ttr.2S4 �ZS.Fahrgattg Ausgabe B Nr. 101 Bezugspreis: Tierteljährt. 30,— M., monatl, 10,— M. frei ins Saus, voraus»ahlbar, Post- bezug: Monatlich lv.—M., einschi, Fu- stellunasgebsthr. Umer Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar- und Aicmelaediet, lowie die eheinals deut- lchcn Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27.— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn. Tfchecho-Elowalei, Dans- mart. Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der„Vvrnxlrls" mit der Sonntagsbeilage„Voll und Feit", der Unter- baltiurgsbeilage„Heimwclt� und der Beilage.Siedlung und Kleingarten« erscheint wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Jtojialtemafcal Berlin" Abend Ausgabe Verlinev Volksblatt (20 Pfennig} Slnzeigeuprets, Die«chtgefpasten» Ronvareillezetl, tollet b.30 3S..Kleine Unjelgcn" da, fettgedruckt, Bort I.SO M.(zu- lässig zwei fettgebnuß,«orte), jedes weiter» Wort U— M. Stellengesuch» und kchlsfstellenanzeigen da» erst, Wort 1/— W, jede»»eitere Wort 00 Psz. s»:t, tlder ib Buchstabe» zählen für zwei«,rr» jsamilien-An- zeigen für Abonnenten geil» 8,— M. Die Presse»erstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. Anzeigen sllr die»»chste Zlummer müssen bt»» Ahr nachmlttag» im Hauptgeschäft. Berlin EW kä. Linden. straße S, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh dl, b Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchtands keöaktion und Expedition: SW b8, Linöenstr. Z Acrnsprecher: Am» Morthpla«, Nr. lSI Sv— lSl S? vorwärts-verlag G.m.b.H., SM b8, Lindenstr.2 'Fernsprecher, Amt Morthplatz. Nr.»17S»— Sll Selgisiher Vermittlungsvorsthlag. Der Senat der Vereinigten Staaten hat tlie Nesolu» tion Knox mit mehr als Zweidrittelmehrheit unverändert angenommen. Damit ist ein„Kriegszustand für beendet er- klärt, der uns bedeutend erträglicher schien als der„Friedens- zustand�, in dem wir uns mit unfern europäischen Nachbarn befinden. Der Klang der Friedensglocken, die jenseits des Ozeans erklingen, wird für unser Ohr übertönt durch den Lärm der Trommeln und Trompeten, mit dem sich Frankreichs wobl- ausgerüstetes Heer zu neuem Einfall in deutsches Gebiet vor- bereitet. Für die vollkommene Verirrung, die das Rechts- gefühl unserer machtberauschten Gegner erlitten hat, ist es be- zeichnend, daß in London nur noch darüber gestritten wird, ob dieser Einfall ohne vorherige Mitteilung an die deutsche Regierung erfolgen soll, oder ob es zweckmäßiger ist, dem trockenen Krieg e in Ultimatum vorangehen zu lassen. Die Anhänger des Ultimatums— das fei nicht verkannt— tragen sich zum Teil mit der Hoffnung, daß durch ihre Taktik die An- Wendung von militärischer Gewalt noch im letzten Augeblick verhindert werde. Diese Hoffnung wäre jedoch nur dann ge» .j rechtfertigt, wenn sich das Ultimatum auf die Zusammenfassung durchführbarer Forderungen beschränkte, nicht aber dann, wenn es Unmögliches fordert. Ein Ultimatum, das Unmögliches forderte, könnte vielleicht von einer deutschen Ne- gierung unterschrieben werden, die den Eintritt der gesürchte» ten Sanktionen j e tz t zu vermeiden sucht» aber der nicht ferne Tag, der Deutschland notgedrungen vertragsbrüchig fände, wäre dann wieder für uns em Tag des drohenden Straf- gerichts. Da die Franzosen nach den bestimmten Erklärungen B r i a n d s von einem Ultimatum nichts wissen wollen, wer» den sie ihr Bestreben darauf richten, es überhaupt zu verhin- dcrn, oWr aber.> wenn ihnen das nicht gelingt, es so zu ge- stalten, daß sie hoffen können, Deutschland würde es nicht on- nehmen. In das französische Programm für dieses- Ultimatum fit. daher auch mit Vorbedacht die Forderung aufgenommen. daß Deutschland nochmals in aller Form seine Verantwortung für die Entfesselung des Krieges anerkennen soll. Man rechnet damit, daß dieser neue Versuch, einen Gewissenszwang aus» zuüben, stärkeren Widerstand finden wird als selbst das un- möglichste Zahlungsverlangen. In letzterer Beziehung ver» lautet, daß von Deutschland 276 Goldmilliarden, zahlbar in 36. Jahren, gefordert werden sollen. Mit andern Worten: Frankreich will marschieren? es will sich, wenn es jetzt noch nicht dazu kommt, die Gründe schaffen, um später zu mar- schieren, aber es will jetzt marschieren, weil man doch nicht weiß, was passieren kann, wenn die Ausführung des Planes verschoben wird. Im Rat der Völker erhebt sich aber keine einzige mächtige Stimme, die den Alliierten zuruft:„Zu dem. was ihr jetzt tun wollt, babt ihr kein Recht! Das. was ihr jetzt tun wollt, ist nackte Gewall! Nachdem ihr einen Frieden geschaffen hobt, der keiner ist, führt ihr e i n en Krieg, den ihr nicht wagt so zu nennen, und der nur deshalb keiner zu sein scheint, weil kein Gegner mehr da ist, der sich wehren kann." Und wir? Wir brauchen eine Regierung, die uns ein Beispiel gibt, Unvermeidliches mit Würde zu tragen, die nach nr.en durchführen kann, was sie für berechtigt und notwendig hält, und die, mit dem Schild eines guten Gewissens gedeckt, für das Recht des deutschen Volkes in der Welt streiten kann. Das deutsche Volk ist leider nur zu sehr gewohnt, g e s u b r t zu werden, aber es muß doch wissen, wohin man es führt! Ein Ultimatum. London. 2. Mai. sReuler.) ver Oberste Rat ist heule früh zusammengetreten und hat sich bis W Uhr nachmittags vertagt. da die finanziellen Sachversiändigen ihren Bericht noch nicht fertiggestellt hatten. llnterdestcn erörterten die Sachverständigen Vorschläge J a s p a r», die bezwecken, die Meinungsverschiedenheiten der Alliierten beizulegen. Anstatt vor Eröffnung von Verhandlungen mit den Deutschen sofort ins Rnhrgebiet einzumarschieren, würden danach di- Alliierten Deutschland ihre Bedingungen über- rc che«, die sich aus den Betrag der vom Reparationsausschuß fesizesetzten deuffchen Verbindlichkeiten, nämlich 6600 Millionen vfunb Sterling, gründen. Diese Bedingungen werden von einem kurzfristigen Ultimatum begleitet sein. Inzwischen würden die Alliierten die Zwangsmaßnahmen vor- bereiten, um diese Bedingungen im Falle einer deutschen Ablehnung durchzusetzen. Nach Ablauf des Ultimatums würden die Sanktionen unverzüglich in Kraft geseht werden. Zaspar- Vorschläge ermögllchen es also Frankreich, leine v o r b e r e l l u n g c n für die Zwangs- Ttahuahmeu sortzuketzen für den Fall, daß Deutschland sich mergert, der Entwaffnung, den Reparationen und den Prozesien gegen die.Kriegsverbrecher" zozustimmea. Außerdem ton die vor- ichlöge der brillscheu öffentlichen Meinung Genüge, indem sie Deutsch- land eine kurze Zeitspanne gewähren, um die Bedingungen der Alliierten auzunehmea und die notwendigen Bürgschaften zu stellen. Der Oberste Rat wird die Vorschläge Jaspars morgen nachmittag prüfen. Bei dem heutigen Meinungsaustausch verlautete, daß Lloyd George die Annahme der Vorschläge Zaspars nicht ab- gelehnt und zum Ausdruck gebracht habe, daß er die französischen und die belgischen Bemühungen zur Lösung der Schwierigkeiten zu schätzen wisse: er habe sich aber geweigert, vor einer Beratung mit dem Kabinett eine endgültige Antwort zu geben. Das Kabinett wünschte später die Vorschläge zu erwögen, wenn sie aufgezeichnet seien. Ein aus Eorzon, Briand, Sforza, Iaspar und hayashl bestehen- der Redaktionsansschuß, der die Vorschläge Iaspars jchrift- lich festlegen soll, beriet heute abend anderthalb Stunden nnd ver- tagte sich dann aus morgen vormittag, wo er seine Arbeit abzu- schließen hofft. London, t. Mai.(Reuter.) Der Oberste Rat hat sich um S Uhr 30 vertagt und wird morgen wieder zafammeutreten. Die Zahlungsbedingungen. Paris, 2. Mai.(MTB.) wie der Sonderberichterstatter der hovasagentur aus London mitteilt, haben die alliierten Sachverstän- digen bis«ach Mitternacht gearbeitet, um die n e u e n Z a h l u n g s- bedingungen für Deutschland festzustellen. Räch ihm soll man schließlich folgenden Plan festgestellt haben: Deutschland soll 3 Kategorien von Bons Nefern. Die ersten im Werte von 12 Milliarden sollen s o f o r t der Reparattonskommission überliefert werden, die sie nach dem in Spa ausgestellten Verteilungsschlüstel unter die Alliierten verteilt; aber auf das Vorzugsrecht Belgiens im Bekrage von zwei Milliarden Rücksicht nimmt. Diese Bons sollen zahlbar sein in nenn oder zwölf Monaten. Eine zweite Kategorie von Bons im Werke von 5 0 M i l l i a r- den soll am 1. Rovembrr 1321 emittiert und ebenfalls der Repa- rationskommistion überliefert werden, die sie unter die Mächte ver- teitt. Schließlich werde die Reparalionskommistion die Lieferung von 80 neuen Milliarden Schatzbons verlangen, wenn sie die Versicherung habe, daß der Weltmarkt sie aufnehmen und Deutschland sie bezahlen könne. Diese Bons sollen garantiert werden durch eine allgemeine Hypothek gemäß Artikel 2«S des Friedensvertrages aus allen werten und Einnahmequellen Deutschlands sowie durch besondere Pfänder, namentlich Zolleinnahwen, deren Erlrag man auf 1 Milliarde Goldmark schätzt. Auch eine Kommission für die deutsche Schuld soll in Berlin errichtet werden. Die Diskussion über die Anzahl der Iahreszahlungen. ob 30 oder 42. werde fortgesetzt. pari- 2. Mal.(WTV.) ver diplomatische Mitarbeiter der ..Chicago Iribone" in London will erfahren haben, daß die im Obersten Rat vertretenen Mächte die Zahlen der Reparationskom- Mission, das heißt 132 Milliarden Goldmark. zahlbar in Annuitäten bis zum Gesamtbetrag von 270 Milliarden, als die neuen Reparationssorderungen angenommen und das Abkommen von Boris mit seinen 226 Milliarden fallen gelösten hätten. JasparS VernnttlungSvorschlag. Baris« 2. Mai.(MTV.) Wie Pcrtinax im„Echo de Paris" mitteilt, soll das Kompromiß, das der belgische Minister Zaspar gestern vorgeschlagen hat, zunächst die angeblichen Verfehlungen Deutschlands gegen den Vertrag und gegen dieinSpaundParis getroffenen Abmachungen der Alliierten hinsichtlich der Kriesgbcfchul- digten, der Entwaffnung und der Reparationen aufzählen. Sodann werden all« vorbereitenden Maßnahmen zur Besetzung de, Ruhrgebiets, wie Mobilisierung und Truppenkonzentrationen, für angängig erklärt. Die Reparationskcmmistion erhält den Auf- trag, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um Deutschland die Zahlungsbedingungen und die Garantien mitzuteilen, die die alliierten Mächte verlangen. Diese Mitteilung müsse am 4. Mai an Deutschland ergehen und die in Aussicht genom- menen Maßnahmen würden nicht unterbrochen werden, wenn nicht bis zum 8. Mai allem Verlangen der Alliierten Folge gegeben werde. England gegen Ruhrkohlensteuer. Baris. 2. Mai.(WTB.) wie Perttnax dem„Echo de Baris" mitteilt, haben die Engländer die kohlen st euer endgültig abgelehnt, die der französisch« Vorschlag vorgesehen hat. Bertmax sagt, man müst« nun etwas anderes suchen, um das dadurch entstandene Loch«uszufüllcu. Wie Pertinax im„Echo de Paris" weiter mitteilt, hat die eng- tische Regierung ihre Zustimmung zu der von der französischen Re- gierung vorgeschlagene maritime Demonstration noch nicht gegeben. Die englischen Minister wollen erst am Ende des heutigen Montags hierüber eine Enffcheidung treffen. Frankreich marschiert trotzüem! B a/i s. 2. Mai.(wTL.)„Petit Parstien" meldet, die für heule gegebene Mobilmachnngsorder für die Iahresklajjc 1313 bleibe bestehen. Dos gleiche Blatt meldet auch bereits Truppenbewegungen. So solle von Lyon ein gemischtes Kavallerieregiment mit 12 Batterien nach Landau abgehen. Weitere Truppen gingen heute von Melon nach dem Rheinland. Die s ü n ft c Kavalleriedivision werde nach der Pfalz befördert. Nleinungsverschieöenheit in London. London, 1. Mai.(WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des„Obseroer" schreibt über die gestrigen Beratungen des Oberste! Rates, Italien habe die britische Ansicht unterstützt. daß jetzt, wo die Reparattonskommission die Gesamwerpflichtunger. Deutschlands festgesetzt habe, die Konferenz entscheiden müsse, wie viel bezahlt werden soll». Darauf solle dann ein Ultimatum an Deutschland abgesandt werden. Briand habe seine Trnmpfkarte einer sofortigen Besetzung des Ruchrgebtets aus- gespielt und erklärt, erst nach dieser Besetzung soll« die Frage der Ar! der Bezahlung aufgeworfen werden. Dem Berichterstatter zufolge waren die gestrigen Beratungen vollkommen auf einem toten Punkt angelangt. Lloyd George schlug vor, die Sachver ständigen sollten drei Tage erhalten, um einen Plan betreffend Be Zahlung und Garantien auszuarbeiten, und Deutschland solle dann ein dreitägiges Ultimatum überreicht werden. Inzwischen dürften die Franzosen vom ersten Tage des Ulttmatums ab mobil! steren, ohne erst dessen Ablauf abzuwarten, da di« französische Mo bilisierung zehn Tage erfordert. Diesem Vorschlag von Lloyd Georg« habe Briand eine glatte Ablehnung entgegen gesetzt, und heute müste eine endgültige Enffcheidung zwischen diesen beiden Ansichten fallen. Lloyd George und Briand sind bei diesen Besprechungen, wk aus dem Havasbericht hervorgeht, hart aufeinander geraten. Danoä sei Briand nicht weit davon entfernt gewesen, sich im Ramen Frankreichs seine vollständige handluugssreiheit wiederzunehmen. Lloyd George seinerseits erklärte: Wir sind überzeugt, daß sämtliche Kreise der City wie auch die Arbeiterpartei gegen jedes Einschreiten der Verbandsregierungen in Westfalen sind, wie auch gegen die Zahl von 132 Milliarden Goldmark, di«'die Reparationskommission Deutschland als seine Schuldsumme mitgeteilt hat. Di« beiden Mi- nisterpräsidenten beharrten ein jeder aus seinem Standpunkt. Tie französische Auffassung wurde nach einer Havas-Meldung folgendermaßen formuliert: Dr Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllt hat, ist die Inkraftsetzung von Vergeltungsmaßnahmen gerechtfertigt und fw die Verbandsregierungen geboten. Die fraanzösifch« Regierung muß infolgedessen all« hierfür notwendigen Maßnahmen ergreifen, und vor allem die unverzügliche Mobilmachung der hierzu notwendigen Mannschaftsbestönd« beschließen. Falls während dieser Vorberei- tungszeit, die unentbehrlich ist, Deutschland erneut den Versuch machen ! sollte, zu einer Beilegung zu kommen, so wird die sranzö- isische Rcgierung nichts dagegen haben, daß die Frage einer neuen Erwägung unterzogen wird. Vorbedingung hierfür is jedoch, daß Deutschland die Bedingungen der Verbandsregierungen ir vollem Maß« annimmt ohne jeden Vorbehalt und mit den etwaigen Bürgschaften. Deuffchland müßte also I. unverzüglich sein« Entwaffnung unter Aufsicht der Verbandsregierungen durchführen, 2. di« von der Reparationskommission festgesetzte Zahl von 132 Milliarden Goldmark annehmen. 3. im Borau» sein« Einwilligung zu den Zahlungsbe- dingungen geben, welch« die Reparationskommission zur De- gleichung seiner Schuld festsetzen wird, 4. in aller Form seine Verantwortlichkeit für die Entfesselung des Krieges anerkennen als Grundlage für die ihm auferlegten Friedensbedingungsn. 5 seine Unterschrift geben unter die in Voraus von den Verbandsregierungen festgesetzten Sicherheiten, wie z. B. sofortige Zahlung von einer Milliarde Goldmark. U n t e r a u f- sichtstellung der Zölle, Schaffung einer Interalliierten- Kommission für den deutschen Schuldendienst usw. Der Oberste Ral wird heute abend seine Entscheidung treffen. Sollte wider Erwarten den Wünschen der französiichen Abordnung nicht entsprochen werden, so hat Briand bereits gestern erklärt, daß er nicht zögern würde, seine vollkommene Handlungs- fr eiheit wiederzunehmen. Auf jeden Fall wird die Frage der Einberufung de, Jahrgangs 1313 noch heute abend nach Schluß der Sitzung des Obersten Rales von Briand geregell werden. England schlägt 10 Tage Bedenkzeit vor. Paris, 2. Mai.(WTB.) Um 7 Uhr haben die Minister für auswärtige Angelegenheiten sich, nachdem Lloyd George in der Roch- mittagssitzung um Bedenkzeit gebeten hatte, um sich mit seinen Ministertollegen zu beritten, nochmals zusammengefunden, hier verlangte Dord Curzo« im Ramen der englischen Regierung, daß Devkschland nicht 4 Tage, sondern 10 Tage gelassen würden, um den Zahlungsbedingungen der Alliierten zuzustimmen. Man beschlost schließlich, die Unterhaltung nicht fortzusetzen und sie auf Montag zu vertagen, ste soll von den vier Ministern für aus' auswärtige Angelegenheiten um 1lH4 Uhr vormittags wieder auf- genommen werden. Zwei Stunden später soll alsdann der Obersts Rat wieder zusammentreten. Amerika gegen Zwangsmaßnahmen! sla r i s, 1. Mai. fDJTB.) Nach einem Telegramm der»Thi- cago Tribüne" aus Washington soll die Regierung der Vereinig- t c n Staaten dem Obersten Rat ernste Einwendungen gegen die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen in Deutschland übermittelt haben. Räch einer offenbar inspirierten Rachricht hakte die Regierung vorgestern abend erklärt, daß sie ihre vermittelnde Tätigkeit auch dann nicht aufgeben werde, wenn die Besetzung durchgeführt werde. London, 2. Mai.(WTB.) Laut„Observer" hat eine Depu« tation der Ci t r>- B a n k i e r s Lloyd George aufgesucht und gegen alle weiteren Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland Protest erhoben, da diese Zwangsmaßnahmen nur zu weiteren Er- schütterunge» führten. London. 2. Mai.»Daily Expreß" schreibt, es sei möglich, daß mährend der Zeit, die das Ultimatum Deutschland gewähren wird. Amerika von den Alliierten ersucht wird, die Vermittler- rolle zu übernehmen.„Daily News" hält«ine amerikanische Intervention allenfalls für einen möglichen Faktor in dem Pro- gramm. Dem gleichen Blatte zufolge sollen inoffizielle Berichte vor» liegen, nach denen die Washingtoner Regierung die Rück- kehr zur vollen Mitarbeit mit den Alliierten einschließlich der Wiederteilnahme an der Reparationskommission erwäge. Jrieüensresolution Knox angenommen. Washington, 2. Mai.(WTB.) Der Senat hat die F r i e d e n s- entschließung des Senators K n o x mit 49 gegen 23 Stimmen angenommen. Senator Lodge, der in einer Rede diese Eni- schließung befürwortete, kündigte an, daß wahrscheinlich ein Vertrag mit Deutschland folgen würde, sobald sie Gesetzeskraft erlangt haben werde.« „New Pork Times" meldet aus Washington: Die Debatte über die Annahme der Friedensresolution dauerte sieben Stunden. Die Demokraten �bezeichneten die Resolution als Chrenerklä- runz für Deutschland,' obwohl Amerika am Kriege teilgenommen Hab«, und als Verrat an den Alliierten, chodze wandte sich gegen diese Haltung der Demokraten und fragte, ob denn Amerika im Kriegszustände verharren solle, während alle anderen Länder Frie» den geschlossen hätten. Wenn wir, erklärte der Redner, zu dem Er- gebnis gelangen, mit Deutschland durch einen Vertrag, der dieser Resolution wahrscheinlich folgen wird, Frieden zu schließen, so üben wir in Wirklichkeit keinen Verrat an der Sache des Krieges. Harding und Hughes habe es klar dargelegt» daß wir nicht daran denken, das Interesse der Alliierten im Stich zu lassen. Diese Resolution legt unsere Hände ineinander. Wir sollten die Vereinigten Staaten auf dieselbe Handelsbasis stellen, auf der die anderen Staaten bereits zwei Jahre lang stehen. Die Schwierigkeit auf feiten der Demokraten liegt darin, daß ste nicht anerkennen wollen, daß der Krieg vorüber ist und daß ihr Vertrag und ihre Liga vom Volk« abgelehnt worden sind. Die Resolution geht nunmehr dem Repräsentanten» h a u s e zu» das sich bald mit ihr beschästigen dürste. Oesterreichs Not. In Oesterreich haben die Verhandlungen zwischen der Re. g i e r u n g und den Delegierten der BölkerbundsFinanz- k o m m i f f i o n zwecks Ordnung der österreichischen Finanzen be» gönnen. Die Delegierten fordern vor allem die Einschränkung der staatlichen Lebensmittelzuschüsse auf das geringste Maß, nämlich nur zugunsten der Aermsten und Hilfsbedürftigsten, Erhöhung der Steuerbelastung und raschesten Abbau der Verkehrseinschränkungen, welche den freien Austausch mit den Nachbarländern hemmen. Die österreichisch« Regierung hat bereit» ein Finanzprogramm aufgestellt und mit den Parteien Verhandlungen über dieses Pro- gramm angeknüpft, die bereits vor dem Abschluß stehen. Die öfter- reichischen Blätter heben hervor, daß es den Finanzdslsgierten des Völkerbundes mit der Sanierung Oesterreichs offensichllich ernst sei, hegen jedoch Zweifel, wie die Vorschläge durchgeführt werden sollen, da eine Erhöhung der Staatseinnahmen eine neue Teue- r u n g und damit höchstwahrscheiülich neue Lohnforde- rungen hervorrufen würde. proteststreit in Oberschlesten. wie wir hören, wird seit heute früh aus zahlreichen oberschlesischen Gruben gestreikt. Als Streikgrund wird von den Bergarbeitern des Rybniker und plcfser Kreises angegeben, daß ste vernommen haben, diese Kreise sollen von Deutschland abgetrennt und Polen zugeteilt werden. Hierzu wird uns von einer Seit«, die mit den Verhält- Nissen vertraut ist, mitgeteilt: Bei der Volksabstimmung am 20. März wiesen die Kreise Pleß und Rybnik eine polnische Mehrheit auf. Diese Mehrheit ist einerseits durch Terror und andererseits unter der von den Polen verbreiteten Auf- fassung entstanden, daß sich in ganz Oberschlesien eine polnische Mehrheit ergebe und dies dann ungeteilt Polen zu- geteilt würde. Die Abstimmung ergab aber eine große Mehrheit für Deutschland. Die Interalliierte Kom- Mission soll nun, nachdem das in Oberschlesien bekannt ge- worden ist, an der Hand des Abstimmungsergebnisses den Dorschlag gemacht haben, die Kreise Pleß und Rybnik an Polen zu schlagen und das übrige Oberschlesien bei Deutschland zu be- lassen. Gegen diese Teilung Oberschlesiens richtet sich der Streik in der wahren Erkenntnis, daß die abzutretenden Kreise wirtschaftlich vernichtet werden würden, weil ihre Lebensader aus den! übrigen oberschlesischen Jndustrierevier gespeist wird. Die Bewohner der zur Abtretung vorgeschlage- nen Kreise erklären, daß, wenn sie unter dieser Voraussetzung erneut abstimmen dürften, sich eine große Mehr- i t für D e u t s ch la n d ergeben würde. Sestraste Waffenschieber. Vor längerer Zeit machten wir Mitteilung über die Waffen- funde in der Ratzeburger Kaserne, welche auch der Genosse Hermann Müller-Franken in seiner letzten Reichstagsrede noch er- wähnte. Unseren Genossen in Kiel und Oldesloe war mitgeteilt worden, daß in der Ratzeburger Kaserne eine erhebliche Anzahl von Waffen lagerte. Mit Hilfe des Entwaffnungskommissar» wurde festgestellt, daß ZSOO Gewehre und 35 Maschinengewehre dort eingemauert verwahrt wurden. Zwischen der Beschlagnahme und der endgültigen Vernichtung wurde versucht, die Waffen nach einem Jagdhause am P i n n s e e in der Nähe von Mölln zu oerschieben. Unsere Parteigenossen waren aber auch hier wachsam, und so konnten dort 2100 Gewehre und 15 Maschinengewehre festgestellt und abge- liefert werden. Wo die restlichen 1500 Gewehre und 20 Maschinen- gewehre geblieben sind, ist bisher noch unbekannt. Sicher ist, daß diese irgendwohin verschoben worden sind. Die Personen, welche die beschlagnahmten Waffen von Ratze- bürg nach Mölln verschoben hatten, und zwar der Student A. H ell- mann, der Hausmaklcr E. F e h l a n d t, der Student K. Z e p f, der Kaufmann W. S ch m e r s a h l, der Prokurist K. E g g e r s und der Forstrat K. H o r n b o r st e l, hatten sich dieser Tage vor dem außerordentlichen Gericht in Altona zu verantworten. Die Angeklagten gehören sämtlich der Deutschnationalen P a r t e i an. In der Verhandlung erklärte der Hauptangeschuldigte Hellmann zu seiner Verteidigung, daß im März ein Herr(der be- rühmte«große Unbekannte"), dessen Namen er nicht nennen wollte, an ihn herangetreten sei und ihm zwei Urkunden ge- geben habe,- um auf Grund dieser Waffen und Kriegsgerät, was vernichtet werden sollte, wegzuschaffen,„um es dem Reiche zu erhalten". Hellmann erklärte, er habe die Urkunden für echt gehalten und geglaubt, die Beiseiteschaffung solle auf Veranlassung einer Reichsbehörde geschehen. Das Gericht verurteilt« Hellmann zu 3000 M„ Fehlandt zu 2000 M„ Wehrenberg zu 1000 M. und Hornborstel zu 2000 M. Geldstrafe. Zepf, Schmersahl und Eggers Zreuöe! Arbeiter! Ihr seid die Morgenfrühe und der späte Abend, der hohe Mittag und die tiefe Mitternacht. Eure Arbeit ist die Oase in der Wüste der Welt. Ihr seid der Sternenhimmel täglich neuer Hoffnung. Der Glanz eurer Vielheit ist das Diadem der Planeten. Aber wehe, wenn die Sonne nicht mehr der-Dynamo eurer Leucht- kraft ist, wenn die Freud« nicht mehr der Quell eurer Arbeit! Freude ist die Sinfonie des Sozialismus. Freude ist der Chor der Arbeit, die Morgenfrühe und der späte Abend, der hohe Mittag und die tiefe Mitternacht, der Sternen- Himmel: neuer Hoffnung Reigen und Lied. Arbeiter! Euer Werk ist die Oase in der Wüste der Welt. __ JuliuS Zersäg. Hintcrpommersch« Fahrt. Schon die Bahnfahrt brachte mir da», worauf mein suchender Sinn abzielte. Längst hatte sich der Apfelsinenoerkäufer in Eberswalde verduftet, lange schon war wie eine wirre Vision der Lichtstrahlen Stettins vergessen, und die Namen Stargar d, Belgard und S ch i o e l b e i n hatten sich weniger in das Gedächwis eingegraben, als die so mancher Dörfer mit unverständlichem Klang. Das war ein Ruck nur, ein seltsam gegurgelter Namensklang und schon ein neues Weiterziehen. Die Landschaft hinter den tauben Fenstern bekam jetzt eine schon klarer hervorstechende Physiognomie: Bäume, Sträucher, Feld- zäune, Engpahwände, sogar schon diese so unauffälligen, in sich ver- haltenen, pommerschen Aecker und Wiesen ließen ihre Ausdehnung bis an den blaugraucn Horizont erkennen. Die Leute, die aus Berlin mit mir zusammen abfuhren, die Grohstadtmenschen, denen eine so redselige und zugleich so verbissen mißtrauische Nervosität innewohnt, waren nach und nach aus dem trübbelichteten Wagen in eine schwarze Nacht verschwunden. Nur einer, der vordem den nun schon lo lange seligen Kommiß mit verständnisinniger Wollust ver- teidigte, schlief nun auch den tiefften Frühschlaf. Keine freudige Sonne jagte am Horizont empor, nach und nach entschleierte sich der Blickkreis aus dem Wagenfenster. Ernst, mit einem knorrig-finsteren Seitenblick, auffassungeschwer, sinnierend, mit stupider, aber auch mit stolz-listiger Freude an ihrer Fruchtbar- keit lag die Landschaft da. So wie die Menschen, die noch im Däm- niern jenen gebrummten Fluch für irgendeinen Widerstand hotten. Ein alter, verwitterter, durch zuviel Arbeit gesichtsgefurchter Mann saß da im Bratenrock, festtich und gravitätisch, aber ohne Orden. Der fuhr mit seiner Frau, die die gestrickte Wollhaube alter Frauen trug und den bei den frühalternden pommerschen Landfrauen oft anzutreffenden nornenhasten Gesichtsausdruck der Interesselosigkeit hatte. Die Männer sprachen selten, hatten eine starre Eigentüm- lichkeit im Blick und wurden erst etwas lebendige�.' als eine junge Frau, von der oberschlesischen Abstimmung zurückfahrend, in den Wagen kletterte, die alten Krauter in Kavaliers sonderbarer Prä- gung umwandelte und auf ihre derbe Anspielungsweise in unmiß- verständlicher Weise Rede stand. So waren Köslin, Regierringsbezirksstadt mit elektrischer Sttaßenbabn, und S ch l a w e, mit einem eindruckreichen viereckigen Kirchturm längst vorbeigerollt. Stolp machte sich schon bemerkbar. Man sagte mir, Stolp wäre die letzte Zioilisationsetappe: ich habe gelächelt und habe verschwiegen, daß ilh nach Lauenburg fahre. Aber hier in Stolp stieg ein schön«.' hmterpommerscher Herrgott mit blankbraunen Kavalleristenstiebeln ein.„Forscher Kerl" knackte es in diesen Sriebeln. Ich war ganz begierig auf notwendig Kommendes. Und schon sprach er vom Militär. Und schon hotte er den Mund voll, wie damals alles klappte, daß es ein Ruck und ein Schmiß war.„Wir dürfen uns nicht von diesen Schiebern in der Regierung über den Schädel schlagen lassen." Und dann kamen alle di« geläufigen Ergüsse, die muh die Iudenstage nicht ausnahmen. »Da hättet ihr mal meine Kompagnie sehen sollenl" Die anderen beschnüffelten mißtrauisch diesen ehemaligen Feld- webel, liehen ihn unentwegt weiter reden. Kurz vor Lauenburg trat schließlich doch eine Pause in dem Redestrom ein, und jetzt sagte unbewegt ein Alter:„Dat weit wi nu al längs, wi wullen ein annert, bäter Leven." Diese Episode verlief ohne Wirkung, mich aber hielt ste noch immer In Bann, als ich schon längst meiner Mutter In Lauenburg Guten Tag gesagt hatte. Otto Brattskooen. „Morgen wieder lustik." Theater des Westens. Ein Abenteuer aus dem Leben Ieromes, des Königs von Westfalen. Er verliebt sich in die Gräfin Charlotte, die er zur Schloßocrwalierln auf Wik- helmshöhe macht.' Diele Gräfin war einmal mit einem Despoten verheiratet und schwur sich, zum zweiten Mann nur eine große Null zu nehmen, über die sie selber gebieten tonnte. Graf Rolf gewinnt ihr« Hand, indem er sich als Trottel verstellt. Da er des Königs Absichten merkt, läßt er die Mast« fallen u»d spielt nun ein bißchen Zähmung der Widerspenstigen. Für ein Spottlied aus die Majestät wird er ins Gefängnis gesetzt: die Liebe Eharlottens wacht auf, dem Gnadenakt Ieromes entgeht er, indem Napoleon seinen eigenen Bruder für 24 Stunden hinter Gitter setzen läßt zur Strafe für eine unbotmäßige Antwort. Das Spoktlied auf den Herkules, der keiner ist, besteht also zu Recht. Am Schluß ist alles bürgerlich harmonisch und eitel Ordnung. Heute muß der König brummen; aber„morgen wieder lustik". Wir werden aber auch übermorgen weiterbrummen. Etwa so: Wilhelm I a c v b y hat einen geschickt und graziös cntworfe- nen Text durch viel plumpe Zutat an Unsinn und Clownerie, Wortwitz und Kalaueret auf Berlmer Schwerhörigkeit eingestellt. Ex ist mit allen Typen hausieren gegangen und hegt sie. ob sie mögen oder nicht. aufeinander. Milieu und Handlung interessiert aber fortlaufend. Weiter: für die Musik zeichnet verantwortlich Heinz Lewin. Ich möchte dem sympathisch dreinblickenden Mann nicht so wehe tun, wie er mir getan hat. So sei ihm mit dem Refrain eines seiner abgegrasten Vorstadtcouplets zugerufen:»Tralala. der Geschmack der ist verschieden." An diesen stockenden, stochernden, ungraziösen, inhaltlosen Tönen weidet sich kein Ohr, das durch Guilbert, Fall. Lehar, Straus und Künnecke verwöhnt war. Der Tod klappert In ihren hohlen Köpfen. Emmy Sturm, die den Nromg leck und wurden freigesprochen.— In Berlin erhielt unlängst ein une abhängiger Arbeiter wegen unbefugten Tragens einer Pistole— einen Monat Gefängnis. Hierin zeigt sich die völlige Un- Parteilichkeit der Justiz bei der Strafzumessung. Deutschnationale Heuchelei. Wir berichteten beretts, daß die von Hörfing verbotene»Holls leschs Zeitung" wieder zu erscheinen suchte, indem sie einfach ihren Kopf in„Hallesches Tageblatt" umänderte. Dieses durchsichtige Schwindelmanöver wurde durchkreuzt und das Blatt auch in seiner neuen Form verboten. Die deutschnationale Presse aber tut so, als erkenne sie diesen Zusammenhang nicht und berichtet von einem ganz neuen Verbot einer anderen Zeitung, die gar nichts begangen habe. Allen voran ist dabei die„Telegraphen-Union". deren Redakteure neulich erklärten» vor Gericht beeiden zu wollen, daß das Institut ohne jede Tendenz Rachrichtenmatenal verbreite! Dieses saubere Hugenberg-Institut meldet nämlich zur höheren Eni- rüstung, daß Hörsing das Erscheinen„aller patriotischen Zei- tungen und Zeitschriften" oerboten habe, die in der Druckerei der „Halleschen Zeitung" hergestellt werden.— In Wirklichkeit handelt es sich um eine Maßnahm«, die notwendig war, um eine neuer» liche Umgehung des Verbotes zu verhindern, nachdem sich her» ausgestellt hatte, daß das erste Zeitungsoerbot einfach nicht be- achtet worden war. In der Druckerei der»Roten Fahne' sind seinerzeit, gelegent- lich des Verbotes, die Rotationsmaschinen vorübergehep.d unbrauchbar gemacht worden. Das hat die reattionäre Presse gut geheißen, obwohl die„Rote Fahne" nicht versucht hat, unter anderem Titel weiter zu erscheinen. Aber für ihre eigene Presse nehmen die Reaktionäre das»Recht aus Gesetzesverhvhnung" in An« spruch._ Latente Regierungskrise in Sachsen. Aus Dresden wird uns geschrieben: Für die sächsische Regierung und ihre knappe Landtags- Mehrheit ist die Lage nach wie vor k r i t i s ch. Unter der Be- gründung, daß sie einer einseitig sozialistischen Regierung, die sich auf die Hilfe der Kommuni st en stütze, keine Mittel mehr bewilligen könne, haben die bürgerlichen Parteien kürzlich gegen das Gehalt des Finanzministers gestimmt. Die Ablehnung konnte, weil die Linke durch Verhinderung einiger Abgeordneter geschwächt war, nur verhindert werden, Indem der Landtag durch Hinausgehen aller sozialistischen und kommunistischen Abgeordneten beschlußunfähig gemacht wurde. Ob die bürgerliche Koalition durch ihren Vorstoß, einen! Sturz der Regierung oder gar eine Neuwahl des Landtags provozieren wollte, ist heute noch zweifelhaft Nach Bekundungen bürgerlicher Parteiführer habe durch diesen Vor- stoß nur vorerst eine«ernste Mahnung" an die Regierung gerichtet werden sollen. Dennoch schicken sich die bürgerlichen Herrschaften bereits zu anderweiten Vorstößen an. Eine erneute Abstimmung über das Gehalt des Finänzministers soll Mitte dieser Woche er-' folgen. Dazu sind alle bürgerlichen Vertreter mobil gemacht worden. Gelingt diese Mobilmachung wirklich, so wird eine Mehrheit der Linken kaum herzustellen sein. Möglich, daß abermals die Beschlußunfähigkeit die Situation retten muß. Inzwischen haben die bürgerlichen Vertreter in den Aus- schüssen bereits gegen die Gehälter des Wirtschafts- und des Arbeitsministers gestimmt. Auch darüber wird demnächst in der Vollsitzung des Landtags eine ent, scheidende Abstimmung erfolgen müssen. Daraus ist deutlich zu ersehen, daß die kritische Lage iil Sachsen gewissermaßen jeden Tag, wenigstens aber an jedem Sitzungstage der Volksvertretung wichtige Ereignisse zeitigen kann, die einen Rücktritt der jetzigen Regierung oder Neuwahlen des Landtags im Gefolge haben tonnest» Unsere Parteivertretung ist für olle Fälle gerüstet. temperamentvoll spielte, L i e ch t e n st e i n, der flotte und outge- stimmte Graf, Alois R e s n i. der drollige Hofmarschall, und Marie M a t h ä u s. die angenebm singende, ungeschickt getleidete Charlotte, setzten sich mit anderen mutig für ein verlorenes Spiel ein. Im Sinn« der hinter dem Vorhang Verbliebenen war daher auch von Kranzspenden nicht abgesehen worden. K. S. ver König entlobt sich. Der König von Siam Hot»seinem Volke" die Aufhebung seiner Verlobung durch eine Botschaft mit- geteilt, die im siamesischen Kurialstil das Ende des königlichen Herzensromans mit folgenden Worten kündet:„Auf allerhöchsten Befehlt Als Seine Majestät seine Verlobung bekanntgab und zu diesem Zweck Mom Ehow Vallabha Devi den Titel„de» Königs Braut", sowie den Titel„Königliche 5ioheit" verlieh, hegte Seine Masestät keinen anderen Wunsch, als die Thronfolge zu sichern. Da- bei leitete ihn ebenso der Gedanke an dos Wohl seines Volkes, wie der Wunsch auf ein persönliches Glück. Inzwischen hat es sich zu Seiner Majestät tiefftem Leidwesen einwandfrei ergeben, daß der oben erwähnte Wunsch Seiner Majestät auf Erfüllung nicht zu rechnen hat. Dieser Gegensatz ist in der Hauptsache auf das chro- nische Leiden der Prinzessin zurückzuführen, deren Nervensystem so sehr zu wünschen läßt, daß Seine Majestät sich des Gedanken»> nicht erwehren kann, daß eine Heirat mit der Prinzessin uner- wünschte Folgeerscheinungen in Sachen der Thronfolge herbeiführen könnte. Aus diesem Grunde hat Seine Majestät befohlen, daß die seine Verlobung betreffende Anküydigung als nicht geschehen zu be- trachten ist." Der König begegnete vor einem halben Jahre, als er In Dang- kok Einkäufe besorgte, der Prinzessin. Wochenlang sprach man von den Verlobten nur als von der Sonne und dem Mond, und das siamesische Amtsblatt unterließ es nicht, alltäglich die Oeffentlichleit über die Bewegung der beiden Gestirne aus dem Laufenden zu halten._ Theaternachrichte». Dr. Iwan Schmith»am Moskauer Dra- malischen Theater ist von Direktor Hoilaend-r tür weitere Regiearbeiten an leinen Bübne»«ewonnen worden.— Die nächste Novität iin Schiller. Tbeater Charlottenburg ist Kurt Küchler».Der- silberte Braut." Knnltnachrichte«. Die Eröffnung der Berliner Akabemie» N u? st e! l u n g. Die Schwai»-Weitz.AuSiI-mmg der Berliner«ka- der Künite am Pariser Platz wird am Mittwoch. 4. Ma>, eröffnet we> — Der srühcr- Leiter de» IranzSsischen Institut« in Petersburg. Soui» 31« au. läßt jetzt die erite zujammensaslende Sejchichte der russischen Kunst erscheinen. »Telig aus Gnade-, Kirchenoratorium ban lllbert Becker, wird am Dienstag. S. Mai, 8 Uhr, in der Steglitzer Martu». t i r ch e aufgesührt«erde». Ter 7. dentsche Pkycholaqen.Kongreft. der erste seit t»U. tzatietzt In der Universität Marburg getagt. SOO deutsche und ausländische Teil. nehiiicr waren cischirnen. fast«0 Vorträge auS allen Kefreten der Pihch». logie wurden gehalten. Aus tztmegirng von Prof. M a r b e. Nürburg wurde einstimmig beschloslen. die Regierungen der deutschen Bunde». floaten ans die jleigende Bedeutung der Psychologie hinzuweisen und ent« sprechend« Vertretungen des Fache» an den Unwersttäten. au»r«iche»de Geldmittelimterstützung der pshchologsschen Instttut« zu jorder». fit. 204 ♦ ZS.Fahrgaag Heilage öes vorwärts Montag, 2. Mai 1021 f Unsere Maifeiern. Der Himmel meinte es gestern gut mit unseren Maifeiern. Die frühen Morgenstunden zeigten noch einige Wolkenschatten, aber dann kam die Sonne hervor, und sie ging bald so maienhast hofsnungs- freudig aus sich heraus, daß den Feiern auch nach außenhin bestes Gelingen beschieden war. Es war ein Wetter, wie es sich die Stützen der sungen Republik für die Demonstration der sieghaften Macht des sozialistischen Gedankens nur wünschen konnten, ein Wetter für flatternde Fahnen und beschwingte Hofsnungen. Wie unsere Züge durch die Straßen gingen, waren sie stille und eindringliche Werber, stärker und eindringlicher als das militaristische Trara der wilhel- minischen Epoche es jemals gewesen war. Die Verkehrsnöte erwiesen sich gestern als nicht allzu schlimm. Der Betrieb aus der Stadtbahn wurde in üblichem Umfange auf- rechterhalten. Lediglich in den Vormittagsstunden des gestrigen Sonntags mußten einige von Grünau abgehende Vorortzüge aus- fallen, da In der dortigen Betriebsmeisterei die Kohlenlader nicht zur Arbeit erschienen waren, und einige Lokomotiven infolgedessen nicht mit Kohlen versorgt werden konnten. Im Laufe des Tages wurde aber für Ersatz der aausgefallenen Arbeitskräfte gesorgt, so daß der Verkehr sich dann glatt abwickeln konnte. Die Inanspruchnahme der Stadt- und Ringbahn war gestern bemerkenswert gering. Lediglich die Rennbahnzüge nach dem Grunewald waren wie ge- wohnlich überfüllt.— Der Fernverkehr von und nach Berlin wickelte sich ebenfalls in gewohnter Weise ab. Rachstehend die Bericht« über unseve Veranstaltungen: Gewaltige vemonstrationszüge unserer Parteigenosten durchzogen Neukölln und das Gebiet von Berlin-Mitte. Außerordentlich imposant war der vom 14. Kreis(Neukölln, Britz, Buckow, Rudow) veranstaltete. Starke Arbeiterbataillone mit Musik marschierten um g Uhr vor- mittags auf dem Hertzbergplatz und in der Kaiser-Friedrich-Stroße in Neukölln auf, um sich zu einem Demonstrationszuge von 2 5 00 0 bis 30000 Personen zu formieren. Kampfescharakter und Festlichkeit, beides kam bei diesem Massenaufgebot zum Ausdruck. Banner, Fahnen, Schilder usw. verkündeten die Maiforderungen der Arbeiterschaft und die Grundsätze der SPD. Zahlreiche Festwagen, geschmückt mit Maiengrün und anderem, besetzt mit Kindern, gekleidet in Weiß, bewegten sich im Zuge. Besonders fiel auf der Wagen der 95. Abteilung, auf dem die Freiheitsgöttin mit Maienkindcrn thronte und den Arbeitern das Panier:„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!� entgegenhielt. MilO Uhr setzte sich der Zug nach der„Neuen Welt" in Marsch. Sechs Musikkapellen und die gewaltigen Stimmen eines Männerchores gaben das Marsch- tempo an. Die Arbeiterjugend und die zahlreich mit marschierenden Kinder schritten nach den Klängen einer Mandolinenkapelle. Tau- sende säumten die Bürgersteige. Im großen Garten der„Neuen Welt" hielt Genoste Robert Breuer die Festrede. Dieser 1. Mai werde die Stunde der Wiedergeburt sein. Breuer rechnete dann ab mit den bürgerlichen Regierungen des In- und Auslandes, deren Unfähigkeit die Welt in das Elend gestürzt hat, in dem wir seit 1914 leben. Die Zweite Internationale ist nicht tot. Sie ist heute lebendiger denn je. Das haben die letzten Tage und Wochen bewiesen. Unter Hinweis auf die bald bevorstehenden Neuwahlen schloß Breuer sein. mU großer Begeisterung aufgenommene Rede.„Brüder zur Sonne, zur Freiheit" und„Die Internationale" erklangen noch von der Tribüne, dann sammelte sich der Zug aufs neue, um durch die Berliner, Boddin-, Mainzer, Prinz-Handjery- und Hermannstraße nach dem Kranoldplatz zu marschieren. Hier hiell der Kreisvorsitzende, Genoste Heitmann, eine Ansprache. Dann rückten die Abteilungen mit Musik wieder ab.— Eine große Demonstration veranstalteten ferner die Genosten IV. Kreises(Prenzlauer T o r). Die einzelnen Ab- tellungen versammelten sich an bestimmten.Plätzen und oereinigten sich dann zu einem Zuge, an besten Spitze die Arbeiterjugend mar- schiert«, und der unter den Klängen einer Kapelle durch die Haupt- verkehrsstroßen des Bezirks bis zum„Böhmischen Brauhaus" zog. Der Zug zählte an 8000 Teilnehmer und bot mit seinen roten Bannern und Fahnen ein prächtiges Bild. Im Dersammlungs- lokal mußten Tische und Stühle entfernt werden. Im großen Saale sprach Genosse Katzen st ein, während im überfüllten Garten Genoste Kreutziger den Anwesenden dieBBedeutung des Tages darlegte. Ein dritte Versammlung wurde in der großen Halle für die Arbeiterjugend und die Kinder abegholten. Hier hatte Genoste Schröter aufmerksame Zuhörer. Vor der Eröffnung der Versammlung intonierte der Sozialdemokratische Männerchor Prenzlauer Tor.Krönt den Tag" und„Em- por zum Licht". Im geschlostenen Zuge zogen die Teilnehmer zum Helmholzplatz und gingen dann nach einem Schlußwort des Gen. Kreutziger auseinander.— Die Nachmittaas-Ab endveranstaltunq im„Böhmischen Brauhaus" war überfüllt. Genoste Bauer hielt die Festrede. Turnerisch« Aufführungen und Reigentänze der Ar- beiterjugend fanden regen Beifall. Konzert und hervorragende'ge- sangliche Leistungen vom Sozialdemokratischen Männerchor Prenz- lauer Tor sorgten für Abwechselung. In SchöneHerg hatten sich in der S chl o ß b r a u er« i über 3000 Personen eingefunden, um den Genossen Eduard Bernstein zu hören, der in seiner inhaltreichen Rede u. a. etwa folgendes ausführte: Die dritte Maifeier in der deutschen Republik können wir nicht in den ungemischten Gefühlen einer Genugtuung begehen, sondern ernste Betrachtungen si»d nötig. Wenn wir nach dem Westen blicken, werden wir an die Forderungen der Wiedergutmachung erinnert. Unendlich viel ist zerstört worden, und nm wer drüben die Verhältniste kennt, weiß, was den Völkern zugefügt ist. Wtr Deutschen müsten den guten Willen zur Wiedergutmachung be- künden, aber zurzeit gibt es überhaupt keinen Menschen in Deutsch- lond, der weiß, was Deutschland leisten kann. Unter dem schönen Wort Sanktionen aber versucht Frankreich eine Rechtfertigung der Besetzung deutschen Bodens. Nachdem der Redner dann eingehend auf die Folgen zu sprechen kam, die möglicherweise der Sieg der kean,öMchen Militär- und Revanchepolitik ergeben könnte, betrach- �« er die deutsche Politik. Und er wies nach, daß die Erzpatrioten u d Erznationalen ruchlos mit dem Geschicke des deutschen Volkes lnielen und den Gcwaltspolitikern drüben Vorwand über Borwand nospi-n Daß aber die Reaktion in Deutschland wieder ihr Haupt erheben kann, ist eine Folge der Spaltung der Arbeiter. Die, welche die Spaltung betrieben haben, luden eine unaussprechliche Schuld auf sich. Wir können jetzt fragen:„Wo ist die Derschleden- � zwischen un» und der USP seitdem sie die Moskauer los- geworden sind? Die Z-' t d e r W> e de r v e r e i n, g u n g w> r d kommen aber wir können sie nicht schnell genug kommen sehen. Di« Frage der Republik ist die Frage der Existenz Deutschlands. Erleben wir eine monarchistische Reaktion, dann haben wir den � Feind im Land. Die Sozialisten des Au-llindes haben zu der SPD. vertrauen. Die englisch« G-wttkschaftsbewegung hat sich gea«n die Sanktionen erklärt. Wenn sie wollen, dann können die Ar- bester viel«zwingen, und«s wird sich bald zeigen, daß die Re- gierungen keine Politik mehr gegen die Arbeiterschaft treiben kön- nen. Moskaus Einfluß nimmt in der Arbeiterinternationale ab. Nach Mahnungen zum treuen Zusammenhalten schloß der Redner mit hoffnungsvollen Ausblicken seine begeistert aufgenommene Mairede. In Treptow sprach am Vormittaag im Diktoriagarten unter freiem Himmel vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft der Genoste Rud. Wissel!. Di« außenpolitische Lage, unter deren Druck wir diesmal die Maifeier begehen, zeigt uns— so führt« er aus— einen großkapitalistischen Konzern der Sieger. Mchr als je ist es Pflicht der Sozialisten aller Länder, am heuligen Tag« ihre Stimm« für den alten Gedanken der Völkerversöhnung und Völkerverbrüderung zu erheben. Trotz französischer Mochtpolitik und deutschem Rache- geschrei hassen wir, über die Bajonette und Kanonen hinweg die Völker zusammenzuführen. Aufs neu« bekennen wir uns auch zu den Maigedanken unserer sozialen Forderungen, die m Wirtschaft- sicher und sittlicher Hinsicht von höchster Bedeutung für die Zukunft unseres Volksganzen sind. Wir verlangen die notwendige Sicherung des kaum errungenen und schon wieder gefährdeten A ch t st u n d« n- tags. Wir treten ein für die dem Bürger- und Unternehmertum verhaßte S o z i a l i f i e r u n g, um die noch hart zu kämpfen sein wird In allen Völkern lodert die Sehnsucht nach Frieden, das Verlangen nach Gerechtigkeit und Freiheit. Allüberall sind Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen von den uns am 1. Mai bewegenden Ideen erfüllt, die— so schloß Wistell unter stürmischem Beifall— doch einmal siegen werden. Di« Versammlung war einge- leitet worden durch das von einem Arbeitergesangverein wirkungs- voll vorgetragene„Krönt den Tag!" Der Vorsitzende schloß mit einem Hoch aus die einige internationale Sozialdemokratie, in das die Der- sammelten begeistert einstimmten. Die Genosten des Südostens versammelten sich gegen 2 Uhr am Feuerwehrdenkmal auf dem Marionnenplätz und marschierten in geschlostenem Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle nach dem Festlokal Viktoriagarten am Treptower Park. An der Wiener Drücke schlössen sich die Genosten von Treptow-an. Jugendliche. Kinder und Frauen in festlichem Gewände, rote Banner und Fähnchen boten ein farbenprächtiges Bild. Bis auf den letzten Platz war der geräumige Garten gefüllt. Genosse Dr. L o h m a n n hielt die mit jubelndem Beifall aufgenommene Festrede. Im Norden. Im Boigt-Theater, Badstraße, folgte die Kopf an Kopf gedrängte Meng« aufmerksam den Worten des Genosten H a e n i s ch über die Bedeutung der Maifeier. Niemals hat eine Maifeier— so führte der Redner aus— unter so ernsten Verhältnissen statt- gefunden, wie heute. Schwarze Gewitterwolken hängen ringsum am Horizont und innerpolitisch haben wir die Tatsache zu verzeich- men, daß die letzten Vertreter der Arbeiter aus der Regierung hin- ausgedrängt worden find. In so furchtbar ernster Stunde geziemt es sich nicht, überschwengliche Reden zu halten. Viele von den hier Anwesenden werden schon die erste Maifeier im Jahre 1889 mit- erlebt haben. Seit drei Jahrzehnten schon ist der dieser Feier zu- gründe siegende Gedanke, daß da» Proletariat aller Länder sich am 1. Mai zusammenfinden solle, um für Frieden und Freiheit zu demonstrieren, in die Herzen von Millionen Proletarier gedrungen. Es ist ein revolutionärer Gedanke im besten Sinne des Wortes. Allen Herrschenden zum Trotz sollte diestr Tag festgesetzt werden als ein Feiertag für das Proletariat der ganzen Welt. 1919 konn- ten wir noch durchsetzen, daß der 1. Mai zu einem Nationalfeiertag erklärt wurde. Leider haben wir erleben müsten, daß inzwischen die herrschenden Gewalten diesen Nationalfeiertag wieder beseittgen konnten. Und wir haben weiter erlebt, daß unsere Gegner ver- standen haben, wieder eine rein bürgerliche Regierung einzuführen. Für die Partei als solche ist es ganz gut, daß wir qus der Regierung heraus sind, denn so ist keine Verantwortung mehr zu tragen und wir können frisch und fröhlichs befreit von Rücksichten Agitattonspartei sein. Aber wir dürfen nicht vergesten, daß die Partei nicht Selb st zweck, sondern nur Mittel zum Zweck ist. Und von diesem Gesichtspunkt aus hätte es den Herrschenden vielleicht etwas schwerer gemacht werden sollen, uns aus den Positionen zu verdrängen. Denn es kann uns nicht gleich sein, ob ein Freund oder Feind des Volkes Minister ist. Das Er- gebnis der letzten Wahlen hat bekundet, daß viele noch immer die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten in sich tragen. Sie sind mit den Spießbürgern dieser Stimmung durch Abgabt eines reakttonären Stimmzettels nachgekommen. Man� könnte diesen Leuten zurufen:„Was habt ihr für ein kurzes Gedächtnis!" Sie müßten doch wisten, daß die Sozialdemokraten die Regierung erst in die Hand genommen haben, nachdem das alte Regime völlig versagt hatte. Aber auch die Arbeiterklosse träat einen guten Teil der Schuld daran, daß ihre Vertreter aus den Machtpositionen herausgedrängt werden konnten. Neben dem Mangel innerer Reife hat die Zersplitterung wesentlich dazu beigetragen. Als ein erfreuliches Zeichen ist es zu begrüßen, daß die alte Sozialdemo- krarie einig und geschlosten dasteht und wir hoffen, daß die gesamte Arbeiterschaft bald zu der Erkenntnis gelangen wird, daß unsere Macht in dem Zusammenwirken aller liegt, in dem geschlossenen Kampf oegen alle unsere Feinde. So wollen wir heute am 1. Mai festen Mutes in die Zukunft blicken mit dem Bewußtsein:.Unser die Welt trotz alledem!"(Stürmischer Beifall.) Dedding. Zu einer wuchtigen Maikundgebung hatten sich die Genosten des Wedding im Patzenhofer Ausschank. Ehausteestraße, versammelt. Da der Sqal sich bei der großen Besucherzahl(zirka 3000) als zu klein erwies, wurde die Versammlung im Garten abgehalten. Nach- dem der Meineckesche Männerchor stimmungsvoll das Lied„Empor zum Licht" zu Gehör gebracht hatte, referierte Genoste Kurt He in ig. Seine Red« gipfelte in den Worten: Di« Befreiung der Arbeiter aus allem, was sie bedrückt, muß da» Werk der Arbeiter selbst sein. Dorum auf. Genosten, zur Agitation und Organisation! Auf, zur Aufklärung der gesamten Hand- und Kopsarbeiter im Sinne des Sozialismus! Dann wird der Sieg unser sein trotz alle- dem. Der Gesangverein brachte daraus:„Tord Foleson" zum Bor- trag. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch aus die inter- nationale Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Die Genosten formierten sich dann zu einem Demonstrationszug bis zum Leopoldplatz, wo Genoste Heinig nochmals einige anfeuernde Worte an die Anwesenden richtete. Der Besuch der Nachmittaysveranstal- tung war ausgezeichnet. Der geräumige Garten und beide Säle konnten die Besucherzahl kaum fassen. Die Festrede hielt Genoste Dr. B e n d i n« r. Seine vortrefflichen Ausführungen fanden begeisterten Beifall. Vahlkrels ZlttNe. Vor mehr als tausend Zuhörern sprach im überfüllten großen Saal der Brauerei L ö n> g st o d t der Genoste Gustav Heller unter großem Beifall über„Die Bedeutung des Tag«»". Einleitend führte Redner aus, daß wir die diesjährige Maifeier in einer äußerst ernsten Zeit begehen. Di« innen- und außenpolttische Lage ist der- arttg. daß, wenn nicht alle» trügt, wir vor großen Ereignissen und Umwälzungen stehen,-deren Tragweite heute noch gar nicht auszu denken ist. Mehr denn je ist es notwendig, eine Einheitsfront des gesamten Proletariats zu bilden, um diesen Kampf auch zum Vor- teil der Hand- und Kopfarbeit r führen zu können. Gerade durch die Zersplitterung der Arbeiterbewegung sei der Reaktion heute mächtig der Komm geschwollen. Nicht umsonst darf das Proletariat an diesem Tage demonstriert haben zur Eroberung der politischen Macht, die kapitalistische Gesellschaftsordnung in die sozialistisch« umzuwandeln. Aus der Erkenntnis, daß die schlechten Arbeits- bedingungen des einen Landes die Verbesserung der Arbeitsbedin- gungen im anderen verhindern, ist ja die Feier des 1. Mai geboren. Genoste Heller schloß seine«instündigen Ausführungen mit der Mahnung, daß wir dieses Jahr am 1. Mai in erhöhter Kampf- bereitschaft stehen, denn es gelte mit allen Mitteln die Republik zu verteidigen. Ein Männerchor schloß die würdige Demonstrations- Versammlung. weberwiese. Auf der Weberwiese(Frankfurter, Ecke Memeler Straße) hatten sich mehrere tausend Genossen und Genossinnen zur Maiseier ein- gesunden, die von den Arbeitersängern wirksam unterstützt wurde. Genoste K u t t n e r hielt die Festrede: Im Gegensatz zu dem tiefen Pessimismus des Bürgertums, wie er sich in dem Buche Oswald Spenglers„Der Untergang des Abendlandes" ausdrückt, feiert das Proletariat den 1. Mai als Zeichen hoffender Zukunftsbejahung. Freilich wisten wir, daß die bestere Zu- kunft nur durch schweren, opfermutigen Kampf zu erreichen ist, daß es des Einsatzes aller Kräfte bedarf, sie zu erringen. Aber gerade die schwere außenpolitische Situation beweist uns, daß es für die Rettung der Menschheit nur eine Möglichkeit gibt: den Sieg des Proletariats über die wellzerstörenden Kräfte des Imperialismus. Versagt das Proletariat, dann wird der Unter- gang des Abendlandes Tatsache. Danach hielt Genossin Wachen- heim eine Ansprache, die sich namentlich an die Frauen rich- tete. Beide Ansprachen wurden mit großer Begeisterung aufge- nommen. Die Versammlungsteilnehmer formierten sich daraus zum F e st z u g, der in stattlicher Länge mit wehenden Bannern zum Battenplatz zog, wo die Veranstaltung nach einer Schluß- anspräche des Genossen Kuttner ihr Ende fand. Moabit. Im überfüllten Saale der Patzenhofer Brauerei sprach Genostin Bohm-Schuch. Einleitend schilderte sie die schweren Bedin- gungen der Entente und brachte damit in Verbindung die Forde- rung unserer Internationale, daß nur eine Verständigung der Arbeiterschaft zwischen Entente und Deutschland zu einem wahren Völkersrieden führen könne. Mit Nachdruck wies-die Referentin darauf hin, daß die Putsche sowohl van rechts als auch von links Wahnsinnstaten sind und nur die Reaktion in Deutschland steigern. Je stärker die Reaktion in Deutschland, desto schwerer werden die Forderungen der Entente gegenüber Deutschland. Darum darf der Kampf gegen die Reaktion nicht nachlasten und es muh in Deutschland eine Regierung herbeigeführt werden, die in aller- erster Linie vom Vertrauen der Entente mitgetragen werden kann. Sie stellt die Forderung auf, kein Völkermord, da- für Kulturarbeit. Der Glaube an den Sozialismus werde uns über die heutig« schwierige Zeit hinwegtragen. Die Jugend bleibe unsere Hoffnung und Stärke. Südwesten. In der Bockbranerei sprach Rcichstagsabgeordneter Heinrich Schulz über„die Bedeutung des 1. Mai". Der Gedanke der Mai- feier gebe gerade in diesen düsteren Zeiten der deutschen Arbeiter- schaft einen haltbaren Trost. Zwar sei von den beiden großen Pa- rolen„Arbeiterschutz" und„Weltfrieden" noch nicht alles erreicht. aber dennoch dürfe man mit Befriedigung auf das blicken, was die Revolution den Arbeitern gebracht habe. Die Verwirklichung der großen sozialpolitischen Forderungen sei freilich nur auf dem Boden der Internationalität der Arbeiter möglich. Trotz aller drohenden Anzeichen, die auf«ine Verschlimmerung der Lage Deutschlands hin- deuten, sei die Durchsetzung der internationalen Ar- beiterforderungen ihrem Ziel noch niemals näher gekom- men, als gerade jetzt. Di« deutsche Arbeiterschaft werde sich setzt. wenn das Fallbeil der Entente auf unser Land niedersause, davor hüten müssen, bei der Abwehr des internattonalen Kapitalismus sich in eine Welle nationalen Chauvinismus hineinreißen zu lasten. Der deutsche Arbeiter denke nicht daran, sich das nehmen zu lasten, was ihm der 9. November 19l8 gebracht habe. Er lehne jede Beteiligung an den Bestrebungen der Rechtsparteien, die Wiederkehr der Mon- archie und der alten Unfreiheiten herbeizuführen, auf das entschie- denste ab Der Eintritt der Sanktionen werde in erster Linie das deutsche Kapital und die Steuerdrückeberger, daneben aber auch so manchen Arbeiter treffen. Aber die arbeitende Klasse, die mit dem deutschen Kapitalismus fertig geworden fei, werden auch letzten Endes über den internationalen Kapitalismus siegen.(Lebhafter Beifall.) Für den Westen fand eine gutbesuchte Festversammlung im „Nationalhof", Bülowstraße, statt. Genoste Bartels hatte hier das Referat. Er erläuterte zunächst die Bedeutung der jozialpoli- tischen Forderungen, die seit 1889 mit der Maifeier verbunden sind und die vor 30 Iahren in Deutschland eine viel größere Bedeutung hatten wie heute, wo ein großer Teil davon durchgeführt wäre. Di« Arbeiterschaft wüst« eine Rückrevidierung verhindern, insbesondere müsse sie sich gegen eine Durchlöcherung des 8-Stunden- tages mit aller Kraft wehren. Redner behandelte sodann den Ge- danken der Völterversöhnung und des Völkerfriedens und schilderte im Zusammenhang damit die schweren Gefahren, die dem deutschen Volke in diesem Tage drohen und die selbst seine Existenz in Frage stellen könnten. Rettung könne uns nur die international« Ueber- Windung des Kapitalismus und die Durchführung des Sozialismus bringen. Mit einem warmen Appell, dafür unermüdlich zu wirken, schloß Redner seine Ausführungen.— Zur Hebung der Feststim- mung trug wesentlich unsere Arbeiterjugend bei, die in frischer Be- geistcrung proletarische Kampflieder mit Lautenbegleitung zum Vor- trag brachte. 3n Charlottenburg wurde die Maifeier de» Kreise» VII ein- geleitet durch«ine imposante Fe st Versammlung auf dem Friedrich-Karl-Platz. Erregte schon der geschlossene Auf» marsch der Abteilungen Aufsehen, so zeigten die erschienenen Massen, welcher Partei sie ihre Sympathie entgegenbringen. Nachdem Ge- nasse Will den Festakt eingeleitet hatte, brachte der SPD.-Chor „Harmonie"-Charlottenburg„Die Frühlingsstürme" stimmungsvoll zum Vortrag. Genost« I. A l t m a i e r als Festredner wies auf die Bedeutung de» Tages hin, er weckt« Erinnerungen an Iaures und empfahl die bedrohlichen Zeichen der Zeit der Beachtung. Nach Uthmanns„Tord Foleson" vom Männerchor stimmte die Menge begeistert ein in ein Hoch auf die internattonale Sozialdemokratie. Es formierte sich ein D e m o n st r a t i o n s z u g. dem sich viele au» der Menge anschlössen. Nachdem der Zug die Bismarck- und Ber« liner Straße passiert hatte, wurde vom Männerchor am Wilhelm» platz noch.Krönt den Tag" angestimmt, und das Hoch auf die deutsche Republlk zeigt«, welche Kreise in der Bevölkerung gewillt fl lnd, diese auch weiterhin zu schützen.— Den Nachmittag oerbrachten ie Charlottenburger Genossen gemeinsam auf dem„Spandauer lRc-f" «»iinictsborf. Die Versammlung am Vormittag wurde im »arten von Schramm abgehalten. Das Referat de» Genossen Giebel gab den klaren Nachweis, daß ein Ausweg aus der ganz Europa bedrohenden Gefahr der kapitalistischen Ausnutzung des Ententesteges nur durch jenes Zusammenwirken der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft gefunden werden kann, zu dessen Herbei« führung die Zweite Internationale die Maiseier eingeführt hat. Mag die Gegenwart noch so düster sein, jeder wahre Sozialist hat die tiefe Gewißheit des endlichen Sieges des internationalen Sozialismus. Das Hoch auf die zweite Internationale fand brausenden Widerhall. Unter Vorantritt der Arbeiterjugend, die mit Fahnen und Musik von Halensee zur Versammlung gekommen war, zogen die Teil« nehmer durch einen großen Teil des reaktionären Wilmersdorf, um sich vor dem alten Rathaus nach einer kräftigen Ansprache des Stadt- rats Genosten N i e m a n n aufzulösen. Das Gartenfest am Nach- mittag hatte einen überaus starken Besuch zu verzeichnen. Genosse Llldemann legt« in seiner eindrucksvollen Rede den Nochdruck auf die Notwendigkeit der Wiederoereinigung des gesamten deutschen Proletariat», die doch einmal erfolgen werde, auf dem Boden der alten bewährten Partei. Ihr wurde ein dreifaches donnerndes Hoch gebracht. In Zehleudorf, der Hochburg der westlichen Lorort-Reaktion, .ahm die Maifeier einen würdigen und erhebenden Verlauf. Ge- krönt wurde die Vormittagsfeier durch die äußerlich zwar ruhig und sachliche, aber innerlich desto stärker bewegte Rede Franz Krügers, der mit großer Eindringlichkeit den Versammeltem vor Augen führte, welche Gefahren das Proletariat bedrohen. Mehr denn je glaube die Gegenrevolution aus der Uneinigkeit des Pro- letariats Nutzen ziehen zu können und bereite als einen Hauptschlag die Aufhebung des Achtft ndentages vor. Nicht nur für die eigene, sondern auch für die Ententeplutokratie soll das deutsche Proletariat in Zukunft gezwungen sein, zu arbeiten. Immer enger schließen stch die Unternehmer zusammen, immer frecher erhebe die Gegen- revolution ihr Haupt. Wenn es auch den Anschein hat, als ob gerade der Gedanke des Internationalismus Schiffbruch geliftsn habe, so werde doch und vielleicht sehr bald die Zeit kommen, wo es sich zeigen werde, daß einzig und allein die Arbeiterintsrnationale in brüderlichem Streben diese zerstörte Welt wieder aufbauen könne. An den Tag des Völkermai zu glauben und ihn in unermüdlicher Arbeit vorzubereiten, fei nach wie vor die Aufgab« des Proletariats. Der Vortrag, umrahmt von künstlerischen Darbietungen, wurde mit stärkstem Beifall aufgenommen. ! Länder zusammenführen/ Die gut besucht« Versammlung wurde mit einem brausenden Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen._ Maifeier im Reich. (Eigene Drahtberichte des„Vorwärts".) Khein-Hesten. Zu einer gewaltigen Kundgebung wurde die Maifeier im besetzten Gebiete des Rheingaues, wo an 3 4 Orten Versammlungen und Umzüge stattfanden. In Wies- baden sprach im Kurhause vor 12 000 Personen Reichstagspräsident L ö b e, worauf sich die Versammlung zu einem Zuge durch die Stadt formierte. Das Spalier wurde von Badegästen, Marokkanern und A n a m i t e n gebildet, während aus den Fenstern der Schulen die am Tage zuvor eingerückten neuen f r a n- zösischen Bataillone die vielen Tausend mit roten Rosetten � geschmückten Festteilnehmer an sich vorüberziehen ließen. Ruhrrevier Als eine gewaltige Demonstration vor der evtl. bevorstehenden Besetzung feierten die Bergleute den 1. Mai als einen Protest gegen die Knechtschaft des Versailler Per- träges und der angedrohten Sanktionen. Im Bezirke von Hamm sprach in mehreren Dersammlungen unter freiem Himmel Genosse O st e r r o t h- Berlin. Besonders hervorgehoben zu werden ver- dient die Tatsache, daß Kommunisten und Unionisten kaum den 20. Teil unserer Demonstranten aufzubringen vermochten. Leider ist zu befürchten, daß diese gesunde Entwicklung durch etwaige Gewaltmoßnahmen der Entente im Ruhrrevier wie- der unterbrochen wird. Bielefeld. Eine gewaltige Demonstration für Frieden, Frei- heit und Recht war die Maifeier der Arbeiterschaft von Bielefeld und den angrenzenden Orten. Der Fesizug am Bormittag war 4— 5 Kilometer lang. In dem Zuge mochten 13 000— 20 000 Männer, Frauen und Jugendliche marschieren, mehrere Tausende hat- ten sich außerdem auf dem Festplatze eingefunden. Genosse S e v e r I n g wies in seiner Ansprache besonders auf den Ernst der Zeit und die kommende Not des deutschen Volkes hin und be- tonte als erste Notwendigkeit Einigkeit und Geschlossen- heit der Arbeiterschaft zu mutigem Handeln. Hamburg. Bei herrlichem Wetter wurde die Maifeier zu einer gewaltigen Massenkundgebung. In IS Dcmonstrations- zügen, deren jeder nach Tausenden zählte, marschierten die Arbeiter durch die Städte in den Stadtpark, wo von zahlreichen Tribünen herab zu Hunderttausenden gesprochen wurde. In der Re- solution wird an die Internationale der Arbeiter- Der 12. Kreis(Steglitz) leitete die Maifeier im Albrechtshof in fchast appelliert, den Frieden von Versailles?u revidie- Steglitz ln einer überfüllten Versammlung durch den Mannerckor r e n und das Joch des Sklavenvolkes von uns abzu- Friedennu-Steglitz ein. Genosse Ströbel hielt das Referat und wende n. tn den e nzelnen behandelte in wirkungsvollen Ausführungen die jetzigen Verband- Distrikten in erhebender Weste beschlossen. lungen mit Amerika und die Wirkungen der Besetzung des Ruhr- gebiets. Als beachtenswertester Faktor wurde auch von der Entente da» Wiederaufbau-Angebot der Gewerkschaften anerkannt.— Der Nachmittag vereinigte alle Teilnehmer zu einem Volksfest in Lichter- felde in Hertel» Fesisälen. Genosse Kurt H e i n i g hielt die F�st- rede und ging von der Bedeutung der ersten Maiseier im Jahre 183g, die für den Achtstundentag und Völkeroersöhnung demonstrierte, aus. Die Arbeiterjugend führte Spiele auf und für unsere Kleinen war durch ein Marionettentheater gesorgt. Im Festsacst wurde ein künstlerisches Programm vom Lambinon-Quortett» Ge- fang von Frl. Schulz und Rezitationen von Beyers« geboten. 3n Spandau sprach am Vormittag vor 1500 Zuhörern Genosse Lüdemann. An der Geschichte der Maifeier und an der Wieder- aufnähme der int»nationalen Beziehungen zeigte er, daß nur auf diesem Wege der kapitalistische Wahnsinn überwunden werden kann, der aus Europa eine Trümmerstätte zu machen droht. Die impo- sante Versammlung bekräftige durch brausende Hochrufe auf die Partei ihren Willen, trotz Reaktion und Bruderzwist im Innern und trotz der Gewalt von außen alle Kraft für die Stärkung der Partei und die Erreichung ihres völker befreienden Zieles einzusetzen. 3« Siemensstadl wurde die Versammlung eröffnet mit dem Lied:„Empor zum Lichfi" Dann sprach Genosse Dr. Joachim- Berlin über die Bedeutung des 1. Mai. Er schloß mit den Worten: „Nur Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit kann die Menschheit aller Kurt Eisners �Hötterprüfung�. Maifeier in der Volksbühn». Von Max Hochdorf. Zehn Jahre lang, vom Friedensfrühlung 1908 bis zum Kriegs- stühling 1918, hat Kurt Eisner das dramatische Werk erträumt und gebildet, das er als eine„weltpolitische Posse" dachte und deutete. Er saß im Strafgefängnis am Plotzensee und im Unterfuchungs- gefängnis Neudeck zu München, und während er durch dos ver- gitterte Fenster nur die gefährliche graue Mauer des Zellenhaufes erblickte, muß manchmal eine grimmige Heiterkeit in ihm gelebt haben. Er sah, wie buntfarbig und gellend durch Deutschland die Borniertheit wanderte, die in den Köpfen der Regierenden herrschte. und die sich auch festsetzte in den Schädeln der regierten Masse. Er ahnte, selbst ein Opfer monarchistischer Kurzsichtigkeit, die Katastrophe, die über das Vaterland kommen würde. Er ahnte Krieg und schließ- ßcheu Ausstand gegen die Kriegstollheit. Er entschied mit seinem liebreichen, lauteren Gewissen, daß die soldatische Tollheit verschwin- 1 den und das veredelte, befrsite Menschentum folgen müsse. Er wollt« nur das närrische Wesen des Molochs abschaffen, die tragische Lächerlichkeit des selbstherrlichen Königtums entlarven, sich gesund j spotten in der antränkelnden Einsamkeit der Zell« und festlich am Ende die Erlösung des Volkes besingen. Ein Moralist und ein in Weichheit nicht selten aufschluchzender Mensch war er. Er schrieb: „Das Komische ist eine vertrocknete Träne". Solchen Sinn unter- legte er seiner Posse. Die kleine und richtige Freude der Familien» gemeinschaft fehlte ihm. Nachdem das ganze Buch beschlossen und besiegelt war, zeichnete er noch die Widmung für die geliebte Frau: „Dir!" Als er hinzufügte:„Bis in den Tod", muß die Hand schon die Berührung jenes Schlages verspürt haben, der bald den ganzen Mann fällte. Ungeborenes, Ungeformtes, phantastisch nur Geschautes, begehr- llch Erwünschtes, sittlich Ergrübeltes, chaotisch Wirbelndes, prophe- tische Sehnsucht, vielerlei Großes, hundertfach Edles bewegte den Gefangenen. Zum Kunstwerk sollt« alles geballt und verewigt werden. Der Trost, den das Gemüt fand, und die Losung, die der Menschheit zugedacht war, sollten Gestalt annehmen und jene Ge- wall, die durch den staunenden Sinn dringt, um die Gesinnung zu befeuern. Der sanfte, klügelnde, ergriffene Pathetiker wollte«U Dichter sprechen. Eine Maifeier wurde für Kurt Eisner abgehallen. Vor dem ernsten Bau der Volksbühne schloß sich gerade der Zug. der den Ar- beiterfreudentag begehen wollte. Die Kinder schritten mit den roten Wimpeln voraus. Es folgten die Erwachsenen mtt ihren rote» Bannern. Ein Maihimmel, durch dessen silbernes Gewölt ein« schwere und doch gedämpfte Sonne brach, ruhte über den Auswan- dernden. Das geblendete Auge fand sich erst gar nicht im ver- düsterten Theater zurecht. Man suchte aus dem sehr gescheckten, vom Dichterpinsel absichtllch urweltlich und unweltlich gemallen Bühnen- bilde die Wirtliä zberger das Opfer einer grundlosen Verleumdung geworden ist. Wir wollten der endgültigen Verhandlung nicht vorgreifen, dse bald kommen wird, nachdem Erzbergers Smmunität auf seinen es ztfen Antrag aufgehoben worden ist. und hätten zu vorläufigen Ergebnissen noch keine Stellung genommen. Aber es muh notiert werben, daß die„Deutsche Tageszeitung", nachdem diese Wendung eingetreten ist, plötzlich schreibt, daß die Steuerongelegenl'.cit Erz. bcrges..vollkommen ausgeschaltet" werden müsse. Das ist die Methode: man verleumdet auf jede Weile, wird dann aber der l�gcnbeweis erbracht, lo heißt es plötzlich, daß es auf die Punkte gor nicht ankäme, über die vorher dos größte Geschrei erhoben worden ist. Wer verschweigt? Der„Deutsck)en Tageszeitung" ist es nn- beareststch, daß jemand auch dem politischen Gegner gegenüber die Wahrung des Rechts st andpunktes verlangen kann, »!« mir das im Fall« F r i e s l a n d getan haben. Sie behauptet drsdalb wir.verschwiegen schamhaft, daß Friesland Mordtaten an dm'stckie'n Kolonisten in Rußland verübte". Das ist der gewöhnliche Schwindel In unserer Notiz„Die Rechtslage im Fall Friesland «Nr 197 des„Vorwärts") haben wir aussübrlich dargelegt, daß F-ie-land beschuldigt wird, als bolschewistischer Kommissar im '" �(k-iebiet ein Schreckensregiment mit Massenerschießungen. Kon- {i-f' aen usw vorgenommen zu haben. Wir gehen allerdings n'Ät tu wstt wie die„Deutsche Tageszeitung", daß wir jede ein. se-Une� Beschuldigung bereits als feststehende Totlache behaupten. Aber wir haben in unserer Notiz noch ein anderes hervor- aehoben: daß die„deutschen Kolomsten.°n denen tue Taten verübt sein sollen, seit Jahrhunderten rusfrsch« Staat«. an gehörige sind und daß deshalb die deutsche Regierung kern* E-nmischungsbefugnisse habe. Und da« ist was— Di« �Deutsche Tageszeitung" schamhaft verschweigt! Er möchte a-rn— nämstch dem Venvsten Sein ort ein Bein stel'cn. der biedere„Verband der Buraerr.ereine von Hanno/er. Deshalb Hot er bei der Regierung ein D. s z r p l i n a r v e r s a h r e n gegen den Oberbürgermeister Lemert beantragt, mit dem Z.ele auf Amtsentsetzung. Anlaß gibt die Darlehnsgewahnmg an dl«„Hon- noversche Wtrtschostsgemetnschast". Die Angelegenheit wurde hier schon einmal behandelt und steslgcstellt, daß Genosse Lemert einwandfrei gehandelt hat. Aber die reaktionäre Presse horcht bei dem Wort „Disziplinarverfahren" freudig auf, und sieht den Verbrecher bereits gehenkt, obgleich noch gar kein Verfahren eingeleitet ist und einen derartigen Antrag jedermann stellen kann. Der Landesarbeiierrat für den Zreittaot Oldenburg beschäftigte sich in seiner am Mittwoch, den 27. d. M., abgehaltenen Vollsitzung mit der Einsetzung der S v n d e r g e r i ch t e zur Aburteilung der bei den letzten Unruhen vorgekommenen Vergehen und Derbrechen. Einstimmig wurden diese Sondergerichte auf das schärfste verurteilt und deren schleunige Aufhebung gefordert. Es wurde beschlosien, eine entsprechende Eingabe an den Herrn Reichs» Präsidenten zu richten. Besonders wurde gefordert, daß den Ab» geurteilten die Möglichkeit gegeben werden muß, Berufung ge- gen die Urteile einzulegen. Die bei den Unruhen�vorgekommenen Gewaltakte und Verbrechen wurden auf das schärfste verurteilt, trotzdem dürften die Angeklagten nicht den Ausnahmegerichten überliefert werden, weil ohne Zwei- kel und ohne den Richtern irgendwie zu nahe zu treten, doch wohl feststehe, daß die Richter noch allzusehr unter dem Eindruck der Ereignisse ständen und somit Fehlurteile nicht zu vermeiden seien. Gan� insbesondere wurde noch darauf hinnewicsen, daß bei den vorjahrigen Märzunruhen nicht einmal die Rädelsführer und Anstifter dem Gericht überliefert seien. Prächkig aussehende Tiere. In Bremen ist ein zweiter Trans- port von 718 amerikanischen Milchkühen und 70 Kälbern angekom- men. Der deutschnationale„L.-A." berichtet über„prächtig aus- sehende Tiere", denen außerdem noch ein Quantum Kraftfutter bei- gegeben war. Auch vom Texasfieber sind die Kühe frei, da si« aus den Nordstaaten stammen. Monatelang hat die agrarische Presse, voran die„Deutsche Tageszeitung" behauptet, die amerikanischen Milchkühe könnten hem deutschen Volk nichts nützen, denn durch den Ozeantransport kämen sie ganz ausgemergelt an und fräßen den deutschen Kühen nur da? knappe Futter weg. Nun kommen sie in Wirtlichkeit prächtig aussehend an und bringen noch große Mengen Futter mit. Man ersieht daraus, wie agrarischer Eigennutz die darbenden Säuglinge deutscher Arbeit dieser notwendigen Hilfe berauben wollte, nur damit die agrarische Forderung erfüllt werde: Es darf kein ausländisches Vieh über die Grenze! Groß'Aerlw die demonftration öes verkehrsperfonals. Um 10 Uhr vormittags sammelten sich die Verkehrsarbeiter gegenüber dem Neptunsbrunnen auf dem Schloßplatz und besetzten die Rampe und die Statuen vor dem Schloß. In langen Zügen kamen die Straßenbahner in Uniform, nach einzelnen Bahnhöfen geordnet, heran. Dagegen bemerkte man auffallend� wenig Hoch- bahner und kaum 20 Eisenbahnerunisormen. Die Straßenbahner führten Schilder mit sich mit Inschriften wie„Das Kapital will keine Rentabilität der Straßenbahnen. Wir protestieren gegen jede Eni- lasiung von Straßenbahnern!" usw. An der Demonstration nahmen auch die Straßenbahner aus Spandau, Oberschöneweide, Grünau und Köpenick— letztere waren vier Stunden marschiert— teil. Alles in allem mochten etwa 10 000 Personen, Männer, Frauen und Kinder sich zusammengesunden haben. Die Oberleitung der Demonstration erschien in einem mit frischem Grün geschmückten Kremser, von dessen Dach später Ansprachen gehalten wurden. Unter Vorantritt von Musikkapellen begaben sich dann die Züge nach den Straßenbahnhöfen zurück, wo sie sich auflösten. Ein blutiger Zwischenfall. Zu einem bedauerlichen Zwischenfall kam es vor den P h a r u s> Sälen bei einer KAPD.-Dersammlung in der Wüllerstraße, wo mehrere hundert Personen sich aus dem Bürgersteig angesammelt hatten und den Passantenverkehr vollständig verhinderten. Als eine Streife der Schutzpolizei die Menge aufforderte, den Bürgersteig freizumachen. drang diese sofort auf die Barnten ein und verletzte «inen Wachtmeister hinterrücks durch einen Messerstich in den Rücken erheblich. In der Notwehr mochte der Beamte von seiner Schußwaffe Gebrauch und verwundete zwei seiner An- greiser, und zwar einen durch einen Bauchschuh schwer, den anderen durch einen Schuß in den linken Unterarm leicht. Einer der Rädelsführer, der die Menge durch Worte und Gebärden zum Widerstand und zum Angriff aufgefordert hatte, der 2l jährige Schlosser Georg Scholz, wurde festgenommen und zur nächsten Woche gebracht. Der verwundete Wachtmeister befindet sich in ärzt. licher Behandlung. Der Schwerverletzte wurde nach dem Pänl- Gerhard-Stist geschafft, doch ist seine Persönlichkeit noch nicht be- kannt, ebenfalls bedarf es noch der Ermittlung, ob er der Messerstecher war oder ein anderer. Durch herbeigerufene Verstärkungen der Schutzpolizei wurde dann der Auflauf zerstreut. Tie Verringerung des Straftenbahnpersonals. Eine Korrespondenz meldet: In nächster Zeit soll die Ent- lasiung des durch Einziehung mehrerer Linien über» flüsiig gewordenen Personals in Stärke von. 2600—3000 Perjonen beginnen. Hiergegen macht sich in den Kreisen der Straßenbahner eine sehr starke Abneigung geltend. Betriebsrat und Transport- arbeiteroerband haben sich mit der angekündigten Betriebsein- schränkung bereits in mehreren Sitzungen beschäftigt, und ein Pro» t e st des Betriebsrates ist den sozialistischen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung zugegangen. Die radikalen Führer haben bereits erklärt, daß man sich der Entlassung von 3000 Angehörigen de« Berkehrsperionals mit allen Mitteln widersetzen werde. Die Gewerkschaften haben davor gewarnt, die Arbeits- losigkeit durch die geplante Maßnahme noch zu vergrößern, und vom Derkehrspersonal ist der Vorschlag gemacht worden, daß die Direktion die sechs st ündige Arbeitszeit einführen solle. um den gegenwärtigen Personalbestand zu erhalten. In den nach- sten Tagen werden Magistrat und Direktion der Straßenbahnen sich mtt den schwebenden Fragen sehr'eingehend beschäftigen. Wie verlautet, will man zunächst die Beamten, die das 66. Lebensjahr überschritten hoben, in den Ruhestand versetzen. Zur Entlassung sollen vor allen die Schaffner oder Fahrer mit Doppclexistcnz kommen, die im Nebenberuf Pförtnerstellen bekleiden oder Geschäfte haben. Ferner trägt man sich mit dem Gedanken, den ausscheiden- den Angestellten eine Abfindungssumme zu zahlen, deren Höhe allerdings noch nicht feststeht. Wie verlautet, will man bei frei- willigem Austrttt 2000 M. zahlen, Wir stnd der Ansicht, daß es möglich sein muß. einen Teil der Cntlasienon in anderen Betrieben der Stadt unterzu» bringen.__ 175 000 Mark erschwindelt. Ein 19 Jahre alter„Kaufmann" Gustav Köglcr wurde von der Kriminalpolizei festgenommen, nachdem er sich durch Dupli- kat-Frachtbriefschwindcl 175 000 M. verschafft und durch- gebracht hatte. Er trat als Baron von Manteusfel oder Graf von S y l t e n auf und machte mit einer noch nickt 16 Jahre alten Margarethe W,. die er im Kino kennen lernte, und dann als seine Gemahlin ausgab, kostspielige Reisen. Als er ein- mal ohne die„Frau Baronin" nach dem besetzten Rheinland fuhr, lernte er In Wiesbaden ein anderes Mädchen kennen, das im Dienste der französischen Besatzung stand. Weil er in ihrer Begleitung mit dem Geld« nur so um sich warf, erregte der„Baron" Verdacht und wurde von den Franzosen festgenommen. Jetzt gab er ohne weiteres zu, daß er das Geld durch Frcck'thriefschvzinde! erworben habe. Die Franzosen liehen ihn daraus laufen. Der Zwischenfall veranlaßte den jugendlichen Schwindler aber doch, Wiesboden den Rücken zn kehren und anderswo fein Wohlleben fortzusetzen. Schließlich kehrte er mittellos nach Berlin zurück und wurde von Beamten der Dienst- stelle C 5 ausgestöbert und sestgenommen. Einen großen Teil der hohen Summe, die er erschwindelte und in kurzer Zeit durchbrachte, hatte Kägler für Automobilfcchrten, für die er eine besondere Leiden- schast besitzt, ausgegeben.__ Brandstiftungen. Am 1. Mai gegen 11 Uhr stand der Dachstuhl des vierstöckigen Miethauses Glogauer— Ecke Reichenberger Straße, das von zahlreichen Parteien bewohnt wird, an mehreren Stellen in Flammen. Als die 2. Kompagnie an der Brandstelle ankam, brannte der Dachstuhl schon in solcher Ausdehnung, daß der 5.� und 8. Zug mit mehreren Schlauchleitungen bis zum Nachmittag tüchtig löschen mußten, dann wurden sie vom i. und 7. Zug abgelöst. Der Dach» stuhl ist vernichtet. Die Mieter verlieren eine Menge Sachen, auch hat das 4. Stockwerk erheblich gelitten. Noch war dieser Brand nicht gelöscht, als ein zweites Feuer aus der Köpenicker Straße 112 gemeldet wurde. Die dort im zweiten Quergebävde untergebrachten Fabriken waren sämtlich geschlossen. Trotzdem brannte der Fußboden und Teile des Treppen- Hauses vor dem Fahrstuhl im Erdgeschoß, sowie im ersten und dritten Stock. In beiden Fällen vermutet man, daß Brandstiftung vorliegt, weil nirgends Brandherde vorgefunden wurden. Nur dem Umstand, daß die Feuerwehr in wenigen Minuten nach der ersten Meldung zur Stelle war, ist es zuzuschreiben, daß die angrenzenden Gebäude nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Kriminal- Polizei wurde benachrichtigt und hat eine Untersuchung eingeleitet. Hoffentlich gelingt es, diese Brandstiftungen aufzuklären. Sienes zum Strausberger AutoÜberfall. Eine überraschende Entdeckung hat die Kriminalpolizei bei der Aufklärung des Auloübersalles bei Strausberg gemacht. Sie ist vielleicht geeignet, zur Ermittelung und Ergreifung der Räuber wesentlich beizutragen. Bisher glaubte man, daß die Wegelagerer verhältnismäßig wenig erbeutet hätten. Jetzt ist jedoch festgestellt worden, daß einem der Fahrgäste, einem Iuwelenhändler, auch noch ein Brillantkollier geraubt worden ist, das allein einen Wert von 200000 Mark hat. Die Kette besteht aus 108, der Anhänger aus-67 Brillanten. Wer über den Verbleib dieses kost» baren Schmuckstückes oder vielleicht auch das Auftauchen einzelner Steine Auskunft geben kann, wird ersucht, sich bei Kriminalober- Wachtmeister Jung in Strausberg oder Kriminalkommisiar W<�< bürg in Berlin, Zimmer 80, zu melden. Der Raubüberfall bei OranienburA. Im Beisein des Staats» anwalts vom Landgericht III und mehreren Beamten des Raub- dezernats der Kriminalpolizei fand gestern ein Lokaltermin am Tat- ort statt. Die Feststellungen haben ergeben, daß die Räuber nach dem Kampf mit dem Schlächter Mangelsdorf und dem Fuhrmann Elsmann, bei dem erfterer erschaffen und der letztere erheblich verletzt wurden, noch einen Feuerkampf, bei dem zum Glück niemand ver- mundet wurde, zu bestehen hatten. Die Polizei von Oranienburg hatte nach dem Uebe.-fall sofort alle Polizeiftationen in der Umgebung auf die Täter aufmerksam gemacht, die sich zu Fuß auf den Weg nach Berlin gemacht hatten. Gegen 12M kamen sie durch Hohen- N e u e n d v r f und gingen dort in cm Lokal, das noch geöffnet war. Dort wußte man schon von dem Ueberfoll und man zweifelte auch nicht, in den späten Gästen, deren beschmutzte Stiefel eine längere Fußwanderung erkennen ließen, es mit den Räubern zu tun zu haben. Einer der Gäste halle einen Wächter herbei, der die Räuber, die unterdessen die Wirtschaft schon wieder ocrlasien hatten, auf- forderte, stehen zu bleiben. Diese gaben mehrere Schüsse ab, durch die sie ihre Verfolger verscheuchten. Alle drei trugen dunkle Loden- mäntel, zwei einen Rucksack, der dritte eine Aktentasche. Wer diese Männer später noch irgendwo gesehen hat, wird unter Hinweis auf auf die Belohnung von 3000 Mark ersucht, sich bei Kri- minalkommissar Werneburg im Zimmer 80 dos Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Eine waflersper« ist in«erlin wieder mal über ein Grund- stück verhängt worden. Am 25. April wurde dem Haus« Sprengel st raße«3 da« Wasier abgesSnitten. so daß settdem sämtliibe Hausbewohner auf Benutzung des nächsten Straßen« brunnen« angewiesen sind. Man nimnit an. daß zwischen dem Hanseigentümer und der Wasierwertsverwaluing irgendwelche Differenzen bestehen, die zu der Gewaltmaßregel geführt haben. Wir halten eS für unzulässig, in dieser Weise die Bewohner eines H a u i e s für ein Verschulden des Eigen- tümerS z u bestrafen. Das Hau» Sprengelstraße ist von ö2 Familien bewohnt, unter denen viele mit Kindern sind. Auflösung der Berliner Dororlgemeinschast. In einer im Frie- denauer Rathause abgehaltenen Mitgliederversammlung hat sich die Berliner Vorortgemeinschaft im Kreise Teltow nach fünf- jährigem Bestehen ausgelöst. Sie umfaßte die 13 größten Vor- arigemeinden des Kreises Tellow mit 300 000 Einwohnern. Im Kampf« um das Gesetz Droß-Berlin trat die Vorortgemeinschast mit einem eigenen Gesetzentwurf hervor. Genosse Eduard Bernstein spricht am Mittwoch, den 4. Mai, abends 7lh Ubr in Lichterfeloe in der Aula der Oberrealschule Ringstr. 2/3 über„Die gegenwärtige Lage Deutsch- lands und die Sozialdemokratie". Bei der Wichtig. keit des Themas ist das Erscheinen aller Genosien dringend erforderlich. Rlusikausführung der Arbeiftrsänger. Am Dienstag, den 3. Mai, abends 8 ffhr. wiederholen die drei Männerchöre„Einig- keit"-Reinickendorf.„Maibund'-Wittenau.„Immergrün'-Tegel(Mit- glieder d. ABS.) dos Konzert vom 26. April in der Aula der 5. Ge- meindeschule zu Reinickendorf. Die gesamte Reineinnahme soll der 5. Schule zur Verfügung gestellt werden, um dieser die Beschaffung eines Klaviers zu ermöglichen. Im Hinweis auf den Zweck wird lim regen Zuspruch gebeten. Korten zu 3 M. sind beim Hausmeister V« 5."Schule sowie in den amtlichen Berkaufsstellen zu haben. Vorträge, vereine und Versammlungen. Vfrtii Schwimmer ahsrlottenburq. Dlenetag, de« Z. Mai b. Is., ade!ld«7Uhr bei Bodne, Schioftsicatze 45, Manatsschung. Sieichsdund der keiegedeichiidigte». Montag, den 2. Mai, Mitgliederoer» lammiuna in der«»In, Andreasstrakc 12, abend» 7 Übe. Laiidtaasabgeordnet« Marotel»laal. Musiken FestsSIe, Kaiser-Wilhelmstr. 31, V/, Uhr D>cn»log abend: Bau» -echnikerversammlung im großen Saal de» Nordischen Hofe», Invaliden ftr. 126, Vi, Uhr. Wirtschaft Die bescheidenen Kohlenbarone. In einer offenbar vom Kohlensyndikat ausgehenden Notiz der Bergwerks- und Börsenpresse rühmt sich der Ruhrkohlenbergbau, daß feine Gewinne außer» rdentlich gering sind.„Zwar" stieg der Dividendenbetrag, der von den reinen Kohlenzechen aus- geschüttet wurde, von 25,68 auf 53,47 Millionen Mark, also etwas mehr als das Doppelte, aber— fo berechnet man— in Wirklichkeit ist dieser Mehrgewinn ein erheblicher M i n d e r gewinn. Da nach Adam Riefe 2 immer noch doppell so groß ist wie 1, braucht man auf die Verdrehungskünste der armen Zechenbesitzer nicht näher einzugehen. Rrn das muß festgestelll werden: Wenn die Dividenden der Kohlenzechen nur auf das Doppelte gestiegen sind, so haben die Unternehmer daran wirklich keine Schuld. Die Kohlenpreife wären längst schon doppelt so hoch, wo nicht viel höher, wenn nicht gegen Preiserhöhungsbeschlüsse des Reichskohlenrats immer wieder der Einspruch der Reichsregierung erfolgt wäre. Dafür, daß die Dividenden„nur" auf das Doppelte gestiegen sind, hat man die Regierung dauernd bekämpft. Im übrigen sind ja auch die Dividenden nur ein Teil der tatsächlichen Kohlengewinne, üb« deren wirklichen Umfang sich die Kohlenkönige selbst nicht ganz klar sind. Wurde doch behauptet, daß der Kohlenbergbau seit Oktober vorigen Jahres mit Unterbilanz arbeite, und das Reichswirt- Zum 3. Reichssiedl«tog. der von der Reichsarbeitsgemeinschaft für Siedlungswesen E. V. vom 14. bis 16. Mai im„Rheingold" zu B«ün veranstaltet wird, sind auf dem Programm vorgesehen: Am 14. Mai, vormittags 6 Uhr, Vorträge des Rechtsanwalts Dr. Hans Brymann(Deutscher Siedlungsverband) und der Architekten Rudolf Prömmel und Lutz üb« die Frage: Wie bauen wir gut und billig? Nachmittags 2 Uhr, Film- und Lichtbilder-Dorführungen und Aussprache. Am 15. Mai, vormittags, finden Vorträge d« Herren Horst Kreisel, Heinrich Führ und Dr. Breymann über den „Aufbau des Siedlungswerkes im Reich auf gesetzlicher und organi- satorischer Grundlage" mit anschließender Aussprache statt. Am 16. Mai ist eine Besichtigung neuer Siedlungen in der Umgegend Verlins. 3nt«essen«meinschasl In der Bauindustrie. Zwischen d« Rhei- nisch-Westfälischen Bauindustrie Akt.-Ges., d« Oberrheinischen Bau- industrie Akt.-Ges., d« Saarbauindustrie Akt.-Ges. und d« Daye- rischen Bauindustrie Akt.-Ges. wurde für 66 Jahre eine Inter- essengemeinschaft abgeschlossen, die Zusammenlegung der Gewinne und gleichmäßige G«winno«teilung vorsieht. Die Rheinisch-Westfälische Bauindustrie erhöht ihr Aktienkapital um 6 Millionen Mark. In den Aufsichtsrat tritt Generaldirektor Kon- geter vom Stumm-Konzern ein. Polens Ainanz. und wirtschafiselend. Die Warschauer„Sa- zeta Poranna" teill mit, daß d« polnische Etat für 1621 22 6 M i l» liarden Ausgab»» und nur 66 Milliarden Einnah- m e n. also ein Defizit von 166 Milliarden polnische Mark aufweist.— Die staatliche Brotversorgung der Städte Polens hat in letzt« Zeit endgültig versagt In Warschau konnte im April nur an wenigen Tagen Brot gegen Karten abgegeben werden und die Preise im Freihandel haben noch weiter angezogen. Nunmehr wird amtlich mitgeteilt, daß amerikanisches Mehl über Danzig eingetroffen sei und die Wiederaufnahme der regelmäßigen Brotbelieferung zum Preise von 46 polnische Mark für das Pfund(466 Gramm) bevorstehe. Preissenkung in russischen Großstädten. Wie nicht ander» zu «warten, hat der freie Handel in den russischen Großstädten preis- ermäßigend gewirkt. Bisher wurde die Schleichhandelsware, auf die die Bevölkerung angewiesen war, durch die verbotenen und darum sehr teuren Transporte kleiner Warenmengen stark belastet. Jetzt fällt diese Belastung mit ein« Gefahren- und Straf- prämie fort. So sind in Moskau die Lebensmittelpreise be- deutend gesunken. Der Preis für ein Pfund Brot(466 Gramm) ist von 3066 auf 1666 Rubel gesunken, für Mehl von 135 666 Rubel auf 86 666 Rubel für dos Pud(16 Kilogramm). Das Volts- kommissariat für Derpslegungswesen hat an die Kreis-Verpflegungs- komitees die Weisung ergehen lassen, am 16. und 26. jeden Monats Daten über die Preise auf den örtlichen freien Märkten an das Ver- pflegungskommissariat zu übermitteln. Erst wenn dies längere Zeit in ganz Rußland geschehen ist, wird ssch die Rückwirkung des freien Handels auf die Preisbildung allgemein beurteilen lassen. Rußlands Außenhandelspolitik. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Rat der Volkskommissare das vom Volkskommissariat für auswärtige Angelegenhellen eingebrachte Abkommen üb« Wiederherstellung der Handelsbeziehungen mit Däne, mark und Norwegen grundsätzlich genehmigt. tiim 1 Bcilaac. ICIK _____«IC- Linde iltr. 3. Bchrenstraß» 84 Präzise lli, Uhr■ Max Hansen 3 Cartellas Hugo Römer Elly v. Andrasl 2 Oeorgis Mary's 5 Tanzgirls 2 Orenses Oebr. Alexander Momes Frank Seiflert Ottl Danner u. Hans Friedrichs Helen CarKma verschwinden meist sehr schnell. wenn man denSchaum von gnckor'» Patent- Medixlnal-Selte abend» eintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen unb mit luckooh-crewe nachstreich Großartig« Wirkung, von Tausenden bestätigt. In allen Apotheken, Drogerien. Par- lllmerie- u. Friseurgeschäften. Bettnässen! Setreiung soton. Alter u.Ceschlecht angeben. Ausk. umsonst. Vers.San.Artik.(]g.Eng , Weigtola4 HaarsModen«Haus Renommiertes Berliner Haar- Haus fllr MaBanfertlguns. 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