Nr.t1y4 3<.?ah??an9 Ausgabe B Nr. 104 Bez«gSprrl», Viirt-ljSbrl. 30,— M., monaH. Kl— M. frei ins Sans, voraus»ahlbar. Poy- bi-zug� Monatlich 10,— Ät, rinschUZu- fttUungsflcbüftt. Unter Kreuzdaub für ?eulschlanS, Dan!lia, das Saar- und Meraelgebiet, lowie die ehemals beut- chen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 30,— M, mr das übrige Ausland 27,— M. Polt» beitellungen nehmen an Oesterreich Ungarn. Tlchecho-Slowakei, Däne- mar!. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Borwärts" mit der Sonntags- beilag-.Volt und Feit', der Unter- baltungsbeilag« �eiunvelr" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erfchc.nl Wochentag tich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Abend Ansgabe i*> (�20 Pfennig� Jfejiai Telegramm- Adresse »,i«,ld«motral See Vera»- Serlinev Volksblstt AnzeigeuvretS» Die achtgefpalten, Nonparetllezeili kostet MO M.Sleinr Anzeigen- das lengedruckt» Wort Ichv«.(jo. ldlstg zwei tengedru-tt» Wonel, l-de» weiter- Wori l.- M. Slellengesuch, und Echlasstellenanzeigen das erst, Wort Z>— M. ledee wetteri Von « Dkg. Worte aber ld«uchftabeo >>ihl-n für zwei Borte, ssaanlieli�iln zeigen für Abonnenten steil« 8,- M Die Pretfe verstehen{ich einfchltehliit Teuerungszufchla» Anzeigen für dt» nächste Ztummei müssen bis ä Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SB HS. Linden strah, 3. abgegeben werden Geöffn«, von s Uhr früh bis b Uhr abends Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen parte! Dcutfchlands 3SDS3I keüakttan und Expedition: SW 6$» Linöenstr. Z Kcrufvrrcher:?lmt Morthpla«, Slr. ISI SV- tZ»lS7 Mittwoch, den II. Mai ISSI vonvSrts»verlas«.m.b.H., sw»«, einben.str. z Kernfprecher,«m> Morihvlatz. Nr. S4 Ä. Kompromiß mit Korfantp. Vor ewigen Tagen lehnte der Oberste Rat in Paris einen englischen Vorschlag ab, Oberschlesien in drei Zonen zu teilen, von denen die eine, Pleß und Rybnik, umfassende, vor- läufig polnisches Einfluhgebiet, die zweite, das industriereiche Beuthen, Kattowitz, Gleiwitz umfassende, neutrales, unter inter- alliiertem Schutze und interalliierter Verwaltung stehendes Land und die letzte deutsches Einflußgebiet sein sollte. Die ablehnende Haltung des Obersten Rates war verständlich, da durch den englischen Vorschlag die letzte Entscheidung vorweg- genommen und der Versailler Vertrag gebrochen wurde, nach dem bis zur e n d g ü l i i g e n Entscheidung der Interalliierten Kommission in Oppeln der Schutz und die Verwaltung ganz Obcrschlesiens auferlegt ist. Nunmehr hat die Interalliierte Kommission, wenn man von einer solchen überhaupt noch sprechen kann, eigenmächtig Oberschlesten bis zur Korfanty- Linie, d. b. die Kreise Pleh, Rybnik, Veuthen, Gleiwitz, Katto- witz und Tarnowitz als polnisches Einflußgebiet erklärt. Dieser Beschluß wird ausdrücklich als Kompromiß zwischen den Auf- ständischen und der Interalliierten Kommission bezeichnet. Damit wird der Aufstand als solcher legitimiert und die Ein- wände, die man gegen den englischen Vorschlag erheben konnte, haben für die viel weitergebende Entscheidung der Interalliierten Kommission erhöhte Geltung. Praktisch ergibt sich zunächst die Frage, ob sich die Deutschen jenseits der Demarkationslinie ohne weiteres dem nunmehr sanktionierten polnischen Terrorregiment unterwer- fen werden. Nach Ententebegrisfen haben sie das Recht, sich mit denselben Mitteln wie die Polen gegen verineintliches Unrecht aufzulehnen; daß unter einem großen Teil der deutschen Bevölkerung Oberschlesiens Stimmung für einen bewaffneten Widerstand vorhanden ist, geht aus den einlaufenden Berichten hervor. Man muß mit dieser Stimmung rechnen, wenn auch kein einigermaßen Klarsehender diese Entwicklung in Ober- schlesien ohne schwerste Bedenken verfolgt. Sie muß zu bluti» gen Kämpfen, zu Verwicklungen führen, die politische Er- schütterungen weittragendster Art im Gefolge haben können. Ein rascher und rechtlicher Spruch über die Vesitzverhält- nifse in Oberschlesien könnte die Situation in Oberschlesien sofort klären. Dann wüßten alle Parteien, woran sie sind und jede konnte für Ruhe und Ordnung in ihrem Hause sorgen. Die Interalliierte Kommission, die infolge der wunder» bar unparteiischen und kameradschaltlichen Haltung des Herrn Le Rond in sich zerfallen ist, wäre aller Qualen enthoben. Warum fällt die Entente den so dringend notwendigen Spruch nicht, der ganz Europa einer bangen Last entheben würde? Von De"t'chland, das nach Ansicht der Entente doch kaum fähigere Köpfe besitzen dürfte als der wesilich" Kontinent, ver- langt man in nicht minder lebenswichtigen Fragen ein ganz anderes Tempo. » London, tt.?N«il. sWTV.).Times" meldei aus Veulhen: Verhandlungen zwischen der Jnlcralliierten Sommission und den polnischen ilufsiändifchen haben zn der Anerkennung der Korfaniy-Linie als Demarkaklonsllnie der Aufflandsbewcgung geführt. Die Interalliierte Kommission übernehme die Berank- wortnog für die Obcraussicht des Gebiets. vie AnfstSndischea erhielten jedoch die Kontrolle der Eisenbahnen. Me da, Blatt weiter meldet, ist die D e m ü k i g o n g d e r A l- liierten in Oberschlesten vollskändlg erfolgt. Zn veulhen befinde sich«in vataillon franzSsischer Zöget mit Tank» zur Anstechterhaltnng der Ordnung. Trotzdem könnten die bewaffneten Aufständischen ungestraft die ganze Nacht die Stadt durch Schießereien wachhalten. Die Autorität des britischen Kontrolleur» de» venlhener Stadtkreises sei aus die vier Wände seines Hauses beschränkt..Time»" zufolge tönneu Worte die Erbitterung und Entrüstung der britischen und italienischen Vertreter nicht schildern. Seit Monaten sei die Parteinahme der Zranzosea zugunsten der Polen bekannt. Die Ztaliener, die Zü oder 40 Maua an Toten verloren hätten, würden sich kaum gleichgültig verhallen. Italien in Sorge. London. 11. Mc>i.(MTB.)„Morningpost" meldet aus Rom: In italienischen amtlichen Kreisen werde den Berichten aus Ober- schlesien große Bedeutung beigemesien. Der nach der ttalie- nischen konstitutionellen Praxis ungewöhnliche Schritt des Königs, der Graf Sforza nach dem Ouirinal berief und den Wunsch ausdrückte, über die Ereignisie der Londoner Konferenz und über die Haltung der Alliierten gegenüber den letzten Erelgnisien ein- gehend unterrichtet zu werden, kann als ein Beweis für die ernste Wirkung angesehen werden, die die Verluste der Italiner in Oberschlesten auf die öffentliche Meinung Italiens gehabt haben. Kampf um Kofel. v r e» l a n. 11. Mai.(TA.) Kasel- Oderhafen ist gestern nachmittag um 3 Uhr wieder befreit worden. Der Gegenstoß wurde vom deutschen Selbstschuh erfolgreich durchgeführt. Die S t a d t K o s e l ist ebenfalls befreit und dem Schutze der i t a l i e n l- scheu Truppe» übergeben worden. Der Seutfche Selbstschutz. London, N. Mai.(EC.) Die„Daily Mail" erklärt heut«, daß der Aufstand in Oberschlesten in offiziellen Londoner Kreisen große Beunruhigung verursacht. Die große Gefahr nach englischer Auffassung besteh« darin, daß Deutschland zum Angriff« vorgehen könnte und auch die Nachbarstaaten Rußland und die Tschechoslowakei eingreifen würden. Di«.C h i c.a g o Tribüne" bringt einen Bericht ihres Oppelner Korrespondenten, dem ein italienrsck)« Offizier mitteilte, daß er polnische Offiziere photographiert habe. Fronzö» sisch« Offiziere in Gleiwitz ordneten an. daß die zuerst von der Ple- biszitkommission in Oppeln verfügte Bewaffnung deutscher Freiwilliger zurückgezogen werde. Im selben Bericht wird be- hauptet, daß 18 000 Deutsche bereits ausgerüstet seien und eine wohlorganisicrte Armee von 60 000 Mann bald zur Ber» fügung stehen werde, die den Kampf gegen Polen aufnehmen würde. Auch andere Freiwilligcn-Organisationen, insbesondere dl« Orgesch, spielen hierbei natürlich eine große Rolle, und nun spricht bereits von 100 000 Mann, die zum Einmarsch bereitstünden. Schon weiß-man von stattgefundenen oder bevorstehenden Kämpfen zu berichten. Oppeln, 11. Mar. lTU.l Die Leitung de, deutschen Selbstschutzes in Oppeln hat gestern nacht 6 Uhr der Inter» alliierten Kommission folgende Forderungen unterbreitet: 1. Die Interalliierte Kommission verpflichtet sich, Waffentran». parte nicht mehr or, zuhalten und nicht mehr zu beschlagnahmen. 2. Den deutschen Selbstschutz anzuerkennen und seine Bewaff» nung zuzulassen. 8. Die B e st r a f u n g des französischen Sergean- ten, der an der Ermordung eines Deutschen schuldig»st. vorzunehmen. Die Abordnung wurde für gestern um 9 Uhr zur Kommisston bestellt, um dort die Antwort in Empfang zu nehmen. Rettenöe Tat. es RegkerungsumbUüung in Preußen. Genosse Wels hatte heute eine Unterredung mit dem preußischen Minister Stegerwald. Sie ergab Ueberein- stimmung in der Ueberzeugung, daß es notwendig sei, un- mittelbar nach Pfingsten eine Umbildung der preu- ßischen Kabinette im Sinne der veränderten Partei- gruppierung im Reiche herbeizuführen. Die Ergänzung ües Kabinetts. Ms sich am gestrigen Abend das neue Kabinett dem Reichsteg vorstellt«, waren noch drei Portefeuilles unbesetzt. Wie wir bereits mitgeteitt haben. s»ll das Wiederaufbauministerium einem Sozialdemokraten übertragen werden. Gegenüber einzelnen Presse- rm'ldungen, wonach unser Genssse Silberschmidt dieses Amt übernehmen würde, sei»«stgestellt. daß diese Angabe nicht zutrifft: zwar ist dem Selretär de» Deutschen Bauarbeiterverbandes, der als hervorragender Kenner aller Wiederaufbaufragen allgemein an er- könnt wird, dieser Posten angeboten worden, er hat ihn aber bereits gestern abend abgelehnt. Das Reichsfinanz Ministerium soll vereinbarungsge- maß ein nichtpolltischer Fachmann übernehmen. Be- stimmte Namen werden zurzeit noch nicht genannt. Es wird jeden- falls notwendig fein, daß der Nachfolger von Wirch im Finanzministerium auch die Finanzpolitik von Wirth fortsetzt, d. h. nicht die kapitalfreundliche, die Herr Wirth gegen seinen Willen durch di« allgemein« Tendenz b*r bisherigen rein bürgerlichen R«- gierung mitmachen mußt«, sondern di« gesund« und gerechte Politik, di« Herr Wirth machen wollte, und die durch die Treibereien der Rechtsparteien fortwährend durchkreuzt wurde. Eins der wichtigsten Aemter, nämlich das Auswärtige Amt, Ist ebenfalls noch unbesetzt. Vorläufig hat der neu« Reichs- kanzler auch die Geschäfte Dr. Simons übernommen. Das ist natür- list nur ein Provisorium, das mit dem Augenblick aufhören wird, In dem eine der in Ausficht genommenen Persönlichkeiten ihre Zusage erteilt haben wird. Es ist bereits hier vom Staatssekretär Berg- mann die Rede gewesen, ob er aber annimmt, erscheint zweifelhaft. Indessen taucht bereits in einigen Morgenblättern der Name des Direktors C u n o von der Hamburg-Amerika-Lini« auf. Damit ist wieder einmal von irgendeinem nicht sozialdemokratischen Reichs- tagsabgeordneten ein kleines Fraktionsgeheimnis durchbrochen wor- den. Auch wir wußten von der Absicht, Herrn Cuno zu sondieren, haben uns aber an die Vereinbarung gehakten. Inzwischen hat man aber festgestellt, daß fich Direktor Cunv gegenwärtig auf einer Reise nach Amerika befindet, und es ist unwahrscheinlich, daß er, selbst wenn er geneigt wäre, dos schwere Amt zu übernehmen, so recht- zeitig in Europa zurück sein könnte, daß seine Berufung noch einen Zweck hätte. Jedenfalls bleibt es bei der Absicht, einen nicht- politischen Fachmann mit dieser Aufgabe zu betrauen. ver Reichspräsident hat an den scheidenden Reichskanzler Fehrenbach ein Handschreiben gerichiet, in dem er ihm für seine opferwillige Tätigkeit an der Spitze der Reichsregieruna, wie als langjähriger Parlamentarier und als Präsident de» Reichstage» so- wie der Nationalversammlung seinen Dank ausspricht. Natürlich gibt es gute Parteigenossen, die finden, daß von der Partei sehr unklug war, wieder in die Re- gierung zu gehen. Diese Genossen werden vielleicht mehr Recht behalten, als sie jetzt selber noch ahnen. Wir haben gestern einen Sprung getan, von dem wir noch gar nicht wissen, wie er unseren Knochen bekommen wird. Die Schmerzen kommen erst hinterher. Betrachtet man die Sache aus diesem Gesichtspunkt, so wird man zu dem Ergebnis kommen, daß die K o m m u- nisten und die Deutschnationalen die Klüg- st e n waren. Sie sagten Rein wie immer und sagte« es in ausführlichen Reden, die sie als Flugblatter drucken lassen werden. Auf diese Weise hoffen sie ihr Parteigeschöst zu un- geahnter Blüte bringen zu können. Allerdings, hätten ihre Nein zur Mehrheit ausgereicht, fo würden die Franzosen heute marschieren. Aber das macht weder Herrn Hergt und Herrn Koenen Sorge; beide verdienen von ihren nächsten Parteitagen das Zeugnis, in weltgeschichtlicher Stunde die Parteiinteressen bestens gewahrt zu haben. Sehr klug war auch die Deutsche Bolkspartei. Wenn einmal ein Buch darüber geschrieben wird, wie man Politik macht, ohne sich die Finger zu oerbrennen, so wird das Berhalten der Deutschen Volkspartei ein interessantes Kapitel darin bilden. Und klug war auch das Zentrum, als es erklärte, es gehe nicht in eine Annahmeregierung ohne Demokraten, klug waren die Demokraten, als sie sagten, sie täten es nicht ohne Deutsche Bolkspartei. Allerdings hätte dieses geistreiche Schachspiel der Parteitaktiker nur einige Stunden länger ge- dauert, dann hätten die Franzosen das Ruhrrevier besetzt Don der sozialdemokratischen Reichstaa?- fraktion ist ohne weiteres zuzugeben, daß ihr Verhalten am kritischen Dienstag der parteitaktischen Klughoit in dem vorbezeichneten Sinn völlig ermangelt hat. Als es klar geworben war, daß unser Volk und Land an der Skrupellosig- keit der Rechts- und Linksbolfchewisten und an der mutlosen Unentschlosienheit der Mitte zu scheitern drohte, da schloß sie die Äugen und sprang. Der eine fragt: Was kommt danach? Der andere: Was ist recht? Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion und der Parteiausschuß fragten am Dienstagvormittag keinen Augenblick mehr:„Was kommt danach für unsere Partei?" Sie fragten nur noch:„Was ist recht?" Sie fragten, was das Gebot der geschichtlichen Stunde sei und handelten danach, ohne Schwanken und parteitaktische Bedenken. Als es bekannt geworden war, daß die Sozialdemokratie entschlossen sei, um jeden Preis und auf alle Fälle das im Interesse des Lölkes Notwendige zu tun, begann man auch in den bürgerlichen Mittelpartsien zu begreifen, daß die Zeit für parteitaktische Klugheiten vorüber sei. Ein paar Stunden später war die Entscheidung gesichert. Was ist damit verloren? Deutschland hat noch einmal anerkann» und bestätigt, daß es durch den Krieg, in den es besinnungslos hincintaumelts. und den es in verblendetem Siegesrausch weiterführte, bis es ihn verlleren m u ß t e. in die Schuldknechtschaft der Alliierten geraten ist. Die Verweigerung dieler Anerkennung bäste an der Tatsache selbst keinen Deut geändert. Was ist damit gewonnen? Gewonnen ist damit zweierlei— und es sind wahrhaftig keine Kleinigkeiten. Erstens ist der Sozialdemokratie aelun- gen, was ihr im Juli 1914 angesichts der gegebenen Macht- verhältntffe mißlungen ist, nämlich den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Die Ausführung der im Ultimatum ausgesprochenen Drohungen wor nichts anderes als Krieg. Das muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden. Die Besetzung deutschen Gebiets, das nicht durch den Frie» densvertrag zur zeitweiligen Besetzung bestimmt ist, das Ein- dringen fremder Truppen mit scharfer Munition, Panzer- wagen, Artillerie und Tanks in vertraglich umfriedetes beut- sches Land war Krieg. Diesen neuen Krieg bat der fron» zösische Imperialismus gewollt und er will ihn noch. Er will den Krieg in seiner feigsten Form, er will den Krieg im Bunde mit der ganzen Welt gegen einen ohnmäch» tigen Gegner. Nachdem von deutscher Seite die Entscheidung für den Frieden gefallen ist und nachdem w i r es waren, die diese Entscheidung herbeigeführt haben, sind wir als inter- nationale Sozialisten berechtigt und verpflichtet, diese weit- geschichtliche Schurkerei vor der ganzen Welt zu brandmarken. Zweitens: Frankreich, das von seinen Imperialisten verblendete und mißleitete Frankreich, hat eine Niederlage erlitten. Frankreich wollte nicht die Be- dingungen des Ultimatums, Frankreich wollte das Ruhr- reo i er. Frankreichs Niederlage begann auf der Londoner Konferenz, auf der es bestrebt war, nach berühmten Mustern von 1914 ein Ultimatum so zu formulieren, daß seine An- nähme für den Gegner moralisch und materiell unin�glich war. Darum verlangte es Wiederholung des Schuldbekenntnisses. Ueberfübrung des Goldbedarfs der Neichebank nach Paris und andere schöne Dinge, die geeignet waren, die Beweisführung der Deutschnationalen für die Ablehnung des Ultimatums etwas durchschlagender zu gestalten. Es drang mit diesen For- derungen in London aber nicht durch. Jetzt ist die Niederlage seiner verbrecherischen Politik durch die Annahme des Ulti- matums vollendet morden. Die Chauvinisten schnauben vor Wut und wollen D r i a n d stürzen. Aber Briand, der eben auch nur ein Schaukler auf der Schaukel politischer Taktik ist, Briand ist nicht der wahre Schuldige. Der wahre Schuldige ist P o i n c a r 6, der wie ein Hetzhund hinter Briand steht, die wahren Schuldigen sind die kleineren Hetzhunde vom„Figaro" und der„Action fran�aise", die auch Poincar6 den Rückweg zur Vernunft sperren würden, wenn er jemals daran dächte, chn zu betreten. Solange nicht die Masse der französischen Arbeiterschaft und des französischen Bürgertums erkannt hat, daß diese Leute ihre Verderber sind, so lange wird Europa und mit ihm Frankreich am Rande des Abgrunds wester- taumeln. Wir wollen die Verständigung mit Frank- reich. Aber das Frankreich des Tardieu und Leon Daudet wül nicht die Verständigung, sondern die ewige brutale Ver- gewalligung. Geist vom Geiste Ludendorffs. Und wenn wir auch wissen, daß es noch ein anderes Frankreich gibt, ein Frankreich, das wir für seine Taten um die Frecheit für das, was es der Welt an Schönheit und Geist brachte, liebten und wir das lieben könnten— heute tritt uns nur ein neues Frankreich entgegen, das nichts anderes als ein altes Preußen ist. Diesem Frankreich das Spiel verdorben und den Frieden noch einmal gerettet zu haben, das betrachten wir Sozialdemokraten als unser Verdienst. Müßte die Partei daran sterben, so wäre das nicht der schlechteste Tod. Aber die Partei und die Ideen, deren Trägerin sie ist, werden l�ben, es wird sich am Ende an ihnen doch belohnen, daß wir in geschichtlicher Stunde nicht aus parteitaktischer Bauern- schlauheit, sondern mit dem Blick auf große Ziele gehandelt haben, daß wir ganz einfach taten, was recht war! Partei oder vaterlanö! Die deutschen Nationalisten haben aus den Ereignissen der letzten Tage nichts gelern. Zeigte ihr Verhalten während der Dauer der Regierungskrise zur Genüge, daß ihr einstmals mst so gewaltigem Nachdruck erhobener Ruf nach einem Kabinett der„nationalen Verteidigung" von„Hergt bis Scheidemann" nichts als eine demagogischePhrase war. so beweist die Stellungnahme der nationalistischen Presse nunmehr nach Annahme des Ultimatums, was die Sozial- demokratie von jeher gesagt hatte; diese Leute» die es auch heute noch wagen, von der Vaterlandslosigkeit der Sozial- demokratie zu sprechen, setzen sich aus genau denselben Kreisen zusammen, die in demselben Augenblick sich zugunsten eng- herziger Parteiinteressen entscheiden, in dem wahrhaft große und im besten Sinne des Wortes nationale Gesichts- punkte das Gebot der Stunde sind. Wer von der nationalistischen Presse soviel Anstands- empfinden erwartet hätte, zum mindesten den ehrlichen Willen derjenigen Parteien anzuerkennen, die sich schweren Herzens für eine Annahme der Ententeforderungen im In- teresse ihres Volkes entschlossen haben, sieht sich bitter enttäuscht. Wollte man den Nationalisten mit der gleichen Münze heimzahlen, mit der sie Andersdenkende belohnen, so könnte man sagen: In diesem Augenblick der schwersten Not und Gefahr der deutschen Republik gibt es Menschen in Deutschland, die in versteckter Form die Entente zu schweren Zwangsmaßnahmen ermutigen, nur da- mit ihre Voraussagen der künftigen Entwicklung der Dinge triumphierende Bestätigung finden! Ein solches Ver- halten nennt man gemeinhin Landesverrat. An der Spitze d�r nationalistischen Schreier marschiert die agrarische„Deutsche Tageszeitung", die ihre Bettachtung des Ergebnisses der gestrigen Reichstagssitzung mit der geschmack- Konzerte. Die Volksbühne beschloß ihre diesjährigen Konzerte mit einer eindrucksvollen und ausdrucksrecchen Aufführung der Mat- thäus-Passion Bachs, in deren Tedankenwelt und Teilschönheiten die Hörer ein kluges Programmwort Scherings einführte. Der Chor der Singakademie sang, unter den Solisten traten darin Harth zur Rieden, Raatz-Brockmann und in kleineren Partien H.H.Nissen bedeutend hervor. Unter den 18 Veranstaltungen der Volksbühne war die das 5. Bach-Konzert: vielleicht ein bißchen viel für die Aufnahmefähigkest erholungsbedürftiger Menschen. Aber einerseits ist es besser, vom Bater der Musik einen würdigen Aus- schnitt seines Schaffens zu sehen, als nur den Schatten seiner wenigen dankbaren und gangbaren Werke. Erziehung ist hier gut. Rur wer Bach liebt, liebt die Musik. Andererseits wurde die schwere und starre Architektur des Bachschen Wunderbaues in in Parallele gesetzt mtt Mozart und Schubert, denen auch je fünf Konzerte gewidmet waren. Es bleibt für die Aufstellung des nächst- jährigen Programms zu wünschen, daß sich ein gesunder Stilwille wie bisher durchsetzt, und daß zu der Bemühung alter Meister auch die Beschäftigung mit neuerer Musik hinzutritt. Wie ich höre, ist ein solcher Plan bereits vorgesehen. Carl Schurlcht bei einer Probe zu sehen, ist belehrend und anregend, auch wenn seine Liebe zu einem so widerspenstigen, kühl berechneten Werk wie Mahlers VI. Sinfonie unverständlich bleibt. In ihrem letzten Arienabend entfaltete Cläre Dux wieder den ganzen Reiz Ihrer frühiinghaften Stimme, die in ihrer Art auf deutschen Bühnen und Podien einzig ist. Oder wer hat diesen un- fehlbaren Anschlag der Stimmbänder in allen Registern, dieses weich klingende, weithin tragende Falsett, wer darf und kann so mit einem erlesenen Instrument in jedem Moment spielen wie die Duxl Da sie nur Opernarien sang(von Mozart bis Puccini), so wurde der Ruf nach der Rückkehr zum Theater um so lauter und herzlicher: einen Teil ihres in Maitagen seltenen Erfolges übertrug die Künft- lerin galant an ihren Begleiter Seidler-WinNer, der wohl für manche gelungen« und schön geschwungene Koloratur verantwortlich ist. Schlimm für jede Sängerin, zu der man mtt dem Ton der Dux im Ohr gelangt! Frau Erna-Maria Eisberg ließ ihre Elevinnen öffentlich singen. Weder Margret Albrccht noch Hilde- gard Toporowska mit ihren kleinen, zarten Stimmen, noch auch die recht gehemmte, unfrei sich gebende Else Heynacher sind bisher podiumreif. Dortragsallürcn scheinen übernommen, nicht selb- ständig gewonnen und erlebt. Gute Schule ist unverkennbar, und sicher wachsen diese Mädels noch an der Hand ihrer bewährten Lehrerin an Kraft, Ausdruck. Kunst und Stimme. Eine einzige Frau bewies Reife: Frau Getrud Marcus. Die aber saß am Llaoier. Dr. Kurt Singer. vollen Ueberschrkfi„Im Dienste Frankreichs" ein- leitet. Es wird der Reichstagsmehrheit der Vorwurf ent- gegengeschleudert,„das Spiel Frankreichs" gespielt zu haben, und ohne eine Spur der Berechtigung oder des Beweises werden gegen den Reichspräsidenten Genossen E b e r t die schwersten Vorwürfe erhoben. Von besonderer Scham- losigkeit sind die folgenden Zellen, deren Wortlaut wir tmseren Lesern nicht vorenthalten wollen: Herr Clemenceaa hat gesagt, es gäbe In Devkscblnnd zwanzig Millionen Deutscher zuviel: die französische Dernirbkavgspolllik hat sich dieses Wort für die Urans zu eigen ge- mackt: die deutsche Sozialdemokratie bietet sich an. bei der praktischen vurckiführung zu helfen. Ans den Leichen von zwanzig Millionen Deutschen, denen der Illklmatumsstrick die kehle zuschnüren wird, türmt sich die Treppe, auf der sie wieder zur Macht emporsteigt. Und auf der Spitze dieser schauerlichen Pyramide streckt sie den stan- zösischen Milllaristeu und Revanchepolltiiern die Hand entgegen, in die diese spucken. Diese Worte genügen zur Kennzeichnung einer Ge- sinnung, die sich noch immer als„deutsch" und„national" auszugeben wagt. Im übrigen befindet sich Clemenceau mit seiner Auffassung in guter Gesellschaft: be- kanntlich war es der deutschnationale Professor M a x v. G r u b e r in Münzen, der mit fast den gleichen Worten feststellte, daß es in Deutschland etwa 17 M i l l i- onen Menschen zuviel gäbe: zweifellos entspricht ein Bild, das Clemenceau und G r u b e r Arm in Arm zeigt, weit mehr der Wirklichkeit, als das von der„Deutschen Tageszeitung" entworfene Pbantasiegebilde. In die gleiche Kerbe schlägt die reaktianär-anttsemitische „Deutsche Zeitung", die sich die frohlockende Ueberschrist„U n d sie besetzen doch!" nicht versagen kann. Ganz im Sinne dieses Triumvhnkfes beißt es weiter:„Uns ist es recht so", und diese Unvorsichtigkeit entbüllt am besten die wahre Gesinnung der Parteien, die es auch jetzt noch wagen, sich als die„vaterländischen" zu bezeichnen. Im übrigen klingt aus den Kommentaren der Rechts- presse, der„Kreuz-Zeitung", des„Lokal-Anzeigers", der „Tägl. Rdsch." und der„Deutschen Allg. Ztg.", die unver- kennbare Verlegenheit heraus, die durch ihre Frak» tionskreunde begünstigte Bedrohung des R u h r g e b i e t s wie O b e r s ch l e s i e n s in ein einigermaßen annehmbares Licht zu setzen. Amüsant ist hierbei, daß die„Tägl. Rdsch." sich— wie gestern Herr Hergt— als Scbützerin der Inter- essen der deutschen Arbeiterschaft ausspielt! Alz Kuriosum sei schließlich eine Mitteilung des„L.-A." erwäbnt, wonach ein einstimmiger Fraktionsbei-bluß der„De"tschen Volks- partei vorliegt, nach dem die Partei sich mit Dr. S t r e s e- mann„in allen Stadien der politischen Entwicklung der letzten Tage in Ueberein st immun g" befunden hat. Es ist allerdings sebr einfach, durch einen Beschluß die Ueber- einstimmung zu„konstatieren": die Tatsache iedocb, daß Stresemann im Gegensatz zu der Mehrheit seiner Fraktion sich für eine Annahme des Ultimatums einsetzte, wird durch keinen noch so schwungvollen und einstimmigen Beschluß aus der Welt geschafft. ' Stimmen aus Batzen». ZNÜnchen, 11. Mai.(TU.) Die„München-Augsburger Abend- zettung" nennt die neue Reichsregierunq ein Erzberger-Kabi- nett und sagt, Erzberger habe gesiezt und das Reichszentrum wieder ins Schlepptau genommen. Für Bayern erscheine die Ent- wicklung der Dinge im Reich» von gar nicht zu übersehender Be- deutung. Es wäre aufs tiefste zu bedauern, wenn die durch die Unterzeichnung des Ultimatums und die DUdunz des Erzberger- Kabinetts im Reiche geschaffene Lage positive Rückwirkungen auf den Bestand der bayerischen Koalitionsregierung aus- üben würde. Der„Bayerische Kurier" hebt hervor, daß nicht nur die Deutsche Volkspartei, sondern auch die Bayerische Volkspartei aus der neuen Koalttion im Reiche ausgeschieden sei. Wenn sich die Reichsregierung jetzt zur vorbehaltlosen Erfüllung der im Ultimatum gestellten Forderungen oerpflichte, so könne nur ge- sagt werden, daß ihr allein die volle Verantwortung zu- Wa» wisiev wir vom Atom? Bis vor kaum 10 Iahren glaubte man, das Atom sei der kleinste nicht mehr teilbare Bestandteil eines Elements. Die Entdeckungen der letzten Jahrzehnte zwangen aber zu dem Schluß, daß ein Atom weit davon entfernt ist, etwas Un- teilbares oder Unveränderliches zu sein: vielmehr ist ein Atom eine Well für sich, ein„Mikrokosmos", eine„geordnete Gesamtheit im kleinen", in �buchstäblicherem Sinn«, als man es wohl je geträumt hätte. Darüber bringt der Begründer dieses Wissenszebictes, der Nob�prelsträger Prof. N. Bohr, in der„Umschau" einen allge- meinverständlichen Bericht. Aehnlich wie die Planeten um die Sonne, bewegen sich nach ihm winzig kleine, mit negativer Elektri- zität geladene Teilchen um den positiv elektrisch geladenen„Atom- rern". Diese Teilchen nennt man„Elektronen": sie bilden, wie man durch Bersuche festgestellt hat, einen wesentlichen Bestandteil aller Materie. Die verschiedenen Elemente unterscheiden sich nicht nur durch verschiedene Kerne, sondern auch durch die Zahl oer sir umkreisenden Elektronen. Während der Wasserstoffkern nur von einem Elektron umkreist wird, bewegen sich 92 Elektron-Planeten um den Kern des Elements Uran Während der Abstand vom Kern bi» zu den am weitesten entfernten Elektronen etwa ein Zehn- Millionstel Millimeter beträgt, sind die Abmessungen der einzelnen Partikelchen vielleicht nicht mehr als einige Billionstel eines Milli- meters. Thüringens volksfrachkenschau in Erfurt Wie sich der Heimat- gedanke in allen deutschen Gauen siegreich Bahn bricht, so haben neuerdings auch die Bestrebungen, bei heimatlichen Festen die Volks- trachten von einst wieder aufleben zu lassen, erfreuliches Verstand- nis in allen Schichten der Bevölkerung gefunden. München bereitet für Pfingsten eine große bayerische Volkstrachtenschau vor, an der sich 80 Dereine au» den verschiedenen Teilen de» Bayernlandes be« teiligen werden, und in Erfurt wird am letzten Iunisonntag (26. Juni) ein alloeme'.ncs Thüringer Trachtenfest stattfinden. Ge- rade das schön« Thüringer Land,„Deutschlands grünes Herz", ist ein Gebiet, in dem die Bolksttacht dereinst eine Mannigfaltigkett und eine Farbenbuntheit entfaltet hat wie nur in wenigen anderen deutschen Gauen. In Thüringen hotte vor noch 150 Iahren fast jedes Darf feine eigene Tracht und seinen eigenen Dialekt. Das Thüringer Heimatmuseum in Erfurt besitzt eine großartige Trachten- abteilung. die ein in sich geschlossenes Thüringer Trachten- museum darstellt und von jedem Besucher Erfurts in Augenschein genommen werden sollte. Auch das Thüringer Museum in E i s e n o ch besitzt eine buntfarbige, interessante Trachtensammlung: das gleiche gill in gewissem Grade von den vielen örtlichen Heimat- museen Thüringens. Unvergeßlich sind die Thüringer Trachtenfeste, die vor dem Weltttiege in Reinhardsbrunn stattfanden, das neben der Wartburg immer mehr zu einem Heimatsort der Thü- ringer Heimatleute geworden war. Das bevorstehende Erfurter Trachtenfest ist«ine Veranstaltung des Zweiqvereins Erfurt des Thüringer Wald-Bereins. Wenn die Trochtenschau gelingt, soll sie zu«wer alljährlich miederkehrenden � Veranstaltung werden. Die bakkerieufreleo Polarländer. Die geologische Erforschung der Inselgruppe Spitzbergen hat aus dem Vorhandensein der be- kannten mächtigen Kohlenlager nachgewiesen, daß in nebelgrauer fall«. Die„München er Reuesten Rachrichten" prophezeien dem neu« Kabinett als Uebergangsregierung keine lange Lebensdauer und er- klären, die Verantwortung für das, was aus der Unterschrift unter etwas Unerfüllbares folgen muß, hätte» die zu ttagen, die ihr« Unterschrift geben. Eine andere Stellungnahme der bayerischen Orgesch-Presse war nicht zu erwarten. Frankreich ist iniznfriede»«. Paris. 11. Mai.(MTB.) Das neue Ministerium und der gestrig« Beschluß des Reichstages werden von der Pariser Presse besprochen. Pertinax schreibt im„Echo de Paris", ob der Regierungschef Ebert, Scheidemann, Bauer, Müller. Fehrenbach oder Wirth heiße, oder die Mehrheitssozialdemokratte an der Kombinatton teilnehme, oder ob die Bolkspartei sie ersetze, das Personal, das vorüberziehe, ändere sich nicht Es sei kein Anlaß vorhanden, auf eine plötzliche und kollektive Belehrung des deutschen Bolkes und seiner Führer zu rechnen. „Petit Parisien" sagt: Das Ministerium werde nur eine Mehrheit von 20 bis 30 Stimmen haben und könne infolge der Stärke der reaktionären Presse keine starke Regierung sein, aber es stelle vielleicht gegenwärttg die am wenigsten schlechte Kombination dar. „Petit Journal" sagt: Die Mobilisierten der Iahresklass« 1919 seien glücklich bei dem Gedanken, daß der Reichstag unter ihrem Zwang die Annahme des Ullimatums gutgeheißen habe, aber das Abkommen von London habe nicht nur eine kategorisch« Ablehnung, sondern auch später« Verfehlungen vorge- sehen. Das„Journal erklärt: Morgen also werde Deutschland eine neue Unterschrift zu denen fügen, die es schon gegeben habe. Aber diesmal müsse es genau wissen, daß es auf die Stund« die Ber- pflichtungen ausführen müsse, die es übernommen habe. Ein genauer Kalender sei aufgestellt worden, und an jedem der Verfalltage werde die Entente, ob es sich um Reparation oder um Entwaffnung handele, sich einer Realität gegenüber befinden. Ausgabe deutscher Schuldscheine. Paris, 11. Zitat(havas.) Zu Voraussicht eluer bedingungs- losen Annahme de» Ultimatum» hat die Reparalious- kommlssiou sofort die Ausgabe der ersten Rate der beut- scheu Schuldverschreibung im vettage»ou 12 2R i l l i a r- den Goldmark vorbereitet Dle Papiere werden die Ueber- schrifl tragen:„Schuld de» Deutschen Reiche»". Der kleiaste Ab- schnitt wird über S00 Mark lauten. Zn den zuständigen Kreisen hat man den Eindruck, daß es nicht oöKg seln wird, die Schuldverschreibung im ganzen auf den Markt zu werfen. Zu dem Beschluß der Reparattonskommission teilt EE. weiter mtt: Man rechnet damit, daß Deutschland bis 1922 4� Milliarden Goldmark für die Kupons bezahlen können wird. Bon diesem Betrag erhält FrankreichSZ Proz., nämlich 52 Proz. gemäß dem Abkommen von Boulogne und ein Prozent als Rück- Zahlung für die Prioritäten, die Belgien bei der Auszahlung der Entschädigungssumme zugestanden wurden. Wenn man auch die Verbesserung der Valuta berücksichtige(man berechnet den Dollar mit 9 Frank), ist Frankreich in der Lage, au» den von Deutschland bezahlten 4H Milliarden ungefähr 6 Milliarden Papierfrank zu erzielen. Das Budget für die Sanktionen und die b e. freiten Gebiete wird 1922 11 Milliarden bettagen. Es wird somit nur nötig fein, da Deutschland 6 Milliarden bezahlen wird, für 5 Milliarden Zinsoerschreibungen zu verkaufen, um das stan- zösische Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Tie Abschätzung der deutschen Lieferungen. Paris, 10. Mai.(WTV.) Die Reparallouskom-, missioa ist heule nachmittag zusammengelreiea. ver offiziöse Derkreler der Vereinigten Staaken V o y d e n nahm zum ersten Mole wieder an den verakucigeu teil. Die Reparallonskommisslon seht die Abschähungsarbeiten für die deutschen Lie- s e r u n g e n aus Grund des Artikel» 235 des Friedensvertrags fort Abzuschätzen siud nameuklich die noch gelleserlen Sohlen, das zurückgelassene Kriegsmaterial und die ausgelieferten Schiffe. Zur Regelung der letzteren Frage befindet fiel) augenblicklich eine deutsche Delegation in Pari», die gestern mit� Vergangenheit das Land, das nur 10 Grad vom Nordpol entfernt ist von Wäldern bedeckt war. Man hat darin, wie Professor Huy- ley im„Eornhill Magazine" ausführt, einen schlüssigen Beweis für die Annahme, daß wir es auf der Erde nicht nur mtt einer, fon- dern mit mehreren Eiszeiten zu wn haben, die jeweils von Wärme- Perioden abgelöst worden sind. Diese klimatischen Umwälzungen, deren tiefere Ursachen sich unterer Kenntnis entziehen, haben gewiß überwiegenden Einfluß auf die Bildung und Anpassungsfähigkeit der Lebewesen gehabt und zur Entwicklung der Arten ihr Haupt- teil beigetragen. Eine weitere interessante Eigentümlichkeit Spitz- bergen? bildet die vollständige Abwesenheit von jeder Art Bqkterien. Die Inselgruppe würde deshalb einen idealen Aufenthaltsort für zahl- reiche Leidende bilden, wenn es möglich wäre, den Patienten hier auch nur ein Mindestmaß der unerläßlichen Dequemlichkeik zu schaffen. Die Frau ohne Magen. Der Fall einer Frau, die ohne Magen seit zwei Iahren lebt und sich dabei sehr wohl befindet, wurde in einer Sitzung der Pariser Akademie für Medizin von Dr. Victor Pauchet berichtet. Die Pattentin litt an schweren Magengeschwüren: ihr würde der ganze Magen herausgenommen, und die Perlänge- rung der Speiseröhre wurde direkt an den Zwölffingerdarm ange- näht, so daß die Nahrung unmittelbar zu den Eingeweiden gelangte. Eine Woche lang erhielt daraufhin die Patientin keine Nahrung. Dann aber durfte sie wieder normale Steifen zu sich nehmen, und sie befindet sich seit zwei Iahren bei vollkommener Gesundheit hat auch ihr früheres Gewicht wiedererreicht Die Kathedrale von Santiago de Eompoftola ist, wie an» Madrid a«neidet wird, durch eine Feueri brunit zerstört worden. Damit ist ein« der bernbmlesten und nrotzartigslen Kirchen Spanien» vernichtet. Santlayo ist der besuchteste DallsnbrtSort Spanien». Im Mittelalter waklsahrtete die die ganze Christenheit zu dem wundertättgen Grabe de» belügen(Zatob. Der prachtvoll- Bau der Knibedrale ist im 11. Jabrbundert begonnen worden und bat in den Bliitc-eiten der spanischen Baukunst eine immer weitere und großartigere Ausgestaltung erfabren. Die Kirche mit ihren beiden 73 Meter hohen Türmen, mit ihren 6 Schiffen nnb 25 Kapellen war ein Wunderwe, k, in dem die kübrtlten und phantastischsten Baugedanken zu einer wundcivollen Einheit vereinigt waren. Die Ausstellung„Vier Jahrhunderte Raturwiffenschasten in Autoqrapden und Dokumenten- in der Preußischen Staatsbiblioihek wird, um auch der Arbeiterschaft Gelegenheit zur Besichtigung zu geben, an drei Sonntagen, am 22. und 29. Mai und am S. Jani von 10—1 Uhr vormittag» geöffnet sein. Pros. Darmstaebter und seine Mitai berter geben aus Wunsch Erläuterungen. Dr. Ludwig Pfeiffer, ber tim da» Thtd Inger Mcdizinalwcsen doch- verdiente Arzt, ist im 79 Lebensjahre in Weimar gestorben. In w'ssen« schaftli'chen Kreisen ist er durch leine Ausgrabungen in Taubach-EhriiigSdart bekannt geworden, die hochwichtige ffundstäiten de» primitiven Mevichen und feine Kultur erschlossen. Seine Funde sind in dem naturwissenschalt« lichen Museum in Weimar, da» jeder Besucher Weimars besichtigen sollt«, mustergültig auigeslellt Der von ihm bearbeitete billige Katalog gibt zu» gleich eine treffliche Einführung in die Urgeschichte. Zum Pesten de? gefährdeten Goethe-tbaules in Frankfurt a. M. wird da« Staatliche SchaulpiekbauS den Reinertrag der nächsten Matinee am 22. Mai verwenden, bei der, viel'achcn Wünsche� entsprechend, die Ber» anstattung»Bei Goethe- zu gewöhnlich ea Pftifea wieder hott wird. der ReparaiionskommMon verha>.delte. Die Sommisfloa hak eine Frsfi von acht Tagen zur Einreichnng schriftlicher Bemerkungen gewährt. Englands Vertreter dcmisfioniert. Paris, 11. Mai.(EE.) Der„Petit Pansien* meldet, daß der Vertreter Englands in der Reparationskommis- s i o n, John Bradbury, seine Demission gegeben habe, weil er die jüngsten Entscheidungen dieser Kommission nicht billigte. Wie erinnerlich, gingen die auf der Brüsseler Konfe- rsnz gemachten Dorschläge des Systems der fünf Jahresraten auf ihn zurück Daß nun dieses System nicht zur Durchführung gelangen soll, hat anscheinend den Anlaß zu seinem Rücktritt gegeben. Verschärfung ües englischen Streiks. London, 11. Mai.(MTB.) Wie die Bläiler melden, steht das Land einer neuen Verschärfung der Lage gegenüber, die darin besteht, daß die Eisenbahner und Trausporkarbeiter sich doch noch dem Bergarbeiter st reit an- schließen. Innerhalb der lchkcn 24 Stunden fanden drei ft abinettsslhungeu in vowning Street statt, die sich mit der Entwicklung der kohlenlrife befaßicn. Die Regierung ist angesichts der Weigerung der Eisenbahner und Transportarbeiter, kohlen zu bcsördern, fest entschlossen, diese kohlen, loste es was es wolle, transportieren zu lassen. Unter polizeilichem bzw. militärischem Schuh wurde in London heule von Arbeitswilligen deutsche kohle, in Zarmoulh belgische kohle und in Glasgow kohle ans Südwales ausgeladen. Die W i r k n n g des Kohlenstreiks auf den brikischen Handel geht aus der Skalistik des Handelscmls für den Rlonal April deutlich hervor. Sowohl die Aus- als auch die Einfuhr ist fast auf die Hälfte des Umfangs im April vorigen Jahres gesunken. Verbotene Kohlcnbcförderung. London, 11. Mai.(Reuter.) Aach einer langen Sihnng hat der Ausführende Ausschuß des Transporlarbeiterver- b a n d e s beschlossen, das Verbot der SohlenbesLrderung zu verschärfen. Insolgedesieu kann der Transporlarbeiterver- band die Beförderung eingeführter Sohle nicht genehmigen. Der Ausführende Ausschuß wird mit den Eisenbahnern eine Be- sprechung abhatten, um das Vesörderungsverbot noch wirksamer zu gestalten. Abschaffung der Todesstrafe in Schweden. Die beiden Kammern de» fchweducheu NeicksiagÄ nahmen nach längerer Debatte die Regierungsvorlage, betr. die Abschaffung der Todesstrafe, an. Der Schluß öer Nachtsitzung. In der gestrigen Rcichstagssttzung erhielt noch dem Abgeordneten K o e n e n(Komm.), der in der üblichen Weise für eine„Räterepublik Europa" plädierte, das Wort der Abg. heim(Bayr. Vp): Wir stimmen gegen das Ultimatum, weil wir dadurch nicht zu einem dauernden Frieden kommen. Wir sind der Ueber» zeugung, das nicht nur unser Volk, sondern die ganze europäische Kultur dauernd geschädigt wird, wenn es nicht gelingt, diese Der- pflichtungen abzuwälzen. Wir tun diesen Schritt in der Er- kenntnis, daß das deutsche Volt durch die Annahme des Ver« sailler Vertrages Verpflichtungen übernommen hat. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die deutsche Regierung die daraus sich ergebenden Verpflichtungen bis zur äußer st en Grenze des M ö g l i ch e n zu erfüllen hat. Aus diesem Grunde wünschen wir, daß jede Wiedergutmachung, die überhaupt möglich ist, als Zeichen dieses guten Willens, so schnell wie möglich geleistet werde. Soweit aber das Ultimatum dem deutschen Volke Leistungen und Verpflichtungen auferlegt, von deren Erfüllbarkeit wir uns beim besten Willen nicht überzeugen können, widerspricht die Annahme unserer grundsätzlichen Auffassung.(Die Kommunisten stören den Redner durch Zwischenrufe.) Im Gegenteil, die Unmöglichkeit, diese Verpflichtungen bei der größten Opferwilligkeit zu erfüllen, bringt das deutsche Volk um Ansehen und Vertrauen bei allen Völkern der Welt. Der Geist der Versöhnung vermag unter den Völkern trotz des Friedenszustandes keinen Raum zu gewinnen. Das Ullimatum berührt in einem Punkt auch besonders die bayerischen verhällniste. Erneute stürmische Unterbrechungen bei den Kommunisten.) Die Forderung der Entwaffnung trifft zunächst den deutschen Osten und dann unsere Heimat. Ein Unterschied ergibt sich aber im wesentlichen Daraus, daß es sich im Osten um eine rein militärische Einrichtung handelt, in Bayern dagegen um eine rein zivile Organisation des Selbstschutzes, die von dem sozialisti- sehen Ministerium Hoffmann in einer Zeit der schwersten Gesähr- dung Bayerns geschaffen wurde und heute noch in der gleichen Form besteht.(Hört! hört! auf der äußersten Linken.) Sowohl die deutsche Regierung wie die bayerische Regierung haben wiederHoll erklärt, daß die bayerisch« Einwohnerwehr als Selbstschutzorganisation nicht unter die Bestimmungen der Lersailler Friedensvertrags fällt.(Lebhafter Widerspruch links.) Die gegenwärtige bayerische Regierung hat ferner bei ver- schiedeneu Gelegenheiten erklärt, daß die Einwohnerwehr nicht als dauernde Einrichtung gedacht sei, sondern nur so lange aufrechter- hallen werden soll, wie es die Verhältnisse erfordern.(Lachen links.) Die erfreulichen Anzeichen für die Wiedcrgesundung in unserer Heimat(andauernde Unterbrechungen auf der äußersten Linken), an der alle Stände, Arbeiter wie Bauern, Handel- und Gewerbe- treibende, die Beamtenschaft und die Angehörigen der freien Be- rufe Antell haben, ermutigt uns, die Hoffnung auszusprechen, daß an einen Abbau der Selbstschuhorganisalionen gedacht werden kann.(Beifall bei der Mehrheit.) Diesen Zeitpunkt näherzurücken, haben gerade die Alliierten in der Hand, wenn sie der Aufstellung der notwendigen Sicherheitspolizei kein«, Wider- stand entgegensetzen.(Zuruf bei den Kommunisten: I», ja, das Zuchthaus!) Wir hosten, daß dies den Geist der Einigkeit innerhalb des deutschen Vaterlandes fördert.(Beifall. Unterbrechungen bei den Kommunisten.) Ihr Kindsköpfel(Heiterkeit.) Damll schließt die Debatte. Bei der nun folgenden Abstimmung, deren Endergebnis zu- santmen mit dem Antrag Müller-Trimborn wir weiter unten noch- mals mitteilen, stimmen etwa die Hälfte der Demokraten sowie von der Deutschen Volkspartei die Abgg. Heinze, v. K a r d o r f f, und Fron v. O h e, m b für die Annohme des Ultimatums. Um �1 Uhr nachts wurde die Sitzung geschlossen. ♦ In der von Ledebour verlesenen Erklärung war selbstver- ständlich von der„Böswilligkeit Deutschlands" die Rede, als die die Ablehnung der Forderungen von der Entente angesehen werden könne, nicht aber, wie ein tückischer Druckfehler mitteill«, von der „Blödsinnigkeit Deutschlands". » Der Antrag Müller(Franken)- T r i m b o r n, besten An- nähme in namentlicher Abstimmung mit 231 gegen 175 Stimmen bei einer Stimmenthallung in der gestrigen Nachtsttzung wir bereits meldeten, hat folgenden WorUaut: „Der Reiehstag ist einverstanden, daß die Reichs- regierung die von den alliierten Regierungen in deren Rot« vom 5. Mai 1921 unter E 1 bis 4 geforderten Erklärungen ab-" gibt." GroMerMl Die Moral auf öer Holter. Der Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild hat wiederum Formen angenommen, die weit über das Ziel hinausschießen und letzten Endes zu einer Bedrohung auch der ernsthaften Bestrebungen in Kunst und Wistenschast führen. Eine neue Lex-Heinze ist in Vorbereitung und nicht nur Herr Professor Brunn er, sondern auch freier denkende Leute sind an ihrer Schaffung beteiligt. Genosse Wolfganz Heine sprach gestern in einer Protest- versamlung des Goethebundes-Berlin, dem sich auch der Schutzverband deutscher Schriftsteller, die Genossenschaft deutscher Bühnenangehoriger, der Verband deutscher Schriftsteller und Bühnen- komponisten, der Verband deutscher Erzähler und der Verband deutscher Bühnenkünstler angeschlosten hatten, über die neuerlichen Bestrebungen, die unter der Maske des Iugendschutzes die Freiheit! von Kunst und Wissenschaft bedrohen. Die Ueberhandnahme der Schmutzliteratur veranlaßt- den Reichstag zur Annahme eines An- träges, der die Regierung aufforderte, einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung dieses Unwesens auszuarbeiten. Brunner hat sich in einem Entwurf betätigt, der geradezu mittelalterlich an- mutet. Es wird darin die Ausstellung einer Verbotsliste von Büchern und sonstigen Kunstwerken, die nicht einwandfrei sind, oerlangt. Ferner soll eine besondere Behörde errichtet werden, die darüber entscheidet, ob ein Kunstwerk auf diese Liste zu setzen ist, und die Entscheidung dieser Spruchkammern sollen endgültig sein. Die Folgen dieser„Richtersprüche" sollen darin bestehen, daß der Verkauf der auf die Liste gesetzten Bücher und Kunstwerke großen Beschränkungen unterworfen wird. Damit sind Kunst und Wisten- schast zweifellos jeder Willkür ausgeliefert. Schon heute gestatten die§§ 184 und 184 a des StrGB. in ähnlicher Weise vorzugehen. Zu welchen Ungeheuerlichkeiten aber der neue Gesetzentwurf, falls er angenommen werden sollte, führen wird, zeigt der Umstand, daß z. B. die Figuren am Goethe-Denkmal selbst als einwandfreie Kunst betrachtet werden, die photographischen Nachbildungen jedoch als unzüchtig oerboten worden sind. Der Bogenschütze im Park von Sanssouci, der sich in seiner Nacktheit allen Beschauern darbietet, ohne daß irgend jemand, der mtt ge» sunden Sinnen ausgestattet ist, auch nur im entferntesten an irgend- eine Unzüchtigkeit denkt, darf in photogrophischen Nachbildungen nicht verkauft werden. Farbenprächtige Postkarten, die in ausge- SPD."" Mgem. Kunktionärversammlllng Donnerstag, den 12. Mai, abends 7 Uhr, im Lehrervereins- hauS, Alexandcrstr. 41. Tagesordnung: Die Zustimmung zum Ententc-Ultimatum und Regierungsbildung. Nur Mitglieds- buch und Ausweiskarte legitimiert. Der Bezirksvorstand. zeichneter Nachbildung Kunstwerke unserer Museen darstellen, sind, well sie unzüchtig sein sollen, verboten worden. Literarische Pro- duktionen anerkannter Künstler sind ebenfalls als unsittlich bezeich- net worden. Der oben erwähnte Entwurf ist unter dem Dorwande ge- schaffen worden, die Reinheit der Jugend zu erhalten. Schmutz und Schund sind zweifellos widerwärtig, ober jetzt.besteht die Gefahr, daß einseitige Köpfe ihre Zustimmung zu einer höchst ver- derblichen Klapperstorchpolitik geben, und man soll nicht vergesien, daß im Reichsministerrum einige Leute sitzen, denen jeder Polizei- liche Mißgriff zuzutrauen ist. Der oben erwähnte Gesetzentwurf macht einen umfangreichen Beamtenapparat notwendig, und gerade setzt sollten die staatlichen Mittel für wichtigere Zwecke Derwen- dung finden. Außerdem soll das Strafgesetzbuch einer gründlichen Aenderung unterzogen werden, und da erscheint e» völlig unan- gebracht, jetzt ein Ausnahmegesetz, das sich gegen jede ernvhafte Kunst und Wistenschast richten kann, zu schaffen. Letzten Endes wird der wirkliche Schund durch solche Verbote gar nicht betroffen, nur eine Verbesterung des Geschmackes kann ihm entgegenwirken. Auch die Vertreter der übrigen Verbände sprachen sich in ähn- lichem Sinne ans, und es gelangte eine Entschließung zur Annahme, die sich scharf gegen die neue Lex-Heinze wendet. 0 Der Ausschuß zur Bekämpfung der Schmutz« und Schundliteratur bat in Verbindung mit den Jugendschristenprüfungs-AuSschüssen Groß-BerlinS eine zuverlässige und dollständige L i st e der gegen- tvärtig in Groß-Berlin vertriebenen billigen Schundheftreihen herausgegeben. Außerdem bat der Groß-Berliner Ausschuß ein Verzeichnis guter billiger Bücher für unsere gesamte Jugend an- sertigen lasten. Die Verzeichnisse sollen den Elternbeirälcn und Lehrerlreiien sämtlicher höheren Lehranstalten, Mittel- und Volks- schulen von Groß-Berlin zugänglich gemacht werden. Die beiden Verzeichnisse sind zum Preise von 3l> Pf. im Städtischen Jugend- pflegeamt. Neue Friedrichstraße 80. Zimmer 55. erbältlich. Der Ab- gäbe des Verzeichnisses guter Bücher an Schüler und Schülerinnen steht nicht? im Wege._ Die Iremöenlegkon als MSrüerunterschlups. Berliner Verbrecher in Afrika. An ein Kapitalverbrechen in Berlin erinnert ein Brief, den fetzt Kriminalkommistar Trettin von einem Fremdenlegionär erhatten hat. Das Schreiben ist aus Le Cr aiser dotiert und kautet: „Zunächst einen schönen Gruß. Bin wohl geborgen, ich bin nämlich in der Fremdenlegion. Ich bin mir ja jetzt sicher, da kann ich ja ruhig schreiben. Es ist ja schade, daß ich aus dem schönen Deutschland weglausen mußte, aber ich mußte eben, denn auf Mord gibt es allerhand Knast. Ich Hab« zunächst meinen Namen gewechsett und marsch in die Legion. Damit Sie mich nicht mehr zu suchen brauchen, schreibe ich meine Adreste. Hier kriegt ihr mich doch nicht. Ich habe mich auf fünf Jahre verpflichtet. Schade um die hohe Belohnung, die ihr für mich aus- gesetzt habt. Ich bin nun schon verschiedene Monate hier. Gefällt mir tadellos, besser wie in Sonnsnburg. Da habt ihr wohl alle Augen gemacht, als ich das Ding drehte und solch bösen Ausgang nahm. Totschlagen wollte ich eigentlich nicht, aber hels er sich. Es war eben passiert. Die Belohnung geht jetzt flöten. Di« besten Grüß« an Ihre Herren Kollegen. Ihr P. Lunew. Ja, wenn Ihr den richtigen Namen wüßtet." Der Briefschreiber ist höchstwahrscheinlich der 24 Jahr« alte aus Berlin gebürtige Stellmacher Walter L i e f e g a n g, der wegen des am 23. September v. I. in der Linien st r. 73 an dem 70 Jahre alten Rechtskonsulenten und Geldoerleiher Engelmann o e r ü b t e n Raubmordes als Haupttäter von der Kriminal- polizei gesucht wird. In Untersuchungshaft befinden sich wegen dieses Berbrechens eine Händlerin Frau Schulz, die dazu angestiftet haben soll, das aber bestreitet, und eine Ehepaar Haufe, das der Teilnahm« und Mitwisserschaft geständig ist und auch Frau Schulz belastet. Licsegang, der bei dem Ehepaar Hause gewohnt hat und mit Frau. ! Hause zusammen den alten Geldverleiher aufsuchte, um ihn zu � ermorden und zu berauben, verschwand gleich nach der Tat aus Verlin, wo er auch wegen mehrerer Einbrüche bereits gesucht wurde. Postkarten und Briefe, die seitdem bei seinen Angehörigen«inge- � gangen sind, machten es zur Gewißheit, daß der Verfolgte in der Fremdenlegion«inen Unterschlupf gefunden hat. Der Brief an den Kommissar stammt aller Wahrscheinlichkeit nach mich von ihm. Es besteht die Vermutung, daß Liesegang auch bei dem Doppelraubmord an der Zimmervermieterin Rühle und dem G e l d b r i e s- träger Weber in der Spandauer Straße seine Hand im Spiel gehabt hat. Das Kleiö des kleinen Mannes. Die bekannte Kleiderverwertungsgesellschaft wird vorauspcknlick» ihre Tätigkeit a u t alle Vororte ausdehnen, indem die i-r den einzelnen Orte» besiehenden Kleidungsstellen in die K.V.G. übergehen, womit die Versorgung der minderbemittelten Kreise in � Grotz-Perlin auf einheitlicher Grundlage erfolgen kann. Zu den» � vielerörterten Vorgängen in der Kleiderverwertungsgesellichmt, Kominandantenslraße. wird außeldcm jetzt mitgeteilt, daß Dr. N o w a r r a, gegen den ein Strasversabren sckwebt, a y S seinem A m t a u s g e s ch i e d e n r st. Es ist ein neuer Aussichtsra i gebi.det worden, der aus Stadträten bzw. Stadtverordneten aller Partt.ien, von den Unabhängigen bis zu den Deurschnationolen besieht. An die Spitze de» Aufsichtsrates wurde Stadtrat Krohl, ein bewäiprter Fachmann, berufen. Zum GesckäslSführer wurde Dr. Kieburg ans Neulölln ernannt, von dessen Jniiiative die städtischen Behörden einen neuen Aufschwung für die K.V.G. erhoffen. Sollte, was noch einer gerichtlichen Klärung bedarf, durch die Geschäftsführung Nowarra«, den städtischen Körperjchasten ein Schaden entstanden sein, so werden bestimmte Pläne, die nach der jetzt erfolgten Um- gesialtung zur Durchführung kommen sollen, diesen Schaden voll- kommen ausgleichen. Oranienburger Kapp-Putsch-Nachklänge. Vor dem Bezirksausschuß Potsdam fand gestern eine neunstündige Verhandlung im Disziplinarverfahren gegen den bisherigen Bürgermeister von Oranienburg Dr. 5) e i n n statt, die mit Freisprechung des Angeschuldigten endigte. Bekanntlich sollte Dr. Heinn während des Kapp-Putsches den Führer der Oranien- burger Einwohnerwehr, Lycealdirektor Paarmann, aufgefordert haben, den Führer der Unabhängigen, Maurer Schoos, schon vor dem Einrücken des Militärs zu erschießen, und zwar, wie Direktor Paarmann später der Regierung meldete, sollte Schoos„In der Not- wehr" erschossen werden. In der gestrigen Verhandlung wurde fest- gestellt, daß Aussage gegen Aussage gestanden, daß Direktor Poar» mann für seine Behauptungen keine Zeugen beibringen konnte, und daß auch eine Reihe schon früher gegen den Bürgermeister Dr. Hein» erhobener Beschuldigungen über seine Amtsführung sich als ganz halllos erwiesen hätten. Der Bezirksausschuß gelangte nach neun- stündiger Sitzung zu einem völligen Freispruch des Ange- schuldigten._ Der Tod durch Messerstiche. Bei einer Schlägerei wurde in der vergangenen Nacht der 34 Jahre alte Mechaniker Max Belitz aus der Koppenstraße 05 e r st o ch e n. Aus dem Heimwege geriet er an der Ecke der Frankfurter und Krautstraße mit mehreren unbekann- ten Männern aus noch nicht aufgeklärter Ursache in Streit. Seine Gegner verfolgten ihn dann bis vor das Haus Fürstenwalder Str. 15, wo er zwei schwere Stiche in den Kopf erhielt, daß er tot zu- sammenbrach. Die Leiche wurde beschlagnahmt und die Nach- forschungen nach den Tätern sofort aufgenommen. Der Vorsitzende der Sladkrechnungskammer ist euch in der heutt- gen Magistratssitzung nicht gewählt worden. Es ist anzunehmen. daß der Magistrat mit dem Eingang weiterer Bewerbungen rechnet und aps den bereits erfolgten Ablauf der seinerzeit gesetzten Aus- schreibungsfrist keinen Wert legt. Villige Zesttagskleidung. Arbeiter und Angestellte Berlins! Di« Berliner Gewerkschaftskommission fordert euch auf, die von ihr im Auftrage des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes eingerich- teten Bertellungsstellen für den Pfingsteinkauf zu benutzen. Eure Versorgung mit Ober- und Unterkleidung und Schuhwaren ist sichergestellt. Gediegene Verarbeitung, gute Qualität und Billigkeit sind gewährleistet. Die Waren können von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends gegen Ausweis in nachstehenden Derteilungsstellen besichttgt und gekauft werden: Zimmerstr. 68, Sebastianstr. 37/38, Engelufer 20(Transportarbeiterverband), Charitestr. 3(Konsum der AEG.), Schneiderelgenossenschaft„Hoffnung", Berlin N., Brunnen- straße 185, Comeniusplatz 4, Schönhauser Allee 173(Eingang Schwedter Straße), Karlshorst, Waldsiedelung, Hegemeisterwez 54. Ouäkerspeisuna in Neukölln. Vom 1. Oktober 1920 ab sind in Neukölln 7500 Schulkinder und 500 werdende und stillende Mütter gespeist worden. Am l5. November erhöhte lich die Porttonszahl um 1500, so daß eine Gesamtzahl von 9500 Portionen zu verzeichnen war. Sie verteilten sich aus 8050 Schulkinder, 300 Kleinkinder(2 bis 0 Jahre) und 550 werdende und stillende Mütter. Die neue Spei- sungsperiode begann am 5. Januar 1921. Es wurden gespeist 3300 Schulkinder, 550 werdende und stillende Mütter, 550 Kleinkinder (2—0 Jahre) und 140 Jugendliche(14—18 Jahre). Infolge der ge- stkigerten Verwoltungsunkosten ist laut Beschluß des Berliner Ma- gisirats der Eiternbcitrag von 25 Pf. auf 40 Ps. pro Portion erhöht worden. Die Neuordnung der„Kriegsbeschädigtenabkeile" auf den Strecken der Eisenbahndirektion Berlin ist nunmehr fast aus allen Strecken durchgeführt, so daß fast alle Züge nunmehr zwei Abteile für Schwerkriegsbeschädigte führen, die durch ihre Lage leicht aus» zuflnden sind. Das erste Abteil vor und hinter den Wagen der 2. Klasie, die stets an der gleichen Stelle der Züge laufen» sind durch rote Schilder mit weißer Schrift als für Schwerkriegsbeschä- digte bestimmt gekeynzeichnet. Zum Schutz der Schwerkriegsbeschä- digten hat die Eisenbahnverwaltung besondere Ausweise für die Schwerkriegsbeschädigten eingeführt, auf Grund deren der Kriegs- beschädigte die Räumung eines Platzes in diesem Abteile verlangen kann, falls Plätze von gesunden Reisenden in dem Abteile einge- nommen worden sind. Die Beamten auf den Babnhöfen aber sind angewiesen worden, sich der Unterbringung der Kriegsbeschädigten in diesen Abteilen besonders anzunehmen. Berllner Postverkehr zu Pingsten. Am 1. Pfingstfeiertag findet im Ort eine Paletbestellung statt. Die Ortsbriefbestellung ruht am 2. Pfingstfeiertag. Eine Geldbestellung wird an beiden Psingst- feiertagen, vorbehaltlich etwaiger aus Betriebsrücksichten notwendig werdender Ausnahmen, nicht ausgeführt. Ellernbeirakswahl in Neukölln. Die auf Sonntag, den 22. Mai, festgesetzten Elternbeiratswahlen finden statt in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 0 Uhr nachmittags. (C-ine Schäferbnnd.TonderauSsteNlins mit anschließender Polizei. und Blindendundvorsührnng findet!n der 5tascrne des ebemaligen Saite- Füsilier-RegimentS, Ebausseestr. 95—97, am Sonntag, den 15., und Montag. den 16. Mai. statt. Zablrelche Staats-, Stadt, und ionstige Ebrenpreise. Preis der Landwiit!chastskammer. divers« Preis« des Posizeiffräfidwm«. Berlin» usw. gelangen zur Verteilung. Sroß-öerllner parteinachrichten. IS. Abt. Heute abend T/z Uhr Mitgliederversammlung im Andreae-Kosino. Andreaeilratze Z. Thema: Innere und äußere Lag». Ref.: Reg.-Rat Z>r Goslar. sr. Abt. It. Gruppe. Der gahiabend findet nicht in der Ärummefirage«7, sondern bei Arndt, Kantstraße 5l, statt. Referent: Genosse Dr. Mosdacher. öS. Abt. Tharlottenburg. Am Donnerstag, den 12 Mai, abend» T/, Uhr bei Stein, Paffauer Htraße SS, Franenabenb. Thema:§ 21Ä und ietn» volkswirtschastliche Bedeutung. Referent: Dr. Lemke. Petersbagen. Donnerstag, 12. Mai, abend» 8 Uhr, im Restaurant Madel. Dorf- straße, gemeinsamer gahtahenb. Bortraz über Vakrt«- und Bbrsenfrage». Referent: Genosse Satemus. GewerMaftsbewegung Moskau oder Amsterdam. Ueber dieses Thema sprach am Dienstag in einer Versammlung, h-e von der SPD.-Fraktion des Derbendes der Gemeinde- und Staatsarbeitsr nach der Bockbrauerei einberufen war, Ke« nasse Romsbrock. Die Deraniassung bildete ein in der lctzten Eeneraloersaminiung des Verbandes von den Kommunisten gestellter Antrag, �wei Delegierte nach Moskau zu entsenden. Der Referent behandelte die Frage vom sozialistischen Standpunkte aus. Vicht auf dem Wege kommunistischer Diktatur und kommunistische» Terrors, sondern ans legalem Wege und durch Aufilärung der Massen soll endlich die sozialistische Eenieinwirtschaft erreicht werden. Wir sehen bei den Wahlen, daß groß« Volkstreise die sozialistischen Be- strebung«, noch nicht anerkennen und daß die kapitalistische Wirt- schast noch nicht reif ist für die Ueberführung in die sozialistische Wirtschast. Di« Tätigkeit der Gewerkschaften sei unerläßlich« Vor- arbeit für die Zm'unst. für die sozialistische Gesellschaft. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde einstimmig eine Entschließung gefaßt, noch der die Versammlung sich einmütig auf den Boden der Amsterdamer Internationale stellt und in dem Antrag der Kommunisten auf Beschickung des Moskauer EewerkschastZkongresses eine die Einheit unserer Gewerkschaftsbe- wegung störende Tendenz erblickt. Sie spricht d!« Erwartung einer strikten Ablehnung des Antrages aus. In Erkenntnis dessen, daß die Gewerkschaften nicht zersplittert werden dürfen, sondern ihre Einheit gewahrt bleiben muß, verpslichten sich die Versammclren, dieses ihnen gesteckte Ziel troß allen kommunistischen Machenschaften zu erreichen. Buchdrucker traten gegen Ende des Jahre« in den Streik uns erkämpften«in« wöchentliche Zulage zwischen 3 und 2O M. Di« Danziger Arbeitgeber verfolgen mit Nachdruck das Ziel, die Danzigcr Gewerkschaften von den Deutschen zu trennen. Dank des Widerstandes der Arbeiter ist das bisher nicht gelungen. Die Zabl der Gewerkschaftsmitglieder beträgt 3t 244. Die Hauplkassen batten eine Einnahme von 2 283 093,72 M., die Lokallassen von 807 463.70 M. Es wurden verausgabt: für Streits l 4ö9 10S M., und für Unterstützungen b9Z 768 M. Trotz dieser er- heblichen Aufwendungen sind die Lokalkassenbestände von 110963 M. auf 342 476 M. gestiegen. In der JabreSgeneralversammIung erlitten die Kommunisten trotz heftigster Obstruktion eine schwere Niederlage. Aus sämtliche'Borstandsposten wurden mit großer Mehrheit Mitglieder der sozialdemokratischen Partei gewählt. �US üer Setriebsräte-praxis. ?toch keine Einigung im Tiefbangewerbe. Der Schlichtungsausschuß griff von Amts wegen ein, um zu »..rmitteln. Bei der gestrigen Derhandlung ergab sich jedoch, daß er dies nicht kann, da die tarifvertraglich vereinbarte Schlichtungsstelle bereits tätig gewesen ist. Der Borsitzende mußte daher den Eini- gimgsoersuch aus diesem Grunde als gescheitert erklären. Im Derbner kasseehausgewerb? bestehen Londisferenzen. Die Dalagen, die den übrigen Angestellten In den Berliner Hoteis, den Weinbetrieben und Diergefchäften gemacht wurden und auch den Kafseehausangestelletn gemacht werden sollten, werden verweigert und die Verhandlungen verschleppt. Das Kartell der im Gastwirts» gewerbe vertretenen Arbeitnehmerorganisationen hat zu morgen nacht 1\'A Uhr in, Caf6 Stern am Oranienburger Tor eine Versammlung sür all« in den Cases und den diesen Betrieben ange- sckllossenen Bars, Dielen, Kabaretts usw. beschäftigien Kellner männlich» und weibliche Hilfsangestcllte, Geschäftsführer, kauf- mämüsch« Angestellt«, Handwerker, Musiker und Arbeiter ein- berufen, um zu der Lohnfrage Stellung zu nehmen. Del Ilrwnhien im Dauaeb eiterverband zur Wahl des Berliner Zweigvereinsvarstandes ergaben ein« Mehrheit von über 1000 Stim- wen fur�die Liste Thön-Wartenberg. Abgegeben wurden 11564 gültig« vkiwrnien,«»von 6281 auf die kommunistische Liste entfielen und_62« Stimmen auf die Liste der SPD.« und USPD.-Mitglieder des Verbandes. Während die Wahlbeteiligung im Jahre 1919 etwa 33 Proz�stark war, �im Lorjahr« gar nur 27 Proz., betrug ti« dies> es ist, baß alle mal 53 Proz. Der Wahlausfall zeigt, wie notwendb Mitglieder in solchen Fällen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und an Opfermut nicht hinter den Kommunisten zurückstehen. Einspruch gegen die Neuwahl einer Velriebsvertretuna berech. " c Amt aus- tigt die neue Betriebsvertretung, bis zur Entscheidung ihr zuüben. Mit der Bekanntgabe des Wahlresultats durch den Wahl- vorstand hört die Amtstätigkeit des alten Betriebsrates auf, und da die Rechte der Belegschaft aus dem Betriebsrätegesetz infolge Fehlens einer Betriebsoertretung außer Kraft gesetzt würden, muß die neu gewählte Betriebsvertretung als im Amte befindlich be trachtet werden, selbst wenn Einspruch gegen ihre Wahl erhoben ist. — Der Schlichtungsausschuß Groß-Berlin(Aktenzeichen 2879i/K. 25. Wag. 20. 12. 1920) hat im Falle einer Kündigung eines neu ge- wählten Betriebsobmannes, gegen dessen Wahl Einspruch erhoben war, wie folgt entschieden: � „Die Kündigung des Beschwerdeführers ist unwirksam. Der Beschwerdeführer ist weiter zu beschäftigen."— Begründung: Die Wahl des Beschwerdeführers zum Betriebsobmann ist unter Berück- sichtigung aller vom Betricbsrätegesetz vorgeschriebenen Formoli täten er'"" Wietflchclft ElektrkzitätSarveiterstreik in England. 20 000 Elektrizitätearbeiter sind In den Abwehrstreik eingetreten. In London allein sind über 2000 Arbeiter im Streik. Auch hier dreht es sich wie bei ollen gegenwärtigen Streikbewegungen in Eng- land und Zlmerika um den Widerstand gegen die auf der ganzen Linie versuchten Lohnherabsotzungen. Die Danziger Gewerkschaften im Jahre ISÄO. Mir der Begründung der»Freiheit" DanzigS begann für tausende Danziger Lrbeiler eine schwere Leide»Szeit. Die großen staailichen Betriebe bauten ab oder gingen ganz«in. Wucherer und Schieber versuchten die Reste der staatlichen Herrlich- keit zu„verwerten". Di« Zahl der Arbeiter sank in der Gewehr- sabrik bis aus 1000(früher 7000), Danziger Werft 2000(11000), Artilleriewerkstatt 200(6000). Zu Anfang des Jahres 1920 betrug die Zahl der Arbeitslosen 10 000. War«S 1919 noch möglich, im Wege der veihandlung Lohnaufbesserungen zu erreichen, sev scheiterte dies im abgelaufenen Jahre an dem Widerstand, der Unternehmer. Im Januar erfolgt« aus nichtigen Gründen die Aussperrung aus der Schichau werft: im Anschluß daran wurde die Danziger Werft vorüber- gehend geschlossen. Im Februar lrai.en die städtischen Arbeiter in den Streik. Holzarbeiter, Maurer und Zimmerer crlämpiten in elf- bzw. neunwöchigen Streik» eine Au'besierung der Löhne. Am 29. Juli demoustrierten 30000 Arbeiter gegen die ungeheure Steuerbelastung und wachsende Teuerung. Die Danziger Hafenarbeiter und Eisenbahner wollten den Polen keine Schergen« dienst« im Kampfe gegen Sowjet-Rußland leisten und verweigerten da« Entladen der MunitionSdamp'ser und den TranSpsrt von KriegSgerär. Ein Appell um Hilfe an die International« blieb erfolglos und letzten Endes unter- lagen die Danziger dem Druck der alliierten Mächte. Die konzecnbildung und Genossenschasten. Das ist unbestritten: der Genossenschaftsbewegung steht noch ein weites Gebiet zur Bearbeitung offen. Ebenso ist darüber bei den Eingeweihten kein Zweifel: der genosienschaftliche Gedanke hat in den letzten Iahren bedeutend an Boden gewonnen. Ja, im ge- nossenschafllichen Rohwarenbezug, in der genossenschaftlichen Produt- iion und der genossenschaftlichen Warenverteilung, auf allen Gebieten sind seit Kriegsausbruch bedeutende Forischritte gemacht worden. Mehr insiinküv als vollbewußt schritt man an vielen Stellen zur B i l- d u n g von Genossenschaften. Die Praxis über alles; das theo- retische Fundament blieb meistens völlig außer acht. Der Praktiker beherrscht die Stunde. Und meist war die reine Experimentierwirtschaft, wie sie da betrieben wurde, von Erfolg gekrönt. Die Zeit schenkte den wagemutigen Probierern ihre ganze Gunst. Der gewissenhafte und aufmerksame Beobachter unserer wirt- schaftlichen Entwicklung wird sich jedoch durch den äußeren Glanz nicht betören lassen. Er fleht tiefer. Vor allem aber das eine: die günstige Konjunktur, die durch das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Namentlich sür die reinen Produktiv betriebe. Di« Art der Betätigung spielt schon bei- nahe gar keine Rolle mehr. Warenmangel besteht auf allen Gebieten. Solange die Triebkräfte der kapitalistischen Wirtschaft — auch die Genossenschaften müssen sich der Form unterwerfen, solange das kapitalistische System herrscht— sich wie oben gekenn- zeichnet auswirken, werden die Genossenschasten Glück haben. Sie werden aber vor großen Schwierigkeiten stehen in dem Augenblick. in dem ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage eintritt. Dos ist der naturnotwendige Gang, an dessen Weg auch nicht das geringste durch irgendwelche Experimente geändert werden kann, solange nicht die Voraussetzung genossenschaftlicher Arbeit erfüllt ist. Dos praktisch bewährte Prinzip erfolgreicher Genossenschafts- arbeit ist die Sorge für den Absatz. Man organisiert« erst de» Konsum. Erst in der organisierten Derbraucherschoft fand man dann später die Basis zu genossenschaftlicher Produktion. Pro- duktion für die organisierte Verbraucherschaftl Alles andere ist vom Ucbel. Tie mißlungenen Experiment« nach Lassalleschem Muster sind Beweis genug. Und dos ist der Prüf- stein für die ungeheuer zahlreich aus der Erde sprießenden Pro- duktivgenossenschaften. Soll es nun unter allen Umständen zu Zusammenbrüchen kommen? Auf die Frage kann es für einen Sozialisten, der die Bedeutung der Genossenschoftsbewegung für den Sozialismus kennt, nur die Antwort geben, daß das möglichst vermieden� werden muß. Das kann geschehen durch einen engen Zis sammenschluß de» gesamten Genossenschaftswesens, nicht nur in losen Organisationen, sondern in festen, wirtschaftlichen Jnter- essengemeinschosten. Die in der Pnoatindustrie mit großem Erfolg betriebene Konzernbildung und Durch- organisierung muh auch in der Genossenschoftsbewegung durchgeführt werden. Das ist eine btttere Notwendigkeit, wenn die gc.'.ossenschaftliche Wirtschaftsform an Größe und Bedeutung neben der privotwirtschafttichen eins ausschlaggebende Bedeutung erlangen soll. Sonst wird die Gesundung des wirtschaftlichen Lebens der Beginn vom End« für große Teile der Genossenschoftsbewegung sein. S. W. K. Gering« Preisfall im April. Die Reichsindexzifter für die Lebenshaltungskosten hat sich nach den Berechnungen des Statistischer Reichsamis im Monat April d. I. um sieben Punkte auf 394 er mäßigt. Gegenüber dem im Januar erreichten Höchststand von 924 zeigt sich sür Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnung zu« sammen eine geringe Abschwächung. Die Lebenshaltungskosten "ich im April durch Preissenkungen für Fette, Fleisch, Eier SlbtAwächung. haben sich im April durch Preisserckurn und Fische in mehreren Städten ermäßigt. Da� sich aber anderer- seit» die Ausgaben für Gemüse, Heizung und Beleuchtung zumeist erhöhten, macht sich diese Erleich'.rrung in der Indexziffer nur in geringem Maße gellend. Aerusprechzustände 1921. Die von uns schon gerügte Verzögerung der Wiedergulmachung deS ,Kasjsler-BolkSblait"-Te:epSonS ist nach Feststellung deS Reichspostamtes darauf zurückzuführen, daß nach dem Schneesturm zunächst nach Durchführung dex AufräwnungS« arbeiten die umgebrochenen Gestänge erneuert, völlig verbogene Querträger ausgewechselt und eingetretene Starkstromgefahren be- seitigt werden mußten. Berantw. für dcn redcitt. Teil: Dr. Werner Pelsce, Tharlottenburg: für Anzeiaen: IT), Glocke, Berlin. Verlag: VorwSrlt-Verlaa G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wilrls-Buchbruckerei n. VcrlazSavstalt Paul Singer n. Co., Berlin. Lindenstr. S. Gewinn-Auszug der 17. Preussi.- Tudd. fS43. Preuß.) Klassen- Lofterle 6. Slaisi. 1. Zichungtiag. ig. Mai lS21. ainf!-ve gezogene CTurnmer im» zwei gleich hohe«gewinn» gefallen. uno zwar)*»iner auf»le Los» gleich»» Mummet la beu beiden Mb tel Inngen I un» II Ohne«avihr. Aachbruck berboien, I« ber«ornXioge, lehmig wurden Gewinne üdft 390 Mark gezogen, 2 m 40000 H 33C020 2 ru 30000 II 60933 2 zu 16000 M 23510« 4 m«00« M 60415]Sel3fl «.«.?« I?..»00.51 6780 7685 18979 150l9 23935 24350 30654 4240««9829 57 89�79 88299 88799 106133 110399 125738 127321 992829 145e08 164228 166380>63621 100031 193403 ,69028 171877 17403» 231259 r'll'l 294890 205409 208314 209081 914354 221069 227827 , ,.�?9??!809 H. ei?- 7488 7737 l2849 18,18 19782 19898 18112 19828 19879 23488 23715 29001 27890 29000 30874 81749 33695 36169 87443 48288 48241 49279 81 30° 68009 64800 67205 68118 68964 69164 92928 099 9977 271957 73831 73428 28922 73060 77147 61233«907» JL 96823 1 00693 J 00998 1 01789 102934 1 09608 11015« 110680 112035' . 12««06 124046 124090 124898 126952 137183 137304 140249 140699 141081"l984 182898 15737 4 ,00*92 160866 191673 182031 162893 ,66734 1524?0. 88298 169174 17Sr 8 177031 ,77817 ,03036 ,8458« 1900S7 190492 161277 195420 108443 ,99928 aöi 204 W-163 206861 205999 210470 2,1800 212633 918441 7>«431 220*14 272'30 222765 224931 276016 236403 238797 212 rUSOOH 1419 362 7 4460 817 7 6333 11431 11433 14927 16253 20614 21848 21201 233�3 93768 24144 34480 25444 29073 Vl785' 34034 siTlJf 30915 69365 41778 41898 42-99 4383 52143 63206 61927 67903 604'>l «0670«6853 7 766 71106 71443 76261 76030 79621 81036«'490 8610» 86 283648080345 87070«7099 9 081 94738 93177 99494 99793 102450 105491 107060 1 9904 110911 117007 112128 111790 Ue«'9 119740 119837 12,040 124364 134730 124767 129462 183464 138944 187437 141750 144063 162110 162982 154416 154685 156289 168089 169008 182135 162469 103 21 IOSBdS 107042 168634 171101 176704 177181 179733 180038 180888 182057 18236« 283026 184,61 184873 ,86649 ,90280 19,241 192962 201096 202603 202703 203667 2040,3 204171 21)6819 206 74 217342 218188 218503 213983 219271 2:4546 226209 227819 247387 229625 236593 !'Cc'citTjar. fluefütft 00 i 3 AsnSLVren eigene Fabrikation, nur erst- klasstge Messing- Werke, in jeder gewünschten Ausfüh- rung, langjährige Garantie. 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