Vr.SSS�ZS.?ahrga«g Ausgabe A Nr. 115 Bezugspreis: Stetdjatjrl. 30,— M.. numatl. 10,— 3t frei ms Haus, voraus zahlbar, Poll- bezug: Monatlich 10,— M,. einschl. Au- ftellungsgebükr. Unter Kreuzband mr Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelgebiet, Ivwie die ehemals beut- ichen Gebiete Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— SDU. für das übrige Ausland 27.— M. Postbeitellungen nehmen an Oesterreich. Ungarn, Tschecho-Slowakei, Däne» mari. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der»Vorwärts" mit der Sonntags- beilag-»Poll und Fett", der Unter- JV haltunzsbeilaqe.Heimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentägiich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Morgen-Ausgabe Devlinev Volksblatt (30 Pfennig) Anzeigenpreis, Dt» achtgespaltene Nonpareillezetl» kostet 5,50 M»fileln« Anzeige»- da, settgedruckte Wort ISO 31.(zu. lässig zwei fettgedruckte Worte), jede, weitere Wort L— 3L Stellengesuch, und Schlasstellenanzelgen das erst» Wort 2s— SU jedes wettere Wort 60 Pfg. Worte über ib Buchstade» zählen für zwei Worte. Aamilien-An- »eigen Mr Abonnenten geile 3,- M. Die Preise verstehen sich einschlieblich Teuerungszuschlag, Xv Anzeigen für die nächste Rumvler müssen bis 5 Ahr nachmittags UN Hauptgeschäft, Berlin SW W. Linden. srraß« st abgegeben werden. Geäffnet von 9 Uhr sriih bis 9 Uhr abends. Zentralorgfan der rozialdemokrati feben parte» Deutfcbtande Neüaktion und Expedition: Slv b8, Lindenstr. Z Kernsprechrr: Amt Mortlsvlah, Nr. lSI SY— 1S»»7 Freitag, den IS, Mai 19�1 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW HS, Lindcnstr.Z Kernsprrchrri Amt Morihplah,«*.11763—54 Deutscher Generalstreik in Oppeln. Nach Unterredung mit Le Rond abgebrochen. Oppeln, 12. Mai. Infolge der Haltung der Interalliierten Kommission ist die Erregung der Bevölkerung in Oppeln aufs höchste gestiegen, heute mittag wurde der G e n e r a lfl r e i k erklärt, der sofort mit aller Schärfe einsehte, und der auch die Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke umfafzt. Sämtliche Beamten haben sich der Streikbewegung angeschlossen. Am Ilachmittag fand vor dem Regierungsgebäude eine Versammlung unter freiem Himmel statt. Im Anschluß daran begaben sich die Vertreter der deutschen politischen Parteien Oberschlesiens zum General � Rond, um von diesem unzweideutige Auskunst über die getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen zur Nieder- werfuug des Aufruhrs zu erhalten. Oppeln. 12. Mai.(WTB.) während des Verlaufes der zweistündigen Verhandlungen der Vertreter aller deutschen Parteien. einschließlich der Deutschnationalen und der Kommunisten, mit der Interalliierten Kommission hat General L e Rond nochmals versichert. daß keinerlei Verhandlungen mit den polnischen Insurgenten stattgefunden hätten. Es hätte sich höchstens um ört- liche Besprechungen zum Schuhe der deutschen Bevölkerung und des deutschen Eigentums handeln können. General Le Rond versicherte auch erneut, daß er Truppenverstärkungen angefordert habe. Auch ihm sei es am liebsten, wenn englische und itasienische Truppen entsandt würden. Obwohl die Erklärung General Le Ronds nicht in allen Punkten befriedigte, glaubten die Führer der deutschen Parteien doch, von einer Fortführung de» Generalstreiks Abstand u e h m e n zu sollen. Demgemäß wurde die Arbeit um 7 Uhr abends mied«»oll aufgenommen. Keine Hinöungen in Oberstblesien! Don den zurzeit aus Oberschlesien vorliegenden Meldun- gen verdienen die Nachrichten das größte Interesse, die zu den Mitteilungen über ein angeblich bindendes Abkommen zun- schen der Interalliierten Kommission und den polnischen In- surgenten Stellung nehmen. Im Laufe des gestrigen Vor- w.Äags begab sich der deutsche Vertreter zu General Le Nond. um eine Erklärung darüber zu erhalten, ob in der Tat ein Waffenstillstand zwischen K o r f a n t r> und der Interalliierten Kommission zustande gekom- men sei. Ueber das Ergebnis dieser Erklärung unter- richtet folgende Bekanntmachung des deutschen Bevollmäch- tigten in Oppeln, die WTB. verbreitet: Der General L e Rond hat mir soeben aus meine Anfrage in Anwesenheit der anderen Mitglieder der Interalliierten Kommission aus das bestimmteste erklärt, daß der von Marschau verbreitete Funkspruch, es wären zwischen der Interalliierten Kommission und den Insurgenten Abmachungen getroffen worden, von An- fang bis zu Ende, im ganzen und in seinen eittzel- nen Punkten, erlogen sei. Es feien weder über einen Waffen stillstand noch über eine Demarkationslinie. noch über einen llebergang der Regierungsgewalt an die Insurgenten oder eine Amnestie usw. irgendwelche Ver- Handlungen gepflogen, geschweige denn Abmachungen getroffen worden. Oppeln, 12. Mai 1921. Der Vertreter des deutschen Levollmächllglen für den Abstimmungsbezirk Oberschlefien. gez. Graf P r a s ch m a. Mit dieser deutschen Auslastung steht eine amtliche Be- kanntmachung der Interalliierten Kommission in U e b e r e i n st i m m u n g, die folgenden Wortlaut hat: Gewlste Zeitungen berichten über das Zustandekommen des Waffenstillstands mit den Insurgenten, wonach eine D e- markationslinle festgeseht worden sei. Diese Nachricht entbehrt seder Grundlage. In gewissem Widerspruch hierzu steht eine Meldung der „Times* aus Oppeln, wonach bisher„kein Vertrag unter- zeichnet worden sei, der die Autorität der polnischen Aufstän- dischen anerkenne; es scheine jedoch, daß die f r a n z ö- sischenVertreterinder Kommission ein m ü n d l i ch e s Abkommen in diesem Sinne getroffen hatten. General L e Rond glaube anscheinend, daß die vollendete Tat- fache der polnischen Besetzung ohne weiteres von feiten der Alliierten anerkannt werden müßte.* Diese Meldung, deren Bestätigung eine erneute Ver- s ch ä r f u n g der Lage in Oberschlesien zur Folge haben müßte, kann jedoch durch die oben mitgeteilten amtlichen Aus- lassungen als überholt betrachtet werden. Die„Times* ver- weisen darauf, daß die Franzosen die Entdeckung verborgener deutscher Waffenlager hervorhöben und Deutsche verhafteten, die'im Besitz von Waffen betroffen worden, um so den Be- lagerungszustand durchzuführen, obwohl sie die be- waffneten polnischen Patrouillen, die an jeder Straßenkreuzung stehen, übersehen. Die„Times* er- tGbun, die Interalliierte Kommission habe aufgehört, als neutrale Organisation zu bestehen. Die b r i t i- schen und italienischen Offiziere sähen sich bei Durch- sührung ihrer Pflichten gezwungen, eine Abstimmungs- p o l i z e i gegen die polnischen Ausständischen, die offen von den Franzosen unter st ützt würden, zu organisieren. Die französischen Offiziere erklärten in solchen Fällen, daß sie den Befehl erhalten hätten, sich mit den Truppen der polni- schen Aufständischen� nicht einzulassen. Seltsamer Widerspruch. Trotzdem General Le Rond henke dem Grafen Praschma erklärt hak, daß die warschauer Angaben über den Abschluß eines Waffen- stillstandes nicht den T.oksachen entsprechen, ist heute wiederum ein von einer amtlichen poloischen Funken- st a t i o n aufgegebener Funkspruch aufgefangen worden des Zn- Holls, daß ein Abkommen zwischen der Interalliierten Kommission und den Polen getroffen wäre, wonach die interalliierten Truppen stillschweigend abrücken und durch haller- Truppen ersetzt werden sollen, von dem Führer der Aus- ständischen der„Gruppe Ost* ist über das Aufruhrgebiet der B e- lagern ngszustand verhängt worden. Nach dieser verord- nung des Znsurgentensührers wird neben Word, Raub. Sabotage und Diebstahl auch die Verständigung mit dem Feinde mit dem Tode bestraft. Sämtliche Waffen sind binnen 12 Slun- den bei dem nächsten Stabskommando abzugeben. Sämtliche Zeitungen stehen unter Zensur. Der Fernsprech- und Tele- grammverkehr unterliegt der Kontrolle der von den Aufrührern cingesehleu Behörden. Die Insurgenten unternahmen heut« einen Vorstoß aus der Gegend von Rosenberg. Es gelang ihnen, den Bahnhof S u d o b a zu besehen. Zn der Stadt Rosenberg wurden etwa S0 Geiseln von den Polen festgesetzt. Mehrere Güter wurden geplündert, darunter die staatliche Domäne Paulsdorf. Zahlreiche Orlsvorstehor der Landgemeinden sind verhaftet worden. Im Landkreise Reuthen werden Listen der deulschgesinnlen Oberschlesier ausgestellt, die so- fort das Gebiet zu verlasfeu haben. Endentscheidung beim Obersten Rat. London, 12. Mai.(MTB.) Mit Rücksicht auf die Meldungen französischer Blätter, daß die Interalliierte Kommission die In du- striebezirke von Oberschlesien Polen zugeteilt habe, stellt Reuter fest, daß sich die Aufgabe der Kommission lediglich darauf beschränkt, dem Obersten Rat einen Bericht und Vorschläge zu unterbreiten: die Endentscheidung liegt beim Obersten Rat. Zeit und Ort der nächsten Zusammenkunft des Obersten Rates find noch n i ch t f e st g e s e tz t. Die Tatsache, daß Deutschland das Ultimatum der Alliierten angenommen hat, läßt die Notwendigkeit einer so- fortigen Konserenz der alliierten Premierminister entfallen. Auch eine Besprechung der Reparationsfrage erscheint unange- bracht, bevor es sich erweist, wie Deutschland seine Verpflichtungen erfüllt. Ein Mord. Saltowlh. 12. Mai.(WTB.) Der 2gjährige Arbeiter Schmat- l o ch in Zalenze hatte in einem Gespräch am 11. Mai mit einem Arbeitsgenasien die Bemerkung gemacht:„Jetzt triumphieren die Palän, spater werden wir triumphieren.* Diese Bemerkung wurde den Insurgenten überbracht, die Schmatloch auf dem Wege in sein Dorf umstellten, gefangennahmen und in das Polizeigebäude schleppten. Dort wurde Schmatloch so gepeinigt, daß Passanten, die sich vor dem Gebäude angesammelt hatten, seine Schmerzens- rufe vernehmen konnten. Auf Kommando mußten sich die Ange- sammelten unidrehen, als Schmatloch, in eine Decke gehüllt, auf einen bereitstehenden Wagen gebracht wurde. Auf dem Wege in das Spital verstarb der Unglückliche. Veukhen, 12. Mai.(WTB.) In den heutigen Vormittags- stunden ist der Straßenbahnverkehr auf allen vier einmündenden Linien wieder ausgenommen worden. Während weibliche Personen ohne Ausweis reisen dürfen, wird jeder männliche Fahrgast, der keinen polnischen Ausweis vorzeigen kann, von der Weiter- fahrt ausgeschlossen. Die Eisenbahnzüge werden nach wie vor von den Aufständischen kontrolliert. Scharfe Kritik der schwedischen Sozialisten. Stockholm, 11. Mai.(WTB.) Ueber Oberschlesien schreibt „Socialdemokraten*: Trotz des deutschen Abstimmungssieges will Frankreich die wirt- schaftliche Einheit Oberschlesiens nicht anerkennen und deutsche Städte mit polnischem Hinterland Polen zuteilen unter der Be- gründung, daß in den Grenzgebieten immer fremde Volksteile vorhanden seien. Die polnische Regierung hat das Vorgehen des zweifellos von patriotischen Motiven geleiteten Korfanty trotz aller Dementis leider n i ch t g e h e m m t. Es steht fest,, daß Kor- fanty ohne polnische Bewilligung eine so gewaltsame Propaganda und so grimmige Schläge nicht hätte führen können. Die Folge ist. daß Oberschlesien der Tummelplatz polnischer Freikorps und sogar polnischer regulärer Truppen wurde. Am bedauerlichsten ist aber nicht die Unterstützung des Putsches durch Polen, sondern die Billigung der französischen Presse, besonders des offiziösen„Temps*, der so den polnischen Nationalisten Wasser auf die Mühle leitet. Denkt man an den Wilnaputsch Zeligowski», so ist Polens Debüt in der großen Politik keineswegs glücklich. Die Grenze. Bon Ludo M. chartmann. Fast jeder Krieg hat entweder eine Verschiebung der staat» lichen Grenzen zum Ziele und wenn dies Anfangs nicht hervortritt, so sucht doch der siegende Staat die Niederlage des Gegners zu einer Grenzverschiebung auszunützen. Soj war es in alten Zeiten und so ist es noch im Weltkriege ges wesen. Die Auffassung, daß es einem Staate um so besser! geht, je mehr Quadratkilometer er besitzt, scheint bei den Men< schen unantastbar geworden zu sein, solange sie noch im Bann« des alten Staates sind, der sich auf dem Wege der primitiven Akkumulation Reichtum verschaffte, indem er die Bewohner des neu erworbenen Landes auf irgendeine Weise versklavt� und über ihr Privateigentum, insbesondere ihren Grundbesitz. zu seinen Gunsten verfügte. Das Bestreben des modernen imperialistischen Staates, der der Fortsetzer des alten dy- nastisch-merkantilistischen ist, ist im Grunde das gleiche, wenn auch die wirtschaftlichen Vorgänge im Zeitalter des Kapi- talismus sich in komplizierterer Weise abwickeln als im alten Rom oder in den Reichen der Völkerwanderung. Für den überkommenen Staat gibt es sonach keine feststehende natür» liche Grenze: die Grenze ist da, bis wohin der einzelne Staat mächtig genug ist, seine Souveränität auszudehnen. Der mer« kantilistische Staat etwa des 17. Jahrhunderts setzte sich das Ziel, sich wirtschaftlich selbst zu genügen, d. h. die Antarkie zu erlangen, vom Importe aus fremden Staa- ten unabhängig zu fein: er trachtete, möglichst viele Rohstoffe und Manufakturen selbst zu besitzen, damit möglichst viel innerhalb seiner Grenzen produziert und die Einnahmen des Staates und damit des Fürsten möglichst gesteigert würdest, und da es niemals möglich war, alles selbst zu produzieren. kannte sein Ausdehnungsbestreben praktisch keine Grenzen. Noch R o u's s e a u, der doch die Souveränität des Volkes proklamiert hat, ist sich offenbar— ebenso wie Montesquieu— nicht klar darüber, wie die Bolksindividualitäten sich gegeneinander abgrenzen, wenn er im Contral sozial, ganz in merkantilistischer Art, meint, dasjenige Volk ist geeignet, sich Gesetze zu geben,„das der anderen Völker nicht bedarf, das weder reich noch arm ist und das sich selbst genügen kann*. An einer anderen Stelle, wo er vom ewigen Frieden han- delt, trachtet er das Prinzip der Abgrenzung aus der Natur selbst zu schöpfen und meint, die Berge, die Flüsse und Meere hätten selbst über die Zahl und Größe der„Nationen* ent- schieden— und diese„natürlichen* Grenzen im Sinne der Geographie spielen dann in der Politik eine große Rolle. Für ihn. wie später für die Männer des Konvents, sind Frank- reichs natürliche Grenzen durch die Alpen, den Rhein, die Meere und die Pyrenäen vorgezeichnet, durch das Gefchick für die Ewigkeit festgelegt. Deshalb werden alle darüber hinausgehenden Erobe- rungsabsichten abgelehnt, ja sogar ausdrücklich in der Kon- stitution von 1791 ausgeschlossen. Die Zerstückelung der Staa- ten, wie in Polen, ohne Willen der Völker wird von den Männern der Revolution verdammt, ebenso wie„Arrondie- rungen* des Besitzstandes. Dagegen wird der freie An» schluß eines Volkes oder eines Volksteiles an einen anderen anerkannt. Diese Anschauung kann nun allerdings mit dem Prinzip der geographischen Grenzen in Widerspruch geraten— ganz abgesehen davon, daß diese selbst keineswegs eindeutig bestimmt werden können. Die Deutschen behaup- teten, daß die Klausen an der Südseite der Alpen die n a t ü r- lichen Grenzen seien, die Italiener sehen sie auf dem Kamme der Alpen: die Deutschen auf den Vogesen, die Franzosen am Rhein. Die geographische Grenze wird überhaupt, na- mentlich im Zeitalter des Verkehrs, etwas mystisch und redu- ziert sich mitunter auf die sogenannte st r a t e g i s ch e Grenze» die, von jeder der beiden Seiten behandelt, anders aussieht. Dies hat offenbar schon Fichte eingesehen, als er seine Reden an die deutsche Nation zu einer Zeit hielt, als der despotische Imperialismus wieder einmal mit Mißachtung aller Grenzen und jedes Selbstbestimmvngsrechts in Europa triumphierte. Er sagte in der 13. Rede:„Die ersten, ur- sprünglichen und wahrhaft natürlichen Grenzen der Staaten sind ohne Zweifel ihre inneren Grenzen. Was dieselbeSprache redet, das ist schon vor aller mensch- licher Kunst vorher durch die bloße Natur mit einer Menge von unsichtbaren Banden aneinander geknüpft: es versteht sich miteinander und ist fähig, sich immerfort klarer zu ver- ständigen: es gehört zusammen und ist Eins und ein unzer- trennliches Ganzes. Ein solches kann kein Volk anderer Ab- kunft und Sprache in sich aufnehmen und mit sich vermischen wollen, ohne wenigstens fürs erste sich zu verwirren und den gleichmäßigen Fortgang seiner Bildung mächtig zu stören. j Aus dieser inneren, durch die geistige Natur des Menschen ; selbst gezogenen Grenze ergibt sich erst die äußere Begrenzung der Wohnsitze, als die Folge von jener, und tn der natür- lichen Ansicht der Dinge sind keineswegs die Menschen, welche ! innerhalb gewisser Berge und Flüsse wohnen, ein Volk, son- dern umgekehrt wohnen die Menschen beisammen, und wenn ihr Glück es so gefügt hat, durch Flüsse und Berge gedeckt. weil sie schon früher durch ein weit höheres Naturgesetz ein l Volt waren.* Damit ist die theoretische Lösung des Problems ausge- sjprochen, das im Laufe des 19. Jahrhunderts praktisch zur Entwicklung des Nationalstaates geführt hat. Der Fortschritt liegt darin, daß sie vom Menschen und von seiner Zusammengehörigkeit ausgeht, die nicht so leicht in einen Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht der Nationen ge� raten kann. Sie gibt zugleich einen objektiven Maßstab für die Staatsabgrenzung und setzt eben durch die Postulierung �Zes Nationalstaates, der nicht antark und nicht eroband sein darf, den internationalen Zusammenhang voraus, da jeder nationale Staat wirtschaftlich auf die anderen angewiesen ist. die Weltwirtschaft, die auf die Dauer von keinem noch so starken Imperialismus zerrissen wer, d e n k a n n. Demokraten unü voltspartei. Die demokratische Reichstagsfraktion hat, worauf wir schon hinwiesen, zum größeren Teil g e g e n die Annahme des Ultimatums gestimmt. Dagegen hat der demokratische Partei- vorstand, wie die„Vossische Zeitung" hört, dem Ultimatum mit Zweidrittelmehrheit zugestimmt, die demo- kratische preußische Londtagsfraktion sogar einstimmig. Weiter meldet das genannte Organ: Die Mehrheit der Reichstagsstaktion erklärt jetzt, daß trotz ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Ultimatum alles getan werden müsse, um dem Kabinett die Durchführung seiner Aufgabe zu ermöglichen. Parteivorstand und Fraktion beabsichtigen die Ver- öffentlichung einer Erklärung, die auf die Notwendigkeit hin- weist, die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen durch die Heranziehung aller Sräfie, namenLich auf wirtschaftlichem Gebiet zu sichern. Die Erweiterung der Koalition und der Regierung durch positive Mitarbeit der Deutschen Volks- partei solle den Gegnern die Garantie bieten, daß die weitesten Kreise des deutschen Volkes den guten Willen der Erfül- l u n g haben. Das Liebeswerben um die Deutsche Volkspartei wird also verstärkt, und das Sträuben der umworbenen Schönen läßt sichtlich nach. Hatte am Mittwoch abend die„Tägliche Rund» schau" noch stolz geschrieben, die Deutsche Volkspartei würde nicht durch dieselbe Tür ein paar Tage später hineinspazieren, durch die sie eben hinausgegangen sei, so führt ein Artikel Stresemanns in der Donnerstag- Morgenausgabe desselben Blattes schon eine ganz andere Sprache: Das Kabinett Wirth könne die Schwierigkeiten, die aus der Annahme des Ultimatums erwachsen, allein nicht lösen. Es werde daher doch zu der„nationalen Einheitsfront" kom- men.— Danach ist Herr Strefemann durchaus bereit» wieder durch die Tür hineinzuspazieren, wenn sie ihm nur geöffnet wird. Herr Strefemann scheint es für ganz selbfwer- stündlich zu halten, daß man ihn mit offenen Annen empfängt. nachdem er innerlich für die Annahme des Ultimatums gewesen ist und tatsächlich dagegen gestimmt hat in der bequemen Ueberzeugung, daß die Zahl der Annehmer ohne ihn ja auch ausreichen würde. Wir glauben nicht, daß eine Regierung an Festigkeit gewinnen kann durch die Einbeziehung von Leuten, die sich in unbequemen Momenten seitlich in die Büsche schlagen._ ~ Sie find nicht marschiert! Als der U-Boot-Kriegl erklärt war und alle Ahnuno?- losen in Deutschland darüber jubelten, hielt der damosigs Preußische Finanzminister H e r g t im Landtag seine berührrite Triumphrede, die er mit der Prophezeiung schloß:„Die amerikanischen Heere können nicht fliegen, sie können nicht schwimmen, sie werden nicht kommen." Aber die Amerikaner kamen doch. Die. letzt« Kart« hatte nicht gestochen. Deutschland war, nach Helsterichs Wort,„ver- loren, für Jahrhunderte verloren". Mai im Mtmännerhaus. Von Wilhelm Scharrelmap». Was soll man tun bei der Not der Zeit? Man sinnt mit um- «ölkter Stirn und blickt mit Wehmut in den Frühling, der Heuer mit einem Glanz in» Land zieht» als wolle er alles wieder gut machen, was die Zeit versah... Wolken wandern wie selige Träume und Winde streichen noch um dos armseligste Gemäuer, als könnten fie es mit weichen Händen aus seiner steintiefe» Derfunkenheit er- «ecken. Na« Leben der Stiftinsasien und Alterspenfianäre war früher schon so etwas wie ein Rätsel, heute ist es ein Mirakel. Knüll hat sich auf» Angeln gelegt. Dazu langen die Zkrästo immer noch. Es ist gerade jetzt ein« wunderbare Zeit dafür. Am Strande des Flusies ist es mittag» schon warm wie im Sommer, und die Fische beißen, als hätten sie nur darauf gewartet, in Knüll« Brat- pfcmne zu wandern. Klaus Speck ist mager geworden. Man kennt ihn kaum wieder. Ist das'n Wunder? sagt er. Wenn man unsereinen vier Jahre lang blockiert und tut. als ob die Pickbalge") ganz Europa in Brand fetzen wollt? Man kann allenthalben im Leben bisweilen zugleich lächeln und weinen, in der Pickbolge jeden Tag. Won braucht nur einmal Knüll zu beobachten, wenn er vom Fischen nach Hause kommt. Es ist zehn gegen eins zu wetten, daß er ein Gesicht macht, als hätte er keinen Schwanz gefangen. Es sind nämlich zu viele, die sich sonst bei ihm «inladen, und er kann nicht allen geben, so gern er schon möchte. Aber mit Speck macht er eine Ausnahme. Wegen der lang- jährigen Freundschaft. Dafür hört Speck auch geduldig die unmög- lichsten Geschichten an, die er von seiner Angelei erzähll. „Ich sag dir, Speck, ich Hab'n Biß gehabt,'n Biß, na frag mich lieber gar nicht. Aber du weißt ja. wenn'n Malheur sein soll,»ich? Akkerat wie beim Kartenspiel ist das. Du hast'n Daus und deckst, du mußt den Stich kriegen, denn hat der annere'n Trumpf. Und hier hatt' der Fisch'n Trumpf und läßt im letzten Augenblick wieder lo», und ich steh und denk, ich krieg'n Schlag! Klau» Speck taut und nlckt. Er Hot Verständnis für so etwa». Alles Möglich« hat«r schon versucht, seine Einnahmen ein wenig aufzubesiern. Einmal wollte er unten am Flußufer Korkholz suchen, wo die Händler doch damals ganz wild drauf waren und mächtig viel Geld bezahlten. In früheren Iahren trieb da jeden Tag was an. Jetzt war auch nicht mal'n halber Pfropfen zu finden». Es ging wahr- hastig nirgends so verdreht zu wie in der Welt... Dann hat er Papier sammeln wollen auf den Dtraßen. Ab« dazu war sein Rücken nun doch schon zu steif. Ab« nun hat ihn d« Frühling auf«ine neu« Idee gebracht. *) Di« altertümlich« Straß«, in der die kleinen Leute wohnen, vau denen Scharrelnuum so gern«-zählt Am Mittwoch hat Herr Hergi, fetzt laut„Deutsch« Zei- tung"„Wortführer des deutschen Volkes�, abermals prophezeit: Es hätte gar keinen Zweck, das Ultimatum anzunehmen, d i e Franzosen kämen ja doch! Aber die Franzosen kamen nicht. Herr Hergt hat sich als absolut sicherer Prophet erwiesen. Man muß nur immer das Gegenteil von dem annehmen, was er prophezeit, dann weiß man genau wie es kommt. Wie sähe es heute und w der nächsten Zeit in Deutschland aus, wenn wir dem Rat Hergts gefolgt wären? Die Mark wäre im Nu bis nahe an Null gestürA. Millionen Zlrbeits- lose hätten die Straßen bevölkert und wir wären mit rasender Schnelligkeit in Zustände geraten, denen gegenüber der be- rüchtigte Wrukenwinter von 1917 eine Erhc>runcjszeit war. Die Schlinge um den Hals, die sich allmählich fester zu- zieht, sind wir nicht los geworden. Herr Hergt hatte zum zweitenmal an einer geschichtlichen Wende falsch prophezeit. Das ermutigt uns zu der Hoffnung, daß er sich auch noch e i n drittes Mal als schlechter Prophet erweisen und daß sich die Folgen der Annahme des Ultimatums doch etwas weniger schwarz zeigen werden, als er sie ausgemalt hat. Eine deutsche Protestnote. Wegen der Requirierung deutscher Automobile und der Inanspruchnahme ihrer Führer für den beabsichtigten Vor- marsch in das Ruhrgebiet ist den Regierungen in Paris, London und Brüssel von den dortigen deutschen Vertretern am 10. d. M. eine Protestnote übergeben worden. Die Rot« verweist zunächst auf die eingehend« Bestand»- aufnähme de» deutschen Materials im besetzten Gebiet, zu der die deutschen Bürgermeister weitgehend mitwirken wußten. Auf«inen Protest der deutschen Regierung gegen dies« Vorbereitungen für eine Mobilmachung bestritt die Rheinland- tommisston, daß die deutschen Beamten zur Unterstützung von militärischen Vorbereitungen gegen ihr eigenes Land gezwungen worden seien. Die Dorkommnisie in der letzten Zeit beweisen jedoch die Richtigkeit der Auffaffung der deutschen Regierung. Die Note verweist auf die Vertrags- und Völkerrechts- Widrigkeit der Requisitionsmaßnahmen, die in schärfstem Widerspruch zu dem Artikel S2 der Haager Landkriegs- gerichtsordnung steht, wonach die Heranziehung ein« Be, völkerung zu Unternehmungen gegen ihr eigenes Land strengstens verboten wird. Am Schluß der Note wird nochmals von der deutschen Regierung schärfster Protest gegen das Borgehen der Besatzungsbehörden erhoben und verlangt, daß die verant- wortlichen Stellen angewiesen werden, ihre rechtswidrigen Maßnahmen rückgängig zu machen. heilige pflichten der Entente'. Wirkung der Annahme des Ultimatums. London, 12. Mai.n«ifchen Zweck nur erfüllen, wenn sie sich auf di« Darbietung de» Besten auf der einen Seite und in historisch ori«nti«te Museen für Studien- zweck« auf der anderen Seite gliedern. Die gesprochene Zelflchrlft. In einem„Russischen Brief", den Arthur Luth« im 2. Maihest de»„Lüer arischen Echo»" veröffentlicht, spricht Luther von der Papiernot in Rußland, die es den russischen Schriftstellern nahezu unmöglich macht, Büch« und Zeitschristen zu v«öffenllichen. und«zählt dabei von dem eigenartigen„Ersatz". auf den man versallen ist, die Gedanken einigermaßen unter das Boll zu bringen: „Der Dicht« In Rußland muß heut« darauf verzichten auf groß« Masten zu wirken— auch das ein seltsam« Widerspruch zu d«m proklamierten Ideal des„Dolksstaats. Einen eigcmümlichen, durch Papi«not hervorg«usenen„Ersatz" haben sich die Moskau« und Pet«sburg« Schriftstell« durch sogenannte gesprochene Zeitschriften" geschaffen: an bestimmten Tagen versammeln sich die Andächtigen m einem großen Konzertsaal und lasten sich von den Autoren olles das vorlesen, was zu normalen Zuten in ein« Zeitschristennummer gestanden hätte. Aber es ist mit diesem Ersatz wie mit allen Ersätzen — er befriedigt weder die Autoren, denen ein Zuhörerkrei» von ein paar Hundert natürlich nicht die Tausend« von Lesern ersetzen kan", noch die'Zuhör«, die gezwungen sind, die„Numm«" sozusagen in einem Sitz zu genießen, ohne spät« nachblättern zu können. Daß größere Fortsetzungswerke in derartigen..Zeitschristen" nicht gebracht werden können, ist selbstverständlich. Für umfangreich« Romana reicht wied« das Papier nicht und daher kommt es, daß die jüngste russisch« Dichtung sich fast ausschließlich aus Lyrik und die kurze Skizze beschränkt. Aber auch die Dichter, die den Bolschewismus (wen» vielleicht auch nicht bedingungslos) bejahen, ziehen es heut vor. ihre Werks nicht nur in Moskau, sondern auch in B«lln drucken zu lasten." Blbliothekeabesvch in Berlin. Die Zahl d« Besuch« d« Berliner öffentlichen Bibliotheken ist gegen die Jahre vor dem Kriege ge- stiegen. So hatte die Staatsbibliothek 1S11/12 10591 Cef« im Monat aufzuweisen, im Jahre 1919/20 dagegen 11899. In der Stodtbibliothek sind jetzt im Durchschnitt monatlich mindesten» 19 000 Leser zu zahlen gegen ungefähr lö 000 vor dem Kriege. Den Be- rufen nach ordnen stck) die Besuch« und Entleiher der Staats- bibliothek im Durchschnitt eine, Monats folgendermaßen: 225. Hoch- schullehr«, 5282 Studierend«, 129 Geistliche, 741 Juristen und höhere Verwollungsbeamte, 497 Aerzte, 217 Beamte wistenschastlich« Institute. 771 Lehrer höh«« Schulen, 452 Schriftstell« und Künstler, 724 Technik«,«aufleute. 212 Militär«. 228 Behörden, Institute.— Don den in d« Staatsbibliothek täglich entliehenen 1200 Werten ist ungefähr die Hälfte sozialwissenschaftliche Literatur. An zweiter Stell« steht die Philosophie und an dritter die völlisch« Literatur. Im Mannbeimer Schloß wted ein«-terlZnbisKe« Mns-mn aui ten Sammlungen des dortigen Alterlumvereins etezerichtet werden. TtaS schöne alle turpsälzische Lchloß, dessen Erkaltung griätrdet war, ist damit ertreulicherweise sür Linsttertsch« Verwendung gesichert. Die JahonneS.Foft«ratb.«tift»ns m jtöl» h«t Threngabe» Wz Brirag«Jwn 7800 SR. an«ruft vern voi�-gen, Frieda fte*«, JUg Cftnr- Nickel, vrwr«d«gl«it b«Migt. Nr. 222» ZS.Fahrgattg Heilage öes vorwärts Ireitag, 15. Mai 1921 Krakeel gegen öen Oberbürgermeister. Die Polizeischietzereien auf Fliehende.— Eine Verteidigung der Prügelpädagogik. Daß bei der Oberbürgermeisterwahl die Unabhängigen mit ihrem Kandidaten unterlegen sind, können sie immer noch nicht verwinden. Ihren Haß gegen Oberbürgermeister Böß bekundeten sie und die Kommunisten in der gestrigen Stadt- verordnetensitzung aus Anlaß einer Magistratsvor- läge, die mittellte, daß nur der Stadtverordnetenversammlung in ihrer Gesamtheit, nicht aber einzelnen Stadtverordneten das Recht der Einsichtnahme von Magistrats- akten zugestanden werden kann. Gegenüber dem Versuch, diese Auffassung als einen Ausfluß selbstherrlicher Gesinnung des Oberbürgermeisters hinzustellen, erklärte Stadtsyndikus Lange, daß die Magistratsvorlage einem ein- st immigen Beschluß des Magistrats entspricht.— Zu einer Debatte über die Prügel als„Erziehungsmittel" kam es bei einer Vorlage über die Hausordnung der Er- ziehungsheime„Lindenhof" und„Struves- .h o f". Hier traten die Redner der rechtsstehenden Fraktionen als Verteidiger der Prügelpädagogik auf, wobei am brutalsten sich der Deutschnationale Dr. Steiniger äußerte. Der neue Direktor von„Lindenhof", Genosse Blum, erwiderte, daß Liebe und Vertrauen gerade in der Fürsorgeerziehung die besten Erziehungsmittel sind. Der Verzicht auf die Prügel- strafe wurde von den linksstehenden Fraktionen gebilligt.— Ein Antrag der Kommunisten wandte sich gegen A u s s ch r e i- tungen der Polizei gegenüber Verhafteten, besonders gegen Schießereien auf Fliehende. Das Ergebnis der Debatte war, daß ein Antrag der Unabhängigen, der den Waffengebrauch der Polizei verwarf und die V e r- stadtlichung der Polizei forderte, von den drei links- stehenden Fraktionen angenommen wurde. Sitzungsbericht. Die Versammlung fährt heute in der Erledigung der 61 Punkte fort, die auf die gemeinsame Tagesordnung für Dienstag und heute gesetzt waren. Auf Grund eines Antrages der Kommunisten aus dem Februar dieses Jahres wird beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, unnerzüg- lich eine Revision des Gemeindebeschlusses von 1908 betr. Bewilligung von Ruhegeld und Hinterblisbenenversorgung für die nichtpensionsberechtigten im Dienste der Stadt dauernd de- fchäftigten Personen(zum Zweck der Ausdehnung auf die neuen Gemeindeteile) vorzunehmen und der Versammlung eine Vorlage zu machen. Die für den Turnverein„Fichte" aus Anlaß der Teil- nähme mehrerer feiner Mitglieder an dem Ausbildungskursus für Turnwarte in der Landesturnanstalt Spandau nachgesuchte Bei- Hilfe von 3000 M. wird bewilligt und der Magistrat ersucht, ähn- liche Belvilligungen in Zukunft planmäßig vorzunehmen. Dem Antrage der D. Vp., für die Darlehnskasse für Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadt Berlin sofort weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, wird insoweit entsprochen, als der Kasse noch ein« Rate von 800D00 M. bewilligt wird, aber mit der Maßgabe, daß der Zinsfuß herauf-, die Höchstgrenze herabgesetzt, und ein Darlehen nur in den allerdringlichsten Fällen gewährt wird.- Am 8. Februar 1920 hat die Versammlung beschlossen:„Die Mitglieder der Versammlung sind jeder Zeit berechtigt, Einsicht in die Magistratsokten zu nehmen/ Am 9. April 1921 hat der Magistrat geantwortet, daß die Versammlung mit dieser allgemeinen Fassung des Beschlusses ihre Befugnisse überschritten habe. Der Magistrat sei bereit, der Ver- sammlung im Rahmen des 8 37 der Srädteordnung im weitesten Umfange Einsicht zu gewähren, lchne ober die allgemein« Forde» rung ab. Freund(U. Soz.) findet in diesem Bescheid eine nnerhört« Brüskierung der Versammlung. Diese besitze das unbedingte Kon- trollrecht über die Verwaltung; der Versuch des Oberbürgermeisters, es ihr zu nehmen, finde in der Städteordnung keine Stütze. Der Redner beantragt, den Beschluß vom 8. Februar 1920 aufrechtzu- erholten unter ausdrücklicher Bezugnahme auf§ 37 StO. Stadtsyndikus Lange: Die Empörung des Vorredners ist völlig unverständlich. Es handelt sich um einen einstimmigen Magistratsbe- fchluß. Nicht die Versammlung ist brüskiert worden, sondern der Magistrat. Ein Parteigenosse des Vorredners,«in stellvertretender Bezirksbürgermeister, nimmt zu der Frage eine entgegengesetzte Stellung ein. Dave Dem.): Herr Freund verwechselt den Oberbürgermeister mit dem Magistrat und den einzelnen Stadtverordneten mit der Ver- sammlung. Dörr(Komm.): Im Magistrot hat nur eine flüchtige Ab- stimmung stattgefunden.(Heiterkeit.) Der Oberbürgermeister meinte vor einigen Wochen, ich hätte in der betr. Sache überhaupt kein Urteil. An dieser Auffassung des Herrn Böß ist mir ein Dreck ge- legen.(Große Unruhe rechts.) Auf feine Urteile über uns pfeifen wir.(Beifall und große Unruhe.) Löwy(Soz.): Herr Dörr hat hier große Töne geredet im Namen einer Partei, die gar nicht mehr existiert.(Andauerndes Lachen bei den Komm.) Nach allen Kommentaren steht das Kontroll- recht nur dem Kollegium in seiner Gesamtheit zu: darüber ist auch nach der historischen Entwicklung kein Zweifel. Nicht nur formell, auch moralisch ist der Mogistrat im Recht. Wir stimmen gegen den Antrag. Der Antrag Freund wird gegen U. Soz. und Komm, abgelehnt. Die Vorlage wegen Hinzuziehung von Bertretern der Beamten, Angestellten und Arbeiter zu den Deputativnssitzungen geht an einen Ausschuß. Bon der Antwort des Magistrats betr. die Heringslager auf dem städtischen Mehhos und im Osthafen nimmt die Versamm- lung ohne jede Erörterung Kenntnis. Der Erhöhung des Eintrittspreises zu den städtischen Volkskonzerten des Philharmonischen und des B l u t h n e r. O r ch e st e r s auf 1,50 M.(Sammelprogramme 25 Pf.) wird zugestimmt. Die Sirafe der körpersicheu Züchtigung soll in der Hausordnung für die Erziehungsanstallen„Struveshof" und„Lindenhof" in Wegsoll kommen. A l b r e ch t(D. Vp.) macht Bedenken gellend; die Kinder seien keine Engel, sondern vielfach Bengel, und es müsse Strenge walten. — Dr. Steiniger(Dnat. Vp.) bekennt sich als Anhänger der Prügelstrafe: 26 auf die Hosen seien manchmal sehr wirksam.— Schneider(11. Soz.) hätte es nicht für möglich gehalten, daß noch 1921 eine solch« Anschauung gehegt werden kann.— Blum (Soz.): Ich kann es nicht verstehen, daß in jetziger Zeit noch für die Prügelstrafe eine Simme sich erhebt. Kommen Sie einmal hinaus in die Anstalten, Sie werden erstaunt sein über das Material, das Sie vorfinden. Diese Jugend ist kein Abschaum, sondern es sind die unglücklichen Erzeugnisse der menschlichen Gesellschaft, des kapital!- stifchen Systems, das sich stark daran versündigt hat.(Zuruf des Stadtv. Pastor Koch, der einen stürmischen Ausbruch auf der Linken hervorruft.) Prügelstrafe als Erziehungsmittel ist gar nicht ange- bracht; Liebe und Vertrauen muß die Grundlage fein.— Persönlich bemerkt Koch, er habe durch seine Zwischenrufe den Redner nicht beleidigen wollen, der erst seit 1918 das sozialdemokratische Lexikon beherrsche.— Blum entgegnet, daß leider die Beamten früher die politischen Staatsbürgerrechte nicht besaßen, daß auch Koch daran mitschuldig sei, wenn man als Beamter erst feit November 1918 sich dieses Rechts erfreue. Der Magistratsantrag wird angenommen: dafür stimmt außer den drei Parteien der Linken auch ein Teil der Demokraten. Zur Verhandlung gelangt hierauf der Antrag der Deutschen Dolkspartei aus der letzten Märzwoche, der schleunigste Maßregeln zur Gewährleistung ungehinderten Verkehrs auf dem Rathause während der Versammlungssitzungen verlangt.— In der Erörterung teill Stadtrat W e g e mit, daß in Zukunft dafür gesorgt werden wird, daß die Stadtverordneten bei ähnlichen Situationen, wie sie wiederHoll vorgelegen hätten, ungehindert zu den Sitzungen gelangen können.— Haß(S�.) ist gegen den Antrag. Demonstrationen würden von allen Parteien gemacht; bisher hätten sie vor dem Rathause das Maß des Erträglichen nicht überstiegen, auch habe eine Beeinflussung, der Versammlung nicht stattzesunden.— K ö l i tz (11. Soz.) und Dorr(Komm.) verlangen, daß Stadtrat Wege die neuen Abwehrmaßregeln bekanntgeben soll; er habe keine Diktator- rechte.— Der Magistratsoertreter erkennt die Hohettsrechte der Versammlung an, lehnt aber nähere Angaben ab.— Auch Dr. W e y l(II. Soz.) tritt gegen den Antrag auf; den Pulsschlaq der ösientlichen Meinung müsse man entgegennehmen, von einer Bann- meile dürfe keine Rde sein.— Der Antrag wird zurückgezogen. Am 31. März hoben die Kommunisten Gäbel und Genossen beantragt, sofort Maßregeln zu treffen, die jede Mißhandlung „auf der Fluch t". Anschießen oder Erschießen von Personen oerhindern, wen» sie sich in den Händen der Polizei befinden. Heute beantragen die U. Soz. die Revision der Bestimmungen über den Waffengebrauch der Polizei und Schritte zur Verstcdtlichung der Sicherheitspolizei. In der Be- sprechung tritt der Fall Süll mit seinen Einzelheiten nochmals in den Vordergrund. Für den Antrag Weyl spricht auch Haß(Soz.). Hallensleben(D. Dp.) lehnt die Anträge ab; die Polizei in den Händen der Stadt würde eine Waffe in der Hand der Partei- Wirtschaft werden.— Der Antrag Gäbel wird zurückgezogen, der Antrag Weyl gegen die Bürgerlichen angenomm e n. Müller- Franken(Wirtsch. Vgg.) begründet den Antrag, den Magistrat um Maßnahmen zu ersuchen, wodurch der Sicher- h e i t s w e h r und den militärischen Formationen das Uebungs- y hießen auf den Kasernenhöfen und öffentlichen l ä tz e n der Stadt ein für allemal verboten wird. Der Antrag, für den auch die U. Soz. und die Soz., letztere durch Heitmann, sich erklären, wird mit großer Mehrheit an. genommen. Ein kommunistischer Antrag bezweckt die Verbesserung des Loses der Insassen der Slädlifchen Blindenanstalt Es wurden nach längerer Aussprache, in der P f a n n k u ch (Soz.) die Parteigenossen, die in den Verwaltungsdeputattonen sitzen, anfeuert, auf den Bezug der betrefsenden Erzeugnisse aus der Blindenbeschäftigungsanstalt zu dringen, im übrigen aber dem An- trag angesichts der tatsächlichen Entwicklung der Verhältnisse eine größere Bedeutung nicht beimißt, verschiedene Punkte angenommen. dagegen ein Antrag Weyl auf Schaffung besonderen Wohlfahrts- fonds einem Ausschuß überwiesen. In der Woche nach Pfingsten findet keine Sitzung statt. Ein Antrag Kirchner(Dnat.)-Weyl(U. Sozo. der sich darauf richtet, die beabsichtigte Schließung bzw. Einschränkung der Tuber- kuloseheilstätten in Lichtenberg und Beelitz unter allen Umständen zu verhindern, wird noch noch 1410 Uhr eingebracht und noch Be- gründung durch Kirchner angenommen. Schluß:%10 Uhr._ Staatliche Müllgruben vor Gericht.~ Wie Slaatsgul verschleudert wird. Die großen Müllgruben auf den ehemaligen Schieß- und Truppenübungsplätzen bei Jüterbog wurden gestern durch die Potsdamer Strafkammer gründlich durchforttert und das überraschende Ergebnis der Oefsentlichkeit übergeben. Wären dies« Müllgruben, die sich auf staatlichem Gelände befinden, rechtzeitig vom Reichsvermögensamt beachtet worden, so hätten viele Millionen dem Staate erhalten bleiben können. Wegen Diebstahls bzw. Hehlerei waren mehrere Alt, eifenhändler angeklagt. Die Angeklagten hatten sich aus den großen Müllgruben bei Jüterbog zentnerweise wertvolles Heeresgut, was unter Alteisen in den Gruben herumlag, aussortiert und ange- eignet. Messingteile, darunter Stopfbüchsenmuttern, von denen das Stück allein mit 400 M. bezahlt wurde, ja komplette Militärbett st ellen waren in die Gruben von den Heeres- verwallungen hineingeworfen worden. In einem Falle hatte sogar ein heute als Zeuge vernommener Hauptmann schriftliche Er- laubnis zum Abfahren der Müll gruben einem Angx» klagten erteilt. Den Stempel auf diesen Schlendrian drückte der Adjutant des S digen Kreisblatt förderte. Ein est. � ex jetzt unter seinem Eide aussagte, bei den wilden Händlern nich� weniger als 260 000 Zentner Eisen, das aus den staatlichen Müllgruben stammte. Im vorigen Jahre hatten sich auf den Schieß, platzen binnen acht Tagen 400 Händler in Jüterbog niedergelassen. Was die Heeresverwaltung als Alteisen in die Müllgruben werfen ließ, brachte den Händlern, wie sie gestern selber bekundeten, H u n d e r t t a u s e n d e ein. Die Angeklagten, die zum Teil wegen gewerbsmäßiger Hehlerei angeklagt waren, gaben zu ihrer Entschuldi» gung an, daß sie diese Müllgruben als Freigut betrachtet hätten. Diese Entschuldigung tonnte das Gericht selbst mit einem großen Zeugenaufgebot n i ch t w id er l e g e n. Die Wirtschaft und Vergeudung mit dem Hceresgut war in den Kasernen und auf den Plätzen derart, daß der Staatsanwalt die Freisprechung beantragen mußte. Dementsprechend wurden die Angeklagten, sowohl Hehler wie Diebe, auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Diese hier geschilderten Vorgänge gehören, wie uns ergänzend mitgeteilt wird, keineswegs der Vergangenheit an, sondern noch heute werden, wie die Zeugen unter Eid aussagten, die Truppenplätze 6?) Sline Menschenkind. IN. Der Sündenfall. Von Martin Andersen Nexö. Das überhörten die Kleinen und ließen sich bei ihr nieder. „Und was gibt es jetzt noch?" fragten sie. „Rein, jetzt müßt ihr nach Hause. Dann sollt ihr mehr zu hören bekommen." „Vom großen Klaus?� „Ja, und vom Kater Pers, der selbst Türen aufmachen konnte." Da stiefelten sie los: aber sehr schnell bewegten sie sich nicht vorwärts. Stine sammelte das Vieh ein wenig, und dann zog sie sich aus und wusch sich in einem kleinen Tümpel, der im Ge- büsch versteckt lag. Sie legte sich in dem lauwarmen flachen Wasser auf den Bauch und spielte, als ob sie schwömme; wenn sie sich auf die Arme hob und wieder senkte, umfaßte das Wasser weich und glucksend ihren Leib und die kleinen festen Brüste. Die Haut war nicht so dunkel wie im letzten Sommer. Dann setzte sie sich aufrecht auf die Wiese und scheuerte sich, um den Rest zu entfernen. Später saß sie halb angekleidet auf dem trocknen Moor- hang und sah ihre Sachen nach; ein Papier mit Näbzeug lag ausgepackt neben ihr. Das Bieh weidete ruhig: sie hatte Zeit und Ruhe, sich mit ihren eignen Dingen zu beschäftigen,— ;r>it den Kleidern und mit dem andern, und Stine war jetzt in der richtigen Stimmung dazu. Sie freute sich darüber, allein zu sein. Leise vor sich hm summend saß sie so. halb in sich gekehrt, bei der Arbeit, beglückend frei von allen Sorgen. Kleine Ge- danken und Eindrücke flatterten in ihren Kopf hinein,— und stogen wieder davon, ohne daß sie sie festhielt; von dem dick- gepolsterten Boden aus Moos und halbwelkem Grase stieg die Erdwärme auf und hüllte sie ein. Sie saß und wuchs. Drüben von der Landstraße her hörte man einen Wagen rollen, sie horchte aufmerksam.— der Laut klang so eilig. Aber sie mochte sich nicht erheben und aufs Feld hinauflaufen, um zu sehen, wer es sein könne. Im Laufe des Rachmittase» kam StwA über die Lecker vom Hof her; es mußte also daheim irgend etwas nicht stim- men.„Run ist er wieder da," sagte er und warf sich neben ihr hin,„sie sind schon halb besoffen." Cr wandte sein Ge- ficht ab. „Dann machst du dich wohl aus dem Staube?" fragte Stine und lächelte halb spöttisch. Sie begriff nicht, daß er immer noch zu Hause war und den Kopf hängen ließ. „Ich Hab' es der Mutter gesagt, aber sie gibt mir zur Antwort: Reif du nur! Es ist ihr alles gleichgültig, wenn sie nur selber machen kann, was sie will. Aber jetzt ist es ernst, ich Hab' meine Sachen gepackt. Ich wollte dir bloß Lebewohl sagen." Er saß eine Weile da.„Machst du dir auch nichts daraus, daß ich reife?" fragte er und umfaßte ihre Zöpfe. Stine schüttelte entschieden den Kopf:„Nein, reif du nur ganz ruhig!" Er hatte ihr das Leben in keiner Hinsicht erleichtert. „Bin ich denn nicht gut zu dir gewesen,— bin ich nicht?" wiederholte er, als sie hartnäckig schwieg. „Nein," sagte sie endlich, leise. Sie hatte Tränen in den Augen bei dem Gedanken an alle die Male, wo er sich hätte neben sie stellen müssen, wenn ihr Unrecht zugefügt wurde, es aber nicht tat. Auch er dachte vielleicht daran.„Nein, ich weiß es wohl," sagte er gedämpft,„denn ich war feige. Aber setzt bin ich es nicht mehr. Von nun an will ich versuchen, ein guter,. mutiger Mensch zu werden." „Ja, denn jetzt hast du wirklich Kummer bekommen," sagte Stine und schaute ihm ins Gesicht. Sie wußte, wie schwer es war, von Hause fortzugehen. Verzweifelt starrte er ins Leere: ,', Hauptfächlich liegt es daran, daß es die Mutter ist— und dann daß die Leute so viel über uns reden. Sie gaffen einen an, und dann stecken sie die Köpfe zusammen und flüstern. Die Menschen sind garstig. O, du... sie sind so boshaft! Aber das darf man ja nicht denken, man soll seinen Nächsten lieben." Er hielt plötzlich inne. „Aus all dem soll man sich nichts machen." sagte Stine. um ihn aufzumuntern.'„Laß du doch die Leute reden. Wenn man nur weiß, daß man nichts Verkehrtes getan hat. dann kann einem gleichgültig sein, was die andern meinen. Du h«st neulich ja selber gesagt, wenn man nur Frieden«st Gott hat, so kann es einem einerlei sein, was die Leute über einen denken." Er hatte seinen Kopf an ihre Schulter gelehnt und saß mit geschlossenen Augen da.„Es ist so schwer, stark in Gott zu sein," sagte er still.„Wenn man ihn nur zur Seite hätte und nicht im Innern.— so daß man ihn sehen könnte!" Geistesabwesend tastete er mit der Hand über ihren Rücken hin, dann richtete er sich mit einemmal auf und sah sie unter- suchend an. Ihre Bluse war über d'e eine Schulter herab- geglitten,— sie hatte sie nicht richtig zugeknöpft; das Schulter- blatt ragte ein wenig hervor. „Was hast du da?" fragte er und ließ die Handfläche auf einer Stelle ruhen. „Ach, das ist davon gekommen, weil ich die kleinen Ge- schwister geschleppt habe," sagte sie errötend und bedeckte sich hastig.„Es ist fast wieder weg," fiigte sie leise hinzu,— mit abgewandtem Gesicht. „Du brauchst dich doch deswegen nicht zu schämen," sagte er und erhob sich.„Man ist dach nicht so einer!" Nein, Stine schämte sich gar nicht vor ihm; er war ja bloß unglücklich,— schlecht und recht Aber fis war ärgerlich darüber, daß er die Schiefheit bemerkt hatte, jetzt, wo sie gerade im Begriff war. ganz zu verschwinden. Nun gab sie sich besondere Mühe, sich gerode zu halten; sie wov� einen ranken Rücken haben und eine runde Brust, wie die andern jungen Mädchen. Das Wort Sünde blieb ibr von der redung mit Karl im Ohre haften. War es Sünde, sich Schön- hell zu wünschen,— und nützte das etwas? Der Bater fand ja, daß sie schon schön sei/„Du wirst mit der Zeit ein bübsches Mädchen," pflegte er.zu sagen, so oft sie nach Haus« kam. Aber er war nicht unparteiisch. Stine hätte es gerne auch andere.sagen hören. Vor allem wollte sie natürlich ein gutes Mädchen sein; aber es konnte nichts schaden, wenn man auch ein bißchen nett war! Ueber dies und jenes dachte sie da draußen nach: E» war kein Gejage mehr von dem einen zum andern, Stine hatte Zeit, zu verweilen. Und schließlich hatte sie auch das gelernt. Während sie sich in den Moorlöchern wusch, entdeckte sie sich selbst, Zoll für Zoll.— vorläufig ohne größere Freude. Es war viel auszusetzen aa dem Ganze«! (Forts, folgt.) 1- omt Tausenden von wilden Sammlern überlaufen» die fich au« den staatlichen Müllgruben ein Vermögen heraussortieren» trotzdem«in« Berliner Firma schon durch Pachtung die Millionengewinne der Müllgruben für sich in Anspruch genommen hat. Neue Triebwagen für de» Borortverkehr. Auf der elektrischen Borortbahn Potsdamer Bahnhof-— Groh-Lichterfelde— Ost werden in nächster Zeit probeweise zwei neuartige Triebwagen in den Dienst gestellt, die in ihren inneren Einrichtungen mehr den Straßen- oder Hochhahnwagen als den sonst üblichen Eisenbahnwagen entsprechen. Schon äußerlich unterscheiden sich die beiden neuen Wagen von den Stadtbahnwagen durch den Fortfall der gewöhnlichen Drehtüren; an ihrer Stelle find auf jeder Seite bei Wagen» vier Schiebetüren an- geordnet. Da» Innere der neuen Triebwagen ist nicht mehr in einzelne Abteile gegliedert, sondern bildet wie bei den Straßenbahn- wagen einen großen Raum, in dem die mit halbhoher Rückenlehne veriehenen Sitzbänke guer zum Wagen aufgestellt find. Di« beiden Triebwagen waren ursprünglich als P r o b e w a g e n für die A.E.G- Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln bestimmt. Da diese Bahn jedoch borläufig unvollendet bleiben soll, hat diese Bahn für die Wagen vorläufig keine Verwendung, sie sollen daher jetzt zur Erprobung des neuartigen Wagenthps bei der StaatSeisenbahn- Verwaltung Verwendung finden. Schmarotzer der Mildtätigkeit. Es ist nur recht und billig, den gabenheischenden Opfern des i---------- m"'-------*—".....' die Bettelei von unbe- instlern ausgeübt, wieder zu einem sehr einträglichen Geschäft geworden, das dem, der es„richtig versteht", erwiesenermaßen Einkünfte von vielen tausend Mark im Monat sichert. Energisches Vorgehen der Polizei gegen solche Schmarotzer der Mildtätigkeit ist um so nötiger, als vielfach Bettler unter der Maske von Äriegsbeschä» d igten das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen versuchen. In solchen Fällen sollte dos Publikum nicht» wie es meist geschieht» Partei gegen die Beamten nehmen. So wollte gestern nachmittag ein Beamter der Schutzpolizei einen jungen Mann feststellen, der bettelnd auf dem Bürgersteig des Spreewaldplatzes stand. Sofort bildete fich ein größerer Auflauf von Menschen, die, ohne prüfen zu können, um was es fich handelte. Partei gegen den Beamten nahmen. Auf dem Wege zur Wache schwoll die Menge immer mehr an und unter Johlen und Schreien griff man den Beamten an. Er wurde schließlich aus seiner bedrängten Lage befreit, wobei fünf der Hauvtschreier süstert wurden. Wir werden uns in der nächsten Zeit an der Hand von Fest- stellungen ausführlicher mit diesen Dingen beschäfttgen. in solchen Fälle» von allgemeiner Bedeutung sei und über das per- sönliche Interesse des Angeklagten hinausginge. Der letztere sei um deswillen außer Verantwortung, weil er nur im internen Geschäfts. betrieb die Annonce entgegenzunehmen und zu verarbeiten hatte. ihm ober gor nicht das Entscheidungsrecht über die Annahme der Annoncen zugestanden hätte. Aber selbst wenn der preßgesetzlich« Vertreter angeklagt gewesen wäre, sei eine Freisprechung aus prin- zipiellen Gründen geboten» denn dre Presse sei an dem spateren De» triebe, den der Inserent selbständig vornimmt, gar nicht be, teiligt. Das Inserat selbst, für das die Presse verantwortlich wäre, fei noch keine strafbare Handlung, sondern äußerste» 'alles die Lorbereitung einer solchen. Das Gericht schloß sowohl aus persönlichen wie aus prinzipiellen Gründen diesen 'stlhrungen an und sprach den Angeklagten frei. Ausfi 3a d« verkreksrfltzuag des 20. Bezirks(Reinickendorf) wurde nach Einführung des später bestätigten zweiten Bürgermeisters Selke(USP.) die Vorlage über die Organisation des Be» zirks einem Ausschuß überwiesen. Die Wahl der Deputationen konnte gleichfalls nicht vorgenommen werden» da von bürgerlicher Seite zweit« Lesung in der nächsten Sitzung beantragt wurde. Diese Erschwerung der Arbeiten des Bezirksamts wurde vom Genossen Meyer gerügt. Eine Vorlage des Bezirksamts, nach der das Frei- Inserat«ad„strafbare Handlung". Eine für das Annoncenwesen der Presse wichtige Eni- scheidung hat dos Landgericht l in einer Strafsache gegen einen AnnonceN'Expedienten des„Vorwärts" gefällt, der eine Annonce aufgenommen hatte, in der das Publikum zum Bezug einer auf- klärenden Frauenschrift aufgefordert wird. Rechtsanwalt Dr. Hol- pert wies im Termin darauf hin, daß die Bestrafung der Presse einmalige Unterstützung von 500 bzw. 400 M. und das Fahrgeld zu den Kontrollstellen zu zahlen, und 2. bei Reich, Staat und Kommune auf schleunige Ausführung von Rotstandsarbeiten im 20. Bezirk zu drängen, wird in seinem ersten Teil abgelehnt, da die Bezirksver- waltung gar nicht die Macht zur Ausführung hat, in seinem zweiten Teil einstimmig angenommen. Erklärt wurde hierzu noch, daß vom Bezirksamt schon olles getan sei, um Arbeit zu schaffen, daß man aber bis jetzt nur Versprechungen erreicht habe. Opfer eines Wohnung sbrandes. Durch unvorsichtiges Hantieren einem Bügeleisen entstand gestern in der Wohnung einer Frau M i r r in der Swinemünder Straße 27 ein Wohnungsbrand. Die Kleider der Frau gerieten dabei in Brand und sie selbst erlitt so schwere Brandwunden am ganzen Körper, daß fie von der Feuer- wehr in hoffnungslosem Zustande nach einem Krankenhause in der Bernauer Straße geschafft werden mußte. Die erste« zehn städtischen Boltskonzewe deS Pdilharmoaische« Orchesters unter Leitung von Richard Hagel finden am Donnerstag, den lv. Wai. den 2. und 16. Juni in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Alle« 10/11, Freitag, den 20. ZBai, den 3. und 17. Juni in der Brauerei H-ppoldt. Hasenhetde 32—38, am Montag, den 30. Mai. in der Brauer« Köntgftadt und am Rontag. den 20. Luni, in der Philharmonie, Bern- burgerstr. 22/23. am Dienstag, den 31. Mai und den 14. Juni, in der Brauerei H-ppoldt statt. Beginn der Konzerte 8 Uhr. Der Vorverkaus zu den VolkSkonzerten findet statt: bei«. Wertheim. Leipziger Straße, in der Berliner Kewerkschaftskommisfion. Engelufer IS, im Zigarrengeschäst von Horst und in den betreffenden Konzertsäle». Der EmtrittSPreiS beträgt 1�0 W. und daS Programm 2S Ps. Die Dartenvorstellnngen im Rose-Dheater beginnen am Sonntag, den is. d. M. An beiden Pfingstfeiertage» findet Frühkonzert und Bor- stellung statt. Di« Dentsche Orthopädische Gesellschaft hält ihren 16. Kongreß vom 13. bis 20. Mai in Berlin im Langenbeck- Virchow- HauS unter dem Barsch nett Prof. BiesalSki. Serlm-Dable«, ab. Mit de« Kongreß ist eine Ausstellung behelfsmäßiger Apparate. Bandagen und LagernngSvorrichwngen verbunden, zum Schluß ist eine Besichtigung deS OSkar-Helene-HeunS für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder, Berlin-Dahlem, vorgesehen. Sroß-öerliner parteinachrichten« Heute, AreUag, de» 13. Uloi: ftxujjnc Stacfe&s: 7V4 IThc in het V SM k! umschule. PuSövssv 3 StochTw. eSSmÜ oertellte? RoUen ans„Wilhelm miiitiugtn.—(Srunpe Hermsbori: 7Vi Uhr im Zugcndheim, Roonstraßc. Bortragpabenb.— Hiuppe Lichterfeld»: 7% Uhr im Zugendheim, Aldrrcht- liT3, Morgen, Sonnabend, den 14. Alai: 35. Abt.: Zur Teilnahm« an der Beerdigung da» Genossen 5ii t i n g treffen —— �nssitenstr. 24. Die ein« __ tstraHe statt. eschloffene) bei PietrowsL. 'ringe». s-ch alle Seuossen nachmittag« S Uhr bei tt> letang findet SH Uhr im Krematorium Herichisrraße statt. '" ch: 7V, IHr Mitaliedem»''------ Mitgliedsbuch als 134.«dt. Buch: 7� Bahnhofstraße. ____ IS. Kreis: Obmann be» Bildung«lusschuffes de» 19. Kreis» ist fetzt der Genosse Paul Lehder, Panlow, Schilnholzer Str. S0._ Die Abteilunzs» Ächtung! leiter des"19/ Kreises' werden gebeten, obengenanntem Genossen filmt?,»« Mitglieder der örtlichen Bildungskommissionen mitzuteilen. �ugenüveranftaltungen. �ngen�ekretariat sowie Beriaufsstelle vlekben am Sonnabend fbr den Ge» geschloffen. Areikag, den 13. Mai: Verna». Kronprinzen-AIIee. Bortrag: Zweck und Ziel« der Ardeitel, lenb.— Britz. Schule, sthausseestraße IN. Vortrag: Der Srhrling un ttelalter.— Gharlotienbnrg. Ztostncnstr. 4. Bortraa: Die Bedeutung des 1. Mai.— RZnigemnsterhäafen-Wildan. Karlstr. 4. Vortrag: Die Gnunick. lung der Sozialdemokratie.— Moabit. Baldenserstr. 21, Zimmer 12. Vortrag: Kultur.— Neukölln. Süd. R-g-tstr. öS.«ortrag: Die Pariser Kommune.— «einlckendors.Sst. Hausottcrstr.«. Dortrag: Das Hakenkreuz.— Rosen» thaler B-rpabt.~ Schinebe«"' s-e. Wöll Mus aller Welt. Lungenkranke deutsche Sinder in der Schweiz. Die auf Deran- lassung des Reichsarboitsministeriums zur Kur nach der Schweiz«nt» sandten ersten öS Kinder sind wohlbehalten in D a v o s angekommen. Es handelt sich um lungenkranke Kinder Kriegsbeschädigter und um Kriegerwaisen, die in dem deutschen Kriegerkurhaus Davos-Dorf zur Kur Aufnahme finden. Der Schutzmann mli dem Zollstock. Eine Versammlung der Budapester Frauenvereine beschloß, die Regierung auf« zufordern, den Polizisten Stäbe zu geben, welche in Zenti« meter eingeteilt find, um auf der Straße bei Frauen und Mädchen, die zu kurze Röcke tragen, abmessen zu können, ob der Rock nicht höher al» 28 Zentimeter von dem Absatz entfernt ist. Dort, wo dies der Fall ist. sollen die betreffenden Frauen und Mädchen aufnotiert und jene Männer, welche mit solchen Frauen und Mädchen verkehren, sollen boykottiert werden. So geschehen im Horthylandel Sinderfpende aus Kuba. Ein« in der Republik Kuba, ins- besonder« in Havana veranstaltete Sammlung zur Linderung der Rot der deutschen Kind« hat einen Betrag von mehr als einer sttacdnrf! Arn 11 Mal 1921 entschlief nach langem schweren Leiden Dr. Richter Unterstastssekretär s. Wirklicher Gebeimer Rat and Vorsitzender des Aulslcbtsrats des Dentschen Kali- Syndikats G. a. b. ff.. Berlin. Die deutsche Kaliindustrie hat in dem Entschlafenen einen Mann von ungeheurem Wissen in der Verwaitungspraxis und kenntnisreicher Erfahrungen in allen Kaiiangelegen- heiten verloren. Der Entschlafene war bis zum Ausbruch seiner Krankheit Vorsitzender des Reichskeil- r»ts, dessen Einrichtung er seit Bestehen an durchgeführt hat Leider war es Ihm nicht vergönnt, an der Spitze des neugeschaffenen Seibstverwaltungskörpers die Kaliindustrie durch die gegenwärtige schwierige Lage zur Gesundung durchzuführen. Sein freundliches Entgegenkommen, seine stete Hilfsbereitschaft und große Menschenfreundlichkeit, auch seinen ntergebenen gegenüber, haben inm die Liebe und. Verehrung aller eingetragen. Sein Wirken wird der gesaraten deutschen Kallindustrie, insbesondere dem Relchskalirat unvergeßlich bleiben. Die gesamte Kaiimduttrie wird in Dankbarkeit seiner stets gedenken. Im Namen des gesamten Reichskalirats: Dr. Kempner Qebelmer Justizrat, Vorsitzender. Direktor tm Deutschen Kallsyndflcat, stellvertretender Vorsitzender. 281 D Daatfoher Mitillirbfiterverb, verwoltnngsstelle Btrlw Den Kollegen zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die 9W>enerln§0/9 Erna Jüger Deißensee, Metzstr. 48 am 8. Mal gestorben ist. itüd)tnttiQQ9 3 Ufte, Leichenhalle de» Gemeinde- Friedhofe» in Weis Röikestratze, aus Ferner starb am 9. b. Sit unser Kollege, der Schmied tmz Burkert Berlin. Kdsiwer Str. 19 Die GwSfchernng findet amDonner»tag,den 19. ds., norm.:/,tt Uhr. im Krema, tarium Gerichtstratze statt. Ghre Ihrem Andenken i Reg« Beteiligung erwariet Die vrt»o«rwaltni:g. Metslldette» Stahldrahttnotratzen, Kinder- betten. Polster an jedermann. Katalog fr. Eisenmabelfabrik, Suhl In Thür. 88/15 Bekanntmachung Die SteoenUen der von dem am 15. Jan 1878 verstorbenen MechantterDornbusch zugunsten der hiesigen Lehrerschaft gegründeten Stiftung aus dem Rechnungsjahre t»m 1. April 1920 bis dahin 1921 find mit 1200 M. in Beträgen von 300 Dt bzw. 150 Dt an fünf Lehrer und Lehrerinnen»erteilt worden. Das wird auf Grund der Beltimmung de» Kurators hiermtt öffentlich bekamttge- macht. SStD Fürstenwalde, den 3. Rai 192L gez. Dr. Ottdofc. Wassermann. Wtgener. Auf TeilsabJang Anzüge IQr Herren Uurselien fertig und nach Mall Prima Verarbeitung! Eingang im Möbellager. Sfolzmann Belle Alliancesfr. Damen Konfektion Schick u. fesch auf icredlf BFeder Bpannen-Sißl Frankfarf ep-Mee 350 Kbtfbaser-Dannn 103 Chaploffenburq 5chappen-5fE5 Mode und Sportkleidung angefertfst fn eigenen Werkstätten nach neuesten Modellen lieooeiftlS . StablaOocIor Stcnftc Slratzendahn I u.5 ab Bhf. Köpenick. J Gmpstehtt feinen renovierten, mod. dekor. Saal(500 Perf. fass.) und Diele für Bereine u. Sesellfchaften. Große Spielwiesen. I Zed. Sonntag:MW�MWWW«W»MWl tzimezpiitz-AiuIIge In neneatsr Lxortkonu, aua forgstixUeberv Stötten tob. 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Desember IttSO Unkosten a) Gehälter, Teuerungszulagen, Gratifikationen, Tantiemen und sonst Geschäftsunkosten...... b) Steuern........... Beiträge zum Beamtenversicherungsverein d. Deutsch. Bank- u. Bankieroewerbes und zur Pensionskasse der Bank.. Abschreibungen auf Bankgebäude............... Reingewinn Verteilung: 10°/« Dividende auf Mark 90 000 000............. Ueberwelsung an d. außer- ordentl. Reserve...... Ueberwelsung an die Konto- Koirent-Reserve...... Ueberwelsung an die Wohl- fahrtskasse.......... Tantieme des Aufsichtsrats Vortrag auf neue Rechnung 49 894749 6460927 418115 143585 9000 000 4 009000 2250000 500000 729 729 203730 73600 838 Gewinn-Vortrag aus 1919 Gewinn aus Zinsen sowie aus deutschen u. fremden Wechseln...... Gewinn aus Provisionen. Gewinn aus dauernden Beteiligungen hei Banken und Bankfirmen... Verschiedene Gewinne u. Mieteinnahmen..,. A 148 281 47 387119)22 20 191 436 840 041 5033959 X Beklei dungsstelle der Stadt Heukölln Yä Geöffnet 8—6 Uhr Verkauf an Jedermann. Bergstraße 29 � ■• i.,.,—* Straß enbahn-Verblndung: 7. 15, 47, 48. 22, 46, 94. C,>, 1. Stadtbahn-Verbindung: Ringbahnhol Neukölln Herrenkleidung gerrsnanzflge 135oo250w350M550 Borschenanzfige � Ii500bis47500 gosen moderne Streifen von 54°° b'5 155°° 8gmllikr-?glktot8 StÄr 28500 Sommer-Raglan h�hmodem. 575°° Drellai!ztigeSea?treÄtäD.nddauer: 80°° Westen Jnu|e«en!n.Mi.titarmi.nte,n 15°° riaasaaaaaaeaaaeaM■•■■■■■>■■■■■vmansaMBaaaanaaaaai AnttergewöhnL billig. Angebot! » Damen.Stlefel. » Herren-Stiefel Mk. 70__ Mk 80 Damenkleidung Kostflme"• iB ver'n 225°° b schiedenen Farben Damenröcke La»>»»aUOUWWaaMaaa»MaaatzaaaaaaaMVaaWaMWIaMaaaWaOaaaaaaaUavaaaaaaaaWaaaaaGaUaaaaaaaaaanaaaaU»a -Endlich.. 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Küln, KOnIg-berg 1. Fr., Leipzig, Magdeburg, Mainz, Marburg a. d. L., Memmingen. München, Nürnberg und Wiesbaden bei unseren Niederlassungen, sowie bei unseren Depos tenkassen und Wechselstuben in Alsfeld I, H., Biebrich a. Ft>„ Büdingen, Butzbach 1. H., Friedberg I. H„ Höchst a. M-, Lauterbacta I. Limburg a. d. L., Neu» Isenburg 1. H., Nienburg a. W., Ottenbach a. AU, Schotten 1. H-, Uelzen(Prov. Hannover) und Wetzlar an unseren Kassen vormittags zwischen 9 und II Uhr, in Coblenz und Küln bei der Firma Leopold Seligmann, in Meiningen bei der Bank kür Thüringen vormals B. M. Strupp Aktiengesellschaft, in München bei der Firma H. Aufhäuser, in Stuttgart bei der Firma Doertcnbach& Cle. Q. m. b. H., in Tübingen, Hechingen und Sigmarlogen bei der Bankcommandlta Slegmnnd Well. Die Dividendenscheine sind auf der Rückseite mit dem Firmenstempel oder dem Namen des Einreichenden zu versehen. Frankfurt a. M-, den 11. Mai 1921. Der Tontand der ffUtteldentnehen Credltbank. Dr. Katzenellenbogen. 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Schauspielhaus (KarlstraBe) 7 U.: Ein Sommernachtstraum (Außer Abonnement) So.7U.: Sommernachtstraum (Außer Abonnement) Theater 1. d. KOnipgratzer Str. 730 U.: Rugby Sonnabend: Rugby Pfihgstsonntag: Rugby Pfingstmontag: Salome Komödienhans; Ab morgen, Sonnabend: Der blonde Engel von Robert Winterberg Uraufführung Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr; DAS Hilde Worner, Ralph Arlur Roberts, Uschi Elleot« Herbert Riper, Paul Rehkopg Cen tral-Th eater 7V>Uhr:Jl0nka Oentsches Opernhnna s»/,uhr: Parsjfal Friedr. Wilhelms t.Thv Hoheit die Tänzerin Kl. Hchausplelhaus t«/, uhr; Reigen Tinstsplcihaiin 7*/f tlhr: Arnold Riech in Die spanische Fliege Stetpopol-Theater % Die hiane Mazur Nuaea OperetteKtheat. Geschlossen Sonntag 7 Uhr: Premiere Atnerican-Girl IVones Volhntheater v uhr: Rose Bernd Islcli 1 1 1 er-T h ea t. Chftrl. �u.: JeKciien Geliert Schloßpark- Theatf. Steglitz, SchloBstraBe 48 Timon i'/tU.: Thalla-Tlienter 7'/. uhr Mascottchen Th. am Atollen dorrp lata Jhf ller Vetter aus Dingsda Theater den Westen« u�: Korgen wieder lusl! Th.i.d.Kommandantenstr. uVr' Die goldene Freiheit Wallner-Tli eater 7v�hr:DeFTrauinvoniGllick Walhall a-Thcater JhrScheidnngsreise Residenz- Theater Täglich 7Vj Uhr; Paul Wegener in 9as Privileg An beiden Feiertagen Vajt: Lady Windermer. Fflcher Trlanoa-Theater SUhn ROSEN yon Hei mann Sudcrmann. Olga Liniuurg, Karola Tocllc, Wilhelm ilendov. An beiden Feiertagen 4 Uhr; Rosen Volksböhne . Theater am Bülowplatz. 7>/-uhr: Antigene Lessing-Theater 7 uhr: Peer Gynt Sonnabend, neueinstudiert � u. Rosenmontag Sonntag und Montag 3 Uhr: Frau Warrens Gewerbe Sonntag und Montag 7'/, Rosenmontag Deotsches Künstler-Theater Allabendlich 7'', Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, Stiller Sonntag und Montag 3 Uhr: Pygmalion Kleines Theater Täglich 7>,i Uhr: Kur ein Traum Olga Limburg, Eugen Burg, Falkenstein, Mamelock An beiden Feiertagen 4 Uhr: Casanovas Sohn Komisehe Oper Opernspielzeit Täglich /Vi Uhr JHt-Keidelberp Oper von Pacchierotti !T Knr nicht drängeln Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägi.l/.S Nur noch bis einschl. 27. Mai Bollrich& Sohn Sonnabend, 28. Mai,z. I. Male; Frenden der Häuslicbkeit Am 1. und 2. Piingstfeiertag nachm. 3'/,: Höllenqualen i 7'/,��"� Allabendlich: I listische Neuheit| Zm | Reiche der| Venus mit 25 bemalten Frauen (ausl SenM'ions- neu'neit) Einstuuiert von Georges Blanvalct | AußefdemQastspiel J Afra die weltberühmte Wahrsagerin | und weitere Mai»| Sensationen Sommer-Preise!! iiiige Angebote für Pfingsten! 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Dir hatten damit die Verpflichtung übernommen, die Folgen der Niederlag« zu liquidieren. Dir haben den Krieg beendet und die schweren Daffenstillstandsbedingungen unterschrieben, denn Deutsch- land war unfähig, sich weiter verteidigen zu können. Deutsch, nationale Blätter haben das als ein Verbrechen bezeichnet.(Pfui!) Zweifellos ist der Friedensvertrag der Ausdruck imperialisti» icher Herrschsucht, aber er mußt« angenommen werden, wenn der Krieg beendet werden sollte. Sicherlich hätten auch die Rechtsparteien den Friedensvertrag unterschrieben, wenn es auf ihre Stimmen angekommen wäre. Sie konnten sich den Luxus der Ab» lehnuna leisten, weil ja die anderen unterschrieben. Wie steht es nun Mit der Ausführung des Friedensvertrages? Die Forde- rung der(Entwaffnung wünschen wir ehrlich durchgeführt zu sehen. Aber die Gerechtigkeit verlangt, daß auch die anderen Staaten zur Abrüstung schreiten.-(Lebhafte Zustimmung.) Auch die Aburteilung der Kriegsverbrecher ist durchaus erfüllbar. Wenn das Reichsgericht bisher noch keinen einzigen abgeurteilt hat, so (Nuß man mehr a« ein Zfichfwollen als ein Nichtkönnen dieser Körperschaft glauben.(Sehr richtig!) Auf die Behauptung der verflossenen Reichsregierung, daß ste die zunächst geforderten 20 Milliarden Goldmork bereits gezahlt habe, ist zu sagen, daß ste zum mindesten von ihren Gachverstän- di g en nicht gut beraten war.(Bewegung.) Der Redner kritisierte sodann das diplomatische Vorgehen der vergangenen Re> gienmg. Die Pariser Beschlüsse wurden nicht mit einem Gegen» Vorschlag beantwortet, die Londoner Konferenz wurde mit der Erklärung begonnen, daß die Pariser Deschlüsie unerfüllbar seien. Dann kamen die Schritte beim Präsidenten h a r d i n g und beim Vatikan, hardings Rat an die deutsche Regierung, neu« Vor- schlage einzureichen, wurde nicht befolgt, und nun erfolgte dos Ulti- motum, das in längerem Kampf zwischen englischen und französischen Interessen zustandeg�ommen ist. Briand bat zwar seine ganze Kraft auf die Durchführrnig der Pariser Be» schlüise gerichtet, aber er hat nachgeben müsien. Das Ultimatum versucht, wenn auch in unzureichender Weise, der deutschen Leistungsfähigkeit Rechnung zu tragen. Die finanziellen Bedingungen des Ultimatums haben bei der SPD.-Fraktion schwere Bedenken erregt, aber der Zahlungsplan, der für die geforderten 132 Milliarden vorgesehen ist, erscheint reali» sierbor. Es gibt natürlich auch Saihverständige. die von der Un> erfüllbarkeit überzeugt sind. Es handelt sich jetzt für Deutschland darum, den restlosen Beweis zu erbringen, daß wir da» Menschenmöglichste leisten wollen. (Bravo!) Nach llstündiger Beratung hat die SPD.-Fraktion be. schlössen, dem Ultimatum zuzustimmen. Dadurch ist die Be» setzung des Ruhrgebiets verhindert worden und damit die wirtschaftlichen als auch die politischen Folgen der Besetzung. Die deutsche Wirtschast wäre durch die Berteuerung der Ruhrkohle furchtbar geschädigt worden und die Arbeits» losigkeit wäre in Deutschland ins unermeßliche gewachsen. Das zu verhindern war«in» der wichtigsten Aufgaben der deutschen Sozialdemokratie., Die Deutsche Bolksp artef war zunächst bereit, das Ultimatum zu unterzeichnen. Erst als später bekavut wurde, daß sowohl Zentrum al» SPS. und U?p. entschlossen waren. das UMmalum anzunehmen, zogen sich die Strchemäauer au» reis agilakorischeu Erwägungen zurück, und bei der Abstimmung haben schließlich nur noch sechs ihrer Mitglieder für die Annahm« des Ultimatums gestimmt. Bei der Regierungsbildung waren wir der Meinung,.daß auch die Unabhängigen in die Regierung eintreten sollten. Die UTP. erklärte sich aber nur bereit, mit uns eine Regierung unter Ausschaltung der bürgerlichen Parteien zu bilden. Eine solch« Regierung hätte keine Mehr» h e i t im Parlament und sicherlich auch nicht die Anerkennung der Entente gefunden. Wenn unsere Genossen in der Regierung das uneingeschränkte Berttauen der Arbeiterschaft genießen, dann werden st« auch stark auftreten können.(Lebhafter Beifall.) Es folgte ein« sehr ausgiebig« und lebhafte Diskussion, an der die Genossen Klein, Schiff, Dr. Zechllu. Zmhof, Gennerl, Bernhard Krüger, Satzeusteln und Polizeiprässdent Richter teil- nahmen. Nach einem Schlußwort des Referenten Gen. Hildenbrand wurde über die Entschließung des Bezirksvorstandes abgestimmt. Ein von Schiff beantragter Zusatz(Ablehnung einer Jeden gemein- samen Regierungsbildung wtl der Deutschen volkspartel), der von mehreren Diskussionsrednern befürwortet, vom Referenten in seinem Schlußwort als unzweckmäßig bekämpft wurde, wurde in be» sonderer Abstimmung mit gewaltiger Mehrhxit angenom- mm. Sodann wurde die nachstehend« Gesamtresolutwu einstimmig angenommen. Entschließung: .Die Funktionär« der SPD. Groß-Berlins billlaen den Be» schlutz der sozialdeniakrakisch-m Reichskagsfrokkion. für die Annahme de» Entente-UMmatvms zu stimmen, da unter den angedrohten Zwangsmaßnahmen di« arbeitende Bevölkerung in erster Linie zu leiden gehabt hätte, ohne daß die Verpflichtungen Deutschlands aus dem Friedensvertrags dadurch besettigt worden wären. Angesicht« der Totsdche, daß Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Kam- munisten im Interesse ihrer nationalistischen und Partei. agitatorischen Hetze die Annahm« des Ulttmatum, ablehnten. war die Sozialdemokratie gezwungen, in dieReichsregie. rung einzutreten und mit die Verantwortung für die Durch» führung unserer Verpflichtungen zu übernehmen. Dies« schwere Berantwortungslast kann die Sozialdemokratie nur tragen, wenn durch eine schleunige Neubildung der preußischen Re- gierung ans der Grundlage der alten Koalition uns auch ein entsprechender Einfluß auf die Staatsverwaltung eingeräumt wird. Dabei kann nach der Stellungnahm« der Deutschen Bolls- Partei zum Ultimatum und nach ihren grundsätzlichen An» schauungen eine gemeinsame Reqiernngsblldung mit dieser Barkel weder im Reich noch in Breußen für uns in Betracht kommen. Di« Konferenz erwartet, daß die sozialdemokratischen Regierungs» Mitglieder mit allem Nachdruck dafür«intreten werden, daß die Cnt- waffnung und die sofortige Aburteilung der Srlegsverbrecher ernst- hast durchgeführt wird. Bei der Aufbringimg der finanziellen Leistungen ist in erster Linie die Belastung des Besitze» und de» Anteruehmergewinn« und der Praduttton bis an die äußerste Grenz« durchzuführen, und es ist dafür zu sorgen, daß die kopita- llstische Sleuersabotaqe der letzten Zeit mit allen Mitteln gebrochen wird. Tatkräfttge Demokratisierung der Verwaltung und Reformen der Rechtspflege sind hierfür und für den inneren Wieder- aufbau unbedingte Voraussetzungen. Bei der Durchführung einer solchen Politik wird die gesamte Arbeiterlchatt hinter der Re- gierung stehen." Daraufhin wurde die Versammlung um �12 Uhr geschlossen. Nene Bestimmungen Sondergerichte Der Reichstag ist gestern bis Avm 81. Mai vertagt wor» den mit dem üblichen Vorbehalt erner früheren Einberufung, falls die Ereignisse sie erfordern. Das Hauptergebnis der gestrigen letzten Sitzung vor Pfingsten, die sich infolge schwacher Besetzung des Haufes müde dahinschleppte, war die debattelose Annahme eines sozialdemokratischen Antrages, der die vielumstrittene Verordnung über die Son» dqrgerichte in wichtigen Punkten wesentlich mildert. Es ist festzustellen, daß nicht nur die Unabhängigen, sondern auch die Kommunisten wie im Ausschuß so auch im Plenum den sozialdemokratischen Antrag unterstützten, indem sie überflüssige Reden vermieden und einfach für ihn stimmten. Nachdem sie sich zwar über die Haltung der Sozialdemokrati» fchen Partei in dieser Frage den Wund arg zerrissen hatten, hiellen sie ihn im entscheidenden Augenblick geschloffen und bekannten sich damit stillschweigend zu dem Grundsatz, daß der Sperling in der shand besser ist als die Taube auf dem Dach. Auf nachträglich« Vorbehalte sind wir gefaßt, stellen aber trotz» dem diese leichte Wendung zur Realpolstik mit Befriedigung f-st. 0 Die gestrige Reichstagssitzung beginnt mit der Verweigerung der Genehmigung zur Sttafverfolgung de» Abg. Thomas(Komm.) wegen Beleidigung, Unterschlagung und Meineid»,«inem Anttag« des Gsschästsordnungeausschuffes entsprechend. Ein schleuniger Anttag ch offmann(Komm.)»erlangt di« sofortige Entlassung des Abg. Thomas(Komm.) aus der Sttafhaft in der Gefangenenanstalt Landsberg am Lech in Bayern. Abg. Brodaus(Dem.) berichtet über die Verhandlungen de» Geschäftsordnungsausschusses, der vorschlägt, dem Lnttage vi« Zu- stimmung nicht zu erteilen. Thomas soll bei der Ausforderung zum Hochverrat und Umsturz der bestehenden Staatsform auf frischer T a t ertappt sein. Wortmeldungen liegen nicht vor. Bei dar Abstimmung be- zweifett Abg. Emminger(Dayr. Bv.) die Beschlußfähigkeit de« Hauses.(Pfui-Rufe bei den Kommunisten.) Präsident Löb« stellt fest, daß das Haus befchlußunfähia ist und beraumt die nächst« Sitzung auf eine Biertelstunde später, aus läL Uhr an. Zweite Siftuttg. Präsident L ö b e»röftnet die neu« Sitzung um 2 Uhr. Neu auf die Tagesordnung gesetzt ist der Bericht de» Rechtsausschusses über den Anttag Müller- Franken(Soz.) betr. Abänderung der Ber- o r d n u n g über die Sondergerichte. Abg. Radbruch(Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlungen. D« Außschuß st eine Entschließung vor. die im wesentlichen folgende Punkte en.. Sttaftaten, die mit der aufrührerischen Bevegung aus dem Mörz 1921 in keinerlei Zusammenhang stehen, sollen nicht mehr vor die Sondergerichte gebracht werden. Jugendliche sollen aus» schtießlich von den ordentlichen Gerichten abgeurtaill wer- b-n, es sei denn, daß ihre Sttaftat im Zusammenhang steht mit Sttaftaten Erwachsener, die vor den Sonbergerichten behandelt wer- den. Ein Verteidiger ist in ollen denienigen Fällen zu be. stesien, in denen die Bestellung im ordentlichen Bersahren notwendig wäre. E» wird sichergestellt, daß der Verteidiger ebenso früh wie im ordentliche-»erfahr« bestellt wird und«v he» gleich« Äettt Sunkt wie im ordentlichen Berfahren die MSglichkett freier Ilten«insicht und steten Verkehrs mtt dem verhafteten Ange- klagten hat. Wettau« am wichtigsten sind die folgenden drei Bestimmungen: Di« Zett zwischen Ladung und Haupwerhandlung, bisher 24 Swn- den. muß künftig 3 Tage betragen. Ferner soll künftig unmöglich sein, daß der Angeklagte ohne Mitteilung einer Anklageschrift, ja ohne Jede Kenntnis der Beschuldigung. in die Hauptoerhandluna eintritt: die Einreichung und Mitteilung einer, wenn auch verkürzten Anklageschrift wird unbedingt vorgeschrieben. Schließlich hat sich die Beweisaufnahme, wenn nicht beide Teile darauf verzichten, auf alle vorgeladenen Zeugen und Sachverständigen und alle herbeigeschafttcn Be« w e i s m i t t e l zu erstrecken.(Der Versuch, die Bestimmung zu be- seittgen, nach der der Umfang des Beweisvsrfahrens im übrigen in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, scheiterte an der bürger- llchen Mehrheit. Im übrigen erklärten die Regierungsvertreter, daß di« Arbeit der Sondergerichte in einigen Bezirken nahezu beendet sei, in anderen bis Ende Juli voraussschtlich zu End« geführt werden könne. Anm. d. Red.) Der Ausfchußanttag wird ohne Erörterung«instimmigan- genommen. Das neue Gehührengesetz für die Auslandsbehörden geht an den Hauptausschuß. Der Gesetzentwurf über die läegelunq des Verkehr« mtt Getreide wird dem BolkewirtschafUichen Ausschuß überwiesen. Angenommen wird ein Antrag de« Ausschusse» für soziale An- gelegenhetton, di« Reichsregierung zu ersuchen, schleunigst«inen Gesetzentwurs so zeitig vorzulegen, daß noch im Laufe de» Frühjahr» ein« Gesetzesvorlage betr. Ausgestaltung der Leistungen in der Wochen Hilfe erfolgt. Es folgt die zweite Beratung«ine« Gesetzes über«in« erhöht« Anrechnung der während de» Krieg« zurückgelegten Dienstzeit derDeamten. Bei der Abstimmung über§ I bezweifelt Abg. Hoffmann (Komm.) die Veschlußsöhigkett des Hauses.— Der Präsident beraumt die nächste Sitzung auf 2 Uhr 15 Minuten an. Tagesordnung: Petttionen. Dritte Siftung. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 2 llhr 20 Minuten. Zahsteich« Bittschriften werden ohne Aussprache erledigt. Eine. Eingabe betr. den Schutz des Saargebiets wird der Reichs» regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Der Ausschuß zur Ausführung des Friedensvertrages fordert baldmöglichst ein Weißbuch über die Lage im Saargebiet. Nach Empfehlung de» Antrage» durch di« Abgg. Philipp(Dnat.) und Reichert(Dimt.) werden die Anträge de« Ausschusses angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Der Präsident schlägt vor. di« nächst« Sitzung obzuhatten am Dienstag, den 31. Mai. nachmittags 8 Uhr. Er erbittet di« Ermäch» sigung, wenn die polittschen Verhältnisse tt notwendig machen, auch früher eine Sitzung einzuberufen. Nach längerer Diskussion über diesen Vorschlag beschließt das Hous dementsprechend. Der Präsident wird ermächtigt, gegebenen» falls stüber eine Sitzung einzuberufen. Der Präsident schlägt vor, auf die Tagesordnung zu setzen das Gesetz über den V o l k s e n t- scheid, das Reichsschulgesetz und da« Gesetz über den Staats» gerichtshof. � Ein Antrag Hofsmann(Konvnch auch den Lmnestieanttag auf die Tagesordnung zu setzen, wird abgelehnt, ebenso ein Anttag desselben Abgeordneten aus Entgegennahme einer Regierungs» «rklärung. Für diesen Anttag stimmen mit den Unabhängigen und Kommunisten auch die beiden Rechtsparteien; dabei erweist sich ein Hammessprung als notwendig. Es erscheinen nur wenige Ab- ?«ordnete der Mtttelvarteien wieder im Saal, und das Ergebnis: 11 Ia-Stimmen uns 30 Nein-Stimmen ergibt eine neue Be- fchlußunfähigkeit des Hauses. Präsident Löbe: Ich halte es für selbstverständlich, daß die Regierung eine Erklärung abgeben wttd. Die Rekchsregierung vor üem Reichsrat. In der DonnerStagfitzung de» Reickitrat» stellte sich Reichskanzler Dr. V i r t h vor Einttitt in die Tagesordnung dem Reich»« rat mtt einer kurzen Ansprache vor, in der er betonte, daß die Re- gierung noch kein P r o gr a mm vorlegen könne, daß sie aber eine Politik treiben werde, die daraus hinziele, die Zustimmung zu dem Ultimatum durch Leistungen zu verwirklichen und da» deutsche BerspreÄen ohue Vorbehalt zu erfüllen. Aller- ding» erwartet die Regierung auch die Anerkennung ibre» guten Willen« von der Gegenseite und ein ehrliche» Spiel i» Oberschlesien. Der Reichskanzler bat darum, mit ihm de» schweren Weg zu gehen und das ,Ja' der deutschen Regierung vor allen Gefahren der Störung zu bewahren. Nach dem Reichskanzler stellle sich der neue Reichsminister de» Innern Dr. Gradnauer dem Reichsrat vor und betonte, daß das Deutsche Reich immer am besten dabei fahren werde, wenn man aui di« Bedürfnisse der einzelnen Länder Rücksicht nehme. Der Vertreter Bayern» dankt« den Vorrednern und versprach die bereitwillige Mit« arbeit de» ReichSrate». Keine Streikbrecherarbeit für Eaglanö. Brüssel, 12. Mal.(MTB.)»Zudependan« velge" meldet, daß Mahlmann, der Sekretär de» Hasenarbeiterverbandes von Antwerpen, dem Sewerkschaftsavsschufse und dem Elsen- bahuerverband mitgeieill hat. daß die Hafenarbeiter von Antwerpen es ablehnen würden, nach England bestimmt« Sohle« zu löschen. Er fordert die belgischen Eisenbahner auf. die Hafenarbeiter zu unter st ützen. und e» uuwSgllch zu mache«, daß belgische Sohle nach England gelangt. Gewerkschaftskämpfe in Krankreich. Baris, 12. Mai.(EE.) Heute abend trat die stanzöfisch« Gewerkfchaftskommissiou zur Sitzung zusammen. Aus der Tage»- ordoung standen folgende zwei Punkle: 1. Die internationale Lage. 2. Die innere Lage der stanzöflschen Gewerkschafieu. Zunächst wurde der zweite Punkt beraten. Zouhanx er- griff das wort und bezeichnete es al» unmöglich, daß die Gemerk. fchaften unter den gegenwärtigen Umständen ihre Tätigkeit weiter ausüben könnten. Jede Propaganda und jede Neuanwerbung voa Mitgliedern sei unmöglich geworden, da die Gewerkschafieu bei allen Gelegenheiten auf da» unzlemeudfte angegriffen werden. Hiermit müsse aber endlich Schluß gemacht werden. Der Sekretär der Gewerkschaft Bouches du Rhone, die der kommuntstifchen Gruppe angehört, machte llouhaux zum Vorwurf, daß die Sewerk» fchaften sich ihrer Aufgabe nicht mehr bewußt feien. Auch mit der revisionistischen Richtung müsie Schluß gemacht werden. Di« Debatte wurde in der heftigsten weise geführt. Der Reichspräsident hat an den bisherigen Minister des Innern K o ch ein Handschreiben gerichtet, in dem er den Abschied au» seinem Amt genehmigt und ihm für seine geschickte und umsichtige Leitung seines Dienstbereich»,-insbesonder« auf organisatorischem Grjdletz seinen Dank ausspricht. Kasparek aus der hast entlassen. Der ehemÄige Landrat von Sangerhausen, der Unabhängige Kasparek, ist am Mittwoch aus der Haft entlassen worden. Die Verhaftung war unter der Anklage de« Hochverrats erfolgt, den Kasparek in seiner Eigenschaft al» Landrat begangen haben sollte. Die Haftentlassung zeigt, daß die Anklage schon in der Voruntersuchung zusammengebrochen ist. Trotzdem hat die deutschnotional« Press« seit Wochen über Kasparek in einem Sinn geschrieben, als ob er des Hochverrat» bereit» überführt fei. Radikal aber unorganisiert. Der Bezirksparteitag der DKPD. für Brandenburg-Berlin hat beschlossen, daß Fritz Wolf von der Reichsgewerlschaftszentrate der VKPD. sämtliche Funktionen in der DKPD. niederzulegen habe, da er bis jetzt noch keine Gelegenheit genommen hat. sich die Mtgtiedskarte der VKPv. zu be- schassen, bzw. sich zu organisieren.— Warum sollen sich auch groß« Geister wie Fritz Wolf mit solchen Kleinigkeiten abgeben? Irreführende Behauptungen. Die„Freiheit" bringt die Mel- dung— und bürgerliche Blätter reden sie ihr nach— daß nach der Neuwahl des Borstands der sozialdemokratischen Landtagssraktion Genosse Heilmann dem Vorstand nicht mehr angehört. In Wirklichkeit hat Genosse Heilmann dem Dorttond der Landtagsstak» tion auch vordem nicht angehört, weder in der Landesver- fammlung noch im Landtag. Irgendwelche politischen Schlüsse au» der Tatsache, daß er auch dem neuen Dorstand nicht angehört, find daher ganz und gar unangebracht. BeseMgle» Ausnahmerecht. Das Reichegericht bat«nsschieden, daß die im Artikel 151 Abs. 1 des bayerischen Bolkeschul- lehrergesetzes vom 14. August 1919 enthalten« Bestimmung, wonach da» Dienstverhättn!» der Volkes chullehrerinnen mit der Eheschließung erlischt, mit der Bestimmung des Ar- tikels 12 Abs. 2 der Re i ch s v« r f a s s u n g, wodurch alle Lue- nahmebestimmungen gegen weibliche Beamte beseitlgt sind, unver- einbor ist. Neoorduung des Schuhposizeiwefens. Der preußische Minister de» Innern' hat nach Abschluß eingehender Verhandlungen mit den zuständigen Ressorts Preußens und des Reiches nunmehr ange- ordnet, daß die noch im Angestelltenverhältnis befindlichen Ange- hörigen der Schutzpolizei sofort als unmittelbare Steatsbeomt« angestellt werden.__ tettte Nachrichten. Blutiger Abschluß eiuer LiebeStragödie. Im Hause Iahnstt. 7 spiett« sich gestern vormittag eine blutig« Liebesttagödie ab. Hier wohnt auf dem 2. Hof im 3. Stockwerk di« Wftwe ElisabethKalbhenn mit ihrer 24iShrigen Tochter Charlotte. Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags«rhiett die Tochter in Abwesenheit der Mutter den Besuch ihres Bräutigams, des 29 Jahre alten Techniker» Peter Schäfer, der in der Che- mischen Fabrik im Elekttonwerk I in Ditterfeld beschäftigt war und dort wohnt«. Etwa gegen HU Uhr hörten Hausbewohner 4 Schüsse fallen, legten aber der Sache keine weitere Bedeutung bei, bis schließlich nachmittags gegen 4X Uhr die Mutter der Kakbhenn heim- kehrte und nach Oeffnüng der Wohnung ihre Tochter Charlotte und deren Bräutigam tot am Fußboden in einer Blutlache liegend auf» fand. Nach den angestellten Ermittlungen hat Schäfer seine Braut und dann sich selbst durch Schüsse aus einem Tromm ettevolvrr in die Schläfe getötet. Unmittelbar neben ihm lag die Waffe und in seiner Rocktasche fand man noch 12 Patronen. All« Umstände deuten daraus hin. daß Schäfer bereits mit der Absicht nach Berlin ge» kommen war, feine Braut und sich selbst zu töten. Der Beipeg» grund bedarf noch der Aufklärung. Die beiden Leichen wurden dem Schauhause zugeführt. GeVerMostsbewegung Verräter öer Arbeitslosen. Mit diesem Titel belegt die»Rote Fahne" natürlich die— »Vorwärts"» Redatliom Wir hatten uns in der Abendausgabe vom i. Mai mit der Rede Malzahns auf der letzten Reichskonferenz der Erwerbslosenräte beschäftigt und an seine Aufforderung, die Arbeits- losen sollten»Demonstrationen unternehmen nach den Stadt- und Gemeindeparlai�enten" und nach den Bureaus der Gewerk schaftSvor st ände und Ge- werkichaftSkartelle" die Mahnung gerichtet, diesem Rufe nicht zu folgen, da man heute zur Genüge weiß, was aus solchen kommunistischen Aktionen, die man bekanntlich nach berühmten Mustern„steigert", wird. Die„Rote Fahne" findet schon am i2._ Mai den„Mut", darauf zu erwidern in der Hoffnung, daß ihre Leser den Bericht von der Reichskonferenz schon längst wieder ver- gessen haben. Das Kommunistenblatt hat den traurigen Mut zu behaupten: „Diese Ausführungen der ,VorwärtS"-Leute sind an die Adresse der Bourgeoisie gerichtet, um sich dieser immer wieder als die Wabren Schützer des Kapitals anzupreisen. Der „Vorwärts" kann beruhigt sein, die Arbeitslosen haben schon lange erkannt, in welchem Lager sich die schamlosen Heuchler be finden, die es wagen, sie zu verhöhnen und zu verspolten." Auf diese Schmutzereien der„Roten Fahne" auch nur mit einer Silbe einzugehen, lehnen wir aus ReinlichkeitSgesübl ab. Aber wir bitten sie, uns einmal zu sagen, was denn die Kommunisten bisher Positives an den Arbeitslosen getan haben. Unseres Wissens bestand ihre„Fürsorge" für die Erwerbslosen in der Hauptsache dariw sie im Interesse ihrer Partei auf die Straße und vor die Rathäuser zu rufen und in die Gewehre der Polizei zu schicken. Wenn die„Rote Fahne" weiter behauptet, daß die Arbeits- losen immer mehr erkennen, ihr Los könne nur von den Kommunisten gebessert werden, so empfehlen wir ihr, sich einmal auf den Arbeitsnachweisen umzusehen. Dort kann sie die Erfahrung machen, daß die kommunistischen Propagandeure nur in allerseltensten Fällen noch Zuhörer finden, daß man sie dafür aber sehr oft am Reden überhaupt verhindert. Diese Tatsachen sollien doch den Kommunisten zu denken geben und sie veranlasien, ihre Meinung über die Frage, wer Verrat an den Arbeitslosen übt, zu revidieren. Vielleicht kommen sie mit dem größten Teil der Arbeitslosen zu der Ansicht, daß die Verräter nicht auf unserer Seite zu suchen sind. Zum Streik im Tiefbaugewerbe. Da der Streik der Berliner Tlefbauarbeiter bereits seit i. April dauert und die Verhandlungen der Parteien resultatlos blieben, griff der SchlichtungSausschuß von Amts wegen ein. Die Verband- lungen waren ain Dienstag. Dr. Schütz als Vertreter der Arbeit- geber erklärte, das Haupltarifamt sei in diesem Falle zuständig, nicht der SchlichtungSausschuß. In Wirklichkeit ist in Lohnstreilig- keilen das Bezirkslohnamt zuständig. Ueberdirs bestehr zwischen dem Deutschen BauarbeUerverband und der Ortsgruppe der Unter« nehmer für das Tiefbaugewerbe kein örtlicher Tarrfvertrag. Der SchlichtungSausschuß erklärte sich schließlich für zuständig.(Das Gegenteil war in dem von einer Korrespondenz verbreiteten Bericht gesagt, der auch im„Vorwärts" in der Abendausgabe am Mittwoch erwähnt wurde, sich jetzt aber in diesem Punkte als falsch erwiesen hat. D. Red.) Nunmehr erklärten der Vorfitzende deS ArbeitgeberverbandeS Ziegler und Dr. Schütz übereinstimmend:„Wir lehnen eS ab, in sachliche Verhandlungen einzutreten."— Deshalb scheiterte der Einigungsversuch I Aus diesem Verhalten der Ticfbauunternehmer geht klar hervor. daß sie überhaupt nicht gewillt sind, den WirtschastSfrieden im Tiefbaugewerbe wiederherzustellen. ES scheint ihnen nur darauf anzukommen, die Organisation der Tiefbauarbeiter zu zerschlagen. Wir ersuchen alle im Baugewerbe beschäftigten Arbeiter daraus zvt achten, baß Streik arbeit u n ter keinen Um st änden geleistet wird. Das Kesseltreiben gegen die Reichsangestellten. Neuerdings ist eine Geheimverfügung des Reichsfinanz- Ministeriums ergangen, nach der die Entlassung von 25 P r o z. oller Angestellten vorgenommen werden soll. Dieses Vor- gehen beschränkt sich nicht auf die Reichsministerien, auch alle nach- geordneten Behörden werden davon betroffen. Die versuchte Recht- fertigung dieser Maßnahmen bedeutet eine Irreführung der O e f f e n t l i ch k e i tl Es stimmt nicht, daß allgemein bei den Reichsbehörden überzählige Arbeitskräfte vorhanden wären, ebenfalls nicht bei einem Teil nicht ins Gewicht fallender abbauender Dienststellen; gegen einen gleichlaufenden Abbau der Arbeitskräfte erheben hier weder die Angestellten noch ihre Organisationen irgend- welchen Einspruch. Das große Kesseltreiben gegen die Angestellten dient lediglich dazu, Beamte an ihre Stelle zu bringen, die aber mit den einschlägigen Derwaltungsarbeiten nicht immer aus- reichend oertraut sind. Die verfahrenen Zustände in den Finanz- ömtcrn zeigen das augenfällig. Mit Recht erregt die Angestellten besonders, daß sie neuen Beamten und Beamtinnen Platz machen sollen. Das Reichspostministerium geht auf diesem unrühmlichen Wege führend voran! Es will die kaufmännisch vorgebildeten männlichen Angestellten der Postscheckämter innerhalb kurzer Frist zur Entlassung bringen und dafür jugendliche weibliche Arbeitskräfte im Beamten- Verhältnis einstellen. Bessere Eignung sei der Grund! Nicht etwa die geringeren Gehaltsansprüche der jungen Mädchen? Ilm die Demobilmachungsvorschriften scheint dos Postministerium sich nicht kümmern zu wollen. Die betroffenen Angestellten aber, zum großen Teil Familienväter, denken nicht daran, sich zugunsten von Beamtentöchtern usw. widerstandslos auf die Straße setzen zu lassen. Ihre Stimmung ist bereits sehr oerschärft, und größere Konflikte drohen. Auch andere Behörden find dabei,?n der gleichen �sozialen"' Weise neue Beamten st ellen zu schaffen. Soll das Reich vor schweren Schäden bewahrt bleiben, wird die Regierung gut tun, der weiteren Entwicklung größere Aufmerksamkeit als bisher zu widmen. Auch der Reichstag wird hierzu bei den Sonderberatungen der Minifteretats Stellung zu nehmen haben und die schon weit ge- diehenen Vorbereitungen der Massenentlassungen von Angestellten in gründlichen Einzelberatungen nachprüfen müffen. Die Gärtner zum kommenden Arbeitsrecht- Der. Berband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter(Verwaltung Groß-Berlin) hielt am Mittwoch eine allgemeine Mitgliederverfamm- lung ab. Reichstagsabgeordneter Eugen Kaiser, ein Kollege der Versammesten, referierte über das geplante neue Arbeits- rechtsgesetz und die Gärtnereiarbeitnehmer. Er oerwies darauf, daß der Entwurf eines Gesetzes über die Einführung von Arbeits- gerichten schon seit etwa einem Jahre fertig sei und schon fest langer Zeit dem Reichskabinett zur Entscheidung vorliege, ohne daß es bisher möglich gewesen sei. ihn„von dieser polsttschen Leimrute" loszubringen. Die Arbeiterschaft, ganz besonders ober die der Gärt- nereibetriebe und der Landwirtschaft, könne nur wünschen, daß der Entwurf möglichst bald Gesetzeskraft erlange. Außer für die einzel- neu Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis sollen die Arbeits- gerichte auch zuständig sein für Forderungen, die sich zwischen Ar- beitnehmer und Arbeitgeber nach Beendigung des Arbeits- Verhältnisses ergeben und die bisher den langsam und schwer- fällig arbeitenden ordentlichen Gerichten zufielen. Für Gesamt- ftreitigkeiten wolle der dem Reichstag vorliegende Entwurf einer Schlichtungsordnung endgültiges Recht schaffen. Die Arbeitervertreter werden im Parlament alles tun, um aus diesem Entwurf bedenkliche Bestimmungen zu entfernen, so die Erschwerung von Streiks. Redakteur R e I n h o l d von der„Allgemeinen Deutschen Gärt- nerzeitung" ergänzte den Vortrag und begründete folgende Reso- lution: „Die Versammelten richten an die Reichsregierung das drin- gende Ersuchen, bei der Neureglung des Arbestsrechts auch endlich einmal eine Lösung des seit 1869 die Gemüter er- Hitzenden gärtnerischen Rechtsfrage in freiheit- lichem und modernem Sinne herbeizuführen. Die gärtnerische Arbeitnehmerschaft erwartet die Erledigung der Frage, ob der Betrieb der Gärtnerei zum Gewerbe oder zur Landwirtschast gehört, durch völlige und restlose Beseitigung der immer noch vor- handenen Beschränkungen des landwirtschaftlichen Arbeitsrechts, daß es kein zweierlei Maß auf diesem Gebiete mehr gibt. Eile tut aber not, wenn nicht das Vertrauen weitester Kreise unseres Berufs zur Rechtsprechung, die mangels einheitlicher Normen schwankend sein mutz, noch mehr erschüttert werden soll. Zu diesem Zwecke ist aber nötig, sich mit der Berufsorganisation in Verbin- dung zu setzen, um angesichts der schwierigen Unterscheidungs- Merkmale der verschiedenen Betriebe eine wirkliche praktische, nicht nur von juristischen Erwägungen beeinflußte Lösung zu finden. Des- halb fordert die Versammlung im Hinblick auf§ 18S der Reichs- Verfassung auch Hinzuziehung des Verbandes der Gärtner und Gärt- nereiarbeiter als größte Berufsorganisation, die schon fest Jahren als Vorkämpfer auf diesem Gebiete wirkt." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Ueber„Koalitionsrecht und Berliner Kirchengemeinden" sprach dann der Vorsitzende Bermotat, indem er das schroffe Verhalten der Berliner Kirchengemeinden bei Ge- legenheit und auch nach dem verloren gegangenen Streik der Fried- Hofsarbester scharf kritisierte, die ihre viel gerühmte Liebe zum Nächsten dadurch bewiesen hätten, daß immer noch KIS Kollegen ausgesperrt seien, von denen eine ganze Anzahl über 20 Jahre lang, hinauf bis zu 31 Jahren, bei ihnen tätig waren. Während die Herren sich hinter der Behauptung verschanzt hätten, es sei alles b Ul ig er geworden, kälten die Geistlichen kurz vorher eine Erhöhung ihrer B e z ü g e erhallen, und jetzt erst habe man den. Generalsuperintendenten Teuerungszulagen und höhere Aufwandsentschädigungen bewilligst. Bei den Verhandlungen vor dem Demobilmachungskommissar habe selbst der Vertreter desselben erklärt, daß die Vertreter der Kirchengemeinden einen krassen Unternehmer st andpuntt eingenommen hätten. Zugunsten der Ausgesperrten ist eine großzügige Unter- stützungsaktion eingeleitet worden. Parlamentarisches aus der Knochenmühle. Die Wirkung unserer Notiz vom Dienstag morgen über die eigenartigen Zustände bei der Firma Peddinghaus Levator Weyermann, Zimmer- straße 72/74, war höchst überraschend. Von der Geschäftsleitung wurde unter den Angestellten eine Abstimmung darüber veranstaltet, — ob sie unsere Notiz dilligren oder nicht. Das Ergebnis der von einem Herrn Dohle geleiteten Abstimmung war geradezu nieder- schmetternd. Nur einer der Angestellten zwar billigte ausdrücklich die Notiz, 22 aber enthielten sich der Stimme, während nur sechs— aus naheliegenden Gründen— sich gegen unsere Mitteilung wandten. Das Resultat wurde denn auch von der Geschäftsleitung mit gebührender Wut aufgenommen. Im übrigen erging an die Angestellten unter 20 Iahren nochmals die Aufforderung, sich beim Eintreten der„Vorgefetzten"— von ihren Plätzen zu erheben. Es ist nunmehr höchste Zeit, daß die Angelegenheit aus dem Stadium der schriftlichen Diskussion in die praktische Behandlung durch den Zentraloerband der Angestellten übergeht! Voraussetzung ist aller. dings, daß die Angestellten dieser Firma sofort ihrem Verbände bei- steten, sowest sie es bisher noch versäumt haben. Maler, Lackierer! Die am Sonntag stattgefundene llrwahl der Delegierten zum Verbandstag hat nur die Wohl des Kollegen Dötzcr (349) ergeben. Die Stichwahl über die Kollegen Drendel(290), Kaiser(2S1), Schiemann(228), Klotz(224), Trennert(216), Plum (197), Sellheim(193), Schindler(183), Blüthgen(175), Hammer(167) ist am Montag, den 23. Mai. von ö bis 9 Uhr in den b�kaannten Lokalen. Die Ortsoerwaltung. »eutsch«»etalalbester.Veck«»». SecnaThnisefteSe SetSn. Heut««vt S Uhr Versammlung der Obleute der Betriebsräte l» der LchulauUl Zopp«»- platz.— Was geht ür der Metallindustrie vor? WirtfiHcrst Ein Kapitel zum Papierwucher. Einen interessanten Beitrag zu der lebhast erörterten Wucher!- scheu Verteuerung des Druckpapiers bietet der Geschäftsabschluß der Aschaffenburger Aktiengesellschaft für Zell- st off- und Papierfabrikation� der kürzlich auf der Generalversammlung zur Sprache kam. Gegen die Gesellschaft schwebt ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung, Kapitalsverschiebung. Bilanzverschleierung und Preiswucher. Unser Aschaffenburger Parteiorgan, die„Volks- zeitung". hatte, unterstützt von einem Teile der bürgerlichen Presie, ein« Reihe schwerster Beanstandungen an dem Abschluß veröffentlicht. Die Generalversammlung ist über diese Angriffe mit wenigen schnoddrigen Bemerkungen hinweggeglitten. Die wesentlichen Angriffe, die die „Volkszeitung" erhoben hatte und zu deren wörtlicher Wiedergabe uns der Raum fehlt, wurde in keinem Punkte widerlegt. Infolge- desien wird die Regierung an diesem Geschäftsabschluß besonders gutes Material finden, wenn sie dem Antrag des Reichstages auf Nachprüfung der Preiste durch einen Ausschuß parla- mentarischer, behördlicher und industrieller Versteter ernsthaft nach- gehen will.. Der Vorwurf, daß etwa 90 bis 100 Millionen Mari an Gewinnen allein auS dem Geschäftsjahr 1920 durch ge- schickte Bilanzfrisur verschwunden find, muß nach den Er- klärungen der Verwaltung aufrecht erhalten werden. Nach den Leugnungsversuchen der Direktion bleibt immer noch die Tatsache bestehen, daß die Holzvorräte dieser Gesellschaft zu den Selbst- kosten, die rund 6V M. pro Raummeter betragen haben, in die Bilanz eingesetzt wurden, daß dagegen der S e l b st k o st e n- kalkulation«in HolzpreiS von 290 M. im Jahresdurchschnitt zugrunde gelegt wurde. Durch diese» Rechenkunststück verdienst die Gesellschafl an jedem verarbeiteten Raummeter Holz 230 M. Da rund 400 000 Raummeter verarbeitet wurden, entsteht ollein dabei ein Gewinn von 92 Millionen Mark, der nirgends in Erscheinung tritt. ES kommt noch hinzu, daß die Holzborräte, wie von der Gesellschaft zugegeben wurde, zu einem großen Teil verschwiegen worden sind, angeblich weil sie„nicht greifbar" wären. Es handelt sich hier um 160 000 Raummeter, deren größter Teil im unbesetzten Deutschland lagert und wahrscheinlich nur so lange nicht greifbar ist, als man nicht über sie disponiert. Auch in diesen Vorräten stecken also ver« schleierie Gewinne, deren Höhe sich nicht so genau angeben läßt, weil der Tagespreis in letzter Zeit schwankt, die aber etwa 24 Mit- lionen betragen dürften. Wenn der Vorsitzende der Gesellschaft auf der Generalversammlung diesen Schwindel damit zu begründen versuchte, daß die Konjunktur in letzter Zeit rückgängig sei. so muß man sich doch fragen, wie bei rückgängiger Konjunktur die letzte wucherische Preiserhöhung von 20 Proz. möglich war. Bisher waren steigende Preise in der kapitalistischen Wirtschaft nur Zeichen guter Konjunktur. Gegen den Vorstand der Aschaffenburger A.-G. für Zellstoff und Papierfabrikation spielt außerdem eine Anschuldigung der Kapitalverschicbung. TS handelt sich um 500000 Holl. Gulden, die von dem Filialwert in Memel, also unter Umgehung einer deutschen Bank, nach Rotterdam geschickt worden find zur Gründung bzw. Finanzierung eine„EmkaufSorgauisation". Wenn die Gesellschaft dies mit der Notwendigkeit der Beschaffung aus« ländischer Rohstoffe begründen zu können glaubst, so bleibt doch immerhin zweifelhast, warum der Leiter dieser Einkaufsgesellschaft ausgerechnet der Bruder des Aufsichtsratsvorsitzenden ist und warum der Betrag nicht in der sonst üblichen Weise von dem Hauptwerk Aschaffenburg auS weitergeleitet wurde. Alles in allem: die Einzelheiten der Beschuldigungen, die wir nur kurz andeuten konnten, bleiben unbestritten. Das Schönste aber ist, daß man in der Generalversammlung behauptet hat. did"? Preise für Zellstoff und Papier seien immer nach den Fest- setzungen der Korteile bestimmt worden. Mit dieser„Eni- scbuldigung" erbebt die Gesellschaft gegen die Zellstoff- und Papier- fabrikantenverbände offen den Vorwurf wucherischer Preisgebarung. Denn genau so wie die Aschaffenburger haben andere Fabriken Niesengewinne eingeheimst, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Gewinnquellen so eingehend nachzuweisen. Das alle« geschah zu einer Zeit, wo es eine öffentliche Popierbewirtichaftung gab und wo behördliche Stellen für die Preisbildung mitverantwort- lich gemacht werden müssen. ES wird Aufgabe des zu wählenden SuSichusie« sein, nacbzuprüsen, wie diese Duldung deS Wuchers durch behördliche Stellen möglich gewesen ist. Bermutlich dürste sich dabei sehr leicht herausstellen, daß die Millionen, die jetzt noch vom Reiche zur Verbilligung des Druckpapiere« aufgewendet werden sollen, als liebergewinne den Fabrikanten abgenommen werden können. Verantw. für den redalt. Teil: Dr. Weener Pest», Cdarwtteabura: für Lnzeiflen Td.(Sloat, Verlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Dar- wärtS-Luchdruckeret u. Verlags anstatt Paul Singer a. Co.. Berlin. Cindenftr. z. Hierzu 1 Sefl-ge. CXSreitine