Nr.2Z7 ♦ 38. Jahrgang Ausgabe A Hr. IIS Bezugspreis: ritrteliöfjrL 30,— M., monatL 10,— SR. frei ins Sau», voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 10,— M, einschl. gu- stellungszebllhr. Unter Arenzband fiir Deutichland, Danzig, das Saar- und Memelgeblet, sowie die ehemals beut- scheu«Sebiet« Polens, Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— SR., für das übrige Ausland 27,— M. Post. eitellungen nehmen an Oesterreichs Ungarn, Tschecho- Slowakei. Däne- Marl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Dorwärt«� mst der Sonntag«- beilage.Polt und geir", der Unter- baltungsdeilage»Seimroelf und der Beilage»Siedlung und Meinaartetf erscheint wochentäglich zweimal, Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: �Hoziaidemotrot verlief Morgen-Ansgabe Verliner Volksblatt (30 Pfennig) Anzeigenpreis: Die nchtgelpaltene Nonparelllezesse lostet ichv M.„tiletne Anzeigen" das settgedruckte Wort 1,50 äst.>zu- lässtg zwei settgedruckte Wortes, lede» weitere Wort I.— ilst. Stellengesuch« und Schlafstellenanzeigen dos erst« Wort v— M, sede» weitere Wort 50 Bfg. Worte Uder Ii Buchstaben zählen für zwei Wort» ffamilien-An» zeigen für Abonnenten geile 3.- M. Die Preise verstehen(ich einschließlich Teuerungszuschlag. »nzetgen für die nächst» Nummer müssen bis S Uhr nachmittag, im Hauotgeschäfl. Berlin SW Kb. Linden. ftraße ll. abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh dl» 5 Uhr abends. �entralorgan der foztatdemokratifchcn Partei Dcutfchlands Neöaktion und Expedition: SW 68, �indenstr. 3 Redaktion Moristplatz 15195—97 ,3trnivrtH|CC. 6E„eb4rioll Moristplai, 11753-54 Donnerstag, den 19. Mai 1921 vonvarts-verlag G.m.b.H., GW 68, �indenstr.? KernkttroisKov- Verlag, Expedition ii»d Inseraten- Moristplat. 11753-54 Neue Erklärungen Llopö Georges. London, 18. Mai.(MTB.) Lloyd George machte einem Der- treter von Reuter folgende Darlegung: Ich halte an der Erklärung, die ich im Unterhaufe bezüglich Oberschlesiens abgegeben habe, fest. Natürlich kann ich nur für das die Verantwortung übernehmen, was ich wirklich gesagt habe, nicht für die verstümmelten und oerdrehten B. r i ch t e in der französischen Presse. Die nahezu einmütige Zustimmung der ameri- kanische» und italienischen sowohl als auch der englischen Presse zu den von mir bei jener Gelegenheit zum Ausdruck gebrachten Ge- fühlen zeigt, daß die großen Völker, die im Kriege an der Seite Frankreichs standen, den Vertrag von Versailles in fa i r e r W e i se auszulegen beabsichtigen. Ich war niemal» Zeuge einer derartigen Einmütigkeit in irgendeiner Mrage. Alle Rich- tungen der öffentlichen Meinung in diesen drei Ländern nehmen denselben Standpunkt ein. Es wäre unglücklich, wenn die französische Presse einen anderen Standpunkt einnehmen sollte, aber wir müsien gegenüber Meinungsoerschieden- Helten unter uns duldsam sein. Ich möchte der französischen Presse mit allem Respekt sagen, daß die Gewohnheit, einen jeden Mciniingsausdriick eines Alliierten, der nicht mit der eigenen Mei- nung übereinstimmt, als Ungehörigkeit zu behandeln, unheil- schwanger ist. Wenn diese Geistesverfassung andauern sollte, so wird sie für jede Entente unheilvoll sein. Der Standpunkt, den die englische, amerikanische und italie» Nische Presse in der oberschlesischen Frage eingenommen hat, sollte Frankreich nicht anstößig sein. Sie stehen zum Vertrag« von Ver> sailles und wollen die Bestimmungen des Vertrags gerecht anwen- den, ob sie nun für oder gegen Deutschland ausfallen.' Das Schicksal Oberschlesiens muß durch den Ober st en Rat entschieden werden, nicht durch Korsanty. Es darf den Kindern des Vertrages nicht gestatet werden, ungestraft in Europa Geschirr zu zerbrechen. Jemand muß ihnen die zügelnd« chand anlegen, anderenfalls wird es ständig Schwierigkeiten geben. Der Lauf der Welt in kommenden Iahren kann nicht vorausgesehen werden. Die Nebel vor uns sind dichter als gewöhnlich. Niel wird von dem Zusammenhalten der Alliierten abhängen. Außer den aus dem vertrage sich ergebenden Verpflichtungen müsien� Ereignisse, die nicht vorausgesehen werden können, die zukünftigen Gruppierungen der Rationen bestimmen. Die Zukunft der Tvilt, insonderheit Europas, wird durch alte oder neue Freundschaften bestimmt werden. Unter diesen Umständen ist der Vertrag von Versailles ein Dokument von unendlicher Bedeutung, besonders für die Nationen der Entente. Er bindet uns zusammen, wo es so viel gibt, da» uns trennt.* Diejenigen, die die Bestimmungen des Vertrages behandeln, als ob sie ein Sport für Leidenschaft und Dorurtell wären, brauchen nicht lange zu leben, um ihre Hitzköpfigkeit noch zu bedauern. Das englische Volk entzieht sich keinem Teile seiner Verantwortlichkeit aus dem Vertrage. Vorübergehende Schwierigkeften erschweren es, Truppen zu erübrigen. Aber dies« Schwierigkeiten werden, wie ich vertrauensvoll schon jetzt annehme, bald vorüber sein, und ich mache auf die Tatsache aufmerksam, daß wir auf der jüngsten Konferenz unsere Bereitwilligkeit kundgegeben haben, unsere Flotte, falls Deutschland die Bestimmungen der Alliierten nicht annehmen würde, den Alliierten für jede militärische Operation zur Verfügung zu stellen, über die beschlossen werden würde. Die britische Regierung war bestrebt, die Frag« einer Teilung Schlesiens auf der Londoner Konferenz z» regeln. Alle Tatsachen der Volksabstimmung waren bekannt. Unsere Bundes- genossen waren aber nicht bereit, mit der Besprechung fortzufahren, wir werden treu zu der Entscheidung steheu. die von der Mehrheit der Mächte getroffen werden wird, die aus Grund des Vertrages bei der Festsetzung der schlefischen Grenze eine Stimme haben, wie auch immer der Spruch lauten möge. Wir nehmen die Volksabstimmung als Ausdruck der Wünsche der Bevölkerung Schlesiens voll an. Da wir aber in den großen Krieg eingetreten find und für die Verteidigung des alten Vertrages, an dem unser Land beteiligt war, gewaltige Verluste erlitten haben, kann Groß- britannien nicht einwilligen, dabei zu stehen, während auf dem Vertrag, den seine Vertreter vor weniger als zwei Iahren unterzeichnet haben, herumgetreten wird. » Die ngve» Erklärungen Lloyd Georges bestätigen die Annahme, daß die englische Politik nach den heftigen Aus- einandersetzungen mit dem Verbündeten wieder einem Kompromiß zustrebt. Der Punkt, der die besondere Ent- rüstung Frankreichs erregte, die Zustimmung zu einem etwaigen Eingreifen deutscher Streitkräfte tn Oberschlesien, wird vorsichtig umgangen. Dagegen wird das Hauptgewicht auf die Notwendigkeit gelegt, durch Mehrheitsbeschluß eine Entscheidung über Oberschlesien herbeizuführen, wobei zugleich ausgesprochen wird, daß es sich um eine Teilung des Landes zwischen Deutschland und Polen Handel« soll. Frankreichs Politik ist offenbar darauf gerichtet, für seinen östlichen Verbündeten auf lagalem oder illegalem Weg ftud) Sforza für schnelle Lösung. Rom. 18. Mai.(Slefani.) Graf Sforza antwortete dem englichea Botschafter, der iha im Rameu seiner Regierung fragte, ob er an der interalliierten Konferenz zur Lösung der oberschlesischen Frage teilnehmen werde, er sei dazu bereit. Angesicht» der gegenwärtigen Lage scheine ihm eine rasche Lösung im allgemeinen Interesse zu liegen. Pari», 18. Mai.(TU.) Die«Chicago Tribun«� veröffentlicht folgendes Telegramm aus London: Das Foreignoffice kündigt an, daß eine Tagung des Ober st en Rates Ende der Woche oder etwas später in Ostende oder in Voulogne stattfinden wird, um die oberschlesische Frage zu regeln. „Reine Rohlinge". Die Argumente, mit denen die französische bürgerliche Press« in der oberschlesischen Frage mit Vriand, Korsanty und Le Rond durch Dick und Dünn geht, sind teils zynisch, teils von ganz unfrei- williger Komik. In einer Polemik gegen die englischen Bericht- erstatter, die als Augenzeugen der Zustände in Oberschlesien ihre Entrüstung über die Passivität der franzäsischen Truppen gegenüber den polnischen Insurgentenbanden überein- stimmend zum Ausdruck bringen, schreibt das.Journal des Debats": »Die englischen Berichterstatter haben leicht reden. Die stan- zösischen Soldaten haben bisher in edler Weise eine schwere Pflicht erfüllt. Aber sie sind keine Rohlinge.(!) Sie verstehen nicht, warum sie auf Menschen schießen sollten, wo der Zweck ihrer Entsendung gewesen ist. deren Bürgerrechte zn-sichern... Wie soll man sich darüber wundern, daß sie sich nicht mit Wut auf jene Arbeiter und Bauern stürzen, die bewaffnet sind, um Rechte zu verteidigen, die ihnen der versailler Vertrag zusichert." Es ist ganz interessant, von einem angesehenen französischen offiziösen Organ zu erfahren, daß man in Frankreich die Ansicht ver- tritt, der Versailler Vertrag gebe den polnisch gesinnten Ein- wohnern Oberschlesiens das Recht, sich mit Gewalt jenes Landes zu bemächtigen, in dem sie bei der Volksabstimmung kaum mehr als ein Drittel der Stimmen erhalten haben. Nach allem, was wir erlebt haben, scheint dies übrigens auch der Standpunkt des Herrn Le Rond zu fein. Und es wird u. a. die Italiener besonders erfreuen, zu hören, daß ihre Soldaten in den ihnen anvertrauten Gebieten nichts anderes als.Rohlinge' waren, da sie den bewaffneten Insurgenten mit der Waffe entgegengetreten sind. Es sind etwa hundert von diesen italienischen„Rohlingen' gefallen und die franzästsche Regierung hat inzwischen die theatralisch« und heuchle- rische Geste getan, diesen Opfern französische Kriegs- o r d e n zu verleihen. Angesichts der Gesamthaltung Frankreichs gegenüber der Korfantyfchen Erhebung muß man dies« Ordensver- leihung nicht nur als eine Verhöhnung, sondern geradezu als eine Leichenschändung bezeichnen. Reichsregierung gegen Zreiwilligemverbung. Berlin, 18. Mai.(MTB.) Amtlich. Die Rot der bedrängten deutscheu Bevölkerung in Oberschlesien hat in weilen Kreisen de« deutschen Volke», insbesondere bei den heimatberechtigten Ober- schlesiern, den willen wachgerufen, den schwergesährdeteu Brüdern in Oberschlesien b e i z u st e h e n. So großes verständni» die Relchsregierung für diese Empfindungen ustd die große Erregung der Bevölkerang hat, so scharf muh sie den vestrebnngen entgegentreten, die darauf abzielen, durch Anwerbang und Bildung von Freiwilligenoerbänden. Frei- korps usw. den bedrängten Oberschlesiern aus anderen Teilen de» Reiches selbständig zu Hilfe zu eilen, hierdurch werden die zur Verteidigung der deutschen Zntereffen in Oberschlesien von der Reichsregierung eingeleiteten Schritte nicht gefördert, sondern ge- st Sri. Die Reichsregierung macht mit aller Entschiedenheit daraus aufmerksam, daß solche Anwerbungen und Zusammenschllehungen zu militärischen Verbänden den bestehenden gesetzlichen Besktmmun- gen z u w i d e r l a n s e a und daß Zuwiderhandlungen mlt Straf« bedroht sind. Es wird daher zur Vermeidung der gesetzlichen Straffolgen dringend davor gewarnt, solche Aufforderungen in irgendeiner Form zu erlastea, insbesondere sie in der Presse auszunehmen. Ententttknspruch gegen die Werbung. Berlin, 18. Mai. Dem Auswärligen Amt ist eine Rol« der Z uterallti ertea Militär- Kontrollkommission zugegangen, worin darauf hingewiesen wird, daß in verschiedenen Teilen Deutschlands die Anwerbung von Freiwillige« für Schlesien stattfinden. Es wird gefordert, sofort Maßnahmen zu treffen, um diese Anwerbungen, die im Widerspruch zu den Bestimmungen des Friedensvertrages ständen, zu verhindern, und die Auflösung der in Schlefien bereit» gebildeten Formattonen herbeizuführen. vi« Kontrollkommission bittet um Mitteilung der zu diesem Zwecke unternommen«» Schritt«. Durch die oben mitgeteilte amtliche Bekanntmachung dürfte wohl der Fall tn befriedigender Weise erledigt"sein. Regienmgsbildung. Von Friedrich Stampfer. Nichts wäre dem deutschen Volk in seiner gegenwärtigen Lage mehr zu wünschen als Stabilität der Regie- rungsver Hältnisse. Daß seit mehr als zwei Jahren der Reichspräsident ein ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht blieb und fast ebenso lange ein und dieselbe Partei- gruppieruna die preußischen Staatsgeschäfte führen konnte, war ein hoch zu schätzender Vorteil. Zentrum und Demokraten haben sich schwer an den Volksinteressen versündigt, indem sie nach den Preußenwahlen überflüfsigerweise mit der Regierung herumexperimentierten und an Stelle einer Koalition, deren Brauchbarkeit erprobt war, ein Gebilde parteitaktischer Ver- legenheit setzten, dem sie selber keine Dauer zu versprechen wagten. Im Reich war durch die Iuniwahlen v. I. und die unver- ständige Haltung der Unabhängigen eine Umbildung unver- meidlich geworden. Die Sozialdemokratie hat der damals ent- standenen bürgerlichen Regierung eine Lebensdauer von elf Monaten gegönnt und von allen Versuchen, die Macht- Verhältnisse wieder zu ihren Gunsten zu ändern, abgesehen. Das ging solange, bis die erste rein bürgerliche Regierung nach der Revolution an ihrem eigenen Versagen scheiterte und die Sozialdemokratie sich dem Zwang, wieder in die Regierung einzutreten, nicht entziehen konnte. Kaum aber war dies geschehen, als das Experimentieren der bürgerlichen Mittelparteien schon wieder begann. Man entdeckte sofort, daß der neuen Regierung— was man bei der alten gern übersah und bei der gegenwärtigen preußischen ebenso gern übersehen möchte— die nötige Breite der parla- mentarischen Grundlage fehlt. Sie soll geschaffen werden durch Hinzuziehung der Deutschen Volkspartei. Ueber diese Frage darf man mit aller Ruhe sprechen. Gesichtspunkte der auswärtigen Politik müssen für sie entscheidend sein. Alles kommt darauf an, daß die jetzt eingeschlagene Linie der auswärtigen Politik weiter verfolgt wird. Deutschland muß die Bedingungen des von ihm ange- nommenen Ultimatums nach besten Kräften erfüllen— so lange, bis es mit innerer Berechtigung und mit Aussicht auf Erfolg den Rechtsgrnndsatz für sich geltend macherr kann, daß niemand über die Grenzen seiner Leiftungs- fähigkeit hinaus verpflichtet werden kann. Das heißt, daß wir in den nächsten Jahren zu den höchsten einheitlich gerichteten Anstrengungen genötigt sind, wenn nicht zum Schluß doch alles umsonst gewesen sei» soll. Die Frage steht danach so, ob der Eintritt der Deutschen Volkspartei in die Regierung dieser Politik förderlich oder schädlich ist. Würde sich die Deutsche Volkspartei geschlossen mit aller Energie und mit allen Kräften, die hinter ihr stehen, für jene Aufgabe einsetzen, dann würden die Vorteile ihres Eintritts alle Nachteile überwiegen. Kami aber diese Partei, die am 10. Mai noch fast geschlossen mit Nein ge- stimmt hat, ein solche» Maß von Einsicht und Sekbstüberwin- dung nicht aufbringen, ist vielmehr eher zu befürchten, daß sie ihren Einfluß in der Regierung dazu mißbrauchen würde, die durch den Beschluß vom 10. Mai vorgezeichnete Politik zu. durchkreuzen, dann wäre ihr Eintritt m die Regierang keine Sicherung, sondern eine Gefahr. Die Regierung wird in Erfüllung ihrer Aufgaben vor Maßnahmen nicht zurückschrecken dürfen, die von den leitenden Kreisen der Industrie und de» Handels als höchst drückend empfunden werden. Wenn solche Maßnahmen von volks- parteilichen Ministern mitgemacht werden, dann wird der Widerstand gegen sie vielleicht etwa» geringer sein. Würden aber volksparteiliche Minister sich in der Regierung als die beauftragten Vertreter von Besitzinteressen fühlen, so wäre der Konflikt zwischen ihnen und ihren. sozial- demokratischen Kollegen gegeben und einer von beiden'müßt- ausscheiden. Man hätte dann statt der breiten tragenden Grundlage nur ein explosives Gemisch geschaffen, da» bei der ersten Gelegenheit mit lautem Knalt auffliegt. Darum sei den Experimentatoren Vorsicht empfohlen. Sie mögen auch nicht vergessen— denn man muß mit gege- denen Tatsachen rechnen—, daß in den sozialdemokratischen Massen ein tief eingewurzeltes Mißtrauen gegen die Deutsche Volkspartei besteht, an dem diese gewiß nicht unschuldig ist. Man späht in der Haltung der Volkspartei vergebens nach Anzeichen einer veränderten Politik, die imstande wäre, dieses Mißtrauen zu besiegen. Und darum wird man es auch ver- stehen, daß die Sozialdemokratie nicht gewillt ist, sich wegen der schönen Augen der Deutschen Volkspartei in innere Kämpfe. zu stürzen. Man hllle sich aber, die Ablehnung der Dentfchen Volkspartei als Koalitionsgenossin so zu begründen, daß daraus für Demokraten und Zentrtim ein unverdientes Kompliment wird. Es ist überhaupt falsch, immer nur in Fraktionen zu denken und die Persönlichkeiten, die innerhalb der Parteien miteinander ringenden Strömungen zu übersehen. Es ist kein großer Unterschied zwischen Kopsch und Wiemer, weil der eine bei den Demokraten, der andere bei der Deutschen Voltspartei sitzt. Wenn Herr H c i n z c. der Volksparteiler, als Justizminister gegangen und Herr Schiefer, der Demo- krat, für ihn gekvmmen ist, so ist eben nur ein NationaMbe- roier durch einen andern ersetzt worden. Hermes, der im Amt gebliebene Ernährungsminister, der dem Zentrum ange- hört, hat der Sozialdemokratie mehr Anlaß zur Kritik geboten, als die drei volksparteilichen Minister der früheren Regierung zusammengenommen. Koalitionen sind eben immer Hebel, leider nur zu oft notwendige Uebel, und darum auf das unbedingt Notwendige zu beschränken. Daß für die Sozialdemokratie die Notwendigkeit bestand, die alte Koalition mit Demokraten und Zentrum zu erneuern, wenn sie nicht die Franzosen ins Ruhr- revier einrücken lassen wollte, gibt unter vier Augen auch jeder Unabhängige zu. Jetzt wird es Aufgabe der neuen Regierung fein, sich durch Klarheit ihres Programms und Festigkeit ihres Willens eine Mehrheit zu schaffen. Das ist viel besser, als wenn sie sich angstvoll«ach neuer Bundesgnossenschaft umsieht, durch die sie sich nur mit neuem Mißtrauen belasten würde. Wer der Deutschen Volkspartei nachläuft, läuft von der Sozialdemokratie fort und gefährdet die Fundamente des neuen Regierungsbaues, statt sie zu festigen. Und olle vierzehn Tage eine neue Regierung, das erträgt das deutsche Volk in seiner gegenwärtigen Lage nicht! * München, 18, Mai. Die Korrespondenz Hoffmann stellt amtlich fest, daß die Nachricht, dem bayerischen Handelsminister Hamm sei da« Reichsfinanzministcrium angeboten worden, wie etwaige sonstige Meldungen über einen Eintritt eines bayerischen Mi- n i st e r s in das Kabinett aus der Luft gegriffen sind. Reich und Sapern. Die Meldung der„TU." über eine Noteder Reichs- regierung an Bayern in der Entwaffnungsfrage wird von einem hiesigen Spätabendblatt dementiert. An maß- gebenden Stellen sei von dieser Note nichts bekannt gewesen. Dem gegenüber hält die„TU." ihre Meldung voll aufrecht und teilt weiter mit, daß der bayerische Ministerrat sich am Donnerstag mit der Note der Reichsregierung beschäftigen werde. In derNote soll bekanntlich die Einreichung einer Liste jener Organisationen verlangt sein, die nach dem Ent- waffnungsgesetz ausgelöst werden müssen. Maurenbrecher verstummt. Die Berurteilung des Hohenzollernchef» Eitel Friedrich ist der„Deutschen Zeitung" so in die Glieder gefahren, daß sie in ihrer gestrigen Nachmittagsausgabe mit keiner Zeile über den Prozeß und seinen Ausgang berichtet. Offenbar findet Max Maurenbrecher, daß die Verurteilung eines Zollernfprosfen als Kapitalsschieber schlecht in die neue Hohenzollernlegende paßt, die er in der„Deutschen Zeitung' spinnt.. In seine alte, mit Ehr- lichkeit geschriebene„Hohenzollernlegende" würde sie sehr gut passen. Sehr hübsch ist auch die Berichterstattung de«.Reichsboten". Am Schlüsse der dritten Seite finden wir dort: Dos Urteil. Nach etwa einstündiger Beratung verkündet« Landgerichts- direktor R e h ti r folgendes Urteil: Bilder unseres Kaiserhauses in Kartenform: Kaiserin AuWste Biktoria im Fahrstuhl, unser Kaiserpaor im Jubiläumsjahr ISIZ, unser Kronprinz lBrustbild), die Kronprinzenfamilie in Wieringen, unser Krön- prinz in der Schmiede zu Wieringen, ferner Ansichten von Haus Doorn und Beisetzungsfeierkarten. Wir liefern alle diese Karten für je l Mark seinschließlich Porto). Papierhandlung des„Reichsboten". Berlin SUJ. 11. Das wirkliche Urteil ist g'fchämig auf die vierte Seite hinüber- geschoben worden. Der Verlag des„Reichsboten" fürchtete offen- bar mit Recht, daß feine Annonce ganz und gar ihre Zugkraft einbüßen würde, wenn die Lefer vor ihr das Urteil zur Kenntnis genommen hätten. Was WTB. alles sieht. Ueber die Beerdigung der Gattin H i n d e n b u r g s be- richtet WTB. in schönstem Hofstil. Sein Berichterstatter sieht zahl- reiche Kränze,„darunter fotche von Fürsten, Prinzen, Behörden und Korporationen". Im Trauergefolge erblickt der gleiche Berichterstatter„Prinz Oskar von Preußen, Vertreter der Ministerien und anderer Behörde» usw. usw."— Wir dachten, daß es in der Republik Fürsten und Prinzen nicht mehr gäbe. Für das offiziöse WTB. existieren sie nicht nur, sondern rangieren auch immer noch fein säuberlich vor den Behörden.... Eitel Friedrichs Leidensgefährte. Vor dem Amtsgericht zu Bentheim spielte dieser Tage ein eigenartiger Prozeß. Angeklagt war ein Freund des ehe- m a ligen Kaisers Graf S.(der volle Name wird in dem uns übermittelten Bericht leider nicht angegeben). Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Im Frühjahr 1920 war Graf S. zum Besuche seiner in Doorn weilenden Gattin gefahren. Er trug in seiner Rocktasche einen Vrillantschmuck im Werl« von l'A Millionen Mark bei sich, den seine Gattin bei einer Feierlichkeit an- legen sollte. In Bentheim wurden die Koffer des Angeklagten revidiert und mit dem Kontrollzeichen versehen. Bor Eintritt in den für die persönliche Untersuchung bestimmten Raum, ent- nahm der noch im Revisionssaal befindliche Angeklagte den Schmuck seiner Rocktasche und legte ihn in seine schon revidierte Handtasche.« Dies wurde von einem Zollbeamten beobachtet und der Schmuck beschlagnahm:. Die Folge war die jetzige Anklage wegen verbotener Ausfuhr und Zolldefraudation.— Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte damit, daß es sich um ein altes Familienerbstück handele, welches lediglich zu jener Feierlich- keit getragen und dann nach Deutschland zurückgeschasft werden sollte. Er habe diese Ueberbringung des Schmucks für erlaubt ge- halten. Der Staatsanwalt beantragte die im Gesetz fest angedrohte Strafe des doppelten Wertes von Z Millionen Mark Geld- strafe und Einziehung des beschlagnahmten Schmuckes. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Nach der in Bentheim bei der Zollstelle herrschenden Praxis hätte eine Dame des gesellschaftlichen Kreises, dem der Angeklagte angehörte, einen derart wertvollen Schmuck ohne weiteres mit über die Grenze nehmen dürfen. Wenn die Gattin des Angeklagten den Schmuck selbst getragen hätte, würde dies mit Rücksicht auf ihre gesellschaftlichen und finanziellen Verhältnisse nicht beanstandet worden sein. Daß der Angeklagte nicht diesen Umweg gewählt, sondern den Schmuck einfach in der Tasche mit hinüber genommen habe, spreche mehr für als gegen ihn. In dem Urteil ist so viel von den„gesellschaftlichen Kreisen", denen der Angeklagte angehört, die Rede, daß der Schluß gerecht- fertigt ist: Ein Angehöriger anderer Gesellschaftskreise würde schwer- sich einen Freispruch erzielt haben. Ein Schildbürgerstreich. Folgende launige Geschichte, die ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Psychologie vieler„republikanischer" Offiziere wirft, wird uns von einem Leser des„Vorwärts" mitgeteilt: In Goslar am Harz geht vom Zwingergraben her ein Weg an der Domkaserne entlang, dessen Benutzung für Zivilpersonen durch ein Schild verboten ist mit der Inschrift:„Das Ueber- schreiten des Exerzierplatzes ist für Zivilpersonen verboten. K ö n i g l. Garnisonkommando." Kommt da Anfang Mai 1921 ein Goslarer Bürger des Wegs entlang und wird vom Posten angehalten mit dem Bemerken, daß er den Platz nicht überschreiten dürfe. „Weshalb nicht?" „Haben Sie denn das Schild nicht gelesen?" „Natürlich! Aber das ist nicht mehr maßgebend, denn ein König l. Garnisonkommando gibt es nicht mehr, des- halb kann dieses auch keine Anordnungen mehr treffen." Der Posten kann sich diesen Argumenten nicht verschließen, meldet aber den Dorfall dem Bataillon. Die Bearbeiter der Angelegenheit sehen anscheinend die Notwendigkeit einer Aenderung auch ein und die zufällig in der Kaserne anwesenden Maler werden beauf- tragt, das Wort„Königl." zu überpinseln. Dies geschieht. Am Mittag kehrt die Truppe von einer Uebung zurück. Haupt- mann H u d e r i a n, Kompagnieführer im III.(Jäger-)Bataillon 17, reitet mit seinen Kompagnieoffizieren diesen Weg entlang und b« merkt die Veränderung auf dem Schilde. Seine Blicke schweifen herum; er glaubt den Frevler entdeckt zu haben. Der Gastwirt Z i e h r am Eingange des Weges läßt sein Haus verschönern. Auf dem Gerüst arbeitet wohlgemut ein ehrsamer Maler. Kein anderer wie dieser kann diese„Maiestätsbeleidigung" be. gangen haben. Nach seiner Ankunft in der Kaserne werden zwei Soldaten mit Waffen beordert, und der brave Malersmonn wird trotz Sträubens oerhaftet und in das Arrest haus ab» geführt. Nachdem sich die Sache aufgeklärt und es sich herausgestellt hat, daß die Abänderung von der Dienststelle angeordnet und aus» geführt worden ist, kann er seine dumpfe Zelle wieder mit dem luftigen Gerüst oertauschen. Wahrscheinlich soll die Angelegenheit vertuscht werden. Trotzdem dürfte die Frage angebracht sein: Wieverträgtsich e i n e d e r» artige Handlungsweise mit dem republikanischen Geist unserer Offiziere? Mecklenburgs ftdel klagt! Der BNZ. wird aus Mecklenburg geschrieben: Die am 17.. Mai 1920 geschaffene neue mecklenburgische Der« sassung, die notwendige Folge der Revolution, hat neben vielen an- deren auch einen der größten Skandale der vorrevolutionären Zeit in diesem Lande beseitigt: sie hat die Klöster R i b n i tz, Mal» ch o w und Dobbertin als Staatseigentum erklärt. Nach einem Rechtstitel aus dem Jahre 1572(!) stand die Nutznießung dieser Klöster und ihres reichen Grundbesitzes dem mecklenburgischen alten A d e l zu, der in ihnen seine unverheirateten Töch» t e r bis an ihr seliges Ende versorgen ließ.' Die nachrevolutionäre Verfassung erklärt diese„Rechte" de« Adels auf die genannten Klöster für nichtig, hebt alle Ansprüche auf die Berwendung ihres Vermögens zu dem erwähnten Zwecke auf und spricht lediglich dem Staat das Recht der Verfügung und Verwaltung zu. Nun sollte man meinen, daß die mecklenbur- gischen Granden in dem Bewußtsein, die Rieseneinkünfte dieser Klöster drei und ein halbes Jahrhundert genossen zu haben, ihren Frieden mit der neuen Berfassnng machen und das Unzeitgemäße— um nicht zu sagen Skandalöse— des alten Zu» standes einsehen würden. Weit gefehlt! Die„Klosterberechtigten" haben jetzt den Freistaat Mecklenburg aus Wiederherstellung de« alten Zustandes verklagt. Ihre Klage verlangt„Herausgabe des Klostervermjigens und Feststellung ihrer K l o st e r r e ch t e". Es scheint doch, daß hier selbst da? mecklenburgische Gericht wird ver- sagen müssen. Mit dem gleichen Recht könnten nämlich die„Ritter" auf Abschaffung der gesamten neuen Verfassung und auf Wieder- Herstellung der var sintflutlichen politischen Verhältnisse der vor» revolutionären Zei? klagen! Das Ganze ist eine Illustration des Wortes: Adel verpflichtet! Unterstützung der Landesverstcherungs- anstalten. Die sozialdemokratische Fraktion des preußischen Landtage? hat folgenden Antrag der Abgeordneten Braun, Brückner und Genosien eingebracht: Der Landlag wolle beschließen: Die StaatSregierung zu ersuchen, bei der ReichSregierung dahin zu wirken, daß unverzüglich ein Notgesetz erlassen wird, welche? den LandeSversicherungs» anstalten gestattet, geeignete Maßnahmen zur Behebung ihrer finanziellen Schwierigkeiten zu treffen, damit die bisherigen Ein« richtunge» dieser Anstalten, insbesondere Heilverfahren, Zahn» sürsorge usin. fortgeführt werden können. Eine karte vom Abstimmungsgebiet Oberschlesien wird vom Pressedienst für Oberschlesien, Gea-Perlag, herausgegeben. An alle« Orten, an denen sich die Polen Gewaltakte haben zuschulden kommen lassen, sind rote Punkte angebracht; alle übrigen Wahlbeeinflusiungs» akte sind durch blaue Punkte gekennzeichnet. Die Karte zeigt außer» ordentlich plastisch die traurige Lage Obersthlesiens, das bei einer von polnischem Terror freien Abstimmung unzweifelhaft eine noch weil größere deutsche Mehrheit erlangt hätte. diesem Herbst noch mögen militärisches Gemüse und Generalsobst friedlich nebeneinander in einem Garten gedeihen! Das Ende des Sperrsechserls. Wenn man den Zeitungsbertchren glauben darf, dann wird das.Sperrgeld" in Wien aufgehoben werden. Ein Weltkrieg mußte das Habsburger Reich zerbrechen. die Habsburger mußten aus dem Lande gejagt werden, ehe die vor» sintflutlich'e Einrichtung des Sperrgeldes beseitigt werden konnte. Einen Haustorschlüssel besaß nur der Hausbesitzer(Hausherr!) und der Pförtner(Amtsdeutsch: Hausbesorger: Wiener Deutsch: Hausmeister; Weanerisch: Hausmasta). Wer eine große Wohnung inne hatte, jahrelang im gleichen Hause wohnte, stets pünktlich „Zins" zahlte, mit dem Hausherrn mindestens auf gutem, mit dem Hausmeister auf tadellosem Fuße stand, tonnte auf besonderem Wunsch— gegen Zahlung einer entsprechend, hohen Gebühr—- einen Schlüssel(jederzeit widerruflich) erhalten. Alle gewöhnlichen Sterblichen— und das waren mindestens 99 Prozent der Wiener Bevölkerung— waren davon ausgeschlossen und hatten als brave Untertanen vor Toresschluß in ihrcn 4 Wänden zu sein. Kamen sie aber doch später, dann mußten sie klingeln und dem nach einigen Minuten öffnenden Hausmeister ein„Sechserl"(10 Kreuzer 20 Heller � 17 Pfennige) zahlen. Ueber die österreichische Unpünttlichkeit ist viel gespottet wov» den; einer war immer pünktlich aus die Sekunde; der Hausmeister. Das Schlagen der nächstgelegenen Kirchturmuhr war für ihn stets maßgebend. In Wien mit seinen mehr als 100 katholischen Kirchen kam es oft vor, daß man vor dem gleichen Hause das Schlagen mehrerer Uhren hörte. Für den Hausmeister war natürlich jene „zuständig", die jeweils zuerst 10 Uhr schlug. Wie unsozial das Sperrgeld war. kann man daraus ersehen, daß es für Arm und Reich grundsätzlich gleich hoch war und man keinen Unterschied machte, ob einer vom Sektgelage oder von der Berufsarbeit oder von einer ehrenamtlichen Tätigkeit kam. Es ist sehr schade, daß keinerlei statistische Aufzeichnungen darüber vor» handen sind, wie viele Versammlungen oertagt oder vorzeitig ge- schlössen werden mußten, weil der größte Teil der Besucher zur Vermeidung des Sperrgeldes weggegangen war. , Im übrigen werde ich erst dann an die Beseitigung des Sperr- sechserls glauben, wenn ich mich an Ort und Stelle davon überzeugt habe. En. TtaaUicheS Tchanfpielbaiis. Sonntag. SS. b. MtS., vvrnnttsgS y,12 Uhr Wiederholung der MittagSveranstaltung„Bei Goethe" zum Besten deS gefährdeten Goethe-Hauses in Frankfurt a. M. Die Staatlichen Museen find von jetzt ab unentgeltlich geöffnet t ailte? und ReueS Museum: Dienstag und Freitag; Kaiser-Fricdrich-Museum: Mittwoch und Freitag; Museum für Völkerkunde. Sammlung für deutsche Volkskunde und Zeughaus: Montag und Donnerstag.— Das Schloß« muscum(Kunstgewerbemuseum) ist vorläufig noch nicht geöffnet. Der bevSlkerungspolitische Kongreh der Stadt Köln, der für die Zeit vom 17. bis 21. Mai 192l vorgesehen ist, findet bestimmt statt. Die Schule in Ruhla, td. Nach einer in der Moskauer.Prawda, veröffentlichten Statistik gibt es in den Gouvernements des europäischen Rußland» 97 465 Volksschulen mit 5 042 830 Schülern. Nach derselben Quelle waren im Jahre 1916 w Rußland 90 000 Volksschulen mit 5 390 000 Schülern vorhanden. Da die Zahl der schulpflichtigen Kind« aaüekt«ack im HÜPg IT"«*»**""* Künstler und Konzertagenten. Auf den Protestartitel des Vorsitzenden des Verbandes kon- zeriierender Künstler Dr. Cahn-Speyer gegen die unter eigenartigen Umständen erfolgte Erhöhung der Agentengebühren geht uns nachträglich eine Erwiderung der Berliner K» n z e r l d i r e k l i o n e n zu, der wir als Wesentliche» entnehmen: „Was ist ein konzertierender Künstler? Konzertierender Künstler kann sich jede» Menschenkind nennen, da» imstande ist, selbst oder durch einen Dritten einen Konzertsaal zu mieten, Reklame zu machen, Pudkikum einzuladen und dann seine Kunst vor der Oeffentlichkeit zu prsdujicren. Auf diese Weise in den Konzertbetried eingereiht, kann diese; Menschenkind, ohne Künstler zu sein, jahrelang sein Da- sein im Bereiche der„konzertierenden Künstler" zubringen, besonders wenn da» Unglück will, daß einmal ein Kritiker einen günstigen Be- richt über ihn geschrieben hat.... Die großen Künstler,„die Pro- minenten", die Publikum herbeiziehen, haben niemals Neigung ge- zeigt, sich solchem Verbände anzuschließen. Sie sind Selbstunter- nehmer und haben eine eigene Geschäftsführung, die sie bisweilen an geeignete Persöiilichtettkn übertragen. Die Art der Geschäftsführung für diese Art Künstler ist derartig individuell, daß ein Unterordnen unter„Verbandsregeln" ganz ausgeschwssen ist. Für den hoch- begabten Künstler wäre es ein unerträglicher Gedanke, daß er durch seine Beiträge als Mitglied genötigt sein sollte, die Sopranistin Fräulein Marie Schulze,„konzertierende Künstlerin", gewissermaßen vom Verbände zu unterstützen, deren Talent vielleicht hinreicht, um im engsten Familienkreise zu leuchten. Die Phrase von der Ausbeutung der Kunstler durch die Konzert- direktwnen ist gänzlich oerfehlt. Niemand wird es eine Ausbeutung nennen, wenn die Konzertdirektionen ihre Arrangementsgebühren von 100 M. auf 21)0 M. resp. von 12Z M. auf 250 M. pro Konzert erhöhe». In Fri.'öenszeiten betrug die Arrangementsgebühr pro Konzert 80 M. Die Steigerung beträgt also nur etwa das Dreiein- Hab- bis Vierfache des Friedenspreises, während die Geschäftsunkosten um das Acht- bis Zehnfache gestiegen sind. Außerdem ist der söge- nannte„Verband de? konzertierenden Künstler" gar kein Verband. Der weitaus größte Teil der Künstler nimmt ihn nicht in Anspruch. Er ist nichts weiter als ein« Konzertdirektion, die ihre Kundschaft in Form von Mitgliedern wirbt." Herr Dr. C a h n- S p« h e r beantwortet die Zuschrift des Agenten mit solgenlier Replik: „Nicht das ist der springende Punkt, ob eine Erhöhung der Agentengebnhren kaufmännisch berechtigt ist, sondern daß die Agenten eigenmächtig, unter Nichtachtung der bestehenden Ge- setze und Verordnungen, die Erhöhung durchgeführt haben. Diese Taffache wird auch nicht durch die Methode aus der Welt geschafft, den Gegner, dem man nicht widerlegen kann, wenigstens zu j Wstwditiirt». Sk dl» fcej Künstler" Deutschlands ist derjenige ein konzertierender Künsller, der konzertiert: die Auslese vollzieht das Publikum, sowie die Presse, bei der es übrigens die Agenten gewöhnlich nicht für„ein Unglück" halten, wenn sie einen günstigen Bericht bringt. Pflegen sie doch gerade dieser Pressebesprechungen wegen die Künstler, oder die es werden wollen, zur Veranstaltung recht vieler Konzerte zu über- reden. Unsere Methode verdient immer noch den Vorzug vor der- jenigen der Konzertagenten, bei denen der enffcheidende Faktor nicht die Kunst, sondern das Portemonnaie des Künstlers ist. Unsere gemeinnützig« Konzertabteilung steht nicht nur unseren Mitgliedern, sondern allen konzertierenden Künstlern zur Verfügung. Die Agenten dürften am besten wissen, daß wir z. B. auch einen Rechtsschutz für unsere Mitglieder haben. Ferner arbeiten wir— nicht ganz wie die Agenten— ehrenamtlich und gegen bloße Deckung der Betriebs- Unkosten. Daß wir„kein Verband" sind, wird den Registerrichter, der uns in das Vereinsregister eingetragen hat, sehr interessieren. Originell ist es, daß die Konzertagenten die Qualität unserer Mitglieder herabzuwürdigen suchen, während sie sich bemühen, uns die Mitglieder, die sich einen Namen erworben haben, abspenstig zu machen. Ueberdies beklagen die Agenten den Verlust einer erkleck- lichen Anzahl von Künstlern, die zu uns abgewandert sind. Wenn vorläufig noch nicht alle„Prominenten" in unseren Reihen sind, so liegt das in erster Linie an dem Terrorismus der Agenten, die jedem, der zu uns kommt, die Kehle zuzuschnüren suchen." wenn ein General Gemüse baut... Aus Kassel wird uns geschrieben: Die Sfadt Kassel plant, die Gartenterrosse des Bau- meisters du Ry in der Karlsaue zu einer Kriegergedächtnisstätte umzuwandeln. Das Preußislbe Landwirffchastsministerium als Be. sitzer des Gartens und des Bellevue-Schlosfes, zu dem dieser ge- hört, verlauste die Garlenterrasse für 1000 M. an die Stadt Kassel. Nun macht das Reichswehrgruppenkommanda 2 in Kassel, das in das ehemalige Generalkommando in dem erwähnten Schlosse ein- gegangen ist, größte Schwierigkeiten: General v. Hülsen baut auf der Terrasse Gemüse..'.! Ueber die Recht« auf Schloß und Garten schwebt gegenwärtig ein Prozeß zwischen dem Reichswehrministerium und dem Preußischen Landwirffchafts- Ministerium. Letzteres behauptet, nur ein preußischer General habe laut altem Bertrag Benutzungsrechte. Der Befehlshaber des Äruppenkommandos sei ein Reichs general. Also: Preußen wider das Reich! Um das Denkmal bald bauen zu können, hat der Magistrot der Stadt Kassel, vertreten durch den Oberbürgermeister Scheidem ann, jetzt das Anerbieten gemacht, dem General in dem anliegenden großen Obstgarten, dessen Nutznießer der General ebenfalls ist, einen neuen Gemüsegarten anzulegen! Da zu der Terrasse vom Schlosse aus ein elektrisch erleuchteter unter- irdischer Gang führt, soll der Magistrat einen neuen Tunnel nach dem neuen Gemüsegarten bauen! Die Verhandlungen schweben noch, und eh« nicht diese beendet und der Prozeß zwischen Preußen und dem Reiche zum Abschluß kommt, kann auf Grund des mili- tärischen Widerstandes den kurhcsfifchen Gefallenen fein Denkmal MEt»«. Ei* Statt hat jetzt saaaM em AHmmgi 2» Nr. 2Z7�ZS.Fahrgaag Heilage öes vorwärts Donnerstag, Ig. Nai 1921 GroßSerlln Mieterschutz in Groß-Serlin. Das Wohnungsnotrecht für die neue Stadtge- meinde Berlin, das am lg. Mai mit der im Gemeindeblatt erfolgten Veröffentlichung in Kraft getreten ist, wird von dem Neu- köllner Stadtrat B r u m b y, dem Leiter des Berliner Zentralamts für Wohnungswesen, in einer kleinen Schrift(Verlag Franz Bahlen, Berlin) dargestellt und erläutert. Nach Inkrafttreten des Gesetzes über die neue Stadtgemeinde Berlin mußten die Bestimmungen zum Schutze der Mieter und zur Milderung des Wohnungsman» gels, die in den jetzt zur Einheitsgemeinde zusammengezogenen Einzelgemeinden bisher sehr verschieden waren, eine einheitliche Form erhalten, um der Ungleichheit des Rechtszustandes ein Ende zu machen. Die neue Stadtoerordnetenvertretung äußerte einen dahingehenden Wunsch sehr bald nach ihrem Zusammentritt, und im Auftrage des Magistrats machte sich dann das Zentralamt für Wohnungswesen an die Arbeit, deren Ergebnis von der Deputation für das Wohnungs- und Siedlungswesen und danach vom Magistrat gebilligt wurde. Eine wichtige Folge dieser Vereinheitlichung ist z. V., daß fortan in dem ganzen Gebiet der neuen Stadtgemeinde Berlin der Ver- mieter die vorherige Anrufung des Mieteinigungsamts nicht nur für Kündigungen, sondern auch für Erhebung von Räu- mungsklagen und für Vollstreckung von Räumungsurteilen, von einstweiligen Verfügungen und Vergleichen nötig hat. In den bisher selbständigen Stadt- und Landgemeinden Groß-Berlins gab es über 90 selbständige Mieteinigungsämter, künftig aber sollen hier außer den 12 Einigungsämtern des früheren Berlin nur noch 14 Einigungs- ämter für die 14 äußeren Verwaltungsbezirke, im ganzen also nur 26 Einigungsämter bestehen, nicht als selbständige Einrich- tungen, sondern als Abteilungen des Zentraleinigungsamts Berlin. Zur Herbeiführung der notwendigen Einheitlichkeit in der Schiedssprechung sollen Richtlinien durch das Zentraleini- gungsamt aufgestellt werden, und zwar unter Mitwirkung eines ge- mischten Ausschusses, in den die Abteilungen entsenden ihre ersten Vorsitzenden, eine Vertretung des stellvertretenden Vorsitzenden und alle Obleute der Mieter- und Vermieterbeisttzer. Auch die einheitliche Handhabung der für die neue Stadtge- meinde Berlin nunmehr einheitlichen Bestimmungen über Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel soll durch Richtlinien gesichert werden, die das Zentralamt für Woh- nungswefen als ausführendes Verwaltungsorgan des bei der Woh- nungs- und Siedlungsdeputation bestehenden Wohnungsausschusses aufstellen wird. Die Wohnungsämter der Verwaltungsbezirke sind als Ausführungsorgane der Zentrale gedacht, doch stehen hier die Einzelheiten der Organisation noch nicht fest. Eine wesentliche Ein- dämmung der Unzufriedenheit mit der Vergebung von Wohnungen wird davon erwartet, daß künftig Bezirkswohnungskom- Missionen hiermit betraut werden sollen. Brumby schildert in seinem lehrreichen Schriftchen sehr ein- gehend den Rechtszustand, wie er sich aus dem neuqefahten, ein- ' heitltchen Wohnungsnotrecht ergibt Er teilt das Wohnungsnot- � recht im vollen Wortlaut mit und begleitet ihn mit Erläuterungen. Serlin— Halle. Der Ausbau der viergleisigen Strecke Di« Arbeiten am viergleisigen Ausbau der Strecke Berlin-Halle, die bereits vor dem Kriege in Angriff genommen worden sind, während des Krieges infolge Arbeiter- und Materialmangel jedoch z. T. eingestellt werden mußten, sind jetzt wieder ausgenom- M e n worden. Das dritte und das vierte Gleis auf dieser Strecke soll die unbedingt erforderliche Entlastung der mit Fern- und Güter- zügen außerordentlich überlasteten Strecke bringen. Neben den umfangreichen Erdarbeiten waren auch zur Durchführung des Planes der Umbau der Bahnhöfe Jüterbog und Luckenwalde erforderlich, die zum Teil jetzt vor dem Abschluß stehen. Während der Bahnhof Luckenwalde bereits die vor- gesehenen zwei Bahnsteige hat, neben denen links der Bahnstrecke Berlin— Jüterbog das neue Bahnhofsgebäude errichtet worden ist, bestehen auf dem Bahnhose in Jüterbog bisher nur zwei Bahnsteige, die späterhin um zwei weitere vermehrt werden sollen, für die«in Durchgangstunnel vor einiger Zeit bereits fertiggestellt Ist. Weiter- hin sind auch große Gleisunrerfahrungsanlagen hinter dem Bahnhofe Jüterbog im Rohbau fertiggestellt worden, in den nicht weniger als sechs verschiedene Strecken einmünden, die sämt- lich ohne Kreuzungen in gleicher Ebene gedacht sind. Zwischen Jüterbog und Luckenwalde, wo auf weiten Strecken der Bahndamm für die beiden neuen Gleise fertiggestellt ist, ist jetzt das dritte Gleis stellenweise zur leichteren Heranführung der Bauzüge mit Material usw. hergestellt worden, während an anderen Stellen das Planum für die neuen Gleise mit Feldbahnen usw. hergestellt wird. 1 poiiablmnenten | Damit die regelmäßige Zustellung des„Vor» K wärts" im nächsten Monat keine unlieb- ♦ same Unterbrechung erleidet, ersuchen wir 6 unsere Postabonnenten, das Abonnement '2 für den Monat Juni zum ß Preise von 10 M. einschl. Zu- K stellungsgebühr bei dem * zuständigen Postamt S sofort zu be- 4 stellen I m K Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Verlm| '(0(a?*!9G&SSGf*i9G**f9• Das Mshilfskinü. Die engstirnige Heuchelei, die mit dem Begriff der unehelichen Mutter eine Art„Schande" verband, findet heute nur noch in erz- reaktionären Frömmlergesellschaften Boden. Für diese bcgrüßens- werte Wandlung ist es bezeichnend, daß es heute bereits Mädchen gibt, die sich fälschlich als uneheliche Mütter vezeich- n e n— um einen persönlichen Vorteil zu erzielen. Ein solcher Fall kam in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zur Sprache. Nach einer Verordnung des„Demobko" müflen, um der Ar- beitslosigkeit in Berlin zu steuern, Arbeiter und Angestellte, welche am 1. Juli 1814 nicht in Berlin anwesend waren, nach und nach entlassen werden. Eine Ausnahme hiervon machen u. a. auch ledige Mädchen, die ein Kind zu ernähren haben. Di« Folge der Verordnung war. daß viele junge und ältere Mädchen, die als Der- käuferin oder Arbeiterin tätig sind, dem Arbeitgeber verschämt mit- teilten, daß der Kündigungsgrund in Wegfall komme, da sie ein Kind zu ernähren hätten. Aber auch andere vielseitige junge Damen wußten sich Rat, wie der Fall der jetzigen Angeklagten, der Verkäuferin Elli W. zeigt. Auch sie hatte die Kündigung erhalten, da sie erst mährend des Krieges nach Berlin gekommen war. Eines Tages trat sie hold erglühend dem Chef der Schuhwarenfirma Leiser entgegen und erklärte ihm unter Vorlegung einer Urkunde eines Standesbeamten ihres Heimatortes, daß sie ein Kind habe und des- halb die Kündigung ungültig sei.— Vor Gericht machte der Der- teidiger als strafmildernd geltend, daß die Angeklagte von einem Rechtskonsulenten falsch informiert worden sei, daß man eine Ab- schrift ruhig unterschreiben könne. Das Gericht erkannte auf 3 Tage Gefängnis unter Anwendung der bedingten De- gnadigung._ Unberechtigte Beamtenempstndlichkeit. Wer die Mängel des Berliner Verkehrswesens kennt, wird be- greifen, daß einem Fahrgast mal die Galle überlaufen kann. ES verdient schärfsten Tavel, wenn so ein Unzufriedener seinen Aerger an einem VerkebrSbeamten ausläßt, der für diese Wirtschaft gar nicht verantwortlich ist. Aber andererseits sollte auch kein Verkehrs- beamter in einer etwas kräftigen Aeußerung des Verdrusses so- gleich eine.Beamtenbeleidigung" sehen, die bor den Strasrichter gehört. Auf dem Ringbahnhof Papestraße ist es vor längerer Zeit einem Fahrgast passiert, daß er von dem Bahnhofs- Vorsteher angehalten wurde, weil er den Betrieb„ver- wohrlost" gescholten hatte. Er mußte im Dienstraum die Prozedur der Feststellung seiner Personalien über sich ergehen lassen, wobei man wegen Bemängelung seines Ausweispapiers sogar zu der ZwangSmaßregel griff, ihn noch auf die nächste Polizeiwache zu bringen. Da er das Vorgehen für unberechtigt hielt und auch die Form als ungehörig empfand, so reichte er Beschwerde ein. Nachdem er vier Monate gewartet hatte, erhielt er endlich von der Eisenbahn- direktion Berlin den Bescheid, der Aufsichtsbeamte habe jene Aeußerung„als eine Beleidigung und Herabsetzung der Eisenbahnbeamten aufgefaßt" und sei deshalb zur Feststellung geschritten. Daß die Sistierung unzulässig ge- wesen sei, sagte der Bescheid nicht. Kann ein Bahnhofvorsteher, fragen wir hier, wirklich eine Beleidigung der Eisenbahnbeamten darin sehen, daß jemand den Betrieb aus unseren Stadt-, Ring- und Vorortlinien als.verwahrlost" bezeichnet? Braucht er und seinesgleichen solche Ausbrüche eines mehr oder minder berechtigten AergerS ans sich zu beziehen? Nein, wir halten diese Beamten- empfindlichkeit für sehr übertrieben. Weiß doch jeder, daß Vor- würfe wegen der skandalösen Verkehrszu stände an ganz andere Adressen zu richten wären. Den leitenden Persönlichkeiten aus der Eisenbahndirektion Berlin emp- fehlen wir, einmal vier Wochen hindurch Tag für Tag zwei oder vier Fahrten auf den Stadt-, Ring- und Vorortlinien zu machen, nicht im reservierten Dienstabteil, sondern mit anderen Sterblichen im vollgepsropften Abteil dritter Klasse. Da könnten sie da« Berliner Verkehrselend am eigenen Leibe sehr unangenehm spüren und zugleich selber hören, wie die arbeitende Bevölkerung darüber denkt._ Gegen die polnischen Gewalttaten. In der großen Protestversammlung im Lehrervereins- Haus, die von fast 1000 Personen besucht war, sprach als Haupt- redncr Genosse Eduard Bernstein. Seine Ausführungen, die sich auf ein sachliches Studium der oberschlefischen Verhältnisse stützten, stießen, was nicht zu verwundern war, auf den Widerstand einiger rechtsstehenden Parteien angehörigen Versammlungsbesucher. Genosse Bernstein erwähnte besonders, daß auch für Oberschlesien nur die Internationale, das internationale Zusammenarbeiten der Arbeiterschaft Deutschlands mit der Arbeiterschaft der siegreichen Länder das Mittel sein könne, diesem notleidenden Teil unseres Vaterlandes Ruhe und Ordnung zu geben. Starker Beifall belohnte den Genossen Bernstein zum Schluß seines Referates. Es wurde hierauf eine Entschließung angenommen, in der Protest gegen die räuberischen Gewalttaten der Polen erhoben, den Italienern der Donk für ihr heldenhaftes Verhalten ausgesprochen und sofortiges Einschreiten der, Entente in Wahrung ihrer übernommenen Pflichten zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und zum Schutze von Leben und Eigentum gesordert wird. Die Resolution klang aus in den Worten:„Oberschlesien gehört zu Deutschland." Ameisen— eine neue Wohnungsplage. Nach Berichten, die dem Laboratorium für Vorratsschädlinge in der Biologischen Reichsanstalt in Dahlem zugegangen sind, häufen sich in letzter Zeit die Klagen über massenhaftes Auftreten von Ameisen in den Häusern, besonders in den Vorratsräumen und Speisekammern. Von einem Einsender wird die Vermutung ausgesprochen, daß eS sich um bisher in Deutschland nicht bor- hanoene Arten handelt, die mit Lebenömiltelpaketen auS Amerika eingeschleppt worden find. Die Biologische Reichsanstalt in Berlin» Dahlem bittet daher um Mitteilung von Beobachtungen und Ein- send un g von Proben. Die Ameisen werden am besten in denaturiertem Spiritus(BrennspirituS) konserviert. Auslagen für Verpackung und Porto werden von der Biologischen Reichsanstalt gern vergütet. Flüchtige Desraudanten. Wegen Unterschlagung von 60000 Mark wird ein 26 Jahre alter Robert P a u e l gesucht, der auf Dienstoertrag bei der Kassenverwaltung des 2. Bataillons des Infanterieregiments 9 in Groß-Lichterfelde angestellt war. Pauel unterschlug der Verwaltung, die sich in der Kaserne des Garde-Schützen-Bataillons befindet, das Geld und verschwand damit. Seine Spur führt nach dem Rheinlande. Auf die Wieder» beschaffung des Geldes ist eine Belohnung von 10 Proz. ausgesetzt. — Mit 25000 Mark brannte ein 19 Jahre alter L a u f- b u r s ch e Adolf Zacharias aus Schöneberg seinem Arbeitgeber durch. Der Geschädigte sichert für die Wiederbeschasfung des Geldes ein« hohe Belohnung zu. Mitteilungen über Pauel nimmt der erste 66) Stwe Menschenkind. III. Der Sündenfall. Don Martin Andersen Nexö. „Man hat ja selber ein wenig Angst davor, daß es nicht gehen wird," begann er von neuem.„Aber dann müssen wir eben sehen, daß wir anderswo hingehen. Die Welt ist ja groß, und hier zu wohnen, das hat ja doch keine besonderen Vorzüge. Verlieren tut man nichts, wenn man wegzieht. Schandlich ist es bloß, daß man sich alles hat herauspressen losten: leicht wird es sicher nicht sein, wieder von vorne an- zusanaen." „Bekommst du denn dein Geld nicht wieder, wenn wir reisen?" „Ach nein, du. Der Krugwirt ist überhaupt nicht der Mann, der etwas herausgibt, wenn er erst einmal seine tote Hand darauf gelegt hat. Und außerdem soll er selber Geld- fchwierigteiten haben." „Der Krugwirt? Der so viel Geld hat?" „Ja, du willst es nicht glauben,— wie so viele. Die Sache ist wohl die, daß er an Banken und anderswo schuldet: das Ganze soll beliehen sein, wird erzählt. Darum baut er auch das Badehotel nicht. Die Banken wollen ihm kein Geld leihen. Man hat ja geglaubt, daß'hm das Ganze gehöre, aber das ist ganz und gar nicht der Fall. Es soll ihm schwer genug fallen, die Termine einzuhalten: jetzt zum Junitermin erwartete man sogar, daß er Bankerott machen würde. Das erklärt ja, daß er erbittert ist." „Was für Freude hat er denn dann von dem Ganzen? Dann Hütt' er uns ebensogut das Unsere behalten lassen können." „Ja, viel Freude kann er nicht haban, wenn er's auf die Weise treibt; aber es muß ihn wohl was in seiner Natur dazu treiben. In diesen Tagen stehen die Sprotten bis ganz hin zur Küste, so dicht, daß du sie eimerweise aufnehmen kannst. Die Makrelen jagen sie hier herauf: die stehen draußen m dichten Schwärmen, fressen sich in das Gewimmel hinein und drängen vorwärts. Und wieder draußen, da fressen der Seehund und der Delphin auf die Makrelen los und pressen sie weiter nach dem Lande zu. So geht es wohl auch hier; d« Krugwirt saugt uns aus. uud andere saugen wieder ihn und seinesgleichen aus. Man möchte wohl wissen, ob über denen wieder einer steht, der sie auffrißt." „Wie seltsam!" sagte Stine. Sie hatte sich nie etwas über dem Krugwirt Stehendes vorstellen können. „Ja, wunderlich ist es! Man könnte sagen, der eine Teufel regiert den anderen, hoch geht über hoch. Aber wohl- tuend ist's doch, wenn man sich ausmalt, daß es dem Krug- wirt schließlich ebenso geht wie unsereinem. Ein bißchen Ge- rechtigkeit ist doch dabei, so kärglich sie einem auch vor- kommen mag." 11. Stine tröstet einen Mitmenschen. Als Stine nach Hause kam, war der Hof voll von Frem- den. Karl stand draußen nach dem Feld hin und spähte aus, als ob er sie erwarte.„Das war gut, daß du gekommen bist," sagte er fieberhaft.„Mutter ist zurückgekommen,— mit einer ganzen Gesellschaft. Sie ist so wütend darüber. daß du ohne Urlaub weggerannt bist." „Aber das bin ich ja gar nicht," wandte Stine ver- wundert ein. „Aber sie glaubt es. Nun mach, daß du hinten herum in die Waschküche kommst, und begib dich an die Arbeit, dann bemerkt sie dich vielleicht nicht, sonst schimpft sie bloß." Er war ganz nervös. „Warum hast du denn nicht gesagt, daß du mir erlaubt hattest, nach Hause zu laufdn? fragte Stine. „Das wagte ich nicht, denn dann Verlegen und jämmerlich stand er da und wußte nicht, was er jagen sollte. Stine ging durch das Tor über den Hof hinein: sie mochte sich nicht auf Hinterwegen ins Haus schleichen. Sollte sie ausgescholten werden, so mußte sie das hinnehmen.— Sine war sehr beschäftigt.„Gott sei Dank, daß du kommst und Hand anlegen kannst." sagte sie,„man wird beinahe oerrückt. Aber freu' dich, daß du nicht vor einer Stunde ge- kommen bist: die Bäuerin war so wütend, daß sie dir Prügel versprach. Und Karl, der Jammerlappen, hat ja den Mund gehalten und nicht gesagt, daß er dir erlaubt bat, fortzugehen." „Ja, der—" Stine verzog geringschatztg die Oberlippe. „Aber sie soll es bloß versuchen, mich zu schlagen; ich trete ihr mit meinen Holzschuhen gegen die Schienbeine." „Herrje, bist du nicht gescheit, Mädchen— ihre Beine sind ja voll Krampfadern! Nimm mal an, du trätest ihr Löcher, und sie verblutete sich-.." Sine war ganz erschrocken. „Ja, was dann? Das ist mir doch gleichgültig." sagte Sülle. Stine wurde mit dem Aufwaschen beauftragt. Sie war sehr ärgerlich auf die Bäuerin, weil sie auf den Gedanken kommen konnte, sie zu schlagen, auf Karl, weil er sie im Stich gelassen hatte, auf die Kinder im Dorf, weil sie die Mutter nicht in Ruhe ließen,— sie war zornig auf alles. Während des Aufwaschens hantierte sie unnötig laut mit den Gegen- ständen, so daß sie leicht hätten entzweigehen können; Sine mußte sie zu beschwichtigen suchen. Aber das Mädel hörte nicht, sie hatte gewiß einen Raptus, meinte Sine, so ein Küken,— die konnte gut werden! Sine mußte sie resolut am Arm packen, bevor sie zur Besinnung kam.„Uha, ich bin so zornig!" sagte Stine. Sine lachte laut.„Dann hätte ein anderer wohl noch mehr Grund, zornig zu sein! Da kommt einer nach dem anderen in die Küche gerannt und will Befehle geben,— und wie frech sie sind! Man sollte glauben, die Bäuerin hätte den Verstand verloren. Sie pflegt doch sonst die Frau im Hause sein zu wollen." Am zornigsten war Stine trotzdem auf Karl. Er wollt« nicht drinnen sein, sondern ging protestierend auf dem Hof umher, machte sich dies und jenes zu tun— und sah jämmerlich aus. Wenn er überzeugt war, daß niemand es sah, so drohte er nach den Stubensenstern hin. Ja, das war der Rechte zum Fäusteballen! Stine hatte Lust, hinauszugehen und ihn zu fragen, ob er nicht einen Unterrock von ihr leihen wolle. Nein, ganz richtig bei Verstände konnte die Bäuerin nicht sein. Sie kam in bis Küche, mit rotem Kopf und hoch aufge- schürzt: ihr Haar war unordentlich, es Kob sich von ihrem Kopf, wie die Mähne bei einem Hengst. Und Johannes kam hinter ihr hergesprungen: die gesetzte Frau, die man sich bald als Großmutter denken konnte, gebürdete sich mädchenhast und verliebt. Das stand ihr nicht. Sie hatte gewiß reichlich getrunken,— Stine sah sie überhaupt nicht! Gleich darauf kam Karl in der Tür der Waschküche zum Vorschein,— er hatte draußen im Halbdunkel gestanden und das Ganze mit angesehen. Er winkte Stine.„Ihr dürft nicht darüber lachen," sagte er flehentlich,„das kann ich nicht aus- halten!" Wie kümmerlich er aussah! Stine vergaß auf ein» mal ihren Groll.„Nein, wir wollen'« nicht tun," sagte sie und berührte seine Hand.„Es ist übrigens auch nichts zu lachen dabei! Aber nun geh zu Bett, dann verschläfst du da» Ganze." (Forts, folgt.) ÄrlmtnoffifjM d« PoNzeiamt» Steglitz, tkd« Auharfo» baff Polizeiamt Berlin-Mitte entgegen. Paietsperre nach Oberschlesien. Wegen der durch die politischen Unruhen in Oberschlesien eingetretenen schweren Störungen des Eisenbahnverkehrs mußte die Annahme von Paketen und Wertsen- düngen nach dem oberschlesischen Abstimmungsgebiet durch die Post- anstolten bis auf weiteres eingestellt werden. Die unterwegs befindlichen Sendungen dieser Art werden z u r ü ck- geleitet und den Absendern wieder zugestellt. Von der Aus Hebung der Sperre, die möglichst bald herbeigeführt wird, wird die Oeffentlichkeit rechtzeitig Kenntnis erholten. Der Kampf um die Eiseubahnfahrpreise. Wir berichteten vor einiger Zeit darüber, daß die Bewohner de« westlichen Teiles des Kreises Teltow beschlossen hätten, die oberen Wagenklasien der Anhalter Bahn zu boykottieren, um so die Eisenbahn zu zwingen. mir den bohen Fahrpreisen, die die Siedlungstäligkeit bedrohen, und für viele, die draußen wohnen und in Berlin arbeiten, eine ungeheure Belastung darstellen, herunterzugehen. Wie nun gemeldet wird, ist der Boykott nicht ohne Wirkung gewesen. Die Züge führen fast nur noch Wagen der dritten Klasse, die durch ein Schild al§ solche der vierten gekennzeichnet sind. Die Zahl der vorhandenen Wagen vierter Klasse reicht bei weitem nicht ouS, um die Menge der Fahrgäste befördern zu können. Man kann also fetzt für den Preis, den man für eine Fahrkarte für die vierte Klasse entrichtet hat, in der dritten Klasse reisen. Eine Selbstmordepidemie scheint seit einiger Zeit in Berlin zu herrschen. Aus den letzten 24 Stunden werden nicht weniger als acht Selb st morde bzw. Selbstmordversuche gemeldet.— Aus Furcht vor Strafe stürzte sich die 21 Jahre alte Frida K. aus Wil- Wersdorf in der Nähe von Pichelsbergs in die Havel, wurde ober durch den Schüler Hans Eberth, Uhlondstr. SO, gerettet.— Der Landarbeiter Franz W. aus Kyritz sprang an der Potsdamer Brücke in den L a n d w eh r k a n a l, wurde aber durch eine Streife der Schutzpolizei wieder herausgezogen.— Am Gröbenufer wurde die Leiche einer etwa 23 Jahre alten weiblichen Person aus der Spree gelandet und dem Schauhause zugeführt. Die Un- bekannte ist etwa 1,W) Meter groß und hat dunkelblondes Haar.— Die 49 Jahre alte Frau B. wurde in der Küche ihrer Wohnung In der Kaiserstraßt von ihrem heimkehrenden Ehemann tot aufge» funden. Sie hotte sich mit Gas vergiftet.— Das 14jähriqe Hausmädchen Frida P. vergiftete sich in der Wohnung seiner Herrschaft in der Nounynstraße mit Gas, wurde aber wieder ins Leben zurück- gerufen. Das Kind hatte der Herrschaft Uhr und Ringe gestohlen und fürchtete nun, nachdem es der Tat überführt worden war, Strafe. Arbeiker- Samariter-Kolonne. Am Sonnabend, den 21. d.M., abends ll Uhr, findet in der Schule Hinter der Garnisonkirche eine Außerordentliche Generaloersammlung statt. Ein- zelne Ausgeschlosiene wollen die Kolonne in ein politisches Fahr- wasier treiben. Wir aber wollen unsere Neutralität im Dienste hochhalten und müssen daher geaen solche Treibereien Front machen. Es ist daher unbedingte Pflicht der Arbestersamariter, an der Generalversammlung teilzunehmen. Elternbeiratswahl in Neukölln. Die auf Sonntag, den 22. Mai 4921, festgesetzten Elternbeiratswahlep finden statt in der Zeit von V Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags. TaS nächste Städtische Volkskonzert des Philbarmonischen Orchesters unter Leitung von Richard Hagel findet heute in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10— 11, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Die im Borvcrkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kaste verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 1,50 M. Kaffeneröstnung 7 Uhr. Heber.Arbeiter- und Lohnsrageu" wird am Freitag, den 20. Mai. abends 8 Uhr im Rohmen des Kursus Wirtschaft und Technik der Deutschen Hochschule sür Politik Pros. Dr. H e d d e sprechen. Der Vortrag findet Echmkelplatz ti statt, woselbst auch Eintrittskarten zu haben find. „ ��ie Deutsche Gesellschaft für volkSbäder(Gefchäftsstel- W. 63, Kurfurstenstr. 81 II), wird ihre diesjährige Hauptversammlung am 23. Mai in Berlin, WohIsahrtSminiiteriilM(früheres Herrenhaus), Leipziger Straße, abhalten. Folgende Borträge sind bis jetzt angemeldet: Baurat Hausbrand: Bericht über den Erfolg des Preisausschreibens für Entwürfe zu einer billigen Badeanstalt und..Wie kann in anderen öe- trieben überichüsiige Wärme für Badeanstalten nutzbar gemacht werden— Ingenieur Scherrer-EmS: Einige Gesichtspunkte über Mögllchkeiten zur Milderung der wirtschaftlichen Notlage in Bäderbctrieben.— Direttor Spaleck-Dessau: DaS Bad im eigenen Heim. Sroß-Serliner partelnachrichten. Heute. Donnerstag, den 19. Mai: '• SkmeÄtÄTe7 A-.?r-i--«tr°t-w.-s°�luns.i- der«ula der .. Charlotteniurg, Echlojstr. 27(am Togc-ordnung: 1. Bericht. 2. Vorst-nd-w-hl. 3. priisidium). schiedeneo. Sie für heut- einberufene Frouenversammlung findet vrcht«»lserhof, Potsdamer Str. SO, statt, sondern Restaurant slind«. park, Berliner Str. 8. t StMutbetg. Pünktlich TA Uhr findet im Lokal von Groß, Sedan. stratze 17, unser Zr-uenab-nd statt. •»; Versammlung der Funktionäre VA Uhr bei Rarienk-ld, «ais-r.Friedrlch.Etr. 22«. 1�-Rbt. Weißens««. In der Aula de» Realgomnasium», Wölkpromenade, r�ssentliche Versammlung. Thema:„Sas Echulprogram» de» Oberstadt» fchulrates Paulsen». Referent! Genosse Dr. Garsen. >e»«ii»ge«el»sch«ft sozialdemokratischer Elternbeiräte de« 12. Berwaltnng»» 7�- Uhr wichtige Sitzung s-untlich-r Mitglieder.im Lokal oon Thiel, Steglitz, Albrecht», Eck« Ringstraße. Sämtliche Freunde und An- Hanger der weltlichen Schul« sittb eingeladen. Gingsozialisten. Gruppe Süden: 7-4 Uhr im Saal der Juristischen Sprech. stunde, Llndenftr. 3. Siokussion über ,,«arl Bräger: Kultur und«lasse". — Grupp, Treptow: 7 Uhr im Jugendheim, Gls-nstr. 3. Vortrag:„«am- «unale Prazi, in Groß»Berlin". Referent: Genoss« Johanne»»aß.— Gruppe Tempelhof: 714 Uhr bei Radzuweit, Werder-, Ecke«iktoriastraße. Bortragsabend.— Gruppe Friedrich-Hain- 7-4 Uhr in der Gemeindefchule, Straßmannstr.«.„Das Erfurter Programm".— Gruppe Schönedera, Friedenau: 7-4 Uhr bei Obst, Mariin-Luther-Str.«3. Vortragsabend.— Gruppe Schö-eberg, Friedenau: 7-4 Uhr bei Riese, Akazienstr. lt. Thema: ..Dl- politische Lage". Referent: Gen. Lösfler.— Gruppe Friedrich»- Hagen: 714 Uhr bei Scholz, Friedrichstr. 81. Fortsetzung der Vortrag». salge:„Da, Erfurter Prsgramm". Gruppe Reutjllu: Beteiligung an de- Gruppe Treptow wegen Reno,ierung dco Jugendheim». Morgen, Freitag, den 20. Mai: «.«rei»»Ilwersdors, Gntaewuld und Schmalge»d»rf. 1 Uhr Mitglieder- »ersammlung de» ganzen«reise» in der Overrealschule am Seepark in Wilmersdorf. Tagesordnung:„Deutschland in der Weltpolitit". Referent: Genosse Adolf Braun. Erscheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich. Mitgliedsbuch legitimiert. y>.«res» Reinickendorf. SPD..Elternbeiräte de» 29. Bezirk». 614 Uhr Vollversammlung im Lehrerzimmer der 4. Gemeindeschule. Reinickendorf- Ost, Hausotterplatz(nahe Bahnhof Echönholz). Tagesordnung: 1. Die Organlfation der SPD.-Elternbeiräte Groß-Berlins. 2. Wahl des Ver- treter» der Elternbeiräte für den«reisvorftand. Vollzähliges Erscheinen dringend notwendig. 3«. Abt. 7 Uhr Sitzung des Abteilungsvorstandes mit den Bezirksführer» und ihre» Helfern,«reisdelegierteu und Betriebsvcrtrauensleuten hei A. Carl, Wichertftr.«s. Erscheinen aller«reisdelegierteu und Funktio- nStc unbedingt erforderlich. A. Abt. 714 Uhr Sitzung der Abteilungsfunktionäre, Betriebsvertranen»» leut«, Elternbeiräte sowie der neugewählten«reisprrtreter bei Sold» schmidt. Stolpische Str. ,3». --Gl. Abt. Waunse«. Mitgliederversammlung 3 Uhr bei Hanneman», Ehaussee- strotze. Thema:„Sie politisch« Lage". Referent: Robert Breuer. im. Abt. Friedrichshagen. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Eonrad«, kleiner Saal, Friedrichstr. 137. Bortrag von Genossen Franz«rüge» Berlin. 1 Znnalozialiften, Gruppe Sorten. 714 Uhr in der Gemeindeschule, Puibuser Straße S/B. Reuterabeitd.— Gruppe Kerm»dors. 714 Uhr im Jugendheim, Roonsiraße. Vortragsabend.— Gruppe Lichterfeld«. 7-4 Uhr im Jugend- heim, Albrechtstr."'"' lt->. Bortragsabend. Arauenabend: Donnerstag, den 19. Mai: 7». Abt. Schöneberg. Pünktlich 714 Uhr findet im Lokal von Groß, Erda»- stieße 17, unser Frauenobend statt. Referent: Genosse Wolf. Sa eine wichtige Tagesordnung vorliegt, ist das Erscheine» aller Genosse» er- forderlich. ♦ 7.«tii» Eharlottenburg. Sie Parteigenosse», welch« dem Moisestkomitee an» gehören, werden gebeten, sich zur Entgcgennatzmc der Abrechnung voll- zahiig im Rathaus, Zimmer 1. am Sonnabend, drn 21. Mai, einzufinden. Ordnerbinden sind mitzubringen. Soziales. Die außerordentliche Rentenbeihilfe. Die Kritik an dem Gesetz über eine außerordentliche Beihilfe sür Empfänger van Renten aus der Invalidenversicherung vom 26. Dezember 1920(„Vorwärts" Nr. 131) hat einen Erfolg gehabt, der aber in der Hauptsache eine sehr fragwürdige Verbesserung ist. Durch ein Gesetz vom 7. April 1921(„Reichsgesetzblatt" Nr. 43) ist eine Aenderung(im Titel heißt es: Ergänzung) des genannten Gesetzes dahin erfolgt, daß es nunmehr heißt:„Die Beihilfe steht Personen, die auf Grund des Reichsversorgungsgesetzes vom 12. Mai 1920(„Reichsgesetzblatt" S. 989) oder anderer Militär- Versorgungsgesetze eine Versorgung erhalten, nur insoweit zu, als die zu gewährende Beihilfe die gewährte Versorgung ü b e r st e i g t." Damit soll anscheinend die Härte beseitigt werden, dke darin lag, daß manche Versorgungsberechtigt«, die nebenbei auch Invalidenrenten beziehen, weniger erhielten als solche In- oalidenrentner, die keine Versorgung nebenbei hatten, weil erstere Zulage und Beihilfe auf ihre Invalidenrenten nicht erhielten. Die Art, wie dieser Zweck erreicht werden soll, ist wieder ein typisches Beispiel dafür, wie heute Gesetze gemacht werden. Nach dem unklaren Wortlaut der neuen Fassung kann ange- nommen werden, daß Bezieher einer Versorgung, die niedriger ist als 4 0 M. bzw. 2 0 M. monatlich, den Differenzbettag er- halten sollen. Das kann aber nur für ganz wenige Versorgungs- berechtigte in Frage kommen und behebt nicht die gerügten Mängel. Aber auch das Wenige erscheint noch als Illusion, wenn man den jetzigen§ 1 des Gesetzes betrachtet. Der erste Absatz desselben be- sagt, wie bisher, daß Anspruch aus die Beihilfe nur solche Renten- empfänger haben, denen auf Grund des Gesetzes vom 20. Mai 1920 ein« Zulage gewährt wird. Auf diese Zulage haben aber keinen Anspruch alle Personen, die auf Grund des Gesetzes über die Der- sorgung der Militärpcrsonen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienst- beschädigung eine Rente für Minderung ihrer Erwerbs- f ä h i g k e i t um mehr als zwei Drittel oder«ine Hinter- bliebenenrente beziehen. Für diese Rentenbezieher, unter denen aber gerade die Geschädigten sind, bleibt es beim allen Zustande, wenn es nicht gelingt, dem Grundsatze Geltung zu ver- schaffen, daß solchen, die lediglich auf Grund eigener Beittags- leistungen und ohne das Vorliegen einer dabei mitbestimmenden Dienstbeschödigung in den Bezug einer Rente aus der Invaliden- Versicherung treten, auch Anrecht auf gleiche Rechte haben, nämlich den Bezug der Zulage und Beihilfe. Bei dem jetzigen Zu- stände inuß z. B. die nicht invalide Kriegerwitwe, wenn sie versicherungspflichtige Beschäftigung hat, die er- höhten Beiträge zur Invalidenversicherung zahlen ohne Anrecht aus die erhöhten Leistungen. Die Erwerbslosenunlerskühung der Kurzarbeiter. Es ist, wie der preußische Wohlfahrtsminister in einem jüngst erteilten Bescheid hervorhebt, nicht in das Belieben der Gemeinder. gestellt, ob sie die Kurzarbeiterunterstützung oher aber die volle Er- werbslosenunterstützung zahlen wollen. Liegen die Boraussetzungen des Z 9 Absatz 2 der Erwerbslosenverordnung vor, so darf nur die Kurzarbeiterunterstützung gewährt werden. Während ur- sprünglich nur die Kalenderwoche für die Berechnung der Unter- stützung maßgebend war, ist es seit der Reichsverordnung vom 26. Januar 1920 auch die Kalefiderdoppelwoche. Infolge- dessen müssen die Gemeinden in allen Fällen, in denen es möglich ist, auch die Kalenderdoppelwoche der Berechnung der Unterstützung zugrunde legen. Die Unterstützung soll deshalb in dieser Be- ziehung nach bestimmten Grundsätzen berechnet werden, die der Minister angibt. Soweit volle Erwerbslosenunterstützung gewährt wird, sind die allgemeinen Voraussetzungen sür die Gewäh- rung der Unterstützung zu prüfen, insbesondere auch die Bedürftig- keit der Erwerbslosen._ Mus aller Welt. Gewitter und Wolkenbruch. Ein am Dienstag nachmittag niedergegangener wolkenbruchartiger Gewitterregen in Ohrdruf(Thüringen) hat namentlich im benachbarten Wölfis schweren Schaden angerichtet. Ein Wohnhau» wurde von dem Hochwasser zur Hälfte fortgerissen,«in zweites stark beschädigt, ebenso andere Baulichkeiten. Viel Kleinvieh ist ertrunken, mehrere Brücken wurden fortgerissen. Arge Verwüstungen hat das Hochwasser auch auf dem Gefangenenfriedhof auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf angerichtet. Dort hat das Wasser zahlreiche Gräber unterspült. Einige Särge wurden an die Ober- fläche geschwemmt. In einem Sarge fehlte die Leiche: sie ist ver- mutlich durch dos Hochwasser sortgetrieben worden. Auch in A r n st a d t ging ein wolkenbruchartiger Gewitter- regen nieder. Es entstand Hochwasser, das recht großen Schaden anrichtete._ Spott. vi« Rennen zu Rahleben hatten gestern unter einem starken Platzregen zu leiden, der den Beginn verzögerte und auch sonst für das Rennen nicht gerade von Borteil war. 1. Preis Born Gestüt Germania. 10 000 SB. 2300 Meter. 1. Mokant(Toubel), 2. Miß Gregor(5. Treuher, i. 3. GradiSca(I. Mills). To). 36: 10, PI. 12, 1t, 16: 10. Ferner liefen: Goldstern, Scholar I, AraS, Gladiator, Handschlag(4).— 2. Preis vom Gestüt H ö s I e i n. 12 000 M. 2400 Meier. 1. Urdenbach(Heckert), 2. Lucie H.(Krause), 3. ASpirin(I. Mills). Tot. 142: 10. PI. 15. 11, 10: 10. Ferner liesen: t arder. Long Onward, vrabant als 2. disgualifiziert(Rothmeirr) 80 Pro,. iaßwette zurück.— Z. Preis vom GestütKreuzbruch. 15 000 M. 2500 Meter. 1. Johannes(Großmann). 2. Bardo(Hm. Schleus.), 8. Angriff (Steinagel). Tot 12: 10, PL 10, 10: 10. Ferner liesen: Pupille, Manfred,— 4. PretS vom Gestüt S ch Iv e i n e r t. 13000 M. 2200 Meter. 1. Rebzweig(Jauß jr.), 2. Respekt(Stemagel), 3. OddsseuS(Hin. Schleus.). Tot. 30:10, PI. 25,16,15:10. Ferner liefen: Perry K., Gudrun II, Mackensen, Volkslied, Doppelgänger, Teddtz Dawaon disqualifiziert, Sahar.— 5. Preis o»m Gestüt«aßdors: 1500 R., Z500 Reter. 1. Arche (E. Treuberz), 2. Dody(Großmann), 3. Bombax(Speer). Tot. 18: 10, PI. 13, 15:10. Fenier lies: Prekusa.— 6. Preis»om G e tt ü t DamSbrück. 15000 M. 2500 Meter. 1. Hartenfels(I. Lichtenfeld), 2. Firn(G. Lautenderg). 3. Ulk(Rückert). Tot. 17:10, PI. lt. 13:10 Ferner lies Joses«nah.— 7. Preis vom Gestüt Steinsur t. 20 000 R.. 2600 Meter. 1. Wiedehopf(L. Weiß), 2. Libanon (G. Neuenseld), 3. Donna Todd(»artnick). Tot. 18: 10. PL 12, 17: 10. Ferner lies Long Paulino.— 8. Preis vom Gestüt WilhelmS- buigerhof. 10 000 R. 2300 Meter. 1. Seewind(Höhne), 2. Bisalt (AdmnKewicz), 3. Hiudcnburg II(Timm). Tot. 16; 10, PL 15. 57, 29: 10. Ferner liefen: Dr. Adolj K., Eduard 1, Topinambur, Koisar disqualifiziert. Radrennen in Treptow. Das Thaddäus Robl« und das Bruno Demke-ErinnerungSrennen am Dienstag<3. Feiertag) war verhält- niSmäßig zahlreicher besucht, als die Rennen am ersten und zweiten Feiertage auf der großen Olympiabahn. Die Rennen verliefen je- doch wenig interessant; Sawall und Lewanow teilten sich die SiegeSpretse. Appelhans hatte unter Motor- und Radschaden zu leiden und Wittig ging von vornherein krank an de« Start. In den Fliegerrennen waren Hoffmann und Kendelbacher am erfolgreichsten. Ergebnisse: P r ä m i e» s a h r e n für Klasse 3(20 Runden): t. Kendel« bacher, 2. Hiepel. 3. Liniener, 4. Müller.— Bruno-Demke-Er- innerungSrennen.Lö Kilometer: 1. Lewanow 22 Min., 25V. Sek., 2. Sawall 130, 3. Appelhans 1510, 4. Willig 2520 Meter zurück.— R o b I- Memorial, 50 Kilometer: 1 Sawall 45 Min. 27'/, Sek., 2. Lewanow 130, 3. Appelhans 3230 Meter zurück: Willig nach dem 10. Stüometcr auf- r ben.— PsingstvreiS für Klaffe 2(1000 Meter). 1. Rennen: Hpftmann 1 Min. 33 Sek., 2. Hahn. 3. Münzner, s. Srahner.— Psing st preis für die NichtPlacierten(1000 Meter). 2. Rennen: 1. Pctri 1 M>n. 13", Sek., 2. Stolz, 3. Kendelvacher, 4. Otw Tietz.— Eni- schidigungSfabren,»00 Meter: 1. Ott» Tietz, 2. OZkar Tletz, 3. Fretwald, 4. Hentsch, 5. Reines. AuSschufifistnng der Zlrbeitrr-Sportrartelle deS 20. Bezirk« Freitag VI, Uhr, Rds.-Ost, Bürgergalte», Hauptstraße. Alle Kartelle müffen»er- ttclen'ein. WLrtsthcrst Verantwortungen. Die Annahme des Entente-Ultimatums erfolgte in voller Er- kenntnis der Tatsache, daß die wirtschaftlichen und finanziellen Ver- pflichtungen des neuen Vertrages nur durch ein ungeheures Kraftangebot aufgebracht werden können. Finanzfachver- ständige, wie Alfred Lansburgh und Dr. Heicken, schätzen den Betrag, der an die Entente in Goldwerten abzuführen ist. zwischen 7 und 18 Proz. des Nationaleinkommens. Diese Schätzungen sind durchaus unsicher, wie alle Ueoerschläge über Nationalvermögen und National- einkommen viele Fehlerquellen in sich tragen. Nehmen wir aber an, daß die Rechnuyz stimmt, und bei der großen Vorsicht, deren sich die bürgerliche Finanzpresse in der Beurteilung der deutschen Leistungsfähigkeit befleißigt, ist zu vermuten, daß die 18 Proz. eher die obere als die untere Grenze der deutschen Zahlungspflicht dar- stellen, so kann man leicht dazu neigen, die Verantwortung stk die Wiedergutmachungsleistungen gerign einzuschätzen. In der Tat ist es dem kapitalistischen System trotz aller seiner Mängel innerhalb weniger Jahrzehnt« gelungen, die Ertragsfähigkeit der Wirtschaft bedeutend mehr zu steigern, als daß Grenzwerte von 10— 18 Proz. des Nationaleinkommens nicht binnen kurzer Zeit auszubringen wären. Heute aber liegen die Dinge anders als in den Zeiten ungehemmter kapitalistischer Bewegungsfreiheit. Der Auslandsmarkt ist nach einer Periode der„Scheinkonjunktur", nach einer Zeit, wo das deutsche Unternehmertum die Gewinne aus der großen Spanne zwischen Inland- und Weltmarktpreisen fast restlos für sich in Anspruch nahm, stark gefährdet. Di« hohen Preise und die Ricsengewinne der In- dusttien haben Deutschlands Leistungsfähigkeit auch nicht annähernd in dem Ausmaß gehoben, wie es äußerttch den Anschein hat. Dazu kommt aber, daß der Friedensvertrag die Entwicklung?- Möglichkeit der deutschen Voltswirtschaft auf das schwerste einschränkt, ja zu ihr in einem direkten Widerspruch steht. Man denke nur an die Entziehung deutscher Kohle, die die deutsche Produktionskraft schädigt, um dafür— französische Kohlenwerke stillegen und englische Unternehmer gegen das streikende englische Proletariat unterstützen zu können. Man denke an die immer weiter um sich greifende Schutzzollpolitik mancher Ententeländer, der Deutschland nicht mit gleichen Waffen entgegentreten kann, da es durch allerhand kleine Friedensvertragsschikanen, vor allem aber durch das Meist- begünstigungsrecht gebunden ist. Man denke schließlich an die Ab- lieferung der deutschen Handelsflotte, deren Frachtraum zum größten Teil stilliegt, eine Forderung, deren einziger.Erfolg" die Verteile- rung der deutschen Rohstoffzufuhlen war. Diese inneren Widersprüche des Friedensverttags lähmen den deutschen Wiederaufstieg zweifellos: sie drosseln damit auch die finanzielle Leistungsfähigkeit eines Landes, das trotz drückender Steuerlasten nicht einmal imstande war, die Fehlbeträge im Etat der Reichs«, Staats- und Gemeindeverwaltungen auszugleichen! Aber aller Pessimismus ist nutzlos. Die Aufgabe, die Zinsen für die erste, auf Reich, Staat und Gemeinden lastende Hypothek auf- zubringen, bleibt dieselbe, ob man Loucheur für einen Trottel oder für ein Genie, ob man die Wiedergutmachungspolitit für Wahnsinn oder Wohltat ansieht. Kein Volksteil, auch keine Klasse bleibt von der Verantwortung frei, wenn die wirtschaftliche Vernichtung der deutschen Arbeitskraft, die eben erst vermiedene Balkanisierung Deutschlands doch«intreten sollte, weil ein Lolksteil dabei versagt hat. Oft hat man sich schon an die Verantwortungsfreudigkeit der Agrarier und der Industtie gewandt. Bisher hat sie versagt, und sie mußte versagen, solange krämerischer Händlergeist hoffte, sich an eingegangenen Verpflichtungen vorbeidrücken zu können. Dies ist jetzt zu Ende. Die Lasten der Wiedergutmachung werden zu einem großen Teil von der Arbeiterschaft getragen werden müssen. Sie, schon bis auis äußerste durch jahrelang hinter dem Existenzminimum zurückbleibende Lebenshaltung, durch Perioden umfangreicher Ar- beitslosigteit und Kurzarbeit, durch verschärften Druck direkter und indirekter Steuern auf das höchste angespannt, wird noch oft van ihren Führern an eine„nationale" Pflicht gemahnt werden müssen, deren letzter Erfolg der Dienst sür den Entente k a p i t a l i s m u s ist. Die blutige Ironie, eigene, internationale Ideale hinter Lebens- Notwendigkeiten des Tages zurückzustellen, erfährt die deutsche Ar- beiterschoft Tag für Tag, Stunde um Stunde. Um so mehr ist es notwendig, daß die Unternehmerklasfc dieses Opfer würdigt und ihr Teil an der Verantwortung ebenso ent- schlössen übernimmt, wie es die Arbeiterschaft tut. Dazu gehört vor allem, daß der passive Widerstand gegen die Wiedergutmachungspflicht aufhört,«ine Notwendigkeit, deren Erkenntnis sich restlos durch- setzen muß. Hierher gehört aber auch, daß das stille Widerstreben gegen berechtigte Arbeiterforderungen, die über die Lohnfragen hinausgehen, einmal energisch eingedämmt wird. Wir haben in den zwei Iahren Wirtschastsentwicklung eine ganze Garnitur von Pro- duktions- und Absatz st örungen erlebt. Manche gehen unmittelbar auf die Kriegsfolgen zurück. Die letzte, große Absatz- krise, deren Wirkungen die verarbeitende Industtie wohl in dem Be- schäftigungsgrad, nicht aber in den Gewinnziffern verspürt, ist zum allergrößten Teil einer verblendeten Produttions- und Preispolitik zuzuschreiben. Nicht die Arbeiterschaft hat schuld, wenn viele Hunderte von Webstühlen, Drehbänken, Ziegeleien, Hoch- äsen usw. stilliegen, während die Gesellschaften in Gewinnen er- trinken. Wer das behauptek, spielt trotz zweijähriger Erfahrung noch immer mit dem Gedanken, daß die Arbeitsverhältnisse der Vor- kriegszeit wiederkehren werden, ein Ansinnen, gegen das sich die Millionen der organisierten Arbeiterschaft mit aller Entschiedenheit wehren. Man hebe endlich einmal den Kampf gegen gemeinwirt- schaftliche Bindungen, di» im Interesse des Volksganzen liegen, auf. Man verzichte endlich einmal darauf, di« Wirtschaftsdemokratie und die Sozialisierungsforderungen, die Reorganisation der Reichs- bettiebe und die Besitzsteuern als Ausgeburten fanatischer Theoretiker in der Presse zu behandeln, im Parlament und Wirtschastsrat mit diplomatischen Ausflüchten zu verzögern oder zu verschleppen. Mau suche endlich auch auf der Gegenseite einmal den Boden für sachliche Gemeinschaftsarbeit, die hei der Achtung vor der Uebcr- zeugung des Nächsten beginnt. Dann wird man es der Arbeiter- schaft nicht so schwer wie bisher machen, ihre Derantwortung gegen- über dem Doltsganzen einzulösen. E» bedarf keines Wortes, daß die Gegensätze in den Anschauungen zu groß sind, um mit dem bloßen Willen zu gemeinsamer Arbeit überbrückt zu werden. Di« natürlichen Klassengegensätze tun ihr Uebriges, das zu verhindern. Worauf es ober jetzt, in den nächsten Monaten und Iahren ankommt, ist, daß überflüssige Reibungen oermieden werden. Wird das Unternehmertum den Willen auf. bringen, diesen Weg mit allen seinen Konsequenzen zu be- schreiten?_-us. Reiß u. Martin, Aktiengesellschaft. Berlin. Der AusfichtScai hat beschlossen, die Verteilung einer Dividende von 30 Prozent fü: das GeichäftSjabr 1920 in Vorschlag zu bringen. ES ist das die böchste Dividende seit dem zweiundzwanzigjährigeA Bestehen»er Gese?schaft. In den»rei vergangenen Iahren wurden SS be,w. 22llt bezw. 25 Proz. auSgeschültet, dank der Zusammenbruchs- konjunktur. vor dem Kriege war man über 8 Proz. nie hinaus- I gekommen. Enttausthung der Beamten. Von Willy Steintopf. Das erste rein bürgerliche Kabinett der Republik ist ge- � scheitert; gescheitert sowohl in der äußeren als auch in der inneren Politik an der absoluten Unfähigkeit einiger seiner, Mitglieder. Als Erbe hat es dem arbeitenden deutschen Volk i nichts als Enttäuschungen bitterster Art hinterlassen. Ganz besonders gilt dies auch für die große Masse der Be- o m t e n. Wie lebhaft ging doch die deutschvolksparteiliche Wasch- mühle, wie konnte sie nicht genug die bösen Sozialdemokraten schmähen, die nichts, aber auch absolut nichts für die Beamten übrig hat, und was wußte die Deutsche Volks- parte! den Beamten nicht alles zu versprechen. Das Blaue vom Himmel war noch die geringste unter ihren Zusiche- rungen. Und jetzt? Ebenso wie in allen anderen Fragen kann die Blamage auch auf diesem Gebiet nicht mehr größer sein. Die versprochene Revision des Besoldungs- g e s e tz e s; sie ist zur Farce geworden. Die alten„kaiser- lichen" Disziplinargerichte wüten noch immer nach bewährtem Muster. Von einem Vorwärtskommen in den Arbeiten zum neuen Beamten- und Disziplinarrecht ist trotz allem Drängen nichts zu vernehmen. Des unwürdigen Spiels im Dezember vorigen Jahres gelegentlich der Erhöhung der Teuerungs- zulagen wird sich noch jeder entsinnen können. Erst als die Arbeitergewerkschaften den Beamten zu Hilfe kamen, wurde die bürgerliche Regierung gezwungen, nachzugeben. Die Er- richtung der von der früheren„sozialistischen" Regierung be- schlossenen Abteilung für Beamtenfragen im Reichsmini- sterium des Innern ist in Vergessenheit geraten. Die auf An- trag der SPD. schon bewilligten Stellen für diese dringend notwendige Abteilung wurden nicht besetzt. Der Sparsamkeits- kommissar soll angeblich schuld daran sein,— ohne daß er je irgendwelche Befugnisse hierzu gehabt hätte,— in Wirklich- keit: man wünschte die Abteilung gar nicht, aus bestimmten Gründen nicht. Der bekannte Erlaß der Regierung über die Arbeitszeit der Beamten ist nichts anderes als ein Versuch zur Durchbrechung des Achtstundentages. Bei den Beamten soll der Anfang gemacht werden, Fortsetzung folgt bei den Arbeitern. Das Beamtenrätegesetz, ein Kapitel sür sich! Anstatt, wie versprochen, die Arbeiten hierzu mit Hoch- druck zu fördern, versuchte dies und jenes Reichsressort die Frage im Verordnungswege zu lösen. Daß dabei das alte ehrliche Dreiklassenwahlrecht zu neuem Leben erstehen sollte, war wohl nur ein Schönheitsfehler. Die Regelung sollte ja auch nur vorläufig sein; sollte sie sich bewähren, dann aller- dings... usw. Die sozialistische Beamtenschaft hat diesen Uebersall glänzend abgeschlagen. Das war vor fast einem Jahr. Der eigentliche Gesetzentwurf ist jedoch noch immer nicht erschienen. Die bürgerliche Regierung hat es nicht fertig bekommen, dem Reichstag diesen Entwurf vorzulegen; jetzt wird die SPD.-Fraktion einen entsprechenden Entwurf als Initiativantrag einbringen. Die Perlenkette der Verdienste der bürgerlichen Reichs- regierung um die Beamtenschaft ließe sich noch beliebig ver- längern. Doch das Aufgeführte genügt, um darzutun, daß die verflossene Regierung aus Dank für den guten Ausfall der Wahlen vom 6. Juni 19Z0 vor Wohlwollen für die Be- amten geradezu triefte. Was hat demgegenüber die„sozio- ■ffttische" frühere Regierung und die Sozialdemokratie im be- sonderen für die Beamten getan?— Du lieber Gott, die Ber- fassungsbestimmungen für die Beamten hören sich ja ganz nett an, jedoch jst z. B. die volle politische Gleichberechtigung des Beamten heute etwas fast Selbstverständliches, und mich! der ermöglichte Aufstieg des Befähigten in höhere Stellungen kam auch früher schon vor. In der Praxis hat das alles aber herzlich wenig Bedeutung. Die reaktionäre Knute in den Verwaltungen sorgt schon dafür, daß von der politischen Frei- heit usw. kein oder nur ein sehr geringer Gebrauch gemacht wird; der Schmied hat für solche Burschen immer noch Zangen! Und wegen dem Aufstieg, da sorgt man eben, daß die„richtigen" Leute als Konzessionsschulzen vorgeschoben werden— und alles bleibt beim alten! In diesem Fahr- wasser segelte das bürgerliche Kabinett. Soll dies so bleiben? Eine ganz besondere Freude hat aber das versinkende bürgerliche Kabinett den Beamten mit dem Nachtrags- etat für 1920 bereitet. Es war sozusagen eine Abschieds- gäbe„zum bleibenden Angedenken". Dieser Nachtragsetat sollte der Beamtenschaft die Auswirkungen des angeblich revidierten Besoldungsgesetzes bringen. Was er in Wirklich- keit gebracht hat ist Mißmut und Verärgerung in den weite st en Kreisen. Eigenartig mutete es schon an, daß der Nachtrag, trotzdem die Novelle zum Besoldungs- gesetz schon vor Weihnachten 1920 verabschiedet war, erst An- fang Mai— eine Woche vor der ursprünglich beabsichtigten Vertagung— an den Reichstag gelangte. Daß er aüsgerech- net in eine äußerst gespannte Zeit hineingeriet, ist an und für sich kein Verschulden des Kabinetts gewesen, jedoch böse Zungen behaupten, daß regierungsseitig unter geschickter Aus- Nutzung der Lage ein gewisser Druck ausgeübt wurde, um den Nachtragsetat fang- und klanglos über die Bühne gehen zu lassen. Nebenbei bemerkt, die Beamten haben hierin Glück. Jedesmal, wenn solch eine politische Hochspannung ist, stehen Lebensfragen für sie im Parlament zur Entscheidung. Das war vor Spa so, vor London und auch jetzt. Es ist ein- leuchtend, daß die Sache der Beamtenschaft hiervon nicht ge- Winnen kann. Sollte dies nicht zum Denken Veranlastung geben? Dieser Nachtragsetat— leider konnte der Reichstag ihn nicht näher prüfen; das Versäumte wird beim kommenden Etat nachgeholt werden—, der also die Beamten der neuen Besoldungsordnung entsprechend einstuft, weist eine Reihe von Vorbemerkungen auf, die für seine Aufstellung maß- gebend gewesen sind. Schon die oberflächliche Prüfung dieser Bemerkungen zeigt, daß die büraerliche Regierung nicht daran gedacht hat, den bei der Besoldungsreform ausge- sprochenen wirklich bescheidenen und maßvollen Wünschen und Beschlüssen des Reichstags Rechnung zu tragen. So hat man auf der einen Seite die M i n i st e r i a l b e a m t e n in- sofern außerordentlich bevorzugt, als man ihnen ohne wei- teren Befähigungsnachweis den Aufstieg durch fünf Gruppen eröffnet. Auf der anderen Seite versagt man dafür bestimm- ten Beamtenschichten jeglichen Aufstieg, es sei denn, daß diese Beamten eine besondere Prüfung ablegen, die dann aber nur zur Beförderung in die nächsthöhere Gruppe berechtigt. Weiter hat man bei der Verteilung der Beamten auf die einzelnen Besoldungsgruppen die besonderen Verhältnisse dieser oder jener Behörde nicht berücksichtigt, so daß die beteiligten Beamten anstatt einer Verbesserung eine Verschlechterung ihrer Dienstlaufbahn erfahren. Ja, in ein- zelnen Punkten hat es den Anschein, z. B. bei den Ka n z l e i- b e a m t e n, als ob die Regierung sich ganz glatt über die Gesetzesbestimmungen hinweggesetzt und getan hat, was ihr gut dünkt. Den Höhepunkt weist aber die Behandlung der Sekretäre— bisherigen Assistenten— bei der Ueberführung aus der Gruppe VI nach vn auf. Diese Sekretärfrage steht als Dreh- und Ang�l- Sunkt des ganzen Besoldungsproblems Nun fast feit zwei ahren im Vordergrund des Interesses. Regierung und bür- §erliche Parteien haben sich dauernd um die Lösung dicker rage herumgedrückt. Dem sozialistischen Vorschlag, die Gruppen VI und Vn zu vereinigen und überhaupt die An zahl der Gruppen zu verringern— die einzige mögliche Lösung— wurde nicht zugestimmt. Da man keinen anderen Ausweg mehr wußte, hieb das bürgerliche Kabinett den Knoten gewaltsam durch und nahm einen Beschlaß an, nach welchem für die Beförderung der Beamten von Gruppe VI nach Vii eine Prüfung verlangt wird. Dies gilt aber nur für diejenigen, die am 30. April 1920 planmäßig angestellt waren. Die anderen, die nicht planmäßigen Beamten und die Anwärter sollen in Gruppe VI versauern dürfen. Und nun soll die Komödie beginnen, und man wird Beamte in einer Tätigkeit prüfen, die sie vielleicht schon seit 20, 30 oder noch mehr Jahren ausüben. Von dem Bestehen dieser Prü- fung wird es abhängen, ob sie ihre Tätigkeit nach Gruppe VI oder VN bezahlt bekommen. Ist ein größerer Unsinn denk- bar?— Dem Reichstag war dies denn auch z« viel. Mit allen gegen die Stimmen der Deutschen Volkspartei bat er die auf die Prüfung bezüglichen Vermerke im Nachtragsetat gestrichen. Der SPD.-Antrag, auch die nicht planmäßigen Beamten und die Anwärter in den Genuß der Beförderung von VI nach VII ohne Prüfung einzubeziehen, wurde leider abgelehnt. Man müßte nun annehmen, daß nach dieser Stellung- nasime des Reichstags die Prüfungsfrage— übrigens wollte die SPD. für die Beamten der Gruppe V den gleichen Antrag stellen, jedoch wurde seitens einer"Groß- organisation der Beteiligten gebeten, hiervon abzusehen— für die Sekretäre erledigt sei. Weit gefehlt! Namens der Re- gierung erklärte ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums im Reichsrat, daß die Regierung unter keinen Umständen von der Prüfung abgehen könne, und sie nunmehr im Vermal- tungswege durchführen werde. Man muß sagen, daß diese Erklärung ein wenig voreilig erscheint, dem? es darf be- zweifelt werden, daß das neue Kabinett am 12. Mai— dem Tag der Erklärung— zu der Frage bereits Stellung genom- men hat. Oder glaubt sich der Vertreter des Reichsftnanz- Ministeriums berechtigt, diese Erklärung noch für die zurückgetretene Regierung abzugeben?— Nachdem diese Bestimmungen einmal in den Etat aufgenommen waren und vom Reichstag gestrichen worden sind, ist es selbstverständlich, daß das neue Kabinett zu der Frage Stellung nehmen muß. Würde sich das Kabinett entsprechend den Ansichten des Vertreters des Finanzministeriums über den Beschluß des Reichs- tags wie über etwas durchaus Nebensächliches hinwegsetzen, wäre dies eine Handlungsweise, welche die unangenehmsten Folgen nach sich ziehen könnte. Diese Situation zusammen mit all den anderen vernach- lässigungen und Verärgerungen, das ist das Erbe, welches die rein bürgerliche Regierung der deutschen Beamtenschaft binterlassen hat. Die vor der Wahl versprochenen goldenen Berge sind ausgeblieben; das Fazit eines Jahres soziatisten- reiner Regierungskunst lautet: e n t t ä u s ch t e Hoff- n u n g e n. �ugenüveranstaltungen. verein Arbeiter-Jugend Sroß-Berlin. Sekretariat! NR. 4«, In den Zelten Donnerstag, den 19. Mai: Zohanninthal. Jugendheim Iohannea-Werner-Strahe. Truste und heitere Siezitatbnen.— Niederslhönewcidc. Jugendheim Ncriiner Str. Zt. Vortrag! „Weimar— Berlin".— Osten, Stralauer Viertel. Iugendtlubzimmer 2A>.(Sc meindeschulc Ziaglerstr. st. Diskufsionsabend:„liniere Ziele".— j�lhönhauier Barstadt I. Schule Connenburger Str. Ist. Vortrag:„Dir Proletariats".�— Schönhausee Borstadt II. Lokal v»n/z2 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Kirchhofes in Nculölln, Mariendorfer Weg, aus statt. Am 15. Mai starb unser Kollege, der Arbeiter pälli l.ipill8ki Nenlölln, Allerstr. 4. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, 19. Mai, nachmittags>/zZ Uhr, von derLeichenyalle des Michael- Kirchhofes in Neupilln, Maricndorfer Weg, aus ftalll Ehre ihrem Andenken! Rege BeteiNgung er- wartet Die Ortsoerwaltuug. Dlonteuranzage. Berufs- Ileidung jederArt. Ernzelver lauf auFubri-v-eisen Orientexpreß, AlchaffenburgerstrlllV. 9-12,4-7 iJBDHHnnnnBfe SPEZIALARZT 1 Dr. med. coieman trledrichstr. 91/92, Btil. W Haut-, Geschlechts-,= Frauenl, sex. Neurasth.. ; individ. Behandig. nach W den neuest, wissensch. A Methoden. Modernste m. i Einrichtungen 1. Unter- D suchung u.Behandlung. H 10-1, 5-8, Sonnt. 10-12.=i Allgem. Ortskrankenkasse Berlin-Weissensee Am Steltaa. den 3. Zun! 1921, nachmtttags 5>/. Uhr, findet imRestaurant„Berliner Saf- zu verlin-welbensee, Antonplast, eine ordentl. AussctiaBsitzong statt mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht der Iahresrechnungs- priifer. Z. Beschlußfassung über die Eni- laftung de» Borstande, und des Rendanten. z. Fests�ning des Voranschlages 4. Beschlußfassung über die Aenderung der ßZ 20 Abs. 2, 22 Abs. 2. 29, 4« Abs. 1. 47 Abs. 1— z der Kassensaßungen. 5. Beschlußfassung über Er- Weiterung des Kassenbezirks. k. KassenangelegenheUen. Zum Eintritt sind nur die mit einer Legitimation»er- sehenen Ausfchußmitglieder de- rechtigt. Oer Vorstand. Sraeoe, Vorstßender. Einladung zur austerordentlichen Au»- fchnstststung d. Allgemeine» Ortskrankeakasse Zlieder- harnim am ts. Mai 1921, 2 Uhr nachmittags, im Kreis- Haufe in Berlin, Friedrich-Karl- Ufer 5 sKreistagsfitzungssaal). Tagesordnung: 1. Aenderung des Kassenbezirks. 2. Verschiedenes. Die Herren Ausschußmit» glieder werden zur Teilnahme an dieser Sitzung ergebenft ein- geladen. Berlin, den 17. Mai 1921. Allgemeine Dttsttanke»lasse Riederbarnim. 19/18 Reu deck er, Vorsitzender. Metall ankaulsstelie Osten. 1 Grüner Weg 80 zahlt Tagespreise tür Knpfer, Messing, Blei, Zink etc. Alloem. Ortskrankenkasse Berlin-Wilmerstlorl. Die Vertreter der Arbeitgeber und Versicherten im Ausschuß werden hiermit gemäß 8 80 Abs. 1 der Satzung zu einer ordentl. Ausschustfitzllllq am Dienstag, den ZI. Mai 1921, abends 7V, Uhr, nach dem Restaurant„Tübinger Hof", Berlin- Wilmersdorf, Kaiser- platz 19, ergebenft eingeladen. Tagesordnung: 1. Vorlegung des ttzcschSfts- berichts 1920., 2. Bericht der Rechnung»- Prüfungskommission. Z. Abnahme d. Iahresrechnung 1920. 4. Bericht über Ellrich und Kroß. Besten. 5. Verschiedenes. Beschwerde» und Anfrage», welche Asteneinsicht ersorder», müssen drei Tage»»rher dem Vorstand fchttstlich eingereicht werden. 19/17 »ln..WiImersd«rf. 18. Mai 1921. R. Engelhardt, Vorsitzender. Spezialarzt Dr. med. Koeben Sofort sichtbarer Nachweis der Syphilis durch Dnnkelleld-Untersuch., Haut-, Harn-, Frauenleid., Schwäche, Salvarsan-Kur. Behandlung schnell, sicher u schmerzlos ohne Berufsstör., Blutunters. Fäden im Harn usw. Köhetisotme. Frledriehstr.fil.Ä�m Rönigstr.se-5UeÄer 10— 1,5— VjS; a. Sonnt. 10— 1. 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Freie Aussprache.— Z. Branchenanaelegenheiten.— 4. Ergänzungswahl zur Drmtchenfommilsion.— 5. Verschiedene». NB. Die Dertrauenamänner-Ksnserenz fällt an diese» Tage au». 90/8 Zahlreiche« und pünktliche. Erscheinen ist unbedingt n»t- St» 0rf ibig. Ort« o erno a tiu ng. seder Bezieher dos Kommahtars zu« Satriek« rätegesetz vo» Dr. Qcori Flatow bmettt Ö auch«en oosdan»rscMennen Kommentar ta der Vererdmang betreffend Maßnehmen gegenüber Betriebsabbruchen und Stillegungen nebtt der A u s 1 0 h r u a g a a aw e i s u n g UneatbebrUcb fflr Betriebsräte, Gewerkschaftler, Behörden Arbeltgeberu. Arbeitnehmer. Preis 1,50 Mark und 20% Teuerungszuschlag BUCHHANDLUNG VORWÄRTS Berlin SW 68, LindenstraBe 2 Kieide Dich billig, elegant! im Leihhaus Moritzplatz 58 a • Tuchfabrik-Niederlage• von n. Lamprecht, Berlin- Treplo«. BonrHestr IT. vettaust Damen-, Herrenstoge ,u Fallritpreiscn an Vrioate. daucrhaite Öerrenftof e von 45 3t an ausmärt» teils auf Seide, früher bis 1200 M.totzt für 408—800 M. 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Volksbühne Theater am BQIowplatz. 7 Uhr: Da* Postamt und Die KomSdie der Irrungen Lessing-Theater vhr': Gespenster (Lossen, Loos) Freitag bis Montag 7'/« Uhr: Roaemnontag. DenMes Kttnstfer-Tliejiter Allabendlich TS Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, BQIIer WodieSeknalben nisten Berliner?rafer Kastanien-Allee 7—9 Täglich V-k Uhr: Die Schönste v. allen Operette 1.3 Akt.v.Jeanöilbert Variete-Sensationen Theater am Kottbuaer Tor Tägl 7l/,u. zu halben Preisen Sonntag nachm. 3 Uhr Elite-SSnger D. vollständig neue Mal« Programm Reicbsbail-Tlieater Allabendlich ?>/, Uhr Stettiner Admirsts?stsst 71� Uhr: Abrakadabra Variete-Cafe Jlloritzptatz Oranienstraße 53/54 Täglich 8 Uhr: Ellte-Progi-amm 0Caf6 RIENTJ Variete. Strausberger Platz, 5 Min. v. Alexanderpl. Hervorrggendes MAI-Programm Marga Braganza Ellen Begas Hubert Vetler Erna Reneta SALOME. BALLETT Biswanger»Mews vom Lessing-Theater, Berlin— Eijccne Dicbtuiigen Beliebte Hauskapelle Haneid. 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Winkler,«enstenbero, Echloßsttaße 19, bi» L Zu« b. Z. einzureichen. jm/lP keine �enöerung in Gberschlesien. Ein pessimistischer Lagebericht. Oppeln, 18. Mai..rderunz gerichtet, vom 18. Mai ab auf Rechnung der polnischen Obeikontrolle von der Grube Gräsin Laura und von den Richter- schachten täglich 16 Waggons Kohle nach Sosnomice zu senden. Der Führer der Aufständischen hat Gewaltmaß- nahmen angedroht, falls sich die Verwaltung seiner Weisung nicht fügen würde. Das Kohlendepartement der Interalliierten Kommisston ist von dieser neuen Gewalttat Korsantys in Kenntnis gesetzt worden. Im Laufe des heutigen Tages sind erneut einige Gruben und Hütten, auf denen zum Teil die Arbeit wieder aufge- nommen war, st i l l g e l e g t worden, und zwar aus wirtschaftlichen Gründen und weil die Arbeitswilligen von den Insurgenten mit Gewalt von ihrer Arbeitsstätte vertrieben wurden. Lokomotivenranb der Polen. Veukhen, 18. Mai.(TU.) Im H a u p t b a h n h o f sind heute nacht durch die polnischen Aufrührer 18 Lokomotiven ge- raubt worden, auf ungefähr die gleiche Weise ausgeft'ihrt, wie der Raub in der Nacht zum 17. Mai d. I. in Kattowitz. Breslau. 18. Mai.(MTB.) Zu dem Raube von 14 Lokomotiven im Maschinenschuppen des Hauptbahnhofes in Kattowitz in der Nacht zum Dienstag, gegen den die französische Wache nicht eingeschritten war, erklärte der französische Ortskommandant, daß die Wache zu schwach(!) gewesen sei, um gegen die Uebermacht aufzutreten. Die Kattowitzer Eisenbahner haben infolge dieses Vorkommnisses abgelehnt, am Dienstag den wie üblich nach Oppeln abgehenden sogenannten Ententezug zu fahren. Sie erklärten, daß sie den Zug erst wieder abgehen lassen würden, wenn die 14 Lokomotiven zurückgegeben worden seien. kattowitz. 18. Mai.(TU.) In Hindenburg sind gestern etwa 25 Deutsche von den Aufrührern festgenommen worden. Sieben Millionen Lire für Italien. Rom. 18. Mai.(TU.) Italien erhält von der Oppelner Inter- alliierten Kommission sieben Millionen Lire Entschädi- gung bewilligt, mit denen Polen belastet wird. Vor der Absägung Le Ronds? Paris. 18. Mai.(MTB.) Der Londoner Korrespondent des „Temps* berichtet: Heute, nachdem man die außerordent- liche Gefahr erkannt habe, der der Friede von Europa aus- gesetzt gewesen sei und vielleicht noch ausgesetzt werden könnte, frage man sich, warum man eine derartige Lage habe entstehen lasten können. In gewissen Kreisen führe man die Krisis zum Teil auf die. i p ä t e Volksabstimmung in Oberschlesien und zum Teil auch darauf zurück, daß man die Verwaltung der Volksabflimungs- jene RNlitärs anvertraut habe. Ein Problem von solcher politischer und juristischer Bedeutung hätte, wie man sagt, nicht militari- schen Chefs übertragen werden dürfen. (Diese Meldung des offiziösen Blattes laßt auf eine bevorstehende Abberufung Le Ronds schließen, die offenbar englischerseits verlangt wird. Die Red.) Lilesis— Lilicis— Haute-Sil&ie. In ihrem Aerger über die llnterhousrede Lloyd Georges hat die französische Presse allerhand giftige Bemerkungen über den eng- tischen Premierminister spritzen lassen und ihn gar lächerlich zu machen versucht. U. o. brachte sie eine in diplomatischen Kreisen ganz Europas längst bekannte Anekdote an die Oeffentlichkeit, aus der hervorgehen soll, Lloyd Georges geographische Kenntnisse seien ziemlich mangelhaft: Er habe nämlich einmal O b e r f ch l e- sien mit Eilicien(Klein-Asien) verwechselt. Nun wäre eine solche Verwechslung sehr einfach durch einen Hörfehler zu er- klären, denn auf englisch heißt Schlesien Lilesia und Eilicien Cilicia, und beide Namen sprechen sich ziemlich gleich aus, so daß es immer- hi».' ein erklärliches Mißverständnis wäre, wenn Lloyd George, wie behauptet wird, einen Offizier, der nach Oberschlesien abgehen sollte, fragte, ob der denn türkisch könne... Aber haben denn die Herren der französischen Presse wirklich Anlaß, sich gerade in diesem Falle aufs hohe Roß zu setzen? Hat denn die französische Heeres- leitung nicht unter den Truppen, die für die Interalliierte Kam- Mission in Oberschlesien bestimmt waren, absichtlich auch Alpen- j ä g e r herangezogen, weil sie meinte, diese Spezialtruppe wäre für die Houte-Lilesie, das selbstverständlich ein gebirgereiches Land fein müßte, besonders geeignet? Ein Aufruf. Die Bereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier veröffent- lichen einen Aufruf, in dem es heißt:.Die ihr Oberfchlesie« schützen wollt, laßt euch alle in die L i st e n unserer Ortsgruppen e i n t r a- gen. Setzt euch nur auf Abruf hin in Marsch, damit unbe- dingt die Ordnung gewahrt bleibt. Ihr andern alle beteiligt euch an dem großen Liebeswerk für Oberschlesten. Spendet Lebens- mittel für die Notleidenden an unsere Ortsgruppen! Gebt Geld auf das Konto: Oberfchlesier-Hilfe der Dereinigten Verbände Heimat- treuer Oberschlesier bei der Bank für Handel und Industrie, Bres- lau, Ring 30." Der gute Wille der Vereinigten verbände, die Deutschen in Oberschlesien nicht im Stich zu lassen, ist anzuerkennen. Aber«s muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß eine Mithilfe Reichsdeutscher bei der Verteidigung Oberschlesien» gegen die In- surgenten die Einwilligung der Interalliierten Kommission voraussetzt. Besonnenheit und Kaltblütigkeit sind die besten Waffen gegen Korfanty.(Siehe auK 1. Seite.) Die ersten ISS Millionen. Paris, 18. Mai.(EE.) Die Reparationskommission kam heute in den Besitz der deutschen Note wegen der Entrichtung der 150 Millionen Goldmark� Diese Summ? wird sich wie folgt zusammensetzen: 10 673 000 Dollar 2 000 000 Holl. Gulden 3 300 000 Pfund Sterling 6 300 000 dän. Kronen 22 000 000 franz. Frank 3 000000 schwed. Kronen 4 000 000 schw. Frank 3 300 000 norw. Kronen 3 000 000 belg. Frank 8 300 000 Pesetas Dies ergibt zum New Porker Kurse vom 13. Mai umgerechnet eine Gesamtsumme von 140 Millionen Gold mark. Die restlichen 10 Millionen ist die deutsche Regierung bereit, dorthin zu bezahlen, wohin es die Reparotionskommission bestimmt. Die oben genannte Summe kann sofort in Schecks überwiesen werden. Diese erste Milliarde wird dazu dienen, um den Zinsendienst und die Amortisation für die erste Serie der deutschen Schuldverschrei- bungen, die bis zum 1. Juli zu übergeben sind, sicherzustellen. Die selbstmörüerische �lusfuhrabgabe. London, 18. Mai.(EP.) Die„Weftminster Gazette" meldet: Infolge der Erhebung der 30proz. Ausfuhrtaxe auf deutsche Waren ist die Aufhaltung bei den Zollämtern so groß, daß viele englische Industrien Mangel an Rohstoffen haben und ihre Arbeiter an vielen Stellen bereits entlassen mußten. Eine bekannte englische Zigarettenfabrik fabriziert Zigaretten mit G o l d m u n d st ü ck. Dieses Gold kommt aus Deutschland, weil die Zufuhr nicht groß genug ist, da die Zollämter mit der Aus- lieferung rückständig sind, muhte die Firma dreihundert ihrer Arbeiter entlassen. Niedriger hängen. Zum Internationalen Transportarbeiter« tongreh in Genf bringt die„E t o I l e B e l g e" einen Bericht, in dem sich folgende in allen Teilen erlogene Geschichte vorfindet: „Ich muß Ihnen kurz über einen kleinen Zwischenfall berich- tem der die Wirkliche Denkungsweise der Deutschen offenbart. Der Präsident Bidegaray hatte dem Kongreß vorgeschlagen, in ollen Ländern eine lebhafte Propaganda zugunsten eines s e l b st ä n- digen Kuppelungssystems französischer Erfindung zu be- treiben, das, wie sich den Kongreßteilnehmern auf dem Genfer Bahrchof bei Versuchen gezeigt hat, ausgezeichnet ist. Der Apparat ist, wenn ich nicht irre, der einzige in seiner Art. Aber weil er von einem Franzosen herrührt, haben die Deutschen es mit w i l- der Energie abgelehnt, seine Anwendung bei ihnen zu empfehlen. Vergebens hat man ihnen gezeigt, daß es gelte, Menschenleben zu retten und zu schützen, Katastrophen zu vermei- den; sie wollten davon nichts hören und der Bochepräsident Döring zeigte sich als der Unversöhnlichste. Diese kleine Geschichte beweist, daß die Boches Boches geblieben sind, bleiben und bleiben werden, was sie waren, vor allem Boches und Alldeutsche, die nicht vom Schmutze zu reini- gen sind. Der Internationalismus dieser Subjekte, sagte mir einer der Kongreßoeran st alter, ist genau soviel wert, wie alles, was von ihnen kommt, es ist Ausschuß." Diese Epistel stammt zweifellos aus der Feder eines per- verfen journalistischen Onanisten, denn ein anständiger Mensch kann so nicht lügen. Der Sachverhall, um den es sich dreht, hat sich in folgender Weife abgespielt: Nicht der französische Genosse Bidegaray präsidierte den Kongreß, sondern der deutsche Genosse Döring; nicht von Bidegaray wurde die Resolution eingebracht, sondern von dem deutschen Delegierten des EGenbahneroerbandes I o ch a d e; nicht gegen die Einführung der automatischen Kuppelung wen- deten sich einige Mitglieder der deutschen Delegation, sondern ge. gen die Festlegung der deutschen Eisend ahnver- woltung auf das französische Patent; nicht gegen das französische Kuppelunzssystem wandte sich der Präsident Dö- ring, als der Unversöhnlichste von allen, sondern dagegen, daß man mit einer solchen Resolution an den Kongreß herantrat, ohne vorher— wie dies überall üblich ist— unter den Vertre- tern der Eisenbahner auf dem Kongreß eine Verständigung herbeizuführen. Der Boche-Präsident hat auf dem Kongreß den Standpunkt vertreten, daß es für den internationalen Verkehr der Eisenbahn am vorteilhaftesten und zweckmäßigsten wäre, wenn in ganz Europa ein einheitliches Kuppe- lungssystem eingeführt werden könnte, weil dadurch die Mög- lichkeit geschaffen würde, das rollende Material in allen Staaten ohne besondere Schwierigkeiten zu verwenden. Woher das System komme, sei gleichgültig. Auf die Beschimpfung der deutschen Delegation brauchen wir nicht zu reagieren, es gehört wirklich unter den heutigen politischen Verhältnissen kein sehr großer Mut dazu, einen Deutschen zu be- schimpfen. Aber nützlich wäre es, zu erfahren, welcher„Kon- greßveran st alter" sich so wegwerfend über die deutschen Teilnehmer des Kongresses geäußert hat, vielleicht wäre es dann möglich, festzustellen, in welchem Verhältnis der Herr„Ver- anstalter" zu der Fabrik steht, die das französische Kuppelungs- system ausbeutet. Kommunistische Dschenschänöung. Die englische Polizei hat bei einer Haussuchung im Zentral- bureau der Londoner Kommunisien eine Urne beschlagnahmt, die die Asche von Elenor Marx, der dritten Tochter von Karl Marx, enthielt, die die Kommunisten im Begriffe waren,»ach Moskau zu entsenden. Gegen diesen geplanten, nunmehr vereitelten schamlosen Unfug der britischen Kommunisten protestiert der Enkel von Marx. Jean Longuet, in einem entrüsteten Artikel des„Populaire". Er, der der Verstorbenen, die zugleich seine Tante und seine Pflege- mutier war, am nächsten stand und ihre Ansichten und Tätigkeit am besten kennt, bezeichnet eS als unerhört, daß die Kommunisten sich für ihre Propagandazwecke dieser Urne bedienen wollen: Glenor Marx habe auf allen Kongressen der Internationale den Kampf gegen die Anarchisten, gegen alle Zersplitterer des Proletariats, kurz gegen alle Tendenzen geführt, die heute das A und O der Moskauer Internationale seien. Er schließt seinen Protest gegen diese Aschen schändung mit den Worten, die wir restlos unterschreiben: .ES genügt nicht, daß man in Rußland sowohl die Doktrin wie auch da« Lebensbild des Gründers der Internationale verzerrt habe, um sich das Recht anzumaßen, ihn und die Seinen für eine fektische Auffassung mobil zu machen, gegen die sich seine gesamte Lehre ent- schieden wendet l' Der Salzburger Landlag beschloh einstimmig, die Abstimmung über den A n s ch l u ß an Deutschland am 2 9. Mai vorzu- nehmen. � Wie eine Revolution zugrunde ging. Unter diesem Titel hat Genasse Ed. Bernstein soeben im Verlag von I. H. W. Dietz-Stuttgart eine kleine Schrift erscheinen lassen, die die Ereignisse der französischen Revolu- tion von 1848 kritisch durchleuchtet. Die Schrift tritt gewisser- maßen in Wettbepierb mit den berühmten„Klassenkämpfen in Frankreich" von Karl Marx, hat aber vor ihr den Bor- teil größerer zeitlicher Entfernung voraus, der eine objektivere Stellungnahme gestattet. Bernstein kommt zu dem Ergebnis: Ein Sie� des revolutionären Sozialismus war 1848 in Frank- reich unmöglich. Diejenigen, die das nicht einsehen wollten, muß- t e n unterliegen, genau wie in dem viel weiter fortgeschrittenen England die Chartisten unterlagen. Nicht so unbedingt not- wendig war die Niederlage der bürgerlichen Re- publik, ihre Erdrosselung durch Louis Bonaparte. An ihr und namentlich der Art, wie sie sich vollzog, haben Mißgriffe der einen und Intrigen d:r andcrcr. ihren großen Anteil. Bernstein schließt unter Nutzanwendung auf Deutschland mit dem Hinweis auf die großen Gefahren der monarchistischen Reaktion. Die Frage der Republik ist für Deutschland die Frage seiner ganzen Existenz, feiner möglichen Zukunft. Mit Schärfe wendet er sich gegen die bürgerliche Demokratie, die dem Volke die Republik als politisches Handelsobjekt er- scheinen lasse.„An der Erhaltung der Republik," ruft er aus,„hängt dein Schicksal, hängt die ganze Zukunft deines Landes!" Fweihunüerttaufenü russische Emigranten! Einer offiziösen Auslassung der PPN. über die Frage der russischen Delegation entnehmen wir, daß diese zwar nicht als Ver- tretung des russischen Staates zu betrachten ist— als diese wird allein die Sowjetvertretung anerkannt—, wohl aber als Vertretung der etwa zweihunderttausenb russischen Emigran- t c n, die sich zurzeit in Deutschland befinden. Unsere alldeutsche Presse schiebt den Wohnungsmangel bekannt, lich auf die Masseneinwanderung von Ostjuden, die nicht aus dem Gebiet des russischen, sondern des polnischen Staates stammen. Es ist merkwürdig, daß diese um das Obdach des deutschen Staats. bürgers treu besorgten Patrioten noch nie eine Silbe über die zwei- hunderttausend russischen Emigranken geschrieben haben. Daß diese sich in Deutschland befinden und Obdach verlangen, scheint ihnen selbstverständlich zu sein. Wir wollen durchaus nicht gegen die russischen Emigranten in gleicher Weise Hetzen, wie die alldeutschen Blätter gegen die Ostjuden. Aber die Sympathie unserer Alldeutschen für die ersteren scheint stark damit zusammenzuhängen, daß sich unter ihnen soviele Anhänger koltschaks. Denikins und wrangels befinden, die ein ständiges Vlenschenreservoir für monarchifkfche Verschwörungen Nesern. provinziallanütag unü Selbstverwaltung. Der Brandenburgische Provinziallandtag trat am Mittwoch im Landeshause zur Fortsetzung seiner 31. Tagung zusammen. Ihm ist als wichtigste Borlage noch der Bericht des Ausschusses über die Erweiterung der Selbständigkeitsrech-te der Provinzen zugegangen. Der Ausschuß beantragt folgenden Bs, schloß: Der Provinziallandtag wolle der Staatsregierung fem Gut- achten über den vorliegenden Gesetzentwurf dahin abgeben, daß die im Artikel 72 der preußischen Verfassungsurkunde in Aussicht genommene Erweiterung der provinziellen Selbstverwallung unter ollen Umständen nur erfolgen könne a) unter auskömmlicher Regelung der F i n a n z v e r h ä l t n i ff e der Provinzen und der jetzt die Provinzen gemäß§ 103 ff. der allen Provinzialordnung dotierenden Kommunaloerbände und ferner d) im Zusammenhang mit der Reform der inneren Verwaltung und der Neuordnung des Gemeindeverfaflungs, rechts.— Die Regelung, die in dem vorgelegten vorläufigen Ent- wurf vorgeschlagen ist. sieht der Provinziallandtag für uns zweckmäßig und nicht durchführbar an. Der ausführliche Bericht des Ausschusses betont, daß die in Artikel 72 der preußischen Verfassung vorgesehenen selbständig zu verwaltenden Angelegenheiten nur durchgeführt werden können, wenn die Provinzen auch finanziell selbständig gemacht wür- den, was sie heute ganz und gar nicht feien. Der Staat wolle den Provinzen weitere Aufgaben übertragen, ohne ihnen zugleich eine finanzielle Selbständigkeit zu geben. Gegenwärtig seien die Pro- vinzen lediglich auf die Staatszuschüsie und auf die Leistungen der Unterverbände angewiesen. Für die Provinz Brandenburg betrage der Staatszuschuß jährlich 1(4 Millionen, was nach den heutigen Verhältnissen vollkommen unzureichend fei. Alle noch" so schönen Darlegungen über die Stärkung der Selbswerwaltung blieben leere Worte, solange die Kostenfrage nicht eine aus- reichende Regelung gefunden habe. Lehramtsbesetzung unü Parteizugehörigkeit. Der amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Bor einiger Zeit ist in der Preußischen Landesversamm- lung von dem Abg. L u k a s s o w i tz(Dnat.) folgende Kleine Anftage gestellt worden: „In verschiedenen Gemeinden, z. B. Berlin-Niederschöneweide, wird bei Stellenausschreibungen im„Freien Lehrer" das Bekennt- nis zur Sozialdemokratischen Partei als Bedingung für die Wahl des Lehrers genannt. Dieses Verfahren der betreffen- den Gemeinden verstößt gegen die Artikel 128 und 130 der Reich»- Verfassung. Ist die Staatsregierung bereit, gegen solche Mißgriffe auf das entschiedenste einzuschreiten und wie bisher die Besetzung der Stellen nach der Fähigkeit und beruflichen Bewährung vornehmen zu lassen?" Auf diese Anfrage ist von der Unterrichtsverwaltung dt« nachstehende Antwort erteilt worden: „Es ist der Unterrichtsverwallung bekannt, daß in einigen wenigen(zwei?) Fällen bei Ausschreibungen von Rektor- und Lehrerstellen Meldungen von Anhängern bestimmter politischer Parteien durch Gemeindeoorstände in Zeitungen verlangt worden sind. Die Untertchtsvenvoltung steht nicht cm, solche Ausschreibungen zu bedauern und es für unvereinbar mit der Reichsverfassung zu erklären, daß die Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei zur Bedingung für die Wahl eines Lehrers oder Rektors ge- macht wird. Sie bekennt sich durchaus zu dem Grundsatz, daß bei Wahlen von Lehrern und Rektoren lediglich die Befähigung und die berufliche Bewährung der Bewerber ausschlag- gebend sein dürfen. Sie gibt sich der Hoffnung hin, daß ihre heute beckwchete Stellungnahme zu der vorliegenden Anfrage ausreichen wird, die Gemeindeverwaltungen in Zukunft von derartigen nach der Rcichsverfassung unzulässigen Ausschreibungen abzuhalten." Nachwort der Redaktion:„Lediglich die Befähigimg und die berufliche Eignung." Wir hören es gern. Gilt das nun aber auch im Falle Oftxowskg? OewerMajwbewegung Oer große Sumpf. In dem Unionistennest L o h b e r g spielte ein Mann eine Rolle, der einstmals in der französtschen Fremdenlegion bis zum Sergeanten emporstieg, dann französischer Spitzel wurde und plötzlich zum Voll» Hauer im Tbyssen-Konzern avancierte. Dieser Mamr hatte nie etwas mit Gewerkschaften zu tun und eS ist daher selWverständlich, dost er nach dem S. November 1918 fürchterlich über die.Gewerkschafts« Konzen"' Herzog und den donnernden Beifall aller jener erhielt, die sich über die.Arbeiterverräter" entrüsteten. Dieser Mann blieb aber nicht nur Vollhauer im Thyssen-Konzern, er begnügte sich auch keineswegs mit der Stellung eines BetriebsobmannS. er wurde sogar.Großkaufmann"' und mußte für die ganze Belegschaft Schuhe und Anzüge einkaufen. Zu diesem Zwecke machte er große Reisen, über die er natürlich eine Kostenrechnung aufstellte, die er selbst prüfte und von den Einnahmen beglich. Solch eine Rechnung deS ehrbaren.Großkaufmanns'" hatte folgendes Gesicht: 13 Fahrten nach Berlin(je 98 M.= 1764 M.) 2000 M.; 9 Fahrten(6) von Berlin nach Frankfurt sje 77 M.--- 462 M.) 900 M.; 9 Fahrten(6) von Frankfurt nach Gießen je 9 M.— 54 M.) 776 M.' vroschkenfahrten innerhalb der 22 Tage zwischen Heeres- abwicklungsamt. ReichswirtschaftS- und Reichsfinanzministerium, Reicbskohlenkommissar und SozialisierungSabteilung SOOM.; Ber» ladekosten(7 Arbeiter zu 6 Stunden a 7,55 M.= 350,94 M.) 360 SD?.; 8 Ueberstunden zu 50 Proz. Zuschlag(537,44 M.) 540 M.; drei Spediteure je 420 M.— 1260 M.; Fracht bis Lohberg 1115 M.; Privaiversicherung(Versicherungsschein gefälscht, nicht vorgelegt) 9117 M.; Spesen für 22 Tage(pro Tag 118 Al.= 7788 M.) 7800 SD?.; an Schmiergeldern 1190 SD?.; Summa 25938 M. Wir haben dieser Rechnung die wirklichen Kosten jedesmal in Klammern beigefügt, um der Mitwelt zu zeigen, wie uneigennützig und opferbereit unser kommunistisch-unionistischer Betriebsobmann war. Daß er alle Zahlen nach oben abrundete, liegt daran, daß er eben ein Revolutionär ist, die bekanntlich immer ganze Arbeit machen und sich mit Kleinigkeiten nicht abgeben. Bemerkt sei noch, daß die angegebenen Verladekosten und die Ueberstunden bereits vom Reichsbekleidungsamt bezahlt waren und daß der Versicherungsschein gefälscht war. Die Spesen, die der»Arbeiter« führer' neben seinem Lohn erhielt, die 900 M. für Droschkenfahrten in Berlin und die 1190 SD?..Schmiergelder" sollten allen»Arbeiter- Verrätern", die an Fettnäpfen sitzen, endlich einmal zeigen, in wie unerhörter Weise sie die Groschen der Arbeiter verschwenden. Rätsel« Haft bleibt uns nur, wie unser Freund, der Leo Pfeffer heißt, bei dieser entsagungsreichen Tätigkeit so viel Gelder aufbringen konnte. daß er jetzt in Frankenthal in der Pfalz als selbständiger Kaufmann lebt. Man sagt, daß die Zechenverwaltung ihm nicht ganz fern stand. Bemerkt sei noch, daß dieses Subjekt es fertig bekam, seine kommunistisch-unionistisch-syndikalistischen Kameraden bei der Militär- Verwaltung in Wesel zu denunzieren. Die Geschichte des Kaufmanns Pfeffer in Frankenthal hat aber noch eine andere Seite. Darüber schreibt die»Bergarbeiter-Zeitung" folgendes: »So erklärlich es ist. daß die Zechenverwaltung diesen revo- lutionären Betriebsobmann in jeder Hinsicht unterstützte, denn je mehr er die Belegschaft kommunistisch-unionistisch durcheinander macht, je mehr er die einzige Bergarbeiterorganisation, den Ver- band, schwächt, desto mehr blüht der Weizen für Thyssen, aber daß die Reichsmini st erien und Reichsämter mit dem Maine verhandelten und Geschäfte machten, das ist nicht nur .rnoerständlich, das ist ein Skandal! Sind Schuhe und Kleider an die Bergarbeiter zu verteilen, so ist das nicht Sache irgend- einer Belegschaft oder irgendeines BetriebSratSmitgliedes, sondern Sache der Organisation der Arbeiterschaft. Da« zu sind kostspielige Reisen und Ausgaben von 26 000 M. für einen einmaligen Anlauf nicht erforderlich, das kann durch die bestehenden Organisationen gemacht werden, ohne zu reisen, ohne Schmiergelderl Wo soll das hinführen, wenn von jeder Schachtanlage ein kommnnistisch-unionistisch-fhndikalistischcS Betriebsratsmitglied in der Welt herumfährt, Droschkenfahrten macht, Schmiergelder auswirft, um einen Posten Schuhe von der Reichsbekleidungsstelle zu.kaufen" und dieser Posten dann mit 26 000 Mark verteuert wird? Die Belegschaft, welche die Waren kauft, oder sonst die Steuerzahler müssen diese völlig überflüssigen Kosten tragen. Eine Stelle muß sie tragen und hat sie getragen zum Nutzen des Herren Leo Pfeffer, der dadurch .gesund' und selbständiger Kaufmann wurde." ES erscheint uns noch heute dringend notwendig, daß einmal ge« prüft wird, wie es möglich ist, daß solch' ein ausgemachter Lump in die Lage kommt, mit Ministerien Geschäfte abzuschließen, waS den berufenen Arbeitervertretern nicht immer so leicht gemacht wird. Der Arbeiterschaft zeigt der Fall Pfeffer wieder einmal, daß der kommunistisch-unionistische Sumpf gewaltige Ausdehnungen angenommen hat. ES ist unmöglich, alle in ihm wachsenden Blüten zu beschreiben, ober notwendig erscheint eS, be- sonders duftende den Arbeitern zu präsentieren. Denen erwächst die Pflicht, diese Blüten auszurotten und den Sumpf zu Mutter« l a n d zu machen, auf dem die sozialistische Saat gedeiht und reiche Früchte trägt. Abbau der städtischen Verwaltung. Die trostlose finanzielle Lage des Reiches, der Staaten und der Gemeinden und insbesondere die Uebernahme der im Entente- Ultimatum aufgestellten Forderungen zwingen zur ä u ß e r st e n Sparsamkeit. Die Behörden müsse« ihren Betrieb auf das notwendigste Maß einschränke« und daher a« den Abbau deS großen Verwaltungsapparates gehen. So hat sich jetzt auch der Magistrat Berlin entschlossen, mit dem Abbau der Bezirkskohlen st eilen zu beginnen. Essollen durch« schnittlich je fünfzehn Kräfte entlassen werden, wogegen der Be« triebsrat Einspruch erhoben hat. In einem Schreiben an die Be« zirkskohlenstellen sagt Oberbürgermeister Büß. daß nunmehr „sämtlichen Kräften der Bezirksköhleustellen wegen Arbeitsmangels (Abbau) zur Verminderung der Arbeitnehmerzabl zu kündigen" ist, von denen soviel wieder eingestellt werden sollen, wie gebraucht werden. Diese Maßnahme hat natürlich unter den Betroffenen große Erregung hervorgerufen. Vom Betriebsrat wird uns mitgeteilt, daß er gegen den Abbau nichts einzuwenden hat, daß er aber mit den Kündigungen nicht einverstanden ist, weil die Möglichkeit besteht, die in einzelnen Dienstzweigen überzähligen Kräfte auf solche Dienststellen zu ver» teilen, in denen ein Mangel an Personal besteht. Es wurde Zff uns auf da? bestimmteste versichert, daß dieser Ausgleich möglich und daher jede Entlassung unnötig ist. Werter betont der Betriebsrat, daß er sich so lange gegen Entlassungen wehren wird, solange noch in größerer Anzahl Töchter von Magistrats beamten in der Verwaltung beschäftigt sind. Wenn es zutrifft, daß— wie uns versichert wird— allein ein MagistratSsekretär vier Töchter in der Verwaltung untergebracht hat, dann ist natürlich ein Skandal, wenn man statt ihrer Familienväter entläßt. Es wird Aufgabe der Stadtverordnetenfraktion und der in Frage kommenden Organisationen sein, nachzuprüfen, ob tatsächlich solche Zustände bestehen und dann sehr gründlich mit dieser Vetternwirt- schaft aufzuräumen, ehe man zu dem geplanten.Abbau" schreitet. Die»Rote Fahne" nützt die Gelegenheit aus, um mit riesigem Aufwand von Phrasen zu beweisen,»daß nicht Entlassungen, sondern Neueinstellun gen vom Berliner Magistrat vorge- t—>'/—>• h-l-f—l-l— l-h-l' ; * ! l I t t l i l i L L i 1 i 5 ? l L * Veränderung unsererFernsprechanschlusse! Infolge des Umbaues unserer Ttlephonanlage verändern sich die Femsprechanschlässe wie folgt: REDAKTION Moritzpia tz 15195-9 7 Vorwärts- Verlag(Zeitungsverlag) sowie Hauptexpedition und Inseratenabteilung Moritzplatz 11753-54 Nachtexpedition wie bisher Moritzplatz 15 195 Buchdruckerei u. Buchhandlung (Verlag und Sortiment) 15190-94 ! L L l Wir bitten, vor allem von der Veränderung der Tele- phonnummem der Redaktion Kenntnis zu nehmen, damit bei Ferngesprächen von Orten ausserhalb Berlins keine Verwechslungen mit den bisherigen Nummern stattfinden. nommen werden" müssen. Sie verlangt, daß eventuell eine Ver« kürzung der Arbeitszeit.unter Fortzahlung des vollen Lohnes" in den städtischen Betrieben eingeführt wird und gibt dem Magistrat den guten Rat, seinen Bankerott zu erklären, falls er nicht in der Lage ist, diese kommunistischen Forderungen durch- zusetzen. Ob damit den städtischen Beamten und Arbeitern ge« Holsen ist. wagen wir sehr zu bezweifeln. Es ist ein Unsinn, den Leuten vorzuschwätzen, es bestände die Möglichkeit, neue Kräfte ein- zustellen und gegebenenfalls die Arbeitszeit zu verkürzen und den vollen Lohn weiterzuzahlen. Die Folge wäre eine ungeheure Erhöhung der Preis« für Ga«, Wasser, elektrisches Licht und des Straßenbahnfahrpreises, ein weiteres gewalliges Anziehen der Steuerschraube, die Berelendung der breiten Volks- massen würde.glänzende' Fortschritte machen. Gewinnen würden dabei höchstens die Kommunisten, die die verzweifelten Massen dann wieder auf die Straße rufen und für Moskau ins Feuer schicken können. MiMommunistischen Phrasen und Welt« verbrsseningSmethoden ist nichts getan. Man kann das Elend, so« weit daS überhaupt möglich ist. nur dann meistern, wenn man der brutalen Wirklichkeit ins Auge schaut und den Mut aufbringt, das zu tun, was sie gebietet._ GehaltSverhaltuiffe im Hakatisteuverein. Der rühmlichst bekannte Hakatistenverein(»Deutscher Ost- markenverein") beschäftigt einen Bureauvorsteher mit akademischer Vorbildung und zahlt demselben ein Monats- geholt von 700 Marl, wie eS heute für einfache Kontor- arbeiten einem jungen Mädchen gezahlt wird. Die Antwort auf eine in höflicher Form, zusammen mit den übrigen Angestellten vorgetragene Bitte um Gehaltserhöhung, war das KllndigungS- schreiben, in dem auch ganz deutlich zum Ausdruck gebracht worden ist, daß die Kündigung wegen deS ZulagengesucheS erfolgt ist Da weder SchlichtungSausschuß noch KaufmannSgericht zu- ständig ist und der arme Teufel von Bureauvorsteher die Kosten eines ordentlichen Gerichtsverfahren» nicht aufbringen kann, fliegt der Angestellte ausS Pflaster, weil er mit dem Gehalt von 700 M. nicht zufrieden sein kann._ Die Tarifverhandlungen im Kohlengroßhandel. Nachdem wegen deS Kündigungsparagraphen eS mit dem Srbeitgeberverband zu keiner Verständigung über den neuen Tarif« vertrag kommen konnte, ist unsererseits der SchlichtungSausschuß Groß-Berlin angerufen worden. Me wir jetzt festgestellt haben, hat der G. k. A.(Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband und Verband für weibliche Angestellte) am 14. und 18. d. M., Sonder- Verhandlungen mit dem Verband der Berliner Koblengroßhändler gepflogen. Bereits in der ersten Verhandlung ist dabei anscheinend eine GehaltSstaffel vereinbart worden. Wir machen unsere Kollegen- schaft, insbesondere aber die Angestellten« und Betriebsräte sowie Betriebsobleute darauf aufmerksam, daß dieses Abkommen unserer- seitS nicht anerkannt wird. Seitens des G. d. A. wird diesem Abkommen ebenfalls nicht zugestimmt. Es bat nur Gültig- keit für Mitglieder des Gewerkschaftsbundes kaufmännischer Ange- stelltenverbände. alle anderen Mitteilungen des G. k. A. sind falsch. Zentralverband der Angestellien. Ortsgruppe Groß-Berlin. Sektion Kohlen. Achkung. GewerkschaftsmilaNeder! Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten veranstaltet Vom 23. bis 25. Mai in der Aula des Mommfen-GymnasiumS. Wormser Str. 11. und am 26. Mai in der Aula der Fürstin-Bismarck-Schule. Sehbel« straße 2, eine wiflenschaftliche Filmvorführung mit Begleitvortrag über.Geschlechtskrankheiten und ihre Folgen". Die Vorführungen finden stall nachmittags um 4 Uhr für Personen weiblichen Geschleckt«, bei denen eine Aerztin den Begleitvartrag hält, und um 6 und 8 Ubr für Personen beiderlei Geschlecht». Bei der Borstlhrung um 6 Uhr soll im ärztlichen Begleitvortrag besonders auf Jugendlrche Rückficht genommen werden. Wir empfehlen den Mitgliedern der Gewerkschaften den Besuch dieser Vorfübr ingen. Karten zum Eintrittspreis von 1,50 M. können in unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 13, in Empfang ge« nommen werden. Der Ausschuß der GewerkschaftSkommission Berlins und Umgegend. I. A.: G. Sabath. Der Allgemeine verband der Deutschen vankangesiellten hat, nachdem der Sckiedsspruch des SchlichtungsauSichusses auf Zahlung einer erhöhten Teuerungszulage von dem Reichsverband der Bank- leitungen abgelehnt worden ist, für Freitag, abends 7'/� Ubr. nach den Germania-Pracktsälen, Chausseestr. 110, eine große öffentliche Bankangestellten-Versammlung einberufen, um zur Ablehnung if.S Schiedsspruchs Stellung zu nehmen. Referenten find die Herren Benno Marx und Karl Emonts. Achtung. Buchbinder und Papierverarbeiter! Die Urab« stimmung mußte auf Sonnabend, den 23. Mai, verschoben werden. Die Vertrauensleute find verpflichtet, diese Woche beim Abrechneu die Mitgliedsbücher von den Bezirkskassierern zu fordern. Die Ortsverwaltung. Der Bergarbeiterstreik in Südösterreich und in Steiermark dauert an. 16 000 Arbeiter feiern, wodurch 90 Proz. der inlän- dischen Produktion lahmgelegt sind. Die„Technische vokhilse" für Oesterreich. Wie die Wiener Blätter melden, hat sich in Wien ein Komitee zur Errichtung einer Technischen Nothilfe in Oesterreich nach deutschem Muster gebildet. Die Technische Nothilfe soll vollkommen unpolitisch sein, sich auf lebenswichtige Betriebe beschränken und dos Streik- und Koalitionsrecht der Arbeiter in keiner Weise berühren._ öer Setrlebsräte-Praxis. Die Belegschaft eines Betriebes ohne gesetzliche Betrieb»- vertrewag kann die Rechte aus dem Betriebsrätegesetz nicht in Anspruch nehmen. Der SchlichtungSausschuß Groß-Berlin(Akten- zeichen 27 971 H. 10 Eke 10.12) hat einen Beschwerdeführer mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Der Begründung entnehmen wir folgendes:.Besteht ein Arbeiter» oder Angestelltenrat nickt, so ist ein Einspruch beim SchlichtungSausschuß auS dem 8 84 ff. des BRG. nicht zulässig, weil die Vorbedingung des Prüfungsverfahrens bezw. Verständigungsversuchs nicht erfüllt werden kann. Die Arbeiterschaft der Firma hat es bisher abgelehnt, einen Betriebsrat zu wählen mit der Begründung, daß die ihr im Betriebs- rätegesetz eingeräumten Rechte nicht weitgehend genug seien. Ein Betriebs-, Arbeiter- oder Angestelltenrat ist bei der Firma nicht vorhanden. Lediglich besteht ein„Ausschuß", der aber die gesetz- lichen Rechte und Pflichten des Betriebs- und Gruppenrats auS dem Betriebsrätegesetz für sich nicht geltend machen kann. Wenn die Belegschaft auf die Wahl einer gesetzlichen Arbeitnehmervertretung nack dem BRG. verzichtet hat. so hat sie hiermit auch gleichzeitig auf alle ihr aus dem Betriebsrätegesetz zustehenden Rechte Verzicht geleistet._ S-ndschekt-gSrtAer! Trupoenveriammlunz bes Berband«» bet Sitte«, Freitag 8 Uhr abends, Restaurant Haendel, Schöneberg, Borbergstr. U. Betriebsräte Sraphische« Sewerbe und Papierindustrie. Heute abend i'- Uhr in den Max-und-Maritz-Festsälen, stommandantenstr. 57/S«, Gruppen- Pollversammlung. Portraa. Freigewerlschaftliche D-triebsrätezentrale. Sruppenrat Graphische, Geioerb». Deutsch« Transportarbeiter-Bttband. Funktionäre und Delegierte» hur örtlichen Generalversammlung der Reichzbetriebe, Berwaltungsbebörden und Reichsorganisationen! Freitag 6% Uhr im Saal I des Gewerkschaftshausos, Gngelufcr 14)13, Funktionärversainmlung aller drei Branchen. Bericht über Vcrhdndlungen zum Reichsmanteltarif.— Branche Bretterträger. Freitag 7 Uhr Branchenversammlung im Englischen Hof. Alcranderstr. 27b. Bericht der Lohnkommisston.— straftdroschkenfShrer! Freitagabend 7 Uhr ich Ge- werkschaftohaus, Saal 3, Branchenversammlung. Stellungnahme zum Lohntarif» Verband der Buchbinder und Papieruerarbeit«. Heute lhö Uhr in Gran- mann, Fcstsälcn, Naunonstrahe 27. Branchenversammlung aller in den Karton-, Kartonnagen, und Wellpappbetriebcn beschäftigten Mitglieder.— Freitag ö Uhr im Deutschen Hos, Luckauer Straße, Mitgliederversammlung. Etellmig. nähme zur Urabstimmung. Deutscher Werkmeistcr.Berbandl Freitag 614 Uhr Versammlung der Be- triebsvertrauensmänner aller Branchen in Haoerlands Fcstsälen, Reue Fiedrich- straße Z3.— Kartoubrauche. Freitag 5 Uhr im Schultheiß, Brllckenstr. 6 b. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. ZScrn« Peis«, Sharlottcnburg! für Anzeigen: Dd. Glocke, Berlin. Verlag: DorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vor- »värts-Buckidruckerei ll. Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. Hier,, eine Beilage und Unterhaltungsbeilage„Keimwelt'. Sparen ohne Einschränken Ist keine Kunst wenn Sie Continental» Absätze tragen. Durch ihre gross« Haltbarkeit— Leder übertreffend— verringern Sie Ihre Ausgaben. Sie haben dabei elastisch weichen Gang und erhöhte Gehleistung. Verlangen Sie von Ihrem Schuhmacher (Sntinental %sj Absätze So gut wie Continental< Reifen. Stoffe für Herren- and Damen- Bekleidung ■fNeu* eiten": engl« Homespun Fouii, Kammgarn, Garbadine Velour de lalne, Tuche Meter 50—, 100.—. 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