Nr. 232 ♦ ZS.�ahrgaag Musgabe B Nr. 114 Bezugspreis: SStrttli ährl. 30,— M., monatL 10,— 9R. frfi in» bau», voraus zahlbar. Post- Bezug: Monatlich 10,— M., einschl. gu- stellungsgedUhr. Unter Kreuzbanb für Deutlchlanb, Danzig, das Saar- und Wetnelgebiet, tonne die ehemals beut- ichen(Bebiete Polen», Oesterreich. Ungarn und Luxemburg 20,— M» tili da» übrige Ausland 2?.— M. Poft- eliellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Ticktecho-Sloroakei. Dans- wart. Holland. Luxemburg, Schweden und die Echwetz. Der.Borwarts� mit der Sonntags- beiiage»Volt und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage �eimwelt" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentäglich zweimal, Som»- tag» und Montag» einmal. Telegramm- Adreffe: �»ozioldamotrak Seena*' Abend-Ansgabe Vevlinev Volksblatt s 20 Pfennig) AnzrtgenpretS, Die achtgeivalten« SlonpareMezetl, tastet WO M„ftletne Anzeigen- da, tettgedruckte Wort ILO M.(zu- lüfflg zwei tettgedruckte fflortt), leb« weitere Wort l.- M Stellengesuche und Schlasstellenanz eigen da» erste Wo« L— M. lrde» wettere Wo« SO Vsg, Worte üb« l»«uchltadev Zählen für zwei Wort«. ffamtlien-An- zeigen für Abonnenten Zeile 8,- M Sie Preise»erstehen sich emschltrßllch Teuerungszuschlag Anzeigen für die nächste Stumme, wüsten dt» S Ahr nachmMag» lw bauptgeschäsl.«erlin SW«b. Linde». Krabe», abgegeben werden. Deostn« »on 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Reüaktion und Expedition: SW 68» Linden ftr. 3 Redattio« Moristplat, 15195—97 »ycrniyrcgzcir.(gj.|,ebit{glt Morihplach 11753-54 Donnerstag, den 19» Mai 1921 vorwärts-verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenftr. 3 �erniveeck«?* Berlag, Expedition und Inseraten. z��ilung Moritzplah 11753-54 Englifihe Mnfraj Paris, 1? Mai.(WTB.) Wie„Jonrnal" mitteilt, soll der britische Geschäftsträger im Laase de? Besuches am Quai d'Orsay mit einem gewissen Nachdruck gefragt haben, welche? die Hal- tung Frankreichs sei, wenn organisierte deutsche Ab- t e i l u» g e n in das strittige Gebiet Oberschlesiens ein- dringen würden. Die britische Regierung habe vor allem zu er- fahren gewünscht, ob bei dieser Eventualität Frankreich das Ruhrgebiet besetzen würde. Es verstehe sich von selbst, daß es unmöglich gewesen sei, auf eine derartige hypothetische Frage eine Antwort zu erteilen. Die Erklärungen, die Mi- nisterpräsident Briand am Sonnabend abgegeben habe, hätte» genau bezeichnet, wie Frankreich eine derartige Initiative Deutsch« landS auffasse. Llopü Georges Warnung. London. 13. Md.(1DIB.) Die heute abend bekannt- gegebene Erklärung Lloyd George» zur oberschlesischen Frage findet in der gesamten Presse größte Beachtung und wird als ernste Warnung an Frankreich angesehen, wie die Blätter melden, wird Lloyd George heute abend beim Essen, da» der Pilgrim Club zu Ehren des neuen amerikanischen Botschafters harvey gibt, wahrscheinlich eine wichtige Rede hasten, die hauptsächlich die oberschlesische Frage behandeln dürfte. „W e st m i n st e r Gazette" schreibt über den britischen und den französischen Standpunkt, jede Politik, die stch aus die Absicht gründe, sechzig oder siebzig Millionen Deutsche im Zustande der Unterwerfung zu erholten, müssen fehl» schlagen. Frankreich müsse Deutschland loir pUx geben und die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. .Poll Mall and Globe" erklärt, das französische Dolt müsse oerstehen, daß England unbedingt jede Beteiligung an solchen Abenteuern, wie dem polnischen, ablehne und es Deutschland überlassen werde, nach freiem Ermessen mit jedem m u t» willigen Angriff der Polen fertig zu werden. Amerika mischt fich nicht ein. Washington, 18. Md. sRenter.) In Beantwortung eines Ersuchens des polnischen Staate» um Amerikas Unter- stühung in der oberschlesischen Frage vor dem Obersten Rat betont Hughes neuerllch, daß die Politik der Bereinigten Staaten sich in wesentlich europAsche Fragen nicht einzumischen wünsche. Die amerikanischen Berkreter in den europäischen Räten würden ausschließlich als Beobachter zugegen sein, es sei denn, daß die Interessen der Bereinigten Staaten unmittelbar berührt würden. Italien unentschieden. Park», 13. Mai. sEE.) Graf Sforza hat Rom verlassen, um sich zum Ministerpräsidenten Giolltti zu begeben. Man mißt dieser Reise große Bedeutung bei angesichts der Tatsache, daß Gras Sforza sich in der oberschlesischen Frage laut»Echo de Paris" den sranzösischen Anschaunngen geneigt zeige. Aach den Berluslen, die die itallenischen Truppen in Oberschlesien er- litten, sei jedoch die italienische Sssentllche Meinung weil davon entfernt, den Standpunkt des Außenminister» zu teilen. Man spricht deshalb von der bevorstehenden Demission de» Grafen � Sforza. Die Ententekonserenz. Besprechungen, aber keine Beschlüsse? London, 19. Mai.(MTB.) Reuter erfährt aus wohlunter. richteten Kreisen, daß alle Aussicht dafür besteht, der O b e r st e Rat werde zum Wochenend-e zusammentreten. Bisher liege von französischer Cell- kein Anzeichen dafür vor, daß die Franzosen nicht bereit seien, bald mit ihren Alliierten auf der Konferenz zu- sammenzutreffen. Der Eindruck sei vielmehr der, daß die Fran- zosen dazu willens seien, sobald Briand seine Erklärung in der sranzösischen Kammer abgegeben haben werde. Es wird behauptet, daß alle guten Resultate, die aus der Abhaltung der Konferenz folgen könnten, zunichte gemacht werden würden durch einen Aufschub um einige Wochen, für den gewisse Kreise eintreten. Eine Derzögerung einer endgülligen Aktion könne die Lage nur er- schweren. Es sei w e n i g w a h r s ch e i n l i ch, daß diese Konferenz zu irgendeinem bestimmten Beschluß bezüglich der Zuteilung der strittigen Gebiete kommen werde. Sie werde sich vielmehr auf ein« Besprechung der allgemeinen PolitU beschränken. vor öer Kammerreüe DrianAs. Paris. 19. Mai.(EE.) Briand hat zu der gestrigen Kund- gebung Lloyd Georges, die er durch das Reuterbureau oerbreiten ließ, in zwei Erklärungen Stellung genommen. Dem Vertreter des New York„Herald" gegenüber äußerte er sich dahin, daß Lloyd George gegenwärtig eine kurze Spanne schlechter Laune zu überwinden habe, daß diese aber bald vorüberg-hen werde, ohne Schlimmes anzurichten. Dem Vertreter der„Dolly Mall" in Paris erklärte er: Auch wir wünschen, daß der Vertrag von Versailles durchgeführt werde. se an Frankreich. Aber darin ist nicht davon die Rede, daß Deutsch- l a n d die reichen Kohlenbecken erhalten und Polen sich mit dem Rest begnügen solle. Ich wünsche Kontroverse mit' Lloy: George einzulellen. Ich halte mich völlig an das, was ich Sonn- abend den Iourndisten erklärte und werde in der Kammer noch ausführlicher darüber sprechen. „Die Entente steht auf dem Spiel". Pari», 19. Mai.(MTB.) P e r t i n a x beschäftigt sich im„Echo de Paris" mit den gestrigen Erklärungen Lloyo Georges, die ihm noch mehr mißfallen als seine Rede im Unterhause. Aber nach seiner Ansicht dürfe man sich nicht mehr verheimlichen, daß die Entente cordialt auf dem Spiel stehe. Lloyd George erkläre, daß er seinen Standpunkt vom 13. Md aufrechterhalte. Er habe gestern gesagt, Italien und dieBereinigtenStaaten hätten sich der Meinung Englands angeschlossen. England verlange, um das oberschlesische Problem zu lösen, daß nach der Regel der Mehrheit gehandelt werde. Das deutet Pertinax dahin, daß Lloyd George mit Frankreich zu keinem Einverständnis kommen wolle. Er verlange einfach, daß die englische These den Sieg davon- trage. Man könne nicht glauben, daß Italien und Amerika«in- mütig den Standpunkt Lloyd Georges oertreten. Graf Sforza habe anders gesprochen, und was die Bereinigten Staaten betreffe, so sei ihre Presse geteilt, ihre Staatsmänner aber schwanken. Lloyd George habe ferner erklärt, daß viele Dinge die Franzosen von den Engländern trennen. Das sei eine unglücklich« Feststellung. Lloyd George spreche leichtfertig von der Verschiedenheit der öffentlichen Meinung, aber man könne doch nicht verlangen, daß man die Gründe, aus denen die Allianz geschlossen worden sei, dieser Allianz selbst opfere. Wenn die Allianz mit England, deren Aufrechierhallung Frankreich übrigen, nicht einmal versprochen worden sei. den Anforderungen der französischen Berieidigong entgegengesetzt sei. welchen wert habe sie dann für Frankreich? „Petit Journal* sagt: Die gestrigen Erklärmrgen Lloyd Georges zeigten unglücklicherweise, daß Lloyd George sich nicht genau Rechenschast abgelegt habe, welchen Eindruck seine unerwartete Sprache in Frankreich hervorgerufen habe. Wenn Lloyd George sich darauf beschränkt hätte, eine Meinung auszusprechen, die von der in Frankreich abweiche, so hätte kein Mensch mll gesundem Verstand sich darüber erregt. Aber wenn man seine Red« nachlese, dann finde man bedauerliche Beweggründe. Man drücke nicht einfach seine Meinung aus, wenn man die Verwendung deutscher Truppen in Aussicht stelle, um die Ordnung im Abstimmung». gebiet wiederherzustellen. Es fei auch nicht einfach eine Meinung»- äußerung, wenn man leichtfertig Anklagen gegen den General Le Rond richte. Lloyd George habe das französische Gefühl verletzt. Frankreich habe das Gefühl, daß man ihm in Ober- schlesten wie am Rhein fast die ganze Last für die Ausführung des Friedensvertrages überlassen habe. Für die Zukunft hoffe es wenigstens auch auf Rücksicht, was die Sicherheit seiner Soldaten anbetreffe. Die Lage im �ufstanüsgebiet. Breslau, 19. Mai.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts*.) Aus G o g o l i n meldet man uns: Nachtlich« Angriffe der Insur- genten wurden abgewiesen. Aus Cosel-Oderhafen wird ge- meldet: Plünderungen haben eingesetzt. K a t t o w i tz ist ohne Der- bindung. da sämtliche direkten Leitungen nach Kattowitz anscheinend von den Polen durchgeschnitten sind. Ueber Königshütte wird jetzt mitgeteilt, daß die Plündereien in Katto- witz andauern und die Franzosen wie immer untätig zusehen. In Nikolai ist es zu Zusammenstößen gekommen. Die Insur- genten haben 7 Mann in dürftigster Bekleidung auf die Straße gezogen und erschossen. Aus S ch a r l e y wird gemeldet: Die Polen setzen die Zwangsrekrutierung fort. Aus N i e d a n e (Kreis Ratibor) wird gemeldet: Die Polen nähern stch beträchtlich der Oder und haben dort Verstärkung erhalten. L a p a t s ch (Kreis Ratibor) wird von der Zivilbevölkerung verlassen, weil es die Insurgenten mit Minen Werfern beschießen. In Buckau (Kreis Ratibor) ist eine ArtUleriegeschützstellung der Insurgenten. Was wirs mit öen Sanktionen! Pari», 19. Mai. Nach einer Meldung des„Journal* versichert man, daß der englische Vertreter in der Rheinland- kommission eilig nach London berufen wurde. Diese Reise hänge zusammen mit einer Rote, die die englische Regierung nach Paris gerichtet habe über die Aufhebung der Sanktio- nen, die vor einigen Wochen in London beschlossen worden seien, also über die Räumung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhr- ort und die Aufhebung der Zollgrenze am Rhein. Pari», 18. Mai.(TU.) Der deutsche Gesandt« Mayer hatte heute mittag eine Unterredung mit Briand, die einen persönlichen Charakter trug. Mayer erneuerte die Versicherung, dag die neue Regierung fest entschlossen ist, alle Bedingungen de» Uitimatum» zu erfüllen. Eine organisatorische Ausgabe. Bon Heinrich Ströbel. Durch die Revolution ist der deutschen Sozialdemokratie die Pflicht zugefallen, sich als stärkster Faktor der Demokratie und als gefellfchaftsumbildende Kraft auf allen Gebieten des öffenllichen und wirtschaftlichen Lebens zu betätigen. Während sich die Sozialdemokratie im alten Obrig- keitsstaate, in dem ihr die Rolle einer mitbestimmenden Macht versagt war, mit einer Kritik der Aktionen der Regierung und der herrschenden Klassen und Parteien begnügen konnte, liegt ihr heute, bei der Möglichkeit einer starken und unmittelbaren Einwirkung auf die Gesetzgebung und ihrem politisch vielfach entscheidenden Einfluß, die Verpflichtung ob, den sozialisti- scheu Grundsätzen im öffentlichen Leben nach Möglichkeit Gel- tung zu verschaffen. Dieser Verpflichtung kann die Sozialdemokratie nur dann gerecht werden, wenn sie es versteht, nicht nur ein Höchstmaß von politischer Energie zu entfalten, sondern auch alle vor- handenen geistigen Kräfte organisatorisch für sich nutz- bar zu machen. Denn während der kapitalistische Staat und die bürgerlichen Parteien über eine Unsumme von Einrichtun- gen und Persönlichkeiten verfügen, um ihre Interessen gegen- über denen des Proletariats durchzusetzen— genannt seien nur die Staatsbureautratie, die Unternehmerorganisationen in Industrie und Landwirtschaft, in Handel und Kleingewerbe. die Universitäten, die Kirche, die große Mehrzahl der Lehrer- schaft, die Ueberzahl aller Nutznießer einer höheren Schulbil- dung—, kann sich die Sozialdemokratie nur auf eine unver- gleichlich kleinere Zahl von Institutionen und geistig geschul- ten Persönlichkeiten stützen. Will sie darum nicht in eine schllmme und politisch folgenschwere Abhängigkeit von den kapitalistischen Machtfaktoren und der bürgerlichen Denkweise geraten, so muß sie mit ihren Kräften doppelt haushälterisch verfahren und jede verfügbare Intelligenz durch eine kluge Organisation restlos auszunutzen suchen. Infolge des innerhalb der proletarischen Parteien selbst entbrannten Bruderstreits und der enormen Inanspruchnahme aller führenden Genossen durch Aufgaben der Staatsverwal- tung, der parlamentarischen, organisatorischen und gewerk- schaftlichen Tätigkeit hat bis jetzt leider die Organisation des geistigen Lebens der Partei sehr viel zu wünschen übrig gelassen, so daß mit der gewaltigen Erweiterung des Aufgabenkreises der Partei die gründliche geistige Durcharbei- tung der zu bewältigenden Probleme in keiner Weise Schritt gehalten hat. So hat, um nur einige Beispiele herauszu- greifen, die Sozialdemokratie in der so ungeheuer wichtigen Frage der Reparationen kaum eigene Gedanken entwickelt und ebensowenig einen ernstlichen Versuch gemacht, eine Lö- sung des Valutaproblems zu finden, von der doch das Schick- sal nicht nur der deutschen, sondern der ganzen Weltwirtschast abhängt. Auch die Probleme der Sozialisierung sind bis jetzt nur sehr mangelhaft durchgearbeitet worden, und nicht anders steht es mit den Fragen der Steuerpolitik, die doch gerade jetzt, wo die Erfüllung der aus dem angenommenen Ultimatum sich ergebenden Verpflichtungen die Erschließung enormer neuer Einnahmequellen notwendig macht, ein Lebensinteresse der arbeitenden Schichten darstellen. Die Durcharbeitung dieser scbw'.erigen Probleme ist mit den bisherigen Mitteln einfach nicht mehr möglich. Die vor- handenen Parteikörperschaften— Parteivorstand, Fraktionen, Redaktionen usw.— reichen dazu in keiner Weise aus, da es die Arbeitsfähigkeit einzelner Angeböriger dieser Gruppen weitaus überschreitet, so komplizierte Materien zu bewältigen. Nur die Schaffung geeigneter Studiengesell- s ch a f t e n oder wissenschaftlicher Arbeitsgc- meinfchaften ermöglichte hier ein fruchtbares positives Arbeiten. In richtiger Erkenntnis einer solchen Notwendig- keit sind bereits von privaten Zirkeln oder von gewerkschaft» licher Seite Versuche einer solchen sozialistischen Kollektiv- arbeit gemacht worden, doch sind sie aus Mangel an Mitteln oder wegen ihrer organisatorischen Unzulänglichkeit ergebnis- los geblieben. Will die Sozialdemokratische Partei mehr sein als ein Anhängsel der bürgerlichen Parteien und die Verkörperung eines ideenlosen Opportunismus, der sich bei den proletari- scheu Massen unausbleiblich diskreditieren müßte, so muß sie vor allem eine geistige Zentralstelle schassen, eine wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für praktischen, angewandten Sozialismus. Diese Körperschaft hätte etwa aus lö bis 20 Personen zu bestehen, zur Hälfte aus sozialistischen Wissenschaftlern und Theoretikern und zur anderen Hälfte aus Praktikern des wirtschaftlichen. des Partei-, Gewerkschafts- und Genossenschaftslebens. Sie hätte aber nicht etwa eine neue„Instanz", ein kleines Parka- ment oder einen sonstigen Debattierklub zu bilden, sondern eine wirkliche Arbeitsgemeinschaft, die sich die Klärung der großen sozialen Problems und die präzise Formulierung sozia- lsitischer Vorschläge zur Aufgabe zu setzen hätte. Zum Zwecke gründlicher Arbeit hätte sich diese zentrale Körperschaft in«nt- sprechende Unterausschüsse zu gliedern, die alles in Betracht kommende Material zu samnieln, zu sichten und zu verarbeiten Hütten. Im Bedarfsfalle wären weitere Sachverständige uns Hilfskräfte heranzuziehen, wären Einzelperfönlichkeiten mit besonderen Studienaufträgen zu betrauen, deren Ergebnis wieder von den Unteraueschüssen und dem Plenum für die Kollektivarbeit zu verwerten wäre. An Mangel an Kräften würde eine solche Arbeitsgemein» fchaft nicht scheitern, denn so sehr auch die bekannteren Ge' nassen als staatliche und kommunale Beamte, als Redakteurs, Parlamentarier, Gewerkschofts- und Genossenschaftsangestellte mit Tagesarbeit überbürdet sind, so gibt es doch sozialistische Gelehrte und Schriftsteller einerseits, Ingenieure, Techniker, Kaufleute und andere Wirtschaftspraktiker andererseits in hin' reichender Zahl, um die so unbedingt notwendige Arbeit leisten zu können. Universitätslehrer wie Wilbrandt, Waentig, Lederer, Ballod, um nur unter den Reichsdeutschen einige zu nennen, würden sicherlich für die Mitarbeit zu gewinnen sein, wie überhaupt die Aufbringung der 8 bis 10„Theoretiker" ein Kinderspiel wäre. Tüchtige Kenner der Industrie, des Handels, des Bankwesens wären ebenso leicht zu finden. Aber auch geeignete Parlamentarier, Gewerkschafts- und Genossen- schaftsführer würden sich bei einigem guten Willen und Ver- ständnis für die austerordentliche Wichtigkeit dieser Körper- fchaft derart von anderweitiger Arbeit entbürden lassen, daß sie sich mit ungebrochenem Interesse und Eifer deren Arbeiten widmen könnten. Hätten wir erst einmal eine solche vernünftig arbeitende Studiengesellschaft, so wäre für das ganze Partei- und Ge- werkfchaftsleben Unendliches gewonnen. Während heute auf all den in Betracht kommenden Gebieten innerhalb der So- zialdemokratie entweder überhaupt keine, oder doch nur eine individuelle, zerstreute, systemlose Arbeit geleistet wird, könnte künftig planmäßige Arbeit geleistet und damit jede unnütze Kraftvergeudung verhütet, durch rationelle Spezialisierung und umgekehrt wieder durch wohlberechnete Zusammenfassung der Einzelleistungen eine überaus wertvolle Kollektivleistung erreicht werden. Ist es nicht eigentlich erstaunlich, daß in unserer Zeit der Uebcrorganisation auf diesem Gebiet der so- zialistischen Geistesarbeit und des politischen und sozialen De- triebes überhaupt noch kein ernsthafter, großzügiger Organi- sationsverfuch gemacht worden ist? Freilich: wenn ein solcher Versuch mit bureaukrati- s ch e n Mitteln unternommen werden würde, wäre er von vornherein zum Mißlingen verurteilt. Viel schlimmer noch als auf wirtschaftlichem Gebiete würde sich engherzige Bevor- mundung durch parteiliche und gewerkschaftliche Instanzen auf diesem Gebiete geistiger Pionierarbeit rächen. Gerade'hier müßte die Erkenntnis der Sozialisierungskommisfion, daß zu einer sozialistischen Erfolgswirtschaft unbedingt die Bewe- gungsfreiheit unabhängiger Selbstverwaltungskörper und die ungehemmte Entfaltungsmöglichkeit schaffensfroher Initia- toren gehört, peinliche Berücksichtigung finden. Partei, Ee- werkschaften und Genossenschaften müßten die nicht unbe- trächtlichen Mittel aufbringen, ohne die eine solche Körper- fchaft nicht arbeiten könnte? ihr Kontrollrecht dürfte jedoch nicht die leiseste Einschnürung ihrer Initiative bedeuten. Ge- rade dann würden die Leistungen dieser Arbeitsgemeinschaft die Tätigkeit der Sozialdemokratie und der proletarischeu Wirtschaftsorganisationen durch das Setzen klarer Ziele, durch Aufhellung dunkler Probleme, durch Durchgeistigung und Beseelung des ganzen politischen und sozialen Kampfes derartig befruchten können, daß die für sie bereit gestellten Mittel sich hundertfach bezahlt machten! » RachschriftderRedaktion: Wir haben die Aus- führungen des Genossen S t r ö b e l gern veröffentlicht, weil mit ihnen der Finger auf eine Wunde gelegt wird. Es besteht in der Tat in hohem Maße die Gefahr, daß eine im Dienst des Tages sich überhastende Praxis den Zusammenhang mit ihren geistigen Quellen verliert. Um ihr zu begegnen, ist es Pflicht der sozialistischen Parteien und der Gewerkschaften, sa——— i in i ii—— i 9ie Slumenmutter. Don Hans Bauer. Wie alt sie sein wird?(50, 65, 70? Wer weih es? Ihren Kopf hält ein Tuch umhüllt. Ein farbloses, schmutziges Tuch. Ihr Ge- ficht ist schmal und grau. Sie hat einen Wagen neben sich stehen. In dem liegen Hundertc von Waienzweigen zu Sträußen gebündelt. Einen hält sie immer in ihrer Rechten. Hält ihn den Passanten entgegen. Sagt kein Wort dazu. Das liegt ihr nicht, dies Reklame» machen, dies Anpreisen. Dazu ist sie zu alt. Dielleicht hat sie es auch früher nicht gekonnt. Anpreisungen swd schließlich auch nicht nötig. Die grünen Sträuße sind Reklame genug. Die Mehrheit ihrer Käufer besteht aus jungen Mädchen. Au» jungen Mädchen in weißen und himmelblauen und rosaroten Kleidchen. Wenn ein Strauß aus ihrer zittrigen Hand in eine spiegelglatte fährt, ist es, als werde eine Naturnotwendigkeit erfüllt. Die blutjungen, herrlich- grünen Zweige gehören nicht zu ihr. Die gehären zu denen, die selber in Blüte stehen, selber von Lebenswillen überschäumen. Was sie wohl denkt, die Alte, wenn sie so vor ihrem grünen Wagen steht und die seligen Maitage ihr putzfreudige Jugend zu- treiben? Erinnerungen werden in ihr aufwachsen. Erinnerungen an ferne, ferne Tage. Eine unendliche Schwermut wird sich in sie schleichen. Und eine nomenlose Sehnsucht durch sie wühlen und ihr Herz schwer machen. Sie wird in der Sechzehnjährigen, die eben w die Sträuße greift, um den schönsten zu finden, sich selber wieder erkennen. Einmal war auch sie so. Ein Abglanz dessen, was in ollem Vergehen und Dahinwelken ewig bleibt, wird jetzt in ihren Augensternen spiegeln. Unsinn, Unsinn: alles Phantastsreil Guckt euch die Alte ge- neuer an. Sie freut sich der schönen Birkenzweige— aber nur. weil sie gute Verkaufsobjekte sind. Sie freut sich der jungen Mädchen— aber nur, weil sie sich gern mit Ihrer Ware die Zimmer schmücken. Sie freut sich des prächtigen Wetters— aber nur, weil es den Verkehr belebt und der ihre Kasse füllt. Und sie muß ver- dienen. Noch mit 60, 65, 70 Jahren. Nein, nein: Nichts von Abglanz, nichts von Schwermut ist an Ihr zu finden. Sie weiß es gar nicht, wie dumpf, träge die Zeit für sie hinsickert. Und das ist die größte Tragödie dieser Allen. XXII. Schwei-er Tonkünstlerfest. In Lugano fand in den Pfingsttagen das XXII Schweizer Tonkünstlerfest statt. Der Ver- anstalter des Schweige- Tonkünstleroereins, der in diesem Lande das leistet, was der„Allgemeine Deutsche Musikverein" in Deutsch- land verrichtet, kann stolz s-in daraus, daß das verhältnismäßig kleine Land genug Komponisten besitzt, um alljährlich ein« Anzahl das geistige Leben in der Arbeiterbewegung zu fordern und zu diesem Zweck auch vor Opfern nicht zurückzuschrecken. Ströbels Anregung, die näher geprüft zu werden verdient, ist vielleicht e i n Weg zu diesem Ziel, es gibt aber viele zu ihm. Man soll die besten von ihnen wählen und nicht zögern, sie zu beschreiten!_ Die ßreiwilligenwerbung für Gberschlesten. Die Wendung, die in der Angelegenheit der Freiwilligen- Werbung für Oberschlesien eingetreten ist, war für jeden ruhigen Beobachter der Dinge vorauszusehen. Wenn die Interalliierte Militärkontrollkommission von der deutschen Re- gierung Maßnahmen fordert zur A u f l ö s u n g der für Ober- schlesien gebildeten Frciwilligenformatwnen, so bewegt sie sich damit auf völkerrechtlich unanfechtbarem Boden, und die deutsche Regierung kann in der Tat nichts anderes tun, als die geforderte Auflösung vorzunehmen und gegen weitere Werbungen einen Einhaltbefehl erlassen. Die in Bildung begriffenen Freiwilligenkorps könnten, wie hier schon oft betont worden ist, sowieso ohne Zustimmung der Interalliierten Kommission, der die Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe in Oberschlesien anvertraut ist, nicht in Aktion- treten. Daß aber die Interalliierte Kommission die Zustimmung erteilen würde, war trotz der Rede Lloyd Georges nicht zu erwarten. Im äußersten Fall wäre doch nur die Verwendung von Reichswehr in Betracht gekommen, nicht aber die von privaten Verbänden, für deren Tun keine Regierung die ftaats- und völkerrechtliche Verantwortung trägt. Solche privaten Verbände widersprechen dem Grundsatz. daß die bewaffnete Gewalt in keine andere Hand gehört als in die des Staates, sie find als Werkzeuge der inneren wie der äußeren Politik ungeeignet und gefährlich, weil der Wille, der sie lenkt, unter keiner ge- ordneten Kontrolle und Verantwortung steht. Bei ihrer Bil- dung fließen idealistische Beweggründe mit gewöhnlicher Abenteurersucht und Erwerbstrieb zusammen, und in ihren Reihen finden sich neben untadeligen Elementen vielfach oft überwiegend Landsknechtsnaturen der gewöhnlichsten Art. Auch über die Freiwilligenverbände, die für Oberschlesien gebildet werden, hat man manches gehört, was nicht geeignet war, Vertrauen zu ihnen einzuflößen. Es wird weder für Oberschlesien noch für Deutschland ein Unglück sein, wenn sie so rasch wie möglich wieder von der Bildfläche verschwinden. « Dreslcrn, 19. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Breslauer„Volksmacht" schreibt zu dem Anwerbeverbot: Nach Nachrichten, die wir in auswärtigen deutschen Blättern finden und die aus diesen sofort in die französische und polnische Presse deutsch- feindlicher Richtung übergehen, scheint dieses Verbot, insbesondere gegenüber Anwerbebestrebungen in Bayern, notwendig zu sein. So brachte«in Berliner angesehenes demokratisches Blatt eine Nachricht, wonach in Westfalen Leute veranlaßt werden, sich zur Rettung Oberfchlefiens zunächst einmal nach München zu begeben. Inwieweit Anwerbungen solcher Art überhaupt für Ober- schlesien bestimmt sind oder ob Oberschlesien nur als Deckmantel für innerpolitische reaktionäre Bestrebungen in anderen Teilen Deutschlands benutzt wird, ist schwer zu übersehen. Scharfes Einschreiten gegen solche für die Lage Deutschlands blinden Aktionen wird in oberschlestschen Kreisen die Unterstützung der sozial- demokratischen Arbeiterschaft und aller Friedensfreunde haben. Mit aller Deutlichkeit haben wir an dieser Stelle, als es sich um die Rechtfertigung des Selbstschutzes der bedrängten Oberfchlester selbst handelte, alle innerpolltischen Bedenken zurückgestellt. Gegenüber Werbungen außerhalb Obers chlesiens brauchen wir aber wohl nur an die außenpofitische Lage zu erinnern, die wir zur War» nung vor einem deutschen„Gegenangriff" seit 14 Tagen täglich den erregten Oberschlestcrn vor Augen führen. Diese Erinnerung sollte genügen, um den neuen Schritt der Reichsregierung nachdrücklichst zu unterstützen. Aus Oberschlesien selbst wurde zwar aus Kreisen, die nicht in den Verdacht kommen können, zu Kompromissen mit Korfantyschen Mordbrennern zu neigen, wiederholt versichert, den Zuzug von aus- wärtigen deutschen Freiwilligen und insbesondere von b a y e r i- neuer Werke dem Publikum zur Prüfung vorlegen zu können. Zwar war es diesmal nur ein„kleines" Fest, das mit der General- Versammlung verbunden war, aber das Programm des Konzertes enthielt lauter anregende Werke, die, mit Ausnahme einer Arbeit des Schweizer Allmeister» Hans L u b e r, zur Uraufführung kamen. Ein Klavierquintett von Frank Martin bewegt sich in französisch- Italienischen Bahnen, sagt inhaltlich nicht viel, aber drückt das Ge- sagte hübsch uno unterhaltsam aus, so daß der Zuhörer beständig interessiert bleibt. Voller und reicher erwies ftch eine Klavier- Biolinsonate von Walter Lang, in der besonders der langsame zweite Satz nach der Tiefe geht und in einer eigenen Tonsprache einen Werdenden verrät, auf den man gute Hofsnungen setzen kann. Elegant, kapriziös und pianistisch sehr reizvoll war die„zweite Ballade� von E R. Blanchet, aus der ein starker, jedoch von eigener Persönlichkeit erfüllter französischer Geist spricht. Klang- und sangvolle Lieder hatten Richard Flury zum Verfasser, der darin eine geschmackvolle volkstümliche Ader verrät, ohne auf mo- derne Harmonien zu verzichten. Hubers Klavierquintett„Zweites Divertimento", schon 1907 geschrieben, bekundete die Meisterhand und bildete nach dem vorangegangenen jungen Most den gereisten Teil des Programms Um die Ausführung der Werke machten sich Frl. Lily Mermino(Klaoier), Frau Helene Stoß(Gesang), P. O. Möckel, Walter Lang(Klavier), Wolter Garranx(Violine) und das ausgezeichnete„Z ü rcher Streichquartett" sehr verdient. Bei der Generalversammlung tonnte zur Gründung eines bereits recht gut versehenen„Hilfsfonds" für in Not geratene Mit- glieder des Schweizer Tonkünstlervereins geschritten werden. Das das„trockene" Amerika spart. Amerikanische Blätter brin- gen statistische Aufstellungen über das außerordentliche Anwachsen der Spareinlagen in den Banken seit der Durchführung des Alkohol- Verbotes in den Bereinigten Staaten und führen diese Zunahme darauf zurück, daß das sehr kostspielige Trinken wegfällt. Die großen Banken hrtien im Jahre 1914 Depots von 1357 Millionen Dollar in New Bork oder 43? Dollar auf jeden Depotinhaber. Im Jahre 1920 betrugen die Depositen 2519 Millionen Dollar oder fast das Doppelle. Di? Ursache ist nicht in Kriegsgewinnen zu suchen, denn im Jahre 1917, wo die Kriegsgewinne am höchsten waren, wuchien die Einlagen nur um 170 Millionen Dollar, wäh- rend sie 1920 um 395 Millionen Dollar steigen. In den eigent- lichen Sparbanken sind die Depositen seit 1914 um über 1000 Mil- lionen Dollar gestiegen. 11 J4 Millionen Sparer haben durchschnitt- lich je 520 Dollar. Diese günstige Entwicklung war nur dadurch möglich, daß der amerikanische Arbeiter nichts mehr für Alkohol ausgeben kann. Alechten. die Stein« ausiSsen. Die Kräfte, die Gesteine zur Verwitterung bringen und das Felsenwerk schließlich in Sand und Ackererde verwandeln, hat man bisher in der Regel nur in den atmosphärischen Einflüssen gesucht. Wasser und Frost, chemische Umsetzungen, die sich beim Zutritt von Sauerstoff, Kohlensäure usw. in den Gesteinen entwickeln, der zerstörende Einfluß der überall hin sich verbreitenden Industriegase, all das wurde als der Haupt- grund für die Verwitterung angegeben. Organismen hat man als Verwitterungsmittel bisher nur insoweit gekannt, als sie schon schen Orgeschleuten wünscht dort selbst niemand. Man stelle sich auch nur einmal den landesuntundigen, antisemitischen, reaktionären, bayerischen Orgeschmann in Oberschlesien vorl Be- kannllich spricht ein guter Teil der deutschgesinnten Bevölkerung Oberschlesiens wasserpolakisch. Die Hatatisten haben das ja nicht einsehen wollen. Der Orgeschmann aus Süddeutjchland würde dieser Tatsache doch wohl mindestens mit der gleichen Verständnis- losigkeit und mit nur noch verwerflicherer Energie gegenüberstehen, wie diese Hauptschädlinge der deutschen Sache ln Oberschlesiens Ver- gangenheit. Bekanntlich stehen die Juden in Oberschlesien aus- nahmslos auf deutscher Seite und der Antisemitismus ist dort Kampfmittel der Polen. Man stelle sich die Verwirrung eines bayerischen Orgeschmannes darob vor! Wir handeln daher nur im deutschen Interesse der Oberschlesier selbst, wenn wir den Wünschen der Entente nach einem Werbeverbot, wie es die Polen bereits formal erlassen haben, w der Form, aber auch in der Seele ohne weiteres nachkommen._ Nochmals: General und Dolchstoßlegende. Nach der zweimaligen Abfuhr des Generals v. Zwehl stellt sich die„Kreuzzeitung" dumm. Sie behauptet, im„Vor- wärts" niemals eine Widerlegung der Vater-Legende gelesen zu haben, sie bezweifelt sogar, daß wir überhaupt unseren Lesern die Bekundungen Baters je mitgeteilt hätten. Unsere Leser wisien, daß das nicht einmal, sondern ein dutzend- m a l geschehen ist, und zum Uebersluß kann die„Kreuz- zeitung" nicht nur im„Vorwärts", sondern auch im„Hand- buch für sozialdemokratische Wähler 1920" auf Seite 101 nicht nur den Wortlaut, sondern auch die Widerlegung der Vater- Legende lesen, von der wir zufällig wissen, daß sie ziemlich wörtlich dem„Vorwärts" entnommen wurde. Falls es aber bei der„Kreuzzeitung" bis dahin nicht langt, stellen wir hier- mit erneut die Frage zur Beantwortung: Wenn die Agitation des Herrn Vater wirkllch jene welter» schütternde Bedeutung gehabt hätte, das deutsche Heer zu zermürben, wie kommt es, daß nie ein Mensch etwas davon gemerkt hat, ehe er selber in Magdeburg damit renommierte? Wieviel Deserteure lasten sich nach Ansicht der„Kreuz- zeitung" obendrein mit gefälschten Papieren freiwillig wieder an die Front zurückschicken, wie das Herr Vater engros besorgt haben will? Diese Fragen haben wir schon oft an die reaktionäre Presse gerichtet, aber bis heute vergeblich auf Antwort ge- wartet. Run aber kommt die„Kreuzzeitung" mit neuem Material. Sie trumpft bereits im voraus damit auf, daß wir natürlich nicht wagen würden, es unseren Lesern zur Kenntnis zu geben. Wir wagen es um so mehr, als wir auch diese Ge- schichten schon oftmals im„Vorwärts" behandelt und wider- legt haben. Richtig ist nur, daß die„K r e u z z e i t u n g" bis heute noch nie gewagt hat, etwas von unseren Enthüllungen über die wirklichen Fronterdolcher abzudrucken, weder die zahllosen S o l d a t e n b r i e f e über miß- handelnde und schwelgende Offiziere noch die zahlreichen im Original hier wiedergegebenen Menukarten aus Offizierskasinos usw. Doch hier die Anklagen der„Kreuzzeitung": Bald nach Kriegsausbruch erklärte der Abg. Haast, damals Vorsitzender der sozialdemokratischen Gefamtpartei: „Wir werden dst Armee untergraben, um die Weltrevolution in Gang zu bringen." In ver Sitzung de» preußischen Abgeordnetenhauses am 23. Februar 1915 sagte dar„VotträrtS"-Redakteur Abg. Ströbel: „Ich bekenne ganz offen, daß ein voller Sieg des Reiches den Interessen der Sozialdemokratie nicht entsprechen würde." Am 6. November 1917 schrieb de?„Vorwärts" selbst: „Warum noch Krieg?"— Wir mästen uns heute darüber klar werden, daß die eigentlichste und tiefste Ursache dafür, daß es st ungeheuer schwer ist, zum Frieden zu kommen, in den militärischer! Erfolgen Deutschlands liegt." Aehnlich äußerte sich der Abg. Scheidemann am 2g. Septem-l her 1918: „UcbriyenS waren wir immer dann, wenn unsere militärische Situation am glänzendsten war. in heftig st er Op° vssition." zerlaugte» Gestein welter aufschließen und dadurch den Prozeß be- schleunigen, der den Schutt der Berge in nutzbar« Erde wandelt. Wie Adolf Koelsch in den„Sozialistischen Monatsheften" auf Grund von Forschungen, die in den Berichten der Deutschen Votani« schen Gesellschaft veröffentlicht werden, mitteilt, sind aber auch Organismen die eigentlichen Vernichter und Auflöser von Gestein, und zwar werden diese harten Massen am erfolgreichsten von den Flechten annegriffen. Diese Gebilde, die aus einer Lebensgsmein- fchaft von Pilzfäden und Algen bestehen und als erste Bewohner aus nackten Felsoberflächen erscheinen, entwickeln eine sehr be- deutende gesteinslösende Tätigkeit. Bor allem unter den Kalk- flechten gibt es Formen, die sich keineswegs nur damit begnügen, jene erste Humusschicht auf der Gesteinsoberflöche zu bilden, auf der dann Gewächse höherer Ordnunq ensstehen können. Diele Flech- ten dringen vielmehr aktiv in das Gestein ein und bohren sich so in sein Inneres, daß ihre Fadengeflechte vollständig unter der Ober- fläche verschwinden und. sogar die Ausbildung der Fruchtbecher im Innern der Felsen erfolgt. Den Weg ins Innere bahnen sie sich selbst, und zwar ist der bahnbrechende Teil bald der Pilz und bald die Alge. Sie bedienen sich dabei stark säurehaltiger, kalklösender Stosfwechselerzeugnisse, die ihren Fadenspitzen entquellen. Die Flechten fressen so enge schachtartige Höhlungen, die nach allen Seiten auseinaudersprosten, in das Gestein, durchlöchern auf diese Weise die Felsen und arbeiten den anderen Einflüsten vor, die sie dann vollends zerbröckeln. Komödienhaus:„ver blonde Engel". Das Operettengastspiel im Komödienhaus hat sich mit dem Musikalischen Schwank„Der blonde Enqel" einen vollen Sommererfolg gesichert. Es weht alte Berliner Sckwankluft in dem Libretto der Herren Richard Keßler und Artur R e b n e r. Ziemlich die alten Requisiten, aber famos und lebenskräftig aufgefrischt. Dabei als Untertcn von herzigem, anständigem, derbem, nicht kitschigem Humor, der sofort gefangen nimmt. Auch die Gesangsterte von Sie n dick sind vernünftige Liedchen, nicht wie sonst ödes Rcimgeklingel. Und Robert Winter- b e r g, der ganz hervorragend leibst dirigierte, hatte dazu eine Ver- tonung geliefert, die zu seinen allerbesten zählt. Frisch und frei, nicht Originalhöhenluft, aber eine gesunde Ebenenbrise, die in Schlagern wie„Ich möcht mal so alleine" oder dem zwerchsell- erschütternden„Bimmy-Ensemble" ihre ausladenden Höhepunkts hat. Die Ausführung war erstklassig. Georg L a s e l t, der unechte „Witwer" und richtige Schwonkpapa, Iosefine D o r o, seine eben- bürttge Frau und hinreißende Coupletsängerin, Paul Heide- mann, der Unglückssohn, der mit seiner Naivität Berge versetzt, Ida M a r s e n. die wunderbar feinsinnige Rosel. dazu der schneidige Kurt Busch, Julius R o g g und andere bildeten«in mustergültiqes Ensemble, das dem Regisseur Hermann Feiner alle Ehre machte. Inge van der Straaten, die mit ihrer entsetzlich brüchigen Sprechstimme zuerst ordentlich auf die Nerven fiel, zeigt sich als „blond«r Engel" doch im ganzen aut voller Höhe. H.M. Das Dents-be Landestbeater in Prag ist str die Deutschen end- gültig verloren. Die letzte Instanz bat die„Besitzstörungsklage- des ThealerdirettorS Leopold Krämer abgewiesen. Am 20. Oktober 191S erklärte wiederum der„Vorwärts�: .Teutschland soll— das ist unser fester Will«— seine Kriegs flagge für immer streichen, ohne sie das letzte Mal sieg« reich heimgebracht zu haben." Und nach dem Zusammenbruch der Front verkündete dann am g. November ISIS Herr Scheidemann triumphierend von der Frei- treppe deS Reichstags: Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Die sozialdemokratische Herkunft dieser Beweisstücke wird auch der„Vorwärts" nicht bestreiten können. Trotz des Schlußsatzes müssen wir zunächst feststellen, daß die„Kreuzzeitung" an der Spitze ihrer Liste wieder mit zwei Männern(Haase und Ströbel) operiert, die während des Krieges unabhängige und nicht fozialdemokra- tische Politik getrieben haben. Doch das ganze ist nur ein plumper Versuch, die Sache auf ein anderes Gebiet zu lenken. Hier ist die Rede von einer inderArmeege- triebenen Propaganda mit dem Ziele, diese zu zersetzen und aufzulösen. Mit diesem Thema hat überhaupt nur das erste Zitat der.Kreuzzeitung", der angebliche Ausspruch Haases, etwas zu tun, alles andere gar nichts. Wir erlauben uns im übrigen, die Echtheit dieses Ausspruches zu bezweifeln, solange die„KreuMitung" nicht einmal anzugeben weiß, wann und wo er gefallen sein soll. Dieses Zitat riecht sehr stark nach a l l d e u t- scher Erfindung. Alle anderen Zitate haben aber mit der angeblichen Zerrüttung der Armee Überhaupt nichts zu tun. Zu den letzten Zitaten ist überdies zu fragen, wie Aus- fprüche vom 20. Oktober und 9. November 1918, also zu einer Zeit, wo die militärische Niederlage läng st besiegelt w a r. diese erst hätten hervorrufen können. Aber nicht nur bei diesen dreien, sondern auch bei den vorhergehen- d e n Zitaten können wir feststellen, daß es sich um Sätze han» delt, die aus jedem Zusammenhang und Sinn gerisien sind, die aber nicht einmal in ihrer ent- ftellten Wiedergabe als Beweise einer Propaganda für die deutsche Niederlage angesehen werden können. Die Stellung der Sozialdemokratie im Weltkrieg ist eine ge- schichtlich so klare Tatsache, daß der Versuch, sie mit drei oder vier künstlich zurecht gefeilten Sätzckien aus der Welt zu schaffen, sich selber zur Lächerlichkeit ver- dämmt. Wenn aber die„Kreuzzeitung" Zitate Nebt, so können wir ihr gern eine Reihe von Aussprüchen konservativer Männer, wie Adam Röder, Graf K a r d o r f f und sogar Graf v. Reventlow zur Verfügung stellen, die beweisen, daß der schlimmste Verderb des deutschen Heeres keine zer- setzende Propaganda, sondern Hochmut und Brutali« tät des Offizierkorps gegenüber den Mannschaften war._ die Verlegenen. Nachdem der Himmel über Nacht nicht das Wunder ge- währt hat, die ganze Geschichte nicht wahr sein zu lasten, sieht sich selbst die.Deutsche Zeitung" endlich genötigt, an der ver- stecktesten Stelle ihrer heutigen Morgenausgabe— im unpolitischen Teil!— mit ganzen 34 Zeilen über den Prozeß und die Verurteilung des Exprinzen Eitel Friedrich zu be° richten. Mar Maurenbrechsr wird langsam reif sür den Hohcnzollernschen Hausorden, den wir dem Ver- faster der„Hohenzollernlegende" von Herzen gönnen. „Deutsche Tageszeitung" und„Tägliche Rundschau" möch- ten gern Entrüstung mimen, weil der„Vorwärts" einiges zu der Angelegenheit geschrieben hat, aber es fällt ihnen ersichtlich schwer.' An die„Deutsche Tageszeitung" hätten wir insbeson- dere eine Frage zu richten: Als im November 1920 der„Bor- wärts" die fürstliche Schieberclique um das Bankhaus Gruster, Philippson u. Co. bloßstellte, war sie es. die behauptete: In Wahrheit ist bereit» festgestellt, daß auch nicht ein Mitglied des früheren preußischen Königshauses irgendwelche Beziehungen zu dieser Firma(Gruster, Philippson u. Co.) hatte. Möchte die„Deutsche Tageszeitung" sich nicht einmal darüber erklären, wie diese Bebauptung mit den tatsächlichen Ergebnissen des Prozesses übereinstimmt? » In der heutigen Morgenausgabe des„ßokalanzeiger" finden wir folgende Annonce: Achtung, für Sammler, Taschentuch der Kaiserin Auguste Dlktorta zu verkaufen. Offerten unter„H. Sw. 183" Nebenstelle d. Bll, Uhland- straße 142. Das Inserat sagt leider nicht, ob das Taschentuch auch noch Spuren der allerhöchsten Benutzung aufweist. Da- durch könnte es noch vielfach an Wert gewinnen— wenigstens bei der Gemütsverfassung gewisser Monarchisten. Das Urteil üer Parteigenossen. Sassel, 10. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Am Mittwoch abend nahmen die Vertreter der Kasteler Parteiorganisa- tionen in einer stark besuchten Versammlung Stellung zu der An- nähme de, Ultimatums und zum Wiedereintritt unserer Partei in die Regierung. Noch einem eingehenden Referat de» Landtags- abgeordneten Genossen H a u s chi l d faßte die Versammlung«in- stimmig eine Entschließung. Darin wird die Zustimmung der Reichs. tagsftaktion zum Ultimatum und der Eintritt der Sozialdemokratie in die Reichsregierung gebilligt, weil dadurch eine Regierung zur Erfüllung des Ultimatums zustandegekommen ist und der Vor- marsch der Franzosen, die Besetzung des Ruhrgebietes mit ihren katastrophalen Folgen für die deutsche Industrie und insbesondere für die deutsche Arbeiterschaft sowie der Verlust de» oberschlesischen Industriereviers abgewendet worden sind. INit aller Entschiedenheit spricht die Entschließung die Hoffnung aus, daß die Reichstagssraktion jeden Versuch der Deutschen Volks- par.tq, nachträglich in die Regierung zu gelangen, rückhaltlos zurück- weisen wird. Mit wenig rühmlichen Ausnahmen hat die Deutsche Volkspartei sich«us parteiogi tatarischen Gründen feige um das Ja gedrückt und es der Sozialdemokratie über- lasten, die Deutschland drohende Katastrophe abzuwenden. Die Deutsche Voltspartei hat sich damit selbst ausgeschaltet und muß im Volksintereste kaltgestellt bleiben. Die Entschließung spricht dann aus, daß die E r f ü l l u n g des Ultimatums gelingen wird, wenn sofort mit allen Kräften alle erforderlichen Maßnahmen wirtschaftsorganisa- t o r i s ch e r Art getroffen werden. Die Lasten aus dem Friedens- vertrag von Versailles sind so zu verteilen, daß sie in erster Linie von denen getragen werden, deren Zahlungsfähigkeit auch heute noch außer Zweifel steht. GroßSerün Herlins Oevölkerungsbilanz für 1H2V. Endlich wieder Geburtenüberschuß; lleber die Geburten und Sterbcfälle im Gebiete des bisherigen Berlins hat das Berliner Statistische Amt mehrere die Hauptergeb« niste aus 1920 wiedergebende Tabellen zusammengestellt und letzt veröffentlicht. Das Jahr ist seit Ausbruch des Krieges das erste, dessen Ergebnisse eine nennenswerte Besserung zeigen. Die außerordentliche Zunahme der Geburten, die infolge der im November 1918 plötzlich einsetzenden Heeresentlastung sicl vom August 1919 ab bemerkbor machte, bat im Jahre 1920 noch angedauert und ist erst hier voll zur Geltung gekommen. Unter dem Einfluß des Krieges erlitt die Zahl der Geborenen (einschl. Totgeborene), die für 1913 und 1914 noch 42 493 und 39 052 betragen hatte, eine rasche und sehr bedeutende Verringerung. Sie sank für 1915 und 191ö auf 32 249 und 23 639, erreichte mit nur noch 19 458 für 1917 ihren tiefsten Stand und war mit 21 015 für 1918 nur unwesenttich höher. Da« Jahr 1919, dos erst mit fünf Monaten an der Geburtenmehrung beteiligt war, brachte 27 829 Geborene. Für das Jahr 1920, das ganz unter dem Einfluß der Geburtenhochflut stand, waren 34 911 Geborene zu buchen. Gegenüber den 42 493 Geborenen für 1913 ist das freilich immer noch wenig, zu wenig selbst dann, wenn der Bevölkerungsrückgang in Rechnung gestellt wird. Dabei scheint bei den Geburten die nach dem Kriege eingettetene Flut fajon mit 1920 ihren Höhepunkt erreicht zu haben und in 1921 wieder einer Ebbe zu weichen. Nach dem Kriege kam es gleichzeitig mit der Geburtenmehrung zii einer betröchtlichen Minderung der S t e r b e fä l l e in Berlin. Di« Zahl der Gestorbenen(ohne Totgeborene) war hier noch in der ersten Hälfte des Krieges mäßig geblieben: sie stellte sich für 1913 und 1914 auf 28067 und 29 664, für 1915 und 1916 auf 28 572 und 27 147. Die Abnahme in 1915 und 1916 fand zum Teil In dem Bevölkerungsrückgang ihre Erklärung. Dann aber trat plötzlich in 1917 und 1918 mit 34 133 und 85 764 eine ab- schreckende Zunahme der Sterbefälle ein. Das waren die Folgen der Entbehrungen» die der Krieg dem l * i i 1 ! i I t I j I i ) i Veränderung unsererFernsprechan Schlüssel Infolge des Umbaues unserer Telephonanlage verändern sich die Fernsprechanschlässe wie folgt: REDAKTION Moritzplatz 15195=97 Vorwärts- Verlag(Zeitungsverlag) sowie Hauptexpedition und Inseratenabteilung Moritzplatz 11753-54 Nachtexpedition wie bisher Moritzpiatz 15195 Buchdruckerei u. Buchhandlung (Verlag und Sortiment) 15190-94 L Wir bitten, vor allem von der Veränderung der Tele- phonnummem der Redaktion Kenntnis zu nehmen, damit bei Ferngesprächen von Orten ausser- halb Berlins keine Verwechslungen mit den bisherigen Nummern stattfinden. X deutschen Volke gebracht hatte. Unter seinen immer fühlbarer gewordenen Einwirkungen erlagen in Berlin z. B. im Oktober 1918 die durch lange Unterernährung Geschwächten und Zer- mürbten zu Tausenden der Influenza und der sich anschießenden Lungenentzündung. Demgegenüber bedeuten die 31 307 und 30 982 Sterbefälle aus den Jahren 1919 und 1920 eine bcttächtliche Minderung. Doch sind auch hiermit noch nicht wieder die nie» drigen Zahlen der Zeit vor dem Krieg« erreicht.(In den Kriegs- jähren sind die Gefallenen ni ch t mitgezählt.) Dos Erfreulichste an dem Ergebnis von 1920 ist, daß dieses Jahr zum ersten Male wieder Geburtenüberschuh gebracht hat. Werden von den oben mitgeteilten Zahlen aller Se- borenen die der Totgeborenen abgezogen, so bleiben sür die acht Jabre 1913—1920 40 833. 87 493. 80 993. 22 708. 18 725. 20 228. 27 829. 33 469 Lebendgeborene. Dieselben Jahre hatten, wie oben angegeben. 28 067. 29 664, 28572. 27 147. 34 138, 35 764. 31307, 30 982 Gestorbene(ohne Totgeborene). Mithin belief sich der Ge- borenenüberschuß für 1913 auf 12 766, für 1914 noch auf 7829, für 1915 nur noch auf 2421. Dann kamen Jahre mit Gestorbenenüber- iuß, 1916 mit 4489, aber 1917 und 1913 mit 15 413 und 15 536. ließlich 1919 mit noch 3478. Erst für 1920 ist wieder ein Ueber- >uh von Geborenen zu verztichnen, zunächst nur 2487. Ob in 1921 das Ergebnis sich welter besiern wird, muß abge- wartet werden. Bisher hat gegenüber 1920 die Sterblichkeit nach- gelassen. 1920 forderten Influenza und Lungenentzündung im Februar viele Opfer. Niemand kann wisien, ob wir diesmal von Epidemien verschont bleiben._ Die polnischen„Donnen". Einen lnteresianten Einblick in das Leben und Trekbsn der „östlichen" Falfchmünzer gewährt das Ergebnis der Ermittlungen. die die Folfchqeldabteilung der Reichsbank im Anschluß an die Au»- Hebung der Sydowfchen Druckerei in Lichtenberg anstellte. Die Nachforschungen führten zur Aushebung von drei Falschgeld� fobriken in verschiedenen Städten und zur V e r h a f t u n g von fünf Falschmünzern, während es dem Huupt der Bande bisher gelang, sich der Festnahme zu entziehen. Mit der Lahm- legung der Syoowschen Druckerei und der Schließung der drei anderen Fabriken scheinen die Quellen verstopft zu sein, aus denen der„Tonnenhandel" mit falschen polnischen Tausendmarkscheinen schöpft«, über den wir kürzlich berichteten. Die FSlscherbonde hauste zunächst in der Gegend von Kalisch, kam dann nach Deutschland und richtete sich zu gleicher Zeit in Berlin, Breslau, Hanno- ver und Wiesbaden ein. Auf der Suche nach einem Drucker trafen die Galizier in der Kantstraße zu Eharlottenburg den Buch- drucker S y d o w, der in der Dottistraße zu Lichtenberg einen kleinen Betrieb unterhielt. Er beschafft« eine Steindruckpresse, wodurch er 2500 Mark verdiente, während er durch den Druck des Falschgeldes solche Einnahmen nicht erzielen tonnte. Die Platten hatte ein als der„Pate r" bezeichneter Galizier namens Abraham Frei- d e n r« i ch angefertigt, der als außerordentlich fromm be- zeichnet wird. Nach und nach wurden die Galizier gegen Eydow mißtrauisch. In einer Nacht kamen sie in die Druckerei hereinge- stürzt und schafften die Druckbogen weg. So sich nun Sydow den Lohn seiner Arbeit gefährdet. Er machte sich aus die Suche nach den Galizier« und fand auch mehrer« in verschiedenen Hotels wieder. Diele führten ihn nach der Oranienburger Straße m ein Quarkler, In dem 10 ihrer Landsleute zusammenhausten. S-idow ließ sich von ihnen bewegen, wieder wettere Sorten zu drucken. Er hatte bereite 200 polnische Tausendmarkscheine hergestellt, als die Falsch- geldabteilunjj der Reichsbank eingriff und die ganze Werkstatt aus- räumte. Die weiteren Ermitttungen führten setzt zur Verhaftung von fünf Galiziern namens Iuda Hiller, Abraham Sonnenfeld, Alfred Ehrlich und die Gebrüder Alfred und Moritz Harries und zur Entdeckung und Aushebung der Fabriken in Breslau, Hannover und Wiesbaden. Der„Dater" wird noch eifrig gesucht. keine 5ahrpre!serhöhungen zum I.Jmn! Steigende Frachten. Wie oerwutet entgegen den bisherigen Nachrichten, sind die Beratungen über die Feststellung der neuen Preise im Vorort- und im Fernverkehr, srevett die nähere Umgebung Berlins in Betracht kommt, noch nichts abgeschlossen. Der Grund soll darin zu suchen sein, daß di« Ankündigung der zum 1. Juni eintretenden Erhöhung aller Fahrpreise zu einer panitahnlichen Mucht von Fahrgästen der 3. zur 4. Wagenklasse geführt hat. Man beginnt wahrsch-inlch einzusehen, daß sich eine 50. bis lOOprozentige Erhöhung der Monatskarten nicht ohne weiteres durchsühren läßt. Erbitterung hat auch in Arbeiterkreisen die bedeutende Erhöhung der Wochenkarten her- vorgerufen. Man darf also annehmen, daß die zum 1. Juni ge- plante Erhöhung aller Fahrkarten in den: bisher beabsichtigten Umfang nicht durchgeführt werden kann. Um so größere Beachtung seitens aller Konsurnenten verdient jedoch die sich abseits von der Oeffentlichkett vollziebende Verteile- rung sämtlicher Bahntarif«. Beispielsweise kostet di« Fracht sür 30 Zentner Obst von Karlsruhe nach Berlin 2050 M. gegenüber 88 Mk. im Jahre 1914. Auf diese Weise werden in Berlin alle Lebensmittelpreise dauernd erhöht. Der letzte Grund zur Er- höhung der Frachten liegt aber in der ständigen Erhöhung der Kohlenpveise. vereitelter Naubmorüanjchlag auf einen Juwelier. Ein Täter erschossen, ein zweiter verhasict. Bei einem vereitelten Raubüberfall erschossen wurde in der vergangenen Nacht in dem Hause Wartenburgstraße 15 ein Mann von etwa 30 Iahren, dessen Persönlichkeit noch festgestellt werden muß. In dem Hause wohnt im hohen Erdgeschoß der 31 Jahre alte Kaufmann und Juwelier Albert Guschke, der in der Belle-Alliance- Straße 23 mit seinem Vater ein Ladengeschäft betreibt. Aus ver- dächtigen Wahrnehmungen, die ihm zu Gehör kamen, schloß er, daß gegen ihn oder sein Geschäft etwas geplant wurde. Er wandte sich an die Kriminalpolizei, die ihm auch ihren Schutz ang«deihen ließ. In der vergangenen Nacht waren mehrere Beamte in der Wohnung Guschkes und draußen auf dem Posten. Die Vermutung Gufchkes bestätigte sich. Kurz vor 12 Uhr drängen drei Männer mit Nach- schlüsseln in da» Hau» und durch das Bureau in das Wohn- und Schlafzimmer des Juweliers ein. Als sie sich auf den Mann, der im Bette lag, stürzen wollten, traten ihnen di« Beamten aus ihrem Versteck entgegen. Einer der drei erhob sofort eine Schußwaffe. Die Beamten kamen ihm sedoch zuvor und gaben mehrere Schüsse auf die Einbrecher ab, von denen einer tätlich gettoffen zusammenbrach. Eine Kugel prallte vom Ofen zurück und oerletzte den Beamten selbst am Fuße. Es gelang, einen zweiten Einbrecher fest- zunehmen, während der dritte die Flucht ergriff und entkam. „Vorwärts"«nd Proletarierekend. Unter dieser Ueberschrift brinqt die„Rote Fahne" in ihrer Nummer 219 ein« demagogische Kritik unserer Sonntagsplauderei: „Abseits vom Frühling", und nennt dann diese Schilderung „den Gipfel der Heuchelei".„Gerade die Rechtssozialisten", so schreibt sie,„haben während ihrer zweijährigen Tätigkeit tn der Regierung nichts Entscheidende» unternommen, um die durch den zusammenbrechenden Kapuai'smus immer mehr zunebmende Berelendung weiter Proletarierschichten aufzuhalten." Dam, wird na- türlich an Noske, Heine, Hörstnq, Sipo und Reichswehr erinnert, und zum Schluß heißt es:„Erst die Errichtung der Diktatur des Proletariats ist Gewähr dafür, daß in erster Linie allen Arbeitenden Wohnung, Kleidung und Nahrung zuteil wird." Wir gcftehen mit Vergnügen, daß wir auf diese Anpöbelimg der „Roten Fahne" gefaßt waren. Es ist doch so selbstverständlich, daß die Kommunisten, die durch ihr ganzes Verhalten zur Dergröße- rung des Proletarierelends in reichlichstem Maße beigetragen haben, nach der nur zu bekannten Methode:„Haltet den Dieb!" arbeiten müssen. Haben im heiligen Rußland, wo ja doch nach dem so ge- priesenen Allheilmittel der proletarischen Diktatur regiert wird, etwa alle Arbeitenden Wohnung, Kleidung und Nahrung in aus- reichendem Maße? Wohl ist dort der russische Kapitalis- mus zertrümmert worden, ober nur um den E n t e n t e k a p i t a- l i s m u s auf Umwegen wieder hereinzulassen. Absolutismus und Imperialismus blühen dort in Nußland, die Methoden des Zaren sind von den gelehrigen Schülern Lenin und Trotzt! noch Lbertrölfen worden, und es steht Leuten, die das vorgehen der Kommunisten gegen diejenigen, die sich des Zwanges entledigen wollen, gut heißen, die mit der Erdrosselung der sozialistischen Georgien sich ein- verstanden erklärten und in heißem Bemühen um die Sipo warben, schlecht an, über diese herzuziehen. Im übrigen hat Paul L c v i seinen ehemaligen Freunden die beste Antwort gegeben, als er an die Spitze feiner bekannten Broschüre als Motto Florian Geyer» Ausspruch setzte:„Die beste Sache, die edelste Sache, in Euren Händen ist sie gewest wie das Kleinod im S a u st a l l."_ Das Gtorchneft verschwindet! In dem ehemaligen fiisckerborf Stralau war eins der wenigen Ueberbleibfel aus alter Zeit di« mehrere Jahrhundert alte, der Berliner Ausflliglern recbr bekannte Baulichkcit„Zum Storcknest", die ober sckon lange nickt mehr als Restauranl benutzt wurde. Auf dem verwitterten Holztnrm nistete alljährlich durch Generationen hindurch eine Etorchenfamilie. In den letzten Jahren waren die gesamten Baulichkeiten so baufällig geworden, daß sie nunmehr ab« gebrochen werden. Eine verhängnisvolle Sege'partie. Der 27 Jahre atte Schlächter Paul Päschte au« der Prenzlauer Allee 25-S« machte am , weiten Pfingstfeienog mit seiner Braut, der 17 Jahre alten Charlotte König au.S der RathauSüraße 18 zu Lichtenberg und drei Bekannten eine Segelpartie aui dem Heiligeniee. Gegen 2 Uhr nachmittags kenterte das Boot und Päichke und seine Braut, sowie zwei andere Insassen des Bootes fielen ins Wasser. Während es den beiden anderen gelang, sich durch schwimmen zu retten, fand da« jung« Paar den Tod in den Wellen. Gestern abend»m 9 Mir wurden beide Leichen gelandet. Sie wurden nach dem Schauhause in Berlin gebracht. Einer Spiritusexplostoa wegen wurde der 11. LösSzug nach der Mtttenwalder Straße 23 gerulen. Die Wohnung«« inhoberin Frau P o l a m z e ck hatte, als sie in der Küche Feuer anzünden wollte, durch die Explosion einer Flasche Spi« r i t u S so schwere Brandwunden am ganzen Körper erlitten, daß sie sofort na» dem Urban- Krankenhaus geschafft werden mußte. Besonders schwor find die Verletzungen am Kopf und an den Händen. Lebensmittel in Schsneberg. In Schöueberg-Friedenau findet vom >g. bis 24. Mai Voranmetdunq statt fvr je 2S0 Gramm Gebäck aus den link» am Mittelstück der Milchlarte D 1 und D II besmdlichcn Abschnitt, gekennzeichnet am Ende durch ein kleines sreies Feld. Ausgegeben werden in der nächsten Woche: 800 Gramm amer. Weizenmehl und 2 Päckchen Ker» Puddingpulver aus Abschnitt b der Gioß.�eciiner Lebensmittel- Bqttk XL GewerMofisbewegung Tagung der Cafskellner. Die Cafekellner hielten in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag im Cafe Stern eine außerordentliche Versammlung ab, in der mitgeteilt wurde, daß der Streik abgebro che n sei. Näheres soll noch bekanntgegeben werden. Den größten Teil nahm die Wahl eines B r a n ch e n l e i t e r s in Anspruch. Ueber die Kandidatenfrage wurde lange und sehr lebhaft debattiert. Der Kom- munist Richter erhob gegen den Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbund wieder die alten Angriffe, daß nicht genug für die Ar- beitslofen geschehe und daß die schwache Beteiligung an den Ver- sammlungen auf den Mangel energischer Führung beruhe. Von anderen Rednern wurden diese Behauptungen zurückgewiesen. Die nachlassende Beteiligung am gewerkschaftlichen Leben sei wesentlich auf die kommunistischen Treibereien zurückzuführen. Durch diese würden vielen Kollegen die Versammlungen oerekelt. Wieseke sprach sich dahin aus, daß man alle Ursache habe, zu- nächst einmal die dringend notwendige praktische Arbeit zu leisten und die parteipolitischen Fragen beiseite zu lassen, dafür aber alles Einigende in den Vordergrund zu stellen.— Bei der Wahl wurde Richter gewählt.— Die Ergänzungswahlen zum Vor- stand wurden vertagt. Die Bekanntmachungen sollen im„Vor- wärt s", der„Freiheit" und der„Roten Fahne" erfolgen. Die Arbeitslofigkeit im Bekleidungsgewerbe! Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband berichtet über den Stand der Arbeitslosigkeit am 1. Mai 1921 folgendes: Am Schluß des 4. Quartals waren in 334 Filialen 121 621 Mitglieder vorhanden. Ueber den Stand der Arbeitslosigkeit im Monat April haben 115 Fi- lialen mit 95 319 Mitgliedern berichtet. In 55 Filialen mit 7336 Mitgliedern waren Arbeitslose oder oerkürzt Arbeilende nicht vor- Händen. Hingegen waren in 69 Filialen mit 88 943 Mitgliedern .2981 Mitglieder oder 2,3 Proz. arbeitslos. Verkürzt arbeiteten 3176 Mitglieder oder 3,6 Proz. Gegenüber dem Vormonat ist eine ganz bedeutende Sen- kung der Arbeitslosigkeit eingetreten. Da in den Mo- naten März und April der Borkriegszeit Tausende von Arbeits- kräften in der gesamten Bekleidungsindustrie gesucht wurden, jetzt aber immer noch Arbeitskräfte überzählig sind, ist von einer gün- stigen Geschäftskonjnnktlir noch nichts zu spüren. Die Firma F. W. Gumpert, Konditorei und Cafe, Neue König- straße, wollte in die Arbeitsordnung die Bestimmung aufgenommen wissen:„Politische Betätigung irgendwelcher Art während der Arbeitszeit ist verboten." Der Arbeiterrat weigerte sich, dieser mindestens überflüssigen Bestimmung in der Arbeitsordnung beizu- pflichten, weshali) die Firma den Schlichtungsausschuß anrief. Am 12. Mai kam es zu einem Schiedsspruch, wonach das Verlangen des Arbeitgebers nicht berechtigt ist. Eine poliUsch-agitatorische Tätigkeit während der Arbeitszeit solle allerdings nicht ausgeübt werden.„Da aber die Auslegung des äußerst dehnbaren und unbestimmten Be- griffs der politischen Betätigung Anlaß zu Meinungsverschieden- heiten und Differenzen bietet und somit ein gedeihliches Zusammen- arbeiten und die Ruhe im Betriebe stören könnte, erscheint ein gänz- liches Fehlen dieser Bestimmung in der Arbeitsordnung angebracht, um so nrehr, als die gewerkschaftliche Betätigung(die ja im gewissen Sinne auch eine politische Betätigung bedeutet), möglichst nur in den Pausen durch tarifliche Vereinbarung gestattet ist, hiermit also schon zur Genüge zum Ausdruck gebracht wird, daß im Gegensatz hierzu eine pclitisch-agitatorische Tätigkeit zu unterbleiben hat." Diese Belehrung wird der Firma wohl genügen. INetallarbeiterstreit in Prag. Mittwoch haben die Arbeiter in den Betrieben der Ersten Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik, der Elektrotechnischen Fabrik Kolben u. Co. und in der Elektrotechnischen Fabrik Fr. Krisik die Arbeit niedergelegt. Diese drei Betriebe be- schästigten rund 6999 Arbeiter und Arbeiterinnen. Soziales. Das Recht aus Urlaub. Von zuständiger Seite wird der„Dena" mitgeteilt: Gemäß§ 4, Ziffer 9 des Tarifoertrogs für die Angestellten bei den R e i ch s- u n d den preußischen Staatsverwaltungen vom 6 Novem- ber 1929 ist über die Regelung der UrlaubszeitenderLlnge- st e l l t e n für das Jahr 1929 und die folgenden Jahre eine neue Ver- einbarnng getroffen, durch die% 4 des Manteitarifoertrages nunmehr folgende Fassung erhält: Jedem Angestellten wird, soweit die dienstlichen Verhältnisse es gestatten, im Anschluß an eine u n u n t e r brocheneDienstzeit vonmkndestensfechsMonatenim Reichs- oder Staatsdienst alljährlich Urlaub unter Fortzahlung der Dienstbezüge gewährt. Der Urlaub wird auch Angestellten gewährt, die sich in gekündigter Stellung befinden, einerlei, ob sie selbst gekündigt haben oder ob ihnen ohne ihr Verschulden von der Behörde gekündigt worden ist. Ohne Gewährung der Vergütung kann Urlaub bis zu einem Jahre bewilligt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt: als solcher gilt auch Fortbildung. Die Dauer des Urlaubs beträgt nach einer Dienstzelt von 6 Monaten 7 Kalendertage, nach einer Dienstzeit von einem Jahr 14 Kalendertage, nach einer Dienstzeit von drei Iahren 17 Kalender- tage, nach einer Dienstzeit von fünf Jahren 21 Kalendertage.. Dazu erhalten diejenigen Angestellten, die das 39. Lebensjahr voll- endet haben, einen Zuschlag von insgesamt drei Kalendertagen, die das 49. Lebensjahr vollendet haben, von insgesamt 5 Kalender- tagen, die das 59. Lebensjahr vollendet haben, von insgesamt 7 Tagen. Außerdem tritt ein weiterer Zuschlag von insgesamt drei Kalendertagen für die Angestellten in den den Besoldungsgruppen 5 bis 8 entsprechenden Vergütungsgruppen, sieben Kalendertagen für die Angestellten in den den Besoldungsgruppen 9 bis 12 entsprechen- den Vergütungsgruppen, 14 Kalendertagen für die Angestellten in der der Besoldungsgruppe 13 entsprechenden Vergütungsgruppe hinzu. Diejenigen Angestellten, die auf Veranlassung der Behörde den Urlaub in der Zeit vom 1. November bis 3 9. April nehmen müssen, erhalten einen Zusatzurlaub bis zu höchstens 7 Tagen. Angestellte mit einer im Reichs- oder Staatsdienst abgeleisteten Dienst- zeit von mindestens 19 Iahren erhalten den Urlaub der entsprechenden und gleichaltrigen Beamten. Das Urlaubsjahr läuft vom 1. April bis 31. März, als Stichtag gilt der erste Urlaubstag. Ein durch die gesetzlichen Versicherungsanstalten oder durch die Versorgungsbehörden verordneter Kuraufenhalt darf auf den Jahresurlaub nicht angerechnet werden. Bei Bekanntgabe der neuen Urlaubsregelung ist jedoch den Angestellten zu eröffnen, daß das Reichstabinett bei Regelung des diesjährigen Urlaubs zum Aus- druck gebracht hat, daß die für 1921 genehmigten Urlaubszeiten nur wegen der noch andauernden besonders schwierigen Wirtschaftslage zugestanden seien und daß die Urlaubsdauer im Jahre 1922 un- bedingt einer Kürzung unterzogen werden solle. In diesem Falle würde für das Jahr 1922, da Preußen mit dem Reiche sich in Tarif- gemeinschaft befindet, auch eine neue Vereinbarung hinsichtlich der Urlaubszeiten der Angestellten der preußischen Staatsverwaltung zu treffen sein._ Die Einreichungsfrist für ehemalige Kriegsgefangene. Die Einreichungsfrist für ehemalige Kriegs- gefangene, die bisher keine Ansprüche aus Nachzahlung der militärischen Löhnung für die Zeit der Kriegsgefangenschaft oder auf Entschädigung für bei der Gefangennahme geraubt« Gegen- stände geltend gemacht haben oder die wegen Fristüberschreitung abgelehnt wurden, l ä u f t a m 1 9. I u n i d. I. a b. Es wird drin- gend gebeten, die obige Frist innezuhalten. Alle ehemaligen Kriegsgefangenen, die schon Anträge gestellt haben(früher oder in letzter Zeit) und bisher ohne Antwort geblieben sind, müssen sich weiter gedulden, da alle in Frage kommenden Dienffftellen mit der Aufarbeitung der schwebenden Anträge beschäftigt sind, so daß in absehbarer Zeit Erledigung zu erwarten ist. Es ist daher zweiftos, in solchen Fällen an irgendeine Stelle heranzutreten. Kriegsgefan- gene aus dem früheren Stadtkreis Berlin wenden sich schriftlich an den Zentralhilfsausschuß Molken- markt 9/191: ehemalige Kriegsgefangene der neuen Ver- waltungsbezirke richten ihre Anträge nur schriftlich an die am Sitze der Verwaltung der ehemaligen Vororte noch bestehenden Hilfsausschüsse._ WirtslHaft Die Ruhrkohlenförderung. Die Kohlenförderung des Ruhrbeckens einschließlich der linksrheinischen Zechen beträgt: Gesamt» Zahl der arbeitstSgliche förderung Arbeitstage Förderung April 1921..... 7 894 985 26 393 653 März 1921..... 7 685 185 25 397 407 Februar 1921.... 8 174 606 24 340 609 April 1913..... 9 969 569 26 383 445 Im Vergleich zum letzten Ueberschichtenmonat Februar ist im April arbeitstäglich eine Minderförderung von rund 37 999 Tonnen zu verzeichnen, die auf den Ausfall der Ueberfchichten zurückzuführen ist. Auf den ganzen Monat berechnet, ist demnach bei 25 Arbeitstagen mit einem Förderousfall von mehr als 999999 To»»« nen zu rechnen. Bei der Märzförderung fft zu beachten, daß die Ueberfchichten erst am 14. März in Fortfall gekommen sind und daß die Förderung im März durch die mit dem Kommunistenaufstand verbundene teilweise Arbeitsniederlegung erheblich gelitten hat. Gegenüber dem gleichen Monat im letzten Friedensjahr April 1913 beträgt die Minderförderung rund 89 999 Tonnen arbeitstäglich. Im Ruhrbergbau wurden Ende April 542 598 Arbeiter beschäftigt. Infolge des Rückgangs der Kohlenförderung konnten trotz des geringen Wasserstandes die Ansprüche an die W a g e n g e st e l l u n g beftiedigt werden. Es wurden arbeitstäglich 21 444 Wagen gestellt gegenüber 22 979 Wagen im Monat März. Die Lagerbe stände sind von 877 999 Tonnen Ende März aus 428 799 Tonnen Ende April zurückgegangen._ Oesterreichs Außenhandel. Deuffchösterreichs Einfuhr belief !ich im Jahre 1929 auf 69,6 Millionen Doppelzentner, die Aus» uhr auf 13,2 Millionen Doppelzentner. Die wichtigsten Ein» uhrgüter waren: Lebensmittel(8,8 Mill. Dz.) Kohlen und Holz(41,6 Mill. Dz.), Mineralien(1 Mill. Dz.), Eisen und Eiseiu waren(über 1,1 Mill. Dz.). Ausgeführt hat Deutschösterreich u. a.: Holz 3,7 Mill. Dz.), Mineralien(3 Mill. Dz.), Eisen 1,8 Mill. Dz.). An der Einfuhr Deutschösterreichs hat Deuffchland sehr erhebliche« Anteil. Mehr als ein Drittel der Einfuhrwaren, nämlich 22 Mill. Dz., darunter 19,4 Mill. Dz. Kohle wurden von hier nach Oesterreich importiert. Dieses führte nach Deutschland 2,2 Mill. Dz. Waren aus. Verantw. für den redest. Teil: Dr. Werner Pciser, Charlottenburg: für Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag: Vorloärts-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- lvürtS-Buchdrucksrei n. Verlagsanstalt Paul Cinger u. Co.. Berlin. Lindenstr. S. Gewinn-Auszug »er lt. Preutz.- Südd.(243. Preuß.) Klaffen» SoSerle 5.«lasse. 7, Zi-hungtiag. 18.«a> ISA. ainf 1*6* gezogene Stummer sind»wel gleich hohe wetr-iune gefall«), und»war Je einer auf vi» Dos» gleich« Stumm« w ven bei»«» Stbiellungeu I an» ll Ohne«Woähr. Zlachdruck»erboten, Ja»er«»rmltiag«il-h-og wurdm«ewwne über ZS0»ar» gezogen. 2 zn 10000 M 89490 8 zn 6000 M 83784 191287 218870 80 ZN 3000 M 6886 7775 26498 30190 87888 42424 60806 88748 81011 81308 61423 82549 06142 69299 70360 86618 86867 86063 9388» 108072 177698 121727 13119» 181923 132707 148444 157364 163215 194468 166748 178310 188248 188770 191692£03066 204604 216466 22065» 321833 232918 110 ZU 1000 M 209 6261 6647 8126 12862 16788 16349 30083 33284 34826 36638 37911 46888 49427 60391 60962 68363 63954 64634 66878 68644 76032 73153 79768 8198� 82197 82602 8398» 87682 90301»0495 01286 91797*2781»5871 96878 97182 102086 102415 166168 108903 106*28 113016 186492 136196 137840 142196 143004 143465 143922 146009 146812 147960 149018 168«36 167*42 174323 178626 178163 180640 139101 190018 182700 1*7100 209881 201*61 291841 202268 206080 210433 211333 211441 211786 21195» 215! 84 224000 2242*8 226042 226981 227x06 230848 233483 28**76 287669 288047 228 zo 600 M 3*04 3603 6384 8958 14846 18759 17201 17306 17447 17890 18210 18428 18809£04*6 20877 21141 21315 21483 21829 24099 27420 28594 28680 82271 3337» 33199 33311 30391 42668 44194 46688 46980 47878 49288 54471 67921 67181 67898 60268*2462 63036 63183 63645 66117 68778 70680 71621 73917 75842 7*168 78873 79417 80270 83920 8*077 87428 87833 88167 88248«1701 91824 93674»4309 106964 109023 111783 113203 119731 123088 126094 12«8<0 136074 142900 142938 14*346 1464*1 147188 148611 153008 156036 167397 167632 159790 160315 160866 181888 1813*7 163136 16676» 16*184 168308 186331 173412 177628 178*84 182118 1846*1 188404 191591 192854 196126 195371 197736 204063 210462 21426* 221817 224206 224546 226715 228423 230721 239921 In»er Slachmittaggjiehung iourdm Gewinn« über ISO Mark gezogen, 2 N» 30000 M 152188 8 zn 6000 M 36428 199304 223686 232829 86 zn 3000 M£877 3786 6698 7838 12677 20332 21030 32034 61199 82387 60883 70089 88717 90871 98764 104001 108204 119151 121269 123989 136014 136264 187451 162840 166144 167493 169061 162771 164772 171648 171890 1810*0 190247 196909 201362 202254 206467 211766 221220 222498 232823 237628 238982 184 zu 1800 M 977 8023 8389 14712 1673» 17632 19327 1935420192 28560 24022 24620 27326 28249 29179 30236 30933 36019 36201 36,36 46218 46693 46933 66735 68527 60271 60783 61i»0 62686 64444 71622 78047 76066 78754 84147 66738 88074 89759 92187 93031 936-3 102691 104066 107190 116886 116188 116879 117820 124074 124443 134902 125132 126817 127607 129176 130134 131041 132817 136401 136872 163961 1637-1* 166310 169437 111711 171760 172281 172817 179366 180237 180640 180183 181684 184660 166697 189491 191029 192468 199800 206798 210312 21' 992 211349 211742 214888 217488£14268 224679 226321 228730 236045 236946 200 zn 600 M 453 1841 4810 7344 10389 17383 27718 28690 29167 80477 31617 81961 34985 85368 38125 38686 3890» 40763 44773 47708 50609 62480 54345 64660 64488 67464 67660 68740 68840 70734 73188 73861 74102 76161 78461 83867 83886 87743 91168 91647 106321 108728 109489 110084 111146 111306 113793 116639 116504 119957 121618 124028 130869 132073 135466 136917 138421 189858 141127 144003 162306 162648 164674 164818) 67141 167916 169107 163470 167246 167631] 86813 169161 170773 171868 174871 176510 180736 181642 184976 188378 189025 193947 196016 210260 103875 208414 111391 218534 218*39 218730 220668 221143 221930 222742 226602 226902 281499 232936 237213 238611 « 7udi{alirilt- Niederlage Lamprecht, VerNn. 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Friedrichshagen: Hofsmann, Friedrichghagcn, stürze Strasse 1. Grünau: Franz stl»in. Friedrlchstr 16. Halcnsee, Grunewald: Halensee, Gcorg-Wilhelm-Str. 2. Kerzseide: Martin Emolibowski. Kenniasdoef: E m m U l a f. Rathevaustr. 7. Hohenneuendors: E i e g e r i s. Bismarckstrasse. stohannisibal. jltwin Gammilch Bt-marckstr 8. starlshorft: Frau Stanke. Henfigftr. 82. vorn parterre. stanlsdorf: L i e b i g, Finsterberger Str. 4. Siiniaß.Wusirrhaulen, Nirderlebme: Friede. Baumann. stönigs-Wusterhaufen. Berliner Str. 6. Köpenick. Kirschgarten: Schlag, stietzer Str. 6 sLaden). Geöffnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg I: Lichtenderg, Wartenbergstr. L Geöffnel mut 9—§ Uhr. Lichtenberg II, Ziummelsdurg, Stral,.,: Lichtenberg, Bor. Hagener Str. 82. Geöffnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg III, Friedeichsselde: Frankfurter Allee 185, Laben. Lichtenrade: Franz W i ch u r a, staiser-Friedrich.Etr. 9. Restaurant. Lichterselde-Ost, Lankroi»: s. Wenzel, Lankwitz,«aiser- Wilbelm-Etr. 3. Lichterfelde-West: E ch a e d e 1, Hindenburgdamm 84. Mahlsdorf: Emil Raus». Lrmfestr. 89. Mariendorf: August Leiv. Cbausseestr. 29. Marienfelde: Fritz Greulich, stirchstr. 27: Elldring 762. R-nenhagen: Wenzke. stietulstr. 71. Neukölln: Neckarstr. 2. Geöffnet von 9—6 Uhr. Reukölln-Britz: Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 9—6 Uhr. Riederschön-w-ide: Sartramps. Briickenstr. 10 n. Riederschönhanleu, Nordend:®. Echiiebener Trev- kowstr. 14. Rowawes:»orl strohnberg Eisen babnstr. 10. Oranienburg: H« i n r. Loen Hardt. Stralsunder Str. 6. Oberichöneweide: Robert Paul Mathildenstr. 5. Pankow: Riss mann Mlibtenfte. 70. Potsdam: M. Bierllch Schockstr. 23. Rahnsdorf: T e ch e r s Fvrstftr. 7. Reinickendorf-Ost Zchöoholz: Alborf Wahle. Provinz. strasse 66 rSodenl Reinickendorf-Rosentbal: W. Büro. Prinz-Heinrich-Str. 84. Tchmargendoef: R e h a b. Breite Str. 4. Scköneberg: Beiziger Str. 27. Geöffnet von 9—6 Uhr. Seitzia- Friedewald Ebansseestr. 54 SicutenSst-dt: Sic in, Sleimendama-gUUe SS-c, Spandau: B ul 1 a ck, Mvritzstr. 14, Earth. 8 Tr. Staaken: Frau K n s e r a u, Staaken, Echeidtstr. 12. Südende: Ludwig, Halofeftr. 36. Steglitz:«ehricke. S-tiildhornstr. 12. Tegel, Borsigwalde, Reinickendorf-West,«aldmannslnst, Freie Scholle, Dermsdorf, Birkenwerdee, Bergseide, Stolpe und Borgsdors: Borsigwalde, Ziauschstr. 10, Geöffnet von 8—6 Uhr. Zeltow: st r ü g e r, Schönow, Dorfstr. 9, rempelhof: Kaiser-Wilhelm-Str. 13. Tempelhos: st a n d 1 e r, Hohcnzollernkorso b, Trebbin: G ö r i n g, Bahnhofstr. 62. Treptow: Gramen, � stiesholzstr. 412, vorn i 3X Weitzensee: Berliner Allee S4. Wilban-Kohenlehme: R u d. L e t t o w. Wilhelmshagcn, Heffrnwinkcl: Schulze, Bilh-Im-bagen, Wilhelmstr. 31. »Ilmersdorf: Holsteinische Str. 10,«aiserplatz 15. Wittenau: W i 1 h. gimmermann, Rosentholer Str. 4«, Woltersdorf: Schurbaum. Eichendamm 22. ftedlendors. Schlachtenfee Rikolosse«, W- g n« r. stehle» darf. Teltower Etr. 3. Reuthen. Miersdorf: Ernst Winterfeld, steutben. sturfvrstenstr. 46. zosseu: Albert Stein. Mittenwalber Str. 17. Sämtlich» Literatur sowie alle wissenschaftlichen Weck* werden geliefert. Sonntags Sab die Geschäft sstellen geschlvßea.