!Tf>ftt7» ZS.�ahegaag /iusgsbe K Nr. 107 Bezugspreis: «ert«l?!lhrl..?0.— M., monatl. 10�-«. frei ins Hans, voraus zahlbar. Post» br-ug: MonaUich lO,— M,»i»kchl.gu- st-!.unaszebül7r. llntrr Arrnzband Mr Deulschland, Da», ig, da» Saar- und Wcnieigebiot.>0»»- die ehemals deul- ichcn Gebiete Polen«, Oesterreich. ll".narn und Luxemburg 20,— M., lür das Übrige Ausland 27,— M. Poft- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tschecho-Slowalei, Diine- mari. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilage„Voll und Zeit", der Unter- jaUnngsbeilage �eimweit" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- lag» und Montag» einmal. Abend-Ausgabe sozial Telegraunn- Adreffe: -zialdemokrat Ser c Serlw» Devlinev Volksblstt AuzetstenprclS: Dt» achtgefpalten- istonvareillezetl» kostet dLd M„Klein» stinzetgeo-- da, fettgedruckte Wort Ldv M. tzu- lässig zwei fengedruckte Woriel, irde« weiter»'Kor, i.— M SteUengesiickn und Schlasstellenonzelge»»a,»rite Wort U— M, lebe» weiter» Wort 60 Vlg Worte»der ld Buchstaben zähle» für zwe, Gorra Faintlien-An- zeigen sstr Abonnenten stell» M Di» Preis« verslehen sich elnschliehlich Teurrungszuschlag Anzeigen für dl»»ich N» Nummer miissen bi,» Ahr nachmittag« im Hauptgeschäft. B»rlin SW SS, Linden» straste 8. abgegeben werden Geöffn« von 9 Uhr srilh bi» 5 Uhr abend», Zentralorgati der rozialdetnokratifcben Partei Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SM PS, Linöenstr« 3 ksernsprecher: Amt Morttiplah. Nr. Il>1 90— läl«7 Vorwärts-Veriag G.m.b.H., SN öS, LinSenstr. Z Serusprechcr, Am» Morivplap, Sir. U7S2— l» Die Sozialdemokratie springt ein. Ministerium Vieth! 5m Laufe des heutigen Vormittags ist die Kabinetts- blldung ihrem Ziele erheblich näher gekommen. Allem An» schein nach wird die neue Regierungskoalition sich wieder einer Zusammenfassung jener Parteien annähern, die in der Periode der Nationalversammlung die Regierungs- gefchäfte führten. Die bisherige Regierungskoalition aus Deutscher Volks- Partei, Zentrum und Demokraten ist im wesentlichen dadurch gesprengt, daß die ihr angehörenden Parteien in der Frage der Annahme oder Ablehnung des Entente-Ultimawms g e- spalten sind. Die D e u t s ch e V o l k s p a r t e i hat durch ihren in der letzten Nacht gefaßten Beschluß, das Ultimatum abzulehnen, Deutschland in die Eefckhr gebracht, daß die Franzosen Mittwochnacht marschieren und das Ruhrgebiet besetzen werden. Dieser Beschluß, der im Gegensatz zu der ursprünglichen Haltung eines großen Teils der Partei steht, ist ein seiger aus parteiegoistischen Gründen diktierter Rückzug, geboren aus der Konkurrenzangst vor den Deutschnationalen, deren Agitation die Deutsche Volkspartei fürchtet, falls sie die Verantwortung für die Unterzeichnung des Ultimatums übernimmt. Zwar erzählt man sich zurzeit im Reichstag, daß Herr Etresemann noch im letzten Augenblick die lebhaftesten Anstrengungen macht, um in seiner Partei einen Um» s ch w u n g für die Annahme des Ultimatunis herbeizuführen, doch ist der Erfolg dieser Bemühungen einmal schr zweifelhaft, und sodann die Zeit so drängend, daß man auf das Resultat nicht warten kann, da die Frist für die Be- antwortung des Ultimatums in wenigen Stunden abläuft. So Ist durch das Verhalten der Deutschen Volkspartei das deutsche Volt vor die unmittelbare Gefahr der feindlichen Invasion, des Verlustes seiner wich- tigsten Ind'striezentren gestellt. Was das bedeutet, ist hier schon zur Genüge ausgeführt worden. In dieser unge- mein ernsten Situation hat die Sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion in den heutigen Vormittagsstunden mit 5 6 gegen 26 Stimmen den schweren Entschluß gefaßt, sich an der Bildung einerRegierung zu beteiligen oder unter UmständendieBil» dung einer Regierung selbst zu übernehmen, die das von der Entente gestellte Ultima- tum annimmt und damit vom deutschen Volk die ihm unmittelbar drohende Katastrophe abwendet. Der Partei- a u s s ch u ß hat, sich mit 28 gegen 13 Stimmen dem Beschluß der Reichstagsfraktion angeschlossen. Die Sozialdemokratie ist damit— und nicht zum ersten Male— in die Bresche gesprungen, um das deutsche Volk in einer Situation vor dem Schwersten zu bewahren, in der gerade jenen Leuten der Mut der Verantwortung ausging, die stets den Mund voll patriotischer Redensarten führen. Kein Partei int erefse hat sie zu ihrem Schritt be- axtgen— wir wisien aus hinlänglicher Erfahrung, daß es sich t# der Opposition weit bester lebt und daß einem die Auf- opferung in schweren Augenblicken nicht gedankt wird. Aber höher als jedes Parteiintereste steht die E x i st e n z d e s deutschen Volkes, über die in wenigen Stunden die Entscheidung fällt. Hätte in diesem Augenblick die Sozial- demokratie gezögert, so wäre die Gefahr eines r est u l t a t» losen Ablaufs des Ultimatums, der praktisch die Ab- l e h n u n g bedeutet, kaum noch zu bannen gewesen. Ob der mutige Schritt der Sozialdemokratie Erfolg haben wird, hängt von der Haltung der übrigen Parteien ab. In diesem Augenblick besteht die größte Wahrscheinlich- keit, daß ein aus SozialdemokratenundZentrum bestehendes Kabinett zustande kommt, in dem möglicher- weise auch die Demokraten vertreten sein werden. Die demokratische Fraktion, die ziemlich genau z u r H ä l f t e s ü r, zur Hälfte gegen die Annahme des Ultimatums ist, berfM soeben darüber, ob sie einzelnen ihrer Mitglieder den Eintritt in ein Annahmekabinett gestatten will. Sie wird voraussichtlich zum mindesten den Beschluß fasten, bei der Abstimmung im Plenum den Fraktionszwang auf- zuHeben und ihren Mitgliedern volle Freiheit der Ent» fcheidung zu geben. Dadurch wird die Mehrheit für die An» nähme, die durch Sozialdemokratie, Zentrum und Unab» h ä n g i g e gesichert ist, wesentlich verstärkt werden. Es verlautet, daß auch einige Mitglieder der Deutschen Volkspartei entschlossen sind, im Plenum offen für die Annahme des Ultimatums zu votieren, insbesondere wird in diesem Zusammenhang der bisherige Reichsschatz- minister o. R a u m e r genannt. Ueber die Kabinettsbildung, die in den nächsten Stunden erfolgen muß, ist in diesem Augenblick nur soviel zu sagen, daß sie wahrscheinlich von dem bisherigen Reichsfinanz- minister Dr. W i r t h übernommen werden wird. Wirth steht auf dem linken Flügel des Zentrums, er war während seiner bisherigen Ministerschaft ehrlich bemüht, die Funda- mcnte der Erzbergerschen Steuergesetzgebung gegen den kapi- talistischen Ansturm zu retten. Alleroings hat die Situation, wie wir in letzter Stunde hören, wieder eine Aenderung erfahren. Das Zentrum hegt nach unseren Informationen schwerste Bedenken, mrt den Sozialoemokraten allein eine Regierung zu bilden, es wünscht dringend den Eintritt der Demokraten. Diese hinwiederum wollen ihren Ein- tritt davon abhängig machen, daß sich auch die Deutsche Volkspartei wenigstens zum großen Teil zum Ja- Standpunkt bekehrt und in die Regierung eintritt. Es ergäbe sich für diesen Fall eine Kombination der alten Regierungs- koalition mit der Sozialdemokratie evtl. unter Aus» scheiden des den Deutschnationalen zunei- gen Flügels der Deutschen Voltspartei. Die sozialdemo- kratische Reichstagsfraktwn wird sich in ihrer nächsten Sitzung, Zie um 3 Uhr nachmitags beginnt, mit dieser neuen Lage be- chäftigen müssen,— vorausgesetzt, daß sie sich bis dahin nicht chon wieder geändert hat. Die Unabhängigen sind von der Sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktwn befragt worden, ob sie sich an der Bildung der Regierung beteiligen wollen. Sie haben darauf geantwortet, daß sie bereit seien, mit den Sozialdemokraten zusammen, eventuell unter Heranziehung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Afa, eine Regierung zu bilden, nicht aber mit einer bürgerlichen Partei. Praktisch bedeutet das bei den bekannten Mebrheitsverhält- nisten im Reichstag wiederum eine Ablehnung. Selbstausschal- tung und Schwächung des sozialistischen Einflusses. Ueber das Programm der neuen Regierung kann zu- nächst nur soviel gesagt werden, daß sie es als ihre Aufgabe betrachten wird, den Einmarsch der Franzosen in das wehrlose Land zu oerhindern, indem sie nicht mir die Annahme des Illtimatums erklärt, sondern sich auch für die Erfüllung seiner Bedingun» gen einsetzt. Sollte sich die Mehrheit, auf die sich die neue Re- gierung stützt, zu schwach erweisen, so würde eine Reichs» tagsauflöfung damit in die Nähe gerückt fein. Amerika wünscht Sie Annahme. Pari», 10. Mai.(TT.) Die Agentur Radio meldet gleich- zeitig mit dem Exchange Telegraph aus Washington: wir erfahren von einer hochgestellte« Autorität, daß die Regierung der Der- einigten Staaten wünscht. Deutschland möge die De- dingungen der Alliierten annehmen. Alan glaubt zu wissen, daß Deutschland von Dresel, dem amerikanischen Geschäftsträger, in dieser Richtung verständigt wurde. Eine Drohung. Pari». 10. Mai.(ET.) Der„Rem Aork herald" verSffenl- sichl heute an auffallender Stelle folgende Mitteilung an» washing- ton: Die Regierung kann den amerikoulschen Truppen ge- stalten, an der vesehung de, Rnhrgebiete» an der Seite der franzäflschen und engNschen Streitkräfte teilzunehmen, fall» sich M« al» notwendig erweisen sollte. Die Frage ist indes ober noch nicht erledigt. Die Regierung hat die Macht, eine solche Teilnahme. während die Beratung der Resolution noch in der Schwebe ist. anzuordnen. Auf Anweisung Hardlngs ist die Beratung auf unbestimmte Zell vertagt worden und wird von der Rom- Mission de» Repräsentantenhauses erst wieder aufgenommen werden, wenn der Präsident des Hauses es fordert. Die einzige Lösung der Reparationsfrage scheint, einer Mit- t ei lang aus dem Staatsdepartement zufolge, die zu sein, daß Deutschland sich den Bcdwgnngen der AMierten völlig unterwirft. Man ist der Ansicht, daß die amerikanische Regie- rung das Programm der Alliierten auch mit Einschluß der Besetzung de« Ruhrgebietes voll und ganz gebilligt habe. Frankreich zum Sprung bereit. Paris. 10. Mai.(EE.) Wie die„Chicago Tribüne" meldet, sieht der Plan des Generals Weygand vor, daß das ganze Ruhrgebist innerhalb von IS Stunden durch einen einzigen Sprung der alliierten Truppen von Düsseldorf aus besetzt werden könnte. Der Vormarsch würde von dem Lippe- und Wuppertal aus beginnen. Es fei die Meldung eingetroffen, daß Tausende von Feldgeschützen, Maschinengewehren usw. noch nicht zerstört worden seien. � Senf. 10. Mai.(„Fr. Ztg.") Nach den Mitteilungen der fran- zösischeu Presse ist bereits die Hälfte der zur Besetzung des Ruhr- gebiets aufgebotenen Truppen im linksrheinischen Gebiet einge- 1 troffen. Falls Deutschland das ihm gestellte Ultimatum bis Mitt- wach abend nicht annimmt, so beginnt Donnerstag früh der Vormarsch in das Industriegebiet, dessen Besetzung am Frei- tagabend vollzogen sein soll. U n t e r z e i ch n et die Reichs- regicrung jedoch die ihr gestellten Forderungen, so beiden die neu aufgebotenen Mannschaften des Jahrgangs ISIS im linksrheinischen Besetzungsgebiet, bis die im März und April ausgehobenen Re- kruten des Jahrgangs 1921 soweit ausgebildet sind, daß ste den Jahrgang 1S20 eventuell km inneren Dienst ablösen können. Da» wird gegen Ende Juli der Fall sein. Da Ende Juni auch der Termin für die Auflösung der Einwohnerwehren in Deutschland abläuft, so würde gegebenenfalls der Jahrgang 1820 nach der Ruhr geschickt und der Jahrgang ISIS könnte iu diesem Falle wieder be- urlaubt werden. Brüssel, 10. Mai.(EP.) Der belgische Finanzmini» st e r hat den Zollbeamten Befehl gegeben, sich zur Abreise in das Ruhrgebiet bereit zu halten. Ein in Beverloo statio» niertes Jägerregiment wurde gestern nach Deutschland abtrans- portiert. Lefövre hetzt. Paris, 10. Mai.(EE.) Im„Journal" schreibt der frühere Kriegsminister Andre Lefevre: Das französische Volk wird die neuen deutschen Aeußerungen skeptisch aufnehmen. Es weiß durch die früheren Versicherungen Deutschlands, was es davon zu halten hat. Frankreich weiß auch, daß Deutschlands„Abrüstung" ein leeres Wort ist, denn wenn man einmal die deutschen Geschütze, alle Gewehre, alle Flugzeuge und alle Unterseeboote zerstört haben wird, dann kann Deutschland sie doch noch immer wieder neu her- stellen. Rur wenn das Ruhrgebiet beseht würde und wenn Ober- schlesien an Polen fiele, könnte man die deutsche Sohlenproduktion kontrollieren und hätte soviel RUilel in der Hand, um sich auch be- zahlt zu machen und einen neuen Srirg zu vermeiden, indem man Deutschland dazu verurteilt, sich einer friedlichen Beschäftigung zu widmen. Das ist die Lösung des Problems. Und heule, morgen. übermorgen, allein oder mit einem anderen, mit oder ohne Mandat werde Frankreich doch dahin gelangen, eben weil nur so seine Sicher- heit gewährleistet ist. «» * Die Presse von heute morgen spiegelt die gesteigerte Er- regung der öffentlichen Meinung wider. Noch ist das neue Kabinett erst in seinen Umrissen zu erkennen; da jedoch die Mehrzahl der Berliner Blätter das Ergebnis der Beratungen der letzten Nacht noch nicht für ihre Betrachtungen verwerten konnte, beschränken sie sich im allgemeinen darauf, nach ein- mal alle Gründe für oder wider die Unterzeichnung ins Feld zu führen. Für die Rechtspresse ist selbstverständlich die Frage der Entwaffnung nach wie vor der springende Punkt. Ob das Ruhrgebiet besetzt, ob Hunderttausende deutscher Arbeiter in fremde Schuldknechtschast geführt, ob Deutsch- land in neuen Bürgerkrieg verwickelt werden soll, ist Blättern vom Schlage der„Deutschen Tageszeitung" und der „Deutschen Zeitung" gleichgültig. Die„Deutsche Zeitung" hält auch diese Stunde für geeignet, gegen Andersdenkende sich in antisemitischen Beschimpfungen zu ergehen. Da diese Dinge mit Polittt nichts zu tun haben, übergehen wir die Aus- führungen des Pogromblattes und erwähnen nur kurz die Stellungnahme der reaktionär-agrarischen„Deutschen Toges- zeitung, die schreibt: In den Darlegungen der Unterzeichnungspolltiker wird man vergebens nach einer Würdigung der Entwaffnungsforde- r u n g e n suchen, die das Ultimatum enthält. Und doch find gerade diese für die letzte Entscheidung nach den verschiedensten Richtungen von größter Bedeutung. Wir sollen„ohne Vorbehalt und unoer-, züglich die Maßnahmen zwecks Abrüstung zu Wasser, zu Lande und in der Luft, die der deutschen Regierung durch Schreiben der Der- bandsmächte vom 2S. Januar 1321(Pariser Beschlüsse) aufgegeben worden sind, durchführen". Die Bedeutung der hierdurch geforderten Entwaffnung der Ostfestungen ist schon wiederholt behandelt worden. Es sei im übrigen nur noch darauf hingewiesen, daß die Annahme dieser Bestimmungen auch unsere aufblühende Luft- fahrtindustrie vernichtend Kesten würde. Wir müßten sofort ein allgemeines Bau- und Einfuhrverbot für Luftfahrzeuge erlassen, bis es der Interalliierten Luftfahrkommission gefällt, die Dollendung der Ablieferung des fteeresgerätes anzuerkennen. Der Hinweis auf die etwaige Notwendigkeit einer Ein- schränkung des Luftsohrzeugbaues ist selbstverständlich ein Ablenkungsversuch, um darüber hinwegzutäuschen. daß es den Orgeschfreunden der Reaktion einzig und allein auf die Erhattung der bayerischen Einwohnerwehr ankommt. Die„Deutsche Allg. Ztg." teilt die endgültige Ab- l e h n u n g des Ultimatums durch die Deutsche Volkspartei mit; schon vorher bestand kein Zweifel mehr, daß die An- Hänger einer Annahme des Ultimatums in eine kleine Minderheit gedrängt worden waren. Die„Tägl. Rund- schau", die den Deutschnationalen näher als der Partei ihres <�hs�s Ripfller steht, begnügt steh mit dem Abdruck eines Ar- tikcls„Unannehmbar" von Freiherrn v. Leisner, ferner mit einer ziemlich nüchternen Untersuchung verwandter histo- rischer Vorgänge— zu Hannibals und Steins Zeiten. ' Die„Morgenpost", deren haßerfüllte Stellung gegen die Sozialdemokratie bekannt ist, unternimmt den kühnen Ver- such, den Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, in dem zu eister Annahme des Ultimatums geraten wird, als „Scheu vor der Verantwortung" zu diskreditieren. Es ist einigermaßen unverständlich, wie gerade im gegenwärtigen Augenblick ein bürgerliches Blatt diesen Ausdruck prägen darf, da doch nur zu klar ist, daß die ganze verworrene Lage nur eine Folge der Verantwortungsscheu des bis- ch e r i g e n x e i n b ü r g e r l i ch e n R e i ch s k a b i n e t t s ist. Das„B. bringt einen Artikel Walter Rathenaus zum Abdruck, zu dem es einleitend seine eigene Stellungnahme nochmals im Sinne einer Annahme der Ententeforderungen präzisiert. Rathenau bezeichnet den Zahlungsplan der Entente als ein„Dokument der Ironie" und fordert, das Ultimatum nicht rundweg abzulehnen, da wir sonst den Vor- wurs verdienen, daß wir uns der Schuld entziehen. Wir sollen ' erklären: 1. Wir erkennen die Schuld von SO Milliarden a n und leisten jährlich eine Zahlung von 3 Milliarden zur Verzinsung und Tilgung. 2.'Wir erkennen die weitere Schuld von 82 Milliarden an, jedoch unter Vorbehalt eines unparteiischen Schieds- Gerichts, das von fünf zu fünf Iahren unsere Leistungsfähigkeit prüft und die jährlichen Zahlungen festsetzt, die nach 42 Iahren ihr Ende finden. 3. Wir leisten unter Anrechnung auf den Dienst der Gesamt- schuld eine jährliche Ausfuhrabgabe von 10 Proz. 4. In diese Gesamtleistung ist die Gesamwerpflichtung an die - Alliierten eingeschlossen. 5. Kriegerische Sanktionen sind ousge- schlössen. Die Unantastbarkeit der deutschen Grenzen wird ge- .wöhrleistet. Wenn dieses Anerbieten abgelehnt wird, so mögen die Alliierten einmarschieren. Es steht dann vor der Welt fest, daß sie diese kriegerische Handlung vorgenommen haben, um eine unparteiische Nachprüfung unserer Leistungsfähig- keii zu vermeiden und um eine Ausfuhrabgobe von 26 Proz. statt 10 Proz. zu erzwingen, und es steht für uns fest, daß sie über lang oder kurz doch einmarschiert wären. Rathenau kommt zu dem Schluß, daß eine Unterzeich- nung des Londoner Protokolls in seiner jetzigen Form„mehr als ein Fehler", daß sie„ein Schritt auf dem Wege zur be- wußten Unehrlichkeit" �ei. Die„Freiheit" beginnt ihre heutige Morgenausgabe mit einer Erklärung des Zentralkomitees und der Fraktion der USP. Eingangs der Erklärung wird auf die v e r z w e i- sc! tc Situation hingewiesen, in die die bürg er- l i ch e n Regierungen durch ihre auswärtige Politik das deutsche Volk gebracht haben. Es wird die Abhängigmachung der Antwort auf das Ultimatum von den Fragen der Ent- -waffnung und Verurteilung der Kriegsverbrecher durch die bürgerlichen Parteien auf das schärfste verurteilt und eine solche Haltung als„Anerkennung der Diktatur der bayerischen Orgesch über Deutschland" bezeichnet. Die Kund- gebung lehnt den Vers a i I l e r Vertrag als Gewalt- frieden des siegreichenJmperialismus ab, hebt aber die gewaltigen Gefahren hervor, die durch eine Ableh- "««uttg des Ultimatutns insbesondere über das Ruhrgebiet und .'.über Oberschlesien heraufbeschworen würden: demgegenüber ''sterschasie„die Unterwerfung unter die Ententebedingungen Deutschland wenigstens eine Atempause". Die möglichst gewisienhafte Durchführung dieser exorbitanten Forderungen würde sehr bald den praktischen Beweis liefern, daß dadurch nicht nur die Lebenshaltung des deutschen Volkes niedergedrückt, sondern auch das Wirtschaftsleben der ,Enteytestaaten und der Neutralen auf das schwerste geschädigt würde. Die geforderten Geld- zahlungen, zunächst über 3 Milliarden Goldmark im Jahre, kommen tatsächlich hinaus auf die Lieferung von Münchhausens Urbild. Der Aufschneider ist in der Weltliteratur seit den Lügenmärchen Lutians eine wohlbekannte Figur, aber unter all diesen Erzählern phantastischer Geschichten ist keiner volkstümlicher geworden als der Freiherr von Münchhausen. Heute besitzt man zahlreiche glaub- würdige Zeugnisse, die die Tatsache über jeden Zweifel erheben, . daß das Urbild dieser weltliterarischen Gestalt Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen auf Boden- werder bei Hameln gewesen ist. Vor 200 Iahren ist dieser Mann geboren worden, und seine Persönlichkeit hat in der Spiegelung, die ihr durch G. A. Bürger zuteil wurde, die Phantasie der Leser und Dichter beschäftigt. Als der Freiherr 1797 starb, da fing erst sein eigentliches Fortleben an, und immer wieder ist er in den Dichtungen der späteren Zeit aufgetaucht. Mit diesen„Wandlungen Münchhausens", die von Immermann bis zu Scheerbart und Eulenberg reichen, beschäftigt sich eine inhaltsreiche Arbeit, die Dr. Werner Schweizer soeben im Verlage der Dieterichschen Buchhandlung zu Leipzig erscheinen läßt. Hier wird auch ein anschauliches Porträt des geschichtlichen Urbildes gezeichnet. .Hieronymus von Münchhausen entstammt einem uralten edlen Geschlecht, war einst Page am braunschweigischen Hofe, dann Leut- nant und zuletzt Rittmeister, machte den Türken- und Schwedenkrieg mit und nahm 1730 seinen Abschied, nachdem er in eine glückliche Ehe getreten war, um sich nun der Bewirtschaftung des väterlichen Gutes Bodenwerder zu widmen. Seine letzten Lebensjahr« waren umdüstert durch eine neue Che mit einem liederlichen Frauenzimmer, die ihm Kummer, Schande, Verarmung und Vereinsamung brachte. In der Dichtung aber lebt nicht der wortkarge, mißEauischc Greis, sondern der lebensprühende, phantasieerfüllte Jüngling und Mann fort. Man muß bei der Beurteilung der Münchhausiaden die An- schauungen und den Aberglauben des 18. Jahrhunderts berücksich- tigen. Vieles, was für uns heute offensichtlich den Stempel der Lüge trägt, war bei der damaligen allgemeinen Unwissenheit nicht so unglaublich. Die Vorstellungen, die Münchhausen von entlegenen Ländern, vom Erdinnern und von Meerestiefen, von Mond und Sternen und von fremden Tieren erweckt, entsprechen in mancher 'Hinsicht denen des damaligen Durchschnittsmenschen. Wieviel Aber- glauben noch ganz ernsthaft verbreitet war, beweist das klassische Jagdwerk von Döbel aus dem Jahre 1783, in dem z. B. erklärt wird, man sonne mit einer„weisien Salbe"„jede frische Wunde, sie sei so groß als sie wolle, an Mensch und Vieh vollkommen gut heilen." Da mochte man denn dem Aufschneider auch seine Er- Zählung von der 5)eilung des halbierten Pferdes glauben. Biel trug auch zu der Wirkung seiner Geschichten die geniale Bs- gabirnq Münfchhausens bei, der ein meisterhafter Erzähler und Im- pronisator war und dessen Ruhm selbst bis nach England drang, so daß. manche Reisende nach Bodenwerder kamen, um ihn er- zäblen zu hören.„Er pflegte feine Geschichten," berichtet uns ein Zeitgenosse,„ganz cavolieremcnt, zwar mit militärischem Nachdruck, doch ohye alles Pathos, mit der leichten Laune eines Weltmannes Industrieprodukten aller Art in diesem Wertbetrage, ohne daß die deutsche Bevölkerung in der Lage ist, sich fürdieseausgeführtenWarendurchWareneinfuhr aus den belieferten Ländern einen Ersatz zu be- schaffen. Das bedingt aber die Herabsetzung der Aus- fuhrmöglichkeit und damit der Eigenproduktion in den Entente- ländern selbst. Einen Vorgeschmack davon haben sie schon bekommen in den verheerenden Wirtungen, welche die erzwungenen Kohlenlieferungen an Frankreich und England auf die dortige Kohlenproduktion ausgeübt haben. "Die Erklärung des Zentralkomitees gibt der Ueber- zeugung Ausdruck, daß diese verderblichen Folgen für das internationale Wirtschaftsleben eine Aenderung der Gewaltpolitik herbeiführen müssen: Wir vertrauen dabei darauf, daß die Kämpfe der i n t e r- national e-n soziali st Ischen und gewerkschaftlichen Organisationen gegen Militarismus und I m p e r i o- l i s m u s die herrschenden Klasien zu einer Aenderung ihrer Gewaltpolitik und zu einer Revision der Friedens- Verträge bringen werden. Auf Grund dieser Tatsachen wird die Annahme der Bedingungen gefordert._ Die Stimmung in Gberschlesien. Breslau. 10. Mai.(Eigener vrahtbericht des„Vorwärks".) Die„Volkswachk" hatte heule vormittag zum ersteu Male seit Be- giun des polcnaufstandes wieder ausführlich direkt telephonisch mit den Parteigenossen in fialtowih sprechen können. Aus den Mittei- lungen der dortigen führenden Parteigenossen ergibt sich folgendes Bild der Lage: Die Lage der Sattowiher Eluwohnerschast. ebenso wie die der anderer Großstädte des Industriegebietes, auch der von M y s l o w i h. gleicht der Lage der Einwohnerschafi belagerter Festungen. Das Innere der Stadt ist bei Tage im ganzen ruhig. Es finden ständig Schießereien stall. An der Stadlgrenze stehen un- unterbrochen Postenketten bewaffneter Iusurgenteo, denen zum Teil französische Soldaten beigegeben sind. Ein Deutscher wird von diesen Posteuketten weder hinein- noch hinausgelassen. Die Arbeit ist in den»enigeu Betrieben wieder aufgenommen. in denen die deutsche Arbeiterschafi überwiegt. Der sozialdemokratische„v v l k s w i ll e" kann wieder erscheinen, hundert Schritte vom Gebäude unseres Parteiblattes entfernt beginnt aber bereit» die polnische Postenkette. Der Telephonverkehr ist auch innerhalb des Industriegebietes nur im allgergeringsten Maße möglich. Der Eisenbahnverkehr ist noch nicht wieder aufgenommen. Der von Sorfanty eingesetzte Chef de» Eisenbahnwesens, der Insurgent Werner. lSßt nur einzelne Strecken von lokaler Bedeutung befahren. DieStimmnngder gequälten BevSlkernng ist äußer st gedrückt. Au» Oppeln erhält unser Breslauer Parteiblakt heute Mel- düngen über die letzten kämpfe, aus denen zu ersehen ist, daß die Polen jetzt Artillerie in grohem Alaße einsetzen. Auch ein Panzerzug kämpft auf polnischer Seite. Mit diesem Panzer- zug wurde der Kampf ans dem Bahnhof S a n d r z i n zugunsten der Polen entschieden. Die Versuche der Polen, sich der Stadl Kasel zu bemächtigen, die durch Artillerieseuer unterstützt wurden, worden durch die italienische Artillerie zurückgewiesen. Ein Notruf der Gewerkschaften. Di« d«otschen Gewerkschaften haben an die I n t« r» alliierte Kommission ein Telegramm gerichtet, in dem st« darauf aufmerksam machen, daß aus vielen Gruben und Werken trotz der Versicherung der Interalliierten Kommission am Montag Arbeits- willige mit Waffengewalt an der Arbeit verhindert wurden. Ferner verlangen die Insurgentenführer an manchen Orten gegen hohes Entgelt von den Arbeitern Passierscheine. Die Gewerkschaften ersuchen umgehend Maßnahmen zu treffen, die es den Arbeitswilligen ohne Bedrohung und ohne Paßzwang ermöglichen, ihrer Arbeit nachzugehen. Gegensätze in der Jnterallierten Kommission. Einem Mittagsblatt zufolge ist es zwischen den Mitgliedern der Jnterallierten Kommission in Oppeln zu einem offenen Bruch und als Sachen, die sich von selbst verstehen, zum besten zu geben." Auch in der Familienerinnerung lebte so sein Bild weiter.„Saßen die Herren nach feuchtfröhlichem Mahl," erzählte ein Nachkomme, „bei Wein und Tabak zusammen, ließ dann der eine oder andere der Iogdgäste eine unglaubliche Iagdgeschichte vom Stapel laufen, so sagte Hieronymus, der jede Unwahrheit in der Seele verabscheute: „Ach, schweigen Sie still, das ist ja nichts, wie ich in Rußland war, da habe ich ganz andere Dinge erlebt," und erzählte dann, nur um den Herrn abzutrumpfen, irgendeine rasch erdachte Geschichte." Daß er„ein Mann von außerordentlicher Ehre" war, betonte schon der erste englische Herausgeber seiner Geschichten, und so haben wir in diesem unübertroffenen Lügenmeister im tieferen Sinne einen „Lügenstrafer" zu erkennen, der seine Auffchneidereien mit der satirischen und erzieherischen Absicht vorbrachte, die Uebertreibungen anderer lächerlich zu machen. Neue ZMnerasien in Südwestafrika. Besonders schöne und wertvolle Mineralien, darunter auch einige neue, find an der Lager- stätte von T s u m e b im ehemaligen Deutsch-Südwestofrika entdeckt worden. Näheres darüber wird nach einer Mitteilung von O. P u- f a h l in der„Naturwisienschaftlichen Wochenschrift" berichtet. Im körnigen Bleiglanz fand sich jn kleinen Nestern zinkreiches Arsen- Fahlcrz, das«inen auffallend grünlichen Schein zeigt. Zu den hau- siqeren sekundären Bildungen im Erzkörper von Tsumeb gehört das „Mimetestt", das teils derb, teils in farblos-lichlgrauen Kristallen, meistens reinen Prismen auftritt. Da»„Mottramit" ist ein wert- voller Rohstoff für die Gewinnung von Ferrovanodin, Vanadin- stahl und Vanadmpräparaten, ebenso der den Mottramit begleitende „Cuprodescloizit". Der reine Mottramit ist dicht bis sehr fein- körnig und zeigt muschligen Bruch von schwärzlich olivgtüner Farbe. Der„Duitit" ist ein neues Bleikupfcr-Arsenat, das Kristalle bildet und apfelgrüne oder grünltch-weiße Strichfarbe aufweist. Petroleumsörderung im Grubenbau. Ein« neue Art der Erdöl- gewinnung ist neuerdings hei unseren inländischen Erdälquellen ein- geführt worden. Während man früher Bohrloch«? vortrieb und das Oel daraus mit Bohrlochpumpen herausholt«, ist man, wie die„Um- Ichau" mitteilt, feit einiger Zeit zu einer bergmännischen Förderung ähnlich wie beim Gewinnen der Steinkohle und Erze übergegangen. Ez werden dabei tiefe Schächte von 4 Mcter Durchmesser abgeteust und von diesen aus unter Tage seitlich Sirecken aufgefolnen. In diesen Strecken sickert das Oel hervor, wird in Gruben gesammelt, in abgedeckten Tonrinnen zum Schacht geleitet und mit Pumpen zu Tage gefördert. Di« Kosten der neuen Gewinnungsart sind ohne Zweifel höher als bei dem Bohrlochverfahren. Demgegenüber ist die Lebensdauer der Anlog« länger und die Förderung erheblich gesteigert. Dazu'ommen noch die allgemeinen oolkswirsichaftlichen Dorteile, eine bessere Ausnutzung der Erdölvorräte und anderes mehr. Vandalismus an Hoekger. In dem Dormftädter PWanenhain, den Bernhard Hoetger plastisch ausgeschmückt hat, sind kürzlich drei einer Figuren, die Krugträgerinnen, umgeworfen und völlig zer- chlagen worden Es handelt sich gewiß um die Tat eines tunst- remden Rohlings, aber man erinnert sich, daß gerade diese Figuren gekommen. Die italienischen und englischen Mitglieder stehen in schroffem Gegensatz zu den französischen. Der zweite italienische Bevollmächtigte Passaglie habe bereits fein Amt niederge- legt, zwei englische und ein italienischer Kreis- t o n t r o l l e u r hätten um Enthebung von ihren Posten gs- beten.— Innerlich war dieser Bruch schon seit langem vollzogen. Le Rands Geschäftsführung zugunsten der Polen ist auf die Dauer unhaltbar. Italiener und Engländer in Bedrängnis. Oppeln, 10. Mai.(TU.) Nikolai wird von den Aufrührern immer enger umschlossen. Die Italiener haben gestern nacht von einer eigenen Funkstation aus einen Hilferuf nach Oppeln ge- schickt, daß sie nur noch bis 12 Uhr mittags Munition haben und die Gefahr besteht, daß Nikolai von den Aufrührern besetzt wird. Dia Italiener und Engländer in Beuthen haben sich mit ihren Familien in das Landratsamt zurückgezogen, wo sie unter schärfster französischer Bewachung bleiben. Die Bevölkerung schließt hieraus auf nahedrohende Gefahr. Anklagen gegen Frankreich. London. 10. Mai.(MTB.) Die englische Presie wendet den Er. eignissen in Oberschlesien weiter große Aufmerksamkeit zu.„M o r, ning Po st" meldet aus Beuthen: Unter den qstiierten Vertretern und verantwortlichen Bürgern herrsche große Unzufriedenheit über die Parteinahme, die von den Franzosen den polni. schen Aufständischen gegenüber an den Tag gelegt worden sei. Bei Ausbruch der Aufftandsbewegung hätten sich die Franzosen mit neun Bataillonen, Tanks, einem Kavallerieregiment und Llr- tillerie untätig verhalten, während die Italiener, getreu der den Alliierten übertragenen Pflicht, die Ordnung aufrechtzuerhalten, über hundert Mann Berluste hatten. Die geringen Verluste der ' Franzosen seien hauptsächlich Unglücksfällen zuzuschreiben. Im Landkreise Beuthen erfuhr der britische Kontrolleur a m Tag« vor dem Ausbruch des Aufftandes, daß die f r a n z ö- sischen Truppen in seinem Gebiete auf eine Kompagnie herabgesetzt worden waren. Jn Groß-Strechlitz gaben auf Ansuchen des britischen Kontrolleurs die französischen Artilleristen fünf Schuß ab, dann griff jedoch der französische Oberbefehlshaber /ein. Die Demiiiigung der britischen und der italienischen Offiziere war vollständig und das Prestige der Enkeate erlitt einen schweren Schlag. Die britischen und die italienischen Mitglieder der Kam- Mission versuchten unparteiisch zu sein, die Franzosen traten jedoch kakfächllch die Regierung in Oberschlesien an Sorfanty ab, anstatt die ernste Pflicht der Alliierten, die Ordnung aufrechtzuerhalten, auszuüben. Die Polen hätten niemals den Aufstand begonnen, wenn sie nicht zuvor der Hallung der Franzosen sicher gewesen wären. Die Aufständischen hatten streng befohlen, allen französischen Truppen aus dem Wege zu gehen. „Daily Telegraph" bezeichnet den polnischen Ausstand als eine vorsätzliche Herausforderung. Es kann dem Blatte zufolge kaum angenommen werden, daß der Oberste Rat bereit sein wird, das Oberschlesienproblem zu beendigen, während die Lage noch so ist, datz sein Beschluß entweder erscheinen würde als eine Unterwerfung unter Korfontys Absichten oder als eine Erlaubnis an Deutschland, seinen Anteil mit Gewalt zu nehmen, was unzweifelhaft zu einem Krieg zwischen Deutschland und Polen führen würde. Einem diplomattschen Berichterstatter de«„Daily Telegraph" zufolge gewinnt der Gedanke langsamZ Altonaer Stadttheater die Sübnensperre oerhängt, weil alle Perqlcichsverhandlnngen, trotz de« äußersten Entgegenkommens der Genosserijchaslsmitgliedcr, gescheitert find. Die nächste Zlbeudmustt in der Kaiser-Wilhelm» K cdächtniskirche veranstallet Srifc Heitmann am Donners. tag, den 12. Mai, 6 Uhr abends. Kunstnachrichten. In den Ausstellungsräumen von Fraenkel u. To. (Joseph Altmann), Lützow-Nfer IS, veranstaltet vom 11. Mai ab Frau Lonlou Albert Lazard eine Kollekttvavsstellung ihr» G«lälde, Aquarelle und Zeichnungen. Zwischen 3 und 2'/- Di«.Rote Fahne' veröfferttticht nunmehr einen ausfvhrkicheren Bericht über die Tagung des kommunistischen Zcntralausschufles, der freilich nicht ausführlich genug ist, um Außenstehenden über die Vor- gänge der Tagung volle Klarheit zu geben, da er sich an entscheiden- den Stellen— offenbar absichtlich— sehr unbestimmt und allgemein ausdrückt. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Einschüchterungsaktion gegen die Opposition schon ihre Wirkung getan hat, die Anhänger des rechten Flüges verhielten sich sehr zurückhaltend, so daß ein Redner der Linken, Frölich, ihnen vorwarf, sie hätten nicht den Mut zu sagen, was sie denken. Solche Vorwürfe sind natürlich billig im Munde von Leuten, die den Mut durch Hinauswurf be- strafen.* Aber so sehr die.Rote Fahne' über die Niederlage des rechten Flügels triumphiert, dessen Resolution nur i Stimmen erhielt, so ist doch den Radikalen bei ihrem Siege nicht geheuer. In seinem Referat über die Kommunistische Internationale klagt Könen: Kein Mensch kann bestreiten, daß sich ein rechter Flügel des Kommunismus bildet: Serrati in Italien, Williams in England, Lindström in Schweden, Levi in Deutschland und Strasser in Oesterreich— ist das nicht ein rechter Flügel der K. I., der selbst internationale Konferenzen abhält? In Anlehnung daran spricht die.Rote Fahne' bereit» von ,.2'i-Elementen', denen man ebensowenig Konzessionen machen werde wie der Internationale 2\i. Daß man aber die 2?L-Leute trotz des Hinauswurfs Levis noch recht stark in der VKPD. fürchtet, das zeigten die Worte Frieslands, es ginge nicht mehr um die Person Levis, sondern um den L e v i- G e i st. Zuerst gab Kurt Ghyer, der Einbringer der abgelehnten Resolution, Levi als„Ver- räter' preis, aber das rettete weder seine Resolution noch ihn selber davor, von Könen fürchterlich abgebürstet zu werden. Geyer hatte nämlich behauptet, die Kommunistische Internationale habe keine einheitliche taktische Linie. Könen erklärte:.Das muß ausgerechnet Geyer sagen, der erst AntiParlamentarier, dann Parlo- mentarier, erst Putschist, dann Antiputschist war, erst Moskaufreund und jetzt Moskaugegner ist.'— Damit ist ja die Wandlungsfähigkeit dieses jugendlichen Führers ganz gut gekennzeichnet, gekennzeichnet ist aber auch, was alles in der VKPD. Führer wird. Die Besprechung der Märzaktion gab eine sehr langwierige Aus- einandcrsetzung über das neue Modeschlagwort der VKPD. „O f f e n s i v t a k t i k'. Es zeigte sich, daß jeder Redner darunter etwas anderes verstand. H ö r n l e, der mit drei anderen eine be- sondere Resolution voxlegte, meinte schließlich, es käme darauf an, .das Geschwätz über die Offensivtaktit zu erledigen und ihr einen konkreten Inhalt zu geben". Aber seine Resolution wurde ihm zur Umarbeitung zurückgegeben.... Preußische Landlagsfraklion. Bekanntlich wurde der Fraktions« vorstand der Preußischen Landtagsfraktion im März d. I. nur provisorisch gewählt und die endgültige Wahl bis nadJder Regierungsbildung in Preußen vertagt. Diese Wal hat nun stattgefunden. Es gehören dem Vorstände an: die Gmossen Braun, Siering und L i m b e r tz als Vorsitzende, als Beisitzer die Genossen Bartels, Grzesinski, Hartwig, Scholich, S e v e r i n g und Frau K ä h l e r, als Sekretär der Genosse Gustav Heller.— Alle Zuschriften, die die Landtagsfraktion betreffen, wolle man an folgende Adresse richten: Ap den Vorstand der Preußischen Landtagsfraktion SPD., Prinz-Albrecht-Straße. Folgenschwere Handgranat eaerplosion. Eine Abteilung der ersten Hundertschaft der Ordnungspolizei unternahm, wie aus Hamburg gemeldet wird, auf dem Schießplatz bei Groß-Borstel eine Uebung im Werfen mit schweren Handgranaten. Durch frühzeitiges Explodieren einer Handgranate wurden vier Ordnungspoli. z i st e n schwer oerletzt. Man schaffte sie ins Krankeichaus. Dort starb der Wachtmeister Karl Bartels, während der Wachtmeister K ö l l f ch w e r verletzt und der Leutnant Georges und Ober- wachtmeister S t o rm leichter verletzt wurden. Wechsel in der norwegischen Gesandtschafk. Der norwe- gische Gesandte in Berlin. Vollbeck, sst zum Ge- sandten in Stockholm ernannt worden. Sein Nach- folger in Berlin wird der jetzig« norwegische Gesandte in Rom, Arnem Scheel._ GroßSerlln Die tzöhienbewohner von Spreenhagen. lieber die anarchokommunistische Gemeinschaft, deren Siedlungsversuch bei Spreenhagen.unliebsames' Aufsehen er- regt Hot, sollte man in einer öffentlichen Versammlung gestern nähe- res erfahren. Ihr Führer Dr. Heinrich Goldberg, der früher Arzt in Hohenschönhausen war, wollte die gegen ihn und seine Ge- meinschaft erhobenen Vorwürfe entkräften. Die„Oeffentlichkeit" war allerdings dadurch stark eingeschränkt worden, baß Goldberg einen teuren Saal(den Blüthnersaal in der Lützowstraße) gemietet hatte und daher ein nicht geringes Eintrittsgeld nehmen mußte, weshalb dann auch die Zahl der Versammlungsbesucher nur mäßig blieb. Wer auf Skandal gerechnet und sich ein Gaudium versprochen hatte, wurde enttäuscht: denn dieses Publikum benahm sich, obwohl darunter die Neugierigen sehr in der Mehrheit und die Anhänger Goldbergs iä hoffnungsloser Minderheit waren, erfreulicherweise durchaus verständig und anständig. Ein bißchen Sensation gab es nur, als Goldberg an das Rednerpult trat und sich im breit aus- ladenden Schmuck seines stark entwickelten schwarzen Haupt- und Barthaares präsentierte, an das ihm keine Scheere herankommen darf. In seiner Kleidung unterschied er sich kaum von anderen Sterb- lichen, und selbst seine Füße, die er sonst unbekleidet läßt, hatte er diesmal aus nicht ganz klaren Gründen in schützend« Stiefel gesteckt. Sein Vortrog, der in Form und Ton. von nüchterner Lehrhaftigkeit war, wurde in fast vollkommener Ruhe angehört. Widerspruch äußerte sich nicht, und auf ein paar Beifallsäußerungen antwortete er kurz und grob, Zustimmung solle man nicht durch Klatschen, sondern durch ein entsprechendes Leben bekunden. Ueber die Möglichkeit, inkommunistischenGruppenzu leben und(wie er meint) von ihnen aus die Welt umzugestalten, brachte er keine überraschend neuen Gedanken vor. Daß die H ö h e r- entwicklung der Persönlichkeit, die in der Gemeinschaft und durch sie erreicht werden soll, Herrn Goldberg und den Seinen gelingen mag, wollen wir ihm glauben. Aber den Eindruck macht dieser Mann nicht, daß er im Siedlungswesen irgend etwas Brauch- bares zustande bringen könnte. Warum die unter seiner Führung zu- iC'�Mengetretene Gemeinschaft ihr Paradies als.Höhle des Z i?a thustr a' bezeichnet, sagte?r nicht. Zu dem Vorwurf, daß er da draußen in Spreenhagen unberechtigterweise Land der Stadt Berlin in Besitz genommen habe, erklärte er, daß ihm vom Sied- lungsamt eine ihn ermutigende Zusage gemacht worden sei. Angesichts der vorgeschrittenen Jahreszeit habe er ge- glaubt, mtt seiner Gemeinschaft an die sofortige landwirtschaftliche Bearbeitung des Bodens herangehen zu sollen, ohne den endgültigen Abschluß des formellen Vertrages abzuw irten. Weder durch(hr Ge- meinschaftsleben in ihren vorläufig geschaffenen Unterständen, noch beim Baden in öffentlichen Gewässern würden sie das behauptete .Aergernis' erregt haben, wenn nicht die neugierigen Spreenhage»»« ihnen geradezu nachgelaufen wäre». Daß in ihrer Gemeinschaft die Ehe der bisher üblichen Art durch ein von keinem Geistlichen oder Standesbeamten genehmigtes Zusammenleben von Mann und Frau ersetzt wird, sei ihr gutes Recht. Die Sonfmut des Redners wich einer merklichen Gereiztheit, als er auf das Lorgehen der Berliner Stadtverwaltung zu sprechen kam, die gegen die Höhlenbewohner zur Zwangsous- quartierung schritt. In diesem Zusammenhang behauptete er sogar, daß„von maßgebender Stelle bewußte Unwahrheiten ver- breitet' worden seien. In der Diskussion kam nur der Berliner Stadtrot S t o l t zu Worte, der das Spreenhagener Unternehmen, solange er Dezernent des Siedlungsamtes war, begünstigt hat. Stolt, der hervorhob, daß auch er Kommunist ist, lehnte Goldbergs Kommunismus wegen „Mangels der Aftioität" ab. Zu der Frage, ob Goldberg da draußen vor Vertragabschluß sofort darauflos„siedeln' durfte, erklärte Stolt, die Stadtverwaltung sei formell im Recht. Die Versammlung fand dann mit einer Erwiderung Goldbergs ein vorzeitiges Ende, weil Herrn Goldberg durch einen Angestellten des Blüthnerfaales er- öffnet wurde, daß der Saal nur für 2 Stunden gemietet sei und eine dritte Stunde noch 100 M. kosten würde. Der Mörüer von Strausberg verhastet. Geständnis de» Berliner Täters. Das letzte Kapitaloerbrechen, die Erschießung des Zimmer- poliers Emil Werner aus Berlin im Wolde bei Wesendahl, in der Gegend von Strausberg, hat eine rasche Aufklärung ge- funden. Nachdem es gestern gelungen war, die Person des Toten festzustellen, führten die weiteren Ermittelungen noch am gleichen Tage auf die Spur des Täters und in der vergangenen Nacht auch zu seiner Verhaftung. Der Ermordete, der 43 Jahre alte Emil Werner, der in einer Kellerwohnung des Hauses Waldemarslraße 75 wohnte, machte viele Fahrten, angeblich zu Schleichhandelsgeschäften, in die Um- gebung von Berlin. Dabei wurde er wiederholt von anderen Männern aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreise begleitet. Da unter diesen sich vermutlich auch der Täter befinden mußte, forschte die Kriminalpolizei nach und stieß auf zwei Brüder, de« 47 Jahre alten Arbeiter Max R e h d e, der mit seiner Frau in der Adalbertstraße 20 wohnte, und den ebenfalls verheirateten, in der Fichtestraße 31 wohnhaften, 46 Jahre alten Arbeiter Emil R e h d e. In der Hand des Erschossenen fand man einen alten amerikanischen Trommelrevolver. Dieser Befund, der einen Selbstmord vortäuschen sollte, wurde bald als eine beabsichtigte Irreführung durchschaut. Ueber die Herkunft der Waffe wurde festgestellt, daß Max Rehde sie von einem Produktenhändler in der Lübbener Straße gekauft hatte. Als Max Rehde beim Leugnen verharrte, wurde er dem Produktenhändler gegenübergestellt vnd gestand, seinen Better Werner erschossen zn haben. Ueber den Beweggrund sagt er folgendes: Sein Detter Werner habe ihn durch einen un- heimlichen Einfluß ganz beherrscht vnd so auch verleitet, mit ihm hinauszugehen, um Telegraphen- mtt» Telephonleitungs- droht zu stehlen. Diesem Zweck sollten auch die Scheere und die Säcke dienen. Nur mit Widerwillen sei er dieser Aufforderung ge- folgt. Der Widerwille gegen den Diebstahl hob« sich auch auf die Person des Verführers übertragen und fei so stark geworden, daß er beschlossen habe, Werner zu erschießen, um ihn los zu werden. Diese Erzählung ist um so weniger glaubwürdig, als Max Rehde sonst gegen Diebstahl durchaus nicht einen so starken Widerwillen entfaltet. Er ist ebenso wie der erschossene Werner schon mehrfach vorbestraft._ Die Gegner Groß'Serttns. Die Landtagsfrakckion der Deutschen Volks- partei hat zu dem, auf großer« Selbständigkeit der Verwaltungs- bezirke Berlins und eine andere räumliche Abgrenzung abzielenden deutschnationalen Antrag einen Zusatzantrag eingebracht, der u. a. fordert:„Als Selbstverwaltungsongelegenheiten sind den Bezirken mindestens zu übertragen: s) das höhere und niedere Schulwesen mit Ausnahm« des Fachschulwesens, b) das Straßenbau- und Fluchtllnienwesen für örtliche Wohnstraßen, sowie die Straßenreinigung, c) die Verwaltung der in den Bezirken ge- legenen, vorwiegend der Bevölkerung des Bezirks dienenden An- stalten. Außer den Sekbstverwaltungsangelegenheiten find den Or- ganen der Bezirke städttsche Auftragsangelegenheiten in weitem Umfange gesetzlich zuzuweisen: als solche kommen in erster Reihe da» Wohnungswesen, das Fürsorgewesen und die Jugendpflege in Betracht.' Diese Anträge zeigen wieder, mit welcher Ausdauer die alten Feinde Groß-Berlins an der Arbeit sind. Sie spekulieren nicht zu- letzt darauf, daß die bei der Umstellung der Verwaltung nicht aus- bleibenden Unstimmigkeiten Wasser auf ihre Mühlen leiten und die Stimmung der Bevölkerung in ihrem Sinne beeinflussen werden. Der Tatkraft der Anhänger des neuen Berlin muß es gelingen. durch sorgfältige Arbeit sowohl als durch Aufklärung der Bevölte- rung diesen Sabotagebeftrebungen entgegenzuwirken. Sechs Jahr Zuchthaus wegen Mordes. Ein Mord an einem Gefangenenaufseher lag einer Anklage zu- gründe, die das Schwurgericht des Landgerichts II beschäftigte. Angeklagt waren die ehemaligen Angehörigen einer Marineflieger- abteilung Paul Sattler und Willi Stoyan. Die beiden An- geklagten waren am 24. Dezember ISIS wegen eines Einbruchs in das Proviantamt der Marinefliegerabteilung Johannisthal In die Arrestanstalt des Amtsgerichts Köpenick eingeliefert worden. Weil sie angeblich gehört haben wollten, daß sie auf Befehl des Soldaten- rats erschossen werden sollten, verabredeten beide Angeklagte einen Fluchtplan, in dessen Verlaus sie den Gefangenenaufseher Brühl erdrosselten. Nach längerer Beratung sprachen die Geschworenen die beiden Angeklagten der Körperverletzung mit Todeserfolg schuldig. Das Gericht erkannte auf eine Zuchthausstrafe von je 6 Jahren drei Monaten. Schliefmag einer Kinderheilstätte? Der Dstriebsrot der Kinderstation Lichtenberg schreibt uns folgend«:„Am 28. April wurde dem Betriebsrot der Äindcrstotion vom Vorstand der Landesversicherungsanstolt Berlin mitgeteilt, daß am 31. Mai die Kinderheilstätt« geschlossen wird, angeblich wegen der„schlechten finanziellen Lage'. Den bei der Kinderstation be- schäftlgten 33 Personen ist am 30. April zum 31. Mai gekündigt morden. Es sind hier 80 Betten vorhanden, die dauernd mit 75 hauptsächlich unterernährben Kindern belegt sind, die zum Teil auch noch von tuberkulösen Eltern stammen. Die Kinder machen in dem Heim Erholungskuren von vier bis sechs Wochen durch, und haben durchschnittlich vier bis zehn Pfund am Körpergewicht zugenommen. Zu dem Grundstück' gehört ein zehn Morgen großer Park, auch ein Sonnenbad und zwei große Liegehallen sind vorhanden. Die Kinder sind erst seit dem 1. April 1920 hier untergebracht. Die Anstalt diente seit 1908 als st e ilst ätt e für tuberkulöse Frauen. In eine solche Heilstätte kann die Station leicht«icder umgewandelt werden. Im Interesse der noch Aehntousenden zählenden unterernöhrten Kinder und Tuberkulose sollte die Heilstätte auch nach dem 31. Mai ihrem Zweck« erhalt»» bleibe«. Elve Trau ervach richl erreicht« un»»»erwartet heute früh. Im After von 36 Iahren oerschied der Anzeigenmetteur unserer Abendausgabe, Genosse Fritz Fittin g. Wir verlieren in ihm einen tatkräftigen Mitarbeiter, der feine ganze Kraft in den Dienst unseres Blattes stellte. Seit 1907 im„Vorwärts' tätig, war er uns durch sein ruhiges, stilles Wesen ein treuer Gefährte bei der technischen Herstellung des Blattes geworden. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Reichsanstalt für Maß und Gewichte feierte heute die 50. Wiederkehr des Tages, an dem im Jahre 1871 die früher „preußische' und dann„norddeutsche' Normal-Erchungs-Kommission eine deutsche(oder, wie man damals sagte,.kaiserliche') wurde. Aus dieser ist die Reichsanstalt für Maß und Gewichte hervorge- gangen, an deren Spitze lange Zeit der Direktor der Sternwarte, der vor kurzem verstorbene Professor Wilhelm Förster, gestanden hat. An der Festsitzung beteiligten sich zahlreiche Vertreter von Staats- und Reichsbehörden, von wissenschaftlichen Instituten, von Industrie und Handel sowie die Beamten der Reichsanstalt. Die Redner hoben hervor, wie sehr diese Anstalt nicht nur der Wissenschaft. der Industrie und dem Handel genützt, sondern auch das Ansehen deutschen Fleißes und deutscher Gründlichkeit im Auslande gesteigert hat. Das Dücherankaufverbot für die Swdtbibliolhek. Ein Antrag unserer Genossen in der Berliner Stadtoerordnetenoersamm» lung ersucht den Magistrat, seinen Vejchluß, durch den der Bücher, ankoirf für die Berliner Stadtbibliothek untersagt ist, aufzuheben. — Dieses Ankaufsverbot besteht schon seit dem November 1920 nicht nur für die Stadtbücherei, sondern auch für all« Volksbüchereien der «tadtgemeinde. Dos Verbot hat die Anschaffung neuer Literatur für die Stadtbücherei gänzlich stillgelegt. Das ist um so mehr zu be- dauern, als die Stodtbücherei in ihren neuen Räumen im Marstoll sich steigenden Besuches zu erfreuen hat. In den letzten Monaten sind nicht weniger als 5000 Lesekarten ausgegeben worden. Zur weiteren Durchführung und Aufrechterhaltung dieser Kultur anstatt Berlins sollten, soweit es irgend möglich ist, Mittel bereitgestellt werden. „Siedlung und Kleingarten-, unsere illustrierte Beilage. liegt der heutigen Postauflage bei. AdlerShof. Heute abend 7 Uhr Tlternversammlnng in der Schulaula, Radickeltratze. Vortrag über Oberftadtschnlrat Pauls eus Schub- Programm. Alle Eltern sind herzlichst eingeladen. Groß-Serliner Parteinachrichten. Henke, vienskag, den 10. Mai j 7i. Abt., gehleudork 8 Uhr im Rrstaurant garferhof: Mitgliederversammtma. Vortrag b*s(Scnosscn Wolf: Unsere außenpolitische Lage.' Morgen. Miitwoch, den 11. Mal: 138.«t, tzemsborf. 8 Uhr brf FrZhllch, R-oustr-ß«. am Bahnhof: AunNbmS» oesprechnng» OewerMojwbewegung Betriebsversammlung des Orenstein-Konzerns. Die Arbeiter und Angestellten von Orenstein u. Koppel hiellen am Sonntag eine Betriebsversammlung ab, an der die Werke Dre- witz, Spandau, Geschäftsstelle Berlin, Lagerplatz Teltow, sowie eine Anzahl Delegierte aus den Bettieben des Orenstein-Konzerns im Reiche(Lübeck. Dortmund, Nordhausen usw.) beteiligt waren. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf die Wünsche der Arbeiter und Angestellten zum Geschäftsabschluß der Orenstein u. Koppel A.-G. für 1920. Hierüber referierte G r u h l vom Bettiebsrat, indem er ausführt« Zum erstenmal nehmen wn zu einem Geschäftsabschluß Stel- lung. Das Aktienkapital wurde 1913 von 36 auf 45 Millionen erhöht und heute beträgt es 68 Millionen. 1919 bettug die Dwidende 16 Prozent, für das Jahr 1920 ist mit einer Di- vidende von 22 Prozent zu rechnen, so daß mindestens 15 Millionen zur Auszahlung kommen. Die Arbeiter- und Angestelltenschaft des Unternehmens fordert, daß sie dabei nicht vergessen wird. Aus der Bennv-Orenstein-Sttftung standen für Unterstützung an notleidende Arbeiter und Angestellte die Zinsen eines Grundstocks von l 200 000 Mark mit 72 000 Mark im Jahr« 1920 zur Verfügung. Es sind aber isOOOO Mark gezahlt worden, so daß eine Ausfüllung des Kapitals erforderlich ist. Bei den Verhandlungen mit der Ge- neraldirektion muß eine gleichmäßige Unterstützung in allen Be- trieben gefordert werden. Das Vorhaben Orensteins, eine Pen- stonskasse zu schaffen, müssen wir vom gewerkschaftlichen Stand- punkt aus ablehnen. Sie üben nur eine ttennende Wirkung aus und ermöglichen die Bildung einer Prätorianergarde. Wichtig ist auch die L e hr li n g s f r a g e. Ehe mit der Direktion über die Einrichtung von Lehrlingsabteilungen verhau- delt wird, muß ihre Finanzierung sichergestellt werden. Buch in der Wohnungsfrage muß von der Firma mehr getan werden. Aus dem Geschöftsgewinn müssen dafür Mittel zur Verfügung ge- stellt werden. Nachfolgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Angesichts des äußerst günstigen Geschäftsabschlusses der Oren, stein u. Koppel A.-G. für 1920 und im Hinblick auf die nachahmens- werten Beispiele, welche gleichartige Industrie- und Handelsunter- nehmungen in bezug auf Wohlfahrtszwecke bei Geschästsabschlüsien gegeben haben, fordert die Versammlung, die auch von Vertretern aller übrkaen Betriel'e(w* dem Reich b-Oicht ist, daß im Geschäfts- obschkuß 1920 von der Gesellschaft 5 Millionen Mark zu- gunsten der Arbeiter und Angestellten bereitgestellt werden. Der Betriebsrat wird beauftragt, mit der Generoldirektion darüber in Verhandlung zu tteten und in einer späteren Betriebs- Versammlung Bericht zu erstatten. Die Versammlung erklärt sich gegen Penstonskassen, wie sie von den Unternehmern propagiert werden. Vor Erlediguna dieser Angelegenheit hielt Genosse Cohen lReuß) einen interessanten Dorttag über„die Sanktionen und ihre Einwirkung auf die Wirtschaftslage". Zum Schluß wurde noch zur Entlassung eines Vertrauensmanns vom Werk Spandau Stellung genommen. Zur Wirtschaftskrise in England. Noch der„Evening News' sind bisher etwa fünf MiMonen Ar- beiter von dem Kohlen streik, der morgen 14 Tage währen wird, unmittelbar in Mitleidenschost gezogen.— Die große Fabrik der Sheffield Steel Works ist vollständig stillgelegt worden, wodurch 5000 Arbeiter erwerbslos geworden sind. Andere Fabriken setzen ihren Bettieb nur noch mit größter Müh« fort: eine Ab- teilung noch der anderen wird geschlossen. Es sind in Sheffield jetzt über 60 000 Arbeiter erwerbslos. Die Stteiklage in England hat sich neuerdings verichärft, da die Dockarbeiter sich weigern, ausländische Kohle abzuladen. Auch die Eisenbahner weigern sich, fremdländische Kohle zu oerladen. Gestern hotte der Transportminister Erik Geddes mit den Sekre- tären der Transportarbeiter und der Eisenbahner eine Unterredung, Eine Konferenz von 33 Linien der National Union der Eisenbahner auf den Ostlinien nahm eine Resolution an. in der für kommenden Sonntag der Generolstteit proklamiert werden soll. Die amtlichen Ziffern über die Erwerbslosigkeit In England am 30. April zeigen, daß l 834 000 Personen völlig erwerbslos, während 1 077 000 mit verkürzter Arbeitszeit befchäftiqt sind, gegen- über 1506 000 bzw. 888 000 am 1. April, als die Sttllegung be? Kohlenindustrie begann. Schiedsspruch tut Nahrungsmittel-Großhandel. Am Montog fällte der Schlichtungsausschuh einen Schiebs- fpruA, wonach den Arbeitern in Gruppe I eine Wochenzulage von 18 M., denjenigen in Gruppe II eine solche von 13 M. gewährt werden soll. In Gruppe III(Arbeiterinnen) wurde eine Zulage von 10 M. pro Woche vorgeschlagen. Die Arbeitgebervertreter er- klärten, die Annahme des Schiedsspruchs den Unternehmern zu empfehlen, worauf in der Streikversammlung am Abend beschlossen wurde, die Arbeit heute wieder aufzunehmen. Die Generaiuersammluvg des INetallcrrbciterocrbandes, welche om 2. Mai vertagt werden mußte, wurde am Montag in der Brauerei Königstaot fortgesetzt. Auf der Tagesordnung standen Anträge zur Aenderung des Ortsstatuts. Knaak sprach in einstündiger Rede für die Aenderung noch den vorliegenden Anträgen, die insbesondere auch eine andere Gruppierung der Metallindustrie von neuzeitlichen Gesichtspunkten püs vorsehen. Um den Ausbau der Gewerkschaften zu machtvollen Organisationen zu erreichen und so den großen Konzernen und Stinnes-Unternehmungen ein gewisses Gegengewicht zu bieten, sei die Erfassung der Betriebsräte in den Jndustriegruppen erforder» lich. Hierdurch werde im ganzen Reichs eine werwolle Uebersicht tiber die wirtschaftliche Lage der einzelnen Industriegruppen er- reicht, was die Arbeiten der Gewerkschaft erfolgreich gestalten würde. Die Erfassung der Betriebsräte in diesem Sinne sei be- reit? durch einen Beschluß des Beirats vorgesehen worden. Hell- w i g wandte sich in längerer Rede gegen verschiedene Punkte in der beantragten Aenderung des Statuts. Hierauf wurde die Redezeit auf 20 Minuten beschränkt. Barth war mit den Ausführungen des Referenten völlig einverstanden. Man möge dahin beschließen, daß die Betriebsräte nur zur Erledigung ihrer Branchenangelegen- Helten erfaßt werden, in allen übrigen Fragen aber die freigewerk- schaftliche Betriebsrätezentrale zu entscheiden habe, welche doch als die Aufbauorgonisation der zukünftigen Wirtschaft betrachtet wer- den müsse und ihre Aufgab« nur durch ein theoretisches und prak- tische? Zusammenwirken mit den gewerkschaftlichen Organisationen zu lösen vermöge. Z i s k a sprach sich für die vom Referenten ver- tretenen und in den Anträgen vorliegenden Aenderungen aus. Beschlossen wurde, den Z 1 in der neuen Fassung unter der Bedingung anzunehmen, daß er als Provisorium bis zum Ver- bandstag gilt. Dann soll endgültig darüber entschieden werden. Alle übrigen Abänderungsvorschläge wurden mit großer Mehrheit angenommen. Vorschlagslisten zur Reuwahl des Betriebsrates müssen nicht unbedingt mindestens doppelt soviel Bewerber enthalten, als Be- triebsvertretungsmitglieder zu wählen find. Der Gewerberat zu Berlin, Hallesches Tor(Tag«b.-Nr. 150 vom 29. März 1921) hat in dieser Frage wie folgt entschieden:„Der§ S der Wahlordnung zum BRG. enthält eine Soll Vorschrift, keine Muß Vorschrift. Die zweite Liste ist mit ihren 11 Namen auch gültig und mußte bei der Wahl berücksichtigt werden, da die Namen der Bewerber in Ziffern- mäßiger Reihenfolge und.auch sonst eindeutig aufgesetzt waren. Ihre Ungültigkeitserklärung ist durch die Vorschrift des 8 7 der Wahlordnung nicht begründet. Ich erkläre-daher die am 11. Mchcz 1921 von dem Wahlvorstand bekanntgegebene Betriebsratswahl sur ungültig und verlange eine Neuwahl. Gegen diese Ensscheidung steht den Beteiligten binnen einem Monat die Beschwerde zu bei dem Herrn Polizeipräsidenten von Berlin, Abteilung II.* Die«Jtdldf fühlt sich gelroffeu, weil der„Vorwärts* am Sonntag der.Roten Fahne Vorhaltungen machte über Nachdruck aus dem.Vorwärts* ohne Quellenangabe. Um ihr in dieser Be- Ziehung auch nicht ganz reines Gewissen zu salvieren, dreht sie den Spieß um. Der.Vorwärts* habe in wiederholten Fällen von der „Freiheit* verschiedene wichtige Dinge übernommen und sich genau so unanständig benommen, wie die.Rote Fahne* es tue. Auf diese und den.Vorwärts* wendet sie das Urteil an über den Rabbi und den Mönch. Wir nehmen an, daß der.Freiheit* bei ihrer Behaup- tung gegen den„Vorwärts* ein bedenklicher Irrtum unterlaufen ist. Sonst müßten auch wir mit Heinrich Heine reden, von dem schlimmsten Kampf auf Erden, dem Duell mit einer Wanze, der. Gestank als Waffe dient. Ein Scemannsstreik in Norwegen ist gestern ausgebrochen. Er umfaßt 5500 Maschinisten, Matrosen und Heitzer, sowie 6500 Ar- beiter. Blmd btt technischen Angestellten und Beninte». Mittwoch, Miigliederoeo- saminwng Norden il. Lamperl« Fcstsäle, Schönhauser Allee 129, abends i'/j Uhr— Donnerstag, 7*;, Uhr: Mitpliederoerlammlung, Eharlottenburg II, Restaurant Rubland, Saoignystrosso ö— Friedenau, Rest. Hobenzollern, Handjerystrastc.— Norden I, Brauerei-Ausschank Osweid Berliner, Brunn cnstrahe 140.— Osten I, Sochbahnrestaurant, Elraiauer Ällee 4S.— Südwest. Bierglocke, Belle-Alliance- Etraße los.— Norden IV, Rest. Hubertus, Bornholmer Straße 89. Mariendorf. Donnerstag, S Uhrl Bersarnmlnng der Betriebsräte und der Kandidaten siir die Wahlen zum Aueschuß der Allgemeinen Ortstranlentasse, in der Aula der Gemeindeschulc, Friedenstraße. Di« Mitglieder der Gewerkschafts- unterlommission sind oerpflichtet, zu erscheinen. Gewerkschaftsunterlommission. Aerantw. für den redakt. Teil: Dr. Werner Pciser, Tharlottenburg: für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: VorwSrts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärtS-Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindensir. 3. Herren-Strickbinder In modernen Streifen 12 75 Billige Pfingst* Angebote! Damen-Kleidung Oberhemd-Bluse weiß und urbig.....»9.» 2gso JabOt-BIUSe weiß und farbig........ 69.50 49� rtirnril l�loiri aus echten Dirndl-Stoffen, In hellen und OAOO Ulrnui-rvieia dunklen Mustern.......... 09 Wasch-Kleid �7" ,arbig g£blQmtem» 110,00 100 Vrrrlp Wlpirl aus prima gemustertem Voll-Voile, eltgante«B1A00 VUUCfMeiU Ausführung......... 19800 BlU Reinw. Popelin-Kleid&«?«*?"abh.ar!'.re!ch. 39800 Damen-Hüte Garn. Kinder-Hut mit Band and Blumen-aarnttar SpOrt-Hut In rersch. Flechtarten bis 975 98.00 ig75 Garn. 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