Nr. 228+ 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 112 Bezugspreis: Bierteljährl. 30,-, monatl. 10,-9. frei ins Haus, voraus zahlbar. Bot bezug: Monatlich 10,-, einschl. Bu ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, bas Saar- und Memelgebiet, tomie bie ehemals deut jchen Gebiete Polens, Desterreich. Ungarn und Luremburg 20,- M., für das übrige Ausland 27,- M. Bost bestellungen nehmen an Defterreich, Ungarn, Tschecho- Glowatei, Däne mart. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 20 Pfennig Anzeigenprets: Die achtgespaltene Nonpareillezetle loftet 5,50 m Aleine Anzeigen das fettgebrudte Wort 1,50 M.( au läffig zwet fettgedrudte Borte), jedes weitere Bort L- M Stellengesucht und Schlafftellenanzeigen das erste Wort i M. Jedes wetters Bor 60 Bfg. Worte über 15 Buchstaber zählen für zwet Worte Familien- An zeigen für Abonnenten Reile 3.Die Breise verstehen fich einschließlid Teuerungszuschlan Anzeigen für Ote nächste Nummer müssen bts& Uhr nachmittags tw Hauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden ftraße 8, abgegeben werden Geöffne Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Mortyplag, Nr. 151 90-151 97 Dienstag, den 17. Mai 1921 Die Kammerwahlen in Italien. Rom, 17. Mai.( EP.) Um Mitternacht wurde das Ergebnis| Rede Lloyd Georges am Freitag sei gewesen, daß man vielleicht der Kammerwahlen wie folgt bekannt: Liberale und Demokraten schließlich soweit tommen werde. ( Regierungsblod) 240 bis 285, Sozialisten 90 bis 110, Kommunisten 10 bis 15, fatholische Volfspartei 95 bis 105, Fascinisten und Nationalisten 25 bis 35. Der diplomatische Mitarbeiter des Observer" schreibt, die Taktik der französisch- polnischen Diplomatie gegen Deutschland habe einen Bunft erreicht, wo feine britische Regierung sich länger ruhig verhalten könne. Die Gefahren, die jedoch nach Ansicht der britischen Regierung aus einem englisch- franzöfifchen Bruche entstehen würden, feien jest weniger groß als der tatsächliche Schaden, der bereits durch den Entschluß der Franzosen, foste es, was es wolle, Deutschland im Often und Westen zu vernichten, angerichtet worden sei. Observer" betrachtet die Rede Lloyd Georges im Unterhause über Oberschlesien als den wichtigsten diplomatischen Schrift innerhalb der Entente feit 1918. Amerikas Haltung. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher. Amt Morisplay, r, 11753-54 Dem Chaos entgegen! Noch nicht zwei Jahre sind es her, daß die Vertreter hieß: Mit dem Infrafttreten des gegenwärtigen Vertrages von 28 Staaten ein Dokument unterzeichneten, in dem es nimmt der Kriegszustand ein Ende". In, Wirklich feit hat seitdem Europa aber nur in einem Zustand zwischen Frieden und Krieg gelebt wie zwischen Schlafen und Wachen. Gar nicht zu reden von den Kriegen, die in dieser Zeit in Osts europa und in Vorderasien geführt wurden, auch das Zentrum unseres Erdteils war immer wieder von vulkanischen Ausbrüchen der Gewaltpolitik bedroht. Die Besetzung des Maingaues durch die Franzosen, die wieder rüdgängig gemacht wurde, die Beseßung von Düsseldorf, Duisburg, Ruhrort, das Ultimatum der Entente mit der angedrohten Besetzung des Ruhrreviers, schließlich der polnisch- französische Annexionsputsch in Oberschlesien, das alles waren Tatsachen, die der Behauptung, der Kriegszustand habe ein Ende genommen, Hohn Sprachen. Rom, 17. Mai.( EE.) Die Wahlbeteiligung In Italien schwankt nach den jüngsten Schähungen zwischen 70 und 90 Proj. In fast allen Wahlfreifen von Trie ft trägt der Regierungsblod den Sieg davon. Das endgültige Resultat wird aber erst am Donnerstag bekanntgegeben werden. In den größeren Städten hat der Regierungsblod ebenfalls gefiegt. 3n Ferrara und Bologna enthielten sich die Sozialisten überhaupt der Wahl. Der zum Nachfolger Gioliffis ausersehene Salandra wurde wiedergewählt. Auch Nitti, den man ursprünglich geschlagen glaubte, ist mit seiner Lifte 3war gefallen, er selbst aber ist wiedergewählt worden. Die So3ialisten behaupten sich in Mailand. In Genua hat der Regierungsblod eine fleinere Anzahl von Stimmen als die Sozialisten, Paris, 17. mai.( WTB.) Der„ Chicago Tribune" Heute führen die französische und polnische Breffe auf Reformisten und Kommunisien zusammen. Die Reformisten dürften wird von ihrem Sonderberichterstatter aus Washington ge- der einen Seite, die englische und die italienische auf der andort vielleicht drei Sige erreichen. Die Niederlage der meldet, daß gewisse Anzeichen dafür vorliegen, daß die amtlichen deren eine Sprache gegeneinander, wie man sie sonst nur vor kommunisten ist vollständig, allerdings scheint ihr Führer Kreise mit den Aeußerungen Lloyd Georges im Unterhaus am dem Ausbruch eines neuen Krieges zu hören gewohnt Bombacci in Trieft gewählt zu fein. In den von Desterreich annet vorigen Freitag sympathisieren. Es sei jedoch unrecht, daß war. Die Entente, die noch vor wenigen Tagen geschlossen fierten Gebieten siegten überall die Sozialisten. Nur im Hochetsch- er sich so heftig ausgedrückt habe, weil das Uneinigkeit zwischen gegen Deutschland stand, nachdem noch einmal mit großer geblet gewannen die Deutschen 4 Site. Frankreich und England hervorrufe. In Washington werde es für Mühe ein Kompromiß der einander widerstreitenden InterRom, 17. Mai.( EP.) Die weiter eingelaufenen Berichte be- wichtiger gehalten, daß die Einigkeit zwischen England und essen gelungen war, zeigt sich so tief gespalten, daß es geradezu stätigen den Sieg des nationalen Blodes in Rom, Flo. Frankreich wiederhergestellt, als daß die oberschlesische alldeutscher Staatskunst" bedürfte, um sie wieder zusammenrenz, Neapel und fleineren Orten. Auffallend ist der Sieg der Frage geregelt werde Die Stellungnahme Washingtons zubringen. Berfassungspartei in Turin, wo bisher eine sozialistische Mehrheit werde mahrscheinlich inoffiziell bleiben und mittels moralischer UnterWem die Weltgeschichte nichts anderes als ein Schachspiel war. In der Provinz Ferrara, wo bei den letzten Wahlen mehr fühung die Cage beeinfluffen. machtpolitischer Interessen ist, der mag in diefer plöglich zuals die Hälfte sozialistische Stimmen abgaben, erhielten die Liften des Paris, 17. Mai. Hasas meldet aus Washington: Nach Nach. tage getretenen Aenderung nichts als eine Erleichterung bürgerlichen Blodes mit dem Fascistenführer Mussolini an der Spike richten aus amtlichen Kreisen erflärt man, daß die amerikanische Re- der Lage Deutschlands erblicken. Für den aber, dem rund 56 000 Stimmen gegen 14 000 Stimmen der Sozialisten und gierung die oberschlesische Frage für eine Angelegenheit von nur die Bermeidung neuen Blutvergießens unter den Bölfern, bie Kommunisten zusammen. In Mailand wurden abgegeben: fo- europäischem Interesse halte. Man glaubt in gut unter Schaffung einer dauernd gesicherten Rechtsordnung in Europa zialistische Stimmen 65 500, nationaler Blod 48 000, Katholiken richteten Kreisen, daß die amerikanische Regierung feinerlei eine heilige Agelegenheit ist, hat die Sache auch noch eine 12 000, Rommunisten 4000. Stellung zu dieser Frage nehmen wird und daß sie bis jetzt andere bedenkliche Seite. Denn nachdem der Bersuch, durch feinerlei Maßnahme getroffen hat, von der man annehmen könnte, den Frieden von Versailles eine solche Rechtsordnung zu daß fie entweder zur französischen oder zur engüschen Auffaffung fchaffen, offenbar gescheitert ist, droht das Faust recht im neige. Da es jedoch der Wunsch des amerikanischen Bolles ist, daß Völkerverkehr wieder ganz die Oberhand zu gewinnen, scheinen das Leben in Europa wieder normal werde, so ist die öffentliche fich Zustände zu entwickeln, die notwendigerweise zum InMeinung der Ansicht, daß die amerikanische Regierung, tergang Europas führen müssen. menn fich ein günstiger Augenblick dazu bietet, eingreifen werde, Der Bertrag von Bersailles spricht von den ,, affoziierten um die beiden Standpuntte zu vereinigen. Man und alliierten Regierungen" auf der einen Seite, von der glaubt jedoch, daß eine Cöfung ohne Amerika gefunden werden wird. Rom, 17. Mai.( EB.) Troß der Vorsichtsmaßnahmen der Be hörden ist es bei den Wahlen in einigen Ortschaften zu blutigen Zufammenstößen gekommen, bei welchen es Tote und Verwundete gab. In Istrien wurden Fascinisten und slawische Bauern überfallen und einige getötet. In den folgenden Kämpfen gab es zahlreiche Verwundete. In der Provinz Mantua tam es zu einem 3u sammenstoß zwischen Fasciniften und Kommunisten, wobei 2 Bersonen getötet und 5 schwer verletzt wurden. Auch in der Gegend des Vesuvs gab es mehrere Tote und Verwundete. Ententekonferenz in Ostende Amerika für Lloyd George. " deutschen Regierung auf der andern als von den beiden Bertragsteilen. Der Ausdruck assoziierte und alliierte Regie rungen" war gewählt worden, weil zwischen der europäischen London, 17. Mai.( WTB.) Wie aus New York berichtet wird, Entente und Amerita eine eigentliche Allianz nicht bestand. hofft die amerikanische Presse, daß die Unterhausrede Lloyd Georges Gleich nach dem Friedensschluß löste Amerita seine AssoziaParis, 17. Mai.( WIB.) Wie der Intransigeant" berichtet, world" glaubt, daß die Worte des britischen Premierministers Allianz nur noch eine geschichtliche Größe ist. Es gibt eine über Oberschlesien die 2uft reinigen werde. New Dort tion" mit Europa, und jetzt zeigt sich, daß auch die europäische wird die nächste Sigung des Obersten Rates wahrscheinlich in ebenso an die Franzosen wie an die Polen gerichtet waren. Das Ostende stattfinden. Auf der Tagesordnung werde in erster Linie Blatt schreibt: Wenn nicht durch die Festigkeit einer internationalen Rumänien bestehend, und es gibt ein französisch- pol fleine Entente", aus der Tschechoslowakei, Jugoslawien und die oberschlesische Frage stehen, aber die Alliierten würden Autorität, die den Schiffbruch des Krieges überdauert hat, das Ber- nisches Bündnis, das mit dem ersten Teil des Friedesbei dieser Gelegenheit auch gewiffe Einzelheiten über die Flüssig trauen wiederhergestellt wird, dann werden die Folgen furchtbar vertrages( Bölkerbund) unvereinbar ist. Aber daß es noch machung der deutschen Obligationen flarzustellen verfein. New York Times" erflärt, Bolen habe fein anderes alliierte Regierungen" im Sinne des Friedensvertrages gibt, suchen. Diese Frage gehöre eigentlich zu den Kompetenzen des Re Recht auf Oberschlesien als das, welches der Friedensvertrag ihm oder gar, daß es fie folange geben wird, als ihnen die geparationsausschusses, aber die alliierten Regierungen verlören fie gibt. New York Globe" schreibt, die Alliierten seien ebenso meinsame Aufgabe zufällt, den Friedensvertrag auszuführen, nichtsbestoweniger nicht aus dem Auge. Dazu tomme die Ent verpflichtet, Deutschland gegen einen ungerechten polnischen Angriff ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. waffnung Deutschlands. Ministerpräsident Briand werbe zu dieser Konferenz mit einem Antrag der franzöfifchen Rammer gehen, in dem die Wünsche des Landes einen bestimmten Ausdruck fänden. Das Blatt fagt an einer anderen Stelle, der Oberste Rat werde tommenden Montag wieder zusammen. treten. zu schützen, wie umgefehrt. Wie weiter gemeldet wird, verfolgen die Regierungstreife in viel zu tun, was ein gemeinfames, einverständliches Handeln Zur Ausführung des Friedensvertrags ist noch sehr Washington die Lage mit Aufmerksamkeit. der Alliierten erfordern würde. Das erste ist Oberschle. fien. Hier foll ein Fpruch gefällt merden, der auf Grund i Die Unzufriedenheit mit Le Rond. jeftiver, unparteiischer Erwägungen über das fernere ftaatliche Paris, 17. Mai.( WTB.) Der Sonderberichterstatter der Chi- findet sich aber im Zustand des schärfften innern Haders, geSchicksal des Landes entscheidet. Die Spruchkommission be Rückzug Lloyd Georges? cago Tribune" in Oppeln meldet seinem Blatt, der Rommanradezu in dem des Berfalls. Sollte sie wirklich noch zu einer Condon, 17. Mai.( WIB.)„ Daily Expreß" zufolge ift deur ber englischen Truppen im Bezirk von Beuthen einheitlichen Entscheidung kommen- etwa aus der Erwägung Frankreich ein neues Memorandum der englischen habe seine Entlaffung angeboten, meil er seine Stellung als unheraus, daß ein schlechtes Kompromis beffer sei als ein neuer Regierung zugestellt worden, in dem darauf hingewiesen wird, haltbar ansehe und sich als überflüssig betrachte. Britische und heraus, daß ein schlechtes Kompromiß beffer sei als ein neuer daß die Rede Lloyd Georges in Frankreich augenscheinlich italienische Offiziere hätten ihrer Scham und Ent europäischer Krieg wem will man zumuten, nach allem Bormisverstanden worden fel, insbesondere feine Erklärung be- rüstung über den militärischen Erfolg der polnischen Aufständischen gefallenen diese Entscheidung als den Spruch unparteiischer züglich der Erlaubnis, die Deutschland erhalten solle, in Oberschlesien offen Ausdrud gegeben. Ein britischer Offizier habe geäußert, die Gerechtigkeit hinzunehmen? So ist zu fürchten, daß sich die einzugreifen. Das Blatt fagt weiter, die englische Regierung wolle, Deutschen hätten gewiß Recht, wenn sie erklärten, die Berbündeten oberschlesische Wunde am Leibe Europas so bald nicht schließen daß alle möglichen Schritte unternommen würden, um die Erfüllung übten Berrat an ihnen, wenn sie die Entwaffneten auf Gnade oder die Friedensvertrages zu sichern, sowohl durch die Polen als auch Ungnade den Bolen auslieferten. Ein italienischer Offizier habe felt gestellt, daß der französische General De Brontes täglich mit Lloyd Georges Preffe. Korfanty verhandelt habe, während italienische Offiziere ndon, 16. Mai.( TB.) Der politische Berichterstatter der und Mannschaften von der Hand der Soldaten Korfantys gefallen „ Sunday Times" schreibt, das politische Hauptereignis der Woche fei Lloyd Georges Merger über die offene Herausforderung des BerEin Schritt in den Ententehauptstädten. die Deutschen. wird. nen". England und Italien erkennen die SelbstverständlichDie nächste Frage ist die der sogenannten„ Sanftio= feit an, daß die Besetzung von Düsseldorf- Duisburg- Ruhrort, der Rheinzoll und die mit ihm gleichzeitig verhängte Ausfuhr. abgaben nach der Annahme des Ultimatums durch Deutschland ridgängig zu machen seien. Frankreich vertritt den entgegenscheidende Instanz gibt es aber nicht, es wäre denn, man gefekten Standpunkt. Eine zwischen beiden Parteien ent würde das Borliegen einer Streitfrage annehmen, die zum Bruch führen könnte, und den Bölkerbund anrufen. Ist aber der Völkerbund, wie er durch den Frieden von Versailles gefchaffen wurde, wirklich eine Einrichtung, die geeignet ist, wird, eine der offenften und besten war, die er je gehalten hat", zu fung des Sondergerichts wurde gegen di Gevelsberger Banträuber, Frage ist wohl der einzige Punkt, in dem sich die ganze Welt Berurteilung der Gevelsberger Ban uber. In der Terhand. den Frieden der Welt zu verbürgen? Die Antwort auf diese einer Annäherung zwischen Churchill und Lloyd die während der legten tommunistischen Unruhen 200 000 m. aus einig ift. George führen wird. Churchill sei von jeher dafür gewesen, der Gevelsberger Reichsbanknebenstelle raubten, verhandelt. Der Nach der Bölkerbundakte soll die Entwaffnung Deutsch Deutschland in Osteuropa zu gebrauchen, und der Hauptgrund in der Haupträdelsführer erhielt vier Jahre Zuchthaus. i lands nur das Borspiel einer allgemeinen Entwaffe jailler Vertrages durch die Polen. Lloyd George sei vollkommen Die deutsche Regierung ist in London wie auch in Paris bereit, wenn Europa nichts unternehme, um den Bolen Einhalt zu und Rom wegen der Bergänge in Oberschlesien unter Bei gebieten, Deutschland bas Mandat bazu zu verleihen. bringung einwandfreien Materials vorstellig geworden, das sich auch Gegen Rußland werde er denselben Grundsatz für Polen an- auf die Quellen bezieht, aus denen der polnische Aufstand wenden. Sunday Times" zufolge ist es sehr gut möglich, daß die in Oberschlesien genährt worden ist. Rede Lloyd Georges am Freitag, die, wie allgemein anerkannt rt u n g sein. Polen das Industriegebiet zugesprochen trotz des Eingreifens von 180 000 eingewanderten Deutschen. Weiter erklärt„Journal", Lloyd George sei dürftig veranlagt, er habe wenig gel-scn, wenig gearbeitet und, fast möchte man sagen, wenig gedacht. Seine Rede sei bloß ein Phantom, das man nicht ernst nehmen könne. „Petit Journal" sagt, man werde in der gestrigen Er- klärung Briands vergeblich nach dem Ausdruck einer anderen Lei- denschaft suchen, als der der Gerechtigkeit, aber Frankreich könne nicht dem Chef der englischen Regierung das Monopol zugestehen, den Friedensvertrag in dem Fall zu interpretieren, in dem er An- laß zu Meinungsverschiedenheiten gebe. Frankreich könne sich nicht durch Lloyd George die Hände binden lasten. Die obcrschlesische Frage sei viel zu ernst, um in einer Atmosphäre der Leidenschaft und des Fiebers geregelt werden zu können. „G a u l o i s" meint, niemand werde begreifen, daß Lloyd George einen derartigen Augenblick gewählt habe, um seinen dem stanzöstschen entgegengesetzten Standpunkt öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Könne ihm doch nicht unbekannt fein, daß er dem Gegner Waffen liefere und daß er eine Meinungsoer- s ch i e d e n h e i t unter den Alliierten aufzeige, an der er ein über- ragendes Jntereste gehabt hätte, sie nicht zu unterstreichen. „Oeuvre" erklärt durch den Mund seines Herausgebers Gustav Tery, während der Konferenz in London habe eine Depesche besagt, England habe Frankreich autorisiertzumobi- l i s i e r e n, Frankreich habe also England ergebenst Um die Er- laubnis bitten mästen, respektiert zu werden. Er habe sich gefragt, ob man diesen für die nationale Würde beleidigenden Ausdruck nicht festnageln müsse. Vorgestern nun habe Lloyd George den Augenblick für gekommen gehalten, um Frankreich ausdrücklich zu verstehen zu geben, und er habe das mit einer so gewollten In- korrektheit gemacht, daß sie einer Provozierung ähnle. Ganz Frankreich stehe heute hinter Briand, der sich beeilt habe, die Antwort zu geben, die die nationale Ehre erfordere. „H o m m e L i o r e" schreibt, jeder vernünftige Franzose, der die Rede Lloyd Georges gelesen habe, werde sagen: Das ist vielleicht ein sehr intelligenter, ein sehr geschickter und sehr starker Mann, aber er ist ein T ö l p c l(muklle). Im„Po pulair e" sagt Charles Longuet, feit vielen Jahren habe man in der bürgerlichen Presse noch keinen solchen Haß und solche Zornesausbrüche gegen die geliebten Verbündeten jenseits des Kanals festgestellt. Die Rede Lloyd Georges gegen den pol- Nischen Chauvinismus habe einen wahren Wutausbruch bei den meisten der großen Blätter hervorgerufen, die sich anmaßten, im Namen der öffentlichen Meinung Frankreichs zu sprechen. Niemals sei der arbeitenden Klaste und dem Sozialismus eine so gebieterische Pflicht erwachsen, darüber zu wachen, daß der wellfrlcde nicht ge- pörl werde. Die Rücksichtsvollen. Auf dem Stettin«: Vorortbahnhof drängen sich die Menschen. In langen Reihen stehen sie vsr den Fahrkartenschaltern und die meisten warten sehr ungeduldig auf ihre Abfertigung. Auf dem Bahnsteig selber aber setzt gewöhnlich vor dem Abgang eines Zuges ein Wettlaufen ein. Dann fallen Schimpfworte und Ellenbogen schaffen brutal Platz, Rücksichtnahme ist eine große Seltenheit. Aber der Eisenbahnverwallung ist zuweilen Rücksichtnahme nicht unbe- kannt und sie ist sich ihrer Pflicht gegen die Kriegsbeschädigten sehr wohl bewußt. In jedem Zuge finden wir ein Abteil, das ausschlieh- lich zur Benutzung sür Kriegsbeschädigte bestimmt ist. Aber leider ist es meist von anderen Leuten bis auf dey letzten Platz besetzt. Erreicht da kurz vor Abgang eines Zuges ein Kriegsbeschädigter das durch das bekannte Schild bezeichnete Abteil und klettert mit Mühe und Not hinein. Es ist dicht von jungen schwatzenden und kichernden Burschen und Mädchen besetzt. Niemand von ihnen steht auf. Der Krieg, ach der ist schon lange her, das ist ja schon bald gar nicht mehr wahr. Kriegsbeschädigte— nun, das sind Männer, die auf Damen Rücksicht zu nehmen haben, das gehört sich so. Be- sonders in den Kurven macht es dem Aermsten große Mühe sich festzuhalten, aber niemand bietet ihm Platz an, im Gegenteil, ent- rüstete Blicke treffen ihn ob der Belästigung. Ein älterer Herr ent- rüstet sich über das Benehmen der Sitzenden. Verächtliche, spöttische Bemerkungen antworten ihm. Endlich, in Pankow steigt ein Teil der rüpelhaften Gesellschaft aus, und der alte Herr sorgt dafür, daß der Kriegsbeschädigte zunächst einen Sitzplatz erhält. Er selbst bleibt stehen. Da bietet ihm denn auch ein Mädchen seinen Platz an. Es ist ihm wohl das Ungehörige dieser Handlungsweise zum Bewußtsein gekommen. Aber der alte Herr wehrt leicht ab und sagt ganz freundlich: „Bleiben Sie ruhig sitzen, ich kann stehen, ich fühle mich noch so jung. Die Greise sind ja jetzt scheinbar olle bei Jugend. Aber Sie sollten sich doch etwas schämen." Der Kriegsbeschädigte jedoch murmelte leste:„Ja, das ist auch ein Dank des Baterlandes". MorÜ oöer Selbftmorü l Ein neuer geheimnisvoller Leichenfund beschäftigt die Krimi- nalpolizei. Im Jagen 98 im Grunewald wurde die Leiche eines unbekanntenMannes aufgefunden. Der Tote hatte einen Strick um den Hals und starke Blutspuren am Kopf. Papiere oder Wertsachen wurden bei ihm nicht vorgefunden. Allem Anschein nach ist der Tod schon vor mehreren Tagen einge- treten. Ob ein Selbstmord oder Verbrechen vorliegt, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Kriminalpolizei ist mit der Un» tersuchung beschäftigt. Soll die Hetze Erfolg haben? Die gegen den Studienrat am Lankwitzer Realgym- n a s i u m, Genossen Dr. O st r o w s k i, von reaktionärer Seite feit langem betriebene Wühlerei hat ein erstes Ergebnis gebracht. Jetzt wird gemeldet, daß er„im Jnteresie des Dienstes" auf seinen An- trag nach Anhörung des Bezirksamtes Steglitz vom Provinzialschul- kollegium zunächst bis 1. Juli beurlaubt worden sei. Wenn diese Nachricht in allen Punkten zutrifft, hätte Genosse Ostrowski selber auf seine einstweilige Beurlaubung hingewirkt, die dann das Provinzialschulkollegium als„im Jnteresie des Dienstes" liegend verfügte. Seine Gegner gehen ober aufs Ganze und suchen seine vollständige Beseitigung zu erzwingen. In der Bezirksversamm- lung Steglitz hat die Deutsche Bolkspartei einen Antrag eingebrocht, der Ostrowskis Versetzung an eine andere An st alt fordert. Angeblich fühlen reaktionäre Eltern sich be- unruhigt, wenn Ostrowski länger an dieser Anstalt tätig- sein darf. Gegen seine pädagogische Tätigkeit ist nichts Stichhaltiges vorzu- bringen. Aber er ist Sozialdemokrat— das erklärt den Haß gegen ihm Der Briefkastenmarder in Uniform. Ein Dieb, der sich auf eine eigene Art in den Besitz fremder Briefe setzte, wurde vom Kriminalpostdienst entlarvt als ein früherer Postschaffner Willibald M a ch o l l aus der Feurigstraße, der wegen Unregelmäßigkeiten aus dem Dienste entlassen worden war und sich beschäftigungslos in Berlin aufhielt. Macholl besaß noch eine a l t e P o st u n i f o r m. In dieser stellte er sich im Westen Berlins, am Kurfürstendamm, auch in Schöneberg und Charlottenburg, wo er überall größere Werte in den Kriefkästen vermutete, bald hier, bald da an einem Kasten auf. Den Leuten, die nun mit Sendun- gen kamen, besonders Geschäftsleuten, erzählte er, der Briefkasten sei nicht in Ordnung, und er sei deshalb von der Postoerwaltung beauftragt worden, die Sachen von den Absendern in Empfang zu nehmen, um sie nach dem Amt zu bringen. Statt dessen jedoch nahm er alles, was ihm so in die Hände geriet, mit und leerte später die Briefe. Von den Sendungen, die keinen nennens- werten Inhalt hatten, nahm er wenigstens die Marken herab. Die markenlosen Briefe steckte er dann zum Teil wieder in einen anderen Kasten hinein. Dadurch kam ihm die Kriminalpolizei auf die Spur. Die Beamten der Postdienststelle, die auf Diebe sahn- beten, die mit Zangen und ähnlichen Werkzeugen die vollen Brief- kästen zu Modern pflegen, erwischten auch den falschen Schaffner und nahmen ihn fest. Das Treiben Macholls gibt Veranlasiung, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß es durch Anweisung der Postoerwaltung den Beamten streng untersagt ist, beim Entleeren der Brief- kästen Sendungen von Leuten, die gerade noch dazukommen, im Empfanq zu nehmen. Jeder, der in Postuniform den Absendern am Briefkasten Sendungen abnimmt, ist also ein Schwind- ler. Das Publikum sollte von dem Auftreten dieser Marder sofort die Kriminalpostdienststelle in der Friedrichstrnße 129 benachrichtigen. Weitere Opfer der Spiritusexplosion. Die große Spiritusexplosion in der W e i n m e t st e r st r a ß e 2s, gegenüber dem Sophien-Gymnalium, hat bis jetzt drei M e n- f ch e n l c b e n gefordert. Der sofort Getötete war ein Arbeiter W. Bahn, Wilhelmstr. 2s. Im St.-Hedwigs-Krankenhaus liegt nur noch schwer danieder oer Arbeiter und Student M. P l o tz t i, Rosentaler Str. 22. Ihren schweren Verletzungen erlegen sind dort: die beiden Arbeiter Albert Gottlieb(nicht Gottlieb Albert) und I. G o t t s ch a l k, ein ehemaliger Student aus Lodz, Bergstr. 11. Die eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß der Inhaber Ernst Friedrich dort im 1. und 2. Stock eine Schnapsbrennerei eingerichtet hatte, in der seit einigen Wochen die Schnapsbrennerei im großen betrieben wurde, ohne daß man Verdacht schöpfte. Durch Vergären von Getreide, Malz usw. wurde dort unter Zu- satz von Getrsidehefe eine Art von dickem, hochprozentigem Bier, das man als ein Malzextrakt bezeichnen kann, hergestellt. Man fand noch etwa 14 große Bottiche mit solchem Malz bis oben an den Rand angefüllt vor Der Inhalt wurde natürlich mit allen übrigen Borräten beschlagnahmt. Der Spiritus wurde mittels Destillation aus dem Malzextrakt hergestellt. Ein höchst einfaches und lukratives Verfahren, das angeblich schon in zahlreichen geheimen„Schnaps- und Spiritusbrennereien" angewandt wird. Daß diese geheimen Schnapsbrennereien höchst gefährliche Betriebe darstellen, haben schon mehrfache Brände und Explosionen be- wiesen. Ein Dampferzusammenstoß aus der Oberspree ereignete sich am Pfingstsonnwg. Ein Dampfer der Reederei Lenzwaldt u. Schmolte, der von Krampeuburg bei Schmöckwitz kam, wurde von einem an- dsrn Dampfer in stets gleichbleibender Geschwindigkeit begleitet. Dieser bog bei Mocrners Blumengarten etwa fünf bis sechs Meter vor dem ersleren nach links ab, um nach der Lorelei zu fahren und s u h r dabei dem dicht mit Passagieren besetzten Dampfer der Langwaldt-Reederei in die Seite, so daß Fensterscheiben zerbrachen, Balken und Gitter verbogen wurden. Nur der Besonnenheit des Führers ist es zu danken, daß die Pasiagiere mit dem Schrecken davonkamen. Der Tod eines Vächters beschäftigt die Kriminalpolizei. Auh dem Hofe des Grundstücks Wilhelm st raße 93 wurde gestern morgen der 37 Jahre alle Wächter Hugo v. d. Herzberg aus der Badenschen Str. 46 mit einer Schußwunde tot aufgefun- den. Nach dem Befunde liegt ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vor. Die Leiche wurde zur Obduktion beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Gerechkigkeit für Oberschlesien. Uebcr dieses Thema wird heute nachmittag um ö Uhr in drei großen Protest- Versammlungen in der Philharmonie(großer Saal), Bernburger Straße, in den Spichern-Sälen(Prachtsäle des Westens), Spichernstr. L und im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz von Politikern der verschiedensten Parteien ge- sprachen werden. koksabgabe und freie kohleuabschnltte. Wie das Kohlenamt Berlin mitteilt, dürfen infolge größerer Lagerbestände in Gas- nußkoks in der Zeit bis zum 80. Juni für jeden Haushalt gegen Vorlegung der Kohlenkarte bis zu 10 Zentner Gasnußkoks von einem beliebigen Kohlenhändler entnommen werden. Der Kohlenhändler hat die abgegebene Koksmenge auf der Rückseite der Kohlenkarte zu oermerken. Ein« Abtrennung von Koh- l en ka rten o bf ch n i tten ist unzulässig. Gleichzeitig werden zur Belieferung freigegeben: Auf„Kohlenbezug- schein für Zentralheizungsanlagen", für Geschäftsräume der Reichs-, Staats-, Gemeinde- und Kirchenbehörden, der Berufsgenosienschaften und Krankenkassen, sowie der Räume von gemeinnützigen Speise- anstalten und Hospizen 20 v. H., sür-öffentlich« und private Schulen 20 v. H., für Krankenhäuser usw. 20 v. H., für Kirchen usw. 10 v. H„ für olle übrigen Verbraucher 20 v. H. Auf„Kohienbezugschein für Warmwasserbereitungsanlogen" nur in Gaskoks 10 o. H. der im Bezugsschein festgesetzten Kohlenmenge. Auf Kahlenbezugsschein für Ofenbrand" für die im fj 52 der Verordnung des Magistrats Versin vom 30. März 1821 genannten Verbraucher erfolgt keine weitere Freigabe.— Ferner teilt das Kolsienamt Berlin mit, daß bereits vom Sonntag, den 15. Mai, ab der Betrieb der Sammel- Heizung bis auf weiteres verboten ist. Das Rofe-Theater hat«in von Leo K a st n e r und Hans Lorentz verfaßtes Bolksftück„Wo die Schwalben nisten" unter der geschickten Regie von Emil Lessing herausgebracht. Für das Volk sollte das Beste gerade gut genug sein. Was hier gezeigt wird, ist nichts anderes als ein in vier Akte gepreßter Hin- tertreppenroman. Wenn zum Schluß geradezu begeisterter Beifall einsetzte, so galt er lediglich dem famosen Zusammenspiel der Dar- steller, von denen Otto B l u m e n t h a l besonders hervorzuheben ist. Frühllogsfest im Zoo. Der Verein Berliner Journalisten der- anstaltet wini Besten seiner Wohlfahrtskasse am Sonntag, den 29. Mai, im Banketlsaal und anscbließendem Wintergarien deS Zoologischen Gartens(Eingang nur Lickitensteinallee) ein Frühlingsfest in Form eines Fünf-Uhr-Tees. Gastkaiten zum Preise von M. 20,—, die ,ilr Entnahme von Kaffee oder Tee einschließlicki Gebäck bereihtigen, sind an folgenden Stellen erhältliih: Ludwig Carsten, Augsburger Straße 47, Marlin Hamburger, Witmersdorf, Prinz-Regenlen-Str. 66, Plehwe, Friedenau, Rheingaustr. 3, Richard Richter, Charlottenburg, Schulstr. H Nnterrichtskurse sür Arbeiter. E. V. In den Kursen für Deutsch und Rechnen werden noch Anmeldungen— abends von 7—8 Ubr— entgegengenommen. Am Donnerstag. 19. Mai, in Neukölln, Kaiser- Friedrichstr. 298/10; am Freitag, 29. Mai, in Lichtenberg, Marktstr. 2/3, und am Sonnabend, 2l. Mai, für unsere Berliner Schulen lKipSltraßc, Gleimstraße, Niederwallürahe) in der Nicderwallitr. 12. Jeder Kursus umfaßt 12 Abende und kostet 4 M. Arbeitslose erhalten Freikarten. „Der Bund der Gefängnis-, Straf- nnd Erzichungsanstaltsanf- stchtobeamten Deutschlands hält in den Tagen vom 19. bis 21. Mai in den Germaniaprachtfälen seinen Vll. Bundestag ab. Die Berbandlungen werde» sich neben den Anträgen zu Standes, und OrganiiationSsragen be- sonders auch mit der neuen Straivollzugsresorm belassen. Auster Vertretern der Regierung werden Abgeordnete verschiedener Parteien der Ta- gung beiwohnen.'__ Groß-Serliner parteinachrichten. heute, Dienstag, 17. Mai: 79. Abt. SchSnederg. 7>., Uhr bei(Brost. Sedanfir. 17, erweiterte Vorstondssitznng. Erscheinen aller Funktionäre notwendig. Margen. Mittwoch, IS. Mai: XI. Kreta. SchZneberg. 77. Abt. 8 Uhr im sieichmlaal der Mädchenschule, Kyff- häuierstlatze, Frauenabend. Vorträge, Gesang, Rezitationen. Zahlreiches Er- scheinen erwartet der Vorstand. Gäste willkommen. ZI. Abt. Eharlottenburg. Die Frauen der Abteilung, die in der Wohlfahrtspflege tätig sind, werden gebeten, am Mittwoch 7 Uhr im Rathaus, gimmcr i, r> ollzäh üg zu erscheinen. » llebrnigssiunden der SPD.-Chöre. Anfragen sind zu richten an K. Schulz, Eharlottenburg, Kirchsir. W. Montag. 714 Uhr: Arbeitergesangverein„Einigkeit'- B u ch h o l z bei Hennig, Pasewalkcr Str. bst.— Soz. Männerchor Friedrichshain im „Andreas-Kastno", Andreasstr. 8.— Franenäwr„Frohsinn"»Charlotten. bürg. Aula, Rostnemlraste lst—„Liederkreunb.'" Borsigwalde- Wittenau-Tegel bei Schade, Beidtstraste, Ecke Berliner Strast«. — Dienstag, m Uhr: Soz. Männerchor Hallescbes Tor in der Aula der II. Realschule, Bocckhstr. S/Ist.—.Harmonie"-Weistensee(8 Uhr), Pistorius.. Eike Rälkestraste.- Donnerstag. ESngerchor C.P.D..Pankow (715—10 Uhr) bei Engel, MUhlenstr. IS.— Freier Männerckor R e i n i ck e n- d o rf(715— IU Uhr) bei Lindstedt, Residenzstr. 120, Ecke Srllner Wog.— Soz. Männerchor Marlendorf(8—10) bei Niendorf, Chausieestr. 10.— Frei- tag. 715 Uhr: Soz. Männerchar Prenzlauer Tor, Böstow-Brauerei, Prenzlauer Allee.— Männerchor.Harmonie"- Charlottenhurg, Aula der Eiemons-Oberrcalschuie, Schiostitr. 27.(Die Uebungsstunde dieses Chors fällt in dieser Woche aus.)_ Sport. Die Pfingstradrennen auf der Olympiabahn wiesen an beiden Feierlagen den gewohnten Massenbesuch nicht auf. Auch viele Rad- iporifrcunde haben es vorgezogen, die schönen Pfingsten weiter draußen vor den Toren Berlins in der freien Mutter Natur zu verbringen. Nachstehend die Ergebnisse: Pflngstsonntag. Preis von Halensee, 1299 Meter: 1. Packebusch, 2. Schulz. 3. Gottsried, 4. Hiepel.— Großer Pflug st preis, 1. Laus über 69 Kilometer: 1. Kuschkow S9Min. 56'/, Sek., 2. Ebcrt 29, 3.Sawall4959, 4. Golle 6669 Meter zurück. 2. Laut über 69 Kilometer: 1. JunghannS 48 Min. 53 Sek.. 2. Wegmann 8201, 3. Weiß 1900, 4. Krupkat 4719. 5. Stabe 9220 Meter zurück.— Preis vom Kursürstendamm 1299 Meter: 1. Krahner, 2. Amort, 3. Behrendt, 4. Neinas.— Mannschafts-Verfolgungsrennen über 15 Runden: 1. Dahnke- Freiwald- Linsener- Otto Tietz 8. Min 24 Sek.. 2. Peiri< Kops- Seel- Zimmermann, 3. Ehlert- Schöllner- Stolz- Oskar Tietz. Pfingstmontag. Großer Psingstpreis, EnficheidungSlauf über 1 Stunde: 1. Ebert 71, 599 Kilometer, 2. Saldow 69, 899 Kilometer, 3. Junghanns 69, 389 Kilometer, 4."Wcamann 61, 749, 5. Kuschkow, 56, 599 Kilometer.— Preis von Steglitz, 50 Kilometer: 1. Kruvkat 41 Min.»/, Sek. 2. Sa wall 139, 3. Weiß 3169, 4. Stabe 6989, 5. Golle 12939 Meter zurück.— Punktefahren, 50 Stunden: 1. Packcbusch 46, 2. Schulz 38, 3. Kendelbacher 28, 4. Petrt 21, 5. Behrendt 21, 6. Müller 13, 7. Wegener 17 Punkte.— Zweijitzer-Hauptsahren, 5 Stunden: 1. Krahner-Petri 3 Min. 38 Sek., 2. Neinas-Schulz, 3. Behrendt-Stolz, 4. Kendelbacher.Wegener, 5. Hoffmann-Packebusch.— EntschädtgungZ« fahre», 2. Stunde« s 1. Gottfried, 2. Kops, 3. Freiwald, 4. Seel Gewerkschaftsbewegung Aus der Landesversicherungsanstalt Brandenburg. Bon seiten der Ranzleibeamten der Landesversicherungsanstalt Brandenburg geht uns eine ausführliche Beschwerdeschrift zu, der wir das nachstehende entnehmen: Am 7. Februar erließ die Landesversicherungsanstalt eine Berfügung, durch die das von der Revolution beseitigte Bunft system wieder eingeführt und bestimmt wurde, daß die Kanzleibeamten täglich acht Stunden zu arbeiten haben. Gegen diefe Festsetzung der Arbeitszeit würden die Kanzleibeamten nichts einzuwenden haben, wenn auch das Arbeitspensum der Bureau, Aufsichts- und höheren Beamten ebenso bemeffen wird. Das ist aber nicht der Fall. Borgefehte und der Borstand des Be amtenausschusses, der sich nur aus Bureau beamten zusammenfeht, haben schon dafür gesorgt, daß allein die Kanzleibeamten die achtstündige Arbeitszeit bekommen, während alle anderen höheren Beamtentategorien burdyweg nur 40 Stunden in der Woche arbeiten. Bu ber achtstündigen Arbeitszeit der Kanzleibeamten gefellte sich im März eine und im Mai die zweite Ueber tunde. Die schlechter besoldeten Beamten haben jetzt also wöchentlich 60 Stunden zu arbeiten, während die besser und hoch Besoldeten sich mit 40 Stunden in der Woche abfinden". Das ist ein Zustand, der schon in der wilhelminischen Zeit bestand. Obwohl es nach diesen Tatsachen sehr an Arbeitskräften fehlt, werden immer mieder Kanzleibeamte an andere Abteilungen abgegeben und Bureaubeamten zugeteilt, ohne daß die Behörde dazu übergeht, die Arbeitszeit dieser Beamten, die in der furzen Arbeitszeit ihr Penfum nicht erledigen fönnen, auch auf acht Stunden festzusehen. Die Kanzleibeamten find gewillt, ihre ganze Arbeitstraft in den Dienst der Behörde zu stellen, bei der sie beschäftigt sind, fie haben nichts gegen die achtstündige Arbeitszeit einzuwenden. Sie verlangen aber sehr entschieden, daß die Arbeitslaft gleichmäßig vertei It und nicht in der Hauptsache jenen aufgebürdet wird, die am schlechtesten bezahlt finb. Der höhere Beamte hat genau fo die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, fich reftios in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, mie jeder andere. Darüber hinaus ift jebe Behörde verpflichtet, alles zu tun, um die riesige Arbeitslosig feit zu vermindern, indem sie ihr vollbeschäftigtes Personal nicht bauernd mit leberarbeit belafttet, sondern badurch für eine Bewältigung der in normaler Arbeitszeit, bei voller Ausnügung der Kräfte unerledigten Sachen sorgt, daß sie im weitesten Maße Er. werbslose einstellt. Die Rangleibeamten verlangen, daß sich die Aufsichtsbehörde schleunigst mit den Verhältnissen in der Landesversicherungsanstalt Brandenburg beschäftigt. Sie verlangen weiter eine entsprechende Bertretung im Borstand des Beamtenausschusses und eine Beschäftigung aller Beamten, insbesondere des Kanzleiinspektors, entsprechend ihrer Besoldungsgruppe. Auch uns erscheint eine objektive Prüfung der Zustände sehr an. gebracht. Nach der letzten Forderung der beschwerdeführenden Be amten zu urteilen, erscheint uns vor allem notwendig zu untersuchen, ob nicht Kräfte am Werke find, die die Bersicherungsanstalt zu einer Bersorgungs anstalt für ältere und insbesondere reattionäre Beamte machen wollen. Die streitenden Bergerbeiter der Stelermart finden in ihrem Rampfe Unterstützung durch den Zentralverband der Maschiniften und Heizer Desterreichs, deffen Mitglieder in allen Bergwerten die Arbeit niedergelegt haben. Neue Vereinbarungen in der Damenkonfeffion. Zwischen dem Deutschen Bekleidungsarbeiter- Verband und den Arbeitgeberorga. nisationen wurde vereinbart, daß der bestehende Tarif mit einer vierwöchigen Ründigungsfrist, fünbbar erstmalig zum 30. Juni dieses Jahres, verlängert wird. Boraussetzung für dieses Ab. tommen war, daß die Löhne für die Stüdbügler ebenfalls tarif lich geregelt wurden. Ab 17. Mai erhalten die Stüdbügler einen Mindeststundenlohn von 6 Mt., also einen Mindestwochenlohn von 282 Wt. Ist der Berdienst niedriger, muß der Arbeitgeber den fehlenden Betrag bis zum Mindestlohn ergänzen. Deutscher Bertmeisterverband, Bezirksverein XV. Branchenversammlung der Briefumschlag- und Papierausstattungsfabriken Mittwoch 5 Uhr im Schultheiß, Bridenstr. 6 b. Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter( Sektion Gesundheitswesen) Donnerstag 6 Uhr im Stadthaus, Jüdenstraße, öffentliche Bersammlung aller in den Kurorten, Heil- und Pflegeanftalten der Stadt Beschäftigten. Deutscher Sutarbeiter- Berband. Mittwoch, 5%, Bersammlung der Damenhut. und Umpreßbetriebe im Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15. Tagesordnung: Be richt von den legten Berhandlungen. Wirtschaft neun Gemeinden neue Warenabgabeftellen errichtet. Durchweg maren bort, wie die Konsumgenossenschaftliche Rundschau" mitteilt, die Preise bei den Händlern höher als im Konsumverein; sobald jedoch dessen Berteilungsstelle ihre Tätigkeit begann, paßten die Die Ernte in Preußen 1920. Raufleute ihre Preise denen der Genossenschaft an, ja, gingen teilDie Statistische Rorrespondenz" veröffentlichte fürzlich die Zah- weise sogar noch darunter. Am 11. April wurde die 27. AbgabeTen über bie in Preußen im Jahre 1920 erzielten Ernteerträge. Aus stelle des Vereins in Ober- Wiederstedt eröffnet. Ein Ver der Einleitung dazu geht hervor, daß die Ermittlung dieser Erträge gleich ergab, daß einige Kaufleute bereits erheblich niedrigere Preise ebenso wie in den letzten Jahren wieder auf drei zeitlich verschiedenen hatten als zwei Tage vor der Eröffnung. Die Wirkung war also Ernteschäßungen fußt, weil wir nach den früher befanntgegebenen prompt eingetreten. Erfahrungen diesen Schägungen einen nur sehr bedingten Wert 8 Gewinn- Auszug ber 17. Preuß. Sudd.( 243. Preuß.) Klaffen= Lotterie 5. Klasse. 5. Ziehungstag. 14. Mai 1921. zusprechen können. So tommt es auch, daß die Borschähung Vorträge, Vereine und Versammlungen. der Kreisfommissionen, welche im Juni und Juli ihres Amtes walteben, ganz erheblich von den im Juli/ Auguft und im November Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe 9, NO, heute Versammlung, vorgenommenen Schätzungen der Saatenstandsberichterstatter abanichließend gemütliches Betfammenfein, Unionsfestfäle, Greifswalder Straße 222, Der Mieterbund Berlin- Steglig E. B., Horft- Kohlstr. 1, hält weicht. Das muß deshalb besonders hervorgehoben werden, weil am Mittwoch, den 18. Mai, 8 Uhr, im Lauenburgerfafino, Lauenburger Str. 4a, die Vorschähungen im Juni und Juli die Grundlagen zur Festsetzung eine Mieterratsschule ab. ber Ablieferungsmengen der einzelnen Landwirte schaffen sollten. Ganz allgemein ist zu bemerken, daß auch die wesentlich. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Bors Berantro. für den rebatt. Teil: Dr. Werner Betfer, Charlottenburg; für anzeigen! höheren Schähungsergebnisse nach bereits erfolgter Ernte ohne warts- Buchdruckerei u. Beringsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. irgendwelche Drufchergebnisse zustande famen, so daß auch sie feine Gewähr dafür bieten, daß in den Gesamterntezahlen auch nur antnähernd die tatsächlich geernteten Gruchtmengen enthalten find. Es ist notwendig, daß man in Butunft von Seiten der Regierung sowohl zum Zwede der Sicherung der Volfsernährung als auch zur befferen Breisbemessung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse endlich den Weg der zwangsweisen Erntefeststellungen beschreitet. Hier intereffiert vor allem der Bergleich der Erntejahre 1919 und 1920. Ganz bedauerlich ist da der Rückgang des Ernteertrages beim interroggen, also bei unserer Hauptbrotfrucht. Dieser betrug gegenüber 1919 930 326 Tonnen, was neben dem Rückgang der Erntefläche um 65 206 Hettar noch dem Sinten des Hettarertrages um 27 Doppelzentner zuzuschreiben ist. Als Gründe für diese Er fcheinung sind zum Teil die ungünftigen Witterungsverhältnisse während der Herbstbestellung 1919, 3. E. Die damals noch recht mangelhafte Belieferung mit Kunstdünger, vor allem aber auch die Erwartung ber Landwirte, durch Anbau anderer Fruchtarten höhere Gewinne einzuheimfen, anzuführen. Daß diefer lettere Grund sehr erheblich ins Gewicht fiel, geht aus der Steigerung der Erntefläche für den alsbald freigegebenen Safer und für 23494 24568 27273 27479 27590 34545 38755 38884, 41586 43011 44270 Gerfte hervor und ergibt sich aus der ungewöhnlich starken Zunahme der Anbaufläche für Hülsenfrüchte, die ja bekanntlich 1920 sehr hoch im Preise standen. Sehr intereffant find die Mitteilungen über die Kartoffelernte, denn trotz allen Geschreies über die ungünstige Witterung und die zu erwartenden Erträge zeigt sich nun doch, daß gegenüber der Ernte von 1919 nicht nur eine erhebliche Ausdehnung der Anbaufläche stattgefunden hat, sondern daß vor allem auch die Hettar. erträge von 101,1 D. in 1919 auf 118,5 D3. in 1920, also um 17,4 D3. gestiegen find. Desgleichen haben die übrigen Hackfrüchte, besonders die Zuckerrüben, recht gute Erträge aufzuweisen. Bei diesen Fruchtarten beträgt die Zunahme gegen das Vorjahr faft-% des Gesamtertrages. Stellt man die Ernteergebnisse pon 1920 benjenigen der lehten Friedensernte von 1913 gegenüber, fo zeigt sich, daß die Desfrüchte, Futterpflanzen und ganz beträchtlich an Anbaufläche zugenom 23 ielen men haben, während bie ber Ernteflächen für bte Ernährung wichtigsten Früchte, wie Winterweizen und Winterroggen, Kartoffeln und Zuckerrüben in der Anbau fläche um ein Fünftel, zum Teil auch nur um ein Behntel zurückgegangen find. Ebenso ist die Anbaufläche der Wintergerfte gegenüber derjenigen der Sommergerste ganz gewaltig gestiegen. Ein Vergleich der Ernteerträge der wichtigsten Feldfrüchte im Jahre 1920 mit dem Jahre 1913 ergibt bei Winterweizen einen Rückgang von 52,4 Proz., bei Winterroggen von 53 Proz. und bei ben übrigen Früchten im Durchschnitt von 40 Broz. Das ist zum Teil eine Folge der erheblich gefuntenen Ertragfähigteit des Aderbobens, der während des Krieges infolge mangelhafter Düngerzufuhr start ausgefogen wurde, wenn auch auf der anderen Seite abermals betont werden muß, daß gerade während des Krieges zum Beispiel auch der Felbgemifebau eine fo gewaltige Ausdehnung annahm, daß schon allein hierdurch die Ernteflächen und Ernteerträge gerade bei den Brotgetreidearten sehr wesentlich beeinflußt wurden. Das aber geht aus der Statistik der Stat. Korr." nicht mit genügender Deutlichkeit hervor. lp. Konfumgenoffenschaften und Preisbildung. Die Wirkung bes genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Berbraucher wird vom Händlertum gern geleugnet; die Praxis spricht aber dafür. Der Konsumverein Aschersleben hat in den letzten zwei Jahren in Metall- Bettstellen Kinderwagen, Bettfedern, Korbmöbel Fürst, Neukölln Hermannstraße 38 Ecke Mahlower Str. Fabrik f. Ruhebetten, Auflegematratzen u. Feldbettstellen. 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