Nr.22S� ZS.�ahrgavg Msgabe A Nr.??2 Bezugspreis: «i-rteljährl. Z0.- M.. m onatl. lg,- M. frei INS Saus, voraus zahlbar. Post- bezug! Monatlich lll.— Ai., einschl. Z�u- ftellunasgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet, lowie die ehemals deut- chen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— PU, für das übrige Ausland ZI,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn. Tscheche-Slomalei. Däne- wart. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage„Volt und Feit", der Unter- baltungsbeilage„Heimmelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozialdemokrat Berlin" Morgen-Ausgabe Nevlinev Volksblstt ( 30 Pfennig} Anzeig enpretS, Die achtgespaltene Nonparetllezeile kostet M.„kiletne Anzeigea- da, settgedruckt» Wo« l�g M. izu- lässig zwei fetlgedruttl, Wortes, s-de« weiter- Wort t,— M. Stellengesuch, und Echlatftellenanzrtgen da« erst» Wo« U— lllll. sedeg wettere Wo« dg Pfg. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Wo«e. ffamilien-An- zeigen für Abonnenten Zeile&— M. Die Preis« verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag. «nzetgen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittag» un Hauptgeschäft, verlin SW W. Linden» straße 3. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 5 Uhr abend». Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Neüaktion und Expedition: SM 58, Lindenstr. Z gsernsprccher: Amt Morlüplah. Str. ISl»«—»SlS7 Dounerstag, den 1Ä. Mai I.9Ä1 vorwärts-verlag G.m.b.H.. SW 58, Lindenftr.Z Fernsprecher> Amt Moriyplah. Sir. lI7S3— S» vollendete Tatsachen in Gberjchlesien! Die Bekanntmachungen der„Obersten Leitung der Truppen der Aufftändischen" und der polnischen Agentur be- stätigen die Befürchtungen, die wir gestern andeuteten. Die „vorläufige" Vereinbarung der Interalliierten Kom- Mission in Oberschlesien mit dem Insurgentenhäuptling Kor- fanty wird von den Aufständischen selbst als endgültige Regelung gefeiert, und es kann kaum einem Zweifel unter- liegen, daß sich diese Anschauung auch in Polen rasch verbreiten wird. Daraus ergibt sich die eigenartige Situation, daß Kor- fanty, der von der polnischen Regierung unter dem Druck der Entente seines Postens für verlustig und damit öffentlich als Insurgent erklärt wurde, von der Interalliierten Kommission als verhandlungsfähig und mehr als das, als rechtmäßiger Machthaber der von chm eroberten Gebiete sanktioniert wird. Die Interalliierte Kommission setzt sich damit in einen be- wußten Gegensatz zu der offiziellen Politik der Entente. Was sollen die Drohungen, die man an Polen gerichtet hat, wenn zu gleicher Zeit die Oppelner Kommisston Entscheidungen trifft, die die kühnsten Träume polnischer Chauvinisten im voraus befriedigen. Da sich innerhalb der Oppelner Kommission die Vertreter Italiens, dessen aufopferungswillige Haltung dank- bar anerkannt werden muß, und Englands in scharfem Gegen- satz zu dem Vertreter Frankreichs, Le Rond, befinden, wird man in der Annahme kaum fehl gehen, daß Frankreich hier eine vollendete Tatsache zu schaffen versucht. Es will Oberschlesien auf alle Fälle bis zur Korfanty-Linie Polen zusprechen, und da es im Obersten Rat auf hartnäckigen Wider- stand stößt, greift es zu diesem äußersten Mittel, das es ja auch im Ruhrrevier nicht ungern anwenden möchte. Man darf ge- spannt sein» was die übrigen Verbündeten zu dieser Lösung sagen werden. Wir haben zu Lloyd Georges Versprechen, die polnischen Päume nicht in den Himmel wachsen zu lassen, wenn wir das Ultimatum schlucken, Ver- trauen. Was gedenkt Lloyd George zu tun....? Die Demarkationslinie. Gleiwlh. 11. Mai.(MTL.) Die„Oberschleflsche Post", eine in Gleiwitz in deutscher Sprache erscheinende polnische Zeitung. •meldet: Das polnische Kommando veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Auf Grund einer Vereinbarung der obersten Lei. l u n g der Truppen der Aufständischen mit den alliierten Be- h ö r d-n sind die militärischen Operationen eingestellt und eine Demarkationslinie feflgefeht worden, auf welcher die Aufständischen Halt gemacht haben. Diese Linie entspricht voll den Stellungen, welche die Aufständischen beseht halten. Die Interalliierten Behörden haben die Garantie übernommen. diese Linie aufrechtzuerhalten und den Waffenstillstand durchzuführen. Die Demarkationslinie läuft längs der Oder bis zur Fähre westlich von vziergowih, daraus durch Kandrzin, westlich von lljest, Groß-Strehlih und kolonowska, östlich von Guttentag durch Bohanowitz. Kreis Rosenberg, bis zur polnischen Grenze. Der Chef des Stabes: B or e l o w s k y. Der Führer der Gruppe Ost: Hauk. Sosnowice. 11. Mai. lIU.) wie die polnische Tele- graphenagentur meldet, werden die französischen Trappen hinter die Demarkationslinie zurückgezogen. Im Gebiet ent- lang der Demarkationslinie ging die Verwaltung vollständig an Polen über. Ts bezieht sich dies aus die Kreispolizei und Gendarmeriebehörden. Die Interalliierte Kommission erläßt eine allgemeine A m n e st i e für alle am Aufstand Beteiligten, gleichgültig. auf welcher Seile sie gestanden haben. Die gefangenen Deutschen werden der Interalliierten Kommission übergeben. Die gefangenen Polen kommen an Polen zurück. Das Exekutiv- k o m i t e e beginnt als vorläufige Regierung seinen Dienst. ' Kundgebunge« der Insurgenten. Beulhen. 11. Mai. fWTB.) Gestern abend gegen 10 Uhr setzte rings um Beuthen herum eine starke Schießerei ein, die bis gegen 2 Uhr dauerte, bei der man Gewehr-, Maschinengewehr- und Handgranatenfeuer unterschied. Uebcr den Grund der Schießerei verlautet, die Polen hätten gestern die Mitteilung erhalten, daß die Entscheidung über Obcrschlesien gefallen und ganz Ober- s ch l e s i e n mit Ausnahme kleiner Reste Polen zugeteilt sei. Von anderer Seite verlautet, daß die Insurgenten großen Zuzug erhalten Härten und diesen mit Freudenfeuern begrüßten. Die Polen ver- anstolteten nachts in den umliegenden Ortschaften unter Glocken- geläut Schießen und große Fe st umzüge mit Musik. In Hindenburg wurde für vormittags ein großer Fest- umzug angesagt. In Bismarckhütte fand ein Umzug statt, an welchem auch Schulkinder teilnahmen. Bereits um Mitternacht wurde an der Kirchentür ein mit Blaustist geschriebenes Plakat an- geschlagen. Oberschlesien sei frei, vormittags finde ein Fest- gottesdienst statt. Aus der Richtung von Gleiwitz horte man Artilleriefeuer. Die polnische Stadtkommandantur in Nikolai erließ einen Aufruf, wonach das Passieren der von den Polen besetzten Zone nur in dring- llchsten Fällen gestattet sei und Passierscheine«rsorderlich seien, die von den Polizeibureaus in Nikolai ausgestellt werden. Unterzeichnet war der Aufruf mit Wasely. Die italienische Wache zwang die Polenführer in Gegenwort einer großen Menschenmenge, den Anschlag herunterzureißen, was bei der Bevölkerung eine leb- hafte Befriedigung hervorrief. Ein deutscher Schritt. � Oppeln, II. Mai.(WTB.) Der deutsche Bevoll- m ä ch t i g t e in Oppeln ist angewiesen worden, umgehend von dem General Le Rond bindende Erklärungen über die in dem Funkspruch mitgeteilten Talsachen zu verlangen. Keine englischen Truppen mehr. London. 11. Mai.(EP.) Offiziell wird bekanntgegeben, daß sich im jetzigen Augenblick keine britischen Truppen mehr in Oberschlesien befinden. » London, 11. Mai.(Reuter.) Im Unterhause erklärte Chamberlain, die polnische Aktion in Oberschlesien sei offensichtlich ein überlegter Versuch, den Verttag von Versailles un- wirksam zu machen. Die britische und die alliierten R e- gierungen hegten nicht die Absicht es zuzulassen, daß die jüngsten beklagenswerten Ereignisse sie irgendwie von der gerechten Durchführung des Vertrages ablenkten. Die aufrührerische B e w eg u n g habe eine höchst schwierige und heikle Lage geschaffen: er ziehe es deshalb vor, sich auf die Erklärung zu beschränken, daß die britische Regierung in engster Fühlung mit den alliierten Re- gierungen das beste Mittel erblicke, mit der Sache fertig zu werden. Die brittsche Regierung habe bereits gewisse praktisch« Vor- schlüge gemacht, welche zurzeit erwogen würden. Keine deutschen Truppenzusamuienzichnngeu. London, 11. Mai. Reuter verbreitet folgende Mitteilung: Eine aus zuverlässiger Quelle stammende Nachricht, wonach deutsche Trupp enzusammen Ziehungen in der Gegend von Rosenberg stattfinden, wird hier als sehr ernst angesehen. Man hofft, daß die sehr ernsten Folgen einer deutschen Wiederoergellung vermieden werden. Die Deutschen haben bisher die größte Zurück- Haltung beobachtet, aber der gute Eindruck, der in vollem Maße hier bestand, würde durch den Versuch eines Appells an die Gewalt be- seitigt werden, besonders während der Bemühungen der Jnter- alliierten Kommission(?), die deutsche Bevölkerung gegen Angriffe bis zum Aeußsrsten zu schützen. Die Haltung der Warschauer Regierung wird sehr ernst beurteilt. Die Nachricht über einen amtlichen Be- schluß, die Aufständischen zu ermutigen, und der AufrufHallers zugunsten einer Unterstützung der Aufständischen befestigen hier die Ueberzeugung, daß die Warschauer Regierung den furchtbaren Ernst der Lage nur unvollkommen erfaßt hat. Dazu wird dem WTB. mitgeteilt: Wenn die Bevölkerung selbst in den bedrohten Gebieten sich mit allen Mitteln gegen die polnischen Banden zu schützen bestrebt ist, so handelt es sich hier um Akte der Notwehr, da die bisherigen Maßnahmen der Jnter- alliierten Kommission bisher keinerlei Gewähr für ausreichenden Schutz der deutschgesinnten oberschlesischen Bevölkerung geboten haben. Auch wenn sich die Meldung von dem angeblich geschlossenen „W a f f e n st i l l st a n d" bestätigen sollte, so bietet ein derartiges Abkommen zwischen den Aufrührern und der Interalliierten Kom- Mission nach den Erfahrungen, die bisher gemacht worden sind, nichtdie geringste Sicherheit für Leib und Leben der Be- wohner in den gefährdeten Gebieten. Die Nachricht über deutsche Truppenzusammenziehungen in der Gegend von Rosenberg stammt allem Anschein noch aus polnischen Quellen. Es wird noch einmal ausdrücklich festgestellt, daß Truppenzusammen- Ziehungen nicht stattfinden und nicht stattgefunden haben. Kein Angehöriger von Truppenteilen des Reichsheeres befindet sich im Abstimmungsgebiet._ vor dem Generalstreik in England! London, 11. Rlai.(EP.) Binnen 24 Stunden hat sich der englische Ministerrat dreimal versammelt, um die von den Ausladern durch die Boykottierung der ausländischen Sohleneinfuhr geschossene Lage zu prüfen. Es wurden strenge Maßregeln angeordnet, um das Ausladen und den Transport der für den ösfenttichen Dienst benötigten kohlen zu sichern. Frei- willige haben bereits sofort 50 000 Tonnen kohlen aus Belgien gelöscht und die Londoner Elektrizitälswerkszentrale versorgt. Als einige Anslader die Bedienung der Krane verweigerten, wurden sie ans der Stell e entlassen und durch Freiwillige erseht. Das Borgehen der Regierung soll mit dem General st reik der Aus- loder und Eisenbahner beantwortet werden. Der Bollzugsausschuß der Transportarbeiter und Eisenbahner wurde daher für Freitag zusammeuberusen._ Parteitag in Görlitz. Parteivorstand und Parteiausschuß der SPD. haben in Aus- ficht genommm, den diesjährigen Parteitag auf den 13. September nach Görlitz einzuberufen. Die kritische Nacht. Das Ultimatum der alliierten Regierungen vom 5. Mai hatte mit eleganter Nachlässigkeit gegenüber Raum und Zeit angekündigt, wenn Deutschland seine Bedingungen nicht bis zum 12. Mai erfülle, würde das Ruhrgebiet besetzt werden. Das Ruhrgebiet ist kein ganz zweifelsfrei umgrenz- ter geographischer Begriff und der 12. Mai ist keine genau bestimmte Zeit/ Käme es zur Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen, so würden sich die Erdkundigen wahrscheinlich wundern, wie groß das Ruhrgebiet auf einmal geworden ist. Den Vorteil der ungenauen Zeitbestimmung haben sich aber die französischen Militaristen gleich zu Nutzen gemacht, indem sie erklärten: Bis zum 12. Mai, das heißt bis zum 11. Mai, 12 Uhr nachts. Man sollte annehmen, Deutschland hätte da- nach so lange Zeit gehabt, sich über Annahme oder Ablehnung zu entscheiden— aber nein, es wurde erklärt, zu dieser Stunde wird marschiert, wenn bis dahin kein Haftbefehl ergeht. Aus dem Westen wird uns nun in den Abendstunden gemeldet, die französischen Truppen setzten die Vorbereitungen zu ihrem Vormarsch fort und allgemein werde geglaubt, sie würden doch marschieren, trotz Annahme des Ultimatums. Wir möchten vorläufig annehmen, daß solche Vorstellungen und Gerüchte nur auf die allgemeine Nervosität der Bevölke- rung zurückzuführen sind. Denkbar wäre allerdings, daß Mißverständnisse, Irrtümer, eigenmächtige Handlungen ein- zelner Offiziere vorkämen, in deren Soldatenbrust der Mut eine ganz besondere Spannkraft übt. Auch dann wäre es noch nicht an der Zeit, Alarm zu schlagen, da zu erwarten ist. daß solche Verfehlungen schleunigst korrigiert werden würden. Aus der Elberfelder Gegend wird nun gemeldet, daß dort schon seit zwei Tagen kleine französische Patrouillen in un- besetztes Gebiet vorgefühlt hätten. Das läßt auf eine an- erkennenswerte Vorsicht der französischen Heeresleitung schließen, die die.Lehre vom gesicherten Mgrsch offenbar tadel- los beherrscht. Völkerrechtlich sind aber solche militä- rische Borkehrungen unhaltbar, es wäre denn, daß Frankreich sich als noch im Kriegszustand mft Deutschland befind- lich betrachtete. Es liegt im allgemeinen europäischen Jnter- esse, daß diese Frage geklärt wird, denn Europa bat schließlich doch ein Recht, zu wissen, was da eigentlich herrscht: der Frieden, sei er auch nur der von Versailles, oder der frische, fröhliche Krieg! Nachdem Deutschland das Ultimatum angenommen hat, hat es von jedem Standpunkt aus das Recht, gegen militari- stifche Uebergriffe empfindlich zu fein und ihre schleunige Ein- stellung und Korrektur zu verlangen. Daraus ergibt sich von selbst, welche Folgen entsteben würden, wenn sich die Phan» tasien der aufgeregten Bevölkerung verwirklichten und wenn Frankreich einmarschierte trotz der Annahme des Ultimatums. Aus einer solchen Handlungsweise wäre zu schließen, daß Frankreich die vertraglichen Zustände, die durch den Frieden von Versailles und durch die Annahme des Ultimatums g"- schaffen worden sind, für aufgehoben ansieht, und daß es— indem es sich durch Gewalt„Faustpfänder" verschafft— auf die Ausführung jener Verträge verzichtet. Von dcutschnationaler Seite ist gegen die Annahme des Ultimatums eingewendet worden, daß sie nichts nütze, denn die Franzosen würden ja doch marschieren. Träfe ihre Annahme zu, so würde das wieder einmal die merkwürdige Seelenverwandtschaft zwischen den Militaristen von jenseits und diesseits dokumentieren, denn bekanntlich wie der Schelm ist, so denkt er auch van anderen. Aber auch in der politischen Tapsigkeit des militaristischen Geistes auf beiden Seiten ist damit das Gleichgewicht wiederhergestellt: denn eigentlich müßte jedes Kind begreifen, daß es zweierlei ist, ob Frankreich marschiert, nachdem wir das Ultimatum angenommen, oder ob es marschiert, nachdem wir es abgelehnt haben. Konnte Frankreich, wie es wollte, nach der Ablehnung des Ultimatums marschieren, dann marschierte es im Einver- ständnis mit England, Italien, Relgien und Japan, und im Einverständnis mit der großen Mehrheit seiner eigenen Be- völkerung. W.ürde aber Frankreich, vom Eigensinn einiger unentwegten Schlachtendenker unwiderstehlich fortgerissen, marschieren, nachdem Deutschland angenommen hat, dann würde es damit seinen eigenen Verbündeten gegenüber vertragsbrüchig werden, und alle denkfähigen Kreise Frank- reichs würden begreifen, daß hier etwas begangen wird, was nach Fouch�s berühmtem Worte m e h r als ein Verbrechen ist — ein Fehler! Indes läßt die Haltung auch der extremsten Pariser Nationalistenpresse den Schluß. zu, daß der Morgen nach dieser Nacht die Ueberflüssigkeit der hier angestellten Erwä- gungen beweisen wird. So bliebe nur noch die Frage zu untersuchen, ob es in Frankreichs Belieben liegt, zu einem späteren Zeitpunkt einzumarslbieren auf seine einseitige Be- Häuptling hin. irgendeine der Bedingungen des Ultimatums sei nicht erfüllt. Diese Frage ist rundweg zu verneinen. Logischerweise ist die Ueberwachung der Ausführung de» llltnnatvms eine gemeinsame Angelegenheit sener Mächte, die das Ultimatum gestellt und seine Annahme erzwungen haben. Vielleicht findet man inzwischen auch Zeit, fich wieder einmal nach dem Völkerbund zu erkundigen, dem nach Artikel 17 des von uns unterzeichneten Friedens- vertrag? die erhabene Aufgabe zufällt, Streitfragen auch Zwischen Mitgliedern und Nicht Mitgliedern des Bundes zu schlichten. Heute hat Frankreich seine kritische Nacht, so wie gestern Deutschland seinen kritischen Tag hatte. Deutschland aber darf in dieser Nacht ruhig schlafen; es wird nach ihr — hundert gegen eins zu wetten— im Westen eine unver- i änderte Lage finden. Träfe aber das nicht zu Erwartende ein � und fänden wir heute morgen die Franzosen im Vormarsch � begriffen, so dürften wir mit aller Kaltblütigkeit überlegen, � welche Folgen sich weiter daraus ergeben. Schon die erste Frage ist interessant genug, zu welchem Kurs man danach � wohl die nun auszugebenden deutschen Schuldner- Schreibungen auf den Markt bringen zu können glaubte. Vielleicht ist diese Frage sogar die entscheidende. Denn wenn erst die ersten zwölf Milliarden deutscher Schuldver- , schreibungen ausgegeben sind, dann werden sehr viele Leute ' in den alliierten und den neutralen Ländern lebhaft daran interessiert sein, daß die Zahlungsfähigkeit Deutschlands nicht l durch unzeitgemäße Kraftübungen militärischen Ehrgeizes ! unterbunden wird. Wenn Frankreich heute nacht nicht marschiert, dann be- -darf es nur einer anständigen und einigermaßen geschickten f Nolitik Deutschlands, daß es überhaupt nicht marschiert. t Und heute nacht wird es nicht morschisren. Gestern um 12 Uhr ; mittags hat Herr v. Mutins in Poris dem Direktor des Aus- : wörtigen Amtes, Herrn Paleologue, die deutsche Annahme- ! erklärung überreicht. Der Telegraph von Paris an die so- � genannte Front ist in Ordnung. Die Fortsetzung der Truppen- bewegungen in den gestrigen Abendstunden läßt sich leicht daraus erklären, daß die ins Rollen gebrachte Masie nicht sofort zum Stillstand gebracht werden kann. Aber ehe die tzwölfte Stunde schlägt, wird„Das Ganze Halt!" geblasen werden. Die uniformierten Eroberergenies werden räfonnieren, daß wieder einmal die Feder verdorben habe, was das glorreiche Schwert zu gewinnen im Begriffe fei. Die Fran.zofen ohne Uniform aber werden vielleicht bald die unfreiwillige Komik dieses verhinderten Heldentums er- kennen. Es wäre für sie und für alle ein Glück, wenn sie bald begriffen, daß man mit militaristischer Brutalität und Dumm- heit die Welt nicht regieren kann, weder von Berlin aus, noch bon Paris. » Mit diesen Borbehalten sei folgende Nachricht wieder- F gegeben: Elberfeld, 11. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Vorbereitungen der Franzosen nehmen im Ab- schnitt 4 größeren Umfang an. Truppenumgruppierungen werden vorgenommen. Es sind gestern und heute neue Truppen ein- getroffen. In Wermelskirchen liegen zwei Kompagnien Ma- rokkaner und ein Regiment Dragoner. Die Kavalleristen sind in Schloß Burg einquartiert. In Ohligs ist das französische Infan- terieregiment Nr. 126 eingetroffen, weiter das Linienregiment Nr. 171. In Hon liegen ungefähr 3000 Mann Franzosen, darunter ein Regiment Alpenjäger und eine Kompagnie Schwarze. Auf der Bahn stehen Tanks und Artillerie. In Solingen be- findet sich seit gestern das 33. Armeekorps, ferner das Hauptquartier der 77. Division unter dem Befehl des Generals Galcher, der bis- her in Düffeldorf war. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß die Franzosen morgen marschieren werden, die bereits in kleinen Patrouillen feit zwei Togen in dos unbe- setzte Gebiet vorgeschoben sind. So erschien vor einigen Tagen ein« französische Patrouille in dem Ort Heiligenhaus. Das Nötige dazu ist schon gesagt, auch daß französische ■ Patrouillen im unbesetzten Gebiet nichtszu suchen haben! Erinnerungen an Eheiftian Morgenstern. Er ist als ein sehr stiller Mann durchs Leben gegangen, der Christian Morgenstern, der heute so berühmt ist, und nur wenige unter denen, die seinen verborgenen Lebenspfad kreuzten, ahnten den Tiefsinn seiner Kunst und den Reichtum seiner Gedanken. Als er am 31. März 1914 dem Lungenleiden erlag, das so sehr die Form seines äußeren Daseins und vielleicht auch die seines inneren Wesens bestimmt hat, da dämmerte die Morgenröte seines Ruhmes eben herauf mit dem Erfolg der grotesk-komischen Palmström-Gedichte. Am 6. Mai wäre er SO Jahre alt geworden und in das Alter ge- treten, in dem die Schaffens- und Lebenshöhe erreicht ist, und nun sind auch die Früchte seines Dichtens gereift; aber sie werden ge- erntet über einem Grabe. Aus einer alten Künstlerfamilie ist er entsprossen, und die feine Kultur einer seit Generationen der Schönheit gewidmeten Ueber- lieferung erfüllte unauffällig seine ganze Wesensart. Die Morgen- sterns sind von altersher Maler gewesen; der bedeutendste unter ihnen war der große Hamburger Landschafter, noch dem unser Dichter genannt wurde. Traurige Familienverhältnisse warfen den ersten Schatten auf die Kindheit des früh kränklichen Knaben, der bereits die Keime der Krankheit in sich trug, der er dann endlich er- legen. Zart ist er immer gewesen, aber von einer männlich-festen Zartheit. Seine Gedichtbücher, von denen das erste„In Phantas : Schloß" schon sein reiches kosmisches Allgefühl, die Kühnheit seiner Gedankenslüge offenbart, machten ihn wohl bei Kennern bekannt, : trugen ihm aber keine irdischen Schätze ein und so lebte er still und zurückgezogen in rührender Anspruchslosigkeit und selbstloser Güte. Etwas von dem Kindergeist der guten Heiligen war in ihm, etwas von der Alli'ebe des Franz von Asiisi, und so ging dieser„weltliche Mönch" in seiner selbstgewählten Zurückgezogenhclt und freudig er- tragenen Askese als ein fremdartiges Wesen durch die Cafes und Redaktionen der Großstadt. Da ihn sein großes Formtalent zu einem vorzüglichen Uebersetzer machte, so fand er i.n den mit höchster Liebe und Feinheit geschaffenen llebertragungen aus Ibsen, Björn- son und anderen nordischen Dichtern die Beschäftigung, die ihm das bißchen Brot gab, das ihm sein Dichten einbrachte. 1898/99 ist Mar- genstern in Kristiania gewesen, bei Ibsen zu Gast, mit desien Anteil- nähme er seine wundervollen Verdeutschungen des„Brand" und „Peer Gynt" schuf. Nach mancherlei Reisen, zu denen ihn seine schwache Gesundheit zwang, lebte er dann einige Zeit lang in Berlin, nahe am Bahnhos Halensee. was damals noch„weit draußen" war, in einem Hinter- hausstübchen, desien Dunkel er durch die Wärme seiner Persönlich- keit erhellte und verklärte. Hatte er doch die Gabe des echten Dich- ters, der um all sein armes graues Erdendasein die goldenen Fäden d« Phantasie und Menschenliebe spinnt. Damals, aus dem!!r- grund der wehmütig-lachenden Melancholie, die über so viele seiner die preußische Regierungsfrage. „Keine übereilten Schritte." Zu den Meldungen über die beabsichtigte Neubildung der gegenwärtigen preußischen Regierung wird von zuständiger Stelle durch WTB. folgende Erklärung abgegeben: Es ist nicht richtig, daß Ministerpräsident Stegsrwald gestern bereits durch den Abg. Dr. Trimborn, Vorsitzenden der Zentrums- fraktion, die Portefeuilles des gesamten preußischen Kabinetts zur Verfügung gestellt habe. Dieser Weg wäre staatsreckstlich nicht gangbar und es wäre auch nicht loyal gegen die übrigen preußi- schen Staatsminister gewesen, so zu verfahren, ohne vorher einen Beschluß des Staatsministeriums herbeizuführen. Im übrigen steht Ministerpräsident Stegerwald auf dem Standpunkt, daß sich aus der neugeschaffenen politischen Lage im Reiche ganz selbstverständlich auch Konseguenzen für die preußische Palifik ergeben. Die sozial- demokratische Mehrheitspartei habe nach Stegerwalds Ansicht allen Anspruch daraus, von ihm genau so behandelt zu werden, wie bei der preußischen Regierungsbildung vordem die Deutsche Volkspartei. Damals hatte Stegerwald, wie bekannt, erklärt, daß die Deutsche Volkspartei, da sie in dieser schweren Schicksalsstunde die Miwerant- Wartung im Reiche trage, auch nicht aus der Regierung des größten Berwaltungsstaates ausgeschaltet werden dürfe. Dieser gleiche Ge- sichtspunkt trifft nunmehr nach dem Eintritt der Sozialdemo- k r a t i e in die Reichsregierung auf diese Partei und für Preußen zu. Praktisch gedenkt Ministerpräsident Stegerwald jedoch keine übereilten Schritte zu tun, sondern erst die volle Klärung im Reiche abzuwarten und sodann seine Folgerungen zu ziehen. Ein sehr ge- wichtiger Umstand, der ihn von einer sofortigen Umbildung der Regierung abhält, ist auch die Tatsache, daß Ministerpräsident Sregerwatd seinerzeit gegen die Stimmen der Sozial- demokratie gewählt worden ist. Logisch wäre also zunächst die Folgerung einer Neuwahl des AUnislerpräsidenten und im Anschluß daran eine Neuberusung des gesamten Kabinetts. Da der Landtag nicht gut über Pfingsten zusammengehalten werden kann, so dürfte kurz nach Pfingsten diese neue Entwicklung eingeleitet werden. Die Erklärung ist nicht frei von Widersprüchen, die auch bereits am Mittwochabend im preußischen Landtag zur Sprache kamen. Die Sozialdemokratie hielt sich an die Terminbezeich- nung„kurz nach P f i n g st e n" und verlangte dement- sprechend einen Wiederzusammentritt des Landtags in der zweiten Hälfte des Mai, um die Neuwahl des Ministerpräsi- deuten vornehmen zu können. Die jetzigen preußischen Re- gierungsparteien. Demokraten und Zentrum, ver- traten jedoch die merkwürdige Ansicht, daß„kurz nach Pfingsten" auch Anfang Juni oder vielleicht noch später sein könnte. Sie legten das Hauptgewicht auf die in der Erklärung ausgesprochene Ablehnung„übereilter Schritte", worunter die Sozialdemokratie sinngemäß eine Regierungsumbildung noch vor Pfingsten verstand, während man in der Mitte offenbar den Begrisf„Uebereilung" gar nicht weit genug spannen kann. Wollte doch der Zentrumsabgeordnete Brust gar erst eine „P r o b e z e i t" für das neue Reichskabinett verstreichen lassen, eine seltsame Neuerung auf parlamentarischem Gebiete! Derselbe Abgeordnete glaubte dann auch noch aus dem Arsenal der Deutschnationalen das Hetzwort von der«Futter- krippensehnfucht" gegen die Sozialdemokratie verwenden zu können. Das Zentrum, das seit Bestehen der demokratischen Republik in keiner Regierung gefehlt hat, sollte wirklich nicht derart niedrige Agitationsschlager popularisieren helfen. Noch grundlostr war die Verdächtigung, die Sozial- demokratie könne die Zeit ihres Regierungseintritts gar nicht abwarten. Dies sagte ein Zentrumsvertreter in Preußen genau einen Tag später, nachdem das Reichs zentrum in stärkster Weise die Sozialdemokratie beschworen hatte, in die Regierung einzutteten! Für die Sozialdemokratie handelt es sich um ganz anderes: Eben erst hat Preußen eine langwierige Regierungskrise hinter sich, die sich wochenlang hinschleppte. Run soll schon wieder der Krisenzustand chronisch werden. Denn die jetzige Regie- rung ist nach der obigen offiziellen Verlautbarung, wenn sie auch formell ihren Rücktritt noch nicht erklärt hat, in der Sache auch nichts weiter als ein demissioniertes schönsten Gedichte gebreitet ist, schuf er die„Golgenlieder", und gerade die, die seine Kunst liebten, waren verdutzt über diese grelle und grimmige Komik, die damals ein ganz neuer Ton in unserer Dichtung war. Man fand sich nicht in den aus einem lachenden Weltgefühl geborenen Humor, in dies überlegene Spiel mit Worten, Formen und Gedanken. Erst als er dann geheiratet hatte und zur Erhallung seines Lebens nach der Schweiz geflüchtet war, da ent- deckte eine junge Generation den„tiefen Sinn" in diesem„kind'schen Spiele". Doch auch jetzt noch war es nur diese„Palmström"-Note, die Erfolg hatte. Er war nun als„Kabarelldichter" abgestempelt, und Dortxagsvirtuosen schleppten ihn durch rauchige Lokale und an flaches Amüsierpublikum. Als er starb, war es diese Seite seiner Kunst, die in den Nachrufen hauptsächlich hervorgehoben wurde. Seitdem sind aus seinem Nachlaß neben neuen Galgenliedern die letzten schönsten Blüten seiner ernsten Lyrik hervorgetreten; man hat seine tiefsinnigen Aphorismen gesammelt und durch die Herausgabe seiner Tagebücher einen tiefen Blick in die innere Entwicklung des äußerlich so stillen Mannes gewährt. So ist uns denn auch die Eigenart und Bedeutung seines Denkens offenbar geworden, und jetzt steht die ganze Persönlichkeit vor uns, in der Ernst und Scherz, Tiefsinn und Humor verschwistert ruhten, als die bunten Spiege- lungen eines reichen, reifen und wahrhaft guten Geistes. Dr.?. II. * Gedächknisabend Christian Morgenstern. Zur fünfzigsten Wiederkehr des Geburtstages Christian Morgensterns veranstalte- ten Freunde des verstorbenen Dichters im Beethooen-Saal eine ein wenig längliche Gedächtnisfeier. Das Streich-Quar- tett Lambinon umrahmte mit Beethoven und Schubert den Abend. Julius B.a b hielt die Gedenkrede, in der er das Wesen Morgensterns aus Erbtum, Krankheit und Idee ableitete. Er zeigte in seiner verzierten Rhetorik, wie das Werk dieses Abseitigen eine große„Tagebücherei" mor; wie sich in dem Unendlichen des Formu- lierens hie und da Punkte finden, an denen das diesseitsfrohe und doch jenseitssüchtige Herz des Dichters sich zu ein paar vollendete« Gedichten kristallisierte; wie ein Worttünftler dann im Spielerischen der„Galgenlieder" sich eine Freiheit vom Stofflichen der Well errang und schließlich sein Leben zu Gesang werden ließ. Mit Recht rückte der Redner die ernsthaften Werke Morgensterns in den Vordergrund, wenn er auch die Weite des Morgensternschen Wesens etwas zu überschätzen neigt. Gewiß ist das Wachstum dieses Men- schen und Künstlsys hundertfach wertvoller als das meiste von dem. was heute als Genialität verschrien wird, und die„seidnen Verse" dieses großen Musikers der Sprache sind eine Wohltat nach dem nicht endenwollenden Gekreisch der Modernen; aber man soll diesen Ehristian Morgenstern nun nicht künstlich ausblasen; es hat fast schon den Anschein, als ob er beim sentimentalen Bürgertum den Ruhm desFiaifchlenschen ,�eb Sonne im Herzen" ablösen soll, vor welchem Schicksal ihn die Sterblichkeit bewahren wöge. Fried» rich Kayhler /der Jugendfreund, las ihn. Er lns'ihn zum Teil so undeutlich, daß vieles verloren ging, und las ihn zum Teil mit der bekannten pathetischen Stimwgebung. Da. wo er aus über- Kabinett, das einstweilen die Geschäfte bis zur Neubildung der Regierung fortführt. Diesen Zustand möglichst abzukürzen, hätten gerade die Mittelparteien sachliches Interesse, wenn sich nicht hinter ihrer Hinauszögerungstaktik andere Gründe verbergen würden. Wir warten die Entwicklung in Ruhe ab. Die Sozial- demokratie ist, wie oft genug betont wurde, in die Annahme- regierung eingetreten, um eine Katastrophe vom deutschen Volk abzuwelken, nicht aber in der Absicht, um jeden Preis in der Regierung zu sein. Glauben die Mittel- Parteien, die Erfüllung des Ultimatums besser als mit der Sozialdemokratie mit einer Partei durchführen zu können, die seine Annahme verweigert hat, so sollen sie es in Gottes Namen versuchen. Wenn sie es aber nicht glauben, so mögen sie keinesfalls damit rechnen, daß die weitaus größte deutsche Partei sich mit der Rolle einer geduldeten Handlangerin abfinden lassen wird, deren unschätzbare Dienste man gütig annimmt, der man aber die Mitbestimmung in entscheidenden Punkten versagt. �Uerlsi von öer Abstimmung. Das amtliche Berzeichnis über die namentliche A b st i m> m un g in der Nachtsitzung des Reichstages zu der Frage der An- nähme des Entente-Ullimatums liegt nunmehr vor. Nicht allein aus statistischen, sondern auch aus allgemein politischen Grün- den, lohnt es sich, dieses Verzeichnis eingehend zu prüfen. Zuerst eine kleine Berichtigung: Das im Plenum mitgeteilt-' Ergebnis lautete bekanntlich: abgegebene Stimmen 397, I a: 221, Nein: 17ö, 1 Stimmenthaltung. Aus dem amtlichen Verzeichnis erfährt man nun, daß die Zahl der abgebenen Stimmen genau Z9S beträgt und daß davon 3 ungültig waren. Das endgültige Resultat war: Ja- 220, Nein— 172, Der Abstimmung entHallen � 1. Der Abgeordnete, der sich bis zuletzt nicht für Annahme oder Ablehnung entschließen konnte, ist das Mitglied der Zentrumssrok- tion Bornefeld-Ettmann(Westfalen-Nord). Von den anwesenden Demokraten haben 21 mit Nein vnd nur 17 mit 3a gestimmt. Die Ablehn er waren: Frau Dr. Bäumer, Brodauf, Delius, Dietrich(Baden), Erkelenz, Dr. Fick, Dr. Haas, Hamm(Mitglied der Kahr-Regierung), Conrad Haußmann, Keinath, Kerschbaum, Kniest, Kopsch, Dr. Külz, Liese, v. Siemens, Swkowich, Weiß, Dr. Wieland und Ziegler. Die mit Ja stimmende Demokraten-Minderheit bestand aus den Abgeordneten: Bahr, Graf Bernstorff, Dr. Böhme, Dr. Dernburg, Dr. Geßler, Dr. Goetz, Dr. Gothein, Dr. Hieber(württembergischer Staatsminister), Koch, Korell, Frau Dr. Lüders, Dr, Pachnicke, Dr. Petersen, Pohlmovn, Schiffer, Dr. Schücking, Schuldt. Die Bayerische Volkspartei stimmte, mit Ausnahm« der Abgg. Ponschab und Schirmer, geschlossen mit Nein. Von den vier bayerischen Bauernbündlern waren nur Eisenbergcr und Rauschmayr anwesend, die beide mit Nein stimmten. Sozialdemokraten, Zentrum und UnabhSnglg- stimmten geschlossen mit 3a(die oben erwähnte Stimmenthaltung eines Zentrumsmitgliedes ausgenommen), umgekehrt die Deutsch- nationalen, die Deutschhannoveraner und die Kam- m u n i st e n geschlossen mit Nein. Als Kuriojum sei nur hinzuga- fügt, daß der aus der Kommunistischen Fraktion freiwillig du*- getretene Abg. Teuber dennoch mit Nein stimmte, während der von der kommunistischen Partei ausgeschlossene Hamburger 31 eich einen Ja-Zettel abgab. Dr. Paul Leoi mar nicht anwesend. Am interessantesten ist aber die Tatsache, daß mehrere Volks- parteiler den Mut ausgebracht, im Plenum mit Ja zu stimmen. Es sind dies: Dr. Heinze, o. Raumer, Frau v. O h e i m b, v. Kardorsf und o. Rheinbaben. Bekanntlich waren noch nichr wenig« andere Mitglieder der Deutschen Volkspartei für die Unterzeichnung eingetreten. Es ist sogar sicher, daß sich diese Zahl bedeutend erhöht hätte, wenn z. B. infolge einer anderen Haltung der Unabhängigen die Gefahr der Ablehnung und def legener Geistigkeit heraus Epigrammatisches oder Humoristische? dozieren konnte, und da, wo er schlicht etwas aussagte, fühlte man die Meisterschaft, die in ein paar Zeilen ein Stückchen Leben zu pressen versteht. O. E. 5). Bruno Schräder, der Berliner Mustkschriftsteller und Kritiker. Wird heute 60 Jahre alt. Den Berliner Konzertbesuchern ist der !alte Herr mit der Löwenmähne und dem strengen Blick hinter scharfen Augengläsern ein bekannter Nachbar. Er ist bei seinen 60 Iahren der temperamentvollste, energischste, selbst mll sehr derben Meinungen nie zurückhallende Kritiker. Der Moderne nicht sehr hold, sticht er mit feingeschliffener Feder nach Auswüchsen im Kon- zertbetrieb, kämpft gerecht und vorurteilslos für die Kunst, mit einer gesunden Respektlosigkeit gegen Autoritäten. Sein Lob hat Krall, weil es sich nicht in Häufung zersplittert. Er verttitt in Berlin die alle Schumannsche Musikzeitung in Leipzig; als Schüler Liszts hat er ein wissendes Buch über den Meister geschrieben, und seine kleinen Reklambändchcn: Biographien Handels, Mendelssohns, Berüoz' sind in populärer Kürze faßlich geschickt angelegt, sachlich anregend g�- schrieben. Sein Bucy über die römische Campagna zeigt ihn als feinsinnigen Italienkenner._ k. s. TtaatSoper. Wegen eines schweren Naschmendcsekts im Maga�m muh in dieser Woche eine Vereinfachimc» deS Spielplans eintreten. ES wird sowohl Freitag wie Sonnabend.Boheme" gegeben. Ein Traft ist uns geblieben— die Operette. Sie wird diesen Sommer fast alle Berliner Bühnen versemben. DaS verpachtete Schiller. Iheater. das Komödienhans und auch die Staatsoper wollen ihre Sommer- spielzeit mit Operetten ausfüllen. Der Deutsche Ausschuß für Technisches Schulwesen hält seine Vollversammlung in Verbindung mit der Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure am 27. Juni in Kassel ab. Da das technische Beritts. schulwejen aus der Rcichsschulkoriierenz zu turz gekommen ist, sollen die wichtigsten Frage» aus dem Fortbllduizs- und Fachschulwesen im Rahmen zusammenfassender Berichte behandelt werden. lieber dos Altonaer Stadttbeater, dessen Schauspieler seit längerem streiten, ist von der Bühnengenossenschast die Sperre verhängt worden Ein deutscher Geiger in London. Der deutsche Violinvirtuose Fritz Krrisler ist bei seinem ersten Austreten nach dem Kriege in der Londoner Oueen'shall mit einem Jubel begrüßt worden, wie er in diesem Konzertsaal noch sellen erlebt worden ist..Sellen haben noch englische Konzertbesricher Szenen von einer so jäh hervorbrechenden Begeisterung erlebt wie bei dem Auftreten KrciSlerS nach sechssähriger Ablvelenbcit", ichreibt der Bericht. erstalter der.Daily News". Vielleicht dar! der berühmte Geiger auch jür die hungernden deutschen Ämder jpiclen? Ei» drahtloser Drucker. Herr Lippmann hat, wie aus Baris ge- meldet wird, Experimente zwischen Paris uud Nohent-le-Notrou mit einem neuen Apparat gemacht, der mit einem Ausnahmeposten der drahtlosen Telcgraphie verbunden die Meldungen automatisch druckt. Der Apparat soll 7000 Worte in der Stunde ausnehmen tönnen. Die Abrüstung der andern. Die Vereinigten Staaten bringen. wie die„Nmlchai!" berichtet, eine iieue Klasse von Schlachtkreuzern berous: „Koinlellat>o>r"-KIasse, 6 Schisse. Länge Lsö.ütt Meter. Wasterverdräneung 43 öOO Tonnen. Lesatzuiig 1000 Mann. jiOLOO PS, Kefchwindigkett S3'/, Knoten, Bestückung acht 40.64 Zeittimeter-Geschütze. sechszehn 15,54 Zutti. meter(53 Kaliller',, vier 7,62 Zentimeter Luslaluoehrgeschütze, vier liiiter- wayer- und vier itebiriuasser.Torpedorohre. fit. 22H ❖ 38. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Donnerstag,?2.Mai 1921 Groß-Serlln pfingftwanöerungen. SiechNnsee. Der Stechlinsee liegt an der Nordgrenze der Mark. Mit der Nordbahn nach Fürstenberg in Mecklenburg. Vom Südende der Stadt zum Südufer des Röblinsees. Auf schönem Pfad an das Westende des Sees. Durch prächtigen Wald zur Nordostecke des Peetschsees, von wo auf dem Ostufer unterhalb buchenbestandener chöhen ein Fußweg zum Augustablick führt. Weiter durch schönen Buchenwald, der späterhin in Mischwald mit vielen starken Eichen übergeht, an das Nordende des Stechlinsees. Meist in unmittelbarer Nähe des Wassers führt der Weg über Neuglobsow und Forsthaus Stechlin rund um den See zu seiner Nordspitze zurück. Von hier durch schönen Buchenwald in nördlicher Richtung zum Großen und Kleinen Glienitzsee und weiter gen Ost und Nordost nach Stein» sörde. Auf dem Südufer der Havel schöner Steig zur Steinhavel- mühle. Nun auf dem Norduser und am Röblinsee nach Fürstenberg zurück. Weglänge 3S Kilometer. Gelegenheit zum Uebernachten in Neuglobsow. Schlaubetal. Ueber Frankfurt a. O. und Mllllrose nach Mixdorf. Vom Ostende des Dorfes nach Südost zum Kupferhammer. Von der Höhe des Weges schöner Blick über das Schlaubetal und die B�rgzüge, die es begleiten. Weiter auf dem Ostufer der Schlaube, die teils in einem engen Tal dahinfließt, teils seenartiae Erweite- rungen bildet. Die Ufer der Schlaube und die Talnieoerung sind von Erlen bestanden: die Berghänge bedecken Kiefern, vielfach mit Laubbäumen gemischt. Als Unterholz ist häufig Wacholder anzu- treffen. Bei der Oberförsterei Siehdichum zum Westufer hinüber. Hier zuerst der Hammersee, dann der Große Treppelsee mit zahl- reichen Buchten und Landzungen. Bei der Bremsdorfer Mühle wieder zum Ostufer hinüber. Anfangs ist das Tal ziemlich schmal, alsbald jedoch eine ausgedehnte Wiesenniederung. Aus den Berg- hängen rieseln vielfach Quellen. Bei der Kieselwitzer Mühle auf die Hochfläche und gen Ost über Kieselwitz und Kobbeln oder Möbis- kruge und Schlöben nach Kloster Neuzelle. Die Klosterkirche wird noch zum katholischen Gottesdienst benutzt. Im ehemaligen Kloster- garten einige Eiben von etwa 15 Meter Höhe und 40 Zentimeter Stammdurchmesser in 1 Meter Höhe über dem Boden. Derartige Naturdenkmäler sind äußerst selten in Deutschland. Rückfahrt von Neuzelle über Frankfurt a. O. Weglänge 38 Kilometer. Gelegen- heit zum Uebernachten in den Mühlen des Schlaubetals oder in Kieselwitz. Lanke. In der alten Hussitenstadt Bernau beginnen wir die Wanderung. Ein Rundgang zeigt uns die alle Stadtmauer mit dem Wallgraben, die Tore mit ihren Türmen und die Marienkirche. Wir verlassen die Stadt gen Nordwest auf der Chausiee nach Wandlitz. Bald zweigt der Uetzdorfer Weg rechts ab: er bringt uns zum Wald, der anfangs aus Kiefern besteht, die aber von Buchenbeständen ab- gelöst werden. An einer Wegkreuzung nach rechts, den Lanker Weg. Die Herrschaft Lanke mit ihren ausgedehnten Waldungen ist jetzt Besitz der Stadt Berlin. Oestlich vom Ort liegt der Hellsee. Tief ein- gebettet ist er in die Senke, die die von Buchen bewachsenen Höhen bilden. Bei der Hellmühle verläßt das Hellmühlenfließ den Hellsee. Es nimmt seinen Lauf nach Biesenthal und vereinigt sich hier mit mehreren anderen Fließen zur Finow. Von der Hellmühle zuerst gen Südost und dann gen Süd durch die Ladeburger Heide am Mechesee vorüber nach Ladeburg. In kurzer Wanderung bringt uns die Chausiee nach Bernau zurück. Weglänge 23 Kilometer. Brieselang. Mit der Hamburger Vorortbahn nach Finkenkrug. Das Waldgeb'iet des Brieselang liegt nördlich der Bahn. Als Ein- gangspforte wählen wir den im Jahre 1777 gegründeten Allen Finkenkrug. Die hochstämmigen alten Kastanien in der Umgebung bieten jetzt, zur Zeit der Blüte, einen schönen Anblick. Die Gestell- wege des Brieselang, deren Betreten allerdings meistens verboten ist, sind alle sehr schön. Wir wandern abwechselnd auf dem einen und auf dem anderen, bis wir zum Remontedepot und Forsthaus Brieselang kommen, das am Nordende des Waldes liegt, wo der Havelländische Große Graben vorüberzieht. Der Brieselang ist ein Laubwaldgebiet, das sehr viel sumpfige Stellen aufweist. Deshalb lassen es sich hier die Mücken in großen Mengen wohl sein. Auch an sonstigen Insekten ist das Gebiet reich, so daß es einen ausgiebigen 'Fundplatz für Jnsektenfreunde und Naturforscher bildet. Wir über- schreiten den Großen Graben und wandern in der Nähe des Luch- randes nach Westen. An der Schweinesteigbrücke vorüber� kommen wir zur Nauener Chausiee. Im Norden ragen die Türme der Telefunkenstation auf. Wir wenden uns gen Süd nach Nauen und beschließen mit einem Rundgang durch das Städtchen die Wände- rung. Weglänge 18 Kilometer. Das Drama von VesenSahl. Ein neues Geständnis des Skrausberger Mörders. Der Strausberger Mord, der nicht nur die Strausberger, sondern in hohem Grade auch die Berliner Bevölkerung beunruhigt hatte, gewinnt durch das heutige Geständnis des Mörders Rehde wesent- lich an Klarheit. Es geht aus diesem Geständnis hervor, daß in dem Wald von Wesendahl sich ein regelrechtes Drama abgespielt hat, dem der unselige Werner zum Opfer gefallen ist. Der Arbeiter Max Rehde, der nach längerem hartnäckigen Leugnen zunächst gestand, seinen Vetter, den Zimmerpolier Werner im Walde bei Wesendahl in der Notwehr erschossen zu haben, hat jetzt sein Geständnis erweitert und einen mit Vorbedacht und Ueber- legung ausgeführten Mord eingeräumt. Er bleibt dabei» daß er gegen Werner einen tiefen Widerwillen empfunden habe, weil dieser nicht mehr gesonnen gewesen sei, an den Drahtdiebstählen teilzu- nehmen. Das allein hätte ihn jedoch nicht bewegen können, ihn um- zubringen. Hinzugekommen sei vielmehr noch ein Erpresserbrief, den er vor einiger Zeit von seinem Vetter erhalten habe. Daraus habe er sich entschlossen, ihn beiseite zu bringen und zu dem Zweck eine Diebessahrt unternommen, die Werner wieder habe mitmachen müssen. Wie Rehde sagt, schoß er auf Werner zunächst aus einer Entfernung von etwa 3 Metern. Der Schuß traf ihm in den Hinter- topf und streckte ihn gleich zu Boden. Jetzt ging Rehde hinterrücks dicht an den Getroffenen heran und gab blindlings noch vier Schüsse auf seinen Kopf und Rücken ab. Auch diese Schüsse wirkten nicht gleich tödlich. Werner glaubte, daß er als Drahtdieb von einem Wächter angeschossen worden sei und rief seinen Better Max um Hilfe an. Rehde ersah daraus, daß Werner nicht wußte, daß er selbst ihn niedergeschossen hatte, und spielte nun auch die Rolle des Helfers. Auf seinen Wunsch legte er ihm den Kopf auf«in Reisig- bündel. Werner bat ihn dann, weil es mit ihm ja doch zu Ende geh«, erst keinen Arzt zu holen und seine Werttasche an sich zu nehmen, um sie zu Hause abzugeben. Kaum hatte Rehde die Tasche eingesteckt, gab Werner seinen Geist auf. Jetzt drückte Rehde noch dem Toten den Revolver in die Hand, um einen Selbstmord vorzutäuschen, und fuhr dann mit dem Handwagen davon. Die Brieftasche lieferte er nicht ab, wie er sagt, um sich nicht als Mörder zu oerraten. Das Geld, das sie enthielt, gab er seiner eigenen Frau, ohne ihr mitzu- teilen, woher es stammt«, und mit der Weisung, seinem Bruder nicht zu sagen, daß er die Nacht über nicht zu Hause gewesen sei. Um alle Angaben des Verhasteten an Ort und Stelle nachprüfen zu können, wurde ein Lokaltermin anberaumt, zu dem Kriminal- kommisiar Tretttn ebenso wie zu der Obduktion der Leiche in Straus- berg den Mörder mit mehreren seiner Beamten vorführte. Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurde auch der Bruder des Mörders noch- mals eingehend vernommen. Sein« Aussagen lassen erkennen, daß auch das neue Geständnis des Max Rehde nicht auf Wahrheit beruht. Aus den Bekundungen des Bruders geht hervor, daß auch dieser vorher um die Tat gewußt hat und Max Rehde den Werner nur umgebracht hat, um sich in den Besitz seines Geldes und später auch seiner Hinterlassenschaft an Möbeln und Kleidungsstücken zu setzen. Danach liegt also ein glatter Raubmord vor. Die Liebeskajüte. Ein Sittenfilm aus dem Leben und Lieben der»neuen Reichen". Geradezu erschreckende Sittenbilder wurden in einer Derhand- lung aufgerollt, welche gestern unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats K r ö n k e das Schöffengericht Berlin-Mitte beschäftigte. Angeklagt wegen Diebstahls bzw.' Hehlerei waren der 22jährige Schneider- geselle Dobroschowski und fünf andere Personen, welche sich der Hehlerei schuldig gemacht haben sollten.— Die Beweisaufnahme entrollte Sittenbilder, gegen welche der Inhalt sämtlicher sogenannter Aufklärungsfilme harmlose Märchen sind. Die Haupt- rolle in dieser Angelegenheit spielte die jetzt 21jährige Tochter Emmi eines zu den„neuen Reichen" zählenden Fabrikbesitzers I., der über Luxuswohnung, Motorboot und Auto verfügt. Das viel- versprechende Töchterchen dieses Zeugen stellt einen ganz beson- deren, leider aber nicht mehr seltenen Typ der„Mädchen von heute" dar. Wie von Justizrat Dr. D a v i d s o h n durch die be- antragte Vernehmung des Schisfskapitäns Trill und eines Fräuleins Margarete K. unter Beweis gestellt wurde, hatte der Angeklagte D. die Emmi I. auf einem Ausflug auf dem Dampfer„Niederland" der Reederei Nobiling kennengelernt und war sofort von der I. zu einem„Stelldichein" in der Kajüte eingeladen worden, wofür sie in Gegenwart des T. von dem Angeklagten 20 M. verlangte. Trill machte letzteren auch sofort darauf aufmerksam, daß das Fabrikbesitzerstöchterlein auch mit sämtlichen Heizern des Dampfers in Beziehung gestanden und je S M. erhalten habe. Trotzdem kam zwischen dem Angeklagten D. em Verlöbnis zustande. Als Ver- lobungsgeschenk erhielt D. von der holden Braut eine Photographie, welche sie in einem recht weit vorgeschrittenen„Zustande" zeigte. Wie D. unter Beweis stellte, habe die eigene Mutter der I. zur Verlobung gedrängt, da sie dann selbst ein„freieres Leben" führen könne, da sie ein Verhältnis mit einem Korvettenkapitän habe, während ihr Mann zu einer Russin in Beziehungen stehe.— Vor einiger Zeit erstattete der Fabrikbesitzer Anzeige, daß während seiner Abwesenheit aus seiner Wchnung mittels Einbruchs Perser- teppiche u. a. im Gesamtwerte von 80 000 M. gestohlen worden seien. Die Ermittlungen ergaben oas überraschende Resultat, daß das eigene Töchterlein den Einbruch inszeniert hatte, wie sie jetzt behauptet, auf Drängen des Angeklagten. Die Beweisaufnahme bestätigte, daß die Emmi I. bei dem Verkauf der gestohlenen Sachen zugegen gewesen war. Der Angeklagte behauptet seinerseits, daß die I. selbst den Lieblingshund ihrer Mutter bei dem„Einbruch" totgeschlagen habe.— Auf Grund der von Iustizrat Dr. David- söhn und Rechtsanwalt Jul. W e r t h e i m gestellten. Beweis- antrage, deren Wiedergabe aus naheliegenden Gründen nicht mög- lich ist, kam das Gericht zu einer Freisprechung der sämtlichen Angeklagten, da der Zeugin I. jede Glaubwürdigkeit abgesprochen werden müsse. Die Lanöesversicherungsanstalt Serlin in Not! Einschränkung ihrer Fürsorgeeinrichtungen. Die in Nr. 217 von uns gebrachte Nachricht, daß die Landes- Versicherungsanstalt Berlin ihr« Kinderheilstätte Lichtenberg aus- löst, wird jetzt durch«ine noch sehr viel schlimmere Meldung er- gänzt. Sie besagt, daß Gesamtoorstand und Ausschuß der Landesversicherungsanstalt ein st immig folgenden Be- schluß gesaßt haben: „Die Kosten der freiwilligen Leistungen der Landesversiche- rungsanstalt Berlin auf dem Gebiet der vorbeugenden Kranken- fürjorge sind durch die enorme Steigerung der Aus- gaben für Lebensmittel, Löhne, Gehälter und Materialien aller Art, insbesondere für Kohlen, derartig gestiegen, daß sie aus den laufenden Einnahmen nicht bestritten werden könney und bereits feit längerer Zeit eine starke Minderung des Vermögens der Landesversicherungsanstalt Berlin herbeigeführt haben. Wenn die Londesoersicherungsanstalt trotzdem bislang alle ihre Fürsorgeeinrichtungen uneingeschränkt aufrechterhalten hat, so hat sie dies in der bestimmten Erwartung getan, daß seitens der Reichsregierung die notwendigen Schritte zur Abhilfe des Notstandes getan werden würden. Zu dieser Erwartung war die Landesversicherungsanstalt Berlin um so mehr berechtigt, als der Reichstag m einer Resolutton die Reichsregierung ersucht hatte, gesetzgeberische Maßnahmen zur Beseitigung des Notstandes so rechtzeitig vorzubereiten, daß diese am 1. Juli in Kraft treten können. Obwohl nun bei der Landesversicherungsanstalt eine Ein- schränkung ihrer Fürsorgemaßnahmen um die Hälfte bereits da- durch eingetreten ist, daß sie den Umfang dieser Maßnahmen trotz der durch die Eingemeindung herbeigeführten Verdoppelung der Zahl ihrer Versicherten nicht vergrößert hat, so ist die Anstalt zu ihrem lebhaftesten Bedauern zur weiteren Einschränkung ihrer vorbeugenden Maßnahmen gezwungen. Gesamtvorstand und Aus- schuß der Landesversicherungsanstalt Berlin beschließen daher: 1. Die Kinderheilstätte Lichtenberg wird aufgelöst. 2. Die gesamte Zahnfürsorge wird eingestellt. 3. Die Zahl der Betten der Ar- beiterheilstätte Beelitz wird bis auf 300 bis 400 Betten für Lungen- kranke eingeschränkt, falls nicht bis spätestens zum 1. Juli gesetz- geberische Mahnahmen zur Beseitigung der Notlage herbeigeführt sind. 4. Alle sonstigen Fürsorgeeinrichwngen bleiben bis auf wei- teres bestehen." Diese Einschränkung der von der Londesoersicherungsanstalt Berlin bisher betriebenen Fürsorgeeinrichtungen bedeutet eine Katastrophe. Zur Abwendung der schweren Schädigungen, die davon für die heilungsuchende Arbeiterbevölkerung zu erwarten sind, wird die Reichsregierung schleunigst die notwen- digcn Schritte tun müssen. Zweifelhast kann allerdings noch scheinen, ob die Landesversicherungsanstalt Berlin wirklich schon unbedingt nötig hat, zu so gewaltsamen Mitteln zu greifen. Oder ist wahr, was über sie behauptet wird, nämlich, daß der größte Teil ihres einst so stolzen Vermögens in Kriegsanleihe angelegt ist? Da nimmt es sich sehr eigenartig aus, daß die„Deutsche Zeitung" nach berühmtem Muster auch diese für die Bolksgesund- heit verhängnisvollen Maßregeln agitatorisch ausnutzen zu dürfen glaubt. Sie meldet sie unter der Spitzmarke„Zusammenbruch der Fürsorgeeinrichtungen unter dem neuen Re- g i m e". Nein, wenn die Fllrsorgeeinrichtungen der Landesversiche- rungsanstalt Berlin jetzt wirklich zusammenbrechen müssen, so haben auch sie das dem Kriege zu danken. eij Sline Menschenkind. III. Der Sündenfall. Don Martin Andersen Nexö. Hier verbrachte sie ihre besten Stunden. So oft sie eine inüßige Stunde hatte, suchte sie ihr Kämmerlein auf. Kall genug war's im Winter drinnen gewesen mit der offenen Halbtür, aber nun ging es an. Dann nahm sie ihre verschiede- nen Schätze hervor und ließ sie durch die Finger gleiten; sie legte den einen Gegenstand hin und nahm den andern vor und glättete und legte alles hübsch ordentlich zusammen. Das konnte sie immer wieder tun und innige Freude darüber emp- finden. Da war eine Stickarbeit,� derentwegen sie von der Lchrerfrau gelobt worden war, während die Familie noch im Elsternnest wohnte, ein Stammbuch, in das ein paar Mit- konfirmanden etwas hineingeschrieben hatten, und eine Photo- graphie ihrer Konfirmandenabteilung. Das war das einzige Mal, wo sie photographiert worden war, und sie schaute immer gleich erstaunt und neugierig auf die kleine dünne Dirn, die sie selbst vorstellen sollte,— die Kleinste der Schar und die Häß- lichste, wie il>r schien. Am meisten gespannt war sie darauf. ob sie wohl jemals ebenso nett werden würde wie die andern. Sie hatte keine übertrieben hohe Meinung von ihrem eignen Aeußern,— woher sollte die wohl auch kommen? Nie hatte jemand von ihr gesagt: O, was für ein hübsches Mädchen! Wovon sollte sie denn auch hübsch werden? Das Blut, das durch ihren Körper rollte, war auf seinem Wege durch das Herz nicht gerade gesüßt worden; eine Menge Kümmer- niffe hatte es passiert, es führte die bitteren Abfallprodukte mit sich in den Körper, und aus ihnen hatte sie sich aufzubauen. Ihre Hautfarbe war noch bläulich davon, und das Eckige und Magere wich nicht von ihr, es sträubte sich gegen die beginnen- den weichen Formen. Die Schiefheit haftete ihr bis zuletzt an, die strenge Winterarbeit hatte gut dabei geholfen. Das Ergeb- nis war alles in allem gemischt, hübsch konnte sie nach wie vor Vicht genannt werden. Aber froh war sie; nie hatte sie sich über das Frühjahr gefreut wie in diesem Jahre. Und das Licht vergalt es frei- gebig. Es nahm ihr Gesicht und ihre ganze Gestalt, wie sie nun einmal waren, und die Lichtstrahlen jagten einander um alle Vorsxrünge und Kanten, Es konnte zu einem ganzen Spiel von Sonne und Lächeln werden, wenn sie über den Hof kam, mit dem frühlingsstarkcn blauen Meer als Hintergrund. „I. wie froh du aussiehst, Mädel!" rief Sine und lachte selber dabei.„Kommt das vom Hüten?" Genau so sah sie aus an jenem Tag mitten im Mai, als sie wieder mit dem Vieh hinauszog. Und das Bieh sah aus wie sie. Es war langhaarig geworden im Lauf des Winters und auch mager, aber Licht und Wind durchspielten die Tiere, und übermütig waren sie. Sie schlugen närrisch hinten aus, als zielten sie nach der Sonne selbst, und jagten in wahn- witzigem Galopp den Feldweg entlang nach der Koppel hin. Und Stine folgte ihnen leichten Sinns. 9. Sommer. In den ersten Tagen, als Stine draußen war, hatte sie ihr Vesperbrot zu Rasmus Rytters Hütte gebracht. Jetzt kamen die Kinder selbst und holten es vor- und nachmittags. Sie fanden sich im Trupp ein und waren fast immer vor ihr zur Stelle: in einem der Nester lagen sie dicht beieinander und warteten auf sie. Sie waren scheu wie Kiebitzjunge und ver- steckten sich am liebsten vor den Leuten; sobald sie die Brot- schnitten bekommen hatten, machten sie sich, einer nach dem andern, aus dem Staube,— als flöhen sie mit einem Raub. Waren sie ein Ende weit weg, so ließen sie sich jedes für sich irgendwo nieder und begannen zu essen. Stine mußte genau unter sie austeilen; es ging nicht an. dem einen auch die Por- tion des andern anzuvertrauen, dazu waren sie zu hungrig. Viel hatten sie nicht auf dem Leibe, zerlumpte Hosen und manchmal auch etwas, das ein Hemd vorstellen sollte, aber viel brauchten sie bei der Sommerwärme ja auch nicht. Und flink auf den Beinen waren sie! Eines Tages nahm Stine sich vor, ein bißchen von dem Dreck von ihnen herunterzuscheuern. aber daran erlebte sie keine Freude. Am nächsten Tage getrauten sie sich nicht bis zu ihr hin, sondern lagen oben an der Hecke und guckten hinab; näherte sie sich ihnen, so nahmen sie Reißaus. Sie hielt das Vesperbrot in die Höhe, aber das nützte nichts. Dann legte sie es da oben hin und ging wieder in die Sumpfwiesen zurück; und kurz darauf war es weg. Diese Kleinen glichen den Kätz- lein, die außerhalb von Haus und Heim in einem Heuhaufen geboren werden; halb wild und mißtrauisch waren sie, es war kein Auskommen mit ihnen. Waren sie aber in ihren eigenen vier Pfählen, so waren sie ganz anders. Daheim um die Hütte heyrnt lärmten sie den lieben langen Tag, so daß Stine es bis hier herauf hören konnte,— zusammen mit der scheltenden Stimme der Mutter, die Ordnung unter ihnen schaffte. Es fehlten fast immer Knöpfe an den Hosen der Kleinen, so daß sie sie beim Laufen festhalten mußten. Stine wurde ganz ärgerlich darüber, und eines Tages hielt sie einen der Jungen fest.„Du bekommst nichts zu essen, wenn du mich nicht vorher den da annähen läßt," sagte sie und nahm einen Knopf aus der Tasche. Da fügte er sich in die Operation, aber er stand stampfend da, während sie nähte, und kaum hatte sie den Faden herumgewickelt und abgerissen, so eilte er davon, immer noch die Hose festhaltend.„So laß doch los, Dumm- köpf!" rief sie lachend. Da ließ er los; und als er merkte, daß die Hose von selber hängen blieb, geriet er ganz außer Rand und Band, jagte in größter Geschwindigkeit im Kreise um sie herum und trabte immerzu in dem gleichen engen Kreise weiter, stark nach innen neigend wie ein Füllen am Tüder. Stine verstand so gut, daß das ein Geschenk für sie sein sollte, und folgte ihm bewundernd mit den Augen.„Das ist ja groß- artig," rief sie.„Schönen Dank! Aber jetzt kannst du nicht mehr, komm, nun sollst du dein Essen kriegen." O gewiß, er konnte noch ein ganzes Mal herum. Und dann kam er schnau- fend zu ihr und bekam fein Pesperbrot. Diesmal lief er nicht gleich weg, sondern legte sich bei ihr hin und verzehrte sein Essen. Nun blieben die andern auch, und sie fügten sich darein, daß Stine ihre Sachen ausbesserte. Nach und nach faßten sie Vertrauen zu ihr, und bevor sie sich's versah, hatte sie ein neues Nest zu versorgen. Da war so vieles bei ihnen, wobei man Hand anlegen mußte, und das befriedigte so sehr, Stine hatte eine ganz eigenartige Gabe, das Dasein mit den Händen zu genießen. Sie brachte es so weit, daß die Kinder ihr erlaubten, sie auch zu waschen, und da gab es Arbeit. Das Schlimmste waren die kleinen Köpfe, bei denen war fast nichts zu er- reichen. Sie mußte sehen, daß sie etwas Petroleum stahl und mit herausbrachte! Eines Nachmtttags hatte sie die Köpfe mit Petroleum überschüttet und erzählte den Kindern dabei von dem großen Klaus, damit sie still hiellen. Als es überstanden war, standen sie blinzelnd da und sahen aus, als wäre ihnen die ganze Welt fremd geworden.„Brennt es?" fragte sie lachend. „Ja, aber beißen tut's nicht mehr," erwiderten sie er- staunt. »Und. jetzt geht nach Hauje," jagte sie.(Forts, folgt.) .Meine Tante— Seine Tanten Areispruch eines Gastwirtes. Der Schankwirt Joseph P o m p e l war vom Schöffengericht Berkin-Mitte wegen Duldens von Glücksspiel zu 300 M Geldstrafe verurteilt worden. Da es sich um eine Frage bandelt. die für Gastwirts von grundsätzlicher Bedeutung ist, legte Rechts» anwalt Dr. Schwindt für den Angeklagten Berufung ein. ES wurde in der Beweisaufnahme festgestellt, daß sich in dem Pompelschen Lokale drei Männer getroffen und das schöne Spiel.Meine Tante — deine Tante* gespielt hatten. Trotzdem sie sich die Karten selbst mitgebracht hatten, wurde der Wirt wegen Dulden« von Glücksspiel verurteilt. Rechtsanwalt Dr. Schwindt führte dagegen aus: Nach dem neuen Gesetz vom 23. Dezember 1S20 macht sich nur noch strafbar: 1. derjenige, welcher ohne Erlaubnis öffentlich ein Glücks spiel veranstaltet,' 2. wer die Einrichtung dazu bereitstellt !!. wer sich am öffentlichen Glücksspiel beteiligt; 4. wer aus dem Glücksspiel ein Gewerbe macht.— Der Angeklagte könne aus keinem dieser vier Punkte verurteilt werden, denn er habe die Einrichtung züm Glücksspiel nicht bereitgestellt und überdies nach Aussage der Zeugen Einspruch gegen dieses Spiel erhoben.— Die Strafkammer hob das schöffengerichtliche Urteil auf und erkannte auf Freisprechung. Retur-Sonderzüge oder Jugeud-Sonderzüge? Die Berliner Freunde des edlen Pferderennsports wurden jüngst durch die Nachricht entzückt, daß die Eisenbahnverwaltung, nachdem der Reporaturftand der Lokomotwen und Wagen erheblich besser geworden, zu den Rennen in Grunewald und Karlshorst wieder Sonderzüge fahren lassen wolle. Am vergangenen Sonntag nun mar das große Maienfest der Arbeiterjugend, zu dem Taufende von jungen Proletariern aus der stickigen, staubigen Groß- stadtluft hinausgegangen waren. Draußen verlebte die Jugend einen köstlichen Tag in der jungen Natur. Aber dann am Abend die Heim- fahrt! Der Kampf, der sich zwischen den bereits im Wagen Befind- lichen und denen, die hinein wollen, jedesmal abspielt, ist wider- wärtig und unwürdig. Auch die Arbeiterjugend hatte am letzten Sonntag ganz unsäglich unter diesen scheußlichen Zuständen zu leiden. Für die eleganten Rennbahnbesucher. Schieber und Buch- wacher aber stellt die Direktion Extrazüge. Man darf billig von ihr erwarten, daß sie aus eigenem daran denkt, für derartige große Iugendfeste ein paar Sonderzüge bereitzustellen und hoffen, daß demnächst eine Kundgebung erscheint, aus der die Iugendorgani- sotionen ersehen können, daß für sie auch gesorgt wird. Uebrigens dürften auch die Eisenbahneroerbände ein Wörtchen mit- zureden haben, denn wenn die Eisenbahner schon einen schweren und verantwortungsvollen Sonntagsdienst zu leisten haben, dann werden sie ihn sicherlich lieber für des Volkes Jugend tun als für die Nennbahnprotzen und ihre aufgetakellen Dämchen. Diese unsere Stellungnahme wird hoffentlich auch von den Genossen getellt wer- den, die selber Freunde oe, edlen Rennsports sind, gegen den wir im übrigen gar nichts einzuwenden haben. Beleuchtimg aller Fuhrwerke uud Fahrräder. Die Bestimmungen über die Beleuchtung der Fuhrwerke während der Dunkelheit konnten während des Krieges aus Mangel an Beleuchtungsstoffen häufig nicht ausgeführt und mußten viel- mehr teilweise sogar ganz außer Kraft gesetzt werden. Nachdem der Berkehr mit Fahrzeugen sich gegen die Kriegszeit sehr gehoben hat. so daß die Zahl der Unfälle infolge der mangelhaften Be- leuchtung oder völligen Nichtbeleuchtung der Wagen enorm ge- stiegen ist, und da die Beleuchtungsmittel wieder in ausreichender Menge im freien Handel zu haben sind, ist jetzt der BeleuchtungS- zwang allgemein wieder eingeführt worden. Damit find die von dem früheren Oberkommando in den Marken erlassenen Anordnungen, welch« die Unterlassung der Beleuchtung von Pferdefuhrwerken und Fahrrädern gestatteten, als aufgehoben anzusehen. Für die strenge Durchführung der Beleuchtungsvorschriften wird Sorge getragen werden.— Hierzu wollen wir bemerken, daß uns aus den letzten Wochen eine Reihe von Beschwerden vorliegen, und zwar von älteren Personen. Kranken üpd Gebrechlichen, die sich bitter über Radfahrer sowohl wie Autos beklagen, die nicht genügend Rücksicht auf die Passanten nehmen. Rekkor a. D. Dock unter Eid. In dem Kampf um seine Re- habilitierung, den der seinerzeit wegen angeblicher sittlicher Verfehlungen verurteilte Rektor a. D. Bock sest Jahren führt, spielt ein Beleidigungsprozeß eine Rolle, welcher gestern die 10. Straf- kammer des Landgerichts I. beschäftigte.- Angellagt war die Näherin Stanislawa Piekniewski wegen Beleidigung des Nektars Bock.— In dem Prozeß, den der Kriminalkommissar a. D. Toussaint gegen Bock wegen Beleidigung angestrengt hatte, war auch die jetzige Angeklagte, eine frühere Schülerin des B., als Zeugin vernommen worden. Diese war auf B. nicht gut zu sprechen, weil dieser in seinem Kampf um die Wiederherstellung seiner Ehre Erkundigungen über ihren Lebenswandel angestrengt hatte. Sie ließ sich in jener Verhandlung dazu hinreihen, Bock einen.Schuft" zu nennen und wurde deshalb vom Schöffengericht zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Hiergegen legte Rechtsanwalt Bahn als Nebenkläger Berufung ein und stellte vor Gericht den Antrag, die eidliche Aussage des Rektors Bock zu Protokoll zu nehmen, um eine Ladung des gesamten Richterkollegiums zu dem Prozeß Toussaint-Bock zu vermeiden. Das Gericht entsprach diesem Antrag und nahm zu Protokoll, daß Rektor Bock unter Eid erklärt habe, niemals mit einer seiner Schülerinnen irgendwelche unsittlich« Handlung vorgenommen zu haben. Rechtsanwalt Bahn «klarte nunmehr, daß der Zweck der Berufungseinlegung hiermit erreicht sei und er, da an der Bestrafung der Angeklagten gar nichts liege, die Berufung zurücknehme. Tausend auf einen Streich. Borgestern abend gegen SV, Uhr wurde der Rummelplatz auf dem Grundstück Köpenicker Str. 30 von zwanzig Kriminalbeamien und zwei Hundertschaften der Schutz- Polizei ausgehoben. Rund tausend Personen beiderlei Geschlechts mußten auf Kraftwagen nach der Hindenburgwache gebracht werden, wo die Durchsicht ihrer Pariere bis nach Mitternacht währte. Einige Personen, die von der Polizei gesucht wurden oder obdachlos waren, wurden dem Polizeipräsidium zugeführt. Dom Tode des Ertrinkens wurde heute vormittag am Kottbuser Ufer ein 6- bis 7jähriger Schuljunge, der von seinen Spielkameraden 'n den Aanal gestoßen wurde, durch den Maurer Friedrich Drescbke, Köpenicker Str. 4, gerettet. Derselbe kam auf einer Geschäftstour mit seinem Aweirade an der Kottbuser Brücke vorbei und sprang kurz entschlossen dem Jungen nach und holte ihn heraus. Mit ZS Zähren zo aß! Nicht nur Handarbeiter müssen bei der Arbeitsuche oft die bittere Erfahrung machen, daß man sie trotz»och ausreichender Rüstigkeit als schon zu alt abweist. Wer im Bureau- dienst der Behörden sein Brot verdienen will, wird hinsichtlich seines Alters einer noch viel strengeren Musterung unterworfen. Wir wissen, aus welchen Gründen das hier geschieht, aber in dem folgen- den Fall wird nicht leicht jemand die Berechtigung glaubhaft machen können. Bor kurzem hat die Berliner Sparkasse bei der Brotversorgungsabteilung des Magistrats beantragt, ihr eine Anzahl männlicher Bureaukräfts zuzuteilen. Unter den Bedingungen, die erfüllt werden müssen, finden wir in einem uns vorliegenden Zir- kular auch diese: Alterzwischen 26 und 35 Jahren. Die Festsetzung einer unteren Grenze von 26 Jahren mag einen Sinn haben, da anscheinend die Bewerber gewisse Erfahrungen mitbringen sollen. Aber was für eine Tätigkeit kann das sein, für die ein nicht. ständig Angestellter schon mit 36 Jahren zu alt wäre? Das Zirkular empfiehlt den Angestellten,„von diesem Angebot weiwehendst Gebrauch zu machen. Es weist hin auf die Schwierigkeit, später beim Abbau der Zwangswirtschaft Unterbriugungsmöglichkeiten zu schaffen. Gewiß, wenn man in allen Verwaltungen die über 36 Jahre alten Bureaukräfts ablehnen will, dann wird für viele von lluterbriugungs Möglichkeit keine Red« sein Die Derlluer Spartassew sind am Tage bor Pfingsten(Sonnys untersuchen, findet zurzeit kn Münster ein Lehrgang Wer Ar? abend, den 14. Mai) nur in der Zeit von 9—12 Uhr für de» Ber- kehr mit dem Publikum geöffnet. Die deutsche Gesellschaft zur Betämpfuug der Geschlechtakrauk- Heiken, Ortsgruppe Berlin, hielt am Dienstag, den 10. Mai, ihre Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz von Professor Heller ab. Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, daß mehr als je Wert auf ausreichende Belehrung der BevöUerung gelegt wird und dazu der Film„Die Geschlechtskrankheiten und ihre Folgen' sowie die Wanderausstellung der DGBG. zur Unterstützung herangezogen wurden. Daneben fanden zahlreiche Massenvoriräge, gesondert für Männer und Frauen, zum Teil in Gemeinschaft mit dem Landes ausschuß für hygienische Volksbelehrung statt. Darauf hielt Dr. Alfred Loeser einen Bortrag über Vererbung von Ge- schlechtskrankheiten. Die Zahl der erbsyphilitischen Kinder. die jährlich noch in Deutschland geboren werden, sei erschreckend hoch, belaste aufs schwerste die Krankenhäuser und Asyle und falle dem Staate schließlich zur Last. Um diese vererbte Volksseuche ein- zudämmen, gäbe es nach Ansicht des Redners nur ein Mittel. nämlich, daß jede Frau bei ihrer Niederkunft mit Hilfe der Wasser mannschen Reaktion auf eine etwaig« Syphilis untersucht würde. damit die Mutler und das Neugeborene rechtzeitig behandelt werden könnten, um ihr lebenslanges Leiden zu lindern oder zu heilen. Nur wenn gesetzmäßig diese Maßnahmen getroffen würden, könnte man sich in dieser Frage, die für alle Vollsklassen und für die Volksgesundheit so wichtig ist, einen Erfolg versprechen. wegeu unzulässiger Dekriebsführuug find vom Mehlbezuge aus- geschlossen worden: die Bäckermeister Otto Cpandow, Oldenburger Straße 8. Paul Schunert, Stolpische Str. 36<8 Monate) und Paul Müller, Prenzlauer Allee 63(2 Wochen). Dadekarkeu für Gemeindeschüler. Auch in diesem Jahre sollen Badekarten, die zur Benutzung der städtischen Flußbadeanstalten gegen Zahlung von 10 Ps. berechtigen, an bedürftige, über zehn Jahre alte Gemeindeschüler verteilt werden. Berücksichtigung finden aber nur Kinder, deren Angehörigen die Entrichtung des sonst üblichen Eintrittsgeldes zu schwer fallen würde. Die Schwimm« anstalten an der EbertSbrücke, im Werderschen Mühlengraben und an der Waisenbrücke dürfen von Berechtigwigskarteninhaberu nicht benutzt werden. Plombierte Züge«ach Sylt. Die dänische Regierung hat der Deutschen Gesandtschast in Kopenhagen eine Note überreicht, in der sie die Zusage gibt, daß sie dem Verkehr nach der Insel Sylt während der ganzen Badesaison keine Schwierigkeiten machen wird, »nd daß er in genau derselben Weise wie im vorigen Jahre vor ich geben kann, d. h. in plombierten Zügen. Als Beginn der Bade- saison dürfte der 1. Juni gelten. Die Hugo Heimannsche Dollsbücherei und Lesehalle(31. städtische Vollsbücherei), SO., Adalbertstr. 41, die jedermann zu unentgeltlicher Benutzung offensteht, ist im Monat April von 8962 Perjonen besucht worden. In der Ausleihbibliothek wurden 4804 Bände unter- haltende und belehrende Literatur nach Hause verllehen. In der Lesehalle liegen zurzeit 459 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Das Institut ist werktäglich von 8— 9 Uhr abends, Sonntags von 9— 12 Uhr geöffnet. Zlnfführnng des Städtisch«» Marionettentheaters vom Volks- bildungsamt Bezirk 20 am Donnerstag, den 12. Mai, in der Humboldtschule Tegel, nachmittags 4 Ubr:„Muz'l, der gestiefelte Sater', von Franz Pocci. Für Kinder 75 Pf., Erwachsene 1,50 M. Milch. Die Beliesermig der v-Karten für Donnerstag, den 12., und Freitag, den 13. d. M., wird geändert und zwar erhalten die Dl- und Dil- Kinderlarten an den genannten Tagen je t/t Liter Frischmilch, die Dill- Karten werden nicht beliefert. Die'/.-Liter- Kranken- und-Alters karten werden mit Frischmilch beliefert Am Sonnabend, de» 14.. Sonntag, den 15., Montag, den IL., nnd Dienstag, den 17. d. M.. erhalte» die DI- und DII-Kinderkarten je'/« Liter Frischmilch, die vlll-Karten werden nicht be» liefert Die'/.-Liter-Kranken- und-AlierSkarten werden an den genannten Tagen mit Frischmilch beliefert. Die übrige Belieferung bleibt wie bisher. Die angegebene Belieferung bezieht sich nicht auf die feit dem 1. Oktober 1920 neu zu Berlin hinzugekommenen Scmeinden, soweit sie nicht dem Milchamt Berlin angeschlossen find. Ueber Volksgeiundung, Kapitalismus, natürliche Wirtschafts- ordnung spricht Professor Dr. S. Poienske am Donnerstag, den 12. d. Mts. abends 7';, Uhr. im„Verband Volksgesundheit*, Oberrealichule Riederwall- ftraße 12. Eintritt frei. Zilmfthav. „Das Geheimnis von Tchlotz Halloway' erlebte fem: llranfführung im Sport-Palast. Ein Gemisch von Mord nnd Abenteuer. Doch sei gesagt. daß jeder gut und flott spielte. In den Händen Esther Carena(Cecilie Aoden) lag die Hauptrolle nnd sie sei neben Alexander v. Antalffh(Lord laden), Charles Willi Kayser(Lhonel Forster) und Beate Fmk(Ladh Fladen) lobend erwähnt Auch der lleme� Bursche Martin Herzberz soll nicht oergessen werden. Der interessante spielerfilm»Monte Carlo* ver» vollständigte daS Programm. Leopold Jeftner. ber Intendant der StaatSkheater, ist von der KloriafUmgefellfchaft für die Regie einiger Filmwerke gewonnen worden. Er wird in Äemeinfchaft mit Paul Jen», der als Bildleiter wirkt und die dekoratwe Leitung übernimmt, im kommenden Monat seine Tätigkeit be- ginne» und als erstes Stück einen Spielsilm.Alles«m Liebe' inszeniere», m dem Henuh Porte» die Hauptrolle spielt. beitsvermittlung une Berufsberatung statt. Bev» anstalter ist das„Seminar für Arbeitsvermittlung und Berufsb« ratung', angegliedert an das Staatswissenschaflliche Institut der Universität Münster, eine Einrichtung sämtlicher preußischer Landes- arbeitsämter. Am ersten Tage stellte Prof. Dr. Plenge an Hand seiner Anschauungstafeln dar, welche Rolle der Slrbeitsmarkt in den verschiedenen Wirtschaftssystemen spielt und welche Möglichkeiten in Zukunft eintreten können Nachmittags sprach Dr. O r d e m a n n über den Aufbau der öffentlichen Arbeitsvermitt- lung, indem er besonders die organisatorisch tragenden Gedanken des Arbeitsnachweisgesetzentwurfes"behandelte: Selbstverwaltung der Interessenten unter kommunalem Vorsitz, berufliche Gliederung der Arbeitsvermstllung durch Fachabteilungen. In der Aussprache wurde u. a. das Für und Wider des fachlichen Auffichtsrechtes der Landesarbeitsämter gegenüber den örllichen Arbcit-nach- weisen erörtert, dann besonders die Notwendigkeit gutgcfchulter, kenntnisreicher Geschäftsführer hervorgehoben. Am zweiten Tag führte Frau Regierungsrat Margarete Eh- l e r t vom Reichsarbeitsamt aus, daß das kommende Arbeits- Nachweisgesetz den Ausgleich von Angebot und Nachfrage nach den Grundsätzen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit und sozialer Gerechtigkeit regeln will, und darum muß die Organisation einheit- lich fein, darf nicht in den Dienst von Errnerbsabsichten oder von Streitigkeiten der Parteien des Arbeitsverhältnisses geraten. Selbst- Verwaltung der Interessenten tn allen Instanzen muß durch Per- waltungs- und Fachausschüsse gewährleistet sein. Nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer dürfen für die Bermitt- lungsgrundsätze ausschlaggebend sein, sondern die gesamte Oeffent- lichkeit muß durch Beteiligung der Kommunen beteiligt werden. Denn m Arbeitskämpfen ist strenge Unparteilichkeit not- wendig, und unter Umstünden muß auch das Gesamtinteresse cinnual über Bortelle für einzelne Berufe gestellt werden. Der dritte Tag begann mit der Erörterung der Land- arbeiterfrage durch Direktor Dr. Dermietzel. Berlin, betrachtet hauptsächlich in Hinsicht auf die Maflenvermittlung in Großbetriebe. Die Erfahrungen von 1919 und 1920 beweisen, daß die Verpflanzung von Industriearbeitern und -arbeiterinnen aufs Land bei Unterbringung in Massen- quartieren keinen dauernden Erfolg zeitigen kann, sondern der Kernpunkt zur Erhaltung und Vermehrung der ländlichen Arbeiter- schast vom Fortschreiten des Bau- und Siedlungswesens abhängt, das daher vor allem zu fördern ist. Das Verbleiben der Russen, das Vermitteln von Polen in Kleinbetriebe, die vor dem Kriege ohne Ausländer arbeiteten, ist zu unterbinden und nur dann zu genatten, wenn kein deutscher Arbeiter vorhanden ist, keinesfalls aber darf den Großbetrieben des Hackfrucht- und Körnerbaues die Anwerbung polnischer Saisonarbeiter kurzerhand untersagt werden. Das müßte schwerste Gefährdung der Ernte nach sich ziehen. Aus der Versammlung heraus wurden zu dem vom Redner im Ganzen gesehenen Problem vorwiegend örtliche Schwierigkeiten besprochen. (Unserer Ansicht nach muß die Frage der Auslandsorbeiter in der Lcmdmirtschafl einheitlich geregelt werden. Unmöglich können dem Kleinbauern in der Auswahl seiner Arbeitskräfte Beschränkun- gen auferlegt werden, während der Großgrundbesitzer völlig frei« Hand hat und diese Freiheit nur zu oft dazu benutzt, lohndrii auf den Markt zu wirken. D. Red.) Mus aller Welt. Sroß-Serliner Parteinachrichten. Heule. Donnerstag, den 12. Mai: 12. Shei»(Steglitz, Lichterfclde, Lankwitz). S Uhr Anla de, Eymaafiams, Steg- litz, Heesestraße,»reisaelcgierteaversammlang. Richtdelegierte könne» als guhörer beiwohne». Zlstitgliedsbuch gilt dann als Ausweis. 107. Abt F-llenberg,«U-Slienicke. granenadend 7Zb Uhr bei Slinaenbera, Grünauer Str. 29. Thema:„Der Friedensvertrag von Versailles. Ref. Genossin Schcibeuhuber. Zungsozialisten. Gruppe Z:iedrich,hai». 7Zp Uhr im Konferenzzimmer der Gemcinoeschule Etroßmannstr. 8, Vortrag:„Jugendbewegung*.— Gruppe Schöneberg-zriedenan. T4 Uhr bei Obst, Martin-Luther-Str. KS, Vortrag: „Aeußere und innere Politik-.— Gr. Fri:drich°hagen. 7� Uhr bei Scholz. Friedrichstr.«1, Vortragsabend.— Gr. Tempelhof-Mariendarf. 7Zb Uhr bei Radzuweit Viktoria-, Eck« Werderstraße, Vortragsabend.— che. Zrep- to» /Süden). 7 Uhr im Zugendheim, Äsenftr. z, Bortragsadend.— Gr. Neukölln. Wege» Renovierung des Jugendheims Beteiligung an Gruppe Treptow. Morgen. Freitag, den 13. Mai: 12,»rei«.«reisvorstaudssitzung 7 Uhr in Warieudors, Rathaus, Zimmer ZK. Jugenüveranftaltungen. Donnerstag, den 12. Mai. abends 7)4 Uhr: Verein Arbciter.Zugend Sroß-Serlin. Sekretariat: NW.«, Z» den Zelte» ST Achtung: Das Iugendsekretariat nnd die SZ-rkaussstelle bleibe» am Pfingst- fonnabend für den Verkehr geschlossen. » /Abkürzungen: M.— Mitglied erversammlung. Z.— Jugendheim.) Fredersdorf. Sonst Mißler, Landsberger Shansse«, M.— Lankwitz, z. SendRtz. ftraße K, M.— Nordost. Realschule Pastenrstraße, Literatnrgruppe.— Ne». Ulla. Süd. Z. Münchener Str. SZ, M.— Osten /Str..».). 220. Gemeinde. schule Raalerstr. Z /Jugendkludzimmer), Vortrag:„Unsere Ziele*.— Schmargendorf.$. Breite Str. 38, M.— Schönhauser Vorstadt L 5. Schule Sonnen. ourger Str. 20, M.— SchZnhanscr Vorstadt II. irüher bis 1200 M" Je!xt'ar«OO-SOO M. Ein Posten Gummimantel ________ C4..t„Lr*AA MM AAIK�A�.1 k.aaii_ I____________. ♦ ♦ im LEIHHAUS HORITZPLATZ 58a ♦ ♦ Stück 300 M. 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Am Donnerstag früh ver- starb unser Genosse 34335 Paul Braun im Alter von 43 Jahren Ehre seinem Andenke»! Der Borstand von Wildau. Dsutsslier Ketallarb iterverb. Verwaltungsstelle Berlin Den Kollegen zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Arbeiter Ernst Brasse Memeler Str. am S. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 12. ds., nachm. S Uhr, im Krema- torium Gerichtstraße statt. Ferner starb am 8. d M unser Kollege, der Werk- zeugmacher 130,1g Berhard Fricke Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 12. d. M., nachmitt. 3 Uhr. von der Leichenhalle des Neuen Nazareth-Kirchhoses in Reinickendorf lWest), KSgelstr., aus statt. Ehr« ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Dt« Ortsverwaltung. Nach kurzer Krankheit starb am S. Mai meine liebe gute Frau und Mutter Emma Friedrich im Alter von 42 Jahren. Emil Friedrich u. Sohn, Kupferschmied. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle de« neuen St. Zohannes-Friedhoss in PIZßenfee au» Natt. Bezlrksverb. Gr.-BerHn 88. VU.(Mariendorf). Am S. Mai verstarb Plötz- lich am Herzschlag unsere liebe Genossin, Frau Ida Weimar Kaiserstr. 3 175/15 im Aller von 84 Jahren Ehr« ihrem Andenken! Die Beerdigung erfolgt am Freitag, nachm. 3 Uhr. auf dem Gemeindefriedhos in der Friedenstraße. Rege BeteUigung erwartet Der Vorstand der 88. Abt. S. Nachtrai, zur Satzung der ÄAge- meinen'Ortskrankenkasie Niederbaruim i« Berlin 13. September vom..- 1913. 31. Ottober § 22 erhält folgenden Wortlaut: „Wird Krankenhouspflege einem Versicherten gewährt, der bisher von seinem Arbettsver- dienst Angehörige ganz oder iiberwlegend unterhalten hat, so wird— vorbehaltlich der An prsiche nach Zfi 27, 58. 5g und 82 Absatz 3— daneben ein Hausgeld Illr die Angehö- rigen gezahlt und zwar bei Anspruch auf Reaelleiftungen (§§ 15, 26, 32 Abf. 1, 33, 67 dieser Satzung und Ziffer VII der Satzung mr die Hausge- werbliche Krankenversicherung) im Beirage des halben Kranken- geldes und bei Anspruch auf Mehrleistungen(§ 32 Abs. 2-4) im Betrage des ganzen Kranken- geldes(g 20). Versicherten, für die kein Hausgeld zu zahlen ist, wird bei Anspruch auf Mehr- leistungen(8 32 Abs. 2-4) neben der Krankenhauspflege ein Krankengeld in Höhe von >/, des Krankengeldes(§ 20) gewährt.� Berlin, den 20. Dez. 1920. Der Vorstand. Neubecker, Vorsitzender. (l..S.> St. 1045. Genehmigt Eharlottenburg, 30.ApriI1921. Oberoersicherungsawt Berlin. (l.. S) von Gostkowskt. Veröffentlicht! Dieser Nachtrag tritt mildem 1. Mai d. Z. in Krast. Berlin, den 1. Mai 1921. Allgemeine Ortskrankenkass« Niederbaruim. 19/15 Neubecker, Vorsitzender. Das Dnglaubiiebe■ verwirklicht iAnzage aus primaStoffen und Zutaten auf das modernste verarbeitet i. entzückenden Sommerfarben nur diese Woche OroBe Auswahl in Schlüpfern, Cutaways, Gummimänteln bei Burger, RelcbeiibergerStr.ISS, f. II Fahrverbind.: Kottb.Tor Trauringe Dukaten 000 gcflT 14 kacäfig 585„ S t* 333 � Stück von 28 Mark an, volle Garantie für Dold'eingehaU w jeder Größe vorrätig am Lager Bock, Andreasslrahe 44, vis-d-vis Jandoif, Fernsprecher: Alexanderpl. 8285 Weiße Leinen» Schnürschuhe Ifir Dainen � � mit ttäsltge» Leder- sohlen 59.1 Aleranderstratz« 54. Lies. d. Verl. Lehrer> BerewS. Zchuh- Ham, Metall ankautssteile Osten, Grüner Weg 8« zahlt Tagespreise fllr BeteikJctüHetBnfflOriiilE! b.SchlWM Freitag, de» 13. Mai, abend« 5'/, Uhr: General-Versammlung im große» Seal« der Bockbrauerei, Fibicinstr 2/3. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tarif-Ansfchuß- fißmig. 2. Beschlußfassung über die Abänderung de« Beitrags und der Karenzen des Extrazuschusse» bei Arbeitslosigkeit. 3. Verschiedene». 41/5' Zu dies er Versammlung sind außer de» Generalversammlung s- delegiert an die Vertrauensleute und Druckerettassierer eingeladen. ~ anootrffaaö Ohne Legitimation kein Eintrttt. vor i Achtung! Achtuug! kupker, Kiel. IM etc. Freitag, den 13. Mai, nachm. 5 Uhr, in de» Berlin«» Vereins- und Konzertsäle», Kommandantenstr. 58: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Urabstimmung« (Frage der Moskauer Delegation.) Zu dieser Versammlung ist das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen unbedingte Pflicht! 45/11 __ Ct« ortsaerwalknmg. Erstklassige dentsdie Ed haken etnsdiiägigen franzSsisdt. 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Mal: Der blonde Engel von Robert Winterberg Uraufführung Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr JMS Wörner, Roberts, Ralph Uschi BUeot, Herbert Klper, Paul Rahkopf Residenz- Theater Täglich 7 V« Uhr: Paul Wegen er in 3 as Privileg Stg. Vi4: LadyWindenn.Fäch er Trlanon-Theater 8 Uhr: ROSEN von Hermann Sudermann. Olga Limburg, Karoia Toelle, Käte Haack, Franz Schöne- mann, Heinrich Schroth, Wilhelm•andow Sonntag 4 Uhr: Rosen Kleines Theater Täglich 7"/, Uhr: KureinTfanm Lustspiel von Lothar Schmidt. Olga Limburg, Eugen Burg, Falkenstein, Mameiock Sonntag 4: Casanovas SotM Komische Oper Opernspteleelt Täglich I1/, Uhr KH-Keideliters Central-Tbenter 7V2Uhr; JlOnka Oentsche» Opernhnn* /•uhr: Carmen Prledr.Wllhelmflt.Tlis 7'i.u.: Hoheit die Tänzerin Kl. Schanspleiliann />/, uhr: Reigen LnstsplelhanB 7�/4 Uhr: Arnold Rleck In Die spanische Fliege Üetropol-Theater uh'nDie blaue Mazur �feuea Oprrcttentheat. Geschlossen. InVorbereitung Kmerfcan-Girl Nenen Volbntheatcr 7 Uhr: Nora Sclilller-Theat.Charl. 100000 Taler SchlofiBark- Theat. Steglitz, Schloßstraße-48 7 uhr: Timon Tballa-Thenter "/.uhr Bascottchen Th.am Nollendorfplatr. V/t Uhr: Das bemsoste Haupt u�.üer Teüer ansDingstfa. Theater de« Westen« uhr: lirgei wieder Instit! Th.i.d.Kommandantenstr. uhr'- Die pWene Freiheit Wallner-Theater 7v,uhr:lef Traum ToinOliicli Wallialln-Xhenter 7V, Uhr rScheidnngsreise Kur nicht drängeln Brnnnenstrosse 1 Fronkfufte' Allee 350 Kotthuser Damm 103 [üarlotl!i.:Sc!iGrrenstr.5. KREDIT unter gOnstlgsten Zahlungsbedingungen Anzüge Paletots Schlüpfer Gummi- Münte! Knaben« Anzflgo Res aufgenomsiss: Teppiche (Sardinen Decken Is grosser Attswaiil Komplette Wohnungs- Einrichtungen KREDIT unitr günstigsten Zahlungsbedingungen{ Kleider Kostüme Münte! Binsen— ROeke Müdehen- Klelder Polles; Caprice' EckeFricdricn- u.Linienstraße 7V, Uhr: Am Badestrand. Freitag, den 13. 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Nach den(stinnesierten)„Münchener Neuesten Nachrichten" wird die Beteiligung der Demokraten an der Reichsregie- rung unter den jetzt gegebenen Verhältnissen»on der bayerischen Landtagsfraktion als im Widerspruch mit der Meinung der Wähler- fchaft empfunden. Der demokratische Parteioorstand wird heute noch mit der neuen Lage sich befasien. Ferner wird, wenn möglich, in dieser Woche noch eine Tagung der Landcspartei ein- berufen werden. Geschlagene tzunöe usW. Wenn die Abgeordneten der Langeweile kommunistischer Dauer- reden durch einen Rückzug in die Nebenräume entrinnen, schreibt die „Rote Fahne":„Sie flohen wie die gepeitschten Hunde". Weil Sozialdemokraten und Unabhängigen den Unverschämtheiten eines Hertzt manchmal mit Entrüstungsrufen begegneten, schreibt die „Deutsche Zeitung", sie hätten„aufgeheult wie geschlagene Hunde". Wenn es wahr ist, daß der Stil der Mensch ist, dann scheint es, daß kein großer Unterschied besteht zwischen den Menschen im Hause Maurenbrecher und denen im Hause Schalem. Aber die Seelengemeisischaft geht noch weiter: Die„Deutsche Zeitung" tobt über Wels, findet Ledebour„würdiger" und findet on K o e n e n überhaupt nichts auszusetzen. Der hätte wenig- siens„als einziger von denen, die sich als Vertreter der Arbeiter- fchaft vorstellen zu dürfen glaubten, begriffen, daß die vielgerühmten Errungenschaften der Revolution unter den Lasten zusammenbrechen, die uns das Ultimatum auferlegt". Wenn man bedenkt, daß die Deutschnationalen gemeinsam mit den Kommunisten für den Einmarsch der Franzosen in dos Ruhr- rer-ier stimmten, so wundert man sich nicht, daß die„Deutsche Zeitung" den Fraktionsredner der Kommunisten fast ebenso gut be- bandelt wie ihren eigenen, von dem sie sagt, er sei der Wortführer des deutschen Volkes.> Hergt ist der Wortführer des deutschen Volkes, aber gleich hinter ihm kommt Koenen. Nach öer Annahme. Varls, 11. Mai.(EE.) Wie die Dinge sich nach der Annahme des Ultimatums durch Deutschland gestalten werden, darüber teilt der..Intransigeant" folgendes mit: Der Vertreter Deutsch» l a n d s in Poris wird nunmehr ein Protokoll zur Ergänzung des Friedensvertrages zu unterzeichnen haben. General Rollet wird gleichzeitig der Deutschen Regierung eine Note überreichen. -in der der deutschen Regierung aufgetragen wird, Kavallerie und Infanterie bis zum 31. Mai zu entwaffnen, das Flug- und Marinewesen bis längstens Ende Juli abzubauen. Die inter- alliierte Kommission, die sich mit der Aburteilung der Kriegs- scbuldigen beschäftigt, wird in Berlin einen neuen Schritt unternehmen, um der Regierung Ratschläge für die Errichtung des Reichsgerichtes in Leipzig zu erteilen. Dieses soll seine Tätig- keit sofort aufnehmen. Die Botschafterkonferenz wird einen Gesamt- bcricht über die Verfehl un gen, die Deutschland sich gegen- über den Bestimmungen des Friedensvertrages zuschulden kommen ließ, verfassen. Die R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n soll neu o r- g o n i s i e r t werden. Die Kommission für die„Rückerstattung in Natura" wird eine beträchtliche Erweiterung erfahren» da man r- wartet, daß Deutschland sich strikte on jene Bestimmungen des ?/riedcnsoertragcs halten wird, die es ermächtigt, den Alliierten die Reparationen in Gestalt von Holz, Rohstoffen, Farbstoffen, phor. wazeutischen Produkten, Vieh. Maschinen und industriellen Produkten zu liefern. Bis zum Ende des Monats Mai wird die Repa- rationskomwission die Garantiekommission«msetzen, die ihren Sitz in Paris haben wird. Ihre Kontrolleure werden in ganz Deutschland umHerreisen und in den wichtigsten Städten sollen Zentralen errichtet werden. Die Mitglieder der Kommission werden aus neutralen und alliierten Fach- männern bestehen._ Llopö George verlieft öie Antwort. Londo». 11- Mai.(Reuter.) Lloyd George verlas im Unterhause die Antwort der deutschen Regierung auf das Ultimatum der Alliierten, in der die Forderungen der Alli- ierten bezüglich der Reparationen, der Garantien, der Entwaffnung und des Verfahrens gegen die Kriegsbeschuldigten bedingungs» los angenommen werden. Lloyd George sagte, er habe sofort allen beteiligten Regierungen telegraphiert, und fügte hinzu: Dies ist die vollständige Annahme aller Forderungen.(Lauter anhalten- der Beifall.) Tie deutsche Note überreicht. London. 11. Mai.(MTV.) Der deutsche Botschafter hat dem Premierminister heute 11 Uhr IS Minuten vormittags die deutsche Antwort auf das Ultimatum der Alliierten über- reicht. Die Note hat folgenden Wortlaut: Auf Grund des Beschlusses des Reichstags bin ich beauftragt, mit Beziehung auf die Entschließung der alliierten Machte vom S. Mai 1321 namens der neuen deutschen Regierung folgendes, wie verlangt, zu erklären: Die deutsche Regierung ist entschlossen: 1. ohne Vorbehalt oder Bedingungen ihre Verpflichtungen, wie sie bei der Reparationskommission festgestellt sind, zu erfüllen; 2. ohne Vorbehalt oder Bedingungen die von der Reparationskom- Mission hinsichtlich dieser Verpflichtungen vorgeschriebenen Ga- rantiemaßnahmen anzunehmen und zu verwirklichen; 3. ahne Vorbehalt oder Verzug die Maßnahmen zur Abrüstung zu Lanh, zu Wasser und in der Luft auszuführen, die ihr in der Note der alliierten Möchte vom 29. Januar 1921 notifiziert worden find, wobei die rückständigen sofort und die übrigen zu den vor» geschriebenen Zeiten auszuführen sind; 4. ohne Borbehalt oder Ver- zug die Aburteilung der Kriegsbeschuldigtsn durch- zuführen und die übrigen unerfüllten, im ersten Teile der Note der alliierten Regierungen vom 5. Mai erwähnten Vertragsbestimmungen auszuführen. Dieselbe Note ist nach Paris, Rom, Brüssel und Tokio gesandt worden. Ministerrat iu Pariö. Varl». 11. Mai.(TU.) Heute morgen Hot im Elys-e unter dem Vorsitz von Millerand eine Konferenz stattgesunden, an der der Ministerpräsident, die Meisten Minister sowie Marschall Fach Die Aeitungsnot vor öem Reichstag. In der gestrigen Sitzung des Reichstags stand zunächst ein An trag aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten auf Wahl eines 4. Vizepräsidenten für die Dauer der gegenwärtigen Session auf der Tagesordnung. Nach einen: persönlichen Zusammenstoß des Abg. Sckzulz- Bromberg(Dnat.) mit dem U. Soz. Dittmann sowie Bemerkun- gen der Abgg. Ledebour(U. Soz.) und B u.r l a g e(Z.) wird der Antrag einstimmig angenommen.— Auf Antrag des Abg. B u r l a g e(Z.) wird die Wahl sofort vorgenommen und Abg. Rietzer(D. Dp.) zum 4. Dizepräsidenten gewählt. Das deutsch-tschechische Abkommen betr. Ueber- leitung der Rechtspflege im Hultfchiner Lande wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen. Nachtrag zum Neichshaushaltsplan. Es folgt die zweite Beratung des Nachtrags zum Reichshaus- haltsplon(Beamtenbesoldung). Abg. Delius(Dem.) berichtet über die Beratungen des Aus- schusses. Abg. Morath(D. Vp.): Die A s s t st e n t e n p r ü f u n g ist völlig überflüssig. Der Redner begründet sodann einen Antra g. wonach, sobald die entsprechenden Kenntnisse bereits in früheren Prüfungen nachgewiesen sind, beim Ausrücken in Besoldungs- gruppe 7 eins nochmalige Prüfung fortfallen soll, ebenso soll die Ergänzungsprllfung bei allen Beamten, die eine zehnjährige Dienstzeit in Gruppe 6 zurückgelegt haben, wegsallen. Abgg. Druhn(Dnat.) und Schiffer(Dem.) sprechen sich ebenfalls für Beseitigung der Crgönzungsprüfung aus. Ein Regierunasverlreter ersucht um Ablehnung sämtlicher drei Anträge. Die Annahme der Anträge würde die ganze in langjährigen Verhandlungen mühsam zustandegekommene Besoldungsord- nung gefährden und die ganze Frage noch einmal neu auf- rollen. Ein fozialdemokrakifcher Antrag will diese Vergünstigung sogar auf die außerplanmäßigen Beamten und Bgamtenanwärter ausdehnen. Auch um Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages bittet die Regierung. Der R c i ch s r a t würde diesen Anträgen ohnehin nicht zustimmen. Abg. Steinkopf(Soz.): Durch den Hinweis auf die eventuelle Ablehnung durch den Reichsrat werden wir uns um so weniger bange machen lassen, als sich in dieser Frag« alle Parteien einig sind. Wir sind gegen die Annahme des Antrags der Deut- schen Volksportei. Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrage. Abgg. Schuldl(Dem.), Dreunig(U. Soz.) und Plöttner(Komm.) sprechen für Wegsall der Ergänzungsprüfung. Abg. Danlher(Bayr. Vp.): Mit Ausnahme des Antrags Morath, der nach unserer Ueberzeugung das einzig Annehmbare bringt, lehnen wir alle anderen Anträge als zu weitgehend ab. Abg. Hoch(Soz.): Nicht über die erfolgten Ausgaben, sondern über die bevorstehenden Ausgaben muß der Reichstag eine Ueberstcht gewinnen. Der Haushaltsplan muß künftighin dem Hause vor Weihnachten zugehen, der Nachtragsetat noch vor Pfingsten verabschiedet werden. Der Haushaltsausschuh war ein- stimmig der Meinung, daß die jetzige Wirtschaft nicht so weiter gehen könne. Vor allem muh bei der Behandlung solcher Anträge die Demagogie der Parteien ausgeschaltet werden und der Wettlauf um die Gunst der Beamtenschaft aufhören. Den einzelnen Parteien ist vom Ausschuß reichlich Gelegenheit zum Einspruch ge- geben worden, es hat aber niemand Einspruch erhoben. In der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, war es unmöglich, alle Beschwerden der Ange st eilten und Beamten zu prüfen, deshalb ist das jetzt eingeschlagene Berfahren von demagogischen Gründen diktiert. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Hoest«(Z.) und Onaah (D. Vp.) werden die Anträge Schiffer und Bruhn angenommen. — Der Nachtragsetat wird dann in zweiter und dritter Lesung on- genommen, die Ausführungsbestimmungen zum Be- soldungsgesetz gehen auf Antrag des Abg. Deiius(Dem.) au den Besoldungsausschuß. Die Preissenkung für Druckpapier. Es folgt die Beratung eines Antrags der Sozialdemokraten und bürg ersieh-m Parteien, der von der Regierung fordert: 1. Die Gestehungskosten für Zellstojs. Holzstoff und Zeitungsdruckpapier durch genügend zahlreiche und eingehende Re- Visionen festzustellen und zur Prüfung der Preise an Hand der Revistonsergebnisie einen Ausschuß einzusetzen, dem Mit- glieder des Reichstags, Reichsrats und Reichswirtschafrsrats sowie Vertreter der Zettungsverleger und der beteiligten Industrien in paritätischer Zusammensetzung angehören. 2. Hierbei feststellen zu lasse», ob eine Preissenkung etwa durch Kartellmaßnahmen behindert wird. 3. Das Zeitungsdruckpapicr in die Tarifklasse 8 ohne Er- Hebung eines Zuschlages für gedeckte Wagen zu verletzen. . 4. Um der deutschen Presse den Uebergang von der gebundenen zur freien Wirtschaft zu erleichtern, für drei Monate(April, bis Juni 1921) je S Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Abg. Drnho(Dnat.): Bei dem gegenwärtigen Preis von 3, SV M. für das Kilogramm Zeitungspapier kann das Zeitungsgewerbe nicht bestehen. Die Papierfabrikanten könnten billiaer liefern, wenn sie nicht durch Strafen ihres Kartells bedroht wären. Ich bitte um Annohme des Antrages. und General Weygand teilgenommen haben. Der Zweck der Konferenz war, die Maßnahmen zu prüfen, die für die Aus- führung der interalliierten Erklärungen vom S. Mai für den Fall der Annahme des Ultimatums durch Deutschland betreffend die Ausführung der Entwaffnungsmaßnahmen angeordnet werden sollen. Die Ausführung der finanziellen Maßnahmen ist ebenfalls besprochen worden.___ der»Temps" zur Regierung wirth. Varl«. 11. Mai.(EE.) Der„Temps" erwartet von dem neuen deutschen Kabinett bei gegebenen Gelegenheiten Beweise jenes ernsten Willen», die Forderungen der Alliierten zu erfüllen. Dazu werde dieses bald Gelegenheit haben, erstens in der Ent. waffnungsfrage und zweitens in der R ü ck z i e h u n g der angeblich nach Obers.chlesien entsandten Truppen. Wenn der für die Entwaffnung vorgeschriebene Termin nicht ein- gehalten werden wird, würde das beweisen, daß Deutschland dies nicht erfüllen will, und die Sanktionen würden in Kraft gesetzt wer- den. Das Kabinett hat auch die Aufgabe, den weiteren Einmarsch deutscher Truppen noch Oberschlesien zu verhindern. Die ober- schlesische Frage könne durch keinen Krieg gelöst werden. Wenn die nach Oberschlesien eingedrungenen Truppen Freischärler oder Deserteure wären, müßten die deutschen Reichsbehörden sofort gegen diese einschreiten. Könnten die deutschen Behörden aber kein Mittel finden, um diese Truppen zur Ordnung zu bringen, so wäre damit die Grundloge gegeben, daß die Alliierten Strafmaß- nahmen gegen Deutschland ergreifen könnten. Der „Temps" erklärt dann weiterhin, daß gegen die Regierung Wirth in Frankreich keine Boreingenommenheit oder ein son- dcrlichcs Mißtrauen herrsche. Di« Entschlossenheit der AWierlen müsse aber klar erwiesen sein, damit da» Sabtnett in der Lage fei, die Abg. Brandes(U.Soz.): Die Papierfabrikanten haben mit bem Kriege glänzende Geschäfte gemacht und verteilen Riesendioidenden. Dabei sind noch große Hinterziehungen sestgc- stellt, und zwar nicht nur in vereinzelten Fällen.(Hört, hört! links.) Das Druckpapier ist jetzt gegen den Friedenspreis um 1700 Proz. gestiegen. Die letzte Preiserhöhung erfolgte nach dem 1. April, obwohl der H o l z p r e i s seitdem gefallen ist. Gewiß sind auch Kohle und izracht teurer geworden, aber trotzdem rechtfertigt das solche Preise keineswegs.(Zuruf rechts: Löhne!) Ich wage es zu bezweifeln, daß die Löhne in der Papierindustrie feit vorigem Jahre gestiegen sind. Es gibt viele Papierindustrielle, die eine Forderung auf Lohn- erhöhung einfach als Unverschämtheit bezeichnen. Den Schaden dieser Preispolitik des Papiersyndikats, in dem nur ganz wenige Industrielle in Frage kommen, trägt die kleinere und mittlere Presie. Die Unabhängigkeit der ernsten polikischen Presse schwer gefährdet. weil sie die Kosten für Abonnements und Inserate nicht mehr er- höhen kann. Sie läuft Gefahr,-zum Nebenbetrieb großer Unter- nehmungen zu werden. Eine große Schuld trifft die verkehrte Politik des Reichswirtschaftsministeriums, dos den Kohlen- Preiserhöhungen zugestimmt hat. Wir lehnen es ab, zu- gunflen einer kleinen Gruppe von Interessenten die Allgemeinheit zu belasten. Nur die S o z i a l i s i e r u n g der Papierwirstchaft, wie sie unser Antrag verlangt, kann eine durchgreifende Besserung der Lage bringen. Abg. Eremer(D. Bp.): Wir verlangen eine Abschwächung der Inseraten st euer. Der Antrag sollte möglichst einsümmig angenommen werden, und auch die Regierung müßte dazu Stellung nehmen, um die ollgemeine Beunruhigung zu beseitigen. Zlbg. Sidow(Soz.): Es müssen unbedingt Maßregeln getroffen werden, um den fortwährenden Preissteigerungen Einhalt zu tun. Alle Parteien sind sich einig, daß die heutigen Papierpreise im gegebenen Zeit- punkt das Leben so vieler Menschen erschweren. Gegen die st a a t- liche Zuschußwirtschoft haben wir zwar auch Bedenken, aber es handelt sich hier um eine außergewöhnliche Lage, der zufolge sich der Ausschuß entschlossen hat. noch einmal einen Zu- schuß von der Regierung zu fordern. Der einzige Weg, der Abhilfe schaffen kann, ist die S o z i a l i s i e r u n g. Begünstigt wird sie durch den Umstand, daß gerade in der Papierindustrie hohe Gewinne abgeworfen werden, ferner, daß die Industrie keine zu große Aus- dehnung hat und daß die Zahl der Arbeiter eine geringe ist. Die wenigen Schwierigkeiten lassen sich gerode hier leicht überwinden. Auf andere Weise ist an eine Preissenkung nach der Lage der Tat- lachen nicht zu denken. Es haben zwar in den Verhandlungen mit den Fabrikanten alle Parteien m'.l der Sozialisierung gellebäugslk, aber es war wohl kaum mehr als eine platonische Liebeserklärung. Die Vorbereitungen für die Sozialisierung müssen sofort in Angriff genommen werden. Abg. Gersienberger(Bayer. Vp.): Für meine Person stehe ich der Sozialisierung nicht feindlich gegenüber, aber es muß erst ge- prüft werden, ob dadurch wirklich eine Besserung der Lage erzielt werden kann. Damit schließt die Aussprache. Die Anträge der Unabhängigen auf Sozialisierung des Papiergewerbes werden abgelehnt. Der bürgerlich-sozialdemotratische Antrag wird a n- genommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Präsident Löbe schlägt vor, die nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr abzuhalten. Es sollen Kleine Vorlagen und Bittschriften bc-. raten werden, und es soll die letzte Sitzung vor Pfingsten sein. Eingegangen sind schleunige Anträge der Kommunisten und Unab- hängigen auf Gewährung einer A m ne st i e für alle politischen Vergehen und Verbrechen, auf Aufhebung des Belage-' rungszustandes und der Sondergerichte und auf Zu- rückziehung der Sipo und Schupo aus Oberschlesien. Ein Antrag Schultz- Bromberg, als ersten Punkt auf die Tagesordnung für Donnerstag die Entgegennahme einer Regie- rungserklärung zu setzen, erledigt sich wieder durch den Hin- weis des Präsidenten Löbe, daß das Reichskabinett noch nicht voll- ständig gebildet sei. Die Abgg. Ledebour(U.Soz.) und Hossmann(Komm.) bean. tragen darauf, die Anträge betreffs Ausnahmezustand und Sonder- gerichte morgen auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. Müller-Franken(Soz.): Die sachliche Stellung zu den Anträgen behält sich meine Fraktion vor. Herr Hoffmann hat ober keinen Grund, der Regierung Vorwürfe zu machen, denn die Regierung, die er am meisten verehrt, ist gerade in dieser Beziehung lehr rückständig. Da wir aber solche Anträge, bei denen ß 48 der Reichsverfassung in Frage kommt, immer als schleunige betrachten, werden wir für die Beratung stimmen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Adolf Hoff mann(Komm), Ledebour(U.Soz.) und Petersen(Dem.) le h n t das Haus gegen die sozialistischen Parteien es a b, die Anträge auf die morgige Tages- ordnung zu setzen. Nach weiterer kurzer Debatte wird ein Antrag der bürgerlichen Parteien gegen die sozialistischen Stimmen angenommen, den Gesetz- entwurf über die K r i e g s d i e n st z e i t noch auf die Tagesordnung zu setzen. Schluß 6 Uhr. Aufgabe zu erfüllen, die es sich gestellt hat. Man wünscht nicht den Sturz der Regierung Wirth, sondern die Durchführung des Pro- gramms. Die Aufnähuie in England. London, 11. Mai.(EP.) Die englische Presse hat den Bericht von der Annahme der Forderungen der Londoner Konfe- renz durch Deutschland mit Genugtuung aufgenommen. Die Blätter betonen vor allem, daß durch die Annahme ein neuer Schritt in der Richtung der wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas ge- tan sei und daß die Stellung Englands gegenüber Frankreich ein festere» Fundament bekommen habe. LanÜtagsferien bis zum IS. Mai. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages beschloß, daß sick das HauS am Mittwoch bis zum 3 0. einschließlich vertagen solle. Der Präsident soll ermächtigt sein, im Falle der Dringlich» keit bereits vorher eine Sitzung einzuberufen. von dem englischen Besahungsgericht verurteilt wurde der kommunistische Landtagsabgeordnete Plenge. Er erhielt drei Monate Gefängnis wegen Verstoßes gegen di e Anordnungen der Bejatzungsbehörden. Plenge hatte während der Märzunruhen aufreizende Aufrufe veröffentlicht. Seine Immunität als preußischer Abgeordneter wurde von den Engländern nicht anerkannt. Die Angelegenheit hatte bereits in einem früheren Stadium den preußischen Landtag be'chäftigt, der aus prinzipiellen Erwägungen für die Jmmmntätsrechte der Abgeordneten im de- setzten Gebiet eingetreten ist. Der Reichspräsidea! hat an Dr. H e inz e ein Handschreiben gerichtet, in dem er ihm für seine Verdienste a!S stellvenrelender Reichskgnzler und Justizminifter dankt. Ein ähnliches Schreiben hat er auch on Dr. Simon» gerichtet. OewerMastsbewegung Aurückgefunüen. Der Bitterfelder Industriebezirk gehörte bisher zu den besten Domänen der kommunistischen Gewerkschaftszertrümmerer. In dieser Hochburg arbeiteten die Kommunisten mit fieberhafter Energie, die Betriebsräte in der„W i r t f ch a f t l i ch e n Räteorgani- fati o n" zusammenzuschließen, um über diesen Weg die Gewerk- schaften der kommunistischen Reichsgewerkschaftszentrale anzuglie- dern. Die WRO. hat sich inzwischen aufgelöst und der Oster- putsch hat ernüchternd gewirkt. Im letzten Jahre war es oft nur unter persönlicher Gefahr mög- lich, den gewerkschaftlichen Standpunkt in Versammlungen darzu- legen. Auch um die Zusammenfassung der Betriebsräte sind er- bitterte Kämpfe geführt worden. Aber die unausgesetzte Tätigkeit der Gewerkschaften ist nicht ohne Erfolg geblieben. Bereits im De- zember beschloß eine Volloersammlung der Betriebsräte mit 82 gegen 80 Stimmen, sich auf gewerkschaftlicher Grundlage zusammenzuschließen. Dieser Beschluß wurde von den Kommunisten sabotiert, Sonderkonferenzen im Bergbau und der Chemie fanden statt, um die Mehrheit wieder dem Rätelager zuzuführen. Es hat ihnen nichts genützt, je wütender die Kommunisten gegen die Ge- werkschaften arbeiteten, je mehr wendeten sich die Arbeiter, angeekelt von dem Treiben, ab. Nachdem nun die Neuwahlen der Betriebsräte statt- gefunden haben, stand in einer Vollversammlung am 27. April die Frage der Zusammenfassung erneut zur Debatte. In Frage kom- men in der Hauptsache die Betriebsräte des Bergbaues und der chemischen Industrie. Die folgende Entschließung wurde gegen eine Stimme angenommen: „Die unterzeichneten Vetriebsratsmitglieder verpflichten sich durch Namensunterschrift, die Richtlinien des Allgemei- nen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Afa als den Ausdruck des Willens der Gesamtheit der neun Millionen organisierten Arbeiter Deutschlands anzuerkennen und danach zu handeln. Desgleichen bekunden sie, nur nach den Bestimmungen des Gewerkschaftskongresses, Verbandsbeschlüsse und die vom Allge- meinen Deutschen Gewerkschaftsbund und der Afa herausgegebenen Richtlinien arbeiten zu wollen. Ebenso sollen die vom Betriebs- rätekongreß herausgegebenen Richtlinien und Beschlüsse als alleinige Richtschnur für die Betrie bsräte dienen. Sonderorganisationen zur Zusammenfassung der Betriebsräte erkennen die Unterzeichneten nicht an. Die Unterzeichneten erklären, daß nur Betriebsratsmitglied sein kann, der diese Verpflichtung unterzeichnet/ Diese Verpflichtung haben a ll e Betriebsräte unterschrieben. Eine einige Tage später stattgefundene Konferenz der Gruppe Bergbau hat e i n st i m m i g der Verpflichtung zugestimmt. Damit ist der Bruderkampf in den Gewerkschaften beigelegt; mögen auch anderorts die Kameraden einsehen, daß wir nur in alter Geschlossenheit vorwärts kommen können. Drohender Streik im Berliner Bahnhofsbuchhandel. Die Verkäufer der Firmen Georg Stille und Vereinigte Deutsche KioSk- und Berliner Trinkhallen G. m. b. H. hatten im Anschluß an den Nachtrag des Berliner Buch- handels-TarifvertrageS vom 7. April d. I. Verhandlungen in die Wege geleitet, die leider zu keinem annehmbaren Ergebnis geführt haben. Eine Mitgliederversammlung des Verkäuferpersonals reichte die Forderung ein, zu den jetzt geltenden Gehaltssätzen, die sich im Rahmen des Berliner Buchhandelstarifes halten, die W i r t s ch a f t s« beihi-lfe auszuzahlen, die dem Bureaupersonal und dem gewerblichen Personal der Firma gezahlt worden ist. Die Firmen ■werden sich bis zum Donnerstag mittag zu entscheiden haben, ob sie die berechtigten Forderungen ihrer Verkäufer annehmen. Borficht bei ausländische« Stellenangeboten! AuS Deutschland find Graveure, Kupferstecher, Plastiker und sonstige Arbeiter unter großen Versprechungen in die R e i ch S- druckerei Finnlands in Helsingfors in Stellung gegangen. Sie alle sind jedoch stark enttäuscht, da der Lohn bei der ungeheuren Teuerung nicht ausreicht. Ein Gesuch an die Direktion um Gehalts- zulage blieb unbeantwortet. Ein Direktor soll nun nach Deutsch- land kommen, um andere Arbeiter an Stelle der.Unzufriedenen� zu holen. Die Genossen warnen daher ihre Berufsangehörigen davor, etwaigen Stellenangeboten in Finnlands Reichsdruckerei, die recht verlockend erscheinen, zu folgen. Diese Warnung gilt für a l l e A r b e i t e r bei ausländischen Stellenangeboten. Der hohe Lohn, der dabei angeboten wird, besagt nichts; er ist ohne Kenntnis der Lebensmittelpreise in dem betreffenden Lande eine unbekannte Größe. Deshalb muß man sich bei seiner Organisation oder durch ihre Vermittlung über die Lebens- verhiMnifle eines fremden Sandes genau erkundigen. Erst dann kann man ungefähr beurteilen, ob der so hoch erscheinende Lohn einigermaßen ausreichend ist, und fich entschließen. Wer so leichtfertig ist, auf blauen Dunst hin inS Ausland in Stellung zu gehen, und sei es selbst nach dem gelobten Rußland, darf fich nicht wundern, wenn er geschädigt wird. Ein Jahr„Betriebsrätezeitung". Die.Betriebsrätezeitung� des ADGB. beendet mit der soeben erschienenen Nr. 12 ihren ersten Jahrgang. Den vielen Anfein- düngen zum Trotz hat das Blatt einen erfreulichen Auf- iI»D. Mgem. Zunktionärversammlung heute, Dounerstag, den 12. Mai, abeuds 7 Uhr, im Lehrervereins- hanS, Alexauderstr. 41. Tagesordnung: Die Zustimmung zum Entente-Ultimatum und Regierungsbildung. Nnr Mitgliedsbuch und Ausweiskarte legitimiert. Der Bezirksvorstand. s ch w u n g genommen. DaS ständige Wachsen seiner Auflage ist nicht nur ein Beweis dafür, daß die.Betriebsrätezeitung' das Blatt der Betriebsräte und aller jener Arbeiter ist, die es mit der Ausübung der durch die Revolution gewonnenen Rechte ernst nehmen, sondern auch daiür, daß sich in der Arbeiter- schaft immer mehr die Erkenntnis Bahn bricht, daß eifriges Studium der Betriebs- wie der Weltwirtschaft notwendig ist, um die kapitalistische Gesellschaft umzuformen in eine s o z i a l i st i s ch e. An der Vertiefung des ökonomischen Wissens der Arbeiter hat die„BetriebSrätezeitung* hervorragenden Anteil. Schwer und steinig ist der Boden, den fie zu bestellen hat. aber wir hoffen, daß die Saat, die fie ausgelegt hat, und noch in manchem Jahr ihres Bestehens auslegen wird, reiche Flüchte trägt zum Wohle der gesamten Arbeiterschaft. Die vorliegende Nummer enthält neben einem Rückblick wieder einen recht interessanten Inhalt. Ein Artikel beschäftigt fich mit der Gemeinwirtschaft, die„Wirtschaftliche Rundschau' bringt umfangreiche Daten vom amerikanischen Kontinent und eine Karte Südamerikas. Im übrigen enthält die Nummer eine Fülle von Beiträgen aus dem Gebiet Gesetz und Recht, die für jeden Betriebsrat wichtig sind. Die„Betriebsrätezeitung' kann bei jedem Postamt für 3 M. pro Quartal bestellt werden. ok. Die Buchbinder und Paplerverarbeiter protestierten am Mon- tag in den Kammersälen gegen die Amtsenthebung des Beooll- mächtigten Peter Kaspar, der durch den Antritt einer Reise nach Moskau und sein übriges auf diesem Reisewege liegendes Verhalten dem Verbandsvorstand Veranlassung zu seiner Maßnahme gegeben hat. In einer- längeren Entschließung wurde das Verhalten des Verbandsvorstandes,„welcher der Einladung des russischen Bruder- Verbandes und der Delegation zu ihrem Verbandstage solchen Wi- derstand entgegensetzt', verurteilt. Der Einladung soll auch jetzt noch Folge geleistet werden. Die Sattler, Tapezierer und Porkefeuiller Verfins hatten am Dienstag eine Generalversammlung im„Luckauer Hof'. In der vorhergehenden Generalversammlung hatten für die Posten des 2. besoldeten Vorsitzenden Stimmen erhalten: Blume