..r Nr. SSI ♦ SS.�tchegaag Musgabe E Nr. 109 Bezugspreis, SteWtai)tL30�9R.,tnonca. 10»— M. frei ms Saus, voraus zahidar. Post- bezug: Monatlich 10,— M. einschlgu- ftellunasgebülir. Unter Kreuzband für Deutschland, Dan?ig, das Saar- und Memclgebiet, loroie die ehemal» beut- ichen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27.— M. Post» bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- Marl. Kolland, Luxemburg, Schwedeu und die Schweiz. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilag«„Voll und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage �eimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozialdemokrat Setlto* Abend-Ausgabe Nevlinev VoMsblatt �zvpksnnig� Sluzetgeuprets, Die achtgespastene Nonoaietlleze», kostet 5,50 M„filetnc lklnzeigea' das lettgedruchte Wort ILO M.(zu. lässig zwei settgednickte Worte), sede« weile» Wart l.- M Stellengesuch, und Schlafstellenanzeigen da» erst, Wort U— M.» jedes weitere Wort 50 Pfg. Wort, über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. ffounlien-An- »eigen für Abonnenten Zeile 3,— M Die Preis» oerstehen(ich einschließlich Teuerurigszuschlag, Anzeigen für die nächste Nunune, müssen bis s Ahr nachmittag, im Hauptgeschäft, Berlin EW 68. Linden. ltraße S, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abend». Zentralorgan der fozialdetnokrati fchen parte, Deutfcblands Neöaktion und Expedition: SW 68, Lindenftr. Z Fernsprecher: Amt Mortnplah, Nr. ISI Sv— 1SlS7 Vorwärts-Verlag G.m.b.tz., SW 68, �indenstr.? Fernsprecher, Amt Morihplah, Nr. 117SZ-S4 Ententekonferenz mit deutkhlanö? Paris, 12. Mai. tE<5.) Der Lhefrcdakleur der„Chicago Tribüne", Henry Wales, schreibt heute, dag eine neue Sitzung des Obersten Rates wahrscheinlich noch vor dem 1. 3 um stattfinden werde. Daran werden sowohl die Vereinigten Staaten als auch Deutschland teilnehmen. Dabei sollen hauptsächlich die Iahlungsmodalitäten erörtert werden, die Räumung von Duisburg und die Regelung der oberschlesischen Frage. Die Konferenz wird entweder in Italien oder in Belgien slattfinden. Man spricht von Ostende oder Streso. h a r d i n g hak seinem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Konferenz möglichst in Italien stattfinden solle, da es ihm sonst unmöglich wäre, teilzu- nehmen und er doch dort mit Briand und Lloyd George zusammen- zutreffen wünsche. Paris, 12. Mai.(EP.) Nach Mitteilungen der Blätter sollen die in der Unigebung von Düsseldorf zusammengezogenen sechs französischen Divisionen hinter den Rhein zurückgezogen werden, sobald Deutschland ISO Millionen in Gold als Teilzahlung auf die abzuliefernde Goldmilliarde bezahlt hat. Englische Anerkennung. London, 11. Mai.(WTB.) Zu der Annahme der Bedingun- gen der Alliierten durch Deutschland schreibt„W e st m i n st e r G a- zette", die Lage sei jetzt sehr geklärt. Die Deutschen hätten das Vernünftigste und sozusagen Einzige getan, was sie tun durften. Die Besetzung des Ruhrgebiets würde für Deutsch- land eine Katastrophe bedeutet haben. Die Bedingungen der Alliierten hätten Deutschland eine Gesamtverpflichtung auf- erlegt, die sich weit in.die Zukunft erstrecke und deren höhe wahr- scheinlich weit autzerhalb der Zahlungsfähigkeit Deutschlands liege, wie der Zeitraum, in dem die Zahlungen geleistet werden mühten, außerhalb des Horizonts liege, bis zu dem die jetzigen Politiker sehen könnten. Ein großer Teil des Planes sei jedoch bedingt durch die Entwicklung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands, und die so- fortigen Zahlungen würden wohl für Deutschland nicht unmöglich sein. „P a l l Mall and©lobe" erklärt, das deutsche Nein habe sich unter fester Behandlung in das deutsche Ja verwandelt. Das deutsche Boll werde im großen und ganzen angesichts der Geschichte der letzten Krise einsehen, daß der Wille und die Macht der Alliierten eine Wirklichkeit seien. „S t a r" schreibt, wenn Absichten auf das Ruhr- gebiet bestanden hätten, so müßten sie jetzt, wo Deutschland die Bedingungen der Alliierten angenommen habe, aufgegeben werden. Der Friedensvertrag, der Deutschland so riesige Lasten auferlege, schaffe, wie Reichskanzler Wirth mit Recht gesagt habe, auch heilige Pflichten für die alliierten Regierunge«. Eine der ersten und dringendsten dieser Pflichten sei, dafür zu sorgen, daß Deutschland in der oberschlesischen Frage lair piay zuteil werde. Die Gerechtigkeit, das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung Oberschlcsiens und schließlich das Jnteresie der Alliierten forderten, daß dem Angriff der Polen entgegengetreten werde. Wenn Deutsch- land zahlen solle, so müsie es jetzt in Frieden gelassen werden, um im Schweiße seines Angesichts seine nationale und wirtschaftliche Neugestaltung durchzuführen. , Selbst das Northcliffe-Blatt„Evening News" nennt die Worte, mit denen Wirth im Reichstag die Notwendigkeit der An- nähme des Ullimatums der Alliierten begründete, fair. Frankreich rechnet. Paris. 12. Mai.(EE.) Der„Matin" betont heute, daß man bei dem in London geschlossenen neuen Abkommen zweifellos den Vorteil gehabt habe, nicht nur 2% Pro}, für die auszugebenden Schuldverschreibungen zu erhalten, sondern S Proz. plus 1 Proz. Amortisation. Das bedeute also eine Erhöhung der vorgeschriebenen Gebühren um 314 Proz. gegenüber dem Versailler Friedensvertrag. Ferner bedeute es eine Verbesserung zugunsten Frankreichs, daß die Reparationskommission die Zahlungsfristen und-Modalitäten nicht mehr abändern kann. Da die deutschen Schuldverschreibungen im Einvernehmen mit allen Alliierten ausgegeben werden, so bilden sie internationale Schuldscheine, die überall in Zahlung genommen werden.„Matin" verweist dann mit Genugtuung darauf, daß kein Soldat demobilisiert werden würde, ohne daß er durch einen anderen ersetzt werde, daß kein Geschütz ins Hinter- land abgeschoben werden solle. „H o m m e L i b r e" sagt: Am 1. Mai wird Deutschland nicht die Hand am Halskragen haben, ober wir Franzosen haben von Lloyd George graziös einen Fußtrit irgendwohin bekommen. Gustav Herve sagt in der„Bictoire": Wenn, was nach allem zu erhoffen fei, das neu« deutsche Ministerium seine ersten Ber- sprechungen halte, dann wäre es ehrenhaft und geschickt von Frankreich die drei Kohlenhäfen, die man als Sanktionen feit zwei Monaten besetzt halt«, zu räumen, ohne daß man von den Alliierten zur Räumung aufgefordert werde. „Journal des D c b a t s" schreibt: Man müsie strikte auf Erfüllung der Bedingungen bestehen und zu Handlungen schreiten, d. h. zur Besetzung des Ruhrgebietes, sobald das Reich sich unter irgendeinem Borwande seinen Verpflichtungen entziehen wolle. Das Varlt«? Kabinett könne nicht die materielle Unmöglichkeit vorschützen, die vorgesehenen Reparationen zu bezahlen, denn«s habe noch keine einzige innere Anleihe aufgelegt. „Intransigeant sagt: Man müsie sich bemühen, Deutschland nicht nach dem zu beurteilen, was es tu«, sondern nach dem, was es tun werde. Jacque Bamville sagt in der„Llberte", die Annahme im Reichstage fei nur erfolgt, um ein größeres Uebel zu oermeiden, mit Hintergedanken, um Zeit zu gewinnen. Er frage, was Frankreich dabei gewonnen habe. Darüber wolle er in 6 Wochen sprechen. Marcel Sembat schreibt im„P o p u l a i r e": Briand hob« mobilisiert, um den Chauvinisten zu gefallen: Hoffentlich werde er sich nicht durch die Notwendigkeit sie zufriedenstellen, zu gefährlichen Maß- nahmen treiben lasien. Alle überlegenden Leute seien davon über- zeugt, daß der einzig vernünftige Weg der sei.«in Ab. kommen mit den Deutschen zu suchen: sie seien glitzklich, daß der nicht wieder gutzumachende Fchler der Besetzung des Ruhrgebietes verhindert worden sei. Wolle man nun etwa die Gelegenheit zu neuen Fehlern suchen? Bainville schreibt in de?„Acti on franyaise", daß die An- nahm« des Ultimatums unter Bedingungen erfolgte, die keine Garantien gäben. Man werde das bald bemerken. Geteilte Aufnahme in Belgien. Brüssel, 12. Mai.(TU.) Der Bericht über die Annahme des Ultimatums hat in politischen und selbst in sozialistischen Kreisen Genugtuung hervorgerufen.„£e P e u p l e" sagt, wenn Deutschland den guten Willen beweist und es sich über kurz oder lang herausstellt, daß es die ökonomischen Bedin- gungen nicht ausführen kann, ohne Selbstmord zu begehen. dann wird von den Regierungen der Entente sicher auch der Wirklich- keit Rechnung getragen werden. „Bolksgazette" sagt, nach der Unterzeichnung müßten Ber- Handlungen stattfinden, die zu normalen Verhältnissen führen müßten und internationale Anleihen möglich machen.„Nation b e l g e" sieht in der Kapitulation der Deutschen vor allem eine Niederlage des sozialistischen Ministers Bandervelde und einen Triumph Iaspars. Genugtuung in Amerika. London. 12. Mai.(EE.)„Daily Telegraph" meldet aus New Dork, daß die Washingtoner Regierungskreise ihrer tiefen Ge- n u g t u u n g Ausdruck geben, daß Deutschland die Forderungen der Entente annahm. Senator Lodge, der Präsident der Kam- Mission für auswärtige Angelegenheiten, erklärte, daß damit ein wichtiger Schritt zur Regelung der Angelegenheiten der ganzen Welt erfolgt sei. In gewisien Kreisen glaubt man, daß die An- nähme des Ultimatums durch Deutschland die A b st i m m u n g über die Resolution Knox zur Folge haben werde. In anderen Kreisen wird allerdings erklärt, daß die Abstim- mung über diesen Antrag neuerdings vertagt werden solle, da man erst die Berichte der Vertreter Amerikas in den i n t e r a l l i- ierten Körperschaften abwarten wolle. Man nimmt auch in Amerika an, daß die Berliner Regierung einsehen werde, daß jeder Versuch, die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages zu umgehen, durch die Haltung Amerikas bekämpft werden würde. Dadurch sei ein sehr wichtiger Faktor für die Wisd er Herpel- lung des internationalen Friedens geschaffen. Hapern unter französischem Protektorat! Paris, 12. Mai.(EE.) Der Berliner Korrespondent des „Journal" teilt mit, daß man allen Anlaß habe zu glauben, die Ver- treter Bayerns würden in direkte Verhandlungen mit Frankreich eintreten. Es ist wahrscheinlich, daß Dr. Heim selbst beauftragt werden wird, Frankreich den Wunsch der bayerischen Re- gierung bekanntzugeben. Diese hat die Absicht, die Einwohnerwehr unter die dauernde Kontrolle der Franzosen zu stellen und dafür gewisse Garantien zu geben. Sforza tritt zurück. Paris, 12. Mai.(EE.)„Seccolo" meldet: Graf Sforza teilte Giolitti, nachdem er ihm über das Ergebnis der Londoner Konferenz Bericht erstattet hatte, mit, daß er sein Amt niederlegen müsie. Giolitti bat Ssorza, diese Absicht bis zur Eröffnung der Kammer aufzuschieben. Graf Sforza dürfte wahrscheinlich nach seinem Rücktritt als Außenminister der Nachfolger des italienischen Botschafters in Paris Grafen Bonin Longare werden. Die Streiklage in' England. London. 12. Mai.(EP.) Die Lage des Bergarbeiterkonflitts ist durch die neue KriseimTransportbetriebe höchst ernst � geworden. Das Vollzugskomitee des Transportarbeiterverbandes hat die Verschärfung des Embargo auf dem Kohlentransoprt be-l schlosien. Eine gleiche Maßnahme steht seitens des Pollzugs- komitees des Eisenbahnverbandes bevyr. Die Hafen- arbeiter in Hull haben die Löschung der Kohlen eingestellt. Ein Tell der Arbeiter hat sich dem Einfluß seiner Führer entzogen und handelt auf eigene Faust. Inzwischen breitet sich der Streik i auch ans die elektrischen Hilfsbetriebe aus. I Die Unabhängigen haben am kritischen Dienstag ihren Eintritt in eine Regierung, die mit bürgerlichen Parteien zu- sammen gebildet wird, abgelehnt, aber ihre Bereitschaft aus- gesprochen, mit der alten Sozialdemokratischen Partei zu- sammen eine Regierung zu bilden. Der Wert dieses Bekenntnisses zur Zusammen- geHörigkeit und die Anerkennung der Tatsache, daß die Sozialdemokratie doch etwas anderes fei als die bürger- lichen Parteien, sollen nicht unterschätzt werden. Nach einer Periode so heftiger Kämpfe innerhalb der Arbeiterbewegung haben sie ihre weit in die Zukunft hinausreichende Bedeutung. Praktisch konnte jedoch der Vorschlag der Unabhängigen unter den gegenwärtigen Umständen nicht in Betracht kom- men. Das gemeinsame Ziel— rechtzeitige Annahme des Ulti- matums, um den französischen Vormarsch aufzuhalten— konnte nur erreicht werden, wenn innerhalb weniger Stunden die Bildung einer Annahmeregiemng gelang. Der Vorschlag der Unabhängigen forderte Verhandlungen mit den Vorständen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes und der Afa, die zu führen bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ganz unmöglich war. Mit diesen Verhandlungen allein war es aber noch nicht getan. Sollte die Annahmserklärung Gültigkeit haben, so mußte sie von einer Regierung abgegeben werden, die eine Reichstagsmehr- heit hinter sich hatte. Sozialdemokraten und Unabhängige bilden aber nur eine Minderheit. Verhandlungen über den Zutritt einer bürgerlichen Partei wären zeitraubend und aus- sichtslos gewesen. Darüber hinaus kann keine Regieruna ein Gesetz' durch- bringen, wenn sie keine Mehrheit hinter sich hat. In Sachsen kann die sozialistische Regierung nichts, selbst nichi die Bewilligung der Ministergehälter, durchsetzen ohne die Unterstützung der Kommunisten— gewiß kein idealer Zu- stand. Im Reich würde auch der Zutritt der Kommunisten noch lange nicht zur Bildung einer Mehrheit ausreichen. Die sozialistische Regierung bätte also auch nach der An- nähme des Ultimawms keinen Schritt tun können ohne die Hilfe einer bürgerlichen Partei. Um welchen Preis wäre diese Hilfe wohl zu haben gewesen? Eine Teilnahme dieser bür- gerlichen Partei an der Regierung hätte nicht' zugestanden werden können, denn das wäre dann ja wieder eine Koalition mit einer bürgerlichen Partei und keine rein sozialistische Re- gierung gewesen. Man hätte also der bürgerlichen Partei sagen müssen:„Die Ministerposten besetzen wir, unter den Linden dürfen wir uns nicht grüßen, aber sonst wollen wir euch schon im stillen die notwendigen Zuge- st ä n d n i s s e machen, damit ihr uns unterstützen könnt."— Wir glauben nicht, daß die Unabhängigen beabsichtigten, mit einer bürgerlichen Partei auf dieser Grundlage zu unterhan- dein. Wir würden es gewiß nicht tun, und eine bürgerliche Partei als Partner in diesem Spiel würde sich gewiß nicht finden. Eine Regierung, die nur aus Sozialisten besteht, aber ohne bürgerliche Hilfe nicht regieren kann, wäre eben keine „rein sozialistische" Regierung. Sie würde einen Zustand vor- täuschen, der nicht besteht und im Gegensatz zu Lassalles be- rühmter Lehre etwas aussprechen, was nicht ist. Sie würde aber allein die Verantwortung tragen, auch die Verantwor- tung für ihre tatsächliche Machtlosigkeit, für ihre schamhaft ver- steckte Abhängigkeit von den Bürgerlichen. Das heißt, sie würde für das, was getan werden muß, wie für das, was nicht getan werden kann, die Prügel einzustecken haben. Und das wäre auch der verdiente Lohn für die Anmaßung einer bloßen Schein macht. ck Statt eine sogenannte„rein sozialistische Regierung" zu bilden, die von der Gnade einer bürgerlichen Partei abhängig wäre— vorausgesetzt, daß sie diese Gnade überhaupt fände—, ist es sicher viel richtiger, den Anhängern der sozialistischen Parteien zu sagen, daß die bestehenden Machtver- h ä l t n i s s e die Bildung einer rein sozialistischen Regierung ebensowenig gestatten, wie die längere Dauer einer rein bür- gerlichen Regierung. Die Teilnahme der Sozialdemokratie an Regierungen, die mit bürgerlichen Parteien zusammen ge- bildet werden, ist daher eine gewiß wenig erfreuliche, aber nicht zu umgehende Notwendigkeit. Die Unabhängigen haben gegen die Koalitionspolitik der Sozialdemokratie einen jahrelangen erbitterten Kampf geführt. Heute sind sie selber froh darüber, daß die alte, von ihnen so scharf befehdete Koalition wiederhergestellt ist, ohne deren Wiederherstellung, so gewiß zweimal zwei vier ist, die F r a n- zosen heute im Ruhrrevier wären. Koalitionen haben indes den Vorzug, daß sie nicht für die Ewigkeit bestimmt sind. Das Ziel, einmal die Alleinherrschaft einer einigen starken Sozialdemokratischen Partei im Reiche herbeizuführen, besteht auch für uns. Aber dieses Ziel ist weder durch taktische Künstelei, noch durch Vergewaltigung der Tatsachen zu erreichen, sondern nur dadurch, daß man die Dinge ausreifen läßt. Im Augenblick fehlen für eine rein sozialistische Regie- rung alle Voraussetzungen. Es fehlt die starke Volksmehrheit. auf die sie sich stützen kann, es fehlt der weit ausgebrestete Prefseapparat, der sie trägt, es fehlt aber auch, offen heraus- gesagt, die Möglichkeit, im sozialistischen Sinne das zu leisten, was man von einer rein sozialistischen Regierung verlangen kann. Deutschland steht unter dem allerstärksten äußeren Druck einer Allianz kapitalistischer Staaten, denen es mit unermeßlichen Beträgen als Schuldner verpflichtet ist. Die wichtigste Aufgabe einer deutschen Regierung ist es heute, für ein Kapital, dessen Größe alle Borstellungsmöglichkeiten übertrifft, Zinsen und Tilgungsraten herbeizuschaffen. Das ist gewiß keine„rein sozialistische" Regierungsaufgabe. Hinter sie müssen aber alle anderen Aufgaben zurückgestellt werden, auch solche, die selbst von bürgerlichen Sozialpolitikern unter glücklicheren Umständen als unaufschiebbar anerkannt würden. Nur eine völlig veränderte Weltlage könnte einer sozia- listischen Regierung freie Bahn für ihre Arbeit schaffen. Könnte sie selbst eine solche Veränderung herbeiführen? In Frankreich stehen die Berhältnisse in dieser Beziehung für absehbare Zeit trostlos, auf Englands insulare Ab- geschlossenheit würde Deutschlands Vorbild ohne Wirkung bleiben, in Amerika aber ist man geneigt, jeden Syzial- demokraten als einen Bolschewik anzusehen. Auch als Opti- mist muß man sich sagen, daß die Aufräumung des Dickicht draußen in der Welt zum mindesten jahrelange Arbeit'erfor- dern würde. In diesen Jahren hätte die rein sozialistische Regierung sich gegen den wütenden Ansturm ihrer kapita- listischen Gegner zu behaupten und stände sie zugleich vor der Notwendigkeit, ibre Anhänger durch das Maß des Erreichten zu enttäuschen. Mit ihrem Anhang würde sie aber auch ihre Macht dahinschwinden sehen. Bleibt also die rein sozialistsiche Regierung das Ziel, so gebietet doch die Aufrichtigkeit zu sagen, daß zu seiner äugen- blickllchen Verwirklichung alle Voraussetzungen fehlen. Soweit sie nun durch Zeitablauf und Weiterentwicklung zu erreichen sind, muß die schwere Kunst des Wartens geübt werden. soweit sie durch menschlichen Willen zu schaffen sind, müssen sie geschaffen werden. Die erste Voraussetzung aber, die durch menschlichen Willen geschaffen werden kann, ist die, Wiederherstellung einer starken, einigen Sozial- demokratie, die dem kommunistischen Wirrwarr und der Zersetzung der Arbeiterbewegung ein Ende bereitet. Mie's trefft. Der Sozialdemokratie ist es nicht möglich, es den übrigen Parteien rechtzumachen. Tritt sie in die Regierung ein, so „drängt sie sich nach der Futterkrippe." Bleibt sie der Regierung fern, so„d r L ck t s i e s i ch u m d i e V e r- antwortun g". Von den Agitationsmethoden der Deutsch- nationalen ist nichts anderes zu erwarten, daß aber auch das Zentrum dieses demagogische Spiel mitmacht, muß gerade im gegenwärtigen Augenblick befremden. Wir erwähnten schon, daß gestern der Abg. Brust im Preußischen Landtag von der„Futterkrippensehnsucht der Sozialdemokratie sprach, er, der Vertreter einer Partei, die bisher nach in jeder Regierung seit Aufrichtung der Demo- kratie war. Umgekehrt macht es die„Zentrumsparlcmentskorrespon- denz". In einem Artikel über die preußische Regierungsfrage schreibt diese: „Es ist auffallend, daß die Sozialdemokratie fast ein ganzes Jahr den bürgerlichen Parteien im Reichstage die Art und Ver- antwortung seelenruhig überlassen hat und aus rein parteitoktischen Motiven in Opposition trat. In Preußen, wo die Sozialdemokraten durch einen Austritt aus der Negierung vielzuverlieren hatten, dachtensieimvorigenIahre gar nicht daran, aus dem Kabinettwedssel im Reiche auch in Preußen die Konsequenzen zu ziehen. Im Reiche sich an der Arbeit und Verantwortung vorbeizudrücken, in Preußen aber herrschen!" Der Sozialdemokratie im gegenwärtigen Augenblick den Vorwurf zu machen, daß sie sich im Reich um die Verant- wortung herumdrücke, zeigt ein so glänzendes Verständnis Schlagfertigkeit. Don Fritz Müller, Chemnitz. Redner: In dieser wichtigen Frage-- Zwischenrufer:-- will heutzutage jeder Esel sprechen« Zurufe: Unerhört!— Nicht gefallen lassen!— Schmeißt den Kerl rausl Redner: Wenn ich recht gesehen habe, dann ist der Herr, der diesen Zwischenruf machte, derselbe Herr, der sich als zweiter Redner an der Aussprach« beteiligte? Zurufe: Jawohl! Redner: Da ich in der Frage, über die ich mich in meinem Vortrag verbreitet habe und zu der ich mir im Schlußwort noch einige Bemerkungen gestatten möchte, Fachmann bin, kann ich den Ausdruck Esel nicht auf mich beziehen. Zurufe: Man hat Sie aber damit gemeint! Redner: Das glaube ich nicht. Sie haben doch meine Aus- führungen gehört und wohl bemerkt— ich will durchaus nicht protzen—, daß ich von der Sache etwas verstehe. Zurufe: Allerdings! Redner: Der Herr Zwischenrufer hat aber, als er sich an der Aussprache beteiligte, nicht gerade bewiesen, daß er von der Sache viel versteht, l Zurufe: Gar nichts versteht er!— Das war großer Quatsch! Redner: Da kann ich seinen Zwischenruf, in dieser wichtigen Frage wolle jeder Esel mitsprechen, nicht anders aufsassen, als efn— Selbstbekenntnis!(Große Heiterkeit.) Goekhe-Sabokage. In der guten alten Zeit vor dem Welt- triege stellte einst ein Gymnasiallehrer seinen Obersekundanern das Aufsatzthema zur Behandlung:„Ueber die Beinstellung der Hohenzollern in der Siegesalle." Das wurde ruch- bar, die Presse aller Richtungen brach über diese Ausgeburt ober- lehrerhafter Themenschöpfung in ein schallendes Gelächter aus. Auch die vorgesetzte Schulbehörde fühlte sich veranlaßt, jenen Sekunda- Herrscher auf das Ungeeignete des von ihm phantasiereich erdachten Themas zu verweisen. Es gab wohl eine kleine Rase. Di«— sagen wir— Eigenart der Herren, die cm unseren Gym- »asien die Themen der Aussätze zu geben beruflich beflissen sind, scheint jedoch keine Einbuße gelitten zu haben. Vor wenigen Wochen wurde an einem Berliner Gymnasium bei der Abiturientenprüfung das Thema zur Behandlung gestellt:„Goethe als Nach- ahmer der Griechen im Epos und Drama." Goethe als Nachahmer! Wir hatten bisher angenommen, daß Goethe ein„Eigener" war. Möglich wäre es ja allerdings, daß der Themensteller hier unter„Nachahmung" lediglich den Einfluß des Griechentums auf Goethe und sein Schaffen meinte. Aber hätte sich denn nicht ein« geschicktere Fassung des Themas finde» lassen?. der positischen � Situation, daß wir mit einigem Erstaunen fragen, welchen hervorragenden Geistern das Zentrum die Anfertigung seiner ofsiziösen Korrespondenz überläßt. Offenbar stich es Leute, die noch nicht einmal den Unterschied zwischen der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei kennen. Dieses Doppelspiel mit„Futterkrippe" und„Drückers um die Verantwortung" zeigt aber eins deutlich: Es gibt m den bürgerlichen Mittelparteien gewisse Leute, die meinen, die Soziachemokratis sei zu nichts anderem da, als dort in die Regierung zu gehen, wo die Herren Bürgerlichen ohne sie nicht weiterkönnen und bescheiden abseits zu stehen, wo man zur Not auch ohne die Sozialdemokratie fertig zu werden glaubt. Wir haben schon einmal mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß für diese Magdsrolle die Sozialdemo- kratie sich nicht mißbrauchen lassen wird. Max läßt sich Lump titulieren. In der„Deutschen Zeitung" läßt deren Chefredakteur Max Maurenbrecher einen sicheren Otto von Schilling schreiben, der nach gemeinsten Beschimpfungen des Reichstages die gewohnten antisemitischen Töne bläst. An allem sei nur die Der- judung des deutschen Volkes schuld, die v. Schilling folgendermaßen schildert: In zäher, unermüdlicher Arbeit mußte deswegen alles daran gesetzt werden, daß keine deutsche Einigkeit zustande kam bzw. die vorhandenen Ansätze zur Einheit wieder zerstört wurden. Diese Bemühungen, deren erste unbestreitbare Errungenschaften mit dem Namen der Juden Marx und Lassalle ver- knüpft sind, haben im Laufe der Jahre Erfolg gezeigt, die geradezu staunenswert sind. Die 221 Reichstagsabgeordneten, die in der Nacht auf Mittwoch ihre Stimmen für das jüdische Geschäft und gegen die deutsche Ehre(wir polemisieren gegen derartige Niedrig- keiten nicht. Red. d. V.) abgegeben haben, sind ein einwandfreier Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung. Run aber kommt v. Schilling zu der Ausfassung, daß die Schlimmsten nicht die Juden, sondern die verjudeten Deut- s ch e n seien. Wir vzollsn uns möglichst kraß ausdrücken, um unter keinen Umständen mißverstanden zu werden. Auch nack) deutscher Auf- fassung kann es anständige, gute und ehrenhafte Juden geben, oerjudete Deutscheft!nd jedoch immer Lumpen. Als Urheber der deutschen Verjudung waren oben Marx und Lassalle bezeichnet worden. Run erinnern wir uns eines ge- wissen Max Maurenbrecher, der nicht nur jahrelang selber die Lehren von Marx und Lassalle verkündet, sondern sogar noch als Chefredakteur der„Deutschen Zeitung" Lassalles Andenken in Ehren gehalten hat. Nach der Definition v. Schillings wäre daher Max Maurenbrecher zu den verjudeten Deutschen zu rech- nen, die„immer Lumpen sin d". Daß ein lLieftedatteur in seinem eigenen Blatt sich Lump titu- lieren läßt, dürfte ein selten dagewesene» Beispiel deutschvölklscher Ueberzeugungstreue sein. Wir gratulieren zu dieser Märtyrertat! Stuöentenehre. Das„B. T." veröffentlicht einen Prozeßbericht aus Gießen, der ein bezeichnendes Licht auf das Heldentum antisemitischer Couleur-Studenten wirft. An der Universität Gießen geben sich die deutschnationalcn Verbindungen alle Mühe, ihren jüdischen Kommilitonen das Dasein zu verekeln. Bei der geringen Zahl der letzteren gehört natürlich ungeheurer Heldenmut dazu, diese bei jeder Gelegenheit zu hänseln. Setzt sich dann einer der Angegriffenen zur Wehr, dann verurteilen die Gerichte nicht etwa die Beleidiger, son- dern den Juden, der seine Ehre verteidigt hat. Ein Student Falken st ein, der einer jüdischen Verbindung angehört hat, war von einem antisemitischen Studenten Otto Jung in öffentlichem Lokal wegen seines Glaubens gehänselt worden. Er forderte nsch studentischer Sitte oder Unsitte den Beleidiger zum Zweikampf, dieser lehnte jedoch mit höhnischen Bemerkungen ab. Wir verurteilen das studentische Duellunwcsen auf das schärfste, aber dieser Vorgang ist doch charakteristisch, weil von den Antisemiten den Juden stets der Vorwurf gemacht wird, daß sie feige wären und „kniffen". Als der Beleidigte keine Satisfaktion erhalten konnte, gab er seinem Gegner einen Schlag ins Gesicht. Darauf verurteilte ihn Ueberdies— einer der Examinanden, der das gestellte Thema in jenem Sinne behandelte, der also unter„Nachahmung" nur die Einwirkung griechischen Geistes auf Goethes Schaffen verstand und in diesem Sinne das Thema ausführte» erhielt für seinen Aussatz eine sehr mangelhafte Note und überdies die Bemerkung:„Thema falsch aufgefaßtl" Demnach scheint man an jener Lehranstalt Goethe tatsächlich nur als„Nachahmer" werten zu wollen. Diese bemerkenswerte Auffassung der gymnasialen Literatur- lehrer eröffnet interessante Ausblicke. Vielleicht wird demnächst in einem Abiturientenaufsatz auch einmal„Schiller als Geschichts- falscher" unter die kritische Lupe genompren, weil er die Jungfrau von Orleans eines ganz anderen Todes sterben läßt, als die Ge- schichte zu berichten weiß: vielleicht auch„Schiller als Verherrlicher des Beamtenmordes'(siehe Wilhelm Tell), ober„Lessing als ver- rohter Kritiker" usw. Bemerkenswerterweise hat auch das Pro. vinzial-Schulkollegium, dem die Themen der Abiturientenaussätze zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden müssen, sich mit jenem Thema und dessen eigenartiger Fassung einverstanden erklärt. Meine Herren Oberlehrer, Studien- und sonstig« Räte! Unsere Klassiker und die erfreuliche Schätzung, die diese trotz des Weltkrieges noch immer in der Welt aenießen, gehören zu dem Wenigen, das uns noch geblieben ist. Sie sehen Ihre Aufgabe zweifellos nicht darin, diesen Schatz zu mindern. Bitte leine Klassiker. s a b o t a g e I V/.— kr. Sebastian kneipp. Wenn Professor Jäger, der Stuttgarter Wollapostel, den Grundsatz:„Wer weise, wählt Wolle" zum Dogma einer die Menschheit beglückenden neuen Heilslehre erhob, so hat Sebastian Kneipp, der heilkundige Pfarrer von Wörishofen, dessen Geburtsiag sich am 17. Mai zum hundertsten Male jährt, die leidende Menschheit zum Barfußgehen im Grase bekehrt, wie es früher be- sonders am Walpurgistage von Gelähmten geübt wurde. Sebastian Kneipp, in Stefansried bei Ottobeuren in Bauern geboren, hatte das Weberhandwerk erlernt und auch bis zu feinem 21. Lebens- jähr ausgeübt. Erst dann entschloß er sich zum Studium der katho- tischen Theologie, dem er in Dillingen und München oblag. In der Studienzeit war er durch eine persönliche Erkrankung zu seinem Verfahren der Wasserbehandlung geführt worden, dessen am eigenen Körper erprobte Wirkung er dann auch bei der Behandlung anderer bestätigt fand. Der Erfolg ermutigte ihn, sein Verfahren zu einem System auszubauen, das er in seinen oft aufgelegten und in viele Sprachen übersetzten Hauptwerken„Meine Wasserkur" und„So sollt ihr leben" ausführlich beschrieben hat. Daneben trat Pfarrer Kneipp auch für den Ersatz des seiner Meinung nach sehr schäd- lichen Kaffees durch ein von ihm hergestelltes Surrogat ein, das aus mit Zucker überzogener, schwach gemälzter und mäßig gebrannter Gerste besteht. Kneipp starb in Wörishofen am 17. Juni 1897. vrahklose» Zerngespräch. Ein sehr interessanter Versuch auf dem Geviete der drahtlosen Telephonie� wurde unter Mitwirkung der Marconi-Gesellschoft zwischen Santos und South- w a r k gemacht.'Zwei Journalisten hielten ein Gespräch von S0 Minuten miteinander und konnten sich vorzüglich verständigen. Da» Experiment wurde aus ein« Entfernung von 125 See» meilen unternommen, das Schöffengericht Gießen wegen„hinterlistigen klefrer« falls" zu vier Wochen Gefängnis! Das Landgericht kam zu der Ueberzeugung, daß ein hinterlistiger Ueberfall nicht vorliege, erkannte aber wegen einfacher Körperverletzung auf 500 M. Geldstrafe. Der beleidigte jüdische Student hat jahrelang im vordersten Schützen» graben gelegen und zahlreiche Kriegsauszeichnungen erhalten. Dies war der„Dank des Vaterlandes". In einem zweiten Fall hatten nicht weniger als fünf Burschenschafter denselben Studenten Falkenstein, als er sich in Begleitung einer Dame befand, erst öffentlich beleidigt und dann, als er sich zur Wehr setzte, so barbarisch mit Stöcken mißhandelt, daß ihm das Nasenbein zertrümmert wurde und er schwere Ver- letzungen erhielt. Auch in diesem Fall hatte das Schöffengericht den angegrissenen jüdischen Studenten wegen„hinterlistigen Ueber- falls" zu 2S0 Mark Gechstrafe, die fünf Angreifer dagegen zum Tell zu geringeren Strafen verurteilt. Das Landgericht sprach als Be- rujungsinstanz Falkenstein frei. Man weiß in diesem Falle nicht, ob man mehr den Heldenmut der antisemitischen Jünglinge oder die richterliche Unbefangenheit des Schöffengerichts bewundern soll. Deutscknationaler Telephonklatsch. Hermann Müller schreibt uns: „Die„Deutsche Zeitung" bringt in ihrer Nr. 215 vom 11. Mai 1921 an Stelle des Leitartikel» eine Zuschrift eines Deusschösterreichers namens Luck-Lotzmann mit der fetten Ueberschrift:„Hermann Müller und der Versailler Frieden". Herr Luck-Lotzmann will im Rovem- der 1919 als Mitglied einer Deputation Reichsdeutscher aus Oester- reich bei mir im Auswärtigen Amt gewesen sein. Während der'Le- sprechung soll ich telcphonisch angeblich zu Eduard Bernstein gesagt haben, daß er. in London den Leuten dringend nahelegen möchte, auf eine Verfolgung der Kriegsverbrecher zu verzichten, denn sonst beginne bei uns der nationalistische Rummel und dann würden u n» serem Volke die Augen über die Schrecken des Ver- sailler Vertrags aufgehen. Trotzdem Herr Luck-Lotzmann dieses angeblich von ihm aufgefangene Telephongespräch nach ändert. halb Iahren wörtlich wiedergeben will, mußte ich im Interesse der Wahrheit die„Deussche Zeitung" auf Grund des Z 11 des Preß- gesctzes ersuchen, festzustellen, daß die mir in den Mund gelegten angeblich an Eduard Bernstein gerichteten Ausführungen unwahr sind." Soweit Gen. Hermann Müller. Der Blödsinn der all- deutschen Behauptung richtet sich von selbst. Die„Schrecken des Versailler Vertrags" waren im November 1919 jedem Deutschen bekannt, die angebliche Aeußerung,„dann würden unserem Volke usw." ist ganz unsinnig und entspringt alldeut- scher Bierphantasie. Richtig ist von dem Ganzen nur, daß Gen. Hermann. Müller als Minister des Auswärtigen den Verzicht auf die Auslieferung der Kriegsverbrecher durchgesetzt hat. Der Luck-Lotzmansche Schwindel ist der alldeutsche Dank dafür._ Vuttes Schwinöel. Wie wir- bereits berichteten, hatfe das Abendblättchen des deussch- nationalen Abgeordneten W u l l e(„jede Nummer ein politisches Er. eignis") die Behauptung aufgestellt, daß der Chef der mecklenburgi- scheu Sicherheitspolizei, Oberst Lange, in einer„Sitzung des Aktionsausschusses der Roten Armee" vom 27. Dezember 1920 zum Führer der Roten Armee bestellt worden sei. Diesen fetten Bissen konnte sich die volksparteilichs„Mecklenburgische Zeitung" natürlich nicht entgehen lassen. Sie muß nun folgende Erklärung des Obersten Lange bringen: Mir Ist von der ganzen Angelegenheit nichk das geringste be- könnt, Irgendwelche Beziehungen zu jenen Kreisen habe ich nicht. Das Ministerium hat die nötigen Schritte zur Aufklärung emge- leitet und wird das Ergebnis der Oeffentlichkeit mitteilen. Lange, Oberst der Ordnungspolizei. Bei der ganzen Geschichte handelt es sich offenbar um bestellte Arbeit reaktionärer mecklenburgischer Kreise, die die Sache in das Blatt des Herrn Wulle lanciert haben, um sie nachher in Mecklen- bürg als„Neuestes aus Berlin" ohne eigene Verantwortung ver- breiten zu können. Die schmierigsten Mittel sind der deusschnationastu Verleumderbande eben recht. Eine Arbeitsgemeinschaft zwischen K u n st a k a d e m i e und Kunstgewerbeschule soll nach den Entschließungen einer Länderkonserenz der deutschen Ministerialrcferenten angestrebt wer- den. Eine solche Arbeitsgemeinschaft entspricht den Reformplänen, wie sie Geh.-Rat W a e tz o l d t vom Preußischen Kultusministerium in seiner bekannten Denkschrift entwickelt hat, und die wird nach einer Erklärung des bayerischen Kunstreferenten im Münchener Landtagsausschuß nun auch dort durchgeführt werden. Hoffentlich führt das zu einer Erneuerung der Münchener Kunstakademie, oeren Rückständigkeit zu einer Zeit, wo an den anderen deutschen Kunsthochschulen erfreulich reges neues Leben eingezogen ist. nicht gerade im Interesse der Entwicklung Münchens als Kunststadt llegt. Was die Entdeckung Kanadas kostete. Man kann nicht behaup- tcn, daß die Entdeckung der Neuen Welt sonderlich kostspielig ge- wesen wäre. Was Amerika anbetrifft, so wissen wir, das Columbus' Entdeckungsfahrt Spanien genau 1140 000 Maravedis gekostet hat, was nach unserem Gelde einen Betrag von etwa 45 000 Goldmark ausmacht. Aber dieser Betrag muß noch hoch genannt werden im Vergleich zu den Kosten, die die Entdeckung von Kanada verursachte. Kanada wurde von dem Genuesen Giovanni Caboto entdeckt, der iw Juni 1497 mit vier englischen Schiffen auf einer vom König Hein- rich VII. von England ausgerüsteten Entdeckungsreise nach der Halbinsel Labrador gekommen war. In den Rechnungsaufstellungen des Königs Heinrich VIl. von England, mit dem das Haus Tudor den englischen Köniqsthron bestieg, findet sich unter dem Datum des 10. August 1498 die folgende Eintragung:„Eine Belohnung von 10 Pfund Sterling demjenigen gezahlt, der die neue Insel(!) entdeckte." Aber auch dieser bescheidene Betrag dürfte dem König noch als verlorenes Geld erschienen sein; denn weder Caboto, der erste Entdecker des Landes, noch die Spanier, die bald darauf nach Kanada gelangten, hatten auf das rauhe Land irgendwelchen Zweck und Wert gelegt. Nach dem ihre Enttäuschung kennzeichnenden Ausruf der landenden Spanier: nada"(Hier ist nichts zu holen) soll ja das Land auch einen Namen erhallen haben. (yenossenschaft Deutscher VübnenangehSriger. Am 1. und 2. PäilgÜfeierla-, billige NaKmittagssorliellunzen:.Der Herr Senator" zu» nirniicn ibrcr eugageuientsloseu Mitglieder im W a l h a l l- t h e a t! r am WeinbergSweg. Yft- Deutsches OPerohauS. Freitag Parfifal. Parsifal: Paul Hanse» als Gast. Tie Schtvarz-Weisl-Zlusstellung der Akademie der Künste, Parrer Platz 4, mit den SonderauSstellcrngcn von Max K l i n g e r und Adolf von H i I d e b r a n d ist an beiden Psingstjeiertagen von IG-S Uhr a» Pfingstsonnabend von 10—1 Uhr geöffnet. Bolksvochschnle Groß-Verlin.(Arbeitsstätte Neukölln.) Der Unter- richt de? Kussus Marx.Kapital- fällt am Sonnabend, den 14. d. MtS.. aus. Suxusstcuer und AnSfubrabaaben. Der Vorstand des Deutsche» NsrtbrnideS bat jetzt an die Neichsdehörden den Antrag gerichtet, die er« böhte Umsatzsteuer auf sog. Luxuserzc-ulNisse während der Zeit der neue» lSntentematznahmen gegen unsere Aus'uhr zu s u s p e n d i e r e n, um da» mit durch den Fortsall des Erportes die.Luxusproduktion- im Inland z» stärken u»d de» Käufern in dies« Zwischenzeit eine» Anreiz z» gebe». <5ntente gegen Interalliierte Kommission. Die..Frankfurter Zeitung", die„Vossische Zeitung" „Robotnik veröffentlichen das polnische Sozialistenorgan„Robotnik veröffentlichen eine NotedesOberstenRatesin Paris an die p o l n i s ch e 51 e gierung, die bisher weder in England noch in Frank- reich beccnntgegeben worden ist. Diese Note wendet sich in sehr scharfer Tonart gegen die polnische Regierung, deren Neutralität in der oberschlesischen Frage mit deren Ver- halten un polnischen Aufstand nicht über allen Zweifel erhaben sci.� Diese Note ist in mehr als einer Hinsicht interessant. Es heißt da, die Alliierten hätten wiederholt die Abberufung Korfantys wegen der Art seiner Agitation erwogen» die polnische Negierung habe ihn aber stets gedeckt und damit sich zu seinem Mitschuldigen gemacht. Die Alliierte,: erklären darin ferner ausdrücklich, sie könnten keinerlei vollzogene Tatsachen anerkennen. Beschlüsse über Oberschlesien seien bisher nicht gefaßt worden. Mit völliger Handlungsfreiheit werde die Anwendung des be- treffenden Artikels des Versailler Vertrages erfolgen. Vergleicht man Tonart und Inhalt dieser Note mit dem Abkommen zwischen der Oppelner JK. und Korsanty, so muß man das Verhalten der Interalliierten Kommission als schallende Ohrfeige für den Obersten Rat empfinden. Die JK. hat Korsanty gedeckt, hat ihm Zugeständnisse schwerwiegendster Art und sich selbst also ebenso gut wie die polnische Regierung zu seinein„M i t s ch u l d i g e n" gemacht. Der Oberste Rat, als Vollzugsorgan der Entente, erklärt, keinerlei vollendete Tat'achen anerkennen zu können, die Interalliierte Kommission kn Oppeln hingegen, das Vollzugsorgan des Obersten Rats, erkennt diese vollendeten Tatsachen an. Angesichts dieser Sach- luge muß man sich fragen, ob der Entente und ihren Organen keine Mittel zur Verfügung stehen, eine ihrem Ansehen würdige Lösung zu finden. In England und Italien ist man sich im klaren darüber, daß man das Wort, das man Deutsch- land vor Annahme des Ultimatums über einen rechtlichen Entscheid in Oberschlcsien gab, auch zur T a t werden lassen muß. ..Petit Parisien" bereitet darauf vor, daß Frankreich in dieser Hinsicht bei den anderen Verbündeten diesmal auf einen festen Willen stoßen werde. Hoffen wir, daß er sich nicht täuscht und daß man dem kair piav, der Politik des Anstands, auf beut- scher Seite von der anderen Seite ebenso antwortet. Lagebericht. Hindruburg, 11. Mai.(WTB.) Die P olen haben das Haupt- viertel des Ortes räumen muffen. Die Insurgenten haben Pleß nur zwei Stunden besetzt gehalten. Die Stadt ist in den Händen der I t a l i c n e r. Der seit vorgestern miederaufgenommene Straßen- bahnverkehr zwischen B e u t h e n und K a t t o w i tz ist heute nachmittag abermals eingestellt worden, weil die Insurgenten in der Gegend von Hohenlinde einen Schaffner oerhaftet und den Wagenführer bedroht haben. flüchtende Pole«. Veoihen, 12. Tllal.(TU.) Bankdirektor Orlehki, der polnische Blcbifziikomnnssar für Gleiwih, ist mit setner Familie ge- flüchtet. Ebenso ist der Redakteur Peter Pronobi», der Leiter der„Oberfchlesijchm Grenzzeitung", nach Polen geflüchtet. finftagen. London, 12. Mai.(MTB.) Unterhaus. Auf die Anfrage Dottomleys, ob im Hinblick auf die Mitteilung Lloyd Georges von der Annahme des Ultimatums durch die deutsche Regierung das deutsche Reparationsgesetz aufgehoben werde, ant- wartete Lwnd George verneinend. Paris. 12. Mai.(WTB.) P e y r o u x hat in der Kammer eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung gefragt wird, wie sie die Zahlung der deutschen Schuld nach dem Londoner Abkommen sicherzustellen gedenke. GroßSerlw Das blaue Treptow. Man hält c? einfach gar nicht für möglich, daß sich so etwas er- eignen kannte. Wie konnte das nur geschehen? In dpm harmlosen Treptows Und kein Mensch scheint es zu sehen, keiner zu beachten. ßs ist vielleicht schon lange da. Dennoch aber ist es ganz ungewöhn- lich, ganz neu für den, der zum erstenmal nach Treptow hinausfährt. Also, Sie kennen doch auf den Bahnhöfen der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen die Statwnsschilder? Z. B.: Frankfurter Allee oder Steglitz oder Pankow? Große lange weiße(d. h. mehr oder mwder weiße) Tafeln, auf denen in schwarzer toller lateinischer Schrift der Name des Bahnhofes steht. So ist das nun schon seit undenklichen Zeiten, nicht wahr? Schwarz aus weih, sozusagen die preußischen Farben. Wennste nun aber nach Treptow fährst, da staunste! Auf dem Bahnhof in Treptow hat siegreich die neue Zeit ihren Einzug ge- hatten. Auf dem Bahnhof in Treptow sieht man hübsch braungelb getönte Schilder, auf denen in schöner, wunderschöner blauer Farbe prangt: Treptow. Jawohl, Treptow an der Spree ist gemeint, nicht etwa Treptow an der Rega. Ein blaues Treptow auf gelbbraunem Grund, das wirkt zuerst ganz überraschend, dann aber so gemütlich und anheimelnd, daß man versucht ist, zu dem Stationsvorsteher zu gehen und vertraulich zu fragen:„Sogen Sie mir doch, liebster Stationsvorsteher, ist dies wirklich unser altes gutes Treptow?", worauf man die ebenso freund» liche und herzliche Antwort erwartet:»Aber natürlich, mein Bester, ist dies unser liebes Treptow. Nicht wahr, wie hübsch sich die neuen farbigen Schilder machen?" In dieser in unserem heutigen Berlin zwischen Publikum und Beamten üblichen höflichen Unterhaltung fährt man noch eine Weile fort, bis einem der liebenswürdige Mann erklärt, daß er leider die genußreiche Plauderei abbrechen muffe, weil gerade der Zug eingelaufen sei, den er obsertigen müffe. Worauf man, entzückt über die Leutseligkeit, dem Herrn eine Zigarre offeriert in dem durch nichts zu übertreffenden ruhigen Bewußtsein, daß man damit keine Beamtenbestechung begehe. Und wenn man nun in Treptow aussteigt und nicht sogleich in den Park pcdaliert, sondern erst einmal auf die große Spreebrücke, dann wird man gewahr, daß die Spree an schönen Sonnentagen auch ein schönes blaues Kleid trägt, so schön zum Verlieben. Die Ruderer, Segler und Schwimmer kennen das. Geht man aber zum Part zurück, ist überall ein reiche» Prange» in grün, durch das man beschwingt fortschreitet, bis zu jenen Stätten der Freude und der Lust, die Treprow für die lebenslustigen Berliner bereit hat. Und da soll es schon vorgekommen sein, daß— natürlich ganz selten, ganz ausnahmsweise— einer am Abend zurückgekommen ist, dem man selbst im ungewißen Licht der Laternen von weitem ansah, daß er— blau war, jo blau wie die Schildausichrift auf dem auf offener Straße. Der Inhaber des Eafes„International" in der Großen Frank- furter Straße, Max Belitz, geriet, als er sich mit seiner Braut und einigen Bekannten auf dem Wege nach seiner Wohnung in der Koppenstraße befand, mit mehreren noch unbeoknnten Per- sonen in einen Streit, in dcffen Verlauf die Männer über ihn herfielen und ihm zwei Messerstiche in den Kopf versetzten. Einer der Täter raubte ihm bei dieser Gelezenheit seine Briestasche, die für 10 0 l)t>tz Mark 50-, lütt- und lOOO-Markscheine enthielt. Die Verbrecher ergriffen alsdann die Flucht. Straßenpassanten brachten den Ucberfallenen nach der Rettungswache in der Holzmarttstraße, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden kennte. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Roch den Feststellungen der Kriminalpolizei, daß es sich hier um ein geplantes Derbrechen handelt, erlieh der Polizeipräsident eine amtliche Bekanntmachung, in der soso M. Belohnung zur Ergreifung des Täters festgesetzt werden. Derselbe wird wie folgt beschrieben: 1,70 bis 1,80 Meter groß, rundes, volles Gesicht, englisch gestutzten, schwarzen Schnurrbart, heilgrauen Anzug, weichen Umlegekragen mit schwarzer Schleife, weicher, dunkler Hut. Sachdienliche Mitteilungen sind zu richten an die Mord» k o m Mission der Berliner Kriminalpolizei, Kri. minalkommissare Dr. Riemann und Werneburg im Zimmer 26 des Berliner Polizeipräsidiums, Housanruf 413 und 413.— Mitteilungen werden auf Wunsch vertraulich behandelt. Zum Raubmord bei Ttransberg. Der Lokaltermin zur Aufklärung des Verbrechens im Walde von Wesendahl und die Obduktion der Leiche des Erichosienen, die gestern stattfanden, haben die volle Gewißheit gebracht, daß es sich hier um einen wohlüberlegten und planmäßig durch- geführten Raubmord handelt. Auch das letzte„Geständnis" des Täters ist dadurch widerlegt worden. Die Obduktion hat er- geben, daß alle Schüsse sofort tödlich waren. Werner hat, als er von den Kugeln getroffen wurde, zweifellos sofort die Besinnung verloren. Die Angaben des Täters, daß er noch ungefähr eine Stunde bei dem Schweroerwundeten gesessen und sich um ihn be- müht habe, sind damit hinfällig. Auch der Lokaltermin, bei dem der Täter zugegen war, ergab die Haltlosigkeit seiner Behauptungen. Als Max Rehde nach Wesendahl gebracht wurde, erkannten die Bewohner in ihm einen Mann, der eine Zeitlang fast täglich in der dortigen Gegend sich aufgehalten hatte, um Lebensmittel aller Art zu Hamstern. Er ist wahrscheinlich nicht von Werner, wie er an- gibt, nach der dortigen Gegend herausgelockt worden, sondern er Hot ihn überredet, mit ihm dort Drahldiebstähle auszuführen. Beide haben sich dann längere Zeit im Walde aufgeholten und Max Rehd« hat sich dann entfernt, angeblich um nachzusehen, ob der Ort schon völlig im Dunkeln liege. In Wirklichkeit hat er sich aber wieder nach dem Platz, wo Werner saß, zurückgeschlichen und ihn dann hinterrücks erschossen und sodarnv die Uhr nebst Kette und die Brieftasche, die nach seinem jetzigen Geständnis 500 M. enthalten hatte, geraubt. Sein Bruder Emil Rehde ist Mitwiffer des Ver- brechen?. Er hatte mit ihm am Freiwg voriger Woche, als er mit ihm zusammen auf dem Felde bei Fredersdorf war. von seinem Plane gesprochen und ihm auch die Schußwaffe gezeigt, die er dort«us- probierte. Er hatte seinen Bruder auch zu überreden gewußt, mit ihm zusammen den Raubmord auszuführen. Berabredungsgemäß wollten sich beide auf dem Bahnhof Fredersdorf treifen, um zu- somnien mit Werner hiuauszujahren. Emil Rehde wartet dort auch auf seinen Bruder, doch kam dieser mit dem Zuge nicht an. Emil ging nun nach Hause, in der Meinung, daß Max von seinem Vor- haben abgesehen habe. In Wirklichkeit hatte er aber mit Werner einen späteren Zug benutzt und war mit ihm allein in den Wald gefahren. Am Tage nach dem Morde hat er dann leinen Bruder Emil in dessen Wohnung aufgesucht und ihm gesagt, daß die Sache erledigt sei. Beide begaben sich dann zunächst in eine Wirtschaft und auf dem Wege dorthin erhielt Emil Rehde von seinem Bruder 50 M. von dem geraubten Gekde. Dann gab er ihm auch noch die Brieftasche und die restlichen 10 Patronen, damit er diese ver- grabe. Beide verkauften dann gemeinsam die Uhr und den Hand- wagen und von dem Erlöß erhielt Emil Rehde wieder 70 M. ab. Beide Verhasteten werden heute dem Untersuchungsrichter vor- geführt.__ Jslgen einer �abrikbefetzung. Unker der Anklage schweren Landsriedeusbruches. In die Schraubenfabrik von Gustav Sternberg waren am 29. März einige Leute eingedrungen, um die Niederlegung der Arbeit zu erzwingen. Sie hatten jedoch zunächst keinen Erfolg. Am Nachmittag verlangten zwei Mann den Betriebsrat zu sprechen, und als der Pförtner sie zurückwies, drangen etwa ein Dutzend Men- schen in den Hof hinein. Di« sich nun abspielenden Szenen führten den Arbeiter Vehr wegen schweren Landsriedens. b r u ch s vor das Gericht. Behr kam zu dieser Zeit aus einer benachbarten Fabrik zufällig vorüber. Cr will gehört haben, wie der Ehef sich äußert«,„man müßte diese Arbeitslosen verhaften laffen", was ihn so empört habe, daß er mit den Worten:„Was willst Du. Du Schweinehund?" sich der Menge anschloß, auf Sternberg eindrang und ihn ins Gesicht Ichlug. Der immer größer werdend« Lärm lockte den Buchhaltv Leitloäi her- bei, dem es sehr schlecht erging. Man siel über ihn her, riß ihn zu Boden und trampelte mit den Füßen aus ihn herum, so dag er recht schwere Derletzungen davontrug. Er rettete sich schließlich>n sein Bureau und gab einen Schreckschuß ab, der den Erfolg hatte, daß die Eindringling« schleunigst entflohen. Der Angeklagte soll nach dem Zeugnis mehrerer Zeugen bei diesem Exzeß«in« nicht unwesent- liche Rolle gespielt haben. Er bestritt dies entschieden und behauptete, daß er selbst mit einem Gummischlauch geschlagen worden sei. Der Gerichtshof kam auf Grund der Beweisaufnahme»ur Besahunjj der Schuldsrage, bewilligte dem Angeklagten mit Rücksicht aus seine Jugend und seinen ossenbar ausbrousend-n Charakter mildernde Umstände und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis bei sofortiger Derhaswng._ Schliffe auf einen Vorortzug. In letzter Zelt mehren sich die Fälle, daß aus Vorort.zllge geschossen wird. Als sich gestern nachmittag um 5.20 Uhr der Vorortzug 2508 auf der Fahrt zwischen dem Dahn- Hof Rummelsburg und dem Betriebsbahnhof befand, wurde von dem Laubengekände her auf den Aug, der dicht besetzt war, ein Schuß abgegeben. Die Kugel durchschlug die Scheibe eines Abteils, ohne daß jedoch einer der Fahrgäste verletzt wurde. Der Anschlag wurde sofort der Polizei gemeldet und Beamte der Schutz« und der Kriminalpolizei suchten sofort das Laubengelände ob, ohne jedoch von dem Schützen «ine Svur zu finden. Die weiteren Nachforschungen stnd noch nicht abgeschloffen. Psychopakhenfürsorge in Eharlottenburg. Den Abschluß der vom Charlottenburger Jugendamt veranstalteten Dortrogssolae über Psychopathenfürsorge bildete die gestrige B-sichtiaunq des Wilhelm- stifte- in Potsdam. Der Leiter der Anstalt. Direktor Dr. Kluge, und seine Aerzte führten die Teilnehmer durch das mustergültige Stift und besten Abteilungen„Bethlehcmstiftung" und.�elenenhos". Die gutgenährten, sonnengebräunten Zöglinge, ihr munteres Spiel, ihr frisches, freies Autfreten ließen erkennen, daß der Direktor mit seinem Wahlspruch„Die Arbeit ist unser Sport" aus dem rechten Wege ist, aus diesen pfychvpathischen Kindern durch fröh- liche, ihren Kräften und Neigungen angepaßte Arbeit in den Werk- stätten, in Garten. Haus- und Landwirischaft lebensfroh« und voll- wertige Mitglieder unseres Volkes zu schaffen. Die Reklomehaltestellen. Die Straßenbahn hat die Absicht, durch Ausgestaltung der Haltestellenanzeiger Reklameflächen?u schaffen, um einerseits aus ihrer Vermietung eine neue Einnahme zu erzielen, andererseits aber auch die Abjertigung der Fahrgäste an den Halte- stellen zu beschleunigen und das Auffinden der Hsstestellen zu erleichtern. Zur Ausgestaltung sind eine Reihe von Entwürfen aufgestellt worden, die von den Vertretern der Aussichtsbehörden, Polizei und Eisenbahn besichtigt und bgutachtet worden sind. Rur drei von den neun Entwürfe entsprechen etwa den Wünschen dieser Behörden. Aus diesen drei Entwürfen wird jetzt ein Einheitstyp heraus- gebildet, der späterhin zur Einführung als Haltestelle gelangen soll. Die Verwendung der bisher aufgestellten Muster zu Reftomezweckcn ist. wie wir hören, seitens der Polizei bis zur«ndgüliigcn Regelung der Haltestcllensroge verboten worden. Daher werden die Entwürfe für die neue Einheitshaltcstelle nunmehr beschleunigt fertiggestellt, die bereits in den nächsten Tagen zur Begutachtung vorgelegt werden sollen. In der Humboldt-.Hochsiliule beginnen nach Vfinaften einige neue Vorlesungen u. a. I. B a b: Bücher und Bühne de-Z TagcS, Genthmer Ttrape 13. Donnerstags 11— 12'/� Beg. 19. Mai. Dr. E. Cohn- Wiener: Sludienfabrten zu deutschen Kunststütten, Kochslrage S6. Donnerstag« 9. 19. Mai. M o r D e r i: Pratttsche stolqeningen aus der DielfeUs-Eiiiltellling, Dicnitags t'/j— 9. Beg. 17. Mai, Lützowftr. 84 d. Bros. Dr. H. Fischer: Führungen durch Grotz-Berlin. Sonnabend, 28. Mai, 8— 9't,. Meorgenslrahe 30(31.— Karten und Programme in Buch« Handlungen, Thealertassen und vor den Vorlesungen. Hroß-Ser!iner Partemachrichten. Potodam. Eonnadend abend 7 Uhr bei Benecke, Elisabethstrabe, Funktionärfitung. I. Pftnglrsriertag Aueflug des Wahlorrems nach Wannses unter Führung einer Musikkapelle. Treffpunkt morgens 6 Uhr Brandenburger Tor oder Vi? Ubr EMgang Neuer Sorten, Eisenhardtstraße Bei Regenaetter füllt der Ausflug aus._ IVirtschast Deutsche kohlen nach England? Bon England kommen wiederholt Nachrichten herüber und finden Eingang in die deutsche Presse, laut welchen zurzeit deutsch» �ohle auf dem englischen Martt erscheint. Diese Meldungen werden aus das britische Bedürfnis zurückzuführen sein, den englischen Bergarbeitern klarzumachen, daß ihr Streit nutzlos ist, da die billige ausländisch� Kohle in die Bresche springt. Wie die „Dena" von zuständiger Seite erfährt, ist der Reichs kohlen« k o m m i s s a r diesen Nachrichten sorgfältig nachgegangen und zu folgenden Feststellungen gelangt: Die AuSsuhr deutscher Kohlen ist bekanntlich genehmigungS« pflichtig. Zur Kenntnis des Kohlenkommissars kam ein Fall, in welchem Briketts, die von einer deutschen Firma a*S englischen Feinkohlen(und zwar nichl in Lohnarbeit) hergestellt worden waren, dann wieder nach England ausgeführt werden sollten. Es ist möglich, daß diese Kohle, bevor der Antrag zur AuSfuhrgenehmiguirg einge- reicht war, in England Angeboten worden ist. In vorliegendem Fall« wurde indessen dieler Antrag vom Kohlenkommiffar abgelehnt, und die Ausfuhr ist nicht erfolgt. In einem anderen Falle kamen Saar>Koblen(die Frank- reich vertreibt) in Frage, die zur Ausfuhr nach England bestimmt waren. Do e» sich hierbei lediglich um eine Durchfuhr handelte, konnte der Kohlenkommiffar nicht eingreifen. Aber auch hier ist es iwch seinen Feststellungen nicht zur Ausfuhr nach England gekommen, da die fragliche Soarlohlenpartie zur Versorgung ausländischer Dampfer im Freihafengebiet Hamburg herangezogen wurde. Selbstverständlich werden weder für Siahrkohte noch für andere deutsche Kable AuSsuhrgenedmigungen nack, England erleiU; sie verbieten stch angesichts der drückenden Pflichttiefermigen an die Entente und des dadurch hervorgerufenen Kohlenmangels in Deutichland. Viel eher ist indeffen anzunehmen, daß deutsche ReparationS- kohle aus dem bekannten Ueberfluß Frankreichs»nd Belgiens nach England angeboten werden mag. Dafür kann die deutsche Kohlen« Wirtschaft natürlich nicht verantwortlich gemacht werden. Wie das ,B. T." meldet, hat die franzüfische Regierung in der Vorwoche die Ausfuhr von täglich 10—15000 Feinkohlen und kleiner Würfelkohlen franzöfischer Förderung nach England ge- stattet, wie fie ferner 200 000 Tonnen Kohlen monatlich nach Oesterreich liefert und kürzlich 30 000 Tonnen deutsche Kohle wieder nach Holland verkauft hat. Der Abkransporl der Ruhrfohlen hat sich in der vergangenen Woche wieder günstiger gestaltet. Die Lagerbestände an Kohlen, Koks und Briketts haben in der vergangenen Woche eine Ver- ringerung um etwa 55 000 Tonnen, nämlich auf 371 093 Tonnen erfahren. Gcwinn-Auszug der 17. Preusi.»Südd.(243. Preuß.) Klassen- Lotterie «. Klasse. i. Ziehungsta». 11. Mal 1921. »uf\ebt gezogene Mummer sind zwel aleleb hohe OJthnime gejaflen, und»war je elnee auf ble Lose gleicher Olummee l» de»«elden albtellungen I und U Ohne Sew&He. Nackbruck verboten, Ja der BormUtagDzlehmi» vmrbe»«ewlnae über S90 Wart sez-g-n, i xn 15800 M 11935* » m 6000 M 231338 84 ZU 3000 M 8421 4717 6388 10868 14364 19767 24880 28824 28835 81685 38397 33841 56303 68481 67317 87883 69462 86333 61822 70786 79058 83993 84667 86864*1801 97111 106468 115894 132648 124024 127671 127885 132323 134178 137318 157882 148138 16671* 1721*8 174108 100448 1*1158 199140 2*3009 207686 216043 228084 '78 IN 10C0 M 100 421 488* 664* 7638 8760 8988 18688 21834 24' 88 90968 38194 36507 41826 44038 4807» 48708 40043 61418 81747 57870 68986 80316 69533 720>» 72093 74169 70654 872*0 68688 88860»60�3 9484.-1 94862 102311 108708 111468 113328 123419 142413 14:745 14*093 148246 140140 167980 169207 162834 163384 104864 168398 171830 173474 176830 179441 180220 182S17 1*3712 187242 160698 190182 1*213* 192218 106868 196921 107804 199993 202622 206710 207427 a0!<09» 21**1* 212063 214414 220010 221638 223(40 228212 229223 229571 229812 13*307 230725 231180 231440 231808 234007 236883 237853 220 zn 500 M 286 168* 2087 6232 7455 8068 8580 8858 13189 13237 16482 16806 17183 22183 24324 24680 26430 32883 33486 38457 3W10 38837 40700 40840 42470 40072 47278 47823 60768 81368 82442 63017 86798 08081 84772 60748 87384*8278 76634 701*4 75663 77824 8170.! 84044 84861 85570*1268 81945 82186 033*8 88690 168009 1 8608', 106765 106842 112138 118628 118692 122018 122706 123779 128338 126091. 12703* 1270*8 128014 132737 134219 137101 U602S 140773 144963 160091 161116 162772 163710 16848.1 181139�862290 102851 183458 173184 1740 Q 174750 177825 181605 182483'80934 789416 38084* 196609 193237 19374» 194213 198602 107288 302104 20225» 206887 208117 210916 211137 212492 216621 218886 2.3**2 22*1*2 225331 22887» 212583 2386*4 2312*4 234081 230360 Ja»er NachmtttojjIziehlMO warben«ewwne ü»«7 88» M»ik a'l«sra- 2 s* 100800 U 166767 2 20 15000 M 38638 10 za 10000 M 67248 118276 131063 13448» 214*68 12 za 6*08 M 1*148 32073 81286 83982 181701 22111» 98 za 3000» 14839 18210 26606 38637 33436 39184 482*7 48901 64426 65856 61264 64626 71248 81338 85010 05905 100299 100937 193036 10t 07 111838 117392 118047 120048 121946 129642 120643 134792 1264»! 16962.1 164296 168226 172833 174744 178420 180460 1890*8 188*86 1**71* 281703 803736 206732 207402 214349 218963 319664 221601 2360»2 23/273 186 ZU 1000 M 6163»«49 10690 18086 24722 28432 28777 31874 34064 e683Z J9-20 41 099 41671 42200 43*42 4622* 4*280 68188»8473 61918 63373 64364 64882 60868 61282 82702 66928 67277 68*41 7*132 7645! 77909 88802 06408 08323 69418 1*6612 105878 107218 114854 117603 121697 123*03 128677 124088 124746 126412 12673» 127383 1281*8 134117 138041 140640 142382 144084 146803 164619 169823 161966 162843 165398 166338 167337 170003 170516 171964 173468 176788 100987 181667 185722 193007 164361 196816 107114 197242 206808 206608 207648 207847 088463 211610 212644 212720 21634! 233366 222487 223648 224372 22477* 22*238 231482 236090 240 za 686 M 888 1180 1274 2687 4805 87*0 18888 18«S7 14682 16340 18196 16408 18938 21681 2S1»3 23291 26193 28181 29419 81832 82388 82606 33104 37488 40184 41838 43817 46812 46088 48896 4895* 49694 62864 63497 63(63 64060 64117 66368 67138«Om 6 961 82788 62983 66671 69072 72217 78634 84011 64511 18683 06773 96246 99294 101922 108033 106870 108603 1)1606 116068 118381 118420 110181 120800 121111 123023) 241 08 124 68 1!4920 135740 127480 127716 120904 132371 132699 137088 144778 1463/8 147770 140004 162460 163925 180398 163782 16-840 167334 160505 ,70087 171073 174653 176132 176675 177264 180643 132452 18k 075 187721 188761 100667 196706 106918 190892 202' 04 204470 104628 308482 208701 30*487 312895.16637 218578 331880 334988 336443 337630 383866 388867 334107 334309 38681�38883» OewerMoDbewegung Der Arbeitsnachweis im �ilmgewsrbe. Eine stark besuchte Versammlung der im F i l m g e w e r b e beschäftigten Kräfte tagte am Mittwoch, um zur Frage des Ar- beitsnachweises Stellung zu nehmen. Bieder führte aus, daß die Filmdarsteller schon lange für die Schaffung eines Arbeits- Nachweises auf paritätischer Grundlage unter Leitung der Stadt Berlin kämpfen. Alle Bemühungen waren aber bisher ohne Erfolg. Das neiative Ergebnis fei insbesondere auf das Verhalten des Dr. jur. Friedmann zurückzuführen, der den Verband der deutschen Filmindustriellen und den Verein der deutschen Film- fabrikanten als Generalsekretär vertrete. Soweit bekannt, dürfte aber nur ein Teil der in Frage kommenden Firmen den genannten Vereinigungen angehören. Sobald eine Gelegenheit bestand, mit den Arbeitgebern direkt zu verhandeln, wurden hinsichtlich der Verständigung gute Resultate erreicht,.wenn aber Dr. Friedmann allein erschien, konnte ein wünschenswerter Fortschritt zur Einigung nicht erzielt werden. In welcher Weise Dr. Friedmann tätig ist, dürfte— so erklärte der Redner— aus folgenden Vorgängen zu erkennen fein. Am 11. April sollte eine Besprechung mit den Arbeitgebern unter Lei- tung Dr. Wenkers vom Demobilmachungsausschuh stattfinden. Dr. Friedmann kam und drohte im Verlauf der Verhandlung mit der Eröffnung einer Arbeitgcberbörse. Schließlich erklärte er sich bereit, mit seinen Auftraggebern nochmals Rücksprache zu nehmen.— Am 9. April war aber bereits bei einem Arbeit- geber ein vom 8. April datiertes und von Dr. Friedmann unter- zeichnetes Schreiben eingelaufen, in dem gesagt wird, daß die Ver- Handlung mit der Stadt Berlin wegen Errichtung des von den Ar- beitnehmern erstrebten Arbeitsnachweises gescheitert sei. Des- halb hätten die Arbeitgeber sich dazu entschlossen, ihrerseits einen Nachweis(Börse) zu errichten. Dem Schreiben war ein Revers beigefügt, nach dem sich die Arbeitgeber bei Konventional- strafe oerpflichten sollen, die benötigten Kräfte nur durch den neuen Arbeitsnachweis zu beziehen. Dieser ist inzwischen auch tatsächlich eingerichtet, und in mehreren bürgerlichen Zeitungen wird behauptet, daß die Deputation für Handel und Gewerbe am 4. Mai einstimmig den Antrag auf Errichtung einer städtischen Filmbörse a b g e- lehnt habe. Von einem derartigen Beschluß sei jedoch den Ar- beitnehmern nichts bekannt. Nach dem Referat setzte eine lange und zeitweise sehr tempera- mentvolle Aussprache ein, in der die Redner zur Einigkeit und treuem Zusammenhalten mahnten. Alle waren dafür, die bisherige Börse weiter zu besuchen und dafür Sorge zu tragen, daß die Existenz der Kollegen und Kolleginnen nicht untergraben werde. Wie dies wirkungsvoll oerhindert werden könne, wurde vom Vortragenden noch eingehend erklärt. Großen Unwillen erregte eine Mitteilung, nach der S00 Russen aus dem Wüns- dorfer Lager unter polizeilicher Bewachung bei der Filmfirma May beschäftigt werden. Tie Generalversammlung der Fabrikarbeiter. Am letzten Sonntag tagte die Generalversammlung der Fabrik- arbeiter Groß-Berlins, in der R ü ck e r den Vierteljahresbericht gab. Er ging auf die Kämpfe in den einzelnen Jndustriegruppen ein, die durchwegs mit Lohnerhöhungen endeten. Der Kassen- b e r i ch t für das 1. Quartal 1921 bilanziert für die Hauptkasse in der Höhe von S44 740,10 M. und für die Lokalkasse 561 298,87 M. An Weihnachtsunterstützung für die Arbeitslosen wurden 53 372,65 Mark ausgezahlt. Davon waren auf Listen 40 872,65 M. gesammelt. Auf Zlntrag der Revisoren wurden der Ortsverwaltung und dem Kassierer einstimmig die Entlastung erteilt. Zum zweiten Punkt der Taegsordnung, Anträge, beschäftigte sich die Generalversammlung mit der Erhöhung der männ- l i ch e n Beiträge um 50 Pf. pro Woche. Dafür soll die Streik- Unterstützung von 72 M. pro Woche auf 104 M. erhöht werden. Beschlossen wurde, daß ab 1. Juli d. I. der männliche Veitrag auf 4 M. pro Woche festgesetzt wird. Eine Ausnahme macht der Bezirk Niederlehme. Ein Antrag des Bezirks Reinickendorf, den Internationalen Ge- werkschaftskongreß in Moskau mit Delegierten zu beschicken, wurde, da dieser Antrag zu spät eingereicht war, auf den instanzenmäßigen Weg verwiesen. Ebenso erging es einem Antrag der Kunststein- arbeiter, eine Erhöhung der Lokalzuschläge vorzunehmen. Ein- stimmig beschloß die Generaloersammlung, die Kollegin S ch i r o w wegen Streikbruchs auszuschließen. Streikmeldungen aus dem Ausland. Die Arbeiter aller Kohlenreviere der Steiermark sollen heute in den Ausstand treten, weil die Wiener Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen gescheitert sind. Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß die Verhandlungen zwischen Landarbeitern und Unternehmern gescheitert sind und daß deshalb heute zirka 25 000 Arbeiter ausgesperrt werden sollen. In Norwegen droht ein Generalstreik auszubrechen, an dem außer dem Eisenbahn-, Post-, Telegraphen- und Kranken- hauspersonal, alle Arbeiter, zirka 120 000 Mann, beteiligt sein wer- den, falls im Seemannskonflikt bis zum 26. Mai keine Eini- gung erzielt wird. Zentralisation der Krankenkassen. In der Sitzung der Gewerkt schaftsunterkommission Schöneberg vom 4. Mai referierte Genosse Krukow über die Bestrebungen zur Zentralisation der Krankenkassen'. Durch die Schaffung der Einheitsgememde Berlin sind die Schranken gefallen, welche einer Zusamenfasstmg der einzelnen Orts- und Landkrankenkassen in den früheren Vororten im Wege standen. Das Vcrsicherungsamt der Stadt Berlin hat bereits im Februar bei oen Krankenkassen der Vororte eine Neuorganisa- tion angeregt. Gedacht ist, daß die Bezirke 1 bis 4 der alten Stadt- gemeinde Berlin von etwa 6 allgemeinen Ortskrankenkassen kränz- förmig umgeben werden. Notwendig ist es, die neuen Ortskranken- kästen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammenzuO fasten. Für die Arbeiterschaft ist die Zusammenfassung der Kranken- kästen nach einheitlichen Wirtschaftsgebieten eine dringende Notwendigkeit. Umfassende soziale Fürsorge durch Schaffung eigener Krankenanstalten, Heilstätten und Erholungsheime läßt sich nur er- reichen durch Bildung großer, leistungsfähiger Krankenkassen, welche das Unterstützungswesen nach jeder Richtung hin auszubauen haben, besonders auf dem Gebiete der F a m i l i e n h i l f e. Wo kurz- sichtige Einzelinteressen der Durchführung Schwierigkeiten bereiten, müssen diese beseitigt werden; maßgebend darf nur das Wohl d er versicherten Arbeiter sein. Der Zentralisation der Kaufmanns- und Ge- Werbegerichte wurde nach Ausführrmgen des Genosten H e n- k e l zugestimmt und die Bildung von Berufskammern auf Vorschlag von Genosten Krukow empfohlen. Für den Pfingsleinkcrnf benutzen Gewerkschaftler nur die von der Berliner Gewerkschaftskommission inr Auftrage des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes eingerichteten Verteilungsstellen. Die Versorgung mit Ober- und Unterkleidung und Schuhwaren ist sicher-. gestellt. Gediegene Verarbeitung, gute Qualität und Billigkeit sind gewährleistet. Die Waren können von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends gegen Ausweis in nachstehenden Verteilungsstellen besichtigt und gekauft werden: Zimmerstr. 68, Sebastianstr. 37/38; Engel- ufer 20(Transportarbeiteroerband): Eharitestr. 3(Konsumverein der AEG.); Schneidereigenostenschaft„Hoffnung", Berlin N., Brunnenstr. 185; Commeniusplatz 4; Schönhauser Allee 173, Ein- gang Schwedter Str.); Karlshorst, Waldsiedlung, Hegemeisterweg 54, Maler, Lackierer, Anstreicher! Es sind noch HSrerkarten für verschiedene Lehr» gange der Betriebsriiteschule zu vergeben. Kollegen, welche hierfür Interesse hadere wollen sich umgehend im Veroandsbureau melden. Metallarbeiter-Berband. Ausgesperrte und Etretlende mis der Schallplatte»»- brauche. Wichtige Versammlung, Freitag 10 Uhr im Rosenthaler Hof, Rolenthalev- straße 12. Di« Ortsverwaltnng. Verantw. für den rebakt. Teil: Dr. Werner Priser, Charlottenbura: für Anzeigen! Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vor- WSrtS-Buchdruckerei u. Berlagsanltalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenftr. S. Glühlampen Halbwattlampen und sSmN. Elettro-InstaN- Malerial tauft CaplPesehniannNÜ®6"""'" Fabrikgcb. III. Str. 101 � BERLIN*■. N ♦ BRUNN ErN./m.56 57- - r-*--,.v •V■'J•. |l] löeinrtch Schulz: Sozialdemokratie und Schule Ist Mk. 3,50 |l| Dr. Otto Bournot: Der Volkslehrer im Volksstaat Mt. 1,20 Dr. Richard Lohmaim» Sie Arbeit im Elternbeirat Mk. 1,50 cheinrlch Bohlte: Ol« weltliche Schule Mt. 1,50 Dr. Max Apel! Die Volksschule als Einheitsschule Mt. 1,25 20% Zuschlag MMmSM Lindenftr. 2 �aucherdank!! Ki Das sicherst. Mittel, das Rauchen ganz od. teil». einrüste». Wirkg. verblüffend. Auskunft ums. Vers.San.Artik.Og.EngIbrecht, München R6, Kavuzinerstr. 0 Schloßpark- Theater Berlin-Steglitz, Sdilohltr. 48. ErOtbinnd: Donnerslag, 12. Mal, 7 Ubr. Shakefpeare:„Timon". Mnslh von Mas Trapp. Regie: Paul üenhelg. NeutscherMlallarbeiterverbano DerwaUungstlclie Berlin.*. 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