Nr.SIZ� ZS.�ahrgang Ausgabe L» L?r. 105 Bezugspreis» «iKttliSbrl.!«.- M.. monatL 10,-«t frei ins paus, voraus zahlbar, Post- br-ug, Movailich iO.— M.»inIchl.Ku- stellungsgebühc. Unler Kreuzband für Deuiichland, Danzig, das Saar- und M.'inelllediei,'oroic die ehemals deur- jlhen Dediele Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg Z0,— M., ist» das übrige Ausland 27,— M. Poft- beilellungen nehmen an Oesterreich Ungarn Tlchecho-Slowalen Däne- ziiaii. volland, Luxemburg. Schweden und die Schwe,». Der„SonDätts' mit der Sonntag»- beilage.Poll und Seil*, der Unter- baliungsdeilage und der »ciloge„Siedlung und Kleingarten» trichemt wochen täglich zwet mal, Sonntags und Mottlag» einmal. Telegramm- Adrestet .Soziald«ino«rni Berita" Abend Ansgabe Vevlinev VolksblaN ( 2V Pfennigs Anzeigenpreis r DU achigelvaltene NonpareMezeil« lost« dchv M„«latn»«nzolgon» da» ieNgedrnckt, Won ILO M.(zu- lhsstg zwei kttgedruckt» Wone»,>ede, weitere«o« l.- M. Stell engesuti» und Schlafltellen anzeigen da» erlt» Won U— DU lebe, weitere Won «0 vi»,«ort» Uber 16«uchstadeu zählen für zw« Wone. ssamitien-An. zeigen iür Abonnenten geil» Z- M. Di» Preise oerstehen stch etnscbliehlich Teuerungszuschlaa, Anzeigen für die nächst» Nummer mllsten bt»» Uhr nachmittag, wt haurtgelchstsi. Berlin SW«l. Linden. ftrah»». abgegeben werden, cheostnet von 9 Uhr Irüh bi» 6 Uhr abend». Zcntralorgan der fozialdeniohrati fchen Partei Deutfcblanda RcdoPtion und Expedition: 6tö 68,£indenfh* 3 Fernsprecher: Ami Morinplnn, Nr. lälOV— ISIS? $tm Gewerksthasten und Sanktionen Am 5. TNai iagie In ft5tn eine konserenz der Vertreter der Orlsausschüsse und der Lezirtsleiter des Allgemeinen Deutschen Gilwerkschaftsbnndes und der Asa von westsalen, des gesamten Rheinlands und der übrigen besehten deutschen Gebiete, die nach eingehender Beratung nachstehende Entschliehnng annahm: Die versammelten, die rund 2 Millionen Mitglieder vertreten, ertlären einmütig ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Zuler- nationalen Gewerkschaslsbundes, wonach der Mir- deraufbau der verwüsteten Gebiete ein unbedingtes Ersordernis für das ökonomische Gleichgewicht Europas und für die Herstellung des wahren Friedens darstellt und ein Ergebnis nur durch ein Zu- fammenwirken der Arbeiter aller in Betracht kommenden Län- der erzielt werden kann. Die vom ADGB. zum Wiederaufbau ge- machten Vorschläge, die von der deutschen Regierung in ihre vor- schlüge an die Alliierten ausgenommen wurden, sind geeignet, die wiederausbauarbeiten umgehend in die Wege zu leiten. Sache der Bau arbeiterorganisastonen aller in Betracht kommenden Läu- der muh es nun sein, die Bedingungen, unler denen die wieder- aufbanarbeiteu geleistet werden sollen, mit ihren Regierungen zu vereinbaren. Auf das nachdrüiNIchste protestieren die versammesten Vertreter gegen die Anwendung aller Gewaltmahnahmen, die nur die Auswirkungen des Ententekapitalismus sind. Deutsch- land auf lange Jahre zum Arbeitssklaven ihrer imperiali- stischen Ziele zu machen. Ebenso entschieden wie wir die verpflich- tung Deutschlands zum Mederausbau der verwüsteten Gebiete und die Entschädigung für die zerstörten Werke anerkenuen. müssen wir iur Abwehr jeder Scmaltauwendung die Mithilfe der ge- amteu internationaleu Arbeiterschaft aufrufen. Die versammelten Vertreter erNären auss neue, daß keine Maßnahmen der Entente die Arbeiter und Angestellleu in ihrer Treue zur deutschen Republik wankend machen können. Insbesondere die Vertreter der befehlen Gebiete erklärten, daß sie allen Maßnahmen, die auf eine Loslösung der besehten Ge- biete hinzielen, mit allen ihnen zu Gebote sieheuden Mitteln entgegentreten werden. Annahme oder nicht? Die Lage ist auch heute noch, fünf Tage vor Ablauf des Ultimatums, vollkommen unübersichtlich. In den bürgerlichen Parteien schwanken die Meinungen zwischen j a und nein heftig. Dabei ist interessant zu bemerken, daß in diesen inneren Diskussionen die Fragen der Bestrafung der Kriegsver- b r e cy e r und der Entwaffnung eine größere Rolle spielen als die F i n a n z f r a g e n. Es scheint also wirklich, als ob gewisse bürgerliche Politiker es auf eine Besetzung des Ruhrreviers ankommen lassen wollen, damit die bayerische Einwohnerwehr bestehen bleibt und ihre Gewehre als Spielzeug behalten kann. Man nimmt an, daß es erst morgen abend zu einer Klärung der Situation kommen wird. Erst dann kann die Bildung des neuen Kabinetts in Angriff genommen werden. Die verschie- denen Fraktionen des Reichstags werden Sonntag tagen, und in diesen Sitzungen wird voraussichtlich die Entscheidung fallen. Die Urteile der Finanzsachverständigen über die un- mittelbaren wirtschaftlichen Folgen der Ausführung des Finanzdiktats gehen weit auseinander. Vielfach wird die Mei- nung vertreten, daß Deutschland wenigstens für einen gewiffen Zeitraum die vorgeschlagenen Zahlungen leisten und damit der im Augenblick drohenden politischen Katastrophe entgehen kann. Der bayerische Ministerpräsident v. K a h r und der deutsche Botschafter in Paris, Herr Mayer- Kaufbeuren. sind in Berlin eingetroffen. Der Boffchaster hatte mit dem Reichspräsidenten eine Besprechung. Die heutige Sitzung des Auswärtigen Ausschuffes ist von 11 Uhr vormittags auf 3 Uhr nachmittags vertagt worden. Das Kabinett wird nur durch die Staatssekretäre vertreten sein. Es werden verschiedene Finanzsachverständige anwesend sein, unter ihnen der Reichsbankprästdent Häven st ein. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- t i o n ist um 12 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Aeltestenausschuß tritt um 2 Uhr zusammen, um über die Llnsetzung der nächsten Plenarsitzung des Reichstags zu bel�pßen. Die F r a k t i o n s s i tz u n g der Sozialdemo- tratMen Partei des Reichstages findet am Sonntag vor- mittag, um Ist Uhr, statt. Entente unter Frankreichs Diktat. Varls. 6. Mai.(Havasmeldung.) Driond bestätigte Iourna- listen seine gestrigen Erklärungen und sagte, es sei völlig unzu- trefsend. daß Frankreich ermächtigt worden sei. zu mobilisieren. Er, Briand, habe gleich bei Beginn der Konferenz die Alliierten von dem Beschluß der französischen Regierung verständigt. Es fei ebenfalls falsch, daß durch das Abkommen von London Deutsch- land eine neue Frist von 12 Tagen erhalten habe. Die Mobilisie- rung der Jahresklaffe ISIS, die am 2. Mai beschlossen worden sei, erfordere für die Zusammenziehung der Truppen unbedingt eine Frist von 10 Tagen. Da» glückliche Eingreifen der Belgier, die vor- s-- geschlagen hotten, die fragliche Periode in dieser Weise nutzbar zu machen, habe es erlaubt, den englischen und den französischen Standpunkt miteinander in Einklang zu bringen. Nach einer Denameldung haben Franzosen bereits mehrere Orte bei Velbert besetzt und ziehen nach Kettwig weiter. vari», 7. Mai.(ES.) Der Londoner Berichterstatter des «Iouniar meldet: Lloyd George wandte sich im Einvernehmen mit der Lffenttichen Meinung Englands gegen die Besetzung des Ruhr- gebictes. Das würde einen Wiederbeginn des Krieges bedeuten und hiergegen sträubt sich das englische Volk. Darauf entgegnete Briand: „Frankreich wird auch allein vormarschieren, denn die Besetzung ist unumgänglich notwendig." Darauf antwortete Lloyd George: „Wenn Ihr wollt!" Briand erklärt« danach, daß Frankreich alle beschloffenen Steuern erheben werde, was Lloyd George mit „Niemals!" beantwortete.„Denn das Ruhrgebiet ist ein gemein- sames Pfand aller Alliierten, und ohne unsere Zustimmung werdet Ihr im Ruhrgebiet keine Steuern erheben!" Daraufhin wollte Briand den Saal oerlassen: da legten sich die Belgier ins Mittel und mochten Vermittlungsversuche. Sie sagten Briand, daß man für ein« Besetzung des Ruhrtales mindestens 14 Tage benötige. Daher könne man Deutschland noch ein« letzt« Frist von 12 Tagen gewähren.— Der französisch« Finanzminister erklärte dann, deutsches Geld für die Bezahlung der Sanktionen und für die Ennög- lichung des Wiederaufbaues zu benötigen, und daß deshalb die deutsch« Finanzverwaltung unter Kontrolle gestellt werden müff«. Lloyd Georg« erwidert«, daß man von Deutschland keine Zahlun- gen fordern dürfe, die dessen wirtschoflliche Entwicklung hindern könnt«. Man dürfe auch kein« Repressalien anwenden oder stch in dl« inneren Angelegenheiten«inmischen. Er fragte dann, ob man denn Deutschland zur Rolle der Türkei herabdrücken wolle. Als aber dann der englische Ministerpräsident einsehen mußt«, daß die französischen Delegierten nicht nachgeben, fügte er sich, und danach wurde die Einsetzung der Garantiekommisston beschlossen. Widerstand in Frankreich. Vari». 6. Mai.(MTB.) In der vergangenen Nacht wurden 17 Mitglieder der Verewigung der kommunistischen Jugend ver- hastet, die Aufrufe angeklebt hatten, worin die Angehörigen der Iahresklaffe 1S19 aufgefordert werden, dem Mobilmachungsbefehl keine Folge zu leisten. Varls, 7. Mai.(EP.) Das kommum'stische Aktionskomitee gegen den Krieg veranstaltet am Sonntag nachmittag«m« Maffendemou- stratiou gegen die Besetzung des Ruhrgebiete». Man behauptet jedoch, daß dl« Regierung Maßnahmen treffen wird, um dies« zu verhindern. Auch in Belgien wird mobilisiert. Brüffet, 7. Mai.(EP.) Am Freitag abend hat der Minister für Landesverteidigung einen Aufruf erlaffen, in dem er den letzten Jahrgang der Eisenbahntruppen unter die Was- fen ruft. Man sieht bereits die aufgerufenen Soldaten durch die Stadt ziehen. Einige Blätter richten einen Aufruf an dieRe- s e r o e o f f i z i« r e, sich für die Operationen im Ruhrgebiet bereitzuhalten. Norüamenka im Ententerat. Washington, 5. Wal.(Reuter.) Die vereinigten Staaten haben beschlossen, einen nichtamtlichen Vertreter im Obersten Rat und im Votschaskcrrat zu entsenden. Der amerikanische Kommissar in Baris, Roland Voyden, soll Vertreter im Reparasiousausschnß werden. Washington, v. Rkai.(haoas.) Der Botschafter der Ver- einigten Staaten in London. Oberst harvey. hat sich noch England eingeschifft, um seinen Platz im Obersten Rat wieder einzunehmen. bis der neue Botschafter der vereinigten Staaten in Frankreich, Herrick, an seine Stelle treten kann. Hughes walloce, der den Bolschasterposten in vari» verläßt. wird die vereinigten Staaten im Botschafterral vertreten. Washington, 6. Mai.(MTB.) In der von den Vereinigten Staaten an die Verbandsregierungen gerichteten Note heißt es: Bei voller Wahrung unserer überlieferten Politik, uns allen Angelegen- heilen von rein europäischer Bedeutung fernzuhalten, verfolgt doch die Regierung der Vereinigten Staaten mit größter Anteilnahme die Fragen einer geeigneten wirtschaftlichen Regelung und einer billigen Lösung der Angelegenheiten, die für die ganze Well von Bedeutung sind. Die Regierung wünscht daher, stch nützlich an den Beratungen zu beteiligen, welche über diese Fragen stattflnden. Washington. 6. Mai.(Havas.) Die Beamten des Staats» departements erklären, daß die amerikanischen Vertreter beim) Obersten Rat und beim Botschasterrat keinerlei Vollmachten er- j hallen werden, tm Namen der Vereinigten Staaten irgendwelche Verpflichtungen zu übernehmen. Sie werden den Sitzungen Haupt- sächlich als Beobachter beiwohnen. Selkfame Zumutung. Wie der„Frankfurter Zeitung" von zu» verlöfsiger Seite mitqeteill wird, requiriert die französtsche Militär» Verwaltung in der Pfalz gegenwärtig nicht bloß deutsche Kraft- wagen, sondern übersendet auch Kraftwagenführern Stellungsbefehle. Diese enthalten tn der Regel den Befehl. sich Innerhalb weniger Stunden zur Verfügung zu stellen und für ol) Tag« Proviant mitzubringen! i vorwartS'verlag S. m.b.H.. SW 68, Lindenstr.Z Fernsprecher>«im Mortupla». Nr. ur&Z— S4 Die Londoner Forderungen. Die ungeheure Verantwortung, die mit der An- nähme oder Ablehnung des Londoner Ultimatums verbunden ist. zwingt zu nüchterner Beurteilung der Zahlungspflichten. die sich aus dem neuen Programm für Deutschland ergeben würden. Die Besetzung des Ruhrgebiets kann höchstens solchen Leuten gering gelten, die seit jeher das deutsche Volt als Ob- jekt für jede nationalistische Gesühlspolitik angesehen haben oder die ehrlich der Meinung sind, daß auch die Annahme des neuen Zahlungsprogramms nur einen Aufschub, keinen Aus- weg aus der Krise bedeutet— nicht zu reden von denjenigen Leuten, die in verblendeter Geldsackpolitik eine wirtschaftliche Ängliederung des Ruhrgebiets an das franko-belgische Wirt- schaftssystem schon deshalb nicht tragisch nehmen können, weil damit der alte, in der Annexionspolitik der Stinnes-Helfferich vertretene Wunsch einer Vereinigung der Ruhrkohle mit dem franzosischen Erz in Erfüllung gehen würde. Die bisher vorliegenden Preffefttmmen tefson, to«wat sie nicht von nationalistischer Stimmungsmache beeinflußt sind. die Absicht erkennen, die Tragweite der Zahlungspflichten kühl abzuwägen. Die demokratische Preffe verzeichnet einige der Verbesserungen, die die gegenwärtigen Forderungen gegenüber den Pariser Beschlüssen aufweisen. Zunächst muß festgestellt werden, daß die Entente auf ihre Forderung, die letzte Goldmarkmilliarde aus den Kaffen der Reichs- dank herauszuholen, verzichtet hat. Statt dessen wird als erste Zahlung innerhalb 25 Tagen eine Milliarde Goldmark in Goch oder anerkannten Devisen oder in deutschen Schatz- anweisungen mit dreimonatlicher Laufzeit gefordert. Das ist bereits ein ganz wesentlicher Unterschied. Diese Zahlung würde zunächst bis zum IS. November, dem ersten Verfallstag für die auf Gnmd der Ausfuhrtaxe zu erhebenden Leistungen, die augenblickliche Zahlungspflicht» erfüllen. Es ist klar, daß fs bei der Beurteilung der Leistungs- pfllcht vor allem darauf ankommt, abzuwägen, ob wir mit unseren Leistungen Zeit gewinnen, bis die Erkenntnis von der Unerfüllbarkeit der Forderungen durchdringt. Als der Verttag von Versailles angenommen wurde, wußte ein jeder, daß die grundsätzliche Anerkennung der Wiedergut- machungspfllcht schwere Entsagungen für das deutsche Volk bringen wird. Wenn man heute noch an seiner Leistungs- fähigkeit untek den größten Entbehrungen schwerste Zweifel hegen muß, so liegt das daran, daß die verschiedenen wirt- schaftlichen und finanziellen Verpflichtungen des Vertrages einander zu sehr widerstteiten, als daß Deutschland unbe- kümmert große Zahlungspflichten eingehen könnte. Be- merkenswert für die Beurtellung der jetzigen Situation ist die Ansi/zt des bekanntesten englischen Kritikers am Friedens- vertrag, Maynard K e y n e s, über das Zahlungsprogramnu. Er nennt die Entscheidung des Wiederherstellungsausschuffcs. daß Deuffchlands ganze Zahlungspflicht nach dem Vertrage 13 Milliarden bettägt, zwar einen unzweifelhaften Tri- um pH für den Geist der Gerechtigkeit, hält aber feine Kritik an dem Vertrage aufrecht. Auch die neuen Vor- schlage des Verbandes feien unausführbar. Deutsch- land könnte 26 Proz. der Ausfuhr oder zwei Milliarden jähr- lich bezahlen, aber keineswegs beides. Trotzdem kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß Deutschland, da ein dauern- der Weltfriede das höchste Intereffe aller sei, den Plan nicht zurückweisen sollte. Zum Schluß sagte Keynes: „Der neue Plan fügt nichts zu den Lasten des Vertrages hinzu, in mancher Beziehung erleichtert er sie. Die Bekanntgabe des Planes ist in Uebcreinstimmung mit dem Verttag und führt nur aus, was Deutschland seit zwei Iahren Ursache hatte, vorauszu- sehen. Der Plan verlangt nicht von Deutschland unmittelbar, das heißt in den nächsten sechs Monaten, etwas zu leisten, wozu es unfähig ist. Er zieht das Verlangen nach Auslieferung der Gold- reserve der Reichsbank zurück und ersetzt es durch das ganz und gar verschiedene Verlangen einer Zahlung von einer Milliarde in Gold oder in fremder Valuta innerhalb dreier Monate, eine Zahlung, die zwar nachteilig sein mag und nicht beständig wiederholt werden kann. Es ist tatsächlich derselbe Betrag, den Deutschland bereits in seiner den Vereinigten Staaten übermittelten Rote anbot. Was die entfernten Zahlungen betrifft, wird Zeit und Erfahrung lehren, ob sie möglich sind. Ich stimme mit denen überein, die nicht wollen, daß Deutschland unter Drohungen unaufrichtig anerkenne, was es weder erschwingen kann noch will. Ich dächte, es wäre möglich, daß Deutschland den jetzigen Forderungen der Verbündeten will- fahre, ohne von der Stellung zurückzuweichen, die es eingenommen hat und die sich schließlich in seinem ausrichtigen Glau- ben als richtig erweisen wttd." Der Zahlungsplan siebt für die nächsten Jahre die Leistung von 2 Millicnchsn Gold jährlich vor. Daneben wird eine veränderliche Summe verlangt, die 26 Proz. des deutschen Ausfuhrwertes entspricht. Es ist also keine schematisch an- gewandte Ausfuhr abgäbe, sondern lediglich ein Schlüssel, ein Index für die deutsche Produktionsfähigkeit, der mit Zu- stimmung der Wiedergutmachungskommission durch einen ge- eigneteren ersetzt werden kann. Wie wenig es sich hier um eine Ausfuhrabgabe im eigentlichen Sinne des Wortes hon- dclt, ersieht man daraus, daß den Exporteuren der Gegenwert dieser Abgabe in deutscher Währung vergütet werden soll. Dadurch findet eine Ueberwälzung der Abgabe auf den Reichs- etat statt, die dieser durch Steuern, Zölle und dergleichen unter Aussicht des Wiedergutmachungsausschusses ausbringen muß. Dr. Felix P i n n e r berechnet im„B. T." den Gesamt- umfang der Leistungen in der Annahme, daß die Ausfuhr in den beiden ersten Jahren je 6, in den drei nächsten 7� und in den Jahren 1926 bis 1928 je 19 Milliarden Goldmark be- trägt. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Leistungen in den ersten Jahren zwar höher als nach den Pariser Be- schlüssen sind, im Jahre 1925 aber sich mit den damaligen Forderungen bereits die Wage halten, um in den folgenden hinter den Pariser Forderungen zurückzubleiben, wofern nicht die Ausfuhr ganz ungewöhnlich steigt. So wenig diese Berechnung für die Entscheidung, ob die Leistungen an sich erfüllbar oder unerfüllbar sind, wesentlich ist, so deutlich zeigt sie die mäßigenden Einflüsse, unter denen die neuen Forderungen bereits formuliert wer- den. Aber auch in anderer Hinsicht sind sie wichtig. Der Z 19 des Friedensvertrages soll dahin abgeändert werden, daß Deutschland Material nicht nur für den Wiederausbau der zer- störten Gebiete, sondern auch für den Wiederaufbau und die Entwicklung seines industriellen und wirtschaftlichen Lebens liefern soll. Das kann mit Recht dahin gedeutet werden, daß die Ententestaaten sich durch deutsche Sachlieferüngen die Konkurrenzfähigkeit am Weltmarkt sichern wollen, um Deutsch- land als Exporteur den Rang streitig� zu machen. Diese Gefahr wird dadurch vermindert, daß die Indexziffer für die beweg- lichen Leistungen sich auf den Wert der deutschen Ausfuhr aufbauen foll. Geht er infolge der fremden Konkurrenz zurück, so v e r l i e r t die Entente an Bargeldleistungen einen Teil besten, was sie an eigener industrieller Entwicklung ge- winnt. Alle diese Betrachtungen können nur ein Versuch sein für die Entscheidung wesentliche Gesichtspunkte beizubringen. Wir haben die Pflicht, den kopflosen Hasardeuren der nationalisti» schen Hetze die ruhige Berechnung entgegenzustellen. Unver- mindert schwer ist die Frage, ob sich das deutsche Volk so leistungsfähig einschätzen kann, daß die Grundforderung von 2 Milliarden Goldmark jährlich aufgebracht wird, unvermin- dert schwer die andere, ob die Gewaltmaßnahmen dadurch auch tatsächlich für längere Zeit ausgeschaftet werden. Der schwerste Druck der Zahlungspflicht wird, das hat die bis» herige Entwicklung gezeigt, auf den arbeitenden Massen lasten. Ob aber ein Verlust des Ruhrgebiets mit seinen staats- und volkswirtschaftlichen Folgen diesen Druck nicht eher v e r- schärfen als vermindern wird, darüber müssen sich die ver- antwortlichen Politiker klar werden, ehe sie die Entscheidung treffen. Levi's Ausschluß bestätigt. Die Zentrale der KPD. nahm vom 3. bis 5. Mai zur innen- tinb außenpolitischen Lage Stellung und beschäftigte sich insbesondere mit den Anklagen der Opposition, die bekanntlich die Märzaktion aufs schärfste verurteilt. Der Ausschluß Paul Levi's aus der Partei wurde nach wiederholten Ausführungen Levi's mit 3S gegen '1 Stimmen bestätigt, und mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde er nochmals zur sofortigen Mandatsnieder- legung aufgefordert. Die acht Fraktionsgenoffen Levi's, die sich ."Mit diesem solidarisch erklärt hotten, gaben hierzu eine kurze poli- 1 tisch« Erklärung ab, über deren Inhalt bezeichnenderweise die„Rote Fahne" nichts mitteilt. Im übrigen kamen sie jedoch mit einem Rüffel davon, und dt« Suspeudierung der Ausübung ihrer Mandate wurde aufgehoben.• Mit diesem Verhalten der Opposition gegenüber hat die KPD. aufs neue bewiesen, daß von einer Kritik in ihren Reihen nicht die Rede sein kann. Eine solche wäre den Moskauer Befehlshabern allzu unerwünscht, und da die deutschen Kommunisten zu p a- rieren haben, muß die Opposition mundtot gemacht werden. Auf diese Weile wird man sich bald wieder einer„Vereinigten" KPD. zu eisreuen haben. Wie lange?... „Ziesco"' im Staatstheater. Leapvld I e ß n e r, der Leiter des Schauspielhauses, das, unge- achtet einzelner ausgezeichneter Kräfte, in wilhelminischen Zeiten ein ziemlich schattenhaftes Dasein, bax jeder künstlerischen Initiative führte, hat dem Eharakter dieses Instituts in kurzer Frist ein von Grund aus verändertes Gepräge aufgedrückt. Ein Freund des Reuen, fetzte er feine Kraft fir die tastenden Versuche expressiv- »istisch�ynebokksitschen Stilart ein und rang zugleich in seiner Wieder. gäbe des bewährten Alten nach eigenartig individueller Formung. Wenn setne Tell-Aufführung in der vorigen Saison noch auf Oppo- sition stieß und dirch einen böswilligen Theaterskandal gefährdet wurde, erfocht er mit �Fiesco" einen vollen Sieg. Am Schluste be- reitete das Peibktkmn ihm Ovationen, wie man.sie sanft nur bei den Inszenier«ifsn Reinhardts kannte. Der„Fiesco" hält den Vergleich mit Schillers beiden anderen kühn-geniaten Prosadramen, mit den„Räubern" und.Kabale und Liebe" in keiner Weise aus. Die Deklamation tritt hier besonders aufdringlich hervor, die Ueberlast politischer und sonstiger Intrigen zersplittert das Interesse.'Aber soweit die Möglichkeit dazu bestand, war in der Vorstellung das tote Gewicht auf das geringste Maß herabgemindert, das Bedeutsame mit planvoller Konzentration her- ausgearbeitet. In stürmischraschsm Tempo fast ohne Wechsel der Dekorallon ging es vorwärts. Die Szene stellt den Vorraum eines Renaistenseschlosses dar, an dessen Hintergrundwand zwei Treppen, sinnreich zu den verschiedensten Gruppierungen im Stücke ausgenutzt, aufwärts fUhven. Mit ein paar ganz geringen Wandtungen dient das als alkgemeiner Schauplatz, als Prunkgemach, Fiescos Zimmer, Straße usw.. je nachdem. Wenn diese Unbestimmtheit der Szenerie die Verständlichkeit der ohnehin ja recht oerwickelten Situationen hier und da erschwerte, wurde das durch den Vorzug des ununter- brochenen Flusses wettgemacht. Hierdurch und mit Hilfe gut gewählter Streichungen gelang es, das sehr ausgedehnte Stück in den Zeitraum von ungefähr drei Stunden zusammenzudrängen. Die Figur des Helden, von Ernst Deutsch dargestellt, trat viel entschiedener als sonst in den Vordergrund. Der erste Eindruck war befremdend. Es fehlte seinem Fiesko der Zauber des Gewinnenden, die geschmeidige Weichheit, die man von der Gestalt erwartet. Di« hageren Züge, die leicht ins Schneidende verfallende Schärfe des Organs ständen dem entgegen. Doch die Empfindung eines solchen .Mangels oerschwand dann völlig in dem weiteren Verlauf. Das Exaltierte, das dieses bisher nur in modernen Dramen erprobten Schauspielers Grundkraft und eigentliches Clement ist, entfaltete sich in dem Rahmen der Rolle zu verzehrend heißer, den Hörer fort- reißender Glut. Man glaubte diesem Fiesko, daß der Genußmensch tivr angenommene Maske ist; jede Faser seines Wesens spannte sich im Dienst des ehrgeizigen Herrschertraums, Wien«, Stimme und preußischer Staatsrat. Wahl des Präsidiums. Der Preußische Staatsrat nahm in seiner Sonnabend- sitzung die Wahl des Vorsitzenden und der Schriftführer sowie deren«Stellvertreter vor. Die Geschäftsordnung des Land- tages wird bei der Wahl zugrunde gelegt, da die des Reichsrats sich als unanwendbar erweist. Freiherr v. M a l t z a h n(Dnat.) schlägt vor, zum ersten Aorsstzenden Oberbürgermeister Dr. Iarres- Duisburg durch Zuruf zu wählen. Da Widerspruch erhoben wird, erfolgt die Wahl durch Stimmzettel unter Namensaufruf. Abgegeben wurden 73 Ssimmen. Davon entfielen auf Oberbürgermeister Dr. Adenauer-Köln 45 Stimmen, auf Oberbürgermeister Dr. Iarres(Arbeitsgemeinschaft der Rhein- prooinz) 26 Stimmen. 2 Stimmzettel waren unbeschrieben. Dr. Adenauer ist somit gewählt und übernimmt den Vorsitz. Auch die Wahl der stellvertretenden Vorsitzenden erfolgt durch Stimmzettel. Freiherr o. Woltzahn schlägt Dr. Iarres vor als ersten Stellvertreter. M e e r f e l d(So;.) schlägt Graef- Frauksurt a. M.(Soz.) vor. Graes-Aranksurt wird mit 36 Stimmen gewählt. Dr. Iarres erhielt 3 4 Stimmen Darauf wird zum zweiten Stellvertreter Dr. Iar- res durck Zuruf gewählt. Als Schriftführer werden gewählt v. M a i b o m(Dnat.) und l a Grande(U. Soz.), als Schriftführer-Stellver- treter Tritel(Dem.) und Henfchen(Soz.). Der Vorsitzende Dr. Adenauer dankt für feine Wahl und spricht dem Alterspräsi- Kenten und den provisorischen Schriftführern den Dank aus. Der Redner schließt sich den warmen Worten des Ministerpräsidenten der Teilnahme und des Beileids über O b e r s ch l e f i e n an.(Lebhafter Beifall.) Der Staatsrat ist, so führt der Vorsitzende weiter aus, ein eigenartiges Gebilde. Er ist ke i n e erste Kammer, obgleich er stark parlamentarischer Art ist. Er ist durch indirekte Wahl hervor- gegangen. Er hat Vetorecht, Initiativrecht und das Recht gutachtlicher Aeußerungen und hat weitere Rechte auf dem Verwaltungsgebiet. Das agrarische Gratistelephon. Aus Poftbeamten-Kreifen schreibt man uns: Braucht der Po st mini st er Geld?— Er behauptet es zwar, jedoch macht er keine Anstalten, es dort zu holen, wo wicklich etwas zu holen ist. Wenn zu Wilhelms Zeiten ein Großagrarier billig zu einem Telephon kommen wollte, so schrieb er an den Staats- sekretär nur eine Zeile und flugs wurde auf seinem Rittergut ohne jede Rücksicht auf die Kosten eine sogenannte„öffentliche Fern- s p r e ch sie l l e" eingerichtet. Man denke nicht etwa, daß der Herr von Pumpewitz etwas dafür zu zahlen hatte. Keineswegs, er über- nahm nur die Garantie, daß die Gebühreneinnahmen fünf Jahre hindurch eine gewisse Summe, die nebenbei bemerkt lächerlich gering war, erreichten. Die Kosten trug der Poftsiskus, denn die Einrichtung geschah ja, um einem dringenden.öffentlichen Bedüif- nls" abzuhelfen, wobei man zu übersehen beliebte, daß die gesamte „Deffentlichkcit" außer in der Familie des Gutsherrn in den Knech- ten und Mägden des Gutes bestand, die sich wahrhaftig niemals ge- traut hätten, den Fernsprecher des„Herrn" in Anspruch zu nehmen. Doch damit nicht genug Zu jedem Weihnachtsfest erhielt der„gnä- dige Herr" noch, als Vergütung für feine anstrengende Arbeit eine Geldzuwendung! Feine Einrichtung— was? Nun hat, 2Vi Jahre nach der Revolution, eine O b e r- P o st- d i r e k t i o n tatsächlich den Mut aufgebracht, diese skandalösen Zu- stände aufzudecken und beim ReichSpostminister beantragt, .öffentliche Fernsprechstellen" der erwähnten Art aufzuheben. Wenn Herr von Pumpewitz und Genossen einen Fernsprecher haben wollen, so mögen sie sich wie jeder andere weniger begüterte Deutsche einen Anschluß gegen Zahlung der ordnungsmäßigen Gebühren— und 1000 M. Zwangsanleihe ja nicht zu vergessen!— herstellen lassen. Dieser Vorstoß verdient alle Anerkennung, doch— die Ober-Postdirettion hatte nicht mit den Aktenschwänzen im Post- m i n i st er i u m gerechnet. Der Gedanke, diesen Herren Agrariern auch einmal an den Geldbeutel zu gehen, ließ den Bureaukraten das Blut in den Adern erstarren. Man wälzte dicke Aktenbäude hin und her und dekretierte also: Bewegung spiegelten stählerne Energie, die om den Tiefen schwär- merisch visionärer Herrschbegierd« quillt. War er nicht gewinnend, so im gewissen Sinne imponierend. Glänzend spielte er die Szene, in der er die Handwerker durch sein« Tiersabel für seine man- archistischen Pläne zu präparieren sucht. De» Gipfel erreichte er im Monolog des dritten Aktes, wo nach kurzem Bedenken Fieskos ge- Helmstes Wünschen sich schrankenlos ergießt. Alles andere war hier- auf, auf diese Art von Dämonie bezogen, in der Klangfarbe darauf abgestimmt. Ebenbürtig stand ihm der knorrig markige Derrina Fritz Kortners zur Seit«, dem vor allem die beim Fallen des Vorhangs immer wiederholten Rufe galten. Zu starkem Eindrucke erhoben sich auch Rudolf Forsters junger, heimtückisch brutaler Dorla und Kraußnecks ehrwürdig weißhaariger Andreas. Legal verkörperte das Tierische des Mohren. Bei aller Kargheit in der Ausstattung zogen die Szenen doch in eigenartiger plastischer Bildhaftigkeit vorüber; an einzelnen Stellen stimmungsvoll durch wuchtige Rychmen einer Schlachtmufik unterstützt. Ein Massenauf- gebot hatte man für den Schlußakt vorbehalten; hier bei der Fahnen- Huldigung der Aufständischen von dem siegreichen Führer kam er zu um so intensiverer malerischen Geltung. ckt. Die Aussichten des neuen Staates in Palästina. Die zionistische Bewegung hat durch den Krieg und seine Folgen einen oewoktigen Aufschwung erhalten, und es wird mit Macht an der Aufrichtung eines jüdischen Staates in Palästina gearbeitet. Ueber die Aus- sichten dieses Unternehmens verbreitet sich Bernhard Funck in der „Deutschen Revue". Polästina zählt unter SSO 000 Einwohnern 83 000 Juden, also nur 12,3 Proz., das gesamte Syrien unter 314 Millionen Ein- wohnern 115 000 Juden, also 3,4 Proz. Die Juden halten sich vor- wiegend in den Städten auf. So zählte Jerusalem 1827 560, 1870 10 600, 1012 50 000 Juden. Jaffa 1913 10 000 Juden. Ti- berias 7000. Di» nichtjüdische Bevölkerung besteht aus einer Misch- rosse von Syriern und Arabern, daneben aus Drusen, Tscherkessen und Kurden. Der größte Teil der Juden ist erst in den letzten 40 Iahren eingewandert. Die zionistische Arbeit hat sich in kul- tureller Art bedeutsam betätigt. Besonders des Schulwesens hoben sich die jüdischen Vereinigungen angenommen, und es gibt heute Schulen aller Formen in Palästina. In Jerusalem bestehen außerdem ein Lehrerseminar und eine Handelsschule, in Haifa ein Technikum. An Zeitungen erscheinen in Jerusalem zwei Tage- blötter. außerdem verschiedene Wochen- und Monatsschriften unter- haltender und wissenschaftlicher Art. Die jüdischen Arbeitervereine Rapoel Hazair und Poalci-Zion haben einige, allerdings nur wöchentlich erscheinende Organe. In Jerusalem und Jaffa bestehen Büchereien, die sich regen Zuspruches erfteuen; Krankenhäuser sind in den größeren Orten eingerichtet. Aber das jüdische Staatswesen wird nur gedeihen können, wenn es«ich auf sozialem Gebiet eine gesunde Grundlage scbafst. Bisher haben sich die Juden auf einzelne Berufe beschränkt. Zwar zählt man in Jerusalem 6000 jüdisch« Handwerter, aber diese leben .. Es muß also auch angenommen werben, daß ein öffentliches Verkchrsbedürfms(f. oben!) bei Genehmigung der Anstalten seitens der OPD. als vorliegend anerkannt worden ist. Wenn ein solches nach den jetzigen Feststellungen der OPD. bei den meisten Hilfsstellen nicht mehr vorhanden ist, obwohl in den Der- kehrsverhältnissen doch meist keine wesentliche Aenderung einge- treten ist(womit einwandfrei erwiesen ist, daß man früher zu- gunsten der Agrarier jeden Schwindel auflegte. D. Red.), so kann doch nur eine Zlenderung in der Beurteilung der Bedürsiiisfragc seitens der OPD. eingetreten sein, aus der eine Berechtigung der Postverwaltung zur Aufhebung der Hilfsstellen nicht ohne weiteres Hergeleit et werden kann. Eine solche Maßnahme würde bei vielen Interessenten(!) auf ernsten und berech- tigten(?) Widerstand stoßen, weil es sich um alte, im Durchschnitt schon 20 Iahre(so lange schon hat man den Agrariern die Anschluß- gebühren geschenkt!) im Betriebe befindliche Anlagen Handell, und ein Ersatz derselben durch Zernsprechanschlüsse ohne Aufwendung bekrächtlicher Tüli'M vielfach nicht möglich sein wird..." Man muß diese Entscheidung des Postministers als unerhört bezeichnen. Also nur um den Geldbeutel der Agrarier zu schonen, verewigt man dieses von Jahr zu Jahr immer größer werdende Äe- schenk ohne jede Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches oder das Defizit der Pcstoerwaltung; ohne jede Rücksicht darauf, daß die Aus- gaben für die Unterhaltung dieser Anlagen die erzielten Einnahmen bei weitem übersteigen. Und dies alles, obwohl die Oberpostdirektion nach eingehender Prüfung erklärt hat, daß sich die weitere Aufrecht- erhaltung dieses Zustandes durch nichts rechtfertigen lasse. Ist das die sparsame und kaufmännische Wirtschast, die Herr G i e s b e r t-s stets im Munde führt? was man nicht sagen üars. Die Besatzungsbehörde in Dusiburg hatte unserem Parieiblatt, der„Niederrheinischen Volksstimme", eine„Verwarnung" zugehen lassen mit der Androhung, daß das Blatt, da es schon einmal auf 10 Tage verboten war, in der Zukunft mit einem Verbot von einem Monat zu rechnen habe. Als Grund für die Verwarnung gibt die Besatzungsbehörde einen Artikel:„Hinein in das Ruhr- revier" an. In dem Artikel ist eine Auslassung des Herrn Hubert- Jaques im Pariser„Journal" mitgeteilt. Der Pariser Schriftsteller, der bekanntlich andauernd zum Vorrücken bläst, behauptet dreist und gottesfürchtig, daß dem Einmarsch der Enteritetruppen in Duisburg, Düsseldorf und R u h r o r t die Arbeiterklasse gleich- gültig gegenübergestanden habe, und schließt daraus, daß, wenn die Entente den deutschen Arbeitern genügend zu essen gäbe, sich diese alles gefallen lassen würden und gegen die weitere Besetzung des Ruhrgebiets nichts einwenden würden. Gegen diese Behauptung hat der Artikel in scharfer, sachücher Form Stellung genommen und erklärt, daß sich Herr Hubert- Jaques eine lächerliche Vorstellung von der beut- schen Arbeiterschaft mache, wenn er glaube, daß diese bereit sei, für ein bißchen Essen und Trinken ihre Ideale des Sozialismus sowie den Kampf gegem den Iüiperialismus preiszugeben. Der französische Kapitalismus solle sich nicht denken, daß er die deutsche Arbeiterschaft zu Arbeitssklaven vollständig herab- drücken könne. Das darf man unter französischer Besatzung nicht sagen. Man soll nur ganz friedlich sein, damit der französische Kapitalismus un-> gestört seine Ausplünderung Deutschlands vorbereiten kann. Personalbogen und Religionssrage. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschast butet um Ausnahme folgender Erklärung:„Im„Vorwärts" vom Sonntag, dey 24. April 1921, wird dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschast der Vorwurf gemacht, daß er im Widerspruch zur Verfassung in die Personalbogen die Frage nach der Konfession aufgenommen hat. Die Aufnahme soll geschehen sein mir der Begründung, daß man bei eiligen Erhebungen zeitraubende Nachfragen ersparen'wolle. Diese Mottvierung ist nie von einer verantwortlichen Stelle gegeben worden. Im übrigen ist der Sochoerhatt folgender: Der Fragebogen enthält die Rubrik„Religion": un- mittelbar unter„Religion" steht aber auf jedem Fragebogen die Bemerkung:„Nur für statistische Zweck«. Es wird daher anheimgestellt, die Frage zu beantworten. Durch N i chtb e a n t w o rtu ng erwachsen keinerlei Na-H- teil e." Es besteht mithin für niemanden«in Zwang, feine Kou- session anzugeben oder die betreffende Rubrik überhaupt auszu- füllen."_ zum großen Teil von den Almosen, die alljährsich in Höhe von etwa 10 Millionen Franken nach Palästina flössen. In der Haupt- frage ober, der Ansiedlung, ist bisher noch wenig erreicht worden. In ganzen 40 Jahren wurden 43 Kolonien gegründet, die nur der geringen Zahl von 12 000 Menschen Unterhalt gewähren. Von den 423 000 Dunam(zu je 920 Geviertmeter), die der im jüdischen Be- sitz befindliche Boden in Palästina umfaßt, sind nur 88 400 bebaut. Aber selbst von den 12 000 angesiedelten Juden betreiben nur wenige wirklichen Ackerbau, die meisten haben sich auf gärtnerische Bewirsschastung des Bodens gelegt, die ihnen mehr zusagt. Eine Entwicklung des neuen Staatswesens wäre nach Ansicht des Ver- fassers nur möglich, wenn die berufliche Abgeschlossenheit innerhalb des Judentums überwunden wird. Das Abguß-Museum In der AniversikN. Die Sammlung von Gipsabgüssen antiker Bildwerke, die aus den Berliner Museen in die Universität übergesiedelt ist, wurde Freitag in ihrer ganzen Aus- dehnung im Obergeschoß des Erweiterungsbaus der Hochschule er- öffnet. Während im vorigen Jahre die Säle der älteren Kunst, von der griechischen Frühzeit bis ins 4. Jahrhundert eröffnet werden. konnten, ist jetzt auch der Schluß der Reche in dem Eckbau an dost Linden zugänglich geworden. Hier stellt« Noack in den gut beleuch- teten Sälen vor verschiedenfarbig gestrichenen Wänden die gereinig- ten und nach einem neuen Verfahren mit einem leichten warmen Gelb getönten Gipse auf. Der eine neue Saal zeigt die Meister- werke der Zeit Lysipvs, ein Raum mit den Götter- und Göttinnen- bildern des ausgebenden Griechentums folgt; ein Saal vereinigt die Kunstwerke des Pergamenifchen Kreises, ein weiterer die späte Bildniskunst. Di« römische Kunst wird in zwei Sälen zur Dar- stellung gebracht. Die Sammlung hofft, mit Hilfe von Kunst- freunden auch die Lücken ihres Besitzes an besonders empfindlichen Stellen ausfüllen zu kommen. e Stadt." Mittwoch:„S p a n i e n Donnerstag. Sonnabend, Pfinpst- tage: Stadtrat von Franlenberg:„Der Harz." Freitag: E d e I st a h l." Die Kroße Bolksoper Berlin bringt atr Montag 7 Uhr in der „Neuen Welt», Hasenheide,„Lobengrin- zur Aufführung. Die Eröffnung des Schloßpark-Theater» in Steglitz(Kleines HauS) mit Shakespeares„Xlrnon" findet Donnerstag, den 12. Mai, abends 7 Uhr, statt. Tie Künstler gegen da» MufeumS-SiintrittSgeld. Der Qr». verein Berlin der Allgemeinen Deutschen Kunstgen offeuschast hgt an das SultuS- und Finanzministerium eine Eingabe gerichtet, die die Bcseiiignng de» EintriliSgeldes in den Staatlichen Museen fordert, da diese kullur- feindliche Maßnahme das Verständnis fllr Kunst und. den Kunstgenuß Im Volle cischwert. Dieser Eingabe haben sich die anderen verlin« Künstler- mublnde angeichloffen. Hoffentlich hat die Sinaave bereits Erfolg, ehe die Masse der Mus eumsbesucher sich zum Protest erhebt. Gberschlefien. Nichts könnte verderblicher für uns fein, als wenn die alarmbereit gemeldete Reichswehr ohne Aufforderung der Oppelner Kommission in Oberschlesien einrücken würde, wo das mit Frankreich verbündete Polen gegen England und Italien kä:npst. U n s in der jetzigen Situation auch noch mit einem kriegerischen Abenteuer zu belasten, das jetzt von Polen ver- krochen ist, so sehr auch das Mitgefühl mit den oberschlesischen / Deutschen dazu locken mag, wäre glatter Wahnsinn— wenn nicht bewußter Landesverrat. Oberschlesien ist der Entente als Treuhänder ausgeliefert, sie hat vor der Welt die Ver- antwortung und wird schon die Folgen spüren, wenn sie ihre Pflicht nicht erfüllt— nicht heute und morgen, aber desto sicherer. Die folgenden engsischen Aeußerungen scheinen zu erweisen, daß man in London fühlt, was auf dem Spiel steht und mit wem man es zu tun bat! Wenn irgendwelche deutsche Eisen- und Stahl- i n d u st r i e l l e verlangen, daß deutsche Truppen sofort mar- schieren, so ist dazu lediglich zu sagen: Die Zeiten sind vorbei, wo die Schwerindustrie Deutschlands Politik zu bestimmen hatte. Nutznieher des Völkerschlachtens haben zu schweigen! Nach einer Warschauer Dena-Meldung hat der polnische Ministerrat beschlossen, das völlige Desinteressement der polnischen Regierung an den Vorgängen in Oberschlesien zu erklären. Die Grenze zwischen Oberschlesien und Polen soll gesperrt und jeder Verkehr zwischen beiden Ländern ver» boten werden.(Aber auch verhindert? Red.) Der Berliner Geschäftsträger der Polnischen Republik ist beauf- tragt worden, diesen Beschluß zur Kenntnis der deutschen Re- gierung zu bringen. Verschärfung. Breslau, 7. Mal.(Eigener vrahkberlchl de».Vorwärts'.) Die»Breshmer Volksmacht' erhält heute vormittag aus Oppeln fol- gendes Vild der Lage: Die Zateralliierke Kommission unternimmt anscheinend einheitliche Maßnahmen nicht. Ein Zeil ihrer Truppen verfügt infolgedessen in den belagerten Städten nur noch über sehr wenige Lebensmittel. Die italienischen Truppen habeu heute nacht unker schweren Verlusten die Stadt Rybnik wieder erobert. Dagegen haben die Polen neue Fortschritte im Kreise Kreuzburg gemacht, der fast rein deutsch ist. Angriffe auf Kandrzin und auf die wieder in deutscher siand befindliche Stadt Groß-Strehlilz wurden abgeschlagen, jn kattowih, Gleiwih und Veuthen fanden heute nacht Straßenunruhen statt. Die Große-Oheim-Grube bei kattowih brennt. Zn der Gegend von Ratiber kämpfen die deutschen Freiwilligen gemeinsam mit den italleni- schcn Truppen mit wechselndem Erfolg gegen die polnischen Banden. » P a r i». 7. Mai.(EE.) Korfanty und Votlva erklärten dem .Petit Zournal'-Verkreter, daß die Polen jedem Zusammenstoß mit Ententekruppen auszuweichen bestrebt feien. Zn Mittelschlesien wächst die Erregung. Der Regierungs- Präsident von ZMttelschlesien hat gegen jede eigenmächtige Selbsthilfe eine scharfe Verwarnung erlassen, für die es auch höchste Zeit war, wenn nicht miklelschlesische Deutsche in Gegensatz zu Entenlestellen geraten sollen. Zn Tarnowitz ist eine Einigung zwischen Deut- schen und Polen durch Vermittlung des englischen Sreiskontrollenrs i zvstande gekommen. Zn der Stadt Tarnowitz herrscht Ruhe. Auch im Landkreise habeu die Polen überall mit Vassengewalk hie Kontrolle der Verkehrswege und des ganzen Lebens in der Hand. Kattowih. 7. Mai.(DA.) Der französische Oberst Ardison hat gestern nachmittag den Empfang der Deputation der Gewerkschaften. die mit chm über die Wiederherstellung der Ruhe und Orduung berateu wollten, abgelehnt. Italien fordert(Senngtmmg. Turin.?. Mai.(EP.) wie die.Stampa' aus Rom meldet. verlang« Zlallen vou der polnischen Renierung für die Ermordung seiner Offiziere und Soldaten etue andere Genugtuung als die bloße Absehung Sorfanlys und die amtliche Erklärung, daß das warschauer Kabinett der Bewegung der Ausrührer fernstehe. Da- mit könne sich Zlallen u i ch t abfiuden. Es werde den Zwischenfall nicht nur diplomatisch behandela. soudern auch für den Schutz feiner Soldaten sorgen. Englandprefse mrd Korsantyputsch. London. 7. Mai.(Reuter.) Die polnische Zlufltandsbewegung greift um sich. Dos Ziel der Ausständischen scheint zu sein, die Kon- trolle über Oberschlesien zu bekommen, um den von den Alliierten zu fastenden Beschlüssen zuvorzukommen. Der Berllner Bericht- erstatter des.Daily Telegraph' hebt hervor, daß es die Alliierten sind, die Korfanty herausgefordert habe und gegen die er Krieg führe. Man müste jetzt zugeben, daß die bisher von Deutschland ge- äußerten pessimistischen Prophezeiungen nicht unbegründet gewesen seien.—„Morning Post' sagt, die durch den polnischen Aufstand geschaffene Lage werde in britischen amtlichen Kreisen als äußerst ernst angesehen, alles deute auf eine gründliche Organisation und auf ein von miliärischen Sachverständigen gelestetes Unternehmen hin. Es fei tatsächlich ein millkärischer Toup, der bisher erfolgreich gewesen sei. Die deutsche Bevölkerung habe sich bisher ruhig ver- halten, man könne es jedoch schwer verstehen, daß sie sich auf die Dauer eine Vergewaltigung durch irreguläre polnische Streitkräfte gefallen lasten werde. Bis der Oberste Rat der Alliierten seine Ent- schlüsse bezüglich Oberschlesiens gefaßt habe, sei Oberschlesien ein Teil Deutschlands und die deutsche Regierung werde wohl nicht ge- I /«igt sein, dem Beispiele Litauens zu folgen. Es fei nicht abzusehen, t?as geschehen würde, wenn die deutsche Regierung beschließen wollte, die Eindringlinge zu vertreiben.—.Daily Expreß' schreibt, dieses milltärifche Abenteuer Polens unterstütze die bekannte Aus- sicht, daß Polen seine Freiheit verloren habe, weil es nicht wert war, sie zu behalten. Tschechenpresse gegen Polen aufstand. Prag. 7. Mai.(TU.) Die amtlich«.Ozesko-Slowenska Re- publika' erklärt, der Aufstand bedeute einen Triumph der Gegner des Verfailler Friedens. Die.Tribuna' schreibt: Die Entente, welche Deutschland zur Abrüstung gezwungen hat, hat es dem pol- nischen Einfall ausgesetzt. Die Entente, welche die Deutschen entwaffnet hat. hat heut« die Pflicht, es zu schützen, sonst werden Putsche und Gewalt in Europa herrschen, sonst werden polnische Kinder morgen mit Helmen der Ententesoldaten spielen, sonst wird nicht ein einziger Nachbar Polens sicher fein. Eine desinstive Ver- ständigung mit den Polen und deren definitiver Derzicht auf T eschen fit erst möglich, wenn ein selbständiger ukrainischer Staat mst 20 Millionen Vnwohnern und einer langen Grenze mst Polen be- sieht._ Rechtsabmarsch der Deutschen Volkspartet. Im Preußischen Staatsrat hol sich die Deutsche BolkSpartei mit den Deutschnationalen zu einer Preußischen Fraktion zusammengeschlosten. Dieser Schritt ist nur zu begrüßen, da er wenigstens vor aller Augen zeigt, wohin die Deutsche Volksparlei gehört. Der verhandluugstermi» in Sachen yerme» contr».Vorwärts'. der für den g. und 10. Mai vorgesehen war. ist aufgehoben worden. Rache. Britische Mililärbebörden haben als Wied'ervergeltung vier Farmen bei Ratbmore einäschern lasten, in deren Röhe sieben Gendarmen von Sinnseinern getötet worden waren. GroßGerlln Die Staüt üer Gegensätze. Blau ist der Himmel, unsagbar blau! Und er dehnt sich über die große Steinwüste, die erfüllt ist vom Hauch der Automobile, der Fabrikschlote, vom Geklingel der Straßenbahn, vom Schreien und Lärmen hastender, jagender Menschen. Und dos olles umtost der Wirbelsturm aufgescheuchten Staubes. Die Großstadt gleicht einer Sphinx: sie scheint voll zu sein von wirren Geheimnisten. Die Per- sönlichkeit, der Einzelne ist gleichsam auz gelöscht, Menschen sind Atome, willenlos, bald hier, bald dort hinglestend, von seltsamen Kräften getrieben. Das ganze Durcheinander mutet an wie vollendete Sinn-, Ziel- und Zwecklosigkeit. Welch ein Wechsel der Erschei- nungenl Wer Berlin von Süden nach Norden oder von Westen nach Osten durchwandert, erlebt kein einheitliches Stadtbild, sondern das vieler Städte, die aneinandergeklebt sind, die aufeinander angewiesen sind, die nicht mehr loskönnen und sich doch fast feindlich gegenüber- stehen. Welch Gegensatz zwischen den stillen Straßen im Grunewald und dem von spielenden Kindern erfüllten Norden oder Osten. Welch Gegensatz zwischen den Laubenkolonien und der City. Ja. welche Gegensätze selbst innerhalb der City, zwischen der tosenden Leipziger Straße oder dem Mühlendamm und den stillen Eäßchen an der Spree. Wandern wir durch die Belle-Alliance-Straße! Graue Häuser aus der Gründerzeit mst allein Häßlichen drum und dran. Kleine Geschäfte mst einfachen Auslogen, spielende Kinder auf den Bürgersteigen und freche Spatzen in den Bäumen. Da- zwischen eine Kaserne und ein Friedhof. Abgearbeitete Arbeiter- frauen prüfen mst kritischen Blicken die Lebensmittelgeschäfte: es ist die Welt der kleinen Leute. Am Halleschen Tor staut sich der von und nach allen Himmelsrichtungen flutende Verkehr, ein hastiges Kommen und Gehen, die Friedrichstraße kündet sich an. Wir werfen einen Blick in die WUhelmstraße, die wie ausgestorben fast idyllisch daliegt. Und bald sind wir mstten in der engen von der Reklame fast erdrückten Friedrich st raße. Moderne Geschäftshäuser, die mit Riesen- buchstaben ihr Dasein anzeigen, Cafes, Dielen, Kinos, Bars, Film- fabriken, Theater, fleißige Arbeiter, flanierende Gents, kleine Mäd- chen, die auf einem bestimmten Strich der Straße aus und ob gehen und mit Kennermienen die Vorüberhastenden mustern und von ihren .Beschützern' beobachtet werden. Dazwischen Schaßenhändler, die mst den neuesten Massenartikeln handeln und die Blumenfrauen nicht zu vergesien. Geschäfte aller Art. die mehr oder minder geschickt auf- gsmachte Auslagen zeigen und dann die Fremden. Da schmeicheln sich weiche slawische Laute ins Ohr, Pariser Französisch sowohl als holpriges Englisch sind zu hören. Provinzler streben zum Panopti- kum und in der Passage fühtt man förmlich den Staub der alten Wachsfiguren. Di«.Kunst' hat sich hier vielfach auf die Lebewest eingestellt. Bilder mst nackten oder halbnackten Mädchen sind im trauten Berein mst Hohenzollernbildern ausgestellt. Postkarten zeigen Wilhelm den Letzten mit der Unterschrift.Bon aller Welt verlassen'. Das Haus Doorn wird in allen Boriarsten gezeigt. Es wird sowohl an die Sinnlichkeit als an die Tränendrüsen und an das, was diese Gesellschaft Patriotismus nennt, appelliert. Reisebureaus und Hotels vollenden das Bild. Sowie man die Spree passiert hat. gibt der Norden seine Disttenkarte ob. Die Geschäfte beginnen wieder einfacher zu werden und hinter der Invaliden st raße hat sich der Charakter des Stadtbildes völlig gewandelt. Wir finden Miets- kasernen, kleine Läden, blumengeschmückte Balkons, ärmlich gekleidete Männer und Frauen, Fabriken, die vom Arbeitsrhythmus der Ma- schmen erzittern sowie die von einem grausamen Geschick zur Ar- bettslosigkeit Berurtesttm. Hier bleiben die Frauen stehen, wenn eine Geschlechtsgenosstn im vurchschnittskleid der Tauentzienstraße erscheint. Hier ist alles auf die äußerste Einsachhest eingestellt, und wer von der Straße hinweg in die Hinterhäuser geht» den grinst oft genug das Elend an in seiner grauenhasten Geßalt. Diese Stadt ist der Hort jeglicher Tugend und jeglichen Lasters, sie umschließt alle Gegensätze, hell« Freude und tiefes Leid, raffi- nierten Luxus und grenzenlose Armut, und das olles soll beachtet, begriffe» und ausgeglichen werden. SiedlungS-Ttudieufahrte«. Die Bereinigung für Kriegsbeschädigten-Ansiedlung erläßt für Sonntag, den 8. Mai(morgen) eine Einladung zu einer Studien- fahrt nach Eberswalde-Messingwerk und zwar zur Besichtigung der Kleinhaus-Siedlungen, der Ziegeleien, der Fabrikanlage und des Industrieguts der Hirsch, Kupfer- und Messingwcrke Akt.-Ges.: 1. Abfahrt vom Stettincr Bahnhof(Fernbahnsteig) 8,41 Uhr vor- mittags, Ankunft in Eberswalde-Messingwerk 10,10 Uhr.— 2. Dersammlung im Dorfkrug des Messingwerkes.(Daielbst war- mes Essen, Hausmannskost zu billigen Kantinenpreisen.)— Borträge von leitenden Herren des Werkes über: a) Die Kleinhaussiedlung des Messingwerkes und ihre Finanzierung, b).Das In- dustriegut'(die landwirtschaftliche Unternehmung des Werkes). c).Keine Verwendung von Ersatzbaustoffen!— Ansiedlung von Kriegsbeschädigten in der Nähe von industriellen Werten. 6) Aus- spräche.— 3. Besichtigung der Kolonie„Heimgesellschast'(Gesamt- anlage, einzelne Bautypen).— 4. Besichtigung der„Heimstätten'- Ziegeleien.— 5. Besichtigung der industriellen Landwirtschaft(des „Industrieguts').— Abfahrt vom Messingwerk-Heegermühlc 2,08 Uhr, Ankunft Stettiner Bahnhos 3,55 Uhr, oder ab Eberswalds 8,29 Uhr abends, an Berkin Stettincr Bahnhof 9,10 Uhr. Die Teil- nähme von Gästen ist der Bereinigung sehr erwünscht. Größere Fußtouren sind mit der Fahrt nicht verbunden.— Ferner veran- stallet der„Märkische Verband für Fremdenverkehr und Ansiedlung' E. B., dem 60 Gemeindebehörden und Berkehrsvereine der Mark ange?)örcn. eine Besichtigung von Neusiedlungen in Bor» orten Berlins. Treffpunkt 10�4 Uhr in Friedrichshagen (Bahnhofs-Ausgang). Besichtigungen der Neusiedlungen in Fried- richshagen unter Führung von Herrn Baurat Neriich. Dann Fahrt nach Köpenick.(Treffpunkt 12 Uhr Bahnhvfs-Ausgang). Besicht!- gung der Siedlungen in Köpenick unter Führung von Herrn Bau- meister Becherer. Anschließend Besichtigungen der Neusiedlungen in Adlershof(Treffpunkt IM Uhr Bahnhofs-Ausgang Bismarckstr.) unter Führung von Herrn Baumeister Pommer. Eine Teilnehmer- gebühr wird nicht erhoben._ Kleinfiedler rntb Hundesteuer. AuS Siedkelkreilen wird unS gesdbrieben: Die finanzielle Not Groß-BerlinS ist unbestreitbar und die Suche nach neuen Steuer- quellen verständlich. Wie steht ti aber bei der enormen Erhöhung der Hundesteuer mit den vielen Kleinsiedlern, die in den Außenbezirken Berlins ihr Heim aufgeschlagen haben und zum Selbstschutz sowohl alz auch für ihre Parzelle einen Hund brauchen? Hier ist der Hund kein Luxus wie im engeren Berlin, sondern der notwendige Ersatz für die fehlenden SicherbeitSbeamten, denen man in den Straßen Berlins fast auf Schritt und Tritt begegnet. Und nun soll uns dieser wirklich noiwendige Schutz so verteuert werden? DaS ist einfach undenkbar. Aber auch finanziell würde das er- wartete Ergebnis ausbleiben. Wird die Hundesteuer in der ge-. planten Höhe beibehalten, dann sind die Besitzer(meistens kleine Leute, Arbeiter ulw.) gezwungen, die Hunde abzuschaffen. Nur ein verschwindend kleiner Teil wäre in der Laqe, die Steuer zn zahlen. Bei einer mätzigen Hundesteuer würden sicherlich eine große Zahl von Siedlern auch fernerhin ihre Hunde behalten können und Berlin sich trotzdem eine, wenn auch nicht so hohe, Einnahmequelle erschließe». Vollelettristermtg de? Berliner Verkehr?. Ueber die Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Borort- bahnen verlautbart von unterrichteter Seite folgendes: Die Ar- besten zur Einführung der elektrischen Zugförderung auf den Strecken Berlin, Stettiner Bahnhof— B ernau und Berlin— H ermsdorf sollen so beschleunigt werden, daß die Inbetriebnahme der elektrischen Zugförderung auf diesen beiden Strecken berests im Frühjahr 19 23 erfolgen kann Während früher Triebgestellzüge vorgesehen waren, bei denen die zurzeit noch im Betriebe befindlichen Wagen der Stadt- und Vorortbahn verwendet werden konnten, sollen nun- mehr mit Rücksicht darauf, daß der Wagenpark der Berliner Bahnen nach und nach durch neuzeitliche Bauformen ergänzt werden soll, in Zukunft Triebwagen und Beiwagen leichterer Bauart beschafft und aus diesen Triebwagenzüge gebildet werden. Diese Triebwagen- Züge werden rund 690 Sitzplätze aufweisen. Der Strom wird den Zügen durch eine dritte Schiene zugeführt in ähnlicher Weise, wie dies bei den Hoch- und Untergrundbahnen geschieht. Gegenwärtig wer- den die ersten Wagen beschafft, an deren Probefahrten teilzunehmen auch den Vertretern der Presse Gelegenheit gegeben werden soll, wobei sicherlich auch Anregungen für die weitere Ausgestaltung der Wagen von der Verwaltung berücksichtigt werden. Zu den Verhandlungen über den neuen ZMekezuschlag verbreitet jetzt das Nachrichtenamt des Magistrats folgende Mitteilung:„Wegen der Aenderung der Miethöchstgrenze sind bisher lediglich, wie die Höchstmietenordnung vorschreibt, je fünf Sachverständige aus Mieter- und Vermieterkreisen vom Ausschuß für das Wohnungswesen ange- hört worden. Keine der beiden Gruppen ist zu einem übereinsttm- Menden Gutachten gelangt, weder in bezug auf die Aenderung der Höchstmietgrenze noch in bezug auf den Vorschlag, den der Ausschuß für das Wohnungswesen dem Magistrat zu machen beschlossen hat. Alle hierüber verbreiteten Nachrichten sind völlig unzutreffend.' Staalsiches Lelhaml. Am 10., 11. 12. und 13. d. M. beginnen um 9 Uhr vormittags in der I. Abteilung, Iägerstr. 64, die Versteige- rungen verfallener Kleider-, Pelz- und Wäschepfänder, Uhren und Schmucksachen. Goethes»Iphigenie' im Wallnerkhsater. Zu der Sonntag, den 8. Mai, nachmittags 3 Uhr, stattfindenden Aufführung des Volks» bildungsamts Neukölln von Goethes.Iphigenie' im Wallnertheater sind noch Karten für alle Plätze an der Theaterkasse erhältlich. Gen. Pfarrer Bleier hast Sonntag vormittag 10 Uhr in der Trinitatiskirche, Cbarlottenburg, eine religiöse Feierstunde ab.— Montag, den 16. Mai, abends 6 Uhr, daselbst Pfingstfeier. ver Kampf gegen die welMche Schule ist auch in Stegsitz ent- brannt. Deshalb macht die Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte der SPD. und USP. darauf aufmerksam, daß die Evangelische Schulgemeinde am Sonntag, den 8. Mai, in der Matthäus- kirche einen sogenannten Schulheimatabend veranstastet. Da eine e v a n g e l i s che Schulgemeinde selbstverständlich eine weltliche Schule bekämpft, so ist es ebenso selbstverständlich, daß Anhänger der welllichen Schule mst ihren Kindern eine solche Deranstattung nicht besuchen werden. Apollo-Tbeater. Der Mai-Svieldlan de» Apollo-AeaterS ist wirklich so zugeschnitten, einer �verwöhnten Zuschauerlckaft vollaul»u genügen. S h e m ihrem JllufionSatt, genannt Die vier Elemente, zauberte prächtige Licht- und Farbenwirkungen hervor. Hilde Arndt, noch sehr, sehr jung. ein« Schülerin der anmutigen Gudrun Hildebrandt, brachte drollig und nett drei Tänze zur Darbietung. Allerliebst als Gummiball, von ganz ent- zückender Wirkung, doch auch gleich anziehend als strampelnder Harlekin. Jedoch muß die Künstlerin darauf achten, daß die hellblauen SIrumds« bändcr nicht wieder fichtbar werden, denn sie zerreißen gar zu unschön die prächtig zu einander stehenden Farben des Kostüms. Bei sabelhafter Ge- lenligkeit und guter Muskeltraft zeigte Hilde Arndt zuletzt einen slawischen Tanz. Die Zwei Christians arbeiten vorzüglich am Lusttrapcz, und die Vier Arkonis, die Meister der Schleuderbrettkunst, werden stet« gern gesehen. Afra, die berühmte Gedankenleserin, arbeitet im Verein mit ihrem Partner verblüffend sicher. DaS ist ebenso von dem Schnell- maler Karl Kretz zu behaupten, der dankenswerterweise auch den Humor zu sciuem Recht kommen lägt. Wa>d,»Der Mann ohne Nerven-, ein tollkühner Jongleur, ist der vollendete EleichgewichlS« mensch im wahrsten Sinne de« Wortes und Simon und A r s o r d, die komischen Reckiurncr, haben die Lacher und die Bewunderer aus ihrer Seite.»Im Reiche der Venu»- wird da» naturalistische Ballett betitelt. ES gibt hübsche Bilder und man sieht bei de« Damen so ziemlich alle», nur keine Kostüm«. DaS städtische Marionettentheater spielt aus Veranlaffung de« kommunalen VollsbildunaSauSschusseS Reinickendors am Sonntag, 8. Mail nachmittags 4 Uhr, in Reinickendorf-West in der 5. Gemeindeschule. Zur Äussührung gelangt das im ösllichen OrtStell mit großem Beifall auf- genommene Märchendrama.Muzl, der gestiejelte Kater-. Alle Eltern, die mit uns darüber ewig sind, daß den Kindern gute, anregende Unter- Haltung geboten werden soll, fordern wir aus, ihre Kinder auf unsere Theatervorstellungen ausmerksam zu machen. Herrliche Licht- und Farben- effekte, künstlerische Dekorationen und literarisch ewwandsreie Texte bürgen für den erzieherischen Wert der Marionetlenspiele, die wir regelmäßig über den SO. Bezirk ver breiten wollen. Der Eintritt kostet für Kinder 75 Pf., 1,50 M. für Erwachsene. Maler und Lacklerer! Morgen vormittag, van 10 bis 1 Uhr, findet in den Bezirkslokalen(siehe hie heutige A«ige in der Morgen- ausgab« des.Borwärts') die Wahl der Delegierten für die Generalversammlung statt. Pflicht unserer Kollegen ist es, sich an dieser Wahl vollzählig zu beteiligen und die von uns vorgeschlagenen sechs Kandidaten zu wählen. Die Kandidaten werden morgen früh hier veröffentlicht werden. Groß-Serliner parteinachrichten. 14. KreiS, ReukLlla.(ftindergnippe.) Am Sonntag, den S. Mai, Beteilignng am Mai'Iugendtag in KanISdors-SUd. Treffpunst 9 Uhr morgen« Ruhardplotz. Vorträge, vereine unü Verfammlunoen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag norm. II Uhr im R-thau«, Königsiroße, B ortrag des Herrn Dr. H. Z. C r i st i e n:„Die Gntmicklung der chrlstlichen Kirche zur Etaatskirche". Harmonium: Andante a. d. L.Moll.Snmphont« kEchuberi). Geiste willkommen.— Deutscher Schutzvcrband der Schwerhörige» S. B. Montag, den 9. Mai, Monatsversammlung, Markusstraste 49, 2. Quer. Gebäude, 2 Treppen(Taubstummenschule), Vortrag des Herrn Heppner. Vi«I- därer ausgestellt. Säst« willkommen.— Znternationaler Bund der Krieg»be. schädigte», Krieg,teil»ehmer und Kriegerhluterbltedenen. Kriegsopfer de« 17. Verwaltungsbezirk«! Sichtige Versammlung am Dienstag, den 19. Mai. abends 7 Uhr, Schulaula Parkaue. Sport. Slrbeiter-Radfahrer-Bund„SolidaritSt". Touren für Sonntag, den 8. Mai. 1. Adt. WolterSdorser Schleuse, Start 7 Uhr. Mittag? nach Hirsch- garten(Wilhelms hos), Start 1 Uhr, Bülowstraße 58.— 2. Abi. Wand- litzsee, Start 6 Uhr, Fontane-, Ecke Blücherstraße, nachmittags(Leuchtturm).— 3. Abt. Streiszüge durch den Brieselang, Start S Uhr. PichelSwerder. Alter Freund, Start 1 Uhr.— 4. Abt. Streiszüge durch den Blumental. Start 5 Ubr, nachmittags nach AhrenSselde, Start 1 Uhr, Weberwiese. Ecke Frankfurter Allee.— 5. Abt. Familientour nach Pserdebucht, Start 1 Uhr, Komturciplatz.— ß. Abt. Nedlitz(RZmerschonze), Start 51/, Uhr. mittag» ISst.Uhr, Wannsee(Fürstenhos), Start Kopenhagener Straße R.— 7. Abt. Luckenwalde. Start 5 Uhr, Schulitraße 18. mittag« nach Löwen- bruch, Start 12 Uhr Sparrplatz.— 8. Abt. Rüdersdorf, Start 6 Uht. mittags Sadowa, Start 1 Ubr, Waldstrage 8.— 11. Abt. Rüdersdorf (Kalkberge), Start(5 Uhr, mittags 1 Ubr, Rahnsdorfer Mühle, Start See- ftraße 101.— 12. Abt Melortahrer über Marzahn. Eiche nach Tiefenfee, Start 11 Ubr, Bahnhof Franks urt er Allee,-f Ortsgruppe Martendors- Tempelbos nach Teltow, Start 1 Ubr bei Streiter, Chausseestroße 27.— OG. Lankwitz nach Teltow» Sputendors, Start 1 Uhr bei Phis-iwicki.— LG. Lichtenberg nach Wandlitzsce. Start 7 Uhr. Jungstraße 10.— OG. Charlosteuburg nach Hakenselde. Start 1 Uhr, Birnbaum, Ealoaniftratze.— CG. Reinickendors, Ziel am Start t2»/, Ubr bei Muster.— OG. Marien- selbe nach Brusendors, Start 1 Uhr.— OG. Johannisthal nach Brusendorf. Start 1 Uhr, Luftverkehr.— OG. Ziathenow nach Zolchow— Schnetzdott, Start 2 Uhr. GsVer�sthostsbewegung Konflikt im Suchbinöerverbanö. Nachdem die kommunistische Ortsverwaltung bei den Urwahlcn .a 23. April mit Hilfe der Unabhängigen wieder in den Sattel ge- Koben wurde, hat ste sich unmittelbar darauf, in ihrer Vorstands» sitzung vom 25. April, erneut eine Provokation der Mit- glieoer und Verbandsinstanzen geleistet, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt Sie beschloß nämlich, einer Ein» ladung des Produktionsverbandes der polygraphischen Gewerbe Ruß- lands entsprechend, den Vorsitzenden Kaspar zu dem all- russischen Kongreß dieses Verbandes nach Moskau zu delegieren und Kaspar zu einer anschließenden Studienreise in Rußland 6 Wochen zu beurlauben. Trotzdem gegen den auf der letzten Generalversammlung angenom- menen Kommunistenantrag, eine Delegation nach Rußland zu dele- gieren, binnen wenigen Tagen zirka 30Ö0 Mitglieder durch Sammellisten protestierten und Aufhebung dieses Beschlusses bzw. Urabstimmung darüber beantragten, besaß die Ortsvcrwaltung dennoch, entgegen diesem offensichtlichen Willen der Mitglieder- Mehrheit den traurigen Mut, ihren kommunistischen Vorsitzenden Kaspar nach Moskau zu delegieren. Selbstverständlich konnte der Verbandsoorstand diese Provo- kation nicht ruhig hinnehmen und hat Kaspar, der bereits am 2S. April nach Moskau abgereist war, wegen grober Pflicht» Verletzung seines Amtes enthoben. Zur weiteren Klärung der Angelegenheit sind Verbandsausschuß und Beirat zum M- ntag, den 9. Mai, nach Berlin berufen worden. Obwohl Kaspar inzwischen zurückgekehrt ist, weil er seine Reise in- Streiks des Transportpersonals nicht vollenden konnte, ändert dies an den tatsächlichen Verhältnissen wenig. Die kommunistische Ortsoerwaltung hat ihrerseits zum Montag nach den Kammersälen, Tektower Straße, eine allgemeine Mitgliederversammlung ein- berufen, in welcher sie gegen den Beschluß des Verbandsvcrstandes Sturm laufen will. D i e Kommuni st en drängen mit Ge- w a l t z u m K o n f l i k t. Es ist daher Pflicht aller auf unserem Boden stehender Mitglieder, pünktlich in dieser Versammlung zu erscheinen, um den kommunistischen Quertreibereien entgegenzutreten. Ter Streik in den StahrungSmittelbetriebey. Der bereits heute früh gebrachten Meldung vom Streikbeschluß der Transportarbeiter in der Nahrungsmirtelbranche lasten wir nun» mehr den Derfammlungsbericht folgen: Schultz berichtete über die bisherigen Verhandlungen. Obgleich die beauftragten Kollegen zweimal mit den Arbeitgebern verhan- best und ihr« Forderung auch dem Schlichtungsausschuß unterbreitet hätten, sei»ine Einigung nicht erreicht worden. Der Lohn betrug bisher wöchentlich: für Kutscher 270, für Arbeiter 265 und Arbeiterinnen 165 M. Wir forderten für olle 30 M. Zu» läge Es handle sich nun darum, ob die Kollegen von ihrem guten Recht des Streiks Gebrauch machen wollen. In der Debatte waren alle Redner für den Streik. Einstimmig wurde dann beschloffen, die Arbeit sofort niederzu- legen und erst nach Bewilligung der geforderten Zulage wieder aus. zunehmen. Bauarbeiter Serlins! wähl! morgen keine Kommunisten. Gebt Cure Stimme nur solchen Männern, die für die Erhaltung Eurer Organisation 'en. Das tat weder Hoffmann noch Graul. Dazu sind nur bereit die Kollegen, die auf der Liste stehen, die beginnt mit den Namen Thöns-wartenberg. Der englische Bergarbeiterstreik dauert nun bereits fünf Wochen. Eine Reihe von Parlamentsmitgliedern bemüht sich unausgesetzt, eine Einigung zu erzielen, was aber bis zu diesem Augenblicke nicht möjjlich gewesen ist. In der„Times" wird der Vorschlag ge- macht, einen Gerichtshof einzusetzen, in dem Vertreter der innerhalb einer Woche der Streik beendet sein dürste. Seine Folgen machen sich im englischen Wirtschaftsleben bs- reits sehr drückend bemerkbar. Eine Verfügung ermächtigt den Mi- nister des Innern beispielsweise, die Sommerzeit noch um eine wei- tere Stunde auszudehnen, falls der Streit nicht bald zum Abbruch kommt. Am 6. Mai wurden die Züge auf die Hälfte eingeschränkt. Die Brauereien und Brennereien haben bereits keine Kohle mehr, und laut„Tally Chronicle" wird die öffentliche Beleuchtung in Orten unter 5000 Einwohnern eingestellt. Die Cisenbahngesellschaften haben nach einer TU.-Meldung mit ihrem Personal«in Uebereinto mm e n ge- troffen, das bei der Aufhebung der Regierungskonttolle über die Eisenbahnen im August ähnliche Kämpfe wie bei den Bergarbeitern oerhindern soll. Theater See Woche« vom tt.«tat DU 15. Mal. BoücSSdnr; 8. n. 11. KapitSn Srajkounb« Bekehrung, t. tt. IS. Antigone. 10. Sias Natchen von Heilbronn. 18. Das Postamt. Die SomSdie der Ir- rungen. 14. u. IS. Der Bauer als Millionär. 10. Aniigon«.— Opernhaus: 8. Walküre. B. Soft fan tulte. 10. Iosephs-Legende. Versiegelt. iL Madame Butterfly. 12. Tavalleria. Bajagzi. 13. sAußer Abonnement) zum eisten Male Turandot. Arlecchino. 14. Nigoletto. 13. Frau ohne Schatten. 16. Meister. singer.— Schauspielhaus: 8. ff'tst». 9. Die Räuber. 10. Sterne. 11. Fiesio. 12. Der ftaufmann von Venedig.— Deutsches Theater: Potasch und Perlmutter. — Großes Schauspielhaus: 8., 10., 11., 13.— 16, Ein Sommernachtstramn. 9. n. 12. Der Saufmann von Venedig.— Deutsches Theater: Potach und Perlmutter. — Sammerspicle: Mesalliance. Am 13. Russisches Gastspiel: Traum der Liebe. — Lcffing-Thcater: g. u. 11. Gespenster. 19. u. 12. Gin idealer Gatte. 12. Peer Gynt. 14., IS. u. 16. Rosenmontag.— Theater in der SönigarSher Straße: Rugby.— Deutsches Opernhans! 8. Die Hugenotten. 9. Tiefland. 10. Di« Jüdin. 11. llndine. 12. Carmen. 13. u. 14. Parstfal. 15. Tosca. 16. Sonn» Häuser- Schiller-Theater: 8 u. 15. Alt-Heid-Ib-rg. 9., 12., 14. u. 16. 100 000 Taler. 10. u. 13. Setichen Gebert. 11. Doktor Klaus.— Reucs VoUs- Theater: 8., 9., 13., 14. n. 15. Rose Bernd. 10. lt. 12. Nora. 11. Jugend. Täglich. Die Trüdine: Der Teufel.— Deutsches»Sustler-Theate«: Die selige Crzellenz.— Komödie nhaus: Die Sache mit Lola.— Berliner Theater: Das Milliarden-Eouper.— Kleines Schauspielhaus: Steigen.— Trtanon- Theater: Rosen.— Residenz. Theater: Das Privileg.— gentral-Theater: Ilonka. — Theater in der Kommandautenstraßc: Die golden« Freiheit.— Frlcdrich- Wilhelmftädtisches Theater: 7.— 18. Ihr« Hoheit die Tänzerin. Ab 14. Me Kleine aus der Hölle.— Komische Oper: Alt-Heidelberg.— Lustspielbaus: Die spanische Mege.— Metropol-Theater: Die blaue Mozur.— Neues Operetten» Theater: 8. Der lachende Ehemann. 9.— 13. Geschlossen. Ab 14. American» GuL— Thalia- Theater: Mascottchen.— Theater am Rollendorspla»: Der Vetter aus Dingsda.— Theater des Westens: Morgen wieder luftikl— Kleines Theater: Nur ein Traum.— Wallncr. Theater: Der Traum vom Glück. 1, 2 u. 3) Die Lokalbahn. Erster Klasse. Der keusche Josef. Sein Modell. Am Badestrand. liß: 12.— 15. Simon.— Admirolspalast'"" 14, u. 15. Abrakadabra.■ Rachmittogsvorstellnngeu. Volksbühne: 8. Das Postamt. Die Komödie der Irrungen. 15. u. 16. Wallensteins Tod.— Schausptelha»»: 8. Ulh Uhr: Wohltätigkeitsmatinee. 2% Uhr Volksvorstellung: Gespenster. 15. 21-i Uhr Volksvorstellung: Flachsmann als Erzieher. 16. 2lL Uhr Vollsvor- stellung: Rabensteinerin.— Großes Schauspielhaus: 8. Der. Kaufmann von Venedig.— Deutsches Theater! 8. Kabale und Liebe.— Lefking. Theater: 15. u. 16. Frau Warrens Gewerbe.— Theater in der Köuiggräßer Straße: 15. Salome. — Deutsches Opernhaus: 8. Hosfmanns Erzählungen. 11. Fidelio. 15. n. 16. Der gigeunerbaron.— Schillre-Theater: 8., 15. u. 16. Der Meineiddauer.— Neues Volls-Thenter: 8., 15. u. 16. Jugendfreunde.— Deutsches Künstler» Theater: 15. U. 16. Pygmalion.— Berlwer Theater: 15. Der letzte Walzer.— Trianon-Theater: Rosen.— Refideuz-Theatee: Lady Windermercs Friedrich-Wilhelmstödtisches Theatee: 8. Hans Huckebein.— Ks«! 8. Der Barbier von Sevilla.— Theater des Westens: 8. u. 15. Der Sabinerinnen.— Kleines Theatee: Casanovas Sohn.— Kafino-Theater: Höllen- qualen.— Lnlsen-Theatcr: 8. Schneewittchen und Rosenrot.— Admiralspalast: 15. u. 16. Die roten Schuhe. Verantw. lür den rebalt. Teil: Dr. Werner«eiser. Eharlottenburg: Mr Anzeigen: Tb. Glocke. Verlin. Verlag: Vorwürts-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Bor- wOrtO-Vuibdruckerei u. BerlaaSanltalt Paul Singer Ii. Co.. Berlin. Slnbrnktr. 8. �<5 kfurfer Alle»** H a 5?� 6 W Jehoneber�CJ" J �6 POrtPAM MMMMW nottej Frottß-Rieiä farbig m.Tri,'lß.ent- O en_ ▼elß u. färb, alt ice xöck.vararh.dup anAFarb gam.nmr Denlsch.Metallarbeiter-Uerband Deutscher Holzarbeiter-Derband Derband der Maler«. Lackierer Derband der Sattler Morgen Sonntag, vormittags 10 Uhr, in«oekers �estsälen, Weberstrasze 17: Vollvertammlung aller in den Wagen- u. Karosseriebetrieben beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: Bericht über den Stand im Gewerbe. t 2» Dt« Mitglieder des Kartells sowie alle Funktionäre werden ersucht, pümtUch»>/,Uhr bi demselden Lokal ,n erscheinen. Sie Ortsvorrvalti-uga». Gläl)lampeD Halbwattlampen und fdmll.«lattro.Znslall.- Maleclal lauft Setiröder, Ä". Fabrtkgeb. Iii. „«elßer Rade Dauerwilsche, vi Aeichendergerstraß» extra stark» verkauft Born. traß« 7. vzMwsMSevde vvd ElflvM Gute Verdieniimbalichtetten !lusNärr>«o und Anregung gebende Broschüre: Gin»«usr «cinr sendet gratis g.«rdnuenn 5«t)