Nr. 159 4 ZS.�ahrgavg Mlsgabe A Nr* 81 Bezugspreis: «rtteltäJ»! SO,- M.. monofl. Wy- 9t ms Sims, voraus zahlbar. Post. llg! Monatlich W.— M,oi»schI.Ki. lungsgebühr. Unter Areu�bänd fliL Deutichlaad, Danzig, da» Saar. mU» Msv>elg-bi«t. totme die ehemals deut- iikioa Gebiete Polens, Oesterreich. jlirgarn und Luxemburg 20/— 30., für das übrige Ausland 27.— M. Post» beilellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn Tschecho- Slowakei. DSne» mark. Holland, Luxemburg, Schwede» und hie Schweig. Der.Vorwärts�«st der Sonntag». beilage.Polt und gest", der Unter» . Haltung sdeilage �eimwelt� and der Steilage �Siedlung und tUeinaartetri' «rscheuu wochentäglich zweimal,So»u. tags und Montag» einmal. Teiegraunn- Adresse: «Kozialoemotro« var»«- Morgen-Ausgabe Oerliner Volksblatt ( 30 Pfennig) SwzeigeuprctSz Di»«chtgespaltene Ronpareillezeiie kostet OSO 3JL.aidn««azotgen»» da» settgedrustte Wort IchO St(jtt* lsssfig Zwei fettgedruckte Worte), fede» weiter- Wort l.— St Stellengesuch» and Schlafstellenanz eigen da» erst, Wort L— St, fede» weitere Wort 60 Pfg. Worte über lb Buchstabe» isthlen für zwei Worte. Familie u�n. »eigen für Abonnenten geil« 3�- St Die Prrts« verstehen stch einschließlich Teuerungszuschlag. ckugeigeu für die«Schste Rümmer müssen bi, S Ahr nachmsttog» im Hauptgeschäft. Berit» SW 68. Linden. ktraße& abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abend«. Z�entralorgan der rozialckmokratifchcn Partei Deutfchlande Neöaktion und Expedition: 6t0 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Marthplast. Rr. lSlSt»— ISIS? vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenftr.» Fernsprecher, A«t Maristplatz. Str. 11763—54 Srianös gepanzerte Jaust. Paris. S. Lprrl.(SC.) In der heutigen Senatsdebatte sprach, nachdem mehrere Redner zu Worte gekommen wäre». Mimsterpräfl» dent B r i a n d. Er begann seine Rede mit der Erklärung, daß das Problem, dessen Lösung vom ganzen Land« mit Spannung erwartet worden sei, und das ganz« Bolk mit angstvollen Gefühlen erfüllt habe, die Lage Frankreichs gegenüber Deutschland sei. Er sei überzeugt, daß Frankreich sich seinem Ziel näher« und daß die Stund« komme, wo es in der Lag« sein werde, den Weg der Verwirklichung zu schreiten, er erklärt, daß Deutschland den Versuch unternommen habe, die Gegensätze zu vertiefen. Die Alliierten hätten dieses Manöver durchschaut, und auf der Pariser Konferenz sei die Notwendigkeit ihrer Einigkeit klar begründet worden. Er erwähnt dann die Londoner Verhandlungen und sucht zu beweisen, daß Deutschland lächerliche Dorschläge gemocht habe. Je länger der deutsche Außenminister sein« Rede auf der Konferenz hinzog, um so deutlicher konnte man sehen, wie sich auf de« Zügen unserer Freunde Enttäuschung und Zorn abspiegelt«. Der deutsche Vorschlag hat unser« Entrüstung hervorgerufen. Auf welch« vornean« Weise Lloyd George geantwortet hat, ist ja bekannt. Er hat mit der ganzen Loyalität des englischen Volkes gesprochen und den Verlauf des ganzen Krieges nochmal» erwähnt und dabei die Sache Frankreichs vorteilhast vertreten. Briand be- spricht dann Ereignisse, die auf den Abbruch der Verhandlungen folgten, und die die Besetzung Duisburg«, Düsseldorfs und R u h r o r t s zur Folge hotten. Er führt dann weiter aus: Das Abkommen von London ist nicht zur Verwirklichung gekommen, daher tritt der versailler Fried eusvectrag in Kraft Die Maßnahmen, die die Alliierten befchlosien haben, werden unverzüglich m Krast treten. Eine kurze Verzögerung war unumgänglich, da wir die Beziehungen für die Zollgrenze zwischen dem Rhein und dem übrigen Deutschland festsetzen mußten. Außerdem hatten- wir auch Taxis- und Personen« {ragen zu regeln. Nach dem 1. Mal wird Deutschland keine verzöge» rung mehr herbeiführen können. Es wird juridisch der Beweis er. bracht werden, daß durch die Abrüstung und Bestrafung ein rechtlicher Standpunkt verrreten werde, und damit sei alles gelöst(?). Wenn die Fahrlässigkeit des Schuldners nachgewiesen ist, hat der Gläubiger das Recht, alle Zwangsmaßnahmen durchzuführen. Z« London hak Deutschland fich des Friedensverträge» bedient. Sobald der Zeitpunkt gekommen sein wird, werden wir da, gemeine Recht in Anwendung bringen, versucht vcnlschlond sich noch einmal seinen Verpflichtungen zu entziehen— ich sage dies mit e hobener Stimme—. so wird eine starke Hand aus« Herabsausen! (Stürmischer Beifall.) Baris. S. April.(MTB.) Briand fuhr fort: Deutschland oersuche immer noch List anzuwenden. So Hab« es gesehen, daß einer der Verbündeten vorübergehendbeiseitestehe. Es Hab« deshalb bei ihm ein« Propaganda getrieben, die würdig fei seiner Schwerfälligkeit und der Mißachtung, die es gegen andere Nationen habe.'Aber Amerika habe die Wahrheit begriffen. Es habe erklärt, es stelle mit Vergnügen fest, daß Deutschland den guten Willen habe, sein« Schuld zu bezahlen, well es für den Krieg oer. rntwortlich sei. 60 Jahr« hindurch Habe Deutschland die Macht be« wundert, und nachdem es sein« Truppen mit Musik an der Spitz« l>ode zurückkehren sehen, Hab« es geglaubt, es sei ein Opfer des Hungers und des bösen Geschicks geworden, fei aber n i ch t b e s i e g t Setzt aber sehe es. daß fremde Truppen aus seinem Gebiete vor- marschieren, und es bemerke, daß sich tatsächlich seit 1871 etwas ge. ändert habe. Alles, was Deutschland besitz«, garantiere die Schuld. Sollten etwa diejenigen, di« Frankreich Geld geliehen hätten, damit es sich verteidigen könne, nicht bezahlt werden, während diejenigen, die Deutschiand Geld geliehen hätten, inzwischen bezahlt würden? (Lebhafter Beijall.) Man«erde Zwang anwenden. von dem auch die deutschen Großindustriellen nicht aus» geschloffen sein würden. Em Teil der deutschen Bodenreichcümer müsse zur Zahlung herangezogen werden. Allerdings verstecke Deutschland seme Hilfsquellen. Der entscheidend« Augenblick nah« heran, in dem Frankreich im Einverständnis mit seinen Verbündeten fest entschlossen sei, das letzte Wort zu haben. Er beglückwünsche sich dazu, daß Frankreich bis jetzt Beweise von Geduld gegeben habe. Die Zwangsmaßnahmen seien mit Maß ausgeführt, aber mit der Sicherheit, die das gut« Recht und das Vertrauen in die Zukunft gebe. Er betlag« das deutsch« Volk. Es werde aber in kurzem erfahren, daß das Recht auf der Seite der Alliierten stehe und daß man entschlossen sei, zu seiner Forderung zu gelangen, wenn nötig mit Gewalt. Briand antwortet« dann den verschiedenen Interpellanten, di« zu Beginn der Sitzung zu Wort gekommen waren. Er sprach zuerst von den Beziehungen zu Sowsetrußland. Er glaub« nicht, daß man mit einem juristisch nicht anerkannten Staat einen Bertrag abschließen könne. Rußland sei ein desorganisiertes Land ohne Transportmittel. Der Standpunkt Amerikas nähere sich dem Frank- reichs. Er werde der Anregung nähertreten, ob man nicht gemein- sam mit den Bereinigten Staaten handeln könne. Zum Schluß kam Briand auf das Abenteuer des Exkönig» Karl zu sprechen. Es Handel« sich darum, Verpflichtungen zu erfüllen, die man gegenüber Stollen, der Tschechoslowakei und Südflavien über- nommen habe. Die Rückkehr des Königs hätte zum Blutvergießen führen können. Auch das vorgehen Griechenland» beklagte Briand. Griechenland hob« man klar zu verstehen gegeben, welche Gefühl« man habe. Man Hab« Freundschaftsgefühle gegen das Volk und wolle ihm das Recht geben, seinen Willen hinsichtlich des Monarchen frei zu äußern. Das Vorgehen Frankreichs in der Orientfrag« Hab« aber den Griechen bewiesen, daß Frankreich sein« geheiligten Rechte wahren wolle. Der Senat vertagte dann die Weiterberatung über das Budget für auswärtig« Angelegenheiten auf Mittwoch nachmittag. » Briands Erklärung, weil das Londoner Abkommen nicht r verwirklicht worden sei, sei der Friedensvertrag von Ber- 1 sailles wieder in Kraft getreten, bestätigt den von uns seit jeher vertretenen Standpunkt, daß die Londoner Beschlüsse eine Abänderung des Friedensvertrages darstellten. Eine Abänderung geschlosiener Verträge läßt sich nur durch beider- seitiges Uebereinkommen erzielen, man hat aber Deutschland durch vertragswidrige„Sanktionen"' zur Annahme der Lon- doner Beschlüsse zu zwingen versucht. Jetzt kündigt Briand an. wenn Deutschland sich„seinen Verpflichtungen entziehe", d. h. wenn es Unmögliches unerfüllt laste, werde Frankreich sich grundsätzlich nickt mehr an den Vertrag halten, sondern„nach gemeinem Recht" ver- fahren. Mit diesem„gemeinen Recht" meint Briand das ge- meinste van allen, nämlich das Kriegsrecht. Briands herabsausende starke Hand ist aber nur ein Plagiat an Wil- Helms gepanzerter Faust. Wir sind gespannt, doch nicht er» schreckt. Im Zusammenhang mit der Rede Briands ist folgende Reutermeldung aus Washington nicht ohne Jntereste: B i v i a n i äußerte bei einem Esten, das ihm zu Ehren gegeben wurde und an dem mehrere Senatoren sowie die meisten Mitglieder des Senatsausschuste« für auswärtige Angelegenheiten teilnahmen, Präsident Bördings Regierung beabsichtige den Kriegszustand mit Deutschland durch Kongrehbeschluß zu beendi- gen und ziehe den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Völker- band nicht in Erwägung. Washington proklamiert den Friedenszustand, Paris den Kriegszustand. Das heißt: vielleicht! Denn soweit ist es ja noch nicht! Ka?l-Nachsp:ele. Men. 6. Sprit(Eigener Drahtbericht des„Borwärt»".) Karl kfabsburg ist heute um �11 Uhr vormittags im Sanderzug von Steinamongsr abgereist und erreichte nachmittag« die ungarisch- steirische Grenzstation Feh ring. Der Zug wirb also nicht über Wien geleitet Bei der Uebernahme des Zuge» ergaben sich "�ch wierigkeiten. da die Ungarn den Zug nur den Entente- O ffizieren übergeben wollten. Der Wiener Pollzeirat, der dabei 'war. erklärte aber, daß er im Name» der Regierung Deutschöster- reichs den Zug zu übernehmen Hobe, da er der Kommandant des Zuges sei. Wenn die Ungarn darauf nicht eingingen, so würde er den Zug nicht übernehmen. Daraufhin gaben die Ungarn nach. Der Polizeirat stieg dann in den Wagen Karl» ein und brachte ihm die Uebernahme in würdiger Form zur Kenntnis. Lei der Abfahrt wurde von den Ungarn„Elsen" geschrien, worauf dt« österreichischen Eisenbahner mit Jöbzug Habsburg!" antworteten. Eine zweite Schwierigkeit, di« zurzeit— g Uhr abends— nock nicht behoben ist, ergab stch w Bruck a. d. Mur. Dort haben die Arbeiter den Zug nicht in die Station einfahre» last« und ein« große Demonstration gegen die Habsburger veranstaltet ver Zug steht noch dort, wa» glaubt aber, daß es gelingen wird, ihn weller- zubefördern. Der Minister des Innern. Dr. Glanz, ist zurückgetreten, well er den Vereinbarungen, di« über de« Transport Karls durch Deutschösterreich getrosten wuyden, nicht zustimmen wollte. Um nämlich Karl Habsburg vor allzu stürmischen Lieb esd«teuer ungen zu schützen, wird der.Hofzug" auch von Abgeordneten der drei großen Parteien, der EhriMchsozialen. So�aldemokraten und Groß» deutschen beglcllet Dr. Glanz soll besonders daran Anstoß ge- nommen haben, daß auch zwei sozialistische Offiziere und einige DoUswchrleut« mllfahren. Der Oberst Lehor soll Karls bllteres Brot fortan teilen wollen, und der ungarische Außenminister Dr. Gratz ist so un- glücklich, über den Abzug Karl-, daß er sein Amt niederlegen will. Spanische Sozialisten gegen Moskau. Die sozialistische Gruppe in Madrid hat mit 240 gegen 147 Stimmen beschlosten, die Mos- kauer Bedingungen zu verwerfen. Es wurde dagegen der Wiener Internationale Sympathie bezeugt. Heinzes Münchener MWon. Die Ueberfchrift könnte auch heißen:„Wie Bayern mK dem Reich Schindluder spielt". Am 23. März war bekannt, lich der Vizekanzler des Reiches, der Deutsche Volksparteiley Dr. H e i n z e, im Auftrag des bürgerlichen Rsichskabinetts nach München gefahren mit dem Auftrag, die Stellungnahme der Reichsregierung in der Entwaffnungssrage in einer Sitzung des bayerischen Kabinetts zur Darstellung zu bringen. Er hat unverrichteter Dinge nach Hause zurück-- kehren müssen, denn weiter als zu einer Unterhaltung mit Herrn v. Kohr— wir wissen nicht, der wievielten dieser Art — hatte er es nicht gebracht. Das bayerische Kabinett ver» schloß ihm„aus verfasiungsrechtlichen Gründen" die Türe. Ueber diesen bemerkenswerten Vorgang werden mit* zwei amtliche Erklärungen in Umlauf gebracht, eine von Berlin und eine von München. Die Berliner besagt: Gegenüber unrichtigen Darstellungen, die in der bayerisch«« Presse in den letzten Tagen über den Besuch des Vizekanzlers dl München verbreitet waren, wird folgendes festgestellt: Die Reichs» regierung hiell bei der Wichtigkeit der Sache zur Unterstützung und Ergänzung ihrer schriftlichen Mitteilungen in der Entwaff» nungsfrage eine mündliche Aussprache mll dem bayerischen Mi- nisterpräsidenten für notwendig. Infolgedessen ließ sie am Dienstag abend durch ihren ständigen Vertreter Grafen von Zech anfrage», ob eine solche Besprechung des Vizekanzlers mit dem Miuisterpxäfi- denten am Donnerstag stattfinden könne. Nachdem dies festgestellt war. ließ die Reichs regierung durch den Grasen von Zech am Mit» woch ferner den Wunsch übermitteln, ob es möglich wäre, der Be- sprechung mll Herrn von Kohr auch eine Anssprache im Ministerrat folgen zu lasten. Als der bayerisch« Ministerpräsident hierbei oer», s assun gsm ä ßi ge Bedenken gegen die Teilnahme eiues Reichsministers an einer bayerischen Kabinettssitzung geltend machte, — die von der Reichsregierung nicht m Rechnung gestellt waren, weil sie selbst in wichtigen Angelegenheiten wiederholt mit Mmistern der Länder zusammen getagt hat und auch an preußischen Kabi-» nettssitzungen wiederholt Reichsbeamte teilgenommen haben—, hat Graf von Zech sofort ein« zwanglos« Zusammenku uft mit den Mmistern vorgeschlagen. Das Ersuchen der Reichsregierung um die Besprechung ist also in gehöriger Form vorher übermittelt worden. Das von Dr. heinze überbrachte Schreiben enthielt in dieser Hinsicht nur noch di« Boll» macht für ihn. Dr. Heinze reiste am Mittwoch abend nach München ab, nachdem die Zusommentunst mll dem Ministerpräsidenten von Kahr gesichert war. Am Donnerstag morgen fand ein« eingehende Besprechung des Vizekanzlers mit dem Mmisterpräsideillen statt Dr. Heinze entwickelte und begründete dabei unter BerücksichLgung oller Umstände den Standpunkt der Reichsregierung in der Entwast- nungsfrage. Nach Beendigung der Unterredimg trug er de» Wunsch nach einer Besprechung im bayerischen Mi- ni st errat vor, und regte, falls dagegen Bedenken bestände«, auch seinerseits«ine zwanglose Zusammenkunft an. Herr von Kahr erklärte, daß er diese Frage zunächst dem bayerischen Kabi- nett unterbreiten müsse. Jedenfalls werde er seinerseits dem Kabinett die Darlegung, die der Vizekanzler gemacht habe, in loyalster Weife übermitteln. Arn Abend reiste der Vizekanzler«nt- sprechend seiner vorherigen Mitte.ilung nach Berlin zurück. Die bayerisch-amtliche Darstellung besagt: Durch den Geschäftsträger des Reiches in München, Hernff Grafen Zech, wurde am Mittwoch, den 23. März, der bayerisch« Ministerpräsident, Herr v. Kahr, benachrichtigt, daß der Dtze-i kanzler Dr. H e i n z«, dessen Besuch für Donnerstag, den 24. Mörz, abends angekündigt worden war, dem bayerischen Ministerrat in« Auftrag der Reichsregierung Mitteilungen z» machen beabsichtige. Der bayerisch« Ministerpräsident Dr. v. Kahr äußerte demgegetw über sofort verfassungsmäßige Bedenken, die such dem Geschäftsträger Grafen Zech alsbald mitgeteilt wurden. Anderen Tages, kurz nach 11 Uhr, erschien der Vizekanzler Dr. Heinze beim bayerischen Ministerpräsidenten De.». Kahr und überreichte ihm eine vom 23. März datiert« Note des Inhalts, daß der Vizekanzler Dr. Heinze von der Reichsregierung beauftragt fei, den Standpunkt der Reichsregierung dort mündlich vor dem Kabinett nochmals nach-, drücklichst auseinanderzusetzen. In mehr als einstündiger Aussprache unterhielt sich der Vizekanzler Dr. Heinz« mit dem bayerische» Mwisterpräsident« über die Frag« der Entwaffnung. Gegen das in der Rot« ausgesprochen« und auch vom Reichsminister Dr. Heinz« mehrmals mündlich vorgetragen« Verlangen der Teilnahm« am Ministerrat wiederholt« der bayerisch« Ministerpräsident die be- reit» geäußerten verfassungsrechtlichen Bedenken. Er erklärte, daß er die Rot« und da« Verlangen der Reichsregierung dem Ministerrat zur Rückäußenwg unterbreiten werde. Der Ministerrot lehnte nachmittags im Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten das Verlangen der Reichsregierung ab, dem Vizekanzler Dr. Heinze als Beauftragten der Reichsregierung die Teilnahme am Ministers rat zu gewähren. Eine sachliche Stellungnahme zur Entwaffnung s- frag« selbst war damit nicht ausgesprochen. Lon diesem Beschluß de« Ministerrats konnte der vizetangier Dr. Heinze nicht mehr rechtzeitig persönlich verftändigt werde«, da er noch Schluß des Ministerrats abends l/J Uhr trotz mehrfacher Versuche weder in der preußischen Gesandtschaft noch in seinen, Hotel zu erreichen war. Deswegen konnte ihm auch nicht mehr der Wunsch und di« Lerewoilligteit de» Herrn MiuPerplüfidenien»udd« frag«* risch«n Minister übermittelt werben.kn einer ungezwungenen Zusammenkunft sich zu einer Aussprache zu treffen. Reichs- minister Dr. Heinze reiste noch am selben Abend nach Berlin zurück. So die bayerisch-amtliche Darstellung. Es sei lrinzuge- fügt, was nichtamtlich der„Deutschen Zeitung" aus München dazu geschrieben wird: Ist man in Berlin wirklich so irrsinnig zu glauben, Bayern hätte auch nur die geringste Lust, die ziel- und haltlose Schaukel- Politik des„Greises" auf dem Dache, der sich nicht zu helfen weih, mitzumachen? In diesem Sinne wurde Aehrenbachs junger TNann unterrichtet, und ebenso geheimnisvoll, wie er aufgetaucht war, verschwand er noch am selbigen Tage in der Richtung gegen den Norden... Es geht jetzt hart auf hart: Hie München— hie BerlinI Wir möchten daher in letzter Stunde die jüdilch-soziallsti- scheu Machthaber an der Spree noch einmal davor dringend warnen, weiter mit dem Feuer zu spielen. Damit ist das Bild so ziemlich vollständig. Herr Heinze hatte die„zwanglose" Besprechung angeregt und hinzugefügt, daß er am Abend wieder abreisen werde. Nachdem er ab- gereist war, hat man sich zu dieser Besprechung bereiterklärt — nur leider war er eben nicht mehr da. Man hat ihn eben im wörtlichen wie im übertragenen Sinn des Wortes a b- fahren lassen, nachdem man sich zuvor den Scherz erlaubt hatte, gegen eine offizielle Besprechung„verfassungsrechtliche Bedenken" geltend zu machen. Daß ein Bevollmächtigter der Reichsregierung an einer bayerischen Ministersitzung teil- nimmt, dagegen bestehen verfasiungsrechtliche Bedenken, aber dagegen, daß sich Bayern aus der ganzen Reichsverfassung einen Jux macht, bestehen solche Bedenken nicht. Der Borfall gibt Anlaß, über die gepriesene„Homo- genital" nachzudenken, wie sie die bürgerlichen Parteien zwischen dem Reich und Preußen herbeiführen wollen. Die Reichsregierung und die bayerische Regierung sind partei- mäßig ganz ähnlich zusammengesetzt, also beinahe„homogen". Man sieht, wie reizend sich das Verhältnis zwischen ihnen beiden gestaltet hat!___ Sozialdemokratie und Preußenregierung. Die Sitzung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, die sich gestern mit der preußischen Regierungsfrage befchäf- tigt«, war nur kurz. Genosse Siering berichtete über die bis- her geführten Verhandlungen und kam zu dem Ergebnis, daß diese keinen Anlaß gäben, von dem früher gefaßten Beschluß, nicht mit der Volkspartei in die Regierung zu gehen, son- dern an der alten Koalition festzuhalten, abzuweichen. Die Fraktion schloß sich dem einstimmig und ohne Debatte an, da bisher keine neuen Tatsachen gegeben seien, die zu einer erneuten Aussprache Anlaß geben könnten. Kein Standrecht! Berlin, 3. April.(WTB.j Zu den heute in der Presse aufgetauchten Meldungen, es seien in Schraplau Aufständische standrechtlich erschoffen worden, wird bemerkt, daß nirgends Staudgerichte eingesetzt sind. � Bei den Kämpfen der Schutzpollzei mit den Aufständischen in Schraplau am 2. Osterfeicrtag sind fünf Aufständische während der Kampf- bandlungen gefallen. Eine standrechtliche Erschießung von Leuten haMvcder hier noch in den Leuna-Wcrken, wie gestern die„Note Fahne" fälschlich behauptet hat, stattgefunden. Der Magdeburger Kommunistenprozeß. Magdeburg, 5. April.(Eigener Drahtbericht des„Borwärts".) Vor dem außerordentlichen Gericht beim Reichswehrgruppentom- mondo I Berlin begann in Magdeburg der Prozeß gegen 26 Kommunisten aus Stendal und Magdeburg, von denen die Anflöge behauptet. daß sie sich mit der Bildung militärischer Organisationen beschäftigt Hütten. Fast alle Angeklagten sind unbestraft. Der Ber- leidiger Rechtsanwalt W e i n b e r g-Ber'.in bestritt die Gültigkeit! der Berorbnung des Reichspräsidenten auf Errichtung von Aus- � nahmegerichten. Die Angekcagten erkennen das Gericht nicht als! einen noch Gesetz und Recht zuständigen Gerichtshof an, da dieser i eine verkappte Militärjustiz darstelle. Der Gerichtshof erklärte sich jedoch fiir zuständig, da er sich nicht als Ausnahme-, fondern als Sondergericht betrachte. Die Angeklagten sollen in verschiedenen Versammlungen und Besprechungen die Grundlagen zu militärischen Formationen wie Stoßtrupps und Terroristenbalaillone geschaffen haben, Kompagnien- und Gruppenführer ernannt und Kampfbezirke eingeteilt, also die Aufstellung einer Solen Armee vorgenommen und Angrisfspläne erörtert zu haben. Der Haupt- angeklagte Jacobs- Stendal erklärte dagegen, daß es sich bei der ganzen Angelegenheit nicht um militärische, sondern um Partei- fache handle. In den Konferenzen wurde der Aufbau der neuen Parteiorganisation und sonstige organisatorische Maßnahmen, wie die Bildung von Gruppen für die Landagitation er- örtert. Die Gefahr eines Rechtsputfches wurde auf Grund eines Artikels im.Llaisenkampst' über Borbereitungen der Königspartei und der Orgesch für einen Putsch eingehend erörtert. Der kommu- nistische Landtagsabg. B ö> t g e- Dernburg habe mitgeteilt, daß die Orgesch in der Provinz Sachsen bereit zum Losschlagen sei. Gegen die hochverräterischen Absichten sollt» eine proletarisch« Abwehr- Organisation geschaffen und die Wafsenlager der Orgesch ausgestöbert werden. Die Funktionär« wurden dahin informiert, sich bereit zu halten für den Fall, daß der Plan der Reaktionäre zur Ausführung käme. Der Mitangeklagte Albert B a t e r- Magdeburg,„Privat- mann" von Beruf, sagte, daß in seiner Gegenwart in keiner Sitzung über militärische Angelegenheiten gesprochen worden sei. Eine kom- munistische'Kampforganisation existiere im Bezirk Magd«burg-An- holt bestimmt nicht. Die anderen Angeklagten sagten in ahn- lichem Sinne aus. Im Falle eines Rechtsputfches sollte jeder j kommunistische Parteifunktionär eine seiner Stellung in der Or- ganisatio» entsprechend« militärische Funktion übernehmen. In den Aussagen spielte auch ein„Kommunist" Roth eine Rolle, der sich stets sehr wichtig hervorgetan hat, obwohl er erst im Januar der BKPD. beigetreten isi. Er soll in den Sitzungen zu Gewalttätig-' keiten aufgefordert, sich als Fährer der Roten Armee im Rhein- � land aufgespielt und sich erboten haben, Dynamit zu Brückenspren- gungen beschaffen zu wollen. Es scheint also, als ob auch hier wieder ein Lockspitzel seine Hand im Spiel« gehobt hat. Roth tritt als Hauptbelastungs-, zeuge auf, soll aber augenblicklich verschwunden sein. Für den' Prozeß sind vier Verhandlungstag« vorgesehen. Zu viel preßfeeiheit l Hussongs Blatt gegen publizistische Hetzer. Eine Woche lang hat sich der schwarze„Tag" svereinigt mit der.Post") über seine Beschlagnahm« wegen des Husiongschen Heyartikels beschwer». Jeden Tag haben seine rcallionären Feder- Helden beteuert, das; in ihnen das heilige Palladium der Prelle- freiheit verletzt worden sei. Am Dienstag abend hat man sich eines anderen besonnen. Da beschwert sich dieselbe reaktionäre Kom- pagnie über die preußische Regierung, weil sie— zu viel Preßfrei h e» t gewähre. Man. höre und staune: Die Segicrnng gönnt den publizistischen Hetzern preßsreihell und erweckt dadurch bei dem urleilsiosen, jetzt in seine Schiups- Winkel zurückgescheucklen Gesindel die Vorstellung, daß es die Hofsnung nicht aufzugeben brauche und bei der nächsten Gelegenheir den fallengelassenen Faden wieder auf- nehmen könne. Wenn das Blatt de-Z Herrn Husiong der Ansicht ist. daß pu- b I i z i st r sch e Hetzer— zu denen Herr H u ss o n g doch in erster Linie gehört— in Preußen zuviel Preßfreiheit genießen— was hat es dann eigentlich gegen seine Beschlagnahme einzuwenden? Wir nehmen zur Kenntnis, daß„Tag"-.Pöst" schäriste Maßnahmen gegen sich selber empfiehlt. DaS Blatt möge sich dann aber nicht beschweren, wenn seinem Wunsche Rech- nung gelragen wird. Staatsratswahlen in Schlesien. Breslau, 5. April.(Eigener Drahtbericht des.Borwärts".) Im niedecschlefiichen Pravinziallaiidtog fanden heute die Wahlen zum Preußischen Staatsrat statt. Gewählt wurden drei Sozialdcmo- traten und drei Bürgerliche. Von den Sozialdemoiroten sind Ge- nosie Paul Loebe, der Neichstagspräsident. Genosie Dietrich, Landral in Sprottau, der frühere Führer der schlesischen H-lzarbeiter, und der UiiiversitätSprofellor Genosse Dr. FuchS, Breslau, ge- wählt. Die drer Bürgerlichen sind Dr. Graf Kayserlingi (Dnakl.), Eckert(Dp.) und Mais(ZI. Ein Possenspiel führten dt« beiden Kommunisten auf. Der Rechtsanwalt Simon hatte stch schriftlich bereit erklärt, die beiden kommunistischen StimMsn für die Sozialdemokraten abzugeben, falls dafür er selber zum Mit» glied des Staatsrats gewählt werden würde und falls die Sozial- demokraten eine Politil auf dem Boden des Erfurter Programms(??) treiben würden. Selbstverständlich wurde dieses Anerbieten abge- lehnt, worauf die beiden Kommunisten sich an der Staatsrats- wohl nicht beteiligten, deren Ergebnis dadurch nicht im geringste!» verändert wurde._ Aufruf. Der Internationale Bund der Kriegsopfer(Deutsche Sektion) forderte kürzlich in einem Aufruf die Organisationen der französischen, englischen und italienischen Kriegsteilnehmer auf, ihren Einfluß geltend zu machen für die Freilassung der in Frankreich wegen Straftaten zurückgehaltenen deutschen Kriegsteilnehmer. Die italieni- schen und französischen Bruderorganisationen sind dieser Ausforde- rung nachgekommen und haben unseren Aufruf an sie in ihrer Presse veröffentlicht. Um weitere Schritte unternehmen zu können, fordern sie von uns Namen, Adressen und weiteres Material Über die zurückgehaltenen Gefangenen. Deshalb fordern wir alle Angehörigen dieser Kriegsgefangenen ans, uns umgehend alle zweckdienlichen Mitteilungen zugehen zu lassen. Die deutsche Presse wird um Abdruck dieses Aufrufes ersucht. Internationaler Bund der Kriegsopfer. Geschäftsstelle Berlin SO. 16, Brückenstr. 6s. Ententejusiiz! Oppeln. 5. April.(WTB.) Vor dem Interalliietten Sonder- gcrichtshof in Oppeln fand heute der Prozeß gegen, die vier verant- wortlichen Sedakteure deutscher Zeitungen in Oberschlesien statt, die Meldungen über die angebliche Schließung der lv ar- schauer Börse verösseotlicht hatten und dafür schon durch län- geres Verbot bestraft worden waren. Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagten zu S00 0 M. Geldstrafe und zu Gesänznis- strafen von 8 bis 15 Tagen._ Der Prinz unö üie Gerichte. Eine Gerichtskoerefpondenz berichtet: In dem von dem preußischen Finanzmini st erium gegen den Prinzen Friedrich Leopold(Vater) angestrengten Entmündigungsverfahren wegen Geistesschwäche hat der Finanzminister, nachdem sein Antrag auf Entmündigung in den ersten beiden Instanzen zurückgewiesen war, nunmehr die letzte Instanz angerufen und durch den Oberstaatsanwalt in Potsdam gegen die Entscheidung des Landgerichts weitere Beschwerde beim Kammergericht einlegen lassen. Das Finanzministerium er- blickt den Beschwerdegrund darin, daß, wenn auch seine bisherigen Beweisanträge einen Zlnhalt für eine Geistesschwache des Prinzen nicht erbracht hätten, das Landgericht doch von Amts wegen weiter« Beweise nach dieser Richtung hätte erheben müssen.— Inzwischen ist auch das vom Finanzminister gegen den Prinzen an- hängig gemachte Strafverfahren beendet worden. Der Finanzminister hatte gegen den Prinzen Strafantrag gestellt, weil zwei Kisten Gebrauchssilber aus dem Jagdschlösse Klein-Glienicke nach Lugano auf den Weg gebracht waren. Auf Veranlassung des Ministers wurden die Kisten auf dem Transport in München be» schlagnahmt und seitens des Oberstaatsanwalts in Potsdam um- fangreiche Ermittlungen eingeleitet. Auch das preußisch' I u st i z m i n i st e r i u m ist mit der Sache befaßt worden. Im Einvernehmen mit dem Justizministerium ist der Oberstaatsanwalt in Potsdam zu der Feststellung gelangt, daß weder ein Verstoß gegen das Kapitatfluchtgesetz, noch ein sonstiges Vergehen erstchrlich sei und hat demgemäß durch Verfügung vom 26. März d. I. das Berfahren eingestellt und die Beschlagnahme auf- gehoben. Llurmszenen im sächsischen Landlag veranlaßt« der Kommunist S i« v e r t, dcr in einer Geschästsordnungsdebatte den Putsch zur Sprache bringen wollte. Nachdem ihm der Präsident das Wort ent- zogen hatte, sprach er unter ungeheurem Lärm weiter. Schließlich oerließen die Kommunisten den Saal. Zuvor hatten sie einen An- trag eingebracht, in dcm die Freilassung aller Verhafteten in Sachsen und im ganzen Reich verlangt wird. JRg Utopien von heute. Wir leben heute in einer Zeit der Enttäuschungen. Die Zeit- seele sucht im uferlosen Meer der Irrtümer nach den Inseln der Wahrheit, aber haltlos und ohne festen Pol pendelt sie iin Chaos der Verwirrung umher. Dort liegt die Insel des gesunden, ver- bnidernden Menschentums mit der erlösenden Kraft der werktätigen Arbeit, aber ihr Blinkfeuer lockt nur erst die Dielzuwenigen in den rettenden Hafen. Irrlichter gaukeln Berheißungen vor, man ste>»«rl trügerischen Inseln zu. man versucht's mit der Mystik, mit kulturfeindlichem„Raturischein", mit«ntwicklungsheminender Ideal- Wesenheit und- Träumerei oder auch mit dem Furor zerqeistigender Himme.lsstürmerei. die mit den Hebeln der Technik und Chemie die Welt aus den Angeln heben und auf rein wissenschaftlichem Wege der Menschheit das Glück bringen will. Der Nährboden für Utopisten ist geschaffen, kein Wunder, daß die Literatur zeitspiegelnd auch hier phantastisch ausschlägt wie sie sich andererseits transzendental verrennt. Drei Romane liegen vor uns:„ Der Stern von Afrika" von Bruno I. Bürgel (Verlag Ullstein u. Co., Berlin):„Die Feuerseelen" von Anni Harrar(Verlag Rich. Bong, Stuttgart):«Ein Messias" von Roland B e t s ch(Verlag Egon Fleische! u. Co.. Berlin), die einer wie der andere phantastische Zukunftsgesichte be- schworen, die den alten Verne und weiland Bellamys utopische Schilderung des Jahres 200V an Erklügeltem weit in den Schatten stellen. Und doch, dort waren es heilsame und wünschenswerte Fortschritts und Einrichtungen, die ein phantastischer Kopf ersonnen, hier treiben unheilvolle Ausgeburten aktionstrunkener Gehirne ihr zerstörerisches Wesen, ihre Zukunftswelt entsendet mit ihrer ma- schinellen physikalischen Entthronung der Natur und der kosmischen Lcbensprozesse Tod und Verderben. Verloren sich unser« Phantasten und Utopisten vom Schlage dcr Verne und Bellamy in verlockenden Glückseligkeitswelten, so tragen die vorliegenden Bücher eine gegen» sätzliche Tendenz: sie wollen warnend zerstören! Den Wahn näm- lich. daß das Nur-Rühliche, jene Großtaten der Ingenieure und Chemiker, die die Zeugungs'raft der Natur kaltstellen und an ihren Platz das Loboratorium und Konstruktionen aus Stahl und Eisen setzen wollen, jemals der Menschheit das Heil zu bringen vermöchten. Sie fliegen mit ausschweifender Berlebendigung unbegrenzter Möglichkeiten In das Jahr 3000, die„Kultur" hat ihren Höchstgrad erreicht. Die Köpfe sind mit Problemen geladen, und unter Höchst- spannung der Nerven ist der Mensch nur noch Gehirn. Ueber- menschen im cerebralen Sinne, verkümmert dagegen an Leib und Gemüt. Seelische Provinzen gibt es nicht in dieser Welt technischer Wunder, die Menschen sind Einheiten, die Städte Nummern ge- worden, die Elemente sind überwunden durch den Triumph viel- tausendjähriger Intelligenz. Die Welt der Scholle, die grünende und blühende Erde ist eine Legende ferner Vergangenheit, man zieht Kleidung und Nahrung ans der Luft, der Stickstoffmangel steht als drohendes Bernichtungsgefpenst neben allen diesen Errungenschaften gesteigertster Kultur, Sauerstofspumpen arbeiten Tag und Nacht und iin Fieberrausch künstlichen Lebens und künstlicher Nützlichkeits- experimente erwürgt der hypnotische Wille dieser.Leistungsmenschen". die gleichwohl für eine ununterbrochene Arbeitszeit von 3 Stunden körperlich nicht mehr die Kraft haben, das Herz, die Liebe, die Sehn- sucht, den Frieden des Heims, das Seelische, dos Glück. Diese immer motorisch bewegten Gehirne können nur noch technisch und chemisch denken, gehetzt« Lebewesen mit embryonalem Körper und den Köpfen von Kürbisgröße, uittähig zum Gehen, an das Autino ge- bannt, das ihnen zur Vorwärtsbewegung dient, ewig vor dem Kurzschluß zitternd, der ihre ganze von Menschenwitz geschafseae Kultur auslöscht. Denn, wie in Bürgels Roman vom„Stern von Afrika", schützt kein Mittel die Erde vor dem Erkalten, wenn ein« kosmische Staubwolke die Sonne undurchdringlich einhüllt und jene« Luftschiff der Zukunft, das die Reise nach dem Mond antreten will. um sich von dort Anleitungen zur Verhütung des Menschenunter- gangs zu holen, wird ewig zerschellen an dcm höheren Willen der stärkeren Natur. Und jene Weltstadt Nr. 16 wird immer zugrunde gehen, darin die Sachmenschen Herr über die Materie zu werden vermeinten, wenn der Sauerstoff der Lust erschöpft ist und die „Feuerseelen"(Roman von Anni Harrar) hervorkriechen und Jagd aus die Menschen machen. Und wenn jener au» dem Gedröhn der Bessemerbirnen und der Hochofenglut hervorkommend« Erfolgs. mensch, der die lebcnszerstörenden T-Strahlen„ergcistigt", aber dem Feind dieses Experiments, der Schntzzelle, nicht beikommen kann, sich ein Messias dünkt(Roman von R. Betfch), so muß er doch am Ende erkennen, daß alles eitel Wahn war und das einzig Wahre die Welt ist, die sich der Mensch im Innern baut. So laufen alle drei Romane vom Utopia der Zukunft in die Er- kenntnis aus. daß ein- Welt nur realer Werte arm bleibt, daß all» schöpforifche Energie in Stahl und Eisen, in chemischen Staffen und Strahlen die ewigen Werke nützlichkeitsfremder Künstler nicht er- setzen kann, daß ein Kolumbus der Sternenräume, der in die grauen Fernen geheimnisoollcr Wunder«indringen w�ll, wie mit seiner MaMün« äußerlich, euch innerlich zerschellt, wenn ihm die Liebe und ein glühendes Herz fiir das Menschliche oder auch das Göttliche fehlt. Denn alle sind vom lebenden Strom abgeschnitten, die Dinge müssen welken, die Herzen verarmen, das Innere bleibt leer, vom letzten, höchsten Ziel ausgeschlossen, wenn die Beg'ückung durch die Natur und- durch die Lieb« das Dasei» nicht durchsomet uad neben dem Nur-Nützlichen das Schöne, das Wärmende, das Lebendige fehlt. Die Bücher werden manchen von seinem Kulturwahn befreien. 9.& max und Karl. Der Holz ist da. der Hölz ist weg— bei S ch e r l kommt niemand aus dem Schreck. Der Bomben-Max aus Sachsenlanu, in allem hat er seine Hand. Behender hüpft er wie ein Floh, man sieht ihn immer irgendwo. Bersechsfacht hat stch schier dcr Lump— schlug ein Gewitter ihn in Klump! Ist er vielleicht nur ein Prinzip, ein Schattenriß, ein Halt-den-Dieb? Die Kappqemeinde brüllt enorm. Wie heißt? Ist er euch nicht konform? Sie hat sogar ab diesem Gast Den Karl in Ungarn fast verpaßt. Obwohl der Herrscher angestammt, ward ihm nicht einmal telegrammt. Wo blieb denn nur die Sympathie für Fürstenrecht»nd Monarchie? Denkt kerner an den eignen Herr»? Ihr„restauriertet" ihn doch gern. Mit Hölznianieren. Hölzgewalt, Die Flinte würde niemals kalt. Ob Karl, ob Mar, Dnatt-Partei— das ist dach schließlich einerlei. _ ff t i» b I i b. Vübnenckironi?. Carl O- st v i g van der Wiener siaatsaper. der im Deutichcn Lvernoens aui'reten lallte, inichtc wczen Indispostlion sein Saitiviel aus einen ipäteccn Termin verschieben. Das Reoertoir für Freitag und Sonntag,„Meistersinger- und.Lobengrln», bleibt unverändert. „Tle echten Zedrmunds-, Ernst SarlachS Drama, da» an den Ham» burger Kernnierltneler! und im Serlincr Ztäatitheaier auigefübrt wird. ist al» Sitcki im Vonl-Calsirer-Berlag erfchirnen. v Urtier die bcvarstedende �anncnsiusterniS am Freitags> � ,* »ent« nachm. Ubr Dr. Archenbold in dcr SSattburg am Petsda:..,- Zok!,«ich« Licht- und TrebliUder sowie ein Film werden vorgeführt. .Marren vorher bei Werlhcim und in der Trcptow-Ticrnwarte. sttdalf Hildebrnnds lebte» Werk wer ein ZSamintentalirexnen für M> M. flüchtig ge worden ist, hat trotz eitriger Nachforschungen der Kriminalpolizei noch nicht ergriffen werden können. Die Ermittlungen haben er- geben, daß sich der Flüchtige mit seiner Geliebten, der Witwe Wally D i e tz, nach deren Heimat bei S t a r g a r d begeben haben soll. Wer über diese Dietz, die sich in Berlin unangemeldet aufgehalten hatte, irgend etwas mitteilen kann, wird gebeten, sich bei der Inspektion 6 II des Berliner Polizeipräsidiums, George« kirchstrahe 30a, zu melden. Der Betriebsrat der Victoriaversich* rungsgesellschast legt Wert daraus, festgestellt zu haben, daß der Ungetreue zwar Mitglied des Betriebsrats war. die Einkassierung der Gelder aber als Gewerkschaftsfunktionär vorgenommen Hot und auch die mit Holland getroffene Vergünstigung in Lebensmittel lieferungen vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbund getrost fen worden ist. Mit 77 000 M. Postgeldern ist der SO Jahre alte frühere Kellner Fritz Benezinsky aus Hannover durchgebrannt. Der ungetreue Aushelfer hat da« Geld beim Postamt 7 in Hannover unterschlagen und soll sich damit nach Berlin gewandt haben. Auf seine Ergreifung und die Wiedererlangung des Geldes ist«ine höhere Belohnung ausgesetzt. Zweckdienliche Mitteilungen sind an Kriminaloberkommissar Flieger, Inspektion S II, Georgenkirch> straße 30a, zu richten. Der Flüchtige, der das Geld in fast nur neuen Eintausendmarkscheinen unterschlug, ist 1.75 Meter groß und schmächtig, hat blondes, links gescheiteltes Haar, einen kleinen ge- stutzten Schnurrbart und ekne breite Nase, spricht flottes, gute» Deutsch und bewegt infolge einer Kiefernoerletzung unwillkürlich eine Backenhälfte. Sezlrk»versammlung Schöneberg- Friedenau, Bezirk Xl. am Montag, den 4. d. TN. Zunächst wurde Gen. Ralhmann eingeführt. Ein Antrag, größere Sorgfalt bei Aufstellung der Wählerliste zu verwenden, damit der Bürgerschaft ihr Wahlrecht gesichert werde, sowie ein weiterer Antrag, den Wählern in Zukunft Wahlausweise zuzustellen, um daS Wahlgeschäft zu erleichtern, wird gleich. falls angenommen. Ein Antrag der USP., den beim Kapp. Putsch zu Tod« Gekommenen einen Denkstein zu setzen, entfesielte ein« längere Debatte. Günther fDn.) lehnte den Antrag ab, um keine Unruhe in die Bevölkerung zu bringen. Gen. Kaspar führte den Bürgerlichen vor Augen» daß es Sache der Gemeinde sei, für die würdige Erhaltung der Gräber Sorge zu tragen. Gegen die Stimmen der Rechten und der Demokraten wurde der Antrag ab- gelehnt. Dagegen wurde beschlosien, die Gräber dauernd in würdigem Zustande zu erhalten. Ein Antrag der VKPD. verlangte die Einrichtung von Lese- hallen in den Räumen des Arbeitsamtes. Frau Fromm(D. Vp.) lehnt den Antrag ab. weil keine Mittel vorhanden seien. Genosse Erdmann spricht warm für den Antrag, um den ErwerSlofen die Möglichkeit zu geben, ihr LeiebedürfniS zu befriedigen. Der Antrag wurde dem Bezirksamt als Material überwiesen. Die Vorlage über die Bildung von Deputationen, deren das Bezirksamt 11 vorschlägt, wird einem Ausschüsse überwiesen. Die Wahl der ständigen Ausschüsse zeitigt eine längere Debatte. Demokraten und Zentrum haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zufammengeschlossen, um dadurch einen Sitz mehr zu erreichen. Czeminski fSPD.) wandte sich dagegen und verlangt, baß die Wahlen nach den gesetzlichen vorsrbrikien vorgenommen werden. Bon Lindeiner meint, daß' nicht nach dem Berhältnie-, sondern nach dem Mehrheitsprinzip gewählt werden solle. Die Kommunisten verzichten auf eine Vertretung in den Ausschüssen. Der neue Skadskämmerer bestätigt. Di« Wahl des Flensburger Stadtrats Dr. K a r d i n g zum Stadtkämmerer der Stadt Berlin ist. wie wir erfahren, vom Oberpräfi denken bestätigt worden. Die Einführung des Gewählten in fein neues Amt kann jedoch erst nach seiner Ueb«rsiedlung nach Berlin vorgenommen werden. Das Kuchenblech als Lebensretter. Ein schwerer Eisenbahn- Unfall, der durch einen glücklichen Umstand ohne schwere Folgen blieb, hat sich am Sonntag aus der Vorortstrecke Berlin— Oranienburg abgespielt. Infolge des starken Ausflugverkehrs war ein Teil der Vorortzüge in Oranienburg auf dem Fernbahnsteig angekom- men, und mit einem dieser Züge war auch die 11jährige Frieda M. aus Hohenneuendorf«ingetroffen, um eine dort wohnende Schwester zu besuchen. Auf der Rückfahrt stieg sie aus dem gleichen Bahn- steig in einen Zug, ohne daran von Bahnbediensteten gehindert zu werden. Dieser, ein Leerzug, durchfuhr die Station Stolpe, wo die Kleine den Zug verlassen wollte, ohne Halt mit einer Geschwindig. keit von etwa 50— 55 Kilometern. Das Kind sprang auf dem Bahnhof aus dem Zuge. Es hatte dabei ein Kuchen- blech, das sie den Eltern zurückbrachte, vor den Oberkörper ge- preßt und fiel so glücklich�, daß sie mit dem Leben davon kam. Eine schwere Gehirnerschütterung sowie nur verhältnismäßig geringfügige Verletzungen waren die Folge. Sie wird mit dem Leben davon kommen. Was ein betrunkener Rochkbnmmler anrichten kann. In Friedenau befindet sich Kaiseralle« 79 unter dem Parterre eine Autogarage. Sonntag morgen 2 Uhr wurde das dort untergebrachte Auto, das einen betrunkenen Nachtbummler mit einigen Damen gefahren hatte, eingestellt und der Chauffeur untersuchte den Wagen noch mit der Taschenlampe, fand aber nichts. Morgens um Uhr erwachten in der doiüberliegenden Wohnung die Bewohner, deren Räume vollkommen verqualmt waren. Es wurde sofort Lärm geschlagen— die Garage stand in hellen Flammen. Nur dem raschen Erscheinen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß nicht auch der Benzinbehälter explodierte und weit größerer Schaden angerichtet wurde. Zweifellos war in dem Wagen eine brennende Zigarre oder Zigarette irgendwie versteckt liegen ge- blieben und hatte das Unheil angerichtet. Das Auto ist bis auf das Untergestellt verbrannt. Nu Professor vermißt. Am Montagnachmittag unternahm der Professor Otto B ö h r i n g von seiner Wohnung in S ch m a r- gendorf, Hundekehlestroße 11, einen Spaziergang nach Potsdam. von dem er bisher nicht zurückgekehrt ist. Ob ihm ein Un- fall zugestoßen oder ein Verbrechen an ihm begangen worden ist, bedarf noch der Aufklärung. Gestohlene Jagdkrophäen aus dem Berliner Schloß wurden von der Kriminalpolizei in einem Waffengeschäft beschlagnahmt. Es waren Hirschzähne, die mit Zeichen oersehen waren. Diese stammten von den Hofjägern und bezeichneten den Ort,, wo die f«-!nkxittsa«kj» fitt! W 9Wr;„rt.. Tiere erlegt worden waren. Weitere Nachforschungen führten zur vlnr�lttSgeio pur vte»Serliner Museen_ Beschlagnahme der Stücke, da diese wie die Ermittlungen wird von heute ab sur gewisse Tage der Woche in der�ergeben halten, von Mitgliedern der Volksmarinedivision w't an- Nalional-Galerie und den ihr unterstellten Sammlung enVderen Sachen aus depr Iagdzimmer des früheren Kaisers gestohlen de» Kronprinzen-PalaiZ und der B i l d n i s- S o m m-! worden waren. Sie waren in der Zwischenzeit �durch mehrere Hehler wiSer Villen. Die Gefahren im Psnndleihergewerbe. Der Pfandleiher kann heute leichter wie früher in eine sehr bedenkliche Lag« kommen, die ihn mit dem Gesetz in Konflikt bringt. Das wurde durch eine Verhandlung vor der Strafkammer des Land gerichts I in einer recht eigenartigen Weise illustriert, wo der Pfandleiher V. wegen Hehlerei angeklagt war. Eines Tages erschien in dem Geschäft des Angeklagten V. ein gutgekleideter Herr, stellte sich als Kaufmann Silberberg vor und erklärte, daß er ein größeres Da r l e h e n brauche, da er am nächsten Tog« einen Geschäftswechsel einlösen müsse. Er sei bereit, für ein Darlehen von 10 000 M. drei K i st e n mit Trikotagen im Werte von 40 000 M. zu verpfänden. Der Angeklagte ging auf das Geschäft ein unter der Bedingung, daß Silberberg einwand- freie Legitimationen und die Faktura über die Waren zur Stelle bringe. Nach kurzer Zeit erschien S. mit einem Rollwagen, ließ drei schwere Kisten abladen und in die Geschäftsräume des Angeklagten bringen. Als dieser nun die Legitimation zu sehen wünschte, erklärte der angebliche Silbcrberg, daß er in der Aufregung die Papiere vergessen habe. Er wolle diese aber am nächsten Morgen in aller Frühe zur Stell« bringen, da er den Wechsel schon um 10 Uhr einlösen müsse. Der Angeklagte war damit einverstanden, doch kaum war„Silberberg" heraus, als ein Rollkutscher einer hiesigen Speditionsfirma erschien und mitteilte, daß ihm soeben sein Rollwagen mit drei Kisten Trikotagen auf der Straße gestohlen wvrden sei. Die Staatsanwaltschaft erblickte in dem Verhalten des Ange klagten ein Ansichbringen einer gestohlenen Sache, also«ine Hehlerei, und V. wurde vom Schöffengericht, nachdem er 4 Monate in Unter- suchungshast gesessen hatte, zu 2'A Jahren Gefängnis und 3 Jahren Chrverliift verurteilt. Hiergegen legten die Rechtsanwälte Iustizrat Wronter und Georg Lenzen Berufung ein und machten vor der Strafkammer geltend, daß das Berfahren gegen den Angeklagten, nur well er Pfandleiher sei, geradezu eine Ungeheurlichkest darstelle, zumal die Handlungsweise des V. juristisch schlimmstenfalls als vor- bereitende Handlung bzw. Versuch aufzufassen, eine versuchte Hehlerei aber straflos sei. Dos Gericht schloß sich auch diesen Aus- führungen an und erkannte auf Freisprechung auf Kosten der Staatskasse. Straßenbahnlinien, die heute nicht verkehre». Wegen des Bcaräbnisses von S ü l t wird der Betrieb der Berliner Straßenbahn heute beträchllich eingeschränkt. ES find Einschränkungen bei den Anhängewagen und Einsetzzügen vor- gesehen. Folgende Linien verkehren nicht: 4, 17, 24. 37, 40, 44, 46. 63. 67. 68. 77, 85, 86, 92, 96, 98, 162. E, T und Linie 10 der vormaligen Köpenicker Straßenbahn. Während deS Begängnisses, von etwa 10 Uhr vormittags ab, treten im O st e n Berlins umfang» reiche Linienumleitungen und BotriebSeinstellungen ein. » Die SPD.-Mitglieder der Lokomotiofabrit Hennigsdorf haben ihrer Parteiparole zu folgen und heute, Mittwoch, die Arbeit nicht ruhen zu lassen. Da es sich um eine rein politische Aktion handelt, ist die Abstimmung der Betriebsversammlung nicht maßgebend. Dauerkarten im Lernverkehr. Reben den Erhöhungen, die im Fernverkehr zum 1. Juni ge- plant sind und über die wir bereits vor einiger Zell ausführlich berichteten, treten mit dem gleichen Tage auch Erhöhungen der Preise für Monatskarten und der Wochenkorten 4. Klasse in Kraft. Don den neuen Preisen ist soeben eine Preis- tofel durch die zuständige Eisenbahndirektion aufgestellt worden, über die wir nachstehend xine kurze Uebersicht geben. Die M i n d e st- « n t f e r n u n g, für die Monatskarten des Fernverkehrs über- Haupt ausgegeben werden, ist auf 7 Kilometer festgestellt worden. Für diese Entfernung beträgt der Preis der Monatskarten in der 2. Kl. 46, in der 3. Kl. 28 und in der 4 Kl. 19 M. Dieser Preis steigt bei einer Entfernung von 8 Kilometern auf 52, 32 bzw. 21 M., bei 9 Kilometer Entfernung auf 59, 36 bzw. 24 M. und bei 10 Kilo- meter Entfernung auf 65, 39 bzw 26 M Bei Entfernungen von 15 Kilometern beträgt der Preis für die Monatskarte 2. Kl. bereits 15 Kilometer beträgt der Preis für die Monatstarte 2 Kl. bereits 9«. 3. Kl. 59 und 4. Kl. 39 M.. bei 20 Kilometer 130, 73 bzw. 52 M., während für die Entfernung von 30 Kilometern 195, 117 bzw. 78 M. vorgesehen sind. Die Preise für Monatskarten betragen weiterhin bei Entfernungen Kl. Mark 2. von 40 Kilometern 260 .50„325 .60 390 .70„ 455 „ 80„ 520 „90 585 „ 100„ 630 3. 156 195 234 273 312 351 390 Kl. Mark 4. Kl. 104 Mark 130„ 156. 182, 208. 234„ 260 Die Preistafel sieht weiter Preise laufend bis 150 Kilometer vor. Bei noch größerer Entfernunq wird der Preis je Kilometer um 6,50 M.<2. Kl.), 3,90 M.(3. Kl.) und 2,60 M.(4. Kl.) erhöht und der Betrag auf volle Mark aufgerundet. Straße 74, und an der 3. Wahlforibikdungsschule in der Wrangel- straße 85. An dieser wird auch Un.erricht in der polnischen Sprache erteilt. An der ersteren wird mit Beginn des Halbjahres ein neuer Kursus für Spanisch eröffnet. Das Schulgeld beträgt 10 M. für das Halbjahr. An dem Unterricht können Damen und Herren teilnehmen. Meldungen täglich von 6 Uhr abends ab, möglichst vor Beginn des Halbjahres, im Amtszimmer. Milch. Dom Mittwoch, den 6. d. M.. ab werden dl« Ol« und CIB Karten nach Liste I beliefert, d. h. je Liter Frifchmilch. Die übrige Äe- lieserung bleibt wie bisher._ Groß-Serllner partelnachrichten« heule, Mittwoch, den 6. April: 16. Ait. 6 Uhr bei Echuckert, Riidersdvrfer Str. 3, Borstandssitzuns. u» TU Uhr Sitzung der Bczirksfllhrer und Betriebsoertaucnsleute. 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr bei Ledmann, Kaiser-Wilhelm-Sir. 31, Wiiglieder» »ersammUlng. Neuwahl des Ädieilungsvorstandes. 83. Abt. Teurpelhof. 7 Udr. Friedrich-Wildelin-Etr. 30, Sitzung de» erweiterte» Borstandes und des Bildungsausschusses. 88. Abt. Lichtenrade u. llmq. Udr schule Roanstratze, Miigliedcrvsrsamm- lun«. Tagesordnung:-Maifeier: Putsch von heute; Parteiberichte. 82. Abt. Neutblln. Die heutige Aunktionärsttzung fällt aus. UÖ. Abt. Obeeschiaeweide. 7'» Uhr im Vereinsdaus ,Zu: Post Scneralver- saminlung. Neuwahl de» Abteilungsoarstanoes. Referat Uber„Mle:er- 123. �Abt. Baul»b»ef. 7H Udr im Restaurant Hübner, Wilhelm-, Ecke Bahnd�f« ftratze, Frouenabend. Referent Genosse Langner:„Wohnungsnot. 123. Abi. Weitzenfe». OcffenUiche»«ltsoerfammlnag: 7H Uhr im Realgqmaa. ssum, Woelitpiomenade. Referent Franz 3«» g e r, R. d. 8.:„Die Ge- fahien der Repubiii na» recht»»nd link»'. Morgen. Donuerskag. den 7. April: k.«Mi» Halles»«» I«. TA Uhr bei Wolfs. Forster Str. 44, Sitzung der Ob- lrute der Elternbeiräte. 28. Abt. 8 Uhr bei Wichmann, Weitzenburger Str. 1, wichtige Funkiirnar- fitznng. 28. Abi. 7 Uhr bei Altmann. Rnkestr. 2, Sitzung der Funktionäre. 28. Abt. 7 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 188, wichtige Sitzung der Funk- tisnäre. 78. Abt. VA Uhr in Echiineberg, geichensaal der Schule Feurigfir. 57, Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Be- richi der Revisoren. 3. ZIeuwablen. 4. Verschiedenes. 107. Abt. Alt-Giienicke-Falkenberg. 8 Uhr bei Klingenberg, Grünauer Str. 29, Frauenlcseabend.______. 131. Abt. Rieberschänhausen. 714 Uhr bei Ställe, Treskvw-, Ecke Blücherstrohc, Sitzung sämtlicher Funktionäre. z»»gs»zialisten. Gr,,??« Treptow: Der angesetzte Bortragsabend fällt besonderer Umstände halber aus. Um zahlreiche Beteiligung an der Generaloersemm- lung am Sonnabend, den 8. April, wird dringend gebeten. Arbeitsgemeinschaft fozialdemrkratifcher«ternbeieate dr,� 12,«erwaltunzs- bezirk». 714 Uhr im Klassenzimmer des Gymnasiums, Sieglitz, Heeieitratzc. flenarsstzung sämtlicher sozi-ldemotraiilcher Glterndeiräie, auch der höheren chulen, sowie aller Kandidaten der sozialdemokratischen Liste. PüntilicheZ Erscheinen ist Pflicht. » 1«. Abt. Bezirksführer und Funktionäre wollen bis Freitag, brn 8. April, die verkauften Billetts zu unserem Abteilungsvergnügen bei Wolfs, oorster Elratze 44, abrechnen._ ?ugenüveranftaltungen. verein Arbeiter-Zugend Groß-Berli». Sekretariat! RS. 4», J» be» gelte» IX Mittwoch, den 6. April: Sipenick: Schönerlinder Sir. 5, Mitgliederversammlung��- Friebr!ch»bage»: Ccharnweberstr."■ Straße 2, Miig gliederpersanimlung.---------—,-----—-■,_, Lichtenberg: Parkaue 19, Mitgliederversammlung,- Norden: Schule Purbnser Straße 3/0. Mitgliederversammlung.—«osenthal! Schule«astanienallee Mit- gliederversammlung,— Südwest! Zentraliugendheim, Lindenitr. 3, Mitgliederversammlung.— Tempelhof! Geruianiastr. 6/7, Mitgliederversammlung,— Wcdding: Schule Trislstraße. Mitgliederversammlung.— Wilmersdorf: schule Koblenzer Straße, Mitgliederversammlung. fius aller Welt. �7 Lauffenberg und Wolffhelin haben sich, wie d«s„Hamburger Echo" am 1. April mitteilte, als Oberster Volksgerichts- Hof für das hamburgische Staatsgebiet konstituiert. Die Verhandlungen wurden am 1. April eröffnet mit einem Per- fahren gegen Ketty G uttmann wegen Verbreitung unzuchtiger Schriften. Des weiteren soll die Anklage gegen mehrer« prominente Parteigenossen wegen internationaler Bestrebungen zugunsten des französischen Wiederaufbaus eröffnet werden. Ueberhaupt soll ruck- sichislos gegen antinationalistisch Gesinnte vorgegangen werden. 3n elner Pulver- und Munilionssabrlk in vurg bei Mngdeknirg entstand ein großer Brand. Zahlreiche Granaten explodierten. Bis- her wurden drei Tote festgestellt. In das Krankenhaus wurden vier Schwerverletzte eingeliefert. Doch wird die Zahl be~ Toten und Verletzten weil höher geschätzt. Sieben Schwerverbrecher entflohen. Ans dem LandSgericht?- gefängni» in LandSberz an der Warthe sind gestern 7 Schwerverbrecher ausgebrochen. Sie nabmen den Weg durch die Decks und ließen sich an Laken und Decken drei Stockwerke hoch herab. Bisher fehlt noch jede Spur von den Ver» brechern. Ein Kirchenskandal. In dem katholischen Dom von St. Pölten in Niederösterreich kam es zu großen Skandalszenen während einer Predigt des Missionars Pater Bogsrucker. Dem Geistlichen, der sich mit den Kommunisten beschäftigte, wurde zugerufen, Politik jehöre nicht auf die Kanzel. Man hörte Schimpfworte, während zer Missionar aus der Kanzel niedertniete und betete. Der Krawall wurde immer ärger. Nur das Erscheinen des Bischojs Dr. Rößler, de? all« Anwesenden ersuchte, die Kirche ruhig zu ver- lassen, stellte die Ruhe wieder her.— Diese Folgsamkeit scheint zu beweisen, daß die Zwischenrufer nicht gerade Kommunisten gewesen sind. Schmückung deutscher Kriegergräber zu Pfingsten. Der„Volks- bund Deuislbe Kriegsgräberiürforge, e. V," ist in der Lage, zu Pfingsten deutsche Kriegergräber auf etwa 40 Friedhöfen in Frank- reich und Belgien mit Blumen oder grünen Zweigen schmücken ui lassen. Die in Frag« kommenden Fnedhö'e werden in de« Mitte diese» Monat» zur Ausgabe gelangenden Aprilheft der Bi indes« zeiifchriit.Kriegsgräberfürforg»', die bei allen PoftämlerN bestellt werden kann, bekanntgegeben. lung erboben. und zwar für die Naiional-Galeri« Montag» 5 M.. Dienstag«, Mittwochs und Donnerstag» j« SM.; für da» Krön- prinzen-Palai« Montags 5 VI., Donnerstag», Freitag« und Sonnabends je 3; für die Bildnissammlung Montag« 6 M.. Dien«tagS. Freitag» und Sonnabend» je 2 M.; an den übrigen Tagen ist der Eintritt in die genannten Institute unentgeltlich. Für Beamte der MuseumSverwaliung. Hochschullehrer, soweit ihre besoudereu Fach- interessen dies verlangen, und eine bestimmte Anzahl von Presse« Vertretern werden Freikarten ausgegeben, für Studierende der deutsch«« Hochschulen und Kunstlehranstalten, ferner beruflich« «>« waren in..,____ Hände gegangen und schließlich in den Besitz der Waffenhandlung gekommen. ver Veglnu der Zagd auf Rchböck« Ist für den Landespolizei. bezirk Potsdam auf den 17. Mai sestgesetzt worden. Russischer, spanischer und polnischer Sprachunlerrichk. In kol- genden städtischen Fortbildungsschulen wird im Sommer- Halbjahr wieder russischer und polnischer Unterricht erteilt, und zwar Russisch für Anfänger und Fortgeschrittene vom 7. April ab in wöchentlich»ier Stunden an der 7. Wahlfortbildungeschul«, Ehorwer vortrage. Vereine unü Ver�ammkvnaen. Bund der technische» Angestellten»nd Beamte«. R i t t m» ch. de» 6. April. Mikgliederrersammlunoen. Westen: N-tionalhvf, Bülowstr. 37, 7>4 Uhr: Nordost: Ercisswiilder Hof, Greifsivalder Str. 43, 7'4 Uhr; Orauieaburg: Rrichehof, Bernauer Sir, 38, 714 Uhr: Spandau: Restaurant Zum Stern, Pol»- damer vir. 8», 714 Uhr. Bertrauensmännerversammliing de» Bundes im Nordischen Hof, Invalidenstr. 128, 7 Uhr. Versaininluna der erwerbslosen Tech- niker im Blauen Saal des Nordischen Hose», Invalidenstr, 128, nachmitwas 5 Uhr. Donnerstag, den 7. April, Ritglirderversammwngen. Norde, lV: Restanrant Zum Hubertus, Bvrnholmer Sir. 88, 7 Uhr: Nordwest l: Restanrani Raitke. Turmstr. 78,'A Uhr: Eharloiieudurg I: Restaurant Geldai, Kaisertu- Augusta-Avee 63, 714 Uhr: Charlottenbueg il: Aula der 13. und 14. Gemeindeschule, Pcstalozzistr. 40, 7>4 Uhr; Charlo tenbura ril: Deutsches flau». Wind- lcheidstr. 89, 714 Uhr: Tteglitz: Restaurant Althoff, Althoff-, Ecke Kärnerstraße, 8 Udr: Wilmersdorf: Augusta-Hof. Augustastr. 1, VA Uhr.— Re!ch»»erei»!tzang ehemaliger Kriegsgefangener, Gruppe 31. 2. Versammlung am 7. April. '„S" Uhr, im„Berolina-Saal". Schänhauser Allee 23. Spsrt. ■y Vixkämpse im Osten. Am M-mi-g sanb in den Prechkkaken be» Osten» ein Soxknrnps stall, bei dem vier SerusSbaxrrpaire aufeinemder trafen. Der Haiiptkarnps de« Abend« zwischen Wieg er 1 und dem All« meister v e g ar d zeigte von Ansang an die wettau« überlegene Äamtf« melbode Wiegelt«, der seinen Gegnir in der»ierten Runde zu Baden brachte und in der sünsten Runde besiegte. Der Rampf zwischen 51 i e r« und R u p p endete in der drillen Runde m!l dem Unterliegen RuppS, bei dem er sich auszählen lassen mutzte. Auch das Treffen zwischen Ärimm und Oslcrmcor war oai kurzer Dauer, Bereits in der zweiten Runde balle der besttg angreisende Grimm seinen«eoner besiegh Der Abend wurde eingeletltt durch einen Kamps der Boxlampsschüler Obel und Reilboser. di« mit stürmische« Tatendrang auseinander loSbieben. Nach heu ieltadtktett {•ch» Runden wurde»er K-mpI für unentschieden erklärt. p Wirtschaft Zum Wiederaufbau Rordfrankreichs. In der nächsten Nummer der„Glocke" gibt Parvus eine Zu- sammenfassung der von ihm mm Wiederausbauproblem gemachten praktischen Vorschläge. Die sechs Grundthesen, die er ausstellt, lauten: 1. Der Wiederausbau geschieht am besten durch einen inter- nationalen Konzern, der das Ganze der auszuführenden Ar- beiten ins Auge faßt, einen Arbeitsplan entwirft und die Arbeiten auf die einzelne Industrie, sei es direkt oder auf dem Wege der Sub- misston, verteilt. 2. Di« Geschädigten in den zerstörten Gebieten werden nicht durch sofortige Geldüberweisungen, sondern durch Gutscheine aus- �bezahlt, die nach Fertigstellung der Arbeiten eingelöst werden. Z. Deutschland bezahlt die Kosten des Wiederaufbaues der zer- störten Gebiete nach ihrem wirtlichen jeweiligen Wert und bekommt die Gutscheine ausgeliefert. 4. Um Deutschland die Möglichkeit zu geben, durch S a ch- l e i st u n g e n und Arbeit seine Schuld abzutragen, soll der deut- schen Industrie ein entsprechender A nte i l an der Arbeit des Wieder- aufbaues gewährt werden, sei es durch Aufnahme in den Wiederauf- baukonzern oder auf dem Wege der freien Konkurrenz. 5. Die deutsche F n d u st r i« soll auf alle Fälle zum Zweck« des Wiederaufbaues zusammengefaßt werden. Der deutsche Staat kann sich daran beteiligen— durch Umwandlung des Reichs- notopfers in eine Kapitalbeteiligung, oder auf anderem Wege. 6. Wenn die Alliierten von Deutschland weiter« Zahlungen er- langen bzw. sich einen Anteil an dessen Produktionsentwicklung sichern wollen, muß die deutsche Industrie aus eine breitere Basis ge- stellt werden. Die Möglichkeit dazu ist gegeben durch die großen Arbeiten des Wiederaufbaues im allgemeinen. Das System des„Gutscheins" begründet Parvus folgendermaßen: „Die Alliierten haben die Entschädigungssumme für die Zer- störungen abgeschätzt und oerlangen von Deutschland, daß es diese Summe in Geld auszahle. Ob das ganze Kapital gleich ausgezahlt wird oder Annuitäten gezahlt werden, die kapitalisiert werden können, ändert nicht viel an der Sache. Um was es sich handelt, ist, daß auf diese Weis« der Kapitalwert des Wiederaufbaues auf den Geld- markt kommt, noch bevor der Wiederaufbau selbst fertiggestellt ist. Es kommen also wieder Geldmassen aus den Markt ohne in- dustriellen Gegenwert. Also wieder eine gewaltige Geld- Überflutung mit den bekannten unheimlichen Folgen des Kursrück- ganges und der Warenverteuerung. Wenn die Kriegsschulden nicht existierende vergangene Werte repräsentieren, so die Entschädi- gungssumm« Z ü t u n f t s w e r t e, die in der Gegenwart nicht existieren, und beides wird sich vereinigen, um den Geldmarkt außer Rand und Rand zu bringen, während dock, die Stabilisierung dcr Geldverhälhiisse die wichtigste Vorbedingung des Wiederausbaues ist. Eine wild? Spskuialion wird einsetzen, die alle Preise hochtreiben wird, die Arbeiten des Wiederaufbaues werden gestört werden, und die Geschädigten werden dabei noch dadurch zu kurz kommen, daß f�e die Arbeiten teuer zu zahlen haben werden. Daß man Deutschland Goldzahlungen auserlegt, verbessert nicht die Sache, verschlimmert sie vielmehr. Denn dadurch wird ein neues Moment der Unsicherheit hineingebracht. Die deutschen Zahlungen variieren dann mit dem Kursstand, und sinkt der deutsche Kurs, kommen desto größere Massen deutscher Banknoten auf den Markt. Schließlich und endlich wird Deutschland doch nur durch Sach- leistungen und Arbeit zahlen» einerlei, ob es sie direkt liefert oder erst Geld umtauscht. Darum ist«z vor allem notwendig, daß die Geschädigten nicht in Geld, sondern in Anweisungen auf den Wiederausbau ausge- zahlt werden. Die' Verrechnung kann ja in Geld erfolgen, aber die Geschädigten sollen, nicht Geld erholten, sondern Gutscheine, die bei der Fertigstellung der Arbeiten eingelöst werden. Der Vorgang würde sich in der Weise abspielen, daß der ge- schädigte Staat die Rechnungen des W'ederausbautonzerns bezahlt und damit die Gutscheine der einzelnen Geschädigten einlöst. Der geschädigte Staat präsentiert anderseits die Rechnungen des Kon- zerns cm Deutschland, um von diesem entsprechend dessen Verpflich- tungen die nötigen Zahlungen zu erlangen. Wie soll aber die Umrechnung der Gutscheine auf den wirklichen Wert des Wiederaufbaues vor sich gehen? Es genügt, auf Grund der wichtigsten S ch S tz u n g s pr« i f e einen Index zu machen. Ein entsprechender Index wird dann für die wirklichen K o st e n! gemacht, und das Verhältnis der beiden ergibt das Verhältnis, zu dem! die Gutscheine umgetauscht werden. Setzen wir den Index der Schätzungswerte gleich hundert. Nehmen wir an, daß der Inders der wirklichen Preise 8l> ergibt, so wird der Umtausch der Gutscheine i gegen die Rechnungen des Konzerns 100 zu 80 sein, d. h. für 800 000 Franken Rechnungen wird man eine Million Franken Gutscheine eintauschen. Die fflirtschein« sollen außerhalb des Kapitalverkehrs bleiben. Sie berechtigen nur zu Sachleistungen, werden nicht durch Geld abgelöst. Die Einführung von Gutscheinen wird der Spekulation in Eni- schädigungsforderungen einen Riegel vorschieben, die besonders für kleinere Interessenten verhängnisvoll werden könnte. Dagegen wird der rationelle Wiederaufbau der gesamten Bevölkerung lohnende Beschäftigung und Verdien st verschaffen." werkZbereln sKIockner). der fett langem die Aktienmehrheit des Ha, per Eisen- und Stahlwerks besitzt, mit diesem Werke eine Fusion eingehen wollte. Hatte doch auch die Stummgruppe einen erheblichen Teil des Aktienkapitals von Haspe erworben und ne erhob gegen diesen Zusammenschluß Einspruch. Jetzt hat diese Firma ihren Einspruch zurückgezogen. Innerhalb der Verwaltung der Hasper Eisen- und Stahl- werke A.-G. ist es zwischen der Klöckner- und der Stummgruppe zu emer Verständigung gekommen. Die Klöcknergruppe besitzt etwa 04 Proz.. die Stummgruppe etwa 30 Proz. des Ilnlcrnehmens. Die Fusion Haspe-Lothringen dürfte demnächst durchgeführt werden. Ein beigelegter schwerinbustrieller Konflikt. Zwischen den beiden schwerindustriellen Konzernen Klöckner und Slumm war eS zu einem Konflikt gekommen, als der Lothringer Hütten- und Berg- Deutsche Ferntabelgesellschafi<8. m. b. h. Im Anschluß an die ,eit 1912 tm Bau begriffene Fernkabelverbindung von Berlin »ach dem Rheinland, deren Vollendung in den nächsten Monaten zu erwarten ist. vlant die R e i ch S t e l e g r a p h e n v e rwaltu ng die wichtigsten Sprech- und Telegraphenlinien des Fernverkehrs nach und nach, wie es die Finanzlage gestatten wird, in Kabel auszubauen. Damit für diesen Bau alle technischen Erfahrungen ausgenutzt und � von Anfang an durch Vereinheitlichung der Ausführung größtmögliche Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit erzielt werden können, ist beabsichtigt, die mit der Ausführung" der Anlagen betrauten Kabelwerke unter Beteiligung des Reichs zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen, die die Be- zeichnung„Deutsche Fernkabelqesellschaft m. b. H. in Berlin" führen wird. Außer der Firma Siemen« u. HalSke in Berlin, die bisher als einziges Werk Fernkabelanlagen für die Reichs- Telegraphenverwaltung gebaut hat. werden zunächst die Firma Felten u. Guillcaume in Köln-Mülheim und die Allgemeine Elektri- zitätSgesellschaft in Berlin der Fernkabelgesellschast beitreten. Je nach dem Umfang der zu vergebenden Lieferungen ist für später in Aussicht genommen, noch weitere deutsche Kabelwerke, deren LeistungS- fahigkeit im Fernkabelbau erprobt ist, in die Gesellschaft aufzunehmen. Eine Schiffahrlsstnie Hamburg— Lettland. Unter dem Nomen „Hamburg— Lettland-Linie" wurde eine regelmäßige Dampferver- bindung zwischen Hamburg und Riga eröffnet: es sind wöchent. liche Abfahrten von Hamburg wie von Riga vorgesehen. Mus der Partei. klon der DfiJ5D. zur SJJD. Nach uns vom Liegnitzer Partei« blatt zugegangenen Mitteilungen sind in S r o h- H a r d t m a n n s- dorf eine große Anzahl Mitglieder der BKPD. unter Fübnmq ihres 1. Vorsitzenden zur SPD. übergetreten. Ihnen werden überall jene folgen, die endlich eingesehen haben, daß die kommunistische Methode mit Sicherheit zur Herrschast der Reaktion führt. 4 •je afader HarenBemdenKCÄ�t 24« HcrrenlicmflenÄ'�SfT'S 25« ' HcrrenBemäen i» 5»»--»>»- 27« Qualität, mit med. Perkalelnsatz, in allen Grössen, M. •aerrenuBterfcosen v---. � 1SM guterQualität, mit Leibüberschlag, in allen Grössen, M.»? • aerreminleriioscn m. 5« * ü erreshemden b-w««......* 15« 'Berrcn-Oberltcmden 79M mod. Mustern, mit Falteneins, tu Kläppmansohetten, M. Am •BeiTCiiliemflen5riÄP??,;:"<£2l« 'Berrenunteriioscn mÄkSS 19« »» * Berrensporflora�en& S l50 250 HerFensockcn � farbig...... 515 •DamcmlrümiHcSem�tewar!eM: 600 'BamenscMfipf kosen 1.00 gewebe, in mehreren Grössen............ 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Uhr: Mascottchen Th.amhlollendnrfplets 3V« Uhr; Die J&din 7 uhr: Wenn Liebe erwaehl Theater des Weetenn tv. uhr: Schwalhenhochzelt Th.i.d.Kommandanlenstr. */, uhrDer verjüngte Adolar Wallner-Theatrr �uhrDleTanzprafin Walhallu-TlK'ater 7'/, uhn Vogelhändler desfdenz- Theater Täglich 7>/, Uhr: Das Privileg P«ul Wegener, Lude Höflich, tlka Griining, N Edgar Lieh», Stg'M; l.adyWinderm.FäcIier Volksbühne Theater am BQIswplatz. 7 Uhr Kapitän Braßbounds Bekehrung ing-Tiätef vi, uhr, Flamme (Dorsch. Hartmann, Klein- Kogge. Walther) Dornt. 7'/j Ein Idealer flatte Freit.?'/,! Flamme(Dorsch) Sonnabend und Sonntai« /»/,; Etn Idealer Gatte Deutsches Künstler-Theater Allabendlich 7' s Uhr! DleScheidungsrelse mit Max Adalbert Trianon-Theater 7'/, Uhr: ROSEN vpn Heimgnn Sudermann. Olga Limburg, Kardia Tiille, Klte Haack, Herrn. Vallenlin, JuI.FalKensiein,l1elnr.Scl)roih Wlljt. Benddt. Kleines Theater Täglich?>/, Uhr: H. Sehrath, Mady Christians, E. Mamelock. Hans Albers. 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Blech- Furtwängler- Stiedry Alitwtrkgßd»: Pamw: ÄrtStdaPadilla� Brauzell, von«Lalopol, üoMa, Dora, Durieiuc, E ______ a, w.uuicu. vuu u.u;up0l, doltfil tckmann-B,tt«ndorL Rerap. Dera Schwarz.- Herren: ArmNer, Boltlder. henke, Hirsch. Hütt, Kirchner. Rorlner, ÄoS,� Palr»..Philipp, dthofep, SchluzullZ, rond', Zimmerer „„„v, firsch, yun,.n.wuei. nuimei, etue. f/uitg chützendorf. Sommerslvrf, Siock. Bespermann. Zador. Ziegler, «A'r'rW« r»Ak��>k� Dirigent: Otto Urack Linüudierung: Alex hosswana Das gesamte Ballett der Staatsoper Damen: Log Peler. Berahoff, Bowitz, Sageika. Seilei, Kruger. Mesina, Schröder. Suüpw.- Herren: Sikart. Serlach, o. Löon, tudewlg, Äeisel, Aiolkow. Wtoricgck Drei Ballorchester«a m m?»itu g: Rpsmo-<3a?}«Bn die für die aichtt» Nummer bestimmt sind, müssen bis ***"�*0 u B Uhr nachmittags In der Haupt-Ezpedltlon des Vorwärts. Berlla SW. 68, Llodenstrasse Nr, 3, abgegeben werden. 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Sin Delegierter der Brüsseler Konferenz empfahl den alliierten Regierungen, den Vorschlag anzunehmen, um ein allgemeines Abkommen über gewisse Erleichterungen der deutschen ver- trogsverpslichtung, u. a. hinsichtlich der Schisfsroumsrage, treffen zu können. Die hallung der deutschen Regierung zu ihren Reparations- Verpflichtungen hat jede weitere Erörterung über diese Altregung ausgeschlossen." Dabei liegen die ehemals deutschen Schiffe nutzlos herum und kosten nur Reparatur. Aber warum soll der Boche nicht das auch noch bezahlen? Boykott gegen EntentefilmS. Der Verband deutscher Filmfabrikanten E. V. hat in seiner lZeneroioersammtung verlangt, daß Erzeugnisse Frankreichs, Belgiens und Englands von deutschen Firmen nicht gekauft oder vorgeführt werden, solange die Gewaltmaßnahmen fortgesetzt werden. 9tun hat auch ein griechischer Ausschuß eine Vorlage über Strafzöll« gegen Deutschland ausgearbeitet. Die griechische Niederlage. Paris, 5. April. tEE.) lieber die Lage an der griechischen Kanipsftont liegt heute abend folgende, offensichtlich inspirierte Erklärung im„Temps" vor: Aus verschiedenen Hauptstädten des Auslandes treffen Nachrichten ein, wonach die militärische Lage Griechenlands als sehr delikat angesehen werden muß. Die griechi- schen Truppen, die von Brussa nach Eschkischehir marschierten, wur- den geschlagen und sind nicht in der Lage, die Offensive vor dem Eintreffen von Verstärkungen wieder aufzunehmen. Diese Ver- stärkungen sollen durch Teilmobilisierungen aufgebracht werden. Es ist allerdings möglich, daß die Reservisten nicht in dem Maße dem Ruf zur Fahne folgen werden, wie die Regierung erwartet. Die Regierung wartet die Rückkehr G u n a r i s' aus Rom ab, der die Vermittlung Italiens erbeten haben soll, um den Feindseligkeiten ein Ende zu bereiten. Weiter heißt es in der Erklärung, die Konstantin freundlich ge- sinnten Blatter von Athen greifen Frankreich an und beschuldi- gen die französische Regierung, den Türken dadurch geholfen zu haben, daß sie den Waffenstillstand von Cilicien abschloß, wodurch die Türken die Fronten von Smyrna und Brussa verstärken konnten. Es müsse aber festgestellt werden, daß die Türken nicht die Zeit hatten, diese Truppen zur Verstärkung heranzuziehen; außerdem hatten die Türken an diesen Frontabschnitten zweimal soviel Truppen als die Griechen. Einstellung der Feindseligkeiten und Intervention der Entente könnte nur erfolgen, wenn die griechische Regierung diese er- bitten würde. Wenn Gunaris die Vermittlung Italiens ange- rufen habe, so scheine es, daß dieser Schritt ohne die Kenntnis der alliierten Regierungen unternommen wurde. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß der Kampf vor Eschkischehir fortdauere. Die griechischen Truppen seien in die Defensive gedrängt worden und haben Boden verloren. Die griefspschen Truppen sind nach Meldungen griechischer Blätter« r- m u i> t t und haben an Moral stark eingebüßt. Nach den letzten Nochrichten zieht die nördliche Truppe der griechischen Armee sich zurück. Die türkische Delegation bei der Friedenskonferenz teilt in deft französischen Abendblättern folgendes mit: Die griechische Offen. sioe, die an der ganzen Front mit sehr bedeutenden Kräften unter- nommen wurde, ist vollkommen gescheitert. Die feindliche Armee erlitt vor Eschkischehir ein- entscheidende Niederlage. Der Feind hat den nationalistischen Truppen das Schlachtfeld überlasten. Griechische Berichte reden in der uns ausreichend bekannten Weise vom Erreichen des gesteckten Ziels usw. Severing über öen putsth. Nn öen völkerbunü! AuflF« ersten Tagung des Bundes„Saarn-rein', die soeben in K a s s e l stattgefunden hat. ergriff neben anderen Partei. Vertretern auch unser Genosse Abg. h a u s ch i l d das Wort zur Be- tonung der Sympathie des deutschen Volkes mit seinen losgerissenen Brüdern im Saarxebict. Der am Ende angenommenen Eni- schließung entnehmen wir folgende Stellen: Wir richten im Namen des Volkes an der Saar, das durch ein durch nichts zu rechtlertigendes M i l i t ä r r« g i m e mundtot gemacht ist. einen Auftuf an das ganze deutsche Volk und an all- zivilisierten Völker, insbesondere aber an jene, die dem Völkerbund angehören:.helft dem Volke an der Saar, befreit es aus feiner politischen und moralischen Unfreiheit. Rechtlosigkeit und Tyrrannei. Laßt nicht zu. daß ein hochzivilisierres Volk im herzen Europas als willenloser Spielball des französischen Propagandaregimes miß- braucht wird, das darauf ausgeht, die Seele dieses Volkes zu ver- giften, es durch wirtschaftliche Not in seinen reinen Gefühlen zu vergewaltigen." �, Im Saargebiet wohnten vor dem Kriege nicht mehr Franzosen clz in jedem anderen Gebiet Deutschlands, wo sich einzeln« Franzosen aus persönlichen Interesten niederließen. Di« gesamte Bevölkerung ist und war von jeher rein deutsch. Die anzeb» sichen> 150 000 Franzosen des Saargebietes, die den Präsidenten der franzö sischen Republik um Annexion des Saargebietes gebeten haben> sollen, sind eine gemeine Lüge oder eine noch gemeinere Obwohl das Saargebiet der Verwaltung des Völkerbundes untersteht, herrscht heute noch das französische Militär dort, in Verbindung mir der ftanzösischen Propaganda. Jede Aeußerung, die irgendwie diesen beiden Gewalten mißfällt, wird mit Aus- Weisung bestraft. Rücksichtslos werden auf Grund gemeiner Spitzel- berichte und Denunziationen Familienmitglieder auseinander- gerissen, Existenzen vernichtet und Freiheit und Recht des einzelnen und der Gesamtheit mit Füßen getreten. Das Volk muß schweigen, will es sich nicht brutaler Gewalt ausliefern. Der Völkerbund, ein- festig durch die Organe der französischen Annexionspolilit infor- miert, hat keine Ahnung von den wahren Zuständen. Ihr heimots- und Volksgenossen an der Saar, Ihr wißt, daß die französische Politik nichts weiter will, als das Saargebiet trotz der Bestimmungen des Friedensvertrages endgültig Frankreich ein- zuv-�eiben, uni des Kohlen- und Jndustriereichtums willen. Ziel- sicke r arbeiten sie mit dem nichtswürdigen Mittel: Zwietracht unter Eum zu säen. Sie benugen dazu Eure innerpoiitischen Meinvngs- verickücdenheitsn. Ihr steht einem entschlossenen Feinde gegenüber. Schließt deshalb ebenso geschlossen Eure Reihen gegen diesen Euch »»n außen bedrängenden Feind. Seid deshalb einig! Stellt inneren Streit und Hader zurück var der Euch alle» gemeinsam drohenden Gefahr: die Vernichtung Eures Volkstum». Seid einig und erhebt gameinsam Eure Stimm«»ar Eure« Schuhhrrr«. dem Völkerbund! Er soll durch den gemeinsamen Appell aller endlich einmal erkennen. daß Euch bitteres Unrecht geschieht von einer Macht, die nur egoistische und materielle Interessen verfolgt auf der Basis der Sügal Die Funktionäre des Bezirksverbondes Berlin(SPD.) nahmen gestern in einer überfüllten Versammlung in den Germania- Sälen zu den letzten politischen Ereignissen Stellung. Genosse S e v e r i n g, preußischer Minister des Innern, referierte und führte etwa folgendes aus: Es ist notwendig, in dieser ernsten Zeit ein« Richtlinie festzu- legen, nach der geschlossen gehandelt werden muß.(Zustimmung.) Die„Deutsche Tageszeitung" und die„Kreuzzeiiung" haben erklärt, daß die kommunistischen Unruhen nicht so weit gediehen wären, wenn die preußische Regierung nicht geschlafen hätte, sondern ihren Ratschlägen gefolgt wäre. Die kommunistischen Aufmarschpläne der „Deutschen Tageszeitung" sind mir amtlich zur Kenntnis gekommen, aber es fehlte all diesen Plänen eines: Maschinengewehre und Artillerie, die sich die Putschisten von der Reichswehr holen sollten. Wir haben alle die„Pläne" als Märchen erkannt. Ein- gegriffen wurde erst, als konkrete Tatsachen darauf hinwiesen, dgß ein Putsch in Vorbereitung war, der in letzter Linie Wasser auf die Mühlen der Reaktion liefern und Deutschland zu einem Horthq-Ungarn machen mußte.(Zu- stimmung.) Die Regierung hat nicht das erste Dynamitatten- tat, das am 16. März erfolgte, abgewartet, sondern bereits am 14. März ist eingegriffen worden. Severins schilderte das Treiben des blutrünstigen Radikalen Stern, der in der Verhetzung der mittel- deutschen Arbeiterschaft Unglaubliches geleistet hat. Die Reichs- regierung hatte genaue Anweisungen gegeben, und nach diesen mußte dieser Slern ausgewiesen werden. Als dann bekannt wurde, daß holz uod seine Iünger zu Gewalttätigkeiten aufriefen, mußte Hieraegen vorgegangen werden. Die ganzen Aktionen wurden durch die Polizei ausgeführt und selbst die Unabhängigen haben zugestehen müssen, daß die Polizei nicht provoziert hat, daß vielmehr die ersten Schüsse von den hölzianer« gefallen sind. Die Polizei hat bald den Aufstand niedergeschlagen, und das behagte denen nicht, die auf Gelegenheit zu einem neuen Kapp-Unternehmen hoffen.(Zustimmung.) Die hätten am liebsten gesehen, daß ein General den Oberbefehl in Mittel- deutschland erbalten hätte. Wir haben dos nicht getan und dadurch verhindert, daß Deutschland in einen Bürgerkrieg verwickelt worden wäre. Gemessen an den Ausständen der letzten Jahre ist diese Bewegung ziemlich unblutig geblieben. Üeber die stra- tegischen Fehler eines L i ch t f ch l a g bei den Operationen im Ruhr- reoier, denen ganze Kompagnien zum Opfer fielen, hat sich die Rechts- presse nicht aufgeregt. Wir stehen im Kampfe gegen rechts und gegen links. Mit einem kommunistischen Arbeiter, der an den Sieg der Idee glaubt, kann man zusammenarbeiten, aber mit B e r b e ch e r n, die sich hinter dem Namen Kommunisten oerstecken, niemals. Gegen diese muß hart vorgegangen werden. Ich bedauere den Tod Sülts, aber der W a ch t m e i st e r, der am Freitag von Feiglingen ermordet wurde, tut mir ebenso leid.(Brausender Beifall.) heute nennt die „Rote Fahne" die Polizisten Mörderbande, morgen wirbt sie um dieselben Leute und will sie zur Kernttuppe der„Roten Armee" machen. Die„Rote Fahne" vom 19. März hat erklärt, daß die Sanktionen der Entente benutzt werden müßten, um Deutschland Schwierigkeiten zu bereiten und daß sie das Signal werden müßten zum Vorgehen der Kommunisten auf der ganzen Linie.(Lebh. Pfui.) Wir hören wegen unserer internationalen Gesinnung nicht auf gute Deutsche zu sein und oerurteilen auf das schärffte diesen Verrat Deutschlands an die Entente.(Bravo!) Wenn morgen zu neuen Putschen aufgerufen wird, wird die Arbeiterschaft dieser Parole nicht folgen. (Stürmischer Beifall.) Wir werden vielleicht nächstens'Aktionen machen müssen, die den Endkampf um die politische Macht darstellen, aber wir werden keine nutzlosen Demonstrationen machen und die Kraft der Arbeiterschaft schwächen. Unsere Aktionen werden aber nicht so aussehen, daß sie uns vor Deutschland und ganz Europa zu Ver- b r e ch e r n stempeln, sie werden nicht gegen die ösfentliche Mei- nung und die Mehrheit der Volksgenossen, sondern im Einklang mit ihr geführt werden. Ein Messer, das man fortwährend gebraucht, wird stumpf. Die jetzigen kommunistischen Aktionen sind aber nichts anderes, als wenn jemand ständig mit der Messerschneide auf einen Stein haut. Den Vorteil hat allein die Reaktion.(Sehr richtig!) Wir werden den Kampf führen gegen die Reaktion von rechts und links. Jean Iaures hat einmal gesagt: Es ist niemand so radikal, daß er nicht der Opportunist eines andern ist. Was ist die KAPD. anders, als der Versuch, die VKPD. zu übertrumpfen, was ssnd die Anarchisten anders als eine Uebertrumpfung der KAPD. Was sind dies« Ueberradikalen insgesamt anders als die Entartung der früheren Gelben?(Sehr gut!) Nicht das Geschrei, sondern die politisch« Wirkung macht den Radikalismus aus. Gegen die scheinradikalen Maulhelden sowie gegen die Monarchisten, denen sie Zuträaerdienste leisten, müssen wir scharf vorgehen.(Zustim- mung.) Politik wird nicht mit dem Gefühl, sondern mit dem Ver- stände gemacht. Dieselben Leute, die sich über die Anwendung der Machtmittel des SMates beklagen, sind selber zehnmal grousamer. Wir dürfen dieser Entwicklung nicht passiv gegenüberstehen, sonst werde» russische Zustände eintreten und uns stände das Schick- jal der russischen Menlchewisten bevor.(Zustimmung.) Gegen wen richtet sich denn die Wut der Kommunisten in erster Linie? Be- letzen sie mit Vorliebe bürgerliche Zeitungen? Nein, auf die s o z i a- l i st i s ch e Presse haben sie es stets zunächst abgesehen!(Sehr richtig!) Jeder muß in der Werkstatt und wo es sonst sei, gegen die Äommu- nisten wirken, denn wird her Ansturm von rechts wie der von links zerjehess«».(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion schildert Genosse h ä u ß l e r aus eigener An- schauung das Treiben der Kommunisten im halleschen Gebiet. Unter anderem erwähnte er die scheußliche Ermordung und Der- stümmelung von fünf Schutzpolizisten, die unsere P a rteigenossen waren.(Lebhafte Pfui-Rufe.) Genosse Wuschick ergänzt diese Darstellungen. Die Mansfelder Bergleute sind jetzt gegen die Kommunisten, die sie irregeführt hoben, furchtbar aufgebrocht. Er erinnert an ein k o m munistisches Flug- b l o t t vom Freitag, in dem es heißt: «Es ist gelungen, die Polizei aus ihrer Reserve herauszulocken." So provozieren die Leute Blutvergießen, die jetzt wehleidig jammern. Wir hoben keinen Anlaß, uns an der Beerdigung Sülts zu be- tciligen.(Bsifass.) V r p l a t schildert das Verhalten der Un° abhängigen und Kommunisten bei den jetzigen Derhand- lungen mit dem Magistrat. Er kennzeichnet insbesondere den un- abhangigen Stadtvcrordnetenvorsteher Dr. W e y l, der sich erst auf seilen der Kommunisten stellt« und den unabhängigen Aus- ruf als G e n e r a l st r e i k p a r o l e auslegte, dann aber, als sein Parteigenosse Vollmerhaus die gegenteilige Auffassung vertrat, ein« zweite Rede hielt, die das genaue G e a e n t e i l der ersten mar.(Heiterkeit! Zuruf: Und der wollte Bürgermeister werden!) Gennert(Eisenbahner) ersucht die Genossen, auf die verbrecherischen E i s e n b o h n o t t e n t ä t e r wochsames Auge zu haben. Wolf begründet«ins Resalittion der SPD.-Fraktion der Reichsdruckerei, die sich gegen Sondergericht« und Schießerloß wendet. die Berichterstattung des Vorwärts" im Fall Süll, den Artikel des Genosse» Franz Krüger und die Bichtaufnahm« eines Aufrufs der Gewerkschastskommisslon im„Vorwärts" bemängelt.(Vereinzelter Beifall.) Franz Krüger: Die Urheber der Dynamitattentate usw. haben nicht den Anspruch, als politische Verbrecher behandelt zu werden. Trotzdem verwerfen wir die Sondergerichte, d«m Wirten nur den Kommunisten neuen Agitationsstoff geben wird. Bei der Entrüstung über den Fall Sült wollen wir nicht unsere Parteigenossen vergessen, die von den Kommunisten ermordet wurden, weil sie sich gegen den Gencralstreikwahnsinn wendeten, wie zuletzt noch im Kreis Mors. Sie st ehe» uns näher als S ü l t I(Lebhafter Beifall.) Wenn wir die Schutzpolizei als zuverlässige Truppe der Republik erhallen wollen, müssen wir, wo sie es voll verdient, auch für sie eintreten, wie es mein Artikel getan hat.(Sehr richtig!) Im Fall Sült hat der„Vorwärts" den offiziellen Bericht der Kommission wörtlich gebracht, die„Rote Fahne" dagegen nur einen einseitigen Bericht zweier kommunistischer Kommissionsmitglieder.(hört, hört!) Wensss sucht unter starkem Widerspruch der Versammlung teilweise das Verhalten der Kommunisten zu ensschuldigen.— Ein Schlußantrag wird abgelehnt. Polenski bestätigt die Angaben Brokats über das widerspruchsvolle und schwankende Verhalten Weyls. Außer- halb der Rednerliste erhält dos Wort Polizeipräsident Genosse Richter: Mein Amt verhindert mich, manches zu sagen, was meine Aus- führungcn noch überzeugender gestalten würde. Für die Kommu, nssten gilt der Satz: Wer andauernd mit dem Feuer spielt, darf nicht klagen, wenn er sich die Finger verbrennt. Die Polizeibeamten, die oft genug in der gefährlichsten Weise ihr Leben einsetzen müssen, haben anch ihrerseits Anspruch auf Schutz. Die Siegessäulenattentäter z. B. hatten in der einen Hosen« tasche den Ausweis der KAPD., in der anderen den geladenen Revolver. Ich habe der Gewerkschaftskommission die diesen Leuten abgen»m- menen Waffen vorgelegt. Sie haben sich durch Betasten überzeugen können, daß diese Revolver kein Humbug, sondern— scharf geladen waren!(hört, Hort!) Sült ist nicht von einem Beamten der Schutzpolizei, sondern von einem Kriminalbeamten ange- schössen worden. Wer meint, daß aus dem Polizeipräsidium nie- mand entfliehen könne, der kennt dos Gebäude nicht.(Zuruf: Die Behandlung der Kommission!) Mit der Kommission habe ich volle vier Stunden lang verhandelt. Auch der unabhängige Rechtsanwalt Weinberg, der anfänglich immer von Mord sprach,' hat später nur noch von einem bedauerlichen Vorfall gesprochen. Absolut sichere Maßnahmen, Fluchtversuch« im voraus zu vereiteln, gibt es nicht.(Zuruf: Fesseln!) Das Geschrei möchte ich hören, wenn ein Kommunist qesesselr vorgeführt wird! Ich Hab« aber an- geordnet, daß Transporte politisch bekannter Personen künftig nur durch mehrere Beamte erfolgen. Das ist noch das beste Vorbeugungsmillel.(Zustimmung.) Beim Elekttizitätsarbeiterstreik im vorigen Jahre habe ich Sült nicht verhaftet, obwohl es dringend gefordert wurde, weil das den halb abgewirtschafteten Führer nur rehabilitiert hätte. Auch jetzt hatte ick aus gleichen Gründen bereits angeordnet, daß er sofort dem Staatsanwalt vorgeführt werde. Da kam jener traurige Zwischenfall, der mir persönlich sehr nahegegangen ist. Aber auch der beschuldigte Beamte hat das Recht auf g e r e g e l- tes gerichtliches Perfahre». Ich habe den Eindruck, daß jetzt einige Unabhängige und auch Leute von uns, die bisher gegen das kommunistische Treiben aufgetreten sind, Angst vor der eigenen Eourage bekommen hoben,(heitere Zustimmung.) Einer der Kommunisten, die bei mir waren, hat gesagt, daß die Moskauer Parolen für die deutschen Arbeiter unousführb« wären, weil diese keine Analphabeten sind. Mit den jetzigen Führern werde die DKPD. scharf abrechnen. Diese Leute, die die Abrechnung fürchten, klammern sich an den Fall Süll. Zeigen Sie, daß Sie erst recht keine politischen Analphabeten sind!(Lebhafter Beifall.)— Ein Schlußantrag wird jetzt ange- nommen. Persönlich erklärt Kutlner, daß er dadurch verhind«�' sei, die gegen den„Vorwärts" gerichteten Angriffe zu widerleg«».' — Diese Angelegenheit wird darauf der Preßkommission über- wiesen. Mit allen gegen eine Stimme gelangt folgende Resolution des Bezirksvorstandes zur Annahme: Die Funktionäre und Betriebsvertrauensleute der SPD. Groß- Berlins billigen dos vorgehen der preußischen Regierung gegen die Putschversuche und Gewalttaten kommunistischer Verbrecherbanden. Die Ärbeiterschast weist jede Solidarität mit diesen Banden weit von sich, da deren Handlungen nur eine weitere Erstarkung der Reaktion zur Folge haben können. Die Konserenz ist durchaus damit einverstanden, daß die Schuldigen an den Mord-, Raub- und Sprenaattentoten einer ge- rechten Bestrafung zugeftihrt werden. Dafür erscheinen die ver- ordneten Sondergerichte aber als durchaus ungeeignet Es muß verlangt werden, daß gerade die Prozesse aus Anlaß des kommu- nistifchen Putsche- unter Wahrung oller Rechksgarantien für die Angeklagten vor den ordentlichen Gerichten stattsinden. Die Konferenz bedauert die Erschießung des Kommunisten Sült, weil ss« vo» den Kommunisten ohne Rücksicht auf die Schuld» frage als neues Agitationsmittel zur Anfachung ihrer Putsch- agitotion benutzt wird. Sie erwartet restlose Aufktärung dieses Falles und fordert vejeitigung des Erlasses, der das Schießen aus fliehende Gefangene anordnet. Die Konserenz lehnt es ober ab, in das Mordgeschrei der Kommunisten einzustimmen, die seit Wochen selbst nur zu Mord und Gervail ausgesorderl und dadurch den Tod Sülls selbst verschuldet haben und aus deren Haupt der Tod vieler braver Arbeiter kommt. Den lediglich kommunistischen Partei zwecken dienenden Demonstrationsstreik anläßlich der Beerdigung Sülts lehnt die Konferenz ab. Nach einem kurzen Schlußwort des Genossen Krüger wurde die Versammlung mit einem donnernden hoch auf die Sozialdemokratte geschlossen._ pfer ües Wahnsinns. Magdbarg, 5. April.(WTV.) Die Meldestelle de» vbeePrilst- denten teilt mit: Aus der ganzen Provinz keine besonderen Nach- richten. Die Streifen dauern fort, und versprengte Aufruhrführer werden immer noch festgenommen. Die Ausnahmegerichte haben ihre Tätigkeit aufgenommen. Der Rücktransport der Reichswehr in ihre Garnisonen hat begonnen. Die Verluste der Schutzpolizei während der Aufruhrbewegung sind folgende: ZZ Toke, 57 Verwundete und 1 Vermißter. Neuwahlen in Cuglanö! London. 5. April.(WTB.) Der Varlamenksberichterstaller der.Times" bestätigt, daß die Ansicht aufkommt, im Falle eine» Streik» des Arbelterdreibunde» werde Lloyd George mit Neuwahlen antworten. Herr Lloyd George, dessen unermiidlicke Helferdienste für die französiscken Haßpoliltter, ans Kosten der Alliierten selbst, immer klarere Würdigung in England finden, bat'ckou niebrtack große Sammlung?reden gegen den englisch?».Bolschewismus" gehalten. Der Kongreß der JLP. hat ihm durch leine Absage an Moskau da» Konzept verderben; jetzt seil ein Sympathiestreik der Eisenbahner und Transporter für die gegen Lehnreduklien kämpkenden Berg- arbeiter die erschreckten Aehlhasen Herrn Lletzd George in di« Küche treiben. « Die Renwahl dar italienischen Kammer soll am IS. Mai stattAnden. OsVerMaftsbewegung Die Setriebsrätewahlen im Ruhrrevier. Schwere Niederlage der Kommunisten. Auf der bei der Stadt Essen gelegenen Zeche Sälzer N e u ck fand am 81. März d. I. die Betriebsrätewahl statt. Die „kommunistischen Unionisten' entfalteien eilte skrupel- lose, wütende Agitation gegen den Bergarbeiter verband. Der blutige Ostermontag in Essen wurde zur Aufpeitschung der Belegschaft weidlich ausgenutzt. Bei früheren Gelegenheiten.zog� derartiges. Diesmal kam es ander?. Von den 22äg Wahlberechtigten beteiligten sich 2182 an der Wahl. Die Beteiligung war also außerordentlich stark. Von den Stimmen erhielt der Vcrgarbellerverbaod 1354, der Gewerkverein 554, die kommunistische Li sie nur 248. Demnach bekommt der Bergarbeiterverband 6 Vertreter und 2 Ersatzleute in den Betriebsrat, der Gewerk- verein 2, die kommunistische Union nur 1 Vertreter. Nach der Meldung einer bürgerlichen Korrespondenz liegen bisher die Resultat« von den Betriebsrätewahlen auf 66 Schacht- anlagen des RuhrrevierS bor. ES wurden danach 79 494 Stimmen abgegeben und 696 Betriebsräte gewählt. Die Liste der freien Gewerkickmften marschiert mit 377 Betriebsräten an erster Stelle- Den freien Gewerkschaften folgt die im Westen besonders stark der- treten« Freie Arbeiterunion mit 135 Mandaten. Die Christlichen zählen 168. die Syndikalisten 31, die Polnische Berufsvereinigung 23, die vereinigten Kommunisten— 14 und die Hirsche 2 Betriebsräte. 14 kommunistische Betriebsräte auf 66 Schacht« anlagen des RuhrrevierS! DaS wird die Stellung der BKPD. gegenüber den Syndikalisten und Unionisten in der Mos- kauer Internationale sicher nicht erleichtern. Schutzpolizei und Wirtschaftskämpfe. Der Streit der Handelshilfsarbeiter dauert unvermindert an. Obgleich immer mehr Firmen eine Verständigung ermöglichen, ver» treten die großen Waren- und Kaufhäuser die Ansicht, den Schieds- spruch des Schlichtungsausschusses als unannehmbar bezeichnen zu müssen. Der Stand der Bewegung ist gut, weil von direkten Arbeitswilligen(Streikbrechern) eigentlich nicht gesprochen werden kann. Anders sieht es allerdings mit der indirekten Streik- brecherarbsit aus. In einer Anzahl Häuser scheinen leider nicht wenige kaufmännische Angestellte kein Verständnis für Solidarität und Proletarierehre zu haben. Sie scheuen sich nicht. die Treppe und Aborte zu polieren, die Verkaufsräume zu reinigen und Nochtwächterdienste zu verrichten, und sie betätigen sich �als Schützlinge der Arb aber auch Betriebe vo als mustergültig, sogar Zentralstreikleiwng appelliert deshalb noch einmal an das Selbst bewußtsein der Angestellten und erwartet, daß dieser Appell nicht ohne Wirkung bleiben wird. Sie ist daoon überzeugt, daß dann, wenn die Abweisung von Arbeiten der Handelshllfsarbeiter erfolgt, der Kampf sehr bald zugunsten der Streitenden beigelegt wird. Die Zsntralstreikleitung tellt uns mit, daß sie bereits wieder- holt beim Kommandeur der Schupo Beschwerde dagegen gefuhrt hat, daß seine Beamten zum Nachteil der Streikenden in diesen reinen Wirtschaftskampf eingegriffen haben. W» haben bereits in früheren Fällen Gelegenheit nehmen müssen, die zuständigen Stellen auf diese komische Dienstauffassung einzelner untargeordneter Organe der Schupo aufmerksam zu machen. Wie der Streikleitung der Handelshllfsarbeiter, so ist auch uns von den maßgeblichen Stellen der Schupo immer wieder feierlichst erklart worden, daß solche Uebergriffe nicht geduldet und die schul- digen Beainten zur Rechenschaft gezogen werden würden. W i r haben jetzt diese Versprechungen satt! Wir ver- langen nochmals mit aller Entschiedenheit, daß die Leiter der Schupo ihren Willen nicht nur uns, sondern auch den Offizieren, insbesondere den Reviervor st ehern, kundtun und alles doranfstzen, um seine Befolgung zu sichern. Solange das nicht ge- ton wird, wird die Leitung der Schutzpolizei nicht oerhindern können, daß die Sympathien der Arbeiterschaft zu dieser Institution immer mehr schwinden und gewisse Leute Erfolge haben, die den Arbeitern zurufen: Die Schupo ist die Schutzgarde des Kapitals und der Streitbrecher! Immer konsequent. Die kommunistische Oiisverwaltung der Berliner Zahlstelle des Buchbinderverbandes hol sich wieder mal ein Glanzstück„proletan- scber Denkweiie" geleistet. Sie, die beim Tode de» iein Leben lang für die Rechie der gesamten Arbeiterschaft in aufopferungsvollster Weiie kämpfenden Genossen L e g i e n beschloß, sich n i ch t an der Beerdigung zu beteiligen, hat jetzt anläßlich des Todes Slllt« den Beschluß gefaßt, am Tage seiner Beerdigung nicht bloß da? Bureau zu schließen, sondern auch die Arbeitslosen zu verpflichten, ssch an der Beerdigung zu beteiligen. Die Akren über die Schuld an dem Tode Sülts sind ja noch nicht geschlossen. Das eine aber steht schon unzweifelhaft fest, daß der Verstorbene— selbst wenn man ibm die besten Motive für sein Handeln unterstellt— dem Befreiungskampfe des Proletariats weit mehr geschadet als genützt hat. Wir haben daher auch keine Veranlassung, die Beerdigung Sülis zu einer kommunistischen Demonstrarion zu gestalten und die Moskauer Draht- zieher in ihrem dunklen Treiben zu unterstützen. Daher ersuchen wir unsere Mitglieder, sich an den Beschluß der Orrsverwaltung nicht zu kehren._ Der Aktionsausschuß. Der Streik der Möbeltransportarbeiter. In einer überaus starkbesuchten Versammlung nahmen die Streikenden den Bericht der Streitleitung über die B e r h a n d- lung vor dem Demobiimachungskommissar ent- gegen. i Mit Entrüstung lehnte die Versammlung dos Ansinnen der Arbeitgeber, die Arbeit aufzunehmen und dann nach 3 bis 4 Tagen zu verhandeln, ab und verwahrte sich gegen den Vorwurf, Tarifbruch begangen zu haben. Lediglich das Verhalten der Herren Möbelspedsteure vor und während der vor« aufgegangenen Verhandlungen, sowie die deutlich erkennbare Ab- ficht, die Verhandlimgen bis vielleicht Mitte April in die Länge zu ziehen, hat dazu beigetragen, daß die Situation diese Schärf« an- genommen hat. Allen Redekünsten und Berdrehungsversuchen der Arbeitgeber wird es nicht gelingen, diesen reinen Wirtfchaftskampf zu einem politischen umzustempeln. Der Umstand, daß in anderen Städten Deutschlands die Möbeltransportarbester ebenfalls in den Ausstand getreten sind, berechtigt keinesfalls zu dieser An- nähme. Die Berliner Lohnbewegung der Möbeltransportarbeiter wird unabhängig von denen der anderen Städte geführt. Von allen Diskussionsrednern wurde der Streikleitung das vollste Vertrauen ausgesprochen und wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Streitenden voller Zuversicht und gewillt sind, den Kampf geschlossen weiterzuführen. Die Kollegen, Kutscher und Arbeiter anderer Branchen werden werter um strenge Solidarität gebeten._ Vom Streik der Schallplattenarbeiter. Die streikenden Arbeiter der Groß- Berliner Schallplatten- industrie hörten Dienstag den SitualionSbericht, den Rücker vom Fabrikarbeiterverband gab. ES haben vespreckrnugen mit Herrn E i§ n e r, einem Vertreter der Schallplattenindustrie, stattgefunden. Es schien, als sollten diese Verhandlungen den Abschluß eines den Arbeitnehmern genehmen Tarifvertrages vorbereiten, der ob- s e i t s vom Vertrage für die chemische Industrie und von den Abmachungen für die Metallindustrie getätigt werden sollte. Alle Borbereitungen in dieser Richtung wurden getroffen und man darrte der Erfüllung der Herrn EiSner über- tragen«» und von ihm übernommenen Aufgabe, alle beteiligten Unternehmer zu den Verhandlungen heranzuzieben. Die Antwort besagte aber, daß die Unternehmer erst dann über Lobnerböhungen verhandeln wollen, wenn die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen worden ist. Die Ablehnung dieser Forderung wurde für selbstverständlich erllärt. Als Antwort darauf wird die Ortsverwaltung deS Fabrikarbeiterverbandes zu der Streikunterstützung 60 M. extra aus lokalen Mitteln zusteuern. Allgemein verlangt wurde, daß von den ursprünglichen Forderungen' nicht« nachgelassen wird. Eine in diesem Sinn abgefaßte Resolution fand einstimmige Annahme. Terror! Terror! Wie oft und bei welch absonderlichen Gelegenheiten Hort man doch diesen Ruf aus dem Munde des Bürgertums und der auf seinem Boden stehenden Gewerkschaften. Der„Textil-Arbeiter" ver- öffentlichte dieser Tage dieses Schreiben: „Herrn Hans Hermann, Marktredwitz. Wertes Mitglied! ~" l vom Zu aft bei dem Katholischen Männer- In Ausführung eines Beschlusses der Ausschußsitzung ' daß Sie laut Statut i dem Katholischen Mä l. Um alle Zweifel fr Zukunft zu beseitigen, sehen wir uns veranlaßt, Sie aus unserer 3. Februar 1921 teilst wir Ihnen mit, Abs. 1-3 die Mitgliedscho und Arbeiterverein verwirkt haben. Um alle Zweifel für die uns veranlaßt, Sie aus unserer tgliederllste zu streichen, sofern Sie es nicht vorziehen sollten, innerhalb 4 Wochen aus der freien Ge. wsrkschaft auszutreten. Nach Ablauf dieser Frist ist der Ausschluß mit allen seinen Folgen perfekt. Laut Beschluß der letzten Generalversammlung wird Mt» gliedern der freien Gewerkschaft im Todesfalle das Ehrengeleit« mit der Vsreinsfahne ohne Rücksicht auf die Dauer der Mitglied- schast versagt. Marktredroitz, den 13. Februar 1921. Der Ausschuß. Stempel: Kothol. Männer- und Arbesterverein Marktredwitz. Wie nennen die Brüder in Christo solche Handlungeweise? Terror sicher nicht Mit.christliche Liebe" werden sie es auch nicht bezeichnen. Vielleicht heißen sie es dann—Nötigung. Der stand von jetzt wieder ZdA. Groß-Berlin in einer Streitsache einer igestMen der Stäatsschuldswerwaltung angerufen. Trotz wieder- holler Mahnungen um Ansetzung eines Termins in diesem Streit, fall, unter Hinweis auf die Notlage der Beschwerdeführerin, er» folgte nichts._ Auf Beschwerde— Anfang )el und Gewerbe mit, daß nunmehr s ch l e u- Beschwerdeführerin, Februar—- tellte das inisterium für Hände'''.. »igst ein Termin anberaumt würde. Geschehen fft aber absolut nichts. Jetzt ist der Bezirksschlichtungsausschuß der Mühe enthoben, in dieser Angelegenheit tätig zu sein,— da die Beschwerdeführerin am 26. März verstorben fft. Streik der Transportarbeiter in Frankfurt a. M. Die Handelsarbeiter und die Arbeiter im TranSportgewerba Frankfurts sind am Sonnabend wegen Lohndifferenzen in den Ausstand getreten. Beteiligt sind 7—8000 Personen. Montag fanden Einigungsverhandlungen statt Die Handelsarbeiter sollen einen Lohnzuschlag von 5 Proz. erhalten. Für die Schwer« arbeiter soll ein von beiden Teilen früher abgelehnter Vergleichs« Vorschlag de« SchlichtungsauSichusieS wiederhergestellt werden. Die Streiktage sollen nicht bezahlt werden. Die Parteien haben sich bis zum Donnerstag zu erklären. Passive Resistenz hat der Verband der kaufmännischen Gruben. beamten im Ruhr reo ier für den Fall angekündigt, daß der Zechenverband die vorgenommene Gehalts Verminderung nicht rückgängig macht. Im linksrheinischen Sohlengeblei sind alle Belegschaften wieder eingefahren, so daß auch hier der Ausstand als erloschen betrachtet werden kann. Vom englischen vergarbeilerstreik liegen keine Nachrichten vor, die wesentlich Neues entholten. richten, daß sich 98 Proz. Streik ausgesprochen haben. Nach Meldungen der Telunstrn wird die F a ch v e r e i n i gu ng der Schiffahrtsindustri« in die Aktion des Dreiverbandes der Arbester eintreten, wenn nicht sofort Unterhandlungen mst den Bergarbestern aufgenommen werden. Die Admiralität soll allen Urlaub zurückgezogen, vorläufig aber noch kern Flottenpersonal in die Kohlengruben gesandt haben. Ver mexikanische Elsenbahnerslreik hat nach der F P. nun auch Kosten an Sachgütern und Menschenleben verursacht. Auf der Strecke Monterey— San Louis Polosi wurden mehrere Brücken ge- sprengt und die Bahndämme an verschiedenen Stellen zerstört; auch im übrigen Lande sind eine Anzahl Sabotageakte vorgekommen. Verschiedentlich kam eS zwischen den Streikenden und den die Züge begleitenden Truppen zu Zusammenstößen. In einem Falle wurden bei solcher Gelegenheit fünfzehn Streikende standrecht« lich erschossen. Trotz der Erklärung des Präsidenten der Republik Obregon, daß der Streik lediglich Wirtschaft- lichen Charakter trage, scheint es sich um eine politische Be- wegung zu handeln, von den Radikalen entfacht, mst dem Ziel, die Obregon-Regicrung zu stürzen. hr Bmnchsmiersaimn- Helm-Str. St. lmig der Dch«ßarbeit»r irr den Muflker�Zälcü,«aiser.ZWirita.Str. 8L zc-tral-eid-nd 6« Augeftellteir. Mittwoch Mitalied-rriorlaimnlunsen. Shirurgto-Mech-mil: 7% Uhr SooPcn-SSIc, Sovhienstr. 17/18.— Rechtsanwalt- fmreau«; TVj Uhr im Enzlischsn Hof, Woxanderstr. S7o.— So«i>it!on: 7 Uhr Der„Daily Herald" weiß zu be- der Eisenbahner für den M«''-' ie, Paststr.< tag 7 Uhr bei Witte, Postftr. 29, Vertrauensmänner., Betriebsräte. leuteverlammlung. Deutscher Hütarbeiteiwerband. (Taal»), Bersammlmig der Betriebsrh.. WWW W Deutscher Werkmeisteroerband, Charlottenburg l. Freitag» Uhr Mitgliedern Versammlung mit Samen in den Habenzollern-Talen, Berliner Str. 105. Wahl der Sertiouensleute aller Betriebe für die Fachgruppen. Freitag S'b US Träte aller Äranck ir im ut. Scwerkschostshau» Briefkasten der Redaktion. Schriftliche Auskunft wird nicht erteilt. 8. SB. 62. Sie Adresse ist uns nicht bekannt; wenden Sie ssch VN feine» Berleger Rascher k Sie., A.-G., Zürich. Derantw. für de» redalt. Teil: Dr. Werner Beifer, Charlottenburg: sur->'Jemen: SS. Glocke. Berlin. Vertag: VorwärtS-Veriag G.m.b.H., Berlin. Driia Vor- «rlagsanstalt Paul Singer n. Co.. Serlin. tzuldr'tilr. S. Hier,» 1 Beilage. würts-Buchdruckerei n. Verl, SeMklWMdelimelliM vemsltungbitelle Sek«» X kl. 5Y. cinienitk. 83-35 Geschäftszeit von vorm. 9 Uhr bis nachm.« Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1ZZ». 1987. 9714. MM! fülMtk! WMg! via für heule abend angefetzien 130/10 WrlMMgMSMM'MsMllW finden wie gewöhnlich stall. Sie Oclsaecnalfnag. ZMM ki öliWnim und WierveMM Heraus tat» prolest gegen Keattion u-polizetwillkür! Wir beteiligen uns an dem Begräbnis des ermordeten Scnoffen Slllt. Alle Kollegen und Kolleginnen, welche an diesem Tage feiern, sowie alle Arbeitslosen find verpflichtet, an btescr Protest iundgebuna teilzunehmen. Treffpunkt: 11 Uhr. Bülow.Waft(Hauptvortäl der Volksbühne). Der Sammelpunkt ifl durch Plakat„Graphisches Gewerbe, Verband der Buch. bind«" gekennzeichnet. Das Bureau ist von II Uhr ab geschloffen. 43/9 SU Ottsoerwal tu ng. !Zlnvelen,JrMsnten! |3i ins zu den größten Objekten Platin», Golds, Silber»sechen ■ bis 140,— � bis 40,- bis 1,80 ■ Zahngebisse, auch zerbrochene, bis.oo\— Brennspitzen DW kauft PH Edelmetallgroßhandlung: Ii HEmmüHTmpp Am Spitlelrr.am— BeutlistratSe 10— Laden Stren» reelle eedienune— üeschäftszeit 9—6 Dr. med. Meyenberg n. Dr. Bitter Q.m. b. H. Haut-, Haro-, Frauenleiden. Blutuntersuchung. Salvarsan. Neuartige vollkommene Behandlung nach 14 ert. D.-R.-Palent. 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