Nr.2Z5 ♦ ZS.�ahrgattg Ausgabe A Nr. 119 Bezugspreis: Siertjljäfjtl. 30,— an,, moaatL 10,- M. frei ins Saus, voraus zahlbar, Postbezug: Monatlich 10.— M.,«inschl.Au- fiellunosgebühr. Untcr Kreuzband für Deutschland, Danzig. das Saar- und Msmelgebiet, sowie die ehemals beut- fchen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M. für das Übrige Ausland 27,— M, Post. bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mart Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Borwürts* mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage„Heimwelt" und der Veilazie„Siedlung und Kleingarten� erscheint wochentstglich zweimal Sonn- tags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Verls«- Morgen Ausgabe berliner Volksblstt -'"V (�30 Pfennig) Anzeigenpreis, Die achtgespalten» NonvareMezeil» lostet ifiO all.„SIela» Anzeig«»- das fettgedruckt» Wort ILO Vi.(zu- liisstg zwei fettgedruckte Worte), jedes weiter» Worl l.— M. Stellengesuch» und Schlafstellenanzeigen das erst« Won h— M. jedes weitere Won SO Pfg, Wort» Über lb Buchstaben zühlen Mr zwei Won«, Familien-An- »eigen für Abonnenten geil» 3,— SR. Die Preis» verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag, Anzeigen für die nilchste Rümmer müssen bis» Uste nachmittags im Hountgeschäft, Verlin EW bi». Linden- straße Z, abgegeben werden Gebstnei von S Uhr srüh bis i Uhr abend», Zcntratorgan der fozialdemokratl Pdf en parte! Deutfcbtands Ueöaktio« und Expedition: SW 68, Ändenstr.? Nernfvrslfi�t-- Nebakeio» Morivplals S< sferntpreriicr. Moristplatz 1I7SZ-S4 Freitag, den AO. Mai 19�1 VorwärtS'verlag G.m.b.H., SW 68, Ändenstr. Z Verlag. Exvrditiou und Jnferatr«. Abteilung Moristplatz Nationalistenfturm gegen Srianö. Wenn es bis gestern noch einen Menschen in Deutschland gegeben hat, der die Annahme des Londoner Ultimatums für einen Fehler hielt, so muß er heute eines bessern belehrt sein, wenn er die Kammerreden der Herren T a r d i e u und Bau- dry d'Asson gelesen hat. Gewiß braucht man nicht jedes Wort, dos aus solchem Mmide kommt, für bare Münze nehmen,, und wenn jene Vertreter des extremsten Nationalis- mus finden, daß die Londoner Bedingungen für Deutschland ungemein vorteilhast seien, so wird man dafür hierzulande nur ein bitteres Lächeln haben. Aber was an den Reden der Herren echt und ungekünstelt ist, das ist die grenzenlose, schäu- wende Wut über das Mißlingen ihrer gegen Deutschland ge- richteten imperialistischen Vernichtungspläne, das ist das Ge- fühl der Enttäuschung darüber, daß die erhoffte große Beute, das Ruhrrevier, auch diesmal ihren ausgestreckten Räuber- Händen entglitten ist. Liest man solche Reden, so glaubt man die ganze deutsche Tragödie von 1917/18 wiederzuerleben. Jene verhängnisvolle Weltanschauung der Brutalität, nach der dem Sieger alles erlaubt ist, jener Rausch des Machtgefühls, jene unstillbare Eier nach fremder Völker Land und Gut— sie treten heute in der französischen Kammer genau so unverhüllt hervor wie damals im deutschen Reichstag. Sie haben drüben nicht begriffen, daß auch Deutschland seine Tardieu und Baudry d'Asson hatte und daß solche Politiker ein Verderben für jedes Land sind. Herr M a r g a i n e, Radikaler, Berichterstatter über den Frieden von St. Germain, erscheint gegenüber seinen Vor- rcdncrn immer noch um viele Grade gemäßigter. Aber daß sein Ausspruch, die Oberschlesier weigerten sich seit(500 Jahren, Deutsche zu sein, von der Kammer Mit feierlichem Ernst statt mit der gebührenden schallenden Heiterkeit aufgenommen wurde, zeigt doch wiederum, wie tief die Nationen in ihrem Denken und Empfinden noch voneinander getrennt sind. Herr Briand als gewiegter parlamentarischer Tal- titer läßt erst die Stürme sich austoben, bevor er zu seiner Rechtfertigung das Wort ergreift. Er wird erst heute sprechen und dabei Gelegenheit haben, sich dem Ausland als ein maß- voller französischer Politiker zu präsentieren, wozu ihm die vorangegangenen Redner die Folie geliefert haben. Die Pariser Presie hat längst den 19. Mai, den Tag der beginnen- den Kammerdebatte, als einen kritischen Tag im Kalender an- gezeichnet, aber die größere Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß Herr Driand diesen Tag und die kommenden überstehen wird. « Varl«. 19. Mai.(MTB,) Unter großem Andrang de» Publi- tum» und vor stark besetztem Hause begann heute nachmittag in der Kammer die Beratung der vorliegenden Interpellationen über die auswärtige Politik der Regierung. Als erster Interpellant führte Abg. Henry Tardieu aus, er habe vor der Abreise des Ministerpräsidenten noch London die Frage an ihn gerichtet, ob er mit den Verbündeten verhandeln wolle, damit die lückenlose Ausführung der Klauseln des Friedens- Vertrages gefordert werde und Deutschland die Zahlung seiner Schuld aufgezwungen werde, damit es mit Z w a n g s m a ß- nahmen bedroht werde, falls es sich weigere oder falls es fort- fahre, eine Politik des Feilschens zu betreiben. Man müsse die Alliierten auf ihre U n t e r s ch r i s t hinweisen. Das sei die einzige Grundlage für gesunde und normale Beziehungen. Ministerpräsi- dent Briand habe sich geweigert, ihm Antwort zu geben. Die Ereignisse hätten für ihn die Antwort erteilt. Am 1. Mai habe Deutschland die verlangte eine Milliarde Goldmark nicht gezahlt/ und nuu habe man die restierenden 12 Milliarden zur großen Schuld geschlagen. Keine Sanktion sei ergriffen worden. Die Verhandlungen mit den Verbündeten hätten schließlich mit einer rednerischen Kundgebung geendet, die ein« seltsame Der- tennung französischer Realitäten beweise, und die auf die Schwäche der sranzösischev Regierung bei der Verteidigung der Interessen des Lande» zurückzuführen sei. (Beifall und Widerspruch.) Die Regierung habe ihr« Derpflichtun- gen nicht ausgeführt, sie sei nicht zur Grundlage des Friedensver- träges von Versailles zurückgskehrt. Der Abg. Louis D u b o i s habe die Schäden Frankreichs 1919 auf 290 Millionen Franken geschätzt. Die Abschätzungen vom Oktober 1929 seien durch Miller and und Loucheur erfolgt und hätten den Bettag von 2Z2 Milliarden Papier- franke« ergeben. Augenblicklich müsse man 214 Milliarden Papierfronken in Soldmark umrechnen. Man Hab« es also mit einem Bettage von IZS Milliarden Goldmark zu tun. Diese Summe habe die französische Regierung in ihrem Meuiorandum von der Reparationstommission verlangt. Die Regierung B r i a n d s habe her Kammer als Bettag der französischen Schäden 219 Milliarden Gotdwart angegeben Me könne also die ReparnkloustowmlMon der gijaiwfrlnq der«WS»« SKSKa auf m SlüäatUa fäfr sehen? Da Frankreich S2 Proz. dieser Summe zu fordern habe, so werde es eben nur KS Milliarden Goldmark erzielen. Nach seiner Ansicht habe also Frankreich einen V e r l u st von S9 Proz. zu verzeichnen. Tardieu fragt, welche Instruk- t i o n e n den sronzösifchen Delegierten bei der Reparattons- kommission erteilt wurden. Man solle ihm nicht erwidern, die Kom- Mission sei autonom und unabhängig. Briand selbst habe sie eine„Konferenz sd referendurn" genannt. Wenn das nicht be- deute, daß die Reparationskommission von den Regierungen abhänge, dann verstehe er nicht mehr Französisch. Die Reparationskommission habe sich nach London begeben müssen, um dort das Abkommen, das abgefchlosien war, anzunehmen. Während die Regierung Briands bestätigt Hobe, daß infolge der deutschen Weigerung, das Pariser Abkommen anzunehmen, man zu dem Berttag« von Versailles zurückgekehrt sei, hätte die englische Regierung behauptet, das Abkommen von Paris allein bestehe. Infolgedessen habe die Teparationskommission die Ziffer der alliierten Forde- rungen herabsetzen müssen, damit sie ungefähr der Ziffer des Pariser Abkommens gleichkomme. Erst nach Feilschen sei die Reparationskommission zur Summe von 132 Milliarden gekommen. Weil sich die französische Regierung an das Abkommen von Paris gebunden glaubt, deshalb habe sie diese Ziffer angenommen. Tardieu fragt, ob die Kammer der Regierung deshalb das Per- .trauen ausgesprochen habe, um diese»verkrüppelte Zifs erannehmen zu müssen. Der Abgeordnete spricht alsdann von verschiedenen Versehlungen Deutschlands. Briand habe ausdrücklich erklärt, wenn Deutschland am 1. Mai nicht 12 Milliarden gezahlt habe, dann werde es»eine starke Hand am Halskragen fassen". Deutschland habe nicht bezahlt. Man habe sich mit einem Versprechen zufrieden gegeben. Die franzö- fische Regierung habe erklärt, wenn Deutschland im Verzug sei, werde sofort das Ruhrgebiet besetzt werden. Man habe aber nichts getan, und immer wieder feien neue Konferenzen abgehalten worden. Er habe also Bedenken für die Zukunft. Jetzt lasse man durch die Zeitungen verkünden, die Sanktionen würden a u t o- m a t i s ch in Tätigkeit ttcten, wenn Deutschland nicht seinen Ver- pflichtungen nachkomme. Er befürchte ober stark, daß man in diesem Falle nur immer wieder zu neuen Konferenzen komme. (Beifall.) Das sei eine Verletzung des Friedensoer- träges, ein Richtsrfüllen der im Parlament gegebenen Ver- sprechungen. Wenn man im Namen Frankreichs gewisse Worte aus- spreche/ dann müsse man ha n d e l n, wie man gesprochen habe. Wenn man ober sein Versprechen nicht halte, vermindere man d i e Autorität Frankreichs. Clemenceau habe sich nicht vor den Vorschlägen Lloyd Georges gebeugl. Er bedaure, feststellen zu müssen, daß Lloyd George einzelne Klauseln des Friedensvertrages, namentlich aber die die Polen betteffenden. bekämpfe. Die Rede von Lloyd George sei um so überraschender, als Lloyd George feil 16 Monaten gar nichts anderes tue, als die Revision des Friedensverlroges, der seine Unterschrist trage, zu veranlassen, und zwar immer zum Schaden Frankreichs. Weder im Kriege noch im Frieden könnten das englische und das französische Volk sich voneinander ttennen. Sie hätten einen Vertrag unterzeichnet, der sie binde, Die Politik der fortgesetzten Konzessionen habe in England gefährliche Illusionen hervorgerufen, Sie seien zum großen Teil auf die Schwäche der jetzigen Regierung zurückzuführen. Tardieu tadelte das Ministerium Driand, weil es die Jahres- klasse 1919 unter die Waffen gerufen habe, ohne zu den Zwangs- maßnahmen zu schreiten, für die man die Mann- schaften mobilisiert habe. Di« Erfahrung bestätige, daß man den französischen Standpunkt aufrechterhalten könne, ohne sich mit England zu entzweien. Der Abg. vaudry d'Asson(Royolist) ergriff nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung als zweiter Interpellant dos Wort. Der Abg. F o r g e o t(Rationaler Block) habe bewiesen, daß das Abkommen von Paris die französische Forderung v c r st ü m- m e l t habe. Hinsichtlich der Londoner Konferenz ist der Ahgeord- nett der gleichen Ansicht wie Andre Tardieu. Briand habe sich vor der Kammer und vor dem Senat verpflichtet, sofort Sank- t t o n e n zu ergreifen und das R u h r g e b i« t zu besetzen, wenn am 1. Mai Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe, Der 1. Mai hätte das Ziel und nicht der Beginn einer Auf- forderung an Deutschland sein müssen. Lloyd George aber habe ein neue, Ultimatum verlangt. Briand habe die Taffache hin- genommen, da» Abkomm« von London sei für Deutschland günstiger als alle vorausgegangenen. Briand habe nun nichts anderes als Papier in Händen. Das Wort„Mobilisierung der Schuld" auszusprechen, sei eine vollstän- dige Verkennung seiner Bedeutung, wenn man kein Pfand in Hände« habe. Lex'Kaimt po&dtt-gck) g-gcn Llozd s»rs«i dtzx kein hüler der Gerechtigkeit sei. Seit zwei Jahren wolle er Polen dem Martyrium der Bolschewisten ausliesern.(Beifall.) vriand hätte mit Belgien das Ruhrgebiet besehen müssen, trotzdem sich Engtand entgegen- gestellt habe. Die internationale Finanz und nicht England sei gegen die Besetzung des Ruhrgebietes. Die Notwendigkeit der Besetzung dieses Gebietes sei erwiesen, er sei sest davon überzeugt, daß er damit die Gefühle von 99 Proz. der französischen Nation ausgesprochen habe. Der Abg. Baudry d'Asson sagte zum Schluß, man würde ein nationales Verbrechen begehen, wenn man das Abkommen von London gutheißen würde. Oberschlesien nennt er notwendig für Deutschland, damit es wieder Kriegsmaterial herstellen könne.(!) Der Abgeordnete Margaine ergeht sich zuerst in Betrachtungen über den Wechselkurs und prüft die Frage der Deutschland aui- erlegten Annuitäten, er erinnert daran, daß England den Kohlenpreis zu einer Zeit erhöht habe, zu der es in ganz Europa an Kahlen gefehlt habe, es hätte den Kohlenpreis herabsetzen müssen, falls Kohlen in Mengen vorhanden gewesen seien, deshalb sei Lloyd George für die augenblickliche Krise verantwortlich. Roch Ansicht des Redners hätte sich Deutschland bemüht, die innere Lage Polens zu verschärfen. Seil 590 Iahren weigert« sich die Polen Oberschlesi«s, deutsch zu bleib«(!). Die Volksabstimmung habe den Polen günstigere Resultate gegeben, als Lloyd George behauptet habe. Wenn Deutschland verzweifelte An- strengungen mache, um Oberschlesien zu behalten, so tue es das, weil dieses Gebiet für Deutschland einen befestigten Platz im doppelten Sinne des Wortes, in militärischem und in industriellem, darstelle. Der Abgeordnete versuchte, seine Behauptungen über die industrielle Stärke des polnischen Oberschlesien durch Statistiken zu erhärten und erklärte, Deutschland wolle dieses Gebiet in den Dien st seines Heeres stellen. Zum Schluß sprach-er die Hoffnung aus, daß die Vereinigten Staaten mit den Alliierten zusammenarbeiten werden, um eine neue Gemeinschaft der Völker aufzurichten. Hierauf wird gegen 7 Uhr die weitere Diskussion auf morgen nachmittag 3 Uhr vertagt. * Wie der„Temps" mitteilt, hat die Reparationskommission gestern die Prüfung über die Einsetzung der im Londoner Ab- kommen vorgesehenen Garantiekommission begonnen. In der Kommission werden England, Frankreich, Italien und Belgien vertreten sein. Auch die Vereinigten Staaten könnten sich, wenn sie wünschten, vertteten lassen. Es steht noch dahin, welche andere Länder in einem späteren Zeittaum in den Garanttepusschuß entsendet werden. der Poleneinfall in Gbersihlesien Don Waldemar Ossowski. Im Auftrage der oberschlesischen Genossen und Gewerk- schaftler habe ich Mitte April eine Reise nach Italien angetreten, um die italienischen Genossen über den wirklichen Stand in Oberschlesien zu informieren. Bereits in Mailand, wo ich eine Besprechung mit den Genossen»nd Deputierten Turati, Mario Murari,. Claudio Treues, Cosalini, Bellini und Genossin Kuligahoff, als auch mit den Führern der Gewerkschaften d'Aragona. Baldini, Baldes! und Conasini hatte, erfuhr ich, daß auch Vertreter der PPS.(Polnischen Sozialistischen Partei) vorgesprochen und gewaltiges Material, das für die Zuteilung Oberschlesiens an Polen sprach, überreicht hatten. Obne mein Zutun sind die Genossen jedoch bereits dahinter gekommen, daß die meisten polnischen Angaben falsch waren. Man sprach mir die Sympathie der italienischen Genossen aus und gab das Bersprechen, nach Kräften für das Ver» bleiben Oberschlesiens bei Deutschland eintreten zu wollen, versäumte aber nicht, gleichzeitig darauf aufmerksam zu machen, daß infolge der Spaltung der sozialistischen Arbeiterschaft aller Einfluß auf die Regierung verlorengegangen ist. Bereitwillig nahmen der„Avant!" als auch die Genossen- fchaftsblätter Artikel, die die politische und wirtschaftliche Lage Oberschlesiens schilderten und die parteiliche Haltung der fran- zösischen Besatzungsbehörden geißelten, auf. In Rom hatte ich mehrere Aussprachen mit führenden Genossen unter Leitung des Parteisekretärs Barr! mit dem Erfolg, daß man mir das von den polnischen Sozialisten unter Führung von Biniskiewisz überreichte Material vorwies. Es war leicht, den Polen Unrichtigkeiten und direkte Fälschungen nachzuweisen. Genosse Barr! erklärte mir folgendes: Die Polen haben ausgeführt, daß ihr Besuch in Rom nichts anderes bezwecke, als einen neuen Krieg zu verhindern. Zwischen dar polnischen und der französi- Im** s ifl o n ii rfi Polen, falls Oberschlesien ganz oder teilweise Dentschland zugesprochen werde, sofort das Land mit Gewalt an sich reißen, d. h> militärisch besetzen werde. Frank- reich babe sich verpflichtet, sofort im Welten einzumarschieren, falls Deutschland gegen die gewaltsame Besitzergreifung Ober- schlesiens Widerstand leisten sollte. Da hierdurch unbedingt ein neuer Krieg entbrennen müßte, erwarte man von den italienischen Genossen, daß sie ihren Einfluß geltend machen, um eine Zuteilung Oberschlesiens an Polen bei ibrer Re- gierung zu erwirken. Rur in diesem Falle sei ein Krieg zu vermeiden, denn Polen sei fest entschlossen. Oberschlesien unter allen Umständen zu annektieren. Die polnischen Sozialisten holten sich eine gewaltige Ab- fuhr. Man erklärte ibnen, daß die italienischen Genossen die gerechten Ansprüche Deutschlands unterstützen würden und lehnte weitere Verhandlungen mit den Polen glatt ab. Mir, der ich feit 14 Monaten Gelegenbeit hatte, das innige Zusainmenarbeiten von Polen und Franzosen in Oberschlesien zn beobachten, waren die Mit- teilungen der polnischen Sozialisten keine Neuigkeit. Wir sahen dort seit Monaten, wie die Polen Gewehre, Karabiner, Pistolen, Maschinengewehre, Flammenwerfer, ja sogar Minen- werser und Geschütze unter den Augen der Franzosen über die Grenze brachten und überall auf dem Lande große und kleine Waffenlager einrichteten. Wir saben die militärische Ausbildung, die Felddienstübimgen der„Sokols"(polnischen Kompforganisation). Bei Meldungen von polnischen Waffen- logern an die französischen Kreiskontrolleure wurde von diesen Nennung der Gewährsmänner verlangt, andernfalls ein Bor- gehen gegen die Polen abgelehnt. Gelang es wirklich einmal durch die englischen oder italienischen Beigeordneten ein Zu- greifen der Franzosen zu erzwingen, dann erfolgte dies immer erst, nachdem denMpolen Zeit gelassen wurde, die Waffen- lager zu räumen. Anders war es, wenn ein Deutscher auch nur eine Pistole im Hause hatte. Die Waffe wurde beschlagnahmt- Der„Verbrecher" vor das interalliierte Gericht in Oppeln ge- zerrt und zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt. Ich selbst habe den englischen Offizieren Capitän Whitshorst und Eraster Mitteilungen über die"Kampfvorbereitungen der Polen gc- macht und letzterem auch Photographien von Mobilisierungs-, befehlen übergeben. Die Engländer und Italiener wissen genau, daß der Poleneinfall in Oberschlesien nicht nur von den Franzosen stillschweigend geduldet, sondern tatkräftig unterstützt wurde. In Hindenburg hat der französische Kreis- k o n t r o l l e u r die deutschen Apobeamten und auch die Po- lizeibeamten, die jeden Angriff der Polen auf die Hauptwache - erfolgreich abschlugen, entwaffnen lassen. Die Waffen wurden sofort durch die polnische Apo an die Insurgenten weiter- gegeben. Bei einer Autofahrt durcl) den Ort ließ der Kreis- kontrolleur einen jungen Insurgenten an das Auto treten, sich die Gewerhkammer öffnen und nachdem er festgestellt, daß dies« wohlgefüllt war, lachend und grüßend davonzufahren. Zu gleicher Zeit wurde sowohl im Landratsamt als auch bei allen bekannten Führern der Deutschen Haussuchungen nach Waffen abgehalten. Die Vorgänge in Oberschlesien sind durch die Zeitungen teilweise bekannt. Mit Sckaudcrn wird sich die ganze ge- sittete Kulturwelt von den Mord- und Schandtaten wenden, ..die. die barbarischen polnischen Banden unter Korfaistys Führung begangen haben. Bon den Genossen in England und Italien erwarten die oberschlesischen sozialistischen Arbeiter Verständnis für ihre trostlose elende Lage und Hilfe in der Rot. »* * Wie der„Maiin" meldet, liegt dem am Montag zu- sammentretenden O b e r st e n Rat der Antrag Englands vor, die Entscheidung über Obcrschlesien zu beschleunigen, und zwar auf Grundlage der Zuteilung von nur z w e i K r e i s e n des Abstimmungsgebietes an Polen. Die Kreise werden von Sie Vanö! Von Willi Wolfradt. Es mag zuzeiten unvermeidlich sein, hochnotpeinliche und rasche Justiz zu üben, und e» ist mn Ende nicht die grausamste Art, gefähr- liche Menschen unschädlich zu machen, indem man sie erschitßt. Aber für ganz niederträchtig und folgenschwer halte ich die Art, wie man neuerdings solche Exekutionen benennt und empfiehlt.„Der g e- hört an die Wand!" Es wäre angebracht, diese Redensart, die sich auch bei Radikalen aller Art eingewurzelt hat, recht durch- zukosten und ihres ganzen Frevels bewußt zu werden. Welche Harmlosigkeit ist doch in diesen Worten! Da soll offen- bar jemand an den Pranger gestellt, vielleicht durch Wandanschlägc als ein gesährliches Subjekt öffentlich gekennzeichnet werden!? Was sich so leicht bin spricht, kann gewiß nur eine ganz alltägliche Maß- nähme betreffen. Nun, wir sind auf dem besten Wege, eine AU- täglichkeit daraus werden zu lassen, und ganz bestimmt ist diese leichtfertig« und heuchlerische Formel nur eine böse Unterstützung dessen. Hört mal, da steckt Tod drin, in diesen Worten, da wird ein Mensch für oogelsrei und des Todes schuldig erklärt!! Es ist euch wohl ungemütlich, von Hinrichtung zu reden? Es verdirbt euch wohl den Appetit, bei politischen Tischgesprächen zwischen Braten und Süßspeise peinliche Worte wie„Tod" und„Erschießen" ihr« noch nicht ganz verlorene Macht ausüben zu lassen? Ja, frei- lich, nian kam» wähl nicht von Hinrichtung sprechen, ohne die un- ermeßliche Verantwortung des Richters und dessen, der ihm Schuldige nennt, zu spüren. Dogegen:„an die Wand": wie geht das doch so glatt über die Lippen! Jeder Nebensatz schluckt die saubere Formel auf. Es ist wie da? Salz der politischen Entrüstung, wenn man so unter der Hand von seinen Gegnern meint, sie hätten übrigens längst on die Wand gehört. Und es ist auffällig für den, der auf Sprachliches achtet, wie das frühere„an die Wand stellen", in d-m doch noch etwas von der zwingenden Aktivität der Justiz zum Ausdruck gebracht war, langsam der neuen Barionte Platz gemacht hat. Es liegt etwas von Maffenbetrieb in diesem grauenhaften„an die Wand", das dem Zeitungsleser brummend rntfchliipft, ehe er zur Lektüre des Vergnügungsanzeigers übergeht. und mit dem radikale Verschwörer trclfend ihren Älcichmul gegen- über Eingriffen in das Geheimnis des persönlicher! Schicksals be- künden. Das ist der Frevel dieser lässigen Phrase, daß sie das Schicksal vergessen hat. lieber allem Urteil und Richterspruch lag seit jeher die dunkle Würde und feierliche Bangnis, die den unrfängt, der in fremdes Schicksal haltgebietend einzugreifen genötigt ist. Sie standen m-ter dem Bann der Unschuld jeden Wesens auf einer Mexe« Ehep«. hex Betrachtun«, als jijc Mt ZlomM dem Blatt nicht genannt, zweifellos handelt es sich jedoch hierbei um P l e ß und R y b n i k. Die Meldung des„Temps", daß die Vertreter der französischen und belgischen Regierung im Obersten Rat nach wie vor für die gesamte Zuteilung des oberschlesischen Industriegebietes an Polen eintreten wer- den, ist demgegenüber ein Zeichen dafür, daß durch den Mei- nungsaustaufch zwischen Briand und Lloyd George noch nicht alle Differenzen unter den alliierten Mächten beigelegt sind, wie gewisse französische Preßstimmen im ersten Triumph meldeten. K o r f a n t y hat an die oberschlesischen Industrieverwal- tungen ein Schreiben gerichtet, das ein interessantes Doku- ment der Zeit darstellt. Der polnische Jnsurgentenführer weist auf die Ruhe der Arbeiterschaft in den Betrieben hin und er- hebt gegen eine Reihe oberschlesischer Generaldirektoren, dar- unter die Direktoren Pieler, Besser und Werner, den Vorwurf, infolge ihres dauernden Fernbleibens aus dem Ab- stimmungsgebiet und der Nichterfüllung ihrer beruflichen Pflichten die Sicherheit der Werke in schwerster Weise zu ge- fährden. Korfanty fordert die Verwaltungen auf, ihren Man- dataren die nötigen Vollmachten insbesondere in der Frage des Absatzes der Produkte und der Entlohnung der Arbeiter- fchaft zu geben, wogegen er sich verpflichtet, den betreffenden Herren Freiheit in der Ausübung ihres Dienstes zu gewähren und für ihre persönliche Sicherheit zu sorgen„unter der Vor- aussetzung, daß sie sich nicht feindlich gegen unsere Streitmacht und unsere Behörde betätigen". Das Schreiben, das ultimativen Charakter trägt und Annohme der Forderungen bis zum 20. Mai, nachmittags 6 Uhr, verlangt, droht mit eigenen Maßnahmen Korfantys „zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des Wirtschaftslebens". Korfantys Auftreten beweist, daß er sich nach wie vor als Herr der Lage fühlt und Verh mdlungen führen zu dürfen glaubt, zu denen er nicht ermächtigt ist, an denen ihn zu hindern die Interalliierte Kommission aber offenbar nicht denkt. In K a t t o w i tz ist die Lage sehr bedrohlich geworden. Gestern morgen stellte eine polnische Abordnung an den Magistrat die Forderung auf U e b e r g a b e der Stadt. Diese Forderung wurde abgelehnt. Die Stimmung der Bevölkerung in Kattowitz ist sehr erregt. Die außerordentlich prekäre Lage wird durch die rechts- und linksboischewistifche deutsche Presse bedeutend v e r- schärft. Die„Deutsche Zeitung" wie die„Rote Fahne" überbieten sich in ihren Bemühungen, die Versuche der beut- schcn Regierung, zu einer friedlichen Regelung der oberschlesi- schen Angelegenheit zu kommen, zu durchkreuzen. Unter der Ileberschrift„Oberschlesiens Freiheitskämpfer nahen!" verbreitet die ultrareaktionäre„Deutsche Zeitung" einen Schlacht- bcricht, der den berühmten Fronterzählungen ihres Kriegs- bcrichterstatters Scheu er mann aus der„großen Zeit" verzweifelt ähnlich sieht. Jubelnd heißt es: Es ist wie im Weltkriege, nur fehlt auf deutscher Seite der große einheitliche Zug, die straffe Leitung, so- wohl in der„C tappe" wie an der„Fron t". Aber ein Zug:• innert doch an die Zeit von 1914: Der Zuzug von Freiwilligen. Kein König rief, keine staatliche Autorität rief und doch kann man sagen:„Und olle, alle kamen." Derartige Ergüsse müssen im Auslande, wo der geringe innerpolitische Einfluß der„Deutschen Zeitung" nicht genü- gend bekannt ist, von geradezu katastrophaler Wirkung lein. Erheiternd an diesem Wippchenbericht ist das Geständnis, daß es auch ohne König geht! Sollte die„Deutsche Zeitung"' sich unter dem Einfluß ihres einst, ach! so hohenzollernfeind- lichen Cbefrcdakteurs Maurenbrecher allmählich zur Republik bekennen?... Die„Rote Fahne" endlich fordert in einem langatmigen Aufruf zum gemeinsamen Kampf mit dem polnischen Proletariat für den Zusammenschluß mit Sowjet- Rußland auf. Regieruugeterttärung im polnischen Reichotaq. Varschau, 19. Mai.(OE.) Die von dem Ministerpräsidenten W i t o s vor dem Sejm verlesene Regierungsdetlaration polemisiert für gewöhnlich zu betreten erlaubt, einer Unschuld dessen, der nur seinen eigensten Gesetzen folgte, wie die Unersorschlichteit sie ihm gab. Wir haben abgekürzte Verfahren und gehen frech über fremdes Schicksal zur Tagesordnung über. Wie man ein Kind in die Ecke schickt, so den Feind an die Wand. Ist es nicht dieselbe Heuchelei, die ehedem den Henker wegen seines Handwerks für ehrlos ansah, aber sich nichts vergab, indem sie ihn bestellte zu"seinem Amt, ihm Delinguenten zuführte und ohne Scheu zusah, wie er es flott oersah,— ist es nicht dieselbe feige Lüge, wenn man heute sprachlich den Henker leugnet, der nun einmal vom Richter nicht zu trennen ist, und seinen Anklagen und Urteilen ein nonchalantes Air gibt! Ist es nicht ruchlos, die salopp? und munter die Tragik fortscheuchende Form, die gewiß schon nicht von großer Achtung vor der menschlichen Würde zeugte, als man noch sagte, jemand gehöre ins Loch, diesen wohlwollend-unnachdenklichen Ton- fall nun auf die entsetzlich« Notgedrungenheit der Hinrichtung an- zuwenden? Man glaube nicht, hier spräche die Empfindsamkeit des Aestheten, der besser aus der Politik herausbliebe. Hier spricht die instinktive Empörung und die Einsicht, daß man, wie die tiefste Nichtigkeit eines Menschen an einem Lippenlecken besonderer Art, so die Verworfen- heit einer Zeit an einem Tonfall ihrer Redeweise erkennen kann. Irianoa-Iheater:.Am Teetisch". Die Direktoren Rotter bauen das Trianon-Thealer zum Anliguitäten-Muscum aus. Herrn S l o b o d a S Komödie.Am Teetiich", die ickwn am Kleinen Thealer eichas wurmstichig geworden war. wanderte unter den sladlbabn bogen. Die Muffigkeit kam in diese» sanfte Ebebreieck- spiel, weil der Gatte, die Gattin und der Freund zwar mit hübschen Worten die Gefahr des Ehebruches bespötteln, aber immer so tun, als wenn nicht ihre eigene Sache, sondern ein fremde? Beispiel und moralisches Histörchen erörtert werde. Der Gatt«(Agent), der nachts nicht schläft, weil ihn Terrain? beschäftigen, die au? solchen Ursachen unbeichäftigte Gattin ist eigentlich brav und klug und gar i'ichl unternehmend: der Freund, ein Arzt von Berus, von der Natur, seinem Scheitel und guinyciiden Frack aber eher zum LebenS« iv«i-?heitsbä»dler berufen. Ein amerilanisches Duell soll zwischen den beiden ungleichen Herren enlicheiden. Der LebenSweiSbeitS- liändler zieh, es vor, an den Teelisch der Freunde zu treten, die «flicht, die ihm der Zettel mit dem Todeskreuz auferlegte, nicht zu cr'iilien und leine Harmlosigkeit zu bekräftigen. Ein Ehebruch, der nicht auSaciiihrt wird, weil die Frau zu vornebm ist, wirkt aui der Komödieabühne immer etwa? pailietisch. Der Zuschauer glaubt, das: ieiu GerechligkeitSgesühl irgendwie benachteiligt wird. Er findet ichliejflich, daß die E&elomödie.Am Teetisch"«twaS tamille,:« leedünn und nur mit ciitliehenein, irgendwie aufpoliertem Geine ausgestattet ist. Olli Boeheim glitt lieber in die versteckte Patbetik des StiickleinS. Bieileichl feblte ihr da? Flirtende, weil üe als Aolkelferin für eine e-kraukte Dame allzu schnell einsprang. Herr Abel, spielte de».«eMviicheu HauSsreugd püt, ms«s» in längeren historischen und statistischen Ausführungen gegen Lloyd George, versichert aber im übrigen die Alliierten der Anhänglichkeit Polens und enthält insbesondere eine Verbeugung vor Amerika. Zum Schluß machte Witos dem Sejm folgende Mit- teilung: „Soeben erhielt die polnische Regierung von der französischen Regierung die Versicherung, letztere würde nie zulassen, daß über Oberschiesien entgegen dem v e r s a i l l e c verirag und den Ergebnissen des Plebiszits entschieden werde, noch daß deutsche Truppen und RI u n i t i o n nach Oberschlesi en geschafft würden.(Tosender Reisall, die Abgeordnelen und die Regierungsoerlreker erheben sich von ihren Sitzen und bringen Hochrufe aus Frankreich aus.) Daraufhin hat die Regierung beschlossen, nochmals an die Führer der Au,- standsbewegung einen Aufruf zur Liquidierung des Auf- st a n d e s zu erlassen.(Lauttose Stille.) Die polnische Regierung verharrt auf dem Standpunkt des Versailler Vertrages und unternimmt den erwähnten Schritt in der Ueberzeugung, daß sämtliche Alliierte, einschließlich Englands, den Einmarsch deutscher Truppen nach Oberschlesien nicht zulassen werden."(Schwacher Leisall. Rufe: hoch die Aufständischen!) Damit schloß'die Regierungserklärung, deren Besprechung auf die nächste Sitzung am Freitag vertagt wurde. Polnische Borwürfe. Nach einer Rcutermeldung aus Washington erklärte die pol- nische Regierung in ihrer Rote an die Regierung der Bereinigten Staaten, daß die P l e b i s z i t k o m m i s s i o n dadurch, daß sie die Entscheidung zwei Monate in der Schwebe hielt, mit den hochge- spannten Gefühlen der Bevölkerung gespielt habe. Der Auf- schub schiene das Gerücht zu bestätigen, daß die Entscheidung nicht in Ucbereinstimmung mit dem Ergebnis der Abstimmung gk- troffen werden, sondern auf„politische Kombinationen und Jntcr- essen der in der Plebiszittommission und im Obersten Rat vertrete- nen Mächte" gegründet sei» würde. In Anbetracht der im Volk; verbreiteten Auffassung sei es nicht überraschend, daß die schlesischcn Polen zu den Waffen eilten. �nglsnö beruft Sie neue Konferenz em. Paris, 19. R?ai.(havas.) Der britische Geschäfts- träger in Paris unternahm gestern einen Schritt am Quai d'Orsay, um die französische Regierung einzuladen, sich bei der Sitzung des Obersten Rates vertreten zu losten, zu welcher gleichfalls ein amerikanischer Verlreier neben den Vertretern Großbritanniens. Zla'iens, Japans xin- geladen werden wird. Briand zeigis sich grundsätzlich'zur Teilnahme bereit, behielt sich jedoch eine endgültige Anyahme vor bis zum Abschluß der Besprechungen über die Außenpolitik, ivelche heule In der S o m m e r eröffnet werden. Italien mit der Konferenz einverstanden. London, 19. Mai. Wie Reuter erfährt, hat die italienische Regierung ihre Bereitwilligkeit erklärt, den Grasen Sforza zur Teilnahme an der bevorstehenden Konferenz des Obersten Rates zu entsenden. Luststbiffe her! Berlin, Iß. Alai.(MTB.) Aus Grund des Londoner Ultimatums hat die Interalliierte Lufisahrtkontrollkommission dem Auswärtigen Amt unter dem Iß. Rlai ISZl eine Rote zugehen lassen, die sich mit der Frage der Entschädigung für dje im Sommer 1919 zerslörlen RIarineluftschisfe befaßt. Es wird danach, enksprechend der von der votschafterkonserenz bereits im vorigen Jahre gelroffenen und in das Ullimalum aufgenommenen Entscheidung die Auslieferung der beiden Zivilluflschiffe„Rordstern" und .Bodens«" verlangt: und zwar soll die..Rordstern" noch vor dem Z0. Juni 1921 an Frankreich abgeliefert werden, während sich die konkrollkommisfion wegen des Zeitpunktes der Uebergabc der Italien zugewiesenen„Bodens«" eine meliere Mitteilung vorbehalten hat. Mas die Entschädigung für die übrigen 5 Luftschiffe anlangt, so kann diese nach d« Entscheidung d« Bo!schasterkonf«enz in Geld oder aber auch in Ersahbauten geleistet werden. Das Rähere hierüber soll durch einen besonderen Vertrag geregelt werden, den die Kontrollkommission dem Auswärtigen Amie demnächst übermitteln wird. ichmcidig. nur eleaant. Sein Ohr horckte über da? erlaubte Mas; biuau? nach dem Souifleurkai'tcn: er ivar nur Bonvivant, er hätte andi ein gestriegelter Philosoph sein müssen. Herr Alexander gewann alle Sympathien, da er einen anmuligen Trotiel mit heiterster Behutsamkeit gab. M. H. Eenährungswissenschaft. Gerade in Zeiten der Gefahr und Be- drohung ist die Gesundheit eines Volkes ein besonders hohes Gut. und zur Erhaltung und Kräftigung der heute so stark beeinträchtigten deutschen Volksgesunöheil kommt es in erster Linie auf die Ernährung an. Deshalb besitzt die erst seit kurzer Zeit ausgebildete Ernährungs- wilsenschast die größte Wichtigkeit für uns. Leider aber hat man ihr bisher an den maßgebenden Stellen noch keine Beachtung geschenkt. Das beklagt einer der herooragc.rdsten Vertreter dieses Forschungs- zweiges, der Berliner Physiologe Geb. Rat Max Rubener in einem Aufsatz der„Naturwissenschaften", in dem er die Lage der Cr- nährungswissenschaft in Deutschland behandelt. Obgleich gerade die. deutsche Wissenschaft sich in hohem Maße um die Förderung der neuen Lehr« oerdient machte, haben doch ander« Länder in viel höherem Maße die Bedeutung für das Allgemeinwohl anerkannt. In Nord» amerika sind große Mittel für das Studium der Nahrung und ihr« wissenschaftliche Erforschung bereitgestellt, und eine der großartigsten Stiftungen dieser Art ist die Carnegie Institution of nutrition in Boston. Holland erhält im kommenden Jahre ein Institut für Volks- ernährung.„In Deutschland fehlte es bisher an jedem staatlichen Interesse für die Fragen der Volk? ernährung überhaupt," sagt Rubener,„ja, man kann sagen, daß es namentlich in der Kriegszeit an jeder amtlichen Fiihlung mit der deutschen Ernährungswissenschaft gefehlt hat. Diele ablehnende Haltung ist auch im Auslande nicht unbemerkt geblieben und als unverständlich bezeichnet worden. Völlig anders war die Sachlage während des Krieges bei der Entente. Man hatte die besten wissenschaftlichen Kräfte als einflußübende Berater für die Ernährungsfrage herangezogen und aus deren Urteil die Bersorgungspläne mit Nahrungsmitteln aufgebaut. Vielleicht dürfen wir hoffen, daß dach noch eine neue Aera anbricht, in der das Gefühl durchdringt, daß die Ernährungsforschung im allgemeinen wie die Volksernährung im speziellen ein wichtiges staatliches Problem darstellt und daß e? keinen besieren Weg zur Erkenntnis gibt, als di» Pflege der Wisienschoft um ihrer selbst willen." Religion fürs Polk. Ein Geucsfe schreibt uns: Ich fuhr noch Frankfurt, um über Schulreform zu sprechen. Bis Kassel war es glimpflich. Dann stieg lärmend eine Gesellschaft Nahrungsmittel- schieber ein, Männer und Frauen. Nun wurde es ,. gemütlich". Die Lcute, glänzende Spsckgesichter, konsumierten eine Wurst, ein« Flasche Kognak, eine teure Zwarre' nach der andern und waren eindeutig zweideutig. Zwischen' zwei Lüsternheiten kamen sie auf die Kinder, auf Erziehung.„5a, für unsereins ist das ja über» stüsstn. wir wählen auch links. Aber die Kinder, die gebrauchen doch die Relioien! Wie soll man die sonst aufziehen, woher sollen die sonst Respekt bekommen?" Ich sah mir die Leute an und sah ein: Durchs Beispiel konnten diese Leute ihre Kinder nicht sitllich erziehen. Also mußic die„Religion" helfen, die Angst vor jctu seitiger Strafe, an die die schlemmenden Eltern selber nicht glaubten, der- tvnseßPyelle» Schulet Nr. 235 ♦ 38. Jahrgang Seilage des vorwärts Zeettag, 20. Mal 1021 Serufsauslefe. Von Alfred Fröhlich. Das Taylorsystem hat den kräftigsten Anstoß dazu gegeben, sich mit der Berufsauslese zu befassen. Bisher stand es jedermann frei, jeden Beruf zu ergreifen, ohne Rücksicht darauf, ob er für ihn geeignet fei oder nicht. Der junge Mensch ficht in den meisten Fällen vor seinem Berufe wie vor einem dunklen Tore. Selten ist die Berufswahl von einer inneren Neigung diktiert. Oft ist der Beruf des Vaters oder des Vor- munds ausschlaggebend, noch öfter sind falsche Ratgeber am Werke, die das Schicksal unserer Jugend nach der Konjunktur beeinflussen. Nicht Neigung, nicht Befähigung, lediglich die Aussichten des Berufes und die materiellen Verhältnisse leiten die Berufswahl. Der eine, ein Kind wohlhabender Eltern, die es sich„erlauben" können, wird durch die höheren Schulen mühsam durchgeschleppt und gelangt vermöge seiner Vettern und Basen in einflußreiche Stellungen, von der Hoffnung ge- tragen, mit dem Amte auch den Verstand zu bekommen, wäh- rend so manchem hochbegabten Arbeiterssohn aus Mangel an Geldmitteln jede höhere Schule und damit jeder Aufstieg versagt bleibt. Man hört oft den Satz, daß das Genie seinen Weg schon aus sich allein mache. Dieser Satz mag im ein- zelnen richtig sein, aber im Leben eines Volkes, namentlich eines in Not geratenen Volkes, ist er grundfalsch. Die Wege eines solchen Siegers erscheinen in der nachträglichen Schilde- rung der Lobredner recht hübsch und interesiant, aber welche ungeheure Nacharbeit notwendig war, um dasjenige nachzu- holen, was dem Reichen spielend in der Jugend beigebracht wurde, m welcher Weise diese aufgewendete Mühe von wichti- geren und größeren Aufgaben zurückhielt, davon erzählt kein Heldenbuch. Auch von den ungezählten Tausenden, denen trotz aller Begabung die Dirne„Erfolg" untreu war, schweigt das Lied der Erfolgsanbeter. Nirgends tritt die soziale Ungerechtigkeit des kapitalistischen Zeitalters krasier zutage, als in der Er- ziehnngsfrage, im Berufsproblem. Keine Mildtätig- keit, keine Wohltat, kein Schulgeldnachlaß, keine Weihnachts- befcherung, keine Quäkerspeisung kann darüber hinwegtäuschen, welche Sünde unsere„kapitalistische Kultur" gegenüber dem köstlichsten Kleinod, das ein Volk besitzt, seiner Jugend, be- lastet. Tausende ärmlich gekleidete, blutarme Proletarier- kinder werden von der lasterhasten Straße erzogen, atmen nicht nur ihren bazillengeschwängerten Staub, sondern auch das Gist der frühzeitigen Verderbtheit, während eine Handvoll bevorrechteter Kinder, in feine Seide und Spitzen gehüllt, vom ersten Tage ihres Erdendaseins wie ein Augapfel behütet, die beste Ernährung, die vollkommenste Erziehung genießen können. Die schwielige Hand des Arbeiters war einmal genau so zart wie die des verwöhntesten Reichen, dasselbe leuchtende Glück des ersten Kinderlächelns, des ersten gestammelten Wortes, der ersten Gehversuche strahlte im Palast wie in der Hütte und in der Mietskaserne. Dasselbe Recht auf Sonne, auf Menschenwürde hier wie dort! Recht, nicht Wohltat; An- spruch, nicht Gnadengeschenk! JmKindeistderSozia- lismus am rein st en und tief st en begründet. Im Kapitalismus wird jede Frage zum Rechenexempel, auch die Erziehungsfrage, auch die Berufswahl. Jede Seelen- regung auf der einen Wagfchale wird durch Gold auf der anderen abgewogen.„Busineß" nennt der Amerikaner diesen Zeitgeist. Kunst, Wissenschast. Liebe, was kosten sie? Wer am meisten bietet, führt die Braut heim. Nie hat der Egois- mus größere Triumphe gefeiert als im Kapitallsmus. Völler- friede, Völlerrecht, soziale Gesinnung, Gerechtigkeit? Ist der von den Italienern geprägte„sacro egoismo", ein heilige» Egoismus? Nein, nur ein heilig gesprochener Egoismus. Der Kapitalismus hat dem Egoismus Altäre aufgebaut und opfert ihm alles, was im Menschen gut und edel ist. Er opfert ihm auch das einzige Paradies der Armen, ihre Kinder; denn das Kind lebt noch im Paradiese und leitet durch den reinen Spiegel seiner Seele die Sonnenstrahlen in unser Herz. Die Ellernliebe, die reinste, die es gibt, weil sie wünsch- los ist, will dem Kinde, wenn sie schon nicht imstande ist, sein Paradies zu erhallen, doch wenigstens die beste Zukunft sichern. Mit Staunen und verzeihlicher Eitelkeit verfolgt man die Spuren des wachsenden Talentes der Kinder, freut sich, wenn die Schule die stohen Erwartungen bestätigt. Aber die Möglichkeiten, den Neigungen und Eignungen folgen zu können, sind in Proletarierkreisen verschwindend klein. Die Kinder müssen möglichst bald selbständig werden, sich selbst erhalten, ihre Eltern unterstützen, wenn sie flügge geworden sind. Studieren, selbst wenn dazu die größte Begabung vor- Händen ist, können sie nicht, das ist ein Vorrecht der be- mittelten Klassen. Was dem Ellernpaar das einzelne Kind ist, ist dem Volke seine Jugend. Hier wie dort hängt Glück und Wohl- stand von den Fähigkellen, von der Leistung ab. Was ein geratener Junge für feine Eltern ist, bedeutet eine berufs- tüchtige Jugend für das Volk, für die Gesellschaft, Daher ist es ein Gebot des Selbsterhaltungstriebs, die Berufstüchtigkeit, die Berufssteudigkeit zu fördern. Die besonderen Fähig- leiten jedes einzelnen zu erforschen, muß deshalb eine wesent- liche Aufgabe jener Kräfte sein, denen die Erziehung der Jugend anvertraut ist. Ihnen erwächst dadurch eine neue schöne Pflicht, die ihren Beruf m unmittelbaren, lebendig wirksamen Zusammenhang mit dem Volksganzen bringt. Mit dem großen Einmaleins oder dem erweiterten ABC ist dem .Berufe des Lehrers nicht Genüge getan, aber sich versenken in die reine Kindesseele, sie rein erhallen, sie erforschen, ihre fähigkeiten entdecken und fördern, die Ellern beraten, ihre inder jenen Berufen zuzuführen, die sie befriedigen und dem Gesamtleben gute Mitarbeiter zu sichern, das ist ein Ziel, der Jünger Pestalozzis würdig. Dort, wo die seelische Einfüh- lung nicht ausreicht, trete der Psychotechniker mit seinen Zlppa- raten auf den Plan. Doch auch der Psychotechniker kann der pädagogischen Fähigkeiten nicht entraten. Der Prüfling ist keine seelenlose Maschine. Die Entwicklungsjahre bieten manche Ueberraschungen. Starker Wille und Uebung können mangelnde Fähigkeiten ausgleichen. Nie wird der Apparat die mllfchwingende Seele des Seeleniorfchers ersetzen. Noch ist die Apparatur in ihren Anfängen und daher ver- besserungsfähig. Es wäre bedauerlich, wenn die Psycho- technik mit ihren viewersprechenden Anläufen eine Mode- erscheinung wäre, wenn sie in unberufene Hände gelangte, die auch dieses Gebiet kapllalsstisch auszubeuten suchten und heute die Jugend, morgen die Reklame und übermorgen Straßen- bahnführer oder Telephonistinnen psychotechnisch untersuchen. Die Jugendberatung gehört in die Hände unserer fähigsten Köpfe, well es sich hier um Entscheidungen handelt, die der Prüfling unter Umständen mit seinem Lebensglück zu be- zahlen hat. Die Berufsberatung auf psychotechnifcher Grundlage ist wünschenswert und schon heute möglich, aber wie oft wird sie nur Beratung bleiben müssen, well die heutige Gesell- schastsordnung dem Begabten nicht die Mittel zur Verfügung stellt, dem Rate folgen zu können. Ist eine wissenschaftliche oder künstlerische Begabung festgestellt, bedürste es heute Zu- Wendungen von ausreichenden Stipendien und dergleichen, um dem Prüfling das Studium zu ermöglichen: also eines Geschenkes von feiten der Gesellschaft. Wer aber soll die Eltern für den Entgang seines Verdienstes entschädigen? In emer sozialen Gesellschaft wird die Ausbll- dung nach Neigung und Fähigkell der Jugend die erste Pflicht und die vornehmste Aufgabe sein. Der Sozialismus wird die Lösung dieser in der heutigen Wirtschaftsordnung unlösbaren Frage bringen, nicht nur, weil in ihm die materiellen Vor- aussetzungen gegeben sind, die heute fehlen, sondern auch, well er die ganzen Kräste des Volkstums für fein Geisteswirtfchafts- leben benötigt. Schon heute ist der staatliche Aufwand für jeden Besucher einer höheren Schule weit größer als das Schul- geld beträgt. Schon heute wird also den Söhnen bemittelter fs Kreise— denn diese stellen das größte Kontingent der Be- fucher höherer Schulen— auf Kosten der Gesamthest ein un- ermeßliches Geschenk dargeboten. Unermeßlich deshalb, well die Ausbildung geistige und seelische Kräste anzuregen und auszulösen vermag, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen. Schon dieser Umstand ist Grund genug, den Besuch unserer höheren Schulen allen zu ermöglichen, deren Fähigkeiten dazu ausreichen. Hier zeigt sich so recht d eullich die soziale Bedeu- tung des gesamten Schulwesens. Deshalb sind die auf Er- werb berechneten privaten Schulen ein Widerspruch in sich selbst. Aus demselben Grunde ergibt sich auch die Wider- sinnigkeit jenes Dünkels, der leider so häufig die Absolventen höherer Anstalten auszeichnet. Sie haben keinerlei Grund dazu. Während die anderen Berufe bereits im Erwerbs- leben stehen, haben sie das Glück, den Lehren unserer bedeu- tendsten Forscher und Künstler zu lauschen, die Wissenschast an ihren Quellen zu schöpfen. Nur der hellig gesprochene Egoismus eines kapitalistischen Zeitalters konnte einen solchen Dünkel— der, nebenbei gesagt, immer em Zeichen von Halb- bildung ist— entstehen lassen. Er widerspricht der selbstver- ständlichen Lehre: Was mir die Gesamtheit schenkt, bin ich ihr schuldig. Um wieviel mehr wird die spätere Regelung der Erziehungsstage und der Berufswahl der Gesellschaft.as n- recht geben, von jedermann zu verlangen, daß er ihr seine ganzen Kräfte zur Verfügung stelle. Die Freiheit in der heutigen Berufswahl und in der Art der Verwendung seiner Fähigkellen ist eine Scheinfre hell, denn in Wirklichkeit ist heute jedermann gezwungen, sich der Peitsche der wirtschaftlichen Abhängigkeit zu fügen. Diese Scheinsteihell bedeutet aber zugleich eine Verschwendung von Kräften, denn jede falsche Berufswahl erzeugt persönliches und famlliäres Unglück und unermeßlichen volkswirtschaftlichen Schaden.> Nur anarchistische Köpfe werden in der psychotech- nisch geleiteten Berufsauslese, in der Aufstiegsmöglichkeit aller Tüchtigen und m der Forderung nach sozialer Betäll- gung einen Eingriff in die persönliche Freihell erblicken; wer aber sozial empfindet, wird gerade in dieser Lösung einen Ausweg aus dem heute bestehenden Chaos begrüßen. Groß-Berüu Stäötisthe Werke als Vorschläge des Skadkbaurats Horten. Die Rentabilität der städtischen Werke hat Berlin schon viele Kopfschmerzen bereitet. Während früher Millionenüberschüsse erzielt wurden, ist heute das Gegenteil der Fall, und die Feinde der Soziali» sierung nutzen unter Außerachtlassung der durch den Krieg geschaffenen besonderen Verhältnisse die Vetriebsergebnisse als Argument gegen jede Sozialisierung aus. Diese Frage erregt natürlich die schärffte Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft, und so fand denn ü gestern nachmittag im Margaretenlyzeum in der Jslandftraße eine Versammlung sämtlicher unter die Deputatton„Werte" fallenden � Betriebsräte unter Hinzuziehung der Gewerkschaften und der Der->- treter der sozialisttschen Stadwerordnetenstaktionen statt, in der Stadtbaurat Horten über„Die Zukunft unserer Werke" sprach. Horten gab zunächst einen lleberblick über die Größe der städtt- schen Werke. Die Gesamtzahl der Arbetter beträgt 20 00(1 Von diesen entfallen 14 000 auf die Gaswerke, 2800 auf die Elektrizitäts- werke, 1000 auf die Wasserwerte und 2S00 auf den Rest. Die Ge» famtgaserzeugung beträgt 4S0 Millionen Kubik» meter. Davon wurden von den allen Berliner Werken 300 Mll- lionen hergestellt, während die Werke der Vororte ISO Millionen produzierten, und schließlich werden noch ISO Millionen Kubikmeter von der allen englischen Gasanstalt erzeugt, die eine andere Ent- Wicklung genommen hat als man es hätte wünschen können. Wäh- rend des Krieges ist sie scheinbar sozialisiert worden. Doch ist sie von einer anderen Gesellschaft dann aus 50 Jahre gepachtet worden und da derselben zwei Drllttel des Aktienkapitals gehören, ist die Stadt von der Mitbestimmung tatsächlich ausgeschaltet. Drei Fünftel STf Sline Menschenkind. in. Der Sündenfall. Bon Martin Andersen Rexö. Da begann er wieder draußen unter den erhellten Fenstern auf und ab zu gehen, wie ein kranker Hund. Stine sah ihn, so oft sie Wasser an der Pumpe holte— und sagte im Borbeieilen ein Wort zu ihm. Einmal setzte sie den Eimer hin und lief zu ihm.„Geh zu Bett, hörst du," sagte sie und umfaßte seinen Arm, um ihn zu überreden. „Das kann ich doch nicht", erwiderte er, halb weinend. .Mutter hat gesagt, daß ich aufbleiben soll, um anzuspannen." „Pah, das laß sie man selber' besorgen. Du bist doch nicht ihr Sklave." „Das wag ich nicht, dann wird Mutter wütend.—— Ach, was bin ich doch für ein feiger Kerl. Ich gettau mich nichts." Stine drückte seine Hand, vm ihm mitzuteilen, daß sie ihm nicht grolle; dann lief sie weg. Gegen elf Uhr schickte Sine sie zn Bett.„Du mußt ja todmüde sein von der langen Tour", sagte sie.„Und heut morgen bist du so früh aufgestanden,— mach, daß du dich schlafen legst!" Sie machte kurzen Prozeß gegenüber Stines Einwänden, indem sie sie aus der Küche stieß. Ja, müde war Stine, so müde, daß sie im Begriff war, zusammenzusinken. Einen Augenblick stand sie zögernd in der dunklen Waschküche... da draußen auf dem Hof ging Karl in so elender Stimmung umher, ein freundliches Wort konnte ihm gut tun. Aber wenn er nun mitginge und sich auf den Bettrand zu ihr setzte und plauderte, wie es zuweilen vorkam, wenn er Trost brauchte? Stine war zu müde zum Schwatzen; es wurde ihr geradezu übel bei dem Gedanken, noch länger wach bleiben zu sollen. Diesmal siegte die Eigenliebe; sie opferte einen andern um ihrer selbst willen und schlich hinüber in ihre Kammer. Mit geschlossenen Augen saß sie ein Weilchen auf dem Dettrande. Die starken Eindrücke des Tages wühlten in ihr — und die Müdigkeit: sie war so überanstrengt, daß sie schwankte. Mit«wem Ruck nahm sie sich zusammen, streifte im Nu die Kleid« ab und hüpfte in» Bett, Ea tat gut» sich in die kühlen Bettücher zu hüllen und von allem fortzukom- men, förmlich hinabzusinken w Müdigkeit und Wohlsein! So- bald sie die Wange auf das Kissen gelegt hatte und anfing, an dieses und jenes Schöne zu denken, pflegte sie meistens ein» zuschlafen. Wie die Gedanken, so sind die Träume, hatte Großchen gesagt. Und Sttne wollte so gern etwas Schönes träumen, wollte aufwachen voll dunkler Süße von dem Träumen, das nur noch als flüchtiger Nebelrest des Morgens verweilte und vor dem Tageslicht schwand. In dieser Zeit träumte sie oft von dem Prinzen, der kommen und sie zum Gute seines Vaters führen würde,— wie Großchen es im Spinnlisde prophezeit hatte. Am Tage gab es ja keine Prinzen, wenigstens nicht für eine arme Dir« wie Sttne; in der Nacht existierte der Prinz jedoch wirklich und kam und hielt bei Großchen um sie an. Das war gerade das Großartige bei den Träumen, daß sie einen ins Licht emporhoben, so daß man das Ganze von oben sehen konnte. Nöte gab es allerdings trotzdem, denn er fand sie nicht schön.„Nein, das Schönste trägt sie in sich," sagte Großchen,„sie hat ein Herz von Gold." „Von Gold?" sagte der Prinz und machte große Augen. „Laß sehen!" Da öffnete Großchen und zeigte chm Stines Herz.„Das tun wir sonst nicht gexn," sagte sie,„denn es kann leicht staubig werden." Und der Prinz wurde vergnügt— denn von Gold ver- stand er etwas. Und er nahm Stine bei der Hand und sang aus Eroßchens Lied: „Und trug sie für ein kleines Kind viel Kummer und Herzeleid ra ra, in Ruh'; ra ra, in Ruh'! So soll sie fitzen auf dem Ehrenplatz, im Pelz und Feierkleid. � Fallerille, fallerille, ra ra ral" „Aber das handell ja von Großchen selbst, sagte Sttne und sieh seine Hand verzweifelt los— denn es tat ihr leid. „Das macht nichts," sagte Großchen und fügte beider Hände wieder zusammen.„Nimm ihn nur. Ich komme auch an die Reihe. Und das Lied ist ja für uns beide gedacht." Sttne schlug die Augen im Dunkeln auf und fühlte zu ihrer großen Freude, daß sie wirklich eine warme Hand in der ihren hatte. Es faß jemand auf dem Rande ihres Bettes und fühlte nach ihrem Gesicht. „Bist du's, Karl?" fragte sie, nicht im geringsten ängstlich. ab« ew wenig enttäuscht. „Nun sind sie weggefahren. da« Packt" sagte«.„Sie waren betrunken und haben gehörigen Spektakel gemacht. Ich begreife nicht, haß du bei dem Lärm hast schlafen können. „Sie wollten mir zwei Kronen Trinkgeld geben, weil ich an- spannte; aber ich will nichts von ihrem Saufgeld haben. Ich Hab' ihnen gesagt, sie könnten'- denen zurückliefern, die sie darum geprellt hätten. Da hätten sie mich beinah geschlagen." „Das war gut, daß sie das zu hören kriegten!" sagte Sttne lachend.„Das hatten sie verdient." Aber Karl war nicht in der Stimmung mitzulachen. Cr hiell ihre Hand im Dunkeln, ohne etwas zu sagen. Sttne merkte, wie die trüben Gedanken in ihm nagten.„Run darfft du nicht mehr daran denken," sagte sie;„darum wnd's doch nicht besser. Es ist bloß dumm, sich zu sorgen." „S i e war nicht mit draußen beim Wagen,"" sagte er geistesabwesend, anscheinend ohne ihre Worte gehört zu haben.„Vielleicht konnte sie gar nicht mit hinausgehen." „Warum denn nicht, du? ftagte Stine. Sie bekam auf einmal Angst. „O,— sie trinkt ja um die Wette mit ihnen. Es mag fein, daß sie—" Sein Kopf sank auf ihre Brust hinab, wäh- rend heftige Stöße ihn durchzuckten. Stine schlang die Arme um seinen Hals, strich ihm übers Haar und sprach beschwichtigend zu ihm wie zu einem kleinen Kinde.„So, so. nun mußt du hübsch groß sein!" sagte sie. Und als ihre Trostgrunde nichts halfen, machte sie ihm neben sich Platz und nahm feinen Kopf an ihre Brust.„Nun mußt du groß und vernünftig sein, sagte sie.„Du brauchst dir doch nichts draus zu machen, sondern kannst von allem weg- reisen." Ihr Kinderherz klopfte gegen seine Wange, schwer von Mitgefühl. Nach und nach gelang es ihr, ihn zu beruhigen; still lagen sie zusammen und plauderten, ganz vergnügt— und mußten plötzlich lachen, als sie entdeckten, daß sie die Köpfe unter die Decke hielten und flüsterten. Dieses Lachen nahm den letzten Rest von Karls Schwermut fort; er fing an, sie zu kitzeln und wurde ganz ausgelassen.„Das darfft du nicht» denn dann muß ich schreien," sagte sie ernst und suchte seineu Mund. Ihre Küsse machten ihn still; und auf einmal schlang« die Arme um sie und preßte sie heftig an sich. Stine wehrte sich, mußte aber nachgeben vor der Kraft seiner Umarmung. Alles in ihr wurde so schwach „Nun tust du mir ja was zuleide." sagte sie und begann zu weinen.(Forts." � des Berliner Strombedarfs wird im Drauntohlengebiet bei Bitter feld erzeugt und lediglich zwei Fünftel in den Berliner Werken. Der Gesamtverbrauch an Strom beträgt in Berlin 30 0 Millionen Kilowatt, von denen 150 Millionen von den großen Berliner Industriewerken, 70 für den Betrieb der Berliner Straßenbahn, 40 von den kleinen Abnehmern und weitere 40 Mil» lionen als Lichtstrom Verwendung finden. Der Wasserbedarf Berlins beträgt 100 Millionen Kubikmeter und wird von Berliner Wasser- werken gedeckt. Die Gesamtzahl der Werke beträgt 75 und der Etat balanciert in Ausgaben und Einnahmen mit 1,6 Milliarden Mark. Stadtbaurat Horten sieht die Hauptaufgabe der neuen Stadtverwaltung darin, die Werte nach modernen Me thoden rationell arbeiten zu lassen und kauf m ä n n i s ch geleitete Betriebe zu schaffen, doch dürften dabei die sozialen Aufgaben nicht vernachlässigt werden. Die Lebensfreude der Arbeiter müsse gesteigert werden, dadurch würde sich auch die Pro- duktivität der Werke steigern und hierbei mitzuwirken sei Aufgabe der Betriebsräte. Nachdem Stadtbaurat Horten die einzelnen Be» triebsformen untersucht hatte, erklärte er, daß die Form der Aktiengesellschaft für die städtischen Werke die beste sei und daß dieselbe auch von der Reichsregierung anerkannt worden sei, weil durch ihr« Anwendung qleichsam wie mit einem Kunstgriff die einengenden Verwaltungsvorschriften beseitigt würden. Die Aktien müßten im Besitz der Stadt bleiben und der Verkauf derselben könne nur durch einen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung herbei- geführt werden. Es wäre allerdings auch denkbar, daß man schar zwischen der reinen Verwaltungsarbeit und der Leitung der produb tioen Werke unterscheide. Jedoch mache das ein« Aenderung der Borschriften notwendig, wozu die Möglichkeit vorhanden sei, und in drei bis vier Monaten schon könne man erkennen, ob ein solcher Ver such gelungen sei. Uebrigens hat die neue Stadtgemeind« Berlin bis heute noch nicht die freie Verfügung über die in den Außengemeinden liegenden Werke. Diese Frage kann erst nach Anhörung einer Vollversamm- lung der Bezirksbllrgermeister entschieden werden. Horten führt die Unrentabilität neben technischen Mängeln auch darauf zurück, daß z. B. zur Herstellung einer bestimmten Gasmenge in den Vororten nur 22 bis 25 Arbeiter benötigt werden, während die alten Berliner Werke dazu 33 benötigten, und er erklärte, daß wenigstens 3 000 Arbeiter und Angestellte zuviel bei dem augenblicklichen Stand der Werke beschäftigt würden. Diese überflüssig wer denden Arbeitskräfte müßten nach der Neuorganisation durch Auf nähme neuer Fabrikationen weiterbeschäftigt werden. Er hält die Herbeiführung einer größtmöglichen Dezentralisation für notwendig die einzelnen Werke sollen größere Verantwortung haben und ledige lich in den monatlichen Selbsttostenrechnungen kontrolliert werden, wodurch die günstigsten Betriebsergebnisse ollen Werken nutzbar ge- macht werden könnten. Dagegen soll die Verwaltung der großen Verteilungsnetze von der Verwaltung der Werke tunlichst getrennt werden. Die Zentralverwaltung würde bei diesem System mit etwa 150 Personen auskommen, von denen je 50 den kaufmännischen und sozialen Teil zu bearbeiten hätten. Die Betriebsräte sollten in "»eitestem Maße zur Mitarbeit herangezogen werden. Der Magistrat )at beschlossen, nach den Vorschlägen des Stadtbaurats Horten zu oerfahren und diesen an die Spitze der städtischen Werke zu stellen. Die Diskussion, in der sich die einzelnen Nedner teils zustimmend, teils unter Geltendmachung schwerer Bedenken gegen die Vorschläge Hortens aussprachen, wurde nicht beendet. Es kam besonders die Befürchtung zum Ausdruck, daß auf Umwegen die Werte in Privat- besitz übergeführt werden und daß dadurch wohlerworbene Recht« der Arbeiterschaft verloren gehen würden. 4.? Prozent Mietezuschlag? Eine Zeitungskorrespondenz meldet: Der M a g i st r a t Berlin hat heute beschlossen, die Höchst- Mietenzuschläge von 30 Proz. der Friedensmieten auf 45 Proz. zu erhöhen. Ein Antrag, den Vermietern einen Reparaturzu- schlag von 15 Proz. zu gewähren, wurde mit großer Mehrheit ab- gelehnt. Der Höchstmietenzuschlag von 45 Proz. bedarf noch der Bestätigung durch den Oberpräsidenten. Wird er vom OberprSsi- deuten genehmigt, und es ist daran wohl nicht zu zweifeln, tritt er sofort mit der Veröffentlichung in Kraft. In Kreisen der Haus- besitze? beabsichtigt man, beim Wohlfahrtsminister gegen den Beschluß des Magistrats vor st ellig zu werden, mit der Begründung, daß er den Verhältnissen in Berlin nicht Rechnung trägt und daß dann sämtliche unbedingt notwendi- gen Reparaturen unterbleiben müssen. Man hofft, daß der Wohl- fahrtsminister entsprechend seiner Zusicherung für ein« Besserung der unhaltbaren und ungerechten Zustände in Berlin eintreten wird. und der Lage auch der Hausbesitzer Rechnung tragend auf ein« Er- höhung der Höchstmietenzuschläge hinwirken wird. Ueber die Angelegenheit sind so viele falsche Meldungen ver- breitet worden, daß man auch dieser Nachricht einstweilen noch einiges Mißtrauen entgegenbringen muß. Die Frage der Erhöhung des Mietezuschlages ist zwar für weite st e Kreise der Be» völkerung von größter Wichtigkeit, ober das Nach- richtenamt des Magistrats hat bisher über den angeblich neuesten Beschluß noch keine Mitteilung verbreitet. Inzwischen kann durch private Nachrichten, wie die obige, wieder flott für die Haus- besitze? Stimmung gemacht werden. Vas Inkrafttreten üer neuen Fahrpreise. Fernverkehr: t. Zuni— Skadk- und Vorortverkehr: I. Zuli. Die gestrigen Meldungen über die HinauSschiebung deS Termins für das Inkrafttreten der neuen Eisenbahnfahrpreise werden jetzt geklärt durch eine Mitteilung deS ReichSverkehrS Ministeriums, die es als unzutreffend bezeichnet, daß die Er- höhung der Personentarife aus den Reichseisenbahnen zweifelhaft geworden sei. Die neuen Fahrpreise deS Fernverkehrs treten am 1. Juni bestimmt in Kraft. Dagegen werden die Er- höhungen im Berliner Stadt-, Ring- und Bvrort- Verkehr erst am I.Juli zur Einführung gelangen, da tech- nische Schwierigkeiten im Fahrkartendruck diese Verschiebung not- wendig machen. Ueber die Gültigkeit der Fahrkarten anläßlich der Einführung des neuen Tarifs im Fernverkehr zum 1. Juni d. I. hat die Eisen- bahnverwaltung folgende Bekanntmachung erlassen: Für die Zeit vom 20. Mai bis 31. Mai wird die Gültigkeit der Fahrkarten deS Fernverkehrs dabin beschränkt, daß die Reise am ersten Tage der Geltungsdauer angetreten werden muß. Für die zum 29. und 30. Mai gelösten Karten wird der Antriit der Reise noch bis zum 31. Mai zugelassen. Im Monat Mai werden Fahrkarten für Monat Juni im voraus nichr ausgegeben. Der erste Tag der Geliungs- dauer ist der Tag, dessen Dalum die betreffende Fahrkarte trägt. Die Wohnungsnot in Neukölln. In der B e z i r k s v e r s a m m l u n g des 14. Bezirks fNeu- köfln, Britz, Rudow) gab der 2. Bürgermeister R a d t k e auf An- schuldigungen, die von bürgerlicher Seite in der vorigen Sitzung er- hoben waren, die Antwort, daß allerdings ein Angestellter Gelder unterschlagen habe, doch seien dies keine städtischen Gelder gewesen. Solche Angestellte könnten natürlich nicht weiter- beschäftigt werden. Di« Erzählung von den 50 Zentnern Wurst eis Hundefutter beruhe auf kolossaler Uebertretbung. Ein« kleine Menge sei so verwandt worden, well sie nicht mehr ver- tauft werden konnte. Das komme anderwärts auch vor. An Stelle des ausgeschiedenen Borstehers Gotffchalk lUSP.) wurde Harnisch (USP.) gewählt. Bei der Besprechung von Maßnahmen zur Er- leichterung der Lage der Arbeitslosen wurde ein tommumstifcher Antrag, eine Vertretung der Arbeitslosen zur Sitzung iUüUiaüea, abgetehat. PeMqjjen wurde, tatt am all« Part«,». der Bezirksversammlung zusammengesetzte Kommission zu wäh- len, die sofort mit der Vertretung der Arbeitslosen zur Beratung zusammenzutreten habe. In der Beratung über die Wohnungs- n o t teilte Stadtrat T r e f f e r t mit, daß in den letzten anderthalb Iahren 431 Notwohnungen hergestellt wurden, davon 208 in Neu- bauten. Im letzten Jahr wurden 11 143 Wohnungen ver- langt, bei nur 2804 Wohnungsangeboten. Zum Juli können am Dammweg 80 Wohnungen bezogen werden und voraus- sichtlich werden zum Herbst 130 weitere beziehbar. Auch am Marien- dorfer Weg wurde gebaut. Neukölln allein fei mochtlos, da es von Groß-Berlin abhänge, ob die zum Bauen beantragten Gelder bewil- ligt werden. Gegen die von bürgerlicher Seite beantragte Bereit- stellung von Mitteln der produktiven Erwerbslosen- fürsörge zu Baugeldern für Private hat Redner starke Bedenken, weil hier die Kontrolle sehr erschwert sei. Daher habe auch Berlin die aus Reichsmitteln erhaltenen Gelder nicht an Pri- oate, fondern an 17 Genossenschaften vergeben. Dieser bürgerlich« Stadtrat sagte, er sei kein Anhänger der Sozialisie- rung, wie sie die sozialistischen Parteien erstreben, aber der Woh- nungsmarkt könne nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden. Unser Genosse Heitmann betonte, daß alles getan werden müsse, um der Wohnungsnot abzu- helfen. Nachdem noch darauf verwiesen worden war, daß seit No- oember 1020 eine Beschlagnahme von Neubauten nicht mehr mag- lich sei, die Erbauer solcher Häuser also in der Mietssesffetzung un- beschränkt seien, wurde der Antrag abgelehnt. Zu einer sehr lebhaften Debatte kam es bei einem Antrag der Unabhängigen, die Veröffentlichungen des Bezirksamtes nicht mehr in den beiden Amtsblättchen, sondern durch Aushang und im Ge- meindeblatt der Stadt Berlin erfolgen zu lassen. Da sich der Der- öffentlichung im Gemeindeblatt Hindernisse in den Weg stellen, wurde seitens der Antragsteller vorgeschlagen, ein eigenes Nach- r i ch t e n b l a t t für den 14. Bezirk zu schaffen. In langen und heftigen Reden liefen die Bürgerlichen gegen diese Anträge Sturm. Hierbei tobten sie auch ihren Zorn gegen den.Vorwärts"' aus, der ihnen gar nicht gefällt. Angeblich bringt er„falsche Berichte". Wie jeder Kenner weiß, hat er sich eine durchaus richtige Kritik der Borortpresse erlaubt. Unser Genosse K ö h n verwies darauf, daß der gegenwärtige Zustand geradezu unmoralisch sei. Jeder Einwohner finde die Bekanntmachungen des Bezirksamts nur in den Ortsblätt- chen, fei also zum Abonnement gezwungen. Die von der früheren bürgerlichen Stadtverwaltung eingegangenen Verträge bedeuten eine direkte Begünstigung eines Teiles der bürgerli- chen Preise. Hier müsse möglichst umgehend eine Aenderung er- folgen. Schwieriger sei allerdings die Frage eines eigenen Nach- richtenblattes. Er empfahl Kommissionsberatung. Auf Vorschlag von Bürgermeister Scholz wurden die Anträge der Deputation für die werbenden Betriebe überwiesen. Ei« kommunistischer An- trag, die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat von Ber- lin zu ersuchen, statt der beabsichtigten Verkehrseinschränkungen Verkehrsverbesserungen herbeizuführen, wurde ange- nommen. Angenommen wurde auch ein bürgerlicher Antrag betresi send die öffentliche Sicherheit im 14. Bezirk. Voraus setzung ist, daß nur eine bessere Verteilung der Sicherheitsmannschaf ten, nicht eine Vermehrung erfolgt. Die Wiederherstellung der für Schulzwecke wieder freigewordenen Räume im Hause Kaiser-Fried rich-Straße 4 wurde beschlossen. « Die Bezirksversammlung des 11. Bezirks(Schöneberg-Friedenau) trat zusammen, um den Rest der Tagesordnung der vorigen Sitzung aufzuarbeiten. Ein Antrag unserer Genossen wegen Verbesserung der Straßenbeleuchtung des sogenannten Inselstadtteils wurde fast einstimmig angenommen. Zwei Anfragen wegen des Verbotes der Pflege der Gräber auf den städtischen Friedhöfen sowie der Cntfer- nung der Bänke, wenn sie nicht bis zum I. Mai grün gestrichen sind, wurden vom Genossen Ezeminski begründet. Stadtrat Dr. Schneider erwiderte, daß er wohl die Anordnung getroffen habe, daß sie aber gegen niemand praktisch durchgeführt wurde. Eine Reihe von Nachbewilliaungen wurde debattelos bewilligt. Entgegen dem Vor schlag des Bezirksamts, den Bezirksschulausschuß aus je drei Mit' gliedern zu besetzen, wurde beschlossen, die Zahl auf vier festzusetzen. In einer früheren Sitzung hatte die Bezirksverwaltung beschlossen, daß sich die Mitglieder in den Berwaltungsdeputationen ohne wei teres vertreten lassen können. Diesem Beschluß konnte das Bezirks amt aus rechtlichen und praktischen Gründen nicht zustimmen und empfiehlt, für jedes Mitglied der Deputation einen dauernden Ber- treter zu bestimmen. Bei der Debatte hierüber entwickelte der deutschnational« Bezirksverordnete Thomas ein solches Maß von Unkenntnis der städtischen Verwaltung, daß Genosse Ezeminski ihm empfahl, sich ein Privatissimum über die Städteordnung und die tädtische Verwaltung von seinen Parteisteunden halten zu lassen, ehe er die Versammlung mit seiner Unkenntnis langweilt. Bei der Vorlag« der Haushaltspläne für 1021 wurde beschlossen, in Anbetracht der kurzen Zeit, in der der Haushaltsplan sich in den Händen der Mitgiieder befindet, von einer ersten � Lesung Abstand zu nehmen und ihn ohne Debatte an den Haushaltsausschuß zu verweisen. Der Ausschuß wurde beauftragt, dafür Sorge zu tta- ge«, daß der Etat rechtzeittg dem Magistrat Berlin zugeht. Tie Stiefelsohle«ls Schatzkammer. Weg« BergehenS gegen das Kapitalfluchtgesetz ist am 1«. De- zember v. I. vom Landgericht I in Berlin der Schuhmacher Markus Reis zu 2000 R. Geldstrafe verurteilt worden. Es war der P-lizei mitgeteilt worden, daß der Angeklagt« Stiefel mit doppelten Sohlen zubereite, so daß Geldscheine darin ver- borgen werden könnte». Bei einer Haussuchung wurden auch tat« 'achlich derartig zubereitete Stiefel vorgefunden. Ein Paar war chon vollständig zugenagelt. Man fand darin kunstvoll verstaut 99 rotgestempelte Tausendmarkscheine. Ein anderes Paar war auch schon fertig, aber noch ohne Geld. Da? auf diese Weise versteckte Geld wolllen die Auftraggeber nach Holland verschieben. Der Angeklagte hat gewußt, daß daS Geld ver- choben werden konnte, wenigstens hätte er e» den Umständen nach annehmen müssen. Die hohe Belohnung— er erhielt 1000 M. für jedes Paar Stiefel— mußte ihm verdächtig vorkommen. Seine Revision wurde vom Reichsgericht al» unbegründet verworfen Au» dem Schulwese». Die Borbereitungen zur Auswahl der drei Fachdezernenten für die höheren Schulen, die Gemeindeschulen und die Fach- und Fortbildung«. chulen find im Gange. Eine Kommission hat sckon die ein- gegangene» Bewerbungen gezählt und sieben Kandidaten vor- geschlagen. Darunter befinden sich Frl. Sinnchen, Rektor Rh- d a h l. Prof. Dr. H e r r i n g und noch mehrere Berliner Schul- männer. In Berlin sind 14 Direktoren von städtischen Ghm- nanen. Realgvmnassen. Oberrealschnlen. Realfckrnlen, Studien- anstalten für Mädchen und Lyzeen in den Ruhestand getreten Auf die öffentliche Ausschreibung der Stellen haben sich nicht weniger als 155 Bewerber gemelder. Die Deputation für die äußere An- gelegenheit der höheren Schulen hat«ine Äommisfion. bestehend ouS dem Stadtverordneten- Vorsteher Dr. Wehl, Bezirksschulrat Studienrat Dr. Ferber, Stadtverordneten und Stadtrat Boß so- wie dem Bezirksverordneten Dr. Witte mit der Prüfung der Be« Werbungen beauftragt. Nächtliche Nepplokale. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr wurde das Cafe„R e l ch s h o f". Ecke der Potsdamer und Pallas- traße von Beamten der Schutzpolizei ausgehoben. 20 Personen mußten den Weg zur nächsten Wache antreten, wo ihre Papiere geprüft wurden. Interessant ist die Preistafel für den Nachtbetrieb. So wurde» u. a. verlanat für ein« F l a f ch e S e t t S S 0 M k., für einen«ognat 10 Mk. und für ein» klein» Tafel Schokolade 29 Mk.— In derselben Nacht wurde von Kriminalbeamten i« Hause Saoignyplatz 13 ein S p i e l k l u b«usgehoben. Drei Perso- nen mußten, da sie sich nicht legitimieren tonnten, den Weg zur Wache antreten. Unbekannte Tote. Ei» unbekannter, ettv« 50 Jahre alter Mann web aetötch» Sem« Leiche wurde gestern astend aus der Bahnflreite zwischen Bahnhof Iannowitzbrücke und dem Schlesischen Bahnhof von Bahnarbeitern aufgefunden. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch unbekannt. Der Unbekannte ist 1,60 Meter groß und untersetzt.— Die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes wurde aus dem Schifsahrtstanal gelandet. An der Stirn wies die Leiche eine kleine Verletzung auf, doch dürfte diese von Bootshaken herrühren. Der Unbekannte ist 1,80 Meter groß und untersetzt, hat volles, blondes Haar, einen graubraunen Schnurrbart und lückenhafte Zähne und trug einen braunen Anzug, Papierwäsche, schwarze Schnürschuhe. Bei dem Toten fand�man einen Brief, der an eine Frau Graul gerichtet und Albert Lohmann unterschrieben ist.— Zwei un- bekannte weibliche Leichen wurden gestern am Schiffbauer- dämm und am Holsteinischen Ufer gelandet. Die Leichen befinden sich im Berliner Schauhaus. Die Ortsgruppe Verlin der Deutsche« Friedensgefellfchast der» anstaltet heute, abens 7 Uhr. im Bürgerjaale des Berliner Rathauses. eine Gedächtnisfeier für den am 20. Mai 1020 getöteten Hans Paaschs. Redner: Magnus Schwantje. Gäste willkommen. Milch. Heute, Sonnabend, den 21., Sonntag, den 22., und Montag. den 23. Mai, werden die vi-. Oll- und DIII-Kinderkarten mit je«st Liter Frischmilch beliefert. Die übrige Belieferung bleibt wie bisher. Das nächste städtische Volkskonzert des Philharmonischen Or- chefters unter Leitung von Richard Hagel findet beute in der Brauerei H a p p o l d t. f'al-nbeide 32—38, statt. Di« im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkaust. Der Eintritts. preis beträgt 1,50 M. Kasseneröffnung 7 Uhr. Beginn deS Konzerts 8 Uhr. Groß-Serllner parteinachrichtea. heule. Freilag. deu 20. Mai: Neukölln. Sozialistische Eltern der ZS. Gemeindeschule, Rigaer Straße, Eltern. versommlunq Iii Uhr bei Schmidt, Saalestraße, Elle Unstrutstraße. Tages. ordnung:„Die Elteiitbeiratswahlen". Xcnkiln. 7 Uhr treffen sich die Genossen und»-der.SchinhI>e-a-»sIng ?ugenüveransta!tungen. Verein Arbeiter-Jugend«»»tz-Berlin. Sekretariat: RS. 44, In de« Zelte» 23. Sonnlag. den 22. Mai: Bormitlags 9 Uhr im Rofenthaler Sof, Rosenthaler Str. llklZ, General. »rrsammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Aassenbericht. Referent: Walter Rüdiger. 2. Unsere Stellung in der deutschen Jugendbewegung. Rerc- rent: Erich Ollenhauer. 3. Beitragserhöhung. 4. Statutcndcrelung. 5. Der internationale Iugcndtag in Dieleseld. 6. Anträge. 7. Wahlen») zum Bezirksvorstand! K) Delegierte zur Reichslonfcrenz. 8. Berschiedenc». Freilag. den 20. Mai: Eharlattenbnrg, Rosinenstr. 4, Bortrag:„Die bürgerliche Jugendbewegung�. — Reukölln-Süd, Rogatstr. 53. Bortrag:„«lnoschund und Schundliterawr'— Treptow, Elsen str. 3, Vortrag:„Das Schachspiel".— Äret» Preuzlaner Tor. Die Spiele auf dem Falkplatz beginnen um« Uhr. Soziales. Musiker und Angestevtenversicherung. Nach dem Angestelltenverficherungsgesetz sind verficherungs- pflichtig: Orchestermitglieder ohne Rücksicht auf den Kunstwert ihrer Leistungen. Ein Orchester im Sinne des Angestelltenoersicherungs- gefetzes liegt dann vor, wenn mindestens drei Musiker zusammen- spielen und sich hierbei dem Willen eines einzelnen unterordnen. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, daß der Leiter in einzelnen Stücken eine Sttmme mitspielt, die aber bereits im Orchester verkreten fein muß. Als Arbeitgeber eines Kaffeehaus- ober Wirtschaftsorchesters ist nach der Rechtsprechung des Oberschied.s- gerichts nicht der Kapellmeister, sondern der Inhaber der Gaststätte anzusehen, und zwar auch dann, wenn nur zwischen ihm und dem Kapellmeister ein Vertrag besteht, der Kapellmeister in der Annahme und Entlassung der Musiker freie Hand behält und eine Gesamtver- gütung bezieht, aus der er wiederum die Vergütungen der Musiker zu decken hat. Dem Gastwirt fällt demnach die Erledigung sämt- sicher Arbeiten, die aus der Angestelltenversscherung entstehen, zu. Ebenso ist es bei den Lichtspieltheatern. Badeverwaltungen usw. VortrSge, vereine unö Versammlungen. Frei« fiehrerge wertschaft. Sonnabend, den AI. Mai, abend« 7 Ubr. im Rathaus, Zimmer 63, Geschäftsbezirk. 1. Lehrerkammer. 2. Stutlaarler Tagung.— 5s, Uhr vsrftandssttzung in demselben Räume.— Elternbeiräte de» lS. ftreise». Freitagabend T.j Uhr Sitzung in Riederschäncweide, Grünauer Straße t. Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Mus alier Welt. Das Schmiergeld für die französischen Dameusiiefel. Di« dritte Strafkammer des Landgerichts Köln verhandelt« auf Antrag des Vereins gegen das Bestechungsunwesen gegen den Schuhwaren- Händler Albert Wette in Andernach. Der Angeklagte kaufte in der Hochkonjunkttir unter Aufwendung von Schmiergeldern f r a n z ö- fische Damen st iefel von einer Kölner Firma und verkaufte sie mtt hohem Gewinn an Besatzungsofsiziere. Als aber die Konjunktur abflaute, verlangte der Angeklagt« von der Kölner Firma die Rück- nahm« der übrigen Stiefel und ferner die Rückzahlung der Schmiergelder, die er an den Lageristen der Firma habe zahlen müssen. Es ergab sich aber, daß Wette den Lageristen ver- führt hatte. Dos Gericht verurteille den Angeklagten wegen De- stechung zu 3000 M. Geldstrafe. Sport. Ren«« zu Karlshorst. Die infolge der brennende» Sonne gestern hart gewordene Bahn bereitete den Startern Schwierigkeiten, so daß die Beteiligung nur schwach war: DaS Pubsikum hatte sich wieder sehr zahlreich eingefunden. l. Preis von Neubau S. 1. Issland sGorslerl, 2. Flichcri« (Kardoi). Toto: 30:10. Kantinior ausgebrochen. 3 liefen.— 2. Fortuna- Preis. 1. Sigeboto(Leist), 2. Pionier(P. Lowicki), 3 Lora(Edler). Toto: 72: 10, PI. 24, 1«: 10. Ferner liefen: Skagerrak III, Micbeih, siurinhaub» gef.— S.«Horn-Jagdrennen. Monitor(E. Lüne« beraer) ging allein über die Bahn.— 4. LandSterg-IaadreNnen. 1. Harleff»(Jihnson),». Minim«;(Mnfinger), S. Radom(KilfniieS). tot»: 19: 10, Ol. 19,": 10. chetent gf.-*■«.•tan(i**lt rennen. 1. Fxftanala(»«Mir), i vuertieiber(BiSmirck). Tot»: 17: 1« Ferner lies: Rosmarin.— 6. K»gdr«nn«n der vierj. t. Glattei»(». Borchem). 2. Symbol(Edler). 3. Landvigt(Nash). Tot»: 18:10. Pl. 18, 28:10. Ferner liefen: Cid. Mur.— 7. Poseidon. fätbenrennt*. 1 Strhm-m(E. Lllneberger). 2. Kapitalist(Pöbelt). _ Snftn« sPafiagf. 4. Mero Auroi(P. Lomiefi)� 6.«onbler(«ilh«,). "* M Jst.44,~'---- Reichskonferenz ö« Zorstardeiter Am 15. und 16. Mai fanden sich zum erstenmal seit dem Bestehen des Deutschen Landarbeiterverbandes Delegierte der Forst- arbeiter aus allen Gauen des Reiches in dem festlich geschmückten Saal des Gewerkschaftshauses in Jena zusammen zur Beratung der besonderen Berufsintei essen der organisierten Forstarbeiter. Die weit- trogende Bedeutung, die dieser Konferenz beizumessen ist, doku- mentiert die Tatsache der Anwesenheit von Vertretern zahl- reicher Regierungsbehörden, u. a. des Preußischen Land- Wirtschaftsministeriums und der thüringischen Staatsregierung. Im Vordergrund der erfolgreich verlaufenen Tagung stand ein an inter- essanten Gesichtspunkten reichhaltiges Referat des Vorstandsmit- gliedes Wilhelm B e r n i e r über die im gegenwärtigen Zeitpunkt einer besonderen Bedeutung beizumessenden Frage .Der deutsche Wald als Gemeingut des Volkes und seine Bewirk- schaftung durch den Staat." Ausgehend von der Feststellung der Bedeutung der Forstwirtschaft für unser gesamtes Wirtschafts. leben und insbesondere für die Durchführung der unsererseits durch Unterzeichnung des Friedensvertrages anerkannten Verpflichtung der Wiedergutmachung, entrollte der Referent ein Bild von dem Umfang der Benachteiligungen, die der Volksgesamtheit durch die in privater chand liegende Bewirtschaftung der Forsten erwachsen und erbrachte den Nachweis der Notwendigkeit der Ueberführung dieses wichtigen Faktors in die Gemeinwirtschaft. Ohne Rücksicht auf das Allgemeinwohl des. Voltes wird heute von mancher Seite in frivoler, von nackter Gewinnsucht getragener Weise ein Raubbau an unse- ren Waldbeständen getrieben, der die Grenzen auch der weitestgehen- den Rücksichtnahme übersteigt. Waldbestände, deren Schlagreife erst in Jahrzehnten gegeben ist, werden heute zum Einschlag gebracht im Interesse der Ausnutzung der gegenwärtig auf dem Holzpreismarkt herrschenden günstigen Preiskonjunktur. Unersetzliche Naturwerte werden auf diese Art vernichtet zum Nachteil insbesondere des schaffenden Volkes, dem seine Erholungsgebiete entzogen werden. Die Not des Volkes und die Erfüllung der der' Forstwirtschaft übertrage- nen Verpflichtung verlangt die Herbeiführung der rationellsten Be- wirtschaftungsweise, die aber nur durch Ablösung der privaten Be- wirtschaftungsmethode durch Unterstellung unter Staatsaufsicht und Ueberführung des Waldes in Gemeingut des Volkes gewährleistet er- scheint. Die Forderung der Vsrstaatlichung aller Wälder Deutschlands ist mithin vollauf berechtigt und sollte, wenn man sich allseitig aus das für die Allgemeinheit überaus Notwendige einigen würde, von allen einsichtigen Menschen befürwortet werden. Ein Unrecht gegenüber der Allgemeinheit ist es, wenn es Prioatwaldbesitzern möglich ist, Jahr für Jahr Millionen Ueberschüsse aus den Wäl- dern, die eigentlich dem gesamten Volte gehören, herausholen können. Bei der großen Notlage, in der sich das deutsche Volk befindet, ist es unverantwortlich, daß fast� die Hälfte aller Wälder nicht so be> wirtschaftet wird, daß der größtmögliche Nutzen dabei herauskommt. Volkswirtschaftlich ist also die Forderung vollauf berechtigt, wenn wir verlangen, daß aller Wald in den Besitz des Staates übergeführt wird, um eine pflegliche Behandlung zu ermöglichen. Die Ueber- schüsie der Staatsforsten fließen in die Staatskasie und nehmen der Gesamtbevölkerung einen ansehnlichen Teil der Steuerlosten ab. So hat z. B. der Freistaat Sachsen im Jahre 1919 einen Reinertrag von 36 205 638 M. Der Freistaat Baden hat unter seinen Gesamt- einnahmen im Jahre 1912 einen Betrag von 76,6 Millionen Mark, die als Reinertrag der Forsten gebucht werden konnten. Bayern schließt mit einem Reingewinn von 574 Millionen Mark aus den Staatsforsten im Etatjahre 1929 ab. Die Staatsforsten in Anhalt hatten im Etatjahr 1918/19 einen Reinertrag von 3 322 742 M., im Jahre 1917/18 einen solchen von 2 838 363 M. Dies bedeutet in einem Jahre eine Steigerung des Reingewinns um über Mil- lionen Mark. Diese Einnahmen sind aber nicht der alleinige Vorteil, den die Bevölkerung von der staatlichen Bewirtschaftung der Wälder hat. Fast alle staatlichen Forsten haben der minderbemittelten Be- völkerung dasBrcnnholzzu einem bedeutend niedrigeren Preis geliefert. Die Arbeiter haben an der Uebernahme der Forsten durch den Staat ein ganz besonderes Interesie. In allen Staatswaldungen sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse nach einem Tarif geregelt, der zwischen der Organisation und den Staatsforstverwaltungen abge- schlössen wurde. In den Privatbetrieben fehlen die Tarife zum aller- größten Teil. In der letzten Zeit haben allerdings die Waldbesitzer ihren früheren Standpunkt auch ausgeben müssen, und sind in einigen Kreisen und Provinzen heute ebenfalls für die Privatwaldbetriebe Tarife abgeschlossen. Zusammenfassend würde die Uebernahme sämtlicher Waldungen durch den Staat für die Gesamtbevölkerung folgende Vorteile bringen: 1. ein« bessere pflegliche nachhaltige Bewirtschaftung und Be- Handlung des Waldes und somit die Erzielung eines größeren Holzertrages, 2. eine Steigerung der Einnahmen des Staates, wodurch die Steuerzahler gewaltig entlastet würden, 3. Einwirkung auf die Regulierung der Holzpreise, 4. würde der Vertauf von Waldgrundstücken zu Wucherpreisen und die Verschiebung von Holz in das Ausland beseitigt werden. Ueber die Frag« der„Betriebsräte und ihre Be- deutung in der For st Wirtschaft" referierte der Gauleiter Böcken, Hildesheim. Die Ueberführung des Woldbesitzes in Ge- meingut des Voltes erfordert in erster Linie Entfaltung größtmög- licher Aktivität der in der Forstwirtschaft tätigen Betriebsräte. Zu überwinden gilt es den besonders seitens der forstwirtschaftlichen Be- triebsinhaber gegen die Gewinnung des Mitbestimmungsrechtes in dem Produktionsprozeß durch die Betriebsräte gerichteten Wider- stand. Die erfolgreiche Durchführung dieses, einer Hartnäckigkeit nicht entbehrenden Kampfes erfordert intensivste Anlehnung an die gc- werkschaftliche Organisation. Die Arbeiterschaft oerlangt Erhebung vom Objekt zum Subjekt unserer Volkswirtschaft. Die Arbeiterschaft kann und wird sich mit ihrer bisherigen Rolle, welche sie zur mechanischen Lohnarbeit ver- urteilte, nicht zufriedengeben. Auch gegen die heftigsten Wider- stand der Unternehmer, trotz aller sonstigen in den Eigenheiten der Wirtschaft begründeten Hemmnisse, wird die Arbeiterschaft nicht ruhen, bis die Sozialisierung unserer Volkswirtschaft durchgeführt ist. In diesem Streben das wichtigste Werkzeug der Arbeiterschaft zu sein, das ist die gewaltige Bedeutung der Betriebsräte. Das Problem der„Entwicklung und tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der deutschen For st arbeiter" fand durch den Gauleiter K e i- d i t s ch, München seine Behandlung. Den Willen der Forstarbeiter- schaft in bezug auf die Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse faßte der Referent in nachstehenden Forderungen zusammen: 1. Gewährung der achtstündigen Arbeitszeit in Betrieben, in denen bisher dieselbe noch nicht zur Einführung gelangte. 2. Gleichstellung in der Lohnzahlung mit den anderen Staats- arbeitern. 3. Gewährung eines Urlaubs, steigend nach Dienstjahren bis zu drei Wochen. 4. Gewährung einer Vergütung für Werkzeugbenutzung. 5. Beschaffung von Unterkunftsmöglichkeiten durch Zurverfügung- stellung von Schutzhütten. 6. Zahlung des tariflichen Zeitlohns für gesetzliche Feiertage in der Woche. 7. Vorzugsberechtigung bei Abgabe von Waldwiesen und Pacht- land. 8. Anerkennung als Facharbeiter und Gleichstellung in der Ar- beiterversicherung. Die Diskussion ergab weitestgehende Uebereinstimmung der Auf- fassung der Delegierten mit den seitens des Referenten propagierten Gedankengängen. Die deutsche Forstarbeiterschaft hat somithin durch die Reichs- konferenz ihren einmütigen Willen und ihre Bereitwilligkeit zur opferfreudigen Mitarbeit an dem Wiederauf- bau unseres daniederliegenden Wirtschafts- lebens dokumentiert, verlangt aber die Würdigung und Schätzung ihres Willens und die Schaffung eines Arbeitsverhältnisses, das sie zu frei schaffenden Menschen im freien Staat erhebt. Tagung der entjty'eöenen Schulreformer. Frankfurt a. M., 18. Mai. In der Pfingstwoche tagte am 17. und 18. Mai im Bürgersaal des Frankfurter Rathauses der Bund entschiedener Schulreformer, auf dem zu den wichtigsten Schulproblemen Stellung genommen wurde. Das Hauptthema der Tagung:„Das Werden der neuen Schule" behandelte Prof. Paul O e st r e i ch- Berlin. Er wandte sich gegen das Stipendien- und Freistellenwesen und oerlangte die Einfuhrung einer Bildung?- und Kultur st euer. Die Er- ziehungsfragen gingen noch den Lehrern in erster Linie die Eltern an. Diese aufzuklären sei die Hauptaufgabe der Schulreformer. In der Bewegung für die neue Schule seien die Jugendbewegung und das Proletariat Hauptfaktoren. Die von den Schulreformern ge- forderte Schule könne nicht als etwas Fertiges und E n d g ü l- t i g e s hingestellt, ausgebaut werden, sie könne nur im Maße und zum Zwecke der W i r t s ch a f t s r e f o r m, mit dem geistig-seelischen Reifen des Volkes, als seine Voraussetzung und seine krönende Folge, wachsen und werden. Das Werden der neuen Schule solle nicht durch gewaltsamen, zentralisierten Zwang, sondern durch die Betätigung der lebendigen Kräfte erfolgen. An den Schlaf der Welt zu rühren, ist die Aufgabe des entschiedenen Schul- reformers.(Lebhafter Beifall.) Als Ergänzung dieses Vortrags war anzusehen ein Referat von Karl Götze-Hamburg über„Die produktive Gemein- s ch a f t s s ch u l e". Götze ist ein begeisterter Fürsprecher der neuen Schule und zeigte sich als großer Idealist, der aus den Erfahrungen des Lebens schöpfte. Wolle man zu einer Schulgemeinschast kommen, müsse man diese Jugend, ihre Kräfte und ihre Seele gewinnen. Sehr entschieden verwarf der Redner das Prügelsystem, das die Axt an der Wurzel jeder neuen Erziehung bedeute. Die neue Schule hat von dem Grundsatz auszugehen, daß Denken und Tun übereinstim- men. Es muß gebrochen werden mit der in n e r e n Unwahr- h a f t i g k e i t. daß Lehren und Leben verschieden sind. In der produktiven Gemeinschaftsschule soll der Schüler nicht Objekt, sondern Subjekt sein. In der heutigen Schule geht alles nach Vorschrift. Weil wir diese Schule ändern wollen, nennen wir uns entschiedene Schulreformer. Die neue Schule ist im Werden, sie wird kommen, wenn man sich auf dem Boden der Arbeit findet.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Der Kongreß befaßt« sich hierauf mit dem Entwurf eines Reichsschulgesetzes. Es wurde hierzu folgender Beschluß gefaßt: „Die Pfingsttagung 1921 des Bundes entschiedener Schul- reforme? erhebt P r o t e st gegen den Entwurf eines Reichsschul- gesetzes zur Ausführung des Art. 146,2 der Reichsversassung. Die Annahm« und Durchführung dieses Entwurfs würde das deutsche Schulleben in die schlimmsten Zeiten der konfessionellen und bundes staatlichen Zerrissenheit zurückwerfen, würde das Werden der Einheits. und Arbeitsschule im Sinne der Art. 148 und 146,1 hemmen und st ö r e n und unbedingt zu Stuck werk führen. Statt die Schule fortzubilden und»ufzu- bauen nach den Gesetzen einer sich selbst gestaltenden Volksgemein. schaft mit den Forderungen der sozialen Persönlichkeitsbildung. will man sie fernerhin von der K o n f e s s i o n a l i t ü t beherrschen und zersplittern lassen. Dieses Gesetz würde alle Entwicklung und allen Willen zur deusschen Einheit, zur Volksgemeinschaft, zu wirk- licher produktiver Schulreform, zur Genossenschaftskultur unter- binden. Der geordnete Schulbetrieb muß umschrieben werden gemäß der höchsten Möglichkeit, darf nicht so herabgeschraubt wer- den, daß durch die Konsessionalisierung K a st e n- und Klassen- i n t e r e s s e n sich auf Kosten der Volkszukunft schützen können. Die in Frankfurt a. M. versammelten entschiedenen Schuiresormer verlangen, daß dieser Gesetzentwurf v e r s ch iv i n d e und daß der Neuaufbau des Schulwesens in einem anderen Gesetzentwurf gemäß seiner inneren Gesetzlichkeit vorgenommen werde'" Im weiteren Verlauf der Tagung sprach K a w e r a u- Char- lottenburg über„Den Geschichtsunterricht". Er stellt als Methode des Geschichtsunterrichts auf: Ausgangspunkt vom Kinde und von der Gemeinschaft. Beobachtung der Umwelt: Erarbeiten des Stoffes. Keine Suggestion, keine ewigen Aufgaben oder Gedächtnis- drill, sondern Forschungsaufgaben. Keine Aesthetik, sondern Sach- lichkcit und Wahrhaftigkeit. Das Ergebnis dieses Unterrichts sei freies Menschentum. Wivtfdyaft Die Aufbringung öer Wiedergutmachung. Die SAK. macht in ihrer wirtschaftspolitischen Rundschau folgende Anregungen zur Aufbringung der Verpflichtungen an die Entente: Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß auch die Uebernahme der von der Entente geforderten Leistungen, die im Minimum auf 3,25 Milliarden Goldmark jährlich berechnet werden, wirtschaftspolitisch den schwersten Druck erzeugen müssen. Denn diese 3,25 Mil- liarden bedeuten bei unserer Papierwährung rund 48,75 Milliarden, die aus der deutschen Wirtschaft aufgebracht werden sollen. Unsere Einnahmen aus Zöllen, Verbrauchsabgaben und Steuern sind im Etat 1929 mit 38 Milliarden oeranlagt: sie langen nicht eininal für den Bedarf des Reiches, denn wir werden mit einem Defizit von 79 Milliarden abschließen. Aus laufenden Einnahmen ist also der Posten, den die Entente fordert, in den nächsten Jahren n i ch t zu decken, wir müssen nach neuen Einnahmen Umschau halten. Die Entente hat uns einen Weg gewiesen: sie will neben den 2 Mil- liarden Goldmark, die wir, ganz einerlei woher, ausbringen sollen, 25 Proz. vom Wert der Waren in Anspruch nehmen, die wir an das Ausland liefern. Sie verlangt aber, daß der Exporteur diesen Be- trag von der deutschen Regierung zurückerhält. Damit gelangen wir wieder an den deutschen Steuerzahler, der nun abermals auf seine Leistungsfähigkeit geprüft werden muß. Viel wird bei dieser Prüfung nicht herauskommen, denn die Steuerschraube wird keine großen Andrehunqen mehr vertragen können. Wir werden wohl zu keinem anderen Mittel greifen können, als dem einer Verpfändung unseres Grundbesitzes, ähnlich dem, wie es unseren österreichischen Freunden bereits ergangen ist. Natürlich darf der ländliche Grundbesitz dabei nicht frei bleiben. Die großen industriellen Unternehmungen müssen durch fest verzinsliche Obligationen ihren Beitrag liefern, um auf diese Weise die 25 Proz. der Aussuhrabgabe freizubekommen. Daneben muß der verschwenderischen Dividendenpolitik ein Ende be- reitet werden, indem die Ausschüttung einer Dividende über 5 Proz. mit einem steigenden Anteil der Finanzverwaltung bedacht wird. Nur durch einen entschiedenen Zugriff in das kapi- taliftische Getriebe besteht die Möglichkeit, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, sonst stehen wir nach einigen Wochen vor d e'msel b c n Dilemma und der Spektakel mit dem dn)h enden Einmarsch beginnt von neuem. Das Vermögen iii: Grund und Boden wurde vor dem Kriege auf 79 bis 199 Milliarden Gold- mark, der Bergwerksbesitz auf 6 Milliarden Goldmark geschätzt. Diese Wertung ist nur ein ungefährer Anhalt, sie liegt weit zurück und ist offenbar viel zu gering. In industriellen Aktiengesellschaften waren rund 29 Milliarden Mark angelegt, die zu einem erheblichen Teile jetzt aus ihren Papierwert gebracht sind. Für den ländlichen Grund- besitz ist die Belastung erträglich, da die Hypothetenschuld während des Krieges sehr gemindert ist. Die Verteilung der Lasten kann natürlich keine gleichmäßige sein. Es ist klar, daß diese Belastung mit einer Steigerung der Waren- preise einhergehen wird. Aber wie wir auch das Problem, aus unserer Volkswirtschaft jährlich 48 Milliarden Mark herauszuholen, lösen, immer werden wir die Warenpreise hinaufschrauben und damit Absatzschwierigkeiten schassen, die die gegenwärtige Krise verschärft: also vermehrte Arbeitslosigkeit und Geschäftsstockunz, deren Ueberwindung erst für später zu erwarten ist. Mit diesen sehr trüben Aussichten treten wir an die Erfüllung der übernommenen Ver- pflichtungen heran._ Carl Llndström, A.-S., Berlin. Der Aufsichtsrat beschloß nach reichlichen Abschreibungen die Verteilung einer Dividende von 2 9 Proz. wie im Vorjahre vorzuschlagen. k. u. ffi. Müller. Speisefett 5t.-®., Neukölln. Der Aufsichtsrat schlägt 29 Proz. Dividende vor. wozu noch„a»S zuriickgezablten Steuern und freigewordenen Prozeßreserven" ein Bonus von' tv Proz. kommt, so daß die Ausschüttungen zusammen 39 Proz., das Doppelte de? Vorjahrs, betragen. aiwiiiiiiintiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiüiiiiiiiiiiiiig SOENNECKEN BONNA- FEDER Uebetall erhSItlich t. SOCMNECKEN. SONN. BortlnW, Ttubtnalr. H-l» MimiiuiiUiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiMiiiiiiiiöUuJiuJUUiiiiUtiiii« WARNUNG! Eine Smith Premier-Schreibmaschine - Modell X, Nr. 71758 ist gestohlen worden. Vor Ankauf derselben wird gewarnt Für die Herbeischaffung der Maschine oder den Nachweis des Diebes wird angemessene Belehnung bezahlt. Mitteilungen über den Verbleib der Maschine oder den Nachweis des Täters nimmt die Kriminalpolizei SW 48, Wilhelmstr.29, entgegen eldsehranki gebrauchten, feuerfest u. diebessicher, zukaufen gaeucht. Preiaaasebote mit(xrößenangabe unter „O. ÄÄ"»n die Haupteipedition des „Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Mbgewehre. AlllmiMe Molen Usw., Ankauf, Berkaus, Umrausch Gewehr-Zobr»' Gustav Rätzel, wT Mapbgpafenatr. SO. Kolzdrehbänke Ult Fuh- und ftraftbetrirf), Wellen, LaqeroiZcke, gedranchk, gut erhallen, verkauft S. Müller, Summiwarensabrik, Berlin-Wclhcnsee. sMZD NeutscherNletallarbeiterverband Verwaltungsstelle Berlin II SU, Cinienftraße 83— 8S Geschäftszeit von vorm. g Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Ami Norden l8S, 123«, 1987, 9714 Sonnabend, den 21. Mai 1921, abend» S Uhr, im Sewertfehastohous, Eugeiuser lö Saal I: Außerordentliche Versammlung der vautlempner und Klempner für Gas- und Wafferanlagea. Tagesordnung: 1. Bericht Uber die bisherigen Tarif- oerhandlungen. 2. Diskussion. 3. Branchenangeiegenheiten. Sanntag, den 22. Mai 1921, vorniittag» 10 Ahr: B r a n ch e»t- V e r s a»n ,n l u n g der Emaillierer und verwandten Gewerbe im Vre»dner Garten. Dresdner Str. 45a, ESe Prinzenstr. Tagesordnung: L Bericht von unserer Lohnbewegung. 2. Stellungnahme dazu. 3. Branchenangeiegenheiten und Ber- schieden«»._ Sonnlag, den 22. Mai 1921, oormittag» 9 Ahr. bei MallschlSger, Adalbertstr. 21: Austerordentliche Versammlung der Zaunaufsieller Grost-Lerlins. ' Die Bertraucnsleutc sind hierzu besonders ewgcladen. Achtung! Die nächste Achtung! ordentliche Generalversammlung für unser« Verwaltungsstelle findet am Montag, den 4. Juli d. J-, statt. Anträge dazu müssen dis spätesten»«i. Juni in bänden der Orteoctroaltung sei». Zg/1» Sie Ortanerwaltnug. K. 4? Uder, 86. 16, Sngelufer 5 Zigaretten, Kau-, Rauch- u. Schnupftabake i ü A. hallt» ac er« üoldfarh'» Lanafried• Eiken» Raulino Oldenkoiu• Qeöilr.tt b-2 u. 3— ä Ulir. Moritzpl. 3014, 1372U Theater, lichtspieljeetc� Opernhaus Mona Lisa 7 Uhr Schauspielhaas Peer Qynt Uhr Deutsches Theater 7Vj U.; Potasch u. Perlmutter 5b. TV-: Potasch u. Perlmutter Kammerspiele 8 Uhr: Mesalliance Sb. 8 Uhr: Mesalliance Kr. Schauspielhaus (KarlstraBe) 7 U.: Ein Sommemachtstraiim (31. Abteilung 5. Abend) 5b. 7 U.: Sommemachtstraum (Auß. Abonnement) Tbeater I. d. Königgratzer Str. 7,30 U.: Rugby Sonnabend und Sonntag Maria Orska, Bildt, Riemann; Mit dem Pener spielen dazu: Satans Maske Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr. Volksbühne Theater am BOlowplatz 7 Der B&ner als Millionär Uhr Lessing- Theater Heute bis Montag �uhr:Rosenmoiitag Dentsehes Künstler-Theater Allabendlich 7''3 Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, BQIIer !T WodieSeMben nisten CIRCÜS BÜSCH tu.: Clrens-Sensationen Serpentin-Ballett z. Pferde .Das denk. Pferd' Droll« Hundepensionat Der JiD-Jitsn-Meister S'/j Ein berühmt. Gast S1/. KÖNRAD GEBHARDT v. Dt. Schauspielh. Hambg. im Manege-Schaustück .Krone n. Fessel* Sonnt. 3 U. I eig. Kind Ire! V�kf Weitheim u.Circ.-K. Theater amKottbuserTor Tägl Tt/j u. zu h a I b e n Preisen Sonntag nachm. 3 Uhr Elite-Sänger D.TOllstündigneue Mal« Programm ■Reichshall-TliBater Allabendlich (4—— Clrcns Carl—-K MKeiweN II Nene Kfinigstra�e j| ||(am Alexanderplatz)|| Nene K8nigttra$e (am Alexanderplatz) Riesen- Programm Täglich Tj, Uhr"" auch Sonnt, nachm. 3 U. Vvkf.: Tletz u. Circusk. i u Demnächst erscheint! Demnächst erscheint! Band 13 der Bibliothek der Kommunistischen Internationale: N. Bucharin und E. Preobraschensky Das ABC des Konununismas Aus dem Inhalte: Entwicklung und Untergang des Kapitalismus: 1. Unser Programm/ 2. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung/ 3. Die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung/ 4. Kommunismus und Diktatur des Proletariats/ 5. Wie die Entwicklung des Kapitalismus zur kommunistischen Revolution führte/ 6. Die Zweite und die Dritte Internationale./ Die Diktatur des Proletariats und der Aufbau des Kommunismus: 1. Bedingungen der kommunistischen Aufbautätigkeit in Rußland/ 2. Die Sowjetmacht/ 3. Die nationale Frage und der Kommunismus/ 4. Das Wehrprogramm der Kommunisten/ 5. Proletarische Gerichtsbarkeit/ 6. Schule und Kommunismus/ 7. Religion und Kommunismus/ 8. Die Organisation der Industrie/ 9. Organisation der Landwirtschaft/ 10. Organisation der Verteilung/ lt. Organisation der Banken und die Geldzirkulation/ 12. Die Finanzen im proletarischen Staate/ 13. Programm der Kommunisten in der Wohnungsfrage/ 14. Arbeiterschutz und soziale Fürsorge/ 15. Schutz der Volksgesundheit. Bestellungen sind zu richten an die 3447I>* Verlagsbuchhandlung Carl Hoym Nfl. Louis Cahnbley, Hamburg 1 1 Hilde WSrner, Ralph Artnr Roberts, Uschi Elleot, Herbert Kiper, Paul Rehkopf Komädlenhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. 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Er betont, daß der Eintritt der Stresemänner innerpolitisch einen„Triumph der wirtschaftlichen und politischen Reaktion" bedeuten würde und fährt fort: „Doch die Regierung hat nun eben keine Mehrheit. Gewiß, sie muß sich eine solche zu verschaffen suchen. Ist dieses Ziel ober nur durch die Anbiederung der Deutschen Volks- Partei zu erreichen? Sollte es nicht naheliegen, daß sie sich nach link- hin orientierte? Die Sozialdemokratie ist die stärkste der Gruppen, auf die sie sich stützt. Daß sie mitgemacht hat, läßt sich von ihrem Standpunkt aus zur Not verstehen. Es muhte ein Ministerium der Zustimmung geschaffen werden. Unbegreiflich und unverzeihlich aber wäre es, wenn sie die Sünden ihrer früheren Koalilionsvolitik erneuerte oder gar in schlimmere verfiele. Sie könnte eine Rechtfertigung für ihren Eintritt finden, wenn sie jetzt all ihren Einfluß aufböte, um dem «chiff einen Kurs zu geben, der sich von der bisher eingehaltenen Richtung wesentlich unterschiede." Diese Ausführungen Breitscheids sind insofern beachtens- wert, als sie eine geradezu glänzendeRechtfertigung der sozialdemokratischen Politik bedeuten. Auch dem Wunsch des Verfassers, den Kurs n a ch l i n k s zu steuern, kann die Sozialdemokratie vorbehaltlos zustimmen: nur darf nicht übersehen werden, daß dieser Linkskurs bisher noch stets an der ablehnenden choltung der Unabhängi- gen gescheitert lst. Die Sozialdemokratie trat bekanntlich auch diesmal wieder an die Unabhängigen zwecks gemeinsamer Regierungsbildung heran, und wieder wurde das offene Er- suchen unserer Partei unter einem fadenscheinigen Vorwand von der USP. abgelehnt. Breitscheid sind diese Dinge ebenso bekannt wie uns, und man gewinnt den Eindruck, daß feine Worte an seine eigenen Parteigenossen ge- richtet sind, um sie zu mahnen, endlich ans dem Stadium der unfruchtbaren Vegetation in das der praktischen Politik über- zugehen. Einen großen Erfolg versprechen wir uns allerdings von seinen Mahnungen nicht. Einheitsfront? .fterr Dr. H e t m kommt in einem gegen seinen engeren Par/cifreund Dr. Mayer gerichteten Artikel auf eine Er- .'.ählnng des..Vaterland" zurück, nach welcher der Botschafter Dr. Mayer eine in der Bildung begriffene Einheitsfront von Scheide mann bis Westarp durch feine Vewilligungs- freudigkeit gestört hätte. Herr Dr. Mayer ist diesem Märchen schon entgegen- getreten und wir fügen hinzu, daß in der sozialdemokratischen Fraktion niemals für eine solche Einheitsfront ein Wort ge- sprochen worden ist und deshalb auch niemand einen solchen Gedanken zurückzuweisen brauchte. Soweit sich das„Vater- land" auf eine Unterredung zwischen Herrn Dr. Hergt und Genossen Lobe beruft, handelt es sich um einen Gedanken- gang, den Genosse Löbe in der„Volksmacht" vom 25. April 1?21 entwickelt hat, in der er schreibt: Ich bin der Ansicht, daß die deutsche Sozialdemokratie ihre Zustimmung zu so weitgehenden Verpflichtungen nur geben kann, wenn chie Ileberzeugung ihrer Notwendigkeit über den Rahmen der eigenen Partei, auch über die jetzige Koalitionsregierung hinaus, rechts und links geteilt wird. Die Unabhängige Sozialdemo- kratie hält die Unterschrift für nötig, aber auch die Deutschnalionalen müssen vor die Frage gestellt werden, ob sie lieber die angedrohten Sanktionen in kauf nehmen, alz weitere Zugeständnisse zu machen. Es geht in der gegenwärtigen Lage unseres Landes nicht an, daß sie in der Hoffnung oder mit der Gewißheit, die übrigen Parteien würden es schon machen, sich selbst in die bequeme Stellung der Opposition begeben. Nein, Regierung und Sozialdemokratie können lagores Dank. Rabiudrauath Tagorc bat die ihm aus Deutsch- land überuiittclicn Glückwünsche zuieincinGeburt-tag und die Bücher- stiimug mit einer warmherzige» Danksagung beanuvortcr. Er sagl darin u. a.:.Die hochberzige Begrüßung und Gabe, die mir auS Teutschland zuging, ist siir mich überwältigend in ihrer Bedeutuug für mich selbst. Ich habe wirklich da» Gefühl einer Wicdergebuit im Herz de? Volkes diese' großen Landes, da' mich als den Seinen angenommen hat. Deuischlaiid bar mehr als irgendein andere? Land der Welt zur Erschließung und Elweiterung des Kanals bei- gelragcn. der die Beistände?- und GeisteSkränc des Westens mit Indien verbindet: und die Huldigung aus Liebe, die Deutickland beute einem Dichter des Ostens au? freieui Wille» dargebracht bat. wird diese Beziehungen, indem sie ihnen einen intimen und persönlichen Charakter verleiht, sicherlich noch vertiefen." Verfolgung von Expressionisten in Snwjetrußland? Der Volks- kommissar siir Bildungswesen L u n a t f ch a r s k i hat das Amt des Ehrenvorsitzenden des„Allrussischen Dichteroerbandes" niedergelegt, da der Verband gegen die letzten Werke seiner Mitglieder Jessenin, Morienhof, Scherfchenewitfch u. a., die zur expressionistischen Rich- tung der„Imaginisten" gehören, keinen Einspruch erhoben habe, obwohl diese Dichtungen eine böswillige Verhöhnung des eigenen Talents der Dichter, der Menschheit und des heutigen Ruß» land darstellen. In einer Zuschrift an die„Jswestija" erklärt Lunatfcharsti, die Dichter hätten ihre Begabung„in übelriechenden Schmutz gezerrt und prostituieri' und kündigt eine gerichtliche Verfolgung der Verleger dieser Werke an, da sie illezalerwesse ohne Genehmigung des Staotsverlages verlegt worden seien. Nordllchtelnwlrkungeo in Amerika. Eine Nordlichterscheinung von seltenem Glan,, die nach den Astronomen Amerikas von einem riesigen Sonnenflecken herrührt, hat gewaltige Ströme erzeugt, die in dem ElektrizitätSbetrieb de? Nordosten? der Vereinigten Staaten ichwere Slörungen hervorrief So Ware» während mebrerer Stunden die Telegrapbeuverbinduugen vollkommen gestört, auch die Telepbonverbinduttgen an de» verschiedensten Stelle» nur mit den größten Schwierigkeiten auireck! zu erhalten. Auch am die elektrische Beleuchtung wirkte da? Nordlicht ein: in� verschiedenen Städten wurden die elektrischen Lampen immer schwächer und er- loschen tn einem gegebenen Moment vollständig. Kunst und 2 Kar! verläßt die Schweiz. Bern, IS. Mai.(Schweizerische Depeichenagentnr.) Exkönig Karl von Ungarn hat am 14. Mai dem Bundesrat die Mit- teilung zukommen lassen, daß er im Lause des Monats A u g n st die Schweiz endgültig zu verlassen gedenke. Er hat damit dos Ersuchen verbunden, ihn Hs zu diesem Zeilpunkte den weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu gestatten. Der Bundes- rat hat von dieser Eröffnung Kenntnis genommen und dem ge- stellten Ersuchen entsprochen, nachdem her König den an diesen Ausenthalt geknüpften Bedingungen zugestimmt hatte, ver König hat insbesondere in formeller Meise erklärt, daß sowohl er, als auch die bei ihm weilenden Periover. iich während des Auf- entHaltes in der Schweiz jeder politischen Tätigkeit cnk- halten werden. Italienische vergle'chczahlen. Mailand, 19. Mai.(EP.) Nach den jiingsieu Ergebnissen der Wahlen, die durch die annlichc Nachpriiiimg laum»och wesentliche Aenderungen eriahren dürften, bildet die»nie Kammer»ach dem „Corrierc della Sera" folgendes Bild im Vergleich zu dem Ergebnis der Novemberwahlen 1919: 27ö Abgeordnete der VersassungS- Parteien gegen 239. 99 Katholiken gegen 199..122 Sozialisten (138), Iti Kommunisten(18), 7 Repubirlauer slZ) und neu 4 Demjche und 4 Slowenen guS den„befreiten Gebieten". Ffascistische Berüreckicn. Mailand, 19. Mai.(EP.) Als„Vergeltunosmahregel" wegen der Tätung eines Gardepolizisten durch Kommunisten zogen Scho- ren von F a s c i st e n am Mittwoch von ihrem Dercin-lckal aus nach einem sozialistischen Klub, sprengten ihn auf und zerstörten alles. Sie wollten auch das Gebäude i:r Brand stecken, doch wurden sie durch eintreffende Polizei daran verhindert. Mehrers Fascisten wurden verhastet. Spät abends»iZternahme» dann die Fasciften eine zweite„Strafexpedition" gegen den konimunistischen Klub. Sie sprengten den Eingang mit ri.rer Bombe und ver- wüsteten das Lokal. Als sie auch die Möbel in Brand stecken wall- ten, griff die Polizei ein. Es wurden zahlreiche Schüsse gemocht seit und auch aus den Fenstern auf die fliehenden Fascisten ge- schassen. Acht Personen wurden verlebt. Auch aus anderen Orten wird von Untaten der Fascisten berchiet. Einen wertvollen Beitrag zur..hohen zollernlegende" bildet nne Schrift unseres Münchener Genossen Paul K a m p f s m e y e r, vetitelt: „Das deutsche Volk und die deutschen Fürsten in der deutschen Ein- heitsbcwegung"(Vcrlog®. Birk u. Co. München). Der Verfasser räumt gründlich mit der dynastischen Legende auf, die noch heute dos Grundprinzip des Unterrichts in den deutschen Schulen bildst. und untersucht mit den Mitteln der K r i t i k und des h i st n r i f ch e n Materialismus die Rolle, die die deutschen Fürsten, ins- besondere die H o h e n z o l l e r n, in dem Einheitsbewegung des vorigen Jahrhunderts spielten Die Schritt hebt sich dadurch, daß sie ausschließlich>us den Quellen jchäpft und ausgosprochen« Anhänger des verflossenen kaiserlichen Deutschland wie Pro- sessor Brandenburg, Delbrück, v. Sybcl, Friedjung, Marcks und vor allem Bismarck zu Wort kommen läßt, weit über das Niveau einer Togeebrvschüre hinaus. Der Verfasser bezeichnet es als sein« Absicht, das Deutsche Reich als eine revolutionäre Schöp» f u n g zu kennzeichnen und zuglaich die Seele des Bismarck- fcheu M a ch t st a a t e s zu erschließen. Dank der gründlichen wissenschaftlichen Durcharbeituna des Stoffes sowie der klaren, den Geschichtsvorgängen folgenden Darstellung kann diese Absicht als in vollem Umfange geglückt bezeichnet werden. wj». GLlvsrMMstsbewegurig vie Entwicklung öer �lngejlelltenbewegung. Die Entwicklung der Augestelltenbewegung in ihrem Ber» Hältiiis zu den Arbeitergewerlschaften hat in den letzten Monaten eine Richtung genommen, die in der Oeffentlichkeit nicht genügend beachtet worden ist. Bor dem Kriege gehörten nur der.Zentral- verband der Handlungsgehilfen" und der»Berband der Bureau- angestellten" der.Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- landS", dem jetzigen»Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbunde" an. Neben diesen beiden Gewerkschaften entstanden dann Organi- sationen von technischen und kausmännischen Angestellten, die jähre- lang hindurch die Notwendigkeit einer von der Arbeiterbewegung unabhängigen Angestelltenbewegung betonten, wie der»Bund der technisch-industriellen Beamten", der.Allgemeine deutsche Bank- beamten-Berband", die.Allgemeine Vereinigung deutscher Buch- Handlungsgehilfen" und einige andere. Der Kampf uin die Hinter- bliebenenversorgung der Angestellten führte diese Verbände im Jahre 1317 zur.Freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten" zusammen, auS der später die„Arbeits- gemeinschaft für einheitliches Angestelltenrecht" entstand. Diese bildete sich zur»Arbeitsgemeinschaft freier Ange- stelltenverbände"(Afa) um. In ihr waren neben dem auS Handlungsgehilfen-, Bureauangeslellten- und BersicherungSange- stelllen-Verband gebildeten»Zentralverband der Angestellten" der »Bund der technischen Angestellten und Beamten", der»Deutsche LSerkmeister-Verband", der.Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten", der Angestelltenverband de» Buchhandels, Buch und ZeitungSgewerbeS", ausserdem einige kleinere Verbände von technischen Angestellten und Bübnenangehörigen zusammengefaßt. Seit längerer Zeil schon waren Bestrebungen auf eine Re organisalion der Afa im Gange. EZ sollte eine engere Zusammen« arbeit der in dieser Arbeitsgemeinschaft vertretenen Organisationen erreicht werden. Diese Bestrebungen fanden zunächst ihren AuS- druck in der Umwandlung der Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten- verbände sAfa). in den.Allgemeinen freien Ange- stelltenbund sAfa- Bund). Die Reorganisation dieses Bundes hatte zur Voraussetzung, daß das Verhältnis der bisher dem„All. gemeinen Deutschen GewerkschaflSbund"