Nr.SIS�ZS.�ahrgaüg Ausgabe A Hr. 10$ Bezugspreis: MertelMrUM�- M., monatl. V>,— M. frei in» van«, voran» zahlbar. Post» bozugi Monatlich 10.— M, einschl. Fn» stellunasgedüdr. Unter»remdand für Deulichland. Danzig. da» Saar» und Memelgebiet,»owie die ehemal» deut» ichen»e biete Polen», Oesterreichs Ungarn und Luxemdurq 20,— DU für da» übrige Ausland 27,— Di. Post» destellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tfchecho-Slowalei. Däne- Marl. Holland, Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Der.Sonvätts' mit der Sonntag»» beilagt.Pol! und 8 fit*, der Unter» haltnag»deil-qe»Heimwelf und der Beilage»Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Sonu» tag» und Montag» einmal. Jtoi Telegramm- Adresse: ialoeinorral verN«� Morgen-Ausgabe m> Sevlittev Volksblatt ( 30 Pfennig) AnzetgenpretS: Dlt achtgespalt-ne ZionnareMezetl« testet 5�0 M.»klein» Anzeigen»» da» fettgedruckt» Wo« IM M.(zu» Uisstg zwei srttgedrnckte«orte», tede» weiter» Wort l.— M. Stellengesuch, und Schlafs! elien an, eigen da» erst» Wort!«— M, tede» weiter» Wort « Pfg. Wort« Bt« Iii Buchstaben »llhlen für zwei Wort» ffannlien-An» zeigen für Abonnenten geil« M. Die Pretse versteh«« stch ewschließiich Teuerung», zuschlau «uzetgen für die nächste«umniee müssen dt» 8 Uhr nachmittag» im H-uptgeschäft. Berlin SW SS, Linden. strotze Z. abgegeben werden. Geöffnet «°n» Uhr früh di, S Uhr-bentw. Zentralorgan der fozialdemokratird)cii Partei Deutfcblands Ueüaktion und Expedition: SW öS, Lindenstr. Z Fernsprecher! Amt Mortupla». Rr. ISIgo— ISIS? Sonnabend, den 7. Mai 1921 vorwärts-verlag S. m.b.H., Sw 6$, Zltndenstr. 3 Fernsprecher- Amt Morihpla», Nr. II7SZ— SI Das Knanzöiktat der Entente. Deutschlands schwerste Gutscheidung. Das Kernstück des Ultimatums, die einstimmig« Ent» jchließung der in der Reparationskommission vertretenen Mächte über die deutschen Zahlungspslichten ist im Lause des gestrigen Tages in Berlin eingetroffen. Es enthält keine Ueberraschungen, so ziemlich alles Wichtige daraus ist schon durch die Presse stückweise oeröfsenllicht worden. Da es sich jetzt aber um den authentischen Text Handell, ist es notwendig, den InHall des sehr umfangreichen Schriftstücks noch einmal in zusammenfastender Darstellung wiederzugeben. Ja Abänderung von Teil Vlll, Anlage II des Friedensvertrage» soll die Reparationstommission ermächtigt sein, den Zins- fuß für deutsche Schuldverschreibungen, die bis 1. Mai 1926 ausgegeben werden, von 2 Vi auf 5 Proz. zu erhöhen und Vorkehrungen zur Tilgung zu treffen. Das Plus soll durch Herabsetzung der Zinsen für di« noch ungedeckte Schuld ausgeglichen werden. Ei« darf die Ausgab« / neuer Schuldverschreibungen mit 5 Proz Zinsen und 1 Proz. Tllgung verlangen. Schon aus« gegebene Schuldverschreibungen werden dafür zurückerstattet. Sie kann den Zahlungsbeginn vom 1. Mai auf den 1. November 1921 verschieden und die Schuldvesrchreibungen in oerschieden« Serien einteilen. Sie ist ferner ermächtigt, von Deutschlands zu verlan» gen, datz es gewlste näher zu bestimmende Einkünfte und Werte für deo Zinfendieost entweder der Gesamtheit der Schuldvrrschrri- bungeu oder einzelner Serien verschreibt. Eine Garantiekommission ist ermächtigt, die Verwendung der verschiedenen Einnahmen zu überwachen und di« Zahlungsdaten und Methoden der für den Dienst der Schuldverschreibungen oder anderer mit der deutschen Schuld im Zusammenhang stehender Zahlungen vorzuschreiben. . Die von der deutschen Regierung zu verschrei. banden Einnahmen sind folgende: 1. Die Erträgnifle aus alleu deulschen See» und tandsällen und Abgaben und insbesondere die Erträgniste au» alleu Einftihr- und Ausfuhrabgaben. 2. Die Erträgniste der ZSprozentigen Abgab« vom Wert« der gesamte« deutschen Ausfuhr mit Ausnahme derjenigen, welche nach der Gesetzgebung einer der alliierten Mächte einer Abgabe von nicht weniger als 25 Proz. unterliegt. 5. Die Erträgniste von solchen direkten oder indirekte« Steuer» oder anderen Fonds, welche die deutsche Regierung vorschlagen kann und welch« das Garantiekomitee als Ergänzung oder als Ersatz für die in Punkt 1 und 2 näher bezeichneten Fonds ein» nimmt. Das Garantiekomitee soll nicht befugt sein, sich in die deutsch« Verwaltung einzumischen. Deutschland soll auf Verlange» Material und Arbeit liefern. die eine der alliierten Mächte mit vorheriger Zustimmung der Rcparationstommisston zum Zweck« der Wiederherstellung der zer- stSrten Gebiete dieser Macht oder zu dem Zwecke anfordert,«in« ftU alliierten Mächt« instand zu setzen, mit dem Wiederaufbau oder uvr Entwicklung seine» industriellen oder wirtschaftlichen Leben» fortzufahren. Der Wert solcher Material»nd>rbell»l»stt»ng so! von einem feiten» Deutschland»nd einem seitens der beteiligten Macht ernannten Echätzer und im Nichteinig unqsfoll« von einem durch die Reparationskommistion ernannte» Schiedsrichter abgeschätzt werden. Der Zahlmigsplaa. Deutschland wird in der in diesem Plane bestimmten West» seine Verpflichtungen, den in Uebereinstimmung mit Artikel 2Z1, 252 und 2ZZ des vertrag» von Versailles durch di« Kommission sestg�ctz'en Gesamtbetrag»u zahlen, erfüllen, nämlich 132 Milliarden Goldmark abzüglich») de» bereits auf Reparationstonto bezahlten Betrag. b) bevjmrigen Summen, welche von Zeit zu Zelt»«utfdjtonb hw- d« Staatseigentums i» den abgatretenen Gebieten ulw. gük pVacht»erd«»»««» und e) aller der Summen, welch« so» andere* feindlichen oder früher feindliche» Mächte» eingehen und hinstchtNch deren die Konuntfston entscheiden kann, daß sie veutschland gutgebracht werd« sollen, zuzüglich der belgische» Schuld a» die KQIitftftt. Die Beträge dieser Abzug« und der Zusatzsu»«« solle» durch die Kommission später festgesetzt werden. Deutschland soll übergeben: ») Schuldverschreibungen für«inen vetrag von U Milliarden Goldmark. Liese Vchulbverfchreibungt» soll«» M» spätesten» t Suli 1021 ausgestellt und übergeben«erden. Es soll in jedem Jahr« vom 1, Mai ISN«ine jährliche Zahlung stattfinden, deren Betrag 6 Proz. des Nominalwertes der ausgegebenen Schuldoer- fchreibungen gleichkommt. 1 Proz. ist zur Tilgung durch Rückkauf zu verwenden. d) Schuldverschreibungen für einen weiteren Betrag von 5» Ml- starben Gold-nart. Diese Schuldserschreibungen sollen spätestens am 1. November 1921 ausgestellt und übergeben werden. Verzinsung und Tilgung wie oben. c) Schuldverschreibungen für 02 Milliarden Goldmark. Diese Schuldverschreibungen sollen spätestens bis zum 1. No- vember 1921 ausgestellt werden. S»e sollen von der Kommisfio» ausgegeben werden, sobald fie überzeugt ist, daß die von Deutschland im Verfolg dieser Abmachung übernommenen Zahlungen ausreichen, um für die Bezahlung von Zinsen und Amortisation dieser Schuld. verschreibungen zu dienen. Gemäß den Bestimmungen der Artikel 245 und 251 de. Per» trage» von Versailles sollen dies« Schuldoerschreibungen durch die gesamten Besitztümer und Einnahmen de« Deutschen Reiches und der deutschen Staaten, und insbesondere durch die besonders angeführten Besitztümer und Einnahmen gesichert werden. Deutschland soll sede» Jahr bezahlen: 1. Eine Summe von 2 MiMardev Goldmark. 2.») Eine Summe, welche etwa 25 Proz. de» Werte» selner Ausfuhr ln jedem Zeitraum von 12 Monaten nach dem I. Mai 1921, so wie von der Kommission festgesetzt, ent- spricht, oder b) wahlweise«inen entsprechenden Betrag, so wie er in Uebereinstimmung mit jedem andern von Deutschland vorgeschlagenen und von der Kommisston angenommenen Index festgesetzt werden würde. 5. Eine weitere Summe entsprechend 1 Proz. des Wertes seiner Ausfuhr wie oben bestimmt oder wahlweise einen ent> sprechend der Vorschrift in d) oben festgesetzten Betrag. Bei fort. schreitender Zahlung vermindert stch der zu zahlende Betrag auf denjenigen, der in dem Jahre erforderlich ist, um di« Zinsen und die Amortisation aus die dann ausstehenden Schuldverschreibungen zu zahlen. Deutschland soll innerhalb von 25 Tagen von dieser Benachrichtigung an bezahlen eine Milliarde Goldmark in Gold oder anerkannten Devisen oder in deutschen Schatza»- Weisungen mit 5 Monaten Laufzeit, die das Jndostament anerkannter deutscher Banken tragen und in London, Paris. New Park oder jedem andern von der Reparationskommission' bezeichneten Platze zahlbar sind. Diese Zahlungen werden als die beiden ersten Viertel- jahresraten der vorgesehenen Zahlungen behandelt werden Die Garantlekommission tritt i» 25 Tagen zusammen. Sie soll bestehen aus Lertretern Belgien», Frankreichs, England, Italiens, Japans und Amerikas, ivenn diese» vertreten sein will. Auch andere Mächte, deren Ange- hörig« deutsch» Schuldverschreibungen besitzen, sollen vertreten sein können, aber nicht mehr als drei. Die Kommission soll die Verwen» düng der von Deutschland al» Sicherheit verschriebenen Fonds(Zölle, Ausfuhradgade, sonstig» Steuern) überwachen. Der Gegenwert der deutschen Abgab« soll in deutscher Währ»nß von der deutschen Regierung oa den Exporteur bezahlt werden. Die Kommistion soll nach Art der Reparationskommistion oo» Zelt zu Zeit die deutsche Leistungsfähigkeit prüfen und berechtigt sein, Mahnahmen zur zweckmäßigen Erledigung ihrer Arbeit zu ergreifen, nicht aber, sich in die deutsch» Verwaltung»in zu« mischen. Deutschland soll die Ausführung des englischen Gesetze» über die deutsche Ausfuhrabgab«, solange es besteht, in jeder Weise erleichtern und den Exporteuren den Gegenwert in deutscher Währung bezahlen. Sagen wir Rew, so besetzt sie das Ruhrreoier und hält es besetzt, solange bis wir Ja sagen oder bis sie sich 'elber eines Besseren besinnt. Die Frage ist dann nur, was mher kommt: unser Ja oder die bessere Besimrung auf der anderen Seite. Die Besetzung sondern eine kr i e g e ri s l Entente .WVWlll«L.. I«per._____ WWW densuertrag» hatte. Mit seiner Äusführuna wird ob etzt selber «ruft gemacht, und Deutschland wird gefragt, damit ernst machen will. Man kann über das Finanzdiktat nichts sagen, was«an nicht schon über den Friedensvertrag gesagt hat. Daß man uns die Gurgel zuschnürt, daß man uns die Beine abschneidet und uns dann auf dem Seil zu tanzen befiehlt, das alles ist schon damals gesogt worden. Bon deutschen und ausländischen Rationalökonomen sind zahllos« Schriften geschrieben worden. in denen bewiesen wird, daß der Vertrag unausfübr» bar ist. Die Entente besteht aber darauf, daß der versuch gemacht wird. des Ruhrreviere ist keine vertragsmäßige, .. e Handlung. Wie diese kann die ede andere Gewälttat ausführen, um endlich die deutsche Zustimmung zu' müssen also jetzt entr sti verharren, alles chwach zu werden, oder wir müssen den Mut haben, j e'tzt— >enn jeder spätere Umfall, jede Verschiebung macht die Sache nur noch schlimmer— die furchtbare Operation der finanziellen Aussaugung über uns ergehen zu lassen in der Zuversicht, daß schließlich auch der Operateur ein Interesse daran hat, den Patienten nicht an Blutverlust sterben zu lassen. Die wichtigste Frag« ist, ob«ine Erfüllung der Dedkn- gungen wenigstens für einige Zeit möglich ist, bis die G a r o n t i e k o m m i f s i o n, die die Hand an unserem Puls hält, ihre Erfahrungen gemacht haben wird. Aber soviel scheint sicher zu sein, daß es uns nicht bester gehen wird, wenn wir Nein sagen, als wenn wir Ja sagen. Unser Ja ist eine nochmalige Bestätigung unserer Niederlage und Ohnmacht, unser Nein ist der Triumph des militaristischen Frankreich, das dann mit Mngendem Spiel ins Ruhr- revier einmarschiert. Das ist die Wahl, vor der wft stehen! In den bürgerlichen Parteien soll die A b l e h n u n g s- stimmung wieder stark gewachsen sein. Ob sie aber im- stände sein würden, eine Regierung zu bilden, die die Ab- lehnungspolitik konsequent durchführt und aufrechterhält, ist noch sehr die Fragr___ Ausfuhr und VieSergutmachung Bon Dr. Max O n a r ck. Unter dem brutalen Druck, unter den uns die E n t e n t e in dieser Woche vor die allerletzte Entscheidung gestellt hat. kommt Dielen von uns zum Bewußtsein, wie wenig doch die breite Oeffentlichkeit und die Wählerschaft an der Einzel- diskusston der Wiedergutmachungsvorschläge teilgenommen haben. Gewiß: es bleibt ein großes Verdienst der Gewerk- schasten, die speziellen Wiederaufbauoorschläge für Nordfrank- reich entworfen und gefördert zu haben. Daneben hat die Handels- und Börsenpresse gewisse Seiten der Wiedergut- machung erörtert. Aber schon die gesetzlichen Vertretungen von Handel und Gewerbe haben wenig zur Klärung der Rc- parationssrage mit Bezug auf die Tragfähigkeit Deutschlands geleistet und in weiteren Kreisen vollends ist man selten zu einem gründlicheren Durchdenken der Wieder- gutmachunassragen nach der volkswirtschaftlichen Seite getom» men. Außer den Reglerungssachverständigen, die aber zum größten Teil stark beteiligte Interessenten statt wett- stchNger Volkswirte waren, hat sich mit der genauen Prüfung unserer Leistungsmöalichkelten die volkswirtschaftliche Welr kaum»ingehrnder deschästigt, von ein paar rühmlichen Aus- nahmen abgesehen. Diese geringe Teilnahme der Allgemeinheit«n der volkswirtschaftlichen Organisationsardeit d«r Wiedergut- machung hat ihre guten Gründe. Sie liegen nicht bloß darin, daß der Durchschnittsdeutsche noch gar zu gern Regierung und Bureaukratie für sich arbeiten läßt und sich aus das Kritisieren beschränkt: sie liegen auch nicht allein darin, daß die politische Presse in ihrer heutigen Zwangslage nattirgemäß für tiefer- gehende volkswirtschaftliche Betrachtungen weder Zeit noch Raum besitzen kann. Vor allem hat die G e w a l t s a m k e i t, mft der die Entente Deutschland zur Zahlung mit der Pistole vor der Stirn drängen wollte, den Widerspruch und die Em- pörung geweckt und damit von vornherein ruhige und sachliche Erörterungen gehindert und gestört. Jeder, der zur Leistung�- frage mit eigenen Ueberlegungen etwas zu sagen hatte, fühlts sich von den Methoden der Entente zurückgestoßen. Diese aber drängte uns von Tag zu Tag dem Abgrund näher und sör- derte die reaktionären Strömungen, die von der Hetze gegen die Republik und gegen ruhige wirtschaftliche Ueberlegungen leben. Und nun stehen wir in der letzten Periode lebenswichtigster Entscheidungen, ohn? viel mehr an Eigenem zur Lösung der volkswirtschaftlichen Probleme beigetragen zu haben, als uns der Außenminister und die Sachverständigenkommissionen vorfetzten. Nur eine ganz kleine Zahl von Fachvereinigungen und ein noch kleinerer Kreis uoit Nakonalökonomen hat sich um die Aufsindung vnd das Studium von solchen Lösungen der Reparationsfrage de- müht, die Deutschland wirklich tragen könnte und die doch berechtigten Anforderungen entgegenkommen. In den Mittelpunkt ihrer Forderungen scheint nun die Gegenseite und namentlich England in diesen entscheidenden Stunden die E x p o r t a b g a b e zu stellen. Nach der Samm- lang von Aktenstücken über die Verhandlungen der Sach- verftändigenkonferenz zu Brüssel vom 16.— 22. Dezember 1920, die dem Reichstag kürAich zuging, ist in den damaligen Fragen der Alliierten, die von Deutschland beantwortet werden mußten, von einer Erportabgabe noch keine Rede gewesen. Dann taucht sie zuerst in den Pariser Beschlüssen vom Januar 1921 auf. wo die 42 beweglichen Annuitäten, welche vom 1. Mai d. I. ab zu laufen beginnen, je 12 vom Hundert des Wertes der deutschen Ausfuhr betragen, von dem Ertrag dieser Ausfuhr vorweg erhoben werden und in Gold zwei Monate nacb Ablauf jedes Halbjahres zahlbar fein sollen. Diese 12 Proz. sind dann in den Londoner Straffestsetzungen gegen Deutichland auf 50 Proz. gesteigert worden. Seitdem hat England immer wieder in der Presse betonen lassen, daß seiner Ansicht»ach liier das Mittel der Verständigung gegeben sei. Es komme ihm gar nicht so sehr aus die 50 Proz. an, als darauf, daß sich Deutschland auf eine regelmäßige Ab- gäbe von seiner Produktion verpflichte. Man könnte, so hieß es erst letzter Tage in der englischen Presse, bis zu 30 Proz. heruntergehen, wenn der Ertrag nur einigermaßen bei der Erhebung durch deutsche Mitarbeit sichergestellt werde. (Nach den letzten Nachrichten sollen 25 Proz. vorgeschlagen werden. Red. d. V.) Wenn diese Neigung wirklich vorhanden ist, so mag sie nicht wenig dadurch gefördert worden sein, daß sich die Ein- ietzung des Strafzolls an der Westgrenze ohne die Mitwirkung Deutschlands bekanntermaßen sehr schwierig für die Entente gestaltet hat. Man hat drüben seit London einiges hin, zu- gelernt. Aber ebenso richtig ist, daß der Gedanke, unsere Re- parationsschuiden von gesteigerter Produktion für die Ausfuhr zu zahlen, auch in Deutschland mehr Anhänger besitzt, als es die offiziellen Verlautbarungen haben erscheinen lassen. Es käme nur darauf an. ihn durch deutsche Mitarbeit in letzter Stunde in eine Form zu bringen, die deutschen Interessen gereckt würde. Es handelt sich nämlich dabei um die Herairziehung derjenigen deutschen Einkommensteile aus einer Steigerung der Produktion, die allein eine Wegsteuerung ertragen können, weil sie in der Tat keine notwendigen Bestandteile des Wieder- '«ufbaus sind. Das sind die K a p i t a l p r o f i t e, die über : einen bestimmten Prozentsatz hinmissteigeu und keine volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten mehr, sondern Phantasie- gewinne darstellen. Beispiels für das massenhafte Bor- handensein dieser Uebergewinne selbst während der zwei Not- jähre, die Deutschland nun hinter sich hat, brauchen nicht ange- führt zu werden; sie sind jedermann bekannt. Sie wandeln sich vielfach auch noch in auswärtige Devisen um und fließen gar nicht nach Deutschland zurück, sondern werden von auswär- tigen Kunden deutscher Kapitalisten in fremder Währung bei ausländischen Banken«ingezahlt. Diese Uebcrgewinne sind außerdem die letzten und tiefsten Ursachen der fürchterlichen Ueberteuerung. der Lohn- nnd Gehaltsstcigerungen, und schließlich der Papicrgeldwirtschaft und Geldentwertung, unter niciucii wir in Deutschland leiden. Wenn die beiden letzteren »erschwänden, würde dadurch allein die deutsche Volkswirt- fchaft um ein gutes Teil gesünder. Nur die Bezieher jener Gewinne selbst haben triftigen Grund, sich gegen eine Schinälerung zu sträuben. Daß ihr Gegen interesse bisher bei der bürgerlichen Reichsregierung und ihren Sachverstän- digenkommiision ausschlaggebend sein konnte, das be- deutet die furchtbarste Anklage gegen diese Stellen. Es besagt zugleich, wie« stark kapitalistisch beeinflußt unsere Sachver- ständigenkommissionen sind, weil sie in der Hauptsache Jnter- Schule unö Kunst. In der Semeindesesthalle zu Lankwitz fand am Mittwoch iiachtnittag und während des ganzen Donnerstags bei starker Be- teiligung eine Tagung/ des Bundes entschiedener Schulreform er statt. Das Thema lautet«:.Schule und Run st". Es handelte sich dabei nach Paul Oe st reiche Ein- leiiungsworten nicht etwa um eine Erziehung zur Kunst oder durch die Kunst im Sinne der alten Lernschule mit ihren wissenschaftlichen Zielsetzungen. Das wäre nur eine Verschiebung des Irrtums aus ein anderes Gebiet, vom Verstand aus das Gefühl, von einem Spezialgebiet auf das andere. Dem Leben gilt es ans Tageslicht zu rerhelsen. Der Weg ist die Befreiung und Weckung oller schöpferischen Kräfte des Kindes. Franz Hilter, der Veranstalter der Tagung, warnte in seinem grundlegenden Vor- trag vor der Arrwechflung dieser Betätigung mit Künst, dem Aus- druck eines reifen Menschen. Das Wesen des Kindes ist der Drang, sich allgemein, rein menschlich zu entwickeln. Und wenn dem jungen Atenschen sein ganzer Mensch zum Bewußtsein kommt, kann er eine Arbeit leisten. Dann ist sie Ausfluß seines Lebens, und er kann sie als sein Leben lieben. Damit ist er erst fähig, seine Teilarbeit im ganzen zu leisten, damir wird seine Arbeit zur Arbeit an der Kultur, während die vergangene Epoche ihre mechanische Ausbildung einzelner Fähigkeiten auch mechanisch zusammenleisten mußte. Roch Hiltens Vortrag zeigte der Künstgelehrte Oscar Wulfs sehr iuterejsnnte Beobachtungen und Erklärungen der ersten zeich- nerischen und plastischen Aeußerungen des Kindes. Der Gesanglehrer Walter Kühn trat dafür ein, den Gesang- Unterricht im oben erläuterten Sinne der Entwicklung des Lebens dienstbar zu machen, und erwähnte, daß die bisher als Ziel ange- strebte technische Fähigkeit im sinnvollen Unterricht auch sekundär und sicherer erreicht wird, als auf dem organischen Wege. Der allgemeine Teil der Tagung wurde mit Siegfried S o w e raus Bortrag über Rhythmus beschlossen. Er füg»? lucb'�re Deklamationen«in, und seine Wort« wurden selber rhiiti» misch überströmt von seinem Leben. Darauf begann«» die Borschläg« mit Otto Ostrowskis Versuchen, die Morionettenbühnen dem kindlichen Ge- staltungsdrang als eine ihm gemäß« Arbeits-, Anschauungs- und Vergnügungsstätte dienstbar zu machen. Erwin Heckmann zeigte an Hand zahlreicher Schüler- arbeiten seinen Zeichenunterricht. Er gab damit ein Rares Beispiel des naiven Lehrers, der dem Kinde all« Möglichkeiten zur Betätigung öffnet und freiläßt. Ihm gilt nichts wie die eigene Entwicklung des Kindes. Nur so, durch die organische Entwicklung aus sich heraus, können dt« Kinder sich der fremden Einflüsse wie ihrer eigenen Schalen entledigen. Was Heckmann gelebt hotte, erläutert« Otto Möller, abge- sehen von einigen Gegensätzen zu ihm, unter Berücksichtigung der durch die»jychalogrsche Forschung jestgestellte» Entwicklungsstufen essenten statt uninteressierte Volkswirte umfassen. Die Massen des deutschen Bolks dagegen haben nicht das geringste Interesse am Schutz der phantastischen Unternehmergewinne vor dem Zugriff des Reichs. Ihre Einkassierung zu Reparations- zwecken stört in keiner Weise den Fortgang der deuffchen Volkswirtschaft. Ihre ungestörte Anhäufung steigert nur die K a p i t a l i st e n ü b e r m a ch t ins Ungemessene und die sozialen Gegensätze in das Unhaltbare. Man könnte recht gut noch jetzt auf die Aermögenssummen zurückgreifen, die durch jene Anhäufung seit zwei Iahren neu entstanden sind. Daß Minister Simons endlich und schließlich in seiner ersten Reichsiagsrede zur deutschen Note an Amerika, wenn auch mit starkem Borbehalt, den Zugriff auf solche Vermögen als eine nicht mehr vermeidbare Maßregel ankündigte, zeigt, wie sehr sich die Macht der Tatsachen selbst gegen eine b ü r- g e r l i ch e Regierung durchsetzt. Unter solchen Umständen ist die Entfernung zwischen dem- jenigen, was die Entente mit einer Erportabgabe, wenn natür- lich auch nicht in einer Höhe von 50 Proz. erreichen will, und zwischen demjenigen, was als Inanspruchnahme deutscher Unternehmergewinne zu Reparationszwecken im eigenen Interesse Deutschlands liegt, nicht mehr unüberwindlich. Die Entente müßte auf diegewaltsameundwill- kürliche Art der Eintreibung verzichten, und Deutschland müßte das Inkasso nach vernünftigen Maßstäben durch eine geordnete Erhebung sicherstellen. Eine Einigung darüber müßte in den allernächsten Tagen erfolgen, dann wäre man ein großes Stück ohne Gewaltsamkeiten weiter- gekommen. Wie Deutschland die Ausführung besorgt, kann ebenfalls bald entschieden werden. Man kann an eine neue Bermögensabgabe oder an deutsche Aussuhrzölle denken, viel- leicht an eine Verbindung beider Maßnahmen. Die allge- meine Vermögensabgabe brauchte dann nicht so hoch zu sein. Das mögen in Kürze finanzielle Techniker entscheiden. Die Vor- und Hauptentscheidung aber ist p o l i t i s ch und volks- wirtschaftlich und muß von uns allen, ganz beson- ders aber von der deutschen Arbeiterklasse noch im letzten Zlugenblick mttbetrieben und mitverantwortet werden. Unabhängige Regierungskunft. In jedem parlamentarifch regierten Land, namentlich in der französifckien Republik, ist es bei jeder Ministerkrise üblich, daß daS StaoiSoberbaupt die Führer der in Beirachl kommenden Parteien sowie den Präsidenten de? Parlaments zu sich bittet, mit ihnen über die Lage beratet, d. h. sich von ihnen beratschlagen läßt. Erst auf Grund dieser Konferenzen beauftragt er einen be- stimmten Politiker mit der Bildung des neuen Kabinetts. Dieses Vorgehen entspricht nicht nur den Formen, sondern auch dem Wesen der parlamentarischen Temolratie. Die.Freiheit' weiß die? alles ebenso gilt wie wir. Aber in ihrem blinden OppositionSeifer gegen jeden, der eine amtliche Stellung bekleidet, wirft sie dem Reichspräsidenten E b e r t sowohl die Tatsache dieser Besprechungen vor, wie auch ihre bisherige Ergebnislosigkeit! Sie bezeichnet die Konferenzen mit Parteiführern als.durchaus überflüssig' und nennt das Vorgehen EbertS.außerordentlich ungeschickt'! Der Reichspräsident habe. I e d i g I i ch(!) die Persönlichkeit zu ernennen, die sich der Aufgabe der Zusammenstellung des Kabinetts zu unterziehen hat'. Der unbekannte Staatsmann, der sich also in der.Freiheit' anSläßi, macht sich die Kritik wirklich allzu leicht. Würde Ebert den Reichskanzler ohne vorherige Fühlungnahme mit den Parteien er- nannt haben, so wäre die.Freiheit' berechtigt, von.persönlichem Regiment' zu sprechen, und sie würde sich diese Gelegenheit sicherlich nicht entgehen lassen. Aber sie bringt eS fertig, den Spieß nmzo- drehen und dem Reichpräsidenten eben wegen dieser Konferenzen ....Politik auf eigene Faust' vorzuwerfen l Da hört wirklich jede Logik, ober auch jeder gute Glauben auf! des Kindes in seinem Bortrag über Ziele und Weg« des Zeichen- Unterrichts. Fritz Jode veranschaulichte sehr klar da, Verhältnis der Musik zur Kultur und damit den heutigen Stand des Volkes zur Musik. Ein formaufbauender Unterricht wird in der Musik wie auf anderen Gebieten immer erst möglich fein, wenn die Kultur eine gewisse Höhe erreicht hat. wo die Auseinandersetzung mit dem Sinn der Zeit schon«in« gewisse Form angenommen hat. Heut«, am Anfang einer Kulturepoche, ist lediglich ein naives Verhältnis des Lehrers zum Schüler möglich. Er kann nur fördern, indem er den Gestaltungstrieb des Kindes zu locken versucht. Wo der hin muß, weiß er ebensowenig wie das Kind, als eine ältere Generation viel- leicht weniger als das Kind. Was Heckmann gelebt und Möller erläutert, hat Jode aus feiner Kulturauffassung heraus bewiesen.— Die Reih« der Musiker war eröffnet worden durch den bedeu- tenden Vortrag von Heinrich I a c o b y. Er ist bestrebt, das musikalische Ausdrucksvermögen der Menschen, das nach seinen Er- fahrungen, abgesehen von einigen seltenen Ausnahmen, in allen steckt, in gleicher Weise zu wecken, wie das im Wort bereits geschehen ist. Cr wehrt dabei die Verwechslung zwischen musikalischem Aus- drucksvermögen und Kunst ab mit dem Hinweis auf den uns ge- läufigen Unterschied zwischen Wort und Dichtung. Den Schluß der Tagung bildeten Bersuche zum tiefsten Aus- leben unserer Gestaltungskraft, dem L-ben am nächsten, im eigenen Körper. Die Vorführungen der Schulen Dalcroze von Elisabeth Hapke-Kemmer und Rhoden-Langgaard von Grete Fuchs zeigten Wege, die erster« noch abhängig von der Musik, die zweite aus dem Körper selber heraus.— Oestreich drückte die allgemeine Stimmung aus, als er die Tagung als ein Fest bezeichnete. Sie war keine Zusammenkunst In- terefsiertcr, kein Forschcrkongreß, sondern es hatte sich eine Schar von Menschen zusammengefunden aus dem Bedürfnis noch dem Leben heraus. Ein solche-z organisches Ineinanderstreben von Men>ch?n ist ein Fest, ein Erlebnis, eine Kundgebung der Lieb-, KonradLiefegang. Ztgote. Es gibt heute wenige Dichter, die zugleich nationale Künstler und Vertreter der Weltliteratur sind. Einer dieser wenigen ist Togore, der indische Dichter. Denker und Seher, der am 7. Mai seinen 60. Geburtstag begeht. Togores Wesen und Werk gehört heute der ganzen Menschheit an; in der alten wje in der neuen Welt iverden seine Gedichte gewürdigt, seine Dramen aufgeführt, ist seine Weltanschauung den Suchern nach Wahrheit und Schönheit ein Wegweiser Ein Zufall war es, der den Inder zur internationalen Berühmtheit machte: die Verleihung des Rabelpreifes im Jahre 191,1, veranlaßt durch sein erstes von ihm selbst in die englische Sprache übertragenes Gedichtbuch„Gitanjali'. Und doch hat dieser Zufall einen tieferen Sinn, denn wohl in keinem anderen Schriftsteller unserer Tage schlägt so das Herz der ganzen Welt, wie in diesem Sproß einer uralten Brahmanenfamilie, m dem di« wundervoll« Harmonie vergangener Kulturen neu erweckt ist. Aber lange bevor «r zum Weltdichter wurde, war lag«« bereit« der Sänger sein« Vereinigungsbestrebungen in Südwest- öeutfchlanö. Stuttgart. 6. Mai.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärt»'.) I» der badischen Industriestadt Pf o r z h e i m nahmen am Himmel- fahrtstage dreihundert sozialdemokratische Gemeinde» Vertreter aus dem Amtsbezirk Pforzheim und den angrenzenden württembergischen Oberämtern zur Frage des Zusammenschlusses von Baden, Württemberg und den Hohenzollsrnlanden Stellung. Das einleitende Referat hielt der Reichstagsabgeordnete Genosse Geck- Mannheim. Die Grenzverhältnisse in diesen Ländern wie das Schicksal Deutschlands überhaupt zwingen förmlich zu diesem Vereinigungswerk. Besonders die Grenzverhältnisse im Bezirk Pforzheim feien nicht nur unnatürlich, durch Willtürakt« Napoleons geschaffen, sondern unnütz und der wirtschaftlichen wie kulturellen Höchstleistung der Länder hinderlich. Was in deil Tagen der Revolution hier versäumt worden sei, müsse nun- mehr mit größter Mühe nachgeholt werden. Es sei höchste Zeit, die Grenzpfähle zwischen Baden, Dürltemberg und hohenzolleru verschwinden zn lassen. Nur viereinhalb Millionen Einwohner zu- sammen in Baden und Württemberg leisteten sich zwei Stams» Ministerien, Zwei Volksvertretungen, zwei Eissnbahngencroldirektio- nen, usw� Auch die Schweiz werde den Zusammenschluß dieser drei Länder begrüßen. Die sozialdemokratischen Vertreter stimmten dem Referenten in allen Teilen lebhaft zu. Sie beschlossen einmütig, einen Arbeits- a u s s ch u ß zu gründen, der aus badischen und württembergischen Genossen zusammengesetzt sein soll. Dieser Arbeitsausschuß soll un° verzüglich die Arbeiten für den Zusammenschluß der drei Länder in Angriff nehmen. � Ferner nahm die Konferenz einstimmig eine Entschließung an, worin die Regierungen von Baden und Württ emberg aufgefordert werden, unverzüglich Maßnohmen zu ergreifen, um die Bereinigung von Baden und Württemberg allerschnellstens herbeizuführen._ Das Attentat auf werk Unterspree. Die kürzlich vor dem Sondergericht Berlin I stattgesundene Der- Handlung gegen di« Teilnehmer an dem Dqna mitanschlag gegen das Kabelwert Unterspree hatte gestern noch ein Nachspiel vor demselben Sondergericht. Unter den damals An- geklagten befand sich auch der Former Ernst Hetzer, gegen den das Verfahren ausgesetzt werden mußte, weil er«inen Alibi be- weis angetreten hotte. Er stand gestern unter der Anklage des Landesverrats, des Berdrechens gegen das Sprengstoffgesetz und des Verbrechens gegen das Entwaffnungsgesetz. Der Angeklagt« gab zu, daß er in dem Lokal Bergmonnstraße 1, wo eine Bczirksversamm- lung der Kommunistischen Partei stattgesunden, verkehrt habe, bestritt ober, an dem Attentat irgendwie beteiligt gewesen zu sein. S ü l t will er überhaupt nicht gekannt haben. In der Boruntersuchung hatte er Einzelheiten über das Auftreten Sülts in jener Dersamm- lung und dessen Aufforderungen, zur Unterstützung des kommu- mstischen Aufftandes in Mitteldeutschland große Betrieb« zu sabo- tieren und den Generalstreit herbeizuführen, bekundet, er behaupteie aber gestern, daß diese Bekundungen nur die Vorhaltungen seien, die ihm der Kriminalkommissar gemacht habe. Er wisse von dem Anschlage nichts und habe daran auch nicht teilgenommen. Die Alibizeugen konnten beweiskräftig« Bekundungen zugunsten des Angeklagten nicht machen, insbesondere macht« die Frau desselben� die dafür benannt war. daß der Angeklagte in der kritischen Nacht Hause gewesen war, von ihrem Recht zur Z e u g n i s v e r w e i g e- rung Gebrauch. Das Gericht verurteilt« den Angeklagten zu SIahren und 5 Monaten Zuchthaus und Zulössigkeit der Polizeiaufsicht._ „Degen Versuches eines moralischen und politischen Meuchelmordes" beantragen die KAPDisten P s e m s e r t und Rühle bei der Geschöstsordnungskommission des Preußischen Landtages Er- laubniserteilung, gegen den Landtagsabgeordneten Werner Schalem, den verantwortlichen Redakteur der„Roten Fahne', Strafverfolgung einzuleiten. Bekanntlich war in der„Roten Fahne' den beiden Antragstellern Unterschlagung von KlXKXI M. vorgeworfen worden. Volkes. Tagores Kunstdichhmg ist zum Volkslied geworden, vnd seine Verse werden vorgetragen, soweit die bengalische Sprache re?l»ji. Wir haben nur einen blaffen Abglanz dieser wundervoll tönenden Rhythmen in den Prosaübertragungen di« uns nur den Inhalt, nicht die Form übermitteln können. Aber die innere Größe dieses Poeten offenbart sich darin, daß auch noch in so unvollkommener Wieder- gab« die Kraft seines Erlebnisses ergreifend zu uns spricht. Taaore ist seiner Begabung nach Lyriker, ober cr hat auch im Drama und in der Erzählung Großes geleistet, und nichts anderes führt uns so«in in die Mystik indischen Denkens, wie seine Bühnenwerke, nichts bringt uns die Tragik des gegenwärtigen indischen Lebens so nahe, wie sein Roman, wie seine Novellen, die alle im heutigen Bengalen spielen. Und der Lyriker ist auch ein Seher und Prophet, der seine Religion des Friedens, der Freude und Menschenliebe in großartigen Reden und philosophischen Bekenntnissen niedergelegt hat, der als der Sprecher eines politisch unterdrückten Bolkes zum„Gewissen der Welt' geworden ist und gerade uns tief aus der Seele redet. » Der Kurt-Wolff-Derlag, der die deuffch« Ausgabe von Tagores Schriften besorgt, brachte zu seinem Geburtstage seine unter dem Titel„Sadbana'(Der Weg zu? Vollendung» gesammelten Ab- Handlungen oder Andachten heraus, worin er seine in altindischer Anschauung wurzelnden Gedanken über den Einzelnen und die Welt, die Selbstoerwirtlichung in Liebe, im Handeln u. a. darlegt. Fach, der Friedensfreund. Zum Gedächtnis des Todestml�-. Napoleons I. haben die„Times' eine Sonderbeilage herausgegebefi, die auch eine Studie aus der Feder des Marschalls Fach enthält. Der Verfasser beschäftigt sich zunächst mit der Frage, wie wohl Napoleon, wenn er aus seinem Grabe im- Invalibendom erstanden wäre, die raffinierten modernen Kampsmittel zur Erreichung seines strategischen Endzwecks oerwendet hätte. In der Folge untersucht dann Foch die Gründe, die den Fall Napoleons herbeigeführr haben. Er legt da- bei der Tntsache, daß der Kaiser im Jahre 1814 bereits von der tückischen Krankheit, der er erlag, ergriffen worden war, nur geringes Gewicht bei. Usber den letzten Grund seines Falle? äußert sich Foch in den Worten:„Er vergaß, daß ein Mensch nicht ein Gott sein tonn, daß über dem Menschen die Moral steht, und daß der K r i e g nicht da» höchste Ziel sein kann, weil höher als der Krieg der Friede zu achten ist.' Schade, daß Marschall Foch aus seiner schönen Theorie mck» die praktisch.!n Folgerungen zieht. Oder ist die Bergrwaltigung. Ausplünderung und Aushungerung eines Wehrlosen nicht noch tausendmal unmoralischer als der ver- abscheute Krieg?_ VortrazSabend. Von der ArdeiterkimstauSfielluns wird ,�-a. 8 Ubr, im Mcistcrsaal ein Vorttagsabend veranstaltet: Dichtungen von Berta Las?. Ter Schriftsteller und unser« Zeit. In der vom Schutzvcrdand Deut« scher Schriststeller beute abend 8 llbr veranstalicten öffentlichen Berlamm- lung im frübercn Sctrcnhau? spricht Adele Schreiber über die„Proletari- sierung des Geistes Dr. Dödlin über Ter Scbrtf'steller tmd der Staat' HanS Kyser über„Boll und Buib" und Roesch über die„Rcich-kulUlv- abgade". Ter Eintritt ist unentgeltlich. Als Verband der freie»«ühnenlünstler haben, sich die Prominenten konstituiert. Also aus lauter Feind'-Haft gegen die Zwangsorgamsatian haben die iireiheitSruser ein« neue Organisation geschaffen und erheben auch schon Beitrage. Man rühmte sich sin der Rachtnerianimlungs, 350 Mitglieder Ii haben und variierte die alten Tiraden— zum Beweis dalur daß diese Solisten nnd Eingang« ümn«»»ch«cht Iviss«», wag f\p, OigaiiieiMi qL Nr. 212 ♦ ZS. Jahrgang Heilage des Vorwärts Sonnabend, 7. Mai 1921 GroßSerlm Mietspreisfteigerung... in dieser Zeit. Man schreibt uns: In der vorigen Woche brachte der„Vorwärts" die Mitteilung ?lnes Mittagblattes, nach der die Berliner Mieten um SV— 60 Proz. erhöht werden sollten. Schon diese Nachricht allein wirkte alarmierend. Nun kommt die Nachricht, daß der in Sachen der fjochsttnieten von der Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählte Sachverständi- genausschuß einen chöchstmietenzuschlag von 100 Proz. vorgeschlagen habe. Ganz gleich, ob dieser wahnwitzige Vorschlag im Ernst ge- macht worden ist oder nicht, es muß doch den Herrschaften, denen offenbar so sehr daran gelegen ist, daß die Oeffentlichkeit in dieser Zeit durch solche Tartarennachrichten in Erregung versetzt wird, ein sehr ernstes und sehr eindringliches Wort gesagt werden. Wir sagten absichllich: In dieser Zeit. Denn noch zittert in allen Menschen von Groß»Berlin die Erregung über die leider wieder notwendig gewordene Erhöhung der Preise für alle Berkehrsmittel nach. Zum Zerreißen find die Nerven ob der auswärtigen Ange- leger, heiten angespannt. Dazu die allerpersönlichsten Nöte: Arbeits- lofigkeit, Invalidität, Krankheiten aus dem Krieg, Verelendung der Kinder. Und in diese Stimmung hinein wird nun ein solcher Vor- schlag gemacht. Sei es auch nur Dorschlag, er genügt, um die Empörung der Massen zur Siedehitze zu steigern. Denn was wäre die Folge, wenn der Dorschlag auch nur teilweise durchginge? Die bare blanke Unmöglichkeit Tausender von ProletarierfamMen, irgendeine Mieterhöhung zu zahlen. Weitere Folge: Brutale Ex- mittierungen. Letzte Folge: Riesenhafte» Anwachsen der Unzu- friedenheit und Verzweiflung und damit innerpolitische Störungen von unabsehbaren Folgen. Hier an dieser Stelle wird die kommunal« zu einer staatspolitischen Frage. Aber die Hauswirte, sagt dieser und jener, können mitunter wirklich nicht mehr weiter. Wenn dem so ist, dann muß doch ein- mal gefragt werden: Wer trägt denn die Schuld daran, daß die Wirte alle ihre Reparaturen um ein Beträchtliche» höher als im Frieden bezahlen müssen? Etwa die Masse de» Volke», die Ihren ganzen Lebensbedarf um 1S00— ZOOO Proz. teurer als im Frieden bezahlen muß, deren Einkommen aber nicht entfernt so gestiegen ist, daß sie diesen Lebensbedarf bezahlen kann? Mögen die Haus- besstzer sich an dl« einzig Schuldigen an diesem ganzen unsäglichen Elend wenden, mögen sie sich an die deutschen Kapitalisten und Pro- duzenten wenden, die heute schon so weit sind, daß sie ihren Aktio« nären neue Aktien zum Nennwert von 1000 M. geben, die die Herren Aktionäre sogleich, gemäß dem Börsenkurs, zu 6000 M. wiederver- kaufen können, weil die Unternehmer nicht mehr wissen, wo sie mit den unermeßlichen Reingewinnen hin sollen, denselben Reingewinnen, die alle Preise für Materialien so enorm gesteigert halten. Plenn die bürgerlichen Hauswirte weiter wie bisher die starken Stützen der Privatwirtschaft sind, dann sollen sie auch die Folgen tragen, die ihnen diese Wirtschast aufbürdet. Die Massen der De- völkeruna, die Arbeiter, Angestellten, Beamten, Lehrer und Geistes- arbeiter sind am Ende ihrer materiellen Leistungsfähigkeit. Der Prozeß gegen den Eöen-d!rektor. Lirndörfer freigesprochen. Die umfangreiche Beweisaufnahm« siel in der Frag« der Be- stechung wesentlich zugunsten des Angeklagten aus: es tonnte nicht erwies en werden, daß er durch Geld auf zwei Wachtmeister einge- wirkt habe, um ein« Beschlagnahme von Schleichhandelsware zu ver- hindern Die in Frag« kommenden beiden Beamten wiesen mit Entrüstung den Verdacht zurück, für diesen Zweck tätig gewesen zu sein. oder dafür auch nur einen Pfennig Geld erhalten zu haben. Auch ander« Zeugen, aus deren früher« Aussagen die Anklage zum Teil beruhte, gaben diesen Bekundungen ein« dem Angeklagten günstigere Deutung.— Etaatsanwaltschast-rat Gentz hielt den Beweis für das Vergehen der Bestechung für erbracht und beantragte 6 M o- nat« Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Friedemann er- widerte, es sei erstaunlich, daß der Staatsanwalt nach der heMigen Beweisausnahme sich nicht dazu auffchwingen konnte, die Frei- sprechung zu beantragen. Di« ganze Entwicklung dieser Strafsache und der gewaltig« Apparat, der vom Staatsanwalt in Bewegung gesetzt worden sei» erinnere doch sehr an das alte Wort: Pertununt inontes, nascetur ridiculus mus!(Die Berge kreißen und ein Maus- lein wird geboren» oder kurz: Biel Lärm um nichts. D. Red.)— Rechtsanwalt Dr. Alsberg widerlegte in rechtlichen Ausführungen die Ansicht des Staatsanwalts, daß gegen den Angeklagten wegen der außerdiensllichen Inanspruchnahme von Polizeibeamten, die nicht einmal bekannt seien, der Bestechungsparagraph anzuwenden fei. — Rechtsanwalt Kohl(München) schloß sich den Mitverteidigern an.— Das Gericht beschloß die Vereidigung der beiden als Zeugen vernommenen Polizeiwachimeisier. Das Urteil lautete aus izrei- sprechung de» Angeklagten, da er nach Anficht des Gerichts zwar der Bestechung verdächtig sei. aber mangels Aufklärung ver- schiedener Punkte nicht verurteilt werden konnte. Wa, gegen den Angeklagten festgestellt worden sei, reiche zur Anwendung des Be- f chungsparagraphen nicht aus. Wenn der Angeklagte Polizeibeamt« l'-x Anspruch genommen habe, um Diebstähle zu ermitteln während thr-r dienstsreieo Zeit, so sei darin Strafbare» nicht zu erkennen. Max im Reisekoffer. Ein schlauer, durch Zufall vereitester Diebesplan führte die Artisten Max und Paul Arndt vor die 1. Strafkammer de» Land- gerichts II. Wie die beiden Brüder in der Voruntersuchung einge- standen, hatten sie den Plan gefaßt,«inen Eisenbahndiebstahl zu be- aeben Sie besorgten sich, wie die Anklage nach diesem Gestandn»» behauptet, einen großen Reisekoffer: Max Arndt legte in diesen allerlei Einbrecherwerkzeug, wie Stemmeisen. Dietriche, eine La- »orne und Nahrungsmittel und ließ sich dann von seinem Bruder in den Koffer einschließen. Diesen Koffer gab Paul Arndt in Neu- kölln auf einen Duplikatstachtbries nach Spandau auf und bezeich- ncte sich aus dem Frachtbrief als Empfänger. Wenn der Koffer mit dem darinliegenden Max sich in dem Gepäckwagen befand, sollte Mar nach dem Plan den Koffer von innen öffnen, dann den Koffer mit©--väckftücken des Eisenbahnwagens wollpacken und auf emer S�r?dZ! Wagen heimlich verlassen. Dann sollte der Angeklagte Paul" rndt den mit den gestohlenen Sachen vollaepackten Koffer m Soandau im Empfang nehmen. Dem in den Koffer verpackten Max passierte aber ein arges Mißgeschick: er bekam f-m Gefängni- von innen nickt auf die Lust wurde ihm knapp und knapper, so daß er schließlich ohnmächtig wurde. Im Güterschuppen in Spandau fan- den Bahnbeamte den Angeklagten in bewußtlosem Zustande oor� Er legt« sich den Beamten gegenüber den Namen Wamel bei der angeblich sein Künstlername sein soll. Paul hatte als°nsebliche Empfängerin de. Koffer, eine Frau Marie Schuster bezeichnet. Im Termin vor der Strafkammer w.derrrefen d,e AngeNagten voll- ständig ihr Geständni» und behaupteten daß es sich gar nicht um d* Absicht handelte,«inen Diebstahl»u begehen, sondern nur darum. ein. neu« Nummer für d°»«rtistenpr�ramm au?- zuprobieren. Sie blieben dabei, daß sie zu ihrem ersten Geständnis �vrch Mißhandlungen und Drohungen der Beamten gezwungen worden seien. Angesichts dieser geänderten Haltung der Ange- klagten hielt es der Staatsanwall für dringend notwendig, den be- treffenden Beamten Gelegenheit zu geben, sich gegen diese Vorwürfe zu wehren. Auch der Gerichtshof war dieser Ansicht und vertagte zu diesem Zweck die Verhandlung. Die Fortsetzung unsere» Roman» mußte heute leider wegen Raummangel wegfallen. vermißt wird seit dem 2. Mai früh die lEP/zjähnge Kontoristin Dora Mathesiu», die bei ihren Eltern Rotibuser Damm 6 wohnte. Sie wurde am Großen Schauspielhause in der Richtung der Karlstraße zuletzt gesehen. Die Vermißte ist 1,72 Meter groß. schlanl und war mit einem feldgrauen Mantel, schwarzen Strümpfen, Maijugendtag Sonntag, den 8. Mai 1921 in Kaulsdorf-Süd, Restaurant Sanssouci. '»n»m»»i»iu«m Wir demonstrieren für Zuqendschich— Zugendreckt n:: n n für Amaestaltunq der Fortbildungsschule für Erhaltung de« Achtstundentages n n Treffpunkt« stehe unter Zugendveranstaltunge» Verein Arbeiter-Zugend Gr.' Berti» RW. 40, Z» den Zelten 23 stigste Aufnahme finden. Namentlich sind die Freiheitsdressuren des Direktors Orlando aus Stockholm als erstklassig zu bezeichnen. Auch ganz ruhig, mit Lust und Liebe arbeiten die Elefanten, die Carl H e r b i g vorführt. Desgleichen ist die Lustnummer der- vorragend, denn die 5 Ärtonis, die mit einer verblüffenden Leichtigkeit arbeiten, sind unbedingt stets des Beifalls sicher. Die Geschwister R i e f f e n a ch sind ausgezeichnete Akrobatinnen zu Pferde, während die Familien Orlando-Barenco wagehalsige Kunststückchen auf ungesattelten Pferden zeigen, die, nur auf der Erde aufgeführt, auch bereits eine Programmnummer ausmachen würden. Ansprechend ist ferner der Kraftakt der Parker- Fa- milie an römischen Ringen. Die 4 Millons zeigen tatsächlich Höchst- leistungen in plastisch-atrobatischer Kunst. ZNännergesangverein„Liederlafel Lerlin-wesi"(HL d. A.-S.-V.) vei anstallet am Sonntag, den 8. Mai, nachm. 4 Uhr, tm Kleislpark. Potsdamer Straße, eine Ge'angsaufführung. Das VollSlied bildet einen wesentlichen Teil des Programms. Der Verein nimmt auf der Rampe vor dem Kammergericht Aufstellung. Bei Regenwetter 'ällt die Veranstaltung aus. Milch. Am Sonnabend, den 7., Sonntag, den 8., und Montag, den 9. d. M., werden die„Dl'-fiarten mit je V4 Liter, die„DU- und .vIIl"-Karten mit je H Liter Frischmilch beliefert An den gleichen Tagen werden die i4-Liter-Kranken. und Alterskarten mit Frischmilch be- liefert mit Ausnahme der Bezirke I, II, IV, V und IX Als Ersatz für die ausfallende Frischmilch wird in diesen Bezirken M Liter Emulsionsmilch verausgabt Dte übrige Belieferung bleibt wie bisher. Die angegebene Belieferung bezieht sich nicht auf dw seit dem 1. Oktober 1920 neu zu Berlin hinzugekommenen Gemeinden, soweit sie nicht bereits dem Mlchamt Berlin angeschlossen sind. halbhohen Schnürstiefeln, kurzem dunkelblauen Rock, blauleidener Bluse mit helleren Tupfen belleidet und trug einen kleinen schwarzen Trauerbut. Besonderes Kennzeichen: im rechten Oberlieier zwei senkrecht übereinander stehende Zähne, welche besonders beim Lacken sichtbar werden. Es wird befürchtet, daß das junge Mädchen bei ihrer Willensschwäche in schleckte Umgebung gerät oder irgendwo verborgen gehalten wird. Mitteilungen über die Vermißte nebmen die Polizeireviere, sowie die Ellern entgegen. Unkosten werden reichlich vergütet Für P aussen. Eine am Mittwoch abend veranstaltet« Elternver- sammlung der 161. Gemeindeschule, Georgenkirchstr. 2, beschäftigte sich mit dem bekannten Schulprogramm des Oberstadtschullats Paulfen. Trotzdem dem Referenten des Abends, Genossen Pfarrer Dleier, ein Korreferent in der Person eines Oberlehrers Dr. Neumann entgegenstand, der nach der Manier und mll dem Material des Reichslügenoerbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie seligen Angedenkens oersuchte, die geistigen Führer der Sozialdemokratie herunterzureißen, und trotzdem ein christliches Mitglied des Ellern- beirats nach Kräften seine Getreuen herangeschleppt hatte, gelangte in der äußerst gut besuchten Versammlung gegen nur L Stimmen eine Entschließung zur Annahme, die sich für Paulfen ausspricht Eine Anregung des Genossen Reppenhagen, Listen auszulegen zur Einzeichnung für die weltliche Schule, wurde mll Jubel auf- genommen und der Wunsch ausgesprochen, daß die 161. Gemeinde- schule als erste wellliche Schule im Verwaltungsbezirk Friedrichshain in Betracht kommen möge. Listen für diesen Zweck llegen au? beim Genossen Reppenhagen, NO. 18, Höchste Str. 4. Alle EUern des Nordostens, die für die weltliche Schule eintreten, werden ge- beten, stch in dieser Liste baldigst einzuzeichnen. Zu der vezirksversammlung des Bezirksamts lV(Prenzlauer Tor) am 4. Mai wurden die nunmehr bestätigten besoldeten Stadt- rät« eingeführt Anträge, die darauf hinziellen, daß die Belegung von Schulräumen, Kassenzimmern und Turnhallen durch Kommis- sionen, Masscnspeisungen usw. endlich beseitigt wlld, fanden einstim- mige Annahme. Ebenso einstimmig stellte sich die Dersammlung auf den Standpunkt daß die gärtnerischen Anlogen in den Hauptstraßen und den Plätzen des Bezirks wieder instandgefetzt werden müssen, damit diese der Bevölkerung zur Erholung zur Verfügung stehen. Dem Bezirksamt stehen ab 1. Mai 1S21 noch 10 Räume und Keller im Synagogengebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rykestraße S4 zur Verfügung. Die Versammlung genehmigt den Mietvertrag, der bis zum 31. März 1924 festgesetzt ist. Das Grundstücksangebot Fehr- belliner Str. 79/80 wird abgelehnt. Später sollen Räumlichkeiten für da« Bezirksamt im neuen Schulgebaude Danziger Straße berell- gestellt werden. Auch damit erklart stch die Dersammlung einoer- standen. Zugestimmt wird dem Ausschußantrag, daß die Vermal- tungsdeputationen aus 4 Stadträten,� 9 Bezirksoerordneten und 8 Bürgerdeputierten bestehen sollen. Einstimmig wird Einspruch da gegen erhoben, daß Herr H a r t m a n n wieder als Leiter der 7. Wohnungsinspektion fungieren soll, da er das Vertrauen der De zirksverordneten und der Wohnungsuchenden nicht besitzt Reue städtische Verkaufsstellen. Außer den bisherigen Verkaufs- stellen für städtisches Fleisch richtet der Magistrat jetzt noch neue Verkaufsstellen ein, die ausschließlich für den Verkauf von städti- schen Fleischwaren bestimmt sind. Zunächst werden Ende dieser Woche nachstehende Verkaufsstellen eröffnet: Marktballe H. Linden straße, Stand 93/94: Markthalle V. Magdeburger Platz. Stand 20 und 18: Marktballe VUl. Andreasstraße. Stand 64: Markthalle X, Arminiusplatz, Stand 60; Markthalle XI, Marheineckeplatz. Stand 77. Die Ware wird zu denselben Preisen wie in den bisherigen städti- schen Fleischerläden abgegeben. Mit Rücksicht auf die besondere Preiswürdigkeit und gut« Qualität der Vorräte, und zwar besonders des Corned Beef als Brodbelag wird die Bevölkerung auf diese neue Einrichtung hingewiesen. Selbstmord durch Erschieße« beging Freitag nachmittag au» bisher unbekannten Gründen auf dem Observatorium zu Potsdam der dort seit über 20 Jahren angestellte Söjährige Kastellan Max Fischer. Der Mnlergarlen gibt seinem Maiprogramm eine besondere musikalische Note. Es wird reichlich und vor allen Dingen nicht schlecht gesungen. Besonders reizvoll sind die musikalischen Scherze, die Harry Hauptmann am Flügel interpretiert und in denen er den so ziemlich gelungenen Nochweis bringt, daß auch in der Muiil alles schon dagewesen ist und daß der neueste Gassenhauer irgend einem bekannten Volkslied sehr„wahlverwandt* ist. Als Straßen fänger produziert sich das M e l a n t» D u o, wobei der größte Er folg auf das Konto der Groteekerien de» nichtsingenden männlichen Partners kommt Den breitqestrichenen Humor der ganz eigenen Jsse B o i s hervorzuheben, ist heut nicht mehr nötig: er wirkt durch sich selbst Gut gestellt ist ein musikalisches Spitzweg-Dild, dem man nur verübelt, daß es ohne nationalistische Mätzchen nicht zu wirken vermeint Ferner hat sich der Wintergarten wieder Maria War- h u u» und IraN G a d e s c o v verschrieben, deren ganz auf edessten Stil gestellte Tänze es in diesem Rauchtheater(die Bühne schwamm in blauem Dunst) es leider nicht zu der verdienten nachhaltigen Wirkung bringen können. Artistijch sehr gut war der Trapezakt der Schwestern Margot, der Sportakt der Drei Thomas und der Springer auf rollenden Fässern Fred Ehasyer. Eine prächtig« Parodie auf da» vthletentum lieferte Reo in mit dem Hündchen Pimple. Zirkus Carl Hogenbeck. Di« Seiter des Zirku» Varl Hagenbeck können mit Genugtuung feststellen, daß ihr« Darbietungen, noch dem Erfolg der Eröffnungsvorstellung berechnet, hier die denkbar gün- ßilmfchau. Danton. Mit einigem guten Willen konnte man erkennen, daß zwar etwas dünn und meckernd, aber doch immerhin es die Marfelllaise war, die sich da mühsam au» de« Orchester des Usapalastes am Zoo zu Ehren de« neuen Filme«„Danton* loSrang. In prachtvolle» Photograpbien von Lrpao Biragh, geschmackvoll getont, rollten stch die Bilder der französischen Revolution ab. Der Zweikampf zwischen Danton und Robespierre geschichtlich sehr frei behandelt Der Film läßt Danion sprechen:„Genug der Revolution! Laßt uns die Republik aufbauen.* Robespierre.eifersüchtig auf Danton, auf den Tod beleidigt von ihm, getrieben von St. Just, getrieben von sanSculottischen Elementen, will die Revolution weiterpeitschen. Daraus entsteht der Konflikt. Die echteste» und packendsten Revolutionsaestalten waren Friedrich Kühn« als öffentlicher Ankläger Hugo Döblin alz Henriot, Mary Delfchaff als Kdonne. Besonders Kühne in einer ganz einzigartigen Maske und Geste, Fanatiker der Revolution, das personifizierte BolkSgewissen, in fein furchtbares Antlitz gemeißelt die jahrhunderialte Qual des Bolkez. Neber I a n n i n g« als Danton, Werner Krauß als Robespierre. Hilde Wörner als Babette zu urteilen erübrigt sich eigentlich, da der Vrogramm, eitel sie durch Fettdruck schon als„Kanonen*, als„Pro- minenie bezeichnete. Mögen sich die Herrschaften diesen Unfug ent- schieden verbitten. Jmm-rbin: um ein Haar hätte der Felm Robespierre beißen müssen, denn die fesselnde Leistung Werner Krauß's als Robespierre rechtfertigte das. Die Regie sübrte Dimitri Buchowetzki. Er ar- beiiet mit Großaufnahmen. Die Massen beherrscht er nicht. Lubitsch beseelte sie, Buchowetzki kommandiert sie durchs Megaphon. Der Fiim ist insofern ein guter Film, als er wirklich nur Bilder bringt und kein Drama. Kein Gedanke, daß er das, was wir französische Revolution nennen, wirklich erschöpft Aber er ist sehenswert, auch für unsere Jugend- Hroß-Serliner parteinacbrichfen. Heute, Sonnabend, den 7. Mai: *:?6o1 ®,t-. Ifc Uhr bei Sittfett, Steinmetz str. 88t, Sitzung sstmtNch-r Funitknöre u»d Bettieb»»erttauen»l«llti. tS. Abt. 7>/3 Uhr bei(Stoße, Blume» stt. 88,«orstandssitzung. Pünktliche» Erscheinen unbedingt nokwendig. Wbt m llht bei Pfeifet, Hausbutgftt. 8, Sitzung sSmilichet Funktion»«, Betrlobsoettrnuensleutt und Slternbeirattmttglieoet. 3,• � Uhr 6(i x„gtr. Ltvetzow-, Ecke Jagowstraße, Sitzung sSmilichet ffunNionare. 4s- Abi. 7 Uht bei Pose, Koloniesir. 18, Sitzung sämtlicher Funktion!« und Detriebovertt-luensleute. Sh-rlottenbutg.S-andan. ZuriMsche Sprechstunde Sonnabend»-« Uhr im S-ktetatt-t. Rosinenstr. i. «lle Znngs-zialisten. die Mitglieder der SPD. find, haben um 7 Uhr in der Ten eral» er sammlung der Z. B.. Jugendheim Lindenstr. 8, zu tDicheutkft. Morgen, Sonntag, den S. Mai: I. Keei» Zietgartc». Der Ztrciovorstand ersucht die Eltern de» Kreises, ihre Schulkinder am Demonftratianszug der Schulkinder vormittags tcilNl-hmrn zu lassen. Unbedingtes Erscheinen jede» Kindes ist notwendig. Trest- Punkt 9 Uhr vormittags am Kriegeo-Denkmal, Kleiner Tiergarten. 7. Abt. fftlhrung durch den Poianischen Garten. Genossen, welch« daran teil» nebmen. treffen fich vormittag»»tb Uhr am Wannseebahnhof. M. Abt Gruppe la: Vormittags 9 Uhr Besichtigung der Gasanstalt Danziger Straße. Treffpunkt vor dem Hauptvortal. Zungsozialist«». Sämtliche Gruppen beteiligen stch am Mai-Iugendtag der Arbeiterjugenb. Achtung, Parteigcuofien und.genosfinnen! Beteiligt Euch am Mai-Ivgendtag de» Berein»„Arbeiter-Jugend Groß-Berlin* am Sonntag, den 8. Rai, ad i Uhr nachmittag- in Kaulsdorf-Süd, Restaurant Sanssouci. �ugendveranstaltunaen. Verein Arbeiter- Zngenb Sroß-Berlt». Selretariat: RS. 48, In de» gelte» 83. Maijugenütag 1921. Die Abteiluugen treffe« sich zur Demoustrotkm im Lustgarten! Prrnzlaunr Vorstadt: HS Uhr Danzige» Straße. Säe Pappel allee. Reinickend orf.Ost: Uhr Bahnhof Adlrr»hof:%8 Uhr Bahnhof. Bernau:%7 Uhr«ahnhof. Bohnsdorf: ZsS Uhr Bahnhof Grünon. Porsigwnlde:>4« Uhr am Park. Britz: 7 Uhr Sermantapromenab«. Buchhol»: H7 Uhr Semeindelchul«. Eharlottendurg: 8 Uhr Rofinenstr. 4. Heim. «öoenick: V,t Uhr Bahnhof. Friedrichshagen:>48 Uhr am Markt- platz. chcsondbrnnaen! 7 Uhr Amt»gericht, Haupteingang. Grunewald: 8 Uhr Rosen»tf. Hermodoet:>48 Uhr Bahnhof. tzahanniothal: Uhr Bahnhof. Kaulsdorf:>48 Uhr Dahnhof. Kinigswusterhansca: W Uhr Bahnhof. iankwitz: 7 Uhr Bahnhof. Ktchteuberg: 7 Uhr Schwarzer Adler. Lichterfelde: 147 Uhr Friedenau, Kaiser- allee. Mahlsdors: 7 Uhr Bahnhof. Mariendorf: 7 Uhr Eisenacher, Elke Ehausseestraße._ «arienfeld«! 7 Uhr Bahnübergang Martenfelde— Mariendorf. Moabit: i48 Uhr Turm-, Ecke Strom- strahe(Dresdner Bank). «enkölln-Rord: 8 Uhr Sermannplatz. Renkilln-Süd:>48 Uhr Ringbahnhot. Riederfchöneweide!>48 Uhr Bahnhof. «ieberfchinhanfe»: 7 Uhr Friedcnoplatz. Norden: 448 Uhr Putbuser Str. 8—8, Schule. Nordost: 8 Uhr tzllexaicherplatz, Piro- lina. vste»(Peterstzurgrr viertel): 7 Uhr B-Itenplatz. vste»(«trnlauer viertel): 8 Uhr Stadt- bahnhof Warschauer Straße. Pankow: �48 Uhr Kirche. Schänholz. Reinickendorf-W-p: 148 Uhr Bahnhof Eichbornstraße. Noscntbal! 847 Uhr Bahnhof Reinitfen- dorf-Rosenthal. Rosenthaler Borstadt: 8 Uhr Stosen» thaler Blaß, Normaluhr. Schmargendorf: H7 Uhr Wilhelmsaue. Schänedera l: 8(7 Uhr Haupt-, fftfe Rubensstraße, Jugendheim. Schöneberg II: 817 Uhr Haupt-, Ecke Rubensstraße. Jugendheim. «chönhaufer Dorstadt I:>48 Uhr In» gendheim Sonnenburaer Str. 28. Schönhauser Vorstadt II:(48 Uhr Ring- bahnhof Schönhauser Allee, Greift»- Hagener Strohe. Svaudan: 7 Uhr«estbahnhaf. Sieglitz. Friede»»»:>47 Uhr Friedenau, Kaiscrallee. Lüden: 7 Uhr Plllcherplatz, Normaluhr. «»dost(«»»enicker«Irrtel): 7 Uhr DSr» litzer Bahnhof, Unfallstation. Südost(Reichrnberqer viertel): 7 Uhr Gärlitzer Bahnhof, Unfallstation. Südwest: 7 Uhr Blllcherplatz, Normal- uhr. Tegel: 8 Uhr Bahnhofsplatz. Teltow:>47 Uhr Ruhlsdorfer Platz. Tempelhof:>48 Uhr Darfane. Treptow: 847 Ringbohn. Wedding! 7 Uhr Nettelbetfplatz, Sksw maluhr. Westen:«8 Uhr«int-rf-Ibtplatz. «ilmersdorf:'47 Uhr Wilhelmsaue. Wildau:>47 Uhr«snigswusterhaufen. Zehlcndorf: 847 Uhr Friedenau, Kaiser- alle«. Nachzügler: ll Uhr Schlestschrt�Bohnhof, Ei�ang Fruchtstraß« und 1 Uhr Vorträge. Vereine unö Ver�ammlim-'en. «eichabund drr KrftsadefchZdfgt»».«rleg. teilnehmrr und Kriegshinter. »lUbenca. Bezirk Norden 1t Montag, reu 9. Mai, aoeud» 744 Uhr, Bezirk,. »orsammlonz in Büttner»»i-w Kamerad Bader über„f {(Heines unbedingt ttfotl en 14. Montag, r eu 9. uliai, aoeud» 74 Uhr, Bezirk,- wer» Festfäl-n, Schwedier Str. Ai28. Referent der „Kwetf und Ziele der Organisation",»ollziihlig«. Er». orderlich. Gäste find willtauunen. Gberfthlesienöebatte auch im Landtag. vor Eintritt in die Tagesordnung gibt Minister des Innern Dominicus folgende Erklärung ab: Zu meinen vorgestrigen Mitteilun- gen muß ich Ihnen heute ergänzend weitere Mitteilungen machen. Die Lage in Oberschlesien ist äußer st ernst. Auch die interalliierte Kommisston ist dieser Ansicht, weil sie zu der Erkenntnis gekommen ist, daß die Besatzungstruppen nicht stark genug sind.(Hört, hört!) Die Zahl der gut bewaffneten polni- schen Aufrührer ist nach den letzten Meldungen bis auf Ivo IM Mann gestiegen. Deshalb hat die interalliierte Kommission einen in den Zeitungen bekannt gemachten Aufruf in Oppeln plaka- tieren lassen, um die Deutschen aufzufordern, in die A p o einzu» treten.(Hört, hört!) Gestern traten bereits Svv Deutsche als Frei- willige in die Apo ein. Die Einstellungen werden fortgesetzt. Gestern abend betrugen sie bereits 1500 Mann.(Bravo! rechts.) Die Gruben im Kreise B e u t h e n sind sämtlich von Insurgenten besetzt. Der von K o r f a n t y ernannte Oberkommandicrende D o l l i v a hat einen Befehl erlösten, wonach alle waffenfähigen Männer von IS Jahren ab einzuziehen sind. Die Stadt Hindenburg ist von den Polen besetzt worden. Der Kreiskontrolleur schätzt die Zahl der Insurgenten auf 100 000. In Kreuzburg halten nach dem Abzug der Franzosen die Deutschen Ruhe und Ordnung aufrecht.(Lebhaftes Hört, hört!) In Reiße ist ein französischer Offizier, ein französischer Kreis- kontrolleur und ein Pole von den Eisenbahnerwachtruppen ge- fangen genommen worden, als sie gerade dabei waren, eine Eisen- bahnbrücke über den Hotzenfluß— einen Nebenfluß der Oder— zu sprengen.(Lebhaftes Hört, hört! rechts.) Dies ist ein Beweis für die aktive Teilnahme der Franzosen an der Aufstandsbewegung.(Erneutes Hört, hört! rechts.) Seit gestern abend besteht keine Eisenbahnoerbindung mehr mit K a t t o w i tz. Im allgemeinen ist festzustellen, daß das Gebiet östlich der Korfanty-Linie in der Hand der Insurgenten ist. Die größeren Städte mit deutscher Bevölkerung halten sich noch. Berschiedentlich sind reguläre polnische Truppen in Zivil festgestellt worden. Es kommen aus dem Aufstandsgebiet Klagen über Lebens- mittel- und Kohlennot. Aus Pleß wird gemeldet, daß die Italiener an Verlusten: IS Gefangene, 24 Schwerverwundete und 2 0 Tote beklagen.(Lebhaftes Hört, hört!) Das Staatsministerium hat gestern bereits den Regierungspräsidenten In Breslau ersucht, umfastende Fürsorge für die Flüchtlinge einzuleiten. Was in unseren Kräften steht, ist geschehen. Gestern hat eine Beratung des Reichs- kabinetts unter Hinzuziehung der preußischen Minister und der Obersten Heeresleitung stattgefunden.(Rufe auf der äußersten Linken! Oberste Heeresleitung!— Gegeyruf rechts: Ruhe! — Vizepräsident Dr. P orsch mahnt zur Ruhe.) Die Reichsregie- rung hat abermals eine Rote an die Ententeregierungen gesandt und verlangt, daß interalliierte Verstärkungen noch Oberschlesien ge- schickt werden. Dos Deutsche Reich hat sich bereit erklärt, die er- forderliche Hilfe zu leisten. Das Vorgehen der Reichsregierung hat die Zustimmung aller Parteien im Auswärtigen Ausschuß erhalten. Die preußische Staatsregierung wird olles tun, um so schnell und durchgreifend wie möglich Abhilfe zu schaffen. Abg. Aleyer-Ostpreußen(DKPD.) beantragt die Besvrechung der Regierungserklärung.— Vizepräsident Dr. P o r fch erklärt, der Aeltestenrat habe einstimmig beschlosten, die Regierungsmitteilungen dieser Tage nicht zu besprechen.— Es erfolgt Abstimmung über den Antrag Mener(Komm.). Rur die Kommunisten sind da- für.— Vizepräsident Dr. P o r s ch erklärt den Antrag für abgelehnt. Abg. Meyer(Komm.) widerspricht, da nach her Geschäftsordnung für die Besprechung einer Regierungserklärung ein Antrag nur von 15 Mitgliedern unterstützt werden müsse.— Vizepräsident Dr. P orsch läßt nunmehr die Besprechung zu. Abg. Eberlein(Komm.):(Die Rechtsparteien und das Zentrum verlosten den Saal.) Der Aufstand in Oberschlesien ist eine Folge der Sünden des alten Preußens. Nicht nationalistische, sondern wirtschaftliche Motive haben den Kampf entfestclt. Wir fordern da» deutsche Proletariat auf, dem oberschlesischen Proletariat zu Hilfe zu kommen. Die französische und deutsche Bourgeoisie gehen< Ann in Arm gegen das Proletariat.(Lachen.) 5 ortfetz un g See Aussprache über Erwerbslofenfürforge Abg. klolh(Komm.): Mit dem Eisenbahnbau kann der Erwerbs- losigkeit nicht abgeholfen werden, sondern nur durch Umgestaltung der kapitalistischen Wirtschaft. Abg. Buberk(Soz.): Das Wort»nur Arbeit kann uns retten" bleibt nur«ine Phrase, wenn wir nicht Arbeit schaffen können für die Arbeitslosen. Die Arbeitslosigkeit ist eine Begleiterscheinung der W e l t w i r t- s ch o f t s t r i s e und bei uns außerdem eine Folge der gemalt- famen Unterbindung der deutschen Wirtschaft durch die Entente. Die Regierung hat nicht alles getan, um ihrerseits der Arbeits- losigkeit abzuhelfen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen obligatorisch qezwungen werden, sich an die paritätischen Arbeitsnachweise zu wenden. Die Arbeitgeber sabotieren aber auch die Schlichtungsausschüsse. Nach dem Kriege � haben es die Unternehmer verbanden, die objektiv arbeUendey Vor- sitzenden der Schlichtungsausschüste aus ihren Aemtern zu entfernen. Im Augenblick(nach rechts), wo Sie wieder Einfluß auf die Staats. regierung gewinnen, werden Sie für die Arbeitslosenfrage nichts mehr übrig haben. Auch den K o m m u n i st e n sind die Arbeits- losen nur Mittel zum Zweck. Sie freuen sich deshalb aus partei- politischen Gründen über die stetig wachsende Ziffer der Arbeits- losen. Die„Rote Fahne" hat" es mehrfach offen ausgesprochen, daß die Arbeitslosen mobilisiert werden müßten. Die Rede des Abg. K a tz hat es ganz deutlich gezeigt, daß für seine Partei die Arbeitslosen nur der Sturmbock gegen die bürgerliche Gesellschaft sind. Wir wissen die Kleinhausbesitzer in einer schlimmen Lage, aber die hausspekulantea und die Inhaber von Mietskasernen i haben jede Möglichkeit einer Mietsteigerung ausgenutzt. Gegen sie richtet sich unser Kampf. Bei den Versuchen, den Arbeitslosen Be- schäftigung zu verschaffen, muß man sich vor dilettantischen Experimenten hüten. Staatsgelder dürfen auf keinen Fall nutzlos verpulvert werden. Die Reichsregierung hat alle, schon vor zehn Jahren in Angriff genommene Arbeiten eingestellt. Es ist unbedingt notwendig, daß Arbeiten, die bereits zur Hälfte oder zu drei Viertel fertiggestellt sind, zu Ende geführt werden. Viel- fach werden Industriearbeiter entlassen und an ihre Stell« Arbeiter vom La n d e, die in der Industrie noch gar nicht heimisch sind, eingestellt, nur zu dem Zweck, die g e w e r k- schaftlichen Organisationen zu zertrümmern. Di« Arbeitgeber haben so lange auf den Arbeitsminister Brauns ge- drückt, bis er die wichtigst« Dcmobilmachungsorder aufhob, damll sie freie Hand hoben. Auch der preußische Staat schließt sich den Unter- nehmern würdig an. Die Gutversorgten sollten den Arbeitslosen das Brot nicht wegnehmen, verheirateten und kriegsbeschädigten Ar- beitelosen sollte man zuerst Arbeit zuweisen. Der Reaierungspräsi- dent von Merseburg hat all« verheirateten Hilfskräste, die dem Zentraloerband der Angestellten angehörten, entlasten. Dagegen wird eine Sehcimrakskochter mit kanzleiarbeiten beschgfligi. Der Regierungspräsident von Osnabrück Hot olle frcigewerk- schoftlich Organisierten entlasten Wir verlangen von den Staats- behörden mehr Respekt vor der Reichsverfassung. Wir bitten, sämtliche Anträge über Arbeil-losigkeit und Erwerbslofenfiir- sorge dem Handels- und Gewerbeausschuß zu überweisen. Für die Arbeitslosen muß so schnell als möglich Arbeit geschaffen werden. Die Zell ist kurz und die Rot drängt: Abg. koch(Dnat.): Bisher wurde nur eine unproduktive Er- werbslosenfürsorge getrieben. Wenn es links heißt, in der Arbeits- lofsnirage könne erst dann ein« Wendung eintreten, wenn dos kapita- listische Softem gestürzt sei, so sagen wir umgekehrt, eine wirkliche Slbhilfe ist erst dann denkbar, wenn das sozialistische System zusammenbricht.(Gelächter.) Abg. Dr. Rose(D. Dp.): Auf die Arbeitslostqkeit wirkt auch die Weltkrise sehr stark ein. Der Export wird erschwert. Wir gehen katastrophalen Zuständen entgegen. Wir brauchen eine Gesundung der Volkswirtschaft, ferner Rohstoffe zu niedrigem Preis und ihre direkte Uebermittlunq an die Verarbeiter.(Lachen links.) Die Aussprache schließt. Die Antrüge gehen teils an den Haupt- ausfchuß, teils an den Verkehrsausschuß, teils'an den Geschäfts- ordnungsausfchuß und teils an den Ausschuß für Handel und Ge- werbe. Der Präsident schlgqt dem Hans vor, sich zu vertagen, und setzt die nächste Sitzung auf Sonnabend 1 Uhr fest. Rest von heute, weit- liche Schulen, Kleine Vorlagen. Ein Antrag Leid(U. Soz.), die Große Anfrage der Unabhängigen über das Explostonsunglück auf der Zeche Konstantin der Grobe morgen auf die Tagesordnung zu setzen, wird noch längerer Geschäftsordnungsdebatte abgelehnt. Schluß nach 6 Uhr._ Mus öer Partei. Jungfozkaliftenkonferenz für Magöeburg-�nhalt. Die jungiozialistifcheu Gruppen de4Parleibezirks Magdeburg- Anhalt hiclien am Sonniag eine febr stark be'chickte VrziikS- konferenz ab. Auch die Parteioraaniiatwuen de? Bezirks wie der Stadt Magdeburg hatten Vertreter entsandt. Ebenso war d« ZentralbildungSausschuß durch den Genossen Weimonn-Berlin der- treten. Die Konferenz ergab, daß im ganzen Bezirk ein erfreu« licheS Anwachsen der jungsozialistischen Bewegung zu verzeickmen ist. ES sprachen Genosse Mü ller-Magdeburg über: Das Wollen der Jungsozialisten, Höldermann über: Jungsozialisten und Partei. Voigt über: Jungsozialisten und Arbeiterjugend. In der sehr lebhaften Aussprache herrschte Einmütigkeit darüber, daß die Aittgaben der Jungsozialisten— sowohl die politischen wie knltu- rellen— innerhalb der Partei liegen und die Jung» sozialistenbewegung ein Teil der Parteibewegung ist. Eine Entschließung der Konferenz wendet sich gegen die Heraus» gebcr von besonderen lokalen Schriften zur Förderung jungsozialisti» scher Fragen als einer Kräftevergeudung und verweist statt besten auf die Parteipresie und die„Arbeiler-Bildung" und spricht sich serner für die baldige Herausgabe eines eigenen Zen- tralorganS der Jungsozialisten auS. Im Übrigeft wurde folgend« Willenskundgebung angenommen: .Einersolgreiches Wirken der Jungsozialisten ist nur möglich i m R a b m e n der Partei auf der organisatorischen Grundiaae deS Kasseler ParteitagSbeschiusseS. Nur innerhalb der Organisation und durch die Organisation werden die Jung- sozialisten ihren besonderen Aufgaben gerecht. Ausgabe der Jungsozialisten ist eS, innerhalb ibrer Gruppen und Arbeitsgemeinschaften an der Vertiefung und geistigen Weite?- entwicklunq der sozialistischen Gedankenwelt zu arbeiten. Neben dem politischen und wirtichaftlichen Wirken im Sinne des Sozialismus bedarf es der Schaffung neuer Lebensformen in gesell» schaftlicher und kultureller Beziehung. Dem sozialistischen Denken muß ein gleiches Fühlen und Handeln entspringen. Diese be- sonderen Aufgaben sind nicht durch theoretische Diskuisionen allein zu löien, sondern vor allem durch praktische Mltarbei: in der Partei, um diese durch lotkräftiges Wirken mit dem Geiste der Jungsozialisten zu durchdringen."-- Sport. Beton- Bade- ®et At»eitet.Baffeksp»tt»erta»l>(Rtei« I, Berlin-Btondenbutg) ni staltet om Sonntag, den 8. Mai, Nor, mittags 2 Uhr, in der städtischen Z anftolt Bärwaldstraße onIästtiiS der Wiedereröffnung dieser Anstalt ein Scuaii- und Dettschraimmen. VrEsiflmliche Aufführungen wie Reigen, Etafetten, Tauchen, Erringen und Wasserdallspiele der besten Mannschaften werden er- neut den Beweis des hohen Könnens unserer Arbeiierschwimmer bringen. Das?est beginnt rünltlich und ist um<>4 Uhr bereits beende». Der arbeiten- den Beuölterung des Bezirks Vl kann der Desuch der Beranstaliung nur empfahlen werden. Einlaßkarien stnd an der Tageskasse zu haben. Empfang nehmen. gnannste» de, Arbriter-Eaiaarlter.Sande, finden am Eonnfat, den 8. Mai, nachmittags 3 Uhr, 38 graste Fustballspiele der Märkischen E p i e l v e r e i n i g u n g statt und zwar auf folgenden Plätzen: Wcistensee— Ruwawes in Weistensee, Rennbahn- gelände. Brandenburg— Barussta in Lichtenberg. Hauptstraste. AMershof— Riistig.BitrwSris in Adlershak, Köpenicker Chaussee. grifch.Fre!— A-kaaia in Niederschöneweide, Berliner Eiraste. Fichie-Gesundbrunnen— Reinickendorf in Reinickendorf, Thuner. Ecke RiUlistraste. Stralau— Neukölln in Stralau. Dos- larstraste 38. Trepisw-Eüd— Oberfrree in Baumschulenweg, Forsthausallee 15)16. Adler US— Teyler B. C. i» Pankow, Tiroler Straße fAndreas-Hnfer-Plotzt. Germania— Pankow 08 in Welstensee. Rennbohngelände. Echöneberg— Biktori» in Echonrberg, Haupt». Ecke Rubensstraste. I.?. C.— Lustig-Fidel in Fahunnis» ihal. Daldftraße. Sieglitz— Potsdam in Sieglitz, Südend, Gemeindefpa.tvlatz. Frah-Frei— Trebbin in Lichierfeloe. Teltower Straste om Parkfriedhof. Teltow- .zehlenoorf— Lichlenrode in stehlendort. Machnower Chaussee. Fredersdorf— Lichtenberg II in Fredersdorf. Lindenallee. Teutonia 10— Lichtenberg 21 auf Temprlhofer Feld, an der Steinmetzstraste. Fichte-Ost— Friedrichshagen in Hohenschönhausen, Sammerstratze. Freiheii-Riederlehme— Eintracht 15 in Nie- derlehme, Weidnerderg, Reu-, zitiau— Woltersdorf in. Reu-Iiitau, Spreebord- stroste. Mohlsdorf— Eichwolde in Mahlsdorf. Grunower Siraste. Iugendlust. Niederlchmc— N. B. C. in Riederlehrne. Alt-Glienicke— Fichte 14 in Akt- Glienicke, Siesberge. G roß. Befieu— Motzen in Grost-Iesten. M. E- C.— Lücke',. ' laifer-,'»M Wolde III in Moriendorf, Kaiser-, Ecke Rathausstraste. Fichte-Süd— Branden- bürg a. d. H. in Rawawes, Park Babelsberz. Barher Spiele der U. iannfchaften. Sriefkaften öer Redaktion. Kirche 48. Di» 31. Dezember 1920.— P. II. 1. Ihr Rachbat zur linken Hand must den staun zur Unierhaltung übernehmen. Der Quer- oder Rücken- zäun must von den beiden gegeneinander stoßenden Nachbarn gemeinschaftlich angelegt und unterhalten werden. 2. Ja, soweit dadurch Unkosten entstehen. 3. Ja. 4. Bitten Sie um Ermästigung.— H. S. Haynau. Ja.— S. 24. 1. Den Gläubiger Ihres Schuldner, müssen Sie zunächst unier Glaubhaft- machung Ihres Eigentumsanspruchs zur Freigabe der Psandsiücke auffordern. Sollte die Freigabe nicht erfolgen, so must Klage erhoben, auch die Einstellung der Zwongspollftrrckung herbeigeführt werden. 2. Beim Amtsgericht. Es müssen beide Eheg-tien erscheinen. Sie können sich auch an einen Notar wenden.— H. B.'82. 1. Nein. 2. Ja. Monatlich 150 M.- ffl. 61. Wenden Sie sich an Ihr Bezirksamt. Dort werden Sie alles Nähere erfahren.— H. Ech. 17. 1. Bis 30. Juni 1920. Erheben Sie Einspruch. 2. Es gibt drri Feuerdeslaitungsoercine: Verein der Freidenker, Oranienstr. 83, Volksuerein für Feuerbestattung. Burgstr. 27, und„Die Flamme", Anhaltstr. 6. Wenden Sie sich an einen dieser Dereine.—«.®. 63. 1. Ihre Sieuerpflicht bf l ni mit dem 1. April 1920. Legen Sie Einspruch ein. 2. Ja.— I. Z. 21. Richten • v»...—— rens.:..— an �»ein i ,, n rrn.„ V___:. Sie ein Gesuch an das Polizeipräfidiiim— M. D. 199. l. u. 5. Wenbeu Sie sich an das Bezirksamt. 2. Den Antrag müssen Sie vorher stellen. Die Sätze ersohren Sie bei der«ränienkasse. 3. Sind uns nicht bekannt. 4. Unter Umständen ja.__ Herren-AnzQse und Schlüpfer in höchster Vollendung Straßen- Anzüge aus guten geneppten Stoffen 550.- 595.-$30- 695.- 750.- 950.- Büaue Anzüge aus prima Stoffen 425.— 550.� ».- 850.- 950.- 1075- 1mE!23BK%.53SEE$?32 �> 4'.-J 771 Fabrikat SchlUpfer 595.- 650.- 695.- 750.- 810.- 950- Schutzmarke M. Schulmeister Berlin SO. 26 Kettbuser Ter Filiale Berlin MM Okl AM. Mieter, lijtoidiK u. Sonntag, den 8. Mai, vormittags 10—1 Uhr 2 der Delegierten zur Generalversammlung 4*'� AVll*11- in Frankfurt«. M. in fugenden Lokalen- H. telatmümtcr 6t». H NO. Stuft». 12 O.»roste Fraokfurter et». T SO. etclitzcr St». 51 52 SW. L»»twitzsrr. 5 W. Steixmetzstr. 3«, NW. Stephustr. 31 IBcMln.: Malplaquetstr. T dtefunabroa.»: Prinzen. Allee 88 IBeihrnfe*; Friedrich, tr. 37 Cldtzlenbctg: Scharnweberftr. 60 Ztenkälln: Prinz- Sand jery-Str. 3 Ttmpelfjot: Marieadaef, Ehausseestr. 27 Um rege BeieUigung ersucht wllmor.dors: Pfalzbaraer Str.»6 Thorlottenbnrg: Krumme Str. 86 Siegtth: Düpxelst». 7 ar.-CIdtfetfcOe: Hi»de»Zurgdam» 58 3<01«nbotf: Potsdamer«l anssee, ÄestanraNt Micklei ».rloh.rN: vberschöneweide, Sieme.sst»., Ecke Teu iiirage üöptnltl: Roseustr. 10 Zrt«arich»hogen: Scharnweb erstraste. Ecke Kastaniea-Alle« «dl-r»h«f: H-lbigstr-ste bei»aul SeUWllNelliLiiliieileliillliM ?«r»»>una5lte»e«erlin x II. 5». cinlenktr. SZ-S5 Keichäflszeit»an vor«. 6 Uhr bis nachm 4 Uhr Telephon: Amt Rorde» 185, 12Z0. 1087,«714 Sonntag, bem s. TBoi 1921, aocnltlag. 9". Ahr Branchen-Versammlung der Hilfsarbeiter in der Söhnlanla. Weirnneisterftraste 16/11. Tage.ordnung: 1. Bericht 2 Neuwahl der Branchen- kommisston. 2 Berschiedenes.— Rltglied.buch legttlmlert. Sbaatag. ben 8. Mai 1821. MtMiffag. 8>/. Ahr Versammlung 120,13 der Kesselschmiede und Helfer foivi« der dazu ge« hörenden Berufe t» Artdrls g-stsSle». Eolberger Straste 2». Tageoardnu.tzi«ortstq�n� ber»ogeoood»«.« u» Kollege»! Da wichtige Bran�-uangesegenhetten»n-rkebionl und weitgedende P-schiiiste zu tatzen uwi. wecdc.i tuaeiuter« di» Heiser der»rer Ldtdu»»ti»fai>rile» zu dieser Persaniwl.:»g geloden. Di» 0rt»o»e»->»lt«vg. de Orfeeermalluog. □Rufe von 55 H, an Alt Glienick« an reguiieiter Rudower Straste Retlodauland. Bertiwfer am Bahnhof Adlers- Hof, Restaur.EckeD>«narcksI raste. Rieger. Berlin. Gontärdstr. ä. Am Bahnhof Bin-Marienfelbe schöngeschnitt. Landparzellen in jed. Dröste aus ersterH ind.deshald ganz dilliger Derkaui. Scholz. Bta..»arien. seid«, Sieperipiatz 7. Zt17b HütotROilflöc»len Uli»., Ankau', Berlaut. 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Vorräte........... Vortrags-Posten(Interims-Konto) . M. 9171 913,38 ., II 500 000,— Passiva Aktien-Kapital............. 4Vi% Teilschuldverschreibungen...... Gesetzliche Reserve........... Reserve-Fonds II............ Rücklage tOr Talon- und Grunderwerb-St.. Beamten- und Arbeiter-Unterstützungs Fonds Hypotheken.............. Nicht abgehobene Dividende....... Zurückgestellte Zinsen für Teilschuldverschr Gläubker einschl. Anzahlungen...... Bürgschafts- Verpflichtungen..M. 9 171 913,38 Konto der Kap-Erh. 1921...„ 11500 000,— Vortragsposten(Interims-Konto)...... Erforderliche Rfickstelluneen....... Gewinn aus 1920...... M. 2 957 534.34 einschl. Vortrag aus 1919....?I4 955,03 M. Pf 5 752 595175 835 322— 3- 150 123 51 3 145 841>55 22 963 20 41 III 959 86 63 096 257 275 483 114 454 549 17 M.|Pf 18 000 000!— 12 000 000;— 2 724 63 t 55 2 500 000- 120 0001— 1 491 806 300 000 36 228 172 887 69 391 043 3 770 885 730 575 3 202 459 04 37 114 450 549 17 Gewinn- nnd Terlnst-Rechnnnar 19£0 Soll Abschreibungen.......... Unkosten der Zentralverwaltung... Zinsen für Teilschuldverschreibungen. Gewinn............. Vortrag aus 1919 UcberschuB.. Haben M. 1 220913 3952116 405 000 3 202 489 8 780 5'0 M. PI 244 955 02 « 535< 65 07 n in 8 780 520110 Die in der heutigen Generalversammlung auf 12 Prot. festgesetzte Dividende für 1920 gelangt von heute ab bei der Anhalt» Dessaulschcn Landesbank in Dessau, ,„ Berliner Handels• Gesellschaft in Berlin, „„ Deutschen Bank in Berlin, ,„ Dresdner Bank in Berlin, „„ C. Schlesinger- Trier A Co* Commandlt* jtesellschaft auf Actlen in Berlin, a dem A. Schaaffliausen'schen Bankvereia A—Q. In Köln und Düsseldorf. ,„ Bansgeschäft A. Levy, Köln, gegen Aushändigung des Gewinnanteilscheines für 1920 zur Auszahlung. 193/8 Berlin, den 3. Mai 1921. Der Vorstand. _ Garderobe. anf bpqncmftte Tellzalilnnj II E It K E X• 1 D A 51 E X- Anzfige, Hosen, Paletots, Kostüme, Sport«Paletois. I Röcke, Kleider. BurscherfAnzUse• Gute Ward— Solide Preise— Grobe Auswahl M. leiser, Lothringer Str. 67 Moös- und Sportkleidung angefertigt in eigenen Werkstätten nach neuesten Modellen. flerren-Anzfi�e der Maßarbeit ebenbürtig, nach neuesten Modellen verfertigt, in bellen u. dunklen Farbenstellun- gen, in erstklassigen Qualitäten Sorte V Serie IV Serio III Serie II Sorte I 990 825 780 690 590 §cEilQpter, Mans PalCiOtS in modernsten Stoffen und Fassons, beste Verarbeitung bei tadellosem Sitz; aus Home- pt gA£�. spun, Cheviot, Covertcoat ns-w. feLlMlh M. MO. 750,«00, WnS!inK§ Attzüße sehr guter haltbar. Qualität, hell u. dunkel, gestreikt und kariert, � modernste Herstellungsart»«ÄWj/. M. 549. 500. 405. 410. 340. 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Die Wahlvorschläge der Arbelt- geder müsse» von mindesten» 10 Wahlherechtigten mit zusammen 80 Stimmen, dieWahl- vorichläge der Versicherten von mindesten« 30 Wahlhereststlgten unterzeichnet fein. Die Stimm» abgohe ist gn diese Val>f- »orschläge gebunden. Die gu« den eingereichten Wahtvorschtägensich ergebenden Anstände müssen bis zum i. Juni er. beleiligt fein. Di? Arde-Igede?» und Mit- gfiederverzeichniffe kännen wert- läglich von 8 bis 1 Uhr tm Haffenlofal eingesehen weiden. Einwrsiche gegen die Richtigkeit sind dl« sväf esten» den 22. Mai er. Mm Haffenvvrsiand einzulegen Die Wah'vvrlchläg« siegen vom gfeickien Tvge ah von 8 bi» 1 Uhr im Haffenlofal zur Einsicht aus. Auf die einschlägigen Bestimmungen der Satzung und Wahlardiiung wird besonder« hingewiesen. 19 11 Der Wahlausschuß ist deuigt, die Wahl- und Tllmmderechfi» gung fede« Wähler« zu vrllfen und wird daher die rechfzeillge Veschasiung eine« Auswels«» emv sohlen Berl.-Mariendars, 4.Mg> 1921. Der Haffonvorstand. 9fug. 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Mal. es auch, auf eine eventuelle Aufforderung der Interalliierten Kam- Mission hin, daß die Genosien in verantwortlichen Stellungen sich an der Werbung von deutschen Freiwilligen für die Ab- stimmungspolizei beteiligen. Schließlich fordert die Ent- schließung noch die Gewerkschaften und die sozialdemokratisch organi- sierten Arbeiter und Angestellten auf, sich für diese Zeit der Ab- stimmungspolizei zur Verfügung zu stellen. In der Aussprach« kam zum Ausdruck, daß die gegenwärtige Lag« in Oberschlesier keinesfalls zu vergleichen sei mit dem Ein- marsch regulärer Truppen unter Einwilligung der Entente, wie er bei den Sanktionen in Frage kam. Es handelt sich nach den Berich. ten der oberschlesischen Gewerkschaftsvertreter um wilde B a n- dentämpf«. Es wurde allerdings von verschiedenen Seiten an- genommen, daß der Donnerstag nacht in Oppeln eingetroffene Gene- ral Le Rond die Aufforderung der Interalliierten Kommission AUM Eintritt in die Abstimmungspolizei an die deutschgesinnte Be- völkerung wieder rückgängig machen würde. Die Konserenz war der Ansicht, daß, fall» diese Erwartung eintritt, keine Beteili- g u n g an der Niederwerfung des Putsche» in Frage käme. „Gegen die verbrecherische« Absichten der Entente.. Warschau, 6. Mal.(wlv.) Die Ballonale Arbeller- partel Hot einen Aufruf erlasien, in dem sie auffordert, den ober- schlesischen Brüdern zu Hilfe zu kommen. Der PlatzallerBolen lei in den Reihen der aus ständischen oberschlesischen Armee. Da» polnische Volk müsse den verbrecherischen Absichten der Entente bewaffnete große Anstrengungen ent- gcgenschen. Der Ausruf schließt:.Es leb« der oberschlesische Auf- stand! Zu den Waffen!' E» ist bezeichnend, daß ein Polenblatt in Warschau, der »Kurjer Porann y', seine Verwunderung über die Zusammen- flöße zwischen polnischen Insurgenten und alliierten Truppen damit begründet, daß die Bevölkerung von maßgebender alliier» t e r S e i t e zu einem bewaffneten hervortreten ermächtigt und ermuntert worden sei. Tiefer Eindruck in Italien. Mailand. 8. Mai.(EP.) Di« blutigen Vorfälle In Oberschlesien mit den Italienern haben hier«inen tiefen Eindruck gemacht. Der politische Mitarbeiter de-»Corriere della Sera' verlangt, daß die italienische Negierung sowohl in Warschau als auch bei den Alliierten energisch gegen den Ueberfall auf die italieni. schen Truppen in Oberschlesien protestiert. Da polnisch« Osfi- ziere die polnischen Banden anführen und ihnen Waffen verschaff««, handle es sich nicht um ein« Revolte, sondern um eine mi l I t S- risch« Aktion, deren Vorbereitung von der Warschauer Regie- rung nicht bestritten werden könne. Die andauernden Ansamm- langen von Truppen an der oberschlesischen Grenze beweisen Aar, daß die polnisch« Regierung vou den Plänen Sorfanty» wohl unter- rlchlrf geroesen sei Polen wolle in Oberschlesien den Streich aus Wilna wiederholen. Die Amtsenthebung Kor- j a n t?» bilde wie damals für General Z e l i g o w s k i nur ein Vsttel. um den Aufruhrern frei« Hand zu geben. Italien bei den Alliierten v o r st« l l i g werden, well nicht alle von ihnL! ihre Aufgabe gleich unparteiisch ausgesührt hätten. Verpflcgungsschwierigkeiten. Satkowitz. 8. Mai.(TU.) Wie die»Telegraphen-Unlon' erfährt, fängt der Proviant d-r hiesigen Bcfatzungstruppen bereits an k n a p p zu werden. Ebenso macht sich in Kattowitz selbst ein großer Mangel an Lebensmitteln bemerkbar..,... «leiwitz, S. Mai(TU.) Auf dem hiesigen Rangierbahnhof stehen 8 Waggons Lebensmittel der französischen Besotzungsbehörd«. welche bewacht werden. Die»esatzungs« trrlppe ist bald am Ende ihre- L e r p fl« g u n g-» o r r at e e. Deutsche Note über Gberjchlesieu. Regierungserklärung und Tumult im Reichstag. Der Reichstag war gestern Schauplatz stürmischer Szenen. Herr Fehrenbach gab über Oberschlesien eine Erklärung ab, die von der äußersten Linken so aufgefaßt wurde, als ob er der interalliierten Kommission mit dem Einmarsch der Reichswehr drohe, falls sie nicht in kürzester Frist wieder Ordnung schaffe. Das Gute an der Erklärung ist, daß sie nicht so aufgefaßt werden muß, das Schlimme, daß sie so aufgefaßt werden kann. Ernsllich kann keine deutsche Regierung an eine solche Torheit denken. In dem Augenblick, in dem der erste deutsche Reichswehrsoldat, ohne von der interalliierten Kommission gerufen zu sein, in Oberschlesien auftauchte, wäre der Bund der polnischen In- surgenten mit der polnischen Regierung und dieser beiden mit der Entente offen wiederhergestellt. Alles würde sich gegen Deutschland wenden. Oberschlesien würde Nordftank- reichs Schicksal erleiden und als Trümmerhaufen an Polen fallen. Es war ein grober Fehler, daß Fehrenbachs Erklärung diese unmögliche Möglichkeit nicht klar und bündig ausschloß. Genosse Hermann Müller stellte fest und Fehrenbach be- stätigte, daß ohne Zustimmung des Reichstags Reichswehr in Oberschlesien nicht eingesetzt werden darf. Der Reichstag aber wird, wenn er bei Sinnen ist, die Zustimmung zur Einsetzung der Reichswehr nur dann erteilen, wenn sie im Einverständnis mit der interalliierten Kommission, nicht aber gegen deren Einspruch erfolgt. Die K o m m u n i st e n benützten die Gelegenheit zu wilden Radauszenen, denen der Präsident L ö b e ein Ende machte, indem er die Sitzung kurzerhand schloß. Jetzt ver- teilen sie in den Straßen blödsinnige Flugblätter, in denen die Arbeiter aufgesirdert werden, sich dem„neuen Krieg' und der„Zwangsmobilisation' zu widersetzen. Herr Fehrenbach sieht gerade so aus, als ob er einen neuen Krieg wollte! An die Zwangsmobilisation denkt kein Mensch. Kein vernünfti- ger Arbeiter wird den Unfug der Radaubrüder ernst nehmen, die gestern noch den zweiten Weltkrieg— mit Sowjetrußland gegen die Entente predigten und sich heute als die Hüter des Weltf r i« d e n s in Empfehlung bringen. Die Sozialdemokratische Partei aber muß auf dem Posten sein, um zu verhindern, daß aus unglücklichen Regierungserklärungen neue äußere Schwierigkeiten erwachsen! Heute vormittag tagt der Auswärtige Ausschuß. Der Reichstag tritt erst am Montag wieder zusammen. ** * Die gestrige Reichstagssitzung eröffnete Präsident L ö b e um 3 Uhr 30 Minuten. Eingegangen ist die Verordnung des Reichspräsidenten über die Aufhebung des Ausnahmezustandes in den Bezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster. Präsident Löbe erklärt: Der Reichskanzler hat den Wunsch, über die Ereignisse der letzten zwei Tage, die unser ganzes Land be- schästigen, ein« Erklärung abzugeben. Reichskanzler Fehrenbach: Unserem Botschafter in London ist gestern das Ultimatum von dem englischen Premierminister übergeben worden. Der Tert ist aus der Press« bekannt. Außerdem ist hier im Laufe der Nacht der englische Text der Beschlüsse der Alliierten über die Repa- rationen und die Zahlungsforderungen eingetroffen. Es sind um- fangreiche Schriftstücke, die gegenwärlig der Prüfung der Restarts unterliegen. Das Kabinett wird alle Sorgsalt darauf verwenden, die sachlichen Unterlagen für die Entscheidung vorzubereiten, die dem neuen Kabinett obliegt. Ucber die aufständische Bewegung in O b e r s ch l« s i e n hat das Kabinett gestern dem Auswärtigen Ausschuß Bericht erstattet. Die Vorbereitungen der gewaltsamen polnischen Erhebung smd, woraus wir bei den alliierten Regierungen immer wieder hingewiesen haben, so offen vor sich gegangen, daß über ihre aufrührerischen Zwecke und Absichten längst kein Zweifel mehr bestehen tonnte.(Zustimmung.) Heute hat sich der polnisch« Ausstand bereits über das ganze Gebiet verbreitet, das nach Norden die sogenannte Korfanty-Linie bezeichnet. Teilweise hat die Bewegung über dies« Linie hinausgegriffen.(Hört, hört!) Ueber die polnische Grenze sind Waffen und Ausrüstungen nach Oberschlesien gelanat.(Bewegung.) Die Insurgenten sind nach vielfach vorliegen- den Meldungen glänzend bewaffnet. Aus welchen Beständen sollen diese Mensen von Waffen stammen? Die Dorbereilung des Auf- standes läßt an der militärischen Leitung der Bewegung keinen Zweifel. Daß polnisch« Offiziere und Soldaten — wenn auch keine regulären polnischen Truppenteil«— beieiligt sind, wird kaum in Abrede gestellt werden können. Offenbar besteht der Plan, vollendete Tatlachen im Interesic Polens zu schaffen und damit den alliierten R-gierungen die Hände zu binden. Di« polnisch« Presi« in Warschau ruft die polnische Gesellschaft zur Hilfe für die Insurgenten aus. Auch die Anzeichen für polnische Mobilmachungspläne liegen vor.(Lebhaftes Hört, hört!— Ruf«: Unerhört!) Den bitteren Ernst dieser Lage empfindet unser Volt in ollen seinen Schichten. Es sah das Schick'al treuer deut'cher Mitbürger, der Bevölkerung eines deutschen Landes teils durch den Friedensvertrag in die Hände der alliierten Mächt» oelegt, und es muß nun zerrisienen Herzens sehen, wie unter den Augen dieser Mächte entqegen ihrem verpfändeten Wort (Hört, hört!) unsere deutschen Brüder in Oberschlesien offen durch polnische Gewalttaten an Leib und Leben bedroht werden. Von allen Seiten drinoen Hilferufe zu uns. Unseren oberschlesischen Volksgenossen versichern wir. daß wir alles, was in unserer Macht steht, tun. um sie in ibren Rechten und in ihrem Lebcn zu schützen. (Lebhafter Beifall.) Wir bitten sie, auszuharren und den Gegnern durcft irgendwelche Akte der Unbesonnenheit oder der Verzweiflung das Spiel nicht zu erleichtern Es ist ia klar, daß die Geaner darauf lauern, uns ins Unrecht zu seben. Ganz besonders müsien wir mit Rücksicht aus unlere gesamte Lage an die Deutschen außerhalb des insurgierten Gebietes die Aufforderung richten, die deutsch« Regierung zu unterstützen durch ihr be'onnenes Verbalten. So sehr uns da? Blitt in den Adern kocht, so überlegt muß alles sein, was wir zur Hilfe Obcrschlesicns tun. Ich darf nunmehr..... die Note verlesen, die gestern«n die Vesatzungsmächte nach London. Paris und Rom gerichtet worden ist. nachdem wir bereits am Tage zuvor bei diesen Möchten nachdrücklich Einbruch eingelegt und Abhilfe gefordert hatten. Diese Rot« vom S. Mai hat folgenden Wortlaut: »Das oberschlesische Abstimmungsgebiet befindet sich heute zum größten Teile in der haaj polnischer Bauden. Die sriediieber.de Bevölkerung wird auss schlimmste terrorisiert. Niorde, Per- schlcppuageu häufen sich. Der Beirieb der Gruben und Hüttenwerke wird gezvaltsam gehindert. Die Zerstörung dieser wertvollen ProduktionsstsiSllen ist zu befürchten. Kor- faniy maßt sich die Stellung eines obersten Leiters der Der- waliung an, ernennt Militär- und I i v i l b e a m t e und ver- hängt Todesstrafen.(Hört, höril) Die polnischen Banden sind schwer bewaffne! und militärisch organisiert für die Aktion, die sich planmäßig und iriegsartig über das ganze Land verbreilet. Die friedliche Bevölkerung bewahrt demgegenüber bisher eine musterhafte Ruhe. Das Gebiet ist gemäß dem 5 r* e d e u von Bersaille» der Interalliierlen Kommission zur Der- waltung anverkraut. Truppen der alliierten Mächte halten es beseht. Weder hak die Kommission die ossenba: von langer Hand vorbereileke Bewegung zu verhindcru, noch durch ihre Truppen- macht den Aufruhr wirksam zu bekämpfen vermocht. Die deuk'che Regierung verwahrt sich wiederholt dagegen, daß die Zurück- Haltung der großen Mehrheit der Bevölkerung so aufqefaßl wird, als ob sie sich bei der Gewsktherrschast der polnischen Ban.cn be- rohigt. und daß die gegenwärtige Sachlage bei der Enffchei- duog über Oberschlesien in Betracht gezogen wird. Die Bevölke- rung kann verlangen, daß die alliierten Regierungen ihrer schweren Verantwortung bewußt und unverzüglich für eine der- artige Verstärkung der Besatzungstruppen sorgen, daß der Aufruhr binne» kürzester Zeit niedergeworfen und die Ordnung im Lande wiederhergestellt wird. Die deutsche Re- gierunq schließt sich diesem verlangen mit allem Bachdruck an und ersucht um eine Erklärung der dortigen Regierung, ob sie ge- sonnen ist. gemeinsam mit den anderen beteiligten Regierungen alsbald die ,ur Herstellung der Ruhe erforderlichen militari- scheu Kräfte einzusetzen. Sie ist bereit, ein tatkräftiges und schnelles Elngreifea der Machtmittel der Alliierten zu erleichtern und ihnen alle gewünschte.Förderung zuteil werden zu tasten. Die deutsche Regierung bedarf einer solchen Erklärung, um entscheiden zu können, ob von deut'-her Seite Maßnahmen zum Schutze der oberschlesischen Be- völkerung zu treffen sind, die vom deutschen Volke auss ent- fchiedenste gefordert werden.(Veisall.) Die deutsche Regie- rung verkraut, daß die alliierten Mächte die ihnen nach dem ffriedensvertrage zufallende Zlnfgabe in vollem Umfange erfüllen werden, wie ihr bevollmöchtiotcr Vertreter in Oppeln es der Bevölkerung am Z. Mai öffenkiicki angekündigt und wie sie es dem deutscheu Bevollmächtigten gegenüber wiederholt bestätigt haben.' Noch hinzufügen will ich, daß inzwischen die Anordnungen in die Weg« geleitet smd, um dl« Reichswehr in den Stand zu sehen, in kürzester Frist kwsssnige zu tun, was nach dem Ergebnis unseres Schrittes bei den alliierten Mächten als not- wendig erscheint.(Lebbafter Beifall.) Mit diesen Erklärungen will ich es vorläufig bewenden lasten. Ich glaube nur, in Ihrer aller Namen und auch im Namen des deutschen Volkes zu sprechen, wenn ich hier die herzlichste Teilnahme zum Ausdruck bring« für unsere bedrückten, bedrängten, an Leib und Leben bedrohten Brüder in Oberschlesien und sie auffordere, mutig auszuharren in dem Bewußt» sein, daß unsererseits alles geschehen wird, was nach Log« der Sache getan werden kann. Hoffentlich wird auch für sie einmal wieder der Weg zum Licht« führen.(Lebhafter Bei'all.) Abg. Ledebour(U. Soz.) beantragt Besprechung der Regie» rungsertlärung.(Lachen.) Gestern hat die Regierung sich gecM'-Öos Einsetzen der Reichswehr erklärt, heut« scheint sie anderer Ansicht ge- worden zu sein. dltg Abg. Braß(Komm.): Die Erklärung, daß die Reichswehr oerwendet werden soll, ist so schwerwiegend, daß wir sofort darüber sprechen müsien. Das deutsch« Proletariat darf nicht wieder in den Krieg getrieben werden. Abg. Müller-Fronkeg(Soz.): Wir sind mit dem Reichskanzler darin ganz einig, daß der bittere Ernst der Lage von allen Schichten des deutschen Voltes empfunden wird. Gerade deshalb fragen wir uns, ob den Jnteresien der Deutschen und belonders der deutschen Arbeiterschaft in Oberschlesien damit gedient wird, wenn wir jetzt eine Debatte beraufbeschwören, von der wir eben schon«inen Vorgeschmack gehabt haben(Zu- stimmung.) Im Auswärtigen Ausschuß waren wir uns darin einig, daß vor einem Einletzen der Reichswehr das Plenum des Reichs- tags.gehört werden soll. Reichskanzler Fehrenbach: Die Meinung von einer nächtlichen Sinnesänderung der Re- gierung gehört in das Gebiet der T r ä u me. Ich kann in Ueberein- stimmung mit dem Herrn Abg. Müller(Franken) nur feststellen, daß die Auffassung der Regierung heute noch ganz die gleiche ist. wie Sie st? gestern im Ausschuß für auswärtige Angelegenhei en kundgegeben hat.(Abg. Ledebour: Sie haben sich hier aber anders ausgedrückt!) Es ist mir im Traum nicht eingefallen. Ich habe mit der Möglichkeit gerechnet, daß eventuell, wenn diejenigen, die in erster Linie jetzt die Pflicht haben, für die Wiederherstellung der Ordnung in Oberschlesien zu sorgen, versagen, das deutsch« Volk.. (Lärm bei den V. K.— Glocke des Präsidenten.)— daß dann die deutsche Regierung ensichlossen ist, vor jedem Einsatz irgendwelcher militärischer Machtmittel das Parlament zu befragen.(Zuruse rechts und im Zentrum: Was wollt Ihr weiter?) Abg. Maltzahn(Komm.)(mtt großer Unruhe empfangen): Wir werden die Besprechung erzwingen.(Unrube und Lachen.) Im Namen meiner Fraktion erklär« ich(große Heiterkeit und Zurufe: Welch?« Fraktion?)— im Namen der De reinigten Kom-- munistischen Partei!(Große Heiterkeit und Zuruf«: Der Veruneinigten!— Erneute Hoiterkeit.) Wir werden Ihnen beweisen, daß wir noch da sind! Der Reichstanzler hat mit aller Deutlichkeit erklärt, daß die Reichswehr in Gang gesetzt werden soll. (Stürmischer Wide' spruch und Zurufe: Das Gegenteil hat er gesagt!) Wir lrerden die Besprechung heute erzwingen.(Lachen und allge» meine Unruhe.) Di« Abstimmung ergibt die Ablehnung des Anftages auf so» fortige Besprechung gegen Kommunisten und Unabhängige.(Lärm bei den Kommunisten. Einige Kommunisten springen nach dem Rednerpult.) Prästdent Löbe: Ich schlage vor, die welteren Punkte der Tagesordnung jetzt nicht zu behandeln. Die nächste Sitzung sestzu'etzen, behalte ich wir vor.(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit— Lärm bei den Kommunisten.) Schluß 4)4 Uhr. » Der Aeltesttnau-schuß de« Reichstages beschloß gestern kurz vor der Plenarsitzung, daß die Verhandlungen des Hauses auch in der nächsten Woche weitergeführt werden sollen. Di« Geschäfts des Reichstages werden mft den bisherigen Ministern weitergeführt werden, ohne daß die Tagung unterbrochen wird. Rücktritt vanöervelües! Brüssel, 8. Mai.(Agence Velge.) ver Generalrat der Arbeikerparkei und di« Gewerkschafkskommissiou . nahmen nach langer Bebalte eine Tagesordnung an. in der sie sich ider von der Amsterdamer Konferenz festgelegten Politik ia d-r Reparallonsfrage anfchNeßen und sich verpflichten, diese Politik im Land«, im Parlament und in der Regierung zu vertreten. Hieran» scheint hervorzugehen, daß die Sozialisten, falls die Regierung sich für eine BeteMgung an den Operationen im Ruhr» gebiet entscheiden wird, au» dem Sabinell austreten «erden. SewerMastsbewegung SunSestag öer technischen Angestellten unü Seamte«. Im festlich geschmückten Sacl des„Deutschen �ofs" wurde gestern der 2. Bundestag vom Präsidenten Herrn H e i n z e mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Den zahlreich erschienenen Ber- tretern von Behörden und gewerkschaftlichen Berbänden dankte er für ihr Erscheinen. Als Vertreter des Oberbürgermeisters war Ma- gistratsrat Dr. E b e r t y, für das Handelsministerium Ministeriol- rat Schulz-Briesen anwesend. Zur Leitung des Bundestages wurden Elias-Annen, Dos- h a g e-Hannover, S ch w e t h- Leipzig, S t« n d« r- Jnsterburg und Drosdatius- Berlin gewählt. Nach einer Reihe von Ansprachen wurde die Geschäftsordnung festgesetzt. Anwesend sind 116 Delegierte, Vertreter der Hospitanten, Mitglieder des Bundesausschi sfes� und des Bundesvorstandes, die Gauleiter weiter, Bundessekretäre und Gewerkschaftsassistenten. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird die Reihenfolge der Tagesordnung abgeändert. Für die Besprechung von Angelegen- heiten der Bundesbeamten wurde ein besonderer Ausschuß eingesetzt. Den Geschäftsbericht des Borstandes und die Abrechnung gab als erster Referent Schweitzer- Berlin. Redner schilderte in sehr ausführlicher Weise die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage und die Tätigkeit des Bundes im verflossenen Geschäftsjahre. Der» mehrung der Arbeitslosigkeit auf der einen, riesige Profite für die kapitalistischen Unternehmungen auf ver anderen Seite kennzeich- neten den Gang der Entwicklung auf wirtschaftlichem Gebiete. In einer Zeit, in der die Bolksmassen unter ungeheuren Lasten seufzen und kaum noch ihre Blöße bedecken können, walte eine ungeheure schrankenlose Profitgier, fülllen sich die Taschen der Spekulanten, häuften sich die Monopole, wüchsen sich die kapitalistischen Konzerne immer stärker zu einer Gefahr fü'' das ganze wirtschaftliche Leben aus. Eine große Gefahr feien auch die unheilvollen Putschversuche. Diese Gefahren würden vergrößert durch den Druck der von der Entente gestellten unerfüllbaren Forderungen. Dabei sei die Re- gierung immer noch nicht vom Raten zu Taten gekommen, sondern allen Sozialisierungsplänen aus dem Wege gegangen. Der Kapita- lismus wisie, daß mit der Berwirklichung dieser Pläne die Art an seine Wurzeln gelegt wird.— Der Klärungsprozeß, wie er seit dem Ausbruch der Revolution in der Angsstelltenbewegung einsetzte, habe auch im Berichtsjahr weitere Fortschritte gemacht. Bestrebung gen von deutschnationalen Verbänden, die auf eine Zersplitterung der Bewegung gerichtet waren, sind mißlungen. Die freigewerk- schaftlich« Angestelltenbewegung, die durch den Afo-Bund verkörpert wird, habe vielmehr im letzten Jahre eine äußere Erstarkung und innere Vertiefung erfahren Die Gemeinschaft des Bunde» mit dem ADGB. habe sich auch vor ollem auf dem Geoiete der Betriebsräte- bcwegung bewährt. Ein versuch der Kommunisten, eine neue Ge- werkschaftsinternationale zu schaffen, wurde abgelehnt. Der Bund hatte ferner zu allen sozialpolitischen Gesetzen und Gesetzentwürfen Stellung genommen und seinen ganz-n Einfluß für eine freiheit- liche Ausgestaltung geltend gemacht.'Mit Befriedigung sei zu kon. statieren, daß im Verichtssahre 20000 Mitglieder gewonnen wurden, daß allen Stürmen zum Trotz das Vermögen des Bundes um eine halbe Million zugenommen hat und daß rund dreiviertel Millionen für Unterstützungen und Beihilfen ausgegeben werden konnten. (Lebhafter Beifall.) Der zweite Referent Heinz« verbreitete sich vornehmlich über innere Bundesangelegenheiten. Hierauf trat eine Mittagspause ein. Kein wilder Streik! Bei der Firma Wohlfarth u. Goldschmidt, Möbel- fabrik, stehen die Arbeiter seit 10 Wochen im Streit. Die Löhne hatten bei Beginn de» Lohnkampfes die enorme Höh« von .6,45 M. im Durchschnitt. Den Tischlern, die bei Teilarbeit beschäf- tigt waren, wurden Löhne gezahlt von S,2S M. bis 5,3S M. trotz Spruches vom Tarifamt für das Holzgewerbe. welcher für Fach- arbeiten über 22 Jahre ab 14. Juli 1920 den Durchschnittslohn auf 6,00 M. pro Stunde festsetzt. Schon am 1. Februar 1921 wurden an die damals noch be- stehende Schlichtungskommifston Anträge zum friedlichen Aus- gleich der Differenzen gestellt, die aber von der Firma sabotiert wur- den. Es ist nun allerdings mehr wie sonderbar, wenn bei der Höhe der obigen Löhne und der Umgehung jeder Derständigung die Firma bei jeder Gelegenheit den berechtigten Lohnkampf ihrer Arbeiter als „wilden Streik� bezeichnet. Die Arbeiter der Firma werden sich dadurch von ihren berechtigten Forderungen nicht abdrängen lassen._ Streik der Transp ortarb eiter. Die Transportarbeiter im NahrungSmittel-Großhandel haben gestern wegen Lobndifferen�en den Streik erklärt. Wir bitten alle Arbeiter, keinen Streikbrecherdienst bei den Firmen zu leisten. Zum Streik im Tlefbavgewerbe beschloß eine Versammlung der Streitenden am Freitag, daß die Leitung des Ortskartells Berhand- lungen anbahnen soll, damit es nach nunmehr fünf Wochen dauern- dem Streik zu entscheidenden Verhandlungen komme. Die Not- st and s arbeiten, so auch in der Baugrube der Nord— Südbahn am Halleschen Tor, sind inzwischen teilweise wieder aufgenommen worden. Gegen die Beeschlepjmng des Beamtenvertretungsgesetz« protestierten die Reichs-, Staats« und Gemeindebeamtin wie die Lehrer Groß-Berlins am 2. Mai m der„Neuen Welt". Tie oer- langen die sofortige Vorlage und Verabschiedung eine» V e- amtenrätegesetzes, das in Ausführung des Artikels 220 Abs. 3 RV. der Beamten- und Lehrerschaft das Mitbestimmung»- echt und dessen Sicherung durch paritätische Schlichtung»- > u» s ch ü s s e gewährleistet. In dem vom Deutschen Beamten- s bund und ADGB. vorgelegten Entwurf erblicken sie eine geeignete Grundlage für ein solches Gesetz.— Außerdem protestierten die Beamten gegen die verschiedene Einstusung von Vororten Bersins im neuen Ortsklassenverzeichnis. Sie widerspreche früher gegebenen Zusicherungen wie auch den Forderungen der Beamtenorganisatio- —»egejung wurde ein Borgang für das dem entschieden wider- beschleunigte Weiterarbeit an der endgültigen Ortsklasieneintei'lung. Für die 10 Punkte trat eine Betriebsversammlung der NAG. am 28. April in Mörners Blumengarten ein. Davon auS- gehend erklärte die Versammlung, in eine Verkürzung der Arbeitszeit einzuwilligen, um den Arbeitslosen Gelegenheit zur Arbett zu geben Die Versammelten verlangen aber von den maßgebenden Instanzen die sofortige Einleitung von Ver- Handlungen zwischen den sozialistischen Parteien einerseits und den Gewerkschaften bzw. der freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale andererseits, damit es möglich wird, für die 10 Punkte des ADGB. in eine einheitliche gefchlosiene Aktion der gesamten Arbeiterschaft einzutreten. verbiudllch erklärker larifverkrag. Die am IS. September 1920 erfolgte verbindlichkeitserklärung des Tarifoertrages für die kauf« männischen und technischen Angestellten der chemischen Industrie Groß-Berlins ist mit Wirkung ab 1. Januar 1921 auf die p h a r m a- zeutifche Industrie ausgedehnt worden. Gleichzeitig wurden die durch Schiedsspruch ab 1. Januar festgesetzten Zuschläge für die gesamte chemische Industrie ohne Ausnahme mit Wirkung ab 1 Januar 1921 für allgemein verbindlich erklärt. Somit bestehen in der ganzen chemischen Industrie Groß-Berlins für die Ange st eilten wieder einheitliche Lohnver- hältnisse._ Zuspitzung im amerikanischen SeemaunSstreik. Die Reeder erklären erneut, die Arbeiter müßten,«he an ein« Vermittlung zu denken sei. zuvor die Herabsetzung der Löhne um lö Proz. annehmen von leiten der Streikenden wird betont, daß sie sich mit dem Lohnabbau nie und nimmer einverstanden er- klären würden. Handelsminister Hoooer machte den Vorschlag, den Streitfall durch Schiedsgericht beilegen zu lasten. Der Reeder« verband hat jedoch diese Anregung zurückgewiesen, so daß die Aus- sichten auf gutliche Verlegung im Augenblick sebr geringe sind. Nach Behauptungen der Seemannsfachverbände stehen 19SOOO Mann im Streik._ Die Lohndrücker ei in Amerika. Nach einer KabelmeL'ung der „Chicago Tribüne" au» New York hat die United States Steel Cor- poration eine allgemeine Herabsetzung der Löhne um 20 Proz. vom 16. Mai ab angekündigt. Diese Mahnahme erstreckt sich aus ISO 000 Arbeiter.— vi« Arbeiter haben dabei noch ein Wort mit- zureden. ___ I_____| W.____________. W_____ ta* UITKl wv—, trollst 39,—, Sirnrnereroctbanb 26,—, UEPD. 549,30, DktPD. 198,50, Ävmariu» 27,50, JuhrgeschW Filze 41,60, Tranaportarbeitcrverband 101,—. Arno Weise 41,—, Prehiuft.Masibinen.Derke 710,—, Verband bei Heizer- und Maschinisten 129,—, Drahtsabrik Bogel 323,—, Wagaan-Bau Ambi 1231,55, Kommunistische Jugend �6,—, Filrst t Ca., 72,—, Filz-Fad r>l 100,50, KAPD. 653,20, zusammen band, Agitatianebezirk C3»enick und Um» Cdvenick, Schönerlinder Str. i, Ber» aber Maalaul* Wage», und Karafferiebetrieb«. Sani-tog 10 Uhr Bollverfammlung in Böker, ff-stgilen. Weberstr. 17, Siwationabericht. Die Mitglieder de» Kartell» sowie alle Funktionäre müssen pünktlich um ölh Uhr erscheinen.— Die Ort». »erwaltunge» der Verbände der Mate" stackierer und Sattler. Deutscher Tran,portarb-iteroerband. A, grgend. Heute 7 Uhr bei Stippekohl, IL' sammlung. Tagesordnung:„Amsterdam a> stall arbeiter, Holzarbeiter, Maler und Wirtschaft die neue Hetreiüedewirtfthastung. Unsere bisherige Getreidewirtschaft kann als Zwangswirt- schast dauernd nicht aufrecht erhalten werden, weil sie den beabsichtigten Zweck, den minderbemittelten Bevölkerungskreisen das unbedingt notwendige Brotquantum zu erschwinglichen Preisen sicher- zustellen, von Jahr zu Lahr weniger erfüllt. Während der Krieges funktionierte die Getreidezwangswirtschoft noch leidlich: Auslandsgetreide war in nennenswerten Mengen nicht zu haben, daher mußten Landwirte und Exekutivorgane die Er- nährungsmöglichkeiten, wenn auch in stark eingeschränktem Maße sicherstellen, weil sonst der militärische Zusammenbruch und Hunger- aufstände die unvermeidlichen Folgen gewesen wären. Davor schreck- ten die Verantwortlichen doch zurück. Nach Kriegsende wuchs von Jahr zu Jahr die Einfuhr- Möglichkeit und mit ihr sank da» Berantwortlichkeit»- g« f ü h l derer, die für möglichste Sicherstellung de« Brotbedarfs au» der Inlandsernte verantwortlich sind. So ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß bei gleicher Wirtschaft im nächsten Jahr die Ablieferung an Brotgetreide weiter zurück- und die vuslandseinsuhr herausgehen wird. Hier setzt der Entwurf des Ernährungsministeriums ein. meines Erachtens weniger, um den Lrotbedarf des Voltes möglichst aus dem Ertrag der Inlandsernt« doch noch sicherzustellen. Die Grundtendenz des Entwurfes scheint mir vielmehr darauf hin- auszugehen, wieder zur freien Wirtschaft und vor allem zu höherenPreisenfürdie Landwirte zu kommen. Das Ziel der Produktionsförderung wird nur vorgeschützt, um den Widerstrebenden die Umstellung auf da» Umlageverfahren schmackhafter zu machen. Die öffentliche Browersorgung soll au» Inlands- und Auslands- getreid« notdürftig(schmale Rationen) sichergesteM werden, indem man ein L i« r k« i der Inlandsgetreideernt» in gebundener 'Wirtschaft(Ablleferungszwang und Höchstpreis) erhält, dte an>- deren drei Viertel dem freien Markt ungebunden überantwortet. ■ Damit wird nichts erreicht: denn was ändert denn das vorgeschlagene Umlageverfahren an dem derzeitigen Stand der Dinge. Umlag« haben wir bisher schon, sie heißt nur Ablieferungs soll, dessen Höhe doch auch nur durch eine Umlage bestimmt wird. Im laufenden Erntejahr ist nach dem Umlageverfahren mit einer Erfassung von annähernd SVt Millionen Tonnen der Inlands- ernte durch Reichsgetreidestelle, Bayerische Landesgetreidestelle und selbstwirtschaftende Kommunalverbände zu rechnen. 3,2 Millionen Tonnen sind auch im letzten Lahre nach der Reichsgetreidestelle bereits erfaßt worden. Da» Ergebnis würde also bei restloser Durchführung des Um- lageverfahrens kein größeres sein. Woran krankt das bisherige Verfahren? Es bestehen neben. einander zwei Preise, der gesetzliche Höchstpreis, verschleiert durch Druschprämien und die Maisoerbilligung, und der höhere Preis, den Schieber und Hamsterer zahlen, wobei derSchieberprei» immer mehr die größere Anziehungskraft entwickelte. Nach Einführung der Umlage wird daran nichts geändert. Neben dem gebundenen Preise für Umlagegetreide bildet sich im freien Handel ein höherer, an den Wellmarktpreis heran- kommender Preis heraus, der die größere Anziehungskraft haben und die Umlage sabotieren wird. Alles Inlandsgetreide fand bisher drei Abflußkanäle: di« öffentliche Wirtschaft, die Verfütterung und den Schleichhandel. Nach Einführung der Umlage bleibt genau dasselbe Bild. Die Umlage ist gleich der von der öffentlichen Wirt- schast erfaßten Menge. Dersüllerung lohnt zu den jetzigen Vieh- preisen auch bei Weltmarktsgetreideproisen noch. Nur wird der Schleichhandel dem legalen Handel Platz machen, so daß der De, m it t e l t e genügend gutes Brot haben wird wie bisher: der Minderbemittelle bekommt kümmerliche Nationen schlechtester Beschaffenheit. Die politische Wirkung, die das haben wird, kann man sich ohne lebhafte Phantasie schon jetzt ausmalen! Durch Ab- bau der Zwangswirtschaft sollen die Landwirte und andere be- teillqte Erwerbsstände nach und nach wieder„ehrlich" gemacht . werden? Kenner der Derhällnisse werden daran nicht zu glauben ver- mögen. All«, aber auch all« Korruptionsherde bleiben beim Um- lageoerfahren bestehen. Nehmen wir einmal an, daß die Furcht vor der vermögensrechtlichen Haftung die Landwirte zur Erfüllung ihrer Umlage zwingt(was angesichts des bisherigen Ber» sagen? der Exekutiv« keineswegs sicher ist), dann werden die meisten Landwirte das minderwertigste Getreide abliefern: über Anbaufläche und Ernteertrag werden unzählige Mogeleien versucht werden, damit möglichst viel Getreid« für den freien Markt zu hohen Pressen bleibt. Die Müller werden im Press« verschiedenes Getreide und Mehl, die Bäcker im Preise verschiedenes Mehl und Brot führen. Kenner der Verhältnisse wissen, welchen Schiebungen an allen Ecken und Enden damit Tür und Tor geöffnet wird. Die Exekutiv- organe des Staates und der Kommunaloerbände sind dagegen in der Hauptsache einfach machtlos. Die Umstellung auf das Umlageverfahren ändert also an den tassächlichen Verhällnissen gar nichts, ihr einziger„Erfolg" würde sein, den Preis des Inlandgetreides in ganz kurzer Zeit an den Weltmarktpreis heranzubringen, womit eine zurzell unerträg- liche Brotpreiserhöhung verbunden sein würde. Schwere Kämpfe um Lohn- und Gehaltssteigerungen auf ollen Gebieten wären die weitere Folge, denn gesteigerte Brotpreise ziehen Preis- steigerungen auf allen anderen Gebieten nach sich. Es bleibt angesichts der unsicheren außenpolitischen Lag« zur- zeit meines Erachtens gar nichts anderes übrig, als zunächst auf ein weiteres Erntejahr bei der bisherigen Art der Getreidewirsschast zu bleiben, bis wir genügende Auslandreserven an Brotgetreide im In- land haben, und dann die Getreidewirsschast freizugeben. Eine Sozialisierung der Getreidewirtschaft oder eine» Teiles derselben ist zurzeit undurchführbar. Eine v�- besserung der gegenwärtigen Zwangsbewirsschaftung ist allerding» möglich. Das einzige Gute des neuen Entwurfs zur Getreide- wirsschaft, die vermögensrechtliche Hastung de» Produzenten für die Erfüllung seines Ablieferungssolls, sollte man in di« bisherige Zwangswirtschaft einschalten. Im übrigen sollte man recht und schlecht zunächst noch ein Jahr die Zwangswirtschaft beibehalten. _ H. KSppler, M. d. R. Skorke Zunahme de» Vanknolenumlaufs. Der v a n k n o t e n« umlauf bat in der letzten Apiilwoebe um volle 2460,6 Millionen Mark auf 70 839,7 Millionen Mark zugenommen. Die Summe an umlaufenden Darlehnäkaffenscheinen erfuhr keine nenncnS- werte Veränderung: 17 Millionen Mark an solchen Scheinen find in die Kasien der Bank zurückgelangt, im Verkehr befanden sich am 30. April 9643.1 Millionen Mark. Der Umlauf an Banknoten und DarlehnSkassenscheinen zusammen, der in der vierten Aprilwoche deS Vorfahr«? um 1066.5 Millionen Mark zugenommen hatte, ist also in der«uSweiSwoche um 2443,6 Millionen Mark angeschwollen. v-r-mt». lür den redatt. r-il: Dr. Werner Veisrr. Cöarlottenbnrs: tür«zeigen Ab. Blocke. Verlin. Bering: vorloartS-Verliia». m. d. H.. Berlin. »Sr«».Buchdruckers u. Verla«»-,»sial! Voul Sin«et u.£«.. Serlia. ainbcifti t vier,» 1 VeNngr.' e Fcaßform« Eleganz Freiswiipdüglceit