Kr.lZH ♦ ZS. Jahrgang Ausgabe B Nr. 74 Bezugspreis: Sinteljührl. 30,— M,, monatL 10,— 9R. frei ins Saus, voraus zahlbar. Postbezug! Monatlich 10,—-Db, einschl. Ru- flellungsgcbiihr. Unter Kreuzband für Deutichland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet, lowic die ehemals beut- Ichen Gebiete Polens, Oesterreichs Ungarn und Luxemburg 20,— Zlb, ilir das übrige Ausland bei tiialich einmal. Zustellung 27,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho- Slowakei, Düne» mark. Solland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz.— Eingetragen in Vdie Post-Zeitungs-Prclslifte. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- beilage.Volt und Feit", der Unterhaltungsbeilage.Seimwelt" und der Vellage.Siedlung und Kleingarten" srjcheint wochentüglich zweimal, Sanntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozinldemotrol vcciin*" Abend Ausgabe Verlinev Dolksblstt �20pksnmg) Anzeigenpreis: Die achlgespaltene Nonparetllezeii, kostet'dchO M„Nleine Anzeige'." das setigedruckte Wort 1,30 M. szu- tüsstg zwei fettgedruckte Worte>, lebe« weitere Werl 1.— M. Stellenghsnch» und Echlasstellenanzeigen das erst, WoN L— M. sedes weitere Won 50 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-Am zeigen für Abonnenten geil» M Die Preise verstehen stch einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen für dl» nächste Nummer müssen bis 6 vhr nachmittags im Sauptgeschüst. Berlin SW W. Linden. straße 8. abgegeben werden. Geöffnet Von S Uhr früh bis S Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfcblands RcdaBtfon onö Expedition: SW öS, Lindenstr. Z Fernsprecher: Amt Morttzplay. Nr.»SI SV—»ölg? Donnerstag, den 31. März 1tt£1 vorwärts-verlag G.m.b.H.» SW bS» Linüenstr. 3 _ Fernsprecher, Amt Moritzpla». Nr.»I7YS— S» Wlev. 31. MSrz.(HL) Der Parkeivorfland der dcvijäiösterreichischen Sozialdemokrakie erläht einen Aufruf. in dem es heijjk: Seid lvachfam! Seid in jeder Stunde zum Kampfe bereif. Venn es die Stunde erfordert,»Verden»vir Guch rufen. Die Eisenbahner beschlossen eine Resolution, in der es heißt: Wenn von irgendeiner Seite gegen unsere demokratische Republik ein Schlag geführt werden sollte, dann werden die Eisenbahner in den Reihen jener zu finden sein, welche für »en Lesland der Republik alles zu opfern bereit find.— 3n inem Schreiben an den Präsidenten des Ratlonalrats erklärt Oer sozialdemokratische Araktionsvorstand. die Erhebung Karl Habsburgs auf den ungarischen Thron würde eine feindliche Handlung gegenüber der deutschöslerreichischen Republik sein. Es sei eine Rotwendigkeil, von der Regierung Rechenschaft darüber zu verlangen, ob die hallung der österreichischen Behörden bei der Rückkehr des früheren Kaisers nach Ungarn einwandfrei gewesen fei. Es fei unbedingt notwendig, daß unter Mitwirkung der Volksvertretung entschieden wird, ob und unter welchen Umständen die Rückreise Karl Habsburgs durch Deutschöflerreich zugelassen werden kann. Durch die Ereignisse der letzten Tage sei die Rolwendigkeil bewiesen wchiden, das Gesetz über die Landesverweisung der Habsburger schleunigst durch Strafandrohung zu ergänzen.— Dem Araktionsvorstand gab Dundeskanzler Dr., Mayr die ge- wünschten Aufklärungen, heule wird Dr. Rtayr im Ausschuh ' Den. Vertretern der flämischen Rachbarstaalen soll horthy b'Srt haben, daß er bei seiner Halbing gegen Karl bleibe. 7 Landtag von Steiermark hat einen Antrag angeno»nmen, 4, Ich gegen die Rückkehr der Habsburger»vendel und jede a»iu ijnschäst mit ihnen ablehnt. ?o m. 30. März.„Slgenzia Skefani" verbreitet fol- iriMlttellung: Die Rückkehr des Exkaisers Karl hat in : Älischen Kreisen Ueberraschung hervorgerufen. Sein «reich könnte für Ungarn, das frieden und Ruhe braucht. fT"' stFolgen haben. Die kabinekle der Entente tauschen mit- .na, xr Roten aus, find ober darin einig, eine Restauration � ve, hindern. Clr' Vorgehen der Entente für den.?all eines derartigen . Versuches ist seit»langem festgestellt. t-ie Nachrichten aus Budapest lauten hinsichtlich der Haltung Irff iiigartschen Regierung beruhigend. Immerhin wird auf "j �»lichen Erklärungen h orthys gegenüber dem Vertreter Pariser Zeitung zuguinsten einer Restauration hinge- •rc'e" und betont» d«-Exkaiser hätte nicht gehandelt, wenn u, auf Ifiarfe Unterstützung aerectznet hätte. Indessen bp» t ll>,er' �uß die Entente fest entschlossen ist. die Angelegen- �' bn ell wie möglich zu erledigen. o<5' . ,)rend sowohl die ungarische Regierung wie die Kabi- | ire.ajgj. �ntentestaaten die sofortige Abreise des Exkönigs r'verlangen, scheint dieser gar nicht daran zu denken, sein Steuer so leichten Spieles aufzugeben. Nach Wiener Mel- Der Karl-putfth. düngen sollen die legitimistischen Offiziere planen, mit dem Habsburgtreuen Telle der Armee von Steinamanger aus gegen Budapest zu ziehen, die Militärdiktatur, die bisher der Terra- ristenoberst Lehar in Westungarn ausübt, über ganz Ungarn auszurufen und Karl gewaltsam auf den Thron zu setzen. Eine auf" die treten timistenführer verlangen. Den Budapester Zeitungen hat die Zensur verboten, auch nur ein Wort über diese Vorgänge zu ichreiben. Auch der Telegraphen- und Telephonverkehr nach dem Auslande wird überwacht. Am Freitag tritt die un- garische Nationalversammlung zusammen. Man erwartet heftige Angriffe der Antikarlisten, die zum Sturze des Kabi- netts Teleki führen dürften. So sympathisch an sich der Sturz des blutrünstigen horthy-Regimeswäre, so wahnsinnig ist aber auch derPlan eines Karl-Putsches, der den Einmarsch der Tschechoslowaken, Jugo- slawen und— da Moskau sich schwerlich für Horthy in Marsch setzen wird— auch Rumäniens bedeuten würde. Dos wäre noch nicht das Schlimmste, denn das Ergebnis könnte nur die Wiedereinsetzung der Demokratie sein. Allein die Karl-Offiziere würden den Krieg, dessen Aussichtslosigkeit sie in ihrem Größenwahn verneinen, aufnehmen und das schwergeprüfte, schon einmal von den Rumänen ausgeraubte Land müßte sür den frechen Streich des schwachsinnigen Habsburgers büßen. Indessen geben das Bestehen der unbedingt republikani- schen Nachbarn im Nordwesten und Süden Ungarns und die Abmachungen des tschechischen Außenministers Dr. Benesch mit Italien die Gewähr, daß Habsburgs Bäume nicht in den Himmel wachsen— so sehr man das vielleicht nicht nur in ge- wissen Pariser, sondern auch Münchener und Berliner Kreisen wünschen möchte: hier nicht des Karl, sondern der Monarchie an sich wegen. Anfkläruug über Teutschösterreich. Lm Anschluß an den Dortrag des Genossen L. Hartmann'- Wien vor den Berliner Gewerkschaftsfunktionären beschloß die Der- sammlung, daß die Berliner Gewerkschaftskommission beim Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbund anregen soll, die Arbeiterschaft in ganz Deutschland durch Vorträge mit der Bedeutung des deutsch-osterreichischen Problems bekanntzumachen. Aus der Schweiz hinausgestohlen. oern, 31. März.(Schweiz. Depeschen-Ag.) Die Nachrichten von dem Erscheinen Karls in Budapest haben im Bundeshause Ueberraschung hervorgerufen. Von einer Ausreise war nichts b«° könnt. Es sind auch keine darauf bezüglichen Paßangelegenheiten durch die Hände der Behörden gegangen. Karl und fein« Familien- angehörigen waren im Besitze der üblichen diplomatischen(?) Legiti- mationskarten. An die Aufenthaltsgenehmigung war die Bedingung geknüpft worden, daß sich der Exkaiser und seine Begleitung jeder politischen Betätigung in der Schweiz enthalten. Er war n i ch t. wie z. B. seinerzeit König Konstantin, an die Verpjlichtung gebunden, daß er ein« Ausreiseabsicht dem Bundesrat anzuzeigen habe. Ueber die Ausreise schwebt eine Untersuchung. Bezüglich einer etwaigen Rückkehr und eines weiteren Aufenthaltes in der Schweiz behält sich der Bundesrat seine Genehmigung vor. Die österreichische und die ungarische Gesandtschaft haben erklärt, da� sie keine Ausreisegenehmigung an Karl erteill haben. Tirol will zum Reich. (Bon unserem Innsbrucker Berichterstatter.) Die Tiroler Anschlußbewegung hat' in Deutschland lebhaste Aufmerksamkeit erregt. Wir geben daher die Ausführungen'unseres Innsbrucker Mitarbeiters gern wieder. Bom deutschen Standpunkt aus ist zu ihnen zu bemerken, daß uns von einer Bewegung in Deutschland für die„Annexion" Oesterreichs oder Tirols nichts bekannt ist und daß wir eine solche Bewegung nicht unterstützen, sondern bekämpfen würden. Das Schicksal Oesterreichs kann nur durch den Willen des österreichischen Volkes selbst entschieden werden. Redaktion des„Vorwärts". Einstimmig hat der Tiroler Landtag beschlossen, eine Volksabstimmung einzuleiten, in der die Bewohner des nun so verkleinerten und verstümmelten Landes auf die Frage zu antworten hätten, ob sie den Anschluß an Deutsch- l a n d wünschen. Wir sind überzeugt, daß die erdrückende Mehrheit der Bewohner unseres Landes diese Frage mit einem freudigen Ja beantworten wird. Aber ein einhelliges Votum ist leider noch keine Entscheidung. Der Friedens- vertrag von Saint Germain, der Oesterreich verpflich- tet, seine„Selbständigkeit" zu wahren, und der Vertrag von Versailles, der Deutschland verbietet, in seinen Staatenverband Oesterreich oder Teile davon aufzuneh- inen, besteht noch, und nach dem Vollzuge der Sank- tionen ist es wohl unzweifelhaft, daß die Entente willens wäre, die Einhaltung der Gewaltverträge, die den Willen des dsutschösterreichischen Volkes in Fesseln schlagen, mit brutalen Machtmitteln zu erzwingen. Der Abstimmung wird also nicht Womit sict unvermittelt der Anschluß folgen. sich natürlich die Sp!t verwunüet. 1 von zuständiger Seile wird UNS mikgelM: De? bekannte Berliner Sommnnistenführer Sylt wurde henke morgen uro 3�12 Uhr. als er von der Vernehmung im Polizei- prälidium nach dem Volizclgesängnis übergeführt werden sollte und . dabei eine« Fluchtversuch unternahm, durch Schüsse von Polizel- beamten verwundet. Sylt wurde sofort>n die Charite übergeführt. Eine genaue Untersuchung der Angelegenheit ist durch den Ver'iner Vollzelpräsidenlen Richter angeordnet worden. Der Polizei- Präsident nahm Gelegenheit, Mitgliedern der kommunistischen Stadtserordneteusraklion an Ort und Stelle zu zeigen. daß es sich tatsächlich um einen Fluchtversuch handelle. Ein Berliner Mittagsblatt bringt in aufsehenerregender Ueber- '�ir>t* die Meldung von der Erschießung des Sylt. Sylt Ist t/ch t tot. Die leichtfertige Berichterstattung des Blattes ist um so �rhr zu bedauern, als durch sie zwar dem Sensationsbedürfnis eines .«ewisien Berliner Lesepublikums Rechnung getragen, in die Beoölte- dsrun-, aber eine höchst überflüssige und schädliche Beunruhigung ge- i, bracht wird. r Der Borfall im Pofizeipräsidium ist unter allen Umständen sehr bedauerlich. Bisher tonnten wir mit Genugtuung konstatieren, daß rl bei der Niederwerfung des Ausstandes Exzesse der Polizeiorgan« so gut wie gar nicht zu verzeichnen waren. Ob es sich hier um einen , Exzeß handelt, oder um«ine wenigstens formalrechtlich gerechtfertigte r' Handlung, kann erst bei näherer Kenntnis der Umstände endgültig El festgestellt werden. Es ist nicht zu verkennen, daß bei früheren Ge- legenheiten von gewissen Stellen die.Erschießung auf Fluchwerfuch" als ein bequemes Mittel zur Beseitigung politisch miß- liebiger Bersönlichkelten so stark mißbraucht worden ist. daß selbst Fäll« wirklichen Fluchtversuches kaum noch Glauben in der Bevölkerung finden werden. Immerhin wird hier eine bessere Auftlä'ung als in früheren Fällen möglich fein, weil ja der verwundet« Sylt noch lebt. Wir sprechen den Wunsch und die Hoffnung aus, daß er amLeben erhalten bleibt. Das wünschen wir sowohl Im rein menschlichen Interesse als auch im Interesse einer völligen Aufklärung des Tatbestandes. Jedenfalls fordern wir, daß dem Verwundeten, wenn es sein Kustand irgendwie gestattet, fosort Gelegenheit zur Aeußerung lm Beisein von Vertrauensmännern seiner Partei gegeben wird. Ehe ein Urteil über den Fall gesprochen wird, muß jedenfalls die Dar. fdellung au� Sylts eigenem Munde abgewartet werden. Da diese Aeußerung in kürzerer Zeit berbeigesührt werden tonn, fo sollte sich auch bis dahin die Arbeiterschaft aller besonderen Aktionen aus Anlaß dieses Falles enthalten. Unabhängig von der Log« dieses besonderen Falles wiederholen wir ober die von uns schon oft aufgestellte Forderung, endlich die Bestimmungen aufznheben, wonach das Schießen bei Fluchlverfuchen ohne weiteres geflattet ist. Man sollte doch endlich einsehen, daß hierdurch unendlich mehr Schaden gestiftet als Nutzen ge- mannen wird. Sylts Verletzung nicht lebensgefährlich. Einer bei Redaklionsschluß einlaufenden Darstellung des MTB. entnehmen wir. daß die Kugel Sylt in den Rücken eindrang. Sylt wurde sofort vom Kreisarzk untersucht, nach dessen Angaben die Verletzung zwar schwer, aber nicht lebeusgesähr- lich ist, da weder das herz nach die Lungen getrosseu sind. Abstimmung auf eine bloße Demonstration reduziert. Sicher gibt es Menschen, welche die Zweckmäßigkeit derartiger Demonstrationen bezweifeln und sagen: Solange in Frankreich die Wahnvorstellung wirkt, eine Vergrößerung-Deutschlands durch die Gebiete der österreichischen Republik könnte das Stärkeverhältnis, das durch die Friedensverträge herbeigeführt worden ist, stören, sei an den Anschluß nicht zu denken, und so sei es besser, die Hände in den Schoß zu legen und zu warten. bis die Vernunft wiederkehre. Wir teilen diese Ansicht nicht und glauben, daß ein Volk sein politisches Ideal nur dann verwirklichen kann, wenn es stets dafür wirkt und kämpft. Die Welt muß immer wieder daran erinnert werden, daß die deutschösterreichische Republik eine Schöpfung der Entente ist, daß die Deutschen in diesem Staate die Selbständigkeit, die man ihnen auferzwungen hat, nicht wünschen, sondern als eine Sklavenfessel empfinden. Wir müssen in die Welt schreien, daß wir uns durch die aufgezwungene Selbständigkeit vergewaltigt fühlen und fordern, daß uns das natürliche Recht endlich ge- währt werde, die staatsrechtliche Verbindung mit dem Volke vollziehen zu dürfen, dem wir angehören, mit dem wir durch Geschichte, Kultur, Denken und Fühlen verbunden sind. Nur wenn wir unablässig an der Fessel„Selbständigkeit" rütteln, wird sie sich lockern und nur dann können wir sie eines Tages abstreifen! Die Abstimmung, die nun Tirol und auch das Land Salz- bürg vornehmen werden, sollte ursprünglich inganzOester- reich stattfinden. Vor ihrer Auflösung hat die konstituierende Nationalversammlung die Regierung verpflichtet, eine solche Abstimmung vorzunehmen. Leider nur durch einen einfachen Beschluß, und das Kabinett Mayer, das stark nach dem Westen orientiert ist, erklärt sich nicht verpflichtet, den Bc- schluß einer vergangenen Nationaloersammlung auszuführen. Die Parteien finden sich mit dieser Haltung des Kabinetts stillschweigend ab. Herr Mayr soll nämlich erklärt haben, daß er eine Erneuerung des Beschlusses auf Durchführung einer Volksabstimmung mit dem Rücktritt beantworten will, und jede Partei fürchtet sich vor einem Vorstoß, weil dieser Erfolg haben und sie also verpflichten könnte, die Führung des Staates übernehmen zu müssen. Diese gewiß nicht alltägliche Erscheinung, daß die Parteien sich vor der Uebernahme iie-- Macht fürchten, ist nichts anderes als der Ausdruck der Lebensunfähigkeit dieses Staatswesens. Keine Partei will die Zügel der Regierung behalten oder ergreifen, weil sie dann die Verantwortung für das steigende Elend über- nehmen muß. das in Oesterreich herrscht. So bildete sich der einfach unglaubliche Zustand heraus, daß in Oesterreich, wo die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung den Anschlus Deutschland will, ein Mann an der Spitze der Regie stehen kann, der in geradezu unverfrorener Weise den An- schluß bekämpft. Herr Mayr hat nämlich nicht bloß d'.e be- schlossene Abstimmung über den Anschluß im ganzen Bund sabotiert, sondern auch die Vornahme der Abstimmung in Tirol untersagt. Allerdings hat der Landtag von Tirol das Verbot glatt m ten Papierkorb geworfen. Nach seiner Rück- kehr von der Bettelfahrt nach London und Paris hat dar Bundeskanzler Mayr die Anschlußbewegung in Tirol nach allen Regeln ententistischer Verlogenheit öffentlich verleumdet. Er erklärte einigen Freunden, die ihn bei der Durchfahrt in Innsbruck begrüßten, in Paris und London herrsche die Auf- . fassung. daß die Anschlußbewegung in Tirof»on an Deutschland inspiriert sei. Obwohl der Bundeskanzler von der gänzlichen Haltlosigkeit dieser dummen Vermutung überzeugt sein muß, hat er die Behauptung wiedergegeben, ohne ihr auch nur ein Wort des Zweifels beizufügen. Natürlich haben die Bericht- crstatter der ententefreundlichen Schweizer Zeitungen diese Bemerkung Mayrs sofort aufgegriffen und sie als eine„Fest- stellung des österreichischen Kabinettschefs" in alle Welt hin- austelegraphiert. Die imperialistischen Hetzorgane in den Ententestaaten„beweisen" heute durch die Wiedergabe der Aeußerung Mayrs, daß Deutschland die Selbständigkeit Oesterreichs mißachtet und so abermals den Bertrag von Ver- sailles verletzt I Der Bundeskanzler Mayr hat in seiner erwähnten Rede in Innsbruck auch die Bemerkung gemacht, daß die Annerion Tirols durch Deutschland nicht geduldet werden wird. Wir haben nach seiner Auffassung Oesterreicher zu bleiben und weiter das Leben voll entsetzlichen Elends zu durchkosten. Herr Mayr glaubt, daß die Kredite, die er von der Entente zu be- kommen hofft, und ein Anteil an der deutschen Kohle, um den der klerikale Deutschenfeind in Paris au betteln den Mut hatte, uns in die Lage versetzen werde, die Bolkswirtschaft aufzu- richten und den Staat existenzfähig zu machen. Diese Hoffnung ist eine eitle Selbsttäuschung: das Volk, das das ungeheure Maß von Elend an seinem Leibe verspürt und instinktiv fühlt, daß alles Gerede von einem Aufbau der österreichischen Bolkswirt- schaft eitel Humbug ist. wird sich von der Regierung nicht ein- lullen lassen und ohne eventuell auch gegen sie alle Schritte unternehmen, die geeignet sind, die Hindernisse zu beseitigen, die Unverstand und Haß gegen den Anschluß aufgerichtet haben.______ Kohr triumphiert. In unserer heutigen Morgenausgabe hatten wir auf den Kuhhandel hingewiesen, den Herr v. Kahr der Reichs- regierung dadurch zumutete, daß er„zum Dank" für die Bereitstellung von Tnippen zur Niederwerfung der mittel- deutschen Aufstandsbewegung die Beibehaltung der auf reichsgesetzlichem Wege beseitigten und damit verfassungs- widrigen Einwohnerwehren, Selbstschutzorganisationen usw. forderte. Herr v. Kahr scheint dieses Manöver fortsetzen zu wollen, äußerte er sich doch zu einem Korrespondenten der „Schweizer Depeschenagentur" über die Lage dahin, daß auch in Bayern die auf eine„Aktion" gerichteten kommunistischen Umtriebe sehr stark seien. Nach dem Bericht der TU. fuhr er fort: Trotzdem ist ein Uebergreifen der revolutionären Ausstände auf Bayern mit seinen starken Gegenkräften, insbesondere der Einwohnerwehren, unwahrscheinlich. Der Bestand der baye- rischen Selbstschutzorganisation erweist sich gerade in diesen Tagen für Bayern und weit darüber hinaus als stärkstes Bollwerk. Ohne sie wäre es in Bayern sicher zu einem politischen Ge. n e r a l st r e i k und zu einem revolutionären Auf st and ge- kommen, was die Lage für das übrige Deutschland ungeheuer ver- schärfen würde. Insbesondere wäre die Abgabe der Reichswehr nach Mitteldeutschland nicht möglich gewesen. Gelingt es jetzt auch, die Aufstände niederzuwerfen, so werden doch die weltreoolu- tionSren Bestrebungen mit vermehrter Kraft fortgesetzt werden. Daher ist auch in der Folge die erhöhte Abwehr notwendig. Herr v. Kahr sichert sich seine Einwohnerwehren und die sonstigen Organisationen der Escherich und Genossen also nicht nur für die Gegenwart, sondern will sie sogleich für alle Zu- kunft gewahrt wissen. Einmal geht aus diesen Ausführungen des bayerischen Ministerpräsidenten hervor, wie schwach"sich diese„Regierung" ohne militärischen Schutz fühlt, sodann aber erweist sich die von uns stets vertretene Auf- fasiung in erschreckender Weise als berechtigt, daß jede ver- fassungsfeindliche Bewegung von links die Verfassungs- feinde von rechts auf den Plan ruft und neues Wasser auf ihre Mühlen leitet. Ohne die Rätetragikomödie in München kein Kahr und ohne die H ö l z i a d e kein neues L�s��e�e���R������-dasis�dil�eherne Konsequenz, mit der die Geschichte ihren Gang nimmt; nicht zum Vorteil der deutschen Arbeiterklasse. Ruhe in �alle. i halle a. d. S„ Zt. Marz.(Eigener Drahtberichk des.vorwärts".) Die Vernunft hat in Halle gesiegt. Die Streikbewegung l hat ihren Höhepunkt überschritteu. Gestern nachmittag wurde die Arbeit in dem Städtischen Gas- um Elektrizitätswerk wieder aufgenommen. Der Straßcnbahnoerkehr hat in vollem Umfange ein- gesetzt. Alle vesürchtungen. daß es noch zu Zusammenstößen kommen könnte, haben sich zum Glück nicht erfüllt. Die letzte vacht , ist ruhig verlaufen. Durch den völligen Zusammenbruch der Ausstandsbewegung in der Umgegend von Halle hat bei den Halle- scheu Aufständischen eine völlige Ernüchterung Platz gegriffen. Im Laufe de» gestrigen Nachmittags fanden viele vetriebsoerfamm- lnngcu statt. In denen über die Aufnahme der Artzeit abgestimmt wurde. Das Resultat fiel meist mit großer Majorität zugunsten des Streikabbruches aus. Vom hollcschen Gewerkschastskartell und von der Afa wurde ein Flugblatt mit einem Aufruf an die Arbeiter und Angestellten Mitteldeutschlands verbreitet. Auch er hat dazu beigetragen, daß heule morgen in den meisten Vetrieben die Arbeil wieder voll ausgenommen wurde. stiückzugsgefechte. Aus verschiedenen Städten werden neuerdings Dynanritattentate, Sprengoersuche usw. gemeldet. Wenn es noch eines Beweises für den völligen Zusammenbruch der Aufstandsbewegung beb'rft hätte, so ist er durch dieses Verholten der Putschisten erbracht; sie wollen durch diese neuen und hosfentlich letzten Verbrechen ihren Rückzug decken und die geängstigte Bevölkerung in möglichst großer Ler» wirrung zurücklassen. Irgendwelche politischen Wirkungen werden sie sich selbst von diesen„Aktionen" nicht versprechen. Nachstehend einige dieser Meldungen: Dienstag nacht gegen 2 Uhr erfolgte kurz nachdem der Berliner Schnellzug Erfurt oerlassen yatte, auf offener Strecke eine D y n a- m i t e x p l o s i n n, die aber nicht die beabsichtigte Wirkung hatte. Die Strecke blieb intakt. Gestern nachmitag wurden zwei Attentäter sowie der Betriebsrat einer Erfurter Firma, die das Attentat ange- stiftet hatten, verhaftet. Dienstag abend gegen%10 Uhr wurde am Eingang der Käm- mereikasse des Dortmunder Stadthauses eine Spreng- l a d u n g zur Explosion gebracht. Die linke Portolscite wurde beschädigt und Fensterscheiben zertrümmert. Sonstige Beschädigungen ließen sich bisher nicht feststellen. Der Täter ist bis zur Stunde noch nicht ermittelt. Nach einer Meldung der„Kölnischen Ztg." oersuchten einige Verbrecher, die vor einigen Jahren erbaute große Eisenbahnbrücke bei S o n n b o r n mit Dynamit zu sprengen. Zum Glück ist ihr Vorhaben mißlungen. Die von der Schutzpolizei an der Brücke vor- gefundene Büchse mit Dynamit war ausreichend, um die Brücke vollständig zu zerstören. Don den Verbrechern fehlt noch jede Spur. Durch einen gewaltsamen Eingriff der kommunistischen Arbeiter in den Betrieb der Werft der Aktiengesellschaft Weser ist dieser so gut wie lahmgelegt, da die Streikenden die Kraftstation I der Werft betriebsunfähig gemacht haben. Ueber den Raub der 250000 M. auf dem Geoelsb ärger Postamt wird mitgeteilt, daß es sich bei dieser Summe um die eingelaufenen Rentengelder für Witwen und Waisen handelt, welche zum Merteljahresschluß ausgezahlt werden sollten. Die Besatzungsbehörde hat nach einer Meldung der„Kölnischen Zeitung" über Mörs den Belagerungszustand verhängt. Im Gelsenkirchener Revier wurde gestern auf allen Schacht- anlagen und sonstigen Betrieben voll gearbeitet. In der Nacht zum Mittwoch gegen*62 Uhr unternahmen von Essen kommende Kommunisten einen Handstreich auf den Flugplatz, mit der Ab- ficht, die dort stationierte Schutzpolizei aktionsunfähig zu machen. Die Schutzpolizei hatte jedoch die Gefahr rechtzeitig er- kannt und Vorkehrungen getroffen. Nach einem lebhaften Feuer- gesecht zog sich die Spitze oer Kommunisten unter Zurücklassung eines Gewehrs und Munitinn zurück. In Gclsentirchen hob die Polizei gestern eine kommunistische Zentrale aus, stellte von 70 Per- sonen die Personalien fest und führte vier davon dem Untersuchung?- richte? vor. Reiches Aktenmatcrial wurde beschlagnahmt. Zreihänöler für Zwangswirtschaft! Der Verein der deutschen Zeitungsverleger hat eine sehr scharfe Ensschließung gegen die drohende Papierpreis- erhöhung angenommen. Die in der Entschließung ausgesprochen- Befürchtung, daß durch die von den Papiersabrikanten geforderten Preise das ganze Zeitungsgewerbe zum Erliegen kommen könnte, Ist leider durchaus gerechtfertigt. In der Bekämpfung des Papierwuchers gehen wir mit dem Verein der Zei- tungsoerleger durchaus einig. Trotzdem muh es ein Lächeln ent- locken, wenn diese Bereinigung in ihrer e i n st i m m i g angenomme- nen Ensschließung folgenves ausspricht: „Sie macht die Regierung und den Reichstag v c r a n i- w o r t l i ch für die Felgen der Zulassung von Papier» preisen, deren Unerträglichkeit für die Presse von den Fabriko.v ten in weiten Kreisen selbst anerkannt wird. Sie macht Regierung und Parlament vor allem auch verantwortlich für die E i n s ch r ö n- kung der Zeitungen und die für jeden Politiker klar voraus- zusehenden politischen Folgen... Mit diesem Prozeß wird aber verbunden sein eme Arbeitslosigkeit im Zeltungsgewerbe, für die wir die Verantwortung jedenfalls einer Regierung zuweisen, die sich zwar von der Notwendigkeit überzeugen läßt, den Papier- fabrikanten neue Millionen zuzuführen, für die Presse aber so wenig Verständnis hat. daß sie die Folgen dieses Verfahrens nicht voraus- sieht. Deshalb machen die verantwortlichen Herausgeber der beut- schen Zeitungen Regierung und Reichstag weiterhin s e i e r- l ich st verantwortlich für erzwungene Betriebseinstellungen von Zeitungen und alle Akte der Selbsthilfe, z« denen die deutsche Presse treiben muh, wenn die deutsche Regierung auch hier versagt." Unter den Verlegern, die diese Ensschließung angenommen haben, sind nicht wenige, deren Blätter jahrelang einen systematischen Feld- zug gegen jede Beeinkrächligung des freien Handels, gegen jede Einmischung der Regierung in das Wirtschaftsleben geführt haben. Immer wieder haben diese Herren durch ihre Organe dem Publikum die Meinung eingehämmert, daß die freie Wirsschaft alles ar.i besten und billigsten besorge. Jetzt, wo sie selbe r unter die Räder der von ihnen stürmisch oerlangten freien Wirtschaft kom- men, jammern und schreien die Herren nach staatUme,. Zwangsmaßnahmen. Jetzt werden plötzlich Reichstag und Regie- r u n g für das Fehlen solcher Maßnahmen verantwortlich gemacht— von denselben Herren Zeitungsoerlegern, die alle wirsschaftlichen Zwangsmaßnahmen haben niederreißen helft», die nicht zum Schutze irgendwelcher Zeitungskapitalisten, sondern der einfach enKonsumenten aus dem Volk» aufgebaut waren. Wie gesagt, die Herren haben an sich nicht unrecht, wenn sie gegen die Erdrosselung des Zeitungsgewerbes kämpsen. Aber wir ftagen sie: Geht es den Staat nur an, daß der Zeitungsoer- leger sein Papier nicht bezahlen kann, oder hat nicht der Staat dasselbe Recht und dieselbe Pflicht des Eingriffes, wenn für die Arbeiterfrau dos Fleisch im Schlächterladen uner- schwinglich istl__ öismarck-�elfferich. Auf einer Bismarck-Feier in Nürnberg sprach Herr Helsferich über die Wiedererrichtung der Monarchie in Deutschland. Er oer- langte, daß an den Wiederaufbau„mit der klaren Bismarck- Auf- ftsssung" herangegangen werde. Ueber den Kommunistenputsch sagte Herr Helsferich: „Es erneut sich setzt wieder das Schauspiel, daß in dem Augen- blick, wo uns schwere Schmach vom Auslande zugefügt wird, es Deutsche gibt, die das Vaterland innen zu zerreißen suchen. Do kann man allerdings nicht mehr von Illusionen sprechen, da gibt e? nur noch eine Bezeichnung: Perbrecher. Parallel zu dieser Bewegun im Innern steht die Bewegung von außen. Wenn wir nach auß wieder etwas bedeuten wollen, müssen wir vor allem im Inn Ordnung schaffen, und das mit eiserner Faust. Wir wollen, daß gegenwärtige Aufstand unlerdrückl wird, und zwar so rasch wie r lich, daß nicht wieder Siraffreiheit gewährt wird und daß ei gezeigt wird, daß es eine Regierung gibt, die auch zugreift. wünschen, daß die Staatsautoruät wieder ausgebaut und sich-r werde." iJy Tatlin. A» t k u r K o ll tsch«r gibt in seinem Zngerst lesenswert«, Buch „Dre, Monat- in Towict-Rugland-(Scclag(5. Fischer- peeliii) eine anschauliche Echilderuna der neuesten russischen Kunst. Wir »«ben sie hier wieder, nicht um billige» Gelächter zu erregen, sondern um zu zeige», wie auch sie— und ähnliche Tendenzen branden ja auch zu uns herliber-- irgendwie zeltbedingt ist. Tatlin ist eiy junger Künstler, Professor an der Petersburger Akademie, der die in wahrer Bedeutung des Wortes geniale Idee gehabt hat: daß in einem Zeitalter, in dem die Maschine den Menschen überflügelt, vernichtet, zertreten und zusammenkartätscht hat, eigentlich die Maschine als Modell viel interessanter sei als der Mensch selbst. Tatlin schafft infolgedessen Denkmäler für Maschinen und nicht mehr Akte. Die Struktur des menschlichen Körpers er- leidet, durch das Temperament eines modernen Künstlers gesehen, gewisse Veränderungen— somit darf man es Tatlin nicht verargen, wenn seine Maschinendenkmäler auch keine MasthinenkSrper, sondern Quintessenzen von Maschinen vorstellen. Tatlin konstruiert diese Kunstwerke, die man in Mostauer Schaufenstern wie in Peters» burger Akademiehallen anstaunen kann, natürlich nicht au» dem her- kömmlichcn Material Ton, Marmor, Bronze, sondern aus Latten, ausgedienten Wasserleitungshähnen, Blechbüchsen, Gummischnullern, Mikroskoplinsen, Schürhaken, geborstenen Treppengeländern. Ich traf ihn im Winterpalats, wo er vor einer seiner Kompositionen, die er„Konterrelief" nennt, einer Schar zusammengeströmter Sol- baten, Arbeiter und Arbeiterinnen aus der Sowjet-Bourgeoisie einen Vortrag über das Prinzip der Materialkunst hielt. Oskar Wilde hätte sicher den größten Genuß beim Betrachten der Kunst Tatlins gehabt, denn Tatlin bestätigt ja sein Paradox: daß nicht die Natur die Kunst schaffe, sondern die Kunst die Natur. Mich hat Tatlin von der Stichhaltigkeit dieser Meinung vollständig überzeugt. Denn wo Ich seit dem Tage, an dem ich sein Werk zu- erst vereinigt sah, einem Haufen von zerbrochenen Gebrauchsgegen- ständen, ausrangierten Lokomotiven, vor Müdigkeit umgesunkenen Trambahnwagen, in ihre Bestandteile zerfallenen Bretterbuden be- gegnet bin. sagte ich mir sofort: Tallin. Tatlin ist in der Tat der repräsentative Künstler dieser. Zeitepoche. Er hat jetzt in Petersburg ein Denkmal für die Dritte Jnter» nationale, d. h. den Entwurf zu diesem Denkmal, ausgestellt. Da» Denkmal soll an die 300 Meter hoch werden und an seiner Basis etwa 100 Quadratmeter messen. Man stelle sich vor, daß irgendein Titan den Eiffelturm beim Nacken gepackt und ihn mit einer Arm. windnng zur Spirale um- und umgedreht hat. In den Raum, den die Spiralkreise offen lassen, hängt nun Tatlin übereinander vier riesige Gebilde aus Glas mit Rippen au» Eisen und Beton.' Das unterste größte ist ein Zylinder von etwa 30 Metern Dnrchmesier, in dem sich der Kongreßsaal der Dritten Internattonole, außerdem! Säle für Schreibmaschinisten, Leseräume, ein Theater und ein Restaurant befinden sollen. Elliche 30 Meter über diesem Zylinder ist eine Pyramide angebracht: in ihr finden die Sitzungen der Exe- kutioe statt. Darüber wieder ein schon etwas schmälerer Zylinder, in dem die Radiostation, ein Kinosaal und ähnliche Lokalitäten untergebracht sind. Hoch oben ober eine Halbkugel: die Licht- und Kraftstation. Diese vier Gebilde aus Glas, Eisen und Beton drehen sich unaufhörlich um ihre Achsen. Der Sitzungssaal der Dritten Internationale einmal im Jahr, die Exekutive einmal im Monat, die Radiostation einmal am Tage und die oberste Halbkugel einmal in der Minute. Alle vier Gebilde werden nach dem Prinzip der Thermosflasche geheizt. Die Drehbewegung erklärt sich aus dem Gedanken/ daß die Dritte Internationale ein Organismus ist, der sich in fortwährender Bewegung befindet, nichts Stabiles vorstellt, eher einem Himmelskörper vergleichbar. Daher ist auch hoch oben die Spitze des Turmes mit den Antennen wie ein Teleskop schief nach den Sternen umgedreht und weist ins Unendliche. Ich ftagte einen Apostel Tatlins, der mir das Modell erläuterte, nach der Kraft, die das Monument in Bewegung setzen sollte. Der junge Mann kroch sogleich unter das Podium und begann eine Kurbel zu drehen, worauf oben die Internationale in die gewünschte Rotation geriet. Sleinachs Versuche vor dem Forum der Wissenschaft. Das von Steinach aufgeworfene Verjüngungsproblem wird zurzeit an den deutschen medizinischen Instituten eifrig nachgeprüft. An der Ber- liner Charite-Klinik von His haben Prof. A. Locwy und Dr. H. Zondek Untersuchungen über den Cinftuß des Steinachfchcn opera- Iwen Eingriffs auf den Stoffwechsel angestellt die in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift verössentlicht werden. Sie betonen die Nottvendigkeit physiologischer Dersuche, die außerhalb der Sexual- ivhäre gelegen sind, um das ganze Derjüngungsoroblem zu klären. Mehrfach wurde Steigerung des Wachstums an Kopfhaar und Bart berichtet, und es ist die Frage, ob dos mit einer Berjugendlichung der Haarbildungsstätten zusammenhängt. Erst wenn man in Ver- suchen am Menschen objektive Merkmal« findet, die den alten vom lungen Organismus unterscheiden und durch eine der Steinachschen Operationen beeinflußt werden können, wird man sehen, ob es sich um reelle Wirtungen auf die körperlichen Vorgänge handelt oder ob die subjektive Auffassung der Operierten die Hauptrolle spielt. In diesem Sinne untersuchten Loewy und Zondek die Aenderung des Gesamtstoffumsatzes, wie er sich im Alter senkt. Ihr Ergebnis macht im Zusammenhang mit ih-en klinsschen Erfahrungen den Eindruck. daß es sich bei den Folgen der Steinachschen Operation, die den Stoffwechsel anregte, um chemische Reizwtttungen handett. die einem mehr oder weniger akuten Anstoß ihr« Entstehung verdanken. Sie waren aber bis auf einen Fall nach kurzer Zeit wieder abgeklungen. Zu einem günstigen Ergebnis für Steinach koimnt Prof. R. Mühiom Er berichtot über mehrere, durch Hodenüberpflanzung erzielte.Heilungen, über Beeinflnssungen des Gefchlecktsleben- m dem Linn?, daß ein bisher Homosexueller steigendes Wohlgefallen am weiblichen Geschlecht findet usw. Mühsam glaubt, daß bei. ihm beschriebenen Kranken der suggestive Einfluß ausgeschle> und vermerkt die Tatsache, daß«ine solche Operation wirkt, ihre anatomischen Grundlagen zunächst nicht anerkannt ist können., Der große Sonnenfleck. Dan Auftauchen eines gew> Sonnenslecks in einer Zeit, die nicht mehr weit vom Fleckcfl inum entfernt ist, bildet ein« höchst bemerkenswerte Erscheß deren unmittelbare Einwirkung sich möglicherweise nächster auch auf der Erde in Gestalt magnetischer Gewitte starker Polarlichter zeigen wird. Direktor Dr. Archenh, das Auftauchen des Riefenflecks am Ostrand der Gr-nne zu genommen hat, gibt den Durchmesser des festen �senl 140 000 Kilometer an; nach seinen Beobachtungen mm' Fleck unter fortwährenden Eruptionen seine Gestalt, k geschlossener Herd ungeheurer Ausbrücye. beginnt er,/. in drei ziemlich gleich große Teile auszulösen. Das>o,:e ist von einer breiten Penumbra(Hof) umgeben. Iedec�ills es sich hier um ein Gebilde von ungewöhnlich großer Ausdc wir es nur in Jahrzehnten einmal beobachtet wird: unifaßt � der Durchmesser des festen Zentrums«ine Ausdehnung, die ü fähr dem zwölffochen Erddurchmesser ensspricht. Aehnlich gei Sonnenflecken find Mitte Februar 1392 und Ansang September erschienen. Die große Sonnenfleckengruppe vom 2. September 1893 maß rund lSOOOO Kilometer in der Länge. Man hat früher schon Fleckengebilde beobachtet, die an Flächenausdehnung fünfzig bis sechzigmol mächtiger waren als das Gesamtgebiet der Erdsherflüche. Oftmals verschwinden von diesen Produkten der ungeheuren Ge- walten des Sonnenballes binnen wenigen Stunden Teile, die alle fünf Kontinente der Erdkugel an Ausdehnung übertreffen. Diese rasche Veränderlichkeit bildet jedoch nicht die Regel. Wenngleich über dos Wesen der Sonnenflecken unumstößlich« Sicherheit nicht besteht, so kann man doch mit ziemlich großer Ge» wißheit annehmen, daß es sich hier um Wolken von Metalldämpfen handelt, die aus dem Innern der Sonne bis in die Photofohäre. die den Feuerball einhüllende, leuchtende Gasschicht, hinaufgervirbell werden.__ Knnftchronkk. Zum erihn Male leli'914 werden die neuen ir'erti Ctdtiarb Münchs in Deutschland gozeigt tbei Paul C a s t i r 5-H Münch, der von England. Frankreich und Amerika einaeladen war. w-. zuerst wieder in Berlin ausstellen, von wo anS fein« inllmnationale BIrkun ausgegangen Ist.— DaS Graphische llabmctt I. v. Zleumann ze eine AnSleli aui dem malerischen Schassen de» in Java gestorbenen deul- schen Dichter? D g u t b c n d e h. Es' lind bmivssSchlich Zkynarell? und Bastelle aus Mniko, Ehina und Jar.i. Gleichzeitig werden Aquarelle v.'U Paul Klee gezeigt. Zun, Bellen der Krirgrrwai.'en ündet Sonnabend 7>l, Ubr In der Nenni itöelt. Ha'enlieide, ein Geselisihast.5gl'«nd statt. Z"in Dcntrag gelangen Bruchstücke aus.Aioa" unter Mstwirluna der StaatSoper unter Leitung Leo Blechs. AIS Solisten wirken Bitibara Kemp. Margarete Arndt- Ober. Io'ef Mann. Kart Ärmster, Defider Zador und Otto HclgerS mit. Bortrnge. Ii: der Gelellschait iür Erdkunde spricht Sonn» astend. 7 lldr, rnr Kunftgewerstemuleoni Prof. Sivttberg, Direktor des Botanischen AartenS in Gotenburg, ii j« die Juan-Fcrnandez» Inseln. Hkr erttmefi m, nicht, daß Her? Helfferich in bezug auf die �app- Verbrecher vor einem Jahre ähnliche Worte der V« r> i r t e i l u � g gebraucht und ähnliche Forderungen der B«» t r a f u n g-aufgestellt hat.— chelfferich bezeichnete dann als die ;eftc Gewähr für die Staatsautorität die monarchische Staatsoer. asiung, lehnt,: es aber ab, die Monarchie auf dem Wege der Gewalt inzuführen, sondern meinte, dos Volk werde mit der Zeit einsehen. vas es an der Monarchie verloren habe. Dann werde die Zeit ge- 'ommen sein, das Kaisertum wieder aufzurichten.— Dies Kaisertum nit dem C r> m m i S 5? e l f f e r i ch a l s Bismarck ist wahrlich ein eckendes Ziel! Die Begeisterung wird noch größer sein als beim SinziiA Karls in Budapest. dcA Uebergangsgelö Üer Staatsminister. T'ie„Deutsche Zeitung* gefällt sich in einem Angriff gegen die iegie�ung wegen des Gesetzes über das Uebergangsgeld der Staats. linijWfc Sie stellt diese Maßnahme so dar, als ob es sich um eine Versorgung für sozialdemokratische Parteisekretäre lus der.Staatskrippe* handle. Für den, der die Vorgeschichte kennt. o ahrlich ein höchst überflüssiger Angriff. Das Gesetz beruhte auf ünem einmütigen übereinstimmenden Antrag der Parteien des '-".iscs von den Sozialdemokraten bis zu den Deutsch- H o n a l e n. Man ging von der Erwägung aus, daß nach Fest- mg des parlamentarischen Regierungssystems der preußischen Verfassung für alle Parteien gleichmäßig ein iteresse bestünde, der Regierung ihre volle Handlungsfreiheit und nabhängigkeit zu wahren, ferner war zu berücksichtigen, daß die Minister nicht mit Rücksicht auf ihre wirtschaftliche Lage etwa am Ministersessel zu kleben genötigt sein dürften, vielmehr jederzeit in r Lage sein müßten, durch ihren Rücktritt die Folgerungen aus :x politischen Lage zu ziehen, und daß umgekehrt die Minister durch e r u f u n g in ihr Amt fast ausnahmslos aus ihrem bisherigen /rufe ohne irgendeine Sicherung herausgerissen werden und als wefene Minister diesen meist nur unter großen Schwierigkeiten icder aufnehmen können: schließlich war zu erwägen, daß der neuen it entsprechend auch politische Führer ohne Vermögen Wirtschaft- , h in ven Stand gesetzt werden müßten, dem Rufe des Parlaments tcr Aufgabe ihrer bisherigen Stellung Folge zu leisten, und so tten sich sämtliche Parteien auf den unverändert angenommenen esetzentwurf geeinigt. Das Geschrei des reaktionären Blattes ist p'o ebenso überflüssig wie unsachlich. Kommunistische provokationsmethoüe. Von einem Vertrauensmann der AEG. erfahren wir folgendes: Ein Vertrauensmann der Kommunistischen Partei, der n der AEG. Brunnen st raße beschäftigt ist. machte im B e- riebsrat folgend« Aussage: Am 29. März hatten die Der- rauensleute der DKPD. abends eine Versammlung. Es wurde dar- iber beraten, wie man unter allen Umständen das Werk zur Still- egung bringen könnte und folgender Weg beschlossen: Es sollte zu- mchst auf die Einberufung einer Betriebsversammlung hingearbeitet oerden. Wenn diese den erhofften Streikbeschluß nicht bringen sollte, '.o sollten Blockversammlungen abgehalten werden. In zsen sollte oersucht werden, die Arbeiterschaft so in Aufregung zu ingen, daß irgendwelche Ausschreitungen stattfänden und die Dirck- on veranlaßt würde, die Schuhpolizei herbeizurufen. Dann sollten '�kommunistischen Wortführer mit großer Erregung auf .» Wesenheit von Schutzpolizei hinweisen! Mit dem rgument, daß der Betrieb militärisch besetzt sei, hoffte man, als- mn die übrige Arbeiterschaft zur Arbeitsniederlegung -r bewegen. t Tie richtig« Provokateurmethodel Gemeiner und hinterlistiger � es nicht mehr._ if. Die Reparation. r ich verschiedenen Meldungen haben neutrale Regierungen in i"fU'crllcliungen erhoben, um eine Wiederaufnahme der Rerhand- -- t-wischen der Entente und Deutschland herbeizuführen. A j italienische Botschafter in Berlin. Herr 5 raff all. reist ' it w. � � R TentschlandS Pensionszahluugen. aris. 31. März.(EE.) Der Entschädigungsausschuß gibt be- ■ ,, Die Anhörung der deutschen Abordnung durch den Eni- �lli �ngsausschuß hat am 29. März ihren Fortgang genommen. ern, yhxit sich darum, festzustellen, wie die Pensionen berechnet einai sollen, die Deutschland nach§ 5 Anhang 1 zu zahlen hat. ZU ve�sche Abordnung vertritt den Standpunkt, daß die Berech- Eili.eser Pensionen nicht jene Gesamtsumme ergeben müsse, die � r Alliierten bezahlen müsse, wenn er die f r a n zö s i s ch e Die I'.ung in Anwendung brächte, sondern es soll nur die ab» der v»höhe dieser Penstonen von Deutschland entrichtet werden. die Kr 7r Summe müssen aber die Alterzrenten sowie diejenigen einer in Abzug gebracht werden, die von den betreffenden wiesen uch in dem Falle gezahlt werden würden, wenn«steinen er nick eben hätte. Der Entschädigungsausschuß st u d i e r t diese ist es'lij nnrd in Kürze darüber seine Entscheidung fällen. heil s- o Gegen deutsche Aufbauarbeit. -'tte.ris, Zl. März. sWTB.) An die bereits gemeldeten Er- "'gen Loucheurs in der Kammer schloß sich eine kurze Debatte, c der.unabhängige Sozialist' Mectoux sowie Abg. Eres- ,id) gegen die Beschäftigung deutscher Arbeiter aussprachen. .lUch der„Sozialistisch'-Radikale Meuniser schloß sich diesem Protest an. Nur der Sozialist L e b a s erklärte, man dürfe keine Gtiühlspolitik betreiben, sondern müsse bei der Lösung des Re- parmionsproblems kaltes Blut bewahren und die Beteiligung deut- icher Arbeiter an dem Wiederaufbau des zerstörten Gebiets ins Auge fassen. Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen. Meuniser betonte nochmals, daß Frankreich von Deutschland Geld und Materialien, abn keine Arbeiter verlange. Die Amsterdamer Konferenzen. Amsterdam, 31. März. sWTB.) Reben den Tagungen der Ge- chastsinternattonale und der Zweiten Internationale findet hier 4 eine Zusammenkunft der Wiener Arbeitsgemeinschaft statt, gleich- .. jstlr Erörterung der deutschen Reparationsleistung. k.5) e t B o l t*(soz.) betont, daß olle drei Konserenzen den Willen »m, in den Ländern, die den Kriegszustand in Wirklichkett noch mtrer nicht ausgehoben hüllen, die Arbeiterschaft zu einer Einheit des Mellens und Handelns zu bringen. Das Zusammengehen der internationalen Arbeiterschaft werde nicht nur die anderen politischen Parteien beeinflussen, sondern auch auf die Regierungen einen Druck ausüben, die bisher von einer gerechten und billigen Regelung der iMeparationsfrage, wie sie die internattonale Arbeiterschaft wünsche, nichts hätten wissen wollen. Entgegen der Darstellung, als wenn die am 31. März statt- findende Konferenz des Internationalen Gewertschastsbundes im Einverständnis und sogar gemeinschaftlich mit der Konserenz der Zweiten Internationale veranstaltet würde, stellst der Inter» nationale Gewerkschaftsbund fest, daß sein Borstand de- reits am 14. März beschlossen hat, seine Konferenz am 31. März und an den folgenden Tagen in Amsterdam abzuhalten, während die Zweite Internationale ihren Beschluß in London erst eine gute Woche später gefaßt hat Der Beschluß des Vorstandes der Zweiten Internationale erfolgte ohne irgendein vorheriges Einvernehmen mit dem Vorstände des Internationalen Gcwcrkschastsbundes. Beide Veranstaltungen werden vollkommen nabhängig voneinander ab- gehalten. Die Konferenz des u unalen Gewerkschgftsbundes wird außer den Reparationen und>i> Sanktionen vor allem das Problem des W i e d e r a u f b a u e» n'No dfrankreich und Belgien behandeln. Den verschiedenen Landesorgo.nsationen war aufge- tragen worden, einen Fachmann aus dem Baugewerbe als Sachver- ständigen zu delegieren. Aus Deutsch'and rammen Wissell, Graßmann, Paeplow, Hue und H u s e m o n n: Frankreich ist durch Iouhäux, Dumoulin, Merrt» und Larthul vertreten: Belgien durch De Fläming, Gryson, Lombart, Mertens und Solau. Bon England ist bisher Thomas, aus dem Ruhrgebiet, wo er eine Vorbesprechung mit den Führern deutscher Gewerkschiften hatte, an- gekommen. Kein tschechischer Einmarsch! Der..Frankische Kurier" in Nürnberg und andere natio- nalistisch-reattionäre Blätter in den Grenzgebieten gegen die Tschechoslowakei beunruhigen ihre Leser mit fortgesetzten Mel- düngen über Borbereitungen für eine Beteiligung tschecho- slowakischen Militärs an den Strafmaßnahmen der Entente gegen Deutschland. Wir haben bereits vor Wochen unserer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die verantwortlichen Führer des tschechischen Volkes an derlei gar nicht denken. Da nun aber vom„Fränkischen Kurier" die Ausführungen eines militärischen Mitarbeiters der Prager„Tribuna" zum Zwecke der Hetze gewissenlos in ihr Gegenteil verdreht werden, wollen wir doch mitteilen, wie— ganz abgesehen von der Politik— auch rein militärisch die Frage eines derartigen Eingreifens in der Tschechoslowakei beurteilt wird. Unter dem Titel„Mit der Entente gegen Deutschland?* wird der„Tribuna* aus militärischen Kreisen geschrieben, daß man zum Zwecke einer solchen Aktion in Bayern und Sachsen einrücken müßte, daß man aber selbstverständlich auch die Donau übersetzen und die Uebergänge von Passau, Regensburg usw. milstärisch besetzen müßte. In Sachsen müßten Dresden, Ehemnitz und Leipzig besetzt werden, man würde eine Okkupationsarmee unterhalten müssen, und zu einer militärischen Besetzung der etwa 1109 Kilometer langen Grenzen des Staates gegen Deutschland und Deusschösterreich sei die tschechoslowakische Armee gegenwärtig gar nicht imstande. Sie habe zurzeit nicht einmal ihre normalen 159 OOO Mann, das Militär fei nicht genügend ausgerüstet, man müßte also fünf Jahrgänge ein- berufen und die Armee mobilisieren, was monatlich eine halbe Mil- liarde kosten würde. Und das alles jetzt mitten in der Frühjahrs- bestellung und angesichts der ganzen wirtschaftlichen Situation der Tschechoslowakei, die übrigens genügend dadurch gekennzeichnet ist, daß die Krone in ihrer Kursbewegung der Reichsmark peinlich genau folgt.„Was das zu bedeuten hätte, wird sich jeder besonnene Bürger der Republik zurechtlegen.* Der Artikel des Prager Blattes schlickt:„Wir können nicht glauben, daß bei uns ernstlich jemand an vie Teilnahm« unserer Armee on den militärischen Operationen der Entente gegen Deutsch- land denkt. Alle Kombinationen in dieser Richtung müssen wir be- trachten als eine tendenziös« Beunruhigung des öffentlichen Lebens und als unlautere Versuche, die Bewohner von ihrer Friedensarbelt abzulenken.* Diese Ausführungen find deutlich genug, um jenen Hetze- reien den Boden zu entziehen. Groß-Berllu Der Rrbeiter-Vasiersport-verbanöstag. In den letzten Tagen des März fand in Jena der ordentliche Verbandstag des Arbeiterwassersportverbandes, der von 65 Dele- gierten besucht war, statt. Die Zentralkommisston für Sport und Körperpflege vertrat W i l d u n g- Leipzig. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstatteten M e n s ch e l-Berlin und Zepmeisel-Bcrlln. Die Mitglieder- zahl des Verbandes stieg von 16 585 im Jahre 1919 auf 31605 Ende 1920. Den Bericht der Redaktion erstattete ebenfalls Z e p- m e i s e l- Berlin. Er schilderte den weiteren Ausbau des„Freien Wassersports* und betonte besonders, daß es nicht mehr möglich sei, das Blatt obligatorisch auch weiterhin kostenlos zu liefern. Für die Technische Kommission berichtete Busch» mann-Berlin, der darauf hinwies, daß das Rettungsschwimmen noch mehr als bisher im Arbeiterwasjersportverband gepflegt werden müsse. Man müsse zu einheitlichen Schwimmordnungen kommen, nur so sei es möglich, den Wassersport volkstümlich auszugestalten. Die Diskussion zu den Berichten war sehr lebhaft. Es wurde besonders scharf Stellung gegen die Diplomfrage genommen. Der Bericht des Berbandsschwimmwarts wurde sehr scharf trttisiert. Von den sehr zahlreich vorliegenden Anträgen wurde einer von Düsseldorf angenommen, der den Verbandsvorstand beaustragt, bei den Reglerungsstellen zu beantragen, daß die Kohlenlieferunge« an Badeanstalten direkt von der Reichskohleustelle erfolgen. Der Vorstand wurde ferner ersucht, bei den zuständigen Behörden Schritte zu unter- nehmen, daß der Schwimmunterricht an allen Schulen obligatorisch eingeführt wird. Räch der Begründung der Notwendigkeit der Anstellung eines Geschäftsführers durch Z e p m e i s e l- Berlin wurde diese einstimmig beschlossen. Einen Bericht von der Zentraltommission für Sport und Körperpflege gab hierauf W i l d u n g- Leipzig. Er schilderte eingehend die Tätigkeit der Zentraltommission, die sehr erfolgreich für die einzelnen Sportorganisationen wirke. Deren Hauptzweck sei, die Ver- ständigung der verschiedenen Organisationen untereinander und ge- meinsame Interessenvertretung bei den Behörden. Der breiten Masse der Bevölkerung müsse man zeigen, daß die Arbeitersportvereine Sport treiben im Interesse der Volksgejundung und daß sie sportlich auf der Höhe der bürgerlichen Verbände stehen. Sie wollten keine Vereinsmeierei, sondern verfolgten höhere Ideale: sie wollten Staatsdiener am Wiederaufbau der Volksgesundheit sein. Wir wollen als Arbeiter eine wahre, menschliche Kuttur, die nur durch den Sozialismus zu erreichen ist. Wir streben nach dem hohen und echten Kulturgedanten. der nur der Allgemeinheit dient. (Beifall.) lieber die Ruderfrage im Arbetterwassersportoerbaud sprach Wiedmann- Frankfurt a. M. Er trat dafür«in, daß man die Ruderei innerhalb des AWV. selbständig mache. Es wurde zu dieser Frage einstimmig ein Antrag angenommen, nachdem der Derbands- tag beschloß, die Ruderangelegenheiten von der Schwimmerei zu Kennen und selbständig im AWV. zu organisieren. Die Rudergrupp« regelt ihre Beitragsfrage selbst und ist verpflichtet, eine Kopfsteuer zur Deckung der Berwaltungsousgaben zu entrichten. Zur Frage der Verschmelzung mil dem Arbeiterlurnerbund nahm der Derbandstag mit 80 gegen 35 Stimmen eine Entschließung an, die besagt:„Der Derbandstag stimmt der Verschmelzung mit dem Arbeiterturn- und Sportbund zu. Die beiden Verwaltungsstellen werden beauftragt, eine Vorlage mit den Anschlußbedingungen aus- zuarbeiten und diese in den Vereinen zur Diskussion zu stellen, lieber den Anschluß hat eine Urabstimmung stattzufinden, die bis 1. Ok- tober 1921 erfolgt fein muß. Der Verbandstag nahm dann noch Statutenänderungen vor. Der monatliche Beitrag wurde auf 50 Pf. und die Delegierten- steuer auf 1 M. festgesetzt. Mit der Aufstellung einer neuen Schwimmordnung, verschiedener anderen technischen Fragen und einer neuen Kreiseinteilung waren die wichtigsten Beratungspuntte er- ledigt. Als 1. Vorsitzender wurde Ianfen-Berlin, als zweiter F ö r st e r- Berlin gewählt. Der nächste Verbandstag findet in Kassel statt. Wenn Wilhelm wiederkäme. Der preußisch-deutsche Militarismus ist in der ganzen Welt ver- haßt gewesen. Ueber unserem Lande lag die Lust des Kasernen- Hofes: der Unteroffizierston beherschte zu einem guten Teile das öffentliche Leben. Aber auch heute ist er noch nicht gänzlich verschwunden. Steht da ein altes Mütterlein auf einem Postamt« vor einem der wenigen Schaller, die nicht geschlossen sind und will Geld ein- zahlen. Der Beamte nimmt die Anweisung nicht an:„Kleben Sie erst Marken rauf*, sagt er kurz und fügt womöglich noch barsch hin- zu:„Können Sie nicht lesen, daß Sie die Anweisung zu frankieren hoben?* Dums. schlägt das Schiebefenster zu. Die alte Frau steht hilflos da. sie weiß nicht recht, was sie machen fall. Da fliegt das Fenster wieder auf und im Kasernenhofton schallt's durch den Raum: „Haben Sie nicht verstanden, Sie sollen erst Marken auskleben, dann können Sie wiederkommen.* Man wird aufmerksam, man hilft der alten Frau und schimpft. Ein Herr erklärt:„Der Beamte hat ja an sich recht, aber er könnte ruhig böslicher sein, Gott sei Dank, daß man nicht überall so behandelt wird!* Aus einer Ecke aber tönt s:„Wot meint ihr wohl, wenn Wilhelm wiederkäme?" Landarbeiterparadies Mehrow. Vor den Toren Berlins liegt das Rittergut Mehrow. In deutlchnationolen Blättern ist es häufig labend erwähnt worden, denn die Gutvverwaitung ist bekannt für ihr schneidiges Vorgehen gegen die im Landarbeiteroerband organisierte Arbeiterschaft. Uns wird nun wieder ein neuer Fall mitgeteilt, der ein grelles Schlag- licht auf die Behandlung wirft, die den Arbeitern in diesem Land- arbeiterparadies zuteil wird. Der Maurer Martwich, der vor einiger Zeit einen Zusam- menstoß mit dem Landjäger Weger aus Ahrensfelde hatte, weil er diesem das Betteten seiner Wohnung aus ganz bestimmten Gründen verweigerte, kam mit einem Schreiben des Amtsvorstchers Buchholz aus Ahrensfelde aus das Bureau des Gutsbesitzers Bothe, um die ihm zustehende Arbeitslosenunterstützung in Empfang zu nehmen. Er wurde jedoch von dem unseren in der Landagitation tätigen Ee- nossen sehr wohl bekannten Rechnungsführer Preuß mit' Faust- schlagen traktiert und hinausgeworfen. Herr Preuß, der sich eine Zeitlang sehr arbeiterfreundlich gab, ist heute eine Säule der antisemitischen und sozialistenfeindltchcn Hetzer im Kreise Niederbarnim und einer der grimmigste� Be. kämpfer des Deutschen Landorbeiteroerbandes. Die himmelschreienden Zustände auf dem Gut Mehrow sind ir öffentlichen Versammlungen oft genug behandelt worden, und a-. unseren Genossen wird es liegen, auch in diese reaktionäre Festu', endlich Bresche zu legen._ 3m Hotel erschossen hat sich gestern nachmittag der 29 Jahre J t« Beamte Arthur Beyer aus der Wilhelmstraße 3. Beyer wa» in einem Hotel in der Nähe seiner Wohnung abgestiegen und hatte sich kurz nach Beziehen seines Zimmers durch einen Schuß in den?>opf getötet. Als er aufgefunden wurde, war er bereits tot Wae. jh,, zum Selbstmord veranlaßt hat, steht noch nicht fest. Die Ijeiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein Ali der Dankbarkeit. Seil geraumer Zeit erhalten wir Zuschriften, in denen uns Mitteilung gemacht wird, daß Tuberkulose- kranke infolge der Prof. Friedmann'chcn Heilmethode von. Ihrem Leiden geheilt worden seien. Und vor einigen Tagen erschien ein in der Berliner Parteibewegung bekannter alter Genosse aus unserer Redaktion, der— selbst im Besitz zahlreicher Anerkennungsschreiben für die Friedmannsche Heilmethode— versicherte, dag er der letzteren die Erhallung und völlige Wiederherstellung seines von der Knochentuberkulose erkrankten rechte. Armes oerdanke.![>(,? einzige Verlangen all der Glückluben vereinigt sich in dem Wunsch, daß der „Vorwärts* von ihrer Wiedergesundung durch die Prot Fcicdmann- sche Heilpraxis einmal kurz Mitteilung machen mö'- somit der Mann, dessen Methode die stärkste Anfeindung ü ned.zwischen Kreisen erfahren habe, wenigstens auf diesem W r mai eine be- scheidene Anerkennung erhalte. Wir kommen it dem Wunsche vieler unserer Leser nach, ohne uns in den zw� r n tum Medizinern herrschenden Streit über dag Prof. Friedman iche Heilserum ein- zulassen. Die Auslandshilfe. Der Arbeitsausschuß des Deutschen Zentral- ausfchusses für die Auslandshilfe hatte in seiner letzten Sitzung wieder über die Berteilung einer Flanell- und Kleiderspentze zu bestimmen, deren Wert sich auf mehrere Millionen Mark beläuft. Die Sendung stammt zum Teil au» Restbeständen des amerikanischen Roten Kreuzes aus der Kriegszeit, zum Teil aus Schenkungen von Privat- Personen, die dem Vereinigten Arbeitskomitee der ame- konischen und englischen Quäker überwiesen worden sind. Diisse> gben ihrerseits de» Arbeitsausschuh des Deutschen Zennolu�zsiiiusi s für die Auslandshilfe, dem sie angehören, mtt der V. rei ig b.raut. Es handelt sich im ganzen um 141 Kisten un R n Flanell(zu rund 1000 Metern) und 68 Kisten und Se ien Klei Außer dieser Kleidungsspende kw..te er Arbeitsausschuß auch noch über eine große Lebcnsmittelspei t.e d?s entral Commit- voor Rederland und 69 Waggons grüne Bohnen d»c holländischen Ambu» lanz verfügen. SSnigliches Klinikum. Roch in mir„königlich" ist das Klinikum in der Ziegelstraße. So zeigt die IMchrifi an der Lampe über dem Haupteingong immer noch das Wort königlich an, und an den beiden Emaillefchildern links und rechlz an den?öänden des Hauvtportals steht gleichfalls!„Äönigl- Kliniken. I. Könlgl. Universitätsk inik*. II. Konigl. Augen-Klinik". Wir haben das zweite Iahrcsfest der Entstehung der Republik überschritten und noch immer gibt es„tönig- liche" Anstalten, die Eigentum des Staates sind. Der Namen de» Verfasser, des Artttel» in der heutigen Morgen- ausgab«:„Die städtischen Werke", enthält einen Druckfehler. Der Verfasser ist Dr. Ing. W. Majerczlt, Charlottenburg. "Die Lichtenderger J»q»»»düd»e(Holtelstr. 7—9) veranstaltet in der Woche vom l. bis 7. ttprfl zllabendlich 7 V, Uhr Theaterabende, an denen ein'schwaul aou Benno Iacobsobn„Zum Ginliedlcr" und der Schwank aus Alt-Berkw.Gchultze und Müller unter den Zuwtaffer»" ge» lvielt werden.— In den VochinutaaSiu�cndveraiistaltungen aeht der Ma- MärSeniilm»Ter k.e.r«?'.- über die Leinwand.— EmtrittSvresse: AdendS 2,00 3t., nachmittag, ür Kinder SS Pf., für Srwachfcne 1 R. Generalstreik öer englischen Grubenarbeiter. Der Hauptvorstand der Arbciterkonföderation teilte dem Arbeits« minister Hörne mit, daß beschlossen worden sei, Freitag alle Arbeiter aus den Steinkohlengruben zurückzuzieben, einschliestli» der Maschinisten und der Puinparöciter. Beim vorigen Gencralstreil waren die Arbeiter, die bei den Grubenpumpen beschästigt waren, an der Arbeit gelassen worden. ein Kampf in der böhmischen Metallindustrie. Im deutschen Gebiet der Tschechoslowakei wird zurzeit Swerer Kamps zwischen den Arbeitern und den Unternehmern der etallindustrie ausgefochten. Aus kleinen Ursachen heraus Hai er sich zu einem gewalligen Ringen zwischen Kapital und Arbeit ent wickelt, das nicht ohne Folgen sür die nicht direkt am Kampfe be- teiligte Arbeiterschaft bleiben wird. Beide Kampfgruppen haben alle ihr« Kräfte eingesetzt Die Unternehmer, um die Errungenschaften der Arbeiter seit dem Zusammenbruch zu zerschlagen, und die Ar- bester, um u. a. folgende Forderungen durchzusetzen: 1. Stabilisierung der Löhne, Erneuerung der Verträge zu d«n j e tz t bestehenden Löhnen auf eine längere Zell, womöglich 6 Monate. 2. Der neue Kollektivvertrag(prinzipielle Verein barungen) mutz auf Grund der bereits gepflogenen Verhandlungen bis 31. März neu abgefchlosfen sein. 3. An Stelle der Lohnforderungen wird eine einmalige Zuwendung verlangt, über bereit Höhe und Art die Unter- nehmervertreter Gegenvorschläge machen sollen. i. Es ist durch eine Kommission festzustellen, welche Firmen außerstande sind, eine solche Zuwendung zu machen, und sollen diejenigen, bei denen dies zutrifft, von dieser Verpflichtung ausgeschaltet werden. Wir vertrauen auf die Kraft der kämpfenden Arbeiterschaft und hoffen, daß die Absicht der Unternehmer, die Arbeiter wieder in das- selbe Abhängigkeitsverhältnismäßig wie vor dem Kriege zu bringen, an der Geschlossenheit der Kämpfenden zerschellt. SPD.-Mnktionäre der Metallindustrie! Morgen abend 7 Uhr finden Gruppen-Konkerenzen sämtlicher SPD.«Funktionäre lVertrauensleute. Betriebsräte und Delegierte der Generalversammlung) statt. Tagesordnung: 1. Die Ereignisie er letzten Zeit und die uns daraus erwachsenden Aufgaben. Diskussion.— Die Lokale der einzelnen Gruppen sind: ruppe I(Werkzeug- und Werkzeugmaschinenbau usw.): Rosen thaler Hof, Rosentbaler Str. 11/12. Gruppe II(Allgemeiner Maschinenbau usw.): Sachse, Lindower Straße 26. Gruppe III(Automobil-, Flugzeug-, Fahrradindustrie usw.): Vereinsbaus Einigkeit, Neue Jakobstr. 1. Gruppe IV(Mechanik, Feinmechanik usw.): Schirm, Char- lottenstr. 3. Gruppe V(Elcklroindustrie usw.): Schulz, Elisabethstr. 86(gegen- über Alexander-Passage). Gruppe VI(Edel- und Ilnedel-Metallwarenfabrikation usw.): Wollichläger, Adalbertstr. 21. Gruppe VI I(Eisenkonstruktion, Bauschlosserei usw.): VereinShauS Einigkeit. Neue Jakobstr. 1. Truppe VI II lRohmetallverarbeitung, Formerei usw.): Wollschläger. Adalbertstr. 21. Gruppe l X(Kleineisenzeng. Rohrleger und sanitäre Anlage usw.): Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147. Zu dieser Aussprache ist da» restlose Erscheinen aller Sollegen onbeolngt notwendig. Der Fraktionsvorstand. / Melallarbeilerdeleglerte t Die zu der ordentlichen Generalversammlung am 18. April gestellten Anträge sind gedruckt bei der - Verwaltung zu haben. Die Leiter der Wahlkörpervetsammlungen �.werden ersucht, dieselben in der Woche vom 4. bis 16. April (während der Bnreauzeit beim Kollegen Behrend im Zimmer 3 ab- .','iholen. Montag und DienStag ist das Bureau zu diesem Zweck « 7 Ubr geöffnet._ Die Ortsverwaltung. i Ztt,d der techullche» A-grg-llte» und«eawte». Freitag Mttgliederverfamm- luna:«eutölln, Burgc-iäle. B-rpitr. 147, 7»/, Uhr.— Osten II, Logen-Kasino, «n orr-Promrnade 2, 7'/, Uhr.— OberschSneweide, Rksi. Hudertus, Edison.. TS« Wc/dstraße. 7'/, Uhr.- gentrum-SIlden, Alexandriner. Alexandrinenstr. 57, 7»/, Uhr. _ Potsdam. He», z MilWenpark, Reudabelsderaer Strasie. 71/» Uhr.— Schiine- bern, Edershof. Eberastr. 68, T/2 Uhr.— Sildoft, Grünauer Garten. Grünauer Strafe'4, 7'/, Uhr.— Temvelhat, Kasino-Restaurant, Berliner Straße, 7>/, Uhr.— Weißt'Nle-, Spatenbriiu, Berliner Allee 232, 7'/, Uhr. Achtuna, Buchdrucker I Freitag s Uhr Konseren, Im Echultheih• Ausschank, Reue Iatobstraße. Deleflierte, Vertrauensleute. Betriebsräte u" Boden vra«ischer Dewertlcha tsarbcit stehenden Kollegen werden plinUlln' ,u erscheinen Karte und Buch legitimiert. Der � Vollversammlung des Reichskohlen rales. Im Ingenieurhaus in der Sommerstraße begann heute vor- mittag die Tagung des R e( ch s k o h l e n r a t e s. Auf der Tages- ordnung stand u. a. eine Aussprache über die Kohlenloge und Stellungnahme der Reichsregierung. Hebe, die Kohlenlage referierte der Geschäftsführer des Reichs- kohlenratcs, Generaldirektor K ä n g e t e r. Noch vor wenigen Mona- tc» waren viele unter. uns der Meinung, wir würden noch auf Jahre hinaus mit unlerer Kohle eine allerdings durch die schwere Hypothek� des Friedensvertrages belastete Binnenwirtschaft treiben können. Heute kann sich niemand der Einsicht verschließen, daß auch bei der Kohle der Weltmarkt überraschend schnell den Weg zu uns gesunden hat, daß wir uns auf die weltwirtschaftlichen Verhältnisse einstellen müssen. Die Spa-Konferenz im Juni vorigen Jahres stand noch ganz unter dem Eindruck der europäischen Kohlen. not. Nach dem Willen der Alliierten sollte das Wirtschaftsleben in Frankreich, Belgien und Italien mit Hilfe der deutschen Kohlen wrder in Gang gebracht und die hohen Kohlen-Eigen- preise dieser Länder mit Hilfe der deuffchen Kohle gesenkt werden. „Die Gründe für die Senkung des Kohlenpreises am Weltmarkt sind ähnlich wie bei den anderen Rohstoffen. Für die heutige Ver- brauchsmöglichkeit der Menschen hat die Welt zu viel Rohstoffe und demgemäß zu viel Schiffsraum. Diese Entwicklung hat sich bei dem größten Rohstoff- und Kohlenproduzenten, Amerika, zu- erst am deutlichste» gezeiat. Die amerikanische Kohlenproduktion, bekanntlich die größte der Welt, die vor dem Kriege an bituminösen Kohlen schon mehr als 566 Millionen Tonnen jährlich betragen hat, ist im Kriege sehr gesteigert worden, die Leistungsfähigkeit der amerikani- schen Gruben soll heute etwa 766 Millionen Tonnen bitu- minöser K ohlen jährlich betragen. Der Rückgang der Eisen- und Metallindustrie in Amerika steigerte das Aussuhrbedürfnis und senkte den Kohlenpreis ständig. Die europäischen Länder waren bald überreichlich versorgt, und man hat heute in Frankreich die größte Mühe, die deutschen Kohlen unterzubringen. Frankreich und Belgien müssen sogar wegen des Kohlenüberflusses in französischen und belgi- schen Gruben Feierschichten einlegen. In Holland wird deutsche Reparationskohle zu sehr niedrigen Preisen anoeboten und England empfindet bitter den Ausfall des fronzöstschen Marktes. Die Erfahrungen mit den Kohlenlieferungen an die Entente haben dem, der sehen will, gezeigt, daß man s o, wie es bei der Kohle geschehen ist, das Reparationsproblem überhaupt nicht lösen kann. Wir haben mit den Kohlenlieferungen eine ungeheure Kraft- anstrcngung vollbracht. Unsere Vertraysgegner haben von dieser ungeheuren Anstrengung Deutschlands nicht entfernt entsprechenden Nutzen gehabt. Bekanntlich ist die Menge der uns auferlegten Kohlenablieferungen auf 2,2 Millionen Tonnen erhöht worden. Bei dem Uebersluß an Kohle, der drüben herrscht, ist es selbstverständlich, daß der Empfänger jetzt nur noch die für ihn geeigneten Qualitäten verlangt. Die Folgen sind Beschwerden der sranzö- fischen Regierung über die Qualität der deuffchen Kohle. Im übrigen hat man in den Ländern der Entente und auch in den anderen west- und nordenrooSischen Ländern die amtliche Bewirtschaftung der Kohle aufgehoben, man befürchtet also keine ernstliche Knappheit am Weltmarkt mehr. Bei uns in Deutschland sind wir leider noch nicht so weit. Unsere Stein- kohlenerzeuaunq ist zwar in den letzten Monaten, als im Rubrrevier die Ueberschichten regelmäßig verfahren wurden, etwa 14 Prozent größer aewesen als vor Iobresfrfft. Wir sind damit an der Ruhr auf 84 Prozent, in Ooerschlesicn auf 78 Prozent der Förderung ge> kommen. Der größte Teil der M e h r f ö r d e r u n g ist ober a n die Entente geliefert worden. Durch die Veränderung der Welt-Kohlenlage hat auch die Einfuhr ausländischer Kohlen in Deutschland eine andere Bedeutung gewonnen als vor kurzem. Unsere Zukunftsaüfaobe bleibt jedoch die Oekonomisiernnq der Brennstofswirtschaft. Die Veränderung der kohlenwirt- schaftlichen Verhältnisse, rollt auch in naher Zukunft das Problem der Kohlen st euer auf. Der Reichstag hat die Kohlensieuer nur für drei Monate verlängert, während der Reichstohlenrat ihre Verlänge- rung um sechs Monate gefordert hatte. (Fortsetzung in der Morgenausgabe.) i' M' verwandte Herstellungen beziehen. Das Grunokapit�.'-.'trägt 18 Millionen Mark. Der Konzern wird gegründet ncn t ier 5-il/ durch die Familie Selve schon bisher kontrollierten Unter- �hmuna r deren Anlagen im Werte von 15 Millionen Mark aL Einzahlung auf das Aktienkapital übernommen werden, so daß nur cine MißL- von den Gründern in bar einzuzahlen ist. Genossenschasllichc Verbindung von Stadl und Land, ff ein besseres Verständnis zwischen Stadt und Land, ZWisch-n E zeugern und Verbrauchern durch Anbahnung wirffchasKW Ziehungen zu erreichen, ist in F r e i b.u r g(Breisgau) eine fc. w. bTf gegründet worden. Gründer find der Badische Bauern.a.nein e. G. m. b. H., Freiburg(Breisgau), und der L e b e n s b s d ü'- n i s- und P r o d u t t> v v e r e i n, e. G. m. b. H., Freiburg(Brin gau). Beide Vereinigungen waren sich einig, daß die G m. b. H. ifir Erwerbsgesellschaft im gewöhnlichen Sinne werden eürje, sondei daß ihre Aufgabe darin bestehe, in möglichst einfachster Sc"? f Vermittlung der vom Bauernverein aufgebrachten A r an die st ä d t i s ch e n Verbraucher zu besorgem Als-�.-ä gungsgebiet kommt zunächst natürlich nur ein engerer Sreia, Baden allein, in Betracht. Die Vermittlung erstreckt sich aus Kar. toffeln, Obst, Gemüse, Eier, Honig, Futtermittel für Kleintierzüchter, Düngemittel für Kleingartenbesitzer. Akkiengelellschafl Schlogbrauerei Schöneberg. Die Generalv-' sammlung genehmigte den vorgelegten Jahresabschluß und setzte d Dividende auf 4 Prv.z. gegen 4 Proz. im Vorjahr fxst. Ferner wur der Fusionsoertrag mit der Lindener Aktienbrauerei vorm Brande u. Meyer, Hannover-Linden, gegen 37 466 Stimmen ge- nehmigt. Die Lindener Aktienbrauerei erhöht zu diesem Zweck ih Kapital um 2 560 000 M. Die Verschmelzung soll aus der Gnmd läge der selbständigen Weiterführung der beiden Brauereibetrieb geschehen. Die Gesellschast oerspricht sich mit der Fusion eine Siw kung ihrer Stellung als Berliner Brauerei gegen die Gr! konzeri in der Berliner Brauindustrie. Gegen den Beschluß gab ein Aktianä Protest zu Protokoll. Tiefster Preisstand der Baumwolle. Der Lwervool-Preis d. amerikanischen Baumwolle beträgt nunmehr nicht mehr als 6 Pen« pro Pfund. Vor einem Jahr war der Preis 31 Pen«, Ende Januar noch 12 Pence. Alte Leute erinnern sich an einen Vr-is v» 2H Pence für das Pfund. Wenn man aber die Valutavcrschisbungen in Betracht zieht, ist der S-Pence-Preis nicht höher als der frühere Preis von 2)4 Pence. Soziales. Ein neuer ZNetallwarenkonzern. Die Familie Selve hat die „Selve- Aktiengesellschaft" in Altena errichtet. Gegen- tand des Unternehmens ist die Herstellung von Metallwaren oller Art aus Eisen, Stahl, Aluminium, Kupfer, Nickel. Neusilber, Tombak, Bronze und dergleichen in Walzwerken, Draht, Stangen- und Rohr- ziehereien. Gießereien und Schmieden, die Fabrikation von Spreng- kapseln, Zündhütchen, Jagd, und Metallpatroncn und ähnlichen Er- cn dringend�aebetcn! Zeugnissen, der Bau von Motoren und Automobilen und die Vor- Fraltionsausichuß.'! nähme aller Geschäfte, welche sich in irgendeiner Weise auf diese und Kirchensteuer und Einkommen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wenige Tage vor Ostern ging durch Berliner Tageszeitungen die Nachricht, daß die Kirchen steuern, welche bisher mit 25 Proz. nach dem Stsuersoge vo 1919 erhoben wurden, nun mit 5 Proz. der Einkommen steu er des Jahres 1926 zur Erhebung gelangen sollen. Das war! für uns«ine Erhöhung auf das 3- bis 4 sacke des siüheren Steuersatzes. Ich habe im vorigen Jahre 36,56 M. Kirchensteuerr bezahlt. Für 1921 würde sich diese Summe bei 5 Proz. am 113,30 M. sür 1922 aus 150,20 M. erhöhen. In ähnlicher Weis« wird jeder gesteigert, welchen ein Loh,.. oder Gehaltsabzug für Steuern gemacht wird. Ist ein« Erhöhung in solchem Umfange nötig? Ich bestreite das. Von einem Be kannten, welcher den kirchlichen Körperschaften in W. angehört. erfuhr ich. daß dort noch 26 Proz. Kirchensteuern nach d m Ein. kommen von 1919 erhoben werden, und doch war es möglich, dal zu Weihnachten jedem Geistlichen und jedem Kirchcnbeamien ganz besondere Teuerungszulage von 2060 M. und für jedes'Kind 566 M. bewilligt werden konnten, und daß man für das nächst? Jahr den Geistlichen nicht bloß Griindgehnst. Ortszulage und Au» gleirbszulchlag nach Gruppe Xl des Beamtenbesoldvagsgeletz- zahlen wird, sondern außerdem»och eine besondere Teuerung zutage von 6666 M. Aehnliches trifft auch für Berlin und i übrigen westlichen Vororte zu, wobei allerdings zugegeben werch muß, daß die Finanzverhältnisie in Berlin vielleicht e'wae wer.i, günstig liegen. Wenn ich im nächsten Jahre doppelt soviel Klr�n steuern bezahl« wie bisher, so macht das etwa 3 Proz.' Steuersatze 1920 aus, und das würde zweifellos für mick;;_ ähnliche Besoldungsgruppen eine reichliche Belastung st in. Di« kirchlichen Kärperfchoften in Berlin und in den mi-"0' kirchlich, vereinigten Vororten dürfen meines Eracktens üb.™1 Kirchensteuersatztz von 3 Proz. unter keinen Umständen hinc. Sie mögen bedenken, daß nicht alle, denen sie setz! eine Erhöhung der Kirchensteuern zumuten, kirchensraundlich sind. allzu straff gespaint, zerspringt der Bogen. H.. Bantbeamte-» ------------------------------ J----------lOft Vcrantw. für den redatt. Teil! Dr. Werner«eiler, Sbarlottendiirg! für Apj. TN.(»locke. Verlin. Verlag: Vorinäris-Berlag G. m b. H.. Verün Dt».f- J wSrtS-VuGdrilckerei u. Verlaasanltalt Vau! Singer n 6o. Verlla Bin'Cljl 11. Nachtrag io den Satzungen der „ 20 AdV» l. Ziffer 2, erhält folgende Fassung: gran'en.' ld ir. Höhe de« Halden Srundtahnez für jeden Ardeltstaä>- d für leben Sonn, und Feiertag, wenn die grankdeit de>. versicherten arbeitounfähig macht: es wird vom vierten»rankh-ltstage. wenn aber die Ardeitsunsähigteit erst später eintritt. Tage ihre» Eintritt« ad gewährt S 22 Absatz> soll lauten W'rd Ztrankcnhausvslege einem Versicherten gewädrt. der fttibcr von, eipem A-deitsverdienst Angedörige ganz oder überwiegend»nierh.ilten hat, so wird daneben ein Hausgeld für die Angehö�sie» im Betrage von zwei Dritteln de« »rantcngelbc«. geihährt. z 43 ivtrd dahin adgeär.dertt Die itaffendelrcöge werden aus sieben Hundertstel de« im S 19 festgesetzten G.cundiohne« berechnet. Sie � � j«den Arbeitstag 0,06 St 1 i I 4 5 6 7 8 9 10 11 12. 044 0.38 0,42 0,56 0,70 034 1,05 1.26 1,47 138 139 2.10 «tute A ist masigedend füf Lehrlinge"aller Art, die ohne«nt- gelt delchäinal werden. Perlin-Writzenire, den ill. Dezember 4920. ver Vorstand der Allgemeinen ortstrantentafs» Verlln-Weisteusee. gez.. W. Graeoe. Otto Lenste. G. P.-ufert.«. Friedman». Otto Schäs«, aart Thl.d-- Max Oley. Georg Schräge. Paul Schneider. Genehmigt. (Vharlottendurg, den 26. Zstärz 1021. Oberversicherungeamt VerN». (l. 3) gez.: Unterschrist. Ausgefertigt. Nr. B K.>> 906,20.___ Dieser Nachtrag tritt mit deist L April 1921 in Äraft Berlin-Weißensee, den 3L März 1921. ver vorsiaod der Allgemeinen Ortstranteutasi« Serti»- wetsiease«. gez.: Graeor, Vorsitzender. 1415 etall- Bettstellen Kinderwagen, siude- und Pol.urrbetten, sämtliche Reparaturen an Sport- und Kinderwagen werden schne'lstens ausgeführt Schäfer, NeohSUU, HennaMsfrallB«3 MM- Bitte llauiBumm?? beachten t-MM Herren-* kigen ______ mini« Anzug-, Paletot-, Ulster- Stoffe engl.„Homespun", cleg.„Reubei?-8* Mtr. 50,-, 100,-, 150.-. 200 IX? und Nur langsährige Verbindungen mit alt!? Z>, dex Fabrikanten bürgen sür preiswerte gute Lea rvahr» Gegr. 1393. TlicIl-LiaKei' Seg z auf _ fco-rt der >!5 ein Koch& Seeland Qcrtraudtcnstr. 20 21. i Brautleute! 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Lehrreiche Adhandiungen Au, dem ZuHalt- yemolratisierung im Eisen- bahnweien.— Di» Entwicklung der Siemens- Werke.— Neuerungen im Slgnalwesen.— Lotomotivtessel mit Ucderhitzer.— Daisersli:nd«- anzeiger.- Elektrisches Ä»w»Isicn in Eisen' dohnwerlstänen.— Der Luttdrud. da» Bar» Meter.— Dlo Verwendung von siutzeiternen_ Lotomotiv-Feuerdüchsen.— Der Sokomotlo- testet.— Die Telegraplsie.— Elektrische Schnelldahnen— und vieles andere v'.ehr. Bezngsvrei» direkt vom V-rlag unter«re::: Marl 5,— pro Vierteljahr durch die Vost: ,gen Mar! 4.- zuzüglich Marl 030 V ft. eid tz Verlangen Sie t o st e u l o S Pr«bri>üut«ern. Für Vereine billiger. Für Verein? dilliger. Auertannt vorziigl., wirkungsvolles Iusertivasorgau. Zaserate in der.Ei, endahn uchichü!« haben den größten Erfolg, die Lelerlchasi setzt sich nachweisbar aus den Eisendadndedörde» sowie ca. 2000« Hörern der Eisendahn-achschuten zu- lammen. An Uder 100 Schulen im oanzen Reiche verbreitet.— Man verlange Osierie Mag ä. 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