tlMTg ♦ 38. Jahrgang Ausgabe K Nr. SS Bezugspreis» «ikrtkI,Shri.M.-M.. m»natl.l0.-M. «rei m» Hau», voraus zahtdar. Post. MäUst: Monatlich 10- M.,«inschl.gu. »'llungsgebUlir. Unter Sreujbanbflit Jeutichlanb, Dan, ig, das Saar- und Memelgebiet,>o>v>e die ehemal» deut» ichen Gebiete Pole»«. Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M.. tllr oas übrige Ausland 27.— 3)1. Post. deitellnngen nehmen an Oesterreich, Ungarn Tlchecho-Slowatei, Däne- wort. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts� mit der Sonntag«- deilage„Voll und Zeist', der Unter» haltungsdeilage„Heimwelr" und de« Beilage„Siedlung und Kleingarten� erschein! wochentäglich zweimal, Somi- tag» und Wonlag» einmal. Telegramm- Adresse: «Sozialdemotrol Seena* Abend Ausgabe Bcrlmcn Volksblstt ( 20 Pfennig) AnzctaenvretS» Ste«chtgelpalien» 3ionvare!llezet>e koste! bcho W„Utntn» Unzotgea* das'etlgedruekte Wort ist,» dK(zu. liiistg zwei iettgedruekte Worte, ,ede« weiter,«or, l.- W Siellengetuche und Schlaiftellenanzeigen da» erste Wort M. tedee wettere Kort 60 Ptg Won, übet 15«uchsiaben zählen ritr zwei Won» isatmlien-An- zeigen tür Abonnenten steile DL Die Prelle»erstehen Kch einschließlich Teuerungsi.nlchlaa Anzeigen tür die nächste Stummer ■nllsten dt«» Uhr nachmittag, t» dauvtgeschäst. Perlin SW«in Lniden- itrahe S. abgegeben werden»eoffnet von 9 Uhr trüh di» 5 Uhr abend». �entrawrgan äey fosialciemokratifcken Partei Veutfcklancls deöaktion unü Cxpeüition: SW SS, Linöenstr. Z Aernsprccher: Zlmt Mortstplast. Nr. lSISV— ISIS? Sonnabend, den Iii. April 1921 Hrianö verteilt(vbersthlesien. Parks. IS. April.(WTB.) Im Kammerausschuß erklärte Irland, daß ihm von einer Ueberflieguna Oberschlcsiens durch °men Zeppelin nichts bekannt sei. Er wurde jedoch durch diese An- l-age oeranlaßt, sich über die Folgen der Volksabstimmung in Ober- schleflen auszusprechen. Der Vertrag von Versailles wie auch der ürnn Ausdruck gekommene Wille der Bevölkerung gebe das "iecht, eine Teilung des Abstimmnngsgebieke» vorzunehmen, und zwar in der Art, daß man Polen die Trüben und die industriellen Bezirke zuteile und Deutschland die landwirtschaftliche Zone. Bezüglich der neuen Vorschläge, die Deutschland vor dem 1. Mai machen könnte, erklärte Briand, daß aller Wahrscheinlichkeit nach dieses Angebot sich in der Hauptsache auf Arbeitskräfte und Ma- terialien beziehen würde. Er gab zu verstehen, daß diese Art der Reparation g ü n st i g aufgenommen werden könnte, jedoch unter der Voraussetzung, daß die deutsche Regierung einen genaueren Plan zur Zusammenarbeit vorlege, als dies in Spa geschehen sei. Nach der Ausschuhsitzung erklärte Briand: Meine Zusammen- kunft mit dem Ausschuß hat dazu gedient, unsere auswärtige Lage zu entwickeln. Ich habe so klar wie möglich Auskunft gegeben, aber nur In dem Maße, wie meine Rolle als Unterhändler mir das gestattet. Auf die Frage, was er mit den Ausdrücken„die Hand an den Kragen legen" oder„einen Gendarm zu entsenden, der den Gerichtsvollzieber begleitet" gemeint habe, antwortete Briand nach dem„Matin", er wolle die Stärke seiner Ausdrücke nicht vermindern. Cr habe zu vetftehen geben wollen, daß es sein fester Wille sei, neue Zwangsmaßnahmen anzuwenden, falls Deutschland dabei verharren sollte, sich der Ausführung seiner Derpslichtungen zu entziehen. Auf die drei Beratungen des gestrigen Tages zurückkomikiend, erklärte Briand, falls die deutsche Regierung sich weiter ihren Derpslichtungen entziehen würde, seien alle erforderlichen Maßnahmen ins Auge ge- faßi worden. Llond George habe im Unterhaus nicht anders sprechen können, denn ein Abkommen über die Zwangsmaßnahmen hätte noch nicht getroffen werden können, da ja Frankreich selbst noch nichts bestimmt habe. Briand erklärte welter, daß er keine Vermittler annehme, er wolle von den offiziellen Vertretern Deutschlands direkt Vorschläge hören. Aber er werde nicht oerhandeln und loste nicht einmal den Grundsatz einer Verhandlung zu, wenn die Vor- schläge nicht durch Pfänder und GaranNen belegt würden. Uebcr Oberschlesien kündigte Ministerpräsident Briand an. daß die Grenzkestsetzuna. die nur den polnischen Freunden günstig fein könne, weil ste dem Friedensvertrag von Versailles entspreche, demnächst stattfinden werde. Herr Le R ond sagte einem Pariser Ausfrager, die Festsetzung der Grenzen in Oberschlesien werde gar keine Schwierigkeiten machen, sie werde ebenso erfolgen wie in Mitteleuropa.(Nach dem glänzen- den Erfolg der Ententepolitik in Mitteleuropa für das Völterwohl ist sie ja auch wirklich mustergültig! Red.) Der oberschlesische Belagerungszustand ist aufgehoben. Schnapphahn kräht. Während stch Foch und Weygand den Kopf zerbrechen, wieviel Soldaten man zur Eroberung des Ruhrgebiets brauche, will der „Matin" die Auskunft erhalten haben, daß die Zustimmung Deutsch- lands zum Abkommen von Poris, das verfallen sei, nicht mehr ge- nügen werde. Die einzige Befriedigung, die neue Zwangsmaß- nahmen verhindern känne, sei, daß Deutschland, nachdem es die eine Milliarde Gold, die es besitze(Reichsbank!), hergegeben habe, für die elf anderen fehlenden Milliarden Zahlungen in Waren, in Gold oder in Industriebeteiligungen, sowie eine ernste Garantie, wie z. V. die Kontrolle über sämtliche Zolleinnahmen, anbiete. Ge- schehe dies nicht, dann würden die Alliierten handeln. Marcel Hutin erklärt im„Echo de Paris", daß aus der gestrigen Besprechung im Elyse« offenbor hervorgeh«, daß man sich nicht begnügen werde, das Kohlengebiet der Ruhr zu besetzen, sondern daß die Besetzung sich wenigstens zum Tell auf has weiter« In du st riegebiet von Westsalen ausdehnen solle.— Loucheur plant große Steuern im besetzten Gebiet und eine Taxierung der Kohlen- und Industricprodukte, die aus dem besetzten Gebiet herausgingen, deren Ertrag auf dreieinhalb Milliarden Gold- mark geschätzt werde._ Tschechoslowakei unö Sanktionen. Prag, 16. April.(WIB.) Der Abqeordnekenhausausschuß fflt auswärtige Anaeleaenheiten hat einstimmig einen Antrag angenommen.' wonach die Frage der Beteiligung der T'chechoslowokei an den„Sanktionen" aeqcn Deuischland nur aus Verfassung». mäßigem Wege oclöst werden könne. Wie wir zu wissen glauben, hatte die Prager Regierung Eni. scheidung ohne Parlament im Sinn. ZShz zur Reparationsfrage. Sarlsruhe. 16. April.(WTB.) In einer von der Sozialdemo. kratischen Partei Karlsruhe einberufenen Versammlung sprach gestern abend Reichstagsprösident L ö b e. Er führte u. a. aus: Die Unmöglichkeit der Erfüllung der Ententeforderungen leuchtet in unserem Lande einem jeden, möge er rechts oder links stehen, ein. Auch den vernünftigeren unserer Gegner dämmert schon Aehnliches. Wenn Briand in diesen Tagen an neue Zwangs- maßnahmen zum 1. Mai gedacht hat, so kann er wohl das Aufblühen unsere» Lande» verhindern, aber sicher ist, daß dabei Frankreich aus keinen grünen Zweig kommt. Die Entente ist imstande, unsere Wirt- schaft vollständig zu ruinieren, auf die Gefahr hin, daß sie ihre Wirt- schaft mitruiniert, wie di« Anzeichen, die sich in Frankreich und Eng- land bereits bemerkbar machen, beweisen. Wir können das Geld nicht geben, das man von uns verlangt: wir können den Schuld» schein nicht unterschreiben, den man uns vorhätt. Mr werden den Weg gehen müssen, der in Amsterdam vor einigen Wochen vorgeschlagen worden ist von der französischen, englischen, belgischen und deutschen Sozialdemokratie. Praktische Mit- arbeit am Mederousbau und Sachleistungen wollen wir geben. Biel- leicht kann auch ein Teil der französischen und der englischen Schuld an Amerika auf uns übertragen werden» die dann von uns v e r z i n st werden muh. Es gibt keine andere Möglichkeit der Abtragung unserer Schuld als dies«. Auch darf unser Land nicht weiter geschwächt werden durch die A b.t r e n- nung oberschlesischer Erdschätze. Wir werden die Be- mühungen des amerikanischen Präsidenten Harding unter» stützen, daß Streitigkeiten der Völker schiedsgerichtlich ge- löst werden. Die EntMilitarisierung, die man un» aufgs- zwungen hat, muß auch in unseren Nachbarländern eintreten. Das Spiel geht weiter. Während die Wilhelmstrahe auf ihrem Stillschweigen über die außenpolitische Lage und die Absichten der Reichsregierung gegen- über der deutschen Oesfentlichkett beharrt und aus unsere gestrigen Mahnungen durch einen hochoffiziösen zugeknöpften Artikel der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" antworten läßt, geht das Spiel weiter: Der Berliner Korrespondent der„United Preß os Amerika" will von„offiziös absolut autoritativer Seite" erfahren haben, daß Deutschland mit Amerika über ein Arrangement verhandeln will, durch das Deutschland die Ententeschulden an Amerika zum Teil übernehmen und verzinsen würde, als Teil der Wiedergutmachung. Uebcr New Park und Paris erfährt nun auch di« deutsche Presse von diesem Vorhaben der Reichsregierung. Ein Mittagsblatt fügt hinzu, daß die bereits erörterte„Vermittlung" einer neu- traten Macht lediglich in einer postalischen Ueber- s e n d u n g bestanden Hai. Dieser Gedanke der Uebernahme bzw. Verzinsung eines Teils der alliierten Milliardenschuld an Amerika durch Deutschland ist nicht neu und auch die Amsterdamer Konferenz der 2. Internationale hat sich mit ihm befaßt. Ob er Aussicht auf Verwirklichung hat, ist aller- dings aus verschiedenen Gründen nicht ganz sicher. Wir wünschen indessen Dr. Simons zu seinen dahingehenden Schritten besten Er- folg, zugleich stellen wir aber wiederum fest, auf welche skanda. löse Art das deutsche Volk von diesen Dingen erfährt. holz in Dedin verhaftet. Berlin, 16. April..(WTB.) Max hölz au, dem vogilande, der geistige Urheber der diesjährigen Märzunruhen, Führer der Holen Armee in Mitteldeutschland, der auch unter dem dringenden Verdacht sieht, die Berliner Attentate veranlaßt zu haben. ist in der vergangenen Rächt im Westen Berlins von Beamten der Abteilung l- des Polizeipräsidiums verlin verhastet und nach dem Polizeipräsidium gebracht worden. Zu der Verhaftung erfahren wir folgende Einzelheiten: Hölz hatte sich seinen Bart abnehmen lassen und trug kurzgeschnittenes Haar. Gestern spät abends beobachteten Beamte der Abtei- lung la des Berliner Polizeipräsidium» am Ranteplatz in Char- lottenburg einen Mann, der ein« entfernte Aehnlichkeit mit Hölz hatte und ein dort befindliches Cafe besuchte. Hölz befand sich in Begleitung eines anderen Mannes. Als die beiden kurz nach 11 Uhr das Kaffeehaus verlassen wollten, traten die Beamten auf die Männer zu und nahmen die beiden fest. Sie nahmen Hölz bei- feite und fragten ihn, wererwäre. Er erwiderte, dos müßten sie ebenso gut wissen, wie er selbst. Sie brauchten so nur im Fahndungsblatt nachzusehen. Darauf sagten sie ihm auf den Kopf zu, daß er M a x H ö l z wäre, was er dann auch zugab. Sein Begleiter war ein Tischler Röhl, mit dem Hölz während seines Aufenthaltes in Berlin verkehrte. Die Verhafteten wurden mit einem Auto nach dem Polizeipräsidium gebracht. Zur weiteren Aufklärung ist es dringend notwendig, daß sich sofort diefenigen Personen, Pensions- oder Hotelinhaber bzw. deren Angestellten melden, bei denen in der letzten Zeit ein etwa 1,63 Meter großer Mann mit kahlgeschorenem Kopf, glattrasiertem Gesicht, großer runder Brille, vielleicht unter dem Namen Fritz Hannemonn gewohnt hat. Er führt« drei ganz neue Reisekoffer bei sich und war zuletzt bekleidet mit einem blauen Jackettanzug, braungrllnem Lodenmantel, bis zum Hals zugeknöpft, und grauem, weichen Hut. Für die Herbeifchafsung des Gepäcks haben die An- zeigenden Anrecht aus einen Teil der ausgesetzten Belohnung. Nach- richten werden erbeten mündlich nach Zimmer 843, telephonisch durch die Anschlüsse 800, 313, 380 des Polizeipräsidiums. Wie wir von unterrichteter öcike erfahren, wurde Hölz beretks heule morgen in Gegenwart des PolizeiprSsideaien Richier ver- nommen. Er gibt zu, Hölz zu sein, verweigert aber zurzeit nähere Angaben über seine Beteiligung an den ihm zur Last gelegten Straftaten. vorwärts-verlag G.m.b.H., SW d8. Linöenstr.Z Fernsprecher- Am, Morivpla». Nr. 11753-54 m■■■■-■■IM— L, ,U,l Nach See Kammerauflösung. OL. Rom, 10. April. Die nun aufgelöste Kanuner, die uns die Wahlen vom November 1919 beschert hatten, war so beschaffen und zu- j�uunengesetzt, daß man nicht mit ihr regieren konnte. Das ist bis zum Ueberdruß gesagt und wiederholt worden. Wenn von 608 Abgeordneten 156 der sozialistisch«», Fraktion und weitere hundert der klerikalen angehören, so kann die Regierung nur durch ständige Zugeständnisse leben. Die miizige Möglichkeit, bei dem gegebenen Stärkeverhältnis der Par.clen zu regieren, lag in einer Annäherung der Sozialisten an die Regierung. Wenn die Partei es für richtig gehaUen hatte, ihre Machtstellung in dem Sinne auszunützen, daß sie für gegebene Reformen dem Kabinett ihre Unterstützung ver» sprachen hätte, so hätte sich die Kammer als lebensfähig er- weisen können. Mit einer prinzipiellen sozialistischen Oppo- sition ließ sich nicht regieren. An dieser Situation ist das Ministerium Nitti zugrunde gegangen: aus ihr ist das Pe- dürfnts nach einem Kabinett G i o l i t t i entstanden, als dem einzigen, dem man es zutraute, selbst mit dieser Kamme? fertig zu werden. Daß aber die Kammer gerade jetzt aufgelöst wurde, wo eln Teil des Landes im Bürgerkriege steht, das ge- fchah nicht als Fazit ihrer angeborenen Lebensunfähigkeit, sondern aus politischem Opportunismus der herrschenden Klasse. Diese hat gesehen, wie unvorbereitet die proleta- rischen Massen auf die Gewaltaktion der Fasclsten waren, die unvollständig und zusammenhanglos ihr Wider- stand war. Mit einem Schlage ist die Besorgnis vor der proletarischen Gewalt, die man so oft angedroht hatte, von dem Bürgertum geniichen, das heute mit blindem Vertrauen feine Sachs in die Hände der Fascisten legt. Daher geht die herrschende Klasse mit ganz alt- d e r e m G e i st, mit ganz anderer Solidarität und ganz an- derem Selbstvertrauen in den heutigen Wahlkampf, als sie in den vom Herbst 1919 getreten war. Vor allem ist sie von einer tiefgehenden Erbitterung gegen die Arbeiterschaft erfüllt, die sich durchaus nicht allein auf die Taktik der Nadelstiche gründet, die die Ar- beiterfchaft durch die so häufige Festsetzung der öffentlichen Dienste, durch ihre an chronisch« Schikanierung grenzeiida Politik erzeugt hat. Diese Erbitterung wird zum großen Teil durch die Umwälzung der Verhältnisse ausgelöst, die der Krieg gebracht hat, namentlich durch die hohe Bewenuna der körperlichen Arbeit. Die Bourgeoisie in Italien will sich nicht mit der Tatsache abfinden, daß die Lebenshaltung der arbeitenden Klassen außerordentlich gestlegen ist. Sie sieht es als eins Unbilligkeit an, daß die geistigen Arbeiter heute schlechter ent- lohnt werden als die Handarbeiter. Anstatt den Grund für diese Erscheimmg in der allgemeinen Not zu sehen, die vor allem das zum täglichen Leben Notwendige schätzen kann und muß, und anstatt der Tatsache Rechnung zu trogen, daß der geistige Arbeiter fast immer isoliert dem Unternehmer gegen- übersteht, während die körperlichen Arbeiter die Macht Ihrer Organisation in die Wagschale werfen konnten, gibt das Bürgertum den Sozialisten die Schuld dafür, wenn vielfach die Schuldirektoren weniger Gehalt haben als die Schuldiener. die Krankenhausleiter weniger als die Krankenwärter. Dieser tiefgehende Gegensatz zwischen Bürgertum und arbeitender Masse wird bei den bevorstehenden Wahlen den Grundton abgeben, die eigentliche Triebfeder, das Wesentliche. Das andere ist Schein und Oberfläche. Die Regierung glaubt, baß sich seit November 1919 die Machtverhältnisse zuminsten des Bürgertums verschoben haben: darum sogt ste die Wahlen an, obwohl alles dafür spricht, daß es diesmal blutige Wahlen werden werden. Liest man das Programm, mit dem das Kabinett das Auflösungsbekret begleitet, so sieht sich die Sache freilich an- ders an. Das gibt als Grund der Neuwahlen die Annexion , der neuen Provinzen an und die ollgemeine Hebung der poli- i tischen Verhältnisse des Landes, die Beendigung des Krieges ! in Albanien, der bei dem letzten Wahlkamps noch andauerte, � die Lösung der Fiumesrage, die Herabsetzung des Budget- �defizits von 14 auf 4 Milliarden. Der Unruhen in verschiede- | nen Provinzen wird auch Erwähnung getan, aber nur neben- � bei, mit der Versicherung, daß die Wahlen dem Lcmde Ge- legenheit geben würden, seinen Willen zu friedlicher Arbeit | zum Ausdruck zu bringen. ! An spezifischen Zugeständnissen an die einzelnen Parteien ist die Zusicherung der Einführung des staatlichen i Examens für alle Schulen zu erwähnen, die eine viel um- � strittene Frage im Sinne der Klerikalen löst. Die Klerikale« verfügen in Italien über zahlreich« eigene Lehranstalten, die zum Teil schultechnisch sehr hoch stehen und als Musteranstalten gelten können. Diese Anstalten, die vielfach ein eigenes Patrimonium haben, rveshalb sie viel billiger sind als die j nicht konfessionellen Schulen, haben für das große Publikum den bedeutenden Nachteil, daß die in ihnen abgelegten Prü- fungen staatlich nicht anerkannt sind, weshalb die Zöglinge der klerikalen Anstalten sich als Externe in den öffentlichen Schulen examinieren lassen müssen. Diesen von den Klsrt« f taten vft beklagten Rächtest oerspricht nun die Regierung zu beseitigen, indem sie alle Schüler, auch die der Swatsanstalten, vön Kommissionen prüfen laßt die außerhalb des Lehrkörpers der Anstalt stehen. Praktisch heißt das, den Klerikalen die Dköglichkeit bieten, ihr ungeheures wirtschaftliches Uebergewicht im öffentlichen Lehrwesen des Landes zur Geltung zu bringen. Außerdem kommt das Programm den Klerikalen entgegen, indem es sich über die Frage der Ehescheidung, in der sie sehr intransigent sind, völlig ausschweigt. Natürlich fehlen auch Versprechungen demokratischen Cha- rakters nicht. Die Austeilung der Latifundien wird ver- ssirochen, die Einführung der Alters- und Krankenversicherung und auch die der Betriebskontrolle. Es ist durchaus nicht ein Ausdruck parteipolitischer Voreingenommenheit, wenn man die den Klerikalen gemachten Versprechungen schwer, die demo- kratisch angehauchten leicht nimmt. Natürlich findet der Wahlkampf im Zeichen der re- aktionören Konzentration, der„Umou sacröe' statt. Und zwar wird die Regierung als Wahlparole die Wiederherstellung des Friedens im Lande und die Stärkung der Produktion ausgeben, kurz, die Schlagworte des alten Kampfes „für Ordnung und Besitz". Daneben wird von Region zu Region ein lokales Programm ausgegeben, ohne das man die Wähler nicht aufrütteln kann. So wird man für Apulien Straßen und Brücken versprechen, für Sardinien Bekämpfung der Malaria und Regulierung der Wasserläufe, für die ober- ikülienische Großindustrie Schutzzölle, für alle Verbilligung der Sebensmittel. Allen Staatsbeamten hat man noch schnell nen Vorschuß von lW) Lire monatlich, in Erwartung neuer Aufbesserungen, bewilligt. Es ist also alles eitel Frieden, Zu- verficht und Einvernehmen. Daß kürzlich die Arbeiterkammer von Reggio Emilia verwüstet, die von P a d u a verbrannt worden ist, daß es in Padua einen Taten, in Venedig einen Toten und 16 Ver- lioundete gegeben hat, sind Kleinigkeiten, die den Gottesfrieden im Lager der Reaktion nicht stören. An diese Dinge sind wir nachgerade gewöhnt. Leider sind wir nicht nur an Gewalttat gewöhnt, sondern auch moralisch abgebrüht gegen Dinge, die viel ekelhafter sind als die Gewalttat. Berichtet nicht der„Mesiaggero" vom 8i April ohne ein Wort des Abscheus, ohne ein Wort der Selbstbesinnung von einem„kommunistisch-anarchistischen Komplott" zur Sprengung der Brücken, der Eisenbahnen, der elMrischen Zentrale der Provinz Ferrara, welches Komplott nach dem Bericht des„Mesiaggero" selbst nichts anderes ist als wie der Anschlag eines Lockspitzels, der es er- reicht hat, eine Landarbeitergewerkschaft zu ruinieren und ihre Führer ins Gefängnis zu bringen! Der Schuft, den das offiziöse Blatt als wackeren Fasciften bezeichnet, hat nicht etwa einen bestehenden Anschlag ausgekundschaftet und angezeigt, sondern er hat den Anschlag selbst in allen Details organisiert. bat unwissende, gutgläubige Landarbeiter für ihn gewonnen, Heck diesen Waffen und Sprengstoffe geliefert und sie dann an- gezeigt. Diese infame Tat, gegen die ein Dolchstich in den Rücken eine ritterliche Handlung ist. wird vom„Mesiaggero" als ein Beweis für die Schlechtigkeit der Anarchisten ange- führt. In folcbem moralisrben Milieu findet ein Kampf statt, der entscheidend sein wird für die politische Haltung Italiens auf Jahre hinaus. Man hätte dem Lande, nach allem, was es dchrchlitten hat, bessere Chancen wünschen können. Diesmal Slbt es wirklich nur ein Hüben und ein Drüben: die Reaktton, is zurücknehmen will, was sie nach dem Kriege den Massen hat zugestehen müssen, und die Massen, die ihre Errungen- schaften verteidigen. Hier liegt der Kern des heutigen Wahl- kampfes: alles andere ist Phrase. - Lahr darf nicht fehlen! Bei der gestmen Trauerfeier für die verstorben« ehemalige Kaiserin in der St. Matthäuskirche sah man »Ca. auch den Chef der Heeresleitung Genera! v. Seeckt sowie den bayerischen Ministerpräsidenten v. K a h r. Es ist ein erhebendes Schauspiel, die führenden Vertreter der deutschen Republik stets an der Spitze solcher Kundgebungen zu sehen, die unter dem Deckmantel rtin privater Veranstaltungen auf eine Demonstration gegen die Republik hinauslaufen. variete-politik. Don Hans Bauer. Vor Jahren hörte ich de» famosen Humoristen Otto Reutter ein Couplet singen, das den Refrain hatte:„Aber keiner fängt an, aber keiner fängt an." Alles Mögliche fing keiner an: An der Stammtischrunde wollte keiner damit ansangen, nach Hause zu gehen. Von zwei Eheleuten, die beide versichert waren, sing keiner mit dem Sterben, von einer Judenfamilie an der Ostsee keiner mit dem Baden an... Und dann kam auch ein Vers, in dem es von den Sozialisten hieß, daß sie wohl für Freiheit und Brüderlichkeit schwärmten und daß sie sagten: Wir teilen unser GeldI Aber keiner finge damit an, leiner fing« damit an. Ich weiß heute noch, wie endlos lange nach diesem Vers ge- klatscht wurde. Bei den anderen hatte man über die hübschen Sitüa- tiimen geschmunzelt, die Reutter zu seinem Refrain gesunden hatte, ab« hier begrüßte man die Gesinnung, den Inhalt. War dies nicht etwa eine Waffe gegen olle sozialistischen Theo- rien, die„Keiner fängt an, keiner fängt an". Wo waren sie denn, die Herren Sozialisten, die ihre Habe hingegeben und„getelll" hätten. Nein, nein: nach der Auffassung der Zuhörermehrzähl hatte « schon recht, dieser Otto Reutter. Wir tollen unser Geld, sagten die Sozialisten. Aber— haha— keiner fing damit an. Diese etwas reichlich— sagen wir milde— oberflächliche Widerlegung des Sozialismus also ward beklatscht. Wütend beklatscht. Ünd es war unbedenklich, diesen Vers zu bringen. Damals war die Sozialdemokratie noch eine Partei, der sich zuzuzählen in Bürger- kreisen geradezu als Schande galt, und der sozialistische Arbeiter war ein Mann, der es sich kaum leisten konnte, in ein Variete zu gehen. Äuf irgendwelchen beachtlichen Widerspruch stieß also Otto Reutter gewiß nicht, wenn er diese Verse brachte. Heute geschieht es zwar wjch noch, daß in Kabaretts der sozialistische Gedanke angehöhnt wfrd. Aber es geschieht doch weit seltener. Die Verhältnisse haben sich gewandelt. Dafür hat der Variete- und Kabaretthumorist, sofern « politisch wird, eine andere milchende Kuh: das Ausland. Und ha ist es nun ein für allemal ausgemacht: Wilson ist ein ErzHeuchler, Lloyd George ein Blödian, Clemenceau ein Sadist, der Pole ein Schwein, der Besatzungsneger ein Menschenfresser. Kein vernünftiger Deutscher wird sich dagegen wehren, daß die politische Satire dem Ausland häufig eins auswische. Aber der Geschmack empört sich gegen eine unsinnige Berallgemeinerung und gegen ein« ewige planvolle Ausschlachtung von wirklichen und ver- Nieintlichen Sünden des Auslandes zum höheren Ruhme eines Humoristen. , i. Zehntausende sitzen allabendlich allein in den Varietes und Kabaretts von Berlin. Gerade für die Zeitgenossen, die nicht den Levi ausgefth!offen! Im Gegensatz zu den Mühlen Gottes mahlen die Mühlen der Turtestaner äußerst geschwind und dafür umso gröber. Die Zentrale der BKPD. teilt in einem großen fettgedruckten Aufruf der„Roten Fahne" heute mit, daß sie am IS. April den früheren Vorsitzenden der Partei Paul Levi wegen groben Vertrauensbruches und schwerer Parteischädigung ausgeschlossen und ihn aufgefordert habe, sein Reichs- tagsmandat niederzulegen. Um dem Beschluß noch eine besondere Würze zu geben, fügt die Zentrale hinzu, daß mit dem Ausschluß Paul Levis ihm„nicht das Recht der Parteikritik unter- Kunden" werde. Die Zentrale anerkenne in vollem Umfange das Recht der Parteikritik vor und nach A k t i o- nen, die von der Partei geführt werden. Kritik auf dem Boden des Kampfes und dem der vollen Kampfsolidarität sei eine Lebensnotwendigkeit für die Partei und revolutionäre Pflicht____ Diese schönen Theorien lesen sich besonders angenehm in dem Augenblick, wo die„politischen Kindsköpfe" ihren mehr- jährigen Führer vor die Tür gesetzt haben, weil er das Recht der Krttik nach Abbruch des Kampfes für sich in Anspruch nahm. Dafür widmet ihm Abraham Thalheimer einen ge- schmalzenen Leitartikel, in dem die Pflicht zum Hin- auswurf betont, aber doch hinzugefügt wird: „Paul Levi war uns ein alter Kampfgefährte. Wir haben manch schwere Stunde mit ihm getragen. Niemand von uns kann frohlocken, wenn es jetzt heißt:„Mann über Bord."... Auch mit Paul Levi überwindet die kommunistische Bewegung in Deutschland ein Stück ihrer eigenen Ver- gangenheit. Ein Führer von mannigfachen, von hohen und glänzenden Gaben ist es, von dem sie sich trennt, aber ein Führer, der nicht so mit Haut und Haaren, mit Leib und Leben mit der Partei verwachsen war, daß seine Person restlos aufgegangen wäre in der Sache, der er diente.... Mit Paul Levi trennt(ich die Partei nicht nur von einer Person, von einem einzelnen Führer, sondern von der Dergangenheit einer Part«- und Kampfdisziplin, die nicht straff genug war." Doch damit ist Levi noch nicht tot. Auf der vierten Seite des Blattes widmet ihm„P. B." als„Vertreter der Exe- kutive der kommunistischen Internationale" noch einen be- sonderen Fußtritt. Dieser geheimnisvolle Moskauer Abge- sandte verhöhnt Levi wegen seines Verhaltens in der italienischen Spaltungsfrage und erklärt, daß er mit Sinowjew zusammen ihre Sünden gegen Serrati und Levi dadurch wieder gutmächen wolle, daß sie gemeinsam Serrati und Levi prügeln! Das ist der Ton, in dem der Wortführer der Moskauer Exekutive mit den Vertretern der ihr ange- fchlossenen Kommunistischen Parteien zu oerkehren pflegt. Und das lassen sich die deutschen Kommunisten gefallen! Eine andere Frage aber drängt sich auf. Mit Levi ge- meinsam sind Klara Zetkin, Däumig und Adolf Hoffmann aus der Zentrale ausgeschieden, weil sie die neue bakunistische Politik der Zentrale nicht mitmachen konnten. Was werden diese, und was wird insbesondere die alte Sozialistin Klara Zetkin tun, nachdem ihrem Gefährten von ehemals so übel von den bakunistischen Kommunisten mitgespielt worden ist? Sescheiü an Stegerwalö. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion hat sich heute vormittag abermals mit der preußischen Regierungsfrage be- fchäftigt und ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen: Die sozialdemokratische ArakNon lehnt es ab zuzustimmen. daß die Genossen vraun, Severing oder andere Genossen der Auf- sorderung Slegerwolds Folge leisten, in ein Gejchästs. oder Heber- gangsministerium einzutreten. Sie wird jedes Geschäfts- oder llebergangsministerium bekämpfen, das ohne ihre Zustimmung zustandekommt und beruft sich dabei aus die Vereinbarung mit dem Zentrum und den Demokraten, wonach Stegerwald zurücktreten soll, wenn es ihm nicht gelingt, ein Kabinelt zustandezubringen, das die Znslimmong der sozialdemokratischen Frakllon findet. schlechtesten Geschmack haben, ist es beispiellos langweilig, zu sehen, daß die Humoristen unter politischer Satire sich nichts anderes als Anpöbelung des Auslandes scheinen vorstellen zu können. Wir wünschen beileibe nicht etwa Humoristen, die ausgemacht unsere Gesinnung haben, aber doch Humoristen, die genug Charakter besitzen, aus ein Mehr an Applaus zu verzichten, das ihnen donnernd von einem Parkett entgegendröhnt, das früher im„Teilen" den Wesensbegriff des Sozialismus definiert sah und auch heute noch eine Gesinnung immer starker als eine Leistung zu beklatschen geneigt ist. Solche Einschmuserei der Artisten beim Publikum ist widerlich. Wo ist die— vielleicht allerdings geschäftsuntüchtige— Direktion, die zum ersten Make einen Humoristen auftreten ließe, der vor gar keiner Partei Respekt hat. Auch vor der nicht, der das Wem- Publikum angehört. Ihr sei dieser Artikel gewidmet. Der anNpaziflstische Barde. C« gibt noch deutsche Dichter! Was sag« ich— Dichter? Barden leben unter uns, aller lyrischen Entartung und revolutionären Umwälzung zum Trotz, nicht angekränkelt von weitherziger Weltverbesserei, die vorgibt, ehrwürdige Barbarei und ererbte Roheit bekämpfen zu wollen. Ist das die Aufgabe eines alldeutsch-agrorischen Barden? Keineswegs. Andere Töne sind es. auf die er seine Leier stimmt, andere Töne müssen es sein, denen das getreueste der getreuen Blätter altpreußijcher Iunkerkultur, die „Deutsche Tageszeitung", seine Spalten öffnet. Ihre illustrierte Wochenbeikoge„Bilder zur Zeitgeschichte" oerhllft einem solchen echten Sänger zum Tageslicht: So manchen hör' ich wimmern, ihn hat die Angst errafft, die Bnrg liegt ihm in Trümmern,. zum Zorn fehlt ihm die Kraft. Ihm sank ohn' Kampf und Streiten die Fahne in den Mist: mit ihm will ich nicht reiten das Schwein ist Pazifist.— Da liegt doch noch Musike drin!„Mist— Schwein— Pazifist." Versteckt euch, ihr Dilettanten von Kasernenhof und Offizierkasino, ersterbt, ihr Sttophenmaurer von Kriegervereinsfesten und not- leidenden Landbundzusammenkünften,„It" setzt seinen Stuhl über alle eure Nochtstühlchcn. Welche herrlichen Wege weist er der zu- künftigen strengnationalen Kunst. Zum Beispiel: So mancher füllt die Kassen bei seines Volkes Qual, jetzt brüllt er auf den Gassen: „Deutsch bin ich, national!" Die Armen durften darben, vom Wucher ließ er nie: ihm wuchsen reich die Garben— wie nennt man nur das Vieh? Wenn Herr Stegerwald trotzdem bleibt und mit Hilfe des Zentrums und der Demokraten ein Kabinett bilden sollte, das ohne die Unterstützung beider Rechtsparteien nicht leben könnte, so bedeutete das nichts anderes als den Uebergang der bürgerlichen Mittelparteien zu einer rein bürgerlichen antisozialdemokratischen Politik. Dieses Ergebnis könnte von den Sozialdemokraten nicht gleichmütig hingenow' men werden, um so weniger als sie dann gegen die Unter- Händler des Zentrums den Vorwurf erheben müßten, daß sie mit ihrer förmlich abgeschlossenen, bestätigten' und schließlich abgeleugneten Vereinbarung wider Treu und Glauben gehandelt haben. Wir würden in diesem Fall vor einer außerordentlichen Verschärfung der gesamten inner- politischen Situation stehen._ Eine fibfage. Im Preußischen Landtag brachten die Kommunisten bekanntlich einen Antrag auf Mißbilligung der Regierung ein. Da sie aber nicht die nötigen dreißig Unterschriften hatten, ersuchten sie die Unab- hängigen um Unterstützung. Die unabhängig« Fraktion hat dieses Verlangen mit folgender Begründung abgelehnt: „Unsere' Fraktion ist n i ch t in der Lage, in der gegenwärtigen Situation der BKPD. ein« irgendwie geartete U n t« r- st ü tz u n g, und sei es auch nur durch Hergabe von Unter- schriften, zu gewähren. Di« Stellungnahme unserer Partei zur Regierung und deren Maßnahmen bleibt, davon unberührt. Der kommunistische Zorn wird sich nun mit doppelter Stär's auf die Häupter der unabhängigen„Verräter" attladen. Ein treffendes' Urteil. Das Verhalten des kommunistischen, Landtagsabgeordneten Franken anläßlich der Debatte über die Mißhandlung unseres Genossen Zimmer, den er als„elende Kreatur" zu bezeichnen wagte, zeugte von einer so b o de n l o s e n ,R o h e i t, daß es sich wohl lohnt,- diesen„Arbeitervertreter" hier nochmals zu kennzeich- nen. Ein treffendes Urteil über ihn fällt die- unabhängige„Freiheit", die In ihrer Morgenausgabe schreibt:„Herr Fronben hat mit seinem Ausdruck eine so n i e d r! g« G e s i n n u n-g dokumentiert, daß selbst ein Teil seiner P a rte i s r« ü n d e beschämt war und dem Red- ner keinerlei Unter st ützung lieh. Der Gewerkschaftsbeamte Zimmer, der schwer verwundet auf dem Krankenlager liegt, ist ein Opfer kommunistischer Putschi st«n geworden. Fast noch roher als die Tat besinnungslos Fanatisierter ist die kalt überlegte Beschimpfung des Opfers durch einen Menschen. der sich damit die parlamentarischen Sporen verdiene« zu können glaubt." Sofupmische Gemeinheiten. Wir haben kürzlich bereits aus dem„Miesbocher Anzeiger" den von Pöbcleien strotzenden Funkspruch an alle„Sau- und Regie- rungsjuden" unseren Lesern zur Kenntnis gebracht. Jetzt hat sich dieses bayerische Blatt selbst überboten. Wir finden in ihm eine Polemik gegen den Herausgeber der Wiener„Fackel" Karl Kraus, in der sich folgende Sätze befinden: „In München haben wir doch mit der Hinrichtung von E i s n e r und der P r ü g e l sttr a f e gegen den Magnus„Spinat- seid" den Beweis geliefert, daß es uns nicht an Temperament fehlt und daß die Berlin e r dankbar anerkennen müssen, daß wir ihnen den Landauer durchgetan haben. Immerhin waren das nur Vorspiele zu größeren Kuren, die wir uns getobt haben für den Fall, daß sich die B e° schnittenen bei uns noch einmal mausig machen. Dann gehts aus dem vollen.' Diese neueste Gemeinheit de» von Ludwig T h o m a begönnerten Blattes dürfte selbst in Bayern einzig dastehen. Bemerkenswert ist. daß dieses Blatt unter den Augen Kohrs noch immer als„Amtlicher Anzeiger" fungiert! Schuß gegen Verleumdungen. Da von kommunistischer Seit« Seite immer von neuem die Behauptung aufgestellt wird, der Ober- Maschinist Sült sei im Berliner Polizeipräsidium einem Morde zum Opfer gefallen, hat sich der Polizeipräsident zum Schutze der ihm unterstellten Beamten und im Intevess« einer gerichtlichen Klar- stellung der Angelegenheit entschlossen, gegen die Derbreiter der ge- nannten Behauptung Strafantrag zu stellen. Zunächst ist Strafantrag gegen die verantwortliche Schriftleitung der„Roten Fahne" sowie gegen verschiedene kommunistische Redner iu Der- sommlungen und Stadtparlamenten gestellt worden. Es wäre Frevel, diesen bescheidenen versuch in die Röhe der Offenbarungen des genialen„It" zu rücken. Aber bei Fleiß und Eifer wird es befähigteren Talenten gelingen, dem Meister nach- zueifern. Der Affe als Einbrecher. Ein wirklicher Vorfall, der an die phantastische Dramatik in Poes berühmter Erzählung„Der Mord in der Rue Morgue" erinnert, soll sich nach einer Schilderung der „New York Times" in New York ereignet haben. Eines Nachts erwachten ein Mann und sein Frau von einem kratzenden Geräusch, das sich außen am Fenster des Schlafzimmers hören ließ. Sie hör- ten, wie das Fenster eingedrückt wurde. In dem ungewissen Licht des Frühmorgens sahen sie ein scheußliches Gesicht, das durch das Fenster hereingrinste. Die Frau schrie auf: der Mann feuerte einen Revolver ab und das Gesicht oerschwand mit einem dumpfen Gebrüll. Die sofort benachrichtigte Polizei fand unter dem Fenster der ziem- lich hochgelegenen Wohnung eine Blutspur, die sie verfolgte. Wäh- rend sie nach weiteren Anhaltspunkten suchte, erschien plötzlich eine dunkle Gestalt und glitt wie«in Blitz an der Hausfassade herab, um im Parterre zu. verschwinden. Die Schutzleute stellten fest, daß der Verbrecher, der an eiuer schweren Schulterwunde blutete, ein riefen- großer Affe war. Er klinkte, als ob er ein menschliches Wesen wäre, die Haustür auf und wollte verschwinden, als ihn die Polizisten er- griffen. Man vermutet, daß das Tier von seinem Besitzer dazu ab. gerichtet ist, in Häuser einzudringen und zu stehlen. Eine französische Konstausstellung im Rheinland, ver Ober- kommissar Tirard will im besetzten Gebiet eine Ausstellung franzö- sijcher Kunstwerke von Puvis de Chavannes, Manet und Vegas ver- anstalten. Ferner sollen Muster französischer Dekorationskunst ge- zeigt werden._' Erstoussiikirnngen der Woche. TienSt.«roßeS Schautplecha»;: Ein Sommer nachtstrau m." Tribüne:.D e r T- u l e I.- Kr. 11 Tbcater:.Nur ein Trau rn*. llrantavorträge. Sonntag: Emma Kottmam,:.Im Schwär,- w a Id"--- Monlag:. Fr 0 i> I in g a m Neckar".— Dienstag: Klirt Hieticher S p a n i e n— Mittwoch: Prof. Kserke:.Die Schön- heit der deutschen Landschaft".— Donnerstag:.In den Bergen Tirols".— Freitag: S. Nelken:.Schutz gegen Einbruch und Diebstahl".— Sonnabend: Pros. Goerke:»Aegypten und der N t I". Ter Verband der konzertierenden Künstler behält trotz der ICO prozentjgen Eibökung der ArrangcmentSacbübr sür Konzert-, Vortrags- und Tanzabende, die die Berliner Konzert-Agenlen voraenominen haben, die bisherigen niedrigen Gebühr enjätze in seiner ztonzertabtestung bei. Et« Psychotrchnischer Lehrgang findet vom 1. Mai bis t. August 1921. an der Technischen Hochschule Clrarlottenburg statt. In dem neben tbcoretüchcr Einjühnmg in die(Ärimdwissenschasten der Pihchotechmk praktische Uebungcn der Teilnehmer in der Ausführung von E-gnungSprüsungen an Jugendlichen und Erwachsenen vorgeiehen sind. Anmeldungen bis zum 25. April an die Industrielle PlYchotcchnit.Charloltenburg.Fraunhoserstr. 11/12. Gine Röntgen-Entdeckung. An der JnnSbrucker Universität wurde eine neue wiffenschaillich: En'deckung gemacht. Es gelang, die Röntgen- strahlen zu zerlegen ähnlich, wie die Sonnenstrahlen durch ein Prisma zerlegt werden. Durch die neue Euldeckung ist e« möglich, die Tiesenbe. hanttung intensiver zu betreiben, alt biet bisher der Fall war. �ie VvtschöebaSe im Lanötag. kn die Tagesordnung der heutigen Sitzung des fifhaZ]$fa? Landtags beantragt Abg. Katz(Komm.), den münd- enfr Rechtsausschusses über den Antrag auf chaft» da r�I'�P9 dqs' Abg. P l e n g e auf die Tagesordnung zu setzen, AussH.utz auf einen mündlichen Bericht beschränken will. �bgg. Dr. D e e r b e r g(Dnat.) und S t e n d e l(D. Vp.) wider- Dm ü ckn c r(Soz.) bedauert, datz Widerspruch er- ®;D7 Da iicr Widerspruch aufrechterhalten wird, wird der �-genstund mi ch t lauf die Tagesordnung gesetzt. Der. vom. allen Parteien beantragte Gefttzentwurf über die Ent» a�Iung her Mitglieder und des Präsidenten des Preußischen "Äages. wird dewi ihaupt o u s s ch u ß überwiesen. Aussprache Eber den Ausstand in ZNikteldeukschland. »-.�bg. Oskerrolh(Soz.sg Soeben trifft die Nachricht ein, daß Max � � in«rvWhnfsiJif ttri?' in hr?ftung namhafter korMunistischgr Führer wie S ch n e e tz und Gabriel ist eins Telegramm an die Rheinland- dn' f f i o n gerichtet, ips um Faefgabe der Kommunisten bittet, a die Kommunisten Anhänger dür freien Rheinland- ° p u b l i k seien.(Lcbha,stes Hört, hstrtl Lärm bei den Kommu- üten.) So etwas nemne ich H o�xh verrat.(Sehr richtig! do' 1".®03) Der erwähnfg Dr. Gabriel war bis zum Schluß Krieges d e u t s ch n a t iä> n a l e r Riedakteur. Als es bei T-odendorff nichts mehr zsg verdienen gab, ging er zur S o z i a l- . e m o k r a t i e, nach 14 Tagxn. zur Unabhängigen Sozial- ewokratie und nach sechz! Wochen oeenn zu den Kommu- "Uten.(Stürmische Zurufe vbi den Komnepnisten.) . Wenn Sie Hunger hoben(gp den Kommunisten) und den Mund >o weit aussperren, bedauere ich nur, daß ich.den Lutscher nicht bei 's']; habe, den ich crrta für Sich gekaust habe.(Minutenlonge stür» sMche Heiterkeit. Zuruf des Ahg. Schalem: Sie gehören in die �tUmienkammer.) 5)err Schalem will jetzt den Pr. Gabriel ab» schütteln. Aber die„Rote Kahne" sagt heiote noch, daß Dr. Gabriel auf freien Fuß gesetzt weipen müsse und bezeichnet ihn dabei °'3 Genossen. Gabriel hat awch die Arbeiter Angestiftet, unser» Genossen Zimmer zu erschlagen. Zimmer verteidigte stch gegen Angreifer mit einem Hirchenstiel. Erst als ste von hinten Fenster einsckstugen und in fein Haus eindrangen,.konnten sie ihn uberwältigen. Diesen unantastbaren Kämpfer für hie. Sache der Ar.heiker ein Mitglied des Hauses„elende Kreatur" zu nennen. stürmische Pfuii-Rufe in der Mitte Ustd bei den Soz.) Wenn man die Eberlein, Schalem(Zuruf: ykatz), na ja auch Ka tz so an- steht, dann vermißt man schmerzlich AdM H o f f m a n n. Man steht eben keinen Kopf mehr bei den Kikmmunisten. Adolf Hoffmann jstar ein Mann, an dem noch das gan te Haus fein« Freudiü erleben konnte. Das Verdienst da ran, daß Ihm Hetze ohne Erfolg geblieben, daß haz Volk aus dem Abgrund herau sgerissen ist, dieses Verdienst gebührt den achteinhalb Millionen srcustmerkschaftlich organisterlen Arbeitern. Es gebührt den wahren �Sozialist«n in stieser Republik, den treuen Anhängern.der sozialen D«mo- kratie. Ich bin wahrhaftig k e i n An t» s« m i t. Aber ich möchte doch bemerken, wenn die Kommunisten Pchll Levi jetzt abschütteln, in ist der Grund der, daß er ihnen wahrscheinlich n ich t k o s ch e,r genug war.(Stürmische Heiterkeit, leMafte Zurui« des Abg. Schalem.) Sie sind noch ein junger At�nn, Herr Schalem, und haben das Recht zu Ihrer Torheit. Wenn Sie erst in mein Schwabenalter gekommen find, werden Sie auch imstande fein, den Boden der Realität zu erlennen. Der"Redner spricht fort. Die Deraarbeiter streiken allein. London, 16. April.(EE.) Der 2lrlsttterdreiverband wird henke neuerdings zufammenkreten, doch ist der"GeneralstreIkbeschluh, wie Thomas selbst erklärie, nicht nur als verlegt, sondern als au?. gehoben anzusehen. Lloyd George erklärte Thoi szas, er sei g l ü ck l i ch darüber, daß die Gewerkschaften nicht zv diesem.ungeheuerliche« Beschluß hätten greifen wollen. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses g fng es außerordent- lich bewegt zu. Sofort nach Beginn der Sitzung'.fragte A s q u i t h, ob die Regierung irgendeine Erklärung abzugebe)> habe. Chamber- lain teilte mit, daß Lloyd George vorgestern mzchts den Generalsekretär der Bergarbeiter, H o d g e s, und seine pkollegen zu_ einer Besprechung mit den Bergwcrksbcsitzern eingeladei» habe. Während jedoch die Regierungsvertreter und die' Unternehmer sich einfanden, seien die Bergarbeiter ohne Entschuldigung fern g�bNeben. Ehamberlain forderte dann, die Beratungen im Uifierhause zu ver- tagen, um abzuwarten, ob nicht eine Mitteilung(tyr Bergarbeiter eintreffen werde. Nachmittags um 3% Uhr wurde d�ann eine zweite Sitzung abgehalten.■ Llond George erklärte, daß er vpn der Gewerk- fchäft der Bergarbeiter die Mitteilung erhalten habe,«i.'-e provisorische Regelung der Lohnfrage, wie sie die I�giernng vorgeschlagen habe, sei unannehmbar. Die Gewerkschaft fordert einet Pegelung für ganz Großbritannien. Gleichzeitig müssen. die Gewinpe-aller Gruben in eine gemeiüfame Kasse fließen, um auf die Bergarbeiter des ganzen Landes verteilt zu werden. Lloyd George rchklärte, einer gleichen Bezahlung sämtlicher Bergarbeiter im Landen könnte die Regierung zustimmen, sie müste aber eine BerschmelzuMg der Gewinne für das ganze/Land ablehnen, weil dies die Wiederherstellung der Staatskontrglle. zur Folge haben würde, und In diescjm Punkte nachzugeben, wär.e.>ein Unglück. Asquith bedauerte den Beschluß der Bexaarbeiter, zumal, die Ausführungen Frank Hadges' geiinste Hoffnungen in den Bereich der Möglichkeit gerückt hätten. Kriegsb�sckäöiate besetzen Ministerien. iB o m. 16. April.(EP.) Die Bewegung unter den Krieg». invaliden zur Verlreibung des weiblichen Personals ans der 1'tantv- venrkaltunq dauert fort. Die Invaliden haben mit Hilfe der Fa, seiften und.Ralionalisten das Verkehrsministerium beseht und von den Posten der weiblichen Angestellten Besitz ergriffen. Sie richteten sich darmlf ein. im Ministerium ,n übernachten. Außerdem belahei�en ste di' ganze Vach, das icharf bewachte Gebäude der Skaa-Äatzn- direkti pn.— Zu Trieft und Florenz ereigneten sich ahnNche PorfaNe. Tirol stimmt ab. Zrchmsbruck. 16. April.(MTV.) Der Konferenz der Slubob- männer der Landesparleien wurde vom Landeshauptmann der Einspruch, der Enkentevertreter gegen die vom Tmoler Landtag be- schloslene» Volksabstimmung zur Kenntnis gebracht. Vach einer cm- gehenden Veratunq gelangte die Konferenz zu dem Beschluß, daß eine Einb«'rnfunq des Landtages aus diesem Anlaß nicht notwen Sz sei. da mit Sicherheit ,u erwarten sei. daß der Landtag in»einer überwiege, nden Mehrheit auf den: gefaßten Beschlüsse, die Volksab- skimmung am 24. April durchzuführen, beharren werde. Zn der unmittelb a r daraus folgenden Sitzung der Landesregierung wurde lnfätoe dlsier Slellnnanahme der Obmänner�rnferenz der Pefmtvß gekabt. vcvn einer Einberufung des Landtages zum Zwecke einer neuerlichen Stellungnahme in der Abstimmungsfrage abzusehen. I GroßGerllu Ein Heneralöirektor für Stäötebau. 31,5 Millionen Baukostenzuschüsse süc Siedlungen. Die st ä d t i s ch e D e p u t a t i o n für das Siedlungs- und Woh- nungswesen hat in»hrer gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Stadtrats Wutzki eine Reihe bedeutungsvoller Beschlüsse gefaßt. Nach längerer Aussprache über die Bedeutung des Städtebaus für die neue Stadtgemeinde und die Notwendigkeit einer weitsichtigen und sparsamen Planung für die künftige Stodterweiierung wurde grundsätzlich beschlossen, die Stelle eines Generaldirektors oder Generaldezernenten für Städtebau und Siedlungs- wesen zu schaffen, denn die gesamte technische Leitung der Bebauungs- pläne und damit die Leitung des geplanten Zentralamts für Städte- bau und Siedlungswesen übertragen werden soll. Es wurde ferner beschlossen, die Stelle unter den deutschen Städtebaukünstlern ösfcnt- lich auszuschreiben, wobei die Gehaltsfcstsetzung freier Bereinbarung überlassen werden soll. Die Siedlungsdeputation stimmte ferner den vom Siedlungsaus- schuh bereits beratenen Baukostenzuschüssen für Kleinhaus- bauten und Kleinwohnungen zu. Es wurde von den für dieses Jahr zur Verfügung stehenden 64 Millionen Baudarlchen zunächst 31,6 Millionen für 12 verschiedene große Sicdlungsunternehmen bewilligt. Darunter befinden sich die Tempelhofer Feld- Gemeinnützige Krieger- heimstättengesellschast mit 1S0 Wohnungen, die Gemeinnützige Sied- lungs. und Kriegcrhcimstättengcsellschaft Lübars mit 250 bczuschuß- ten Wohnungen, die Baugenossenschaft Eigenheim Spandau mit 78 Wohnungen, die Wohnungsgcsel.schaft Siemensstadt mit 84 Woh- nungcn im Flachbau und 77 Wohnungen im dreigeschossigen Hoch- bau. wozu die Firma Siemens noch ö Millionen Zuschuß zahlt. Die Heimstättengesellschast„Primus" in Wittenau erhält für 40 Woh- nungen und die Siedlung der Firma Großer u. Klein in Wittenau für 32 Wohnungen Zuschüsse. Ferner wurden Baudarlehen ge- währt der Friedrichshagener Siedlungsgefellschaft am Bahnhof für 14 Wohnungen im Flachbau und derselben Gesellschaft in der See- straße zu Friedrichshagen für ,29 Wohnungen im dreigeschossigen Mittelhausbau. Auch di« Gemeinde Köpenick erhielt Zuschüsse für 54 Wohnungen:m Klemhausbau, Den 85 Wohnungen der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Schulzendorf wurde grundsätzlich zugestimmt, jedoch sollen die Typen der Häuser noch umgearbeitet werden. Schließlich erhielt auch das Reichsbankdirektorium für 36 in dreigeschossigem Mittel- Hausbau in Schmargendars zu errichtende Wohnungen ein Bau- darleben. Für den beim Oberprästdium zu bildenden Siedlung sbei- rat wählte die Deputation als Vertreter der Stadtgemeinde Berlin den Vorsitzenden Stadtrat Wutzki und den zu wählenden General- direktor für Städtebau, als Ersatzmänner Regierungsbaumeister I ä n e ck e und Dr. Jng. H-iligenthal sowie den Stadtverord- neten Dr. Weinberg. Vom Oberpräsidenten sind für diesen Siedlungsbeirat bereits ernannt worden Bankdirektor Schwarzer, Regie- rungsbaumeister Brodersen und Professor Bruno Eberstadt. Richtige Steuereinzahlung. Biel Unannehmlichkeiten erspart man sich, wie der Magistrat?- kommistar für die Steuerverwaltung mitteilt, wenn man seine Steuern bei der zuständigen Steuertasse einzahlt. In Groß- Berlin erheben die städtischen und G e m ei n de k a s s e n die Reichseinkommenswuer, Umsatzsteuer, Zuwachssteuer, Grunderwerbs- steuer und Körperschaftssteuer. Von den F i n a n z k a s s e n, die Reichskassen sind und zumeist In den Räumen ihres Finanzamts untergebracht sind, werden die Besitzsteuer, die sämtlichen Kriegs- abgaben, das Reichsnotopfer und di« Kapitalertragsteuer erhoben. Eine Ausnahme machen die zu den Finanzämtern Pankow und Nied e r b a r n im-Ost gehörigen Gemeinden. Es sind dies: 1. Finanzamt Pankow: Pankow-Niederschönhaufen mit Schönholz,, Buchholz, Rosenthal, Btankenfelde, Blankenburg, Buch, Heinersdorf, Karow, Reinickendorf, Tegel, Wittenau, Hermsdorf, Lübars, Heiligensee und Frohnau. 2. Finanzamt Niederbarnim-Ost: Weihensee, Hohenschönhausen, Malchow, Falkenberg, Wartenberg, Friedrichsfelde, Oberschöneweide, Friedrichshagen, Mahlsdorf, Stra- lau, Kaulsdorf, Biesdorf, Rahnsdorf, Hellersdorf mit Wuhlgarten, Marzahn. In diesen Gemeinden werden die Reichssteuern, mibAus- nähme des Reichsnotopfers, bis auf weiteres noch von den Gemeinde- kästen eingezogen. Das Reichsnotopfer wird für diefe Bezirke von den Finanzkasten Niederbarnim I, II, III angenommen, die sich sämltich in Berlin C. 2, Illbenstr. 58/60, befinden. Im Gegensatz dazu werden in den zu den Finanzämtern Steglitz und Groß- Li cht er selbe gehörigen Gemeinden außer der Besttzsteuer, den Kriegsabgaben, dem Reichsnotopfer und der Kapitalertragsteuer auch die R e i ch s« i n k o m m e n st e u e r von den Finanzkassen einge- zogen. Es sind dies di« Gemeinden Steglitz. Friedenau, Groß- Lichterfelde, Dahlem. Zehlendorf, Nikolassee, Wannsee, Potsdamer- Forst, Pfaueninfel-Gut und Klein-Gliemcke-Forft. » Ein Genoste, dar noch immer nicht fein Einkommensteuer- fvrmular bekommen hat, erhielt auf Rückfrage beim Finanzamt II den Bescheid, daß nach dem Erlaß des Reichssinanzministers vom 1. April d. I. entsprechend der Novelle zum Einkommensteuergesetz eine Abgabe einer Steuererklärung für die in Lohn oder Gehaltsabzug stehenden Arbeiter, Angestellten und Beamten, deren Einkommen unter 24000 Mark beträgt, nicht mehr in Frag« kommt. Wenn das richtig ist, so wäre unverständlich, warum die Finanzämter es nicht öffentlich bekanntgeben. Ist es aber unrichtig, so verdient der Beamte, der diese Auskunft gab, die Strafe, die den Steuerpflichtigen treffen würde, wenn er mit feiner Erklärung in Verzug kommt. Irdenfalls ist notwendig, daß sich ein« zuständige Stelle maßgeebnd darüber äußert. Im Intereste der Steuerpflichtigen werden im Nachstehenden die früheren Fahrpreise der Großen Berliner Straßenbahn für 1920 wiederholt. Einzelfahrschein: ab 1. Januar 30 Pf.. ab 1. April 50 Pf., ab 21. Mai 70 Pf., ab 1. Dezember 80 Pf. S a m m e l k a r t e n: ab 1. Januar 7 Fahrten zu 2 M., ab 1. April 6 Fahrten zu 3 M., ab 21. Mai 8 Fahrten zu 5 M., ab 1. Dezember 8 Fahrten zu 6 M. M o n a t s k a r t e n: im Januar bis einschließ- lich Mörz 23,50 M.(für eine Linie). 30 M.(für zwei Linien). 39 M. (für drei Linien), 60 M.(für alle Linien); im April und Mai 40, 50. 65, 100 M.; im Juni bis einschließlich November 56, 70. 91, 140 M.; im Dezember 70, 88, 114, 175 M. Durchgangsverkehr Spandau— Strausberg. Der neue Sommerfahrplan der Eisenbahndirektion Berlin liegt in seinem ersten Entwürfe nunmehr vor. Er enthält eine Reihe wesentlicher Derbesterungen des bisherigen Fahrplans, besonders im Sonntagsfahrplan der Vorortstrecken. Eine bedeutende Derbeflerung des Fahrplans bedeutet die Durchführung einer Reihe von Vorortzügen von Strausberg über die Stadtbahn- ferngleise nach Spandau und umgekehrt von Spandau nach Straus- berg. Während des Krieges wurden die meisten Züge dieser Strecke geteilt. Der. neue Sommcrfabrplan steht nun wieder die Ver- Mehrung dieser Züge auf fünf Zugpaare in jeder Richtung vor. Im Werktagsverkehr bringt der Vorortfahrplan besonders auf der Strecke Strausberg— Berlin— Schlestlcher Bahnhof eine wesentliche Neuerung. Bisher waren die Reisenden auf dieser Strecke ge- zwungen, um zu den Stationen Rüdersdorf und Petershagen zu ge- lanxen, in Fredersdorf umzusteigen. Der neue Sommerfahrplan führt zum ersten Male durchgehende Züge zwischen Rüdersdorf und dem Schl« fachen Bahnhof ein und zwar zunächst nur ein Zugpaar täglich in den Morgenstunden, ab Rüdersdorf 6.15 vormittags, an I Schlefstcher Bahnhof, Wriezener Bahnsteig, 7.11 vormittags. Mit ' Rücksicht auf den starken Verkehr von Siedlern und Kolonisten, der an den Sonnabenden und an Tagen vor Festen sich auf dieser Strecke entwickelt, sind in der Gegenrichtung Sonnabends und an Tagen vor Festen vier dieser neuen Züge nach Rüdersdorf vorge- sehen und zwar ab Schlesischer Bahnhof 1.19, 2.19, 3.19 und 4.19 "nachmittags, Bahnsteig A. Hoftrauer bei der Post. Wenn es gilt, den„monarchischen Gedanken" zu be. künden— wird da die Postoerwaltung fehlen? Aus ihrem Bereich kommen die meisten Klagen über immer noch fortdauernde Beide- Haltung des Wortes„Kaiserlich". Daher wundern wir uns nicht über folgendes Rundschreiben, das im R e i ch s p o st m i n i st e r i u m umläuft und von dort aus zu unserer Kenntnis gelangt: „Es ist angeregt worden, anläßlich der Beerdigung der Kaiserin am Dienstag, den 19., durch eine Abordnung einen Kronz am Grabe niederlegen zu lasten. Beiträge für die Be, schaffung des Kranzes bitte hierunter zu vermerken. Preuß, Geheimer Postrat. Herr Ministerialamtmann Gericke, Zimmer 4SS, ist bereit, die gesammelten Beiträge entgegenzunehmen und den Kranz nach näherer Anweisung zu besorgen. Die Beiträge sind möglichst bald abzuführen." Wir erwarten nicht, daß den Geheimen Postrat Preuß ein Bor- gesetzter auf die Unzulässigkeit dieses Rundschreibens hinweisen wird, das wie ein Zwang wirken muß.„Untergebene" wollen ihn aber nicht darüber im unklaren lasten, wie sie die gcheimposträtliche Auf- forderung zur Beitragsleif ung empfinden— darum erfolgt hiermit die öffentliche Fcstnagclung. 'n weiteren Kreisen der Bevölkerung über solche und ähn- liche„Traucrkundgebungen" gedacht wird, lehrt ein Borkommnis, das man uns vom P o st f u h r a m t in der Schari. Horststraße meldet. Das der Reichspostoerwaltung gehörende Gebäude soll am Donners- tag durch einen umflorte schwarzweißrote Fahne, die aus einem Fenster der Wohnung des Postfuhramtsvorstehers heraus. gehangt war, die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich gelenkt haben. Der Unwille über die Keckheit dieser Demonstration, die hier wie ein? amtliche Kundgebung wirken mußte, soll sich sehr drastisch geäußert haben. Was wäre in der monarchischen Zeit einem Post- veamten pcstiert, der beim Tode eines Führers der Sozialdemokratie aus em Fenster einer in posteigenem Gebäude gelegenen Dien�» wohnung eine rote Fahne herausgehängt hätte? k-in � nnmUgcflarter Todesfall, dem ein Raub vorangegangen ��. wird aus der Gegend des Schlesischen Bahnhofs gemeldet. noÄ 1? r.«urds in der vergangeneu Nacht, kurz noch 12 Uhr, der 41 Jahre alte Arbeiter Karl Seifert aus der � 20 �i0�' ber schwer betrunken war. Er fA'"""Ö"1"1 Sicherheit aufgenommen. Noch im Laufe N U, r ,n-n 6 i„,„ m.? ü Etlichem Gutachten an den Folgen u b e r m a h l g e n Älko Holgenusses. Die Leute die idn der' Wache zuführten teilten mit. daß der Mann in der Betrunkenheit uberfallen und seiner Barschaft beraubt worden war. Ob die Rauber ihn zum Zweck der Ausplünderung betrunken gemacht und verschleppt haben, bedarf noch der Aufklärung. Die Ermittelungen nach den Tatern wurden von der Kriminalpolizei sofort n'rfae« nommcn. Theater öer Woche. Bom 17. April bis S4. April. ,, 17.- �iipitän Braßbounds Dekehruns. ls., 2l., 22. « nl J c« ml?"ungen. 19. u. 20. Antigene.— Opern- (mirin?. oi cn�„i?- Rhenigold. 19. Cavallcria rusticana. Vajazzi. � Mona Lisa. 22. Siegfried. 23. Rigolctta. 24. Gatter. dämmerung.— Schauspielhaus! 17. Di- Räuber. 18. Die Sterne. 19. Der -8, /»??nt* 21. Der Marquis v. Keith. 22. Torquato Tasso. .Ä Shekespeares Geburtstag) Der Sturm. 24. Richard III.— S o? Schauspielhaus: 17., 18 u. 21. Der Kaufmann von Venedig. 19.,. 20. bis 24. Em Sommernachtstraum.— Deutsches Theater: l?.') 20., 23. n. 24� War und«Icopatta. 18. u. 21. Woyzeck. 19. u. 22. Faust. I.— Kammer. fpukle: 17 Kräfte. 18. Die Büchse der Pandora. 19. u. 21. Frühlings Er- wachen. 20. u. 23. Der König der dunklen Kammer. 22. Kräfte. Ein Heirats. antrag.— L-sswg.Theat-r: 17., 19., 21., 23. u. 24. Von Morgens bis Mitter- -itS-„l8' 22,-„ E"? ldealcr Gatte. 20. sslamme.— Theater i« der Äö-ig. ?a' a.r A"�k:17. bis 24. Rugby.— Deutsches Opernhaus: 17. Tiefland. 18. Alessandra Strad-Na. 19. Die Jüdin. 20. Margaret-(Sauft). 21. Tann- pauser. 22. Der PostUl-n von Loniumeau. 23. Tooca. 24. Der tzigeuncr. baron. Schiller.Thcatcr: 17., 13. u. 20. Iettchcn Gebert. 19. Der ebcmalige Leutnant. 21. u. 23. Doktor Klaus. 22. Don Carlos. 24. Alt-Heidelberq.— .I®0"S?,P": 17. 2-H Uhr: W a l h a l l a»D h e a t e r: Tiefland. 18. 7)4 Uhr: 91 e N« Welt: Die Fledermaus. 20. 7 Uhr: Walhalla. T h e a�t e r: Lohengrin. 24. 2� Uhr: W a l h a l l a. T h c a t e r: Carmen. «» 8'' Deutsches Künstler-Theater: Die Marqutsc von Arcis.— »omodienhaus: Die Cache mit Lola.— Berliner Theater: Das Milliarden- i0üf"- ü Kleines Schauspielhaus: Relge».— Trianon-The-icr: Rosen.— R-sid-»,. Theater: Da- Pnvtteg.— gentral-Theatcr: Di- Pottmeisteri».— Theater in der K-niggrahc- Strahc: Rugb,,.- Theater in der Lomman- d-ntenstrahe: Der versüngt- Adalar.— Fridrich-Wilheimstädtisches Tbeatcr: �chre Hohcct dle Tänzerin.— Komische Oper: Ludcrchen.— Lustspiel. hau«: Die spanische Fliege.--Metropol-Theater: Die blaue Mazur.- Neues Operetten-Theater: Der lachende Ehemann.— Tbalia-Thcatcr: Mascattchen— Theater-m Nollcnd-rfplatz: Der Bcttcr aus Dingsda. — Theater des Westens: Schwalbcnhochzcit.— Kleines Theater: Casanovas — Wallner-Thcater: Dl- Tanzaräfin.- Wa-hai-a-Theatcr: Die Fieber- maus. 20. Lohengrin.— Rosc-Theatcr: Im Cafe Noblesse. Am 18. Kater Lampe.— Kasitio-Thcater: Bollriö) und Sohn.— Luisen-Theater: Ue'oern grohcn Teich.— Neues Bolks-Theatcr: 17., 20., 21. u. 23. Rose Bernd. 18. Ge- lchwssene Vorstellung: Der Weibsteuscl. 10. Jugendfreunde. 22. Verikles von —«oltsbuhne Norden: 19. Die drei Zwiliiuqe(Reihe 8). 20. u. 21. Der Weib-t-uf-I(Reihe 1 u. 2).- Folies Capttce: Der keusche Joseph. Sein Modell. Am Badestrand.— Admiralspalast: Die roten Schuhe. � 8 ch m lttagsporstellungen. Volksbühne: 17. Das Postamt. Dl« Komödie der Irrungen. 24. Wallcnstcins Tod.— Schauspielhaus: 17. Volks- Vorstellung: Torquato Tasso. 24. Volksvorstcllung: Der Kronprinz.— Grosie» Schauspielhau«: 17. Florian Eener. 24. Ein Sommcrnachtstraum.— Deutsche» Theater: 24. Was ihr wollt.— Kammerspiclc: 17. Frühlings Erwachen. 24. Er ist vn allem schuld. Der Ep'elcr. Der Heiratsantrag.— Lcssing-Theatcr: 1". u. 24. Frau Warrens Gewerbe.— Theater in der Königgräher Strohe: 17. Faust. 24. Erdgeist.— Deutsches Opernhaus: 17. Die lustigen Weiber von WlNdsor. 24. Der Waffenschmied.— Schiller-Thoatcr: 17., 23. u. 24. Der Mcincidbauer.— Deutsches Künstler-Theatcr: 17. i. 24. Pygmalion.— Komödienhau»: 17. u. 24. Die Sache mit Lala.— Berliner Theater: 17. u. 24. Der letzte Walzer.— Trianon-Thcatcr: 17. u. 24. Kanimermusik.— Residenz- Theater: 17. u. 24. Lady Windermcres Fächer.— gentral-Theaier: 17. u. 24. Deserteure.— Lustspiclhaus: 17. u. 24. Der Bibcevelz.— Tdalia-Theater: 17. u. 24. Die Kinapuppe.— Theater des Westens: 17. u. 24. Die Frau rm Hermelin.— Kleines Theater: 17. u. 24. Die Pfarrhauskomödie— Wallner- Thcater: 17. u. 24. Eins Ballnacht.— Kasino-Theater: 17. u. 24. Höllenqualen.— Luisen- Theater: 17. u. 24. De: verwunschene Prinz.— R-'-es Volk,» Theater: 17. u. 24. Jugend. Mus aller Veit. Die Attendorncr Tropfsteinhößle. Uns wird berichtet: Der Besitzer der angeblich aus Finanz- gründen geschlossenen Höhle, Herr Eberhard Epe, zahlte seit dem Jahre 1907 an die Stadt Attendorn eine Pauschalsumme von 500 M. jährlich Die Durchschnittszahl der Besucher betrug vor dem Kriege jährlich 60 090— 70 000. Daß der Besuch nach dem Kriege wesentlich nachgelassen habe, wird Herr Epe ernstlich wohl nicht be- haupten wollen. Dabei beträgt der Eintrittspreis jetzt 2,50 M. Die Stadtverordnetenversammlung hatte nunmehr beschlössen, die durch Ortsstatut festgelegte Kartcnsteuer von 10 Prvz. auch auf die Höhle auszudehnen. Hietacgen sträubt sich der Besitzer mit Händen und Füßen. Sollte m. in fürchten, daß das Finanzamt auf diese Weise die Höhe der wirklichen Einnahme erfahren könne? Jodensalls kann das Verlangen der Stadt Attendorn, die infolge der Kriegsnöte mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, nicht als unbillig be- zeichnet werden. Wie stellt sich die R e g i e r u n g zu der Schließung der Höhle durch den Besitzer? Die Oeffenllichkeit hat ein Recht, von der Regierung zu fordern, daß sie dafür sorgt, daß derartige Natur, denkmäler der Allgemeinheit zugänglich bleiben. Es wird erwartet, daß in dieser Hinsicht recht bald Schritte unternommen werden. GewerWQjwbewegung Wessen Gpfer! Das Organ des Transportarbeiterverbande», der»Court er". i ejchäftigt sich noch einmal eingehend mit den Streiks in den L e v e r- kusener Farbwerken und bei Thyssen in Hamborn. Dos Blatt weist nach, daß rund 38000 Proletarier vierzehn Tags lang„um weniger denn einen Nasenpopel" gekämpft und dabei 15 Millionen Mark verloren haben, daß aber die KPD. einen Sieg errang. Die„Rote Fahne" ist über diese Kritik natürlich sehr erbost und schimpft heute in einem „Schmutzfinken" überschriebenen Artikel ganz fürchterlich über die hinterhältige und verräterische Haltung des Hauptvorstandes des Transportarbeiterverbandes und über den Spott, den der„Courier" über die„Opfer des brutalen Farbkapitals" ausschüttet. Wir haben keine Veranlassung, den„Courier" der„Roten Fahne" gegenüber in Schutz zu nehmen. Das wird er schon selbst besorgenl Wir wollen uns nur darauf beschränken, festzustellen, wessen Opfer die Leverkusener Arbeiter geworden sind. Kürzlich lasen wir in einer Zeitung, die sich mit dem Streik beschöstigt«, u. a. das Folgende: „Die Parlef muß au« diesem Streik lernen. Sie hat— und das muß offen ausgesprochen werden— Unterlassungs- fänden begangen. Es hätte nicht zu diesen tragischen Vor- kommnissen zu kommen brauchen. Die Vereinigle kommunistische Vartci hätte rücksichtsloser, als sie e» getan hat, gewissen Strömungen innerhalb der Knapsacker Belegschaft entgegentreten müssen, Strö- mungen, die darauf hinausliefen, beim Arbeiterrat jede Wirksamkeit unmöglich zu machen, ihn mit allen Mitteln zu kompromittieren und das Vertrauen zu ihm zu unterminieren.... Die Partei trägt weiter einen Teil der Schuld, weil die kämpfenden Proletarier nicht wirksam genug von ihr unterstützt worden sind.... Gewiß war bisher der Parteiapparat nicht auf solche Unterstützungs- aktion eingestellt und gewiß waren durch die Wahlen unsere Mittel erschöpft. Wir müssen aber w Zukunft bei derartigen Situationen Mittel und Wege finden, damit die VKPD. dem kämpfenden Proletariat nicht nur theoretische Führerin sei, sondern auch Hilfsquelle und materieller Stützpunkt im Kampfe. Diese Lehren müssen wir aus dem Knapsacker Streik ziehen." Dos Blatt, dem wir dieses Zitat entnehmen, ist dt« Nr. 59 der „Spziolistischen Republik" und der Schreiber des fraglichen Artikels der kommunistische Abgeordnet» Dahlem. Wenn Worte einen Sinn haben, dann hat dies angeführte Zitat den Sinn, daß der Streik w Leverkusen»in» Sache der Kommunisti- scheu Partei und nichts andere» war. Und wenn die auf Befehl der BKPD. In den Streit gezogenen Arbeiter eine Niederlage er- litten, wenn sie jetzt arbeitslos sind, dann sind sie nicht, wie die „Rote Fahne" behauptet,„Opfer des brutalen Farbtapitals" ge- worden, sondern Opfer der Unterlassungssünden der kommunistischen Partei". In seiner Broschüre„Unser Weg" sagt Paul Levl an einer Stelle über die Beschwerden, die da» Exekutivkomitee über die BKPD. führt, u. «Zum größten Teile aber scheinen uns auch hier die Be- schwerden des Exekutivkomitees auf falscher Einschätzung zu be- ruhen. Es möchte mehr, was in englisch„noisy' heißt, mehr Krach, mehr Lärm gemacht werden." Diesen Wünschen will die Kommunistische Partei auf jeden Fall gerecht werden. Darum macht sie Lärm und Krach, wo es irgend geht. Aber Levi sagt weiter: „Ich bin aber offen genug, zu sagen, daß wir auch hier schon unsere Erfahrungen gesammest haben und die lauten anders." Wie Paul Levi, so muß die ganze deutsche Arbeiterschaft Immer wieder die Erfahrung machen, daß es mit„mehr Krach" und»mehr Lärm" in Deutschland nicht gemacht ist. Dieser Taktik hoben die deutschen Arbeiter schon so oft Opfer an Gut und Blut gebracht, daß sie alle Ursache hätten, dafür zu sorgen, daß der Wunsch Paul Levis erfüllt wird, den er an feine Genossen richtet: sie möchten„deut- scheu Arbeitern nie mehr unter die Augen treten". Die Notlage der Postdiätare. Wie lange soll dos Hungerdasein der Postboten, P o st i l l i o n e usw. noch fortdauern? Mit dieser Frage beschäftigt« sich eine Versammlung der Diätare von der Reichspost, und Tele» graphenoerwaltung. Postschaffner S ch e r f f- Essen führte in seinem Referat aus, daß die Lage der lm Postdienst als Diatare Beschäftig. ten immer noch eine tief traurige sei. Er hob hervor, daß durch die Republik zwar die Möglichkeit auch für die In den Staatsbetrieben tätigen Kräfte geschaffen worden sei, ihr Geschick s e l b st in die Hand zu nehmen, sich zu o r g a n i s i e r e n und Forde- rungen zur Erlangung eines menschenwürdigen Daseins geltend zu machen. Es sei auch gelungen, einige Zulagen zu erreichen, aber was gegeben wurde, war so winzig, daß von einer„aus- reichenden Verbesserung nicht gesprochen werden könne. Im übrigen habe man nur Versprechungen erhalten. Nachdem die Diätarordnung gekommen war, merkten die damit Beglückten, -tt daß st» etgenmch nicht mehr, i onoern eyer w«n,'/ier litten,<"• ihnen als Posthelfer beschieden war. Man tröstete firi damit, daß doch Aussicht aus einen höheren Ausstieg hätten und spa� mehr erreichen würden. Der Deutsche Äeamteiibund versagt, um etwas zu erreichen, müsse die Köv egenschaft 0e' werkschaftlich geschult werden, erst dann werdje oer Kamps J""? Dasein zum Ziel führen. Zum Schluß empfahl Redkier den Ansrfpij an den Deutschen Verlehrsbund, dessen.'Aufgabe es st'" werde, die Interessen des Post- und Telegraphen� etrsonats zu 0"' treten.(Lebhafter Beifall.) Nach einer längeren Aussprache wurde eine Elitschließung e>" stimmig angenommen, in der„mit aller EnIstHiedenheit" ge0� lede Verzögerung der Erhöhung der Dienstbezügt protestiert w>ro. Wörtlich heißt es in ihr u. a.:„Aus Erwägun.geiii,.und Beratunges> .--- 1 vi. Unterdessen leiden wir w» ot. P)ir s/ordern umgehend kommt die Behörde nicht zu Entschlüssen. Unterde ssen leiden wir w>t Familien allergrößte Not. P)ir s/ordern umgehend die Gewährung einer Ausgleichszulaae„sie die DisserenS unseren zwischen dem Einkcmmen des Lohnempfängers, und Diätars»» gleichen Alter völlig aufhebt. Wir erwarten, vom, Rcichspostminist� rium die sofortige Erfüllung unserer berechtigten Forderungen und beauftragen mit unserer Interessenvertretung den Deutsche" Berkehrsbund, da die Beamtenorganisationen nach unserer Aus' fassung nicht ernst genommen werden." Am Schluß der Versammlung machte ein Kjedner noch die Mit' teilung, daß der Postsekretär H o s s m, a n n, Obmann des Aus» schusses für das Paketpostamt, auf Peranlo.ssung der Oberposl' virektion versetzt worden sei, weil ex einer, A r t i k e l f ü r d i« „Freiheit" geschrieben habe. Diese Strafversetzung sei w» der Reichsverfassung nicht in Einklang zu bringen. Die Mitteilung löste in der Bersamms zng lebhafte Rufe dt» Unwillen« aus. Ms öer Partei. Ja Südstawie» hat sich hie Sozialdemokratische Partei nach LoSlösung von den Kommunisten neu'/onstNuiert- die deutschen Genossen in Kroatien und d?N ehemals ungarischen Gebieten haben dolle Autonomie in der Part»).; eines ihrev Organe ist der«Vorwärts in Zsembolha. Wir senden unserem NapsenSbruder und allen seine» Freunden unsere besten Wünsche! veranlw. für den redakt. Teil/ Dr. Werner v/i/ier, Charlottenburg: für Anzeigen! £». Glocke, Berlin. Verlag, VorwSrls-BerdU e G. m. ö. H.. Berlin. Druck: Vor- würtS-Buckdriickerei«. 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