ftr.267 �?S. Jahrgang Ausgabe A Nr. 105 Bezugspreis; Vierteljährl. N,— M., monatl. 10.— M. Ire! INS!>aus, voraus zahlbar. Poll« I'Kllgi Monatlich 10,— SL, cütfchl.Su« steuungsgebübr. linier Kreuzband flir Dculjchland, Danzig, dos Eaar- und Memelgebict, lowir dir ehenials beut- ichen Gebiete Polens, Oesterreich, llugarn und Luxembura 2V,— M.. liir das iidrige Busland 27,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho»Slowakei. Däne- Morl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Dorroiirtg" mit der Sonntags« deiiage„Poll und Zeir', der Unter. baltungsdeilage„HeimwclU' und der Beilage„Siedlung und Kleingarten» erscheint wochentäglich zwelmal.Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozlaldemotrok vcrlia- Morgen-Ausgabe Vevlinev Volksblatt Buzeigrnp»elS, Die dchtgetpoUe« stonnor. istezetl» kostet iio M.„Alrlne ttnjrtsca** dos seligedriukte Bort iL» M. tzu« lässig zwei fengednxk!» Borte), lede, weitere»Wort 1.— M StcUengeiuch» und Echlafstestenanzetgei, da« erste Bort ir- M. lede« weitere Wort «1 Vfg. Worte»der I» Buchstaben zählen für zwei Worte. ffannlien-Bn» zeigen für Adoimeme» Reil» äst. Die Press» verstehen sich einlchl-chlich Teuerungsjuschlag «nzelgen fvr die nächste Rümmer müssen dl» a Ahr nachmittag» UN Hanvtgeschäft. Berlin EA Sd. Linden» straße S. abgegeben werden. Eeästnet von S Uhr sräh dt» S Uhr abend». Zcntvalorgan der roziatdemokrati fdien parte» Deutrchlanda Rcdoftlen und Expedition: EW bS, Lindenftr. Z Kernfprechrr: Amt Morthplatz. Str.»S!S0—»SIS? vorwärts-verlag G.m.b.H., Ew dS. Lindenstr.S Kernsprrcher, Am» Morthplah. Str.»»7S.1-S« Simons über üen polenaufjlanö. In der gestrigen Reichstagssitzung ergriff außerhalb der Tagesordnung Reichsminister des Auswärtigen Dr. Simons zu einer Regierungserklärung das Wort. Er führte aus: Mein« Damen und Herren! Im Auftrage der Reichsrcgierung habe ich dem hohen Haufe folgende Mitteilung zu machen: Seit gestern haben sich in dem Abstimmungsgebiete Oberschlesien schwere und in hohem Maße gefahrdrohende Ereignisse vollzogen. Die einzelnen Tatsachen, soweit sie der Regierung bekannt geworden sind, den Vertretern des deutschen Volkes bekanntzugeben, halten wir für unsere Pflicht. Vorausschicken muß ich allerdings dabei, daß das Kennenlernen des Tatbestandes dadurch erschwert ist, daß sowohl Eisenbahnlinien an den Grenzen Oberschlesiens im Ab« stimmungsgebiet zerstört sind, als auch die Telegraphenlinien, und zwar sowohl die öffentlichen als die der Eisenbahnverwaltung viel« fach unterbrochen sind. Unter diesem Vorbehalt möchte ich zunächst schildern, wie sich die Lage in Oberschlesien gegenwärtig nach den uns gewordenen Mitteilungen darstellt. Im Kreise K a t t o w i tz befindet sich das flache Land in der Hand polnischer Banden. Sämtliche Gruben streiten, zum größten Teile sogar gezwungen, weil die Arbeitswilligen von , den Polen mit Gewalt an der Einfahrt gehindert werden.(Hört, hört!) Im Kreise Hindenburg haben in der Nacht vom 2. zum 3. Mai zwischen polnischen Banden und der Apo Kämpfe statt- gefunden.(Hört, hört!) Die Stadt Hindenburg und die Eisen- bahnlinien sind durch französische Truppen der Interalliierten Kom- Mission besetzt worden. Sämtliche Gruben des Kreise» und ein Teil der Eisenhütten streiken. Die Arbeitswilligen werden von den Polen mit Gewalt von der Arbeit zurückgehallen.(Hört, hört!) Die um Hindenburg Hegenden Ortschaften befinden sich in den Händen der Polen. Der Kreistontrolleur hat erklärt, daß seine Truopen zum wirksamen Schutz des Kreises nicht ausreichen, er hat infolgedessen Truppenvcrstärkungen ongesordert. Was den Kreis B e u t h e n anlangt, so wurde'i Dcuthen selbst die„Ostdeutsche Morgenpost" � uon polnischen Banden besetzt und ihre Einrichtung demoliert. Später ist dos Gebäude wieder geräumt worden, und zurzeit herrscht in Beuthen-Stadt Ruhe. Im Kreise Beuthen haben bewaffnete Zivilbanden eine Anzahl Ortschaften besetzt, überall im Lande sängt es an zu gären. Bon den Ententetruppen sind dort bisher energische Schrille, soweit orientiert sind, nicht unternommen worden.(Lebhaftes hört, -z�rt!) In den Kreisen Pleß. Rybnik, Groß-Strehlitz find eine Anzahl von Ortschaften in die Hände bewaffneter Zivilisten- banden übergegangen, der Kreis Rybnik, die ländlichen Ortschaften im Kreise Pleß zum größten Teile. Nun habe ich aus dem Kreis« G l e i w i tz zu sagen, daß die Stadt Gleiwitz ruhig ist, daß aber infolge des polnischen Terrors sämtliche Gruben zum Feiern ge- zwungen sind. Auf dem Lande haben polnische Banden eine An- zahl von Ortschaften besetzt und die Gewalt dort an sich gerissen. Ich möchte dann noch kurz einen Blick werfen aus die von mir gleich eingangs erwähnten Störungen. Gestört sind die Eisenbahn- strecken Breslau— Karlsbad— Oppeln durch Sprengung einer Brücke, Breslau— Brieg— Oppeln an zwei Stellen, Oppeln— Neustadt an zwei Stellen.(Der Minister nennt eine Reihe weiterer Strecken, auf denen Störungen und Sprengungen stattgesunden hoben: die Namen bleiben auf der Tribüne zum Teil unverständlich.) Auf einigen Eisenbahnstrecken wurde das Bahnpersonal von den Polen vertrieben. Der Zugverkehr mußte insolgcdesien eingestellt werden. Der kohlenverkehr stockt vollständig. Die Cisenbahndirektion Kattowitz oerfügt nur über einen Wagen- bestand von 1 bis 2 Tagen, so daß nicht nur Deutschland, sondern auch Italien, Ungarn und die Tschechoslowakei in Alilleidenschast zogen werden, weil auch für sie die Unmöglichkeit besteht, in der i znogl machst ächsten Zell Kohlen zu beziehen. Im allgemeinen bietet sich da» Gesamtbild eines planmäßigen Ueberfalls auf das Industriegebiet. Die planmäßige Zerstörung der Eisenbahn- brücken deutet auf ein groß vorbereitetes Unternehmen von pol- nischer Seite.(Bewegung.) Ich habe hier eine Karte des ober« schlesischen Abstimmungsgebietes, auf der ich die Stellen habe ein- tragen lassen, wo Brückensprengungen stattgesunden haben. Sie werden sehen, daß das alles an der westlichen Seite des Abstim- mungsgebictes liegt, so daß die betreffenden Täter in dieser einen Nacht von der polnischen Grenze vorgestoßen sind bis an die Grenze des Abstimmungsgebietes nach dem übrigen Deutschland. Ich werde die Karte auf dem Tisch des Hauses niederlegen. Die deutsche Regierung ist sich über den Ernst der Lag« in Oberschlesien vollkommen klar. Sie hat sofort gestern die nötigen Schritte bei der Interalliierten Kommission getan, um ein ener- aisches Einschreiten gegen die unverantwortlichen Treibereien her- bei/ukübren Sic hat nicht versäumt, darauf aufmerksam zu machen, dak die Interalliierte Kommission ja für die Ruhe und k?Wuna im Lande verantwortlich ist, und daß die deutsche Rei�eruna von ihr unter allen Umständen den Schutz der fried- liebenden deutschen Bevölkerung gegen alle Gewalttaten verlangen muß Me deutsche Regierung hat ferner den drei Mächten, denen die Ordnuna Ober cklesiens durch den Friedensvertrag anvertraut ist, �leaaMfch ewe eingehende Darstellung der Lag- zugehen lassen. und ui i r ha b en v crlcmgt, daß sofort Maßnahmen ergriffen werden. damit die oelekmäßigen Zustände m Oberschlesien hergestellt werden undWiedtthollmgen d es poln isch en Angriff- mit allen seinen ver- derblichen Folgen verhindert werden..... Die Interalliierte Kommission hat in einer Be- sprcchung, die sie mit unserem Bertreter. dem deutschen«e°ollmach. tigten in Oppeln hatte, den großen Ernst der Lage auch threrse.ts »ollkommen anerkannt. Sie hat auch anerkannt, daß oon der deutsch« Veoöikerung keinerlei Anlaß pp«rzeudtveich» G-walttatm 0$ U-ruhen gegeb«»ort»% (Lebhaftes hört, hört!) Sie hat ferner an ihrer Pflicht und Eni- fchlofsenheit keinen Zweifel gelasien, mit allen Mitteln, die ihr zur Berfügung stehen, die Ruhe wiederherzu st eilen, und außerdem auch der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß ihr das auch gelingen wird. Run haben wir gerade im allerletzten Moment noch die Mitteilung bekommen, daß die Interalliierte Kom- Mission den Belagerungszustand in Beuthen-Stadt, Katto- witz-Stadt und-Land, Rybnik, Hindenburg, Pleß, Tarnowitz und Ratibor-Stadt und-Land verhängt hat. Nach Nachrichten, die bei der Interalliierten Kommission eingelaufen sind, hat im Kreise Kattowitz ein Zusammenstoß zwischen polnischen Insurgenten und frunzösischen Besatzung»» t r u p p e n stattgefunden, wobei die Besatzungsttuppen die Polen zersprengt haben. Die Polen, in Stärke von 300 Gewehren, hätten sich hierbei aus die umliegenden Ortschaften zerstreut, die die Fran- zosen säuberten. Zurzeit ist in Kattowitz alles ruhig, auch in Beuthen ist die Ruhe gegenwärtig wiederhergestellt. Es kann kein Zweifel bestehen, daß, nachdem es der Inter- alliierten Kommission bedauerlicherweise trotz der offenkundigen terroristischen Agitation Korsantys nicht gelungen ist, diese schweren Taten zu verhindern, bei den wohldisziplinierten und organisierten Truppen, die ihr in Oppeln zur Verfügung stehen, es der Kommistion nicht schwer fallen kann, der polnischen Banden und Insurgenten Herr zu werden. Die Gefahren eines erneuten Aufftandes in Oberschlesien sind ungeheuer, seine Folgen wären unabsehbar. Die deutsche Bevölkerung Oberschlesiens muß jede Verantwor- tung ablehnen. Die Verantwortung trifft nur die polnischen Hetzer und ihre verantwortlichen Organe, die glauben, mit Gewalt er- reichen zu können, was ihnen die Gerechtigkeit versagt. Ich dars in diesem Zusammenhange noch hinweisen aus den Protest der oberschleflschen Gewerkschaften. Wir wollen vertrauen, daß es nochmal» gelingen wird, in dem oberschlesiichen Abstimmungsgebiet die Ordnung wiederherzustellen, damit nicht Gewalt und Terror entscheiden, sondern das� Recht und die Gerechtigkeit. Sie wissen alle, daß wir eine gerechte Entscheidung nur darin finden können, daß das Abstimmungsgebiet auf Grund der Willenskundgebung seiner Bevölkerung bei Deutsch- l a n d bleibt.(Lebhafter Beifall.) Bizeprösident Dietrich empfiehlt, die Besprechung nicht heute vorzunehmen, da die Nachrichten über die Tatumständc noch nicht vollständig eingelaufen find. Abg. Crispien(H. Soz.) verlangt sofortige Besprechung der Er- klärung. Wir stehen in einer Situation, in der wir nicht wissen, ob die Regierung den Ratschlag der amerikanischen Note, ein direk- tes Angebot an die Entente zu richten, befolgt, oder ob sie den Ablauf des Ultimatums abwartet und die Gelegenheit zu einem geeigneten Schritt wieder verpaßt und dann hinterher zu einem übereilten Schritt gezwungen wird. Reichskanzler Aehrenbach: Da» Kabinett hat zu den Ereignissen eine definitive Stellung noch nicht nehmen können, weil wir eine genaue Mitteilung über die Vorgänge in London noch gar nicht haben. Wir ' oben jetzt eine Mitteilung aus Amerika. Im übrigen kann das aus darüber beruhigt sein: Die Regierung wird, sobald nach ihrer Anffastung eine irgendwie fruchtbare Ausspruche stattfinden kann, sich mit den Parteiführern ins Benehmen setzen. In der ober- s ch l e s i s ch e n Frage kann eine sosortige Aussprache einer ruhigen Beurteilung der Sachlage nur im Wege sein: sie scheint mir auch nicht zweckmäßig im Hinblick aus die ernstliche Absicht der Inter- alliierten Kommission, Ruhe und Ordnung in Oberschlesien wieder- herzustellen. Warten wir erst das Eingreifen der Interalliierten Kommission mit ihren Truppen ab. In der Debatte erklärt Abg. ZNüller-Franken(Soz.): In der heutigen Sitzung kann ein« Aussprache gar nicht erfolgen, da un» die notwendigen Unter- lagennochfehlen. Die Lage in Oberschlesien ist auch noch nicht klar. Im übrigen muß, ehe die Regierung entscheidet, das Paria- ment gehört werden: das erscheint uns wichtiger, als die Kenntnis- nähme von Mitteilungen der Regierung. Reichskanzler Fehrenboch«eist die Behauptung Geyers (Komm.) zurück, daß die Reichsregierung an dem Polenaufstand mit- schuldig sei. Außenminister Dr. Simons: Ich halte es nicht für richtig, hier in demselben Augenblicke, wo die Telegramme der deutschen Regierung in den Hauptstädten der Alliierten übergeben werden, jetzt schon mit einem weiteren Pro- gramm an die Oeffentlichkeit zu treten. Wir haben bis jetzt keinen Grund anzunehmen, daß die I. K. nicht das Mögliche tun wird: im Gegenteil; Wir werden abwarten, ob sie es tut. und ob sie Er- folg hat. Eine weitere Erklärung würde dem internationalen Brauch widersprechen und unsere Sache nicht fördern. Schließlich werden Anträge der Links, und Rechtsradikalen auf schleunige Besprechung des Aufstandes abgelehnt. Die weiteren Borgänge der Sitzung finden die Leser im Par- lamentsbericht. Ministerberatungen. Das Reichskabinett hat gestern, wie WTB. melbet, die außen- und innerpolitische Lage auf Erund des vorliegen- den, zu einer endgültigen Beurteilung noch nicht ausreichenden Rachrichtenmaterials durchgesprochen. Die Besprechung wird morgen früh fortgesetzt. Wie die Telegraphen-Union erfährt, treten die Mi- Nisterpräsidenten der Länder in den nächsten Tagen zu einer Konserenz in Berlin zusammen, um zu der durch die Ereignlfle der letzten Tage geschaffenen politischen Loge Stellung zu nehme» vorrede. Mit der amerikanischen Vermittlung ist es also nichts. Morgen oder übermorgen kommt das Ultimatum der Entente. das. wie das marschlustige Frankreich hofft, von Deutschland nicht angenommen werden wird, und daim können die mili- tärischen Genies ihren sorgfältig vorbereiteten strategischen Aufmarschplan zur Ausführung bringen, dann ist das Ruhr- revier— wer weiß für wie lange?— besetztes Gebiet! Angesichts dieser bedrohlichen Lage wird von einem ge- wissen Teil der Preste schon wieder mit A n g st a r g u m e n- t e n gearbeitet. Zunächst bewegt sich diese Arbeit in der Richtung zur Annahme des bevorstehenden Ultimatums. In den schwärzesten Farben werden die Folgen geschildert, die sich aus der vollen Auswirkung der Sanktionen ergeben müssen. Wirtschastsstillstand, Verelendung, Zerreißung des Reichs. Sobald aber das Ultimatum der Entente da sein wird, dann wird— es ist nicht schwer vorauszusagen— die Angst Propaganda nach der entgegengesetzten Richtung einsetzen. Man wird nun schildern, welche grauen- vollen Wirkungen die Unterwerfting unter das wirtschaftliche Diktat der Gegner nach sich ziehen muß. wie sie das gene- rationsweise Verhungern des deutschen Volkes bis zu seinem Aussterben bedeutet, und die Schlußfolgerung wird lauten: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So ist es seit Versailles noch immer gewesen. Man Hot das deutsche Volk unaufhörlich zwischen zwei Aengsten hin und hergejagt, und die Folge war, daß man, statt in ruhiger Ueber- legung von zwei Uebeln das kleinere zu wählen, immer das- jenige wählte, vor dem man für den Augenblick etwas weniger Angst empfand. Immer aber haben die Erzeuger solcher Panikstimmungen von beiden Seiten— sicher in bester Absicht und ohne Bewußtsein der eigentlichen Wirkung— das Spiel jener Gegner gespielt/die auf die völlige Zerrüttung Deutschlands hinarbeiten. Denn es ist klar, daß ein Volk, dem nichts anderes mehr gelehrt wird, als das Fürchten, schließlich jedes Selbstvertrauen verlieren muß und daß es nicht mehr imstande sein wird, von zwei denkbaren Lösungen eine entschlossen zu ergreifen. Die weitere Folge ist. daß wir jede Achtung der Welt verlieren und daß unser Wort nicht mehr gilt. Unser Ja ist kein Ja mehr, denn man nimmt an, daß es ohne Aufrichtigkeit und guten Willen ausgesprochen wird, und unser Rein ist kein Rein mehr, weil man vermutet, daß es sich unter dem Druck yon Drohungen sehr schnell in ein Ja verwandeln würde. Mit diesem Ja aber ist uns dann aber auch nicht geholfen, weil— siehe oben! Es ist ein ewiger Fehlertreis. Jetzt stehen wir vor einer neuen Entscheidimg. und es wäre voreilig zu sagen, wie sie fallen soll, solange nicht genau zu übersehen ist, was man uns zumuten wird, noch was uns bevorsteht, wenn wir diese Zumutung ablehnen. Man muß sich also in diesem Augenblick darauf beschränken, den Wunsch auszusprechen, daß die Entscheidung getroffen werde nicht aus Angst vor dem, was wird, wenn man sie anders trifft, sondern aus Mut. ihre Folgen auf sich zu nehmen. Die Annahme des Ultimatums wird das kleinere Uebel sein, wenn sich voraussehen läßt, daß wir bei äußerster An- strengung imstande sein werden, seinen Forderungen wenig- stens ein paar Jahre lang nachzukommen. Dann wird es höchste Pflicht am ganzen Volke sein, diese Anstrengungen auch wirtlich zu leisten, um uns auf diese Weise wenigstens für ein paar Jahre Luft zu verschaffen. Später, wenn wir den äußersten Beweis unseres guten Willens erbracht haben und wenn die Zeit für uns gewirkt hat, werden wir nicht befürchten müssen, daß ein vielleicht unvermeidlich gewordenes Nachlassen unserer Leistungen sofort als böser Wille ausgelegt und mit Gewaltmaßnahmen beantwortet wird. Wir müssen dann also diesen Weg gehen nicht ohne Furcht vor dem, was in unserem Rücken ist, sondern aus Vertrauen in unsere Kraft und mit der Zuversicht in das, was vor uns liegt. Ergibt jedoch tzie ruhige, nüchterne Prüfung der uns ge- stellten Forderungen, daß wir bei dein Versuch, sie zu erfüllen, schon in den nächsten Monaten auf der Strecke liegen bleiben und dann dock erleiden müßten, was wir durch die Annahme vermeiden wollten, dann müssen wir dos Unvermeidliche über uns ergchen lassen in dem Gedanken, daß erwartetes Un- gemach immer schlimmer aussieht als schon eingetroffenes. Dann gilt es, mit Vorbedacht die politischen und Wirtschaft- lichen Mittel zu wählen, die geeignet sind, das über uns Verhängte einigermaßen erträglicher zu gestalten und in dieser Methode des Widerstandes zu verharren, bis die Stunde des VerHandelns und der Verständigung gekommen ist. Denn das letzte Ziel kann kein anderes sein als dl? Verständigung. Welcher von beiden Wegen der bessere ist, kann in dieser Stunde noch nicht gesagt werden. Die Verantwortung ist un- geheuer, Raterteilung ohne Kenntnis und gründliche Erwägung der Tatsachen— und die entscheidende Tatsache steht noch aus— wäre unverantwortlicher Leichtsinn. So können diese Worte auch nichts anderes sein als eine Vorrede und eine Mahnung, daß der gewählte Weg, welcher es auch fei. ein Weg nicht der Furcht sein möge, sondern ein Weg d e? M u t e s. � W« hat«»«c wevs» Tsü»«v! tmb' bis Art, wie er begangen nntrtfc, Kar ebenso ein Deweis für die Lebenskraft und den Lebenswillen unseres Volkes wie es die Energie unserer Wirtschast und unserer Wissenschast auf anderen Gebieten ist. Aus dem Gebiet der auswärtigen Politik scheint aber das deutsche Volk zu dem Schicksal be- stimint, an Nerven Zerrüttung zugrunde zu gehen. Da scheint es gehen zu sollen wie aus einem lecken Schisf, auf dem der Steuermann ratlos das Steuer ver- läßt, die Panikmacher einander überschreien und alles unter dem Rufe».Rette sich wer kann!" deni gemeinsamen Unter- gang zustrebt. Diese Ratlosigkeit, diese Panikmacherei und dieser Egoismus, der unter Niedertrampelung von tausend anderen Existenzen seine eigene Erbärmlichkeit in ein sattes Kriegsgewinnlerdasein zu retten sucht, sie sind heute unsere schlimmsten Feinde. Furchtloses Entscheiden, Zahnezusammen- beißen, Arbeiten, Opfern fürs Ganze und den Glauben nicht verlieren an eine bessere Zukunft— dies allein ist's, was uns retten kann.____ vor der Entscheidung. Ein Ergebnis der Beratungen des Obersten Entente- rates liegt noch nicht vor. Verschiedene Meldungen sorechen von scharfen Auseinandersetzungen und es scheint, daß Briand — den der„New Bork Herald" als st a rr k ö p f i g wie ein Maulesel bezeichnet— schließlich die nicht auf gleicher Höhe stehenden Mitraler überrunipelt hat, als er sofort nach dem Progrannnbeschluh der Redaktionskommisston den Mobil- machungsbeiehl nach Paris drahtete. Havas kündigt abends Vertagung der Sitzung auf Mittwoch vormittag an: man sei zwar einig, jedoch seien noch einige Einzelbestimmungen zu regeln. S f o r z a s Sekretär sagte einem schwedischen Aus- frager, Italien sei gegen Frankreichs unkluge Politik, es wolle nicht mit Deutschland ganz Europa verderben lassen und die Ruhrbesctzung vermieden sehen: aber wenn Deutschland den letzten Ententevorschlag, der das Aeußcrfte sei, nicht annehme» so würden die Alliierten einig sein. Havas behauptet, daß der Rheinzoll jährlich 5l) Millionen Goldmark bringen werde. Der Rest ist Säbelrasseln, Negertransport im besetzten Gebiet und Seeblockadedrohung. Da wir auf all das ja doch keinen Einfluß haben— denn das Schlucken eines Diktats ist doch keine freie Willensäußerung— können wir in unserer Arme- sünderzelle erwarten, was uns schließlich amtlich ange- kündigt wird. • London. 3. Mal.(Reuter.) Die Neparationskommission ist aus Paris herbeigerufen worden: sie wird morgen in London ein- iressen und veulschlond ein Protokoll Lbersenden, daß bis zum 12. Mai, nacht» 12 Uhr, zu beantworten ist. Amerikas Ablehnung. Die Washingtoner Antwortnote hat folgenden Wortlaut: „Die Regierung der vereinigten Stauten hat das Memorandum betreffend die Reparationen erhalten, das Dr. Simons dem Kom- missar der Vereinigten Staaten am 24. April übergeben hat. Zur Antwort erklärt die amerikanische Regierung, daß sie sich außerstande findet, zu dem Schluß zu gelangen, daß diese Dorschläge eine für die alliierten Negierungen annehmbare Grundlage der Erörterung bilden. Indem dte amerikanische Regierung daher iviederholt ihren ernsten Wunsch nach einer raschen Regelung dieser Lebensfrage ausdrückt, leg! sie der deutschen Regierung dringend nahe, sofort den alliierten Regierungen unmittelbar klare, bestiinmte. zweckentsprechende Vorschläge zu machen, die in jeder Beziehung ihren angemessenen(just) Verpflichtungen gerecht iverdcn." London, 3. Mai.(Reuter.) Der Oberste Rat hat ein Tete- gramrn an die Vereinigten Staaten gebilligt, in dem sie eingeladen werden, einen Vertreter zu entsenden. un> wieder an den verarungen de» Obersten Rates der Alliierten, der volschaskerkonserrnz und der Reparaiionskommission teilzunehmen. London, 3. Mai.(WTB.)„Morning Post" meldet aus Washing- ton, daß bei der Beratung der Resolution Knox der Senator Mac C o r m i ck den Aersailler Friedensvertrag heftig angriff und er- klärte, dieser Vertrag werde niemals vom Senate ratifiziert, viel- mehr ein Sonderstkede mit Deutschland abgeschlossen werben. S gonnenen mehrstündigen Feuergefecht Zwilchen Insurgenten und Apo in Miechowitz wurde ein vollzeileutnant erschossen. Die Lpo-Be- amten mußlen schließlich weichen und wurden«mwafsnet. kallowH, 3. Mai.(WTL.) Bahn und Straßenbahn liegen still. Ein Wagen der Straßenbahn, der nach Rosdzin ausgefahren war, wurde von Insurgenten besetzt. Italiener hateit einen ernsten Zusammenstoß im Bahnhof Katlowitz, wo sich drei bewaffnete Polen weigerten, ihre Waffen auszuliefern. Die Italiener feuerten darauf, schössen den einen nieder und verletzten die beiden anderen schwer. Auf dem Bahnhof lagern große Menschenmengen, die ver- geblich auf Abfahrt warten, hauptsächlich Passagiere»yd Schüler aus dem Rybnikcr und Plesser Gebiet. Unter Gewehr-, Maschinen- gewehr- und Handgranatenfeuer wurden die Apo-Barackcn besetzt, die Beamten entwaffnet und gefangen gesetzt, Waffen, Munition und Kleidungsstücke verteilt, olle Straheneingänge wurden besetzt, Passanten nach Waffen durchsucht. Um L Uhr drangen Insurgenten rn das Polizeiprostdimn ein turt) etthuäffnekn kste Beamten. Nack? einer halben Stunde erschien ein französischer Kapitän, der den Putschisten die Waffen wieder abnahm. Die Redoktu« des sozialdemokratischen .Voltswille" wurde durch Handgranaten zerstörk. Zahlreiche Gebäude wurden durch Gewehr- und Maschinengewehre seuer beschädigt. Tornow!� 3. Mai.(WTB.) Nachts 1 Uhr rückten bewazfuet- Banden ein, wurden jedoch von der Apo und städtsscher Polizei zurückgeworfen. Erst in d-r fünften Morgenstunde begann sran- zösische, Militär den Ring zu säubern, dabei wurde den Polen ein« größere Anzahl Massen abgenommen, die Wassenträger jedoch wieder freigelesien. Laurahütle, 3. Mai.(WTB.) Gegen 2 Uhr nachts wurden die Eingänge des Doppelortes Laurahütte-Eiemianowitz von den In- surgenten besetzt, die allmählich vorrückten und an den Houpttrcit- zungspunkteu Maschinengewehre ausstellten. Zwei Apo-Wachen., wurden ausgehoben, das Leihamt erbrochen, Bahnhof und Post von Insurgenten besetzt, an Laternen und Kandelabern eine polnische und sranzösische Fahne angebracht. Gegen halb 11 Uhr durchfuhr ein französisches Auto mit 2 Maschinengewehren die Straßen: die Besatzung heftete Plakale mit der Ankündigung des Belage- rungszustandes an. Post und Eisenbahn wurden von den Fran- zosen besetzt._ „Es lebe Deutschlands In der Debatte des rumänischen Senats über den Strafzoll gegen Deutschland bekämpfte unser Genosse Grigorovici. der einstmal» die Stadt Czernowitz im österreichischen Mgeordneten- hau» vertreten hat, mit großer Schärfe die Vorlage und seine mutige Rede führte heftige Szenen herbei. Grigorovici erklärte, daß das Gesetz die Bevölkerung sch)ver treffen wird. Wir sind nicht verpflichtet, den ftonzösischen Kapitalis- mus in seinem Kampfe gegen den deutschen Kapitalismus zu unter- stützen. Das ist nicht unsere Sache.(Protestrufe.) Wir müssen uns nicht weiter nach einem Staate richten, der uns in den Krieg hin- eingetrieben hat. Während der Friedenskonferenz hat sich Bro- tianu davon überzeugt, daß die Tendenz Frankreichs darin bestand, uns in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen. Mit dem vor- liegenden Gesetz will man un« wirtschaftlich knechten. Wir müssen dieses Gesetz zurückweisen, da es alle landwirtschaftlichen Maschinen und alle Medikamente verteuern wird. Rufe: Du bis ein Deutscher geblieben! Grigorovici: Ich konstatiere, daß die Alliierten den Kaiser und seine Kohorte mit Glacehandschuhen behandeln, die- selben, welche das- deutsche Volk ins Unglück geführt haben. Es handelt sich jetzt nur um den englischen und französischen Kapitalis- mus, die den deutschen Kapitalismus unterdrücken wollen, dos ist der springende Punkt. Das deutsche Boll ist arbeitsam und ordnungs- liebend: das deutsche voll wollte den Krieg nicht. Zwischenruf: Du bist ein Deutscher geblieben. Die Deutschen haben uns nur Schlechtes getan! Grigorovici: Ich verteidige nur das arbeitende deutsche Volk. Zwischenruf: Es lebe Friankrelchk Grigorovici: Es lebe Frankreich und es lebe Deutschland! Auf diese Worte werden Rufe laut: Rieder mit Deutschland? Herunter von der Tribüne! Es ist unwürdig für den rumänischen Senat! Eine Schande! Nieder, deutscher Agent! Grigorovici: Im österreichischen Parlament haben eure Nationalisten immer geschwiegen. Ich allein habe meine Stimme erhoben, um die rumänisch« Ration zu verteidigen. Ich allein habe gegen den Friedensvertrag mit Rumänien protestiert. Mir zur? veite standen damals nur die deutschen S o z i a l i st e n, oii diesen Friedensvertrag als eineen Wahnsinn bezeichneten. Der Präsident fordert den Redner aus, seinen Ruf:„Es lebe Deutschland" zu erklären. G r fg o r o o i c i: Als man rief: Es lebe Frankreich.- verstand ich die französische Nation. Als ich rief: Es lebe Deutschland, ver- stand ich die d e u t s ch e N a t i o n. Ich hege die wärmste Liebe für das französische Volt, aber ich hege auch den größten Respekt für die übrigen Völker. Auf diese Rede antwortete der Minister des Acußern mit gegen Deutschland haßerfüllten Ausführungen, die nach dem Worte des bürgerlichen Senators Cantacuzino das Maß überschritten, das ein Vertreter Großrumäniens gegenüber dem Ausland einhalte!! müsse. Air aber grüßen den tapferen Genossen Grigorovici, der Vernunft und Menschlichkeit der heulenden Meute vorgehalten i"*- Neichscegierung und Rechtschreibung. Die Freunde wie die Gegner einer neuen Rechtschreibung waren in Unruhe geraten, weil die letzteren fürchteten, die wichtige Ange- iegenheit würde ohne gebührende Berücksichtigung der Gcgcnmotive erledigt, und die ersteren eine Verschleppung mutmaßten. Beide Parteien haben unrecht: die Regierung bereitet vor. Aus dem Reichsministerium des Innern wird mitgeteilt: Ueber die Neu- ordnung der Rechtschieibung laufen abermals irreführende Nach- richten durch einen Teil der Presse, obwohl wiederholt amtliche Klar- stellungen erfolgt sind. Es sei deshalb nochmals festgestellt, daß das Reichsministerium des Inncrn die Frage einer Neuordnung der deutschen Rechtschreibung von Anfang an nicht als eine Angelegen- heit der Behörden angesehen hat, die noch dazu im geheimen und unter Ausschluß der Oeffenilichtcit zu regeln wäre, sondern als eine allgemeine deutsche Angelegenheit. Nachdem die Notwendigkeit einer Neuordnung der Rechtschreibung dem Reichsministerium des Innern wiederholt von maßgebenden Stellen, namentlich von dem im Reichsschulausschuß vereinigten Schuloerwaltungen der Länder nahe- gelegt worden war, hat das Ministerium, ohne die Bedenken zu verkennen, die namentlich aus wirtschaftlichen Gründen gegen eine weitgehende Reform geltend gemacht werden, sich der Ausgabe nicht verschließen können, in eingehenden und wiederholten Berntungen mit Sachverständigen aller Art, besonders mit berufenen Sprach- Wissenschaftlern, lediglich die technische Vorfrage zu prüfen, in welchem Umfang und nach welchen Gesichtspunkten eine etwaige Neuordnung zu erfolgen habe. Diese Veratungen haben nunmehr zu bestimmten Ergebnissen geführt, die zurzeit den Unterrichtsverwaltungen der Länder zur Prüfung«bersandt morden sind. Lehnen sie diese Vorschläge ab— die Entscheidung hat der Reichsschulausschuß stt seiner nächsten Sitzung Anfang Juni zu treffen—, so ist damit die Frage einer Neuordnung der Rechtschreibung vorläufig verneint. Stimmt der Reichsschulausschuß dagegen den Vorschlägen zu, so ist der Zeitpunkt gekommen, sowohl weitere behördliche Stellen als vor allen Dingen auch die weiteste Oeffentlichkeit zur Stellungnahme zu veranlasse». Das Reichsministeriiim des Innern plant für diesen Fall die Heraus- gäbe einer Denkschrift, die einen ausführlichen Bericht über die bis- herigen Verhandlungen, sowie die wissenschaftlichen Gutachten der Sachverständigen und ihre endgültigen Vorschläge enthalten würde. Damit ist dann den weitesten Kreisen des deutschen Voltes und allen im besonderen beruflich oder wirtfchuftlich an einer Neuordnung der Rechtschreibung interessierten Teilen der Bevölkerung die Möglich- keit gegeben, zu de? wichtigen Frage, ob und in welcher Weise das äußere Gesicht der deutschen Sprache eine Aenderung erfahren soll, und welche wirtschaftlichen Gründe für oder gegen eine Neuordnung sprechen, Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme erst wird über das weitere Schicksal der Neuordnung der Rechtsprechung eiUscheiden. herrnseid im Deutscher Theater. Literatur ist Schwindel. Die Welt zwingt sich nur unwillig zu Gerhart Hauvtmann oder Strind- berg, sie braucht Cbarlcys Tante oder Gebrüder Herrnfetd. Die New Porker Herrnfelds heißen echt amerikanisch Glaß und Klein. Sie haben den jüdclnden Schwank„Potasch und Perlmutter" auf ihrem vom lieben Gott durch Tantiemen reichlich belohnten Ge- wissen. Man hat das Slück in Amerika, England und den Domi- nions etliche tausendmal gespielt. Die Sommerhcrren des Deutschen Theaters wußten, was sie der deutschen Nation und der Würde des Hauses schuldeten, das einstmals Otto Brahm und Max Reinhardt gehörte. Sie imponierten schleunigst„Potasch und Perlmutter" nach Berlin, ehe andere und ebenso ehrgeizige Förderer der Kunst die Konkurrentenhand darauf legten. In dem Schwank handelt es sich um Pleite, Liebelei, Manne- quins und Konfektionsjüdelei. Man mußte den Pankeeton in den Dialekt des Hausvoigteiplatzes übersetzen. Herr Karl Ettlinger und Paul Grätzsch besorgten das mit vielem 5)umor. Sie sind zwei Kon- fektionskompagnons. Ihnen fehlten natürlich nicht das goldene Herz, die Gerissenheit, der offene Verstand, das dicke, mit Brillanten behängte und mit Gefühl reichlich ausgestattete Ehegespons. die heiratslustige Tochter, die fesche Zuschneiderin, einiges Glück und einige« Pech. Ei« steigen bis»um Zenit, sie sinken bis in die Pleite, sie erholen sich wieder.�die Dollars, die eben weggerollt waren, reg- neu unversehens ins Haus. Die alten Ehegatten und die jungen Verlobten liegen sich in den Armen. Das Volkssttick arbeitet ja mit ewigen, unvergänglichen, unverwüstlich verblendrnden und verblödenden Mitteln. Das Bolksstück dieser Art gefällt dem Spießer immer, mag er sich auch sonst mit Literatur aufblasen. Die gleichen Leute, die sonst um Gerhart Hauptmann oder August Stramm kämpften, vereinigten sich brüderlich in der Freude an„Potasch und Perlmutter". Während man gestern noch tn den„Kammerspielen" Bernhard Schorr ein wenig zu beflissen einjüdelte, entjüdelte man das New Uorker Jargonstück fast zaghaft. Man hatte zwar den Mut zum Herrnseldstück gefunden, aber noch nicht den Weg zum Herrnfeld- Ton. Ten Herren Nunberg, Peld und den Damen Kupfer, Ehri- stian» und v. Tehlmann ist die Flotlheit nicht abzusprechen, obwohl sie alle dieses Stilvergehenz schuldig wurden. Max Hochdorf. Zentral-Thealer: Aonka. I. Wilhelm und W. Hertel, die Aast- Ipieldiretioren, wollen das Publikum offenbar nicht überanstrengen. Das könnte nach dem harten Winter leicht zur geistigen Ueber- rrnährung führen. Der Operettenschwank von L. Sebald und Georg Busse bringt einige Male echte Schwankstimmung, öfter auch ganz gute Witze, aber die Handlung ist zum Verzweifeln öde. Die Musik weder gut noch schlecht. Ben Akiba. Die Schlager sind wie gewöhnlich für kleine Kinder. Gustav Hierbeck, einmal von einem seiner Freunde abgetan mit„Quetschentenor"(Ich hab's nicht gesagt), aber es gibt Bedenken. Gestalt und Gefühl ist da. Egar Komisch ist mehr als Operettenkomiker, sein gesalzener Humor drängt nach besseren Aufgaben. Arthur Peiser und Werner Bernhardt fügten sich aufs beste dem Ganzen ein. Emmi Denner ist nicht nur eine sehr interessante Darstellerin, sondern auch künstlerische Sängerin, im Gegensatz zu den beiden anderen Hauptdarstellerinnen. die durch die ftpigen Enikleidtzngsjzeneii(eine hoch onjtänluge jenti- mentale Gräfin läßt ihr Spiegelbild erscheinen!) und kleinen Bein- srioolitäten schon etwa» enlgeiftigt sind. Marc Roland, der Kapell- meister, und Werner Bcrnhordi, der Regisseur, sorgten für slottes Leben und energischen Rhythmus. H. M. „Die Scheidungsreise", der zugkräftige Operetten schtvank de? Denttiben Künstler-TbeaterS. wird seit dem l.Mat unter drr Direl- tion Alfred Berg» im Walhalla-Theater gespielt und— was bei dieser literarischen Ntchtjgleit Borbedingung für de» Erfolg ist— sehr flott und gut dargestellt. Für die männliche und we>b- liche Hauptroll« hat sich die Direktion zwei Gäste ouS dem Künstler- Thealer verschrieben: Fritz Spira und Melitta Klefer. Spiro bat sich seinen Kollegen Max Adalbert, der den Helden der Schei- dungSreise ün Künstler-Theater spielte, zum Vorbild genommen. Sein Herbert Hübner�ist Schwerenöter voller Torheiten, den nichr nur sein VerbältniS, sondern auch da« Publikum lieb gewinnt. Ein fesche« und raingeS Weibchen ist Melitta Kiefer als Emma Ro- dolvska. Gleich beim ersten Auftreten eroberte sie sich die Gunsl der Zuschauer. Trefflich paßten sich Walter Grävemy(Dr. Finks. Slax Tobien(Julius Hopping». Hannt Lenz(Vera) und Lotte Sndrese» at« sittsame alte Jungfer Franziska dem Ganzen«in. Der Schlager: „Warum denn weinen.. dürfte noch recht oft im Walhalla- Theater gesungen werden. ZV- Der senkrechte Flug. Lyndoner Blätter bringen die Nachricht, daß das tn letzter Zei» so eifrig umsl'ittene Problem des senkrechten Fluges gelöst fei. Ein österreichischer früherer Fliegerleutnant Stefan von Petroczy hat den ersten„Helicopter"— wie diese Mo- schinen genannt werde»— konstruiert, der sich zu einer Höhe von 1S0 Fuß erhob und für einige Zeit in der Luft blieb. Di- Maschine, die als eine Art Metallturm beschrieben wird, erhält ihren Auftrieb durch zwei Schrauben, die von drei Motoren mit je' 120 LS ge- trieben werden. Wie ei»„Luftlift" stieg sie empor vier Manner befanden sich in dem Turin. Mit dieser Leistung' Ist ein« neue Phase in der Geschichte der Flugkunst eingeleitet.!>ie Vorzüge dieser„Heliocopters" treten besonders bei der Landung zutage, die auf einer ganz kleinen Fläche bewerkstelligt werden kann. Di» Vor- kämpfer der neuen Erfindung betonten, daß unsere Flugzeuge keine befriedigenden Maschinen seien weil bei einer Zwangslandung das Gelände eine Gefahr bieten könne, die bei dem senkrecht heruntergehenden Fltigzeug fortfällt.-..... ihnen ein Aps— u——' Luft erheben struktionen be_______________..______ eine solche Maschine als Lastträger zu Handelszwecken auszubilden' Die angestrengten Versuche in dieser Richtung haben nun zu einem greifbaren Ergebnis gesührt. und die Tatfache, daß die Konstruktion de«„Helicopters technisch durchführbar ist, kann als erwiesen gel- ten. Freilich ist das nu: ein Anfang. Da» Emigranten-Taf«. Die geflüchteten MttgNeder der rusti- schen Oberschichten sind über ganz Suropa verstreut und müssen nun z. T. von ihrer Hände Arbeit leben. E« wiederholt sich manche», was ww vom Leben der französischen Emigranten der die vor der großen Revolution ausrückteit, kennen. Für die Klassen- angehörigen der Flüchtlinge ist es natürlich horribel. daß ehemaliae .«ÜerrjchaM" heute achchte» nflficB«WS sohtfe fce JTt. 2S7« 38. Jahrgang Heilage ües vorwärts Mittwoch, 4. Mai 1421 GroßSerlln Zur Löckmtz. Die Löcknitz, einer der lieblichsten Fußläufe bei Berlin, lockt öe- sonders im Frühjahr. Um zu ihr zu gelangen, fahren wir nach Erkner. Vom Bahnhof geht es in südlicher Richtung durch den freundlichen Ort an der Kirche vorbei zu einer Straßenteilung. chalblinks führt die Fürstenwalder Straße zum Friedhof. Wir ver- lasten sie bald und überschreiten auf dem ersten Bahnübergang die Eisenbahn. Eine kurze Wanderung gen Ost bringt uns an das liebliche Wiesental, durch das süh mit zahlreichen Windungen die Löcknitz schlängelt. Auf dem hohen Uferrand weiter gen Ost kommt man zu der Stelle, wo die Löcknitz den Wald verläßt. Bald dicht am Fließ, bald in einiger Entfernung von ihm, führt uns der Weg weiter. Prächtige Ausblicke öffnen sich uns auf Wiesen und Wald in abwechslungsreichen Bildern. Der Waldboden ist ziemlich eben: wir befinden uns in dem Berliner Urstromtal, in das das Bett der Löcknitz eingesenkt ist. Die Quellen der Löcknitz liegen in dem Roten Luch und in sumpfigen Niederungen östlich und westlich davon. Das Rote Luch ist eine langgestreckte Bruchsläche, die sich in nordost-füdwestlicher Richtung hinzieht und die Grenze zwischen dem Barnim und dem Land Lebus bildet. Bon dem höchsten Punkt dieses Bruchs fließen die Waster durch die Löcknitz gen Süd zur Spree und durch die Stobberow gen Nord zur Oder. Die Grenzscheide zwischen den Stromgebieten der Elbe und der Oder geht somit durch das Rote Luch. Die Löcknitz ist schon in ihrer Jugend ein ziemlich wässer- reicher Bach. Einer ihrer Ouellflüßchen treibt bereits 1ö Meter von seinem Ursprung entfernt eine Wassermühle; auch sonst liegen noch verschiedene Mühlen an ihrem Lauf, die sie in Bewegung setzt. Mehrere Seen und Teiche durchfließt die Löcknitz, und mit einer weiteren Seenkette, die sich westlich von ihrem Lauf erstreckt, steht sie in Verbindung. Die Richtung dieser Wasserrinnen ist die gleiche wie die des Roten Luchs; sie gehören zu den Rinnen, die von den Schmelzwässern des Eises der Eiszeit ausgewafchen und zum Ab- fluß in das große Urstromtal benutzt wurden. Am Forsthaus Schmalenburg vorüber kommen wir nach Klein- Wall, eine Siedlung von einigen Gehöften und einer Wassermühle, die aber nicht mehr in Betried ist. Hier überschreiten wir die Löcknitz und wandern durch schönen Kiefernwald gen Nordwest nach Alt- Buchhorst. Dieser im Sommer viel besuchte Ausflugsort liegt zwischen dem Möllensee und dem Peetzsee; wir haben hier die Seenrinne erreicht, die sich westlich der Löcknitz erstreckt. In Alt- Buchhorst entspringt eine Mineralquelle, der„Mt-Buchhorster Sprudel": er wird in einer Trinkhalle am Möllensee ausgeschenkt und auch versandt. Auf dem Westufer des Peetzfees geht es gen Süd nach Grünheide, das wir bald erreicht haben. Diese Siedlung �«gt zwischen Peetzsee und Werlsee. Wir überschreiten das Ver« bindungsfließ der beiden Seen und steigen empor zu der hoch- gelegenen Kirche, von dex aus wir einen schönen Ueberblick übet Wald und See und die freundliche Siedlung haben. Nun bleiben wir auf dem Südufer des Werlsees und kommen durch die Siedlun- gen Bergluch und Gottesbruck nach Fangfchleuse, wo wir das Fließ überschreiten, das aus der Seenkette in die Löcknitz mündet. Wir verlassen die Chaussee bald und wenden uns in westlicher Richtung zum Heidenreutersee und Wupatzsee, zwei liebliche Wald- äugen, inmitten des Kiefernhochwaldes eingebettet. Die Löcknitz ist wieder erreicht und nun geht es am Wiesenrand zur Chaussee noch Erkner. Auf der neu erbauten Brücke überschreiten wir das Fließ und sind wieder in Erkner, dem Ausgangspunkt unserer Man- derung, angelangt._ Der Pfinqstverkehr auf den Vorortstrecken. Zum Himmelfahrtstag am Z. d. M. sowie zu den beiden Pfingstfeiertagen am 15. und 16. d. M. wird mit einem sehr starken Ausflugsoerkelir auf den Berliner Stadt-, Ring- und Vorort- bahnen gerechnet werden müssen. Da infolge der Verschiebung der Einführung des Sommerfahrplans vom 1. Mai auf den 1. Juni dem allgemein bereits im Mai einsetzenden stärkeren Ausslugsverkehr noch nicht voll Rechnung getragen ist, so hat die Eisenbahndirettion Berlin für diese Feiertage und die übrigen Sonntage im Mai eine Der- stärkung des Soimtagsfahrplans vorgesehen. Es werden auf der Strecke Grunewald— Stadtbahn— Grünau bereits in den Morgen- stunden Einsatzzüge gefahren werden, die die fahrplanmäßigen Züge entlasten sollen. In den Nachmittagsstunden werden, etwa von 12 Uhr ab, von Grunewald über den Nordring nach Niederschöne- weide-Iohannistal halbstündlich besondere Verstärkungszüge gefahren. Auf der Strecke Stadtbahn— Friedrichshagen— Erkner wird eine Reihe von Zügen über Friedrichshagen hinaus bis nach Erkner durchgeführt werden; die Züge nach und von Erkner und damit auch zum Freibad Müggelsee werden durch diese Maßnahme in den Nachmittagsstunden nahezu verdoppelt. In den Nachmittagsstunden werden, ebenfalls halbstündlich, neue Einsatzzüge zwischen Grunewald über die Stadt- bahn nach Friedrichshagen gefahren werden.— Für den zu er- wartenden Ausflugsverkehr am Himmelfahrtstag(Donnerstag, den 5. d. M.), sowie am Sonntag, den 15., und Montag, den 16. d. M., sind außer den oben genannten Zügen noch eine Reihe von Bedarfs- zügen vom Schlesischen Bahnhof in der Richtung Erkner sowie in Richtung Grünau vorgesehen. In gleicher Weise ist auch der Abend- rückverkehr durch entsprechende Züge verstärkt worden. Auf anderen Vorortstrecken, z. B. ous den vom Stettiner Bahnhof ausgehenden Strecken nach Bernau, Oranienburg ist der Sonntagsverkehr bereits am letzten Sonntage verstärkt worden, doch sind auch hier Bedarfs- züge bereitgestellt._ Der Spielklub öer harmlosen. Der eigenartigen Tatsache, daß die Polizei zu früh gekomme» war, hatten eS eine Reihe bekannter Berliner Spieler zu verdanken, daß sie gestern von dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg freige- sprochen werden mußten. Angeklagt waren Veranstalter. Croupiers und Mitspieler eines„fliegenden SpielklubS", und zwar u. a. die Kauflente Max L e w i n, Fittichau, Bohrer. Eugen Jaffa, Dr. med. Milch und Direktor Henry I e a n n i n. Der als Veranstalter angeklagte Eugen Jafiö, der jetzt nicht erschienen war, hatte eine Streife durch die Junggesellen-BarS, Cafö Wittelsbach und andere Orte unternommen und dort iür einen in feiner Wohnung in der Eiienacher Straße etablierten Spielklub Prepaganda gemacht. Etliche Spielratzen nebst ihrem weiblichen Anhang waren bald zusammengetrommelt, einige„Grünlinge" liefen mit und in mehreren AutoS fuhr die ganze Geiellichalt nach der Eiienacher Straße. Hier mußte man sich offenbar die Zeit mit Gesundbeter- Übungen oder ähnlichem unterhalten haben, denn als die Polizei bald daraus einfiel, fand sie die Anwesenden völlig harmlos in ijen Zimmern herumsitzend vor. In einem Raum tvurde ein etwas merkwürdiger Teppichläuser entdeckt, der sich bei näherem Zusehen als eine Militärzeltbahn entpuppte, welche auf der Rückfeile zu einem sog. Tableaup zum Bac-Spiel hergerichtet war. Ferner wurden mehrere Kartenipiele gefunden. Vor Gericht machten die Rechts- anwälte Dr. Theodor Ahrens und Dr. Erich Hirschberg geltend, daß die Angeklagten freigesprochen werden müßten, weil infolge des zu frühen Erscheinens der Polizei die Sache noch nicht über eine straflose vorbereitende Handlung hinausgekommen sei. Das Gericht schloß sich diese» Ausführungen an und sprach fäiyg liche Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. die geheimnisvolle Kelleröruckerei. Zur Aushebung der lverkstakl für polnisches Falschgeld. Zu dex kurz gebrachten Nachricht über die Aushebung der FalschmünZerwerkstatt in der Buchdruckerei von S y d o w in Lichten- berg, Dottistraße 20, erfahren wir noch folgende Einzelheiten: .>Sydow betrieb in den Parterreräumen eine Buchdruckerei, in der er fünf Angestellte beschäftigte. Keiner dieser Angestellten ahnte, daß sich Sydow außerdem in den Kellerräumen unter seinem Ge- schäftslokal eine geheime Steindruckerei eingerichtet hatte. Eine eiserne Tür, welche von dem Waschraum der Angestellten zu den Kellerräumen führte, hielt Stzdow ständig unter Verschluß. Nach Feierabend hat er dann oft die Nacht hindurch in den elektrisch er- leuchteten Kellerräumen Falschgeld hergestellt. Die nach der Straße zu führenden Fenster hotte er verdichtet, so daß kein Lichtstrahl hin- ausdringen konnte. Die Räume selbst waren mit Schlaf-, Koch- und Heizgelegenheit wohnlich eingerichtet. Sydow hatte, als die Be- omten der Reichsbank-Falschgeld-Abteilung die Falschmünzerwerk- statt aushoben, gerade wieder mit dem Druck neuer falscher polnischer Tausendmorkscheine begonnen und 500 Scheine bereits fertiggestellt. Zurzeit der Durchsuchung war er weder in seinem Geschäft noch in seiner Wohnung anwesend, konnte aber im Laufe des Abends in Neukölln festgenommen werden. Drei feiner Mittäter, die Gebrüder Arthur und Hermann H o r r i e ß und der Schauspieler Efraim Eimer, wurden noch im Laufe des gestrigen Tages ergriffen. Die Gebrüder Horrieß hatten bereits zu einer in Kalisch verhafteten Falschmünzerbande gehört. Die gemeinsamen Ermittelungen der Berliner und polnischen Beamten führten dann zur Ergreifung der Falschmünzer und der Aushebung der Dmckwerkstatt. Mit der Sydowschen Geheimdruckerei ist im Laufe weniger Monate die dritte Falschdruckerei für polnische Tausendmarkscheine aufgedeckt worden. In allen drei Fällen war der Erfolg, der die polnische Valuta vor Verwässerung geschützt hat, der Zusammenarbeit der deutschen Be- Hörden mit den polnischen zu danken. „Schlauch-Hugo" gekappt. Der Anführer der Räuberbande, die auf dem Posiamt 5t über eine Million Mark bares Geld erbeutete, der berüchtigte Geldschrank« knacker Hugo Suder, in seinen Kreisen unter dem Spitznamen , S ch l a u ch- H il g o" benannt, ist gestern von der Kriminal- Polizei dingfest gemacht worden. Obgleich nach der Verhaftung mehrerer Mitglieder der Räuberbande bekannt war. daß der alte Zuchthäusler Suder, ein früheres Mitglied der alten Kirsch-Kolonne, der Haupttäter war, wollte es zunächst trotz umfangreicher Nach- forichungen zunächst nicht gelingen, seinen Schlupfwinkel zu ent- decken. Jetzt aber war der Kriminalpolizei bekannt geworden, daß er sich in einem Neuköllner Laubengelände verborgen halte. Kriminal- kommissar Geißel ließ nun daS Gelände umstellen und eS ge- lang ihm auch. de§ Schwerverbrechers habhaft zu werden. Seins Festnahme geschah so überraschend, daß Suder leinen Widerstand leisten konnte. Um sich nnkeniitlich zu machen, hatte Suder. der während der Revolution aus dem Zuchthaus entsprungen war und noch mehrere Jahre zu verbüßen hat, sich einen Vollbart stehen lassen, durch den sein AeUßereS ganz verändert war. Er wurde unter sicherer Bedeckung nach dem Polizeipräsidium gebracht. Aus seinen bisherigen Aussagen geht hervor, daß der vor wenigen Tagen mit sechs Jahren Zuchthaus bestrafte Stein ganz erheblich mehr air dem Postraub beteiligt war, als er vor' Gericht aus« gesagt hatte.__ Rettung vor öer pleite öurch pilzscheine. Uns wird geschrieben: Wie der„Vorwärts" meldete, hat das Landwirtfchaftsminifterium die Gebühren für den B e r e ch t i- gungsfchein zum Sammeln van Beeren und Pilzen auf 10 M. f e st g e f e tz t. Diese sehr bedeutende Erhöhung— früher kostete ein Sammelfchein 5 oder 10 Pf.— wird damit motiviert, daß die Beeren- und Pilzsammler bei den stark gestiegenen Preisen eine glänzende Einnahme haben. Das mag in einzelnen Fällen vielleicht zutreffen. Wenn man aber die zu verrichtende Arbeit in Betracht zieht, dann werden wohl wenig Menschen auf den„leichten Verdienst" neidisch sein, der durch das berufsmäßige Pflücken von Heidelbeeren und anderen Waldfrüchten erzielt wird. Nach unserer Kenntnis heimsen übrigens den Löwenanteil der er- zielten Gewinne die Aufkäufer und Händler ein. Aber neben den gewerbsmäßigen Beeren» und Pilzfuchern gibt es noch ungezählte Tausende, die einen freien Tag benutzen, um sich im Wald zu ergehen und dabei sür ihre persönlichen Be» d ü r f n i f f e einige Beeren oder Pilze zu suchen. Durch Schulen, öffentliche Vorträge, Pilzausstellungen und-Wanderungen wird aller« orts zum Sammeln von Pilzen angespornt. Sollen all die vielen Tausende, die nur sehr gelegentlich sich einige Pilze sammeln, die Gebühr von 10 M. berappen? Und werden all die Frauen und Kinder, die während eines kurzen Ferienaufenthalts zum persön- lichen Genuß ein paar Hcidel- oder Himbeeren suchen, in Strafe genommen, wenn der Förster sie erwischt? Wie oft ist in bey. Zeitungen vor dem Kriege gegen rigorose Förster gewettert worden, die unbefugten Suchern die gesammelten Beeren oder Pilze fort» nahmen und zertraten, Soll das in Zukunft wieder so werden? Die Erhöhung auf 10 M. für den Sammelschein läßt eine scharf» Kontrolle der Förster vermuten. Bei der Beliebtheit, der sich der Großstädter bei vielen Förstern, die den Wald beinahe als ihr per- sönliches unantastbares Eigentum betrachten, erfreut, ist durch den Erlaß der Willkür Tür und Tor geöffnet. Hoffentlich retten die 100 000 M., die vielleicht für Pilzscheine und Strafen cinkommen, Preußen vor der Pleite, so daß die Be- sitzenden nicht schärfer als bisher herangezogen zu werden brauchen! Selbstschutz gegen Beraubungcu der Slrahenbrieskästen. Von der Postverwaltung wird darauf hingewiesen, daß in der letzten Zeit wiederholt aus überfüllten Briefkästen Briefsendungen heraus- gezogen worden sind. Die Ueberflillung der Brieiläiten kommt lediglich dadurch zustande, daß die Boten und Anaesiellten der Geschäfte größere Sendungen in die Kästen hineinstopien. statr, wie eS Bestimmung ist, sie auf dem Postamt aufzuliefern. Di» Post erklärt, daß derartige in öffentlichem Interesse gegebene An- regungen bisher leider ohne besonderen Erfolg geblieben seien. Aufgabe des Publikums ist, darauf zu achten, daß die Briefkästen. die lediglich für Einzelfendungen oder iür Sendungen in geringer Anzahl vorbanden sind, nickt sinnlos überfüllt werden. 66] Sline Menschenkind. III. Der Sündenfall. Don Martin Andersen Nexö. „Das host du auch verdient, obwohl du klein warft. Paul oder Elfe und auch Christian, so gedankenlos er ist. die hätte keiner dazu gekriegt. Wir vier haben gegen Mutter zusammengehalten, obwohl Vater fand, daß das verkehrt von uns war. Aber es war ja hauptsächlich um seinetwillen." „War sie etwa auch gegen ihn boshaft? m„Ach, du, dem Vater kann niemand etwas anhaben. Cr nimmt alles so hin,— wie der liebe Gott, weißt du,— so im guten.". „Du darfst einen Menschen nicht mit dem lieben Gott vergleichen," sagte Karl zurechtweisend. „Und ich tu's doch," entgegnete Stine hartnäckig.„Bei Vater ttx ich's! D« bist doch wohl kein Pfarrer?" Nun waren sie ärgerlich auseinander uitd sprachen wäh- rend des Restes der Arbeit nicht zusammen. * Die Abende waren der beste Teil des Daseins. Zum Glück waren die Tage kurz, und wenn es dunkel wurde, hörte alle Arbeit in Hof und Scheune auf; nur dos Vieh machte mit Zwischenräumen ein wenig Arbeit. Während der übrigen Zeit war Stine in der warmen Stube, wo es gemütlich nach �orsfeuer roch, und half die Wolle kämmen, spinnen und Garn wirt�A.»ar'l las in irgendeinem frommen Text, einem Milsw'stsblatt oder dergleichen, und wenn Rasmus Ruttel auf dem Hoi im Tagelohn war, faß er ,m Winkel auf der Bank und schlies oder erzählte grobfchrötige Geschichten von den Leuten in der Gegend. Waren sie besonders fast- und kraftvoll so stimmte Karen ein höhnisches Gelächter an und stachelte chn'an.?rWen. Sie hatte-inen Groll auf alle ohne Ansehen der Person, und gönnte chnen das Schlimmste; nie nahm sie jemanden in Schutz, nie sagte sie ein gutes Wort übtrSnwamm sollte man so tun?" erwiderte sie. als Sine ihr das einmal vorwarf.„Sagt etwa e.ner etwas Gutes über Karen vom Vakkehof. glaubst du-das? Man schonte sie nicht, warum sollte sie also die anderen schonen? Es machte ihr auch nichts aus, selbst eine Schmutzgeschichte zum besten zu t i 8 geben,— besonders wenn sie dabei jemand treffen tonnte. Gewöhnlich zog sie auch chren Sohn wegen seiner Frömmig- keit auf; aber das lohnte sich nicht recht. Er antwortete nicht, sondern tat, als ob er nichts hörte. Auck) Stine bekam allerlei von der Bäuerin und von Rasmus Rntter zu hören. Ihr Uebergangsaller reizte etwas in beiden. Das Weib in ihr begann den Kopf hervorzustecken. und in ihrer Kinderunschuld stellte sie manchmal Fragen, die zum Lachen und zu verblümten Andeutungen herausforderten. Sine fertigte sie bissig ab. gab ihnen sozusagen eins auf die Finger: aber sie konnten's nicht lassen, sie mußten das Neue betasten, das sich behutsam hervorwagte,— mußten Anspie- lungen auf die bevorstehenden Erlebnisse machen. Sine nahm sonst nicht an der Unterhaltung teil, wenn die beiden das Wort führten: rotwangig, drall saß sie da. besorgte ihre Arbeit und lebte von ihrer unglücklichen Liebe. Rührte jemand daran, oder kam ihr sonst einer zu nahe, so wußte sie schon um sich zu beißen. Für Weihnachten wurden große Vorbereitungen getroffen mit Schlachten und Lacken. Aber es kamen keine Weihnachts- gaste von selber, und die, die eingeladen wurden, sagten ab. „Sie wollen sich wohl nicht der Gefahr aussetzen, mit dem Viehhändler und seinen Kumpanen zusammenzutreffen," meinte Sine.„Denn sonst ist in diesem Jahr nicht mehr Grund für sie vorhanden, fernzubleiben, als in den anderen Iahren. Und da haben sie unsere Weihnachtsmohlzeit essen mögen." Sie war halb gekränkt im Nomen des Hofes. Die Bäuerin war schlechter Laune; sie schall viel— und sprach übel und herabsetzend von allen Menschen. Sie hatte das Bedürfnis, sich zu rächen.. Stine bekam ihre schlechte Laune übrigens am wenigsten zu spüren. Es lag in ihrer kräftigen Natur, nicht da über die Hecke zu springen, wo sie am niedrig- sten war. Karen war bekannt dafür, daß sie am liebsten dort biß. wo sie erwarten konnte, daß wieder gebissen wurde. Eines Tages zwischen Weihnachten und Neujabr erschien der Postbote auf dem Bakkehof; man hielt keine Zeitungen auf dem Hof, so daß er selten dort zu tun hatte. Er brachte einen Brief für die Bäuerin. Sie zog sich damit in ihre Schlaf- kammer zurück; es war immer eine ernste Sache, wenn man einen Brief bekam. Als sie zurückkehrte, war sie guter Laune. „Heut kriegen wir Weihnachtsbesuch," sagte sie im Küchen- räum zu den beiden Mägden.«Ich denke, wir wollen Tauben- braten geben." Karl mußte Tauben aus den Schlägen fangen; Karen erwürgte sie eigenhändig, während sie Anweisungen für die Arbeit austeilte. Langsam nahm sie eine Taube nach der anderen aus dem Sack, umschloß den flatternden Vogel mit ihren groben Fäusten und stand einen Augenblick damit da,— als genösse sie das angstvolle Herzklopsen des Tieres.„Wie schön warm und weich du bist! In einem Weilchen bist du tot!" sagte sie, während sie den Schnabel an ihren Mund hielt und mit ihrem Speichel fütterte. Dann fühlte sie sich behut- sam auf dem Körper mit Daumen und Mittelfinger vor. bis sie ganz unter die Flügel kam— und dann drückte sie plötzlich zu, mit einem eigentümlichen Ausdruck des Genusses. Sie hielt den nach Luft schnappenden Vogel von sich ab und starrte gespannt auf ihn. Der Schnabel öffnete sich, weiter und weiter, die Augen quollen hervor unter dem milchweißen Häutchen, und auf' einmal fiel der Kopf auf die Seite herab wie eine ge- knickte Blume. Es war recht garstig anzusehen! Aber Karen warf lachend den toten Vogel den Mägden auf den Küchen- tisch hin.„Nu is ihr die Luft ausgegangen, zieht ihr das Unschuldskleid ab." sagte sie und gritf in den Sack nach der nächsten,— sie war in großartiger Laune. Am Nachmittag kamen sie, in zwei Wagen, lärmendes Volk. Den Hut hatten sie im Nacken und die Zigarre im linken Mundwinkel: sie nahmen sie nicht einmal aus dem Munde, wenn sie schrien und fluchten. Johannes war der ver- wegenste von allen und benahm sich wie ein vertrauter Gast auf dem Hof. Es waren Viehhändler und alles möglickfe Ge- lichter aus der Hauptstadt, wo Johannes sich ja jetzt aufhielt. — Leute von der Sorte, vor der alles im Kirchspiel über den Graben und ins Feld hinein ausrückte. Kamen sie auf der Landstraße angesaust, so verzogen die Leute sich von den Höfen hastig ins Haus, als wünschten sie von der Gesellschaft nicht einmal gesehen zu werden. Und dann standen die Leute hinter Fenstern und Luken, spähten scheu hinaus und dachten sich das Ihre. Sine hatte genug in der Küche zu tun, deshalb mußte Karl beim Abendmelken helfen. Er war mürrisch und ver- drossen; es war kein Wort aus ihm herauszubringen. Stine versuchte es immer wieder, aber ohne jeden Erfolg. Es war nicht ihre Sache, Schweigsamkeit zu achten. Wenn sie etwas auf dieser Erde brauchte, so war es, sich mitzuteilen. Sie wollte ihn dahin bringen, ihr zu antworten. (Forts, folgt.) N-rNos Fr?.n»denverkehr/z U b r, i m Bürgers aal deS Berliner Rathauses ihre diesjährige Hauptversammlung. Nach dem geschäftlichen Teil wird Frau S. WronSky über die.Neugestaltung der Wohl- tahrtspflege in Gr.- Berlin" und Dr. Bruno Nanecker- München über.Berufs- und Arbeitsethik als Bor- auZsetzung der Wohlfahrtspflege" sprechen. Das Rose-Theater leitet seinen sommerlichen Spielplan mit eincr Posse„Rur nicht drängeln" von Rosendahl ein. Es ranken sich hier um das sommerliche Abenteuer eines Berliner Rentiers, der unversehens in das Haus eines bankerotten Theater- direktorS gerät, so possierliche Geschehnisse, daß man sich über den gesuchten und ganz unmotivierten Titel nicht entrüsten soll. Eine imbsch zusommengestellle Musik erklingt zu Tanzszcnen, in denen die auf das ernste Volksstück eingestellten Darsteller deS Rose- TbealerS immerhin alles mögliche leisten. Zuweilen ist sogar einiges recht gut geraten. Paul Richter- W a u e r in der Haupt- rolle de? alles in Bewegung setzenden Rentiers macht sich mit ganz natürlichen Komik etwas allzu breit, llnerreicht kchllich ist Rosa Schüssel und die liebliche Naive Dora Harnisch versteht es temperamentvoll, nuS Lapidanätzen etwas Eigenes her« auszuholen. Lobenswert an der ganzen Aufführung ist der in ein flottes Tempo gebannte geschlossene Stil. Goldene Tamennbr verloren. In der am 23. April 1921 stolt. ' m F u n t t io n ä rveriamtnluna des Zentralver- rnrndes der Angestellten ilt eine goldene Damenulir verloren gegangen.� Da es sich um ein Erbltllck handelt, wird der ehrliche Minder geveten. diciclbe gegen Belohnung im Ortdburrau Bellcalllanec- stratzc 7—-10 abzugeben. Berliner Lebensmittel. Aus M-'chniIt2 der<4roß>Berllner Lebens- mitteltart««ntkallen 250 Gramm Nährmittel zum Preise von O.SS.M.<4,90 M. je Pmnd). Die AuSaabe eriolgt ohne Boronmeiöuiiq in der Zeit vom 6. bis einschließlich 11. Mai 1921 a) in den durch gelbe Aushängeschilder kenntlich gemachten PerkäufSstellen jür amerikanisches Weizeumehl, b> in den BertamSücllell der Meierei i!. Bolle, c) in den Vcrkaufsstellcir der Konsum- genolsenschast und des BcamtenwirtschastSvercinS jür deren Mitglieder. Tie«nsgabc der Lelirnsmitielkarten in Neukölln für die Zeit �"r U. Mai bis 5. Juni 1921 crsolgt nach der bcnligen Bekanntmachung des BezirlSaurlS X I V iNculölln), auf die bcsoudcrs hingewiesen wird, am 6, und 7. Mai. Ausgegeben werden Brotkarten jür 4 Wochen. BolksbildnngSamt NeurüU,,.?l!!i Sonntag, den 3. Mai d. I«.. nachmittags i) Uhr. veranstaltet da? VolkSbildungsamt Neukölln unter Mit- «trkring des OrtSneibandeS freier BühiienlSnsller eine Autsühriing von GoctbeS. Iphigenie auf TauriS" im Wollilcr-Theatcr, Berlin. Wallner- �.heater- Straße Ein« belchränlte Anzahl von EwtrlttSlcirlen, die aus der Verlotung ausscheiden, sind im Bureau de» VollsblldttNgSaiut-s, Rat- Haus. Zrumier 2S7. erhältlich. Groß-Serlmer parteinachrichten. heule. Atiktwoch, den 4. ZNai: /lrbeitslosenöebatten öer Parlamente. Der Reichstag erledigte am Dienstag zunächst Anfragen., Weitcrberatiing der Tagesordnung gegen den Widerspruch der R.«1. Stealiz. Die Herrenvartie fiirdct nicht st-it. Weiteres iu d-il B-. zirksabende». 83. Abt. Lichtersclde. Oesfentliche Liisauimluna In der Aula der Ob-rreal. t?* �'®Cn0ftc Ed. Bernstein spricht über„Die gegeawäriige -5? Deutschlands und die«oiiald-niokratle". s?bt?Ii-dersch»ue»eidc.?>!. Uhr bei Arndt, Eedanstr. 1b, Sitzung des Vorstandes. s��lde«0'®isundbruttneu 8.11 Uhr sBahnstciz i); ?ugenüveranstaltungen. «tetia ArbeUee.Zugend«rotz.«erl!n.«eltetatiai: RB.«, Zn den Zelte, 23. Mittwoch, den 4. Mai: schule Berliner Straste. Mitgllcdcroersamnilung.—«ipen!<: -. 1- Zei-dkichohagen: Tchoriiweberstr. Ivt«. Mit. " X aesnndbrunne.i: Echutc(votbruburger Str. 2, Bortroa: i_»runewold: Dell' eiickstr. 10, Mitglirderorr. --'n..�dolsstr. 25, Mitgliedcroersammlung.— Lichtenberg! r �'spl'rdrrvcrsvnimlung.— Seoh-Lichtertelbc: Lllbecchtstr. 14», Mit. ir t LD, H i � Mahl-liari! Schule Sraf-Waldersee�troste. Bortrag: frllmri.tm Rüfc»n /•»" Cchule Pmbuscr Str. 3», Mi'otiederocr. «In» Vierte!)! Schul« Wraugelstr. 128, Mitglieder. 1,:»? nfhhiH* J' Lindcnstr. 3. Mltglicdcroersamm. onLul Äedding. Schule Ä tili er-, edc Tristslratze, Mitqtlederversammlung.— 9Be»cii! Bfl'mcm.rffrfml. lu� Mit-niederv-rstlmmlung.— Mitgliedcrvcrlammlung. Welten: B-uacwerlschnle»urfilrstenstr. W,lm«e,borj: Schul« Koblenzer Elratz-,- Sport. Bund de- Ratzsahrrr. Gau Berlin. Sonntag, den 8. Mai, 3 Uhr «achm.: FrühsahrSsest im Stadion. Berlin-Grunewaid. Ztouristenverein.Tie Naturfreunbe«. Ortsgruppe«öpenick. Führerwanderung am Donnerstag. 5, Mai sHimmel'abrlstaol. Absahr! Schles. Dahnhos 6.23 bis Strausberg, hier 4. Äi. löse» bis Rehsclde. Tie Hundert in Treptow. Der kommende Donnerstag(Himmel. fahrt Stög) bringt der Berliner Sladsportgemcinde das erste tlasüschc Rennen dieicS Jahres„Tie Hundert". Tie kleine Badn im Berliner Osten hat es auch diesmal wieder, wie in den vorhergehenden Jahre», verslaudeii, ein auSexlc'enes Feld zusammen zu bringen. Erst das letzte Rennen auf der Llympiabahn hat bewiesen, daß Lowanow, Salder und Willig zurzeit iu glänzender Form sind und erbittert um die Sicgespalme gerungen haben. Zu ihnen gesellt sich als vierter Teilnehmer Willi l'lppelhanS. der beste Fahrer d-S VoriahreS. ans der Treptower Bahn. Aber auch die Flieger- rcnne» baden eme ziemlich starte Bcietzung gesunden. 10 Fahrer liaben sich in die Meldeliste emgetrageu. Unter ibncu dcündcn sich Abraham, Hadn, Frltz Hosfmann, Stolz usw. Diese Fahrer bestcciien ein Vorgabe- sahrcn über 1200 Meter, ferner ein Zweisitzeivorgabcsahren. ivährend ein Puuktejahren üb« Ai Runden msgejanu 20 Fahrer an den Start bringt. Der Abg. Frau Wurm(U. Soz.) wird mitgeteilt: Der Gesetz entwurf über die Heranziehung der Frauen zum Schöffen- und Geschworenenamt ist scrliggestcllt und wird demnächst dem Reichs- rat zugchen. Aus eine deutschnationale Beschwerde, daß Oberpräsident Lipp- mann-Stettin nicht Landbestellung als Aotstandsarbeit anerkenne, wird geantwortet: Die Technische Nothilfe hat auch in der Landwirtschaft diejenigen Arbeiten zu übernehmen, die erforder- lich sind, um einen Notstand von der Bevölkerung abzuwehren, es ist aber nicht jede landwirtschaftliche Tätigkeitübcrhaupt und ganz allgemein als Notstandsarbeit anzusehen.?tur für den Vieh- bestand und die landwirtschaftlichen Erzeugnisse muß unbedingt die Erhaltungsarbeit geleistet werden. Und deshalb muß jeweils im Einzelfalle von der zuständigen Behörde entschieden werden, wieweit Notstandsarbeit vorliegt. Dem Abg. F e l d m a n n(Soz.), der eine Entschädigung des Buchdruckereibesitzcrs Vater in Rosdzinv a n z i g S t ü ck E i e r n, die sie unter den Röcken verborgen batten, erleichtern.— In der gottlosen Republik Deutichösterreich können eben Zollbeamte solche NeligivnZftvrung wagen. Notruf - Anschluß an die Schutzpolizei bietet polizeilichen Schulz für Ihr Leben, Hab und Gut-««»««»», Bei einfretender Gefahr haben Sie sofort polizeiliche Hilfe zur Stelle->." �„ Sie sind nicht mehr auf das Telephon und Verbindung durch das Fernsprechamt angewiesen, Die polizeilichen Notruf-Anschlüsse vermietet die Berliner Nofrul-MüeiigcscllscliaH HarkgrafcnstraSe 30. Yclephon: Zentrum 12769. Rrasrhsvcrband Groß- Bcrlin SPD. 106.»tilg. Zohaiuusthal. I Am Donnerstag, t>en 28 I ?lvril Dctftacti nach langem I schweren Leiden im 41.1 Lcbenssahr« der Genosse| (Safämtt Otto Senftleoen I B-rUn.Zah-nnwh-l, Fricdrichltr. 48. «hre{einem Andenken!| ■ 23/10] See Borstand. Spezial'Arzt . med. örütering Haut-, Harn-. Geschlechtsleid. �.Männ. u. Frauen, Bhitunters. InvalldcastrnBc 35, Ecke Chausseesir« Steti. Bht. Spr. •wochcntislich H-l. VjS-V,?. Momöopsth.Iastitut Haut-, Harn» it. Getchlcditslcib. r-oez.»era t. Fäll« bei ichii.tlcr. sicher, n. schmerzlos. 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Sälen, Berlin C 25, Äaiset-täilhclm.ett. 31, Hos 1 Treppe(Speise, aal) staiistndeiiden ordentlichen Ausschuß-Setzung der Vertreter der Arbeitgeber und KassenmUglieder. Tagesordnung.- 1. Borleanng des ZIcchnunasabschlusse« über da» Seschäfis- sabr 1020 und Beschlutzsassung übet die Annahme desselven. 2. Mitteilungen des Vorsiandcs. Berlin, den 4. Mai 1921. Oer Vorstand der Ortskrantrenleasae f&r das Maurer- Jgewerbe zu Berlin. 3987b A. Vogel, Borlizcnser._ R. Freund. Schriftführer. Pelz- k BSk �BKäSia jbb» ÄntaraSiniM einschließlich PfleqeundVersicheruna Volle Gewähr qeqen BlJW 4MM. P�ßis�MsWM>■ •MMMOAn 9%bHNR«I i R a kbsrerüose Abholung Maaneiii OranjenstrlöS LeipziqersrrAS. Wird ein Antrag aus dar« Heran»z»hlu na aestrot, sa prüft da» lar P. B. den Sachverhalt und legt den Antrag mit «rlcht der O. P. D.«or. VkWWeSMMMW den. dl»«» m(üaloinBmlleueiMila l. Umtausch durch die Postverwaliung. 1. Undeschiidtgt» Sinkommensieuermark«» künnen gegen Stevermarken anderer Derie umgetauscht werden. Liegen er- hedliche BMigkelisgrilnde aar, so kann die tkrslattnng in dar zugelassen werden. 2. Für verdorben« tkinlmumensievermarfen kann die Erstattung Im Wege de» Umtausche» ersolgen. wenn der Schaden mindestens eine Mark beträgt und wenn«um den Marken noch kein oder keln solcher sstedraiich gemacht worden ist. demgegen- lider durch die Erstattung da» Steuerinteress« gesadrbet ericheint. Zrrtümltch oder zu Unrecht entwertete Steuermarken kalten nicht unter diese Bestlmmung: sie werden nlchi umgetauscht. Dasselbe gilt für entwertete oder nicht entwertete Eteueimarkrn. die oon Steuerlanen abgelöst«der au» Bor- drucken ausgeschnitten sind. ». Die Anträge aus Umlaufch oder bor« S«ranszahlnng sind an dt« Besiisi-Posianstait de« Rntragsteller» z» richten. Wird ein Antr'" zuständige P.' Icht b«r v.________ Bor dem Umtausch usw. sind die Macken auf ihr« Echtheit sorgtätlig zu prüsen. It. Ersah durch die Finanzverwaltung. In allen Fällen, wo die PosioerwaNung nach Borftehendem den Umtausch oder Ersah»an Sleueruiarken nicht vornummt, sind die Finanzbehörden zuständig. BerässenNIcht auf«rund des Erlasse» de» Reich«minifter- d«r Finanzen vom 7. April tst?1 III. 18212. Berlin, den 2. Rai 1921. Zentralnnanzamt. 2MD WWUM Till �1.» d4. 74. c>. It> Ivr. meä. UeMderg?�"m-?W�d.! kieaartlee Sedandl«. alier(ieschlecdlsleiden undkraaan- leidea nach I4 l>.-R.->»edtea des. in veralielon k-'üllen. I Verenaunil, fässu i. Urin, schmerzlos u de! gettodHier UbcBSiiihrant. ItuieiitersucUurn;, Salratsan. Das| | Duch; Sichere Itaiianr der Syphilis Ii» Mark. Univtr- I Silbehancklon; der Frau 2 Mark. Piosgekt kostenlos, j Damenzlniiner. 11—1, P—l, Sonnt. 11—1 Uhr. 161/2 Qeschlechtsieiden Hainröhrcnteiden, frisch und speziell veraltet, Syphilis behandelt ohne Berulsslöninn Dr. med. Dsmmsnns Helianttelt Berlin M S, Potsdamer Strate 12.1 B. Sprechstunden:» bis 11, 3 bis t, ronntaa« 10 bis 11. 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Kleaelssr. H- Sieutöll»: Reckarstr. 2.«eosinet von 9-« Ubr. Acutpln, Britz: SiegWedstr. 28». Oeoffnrt von 9-8 Uhr. Riebe rfchdaeweib«: H-rtr-mpf. Druckensir. IVIl. liilederschöahanl«»,«arben»! E. Schlladener, Tre». «awawea� K�a e l K r n h» b e r st. Eiseubebvsir. 18. Oeaniendueg: Hein r. L-en Hardt. Stralfunder Str. 8. Vberlchtzaewelb«: Rabert Baol Malhlldeustr. h. Bantaw: R l st m, n n Bwhlenstr. 19- Gataba«: M. B i e r n ch Echockstr. iL. Radnabae«: D ei chevk Foriistr..—.,„ Reintckendarl-Vst«chtzahal»! Albert»abtr. Proowz. strotz» 88 tLndevU Relnickeaborl-Ralenlbal! W.«uro. Priiiz-Leinrlch.Slr. 34. «chmargendars: Nehab. Breite Sir. 4. Schänederg: Aelziger Sir. 27. Seötfnet von 9—8 Uhr. «enitzsti Kriebewald, Etzausseeftr. b4.«. gtoititf>a>C«winfnittniim�lTfi 82«.__ iullack. w, -, Maritzstr.__ Frau k u f e v a u, Staaten, Scheidistr, L n b»,,. Halstestr. 38. Sarlh. 8 Tr. Spandon: Staaken: Stbenb«: IDDV Steglitz:(tz e h r i ck"«,' Schildhornstr, 12. Tegel,»ersigwalbe, Reini*en»ars.«-st.«aidmannalust. Frei« Schale, Heemabars,»irlenwerder,«»gselbe, Sialpe und«»rgsbaef: Borsigwalde, Räuschstr. 10.®c _ äsfnet von 9— G Uhr. Taliow: K r st g e r, Schönow, Dorfflr. 9. Tempelhas: Kaiser.»!lheIm.Eir. 13. Tempelhos: kandier. Hohen, ollerntorso 5. Trebbin: si? dring, Bahnhofstr. 82. Treptow: tb r o m e N z ktelhorzstr. 412. vorn 1 Tr. Weitzenfte: Berliner Allee 54. Bilban-Hahenlehwe: R n d. Soltow. Wiiheiinshagen, Heflenwinkel! Schulze. Bilhelmshogen, WnhelmÜr. 31. WilateeabarH Holsteinische Str. 10,«aiserplotz 15. Wlttenaui W i 1 h. g« m m« r m a u n. Rosenihal» Str. 4«. Wolierspors: Schurbaum, Eichendomin 22. Zeblenbael,«chlachlens»,«tkotaasre: Wegner. gehlen- borf. Teltewer Str. 9. Rentken. Mlrradorli Ernst«interfeld. Levthen, Karllrstenste. 49. Zossen:»llberl Stein. lvliNenwnld» Sir. 17. Sämtlich« Literatur low!« alle wissenichnstlichen«er?« «»den geliefert. CoulM* M tu Hxliiltfllan atsdöpf«*, Theater,lichtspieie etc.l ............................... Opernhaus X. Sinfonie-Konzert Vi, Uhr Maria Magdalene 7 Uhr Hilde Wflraer, Ralph Artur Robert», Uschi Ellcot, Herbert Klyer, _ Paul Rehkopf Oentral-Thenter 7V.Uhr; Jlonka »entsches Opernhniia 7 uhr: Fledermaus l'rledr. Wlllielmst.Tli. Hoheit die Tänzerin ULI. SchiiiiwpfelhAua 7'/, uhr; Reigen Iinataplelhaua T/t Uhr: Arnold Rleck in Olc spanische Fliege 3tetPitpol-Tlieater Uhr 7 Die blaue Mazur Äenca Oppretrnnllieat. VI, Uhr: Frlt» Werner Der lachende Ehemann Neues Volkstheatcr 7 uhr: Jugend HcUUlpr-Thent.Charl. JaKchen Gebert Th all s-Th enter 7'/» uhr: Mascottchen T Ii.am X• Heu d o r f i> Int» 3l/4 Uhr: Der Troubadour ui;?. Der Vetter aus Dingsda Theater den Wentena uh'r- Korgen wieder lustik! 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Täglich 7.30 Uhr das Lustspiel Rugby Komüdienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Die Sache mitLola mit Max Fallenherz Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr: Kleines Theater Täglich TVj Uhr: Nur ein Traara Lustspiel von LotharSchmldt. Olga Limburg, Eugen Burg, Falkenstein, Mameluck Sonniag 4: Casanovas Sohn Koraisehe Oper OpernÄpIelielt Täglich 1% Uhr M-Zieideiherg Oper von Pacchierotii Ii Jfnr nicht drängeln ■Relcbsliall.-Tliealfir abends Vi, Uhr und Sonntags nachm. 3 Uhr Lessing- Theater Heute und morgen uhr* Gespenster (Lossen, Rcigbert, Abel, Götz, Laos) Freitag 7 Uhr: Peer Gynf Sonnabend bis Montag 7'/: Gespeitstcr Deutsches Kiinstlor-Tiieater Aliabendlich 7l.j Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, Büller _ Theater am Bülowplatz D*"l7<££,.«;£V,i' Populäre Matinee ELIZABETH DDNCAN SCHULE Spiele— Reigen und Tänze 37/8 Eintrittspreis Hark 3,50 Karten bei Tiefz und Tageskasse PHILHARMONIE. Beethoven-Zyklus des Philharm. Orchesters virig. Prof. R. Hagel. 6.Abd.soL:F.Kwast-iißdapp ;. Sinl.; Klav-Konz. C-moll Anfang 8 Uhr Eintritt 4M. Theater am KottbuserTor Tägl 7'/, u. zu halben Preisen Sonntag nachm. 3 Uhr Eüte-S§nger D. vollständig neue MniiProgramm Circus Carl Hagenbeck Heue KönigstraRe(Alexanderplatz) Eröffnung Heule, 4. Mal T'/z abends: Morgen Donnerstag(Himmelfahrt) Nachmittag 3 Uhr und 7'/, Uhr Hervorragende Sensationen Vorveikauf u, Tietz Circuskasse 36/19 EW Rennen zu Earishorst (Stransbcrgcr Rennvercln) Mittwoch, den 4. Mal, nachm. 3 Uhr 7 Rennen Rennen zu Ruhleben Donnerstag(Himmelfahrt),£>. Mai, nachm. 21/2: 8 Rennen Preise 120000 M. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.",* SV Berlin spricht von dem großen Erfolg des Berliner Volksstücks Bollrlch& Sohn. SonntasS'/o: Hollenqualen. üf Polles Caprice'ö? a Oranienb.Tor. Tel.Nd.SböO Neues Programm: Ikcr kensche Josef Hein Modell Am Radentrand mit Ferd. Grünecker Vorverkauf II— 2 u. ab 6 Ubr Circus Carl" Hagenbeckj Neue KÖBlgslr.(Alex.-PL i| vom Mittwoch, 4 Mai ab[ täglich 7", Uhr: GroSe Vorstellung DonnerstAS, 5. Mai (Himmelfahrt): 2 Vorstellungen Nachm. 3 u. 71/« Uhr: Die besten Dressuren I Die größte Sensation Vorverk.Tietz u. Clrcuskj A. Wertheim und der CircysBusch! BS Die Direktion des Circus W Busch hat dein defteiug?. M judrienBo tverkau/sdctried MdetWerlheim-Thealertassrn m den Circus Busch Villen- W Borverkauf üdertraaen. Es A ist so jedem Gelegenheit p. W geben, in angenehmftee Zorm sich Circus-Lusch- Billelts KU besorgen. Was Berlin nocli nicht gesehen hat bietet das Palais der Friedrichstadt Prledrfchslrafte/ Eingang BesseistraBe 32 seinen Gästen im Monat Mai Abend. 7t/.uhrt Der VOmehme Ballbetrieb sowie das sensationelle Mai-Programm Brunhilde FreShoff/ Hans FaBbender/ Su und Matra Rudolf Mälzer— Barossia Björnson Comp. Mimi Fritz Gerardo und Gerardito. 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Jahre und die Festietzung der Besoldung, ev unter Anrechnung auswärtiger Dienstzeit noch Gruppe 18 der staailichen Besoldungsordnung Perllckstchiigung «»??»»»»»»»»»« finden nur solch«»ewerder. weiche die zweite juristische Siaal»» ■HsiJTTTyjjTck n Hl otUfung abgelegt haben UN» bereit« seit längerer Reil mit Er» toia im Rommunaldirnst tälig sind. Bewerbungen mit Leben«» «ai beginnt Lehrgang lauf Lichtbild und den nöligen Nachweisen werden bis , zzinl 1921 an den Unterzeichneten erdelen. PersönNche Porstelliing vcrerst nicht erwünscht. Cöt den L Aich, den 2. Mai 1921 v»r Hlndwerordnalen Vorstehee. MZD Trau t mann. Seh. Rommiss�Ral. Rutzschrist, Maschineschreiden'. Raufmännische Privatschule Ludwigs Rösner, Inhaber Ernst Rösner, Reue Prome- uaäo 3, Sidtfebaijtchof, Uö/Iä» Erste Stenotypistin äußerst flott in Stenographie und Schreibmaschine sofort gesucht Meldungen: 12—2 Uhr mittags 5—6 Uhr abends L Jandorf& Co. Belle-Alliancestr. 1/2 W i-xwKv-x»:-:»:- wwj. 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Im Einblick auf die herrschende A r b ei t s l o s i g k e i t muß es einen recht sonderbaren Eindruck hervorrufen, daß auf der einen Seite den Beamten zugemutet wird, länger als 8 Stunden zu arbeiten, während auf der anderen chundert- taufende von Familienvätern arbeitslos sind. Der Reichsbeamten- betrat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat daher sol- gende Entschließung gefaßt: „Der Reichsbeamtenrat nimmt Kenntnis von den durch Be- fchluß des Reichsministeriums des Innern vom 17. Januar 1921 für die Regelung der Arbeitszeit ausgestellten Richtlinien. Er er- blickt in ihrer unklaren, taut'chukartigen Fassung die Gefahr der willkürlichen Regelung des für alle— auch die höheren Be- amten— geforderten achtstündigen Arbeitetages, von deren un- sozialer Wirkung die Beamtengruppen der unteren Besoldung?- stufen betroffen werden würden. Der Rcichsbeamtenrat fordert strikte Aufrechterhaltung des acht- stündigen Rormalarbeilstagcs für alle Beamtengruppen, entfchei- dende Mitwirkung der örtlichen Beamtenvertretungen bei Bemessung d»a> täglichen Dienstleistungsmaßes und grundsätzlich durch- gehende Arbeitszeit sowie Berücksichtigung örtlicher und sachlicher Gründe für eine andersartige Dienststundenregelung. Alle Anschläge auf den achtstündigen Arbeitstag, wie sie u. a. auch im Eisenbahnwesen unternommen worden sind, bedürfen energischer Abwehr. Noch jetzt in Geltung befindliche gesetzliche und verordnungsmäßige Bestimmungen gegen die unge- binderte Durchsührung des achtstündigen Arbeitstages sind mit Be- schleunigung zu beseitigen." Desolüungskosten. Der Reicherak hielt am Dienstag nachmittag unter Vorsitz des Postministers G i e s b e r t s eine öffentliche Sitzung ab. Der Finonzminister Dr. W i r t h hatte in einem Schreiben an den Reichs- rat erklärt, daß eine Ergänzung zum Reichshaushaltsplan für 1929 noch vor der Vertagung des Reichstages erledigt würde. Diese Ergänzung zieht die Folgerungen aus dem Besoldung» g e s e tz für die ReichsposwLrwaltung und die Reichseiseubahnver- waltung. Di« Ausschüsse des Reichsrats haben den Nachtrag in einer Sitzung am Dienstag mittag geprüft und dem Plenum die unveränderte Annahme empfohlen. Die Mehrausgaben der Eisenbahnverwoltung im ordentlichen Etat belaufen sich auf 2 Milliarden und 55 Millionen, im außerordentlichen Etat auf 5 Millionen Mark. Die Mehrausgaben des ordentlichen Etats sind bereits durch die Tariferhöhungen gedeckt. Bei der Po st Verwaltung handelt es sich auch um die Auswirkungen des Besoldungsgesetzes. Die finanziellen Mehrbelastungen betragen etwas über 1 Milliarde. Der Gesamtanleihebedarf des Reichs für 1920 erhöht sich nunmehr von 86,8 auf KS Milliarden Mark. Die Vollversammlung genehmigte unverändert den Nachtragsetat. �usschußberattingen. Der Steuerausschuß des Reichstages beschäftigte sich am Dienstag mit einem Antrag, der darauf hinausgeht, daß die Steuerausschüsse bei den Finanzämtern möglichst paritätisch zusammengesetzt werden, insbesondere auch durch Hinzuziehung von Lohn- und Gehaltsempfängern. Ein Zusatzantrag verlangt, daß bis zum 1. Oktober dieses Jahres eine Neuwahl der Ausschüsse vor- genommen werden solle. Der Antrag und der Zusatzantrag werden abgelehnt, dagegen eine nachträglich eingebrachte Entschließung angenommen, daß da, wo die Steuerausschüsse nicht im Sinne des � 26 der Reichsobgabenordnung zusammengesetzt sind, die Finanz- ämter vom Reichssinanzministcrium angewiesen werden, möglichst bald eine Neuregelung vorzunehmen. Im Hauptausschuß des Reichstages stand am Dienstag der Nachtragsetat 1929 zur Beratung. Beim Nachtragsetat des Reichswirtschoftsminifteriums genehmigte der Hauptausschuß u. a. 2V2 Millionen Mark für Ankauf des staatlichen Wilhelms- Gymnasiums in der Bellevuestrahe zu Berlin als Dienstgebäude für den Vorläufigen Reichswirtfchaftsrat.— Es folgte die Besprechung der Ergänzung zum Nachtragsetat. Hierbei gab ein Verlust des Reichs im Betrage von 175 Millionen Mark aus einem Lebensmittelgeschäft mit der belgischen Regierung Anlaß zu einer lebhaften Erörternng. Die Untersuchungen der Re- gierung haben ergeben, daß die beteiligten Beamten eigene Vorteile aus deiü Vertragsabschluß nicht gehabt haben. Gemäß eine» An- trag» des Zentrums, dem sich die übrigen Parteien anschließen, be- schließt der Hauptausschuh, Beratung und Beschlußfassung auszu- setzen, um dem Berkehrsminister Gelegenheit zu einer zusammen- fassenden Darstellung zu geben.— Weiterberatung Mittwoch. Gerettet ist da» edle Glied... Da' Velbot der..Halleichen Zeitung" und de« al« Eriav hierfür erschienenen.Hallesckicn Tage- blattS" durch den Oberpräsidcnten H v r s i n g ist auf Beschwerde vom ReichSratSaliischuß als formell und sachlich unbe- gründet aufgehoben worden, da das Verbot eine unzulässige Strafmaßiiahme darstelle.— Bei dieser Gelegenheit klärt sich ein neuer deutichnalionaler Schwindel auf. Tie deulschnationale Presse hatte geschrieben. Hörsing habe dem Verlag die Herausgabe jeder patriotischen Zeitung verboten. In Wirklichkeit halte Hörsing die Herausgabe seder periodischen Zeitung verboten, da der Verlag da» Verbot durch einfache Titeländerung umging. Dr. Striemer und die„Freiheit". Wir hatten kürzlich eine Zu- schrist des Genosien Dr. Striemer gegen die„Freiheit" abgedruckt und durch eine redaktionelle Bemerkung zu erkennen gegeben, daß wir uns in diesen Streit nicht einmischen wollen. Wenn die„Freiheit" daraus schließt, daß wir persönlich von Dr. Striemer abrücken wollten, so ist das ein Irrtum. Wenn die„Freiheit" ferner meint, die Arbeiter wollten sich nicht von Leuten belehren lassen,„von denen man nicht weiß, woher sie kommen und wohin sie gehen", so be- greifen wir diese Lorsicht vollkommen aus den Erfahrungen, die man mit manchen vorübergehenden Erscheinungen in der Arbeiter- bewegung, ganz besonders auf der äußersten Linken, gemacht hat. Die Anwendung dieser im allgemeinen sehr zu beherzigenden Lehre auf Gen. Dr. Striemcr ist aber ein Unrecht. Großes Mißverständnis. Die Verteidiger des Max 5)ölz. Iustiz- räte Dr. B r 0 h und Victor Fraenkl schreiben:„Die Mit- teilung des Herrn Rechtsanwalts H e g e w i s ch in dir„Roten Fahne", betrefss Otto Rühle und Franz P f e m f e r t beruht durch- gehend? auf Mißverständnissen, hauptsächlich wohl dadurch herbeigeführt, daß 5)ölz im Gefängnis mit Hegewisch fanders als mit uns) nur in Gegenwart von Beamten und daher glicht frei genug sich aussprechen konnte. Hölz hat uns ausdrücklich zu der Erklärung ermächt ig t.daß von einer Beteiligung Rühles und Pfemferts weder an einer Unterschla- g u n g noch an seiner Verhaftung irgendwie die Red« sein kann." Seine Reuwahlen In Brannschwelg. Der braunschweigisch« Landtag lehnte den Antrag aus Neuwahl des Landtages im nächsten Monat ab._____ Wirtfichast Konzentration von Staats- unS Privatbetrieb. Aus Stuttgart erhalten mir folgenden eigenen Draht- bericht: Der württembergische Staat besitzt zehn Hütten» werke mit mehreren hundert Arbeitern und Beamten. Noch den Darlegungen der Regierung droht diesen staatlichen Hüttenwerke» die Gefahr, von der Großindustrie isoliert zu werden. Daher hatte der«ürttembergische Landtag grundsätzlich sich dahin ent- schieden, daß die Bau- und Bergdirektion Württemberg Anschluß an die Großindustrie suche» solle. Nunmehr wurde dem Finanzausschuß des Landtage« dahin Mitteilung gemocht, daß die Bau- und Bergdirekrion mit der Gutehofsnungshütte in Oberhousen eine Gesellschaft gründet, die den Namen„S ch w ä- bische Hüttenwerk« G- m. b. H." trägt. Es müßten, so wurde von der Regierung ausgeführt, Maßnahmen ins Auge ge° faßt werden, welche es den Werten ermöglichen, wenigstens einiger- maßen unter den gleichen Bedingungen zu arbeiten wie die Privat- Industrie. Insbesondere sollte ihnen auch der Zusammen- schluß mit Rohstoff- und weiterverarbeitenden Unternehmungen ermöglicht werden. Die«ürttembergische Finanzoerwaltung gründet deshalb mit der Gutehofsnungshütte zu- lammen die obenbezelchnet« Gesellschaft mit dem Sitz in Stuttgart. in erster Linie zum Zweck« der Pachtung und des Betriebes der staatlichen Hüttenwerk» und der Ausbeutung der württembergifcken Erzfelder. An dem Stammkapital der Gesell- schast mit 19 Millionen Mark werden die beiden Gesellschofter Staat und Gutehofsnungshütte j e z u r H ä l f t e beteiligt fein. Die Schwä- bischen Hüttenwerke G. m. 0. H. pachten die staatlichen Hüttenwerke samt Vorräten und Betriebskapital zunächst auf»9 Jahre. Auf die gleiche Zeit wird ihnen da» Recht der Ausbeutung der württem- bergischen Erzfelder verliehen. Die Merke bleiben hiernach Eigen- tum de« Staate». Für die Ueberlassung der Hüttenwerke, denen seitens der Gutehofsnungshütte weitgehender und wertvoller Schutz und Förderung zugesichert ist, erhält der. Staat von der Gesellschaft einen«mgemessenen festen Geldbetrag und einen a n t e i l- �wäßigen Reinertrag im vonms. Die Halste des weiteren Reinertrages der Gesellschaft steht dem Staat aus Grund seiner Be- teiligung an der Gesellschaft zu. Die Gesellschaft übernimmt sämtliche Angestellten und Arbeiter, ebenso die für die Hüttenwerke tätigen, in den zeit- lichen Ruhestand versetzten Beamten, jedoch müssen diese auf die staatlichen Bezüge solange verzichten, als sie im Dienste der Ge- sellschaft stehen. Im übrigen sind geeignete Vertragsbestimmungen zur Wahrung der berechtigten Ansprüche und der erworbenen Rechte der Beamten, Angestellten und Arbeiter vorgesehen, wobei die bis zur zeitlichen Versetzung der Beamten in den Ruhestand ermorde- nen Ruhegehalts- und Hinterbliebenenanfprüche dem Staat zur Last bleiben, ebenso wie den Pensionierten und deren Hinterbliebenen die vom Staate bewilligten Teuerungszulagen, zu denen die Pacht« gesellschaft einen Zuschuß von mehreren Millionen beisteuert. Ferner wird der württembergische Staat einen Vertrag ob- schließen, um die Bedingungen der Ausbeutung der württembergischcn Erzlager nach allen Seiten hin zu regeln. Der Finanzausschuß hat diesen Plänen seine Zustimmung erteilt, der Landtag wird dasselbe tun, wodurch die württem. bergischcn staatlichen 5iüttenwerke künftig einen gemischtwirtschaftlichen Charakter annehmen. Der Reichsmirlschasksrak zur Papierversorgung. Der Wirtschaftspolitische Ausschuß dcs Vorläufigen Reichswirt- schaftsrates und der Ausschuß für Außenhandelskontrolle beschäftigte sich mit einem Antrage Irl, der auf die G e f ä h r d u n g d e r F a ch- presse durch die Erhöhung des Druckpopicrpreises hinweist. Er beantrage daher Unterstützung der Forderungen dcs Verbandes der Fachpresse durch den Reichswirtschaftsrat, u. a. Auf- Hebung der Anzeigensteuer und rechtzeitige Heranziehung von Sach- verständigen bei allen wirtschaftlichen Mahnahmen im Papiergewerbe. Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz führte dazu aus: Die Reichsregierung hat seit jeher den Wunsch gehabt, nicht nur die Tagespresse, sondern auch die Fachpresse nach Kräften zu unter- stützen.(Daher hat sie die Papierwirtschaft freigegeben! Red.) Die Fachpresse ist bei der Regelung der Druckpapicrpreise nicht so hart betroffen, wie die T a g e s p r e s s«. Da zwischen Papierfabrikanten und Zeitungsverlegern wegen der Papierpreise eine Eini- gung nicht erzielt werden konnte, kam die Regierung schließlich zur Freigabe des Druckpapiers vom 1. April 1921. Dos hat sich bereits bewährt, denn es ist gelungen, durch freie Vereinbarung den Druck- papierpreis auf 3,45 bis 3,49 M. zu senken.(Diese„Senkung" ist in Wirklichkeit immer noch eine ganz enorme Erhöhung der alten Preise! Red.) Die Wiedcrgewährung des Reichszu- s ch u s s e s durch den Reichstag wäre in Erwägung zu ziehen. Der Minister wies dann die Angrifje eines Teile» der Tagesprefse gegen seinen Referenten Gcheimrat Pfundtner zurück. Es wurde folgende Entschließung angenommen: „Der Wirtschastspoliiische Ausschuß des Reichewirtschaftsrates erklärt zur Papierpreissrage uach Anhörung der Regierung und der Sachverständigen, ohne in die im Reichstag schwebenden VerHand- lungen eingreisen zu wollen, das folgende: 1. Die Aufrechter h a l t u n g der Existenzmöglichkeit der Tages- und F a ch p r e s s e ist für das gesamte wirtschaftlich« und politische Leben Deutschlands ein unbedingtes Erfordernis. 2. Alle dahin zielenden Maßnahmen finden die volle Unterstützung dcs Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Rcichswirtschastsrates, insbesondere eine eingehende Nochprüfung der Rohstoff» und Verarbeitungskosten und eine darauf begründete Einwir- kung auf angemessene Preisfestsetzung. 3. Die Wiedereinführung einer Bewirtschaftung des Druckpapiers hat der Wirtschasts» politische Ausschuß des Rcichswirtschastsrates nicht für zweck- mäßig, vielmehr die baldige gesetzliche Errichtung einer G e- samtvertretung des Papicrfachs als organisatorische Zusammenfassung. Reue Ausdehnung des Stinneskonzera«. Die Srinne-qruppe hat die Schillerwerte Godesberg A. G., welche Feinblech weiterverarbeitet, durch Aktienaustausch gegen Aktien der Rhein- Elbe-Union erworben. Damit hat der Stinneskonzern einen weiteren Schritt in die weiteroerarbeitende Eisenindustrie diesmal durch Auf- tauf eines Feinblech verarbeitenden Werkes getan. Chemische Fabrik auf Aktien(vorm. E. Schering) zu Berlin. Die Gesellichast verzeichnet in ihrem Geschäftsbericht einen gegen das Vorjahr fast verdoppelten Reingewinn 93.29 gegen 1,87 Mill. Mark), nachdem sie vorder die Rückstellungen ganz bedeuiend er« höbt und allein 3,ö Millionen Mark auf Werkerhaltungskonto ab- gesetzt hat. Diese», zum Teil Balutaprofiten entstammenden Ge- winniegen entsprich, auch der D i v, d e n d e n v 0 r s ch l a g, der in diesem Jahr 25 Proz. Ausschüttungen auf 12 Millionen Mark Akticukapital vorsiebl, wäbrend im Vorjahr 18 Proz. aus das er- beblich geringere Aktienkapital von S Millionen Mark �verteilt »vorden waren. In einzelnen Abteilungen war der Geschäftsgang unbefriedigend, so in der pbotographiichen. Um einen großen Teil der Betriebe nach außerbalb von Berlin zu verlegen, bat die Ge- selllchast eine Fabrik in Eberswalde erworben. Zur Aiiszestaltung dieser Anlagemund zur Vorsorge gegen schwerere wiriswoitliche Verhältnisse, wahrscheinlich auch, um den Akttonären ei» Extra- geschenk zu machen, wird eine Kapitalerböhung von 19 Mill. Marl in Stamm- und 1 Million Mark in Vorzugsaktien vorge- schlagen. Aktiengesellschaft für Anilmsabrikakion in Berlin. Im Geschäftsbericht der Gesellschaft, die zum Anilintonzern gehört, finden sich die üblichen Klagetöne über Absatzschwierigkeiten und drückende Folgen des Friedensvertrages, so daß das Unternehmen feine Aktionäre mit einer erhöhten Dividende(29 gegen 18 Proz. im Vorjahr) trösten muß. Die gesteigerte Dividenoe kommt auf das unter Kapital- verwässerung nahezu verdoppelte Aktienkapital zur Ausschüttung, so daß dazu der d 0 p p e l t e B e t r a g wie im Vorjahr ausgewendet werden muß. Dabei wurden die Abschreibungen und Rückstellungen bedeutend erhöht und allein 29 Millionen Mark als Werkerhaltung»- jonds aufgespart, lieber den Stand der Produktion macht der Ge- schästsbericht u. 0. folgende Mitteilungen:»Wir haben im Berichts- jähr die Umstellung auf Friedensproduktion, nament- lich für Farben, abgeschlossen und große Ncuanlagen durch Erweiterung unserer Filmfabrik und durch Errichtung von zahl- reichen Wcrkwohnungen in Wolfen geschassen. Im Berichtsjahr ist die von der außerordentlichen Generalversammlung zwecks Ueber- nähme der Stickstoffwerke der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik auf die Interesiengemeinschaft beschlossene Gründung der A m m 0- niakwerkc Merseburg-Oppau G. m. b. H. vollzogen worden, an deren Stammkapital von 599 Millionen Mark wir mit 49 Millionen Mark beteiligt sind. Gleichzeitig ist die Dauer des Interessengemeinschaftsverirages bis zum 31. Dezember 1999 ver- längert und seine Kündigung an die Zustimmung der Generalver- sammlung mit einer Mehrheit von vier Fünfteln des vertretenen Grundkapitals gebunden worden."— Dos Kapital wird, wie wir im Zusammenhang mit dem Milliardengeschent des Anilinkonzerns berichteten, um 53 Millionen Mark erhöht und den Aktionären der doppelte Betrag an Kursgewinnen geschenkt. Deutsche Kabelwerke A. G. Berlin. Die Fabrik war nach dem Geschästsbericht fast das ganze Jahr in allen Abteilungen gut beschäftigt. Im ersten Halbjahr konnte die Produktion der Nachfrage kaum folgen, gegen Ende des Jahre» trat aber eine Abschwöchung des Geschäftsganges ein, die im neuen Jahre noch bemerkbarer wurde und in einzelnen Abteilungen zu Betriebseinschränkungen ge- führt hat. Die Zyklonettenfabrik sowie die Reifen- und Gummi. warenfobrik sind gut beschäftigt. Ausgewiesen wird«in Rein- gewinn von 3 172 219 M. gegen 1 392 794 M. im Vorjahr. Daraus sollen auf das verdoppelte Aktienkapital 12 Proz. Dividend« und 5 Proz. Bonus, also insgesamt 17 Proz. gegen 15 Proz. im Vorjahr ausgeschüttet werden. � Doppelte Lüge. Ein Musterbeispiel daftir, wie sich die reaktionäre Presse Agi- tationsmaterial gegen den„Vorwärts" aus den Fingern saugt, ist eine Notiz der„Kreuz-Zeitung" unter der Ueberschrift„Zweierlei Maß". In dieser Notiz wird behauptet, der„Vorwärts" habe über die Verurteilung der Kommunisten, die den Ueberfall auf Genossen Peter Zimmer verübten,„mit lebhafter Genugtuung" be- richtet. Wenn dagegen Kommunisten, die Beamten der Schutz- Polizei die Augen ausstechen und die Nasen abschneiden, mit Recht zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt würden, so sehe der „Vorwärts" in ihnen noch„beklagenswerte Aerführte oder Ver- irrte". So mißt der„Vorwärts" mit zweierlei Maß. In dieser Notiz ist olles Schwindel. Das Urteil gegen die Kommunisten, die Peter Zimmer mißhandelten, hat der„Vorwärts" rein sachlich referierend ohne jeden Kommentar gegeben, also auch ohne den Ausdruck besonderer Genugtuung. Ebenso ist es Lüge, daß der„Vorwärts" die kommunistischen Angeklagten, die Bestialitäten begangen haben, in irgendeiner Weise entschuldigt Hot. Wir können im Augenblick nicht feststellen, ob überhaupt bisher ein Kommunist wegen Augcnausstechens und Nasenabschnoidcns verurteilt wmden ist. Sicherlich hat der„Vorwärts" aber keinen der- artigen Täter als Verführten und Verirrten bezeichnet. Von der ganzen Gegenüberstellung bleibt nichts übrig, als die Tatsache, daß die„Kreuz-Zeitung" ihre Leser systematisch b e« lügt im Vertrauen darauf, daß diese den„Vorwärts" doch nicht lesen.''__. Professor üafsö gestorben. In München ist Professor Dr. Edgar Jasro, unter Kurl Eisner bayerischer Fiiianzmiuister, im Alier von 55 Jahren gestorben. Er war»in bekannter VolkswirtschaftS» lebrer, dessen Arbeiten wisienschaftlichcn Ruf genossen. Die Periode lein« Ministertätigkeit war zu kurz, um sichtbare Ergebnisse zu igen. m wird aus Rom gemeldet: Die neueste Sensation der römische» Ge- sellschaft ist ein« kleine„botttqlieria", die wirklich eines der eigen- artigsten Restaurants ist, die je gegründet worden. Es sind lauter russische Flüchtlinge, die sich zur Gründung und Unterhaltung dieses Betriebes zusammengetan haben, und zwar sind es durchweg Per- iönlichteiten, die in den Zarentaqen im gesellschaftlichen oder poli- tischen Leben eine bedeutende Rolle spietten.„Ein früherer Gou- nerneur einer russischen Provinz präsidiert hinter dem Schenktisch. Mit arlstokrotischer Miene und einer Haltung, die daran gemahnt, daß ein Wink dieses Mannes einst genügte, um andere Sterbliche zu„lebendigem Tod' nach Sibirien zu verbannen, gießt er den Tee in die Gläser oder schneidet die Wurst auf. Ein früherer Oberst der russischen Armee, bescheiden mit einer Schürz« angetan, bringt dem Besucher sein Getränk und blickt dabei melancholisch in die Ferne. Eine imposante Frauenerscheinung mit Spuren ehemaliger Eleganz wäscht im Hintergründe die Gläser ob. Es ist eine Gräfin, die einst in den Petersburger Salons die Huldigungen der Herren- melt entgegennahm. Ein richtiger Graf wandelt in vornehmer Haltung an den Tischen auf und ab und sieht, daß seder gut bedient wird. Die Gründung der Russen hat einen ganz außerordentlichen Erfolg in Rain gehabt. Das kleine Lokal ist jeden Abend dicht ge- ' Mt mit den verschiedenartigsten Typen. Jedenfalls kommen die •Vossen vortrefflich auf ihre Rechnung und werden mit den Ertrag- nisten vielleicht bald wieder ein standesgemäßeres Leben aufnehmen können." Wie mör'e aber, wenn die Hochgeborenen entdeckten, daß sie zu ihren neuen Berufen bester geeignet sind als zu den früheren? Mancher, der früher ein einfacher Arbeiter war, ist heute Minister, und ehemalige Gouverneure und Grasen sind Kellner. Und die Well besteht immtr noch._ StaatSoPer. In der„Aida'.Auffflbrtmg am 6. Mai wird Michas S» h n e n als Gait den Amonasro singen. ttonitert«. Am Hlnimelialirtstag gibt die große V olkSoper im a!S letztes dteSjäbrlge« Konierl Beethovens Neunte p-rftärllen BIntbncr-Qrchesler und dem Cbor der Staatsoper.— ?»!• BolkSbübnr gibt ihr letztes diesjähriges Konzert am Sonnabend s Uhr Iii der Garmionkirche: BaibS Matth äuSpaision mit dem a'hor htt Swaokadcmi« und dem verstärkten Pbllharmonisiben Qrchiiter. C_jiC-Nuoiiellnng im Weiften Saale. DaS Berliner Schloß. v,m hie Sammlnngen de« Kunftaewerbemuseums aufgegangen f' v»,-mnäldit eröffnet werden, und nn Herbst soll dann die erste Zins eH»»m im Selbe"-aal« durch die vereinigang der deutschen Kunst- inAtoffZ8 Äowen Tie will hier modern- deusiche Knnst-Wbönde von idren Mlal-cdcrn und im An-chlu-z daran eine historische Cinbnnd'chmi zeigen. « Lzerk vo» Anatole France. Bon der Iugendgclchichte hm»«riii.n iiinntole ssran-e. von der schon mebm« Bände vorliegen, soll iät rin meiiir-i. Band«Ich-Wen unter dem Titel.DaS Leben i» Blumen-. aber von ftronce ironisch gemeint zu sein, denn er der. ".w'" Vc.er. daS.um großen Teil sein Kroß?!« W W>) ha> einen besonderen«eI-Nbriil auSzust»ll� Di�chwrster�� �r Vruder Tschechow« sollen lebenslänglich die d««kad�/� g«bubr«den mittelration«, bekommen. Da«.Hau» Tichechowt will man v-turalisiercn naö Ja ein Z�chechow-Mvjelun umwand ein. r Gewerkschaftsbewegung Die Streiklage im Tiefbaugewerbe. Die Streikenden im Tiefbaugewerbe waren am Dienstag auxer- ordentlich zahlreich in den.Gerinainafälen" verfammelt� Tornow berichtete, daß es bisher noch nicht gelungen fei, den bereits vier Wochen dauernden Ausstand durch eine Einigung mit den Arbeit- gebern zu beenden, obgleich man sich auch seitens des Magistrats und der Stadtverordneten redlich bemüht habe, für die Einigung zu wirken. In weitere Verhandlungen wollen die Arbeitgeber nur eintreten, wenn wir bereit find. Prämienarbeit zu leisten. Es handelt sich nun darum, ob wir auf eine Prämien- leistung eingehen wollen. Im Hinblick auf die ganze Sach- läge könne man vielleicht unter gewissen Bedingungen zu- stimmen. Redner machte hierauf Mitteilung von der bereit? im.Vorwärts" beiprochenen einstweiligen Verfügung de? Landgerichts. Gegen diese Verfügung müsse schärfster Protest erhoben und zur Sicherung des Koalitions- rechtes die erforderlichen Schritte getan werden. Man habe auch Streikposten verhaftet, die Verhafteten jedoch meist wieder freige- lassen. Soweit sich Streikposten noch in Hast befinden sollten, werde man sofort wegen ihrer Freilassung vorstellig werden. Kaufmann lvom Bund der technischen Angestellten und Be- amten) gab den Streikenden den Rat, unverzüglich die Notstands- arbeiten in den bestreikten Betrieben wieder auszunehmen, damit die eingesetzte technische Nothilfe herausgezogen werden könne. Durch die Verweigerung dieser Arbeiten würden nicht die Unternehmer, sondern die Streikenden und das Interesse der All- gemeinheit geschädigt, denn nach den vertraglichen Bedingungen müßten schließlich die Steuerzahler für allen Schaden der Unter- nehmer aufkommen. Auch in der öffentlichen Meinung könnten die Streikenden nur gewinnen, wenn sie diese Arbeiten wieder aufnehmen. Ein Antrag, nach dem die Notstandsarbeiten wieder von den Skreikendea aufgenommen werden sollen, wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Ferner wurde beschlossen, den streikenden Bau arbeitern in der nächsten Woche eine M i e t s b e i h i l f e zu ge- währen. Ein Antrag der streikenden Transportarbeiter um Ge- Währung einer Mietsbeihilfe wurde der Organisation überwiesen. Dann wurde eine Entschließung angenommen, welche die Ent- rüstung der Streikenden über die ein st weilige Verfügung ausspricht und den ADGB. sowie die Berliner GewerkichafiSkommission ausfordert, Schritte zur Sicherung der Koalitionsfreiheit zu unternehmen, ferner auch die Freilassung der etwa noch inhaftierten Kollegen fordert. » Dem Vorstand deS Deutschen BauarbeiterberbandeS, Verein Berlin, ist eS durch persönliche Rücksprache mit dem Polizeipräsidenten Richter gelungen, daß die am Montag in Haft gesetzten Streik- Posten der Tiefbauarbeiter sofort aus der Haft entlassen worden sind. kich fest Die Besprechung hat ergeben, daß von LehrNngszüchtere! im allgeminen zwar nicht die Rede sein kann, daß aber trotzdem mit Rücksicht aus die Jugendlichen selb st und deren späteres Fortkommen im Gewerbe für einige Zeit die Lehr- lingshaltung nach Möglichkeit eingeschränkt werden muß. Der Mi- nister hat deshalb die Handwerkskammern auffordern lassen, ihrerseits gemäß§ 130 der Gewerbeordnung dahingehende Anord- nungen zu treffen, daß regelmäßig ii� den Betrieben des Fleischer- und Wurstmacherhandwcrks nur ein Lehrling beschäftigt werden soll. Ein zweiter Lehrling soll nur dann«ingestellt werden dürfen, wenn in dem Betriebe mindestens ein mit der Be- fugnis zur Anleitung von Lehrlingen versehener Geselle dauernd be- schäftigt wird, oder wenn ganz besonders dringende Ausnahmefälle vorliegen. Betriebsinhabcr, welche einen zweiten Lehrling einstellen wollen, haben entsprechende Gesuche an die zuständigen Handwerke kommern zu richten, welche ihrerseits die Erledigung einen' paritä- tischen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehenden Fochous- fchuß überweisen sollen. Den Vorsitz dieses Fachausschusses soll der Staatskommissar der Handwerkskammer führen. Beschwerdeinstanz ist der Regierungspräsident als Aufsichtsbehörde der Handwerks kammer, welcher endgültig entscheidet. Die von den Handwerks kammern zu erwartenden Bestimmungen sollen zunächst bis zuin 30. September 1923 Geltung hoben. tungsausfchufses ist, eine andere Form zur Fortführung des Unier- nehmen? gewählt wurde. Nachdem dies festgestellt wurde, ergibt sich auch die Notwendigkeit, aus dem§ 96 Abs. 1 des BRG., daß der Beschwerdeführer, der Mitglied des Betriebsrates ist, nur mit Zustimmung der Betriebsvertretung gekündigt werden kann. Wird diese versagt, so ist der Arbeitzeber gemäß 8 97 des BRG. berechtigt. den Schlichtungsausfchuß anzurufen, um von diesem die versagte Zustimmung sich geben zu lassen. Letzteres ist jedoch nicht erfolgt und konnte daher die Spruchkammer nur zu dem eingangs er- wähnten Schiedsspruch gelangen." SPT.-�unktionäre des TransportarbeiterverbandeS. Die Fortsetzung der vertagten Funktionärkonserenz des TranS portarbeiterverbaudeS findet am 9. Mai statt. Um den gewerkschaftS� sckiädlichen Bestrebungen der Kommunisten mit allem Nachdruck ent- gegentretcn zu können, findet am Freitag, den 6. Mai. abends 7ll3 Ubr, eine Funktionärversammlung aller aus dem Boden der Amsterdamer Gewerkicbaftsinternationale siebenden SPD.» und NSP-Funktionäre des Deut'iben TransporiarbeiterverbandeS statt. Wir ersuiben alle Funktionäre unserer Parteirickitung dringend, sich an dieser Versammlung zu beteiligen. SPD.-FraktionSvorstand. Einigung im Friseurgcwerbe. Seit dem November vergangenen JabreS standen die Arbeitnehmer des Friseurgewerbes in Groß-Berlin in einer Bewegung zur Aufbesserung der nach dem Streik im verssossenen Jahr er- reichten Lohnsätze. Aus die Löhne von 133 M. und 145 M. war eine Zulage von 25 M. gefordert. Die Arbeitgeber lehnten jedes Zugeständnis ab. Der Scklichtungsausilbuß mußte sich daber in einer ganzen Reihe von Sitzungen mit der Angelegenheit befassen. Nachdem er einen Schiedsspruch gefällt hatte, der den Arbeitnehmern t*ner>il,.'c9e bon 20 Proz. zubilligte, lösten die Arbeitgeber ihren JnMessefiverband auf. Die Klctge mußte sich tum gegen jede einzelne Arbeitgebervereinigung— in G'roß-Berlin zirka 13— richten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, zu einein Ueberein- kommen zu gelangen, wurde am Montag vor dem SchlichtungS- ausfchuß ein Vergleich abgeschlossen, der den Gehilfen sowie den Friseusen eine tvöchtentliche Zulage von 20 M. bietet. Hätte nicht ein Teil der Berliner Friseurgehilfen nach dem Streik seine Organisation im Stich gelassen, so wäre ein derartiges hinaus- ziehen der Bewegung durch die Arbeitgeber unmöglich gewesen. Hoffenllich ziehen die Arbeitnehmer im Friseurgewerbe die richtige Lehre aus der Bewegung und schließen sich endlich restlos ihrer Organisation, dem Arbeitnehmerverband deS Friseur- und Haargewerbes, an. Einschränkuni, der Lehrlingshaltung im Meischergetverbe. Seit längerer Zeit leidet das Fleischer- und Wurstmacherhand- werk unter einer erheblichen Arbeitslosigkeit der Ge- seilen, die im wesentlichen durch den Rückgang des Fleilchver- Tie Frankenlöhnnng im Taargebiet. Aus Bergarbeiterkreisen deS SaargebietS erhalten wie folgende interessante Zuschrift: „Allgemein ist bekannt, daß die Bergleute beute ihre Forderung nach dem Frankenlohn bedauern. Der Lobnabbau mit den gleich« zeitigen Feierschichten hat die früheren Vorteile beseitigt. Bei Ein- sührung deS Franken— 1. Juli 1920— verdienten die Bergleute monatlich durchschnittlich 600 Franken--- 2400— 2500 M. Mit Januar 1921 begannen die Feierschichten. Der Verdienst fiel auf durchschnittlich 459 Franken----- 1800—1900 M. Seit 15. März bat ein weiterer Lohnabbau eingesetzt: Richt- lohn 18.5 Franken sbisber 23 Franken). Demnach verdienen die Bergleute nach Lohnabbau und Feierschichten keine 400 Franken (---- 1600—1700 M). Nach einem Gerücht soll ein weiterer Lohn- abbau um 4 Franken kommen, so daß der Richtlohn nicht mehr als 15 Franken betragen wird. Die Bergarbeiter wissen, daß zurzeit ein Streik unmöglich ist. 20000—30000 Bergarbeiter würden brotlos. Franzosen und Italiener würden als Ersatz berangezogen. In den Hüttenbetrieben ist seit dem 1. April 1921 ebenfalls ein Lobnabbau vorgenommen worden. Die Angestellten der Post und Eisenbahn befürchten eine Rückwirkung auf ihre Aebaltsverhältnisse! sse haben daher bereits gegen die Einführung der Franken zahlung ab 1. Mai v r o t e st> e r t. Der FrankenkurS fall möglichst niedrig gehalten werden. Der Protest der Angehörigen der Post und Eisenbahn findet auch bei der Zivilbevölkerung volles Verständnis." brauchs der Bevölkerung herbeigeführt worden ist. Der preußische WI...„ Minister für Londel und Gewerbe bat deshalb am 2. April d. I. in selben Geschäftsräumen mit denselben Maschinen und sonstigem In r J____ 1„ i_____ V<*««.■&«mIi Der Streik der amerikanischen Seeleuke wurde von deren Führern am Soiiimbeiid abeird proklamiert. Di« Zahl der an dem Streik beteiligten Arbeiter wird auf 500 000 SD. Red.) geschätzt. flus üer Setriebsräte-praxis. Venn die Veiriebslnheber wechseln, bleibt die Betrieb»- verlrekung im Amte. Der Betriebsrat hat die Belegschaft gegenüber dem jeweiligen Inhaber, nicht etwa nur unter einer bestimmten Rechtssorm des Unternehmens zu vertreten. Es handelt sich im BRG. ausschließlich um Betriebsräte und Betriebs- Vertretungen, nicht etwa um Firmenräte und Firmenvertretungen. — In einer Streitfrage deswegen hat der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin(Aktenzeichen 2ö366/K. 20. Wag. 29. 11.) wie folgt entschieden: „Das Angestelltenverhältnis des Beschwerdeführers besteht fort. Begründung: Die Spruchkammer hat zu prüfen, ob eine Still- legung des Betriebes der Beschwerdegegnerin Sch.......... eingetreten ist oder nicht. Der Vertreter der Firma Prokurist O........ hat selbst ausgeführt, daß das Unternehmen in den- APD..?»»»!»»«« de« iZIemcn». Weite. Freitag 4 Uhr Amifercirz aller SPD.-Funktioniire bei Marsandl, Ronnendammallee.— Der Fraktlonsavrstand. Kexticher Serkmeiftenierbaab. Fachgruppe R. Auto- und Aarosseriebau: Di« Gruppenversammlung findet des Himmelfahrtstages wegen am Donners- tag. den 21. Mai. statt.— Fachgruppe Papier: Freitag nachmittag 5 Uhr im Schultheiß, Reue Iakobstr. Zt 2o, Versammlung. Deutscher Zr«»»p»rtaebeiter»crban». Bezirk Groß-Berlin. Branche der Leitergerstlidaver: Freitag abend l> Uhr im Lokal von Sievert, Lichtenberg, Äant-, Eck« Schillerstraße, Branchenverseinmlung. Rohrleger und Helfer. Acut« abend« Uhr im«ewertschaftsbau», Engel. ufer 15. Saal t, Branchenuerfammlung. Reiner darf fehlen.— Der Frattions- vorstand.______ Soziales. Tagung üer Gesellschaft für soziale Reform. Unter Teilnahme zahlreicher Sozialpolitiker aus allen Teilen des Reiches begann Sonntag die„Gesellschaft fiir soziale Reform" ihre 8. außerordentliche 5)auptoersammlung. Der Sitzung wohnten Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, Reichspost- minister Giesbert und Preußischer Ministerprästdent Stegjßr- w o l d bei. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden der Gesellschaft, Prof. Dr. Ernst Franke. Mitglied des Reichswirt- schaftsrates, begrüßte Reichsarbeitsminister Dr. Brauns die Der- sammlung namens der Reichsregierung und wies auf die der Ge- fellschaft noch bevorstehenden großen Aufgaben auf dem Gebiet der Sozialreform hin. Hieraus ergriff Ministerpräsident Stegerwald zur Be- grüßung namens der preußischen Staatsregierung das Wort und wandte sich insbesondere den Fragen der Volksgesundheits- pflege zu, deren Ausgestaltung in Zukunft Aufgabe der L ä n- der sei. Ueber die künftigen Ausgaben der„Gesellschaft für soziale Re- form" sprach Pros. Dr. F r a n k e. Er wandte sich gegen den ,F)errn-im-Hause"-Standpunkt der Arbeitgeber wie jjegen eine Klassenherrschaft des Proletariats" und forderte Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gemeinsamer Mitwirkung an der Steigerung der Produktion auf. Der tiefste Sinn der W i r t s ch a f t s- r ä t e fei, am Wiederaufbau unserer Voltswirtschaft mitzuhelfen. Ein weiteres Gebiet, auf dem die Gesellschaft sich zu betätigen habe, sei die Reform der sozialen Versicherung. Groß« Aus- gaben habe die Landwirtschaft zu lösen, woran ohne gleich- zeitige Beachtung der Landarbeiterfrage nicht zu denken sei. Die ländlichen Rechtsverhältnisse, Landverteilung, Änsiedlung und Wohnungsbau müßten neu geregelt werden. Der zweite Redner, Prof. Dr. Philipp Stein- Frankfurt a. M., appellierte an das Verantwortungsgefühl der geschlossenen Verbände von Industrie, Handel und Arbeiterschaft: eine Neuord- nung der Arbeitsverfassung und des Arbeiter- rechtes müsse geschaffen werden. Entscheidend sei die Verbin- dung der Demokratisierung von Wirtschaflsverfassung und Betriebs- Verwaltung mit der Erhaltung und Steigerung der Wirtschaftlichkeit unserer Wirtschaft.». An die beiden Vorträge schloß sich eine allgemeine Aussprache. Im Anschluß daran folgte eine Geschäktssitzung, in der Sagungs- änderungön und Reuwahlen zum Ausschuß vorgenommen wurden.> w1 Berlin eine Besprechung der wichtigsten Interessenten des Fleischer gewerbes herbeigeführt, die sich insbesondere mit der Frage be- schäftigte, ob und inwieweit eine Einschränkung der Lehr- lingshaltung in Fleischer- und Wurstmacherbetrieben erforder- oentar und teilweise auch mit dem früheren Personal fortgeführt wird. Daraus ergibt sich, daß eine tatsächliche Stillegung des Be- triebe? nicht erfolgt ist. vielmehr ist die Spruchkammer der Ansicht, daß hier aus Gründen, die zu erörtern nicht Aufgabe des Schlich- vortrSae. vereine unü versommlunaen.' Theasaphische Grsclllchast, Beelin. Mittwocki, den 4. Mai, abend» W Uhr. im Rheinaold, Potsdamer Straße, Vortrag Uber„Unsterblichkeit, Seele und dos Schicksal". Rricrent H. Weber.— Reichtbuud der Arieg»beschädigten. Wittwcch. den 4. Mai, abend» Uhr. ln der Aula der Sicmcns-Oberreal» schul«, Schloßstr. 27, am Sophic-Charlottc-Plaß, öffentliche Versammlung. Gäste willkommen. Tagesordnung: Zweck, Ziel und Erfolge der Organisation und dessen Zukunfisausgaben. Verantw. für den redakl. Teilt Dr. Werne««eise«. Charlottenburg: für Anzeigen t *5. Glocke. Berlin. Verlag: VorwörtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: vor- wärts-Vuchdruckerei u. Lerlagsanllall Vaul Singer u. Co„ Lerlin. Llndenftr. 3. 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