Nr.235 ♦ SS.�ahrgakg Musgabe A Nr. 12» Bezugspreis« SS«ttrijeuiichland.©onjig, da» Saar- und aitemefgebirt, sowie die ehemals deutschen Gebiete Polens, Oesterretch, Ungarn und Surembutg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Pofl* beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts� mit der Sonntags» beilage»Soll und Reif, der Unterhaltungsbeilage»Hennwelf und der Beilage»Siedlung und Aleingorten" erscheint wochentöglich zweimal, Eon»- tags und Montag» einmal. .«tojial Zelearounn- Adresse: »zialdomokrat Verl verlief Morgen-Ausgabe Derliner Volksblati (so Pfennig) Anzeigenpreis, Di» achtgespaliene RonpareMezelle kostet bL0 M..«leine Anzeige«- da» fettgedruckte Watt ILO M.(zu- lästig zwei fettgedruckte«Borte), lebe» weitete Wort l,— M. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen da» erste vo« is- M. jede» wettere Wort 80 Pfg. Torte übet 15 Buchstaben zählen für zwei Worte ffomillen-An- zelgen für Abonnenten Reite 8,— M Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlag Anzeige» für die nächste Nummer wüsten dt, 8 Ahr nachmittag» im Hauvtgefchüft. Berlin SV«S. Linden- straße Z. abgegeben werden Geöffnet von 9 Uhr früh bi» 5 Uhr abend». Zcntralorgan der roziatdemokrattfcben parte« Deutfchlands Neüaktion und Expedition: SW 68, eindenstc. Z Torttttiroilioi-- Redaktion Moristplatz 15195—97 »rerafpreryer. Spedition Moristplatz 1175Z-51 Sonnabend, den Ä1. Mai 1921 vorwärtS'verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. Z Kernsveecker' Verlag, Expedition und Inserate». l�rerqer. Abteilung Moritzplast 11753-54 Loucheurs Verteidigung. Paris, 20. Mai. sWTB.) In der heutigen Sitzung der Kammer ergriff zunächst der Abg. Marcel Cachin(Komm.) das Wort. Er wurde in seiner Rede wiederholt unterbrochen, und es kam zu lebhaften Auseinandersetzungen. Cachin erklärte, daß der Friedensvertrag von Versailles und die anderen Friedensver- träge sowie die später hinzugekommenen Abkommen ein Europa geschaffen haben, das sich in viel schwierigerer Lage be- find« als das Europa vor 1914. Die Entente habe nach den Worten eines englischen Journalisten Europa baltani» s i e r t. Auftellungen hätten unter dem Einfluß der internatio- nalen Großfinanz stattgesunden. Zwei Jahre nach der linterzeich- nung des Vertrages von Versailles sei zur größten Ueberraschung wieder das Wort„c a» u, belli" ausgesprochen worden. Der Redner fragte, ob man etwa geglaubt habe, die Norm für einen ' internationalen Frieden aufftellen zu können, ohne Rußland zu fragen; ob man etwa geglaubt habe, den Frieden in Europa auf- richten zu können, indem man ein Land von 1S0 Millionen Ein- wohnern außerhalb ließ; Hab« man etwa die Frage der Meer- engen und die im nahen Asien ohne Rußland lösen wollen? Seit 48 Stunden seien die Mißverständnisse zwischen dem englischen und dem französischen Ministerpräsidenten so, daß eine Srsfi, in der Allianz die Lage noch komplizierter gestaltet habe. Eachin ging alsdann dazu über, die Frage von O b e r s ch l«- s i e n zu besprechen. Er drückte die Befürchtung aus, daß die Lösung, die man finden werde, keine Friedenslösung sei, weil nicht nur der Rassenhaß den Abschluß eines Friedens schwieriger ge. stalte, sondern, weil große internationale Interessen der Schwerindustrie und der Kohlenerzeuger die Frage komplizierten. Cachin verlangte vom Ministerpräsidenten, daß er endgültig auf die Besetzung des Ruhrgebietes verzichte, die die Mobilisierung der Iahresklass« 1919 veron- laßt habe. England habe Frankreich gefragt, ob es allein in das Ruhrgebiet einziehen wolle.(Viele Abgeordnete riefen: I al I a!) Cachin erklärte zum Schluß, die jungen Leute der Iahresklafie 1919 seien schlecht in den Kasernen untergebracht und Unzufriedenheit habe sich schon gezeigt. Kriegsminister Barthou erhob Widerspruch gegen diese Ve- hauptung. Sodann ergriff der Abg. Jorgeot(Rat. Block) das Wort. Er besprach an erster Stelle den Betrag der Re- parotionsschuld Deutschlands. In seiner Umgebung Hobe man nach dem Abkommen von London den Eindruck der Erleichte- rung gehabt. Nach Prüfung der Tatsachen habe er aber Eni- t ä u s ch u n z empfunden. Die Reparationskommission habe den Betrag der Gesamtforderung der Alliierten auf 132 Milliarden fest- gesetzt. Dadurch werde die Forderung Frankreichs auf 88 Milliar- den Goldmark bestimmt. Zwischm dem, was man früher als Be- trag der Schäden erklärt habe, und dieser Summe bestehe ein solcher Unterschied, daß man der Ursache dieser Differenz nach- gehen müsse. Die Reparationskommission habe ohne Rück- ficht auf die Zahlungsfähigkeit Deutschland» den Betrag zu bestimmen. Die Herabsetzung durch die Reparatlons- kommission sei auf eine falsch« Interpretation d« Wechselkurse» zurückzuführen. Wenn man eine Schuld herabsetzen wolle, dann lasse man. den Wechselturs spielen. Aber die Reparationskom- Mission hätte Rücksicht nehmen müssen auf alle Lasten Frankreichs, die durch den Wechselkurs veranlaßt worden feien. 71S Goldmart entsprechen heute einer Pension von 2000 Frank. Aber wenn der Kurs herunterging«, so seien diese vielleicht nur 875 Frank wert, während Frankreich 2000 Frank bezahlen müsse. Sei das Ge- rechtigkeit? Noch seiner Ansicht Hobe die Reparationskommisston bei ihrer Berechnungsmethode rauge er»vir gespielt. Da» Er- gebnis sei, daß Deutschland nicht nur nicht bezahle, was es schulde. sond»rn daß Frankreich nicht einmal scheinbar so dastehe, daß es Opfs gebracht habe. Ein früherer Ministerpräsident Hab« die frem- zösifche Forderung auf 110 Milliarden Soldmark onge- geben. Niemand in Frankreich habe einen Centime mehr verlon- gen wollen, als man gerechterweise fordern könne. Aber man hätte anders kalkulieren müssen. Jetzt stelle sich die Frag«, ob das Abkommen von London gegenüber dem Abkommen von Paris ein Zurückweichen bedeute. Er antworte darauf mit ja und wolle da» beweisen. Nach seiner Ansicht müßte die deutsche Ausfuhr jährlich 30 Milliarden übersteigen, wenn die Annuit»«« des Abkommens von London höher sein sollten als die des Abkam. mens von Parts. Ein Land könne ohne Export leben, ein Land ffrew« f*«»«»apitalie» exportiere» und es sei«Lg- Sch, dich«ov flwij(li»siina bar deutsch« Mgtett Oesterreich und Rußland hervorgerufen habe. Eng la n d habe eine Steuer von 30 Proz. auf die deutsche Ausfuhr gelegt. Dieser englische Protektionismus sei nicht günstig für Frankreich. (Beifall.) Der Redner führt die Emission der letzten Serie von Schuldverschreibungen im Betrage von 82 Milliarden an, die nur dann erfolge, wenn die Reparationskommission das für opportun halte. Er stellt sich deshalb die Frage, ob Frankreich durch das Abkommen von London genug erhalten habe, um seinen Bervslich- tungen nachzukommen. Frankreich Hobe Schulden im Betrage von ungefähr 500 Milliarden Mark. davon Kriegsschulden und Vortriegsschulden im Betrage von 133 Milliarden, kurzfristige Schulden im Betrage von 87 Milliarden, Schulden bei der Bant von Frankreich im Betrage von 28 Milliar- den, Kapitalisierung der Pension im Betrage von 80 Milliarden und Kriegsschäden im Betrag« von 140 Milliarden. Wenn der Kurs weiterfalle, dann würde auch die äußere Schuld sinken. Aber die Amputierung der Forderungen an Deutschland sei be- tröchtlich. Dann würden eben die 88 Milliarden Soldmark später nur 86 Milliarden Goldsrank betragen. Man müsse Deutschland fragen, was es besitze an Roh- Materialien für den Wiederaufbau und an Kohlen. Deutsch- land könne aber auch für Frankreich eine Handelsflott« her- stellen. Aorgeot erkennt an. daß der sozialistische Wiederaufbauplan mit Realitäten rechne. Aber aus Gefühlsgründcn sei er gegen die Verwendung der deutschen Arbeiter.(Leifall.) Im Augenblick, in dem man Deutschland sage, arbeite, exportiere, sperre England seinen Markt ab, sei es da nicht das natürliche, daß man dem deutschen Markt den französischen öffne? Aus diesem Grunde behalte er eine Zahlung in natura im Auge. Man könne auch das deutsche Papiergeld als Zahlung annehmen. Wenn Deutschland sein gesamtes Papiergeld Frankreich übermittelt habe und Frankreich noch in natura bezahle, dann könne es nicht mehr sagen: kommt und holt euch, was wir schuldig sind! Wenn Briand der Kammer nicht das Recht zuerkenne, das Abkommen von London zurückzuweisen, was sei dann aus seinem Versprechen geworden, daß die Kammer ihre Perantwortlichkeit übernehmen müsse? Die Ablehnung des Ab- kommen» von London durch dos Parlament sei weniger ernst als die Weigerung des amerikanischen Senats, den Friedensvertrag von Versailles zu ratifizieren, als die A n n u l- lierung des en g lisch- a m e ri ka n i f ch c n Schutzver- trage» und als die letzten Worte Lloyd Georges über Oberschlesien.(Beifall.) Die französische Demokratie habe das Recht, sich nicht durch das Abkommen von London zu binden, das in seinen Folgen zum Ruin des siegreichen Frankreich gegenüber einem Deutschland führen müsse, das den Kopf wieder erhöbe. Selbst mit dem Abkommen von London würde Frankreich bluten und es würde die Hälfte seines Kapitals aufwenden, um die Personen und Kriegs- schaden zu bezahlen. Das siegreiche Frankreich habe das Recht auf etwas anderes. Das Urteil seines Gewissens laute deshalb: haltet ein! und: nein! Minister Loucheur erklärte, der Abgeordnete Forgeot habe mil einem beachtenswerten Talent die politischen und finanziellen Gründe auseinandergesetzt, die ihn dazu führten, der Regierung sein Vertrauen zu oerweigern. Er wolle beweisen, daß ein« große Anzahl von Angaben, die von Tardieu und Forgeot vorgebracht wurden, unbegründet seien. Forgeot habe klar heraus gesagt, daß das Parlament dos Recht hätte, die Entscheidung der Reparationskommission, die Deutschlandübermitteltwurde.zuzerreißen. Das wäre ein ernster Akt. Er habe auch einen Irrtum begongen, als er der Reparationskommission vorgeworfen habe, sie habe nicht den Aufbauwert in Fronken berechnet. Die Pensionen seien auf einer mittleren Linie berechnet worden. Bedeutung habe nur, daß alle Schäden repariert und alle Pensionen bezahlt würden. Dubais habe eine Gesamtsumme von 128 Milliarden genannt. Forgeot habe gesogt, die Vertreter von Frankreich und Belgien hätten in der Re- parationskommission ihre Wünsche durchsetzen können. Dos Unglück aber fei. daß zwischen der Ziffer von Dubais und der Belgiens ein Unterschied bestanden habe. Einen Augenblick habe Dubais ganz allein gestanden. Könne man nun mit den 68 Milliarden Goldmark, die Frankreich erhalle, alles bezahlen? Loucheur gibt zu, daß durch den Wechselkurs eine Schwmikong von 10—20 Milliarden möglich sei. Forgeot habe als einzig Positives erklärt, die deutsche Tätigkeit müsse für den Wiederaufbau in Anspruch genommen werden, halle er es für möglich, 300 000, 400 000, 500 000 Deutsche in Frankreich arbeiten zu last«? Denn nur das allein habe einen Wert. Gewiß sei die Zahlung>» nrtur» ein ausgezeichnete« Mittel, ab« könne «nchhtaM Frankreich da, Adfahgebiet fSr die gesamte-industrielle TckSglett gsebj«. Do» schwer K-a» für dco&Me» fbatsps. Deutschlands werden? Es sei nicht wahr, daß England dem beut- schen Export die Grenzen verschlossen habe. England habe nur die gemeinsame Entscheidung zur Anwendung gebracht. Die Bedürfnisse Europos nach einem derartigen Kriege seien so, daß der deutsche Export die angesetzte Höhe erreichen könne, ohne daß die französische Tätigkeit beeinträchtigt werde. Aber schließlich, welche anderen Zahlungsmittel wolle man für Deutschland vor» schlagen» wenn es nicht der deutsche Export sei? Er hätte gern gesehen, wenn Forgeot etwas Praktischeres vorgebracht hätte. Die Abgabe vom deutsch« Kapital hätte nach den Berechnungen des belgischen Finanzministers Theunis nur 5— 6 Milliarden Goldmork, also kaum eine Annuität ergeben. Die Abschätzung, die die Regierung gemacht habe, beruhte auf sehr ernsten Berechnungen, aber die Erhebung vom Kapital sei ja ein Zahlungsmittel, an das man noch denken könne. Aber andere Länder wie Belgien stünden dieser Art feindlich gegenüber. Wenn Deutschland bereit sei, die vielen Milliar. den Papiermark abzugeben, was solle man damit an- fangen, solle man etwa nach Deutschland kaufen gehen? Niemand hätte«ine andere Lösung vorschlagen können, als daß das Volk, dos bezahl« müsse, durch Arbeit bezahle. Frankreich habe in London gesagt, es sei notwendig, daß die Welt der Gläubi- ger Deutschlands werde. Zum erstenmal habe man dieses Problem mit den Engländern und Belgiern besprochen und Hab« eine Lösung gefunden, die der französischen Forderung «ine Sicherheit in der Welt gebe. Tardieu habe das Doku- ment vergessen, das er mit ihm aufgesetzt habe, um die Mochtbefugnis der Reparattonskommisston zu bestimmen. Zum ersten Male habe man in London«ine Lösung zustande gebracht, die die französische Schuld garantiere. Man habe leichtfertig von der Garantie- kommission gesprochen, die die Zahlung sicherstelle. Diese Kom- Mission sei wirklich eine Gorantiekommission. Man habe auch ge- sagt, man wolle v«tschland wie die Türkei behandeln. Die Garantiekommisston habe die Aufgabe, die deutsche Schuld zu internationalisieren. Die Reparationskommission habe noch dem Dertrag von Versailles das Recht ge- habt, die Zahlungen Deutschlands hinauszu« schieben. Diese Gefahr habe man beseitigt. Frank- reich habe jetzt Deutschland gezwungen, das Maximum zu bezahlen. Niemal» sei ein andere« Zahlungsmittel, auch nicht in der Kammer, vorgeschlagen worden, als das, zu dem man jetzt gelangt sei. Deutschland müsse viel exportieren, damit es repa- rieren könne, ohne der wirffchaftlichen Tätigkeit Frankreichs Schaden zuzufügen und ohne daß das in Widerspruch steh' mit dem Wieder. aufbau der befreiten Gebiete. Minister Loucheur überläßt dem Ministerpräsidenten Briand die Sorge, in politischer Hinsicht den Kritikern zu antworten. Hierauf wurde nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte die Weiterberatung auf Dienstag nachmittag vertagt. Bmerita unterftüht England. c o n d o n. 20. Mai.(WIR.) wie.Daily News" erfährt, hat Amerika durch zwei Beamte seiner Berliner Vertretung die ober- schlesische Lage untersuch« lassen. Sie empfehlen eine Eni- s ch e i d u n g, die in all« wesentlichen Punkten mit der von Eng- land gewünschten übereinstimme. Zrankreich fordert Stimmeneinheit. Pari», 20. Mai.(WTV.) Laut.Petit Journal" soll eine vorläusige Besprechnng in Bouiogne sofort nach Schluß d« Sommerdebatte oorau»sichtlich am komm«den Sonntag statffinden. In Bouiogne werde Briand ausdrücklich Bördel, alte mach« zu dem Stondpuntt« Lloyd George«, daß die Entscheidung über Ober- schlesieu mit Stimmenmehrheit getroffen werden soll. Die französische Regierung werde die Auffassung vertreten, daß diese Entscheidung out mit Stimmeneinheit getroff« werd« könne. Pari». 20. Mai.(MTB.) Der.Inttansigeant" glaubt zu wissen. daß die geplante Zusammenkunft des Obersten Rates vielleicht erst am S. oder 6. Juni stattfinden könne. pari«, 20. Mai.(MTB.) Zur bevorstehenden Beratung des Obersten Rate« schreibt„Figaro", es sei nicht zweifelhast, daß Lloyd George den lebhaften Wunsch habe, daß von der Besetzung des Ruhrgebietes nicht mehr gesprochen werde. Auf diesem Gebiet sei es der französischen Regierung darum unmöglich, die brittsche Regierung zu befriedigen. Deutschland müsse unter dem Druckt»« einzigen von ihm gefürchtet« Sanktion gehalten werden, wem« es das Ultimatum rächt ausführe od« wenn es Pole» an« Was ist Zascismus? Der sozialistische Abgeordnete Z i b o r d i veröffentlicht in der„Critica Sociale" eine« aufschlußreichen Aufsatz über das Wesen des italienischen Fascismus. Eine auszugsweise Wiedergabe des Artikels wird zum Verstand- nis dieser hauptsächlich auf Zerstörung der sozialistischen Organisationen hinarbeitenden und die vollständige Ver- nichtung der sozialistischen Betätigung bezweckende natio- nalistische Bewegung beitragen. In einem Punkt müssen wir dem Genossen-Zibordi widersprechen. Er hält den Fascismus für eine Erfchei- nung, die nur in Italien gedeihen kann. Der deutsche Leser wird aber sehr geschwind bemerken, wie interessant auch für uns die Geschichte ist, die Zibordi erzählt. Red. d.„Vorwärts". Das seltsame Nachkriegsphänomen des F a s c i s m u s in Italien wird bisher noch immer allzuoft als ein durchaus harmloses angeschaut, während es doch Zeichen und Ausdruck für alles Ungesunde und Mangelhafte im öffentlichen Leben, in der politischen Erziehung und in der Parteibildung Italiens ist. In einem Lande mit gutorganisterten, klardurchgebildeten Parteien und einer auf deutliche positiven Vorstellungen, auf Vernunft und Gewissenhaftigkeit gegründeter politischer Er- ziehung wäre etwas wie der Fascismus, der sich in psycho- logischer wie in wirtschaftlicher Beziehung als Nachkriegszeit- Produkt zu erkennen gibt, undenkbar, während hier in Italien unklare Gefühle, Impulsivitäten, zusammenhanglose ansteckend wirkende Aufreizungen und Reaktionen den Boden aller Ve- wegungen bilden. Der Fascismus bedeutet die Gegenrevolution zu einer Revolution, die nie war. die Reaktion auf Maximalismus und Bolschewismus, darüber hinaus aber ist er, oder will es doch wenigstens fein, selber eine Revolution, eine Kleinbürgerrevolution, Militärrevolution auch in ge- wissem Sinne, wenn man will, nämlich in den Mitteln, den Führern, und zum Teil auch in den Endzwecken,— in jedem Falle aber Revolution. Der Fascismus dient im Grunde— ob nun mit oder ohne fein Wissen, gilt gleich— den Zwecken der breiten Bürger- massen, er ist aber deshalb nicht etwa selber, weder was Führer noch was Geführte angeht, eine Bürgerbewegung. Bielmehr nimmt er Lokalkolorit an je nach dein Orte, wo er auftritt: wird zur Agrarbewegung in Ferrara und Ro- nigo, zur f r« i m a u r e r i s ch e n in Parma, ist a r i st o k r a- tisch- patriotisch-literarisch orientiert in Florenz, tritt für das Kleinbürgertum und gegen die Gewerkschaften und Behörden auf überall da, wo die Gemeindeverwaltung sozialdemokratisch und die Arbeiterbewegung lebhaft und aktiv ist, wird an vielen Orten zur m o n a r ch i st i s ch e n Bewegung, an anderen wieder kann er halb republikanisch sein: bald ist er für dÄnnunzio und Fiume, bald dagegen: alles geht mein- ander, hier ist er gut Freund mit der katholischen Volkspartei, wohl gar gelegentlich den Klerikalismus in sich aufnehmend, während er sich gleichzeitig wo anders aufs Antiklerikale hinausspielt, z. B. in Bologna, wo er am stärksten, mächtigsten und zahlreichsten ist. Aber dies alles sind nur äußere Kennzeichen, aus der Um- gelnmg angenommene: der eigentliche Wesenskern verbirgt sich dahinter, der aber wohl wert sein möchte, einmal analysiert, erkannt und begriffen zu werden. Wer sind die eigentlichen Träger dieser Bewegung? Die verschiedenartigsten Kategorien Menschen haben Teil daran: berufsmäßige Gewaltschreier, demobilisierte Mili- t ä r s, dann aber auch in großer Menge junge Männer, die bald Fanatismus, Ueberzeugung, bald Romantik oder Sport bineintreibt: um diesen Block der„aktiven" herum gruppieren sich stützend die verschiedenartigsten Kreise von Bürgern, arme ebennsogut wie wohlhabende Intellektuelle, die einen von ökonomischen Instinkten und wer weiß was sonst noch für WWnsthast unö Okkultismus. W« imgeheurr Nervenerschütteruug des Krieges, die Unsicherheit und dos Elend der Nachkriegszeit haben den Boden geschaffen für einen üppig wuchernden Abergiauben. In erschreckendem Umfange sind die ältesten Geheimlehren wieder lebendig geworden und werden m zahlreichen Konventikeln gepflegt. Wie in den Zeiten des oer- sinkenden Altertums treten Religionsftifter und Myftagogen auf. In breiten Schichten wird das Kartenorakel befragt, muß der klopfend« Tisch Oraket spenden. Es ist«in« Lust zu leben— nicht für die M-nfchen, aber für die Geister und ihre irdischen Gehilfen: die Medien. Neben dem handgreiflichen, auf Täuschung beruhenden Spuk der fliegenden Karioffeln blicht die wissenschaftlich verbrämte höhere Kunst der Materialisation und der Fernwirkungen. Mit pseudowissenschaftlichen Methoden werden über diese„okkulten Phä- nomene" dicke Bücher geschrieben, die Käufer finden, ganze Kurse der Geheimlehre werden oerakistaltet. Gegen die Wissenschaft, die diesem Hexensabbath skeptisch gegen- ülierstehi,»»eil sie keine einwandfrei beobachteten Tatsachen fest. stellen kann, werden schwer« Vorwürfe erhoben. Man verübelt ihr chr passiv«� Verhalten, nennt sie voreingenommen und diskreditiert pe. Da ist es an der Zeit, daß sie aus ihrer Reserve heraustritt und die Geister vor ihr Forum zitiert. Di» Psychologisch« Gesellschaft zu Berlin hat daiikMistvei-terweis« beschlossen, einen Teil der sogenaimten okkulten Tatsachen einer exakten Prüiung zu unterwerfen. Ein« solch« Prüfung hält sie für nötig, da einerseits das Interesse für dies« Fragen außerordentlich zugenommen hat, anderseits der Wissenschaft vorgeworfen wird— ah zu Recht oder nicht, bleibe dahingestellt—, daß sie die ihr obliegende Pflicht zur Feststellung und Erklärung von Tätfachen nicht hinlänglich erfüllt habe. Di« Gesellschaft will zunächst denjenigen sich in Berlin aufhallenden Personen, die im Besitze „okkulter" Fähigkeiten zu sein glauben, Gelegenheit zu einer Unter- suchung durch Gelehrt« geben, die mit dem Gebiet, den Methoden und den Fehlerquell«« vertraut sind. Zu diesem Zweck hat sie einen Ausschuß«-«wählt, dem zunächst die Herren Dr. R. Baerwald, Prof. Dr. D e s s c i r und Dr. Albert Moll angehören. Als Haupt- Problems für die Arbeit des Ausschusses gelten folgende Fragen: 1. Gibt es ein(räumliches oder zeitliches) Hellseben? 2. Gibt es eine Telepsthi«, d. h. eine Gedankenüber- tragung ohne Vermittlung der allgemein anerkannten Wahr- nehmungsmöglichkeiten? 3. Gibt es eine Telekinesie, d. h. gibt es Personen, die fähig sind, Gegenstände ohne die dekannten mechanischen Kräfte in Veivegung zu setzen? 4. Gibt«s Materialisationen von Verstorbenen oder andere Matenalisaiionen, gibt es Personen, aus deren Fingern oder aus deren Mund sich fühl- oder sichtbare Stosse entwickeln, die die Form von Körperteilen oder sogar von ganzen Körpecu annehmen und schließlich wieder spurlos verschwinden können? Gefühlen ckngeirfehen, dlö anderen von sozialem Haß und ästhetischem Abscheu gegen„das terrorsüchtige Proletariat". Bis heute hat der Fascismus leben, wachsen und gedeihen können, und er wird es auch fernerhin können, trotz kühnster Verletzung aller Gesetze und jeglichen Herkommens, und nicht zuletzt liegt die Schuld dafür im Proletariat selber, das vielerorts allzusehr die Gefühle und die Inter- essen verletzt und sich den bürgerlichen Kreisen unbequem ge- macht hat, statt daß es sich in dem gleichen Augenblicke, wo es gegen ungerechtfertigte Ausbeuterinteressen scharf vorging, Rückhalt an der Zustimmung und dem Einverständnis �ener anderen, weitaus zahlreicheren Kreise hätte suchen müssen, deren Rechte es eben verteidigte. Aber jene farblose, unbedeutende, unbewegliche Bürger- masse, die ihrer Natur nach alles andere als fascistisch, gewalt- täterisch und gewaltliebend ist, sie hat dennoch den Foscismus mit Freuden wachsen sehen, sie begreift ihn, sie duldet ihn, sie läßt ihn machen, ja bis zu einem gewissen Grade billigt und bewundert sie ihn sogar, einzig aus dem Grunde, weil sie ihn als Z u ch t r u t e für d e n B o l s ch e w i s m u s onsieht- Diese Bürgerkreise jedoch in ihrer achtungsvollen Entfer- nung vor den eigentlichen Ereignissen bedeuten doch nichts mehr als eine dem Fascismus günstige Atmosphäre. Außer diesen passiven existieren aktive Kräfte des Fascismus, und diese sind wie gesagt keineswegs bürgerlich: es sind, um es mit einem Wort zu bezeichnen: die Kriegsentlossenen. Zählen wir sie auf: Jünglinge, die zwischen 20 und 30 Iahren an der Front waren und sich nun in Studium und Beruf nicht zurückfinden. Kleine Handwerker und Geschäfts- leut«, denen der Reserveoffizier zu Kopf« gestiegen ist, und die nicht wieder in die ehemalige soziale Stellung hinuntersteigen mögen: Stabsoffiziere und Generäle, die mit einer für das beutige Leben ungenügenden Pension in den Ruhestand ver- setzt sind: ferner Leute verschiedenartigster Herkunft, die am Leben mit der Waifein der Hand zu großen Gefallen gefunden, Befehlstalente in sich entdeckt haben, jene„Schützengrabenhelden", die es verachten, nun vor der bürgerlichen Ordnung zu Duckmäusern zu werden. Diese alle, und dann jene Männer und Frauen,„Fräuleins" ins- besondere, die den Krieg über ihren reichlichen Verdienst in den leergelassenen Stellen der Einberufeilen gehabt, aus denen die Demobilisierung sie wieder weggefegt. Noch andere, die in einer ganz anderen Weise doch am Ende auch vom Kriegs- schluß ihrer bisher innegehabten Stellungen enthoben wurden: die großen Kreise der g e i st i g e n Arbeiter, die von dem Kurssturz aller geistigen Werte betroffen, in der ökonomisch- sozialen Hierarchie abwärts geraten sind, sich von den werk- tätigen Arbeitern den Rang haben ablaufen lassen: der Pro- f e s s o r, der Beamte usw. mit ihren Klagen, daß sie mit ihren Familien nicht den gleichen Wohl st and ge- nässen wie der Arbeiter, ohne doch dabei zu be- achten, wo der Fehler de? Vergleiches liegt: daß in der Ar- beitersainilie Mann und Frau und die erwachsenen Kinder sich rühren, daß hier nicht wie dort studiert, für das innere Wachstum gesorgt und olles aus dem Verdienst des einzig arbeitenden Familienoberhauptes bestritten wird.(Aber dieser Rede ist kein Ende zu machen, und der Bürger begreift nicht, daß die Ersparnisse des Arbeiters die Friichte seiner Arbeit sind, daß, wo l0 Personen etwa in einer Bauernfamilie von früh bis spät arbeiten, der Verdienst sich verzehnfacht und alles mit rechten Dingen zugeht.) Aber wir sind mit unserer Aufzählung noch nicht zu Ende. Da sind ferner im Fascismus oder dicht um ihn herum breite Schichten des mittleren und kleinen sogenannten Bür- g erst and es. Und aus diesen Schichten heraus wird das Proletariat und die sozialistische Partei mit Klassenhaß oder besser gesagt mit Standeshaß angeschaut, ober nicht von oben herab, sondern von unten herauf, und das ganz besonders dort, wo wir stark, machtvoll, die Herren sind, wo wir in den Gemeindeverwaltungen sitzen, wo unsere Organisation alles andere überwiegt und beherrscht. Alle diese Träger der fascistischen Bewegung sind es mehr aus Leidenschaft, als aus Gewiss«?, haben wenig oSef Bei keine politische Erziehung, geschweige, daß sie gewöhnt seien, politische Dinge zu beurteilen und zu begreifen. ein sentimentaler 5)aufe, noch dazu mit einer gewissen Bildung. die zu nichts anderem taugt, als die eigenen wirtschaftlichen Instinkte, die den wahren Antrieb bilden, idealistisch zu verbrämen. Da wird dann die Partei des„armen Handwerkers" genommen, dem fein ehrliches Brot von den„sozialistischen Machthabern" weggeschnappt wird, die mit ihrer Gewerk- schafterei, Konsumvereinsdiktatur usw. alles für sich wollen. Natürlich fehlt das jammernde Mitleid mit dem streikbrechen- den Arbeiter, jenem„unglückseligen Opfer", dem Jagdwild der Arbeiterorganisationen, nicht. Denn die Organisation als solche, wo und wie sie sich finde, Parteidisziplin. Ordnung, kurz alles, was über unsere wirtschaftliche und innerhalb der Gemeindetätigkeit aufbauende Arbeit hinausgeht, das haßt diese Gesellschaft wie eine„Ty- rannei", mit Nachdruck und Tücke, weil sie nichts davon be- greift, denn sie ist wohl arm und beschäftigungslos, aber obne Klassenbewußtsein, individualistisch bis auf die Knochen. Als letztes Moment tritt noch hinzu die große Geste gegen die Regierung, weil sie hier und da einmal(selten genug) es gewagt hat. gegen die allerschlimmsten Ausschrei- wngen der Fascisten vorzugehen, was ihr als Parteinahme für den Sozialismus ausgelegt wird; und dies Moment, das die Würze des Revolutionären in die Bewegung bringt, behagt den Jungen am meisten. Alle' diele Widersprüche, diese llnsinnigkeiten gut es»ns Auge zu fassen, wenn man die Erscheinung des Fascismus durckischauen will- Es ist ja nun zu spät, aber doch mag es gewagt werden: wir haben nicht das Geringste getan, uns diese Eesellschast zu Freunden zu machen, ihr das Verständnis für uns nahe zu bringen. Im Gegenteil. Das Proletariat identifizierte den Krieg mit seinen Urhebern, warf seinen Haß auf alles, was Militär hieß oder Uniform trug. Die Abrüstung brachte nicht zugleich auch eine Abrüstung in der Gesinnung hervor. Un- geheure psychologische Fehler wurden begangen, Mißverständ- nisse, Widerwillen. Feindschaft heraufbeschworen. Heute herrscht das S ch i e b e r t u m. Warum be- kämpft das verelendende Bürgertum uns? Warum sieht es nicht ein, daß der Arbeiter keinen Teil hat an der Schuld der Kriegsgewinnler gegen die Bolkswohlfahrt, warum macht es nicht gemeinsame Sache mit uns gegen jene? Wieviele Kreise der Bürgerschaft, deren Interessen bereits von uns mitverteidigt werden, stehen uns fern, wissen nicht, daß sie mit es sind, für die wir kämpfen! Und noch bessern wir diesen Fehler nickt. Die Fabrikkontrolle z. B. ist etwas, dem- zufolge alle(alle, das heißt, nicht nur die Arbeiter) zur Emstcht in die Geheimnisse des Produktionsbetriebes gelangen sollen, damit die Ausnutzung nicht nur des Arbeiters, sondern des Konsumenten allgemein, durch den Kapitalismus ein Er e findet. Wer innerhalb der bürgerlichen Kreise weiß darum'. Immer wird vielmehr die Fabrikkontrolle als eine Frage, die einzig die Arbeiterschaft angeht,»erhandelt. Und so in tausend anderen Fällen! Und da �wundert man sich noch, daß der Fascismus in die Halme schießt! KriegsmüKe Franzosen. Paris, 20. Mai.(MTB.)„Petit Parisien" meldet aus Dil am Im Augenblick des Abganges von Infanterie und Jägern zu Fuß nach dem Rhein fanden einige Kundgebungen statt. Es sei notwendig gewesen, anderes Militär in Anspruch zu nehmen, um die Kundgebungen zu unterdrücken. Der Militärzug hätte trotz- dem unter dem Gesang der Internationale abgehen können. Es sei den Offizieren durch ihr entgegenkommendes Ver- halten möglich gewesen, die Soldaten zur Ruhe zu oeranlassen. „Humanste" stellt den Zwischenfall etivas ernster dar und erklart, er hätte sich in einem R e s e r v i st e n l a g« r bei Dijon in der Nacht zum Mittwoch ereignet. Die Soldaten hätten den Gesang„Krieg dem Krieg" angestimint. Jeder, der überzeugt ist, daß eine dieser Fragen bejaht werden muß und daß er hierfür«inen unbedingt zwingenden experimentellen Beweis vor dem Ausschuß erbringen kann, wird gebeten, sich bei Herrn Dr. Albert Moll, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 15, schrist- lich zu melden. Wir fürchten, der Ruf wird vergeblich sein. Diese Geister lieben das Dunkel und fühlen sich irritiert, wenn sie kritisch beob- achtet werden. Aber der Versuch ist trotzdem löblich, damit es nicht heißt, die Wissenschaft verschließe die Augen vor neuen„Phänomenen", di« freilich uralt sind. Denn all diese Erscheinungen gehören bereits der primitiven Menschheit an und leben unter der Decke der sage- nannten Kultur weiter. Daß sie heute wieder ein solch-: Rolle spielen können/ ist ein Deweis, wie»venig wissenschaftliches Denken selbst in eine/n Land« ohne Analphabetismus verbreitet ist— und noch dazu gerade in mittleren und höheren Schichten, die sich ihrer Bildung rühmen. Freilich, die Wissenschaft ist nie fertig, sie muß stets bereit sein, neu« Tatsachen zu erforschen und alte in neuem Lichte zu sehen. Sie»reiß selber zu gut, daß sie weder allwissend noch unfehlbar ist. Sie ist bereit, zu prüfen und zu untersuchen, mögen di« Anhänger des Okkultismus ihr das Material unterbreiten. Im Dresdener Schauspielhaus(Staatstheater) ging am Pfingft- sonnabend als Urausführnng August Strom ms„Heidebraut" in Szene. Dieses Stück des vielqerühmten Expressionisten soll etwa zwanzig Jahre alt sein. Das würde vieles erklären. Es ist uns zwar letzen Endes gleich, welchem Stil ein Werk angehört» wenn es nur etwas wert ist. Aber es wirkt doch überraschend, Stramm als einem Anfänger aus der Schule Gerhart Hauptmanns zu begegnen. Das ganz knappe, trotzdem leicht langweilig« Stück zeigt den Kon- flitt in der Seele eines Mädchens, welches als Kind geraubt, in die Pußta(„Heide") geschleppt worden und dort als kulturloser Wild- ling aufgewachsen ist: ihre Eltern kommen und wollen die Wieder- gefundene heimholen. Sie sträubt sich, kann die Heide und den jungen Coszlo, ihren„Bruder" und gleich ihr ein Heidekind, nicht lassen, und fühlt sich doch fortgezogen von geheimen Wirkungen des Blutes und der Sehnsucht. Zulegt erschlägt sie Caszlo und folgt dann, seelisch erwachend, dem werbenden Vater. Der Vorgang wird sehr deutlich: mit treuem Naturalismus zeichnet Stramm die Psychologie der wortarmen, traumrcichen, abcraläubischen Steppen- leut«, nicht allzu fem. aber doch überzeugend. Sehr schön ist zuletzt das E r w a ch e n des Mädchens. Peinlich vgch gegen diesen Dichtung?- stil der grellfarbia« Primitiv-Stil des Bühnenbildes ab. Natura- lismus gehört nicht auf„expressionistische" Hintergrund«. Nach d«r „Heidekraut" gab man Stramms„Erwachen". Der Erfolg des ersten Stückes war gering, der des zweiten hartnäckig bestritten, obwohl.die— übrigens ebenfalls rin naturalistische— Herrichtnng der Massenszenen(hinter denen das Hauptsvlel, das„Erwachen", ganz verschwand) die Nervenwirkimg solcher Reinhardt-Tirade» nicht verfehlt hatte. Di« spezifisch expressionistischen Regiestücke, wie Schreien, rhythmisches Sprechen naturalistischer Sätze usw.. wurden mit Gelächter aufgenommen. Sch. Der Zigarrenladen ohne Dach. Man schreibt aus Kassel: In einer der Hauptverkehrsstraßen Kassels, der Köllnischen«traßc, hockt in einem kleinen Nebengebäude ein aus Oesterreich zugewander« ter Zigarrenhändler hinter seinem Ladentisch. Von morgens bis abends verkauft er ieine Glimmstengel, und der Neid muß»hm lassen, daß sein Aeschäftchen trotz seiner Unansehnlichkeit floriert. Es Hätte noch 50 Jahr« weiter florieren können,»venn nicht emes schönen Tages eine Berliner Großbank den Gebäudekomplex, auf dem sich das Zigarrenlädchen befindet, zum Zwecke der Errichtung eines großen Neubaues erworben hätte.„Abbruch der alten E-e- bäud« hieß zunächst die Parole. Aber das war leichter gesagt vis getan. Der Zigarrenhändler verlangte die Veschaffung eines onde- ren in(jlndjer und bo die Äonk biefe �Bebincpinpcn nicht erfüllen konnte, erklärte der Ladeninhober. daß er nicht von der Stelle weichen werde. Die Maurer kamen und fingen an abzu- brechen. Mauer um Mauer fiel, der Schutt türmte sich zu Haufen fest und unerschütterlich harrte unser Zigarrenfritze in seiner Budike aus. Inzwischen iit die Sache so weit gediehen, daß dem hartnackigen Ladeninhaber tatsächlich da« Dach über dem Kopf« abge- d e ck t w o r d e n i st. Er macht auch jetzt noch keine Miene, seinen Laden zu verlassen, stellte vielmehr an die Bank eine gepfesierte Schadenerfatzforderung und— verkauft nach wie vor Zigarren. Ledig lich ein Stück Dachpappe schließ: den Laden nach oben hin ab, vor dem sich die Neugierigen dränaen, fca alles gespannt ist, wie diese Tragi« komödie des standhaften Zigarrenhändlers enden wird. 'Tirek'or HanS Soewenselt». der langsähtige verdienllvoll« Leiter be« Hamburger S t a d t t h e a t e r S. ist in Wie-Zbaden in einem Sanatorium gestorben. Direktor Loewenieid war einer der b-denteuaiten Olernreoisteure Deutichlands._,,,._, Ter Nachialger LedererS. Der Bildhauer Dilbelm Gerstel in Karlsruhe bat den an ihn ergangenen Nui an die Aladcmische Hoch- schule für bildende Kunst in B-slin-Chariottenbnrg angenommen. Der Künstler übernimmt am t. Juli alS Nachfolger Pros. Hugo 2e derer?, der in das früher von Tuaillon geleitete Akadeinische Maleratelier übersiedelt. die Leitung des Dildbauer-iklktsaales. Heinrich tsiainvendonk bat einen Ri-.s an die stäMische Kunstgewerbe- schule in Eben erhalten und angenommen. Campendonl ist wie Heinrich Nauen aus Krejeld gebürtig, wo ihn neuerdings mehrere Ausstellungen ehrten. Er leitet vom Herbst ab eine Klasse für Terlil- und Ftächenlunit. HanS Psivners neuestes Wert, eine romantische Kantate für Soli, Chor und großes Orchester nach Gedichten und Sprüchen von Eichendorff, soll gleichzeitig in Stuttgart unter Fritz Busch und in Berlin und andeien Slädten ausgeführt werden. LZlareoni erferi montiert. Mareonl unternimmt eine lstimdfahi t im MiUelländiicheu Meer, un! neue ENinduitgen zu erproben. Einer seiner neuen Avvarate beilebt in einer ladioiclegrabhischcn Installation ohne Drähte. Ein anderer Apparat soll-S erniöglichen, die Umrisse der Küste» selbst im dicksten Nebel sestzustellen. Eine? Dichter?(Sördschaft. Das, Dichter und noch dazu Stzrikcr. die tn der kapitalistischen Gesellschalt v»n recht» wegen au« dem Hunger und der Dachstube nicht herausdürl'en, erben und zu einer>risten»hasi» tominen, ist ein Paradoxon. Irotzdem geschieht es bisweilen und»icht bloh im Lustspiel: Francis I a m m e S. der seine sranzbüsche Idylliker, ein Sänger zarter Menschlichkeit, hat von einer allen Dame ein Slhlox i» Werte von 600 000 Fr. geerbt. Die Wiener werde» mündig. Die hier kürzlich noch bezweifelt« Abschaffung des SperrsechserlS in Wien wird Tatsache. Im November sott in Wen der HauZwrschlüffel eingeführt roerd«». Gute Ernte für die Schlöher» Nr. 235 ♦ 3$. Jahrgang Seilage ües vorwärts Sonnabend, 21. Ntalmi Die Kalipreiserhöhung. Hefter die Vorgänge bei der Erhöhung der Kalipreise erhalten wir folgenden Bericht: Es ist allgemein aufgefallen, daß zu einer Zeit, wo auch in Deutschland auf der ganzen Linie auf Preisabbau hingedrängt wird, gerade die Kaliindustrie mit bedeutenden Preiserhöhungs- forderungen auf dem Plan erscheint. Die Kalipreise sind bekannt- lich gesetzlich gebunden, nur mit Zustimmung des Reichskalirates können sie vom Synditat erhöht werden. Das Reichswirtschafts- Ministerium kann Erhöhungsbeschlüsse beanstanden oder auch die Preise nach Anhörung des Reichskalirates und des Kalisyndikats herabsetzen. Seit Dezember 1919 sind die Kalipreise nicht mehr erhöht worden, obwohl die Inlandspreise tatsächlich schon seit Sommer 1929 die Selbstkosten nicht mehr decken. Für das Ausland hat man der Kaliindustrie bei der Preisregelung nach oben fteie Hand gelassen, nach unten aber darf unter dem Inlandspreise nicht vertauft werde». Die Bewegungsfreiheit der Preisgestaltung am Auslandsmarkt sind vom Kalisyndikat immer weidlich ausgenutzt worden, well es !»ts Friedensschluß Konkurrenz nicht gab. Namentlich bei een Preisabschlüssen mit Amerika hat das Kalisyndikat in den letzten -Zahren weit übers Ziel geschossen und hat dabei die Industrie selbst stark geschädigt, wie sich das jetzt zeigt. Amerika zahlte bisher un- gesähr nur den dreifachen Satz des Friedenspreises. Aber bei der Valutaentwicklung Ende 1919 und Anfang 1929 bedeuteten diese Preise einen ganz enormen Gewinn. Der Dollar stand damals weit über 199 M. deshalb konnte auch die Kaliindustrie im Frühjahr und Sommer 1929 Gewinne ausschütten, wie sie»och nie dagewesen waren. Einige Werke waren vorsichtig genug und legten sich gute Reserven zurück. Andere aber taten das nicht und verteilten außer- ordentlich hohe Gewinne. Dadurch gewann damals alle Welt die Ansicht, daß die Kalipreise viel zu hoch seien. Das war aber tat- sachlich im Hinblick auf die Inlandspreise ein Trugschluß. Die Kali- industrie aber hatte selbst noch nicht den Mut, im Sommer 1929 höhere Preise zu verlangen, weil alles aufgeschrien hätte, wenn diese Industrie bei solchen Ueberschüssen Preiserhöhungen verlangt hätte. Dazu stellte im Sommer 1929 der Reichsernährungsminister. Herr Herme«, in vielen Konferenzen der Landwirtschaft Preis er» niedrigungen für Kali in Aussicht. Trotz ungeheurer Werksüberschüsse wurden damals Lohnfor- derungen der Kaliarbeiter- und Angestellten von den Kaliherren nicht uuhr bewilligt. Die Löhne der Braunkohlenleute standen höher als die in der Kaliindustrie. Früher war das umgekehrt. Im Herbst 1929 riefen Arbeiter und Angestellte das Schiedsgericht an, welches einen günstigeren Schiedsspruch fällte. Der Arbeitgeber» verband lehnte ihn ab. Das Arbeitsministerium erklärte Anfang 1921 den SchiÄsspruch für die Arbeiterlöhne für verbindlich. Die Kaliherren pfiffen aber darauf und verweigerten die Lohnerhöhungen weiter. Inzwischen war der Absatz nach dem Auslande stark zu- rückgegangen. Der Absatz nach Amerika war ganz geschwunden, weil ein neuer Abschluß mit niedrigeren Preisen nicht zustande kam. Die elsässische Kaliindustrie hatte aber inzwischen die Situation gründlich ausgenützt und hat zu be- deutend niedrigeren Preisen nach Amerika ge- liefert. Die deutsche Kaliindustrie hingegen saß fest. Der Karren war gründlich verfahren. Die Werksherren machten bekanntlich in Versammlungen selbst dem Syndikat Vorwürfe. Die Selbstkosten waren inzwischen auf 59 bis 89 Proz. über die Inlandspreise hin» aufgeschnellt. Nun kam das Kalisyndikat im Januar 1921 mit Preiser- höhungsanträgen an den Reichskalirat heran. Arbeitnehmer und Landwirtschaft oertreten dort die Hälfte der Stimmen. Die Arbeit- nehmer, die man durch brüske Ablehnung ihrer Forderungen zurück- .zestoßen hatte, sollten nun den Kaliherren aus der Patsche helfen. Trotz einer Preiserhöhung von 69 bzw. 55 Prozent wurden aber immer noch kleine Lohnerh öhungen abgewiesen.»Die Arbeitgeber wollen die Gewerkschaften durch ihre Preis- und Lohnpolitik zerschlagen". So hörte man wiederholt i» Arbeiterkreisen sich äußern. Denn den Arbeitervertreier hätten wir sehen wollen, der es gewagt hätte, den Kaliherren höhere Einnahmen zu verschaffen, ohne die so stark zurückgebliebenen Löhne und Gehälter ebenfalls zu erhöhen. Gesteinigt wären sie worden. Und nicht etwa von überradikalen Elementen. Nein, sehr ruhig- denkende Arbeiter sind so verbittert über das traurige, kurzsichtige und trotzig ablehnende Verhalten der Kaliherren, daß eine Zu- ftimmung der Arbeitnehmervertreter einen Sturm der Ent- rüstung heraufbeschworen hätte. Die Preiserhöhung wurde am 1. Februar im Reichskalirat ab- gelehnt. Die Arbeitgeber hofften nun, durch Einlegung von Feier- schichten und Kündigungen eine Aufregung gegen die Arbeitnehmervertreter im Kalibergbau heraufzubeschwören, angeb- lich, weil diese durch ihren Widerstand die Preiserhöhung hinter- trieben hätten. Das ist aber nicht wahr, denn das Ministerium hätte gegen eine Preiserhöhung damals Einspruch erhoben. Das war be- kannt. Die Arbeiter wurden immer gereizter und forderten in Konferenzen strikte Ablehnung jeder Preiserhöhung, wenn nicht die entsprechenden und berechtigten Lohnerhöhungen vorher bewilligt würden. Nun kam jetzt im April das Syndikat mit einer neuen noch höheren Forderung an den Kalirat. 65 bis 75 Proz. sollten die Preise der verschiedenen Kalisorten hinaufgesetzt werden. Die Frachterhöhung ab 1. April trifft allerdings die Kaliindustrie sehr stark, weil sie nicht nur die höheren Kosten für die Kohlenzufuhr usw., sondern nach§22 des alten Kaligesetzes bei Entfernungen von über 599 Kilometern auch 19 bis 25 Proz. der Frachten für das verkaufte Kali zu tragen hat. Die Landwirtschaftsoertreter wollten nur einem geringen Prozentsatz der Erhöhung zustimmen. Die Schiedssprüche der Arbeiter und Angestellten wollten die Kaliherren aber nur dann voll erfüllen, wenn es 79 und 75 Prozent Preiserhöhung gab. Die Arbeitervertreter oerlangten auch für die Ar» beitslosen bei Stillegungen und für die vielen Feier- schichten— meist drei in der Woche find eingelegt— eine Entschädigung für die Arbeiter. In der Sitzung des Reichskalirats am 21. April fielen die 2 Angestelltenvertreter um, weil sie unter Feier- schichten nicht zu leiden hatten und sich mit der in Aussicht gestellten Nachzahlung des Schiedsspruches ob 1. Januar hatten ködern laflen. Sie stimmten für die Preiserhöhung von 65 bis 75 Proz. Die Vertrete der Landwirtschaft und Arbeitervertreter lehnten abermals ab. So wurde zwar der Antrag des Kalisynditats mit 17 gegen 13 Stimmen beschlosien, aber das Reichswirtschaftsministerium legte sein Veto ein und inhibierte den Beschluß insoweit, als er die Preise um über 35 Prozent erhöhte. Neue Verhandlungen mit dem Reichswirtschaftsministerium führten schließlich dahin, daß es die Preiserhöhungen w der Höhe bewilligte, wie sie das Kalisyndikat im Januar selbst beantragt hatte, nämlich in Höhe von 56 Prozent für 49 prozentiges Düngesalz und 59 Prozent für alle übrigen Sorten. Das Ministerium hatte aber dabei ausdrücklich zur Bedingung gemacht, daß die ftaglichen Schiedssprüche für Angestellte und Arbeiter erfüllt, die Lohnerhöhungen also nachgezahlt werden müßten. Diese Preis- erhöhung ist ab 21. April in Kraft gefetzt, aber der Arbeitgeber- oerband der Kaliindustrie weigert sich trotzdem, die Schiedssprüche anzuerkennen. Er pfeift also auf die Bedingungen des Ministeriums. Nur ab 1. Mai sollen den Angestellten etwa 19 Proz. und den Ar- beitern nur 2 bis 4 M. pro Schicht durchschnittlich mehr gezahlt werden. Die Erbitterung in der Arbeiterschaft wird über dieses Vorgehen der Kaliherren noch großer werden. Stillegungen er- folgen eine ganze Anzahl, aber kein Arbeiter oder Angestellter be- kommt einen Pfennig der gesetzlichen Entschädigung. Die Quoten werden nämlich von den stillgelegten Werken erst später ander- weit verwertet, wenn die Vorräte aufgezehrt sind. So wollen die Herren das Gesetz umgehen, welches bei Quotenoerkäufen für Arbeiter und Angestellte Entschädigung in der Weise vorsieht, daß Lohn und Gehalt bis zu 26 Wochen zu zahlen sind, falls keine an- dere entsprechende Arbeit nachgewiesen werden kann. Die Absatzschwierigkeiten sind jetzt sehr groß. Des- halb glauben die Herren, den Arbeitern alles bieten zu können, aber das wird wieder anders: denn die deutsche Landwirtschaft und auch das Ausland braucht mehr Kali, als jetzt bezogen wird. Die Preiserhöhung macht pro Pfund Brot etwa 1 Pfennig, bei den Kartoffeln pro Zentner noch keine 49 Pfennig aus, selbst wenn alle ftaglichen Aecker mit Kali gedüngt werden. Der jetzige A b» satzrückgang wird also sicherlich nicht lange anhalten, namentlich wenn das Kalisyndikat in Amerika endlich zu bedeutend niedrigeren Preisen abschließt, und die elsässische Konkurrenz aus dem Felde schlägt, die größtenteils durch die zu hohen Preise künstlich großgezogen wurde. Die Arbeitgeber sollten end- lich einsehen, daß es sich schwer rächen kann, wenn sie die Arbeiter, wie bemerkt, so reizen. Die Werks st illegungen müssen vorgenommen, das Weiterabteufen von Werken muß endlich ganz verboten werden. Denn es sind schon längst zu viel Werke vorhanden, nämlich über 299, vor 19 Jahren waren es kaum 79, und über 69 sind noch an- gefangen, zum Teil teufen sie trotz der schlimmen Lage noch ruhig weiter ob und oerlangen in Kürze auch Beteiligungsziffern auf Kosten der alten Werke. Diesem Wahnsinn, den die Industrie selbst nicht steuert, hätte die Regierung längst ein Ende bereiten müssen. Denn die Preise müssen in die Höhe gehen, wenn so unwirtschast- lich verfahren wird und trotz Ueberfluß immer noch mehr Produk- tionsstätten hergestellt werden. Hoffentlich wird der Reichs- wirtschaftsrat und der Reichstag endlich seines Amtes walten und Remedur schaffen. Die Sozialisierungskommission hat ihre Vorschläge in bezug auf die Kaliindustrie kürzlich veröffentlicht. Die Mßwirt- schaft des Privatkapitals in der Kaliindustrie, welches der schädlichen Spekulation freie Hand ließ und nicht den Mut fand, dem Weit- rennen nach Werksgründungen Einhalt zu tun, hat es verdient, daß durch eine zweckmäßige Sozialisierung in dieser Industrie endlich Ordnung geschaffen und die Privatmißwirtschaft abgelöst wird. GroßSerllu Nonnenfließ unü Schwärze. Die diesmalige SonntagSwanderung beginnt am Bahnhof Melchow der Stettiner Fernbahn. Wir Verlasien das Dorf in östlicher Richtung auf dem Wege nach Schönholz. Bald ist der Wald erreicht, ein schöner Mischwald mit vielen Buchen und Birken. Das frische Grün der jungen Blätter erzählt vom wiedererstandenen Frühling, und auch die Vögel verkünden ihn mit ihrem Gesang. Wir kommen durch das Dörfchen Schönholz. An seinem Aus- gang wenden wir uns gen Ost; bald sind wir wieder im Wald und haben da? Nonnenfließ erreicht. Im tief eingeschnittenen Tal schlängelt es sich gewundenen Laufs dahin. Buchenbestandene Höhen bilden die Uferhänge, aus denen Quellen sprudeln. Die Bodenflora des Laubwalds ist jetzt in schönster Ent- faltung anzutreffen. Weiß und gelb leuchten die Anemonen; sie wirken mit den blauen Blüten des Leberblümchens und des WaldveilchenS ein buntes Muster in den Teppich des Waldbodens. Die Blütenstände des in der Mark nicht sehr häuflg vorkommenden gelben Bienensaugs sehen wir hier sehr zahlreich, und auch daS Milzkaut mit seinen hellgrünen Blättern und gelblichen Blütche« bildet große Bestände. Waldmeister, Schattenblume und ihre Ler- wandte, da? Maiglöckchen, gesellen sich in den Reigen der Frühlings. blüher. Am Liesenkrüz vorüber, wo einst eine schirmartige Laube stand, kommen wir zum Geschirr, eine ehemalige Papiermühle�''"' Wir kletterten auf die Höhe hinauf und folgten dem Gestellweg gen West. Jenseits der zweiten Chausiee biegen wir nach Nordwest ab;'- überschreiten die Stettiner Bahn und find bald an der Schwärze. Auf einer Brücke überschreiten wir dieses Fließ und wandern dicht neben ihm gen West. Der Wald wird auS Laub- und Nadelbäumen gebildet; mehrere sehr starke alte Buche» von knorrigem Wuchs ragen hier auf. Wir halten uns immer in der Nähe des Fließes und kommen schließlich zum Schwärze-See, wo die Schwärze ihren Ursprung hat. Am ForsthauS Schwärze vorüber und in bisheriger Richtung weiter bis zu einer Straße, die von Heegermühle kommt. Dieser folgen wir ein Stück nach Südwest, und dann auf dem Weg nach Melchow in südlicher Richtung. Hügelketten und Senken wechseln miteinander ab. Dann kommt eine Dünenlandschaft, die entstand, alS sich die Wasser de? Urstroms verlaufen hatten. Der Steilhang der Dünen liegt gen Nordost, der Flachhang gen Südwest; also waren eS südwestliche Winde, die die Dünen zusammengeweht haben. Wir sind im Thorn-EberSwalder Urstromtal, in dem auch der Schwärze-See S8J Skine Menschenkind. IN. Der Sündenfall. Von Marti» Andersen Nexö. 12. Der Sommer ist kurz. Sttne saß an dem hohen Feldram und schützte sich gegen den Nebelregen. Das Bich weidete unten auf der Moor- wiese. Mehrere von den Tieren waren von dem weißen Regennebel ganz eingehüllt, aber sie tonnte hören, wie sie drinnen in dem dicken Dunst das Gras abbisien; bei solchem Wetter blieben sie von selbst in der Nähe. Das Fell der Tiere hing voller Tropfen, und das Brom- beergestrüpp, unter dem sie saß, war ganz silbergrau vom Naß; sobald sie die geringste Bewegung machte, regnete es auf sie herab. Aber sie hatte gar kein Verlangen danach, sich zu rühren; ganz still saß sie da und wünschte sich noch stiller, unter die Erde wünschte sie sich. Auch in ihren Augen- wimpern hingen Tropfen, groß wie die, die sich an der Spitze jedes Blattes sammelten und es herabdrückten. Manchmal lösten sie sich und fielen auf ihre Wange herab, bald von einem der Blätter und bald von ihren eigenen Wimpern: es war nicht leicht, den Unterschied festzustellen, und sie machte auch keinen Versuch dazu. Nur wenn ein Tropfen weiter und in ihren Mund hinablief, war es von selber klar, woher er kam. Sie kauerte da auf dem Hügel, die nasien Füße unter dem Rock hervorstreckend; zwischen ihren Zehen war grünes Gras, die Haut unter der Fußsohle war weiß und hatte große Blasen von Feuchtigkeit. Die eine Hand hielt sie gegen den Mund geballt: sie biß auf die Knöchel und starrte unbeweg- lich vor sich hin, ohne mit den Wimpern zu zucken. Es sah aus, als wäre sie vollständig ins Stocken geraten. Der Boden wogte schwarz, auf dem Felde waren Schritte zu hören,— es war Karl! Es hellte sich in ihr ein wenig auf, sie sah sich um. Vor ihrem verschleierten Blick lag alles so seltsam zerbrochen da, als wäre die Welt in tausend Stücke gegangen. Sie hob das Gesicht und sah erwarwngs- voll zu ihm auf.„Nun nimmt er mich wohl in feine Arme und küßt mich/ dachte sie, unternahm jedoch nichts. Karl ober ließ sich still neben ihr nieder. Eine Weile saßen sie und schauten em jeder vor sich hin; dann suchte seine Hand im Grase die ihre.„Bist du böse aus mkhr fragte er. Sie schüttelte den Kopf.„Du kannst ja nicht dafür, daß du so unglücklich warst." sagte sie. Sie starrte dabei weg, und chre Lippen zitterten. Karl beugte sich vor, um chren Blick einzufangen, mußte es aber aufgeben.„Ich Hab' die ganze Nacht zum lieben Gott Sebetet, daß er mir meine Sünde vergibt, und ich glaube, er at es getan." sagte er nach einem Weilchen tonlos. „So." Stine hörte, wie er es sagte, ohne daß es in ihr Bewußtsein eindrang. Es war ihr so herzlich gleichgültig, wie er sich mit dem lieben Gott auseinandersetzte. „Aber wenn du es verlangst, werd' ich vor die Brüder hintreten und alles bekennen." Hastig wandte sie sich ihm zu; in ihrem Gesichtsausdruck war wieder Leben und Hoffnung:„Kommt denn der Schul- lehrer her, glaubst du?" Ihm wollte auch sie sich gern an- oertrauen. „Nein, ich meinte ja die Brüder der Gemeinde," sagte er. Ach so,— ja, das müßte er machen, wie ihm gut schiene. Das ging sie nichts an. Kurz darauf erhob er sich und ging fort: Stine blieb ver- wirrt sitzen. Er hatte sie nicht geküßt,— hatte ihr nicht ein- mal die Hand gedrückt; und sie gehörten nun doch zusammen, — waren unglücklich verbunden durch das, was Schuld genannt wird. Sie hatte, sich bereits darauf eingestellt, Sellen bei ihm zu entdecken, zu denen sie auffehen konnte; er ließ sich nicht länger ausschließlich als Kind betrachten, das ihres Trostes bedurfte. Er hatte Besitz von ihr ergriffen, so daß sie ahnte, daß sie es nie wieder verwinden werde. Und es verlangte sie nach etwas, das sie bei ihm bewundern könnte, um sich hier- mit zu versöhnen; es war notwendig für sie, daß sie ihn liebte, um wenigstens etwas Sinn in das Geschehene zu bringen. Und nun benahm er sich, als ob sich nichts ereignet hätte, als ob nur etwas Garstiges, Langwelliges zwischen ihnen wäre. Verständnislos starrte Stine ihn an. Die Tage bekamen einen anderen dunkleren Ton. Es kam vor, daß sie sich ganz sorglos mll ihren verschiedenen Arbeiten beschäftigte, daß sie bei den Kindern des Tagelöhners saß und mll ihnen plauderte, und doch lauerte es in ihrem Innern,— wie ein Wesen, das sie die ganze Zeit über bos- hast im Auge behielt. Lächelte sie, so konnte es diesem Wesen einfallen, eine schwarze Hand vorzustrecken und das Lächeln wegzuftreifen. Und manchmal überwältigte es sie ganz. Daun war gar Vicht» Erfreuliches av den Dingev» alle» er- schien schwarz und trist, und sie hatte nur den einen Wunsch. das Geschehene von sich abstreifen zu können, zu werden wie früher, sich in den Staub vor irgend jemandem zu werfen und Vergebung für ihre Sünde zu erlangen. Es verstrich einige Zeit, bevor sie sich beruhigte und ihr Gemüt so weit Heilung fand, daß sie wieder in ihre sorglose Mädchenwelt zurückgleiten konnte. Aber es ist schwierig, die Hecke wieder zu schließen, die einmal durchbrochen ist. Stine wußte es von der Weide her und verspürte auch hier, wie wahr es fei. Sie hatte die Für- sorge für ein Wesen übernommen, und an und für sich war daran nichts Ungewöhnliches. So weit sie zurückdenken konnte, waren immer Anforderungen an ihre Fürsorge, an das Muttergefühl in ihr gestellt worden. Sie hatte alle Kräfte aufbieten müssen, um anderen das Dasein zu erleichtern, bis alle Forderungen gleichsam von selbst an ihr haften blieben: sie sollte helfen. Nun wäre sie gern ein wenig verschont geblieben. Es war Sommer; selbst in Stines Blut war die Sonne eingedrun- gen, sie hatte allen Kummer verjagt und eine fülle Lust ent» zündet, zu leben und sich zu vergnügen. Am Sonnabend war abends Tanz und Spiel, bald auf den Meerhügeln, bald vor irgendeinem Gehöft, und Stine fand sich getreulich ein. Sie hatte früher nie an richtigen Tanzveranstaltungen teilgenom- men und gab sich dem Genüsse hin in gleicher Begeisterung, mochte sie mll einem Manne oder einer der Freundinnen tanzen. Sie genoß den Tanz selbst: es war so wunderschön, die Augen zu schließen und in sanften Wirbeln davongetragen zu werden. Aber Karl ließ sie nicht gern zum Tanze gehen, er lag gewöhnlich irgendwo vor den Gehöften und paßt« ihr auf, bat und bestelle flehentlich, nicht hinzugehen. Stine machte sich nichts aus dem, was er da erzählte von Sünde und der- gleichen, aber leicht war es trotzdem jetzt nicht, sich ihm gegen- über zu behaupten; sie pflegte dann kehrt zu machen und zum Bakkehof zurückzugehen. Hätte er wenigstens einen Spaziergang mit ihr unternommen! Sie konnten am Strands entlang in der Richtung auf das Dorf zu gehen, ohne einem Menschen zu begegnen. Aber das fiel ihm nicht ein. Sie hielt ihn zum besten, indem sie sich den Anschein gab, als ginge sie zu Bett, und dann schlich sie sich auf dem anderen Wege hinaus und verließ den Hof. Und wenn der Tanz auf die Verfammlungsabende fiel, freute sie sich.(Forts, folgt.) liegt, und in da? die Schwärze ihren Lauf genagt hat? weiter nördlich ist der Hmowkanal angelegt, der das Tal von Liepe bis Liebenwalde durchzieht. Wir kommen an die Bahn und wandern an ihr entlang gen Süd zum Bahnhof Mclchow, dem Ausgangspunkt der Wanderung. Weglänge 20 Kilometer. Abfahrt vom Stettiner Fernbahn« Hof 6� Uhr und 809 Uhr früh; Rückfahrt von Melchow T33 Uhr abends. West und Ost im Serliner Vorortverkehr. Eisenbahnfahrpläne sollen den Bedürfnissen des Ver- kehrs angepaßt werden. Geschieht das auf den Linien nach den Berliner Vororten? Die Eisenbahndirektion Berlin wird, das können wir uns denken, diese Frage bejahen. Aber die Bewohner der Vororte sind anderer Meinung hierüber. Wir wissen, daß bei der Aufstellung von Eisenbahnfahrplänen kein Mensch es allen rechtmachen kann. Es wird stets Leute geben, die selbst bei dichtester Zugfolge noch ein paar Züge mehr haben möchten. Und für den Spätverkehr wird hinter dem letzten Zug mancher sich immer noch einen allerletzten wünschen. Wir finden aber, daß die aus einigen Vororten kommenden Klagen über S p ä r» lichkeit der Zugfolge und über nicht hinreichende Ausdehnung des Spätverkehrs nicht so ganz unberech- tigt sind. Das wird jeder bestätigen, der in solchen Vororten wohnt und täglich ein paarmal die Fahrt nach und von Berlin machen muß. Auffällig ist dabei, daß im allgemeinen zwischen den Linien des Westens und denen des Ostens und auch des Nordens ein Unterschied in der Zumessung der Verkehrsmittel gemacht wird. Gewiß, der Westen ist stark bebaut und zur Bewältigung des Verkehrs zwischen dort und Berlin bedarf es einer dichten Zugfolge. Aber uns will scheinen, daß dem- gegenüber die Vororte des Ostens und des Nordens denn doch ein bißchen zu stiefmütterlich behandelt werden. Am unangenehmsten ist das beim S p ä t v e r k e h r, der be- kanntlich keineswegs nur der Bequemlichkeit von Bummlern und Nachtschwärmern dienen soll, sondern auch für die spät von der Arbeit heimfahrenden Vorortbewohner bestimmt ist. Man sollte erwarten, daß gerade beim Spätverkehr die Vororte des Ostens und des Nordens gegenüber denen des Westens bevorzugt würden. Tatsächlich werden ober die Fahrpläne so ausgestellt, daß im allgemeinen die letzten Züge für den Westen später abfahren als die für den Osten und Norden. Ausnahmen gibt es, das wissen wir, aber die Regel ist eben doch die, daß die nach dem Westen heimfahrenden Bummler und Nacht- fchwärmer besser wegkommen. Ein paar Beispiele aus dem jetzt noch geltenden Winterfahrplan 1920/21 seien hier erwähnt, wobei wir uns an die Angaben des amtlichen Fahrplanbuches halten. An Wochen- tagen erreicht man auf Bahnhof Friedrichstraße den letzten Zug für die Vororte bis Erkner um 11,S3, aber für die Vororte bis Potsdam noch um 12,24. Mit dem letzten Zug fährt man vom Gärlitzer Bahnhof nach den Vororten bis Wusterhausen um 11, Sl), aber vom Wannseebahnhof nach den Vororten bis Potsdam noch um 12,30. Der letzte Zug geht nach Bernau vom Stettiner Bahnhof schon um 11,40, aber nach Lichterselde-Ost vom Ringbahnhom Potsdamer Platz erst um 12,25. Wir gönnen den Glücklichen da draußen im Westen und Südwesten ihre extraspäten Züge. Es fällt uns gar nicht«in, sie ihnen nehmen zu wollen. Wir wissen ja, daß es auch dort Leute gibt, die spät von der Arbeit heimkehren. Aber wir wünschen den Bewohnern der östlichen und nördlichen Vororte einen ebenso günstig eingerichteten Spätverkehr, damit auch sie nach ihrer Arbeit rechtzeitig noch zu ihrem letzten Zug gelangen können. Sollen wir hoffen, daß die Eisenbahndirettion Berlin das ein- sehen wird? Ach, wie müssen es leider bezweifeln! j.......... Großftaötabenteuer eines Regierungsrates. Wegen Raubes, begangen in der Nacht des 10. April d. I. an dem Regierungsrat Lecke, hatten sich vor dem Sondergericht des ».»««NLandgerichts I die Kraftwagenführer Willy Dauks und Hans Wille zu verantworten. Vor Eintritt in die Verhandlung beantragten die Rechts- anwälte Dr. Kurt P i n c u s und Dr. Iohanni dieBerwei- sung der Sache an das ordentliche Gericht, indem sie sich auf die neue Verordnung des Reichspräsidenten Cbert vom 14. Mai stützten, wonach die Sondergerichte nur in solchen Fällen in Aktion treten sollen, die mit den Märzunruhen in irgend- einem Zusammenhange stehen und einer Beschleunigung bedürfen. Es sei doch wohl angebracht, diese neue Verordnung auch auf solche Fälle anzuwenden, in denen die Anklage bereits erhoben war. Diese Strafsache aber gehöre auch ihrer ganzen Struktur nach vor das ordentliche Gericht.— Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ab, weil die Zuständigkeit des Sondergerichts gegeben sei, ab- gesehen davon,' daß die neue Verordnung noch nicht Vorschrift?- mäßig publiziert sei und die Sache der Beschleunigung bedürfe. In der Sache handelt es sich um folgenden Vorgang: Der Regierungsrat L. hatte geschäftlich in Berlin zu tun. Am letzten Abend seines Berliner Aufenthaltes wurde er in einer Nebenstraße der Friedrichstraße plötzlich von den beiden Angeklagten, die auf dem Auto des Angeklagten Dauks saßeti, verfolgt und gestellt. Dauks behauptete, der Regierungsrat habe ihm einen großen Posten Fuhrlohn zu zahlen, denn er habe ihn eine volle Stunde vor den Winzerstuben warten lassen. Der Zeuge war höchst erstaunt, denn er war gar nicht in den Winzerstuben gewesen, befand sich in völlig nüchternem Zustande und verbat sich jede Belästigung. Der Angeklagte D. blieb bei der Forderung,„sein Geld" zu erhalten, und bei dem Vorwurf des Betruges. Es kam zu lebhaften Aus- einandersetzungen, die damit endeten, daß der Zeuge verlangte, nach der nächsten Polizeiwache gefahren zu werden. Er stieg daher in das Auto, der Angeklagte Wilke setzte sich neben ihn, und Dauks fuhr in schnellstem Tempo los. Nach längerer Fahrt bemerkte der Zeuge, daß das Auto sich mitten im Tiergarten befand;'er ließ des- halb halten und stieg aus. Zu gleicher Zeit folgte ihm Wilke und Dauks. Wilke umklammerte seine Anne, so daß er wehrlos war und entriß ihm aus seiner Rocktasche seine Briestasche mit etwa 1800 Mk. Inhalt und mehreren Papieren. Die beiden Straßen- räuber schwangen sich dann auf das Auto und jagten in schnellstem Temvo davon, ihr Opfer seinem Schicksal überlassend. Vor Gericht kamen die Angeklagten mit einer zurechtgemachten Geschichte. Danach sollte der Regierungsrat betrunken und auch in Begleitung einer Dame gewesen sein. Der Zeuge erklärte jedoch auf das bestimmteste unter seinem Eide, daß er"absolut nicht be- trunken gewesen sei und sich die Geschichte so abgespielt habe, wie er sie geschildert.— Das Gericht verurteilte Dauks zu 3Iahren, Wilke, der nach dem Gutachten des Gefängnisarztes Dr. Hirsch minderwertig ist, zu 2 Jahren Gefängnis. Oer gestohlene Millionenkoffer. Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I(Vorsitzender Land- gerichtsdirektor Müller) hatten sich wegen Diebstahl und Amts- anmaßung der 3Sjährige Kaufmann Willi Kwiatek und der Schlosser- Meister Rudolf Wieminger zu verantworten. Die beiden hatten ./ausbaldowert", daß die Bank Hansa in Berlin von ihrer Filiale in Kattowitz eine mehrere Millionen betragende Geldsumme nach Berlin überführen lassen wollte. Wieminger fuhr nach Kattowitz und heftete sich von dort aus an die Fersen des Bankangestellten Leitner, der einen Koffer bei sich trug, welcher die Kleinigkeit von 8200000 Mark, 200000 österreichische Kronen, 1817 amerikanische Dollars und 3022 Kanada« d o l l a r s enthielt. Als Leitner auf dem Schleflfchen Bahnhof in Berlin ausstieg, wurde er von den beiden Angeklagten, die sich durch Vorweisung einer Denkmünze als Kriminalbeamte legitimierten, „oerhaftet". Sein Sträuben nützte ihm nichts. Die beiden Männer bugsierten ihn in ein Auto, fuhren zum Schein nach dem Berliner und dann nach dem Charlottenburger Polizeipräsidium und ver- standen es schließlich, den Lettner in ein Lokal am Kaiserdamm 2i zu verschleppen, wo sie ihn betrunken machten und ihm dann Koffer und Geld entwendeten. Dem Kriminalwachtmeister Blossin gelang es in sehr gefchickter Weise, noch an demselben Tage die Angelegen- heit aufzuklären. Er ließ sich aus dem Haupttelegraphenamt die Listen der mit Kattowitz geführten Gespräche geben und stellte dabei den Namen einer in der Aschafsenburger Straße wohnenden Kaba- rettkünftlerin als besonders bemerkenswert fest, da die übrigen Gefpräche von bekannten Gefchäftsfirmen geführt worden waren. In der Aschafsenburger Straße hielt sich tatsächlich der Angeklagte Kwiatek auf, und schließlich wurde auch der Koffer mit dem ganzen Gelde in der Wohnung des Wieminger im Bett versteckt vorgefunden. Der Staatsanwall beantragte gegen die Angeklagten je 5 Jahre Gefängnis, während die Rechtsanwälte Dr. Iul. Meyer l, Theod. A h r e n s und B ü s ch e r mit Rücksicht auf die Tatsache, daß keinerlei Schaden entstanden sei. eine erheblich mildere Bestrafung für ausreichend hielten. Das Gericht erkannte auf j e 2 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehroerlust. Städtische Werke bleiben kommunal! Das Nachrichtenamt des Magistrats Berlin teilt mit: Die Noch- richt, daß der Magistrat beabsichtige, die städtischen Werke in eine Aktiengesellschaft zu verwandeln, entspricht nicht den Tatsachen. Die städtischen Werke bleiben nach dem Entwurf der Satzungen, welche demnächst mit den Bezirksbürgermeistern beraten werden, in rein kommunaler Verwaltung._ HS proz. Hefamt-Mietszuschlag in Serlin. Es scheint nunmehr festzustehen, daß die Berliner Bevölkerung mit einer Mietspreiserhöhung von nicht weniger als 30 Prozent bedacht werden soll. Das Nachrichtenamt des Magistrats Berlin gibt folgendes bekannt: Der Magistrat hat beschlossen, zu den bisherigen 30 Prozent für Wohnungen weitere IS Prozent Zuschlag festzusetzen, und zwar zur Abgeltung der Steigerung der öffentlichen Abgaben bis zum Tage des Beschlusses. Außerdem sind weitere 15 Prozent Zu« schlag festgesetzt, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß der Volkswohlfahrtsminister damit den§ 10 der Höchstmietenverord- nung wegen Reparaturzuschläge für abgegolten erachtet. Das heißt, wenn jemand eine Friedensmiete von 500 M. be- zahlt hat, auf die er bisher 30 Prozent Zuschlag— 150 M., zusammen 650 M. zahlen mußte, so wird er jetzt weitere 150 M. Zuschlag, insgesamt also 800 M. Miete zahlen müssen. Zu dieser „Beglückung" der Bevölkerung wird noch ein Wörtchen zu sagen sein._ Tie Kündigungen beim Kohlenamt rückgängig gemacht. In einer Sitzung der Dolloersammlung der Betriebsräte mit den Mitgliedern des Magistrats, die gestern stattfand, fand über die Kündigung der Angestellten der Kohlenstellen eine lebhafte Aus- spräche statt, in deren Verfolg Oberbürgermeister Böß im Laufe des Tages die Entlassung sämtlicher Angestellten zurückgenommen hat. Die Angestellten werden nunmehr beim Magistrat weiterbefchäftigt werden. Ein Postscheckschwindler treibt seit einiger Zeit in Groß-Berlin sein Unwesen. Er sucht besonders größere Geschäfte heim, indem er ihnen durch den Fernsprecher vorschwindelt, daß er Mitinhaber der Firma Seydl, Kobrecht u. Co. sei. Dann bestellt er nach seiner Wohnung, die er jedesmal wechselt, Ware, die er leicht wieder zu Geld machen kann. Die Sendung, die der Hausdiener überbringt, bezahlt er mit einem Postscheck auf den Namen Seydl. Die Schecks werden jedoch nicht eingelöst, weil sie, wie die Ermittelungen ergeben haben, einem Buch entstammen, das einem Schankwirt Seydl in Charlottenburg bei einem Einbruch gestohlen worden und auf Ver- anlassung des Beftohlenen gelöscht worden ist. Die Kriminal-Post- diensfftelle in der Friedrichstraße 229 hat bereits ein Dutzend dieser Schwindeleien und Betrügereien festgestellt, des Betrügers aber noch nicht habhaft werden können. Sie ersucht, ihr sofort Mit- teilung zu machen, wenn er wieder irgendwo auftritt. Wem gehört die Wäsche? Für einen großen Posten Wäsche, den sie beschlagnahmte, sucht die Kriminalpolizei seit 14 Tagen ver- geblich den Eigentümer. Sie stammt ohne Zweifel aus einem Dieb- stahl, der erst kurz vorher verübt worden ist. Der Bestohlene oder die Beftohlenen scheinen den Verlust noch gar nicht bemerkt zu haben, weil sie sich sonst schon gemeldet hätten. Es handelt sich um Gar- dinen, Bettlaken, Leibwäsche, Paradehandtücher usw. Dazu kommen noch Damenblusen und Tennisjacketts und Hosen. Die Wäsche, im ganzen 70 Stücke, sind zum größten Teil T. G., O. G., L- H„ P. B. und F.H. gezeichnet. Sie können jeden Tag von 8 bis 6 Uhr bei der Dienststelle B I, la im Zimmer Nr. 79 des Polizeipräsidiums besichtigt werden. Eine Elternoersammlung findet am Montag, den 23 Mai' abends 7'/, Uhr. in der 48. Gemeindeschule, Scharnhorststr. 12, statt- Thema: Der Aufruf bei Oberstadtschulrats P a u l f e n. Referent Genosse Lehrer Kreutzinger. Alle Eltern find dazu eingeladen. Wekallarbeiler-verband. Arbeitslose und ausgesperrte Mit- glieder des DMV. aus der Schallplatten- und Sprechmaschinen- brauche, wichtige Versammlung Sonnabend nachmittag 3 Uhr im Arbeitslosensaal des Berbandshaufes, Linienstr. 83/85. Die Ortsverwaltung. Arbeits- Samariler-Solonne. Wir weisen nochmals auf die heute abend 6 Uhr in der Schule Hinter der Garnisonkirche statt- sindende außerordentliche Generalversammlung hin. Rege Beteiligung ist dringend notwendig. Der Arbeiler-Radfahrer-Buad„Solidarität" veranstaltet jeden Sonntag Ausfahrten. Am Sonntag, den 22. Mai, findet eine Tour für Jugendliche nach Körbiskrug- Pötzer Bordersee statt. Start: morgens 7 Uhr am Alexanderplatz(Aschinger). Sämtliche jugendlichen Radler und Rodlerinnen sind dazu eingeladen. Ferner wird eine Ferienwanderfahrt für Lehrlinge und Jugendliche quer durch Mecklenburg vom 31. Juli bis 7. August veranstaltet. Die voraussichtlichen Kosten betragen 150 Mk. Sämtliche Aus- fahrten werden von sachkundigen Fahrwarten und Samaritern geleitet. Eine Borfübrung der ranztheorie Datcroze durch»0 Kinder veranstaltet die VoltShochichule Grog-Berlin am kommenden Sonntag, Iden 22. Mai, nachmittags 5 Uhr, in der Aula des Sophien-Ghmnasiums, Wein- meifterstr. 15. Fräulein Charlotte Pscffer hält einen erläuternden Vortrag über»Erzicbung zumRbvthmus durch dierhvthmilch'e Gymnastik". Korten zu 2 SR. an den Albeitsftätten der Volkshoch- schule, sowie im Bureau, Georgenstr. 34/36(Museum für Meereskunde). Zucker. Aus die Abschnitte 83 und 84 der Berliner Zuckerkarte sind in der Zell vom 1. bis 15. und vom 16. bis 30. Juni 1921 je ein Psund Zucker als Sonderzuweisung für Einmachezwecke und'I, Psund Verbrauchs- zucker, zusammen auf jeden Abschnitt also 1'/, Psund Zucker zum Inlands- zuckerpreise abzugeben. Milch. Die Belieferung der v-Kinderkarten für Sonnabend, den 21., Sonntag, den 22. und Montag, den 23. d. Mts. ändert sich wie solgt: Die II I- und v II-Kinderkarten werden mit je'/, Liter, die v Ill-Karten mit >/, Liter Frischmilch beliesert. Die übrige Belieserung bleibt wie bisher. Die angegebene Belieserung bezieht sich nicht aus die seit dem 1. Ottober 1920 neu zu Berlin hinzugekommenen Gemeinden, soweit sie nicht bereit« dem Milchamt Berlin angeschloffen find. Wie bekannt, wird die Emulsion«. milch frei ausgegeben. Die Cmulfionsmilch ist nach dem Gutachten des städtischen Gesundbeitsamtes der Frischmilch völlig gleichwertig. Der' Fett- gehalt ist sogar ein höherer als der Durchichnitlsscttzusatz der nach Berlin gelangenden Frischmilch. Jeder Milchhändlcr erhält aus Perlangen ErnulsionS. milch geliefert. Sollte bei einzelnen Milchhändlern Emulsions milch nicht vorhanden fem, so ist diese jederzeit bei d« weiße»»ollewag,« und in -den Zilmschau. Tai Spiel mit dem Feuer. Nach einer Idee von Jnlins Horst und Alexander Engel. Regie: Robert Wien« und Georg Kroll. Photo« graphie: F. A. Wagner. Urautsührung im MarmorhauS.— Hm, ja. mau merkt, es sommert. Die großen Filme find längst heraus. Die neuen werden für die kommende Saison in Mariendors, Tempelhof und Wolters« dors, in Spanien, Italien, Griechenland und den bayerische» Bergen ge« dreht. Die Idee des Stückes ist, daß eine berühmt« Tragödin alle Rollen, ehe sie sie spielt, irgendwie erlebt haben muß. Sie will eine(Pariser) Apachin spielen, also geht sie hin, um sie zu erleben und wird dabei, man kann nicht anders sagen, zur Diebin. Hier haben wir eS, wie nur je, mit einem Starfilm zu tun: D i a n e K a r e n n e. Soll Russin sein und in Italien spiejen. Eine Art Film-Duse, aber gar keine üble. Ein außer- ordentlich bewegtes Mienenspiel. Nur wird's aus die Dauer ein bischen viel. Dann ganz köstlich Anton Edthofer, der einen Dichter mimt und— karritiert. Einen, der schauerliche Theaterstücke schreibt, von jener Sorte, die Projessor Brunner nicht gerne siebt. Er hat dem Star eint Nolle, eben jene Apachin, auf den Leib geschrieben. Er liebt auch den Star. Dennoch aber kriegt er ihn nicht, sondern— wie kann es anders sein— der Herzog von Ripafranka. weil nämlich— o Filmpshchologe!— der freie Dichtersmann mehr voll bürgerlicher Vorurteile sein soll, ats der standesbewußte Herzog. Die Karritierung des Schund« und Schauerdramas als Stück im Stück ist, bis aus eine Sterbeszene, ausgezeichnet. Wassily W r o n s k y, Hans Junkermann und Leonhard H a s I e l boten Gutes. Man kann immer wieder feststellen, daß wir zwar gute Filmschauspieler baben, daß unS ober immer noch die Films chrijtfteller jehleu.— Man lechzt nach einem wirktichen Lustspiel. Mus aller Welt. Schleichhandel bei einer Waffenstillstandskommission. � Die Verhaftung des ehemaligen Leiters der italienischen Mission in Wien, Generals S e g r e, und van 13 ihm zugeteilten Offizieren erregt die größte Sensation. Man verweist darauf, daß bereits vor längerer Zeit Offizieren der italienischen Waffen- stillstandskommission vorgeworfen wurde, daß sie italienische Lebens- mittel, insbesondere Reis, Zwieback und Makkaroni, welche für die Mitglieder der Wiener italienischen Kolonie und für wohltätige Zwecke in Oesterreich bestimmt waren, in den Schleichhandel brachten und viele Millionen verdienten. Eine Untersuchung des Lebensmittellagers der Waffenstillstandskommission ergab damals einen Abgang von vielen Millionen Lire. Plötzlich sah man in allen Geschäften Wiens italienische Lebensmittel zu Wucherpreisen. Es wurde sine Untersuchung angestellt, auf welche Weise die Lebensmittel in die betreffenden Geschäfte gekommen waren. Und da fiel auf, daß die italienischen Offiziere gegen Abend in Gesellschaft von Damen in den Restaurants große Zechen machten und in Automobilen der Mission in Wien und in der Umgebung von Wien in rasendem Tempo dahinfuhren, wobei es wiederholt zu Automobilunfällen und zu Demonstrationen des Publikums gegen die italienischen Offiziere kam. Den Offizieren wurde auch vor- geworfen, daß iis Lolutaschmuggeleien mit Hilfe von italienischen Kurieren begingen, und daß sie einer Anzahl von stalieni- schen Kaufleuten, welche damals Oesterreich mit Textilwaren über- schwemmten, Einfuhrertaubnisscheine ausstellen ließen. An jedem Zug, der von Trieft nach Wien ging, wurden zwei bis drei Waggons für die Waffen stillstandskommission re- spektive für deren Offiziere angehängt. In diesen Waggons befanden sich Waren, die in den Schleichhandel gebracht wurden. Der Wiener Vertreter des Mailänder„Avant i" brachte damals gegen General Segre die schwersten Angriffe vor und verwies darauf, daß der General und feine Offiziere Italien moralisch und materiell aufs schwerste geschädigt hätten. General Segre wurde damals abberufen und eine Untersuchung eingeleitet, welche nunmehr zum Abschluß ge- langt zu sein scheint. Der Wiener„Abend" verweist darauf, daß die italienischen Offiziere nicht nur Oesterreich, sondern auch den eigenen Staat schädigten, indem sie das Lebensmittellager plünderten und bei der Verteilung der Mannschaftslöhne 40 Lire bleich 100 Kcmen be- rechneten, wobei die italieniscye Militärkasse um Millionen be- n a ch t e i l i g t wurde. Der Wiener„Abend" erfährt, daß dos Vor- gehen der italienischen Offiziere den österreichischen Staat um Milliarden geschädigt hat. Bier Kinder ertrunken. Bei einer Kahnfahrt auf dem T r e s- dorfer See ertranken vier Kinder ous Sellin. Der Kahn war auf einer Seite undicht. Die fünf Insassen setzten sich daher auf die andere Seite, wobei das Fahrzeug kippte. Auf das Geschrei der verunglückten Kinder eilte der Vater von zwei in dem Boot befindlichen Mädchen herbei und rettete einen Knaben, während seine beiden Töchter ertranken. Ertrunken sind außerdem die Pflegetochter einer Witwe und ein Knabe. Zollhinlerziehungen wiener Kaufleute. Die Wiener Polizei ver. haftete drei angesehene Kaufleute wegen Zollhiltter- Ziehungen in der Höhe von vielen Millionen. Sport. Frauen- und Mädcheu-Sportfest deS vvAv. Das vvm Perhand Brandcnburgischer Alhlctit-Pereinc ausgeschriebene I. Frauen- und Mädchen« Sportsest am Sonnabend, den 21. d. M., aus dem Sportplatz Moabit, Sehdlitz-Lehrter Straße, bat in allen Wettbewerben«ine gute Besetzung gesunden. Die besten Per ttetcrinnen des leichtathletischen Frauen- sportS sind gemeldet. Insgesamt beteiligen sich etwa 250 Damen und 50 Mädchen an den Wettkämpsen im Lausen, Springen und Wersen. Die Kämpse beginnen pünktlich 5 Uhr nachmittags. Arbeiter-Atftleten-Bnnd Deutschland(4. KreiS, Brandenburg). Der Städte-Wettkamps im Ringen Gera— Berlin findet am Sonntag, den 22. Mai, im Moabiter Gesellschastshaus, Wiclesstr. 24, slait, da Berlin im ersten Kamps mit'/.Punkt eine Niederlage hinnehmen mutzte, ist es jetzt Ausgabe der Berliner Maiznschast, diese wieder auszugleichen, nach- demlnoch dazu eine Umstellung der Mannichast stattgesunden hat. ES ringen im Federgewicht R. Schinkowstt(Nordwest); Leichtgewicht R. Psünde(Nord- West); I. Mittelgewicht W. Paul(Siegsried 09); schw. Mittelgewicht B. Ratzkowski(Nordwest); Schwergewicht St Rndke(Tegel). Vorher große Spezialitätenoorstellung unter Mitwirkung des Gesangvereins„Moabiier Männerchor". Anfang 4 Uhr. Kassenerösiuung 3 Uhr. Aebeitee.Radkahree.Bmrd„BalldaeUIt". Freitag, de» sr. Mf, f afc, tzeatralfahrwartsitzuag, Rungestr. 7. Erscheinen der Fahrroarte ist Pslicht.— Teure» für Zeantag, de» 22.»at! t. Abt. Rüdersdorf(Seinze). Start 7 Uhr. Mittags nach Schönriche»W Anglervcrcinen sind eingeladen. Anzeige der großen Versammlung erscheint. in der nächsten Woche im„Arbeiter-Sport".— Freireligiöse Gemeinde, Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Rathaus, Königstraße, Bortrag des Herrn P. Rogal: „Entwicklung der Moral in der Menschheit". Harmonium: Lohcngrins An» cunft(Wagner), Gäste willkommen. Briefkasten öer Reüaktion. Schriftliche Auskunft wird nicht erteilt. B. 101. Kurorte für Nervenkranke kann Ihnen nur ein'Arzt vorschlagen — F. B. 17. Auch wir kennen die Adresse dcs Vereins nicht. Ucbcr Alters- Heime, die Einzahlung nehmen, erfahren Sie das Nähere«Alter, Konscssion, Herkunft, Preis) bei der Stistungsdcputation des Magistrats. tU/jßT****** m■■■■■■ M'UMf�J [ Theater�schtspieie etc. J Opernhans Turandot. Arlecchino 7 Uhr Schanspieihans z Uhr; Die Räuber fuhr. Maria Magdalene Deutsches Theater ?>/, U.: Potasch o. Perlmutter Bfg.71/.: Potasch u. Perlmutter Rammerspiele E Uhr: Mes�lilfince Stg. 8 Uhr: Mesalliance Hr. Schauspielhans (Karls traBe) I U.: Ein Sommernachtstraum (Auß. Abonnement) Btg. 2«/«: Ein Sommernachtstraum(Außer Abonnem.) I U.: Ein Sommernachtstraum (Außer Abonnement) Theater U d. KSniggratzer Str. Heute 7.30 und Sonntag Maria Orska, Blldt, Riemann: Mit dem Feuer spielen dazu; Satans Maske Hontag: Salome. Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr. DAS Hilde Wörner, Ralph Artur Roberts, Uschi Eileot, Herbert Klper, Paul Rehkopf Komüdienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. G., Josefine Doray. Staatsth. a.G, Inge van derStraaten, Isa Marsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg, Alfred Walters Volksbühne Theater am BQIowplatz. 7 uhr: Wallensteins TdiI Lessing-Theater Heute bis Montag 7v: uhr: Rosenmontag Dentsebes Künstler-Theater Allabendlich 7l/j Uhr; Die seiige Exzellenz Adalbert, Junkermann, Btiller Residenz- Theater Täglich 7V: Uhr: Carola Toolle Hermann Tallcntin in Lad; Windermeres Fächer Stg.'/�: L. Winderm. Fächer Trianon-Theater Täglich V� Uhr: JhnTeetfseh Alfred Abel Olly Boehelm Georg: Alezander Sonntag 4 U.; Am Teetlscfa Kleines Theater Täglich 7V: Uhr: Olga Limburg Jul. Faikenstein in Kur ein Traum Sonntag 4: Wur ein Traum Komische Oper Opernspielzeit Täglich P/a Uhr jUt-Keidelberg Oper von Pacchlerotti Stg. 3V<: Der Barbier v. Sevilla Oentral-Theater vit uhr: Jlonka Dentaehe. Opernhan. 7 uhr: Der Zigennerbaren Frledr.WTIhelmut.Th. J�Die Kleine aas der Hölle Hl. SchanspleihanB v/t uhr: Reigen T.nst.pielhan. 7* Uhr: Arnold Rleck in Die spanische Fliege Hetpopol-Thoater Jhr'Die blaue Maznr IkeucB Operettentheat. 7v,uhr:Ämerican-GirI Bfenes Tolbatheater 7 uhr: Jugendfreunde Bchiller-Theat.Charl. vit u.; Die rersHherte ßraot Schloßpark-Theat. Steglitz, SchloBstraße 48 p/aUhn Timon Thalia-Theater vu uhr: Mascottchen Th.am X oll cn do rfplatn- 3VsUhr: Ge«ioveva J�Jer Vetter ans Dingsda Theater de» Westen. Jhr4: Morpn wieder lustik! Th.i.d. Kommandant enstr. v/t uhr Die goldene Freiheit Wallner-Theater 7V:Uhr:DerTraiiin?fliiGlüek Walhslla-Theater uhx: Scheidungsreise WodieSeMben nisten Allabendlich: | listische Neuheit| 3m | Kelche dcrj Venus mit 25 bemalten Frauen (ausl. Sensationsneuheit) Einstudiert von Georges Blanralet [ AußerdemQastspicl| Afra die weltberühmte Wahrsagerin und weitere Mal.| Sensationen Sofflmer- Preise!! CIRCUS BUSCH OerLiebiing d.Hamburger KONRAD GEBHARDT v.DLSchauspieih.Hambg. als Gast !. d. gew. Manegeschaust. , Krone n. Fessel* hat sich auch die Herzen derßerliner im Fluge erobert Tägl. 7 Uhr; Circns-Progr. S'/t U.;..Krone u. Fessel" Sonnt 3 U. 1 eig. Kind Ire! III Net II(an CIrcns Carl'_ Hagenbedcl Nene Könlgstrage (am Alexanderplatz) Riesen» Programm U Täglich V/g Uhr' auch Sonnt, nachm. 3 U. Vvkf.; Tletz n. Circnsk. Schal# and flauet Bler-Uäbsred im Großen Schanspielhaus Am Zirkus 1. Norden 8643 | 7 Uhr| Paul Steinitz Sascha Gura Lotte Hanii6 1 10 Uhr] PoddanyJazz-Band B A I I, und Vorführungen Kart. 4�- 6,— 8,— o. Steuer Tücher und Pilsner M'armes Abendbrot 12 M. Kahlbaum. Bar. Kdmirals-?alast t«/: wir: Abrakadabra Morgen 7>/,i Abrakadabra Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.»/48 N ur noch eini ae Aufführungen des Schlager-Volksstückes Bolirich& Sohn Volkstümliche Preise. Foiies Caprice* EckeFriedrich- uXinienstraße Täglich 8 Uhr: Das nene Fräulein Das weiße Blatt Der ledlgreFhemanB mit Ferd. Grünecker. BehrenstraBe 54 Präzis 7l/t Uhr iziitoi'üttKittionen Theater am KottbuscrTor Tägl 7'/t u. zn h a I b e n Preisen Sonntag nachm. A Uhr Elite-Sänger D. vollständig neue Mal' Programm ReichshalL-Theater Allabendlich 7Vi Uhr Stetiiner üNe«! Rauchen gestattetl Berliner frater Kastanien-Allee 7—9 Täglich 4V« Uhr: DieSchSnstev.allen Operette i.3Akt.v.JeanGnbert Variete-Sensationen Monals-Anzflde Covercoats, Paletots, Raglans Cniaways, Hosen VcrKaul zu enorm billigen Preisen Auswahl wie in Friedenszeiten Keine Lombardware— Leihhaus Brannenstr. 5 SÄ Ankaul und Beleibung jeder Wertsache Q« STD« b. Hn Peak& Cloppenburg Berlin C, Gertraudten-Straße 25- 26- 27 Fertig am Lager: Mäntel aus KameelhaarEoden für Damen sehr geeignet als Brunnen- und Touren-Mäntel Volks-Reise- Verband Geschäftsstelle: Neukölln Miinchener Straße 53 Ferienfahrften 1921 Führten nach Tirol(je 14 Tage) ch den Harz(7 Tage) nni: Durch den Odenwald zm» Neckar Vom L— 27. Aug , 18.— 25. Juni:: . 18.-25.!. nach Heidelberg(7 Tage) Nähere» in der soeben erschienenen Nr. 4„Der Rcisegenosse" Am »»>»»,«»WWMWW»W»»>W»»»»«»>»»»»»»>»»»»»»»«»»»» «tttrnoch. 2».«1.1, Licht. mart- _ bUdervortrag i-Reform-Dymnasium, Tfl* Al ,n■ ® Neukölln, Boddinstraße 34-38 III M1 11. Bild■ «arten stnd in unserer Buchhandlung zu haben. kellßelliuürußemid (Derlliivf BemiTepein) Sonnabend, den 21. Hai, nachm. 3 Uhr: 7 Rennen—mmmmmm* a Ab Oberbaumbriieke jeden Sonntag, /m\a AXk ab 29, Mal tägl, auRer Smtnahe.ds, nach �Ba™»Nen-BerIügsdorl n. Wolters- dorfer Schiense. ��"-rtXch�.vg0sr �lu� Außerdem ab 24. Mai jeden Dienstag, Mittwoch u. Donnerstag durch die herrl. Havelseen über Potsdam nach Ferch am Schwlelowaee. Abf: 8 30Marscha!lbrUcke,Friedrichstr., 9.15 Char l.,TegelerWeg. Reederei Kiect, Falkenstein5tr.48. Mpl 8197 t-l du TciIzahlung.S J.Garant. Kronen ISM.Plomb. /Qhnp ZI 3,—. Zahnziehen m.Einspr.höchstschmerz- LOIIIluv. Tan ünd. Umarb. schlechtsitz. Gebisse. Rep. sof. Zahnarzt W• I f. Paisdamer Str.SS, Hochb. Sprechz. 9-7 Jackett-jlnzfige, Cutaways, Ulster teils auf Seide, früher bis 1200 M., Jetzt für 400—80# M. 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Anfragen, welche eine Ein- stchtnahme in die Bücher oder Akten ertorderlid, machen, stnd dem Borstand mindestens 3Tage vor der Sitzung schriftlich mit- zuteilen, 19/20 Der DorA.n0. «. Richter, Vorsitzender. SpeTial-Arzlt Dr. Scottl. Rosenttialcrsl. 69-70 für alle Geschlechts-, Haut-, Harn-, Frauenleid. Syphilis-, Salvarsan-Kuren. Blutunters. Damen separat. 10—1. 5—7. laneherdanbl! Ri Das sicherst. Mittel, das Rauchen ganz od.teilw. einzustell. Wirkg. verblüffend. Auskunft ums. Vers.San.Artik.ag.Engl brecht, München R 6, Kanuzinerstr. 9 DW" Ein Versuch genügt und beweist Seit ca. 30 Jahren bestbewährtes, im Gebrauch bililgstes Waschmittel in garantierter Friedens quaiität �os�Wasc/,� �ann hängen Fort mit Seife und Sodai IVIinlos'che»Waschpuiver spart Zeit, Geld und Arbeit. Garantiert unschädiich für die Wäsche L. MINLOS& Co., KOLN-EHRENFELD Vertreters Ferdinand Ludwig, Berlin, Gnelaenaustr. 05. Fernepr. s Ami Moritzpl. 3583 Deutsciier ietallarbsftenrerb. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgiiedetn zur Nadp ncht, daß unser Kollege, der Elektro-Monteur Hunnzimjotacligl Eotheniusstr. 14, am 13. Mai gestorben ist. Die Einäscherung findet heute, Sonnabend, den 21. Mai, vorm.-/-10 Uhr, im Krematorium, Gericht- straße, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 90/11 Nachrnf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß uuser Kollege, der Rundschieiser Franz Horchert Neukölln, Reuterstraße 31, am 10. Mai gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsversenltung. 2enlr.- Krank.• Unterst.-V. d. Schmiede. Zahlst. Bln. 3 Den Mitglieder» zur Nad>richt, daß unser Kollege Hermann LOchel am 17. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, nachm. 3 Uhr aus dem neuen Kirch- Hof a. d. Bahn in Zepernick statt, 34ö«b RegeBeteiligung erwartet Di« OrtsverwaUung. Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle kaufen zu Tagespreisen Metallschmeizwerke, Waldemarstr« 74. Telephon. 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Dabei wies der Reichskanzler u. a. auf folgendes hin: Was die Entwaffnungsfrage in Bayern angeht, die von der Oeffentlichkeit in letzter Zeit mit großer Sorge betrachtet worden ist, so haben wir natürlich weder ein Ulti- matum noch eine besondere Rote nach Bayern gerichtet. Derartige Gerüchte sind unsinnig. Ich stehe aber mit den maß- gebenden Männern in Bayern in steter Fühlung, und habe bei den Besprechungen mit ihnen die Ueberzeugung gewonnen, daß uns die Lösung de« Entwaffnungsproblems gelingt, und daß die innere Bewegung in Bayern sich so vollzieht wie es nötig ist, um das Reich aus der schwierigen Situation zu retten. Was die übrigen Forderungen der Entente angeht, so haben wir, nachdem wir einmal das Ultimatum angenommen haben, die Ver- pflichtung, die Forderungen nach Möglichkeit zu erfüllen, und das werden wir tun. Das Kabinett ist augenblicklich mit der Aus- arbeitung der Vorschläge beschäftigt, die wir machen müssen, um den finanziellen und wirtschaftlichen Bedingungen des Ullimatums möglichst gerecht zu werden. Ich werde dem Reichs- tag bei seinem demnächstigen Zusammentritt entsprechende B o r s ch l ä g e zunächst unterbreiten. Diese Borschläg« sollen keine Doktordissertation darstellen, sondern wir wollen sofort ver- suchen, die bereits vorliegenden Gesetzesvorlagen mit neuen zu verknüpfen und sie in rascher Aufeinanderfolge im Parlament durchzubringen, damit wir größere Mittel für die Repara- lionssumme flüssig machen. Auf die Frage von Dr. Sarter, wie sich der Reichskanzler die von einer großen Mehrheit des Dolkes gewünschte(Dr. Carter gehört danach auch zu den Leuten, die sich allemal für die„Mehrheit des Volkes halten. Red. d. V.) Verbreiterung der Regierung denke, knüpfte Herr Dr. Wirth an feine letzten Ausführungen an, indem er sagte: „Bei der Vorlage der von mir erwähnten Gesetzentwürfe wird es sich entscheiden, ob der Reichstag und die Par- t e i e n willens sind, die von dem Kabinett beschlossene Politik fortzusetzen. Ich nehme an, daß bei der großen Not, in der sich unser Volk befindet, alle Parteien sachlich mitar- bciten werden, wenn diese Borlagen kommen, und daß sich daraus die erforderlichen Umgruppierungen der politi- ? ch e n Kräfte ergeben. Sollten unsere.Vorschläge aber eine A b- l e h n u n g erfahren, so nehme ich an, daß seitens der Par- t e i c n ergänzende oder abändernde Vorschläge gemacht werden, die sich als Verbesserung unserer VorfchliÄje kennzeichnen, und auf Grund deren wir das Ziel, das wir ja schließlich alle wollen, er- reichen." Der Reichskanzler bemerkte noch, daß auch den Fragen, die sich aus dem gewalligen wirtschaftlichen Problem für die O r- ganifation der Wirtschaft selbst ergeben, größte Deach- lung zu schenken sei, und daß über diese von der Oeffentlichkeit viel erörternden Fragen Besprechungen eingeleitet worden seien.„Der Deuljche" bemerkt dazu u. a.: Wir halten auch die Absicht des Reichs- kanzlers und des Kabinetts, positive Arbeit zu leisten, und sich mit dieser demnächst.n Reichstage zu präsentieren, für den richtigsten Weg. wenngleich n i, immer wieder betonen müsim, daß �iese Arbeit durch die Nichtbesetzung der beiden wichtigsten Ministerien des Auswärtigen und des Reichsfinanzministeriums nicht gerade eileichnrt wird. Die Dorschläge des Kabinetts, die, wie wir boffen, vor dem Zujamnieni-e.en des Reichstages mit den Parteiführern erörtert werden, müssen aber so geartet sein, daß sie nicht das augenblickliche Kabinett i» eine Kompsstellung zu den übrigen Parteien bringen, sondern geeignet sind, die Drücke zu der bisher in der Koalition befindlichen Deutschen Volksparlei zu schlagen. Andererseits muß man erwarten, daß diesen Vor» schrägen, soweit sie den Willen der Verständigung aufweisen, von den Parteien entgegenkommen und daß die Notwendigkeit, Opfer zu bltngen, von allen Seiten, nicht zulegt von der Deutschen Volkspartei anerkannt wird. « Diese Auseinandersetzung läßt bei aller Vorsicht und Di- plomatis der Sprache Die innere. Differenz zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten erlennen. Wirth und Stegerwald stimmen in der Frage der Deutschen Volkspartei durchaus nicht übcrein. Für Stegerwald, den wir uns immer hinter seinem Sprach- rohr.Herrn Sarter denken müssen, ist die H i n e i n z i e h u n g der Deutschen Volkspartei in die Koalition.X und t'> der Politik Lnfolgedessen möchte er, daß schon die Vorlagen zur Ausführung des Ultimatums(also namentlich d> Finanzoorlagen) in euiem Geiste ausgearbeitet werden,.daß sie um Himmelsmille« nicht den Widerspruch der Deutschen A ol f s x a r t e i und des hinter ihr stehenden Großkapitals ieroorrufcn. Wirth dagegen will seine Politik rom Standpunkt ocr sachlichen N o i w e r. d> g- k e i t aus treiben, er will die Vorlagen ausarbeiten, wie er es für richtig hält, und den Parteien die Verantwor- tung für Annahme oder Ablehnung überlassen. Wir brauchen nicht erst zu betonen, daß dieser Weg der ehrliche und sachliche ist- Wenn im übrigen Stegerwald-Sarter die Brücken zur Deutschen Volkspartei nicht abbrechen will, so verweisen wir daraus, daß die Deutsche Volkspartei durch ihr Verhalten in der Frage des Ultimatums selber die Brücken abgebrochen hat. das Urteil der Parteigenossen. Kalle. 20. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Gestern abend wurde in der Mitgliederversammlung der Sazialdemokratischen Partei Halle die Stellungnahme der Sozialdemokratie zum Ulti- matum der Entente behandelt. Reichstagsabgeardncter Genosse Krüger- Merseburg hiell dazu das einleitende Referat. Wie der Referent stellten sich auch die Diskussionsredner auf den Standpunkt, daß die Annahme des Ultimatums für die Sozialdemokratie«ine Notwendigkeit war. Folgende Resolution wurde einskimmli angenommen: „Die am 1v. Mai tagende Mitgliederversammlung der Sozial- demokratischen Partei, Ortsgruppe Halle, steht in der Frage der Annahm» da« Entente-Ultlmatums h> n t«r der faztaldemo» krattfchen Reichstagsfraktton. Sie begrüßt ferner den Eintritt der Sozialdemokratie in die Reichsregierung und erhoffi daraus eine Politik, di» dem Gedeihen der Republik und den Interessen der breite» Massen der Bevölkerung Rechnung trägt. Di« uns von der Entente auferlegten Zahlungsverpflichtungen können nur eingelöst werden, wenn künftig die besitzende» Klassen mehr wie bisher zur Tragung der Steuerlasten heran» gezogen werden. Die Ortsgruppe der SPD. Halle wendet sich auch aus diesem Grunde mit aller Entschiedenheit gegen eine Aufnahme der Deutschen volksparlei in die Regierung. Eine solche Koalition müßte durch Zugeständnisse an die Deutsche volksparlei in Fragen der Sleuerpolitit, einer Umstellung der Wirtschaftszweige usw. nur zum Schaden des werklöfigen Volkes ausschlagen." Orgesch auf durchreise. Ausschreitungen eines Transports in Dresden. In ihrer Freitag-Morgenausgabe brachten„Freiheit" und„Rote Fahne" Meldungen über Ausschreitungen, die ein von München kommender und nach Schlesien bestimmter Transport bayerischer Orgeschleute auf dem Dres- dener Hauptbahnhof begangen hat. Schon vor dem Eintreffen dieses Menschentransports war von den Eisenbahnern ein Waffen- und Munitionstransport in acht bis zehn Kisten, die als Lebensmittelgut deklariert waren, ange- halten worden. Die Orgeschleute bemächtigten sich dieser Kisten mit Gewalt und mißhandelten außerdem den Vetriebsratsvorsitzenden der Eisenbahner, der sich nach dem Zweck des Transports erkundigte. In einem Mittagsblatt war die ganze Meldung als er- funden bezeichnet worden. Nun aber teilt die Nach- richten st elle der Sächsischen Staatskanzlei durch WTB. mit: Noch bevor die Presse darüber berichtete, haben sich Mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes an den sächsischen Minister- Präsidenten mit dem Ersuchen gewandt, bei der zuständigen Reich«- b e h ö r d e eine Untersuchung über die Vorkommnisse zu veran- lassen. Der Ministerpräsident Hai dieser Bitte entsprochen. Damit wird der Sachverhalt bestätigt. Wir erwarten, daß die Reichsregierung, die eben erst in vernünftiger Weise das Werbewesen für Oberschlesien verboten hat, die Unter- suchung mit aller gebotenen Energie führt. « � Aus K a t t b u s wird uns gemeldet, daß das in Berlin er- scheinende polnische Organ„Dziennik Berlinski" bei seinen Mittei- langen über Vorgänge im Konzentrationslager bei K a t t b n s, die von der„Freiheit" auszugsweise übernommen worden sind, sehr stark übertrieben hat. Es sind allerdings bei den ersten Transparten von Oberschlesiern in das Sielawer Lager bei Kottbus und bei Vernehmungen einige Mihhoudlungen vorgekommen. Unser Parteiblatt, die„Märkische Volks- stimm e", hat gegen diese, die deutschen Interessen schädigenden Ausschreitungen einiger radaulustiger Elemente sosart mit aller Schärfe Protest eingelegt. Unser Kottbuser Parteiblatt teilt heute mit, daß gegen den Unterwachtmeister Schnitzer, der zur Der- nchmung der im Sielower Lager internierten Oberschlesier dorthin entsandt worden war, die Lagerdirettian Anzeige beim Generalkommando Breslau wegen Mißbrauchs der Dienst- gcwall erstattet hat. Es ist dringend zu fordern, daß von den deutschen Behörden gegen die Schuldigen mit aller Schärfe vorgegangen wird. Sapern muß einlenken! München, 20. Mai.(TU.) Die„Münchener Zeitung" schreibt heute zur Einwohnerwehrfrage: Nachdem alle Möglich- leiten des Weiterbestehens der Einwohnerwehr erschöpft sind, hofft man. die Londesleitung der Einwohnerwehr werde der boyeri- schen Regierung die Entwossnungs- und Auslösungsorder ersparen und ihrerseits ans die Erfüllung des Enlentediktat« in den Reihen der Enwohnerwehr hinwirkey. Die Einwohnerwehrmänner werden. so meint man in Regierungskreisen, die Situotton begreifen und verstehen und es werde wohl lein Einwohnerwehrmann di« Folgen auf sich nehmen wollen, die mit einem Widerstand gegen das Auflösungs- und Entwaffnungsdiktat naturnotwendig verbunden wären. München, 20. Mai.(TU) Wie die„Münch-ner Neuesten Nach- richten" melden, ist an bayerischen amtlichen Sellen bichcr von einem Besuch des Reichsentwassnungslammissars Dr. Peters in München nichts bekannt._ Trostlose Lage in Oberschlesten. kattowih, 20. Mai.(MTB.) Aus Kattowitzer deutschen Kreisen wird berichtet: Das Telegramm Korfantys an die Intcr- alliierte Kommission, in dem er sich erbietet,„die siegreichen Streit- lräfte" zurückzuführen, aber leine Linie angibt, bis zu der der Rückzug erfolgen soll, wird hier nur als ein neuer Versuch zur Schaffung einer Demarkationslinie angesehen. Jede auch nur im geringsten günstige Bewertung der Lag« ist durchaus unangebracht: die Lage hat sich in den letzten Tagen eher ver- schlimmert als gebessert, und je länger diese Lage an- dauert, desto unerträglicher wird sie und desto schwieriger ist eine Wiederherstellung geordneter Zustände. Wir sind um so eher ge- neigt, die Lage schlimmer denn je anzusehen, als di«„Grenz- z e i t u n g", das Blatt Korfantys, in einer unverschämten Tonart hetzt und schwindelhafte Greuelberichte über angebliche Untaten der Deutschen im Kampsgebiete verbreitet, von Kämpfen gegen„deutsche Reichswehrhunde" berichtet und auch die klarsten Tatbestände auf den Kopf stellt. Diese schmutzige Hand- lungsart wird ohne Hinderung durch die Zensur be> trieben, während dieselbe Zensurbehörde aus deutschen Blättern die Veröffentlichung der Reden Lloyd Georges ver- bietet und jeden Versuch einer wahrheitsgetreuen Darstellung der Lage unmöglich macht. Ein neuer Beweis der trostlosen Lage für die Deutschen ist damit geschaffen, daß an vielen Orten des Auf- ruhrgebiets die deutschen Frauen und Mädchen von den Aufrührerbanden zur Reinigung der Wachlotale und zu anderen erniedrigenden Arbeiten gezwungen werden. Auch da« gegen ist Auflehnung erfolglos. Unsere sogenannten Beschützer sehen zu und lassen die Aufrührtrbanden schalten und walten, wie es ihnen beliebt. Oppeln, 20. Mai.(WTB.) Aus den Kreisen Beuthen, Groß- Strehlitz, Gleiwitz und Cosel werden erneut schwere Aus- schreitungen der Insurgenten gemeldet. In Friedenshütt« wurden zwei deutsche Beamte von den polnischen Aufrührern so schwer mißhandelt, daß sie lebensgefährliche innere Verletzungen erlitten. Im Kreise Groß-Strehlitz wurden zahlreiche deutschgesinnte Oberschlesier verschleppt. Stuben- d o r s wurde von den Ausständischen geplündert. Im Kreise Gleiwitz wurden deutsche Flüchtlinge, denen die Legiti- mationspapiere von den polnischen Insurgenten abgenommen wor- den waren, von französischen Truppen»erhoftet. Besonder» schwer hat noch immer das deutsche Dorf S ch ö n w a l d zu leiden. Die Aufrührer verüben Plünderungen und Mißhand- langen in schamlosester Weise. Ein großer Teil der Bevölk»ung ist geflüchtet. Bei den Zurückgebliebenen herrscht ein« verzweifelt« Stimmung. 2» Hindenburg wurde die Annahmt von Geld- fendungen an eine Berliner Dank auf Anordnung der Auf- rührer verweigert, trotzdem das betreffende Postamt von französischen Truppen besetzt ist. Polnische Ministerkrise. Warschau. 20. Mai.(OE.) Der Außenminister S a p i e h a hat aus der durch das INißtrauensootum der Sejmkommissiou ge- schaffenen Situation jetzt die Konjequenzen gezogen, dm Kampf au?» gegeben und gestern jein Demissionsgesuch offiziell ei-g.Tciujt. Ferner scheidet der verpslegungsminister Grodziecki aus der R-g.e- rung aus, dessen Ministerium liquidiert wird, und auch das Rück» trittsgesuch des Arbeilsmlnisters Zanowski ist jetzt angenommen worden: Ianowski, ein Vertreter der Nationalen Arbeiter- pari ei, lehnt« es ab, die formelle Neutralität der Re« gierung in bezug auf Oberschlesien mitzumachen, und idenüii'irrte sich offen mit der Aufstandsbewegung. Auch der stellvertretende Außenminister Piltz hat demissioniert. Die optimistische Darstellung der Haltung der Alliierten, die Piltz als Vertreter Sa- piehas während dessen Abwesenheit gegeben hat, wird c'z eine Irreführung der Oeffentlichkeit angesehen. Die pro- visorische Leitung des Außenministeriums übernimmt D o m b s k i, der bisher eine Nachfolgeschaft Sapiehas ablehnt. Neuerdings wird der polnische Gesandte in London W r o- blewski als künftiger Außenminister genannt. Rumänien gegen die �lnschlußbewegung! Wien, 20. Mai.(WTB.) Wie die„Politische Korrespondenz" erfährt, hat heute der rumänische Gesandte Cantacuzene bei dem Bundeskanzler Dr. M a y r«inen Schritt wegen der Anschlußbcwegung unternommen. Der Gesandte brachte dem Dundeskanzler namens seiner Regierung zur Kenntnis, Ru- mämen könnte der Bewegung nicht gleichgültig gegenübe? stehen, da es an der Aufrechterhaltung der Unab- h ii n g i g k e i t Oesterreichs im Sinne des Friedensvertrages von St. Germain größtes Interesse habe. Der französische Geschäftsträger M a u g r a s hat heute den Bundeskanzler besucht, um eingehende Insarmationen über die Vorgänge in Salz- bürg einzuholen. Foch hat am Donnerstag in Duisburg, also zum ersten Male auf dem östlichen Rheinufer, eine Truppe,»» schau abgehalten. Die Methoden der Militaristen sind überall dieselben. Der neue Runtius in Poris. Monsignare E e r re t t i ist zum Nuntius in Paris ernannt worden. Bruno Schönlank verhastet. Unter den bei den Tumulten am Römerberg in Frankfurt a. M. verhafteten Kommunisten befindet stch der Landtagsabgeordnete K n o t h und der Schriftsteller Bruno S ch ö n l a n k, der Sohn des früheren Reichstagsabqeordncten von Nürnberg.(TU.)_ Wivtfdyaft Rückgang der Viehpreise. Na» Aufhebung der ZwongSwirtickoit schnellten bekanntlich die Fleiichprelse und gleich, eilig die SZirbi'rciie in die Höhe. Für Schlachtvieh sind sie seitdem wieder» u r ü ck g e g a n g e n. nachdem ein stötkercS Angebot aufliat. Welchen Umfang der' Rückgang der Schlachtviehvreiie migenommen bar. zeigt nachstehende. Sabellotso ES wurden aui den HaupnuärUcn««zahlt für: Fa- nuar 1921; M.=: Mai 1021); � (M. für 100 Pfund Lebendgewicht.) Rinder Kälber Schwein? Berlin...... I. 350—000 500—1250 1250—1650 M. 350— 825 500—1050 900—1250 Breslau..... F. 500—860 600—1050 1000—1700 M. 500— 7 0 600-825 800-1300 Dresden..... I. 300—600 800—1200 1000—1700 M. 200—750 60—860 900—1300 Frankfurt a. M... F. 400—675 0i'f)-l200 1300-1700 M. 200—875 H(0—60ii 1100—1-100 Hamburg..... F. 400- 650 600— 1 200 1000—1550 M. 180—850 300— ,020 600—1280 Hannover..... I. 400-950 700—1000 1100—1600 SH. 300—850 400— 850 1100—1400 Leipzig..... I. 350-900 6M)-1000 1300—1700 M. 300—850 600— 850 1000—1375 Magdeburg.... F. 400—900 550-1100 1200—1700 M. 300—800 460-650 1100—1100 München..... I. 400—860 700—800 050—1400 M. 200—750 000-750 900—1200 Demnach haben sich die Prei'e für alle Gaitungen Schlachtbieh auf allen Märkten gesenkt und zwar bei Rindern um eiloaX 50—150 M.. bei Kälbern um 50—350 M., bei Schafen um 100 bis 200 M. und bei Schweinen um 200-400 M. pro 100 Pfund Lebendgewicht. Der Auftrieb ven Dieb aller Gattungen hat sich im zweiten Vierteljahr wesentlich gehoben, wie denn im allge-> meinen die Bieboufzucht in Deulschland übei houpt gute Fortschritts gemacht hat. wen» auch die Bestände von 1914 fast durchweg noch nicht erreicht sind. Ausfuhr und Ultimatum. WTB. meldet: Die Mahnahmen, die sich aus der Annahme des Ultimatums als notwendig ergeben, werden zurzeit von der Reichsregierung vorbereitet. Bei den großen technischen Schwierigleiten. die namenllich bei den Aussuhr- fragen zu überwinden find, ist es verständlich, daß endgültige Eni- fchließungen noch nicht gefaßt werden kannten. Mit einer ge- wissen Unsicherheit wird deshalb der Außenhandel vorerst leider rechnen müssen. Als sicher kann jcd-ch gesagt werden, daß die» fenigen Beträge, die in Zukunft oo» einzelnen Ententcstaaten vom Ausfuhrgegenwert der deutschen Ausfuhr erhoben werden, den Ex- porteuren durch das Reich in Papicrmark erstattet werden. Der Beginn der Auszahlung wird feiner',-", t öffentlich bckanntgcmacht werden. Auch im übrigen besteht für die an der Ausfuhr boteilig- ten Wirtschaftskreifc kein Anlaß, bei ihren geschäftlichen Maßnahmen Zurückhaltung zu üben; denn soweit e? in Ausführung drs Ultima- tums etwa erforderlich fein sollte, auch deutscherseits einen Teil der Ausfuhroegenwerte zu erfassen, mrrdcii diese Beträge in Papiermark zurückerstattet werden. Ob und inwieweit die Reichsregierung bei Aufstellung des Programms fiir die innere Finanzierung der dem Reich aus dem Ultimatum erwachsenden Lasten Ausfuhrabgaben in Vorschlag bringen muß, wird eingehend geprüft. Es werden aber ähnlich, wie dies seinerzeit bei der sogenannten sozialen Ausfvhrabnabe gescheben ist, für eine den ge- schäftlichen Bedürfnissen entsprechende Uebergangszeit solche Ausfuhrgeschäfte von der ctwaiecn Ausfuhrabgabe freigelassen werden, die vor Inkrafttreten der Aboabe in handelsüblicher Weise und mit handelsüblichen Fristen obgeschlassen warben sind. Reichsbank. In der zweiten Maiwoche fand ein nennenswerter Rückfluß an Zahlungsmitteln statt. Der Umlauf an Banknoten und Darlehenstassenscheinen zusammen hat sich dies» mal um 455,7 Millionen Mark vermindert, und zwar der Bank. Notenumlauf um 280.4 Millionen Mark auf 70 834,2 Millionen Mark, der Umlauf an Darlebenskassenscheine« nm 175,3 Millionen Mark auf 9292,2 Millionen Mark. GewerMastsbewegung voller Lohn für Kurzorbeiter! Mit der ihr eigenen Frechheit schreibt die.Rote Fahne" am Donnerstagmorgen:„Die SPD- s ü r die Vergrößerung des Arbeitslosenheeres". Diese„Weisheit" hat sie aus einer Polemik geschöpft, die wir aus Anlaß der Kündigung des gesamten Personals in den Vezirkskohlenstellen(die inzo ischen rückgängig gemacht wurde) gegen sie zu führen gezwungen waren. Wir schrieben damals zu den kom- munistischen Forderungen:„Es ist ein Unsinn, den Leuten vorzu- schwätzen, es bestände die Möglichkeit, neue Kräfte einzustellen und gegebenenfalls die Arbeitszeit zu verkürzen und den vollen Lohn weiterzuzahlen." Die„Rote Fahne" behauptet, daß wir mit dieser Stellungnahme„der SPD. und der ihr nahestehenden Leitung des ADGB. die schärfste Verurteilung" ausgesprochen hätten, da diese im Gegensatz zu uns und im Verein mit den Unab- hängigen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine Verkürzung der Arbeitszeit empfohlen hätten. Die„Rote Fahne" weiß natürlich ganz genau, daß wir schon zu emer Zeit, als sie noch wie ein Löwe gegen die Verkürzung der Arbeitszeit ankämpfte, für diese ein- traten. Was wir allerdings ablehnen, das ist die Bezahlung des vollen Wochenlohnes bei verkürzter Arbeitszeit. Mit dieser unserer Forderung befinden wir uns aber in Gesellschaft nicht nur mit dem ADGB. und der SPD, sondern auch mit der USPD. Diese hoben bekanntlich gefordert, daß bei verkürzter Arbeitszeit die Arbeiter zwei Drittel ihres Lohnes ausbezahlt bekommen und daß den Unternehmern die ihnen entstehenden Unkosten zur Hälfte aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge zurückerstattet werden. Die„Rote Fahne" behauptet nun frank und frei, der Unterschied zwischen ihrer und unserer Forderung sei„durchaus nicht so groß". Das Gegenteil möge folgendes beweisen: Die Stadt Belrin beschäftigt allein in ihren Werken rund 20 000 Personen. Die Arbeiter erhalten Stundenlöhne von 4,70 bis SLS Mk, die sich mit der Länge der Dienstzeit erhöhen. Dazu kommen für Ledige über 18 Jahre Wirtschastsbeihilfen von 100 M, für Verheiratete von 150 M. und für jedes Kind eine Zulage von SO M. pro Monat. Wir wollen diese Beihilfen außer acht lassen und für jeden in den städtischen Betrieben Beschäftigten nur einen Durchschnitts st undenlohn von 5 M. in Rechnung stellen. Bei achtstündiger Arbeitszeit machl das in der Woche rund 240 M. Würden die Arbeiter nun verkürzt arbeiten, so müßten sie nach unseren Forderungen zwei Drittel gleich 160 M. erhalten. Die Durchführung der kommunistischen Forderung würde ein Mehr von 80 M. pro Kops und Woche oder insgesamt pro Woche 1600000 Mark erfordern. Das macht im Jahre die„Kleinig- keit" von 8 3,2 Millionen Mark. Run beschäftigt die Stadt aber noch Tausende von Angestellten, Hilfskräften usw. in der Der- waltung, für die volle Bezahlung bei verkürzter Arbeitszeit natürlich ebenso gelten soll wie für die geforderten neuen städtischen Arbeiter aus den Reihen der Erwerbslosen. Man kann also ruhig behaupten, daß die Durchführung der kommunistrschen Forderung der Stadt' proJohrminoestenslSOMillionenMart kosten würde, die sie nicht aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge ersetzt be- käme. Dieses Geld muß natürlich aufgebracht werden, und wir würden uns freuen, wenn die„Rots Fahne" in der Lage wäre, dafür Vorschläge zu machen, die sich wirtlich durchführen lassen, ohne für die Arbeiter neue Lasten zu bringen oder die Stadt zu ruinieren. Bei dieser Arbeit würde sie sehr bald erkennen, daß zwar man- ches notwendig, aber nur wenig möglich ist. In Konsequenz dieser Erkenntnis müßte sie dann ihre phrasenreiche Agitation einstellen und praktische Gegenwartsarbeit leisten. Das ober würde für die DKPD. katastrophal sein und darum zieht sie es vor, sich vor jeder Arbeit und Verantwortung zu drücken und jene bei den Arbeiten zu verdächtigen, die unausgesetzt bemüht sind, die Lage der Arbeiter zu verbessern. Das ist zwar sehr beauem und für die VKPD. sicher nicht ohne Nutzen, aber der Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit und besonders den Arbeitslosen ist damit wahrhaftig nicht gedient. Notlage der Schiffsmannschaften in Oberschlesien. Der größte Teil der aus der Oder beförderten Güter geht reip. kommt von Oberschlesien und wird in Coiel» Oderhafen verladen. �Die Wirren in Oberschlesien führten zu einer vollständigen Slockung der Verladung, so daß heure der größte Teil der Binnenschiffahrt der Oder stillgelegt und die Mannschaften entlassen sind. In Oberschlesien liegen zurzeit zirka 1000 Fahrzeuge. Cosel- Oderhafen ist mit Waffengewall und unter Benutzung von Artillerie von den Polen genommen. Die Schiffemannschasten haben sich zu- nächst an der Seite der von Italien gestellten Truppen zum Schutze ihrer Habe verteidigt, mußten aber der Uebermacht weichen und unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe flüchten. Nach den Meldungen sollen bei diesen Kämpfen Schiffsmannschaften gefallen und auch von den Polen ge- fangen sein. Die durch diese Wirren hervorgerufene Not der Schiffsmann- schaften ist groß, da ein erheblicher Teil erst nach längerer Beichäf« tigungslosigkeit wieder in Arbeit gekommen war. Da diese Wirren durch die Kriegsfolgen entstanden find, ist es Aufgabe des Reiches, hier helfend einzugreifen. feieS durch Unter- stützung der arbeitslosen Schiffsmannschaften oder durch sofortige Schaffung von Noisiandsarbeuen. Weiterhin mutz den SchiffSmann» schaften die verlorene Habe schnellstens ersetzt weiden, damit sie in der Lage sind, sich die zu ihrem Berufe nötigen Sachen anzuschaffen. um bei Aufnahme der Binnenschiffahrt ihren Erwerb wieder auf- nehmen zu können._ Die Angestelltenverbände. Dem Allgemeinen freien Angesrelltenbund sAfa- Bund), der zum Allgemeinen Deutschen GewerkschastSbund(ADGB.) in einem KartellverhältniS steht, sind folgende Angestelltengewerk- schaften angeschlossen: Zentralverband der Angestellten; Bund der technischen An- gestellten und Beamten(Bulab); Deutscher Werkmeisterverband; Allgemeiner Verband der deutschen Bankangestellten: Angestellten- verband des Buchhandels. Buch- und IeüungSgewerbeS; Deutscher Polier bund; Deutscher Fördermaschinisienverband; Verband techni- scher Schiffsoffiziere und Seemaschinisten; Verband der Zuschneider, Zuschneiderinnen und Direktricen: Genossenschaft deutscher Bühnen« angehöriger; Deutscher Chorsänger- und Ballettverbond und die Internationale Artistenloge. Diese Verbände bilden in den größeren Städten Orts« t a r t e I l e. die mit den Ortsausschüssen(GcwerkschaflSkartellen) des ADGB. zusammenarbeiten. Der neue Reichsmanteltaris für die Gemeindearbeiter. Der zwischen den, Arbeitgeberverbande deutscher Gemeinden und Kommunaloerbände, dem Verbände der Gemeinde- und Staats- arbeiter und dem Zentralverbande der Gemeindearbeiter und Straßenbahner im Vorjahre abgeschlossene Manteltarifvertrag läuft am 30. Juni ab. Die Verhandwngen über die Erneuerung des Tarifvertrags sind nunmehr abgeschlossen. Stimmen die Mit- gliederversammlungen und Gaukonferenzen dem neuen Reichs- manteltarifoertrag zu, wird er zum 1. Juli wirksam. Die freistehenden Alusiker im Deutschen Musikerverband wähl- ten in ihrer letzten Sektionsversammlung eine sünfgliedrige Kom- Mission, die den Auftrag erhielt, die Beamten-, Militär- und Dilettantenkonkurrenz energisch zu bekämpfen und nahmen folgende Resolution an:„Die wirtschaftliche Lage der freistehenden Musiker ist die denkbar schlechteste. Trotz aller Verbote und Vereinbarungen musizieren die Militär-, Beamten- und Dilettantenkapellen nach wie vor. In den meisten Gartenlokalen wie Zoologischer Garten, Spreegarten. Zenners Paraviesgarten, Treptow, Königstadt, Bötzow, Böhmisches Brauhaus usw. werden die Konzerte von Militär-, Beamten- und Dilettantenmufikern ausgeführt. Die- fer Zustand muß unbedingt geregelt werden. Dies kann nur durch oie Errichtung eä n es städtischen Arbeitsnach- weises mit Melde- und Benutzungszwang geschehen. Infolgedessen stellt die Gruppe der freistehenden Musiker an den Vorstand der Ortsverwaltunq den Antrag, erneut an den Magistrat der Stadt Berlin zwecks Errichtung eines Arbeitsnachweises für Musiker heranzutreten und alle Mittel und Wege anzuwenden, um den Antrag zu verwirklichen." Zum Ausgang des Streiks im Tiefbaugewerbe wird uns noch mitgeteilt:„Wenn die Forderungen der Tiefbauorb eiter nicht restlos erfüllt sind, so liegt es zum größten Teil an der„r e o o l u t i o- n ä r e n" S t r e i k b r e ch e r g a r d e, die sich bei diesem Streit zum Schaden der kämpfenden Arbeiter bemerkbar gemacht hat. Es wird nun an den Tiefbauarbeitern liegen, dafür zu sorgen, daß im Tief- bau wieder geordnete Berhältnisse Platz greifen." Der Zenkralverbaad der Zimmerer zählte Ende 1920 in 953 Zahlstellen 37 024 Mitglieder, worunter 5450 Lehrlinge. Gegen daS Vorjahr ist eine Zunahme von 7643 Mugliedern— worunter 39 Lehrlinge— zu verzeichnen. Die Gesamteinnahmen in den Verbandszahlitellen betrugen 1920 3 871 820 M.. die GekamtauS- gaben derselben 837 135 M. Für Streik- und Gematzregelten- Unterstützung wurden 252 308 M. ausgegeben, für Erwerbslosen- Unterstützung 505 683 M., für Krankenumerstützung 259 598 M. DaS Vermögen des Verbandes beträgt 8 863 099 M., wovon 6 421 639 M. in der Houvtkasse. Arbeitslos waren am 80. April d. F. 3294 bzw. 3,89 Proz. der Mitglieder, krank 1097 bzw. 1,29 Proz. Verhinderung von Arbelkslosigkeii durch größeren Fischkonsum. Einer TU.-Mcldung zufolge wurde in der Sitzung des Ortsausschusses des ADGB. in Cuxhaven am Donnerstag berichtet, daß die Schiffsreeder in Cuxhaven die Hälfte der Arbeiter entlassen wollen. Um diese Maßnahme zu verhüten, habe der Ortsausschuß de? Ge- werkschaften beschlossen, sämtliche Ortsausschüsse des Bundes aufzu- fordern, für die Förderung des Fischkonsums einzutreten. Zkntral»erba»h der M-lchioistr» unb Kelz», Gelchäjtestellr Sroß-Berli�. Sonntag 9 Uhr Mitgli-derncrsammlung in Boeters ffcftfälcn, W.-berstr. 17. Tagesoionung: 1. Stichwahl zwischen den Aollegen Aoalowskn, Remesold, Blucher-Brandenbura. Aarbinoky. Luckenwalde. 2. Aassenbericht. 3. Verschiedenes. Da noch 3 Aollchen zu wählen sind, die als Delegierte zum Ver- bandstag gehen, ist e» Pflicht eine» leden dienstfreien Aollegen, unbedingt dies« Mitgliederversammlung zu besuchen. steatralverband der Glase«, Zahlstelle Berlin. Mantag 7 Uhr im Gewerk- schastshous, Saal 1, Mitgliederversammlung. Bericht der Verwaltung. Deutscher Zransportardeiter-Brrbanb, Bgitationsbezirk Köpenick und Um- gegend. oannobend 7 Ubr bei Stivvekohl, CSpenick, Schönerlinder Str. ö, Fortsetzung der allgemeine» Bcrsammlung. Tagesordnung:„Amsterdam oder Moskau*. Soziales. Tuberkulosekongreß 1921« Der erste Tag des Tuberkuiosekongreffes, der am Donnerstag m Bad Elster zusammentrat, beschäftigte sich mit der Eni- stehung der Tuberkulose. Als erster Redner sprach der frühere Ministerialdirektor Kirchner-Berlin über die Entstehung und Verbreitung der Tuberkulose. Die Tuberkulose hat am stärksten in Oe st erreich zugenommen. An zweiter Stell« steht Deutschland, das 1918 das Elend von 1896 wieder erreicht hatte. Die Zunahme ist auf Unterernährung, Wohnungselend und Ueberanstrengung zurückzuführen. Nach einem Referat des Generalstabsoberarztes Schultzen-Berlin über die Tuberkulose im deutschen Krieysheer behandelte Prof. Reichenbach-Göttingen das Problem der Ansteckung. Am gefährlichsten sei die Tuberkelübertragung durch Sprechen, Husten. Niesen. Für die Kinder sei auch der Zimmerboden ein Ansteckung»- Herd, da beim Slaubeinatmen oder Berühren von Schmutz leicht Tu- berkeln übernommen werden. Frau Prof. Lydia Rubonowitsch wies in dem folgenden Referat auf die Haustiere als Ansteckung»- quellen hin. Prof. Abel machte vor ollem das Wohnungselend für die Zunahme der Tuberkulose verantwortlich und glaubt, daß eine Besserung des Wohnungselends für Iahrzchnte kaum erwartet werden kann. In weiteren Bortrögen behandelt« Ministerialrat Dr. Roeisch-München die Bekämpfung der Staubkrankheiten, sowie die Professoren Uhlenhuih-Berlin und Leuh-Berlin die neuen Des- infektionsvorfchriften. In der zweiten Sitzung referierten Prof. v. Wosiermcmn-Berlln und der Direktor des Robert-Koch-Inftituts Reufeld über die Jmmuuitätsfrage bei Tuberkulose. Bei Tuberkulose gebe es keine Immunität wie bei an- deren Infektionskrankheiten. Die verschiedenen Tuberkuline, die nur dem Grad der Wirkung nach verschieden seien, übten keinen Einfluß auf den Bazillus, sondern nuraufdas erkrankte Gewebe aus, wie das auch bei anderen Beein- fluffungen Luftkur, Bestrahlungen, Fettnahrung usw. der Fall sei. Sobald das Gewebe seine Widerstandskraft verliert, ist auch eine wesentliche Hilfe vom Tuberkulin nicht mehr zu erwarten. Das Friedmannsche Mittel sei noch nicht erprobt. Gegen Tuber- kulose bildet die Natur keinen Gegenstoff wie bei anderen Infektions- krankheiten, deshalb sei es zwecklos, nach neuen Tuberkulinen zu forschen. Man müsie hingegen dem Tuberkelbazillus mit ch e m i- s ch e n Stoffen auf den Leib rücken. XVl. Grthopäüttlkongreß. Der XVT. Kongreß der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft be« gann am 18. Mai in Berlin im Langenbeck-Virchow-Haus seine Tagung. Die erste Sitzung galt der Erörterung der neuesten Forschungs- und Behandlungsmethoden auf dem Gebiete der Knochen, und Gelenttuberkulose, worüber 11 Refe- reuten berichteten. Frühzeitige Erkenntnis und Behandlung sichern die besten Erfolge. Man muß nicht das einzelne erkrankte Gelenk. sondern den ganzen Menschen behandeln und operative und konser- vative Methoden richtig gegeneinander abwägen. Die Sonnen- oder bester Frischluftbehandlung kann mit dem gleichen Erfolg wie im Ge- birge auch in der Ebene in geeigneten Anstalten durchgeführt werden. Daneben kann in geeigneten Fällen ein operativer Eingriff schneller und gründlicher heilen. Das Krüppelfürsorgegesetz oerlangt auch die Hineinbeziehung des sozialen Momentes: Schule, Berufsausbildung (Krüppelheim und Lerscrgungsstellen). Am 2. Tage wurde eingehend über Rachitis verhandelt. Sie hat ebenso wie die Knochen- und Gelenktuberkulose unter den Kriegswirkungen außerordentlich zuge- nommen. Die mit ihr verbundene Knochenerweichung und-ver- biegung und die Atrophie ist nur ein Teil der gesamten Krankheit, die außerdem Lungen, Berdaungswege und Nervensystem gefährdet; wahrscheinlich liegen dabei Störungen des inneren Drüsenstoffwechsels vor. Sicher spielt eine große Rolle mangelnde Hygiene der Woh- nunq. Zur Behandlung gehört Diätetik, Frischluft. Solange die Rachitis frisch ist, kann sie mit größter Wahrscheinlichkeit durch Be- strahlung mit Höhensonne geheilt werden. Zur gleichen Zeit kann man die krummen Knochen gerade biegen, später sind sie nur auf operativem Wege blutig oder unblutig gerade zu richten. Früh- zeitige und nach einem guten Heilplan durchgeführte Behandlung vermag zahllose Rochitiker vor Berkrüppelung und Erwerbs- beschränkung zu bewahren. Der 8. Tag brachte Besprechungen über zahlreiche Einzelsragen. Im Anschluß an den Kangreß fand eine Besichtigung des Oscar- Helene. 5) eims für Heilung und Erziehung gebrech- licher Kinder in Dahlem statt, wo die dort geübte Waldbehandlung der Knochentuberkulose, die Versorgung der Ohnhänder und andere Methoden vorgeführt worden, vor allem die Zusammenarbeit von orthopädischer Klinik mit der schulmäßigen und beruflichen Aus- bildung._ Verantw. für den redolt. Teil: Dr. Werner Petfer, Charlottenbnry: für ilnzeiaen: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: Borwärls-Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- ivärts-Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer u. Co., Berlin. Lindenftr. 3. Htrrz» 1 Beilage. DfiiföriiPr Wnnbmnü ßmgen Vßt). Äfharl arftfe rro vortrete r für Berlin: M ö. MMec. Serlln E50.»er Skr. 3. lel imianö 524 SAilWal Wie» in WH MMMMWWWWMUVWMMMWMMMWWMMWWWWWW Die alleinige Verwendung von Gmtlicht Seife nach vorgeschriebenem Waschverfahren verbürgt bei leichter Arbeit blütenweiße Wäsche und höchste Schonung der Gewebe.