 1163 mit Polen keine staatliche Gemeinschaft mehr und ist seit 1710 mit Preußen vereinigt. Die Bevölkerung dachte am allerwenigsten, daß die staatliche Zugehörigkeit ihrer Heimat einstens zweifelhaft werden könnte. Erst der Krieg und sein Ende und der Lersailler Vertrag machten das bis dahin fest Bestandene flüssig. Bei der Durcharbeitung des Bersailler Vertrages waren die Alliierten zuerst auf den Gedanken gekommen, Oberschlesien, gleichsam wie die Bezirke Bromberg und Posen, ohne Volksabstimmung an Polen zu gliedern. Daß dieses Vor- haben eine bittere Parodie auf das feierlichst verkündete Selbst- bestimmnngsrecht der Völker war, kümmerte, wie auch durch andere Gewaltakte offenbar ist, die alliierten Regierungs- männer wenig. Die zu den Aorberatungen herbeigeeilten polnischen Sachverständigen haben, gestützt auf das P r e u- ß i s ch e Statistische Jahrbuch für 1912, den Nachweis zu führen versucht» daß in Oberschlesien(Regierungsbezirk Oppeln) 631 y 13 Einwohner deutscher und 1 169 340 Einwohner polni- scher Muttersprache beheimatet seien, also dortselbst eine im- zweifelhaft polnische Bevölkerungsmehryeit wohne. Bringt man die Einwohner der Kreise Falkenberg, Grottkou und Neiße, die zu demselben Regierungs-, aber nicht zum AbstiM- mungsbezirk gehören, mit 154 735 deutsch und nur 6392 pol- nisch Sprechenden in Abzug, dann verbleiben, immer nach dein Statistischen Jahrbuch, sür das Abstimmungsgebiet 729 310 deutsche, gleich 38,6 Proz., und 1 162 938 polnisch sprechende Bewohner, gleich 61,4 Proz.. im Abstimmungsgebiet. Diese Beweisführung dürfte großen Eindruck auf die alliierten Herren gemacht haben» da sie sich auf amtliches deutsches Ma- terial stützen konnten. Hoffentlich macht das Abstimmungs- ergebnis, das, prozentual beurteilt, umgekehrt und günstiger liegt und auch eine deutliche Willenskundgebung darstellt, gleichen Eindruck und führt zu der Ueberzeugung, daß Ober- schlesien ein Gebiet mit unzweifelhaft dcutschgc- sinnter Bevölkerungsmehrheit ist. Die angeführte Statistik hat mit dazu geführt, daß die staalliche Zugehörigkeit Oberfchlesiens zweiselhaft wurde und sie wird auch bei demnächstigen Beratungen eine Nolle spielen. In Oberschlesien wurde bekanntlich die vielumstrittene O st m a r k e n z u l o g e an die Staatsbeamten gezahlt. Diese Beamten hatten deshalb ein materielles Interesse daran, diese dauernd zu beziehen. Bei der Ausnahme der Beoölkerungs- statistik war den an der Ostmarkenzulage interessierten Bs- amten durch ihre Mithilfe Gelegenheit geboten, der Regircnng gegenüber den Nachweis zu führen, daß iw Oberschlesien eine polnisch sprechende Bevölkerungsmehrheit wohnte, wodurch nach der damaligen Regierungsweisheit die Zahlung der Ost- morkenzulage durchaus begründet war. Es ist auch eine bc- kannte Tatsache, daß die oberschlesische Landbevölkerung viel- fach nicht genügend schrcibkundig war, um die Ausfüllung des Fragebogens für die Bevölkerungsstatistik selbständig vorzu- nehmen. Hier mußte dann der bei der Ausnahme mitwirkende Beamte die Ausfertigung vornehmen. Vielfach spielte sich der Borgang dann so ab, daß der Beamte fragte:„Muttersprache polnisch?"— worauf er ohne Besinnung zur Antwort erhielt: „Ja, polnisch!" Demgemäß erfolgte die Eintragung. Die Ostmarkenzulage hat in ganz Ostdeutschland eben allenthalben unheilvoll gewirkt. Wer an der Richtigkeit dieser Darlegungen zweifeln sollte, der möge die Bevölkerungsstatistik aus den einzelnen Orten mit den Ergebnissen der Reichstagswahl von 1912 vergleichen. Bei diesem Vergleich wird man finden, daß in manchen Orten bis 75 Proz. polnisch sprechende Einwohner beheimatet sein sollten, in denen bei der Reichstagswahl nur wenige, recht oft aber auch keinecinzigeStimme für die national- po l n i s ch e n Reichstagskandidaten abgegeben wurden. Man beachte auch noch folgendes. Nach der Bevölkerungsstatistik des Preußischen Jahrbuchs für 1912, neuere Zahlen liegen leider nicht vor, setzte sich die Bevölkerung auf je 100 Personen zusammen und haben bei der Voltsabstimmung votiert wie folgt: Deutsch- sprechend« Proz. Kreis Kreuzburg..... 46,94 „ Oppeln einschl. d. Stadt 27,26 „ Kasel....... 21,72 „ Rosenberg..... 16,9 Sollten durch diese Gegenüberstellungen die Richtigkeit der Angaben über die Muttersprache in der Statistik des Preußischen Jahrbuchs nicht zweifelhaft werden? Gewiß haben jene Personen, die diese Statistik von unten auf bis zur end- gültigen Fertigstellung mit bearbeiteten, nie daran gedacht, daß sie einstens die Bedeutung erlangen beigemessen werden muß. würde, die ihr je�t Nun zur Abstimmung selbst. Auf Grund genauer Kennt» nis des Landes und der einzelnen Orte darf ich ohne örtliche Nachprüfung die Behauptung aufstellen, dafj vielfach das Ergebnis der Wahl n i ch t ein Produkt freier und unbeeinflußter Entscheidung ist. Ich möchte aus dem Landkreise V e u t h e n folgende Orte nennen: Miechowitz mit 1S82 deut- schen und 4460 polnischen, Nokittnitz mit 355 deutschen und 1501 polnischen, Hohenlinde mit 2552 deutschen und 3528 pol- niscben und Schlesiengrube mit 1345 deutschen und 2583 pol- nischen Stimmen. In diesen Orten habe ich im Laufe der Jahre viele Versammlungen unter sreiem Himmel gehabt, zu welchen die Mehrzahl der Bewohner kam, die zu Auseinander- setzungen mit den Polen führten, und wobei diese furchtbare Niederlagen erlitten und oft fluchtartig die Versammlungen verließen. Und nun sollen diese Orte sich mit derartigen Mehr- heiten aus freiem Willen für Polen entschieden hoben? Einfach unmöglich. Oertliche Nachprüfungen würden nach meiner festen Ueberzeugnng die größten Wahlbeeinflussungen zutage fördern. Dasselbe trifft auf zahlreiche Orte der Kreise Kattowitz, Pleß und Rybnik zu. Hier hat der Terror b e w a f s- neter Banden zuvor gewütet, Angst und Schrecken durch brutale Drohungen verbreitet und somit das Wahlergebnis be- einflußt, um nicht zu sagen gefälscht. Hier muß das deutsche Plebiszitkommissariat eingreifen und das Material sammeln, um es dann vor aller Welt auszubreiten, wenn dergleichen Wahlen von der Alliierten Kommission anerkannt werden sollten. In der französischen Presse wird nun nach dem Ausfall der Abstimmung vielfach von einer Teilung Oberschlesiens gesprochen. Man scheint dort nicht zu wissen, wie die Ver- Hältnisse in Oberschlesten liegen. Nur Unkenntnis oder böse Absicht kann zu einer solchen Propaganda verleiten. Ober- schlesien ist nicht nur ein geschlossenes einheitliches Wirtschaftsgebiet, sondern bildet auch eisenbahn-, wasser-, licht- und krafttechnisch eine Einheit. Teile, die da herausgelöst werden, müssen absterben wie ein vom Menschen amputiertes Glied. Aus diesen Gründen und weil die Be- völkerung ein nicht falsch zu verstehendes Votum abgegeben hat, muß Oberschlesien im ganzen bei Deutschland bleiben. Die reaktionäre tzetze. Die rechtsstehende Presse setzt ihr Treiben gegen die preußische Regierung munter fort. Von keinerlei Wahrheitsliebe oder Gewissenhaftigkeit beschwert, verbreitet sie weiter die wüstesten Tendenzmeldungen über den Kommunisten- putsch, die alle darauf angelegt sind, die Maßnahmen der preußischen Regierung herabzusetzen. Es ist wie gewöhnlich: Das Dutzend scheinbar verschiedener Blätter erweist sich in Wirklichkeit als von einer einzigen Stelle dirigiert. Die Regie funktioniert so gut, daß dieselben Blätter, die noch vor vier Tagen der bürgerlichen Reichsregierung vorwarfen, sie lasse sich von der preußischen übertreffen, heute genau das Gegenteil schreiben, wie wir bereits am Beispiel der „Deutschen Tageszeitung" bewiesen haben. Das ganze Treiben ist so durchsichtig, daß die Tendenz keinem obsektiven Beobachter entgehen kann. So schreibt die„Germania", das Berliner Zentrumsblatt, in ihrer heutigen Morgenausgibt: Einem Teil der deutjchnationolen Zeitungen— nicht allen— scheint die Bekämpfung de? Anssiande» nicht», die Verleumdung der Regierung dagegen alles zu fein. Man kann ganz gewiß darüber streiten, ob die Mahnahmen der Behörden richtig waren und ob überoll mit der gebotenen Schärf« zugegriffen worden ist. Wem an der schnellen Niederschlagung des Aufruhrs und der baldigen Wiederkehr der Ordnung liegt, stellt im Augenblick Bedenken zurück. wenn er sieht, daß die Anordnungen der Regierung sich im ganzen bewähren. Und das trifft hie? doch zu, wie der bevor- stehende Zusammenbruch des Putsche» klar beweist. Statt dessen schreiben dcutschnationale Blätter lange Leitartikel über die Schlechtigkeit und Unfähigkeit der Regierung oder sie stellen falbungsvoll-fentimentale. Betrachtungen an über die alle gute Zeit, wo der ostelbische Junkerstiefel jede beginnende Störung ?m besetztLN Düfleköorf. D ü s s e l d o r f. 28. März 1»L1. Die Märztoge haben für uns Düsseldorfer feit der Revolution ihre ganz besondere Bedeutung. 1919 herrschten hier die Kommu- nisten mit Standrccht und Belagerungszustand. 1919 brachte uns den Sturm der Kommunisten auf die Wahllokale, die Stadtver- orimetenwahl wurde unmöglich gemacht. 1920 führte der März die vorübergehende Herrschaft der koppistifchen Reichswehr mit sich. Und heute? Das Bild hat abermals gewechselt! Jetzt ergehen sich Cntentesoldaten unter den alten Kastanien der Königsallee. Will man es da den Düsseldorfern so besonders ankreiden, daß sie nach all ihren früheren Erlebnissen nicht gerade in sonderliche Aufregung geriete», als am 8. März die„Befreier"«inrückten? Die Tatsache, daß die Vefatzimgstruppen mit ruhigem Gleichmut aufgenommen wurden, hat den Berichterstattern der französischen Nationalistenpresse Anlaß gegeben, von einer franzosenfreundlichen Stimmung der Düsseldorfer BeoSlkerung zu reden. Davon kann aber nicht im ge- ringsten die Rede sein. Daß keine„B e g e i j: e r u n g" aufkommen kann, dafür sorgt schon der französische Militarismus, der hier so brutal austritt, wie der Militarismus noch zu allen Zeiten aufgetreten ist. Während die Engländer cm die Stadtverwallung überhaupt keine Ansprüche stellen, sind die Franzosen von einer geradezu brutalen Rück- s i ch t s l o s i g k e I t. In Düsseldorf herrschf, wie in allen industriellen Großstädten, fürchterliche Wohnungsnot. Das ist den Franzosen auch nachgewiesen worden, trotzdem kommen sie und verlangen innerhalb weniger Stunden passende Wohnungen.„Passend" ist aber noch stanze nicht jede komfortable Wohnung. Werde» sechs Zimmer gefordert, so müssen sie nebeneinander liegen; übereinander- liegende werden abgelehnt, weil die Herren Offiziere keine Treppen steigen wollen I Für die städtischen Theater hat die Besatzungsbehörde eine größere Zahl von Freikarten gefordert: die Plätze bestimmte sie! Die städtischen Straßenbahnen müssen während der Dauer des Belagerungszustandes alle Besatzungstruppen frei befördern: später wollen sie 20 Pf. pro Person zahlen, während der Tarif 1 M. bis 1,50 M. vorsieht. Der Presse gegenüber verfolgt die französische Besatzungs- behörde eine ganz besondere Politik. Die Düsseldorfer Press« hatte mit dem Tage des Einmarsches jede selbständige Stellungnahme zu den„Sanktionen" unterlassen. Dieser Mangel veranlaßt nun das Düsseldorfer Publikum, das strenge Zensur vermutet, nach auswärti- gen Zeitungen zu greifen. Roch nie sind bei den Zeitungshändlern und an den öffentlichen Berkaufsstanden Berliner Zeitungen so begehrt worden tuie gerade jetzt. Die„ocrhetzendc" Berliner Presse der öffentlichen Ordnung mit Schneid niedertrot. Etwa nach der Art des Sczialistengesetzes, das uns die stärkste Sozialdemokratie von allen Ländern des Erdballes gezüchtet hat. Die agitato- rische Ausbeutung der Notlage des Vaterlandes mag bei den nach st en Wahlen einige Erfolge haben, jetzt aber kann sie nur zur Erschwerung der Situation beitragen. Verfolgt man die Haltung der Blätter dieses Schlages, so kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß sie es auf eine Zuspitzung der Krise abgesehen haben. Dieser Regierung darf eben nichts gelingen. Jedermann steht, daß der kommunistische Spektakel vor dem Ende steht. Trotzdem reden einige Zeitungen von einer Ausdehnung des Ausstandes, wobei die Meldungen mit Fleiß übertrieben werden. Inzwischen zeigt die reaktionäre Presse immer deutlicher. daß ihre Pläne über die Beseitigung der jetzigen Regierung hinausgehen. Mit der Regierung soll verschwinden die R e- gierungsform. Dieser Gedanke wird einstweilen noch vorsichtig verschleiert. Aber im Kerne liegt er doch tlar, wenn die„Deutsche Zeitung" die vollziehende Gewalt„in die Hand eines Soldaten" legen möchte oder wenn die „Post" die Einsetzung eines Wohlfahrtsausschusses mit u n- begrenzten Vollmachten fordert. Die Begleitmusik dazu liefert das tönende Geschrei ge- blähter Phrasenreißer, die wie Herr Hussong im„Tag" triumphieren, daß nun doch von links und nicht von rechts geputscht worden sei. Man muß den Kommunisten lassen, daß sie der Reaktion diesen Triumph sehr leicht gemacht haben. Aber deshalb ist doch nicht zu vergessen, daß gerade ein Jahr vor dem Kommunistenputsch der K o p p- Putsch eine Tatsache war und daß gerade die Leute, die jetzt über den Putsch von links triumphieren, die g e- r i n g st e Garantie gegen seine Wiederholung bieten. Selbst in diesen Tagen wurde nicht ausschließlich über kom- munistische Bewaffnung berichtet, sondern wir meldeten auch die sehr umfangreiche Waffenschiebung von Ratzeburg, die natürlich in der Rechtspresse totgeschwiegen wird. Die Tatsache des Putsches von links ist jedenfalls nicht der geringste Beweis gegen eine gleichzeitige Putsch- gefahr von rechts. Bisher haben die Leute noch immer recht behalten, die wie wir auf beiden Seiten die Gefahr gesehen haben. Die Kommunisten haben natürlich auch jetzt wieder dos beste dazu getan, umdenRechtsputschisten in denSattel zu helfen. Sie hoben dasselbe bewirkt, was Kautsky schon nach dem Januarputsch von 1919 konsta- tierre: die Leute, die mit der Parole auszogen, die Gegen- revolution zu bekämpfen, haben ihre Gefahr erst akut werden lassen.— Noch stets haben Rechts- und Links- Putschisten voneinander gelebt. Die Gefahr ist erst gebannt, wenn beide verschwunden sind. Die �ufforöerung zur öetriebsbesetzung. In ihrer Sonnabend-Ausgabe hat die„Rote Fahne" be- stritten, daß die Aufforderung an die Arbeiter, die Betriebs zu besetzen, von der Kommunistischen Partei ausgegangen sei. Demgegenüber erbringt die„Freiheit" den Be- weis, daß der Stuttgarter„K o m m u n i st" vom 24. März folgendes geschrieben hat: „Will die Gegcnvevolution das Proletariat weiter dezimieren durch künstliche Betriebsstillegungen, dann muß das Proletariat dem Beispiel der mitteideutlchen und Hamburger Arbeiter folgen und sich bewaffnen und die Betriebe besehen." Roch ausführlicher wurde diese Parole im Gothaer „V o l k s b l a t t" am 28. März ausgegeben. Das Gothaer „Volksblatt" schrieb: „Darum hat das Proletariat Deutschlands jetzt das Vorposten- gefacht mit den Hörflng-Truppen auszunehmen und auszudehnen.— Streik, Geiicralstreik sei die Losung! Aber das. Proletariat gebe die Faostpsänder nicht aus der hcud! Verlaßt die Betriebe nicht! De- handele jede Belegschaft ihren Betrieb als ihre Durg— ziehe sie die Arbeltslosen heran an den Betrieb, daß sie eincn lebenden Kordon bilden,«inen Schutz gegen Tlockad« durch aber ist den Franzosen ein besonderer Dorn im Auge und deshalb ermuntern sie die Düsseldorfer Presse selbst, k r i t is ch e r zu schreiben! Sehr empfindlich sind die Fraiizosen gegen Satire. Wo sie bei irgendeinem Straßcnhändlcr den„Wahren Jakob", den„Simpli- zifssmus", die„Jugend" oder den„Kladderadatsch" erwischen, setzt es unweigerlich Straf«. Der Gefchästslührer unseres Düsseldorfer Parteiblottes wurde zu 10 900 M. Geldstrafe verurteilt, weil man in der Buchhandlung ein Exemplar des„Wahren Jakob" gefunden hatte, der lange vor der Besetzung erschienen war. In rigo- rosestcr Weise wird auch die Brieszensur gehandhabt. Wir er- leben hier zurzeit eine Briefichnüfselei, wie sie selbst de? preußische Militarismus sticht unternommen hat. Besonders die Berliner und Hamburger Post hat es den Franzosen angetan: da wird offenbar jede Zeile gelesen, und der Erfolg ist, daß solche Briefe den Einpsänger in der Regel zwei bis drei Tage später erreichen. Unter dieser Maß- reges leidet insbesondere die Presse, die aus briefliche Jnsonnationen aus Berlin zurzeit ganz verzichten muß. Ein paar Worte noch über die Stellung ttet Arbeiterschaft zur Besetzung. Darüber hat ja die französische Ratio- nalistenpresse so grobe Lügen verbreitet, daß sich dagegen sowohl Vertreter de» Gewerkschaftskartells wie auch die Leitung der USP. wenden mußten. Selbstverständlich erklärten auch in Düsseldorf die Franzose», sie kamen als„Befreier" der Arbeiter, was sie jedoch nicht abhielt, schon am dritten Tage der Besetzung«ine Haussuchung im Bezirkssekretariat de» Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbunde« vorzunehmen. Auch das Streitverbot, dos im deutschen Text der ersten Bgiiunntmachung der Franzosen enthalten war, wirft ein eigentümliches Licht auf die„Befreier". Die„friedliche Durch- dringung" begannen die Franzosen mit dem alten Mittel der Ver- abreichung von B e t t e l s u p p c n. Die Düsseldorfer Arbeiterschaft verzichtet in ihrer großen Mehrheit selbstverständlich aus diese Wohl- tat, die wir im Konto Besatzungskosten ja doch selbst bezahlen müssen. Leider hat sich der unabhängige Sekretär des Gewerkschaftskartells bereit gefunden, die Verteilung der Supvenkarten zu übernehmen. Die große Mehrzahl der Kortellvertreter ist gegen dieses Fraterni- sieren mit den französischen Militaristen. Die wahre Stimmung der Arbeiterschast hat kürzlich unser Dussel- dorfer Parteiblatt ganz richtig gekennzeichnet, als es schrieb, diese Stimmung sei deutsch— nicht deutschnational! Auch die neuen Lasten, die der rheinischen Arbeiterschaft infolge der weiteren „Sanktionen" durch Verteuerung der Lebenshaltung und durch Ar» beitslosigkett besonders fühlbar werden, werden wir ertragen, solange wir das Bewußtsein haben, daß dem deutschen Boll in seiner Gesamt- heit Unrecht geschieht! Sarl Ernst Osthau» f. In Meran, wo er von seinem Lungen- leiden Heilung sucht», ist Karl Ernst Ophaus im 17. Lebrnsjahre ge- storben, der Gründer des Hagener F o l k w a n g- M u l e um s, einer der führenden Köpf« aller künstlerische'.! und kulturellen Be- Orgesch und Sipo? Die Ihr noch heute in den Betrieben seid, orgaul- siert Verpflegungsauefchüsse, richtet Euch auf Belagerung ein—, der verschanzte Gegner ist immer im Vorteil!— Und die Maschinen, die Euch Feinde, menschenfressend« Eisentiere waren, seien Euch nun Schild und Schuh. Teurer als Euer Leben ist ihre Existenz Eurem Gegner, nehmt sie zu Geiseln, deren Leben in Eurer Hand ist. Es ist auch für uns ein schwerer Entschluß, Produktionsin.ucl vielleicht zerstören zu müssen— aber lieber die toten Maschinen, denn unsere lebenden Brüder. Hallet fest, wo» 2hr habt! Wie heißt das alt« Wort? Un nach dat Lübsche Recht kunn hei't beholln. Es wird an Euch liegen, daß man es Euch nicht entwindet! Durch die Besetzung der Betriebe zur Beschlagnahme der Pro- duktionvmittel, zur Erringung der politischen Macht. Das fei in diesem Stadium des Kampfes die Losung des seiner Ausgehe bewußten Proletariats!" Das Dersteckspielen wird den Kommunisten diesmal wahrlich nichts nützen. Jede Nummer der„Roten Fahne" vom 18. bis zum 26. März bringt erdrückende Be- weise der Putsch- und Eewalttaktik. Wenn man diese Nummern heute noch einmal durchliest, so erscheint es einem geradezu, als hätten sich die Kommunisten von vorn- herein jede Ausrde abschneiden wollen, daß sie an dem Ausbruch des Putsches unschuldig seien. «.peovoziert mit aller Kraft In einer Extranummer der„Kommunistischen Arbeiterzeitung" wird nach wie vor der Weg wüstester Gewalt gepredigt. Das Platt ruft den Arbeitern zu: „Bildet Aktionsausschüsse. Beseht die Betriebe. Legt alles lahm. Stört den kapitalistischen Apparat mit allen Mitteln. Brovozlert mit alle? Gewalt. Kämpft um den Betrieb. Eni» waffnet die Konterrevolution. Holt Euch die Waffen, wo Ihr sie kriegt. Legt die Züge lahm. Sichert Euch die Der- bindung aller Aktionsausschüsse." Weiter sucht dann die Ertranummer durch Beschimpfungen un- verschämtester Art die Arbeiter in den Kamps zu hetzen: „Seid Ihr Hunde, die die Peitsche der Herren verdienen? Seid Ihr greinende Weiber, die Freiheit haben wollen ohne Kampf? Um Ostern zu feiern und Kuchen zu fressen, laßt Ihr Eure bis in den Tod kämpfenden Helden im Stich?" Allen Arbeitern, die mit derartigen Schimpfereien provoziert werden, empfehlen wir, den Provokateuren die Antwort des kom- munistische» Führers Richard Müller(Leichenmüller) zu erteilen. Als nach dem Januarputsch 1919 Ledebour gegen D ä u m i g und Richarv Mülle? den Vorwurf erhob, daß sie sich geweigert hätten, ihre Haut zu Markte zu tragen, antwortete Richard Müller wörtlich in der„Freiheit":„Ich bin doch nicht verpflichtet, meine haut zu INorkle zu tragen, weil ein alter Esel die Zeit für revoluilonäre Putsche gekommen erachtet." Die Ant- wort paßt auch heute. Die Derlinee betriebe arbeiten. Die gestrigen Störungsversuche in einigen Berliner Be- trieben der Metallindustrie haben sich erfreulicherweise bis zur Stunde nicht wiederholt. In den Betrieben der AEG. herrscht Ruhe. Die Belegschaften sind mit Ausnahme eines verichwin- dendcn Bruchteils in der Brunnenstraße zur Arbeit erschienen. Auch in den Bergmann-ElektriAitätswerken, bei der Knorr- Bremse AG. und bei Borsig wird gearbeitet. Im Siemens- Konzern sind die Arbeiter und Arbeiterinnen fast ohne Aus- nähme erschienen. Da der Behörde bekanntgeworden war, daß die Arbeitslosen in Spandau heute dort Störungen beab- sichtigt hatten, traf die Schutzpolizei alle Mahnahmen, um der- artige Zwischenfälle zu verhindern. Auch in den Daimler- Werken(Marienfelde) wurde voll gearbeitet, bei der Firma Werner ist dagegen der dritte Teil der Beleljschaft nicht er- schienen. In der Wittenauer Maschinenfabrik ist heute die ge- samte Arbeiterschaft in den Streik getreten. In den H e n n i g s d o r f e r Betrieben der AEG. ver- suchten die Kommunisten heute morgen mit allen erdenlllchen Mitteln den Streit zu erzwingen. Nach einer Betriesssver- sammlung erfolgte eine Abstimmung, die«ine starke wegungen der letzten 20 Jahre. Osthmis bekam schon in jungen Iahren die Mittel, sich für große Pläne einzusetzen. Mit natur- wissenschaftlichen Sammlungen begann er 1899. künstlerische traten hinzu, und durch die Heranziehung Vonderveldes brachte er sein Haus, das er sofort der Oefsentlichkeit zugänglich zu machen beschloß, in Ber- bindung mit den-reibenden künstlerischen Kräften. Osthaus ver» einigte hier einen lleberblick über die Kunst aller der Länder und 5iulturperiodeii, die für die Gegenwart von besonderer Bedeutung sind, zu lebendigem Genuß. Darüber hinaus griff er 1909 durch Begründung des„Deutschen Museums für Kunst, Handel und Ge- werbe". Hier macht« er es sick zur Ausgabe, durch Deutschland und die Nachbarländer, besonders durch Amerika eine Reih« planmäßig gerichteter Ausstellungen gehen zu lassen, die einen Ueberblick über das kulturelle Wollen der modernen angewandten Kunst Deutsch- lands gaben. Cr arbeitete da zusammen mtt dem Deutschen Werk- bunde, zu dessen Begründern er gehörte. Seinen Sammlungen gliederte er Werkstätten für Künstler an: neben Dandervclde arbeite» .en hier Behrens, Rohlfs, Thvrn-Prikter, Lauwerit. Für die Stadt und das ganze Industriegebiet wurde er der Vertreter eines neuen Geistes, der diese Kegenden mit starkem kulturellem Leben zu er» füllen balf. Hoffentlich werden sich seine Sammlungen, die eben in Karl With einen neuen Leiter erhielten, in ihrer anregenden Kraft erhalten lassen. Osthaus' letzte Pläne galten einer Unterrichtsnnstalt svzial-ethischer Richtung, der Bruno Taut dos Haus bauen sollt». Komische Oper:„Luderchen". Es war ein kleines Mißverstand» nis. daß wir Musikreferenten gerufen wurden. Der Orchesterraum war keusch verhüllt. Der eine oder andere schlich erschreckt von dann«». Bald aber merkte man. daß ein an unseren Operetten- Libretti geschulter Geist vollauf penügte. Und man blieb und schrieb. — Die».Luderchen" von Toni Impekoven wird trotz seiner guten Darstellung wohl nicht sehr alt werden. Wie Marion de Mer- oille, der echte Bohemetype, aus die Verlobung mit ihrem Geliebten au» der adelsstolzen Familie derer v. Tellingbusen verzichtet und lieber mit seinem noch selchen Papa anbandelt, ist sa mit einer gewissen Konsequenz durchgeführt, bringt auch manche köstlich« Sirualion. aber der feinere Humor aeht fast leer au». Wo zuviel mit nackten Beinen und ähnlichen U'enstlicn jongliert wird, da geht ein guter Teil vom Spiritus eben flöten.• Die beiden weiblichen Hauplrollen waren durch Else Bötti- ch e r und Rita Burg sehr gut besetzt, jene als kapriziöse, innerlich gesunde und doch verlotterte boh-mestolze Marion, diese als süßer, überspannter, bürgerlich stolzer Backfisch. Oskar Linke war im zweiten Teil fast unmöglich, seine„Abrechnung" mit Marion Berlin O., nicht Berlin W.. jedenfalls kein Liebbaber. Wie jugend. lich stach ge�en dieses senile Getue der„alte" Franz Schönfeld ab, eine wahre Wohltar für Aug« und Ohr? Sicher« Männlichkeit und kavalierivößiae R-tterltchkeit werden nirgends besser aufge- hoben sein. Auch Ida P e r r y darl als Jdealtunte nicht vergessen werden. Die Aufmachung ist nicht übel.' h. m. Volksbühne. Der!ür den 31. März angksetzie Seseabknd i« Emu» Kloster mutz auf DomierStaji. 14. Slpril, verlegt werden. \ Geol-e Volk-Zoper Vorlfn. Die silr Doin-e-Ztag aaecieht« Tarme»- ?! n s s n h r u n g im Lalhalla-llhrater t.-rnt erst um S Uhr beginnen. Mehrheit�ge g en den Ausstand ergab. Die Kommunisten er» klarten, daß bei der Stimmenauszählung Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien und verlangten abermals eine Stimm- abgäbe. Inzwischen hatte sich ein Teil der Arbeiterschaft e n t- lernt und die Kommunisten erzielten ein für sie günstiges Ergebnis. Dagegen erhoben die Sozialdemokraten und Unabhängigen wiederum Protest, und so soll am Nach- mittag nochmals eine endgültige Abstimmung erfolgen. �er �lnilinfabrik Treptow ergab die Abstimmung 867 gegen und 216 für den Streik. Tie Stromlieferung auS Golpa gesichert. Kraftwerk Golpa wurde am gestrigen Dienstag eine De- iUebsoerfammlung abgehalten, die in später Nachtstunde eine Ab- st i m m n n g über die Jvage des Streiks vornahm. Das Ergebnis war.�aß 203 Stimmen für, zirka 600 Stimmen gegen einen Eintritt In den Streik abgegeben wurden. Daranfhin wurde am heutigen Miktwochmorgen die Arbeit im Elekirizllälswerk wieder ausgenommen. Nach Dornahme der notwendigen Unter- suchungen und Abdichtungen, die infolge des dreitägigen kalklicgens der keffelanlagen notwendig sind, wird Im taufe des Dormittazs mit der Stromerzeugung wieder begonnen werden, so daß Derlin »och heule wieder Strom aus Oolpa erhalten wird. ffalle im dunkeln. halle, 30. März. sEigener Drahkberlchl des.Vorwärts".) Das Gaswerk ist gestern abend ebenfalls stillgelegt worden. 3r. der Nacht wurde hier und im Elektrizitätswerk die Technische Not- Hilfe eingesetzt, heute morgen verkehrten wieder einige Straßen- bah uli nie«. In der verganzeneu Nacht war hall« vollständig in Dunkel gehüllt, von der Sipo wurde das Gelände durch teucht- kugeln und zahlreiche Autoskreifen aufgeklärt. Zu irgendwelcheu Plünderungen ist es dank der Aufmerkfanikeit der Wachmannschaften nicht gekommen. Zu der Reilstraße ist während der Nacht ein Som- muniflenncst ausgehoben worden. Ein Mann sehte sich bei der Jest- nähme mit einem Revolver zur Wehr. Bei der Schießerei zwei Kommunisten getötet. Ss wurden karten und Pläne über wichtige Knotenpunkte usw. gefunden. Ebenso fand man Pläne über noch auszuführende Attentate. Es tonnte ferner festgestellt werden, daß die in Halle bereits ausgeführten und versuchten Spren- gnvgen von dieser Stelle ausgingen. Ferner waren gena»a Zahlen über die Stärke der«Roten Armee" und über weitere> e k r u- tierungsmöglichteiken vorhanden. Lngefähr SO Luit- tnng-n wiesen nach, daß auch größere Geldbeträge an die Rote Armee gezahlt worden sinh. Der Generalstreik ist ziemlich allgemein durchgeführt. Die Elsenbahnwerk- stätten find heule morgen ebenfalls stillgelegt. Die Arbeiter blieben im Betriebe. Die Eisenbahndirektion ist an die G e w e r k s ch a s t e n herangetreten, um Mithilfe für den Slreckenschuh zu erhalten. Neues Eisenbahnattentat. Erfurt, 30. März.(WTA.) Kommunistische Elemente haben heute nacht gegen die Eisenbahnunterführung aus der Strecke Er- furt— Kassel zwischen der Steigerstraße und der Gustav-Freytag- Straße einen Sprengversuch unternommen. Der durch die Sprengung ungerichtete Schaden ist nur geringfügig. Ms Täter kommen einige lSZährige Burschen i» Betracht, die bereits verhaftet wo�en sind: ste gehören der Kommunistischen Partei an. Ter Verbrecher von Ammendorf verhaftet. Der Eisenbahnattentäter von Ammendorf und Gröbers ist� wie die Polizei melde.', ermiltelt worden. Es ist der 24 Jahr« a U« Arbeiter Paul Jakob aus Ammendorf. Bisher konnten dem Werbrcchcr noch zwei Raubmord« und ein versuchter Raubmord nach- gewiesen werden. Er gestehr fein« Taten ein. Sein« Opfer hat er mit stets bei sich geführten Schußwaffen getötet. Ausnahme des Zugverkehrs bei Eiskeben. Wolffs Bureau meldet von gestern abend 1t Nhr: In der Stadt ist auch weiterhin alles ruhig. Der erst« fahrplanmäßige Zug auf der wiedcrhergesteillen Strecke ist hier abends eingetroffen und noch San gerhausen durchgeführt worden. Wo in Eicleben verlauict, soll gestern mittag bei Nieder» > r ö b i ilsf e n das Automobil mit Hätz und dessen Adjutanten von der Reichswehr abgefangen und unter Feuer genommen fem. Der Adjutant fei tot, chölz fei entkommen.(Alle Nachrichten über Holz sind mit Vorsicht aufzunehmen. Red. d. V.). Oberpräfident Hörsing verbietet für die Regicrungsbe- zirke Magdeburg und Erfurt alle Versammlungen unter freiem Himmel, Zusammenrottungen und Umzüge. Alle in Räumen stattfindenden Versammlungen sind mindestens 3 Stunden vorher der Polizeiverwaltung zu müden. Nätercpnblik Pirna. Dresden. M. März.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts*)' In Pirna haben die Kommunisten den Generalstreik erklärt und die Räterepublik ausgerufen. Unter dem kommunistischen Terror ist hier eine teilweise Stillegung der meisten Ve- triebe durchgesetzt worden. � Die Streikbewegung im RheinlanS. Duisburg, 30. Mörz.(I1L) Der vergarbeilerousflaad hat «ich auf Teile des linken Rheinufers erstreckt, �tuf der größten Zech« .rrhc-npreußen" wird auf Schacht l gearbeitet, auf Schacht 4 da- aegech streikt die Hälfte, auf Schacht S ein Drittel der Leute. Auf Schacht.Meviflea" ist fast die gesamte Belegschaft ausgeblieben. Nach den neuesten Feststellungen der Polizeibehörde sind den Verletzungen bei den Unruhen in Essen«och weitere sechs V«- fcnen erlegen, so daß die Gesamtzahl der Toten ans 20 angewachsen ist.__ �anügranatenkämpfe in Karlsruhe. Karlsruhe. 30. März.(WTB.) Als gestern abend die Polizei den Marktplatz von kommuntskischen Demonstranten räumen wollte, wurde sie mit Handgranaten und Revolver- s ch ü s s e n empfangen. Auch aus den Häusern wurde auf ste ge- schoflen. Die Polizei erwiderte das Feuer. Auf feiten der ve- monstranten sollen eine Person getSlrt und fünf Personen verwundet worden fein. Am späten Abend war die Ruhe wiederhergestellt. Maßnahmen in Ostpreußen. In der Prorinz Ostpreußen war in der letzten Zeit ein« erhöht« Tätigkeit der Kommunistischen Bewegung festzustellen. Es ist A n- zeigepflicht für sämtliche politischen Versammlungen angeordnet. Di«.Rote Fahne des Ostens", das kommunistisch« Parteiorgan für die Provinz Ostpreußen, ist wegen der starken Putschprspaganda dieser Zeitung verooten worden. Gleichzeitig wurde die ur- sprünglichc Fassung der Destimnjungen über den Ausnahmezustand in Ostpreußen wiederkergestellt, wonach Flugblätter genchmi- gungspslichtig sind. In der Provinz herrscht Ruhe. Von dem für den 30. März von den Kommunisten proklamierten General- streik ist in Ostpreußen nichts zls merken. für 2'/e. S oukhport. 30. März.(Reuter.) Der Kongreß der unab- hängigen Arbeiterpariei stimmte dem Bericht des Vollzugsausfchnfles zu, der den Beitritt zur sozialist'.sckzen Znlernatisnale von Wien empfiehlt, unter der Bedingung, daß die Partei völlige Freiheit der Fortführung ihrer Politik behält. Die ILP. ist zwar ein wesentlicher Bestandteil der britischen Arbeiterpartei(Labour Party), aber deren Hauptmasse stellen die Gewerkschaften. L e d e b o u r, t«r die USP. in Southport ver- tritt, erntete stürmischen Veisall, als er— wohl in d«r Polemik gegen die mit 67 gegen 521 Stimmen abgeblitzten Moskauer— seine englischen Eindrücke dahin aussprach, daß eine Revolution rnisge» schlössen sei! Die ILP. denkt gar nicht daran, sich ihre Wahlaussichten durch Revolutionsspielerei zu verscherzen. Der Kongreß hat eine Entschließung angenommen, in der die Stellungnahme der Arbeiterpartei bei der zweiten Lesung der„deut- schen Reparationsbill" im Untcrhause mißbilligt wird. GroßGerlm NationalboZsckewißen. Die kommunistischen Zettungen riefen zum Kampf mit den Waffen, die.Rote Fahne" überschlug sich und das Bürgertum lag auf der Lauer. Run jauchzt es hoch auf: Verbrecher und Irrege- leitete, vom Elend zur Verzweiflung Getriebene lassen sich zu Gc- walttaten hinreißen und der.Aeent provocateur hilft noch. In manchen Weinlokalen der Friedrichsiraße erklingen Militär- märsche, das Publikum— zum größten Teile Schieber mit fetten Bäuchen und Grisetten— brüllt Beifall, stehend singt es.Deutschland, Deutschland über alles" und schändet so dos revolutionäre Lied eines aufrechten Kämpfers. Der„Conferencier" will nur noch„An- sager' heißen. Er versteht sich aufs Geschäft und sagt Zoten und Gemeinheiten, wie ste zu den Zuhörern passen, mit bezeichnenden Mienen an. Soubretten» von denen sich einzelne als„deutsche Humoristinnen" bezeichnen, singen von der Freiheit der jungen, schwer ringenden Republik und vergleichen sie mit einer— Hühner- leiter oder, noch. deutlicher, mit einem Kin'derhcmde. Die Führer der Arbeiterschaft werden von ihnen in den Schmutz gezogen. Sie singen von Scheidcmonns angeblichen Millionen, von Ebert in der Badehose, der betrunken im Weine schwimmt und von ähnlichen Sachen, die die Runde durch die Stinncs-Presse gemacht haben. Und das Publikum rast Beifall! Zuweilen finden sie aber auch Widerspruch, selten allerdings, sehr selten. Dann steht der Pöbel auf wie ein Mann und macht faule Witze über die„Genossen", über die Zieh und die stille Ge- nossin Ebert, die es ihnen ganz besonders angetan zu haben scheint. Mitunter entsteht daraus eine Prügelei, und die Gemeinheit be- herrscht das Feld. Die Schieber brüllen und die„Damen" kreischen. Dann fällt die Musik ein und unter ihren Klängen werden die„Ruhe- störer" an die Lust gesetzt.— Der Pöbel ist wieder unter sich und wartet mit Sehnsucht auf das nächste Dynamitattentat. Organisation Ses technischen Grotz-Serlin. Kurz vor Ostern hatte die Betriebsverwaltung Magistrat Berlin des Bund«s der technischen Angestellten und Beamten eine Mit- gliederversammlung nach der Aula des Margareten-Lyzeums einbe- rufen, um zu den Schwierigkeiten Stellung zu nehmen, die sich der Organisation des neuen technischen Groß-Berlin entgegenstellen. Das Hauptreferat in der überfüllten Berfammlung hatte Reichstagsabge- ordnet« Aufhöufer übernommen. Die Mitarbeit aller pro- duktioen Kräfte an der Gemeindeverwaltung fei dringend erfordsr- lich, um so mehr, als zu den remen verwaltungstechnischev Aufgaben der Gemeinden solche rein wirtschaftliche? Art ln nie geahntem Umfang« hinzugetreten sind. Die wirtschaftlichen Auf- gaben der Gemeinden könnten aus juristisch-bureautratischer Grund- läge nicht erfüllt werden. Es müsse vielmehr der technisch-wirtschaft- lich« Ge.st seinen Einzug in die Verwaltung der Kommunen heilten. Diesem Grundsatz sei leider bei der Reorganisation der Groß-Berliner Verwaltung nicht Rechnung getragen worden. Zippr Hab« der Plan der Denkschrift des Bundes der technischen Angefteuten und Beamten über die Bildung des neuen technischen Groß-Berlin in den weitesten Kreisen Anerkennung gefunden, schon um deswillen, weil man diesem Plan der Fachmänner keinen anderen Plan entgegenstellen tonnte. Aber es bestehe jetzt die Gefahr, daß diese Arbeit wieder sabotiert werde. In den Tezirken dominiere der Jurist, während der Tech- niter zurückgedrängt werde. Am schlimmsten stehe es bei der Depu- taiion für das Siedlungs- und Wohnungswesen, an deren Spitze ebenfalls ein Jurist gestellt fei. Unter Führung der Juristen wolle man dos Siedlungswesen jetzt sogar zum Berkehrsdezernat legen, wahrscheinlich um den allen unglückseligen Zweck- und Wohnungs- oerband in neuer Auslage aufleben zu lassen. Aehnlich lieg« es bei der Deputation für Werke und anderen wichtigen Derwaltungs- zweigen. Die technifch-wirsschaktliche Leitung gehör« dem Techniker, nicht dem Juristen, wenn nicht dos gesamte Gemeindewesen Schaden erleiden soll. An das Referat schloß sich«ine längere Aussprache, in der sich die Herren Rohr, Heller und Direktor Rehmer beteiligten, die aus ihrem Tätigkeitsbereich die Ausführungen des Redners er- gänzten. Dos Schlußwort nahm Herr Händeler, der betonte, daß die Demokratisierung und der Ausbau der Stadwerwaltung von unten unter lebendiger Zlnreilnahm« jedes einzelnen Arbeiters. An- gestellten und Beamten erfolgen müsse. Dann werde es auch ge- lingen, bei Durchführung des Grundsatzes„Freie Bahn dem Tüch- tigen" die fähigsten Köpfe an die Spitz« zu bringen. Es wurde«instimmig eine Entschließung angenommen, die den Borstand beauftragt, tm Sinne der Ausführungen der Redner beim Magistrat Belli« für die Anerkennung der Technik und Techniker zu wirken._ Die Siegessäulen attentater sind heute der Staatsanwaltschaft vorgeführt worden, nachdem die Ermittelungen zur Aufklärung de, verbrecherischen Anschlages ob- geschlossen sind. Alle Verhasteten haben ein Geständnis abgelegt und bei ihren Vernehmungen auch weitere Einzelheiten über den Dyna- mitanfchlag und die getroffenen Verbreitungen dazu gestanden. Wie eine Korrespondenz hierüber berichtet, haben sich die Kommunisten, bevor sie ihre Zusammenkünfte bei dem Kunstmaler Wolfs hatten, bereits schon an zwei anderen Stellen getroffen, das erstemal in einem Lokal in der Beklichingenstraße In diesen geheimen Der. sammlungcn sei ein Mann aufgetreten, der erklärt habe, daß die Revolution viel zu langsam vorwärts schreite und daher beschlossen worden sei, sie durch Gewaltakte in Fluß zu bringen. Er habe auch erklärt, daß jetzt mit Sprengstoffen gearbeitet werde und die Teil- nehm.er w! der Zusammenkunft aufgesordert, selbst auch zur Tat zu schreiten. Sein Dortrag endete mit einer Drohung, daß, wenn die Anwesenden, die er nun von den Geheimplänen unterrichtet habe, sich nicht verpflichten würden, selbst mit in der von ihm bezeichneten Richtung tätig zu sein, es ihnen selbst ans Leben gehen werde. So sei dann der Plan gefaßt worden, zunächst die Siegessäule in die Luft»u sprengen, ver Eprengungsversuch ist deshalb nicht geglückt, weil die Attentäter selbst um ihr Leben bangten. Sie hatten, weil sie befürchteten, daß die Zündschnur schneller abbrennen und die Explosion eher erfolgen könne, als sie sich in Sicherheit bringen ko inten, die Zündschnur noch verlängert und durch diese Verlängerung mißglückte die Entzündung der Sprengmasse. Die wachestehen. den Mitglieder der Bande waren auch schon, bevor noch der ver- «.' redete P'isf ertönt war, davon gelaufen, weil auch sie große Angst hatten, daß sie sich dann nicht mehr rechtzeitig aus der Gcfahrzone begeben konnten. Erst später trafen sich dann alle wieder gemäß der vorher getroffenen'Vereinbarung bei dem Kunstmaler Wolfs in d-ssen Wohnung Neukölln am Wasser 21, wo dann die Kriminalpolizei überraschend einfiel und die ganze Gesellschaft ding- fest machte. Einführung öes Sezirksamts 10 tZehlenSorf). Ilm Dienstag abend begrüßte Bürgermeister Ritter den zum Pczirksbürgermeistcr gewählten bisherigen Zehlendorfer Gemeinde» Vorsteher Dr. Köster. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch trotz der Zentralisation die Bezirke genügend Raum für selbständige Betätigung haben werden. Nach der Bcrpflichtung durch Handschlag dankte Bürgermeister Dr. Köster für die freundlichen Worte, ver- hehlte ober nicht, daß sich gerade in den Landgemeinden eine Los« oon-Derlin-Bewegung geltend mache: trotzdem aber werde das Be» zirksomt gemeinsam mit dem Berlmer Magistrat in aufrichtiger Weise versuchen, den Bezirk 1V wieder zu neuer Blüte zu bringen. Dann führte er die Bezirksamtsmitglieder ein.— Die Bezirksversammlung setzte dann nach einen Ausschuß zur Vorbereitung der Bil- dung von Ortsbezirten ein._ Landaufenthalt für Schulentlassene. Bom Städtischen Pressedienst Charlottenburg wird mitgeteilt: Für konfirmierte Knaben und Mädchen im Alter von 14— 16 Jahren, die gesund, aber zur Erlernung eines Berufes noch zu schwächlich sind, bietet sich Gelegenheit, den Sommer über bis zum Spätherbst un- entgeltliche Unterkunft auf dem Lande(Mecklenburg und Pommern) gegen Leistung leichter landwirtschaftlicher Arbett zu finden. Mel- düngen hierzu werden umgehend an die Städtische Berufsberatungsstelle, Berliner Str. 81(Eingang Wilmersdorfcr Straße), vorn eine Treppe, in der Geschäftszeit von 9—12 Uhr erbeten. Flugpost Berlin— Danzig— Königsberg(Pr.) und Danzig— Königsberg(Pr.)— Mewel. Die von der Lloyd-Ostflug G. m. b. H. Berlin betriebene Flugposttinie Berlin— Königsberg(Pr.) wird vom 1. April an über Danzig nach folgendem Flugplan geführt: Täglich ob Berlin 8.0, ab Schneidemühl 10.5, an Danzig 12.55, ab 1.5, an Königsberg(Pr.) 2.26: zurück ab Königsberg(Pr.) 8.30, an Danzig 9.50, ab 10.0, ab Schneidemühl 1.0, an Berlin 2.55. Den Flugdienst im Danziger Gebiet führt hierbei die Flugzeug- und Motorenbau- A.-G. Danzig aus. Gleichzeitig wird eine Flugpost Danzig— Königsberg(Pr.)— Memsl von der Danziger Lust-Rcederei mit Unterstützung der Deutschen Luft-Reederei, Berlin, eingerichtet. Flugplan täglich ab Danzig 10.0, ob Königsberg(Pr.) 12.0, an Mcmel 130, zurück ab Memel 3.0, ob Königsberg(Pr.) 6.0, an Danzig 6.30. Im Flug- postoerkehr mit dem Danziger und dem Memclgebiet sind gewöhn- liche und eingeschriebene Postkarten sowie alle übrigen Arten von Briefsendungen gegen dieselben Flugzuschläge wie im Reichsgebiet zulässig. Für eine Postkarte oder einen einfachen Brief ist also ein Zuschlag von 20 Pf. zu zahlen. Der Austausch von Zeitungen und Paketen mit der Flugpost wird für die nächste Zeit geplant. Laubetikolonisteo In Treptow. Wir sind wieder in der Lc�e. unseren Lesern, welche die Laubenkolonien in der Parkstraße und Köpenicker Landstraße bis zum Dammweg bewohnen, unsere Zeitung durch Botenfrau zu liesern. Wir bitten. Bestellungen auf den„Bor- wärt»" unter genauer Angabe der Laubenkolonie und eventuell auch der Lage der Laube an unsere Hauptgeschäftsstelle, Lindenstr. S, zu richten. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" sieht sich genötigt, den Bezugs. preis vom 1. April ab aus 12 M. mcnaiiich zu erhöhen. Cr ver- weist darauf, daß die im vergangenen Herbst an die Erhöhung des Bezugspreises geknüpfte Hoffnung auf baldige Besserung der Ver- Hältnisse sich nicht erfüllt hätte. Seit jener Zeit seien im Gegenteil nicht nur die Mehrausgaben für Herstellung der Zeitung. Löhne, Gehäller um Millionen gestiegen, sondern die allgemeine Lage des Zeitungsqewerbes habe sich neuerdings so erheblich verschlechtert, daß die Geschäftsleitung sich jetzt genötigt sehe, zur teilweisen Deckung der Mehrkosten den Bezugspreis zu erhöhen. Die Einführung der Dezlrksam.tsmitgNeder im Bezirk 12 wird am Freitag, den 1. April, abends 7li Uhr, in der Bezirksoerordneten- Versammlung im Steglitzer Rathaus erfolgen, und zwar durch Ober- bürgermeister Böß. Das bei der Vost nicht vorkommen darf. Bon einem Leser unseres Blattes erhalten wir eine Zuschrift, welcher wir folgendes entnehmen: Kurz vor Ostern präsentierte mir ein kleiner Paket- besteller von 6— sechs— Jahren eine Paketkarte über ein Wert- stück von 500 M. mit dem Ersuchen um Empfangsbestätigung. Diese mußte ich verweigern, da ich das Poststück nicht erhalten habe. Flugs zieht er ab und nun werde ich wohl meinen Osterbraten oder mein Osterei nicht mehr erhalten.— Zugegeben, bei dem gesteigerten Post- verkehr zu den Feiertagen seien die altgedienten Postbeamten knapp, so ist es doch eine Leichtfertigkeit, einen so jungen Mann einzustellen, der ja kaum imstande ist, die ihm zur Bestellung übergebenen Adressen zu lesen. Daher erklärt es sich denn auch, daß wiederholt Briefe für meinen.im selben Hause wohnenden Namensvetter Franz an meine Adresse gelangen. Bielleicht ist dies der Reichspostverwaltung ein Anlaß zur Einstellung älterer Hilfskräfte aus den Reihen der Kriegsteilnehmer oder Erwerbslosen. ver vefraudant im Betriebe der„Viktoria", Alfred Conrad, ist. wie uns der Betriebsrat mitzuteilen bittet, nicht Mitglied der Kom- mumstischen, sondern der Unabhängigen Partei. Die Kommuni'lische Partei sei Im Betriebsrat der„Viktoria nicht vertreten. Wir bemerken hierzu, daß uns die Meldung von einem angeblichen De- triebsratsmitglied telephonisch übermittelt worden ist. Sie hat sich demnach al« unzutreffend erwiesen. Eine Welt ohne Liebe-' betitelt sich ein(eckiSattiger Sensationsfilm, welcher zurzeit Im Marmorbaus tjluriflrfiendnmm 236) zur Aufin kn um, eclangt. Unglückliche Liebe bildet den Untergrund, aui welchem sich das Drama abspielt und die havdewden Personen jchlieflich durch Selbstmord «»den litt- Groß-Serllner parteinackrichten. heute. Mittwoch, den 30. März: tN. Abt. sPailtow.) Abend» 7 Uhr In WMner«?rauere!. Serline« Str. R>«j. Meneralversamniwng. Zaaeeordmma: t»orttag:„Dir FeuerbestaUung einst und iegt." Relerent!«enofie Carlch. 2. Neuwahlen. lea. Abt.< Pankow.) Abend« 71/, Uhr tm Nestanrani Linder. Breite Straße. «eneralversammluna. Tageeordnung: l.„Die wiitlchaitiiche Bedeniung übe» Ichleiienz iiir Deutschland.- ResertNt: Sritofie Herbert Berzer. L. Neuwahl de» Abteiiung»oortkande«. Niedrrschönbaulew. 7>l, Uhr im„Wilhelmshof-, Kaiser. Wi'belm-Straße, Sil» Ikichenstrab«, MUeiiederversammlung Thema: Zustilnde in Rußland. Referent: Genosse»ervin. Morgen, vonnerstug. den 31. März: oberschSnewrlb«. Abend» 7V, Uhr findet im Lokal Nevmann. Denl». Ecke Si»M'n»str., eine Kommun-ll-nferenz statt. Barl rag: Bauisens Eduilvrogrimim. Ref. Rettor Pergemonn. Sozialiftische Lehrer und Eltern find etnoeladeii. ?ugenöveranstoltungen. «ota»d«rf. Margen'l-ß Uhr bei Hamann, Alebelstroße! Zui-mmrnkunft der b KD.-Arbeiter jvlzenb. 7� Sie flrmee öer Arbeit. Eine interessante Statistik über die internationale(S e- werkschaftsbewegung macht zurzeit durch die Arbeiterpresse Englands die Runde. Sie erstreckt sich auf 20 Länder und zeigt die Entwicklung der Gewerkschaften in der Zeit von Ende ISlO bis Ende 1919. In den 20 Ländern wurden 1910 rund 10 830 000 Organisierte gezählt, deren Zahl bis Ende 1919 auf 32 680000 ange- wachsen war. Für die einzelnen Länder ergeben sich die folgen- den Zahlen: 1910 1919 Deutschland.. 2 960 000 0 000 000 England..... 2 400 000 8 024 000 Vereinigte Staaten. 2 100 000 6 007 000 Frankreich.... 977000 2600 000 Italien..... 817000 1 800 000 Oesterreich.... 200 000 772 000 Belgien..... 139 000 750 000 Tlwecdoslowakei.. 100 000 667 000 Lu'lrolien..... 302 000 628 000 Holland..... 154 000 625 000 Ungarn...... 80 000 500 000 Kanada...... 120000 878000 Dänemark.... 124 000 360 000 S-bweden..... 115 000 830 000 Schweiz..... 73 000 224 000 Spanien..... 41 000 211000 Norwegen..... 47 000 144000 Neuseeland.... 57 000 100 000 Finnland...... 15 OOO 41 000 Südilawien.... 7 000 20 000 Die deutschen Zahlen lassen den Schluß zu, daß die Statistik alle organisierten Hand- und Kopfarbeiter erfaßt. Fast 33 Millionen organisierter Proletarier! Diese Riesen- armee, zusammengeschweißt durch dieselbe Not, durch dasselbe Sehnen und Ringen nach Freiheit, nach einer besseren, gerechten Well- ordnung stellt eine Weltmacht dar. Diese stolzen Zahlen lasten uns zwar nicht die Macht des Weltkapitalismus vergessen, aber ste erfüllen uns dennoch mit Siegeszuversicht, weil wir wiflen, daß keine Macht der Welt der internationalen Armee der Arbeit widerstehen kann, wenn sie einig ist. Tie deutsche Arbeitslosigkeit. Die Hoffnung, daß mit Ende des Winters die Arbeitslosigkeit zurückgehen würde, hat sich nach der letzten Ausstellung nicht erfüllt. Im Monat Februar ist die Zahl der Erwerbslosen im großen und ganzen dieselbe geblieben. Am 1. März zählte man 4L8000Hauptunterstütziingsempfänger. während zu Anfang Februar 433 000 vorhanden waren. Durch den Ausbau der produktiven Erwerbslosensüriorge, dw rund 200 000 Arbeits- losen Beschäftigung gegeben hat, ist es gelungen, ein weiteres An- schwellen der unterstützten Erwerbslosen zu vermeiden. Diese Zahlen enthalten nur die unterstützten Erwerbslosen: darüber hinaus bezieht ei» großer Teil der Bevölkerung das gewohnte Ein- kommen nur verkürzt oder überhaupt nicht. Arbeitslose und Streikarbeit. Es werden wiederholt Fälle bekannt, in denen einzelne Orts- behörden den§ 8 der Erwerbslosenfürsorge so auslegten, daß den Arbeitslosen die Unterstützung entzogen werden dürfe, die die Annohme von Streikarbeit verweigerten. Der Vorstand de» ADGB. hat eine diesbezügliche Beschwerde an den Reichsarbeits- minister gerichtet. In seinem Bescheid betont dieser, daß zwar für die Gemeinden die Verpflichtung bestehe, den Erwerbslosen, die die Annahme von Arbeit verweigern, die Unterstützung zu entziehen: diese'Bestimmung sei indessen immer so ausgelegi worden, daß nie- mand verpflichtet fei, eine ihm nachgewiesene Arbeitsstelle an» zunehmen, die durch Streik freigeworden ist Der Reichsarbeits- minister gibt zu, daß der schon erwähnte§ 8 der Verordnung die zu der Beschwerde des ADGB. geführte Auslegung zuläßt, daß diese aber nicht seine Billigung findet. Minister Brauns hat den preußi- scheu Minister für Volkswohlfahrt von seiner Stellungnahme unter- richtet und ihm anheimgestellt, in diesem Sinne eine Anweisung an die Vollzugsbehörden ergehen zu lasten. ! Bei der gesetzlichen Regelung der Arbeitslosenversicherung wird ,der Minister eine ausdrückliche Bestimmung in Borschlag bringen, nach der die B e r p f l i ch t u n g zur Annahme von Aibeitsstellen, die durch Streik oder Aussperrung frcizcworden sind, ausge- schlössen wird._ � Tie englische Bergarbeiterbewegung. Nach einer Londoner Meldung der Telunion ist man über die Absichten, die die englische Regierung hegt, um den für Freitag an- gekündigten Streik der Bergarbeiter zu verhindern, noch im un- klaren. Der Vorstand der Bergarbeiterföderation trat heute morgen zusammen, um die Berichte aus den einzelnen Kohlenbetriebcn zu prüfen. Die Führer der Bergarbciterschaft im Norden von Jork- shire haben die Einladung der Bergwerksbefitzcr angenommen, morgen mit ihnen die Lage zu besprechen. Soziales. Städtische Tuberkuwsenfürsorge. Aus Erfurt wird uns geschrieben: Angesichts der enormen Zu- nähme der Tuberkulose während des Krieges und der dringende«» Notwendigkeit, die bisherige private Fürsorge auszudehnen und sie nach modernen Gesichtspunkten weiter auszugestalten, übernimmt die Stadt Erfurt vom 1. April d. I. ob die T u b e r t u l o s e n f ü r- sorge. Die erforderlichen laufenden Kosten zur Durchführung der Bekämpfung der Schwindsucht, für Solbodkuren, Ferienkolonie», chausfürsorge, Röntgendiagnostik, ärztliche Untersuchungen, betragen 67 000 M. Für die Errichtung eines Sonnen- und Luftbades, dos namentlich der Behandlung der chirurgischen Tuberkulose zugute kommen und für die Ertüchtigung und Gesundung unterer Jugend ein wesentlicher, ausgezeichneter cheilsoktor sein wird, sind ebenfalls Mittel in Höhe von 50 000 M. vorgesehen. kaufmaunsgerichle und freie Gewerkschaften. Die Kaufmannsgerichtswahlen in Potsdam und NowaweS endeten mit einein vollem Erfola für die freigewerkfchaftlicki organisierten Angestellten. Während der Zentralverband der Angestellten in Potsdam und NoioaweS bisher überhaupt keine Vertretung beim Kaufmanns- aencht hatte, ist es ihm jetzt gelungen, in NowaweS von iechs Sitzen drei zu gewinnen, während der DHV. mit zweien und der GdA. mit einem vorlieb nehmen mußten. Nock besser aber war das Resultat im reaktionären Potsdam. Hier erhielt der Zcntralverband der Angestellten seckS Beisitzer zum Kaiismanns- gerickt, der DHB. stellt vier Beisitzer und der GdA., dessen Lifte ganze 17 Stimmen erhielt, hat gar keinen Beisitzer zu stellen. Der Eriolg für die freigewerksckafiliche Liste ist um so größer, als DHV. und GdA. die Werbetrommel tüchtig geschlageii haben. Zusammenschluß der Lungenkranken und Tuberkulosen. Der Bund der Lungenkranken und Tuberkulosen DeutscklondS wendet sich mit einem Auirui an die Oeffentlichleit, in dem es beißt: Die Zeniralleiiung deS Bundes der Lungenkranken und Tuberkulosen Deutschlands iotdert alle Lungenkranken und Tuberkulosen Deutsch« landS auf. sick durch Gtündungen von Ortsgruppen der Zeit- tralleitung anziischließeckd Es gilt eine Einheitsfront aller dtcser kranken Menschen zu bilden, um gemeinschaftlich den Kampf gegen die Tuberkulose zur Hebung der Volksgemndheit aufzunehmen. Genossen und Genossinnen, die sick für die Sache interessieren, werden gebeten, ihre Adressen sofort der Geschäftsstelle des Bunde?, H am« bürg. Koppel 34 I. zur Verfügung zu stellen. Eine rege intensive Mitarbeit aller Arbeiter« und Angestelllenotgantsationen tst dringend erwünscht._ Wietfthaft Ausiedelung von verkriebenen. Ein Beschluß der Landesversammlung fordert die möglichst rasche Wiederansiedlung der aus Polen zurückkehrenden Ansiedler. Daraufhin hat der preußische Landwirtschaftsminister die provinziellen gemeinnützigen Siedlungsgesellschaften darauf hin- gewiesen, daß für die Wiederansiedlung auf deutschem Boden in erster Linie Bewerber in Betracht kommen, die nach dem 1. Januar 1908 in das jetzige Polen eingewandert sind: dmn diese Ansiedler werden auf Grund des Friedensvertrages zum Deila ste n des Landes gezwungen. Ferner sollen solche Bewerber berücksichtigt werden, deren Kaufverträge von den Polen willkürlich f ü r� u n« gültig erklärt wurden, und die gewaltsam von ihren Stellen entfernt worden sind. In gleicher Weise bevorzugt werden sollen weiter auch Pachtansiedler, deren Pachtverträge nach Ablauf nicht erneuert wurden. Durch diese Maßnahme soll ein Anreiz zur Auswanderung nicht gegeben werden, weil die Unterbringungsmöglich« leiten nicht günstig sind. Um so dringlicher weist der Land- wirtschaftsminister darauf hin, daß die aus ihren Wohnsitzen v«r. triebenen Landsleute auch sicher sein können, daß ihnen nach Mög- lichkeit ein Unterkommen in der deutschen Heimat verschafft wird. Zur Vereinheitlichung des Verkehrs init den Siedlern und des Unterbringungsoerfahrens ist bei der Geschäftsstelle der Ansiedlungs» kommission, Berlin W. 9, Königgrätzer Str. 123, eine Fürsorge- stelle eingerichtet. Australischer Weizen. Der Premierminister des anstraliscken Bundesstaates. Hughes, bestätigte, daß Weizenverkäufe an Deutsch« land stattgefunden haben, und erklärte, daß die Frage der Wieder« aufnähme' des allgemeinen Handels in kurzem dem Parlament vor« gelegt würde.__ Ms aller Welt. f Eiu netter Tentist. tütze eines auf der Reeperbahn in Hamburg wohnenden Dentisten Sch. erstattete Anzeige, daß er oersuchte, zu seinen Kun» binnen in zärtliche Beziehungen zu treten. Wenn eine seiner Kun- binnen nicht darauf einging,'dann soll Sch. diese in einen eigens für einen solchen Zweck hergerichteten Operationsstuhl eingespannt und unter Anwendung von Hypnose feinem Willen gefügig gemacht haben. Beamte begaben sich in die Wohnung des Sch., um den Operetionsstuhl zu untersuchen. Dabei machten die Beamten eine überraschende Entdeckung. Durch einen am Fuß des Stuhles an- gebrachten Hebel geriet eine Vorrichtung in Bewegung, die die im Stuhle sitzende Person vollkommen wehrlos machte. Mehrere angebrachte 5)ebel legten sich um Arme, Hände und Kopf des im Stuhl Sitzenden. Auf Grund dieser Ermittlungen wurde der Stuhl beschlagnahmt und der Dentist o e r h a f t e t. Die Untersuchung er- gab bisher, daß er seinen verbrecherischen Neigungen in 18 Fällen gefolgt ist. Er hat dabei auch Erpressungen ausgeführt. In einem Falle hat er von einer Frau 12 000 M. erpreßt. Des weiteren hat er sich des Vergehens gegen das keimende Leben schuldig pe- macht mit dem Ergebnis, daß eine Dame in schwerkrankem Zu- stände in ärztliche Behandlung gehen mußte. Sch. erklärte bei der Verhaftung, ihm könne nichts passieren, da er einen Schein be- sitze, aus dem hervorgehe, daß er geisteskrank sei. L«a»t». für den rcsatt. Teil: Tr. Seruer«ttser, Charlottenöurg: tür Anzeigen: rb. Glocke. Verlin. Verlag: Vorwäris-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Trucki Bor- »SrtS-Buchdruckerei u. VerlaaSamlali Vau! Singer u. Co.. Berli.i Lind, liir. S Lassen Sie Ihr Kind nicht zur Schule gehen, bevor Sie sich die Gewißheit verschafft haben, daß eS wirklich gut sehen kann. An manchem schlech« ten Zeugnis sind nur die schlechten Augen schuld. Die meiste Arbeit in der Schule wird mit �ilse der Augen verrichtet. Ein Kind, das nicht so gut sehen kann wie andere, ist im Nachteil und muß sich mehr anstrengen, um folgen zu können. Trotz- dem tritt rascher die Ermüdung ein, oft sogar mit Kopfschmerzen verbunden, die Aufmerksamkeit läßt nach, und da? Kind bleibt zurück. Kommen Sie init Ihrem Kinde zu uns. Wir prüfen kostenlos seine Sehkrait und verordnen mit Sorg'alt die passenden Gläser, falls solcke nötig und nützlich für Ihr Kind sind. Gute Brillen für Kinder kosten von M. 8.— an. Gläser extra. Wollen Sie lieber ein paar Mark sparen, oder wollen Sie lieber Ihrem Kinde unnötige Anstrengungen und Zurücksetzungen ersparen? Sie können mit Per« trauen zu uns kommen. Auch Sie werden gerne dort kauken, wo Sie große Auswahl und billige Preise finden.— Aber selbst wenn wir nicht die Billigsien wären, so dürfen Sie nie vergessen, Sie erhalten unsete große Garantie für alle Fassungen in Gold und Gold-Doublo und diele ist wohl wichtig beim Einkauf von Brillen für Kinder, weil diese öilers etwas zerbrechen. In der Ga« rantie erhalten Sie außer Glä'erbruch alle Repa- raturen an diesen Fassungen urnionft. 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Z nahe Bahnhos goo XanfODa: Bergstr. 4, Ecke Ziethenstraß« Zrtedeaau: Vihewstr. 18, Eck« Kirchstraß, SchOueberg: Kanptstr. 2t, Ecke Akazienstr. , WUmersdors: Berliner Str. 132/133 nahe Uhlandstraß« „Tor wärts�-Husgabcf teilen und Inferaten-Hnnahtne sowie Geschäftsstellen der Zeitnngs-Zentrale» m a n n Kalkender« Gnrirnyadistr iii ««»»schuleuweg: Frau K S v l e. Kiefholzstr. 184. Laden. sterua«.»öatarutal. Zeperaick Schöabrück. Karo» und öuchi L-iörich Vroke Bernau Müdlenstr 6. Oteudoefi W Da-nnebero Viktortastr. 1t Badusdorsi Korlemaua. Ecnolscnschastshan»»Pa- «cht»»'. BochHolz, Blankenburg! H a! n k«, Buchholz, Bahnhofstr. 24. Eharlotteubnrg l: Eesenheimer Str. 1. Geöffnet von 9 bis 6 Uhr. Eharloiteubur» II: Tauroggcner Str. II. Eharlotteuburg lll: Zlaiserdanim 101. Geöffnet von 3—4 Uhr. Ehartotleudurg IV: Aürnderger Etr. 23. 4aaer»dort! S>«> S n h e r r Landsberaer Sir. li>. Eichwalde, Schmöckwitz: Schröder. Bahnhofstr. Tst. Erlner: A l d e r 1 8- r n l ck e Friedrickstr. 21. Fichtenau. K r e ß t«. Waldsir. 23. Friedenau: Rhrinstr. 27, Ecke Rönnebergstraße. Fredersdors-Petershagea: Ufte u Wolter. Peterehagen. lfrirdrichsbagea. Sieschaarteui L 0 f i m a u ll, Friedrichs- baarn Kurze Straße U Griiua»! Fron» Kl-tn Friedrichstr 10. Haleusee, Gruuewalb: Halensee. Gcorg-Bilhelm-Str. 2. Her, selbe: Martin Smolibowstr. »rnniasdoei' s m m u 1 a I Rathenaustr 7 Hoheaueuenlwrf: Siegeri». Bismarckstraße. 3odanni»Idal Alwin Dommiicki Viemarckstr 8. Karieharst: Frau Stanke. Hcntigstr. 32. vorn parterre. Kauledors: L i e b i g. Honnoerstr. 20. KöntaS-Wusierhanieu. Nlederlriimr: Fried r. Baumann. ktsnigs-Dusterhaufen. Berliner Str. 4. Sietzer Etr. 4(Laden). Geöffnet von Wartenbergstr. 1. Geöffnet Köpenicks Schlag 3-4 Uhr. Lichtenberg I: Lichtenberg, von 3-4 Uhr. Ltchteaber» II. Ruwmelebnrg, Straleu: Ltchtenber«, Box; Hagener Etr. 62. Geöfsnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg III, Frledrichssclbc: Frankfurter Allee ISö. Laden. Lichtcurad«: Franz W t ch u r a. Kaiser. Frtedrich.Str. 3, Restaurant. Lichterlelde.Oft. Lankwitz: L. Wen»«' Lankwitz Kaiser. Wilkelm»Etr. 3. Lichterselde-Best: S ch a e d i l. Hindendurgdamm 34. Mahlsdori: Emil R a u i ch LcmkeNr. 83. Marteudorl: Auaust Leto Ehausseestr. 29. Marirnseld«: Fritz Greulich, Kirchstr. 27: Slldring 762. Rcuenhagen Wen,!« Kiegeistr. 71. Neukölln: Ncckarstr. 2. Geöffnet von 3—6 Uhr. Neukölla-Britz: Siegsriedslr. 28/23. Gröffnei van 3—4 Uhr. Riedcrlchöaeweid«: Hartram pt, Brückensir. 10 II. Nieberschönhausea Nordend: G. SchUedener Tres- kowftr. 14. Nowawe»! Kart Krvhubera EUenbahnstr. IG Oranienburg! Hclnr. Loenhardt. Stralsunder Str. 6. oberschöneweide! Robert Paul Maihildenstr. ü. Paula«! R> ß m a n n Mühlenstr. 74. Potsdam: M. B i e r l t ch Echvckstr. 23. Nadnederl: Je ck e r i Forikstr. 7. Reinickendori-Osl Schönholr: Albert Wahl» Provinz. Irraß» ö4' Laden! ReiuiSrudort-Rofenthal: W. Büro. Prinz- Heinrich-S!:. 84. Schmargeudort: N e h a b. Breit« Sir. 4. Schäneberg: Belziger Etr. 27. Geöffnet von 9—6 Uhr, Seuzig: Frtedewgtd. Ehausteefw. 54. SiemrnSstabt: Stein. Nonnendomm-Alle« 99». Spandau: B u l l a ck, Moritzstr. 14, Garth. 3 lr. Südead«! L u d w i a Hatskriir. 36. etegiitz: Gebricke. Sckiildbornlir. 12. Tegel, Borsigwalde, Reinickendors-West. Baidmannolust, Freie Scholle, Hermsdorf, Birkeawerder. Sergsclbe, Stolpe und Vorgsdorf: Borsigwalde, Röuschstr. 10. Ge- öffnet von 3—6 Uhr. Teltow: Krüger. Schönow, Dorfstr. 9. tempelhos: Kalser-Wilhelm-Etr. 18. Tempelhos: Kandier, Hohcnzollernkorso S. Trebbin: G ö r i n g, Bahnhofstr. 62. Trrpiol«: Gramen- öi-.clbalzstr. 412. vorn 1 Tr. «eißrusee: Berliner. Allee ö>. Wildau. Kchenlehmc:' R u d. L e t t 0 w. Wilh'lmshagen, Hessenwiukel: Schulz«, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 81. Wilmersdorf: Holsteinische Etr. 13. Wittenau: Wilh. Zimmermann, Rasenthaler Str. 46. Wottersborl: Schurbaum. Eichendamm 22. Zebkendoel. Schlachtenlee Rltalaslee: B e a n e r Zedlen» dort. Teltower Str. 3. Zeuthen. Miersdvrk: Ernst Wisterteld Zeuthe», Kurtürltenstr. 46. Zosicu: Albert Stein. MtUenkalder Str. 17. Sämtlich» Literat« sowie alle wiltenschastllcheu Wer!» werden«eltefert. s-nutoa, lud die»eschättz fielt«» gelchloie».