flg. 243 ♦ ZS.�ahrgattg Ausgabe A Nr. 124 Bezugspreis» ährl. M.— M., monall. IS,— M. Morgen-Ausgabe frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10.— M. einschl. gu- stellungsgebühr. Unter Kreuzband stir Deutschland, Danzig. das Saar- und Memelaebiet, sowie die ehemals deut- schen Gebiet- Polens, Oesterreich, Unzarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27,— M. Post- bestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowakei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts- mit der Sonntags- beilage„Volk und Zeit-, der Unter- haltungsbeilags �ewiwelt- und der Beilage„Siedlung und Kleingarten- erscheint wochentäglich zweimal.Sonn» tags und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Deelmev Volksblstt AnzeigenpretS» Sie achtgespaltene Nonpareillezeil, kostet HLV M»kleine Anzeigen- das fettgedruckte Wort I�v M. tju> lässtg zwei sellgednicktl Worte), sede« weitere Wo« I.— M. Stellengesuch, und Echlafstellenanzetgen da» erst» Wort jedes wettere Won so Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sllr zwei Worte, xamilien-An. zeigen wr Abonnenten Zeile S,— SDl Sit Preise verstehen sich einschließlich Teuerungsznschl»» «Inzeigen für die nächste Nnmme, müssen bt« 5 Uhr nachmittags un Sauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden- ltraße 8. abgegeben werden. Geöffnet von J Uhr srüh bis 5 Uhr abends. - Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands Neüaktion und Expedition: SV) 6S, �indenstr. 3 �ertifurrrfiff• Redaktion Morissplai» 15195—97 evrrnrzurcmcr.(f.st)cl)itio„-jjiorihplaö 11753-54 Donnerstag, den 26. Mai 1921 Srianö im Kreuzfeuer. vorwärts-verlag G.m.b.H., SM H8, Lindenstr. 3 Kernivredior- Berlag. Expedition und Jnsernten- " sprcmcr. iUbtctlung Morttzplat, 11753-54 Paris. 25. Mo!.(Kammer.) Der heutige vierte Tag der Be- ralungen der Interpellationen über die auswärtige Politik in der Kammer begann mit einer Rede des Abg. Noble m a ir e, der an erster Stelle die Lage in Oberschlesien besprach. Es sei gut, wenn alle Welt wisse, daß Deutschland stets begriffe, wenn man laut und vernehmbar mit ihm spreche. Das müßten auch die Engländer verstehen. Aber vielleicht handle es sich hier nur um eine vorübergehende Lösung. Man müsse die verschiedenen Zwischenfälle in Betracht ziehen, die die Politik Deutschlands seit zwei Jahren charakterisieren und immer bedenken, daß die oberschlesisch« Angelegenheit nur ein neuer Zwischenfall sei. Der Redner, der beim Völkerbund in Gens tätig war, erklärte, in Kreisen des Völkerbundes sei gesagt worden. Frankreich sei durch seinen Heroismus der Leuchtturm gewesen, der rs gestattet habe, den Sieg zu erzwingen. Man werfe Frankreich j-tzt vor, daß er die anderen etwas aufgegeben habe, und daß es sich mehr sich selbst überlasse. Man werfe ihm auch vor. daß es sich zu sehr vor England gebeugt habe, was den Friedens- r— trag anbetreffe. Tatsächlich habe ja auch der verlrag England alle Befriedigung gewährt. während Frankreich für seine Tapferkeit und seine Opfer, die viel schwerer gewesen seien, heute noch auf das warte, was man ihm schulde. Frankreich müsse bekanntgeben, daß e» mit England Freundschaft halten wolle auf dem Fuße der Gleich heit. Aber man solle nicht mehr sagen dürfen, die französischen Staatsmanner feien im Schlepptau Englands. Der Quai dOrsan müsse zur traditionellen europäischen Politik Frankreichs zurückkehren. Es babe treue Freundschaften, namentlich unter den Volkern. für deren Wieder aufrichtung es gesorgt habe.(Polen usw.! Red.) Aber der Wechselkurs zwinge diese Leute, mit Deutschland Handel zu treiben. Der Redner ging dann zur Wiederaufbaufrage über. Sie sei nur,, zu lösen unter der Mitarbeit aller. Er sprach aumvon der Politik Frankreichs in Rußland, und es kam zu einem Zwie. gespröch mit dem Kommunisten Marcel C a ch i n, dem Noblemaire vorwirft, er habe seinerzeit in S t r o ß b u r g mit Tränen der Ruh- rung erklärt, daß sei der schönste Tag seines Lebens. E a ch i n erwiderte, nach zwei Jahren französischer Politik habe das Proletariat von Elsaß-Lothringen nicht die gleiche Zuneigung für Frankreich bewahrt. Eine ganze Anzahl elsaß-lothrinqischer Ab- aeordneter, darunter'Wetterle, protestierten gegen diese Worte und sprachen zum Teil von einer bolschewistischen Propaganda, die von Deutschland bezahlt werde, so vor allem der Abg. Frey. Abq. Noblemaire sprach dann von den Schwierigkeiten einer Besetzung des Ruhrgebiets. Er sagte, man wisse nicht, ob man nicht genötiqt sei, bis zur Elbe oder zur Oder vorzurücken. Wenn man aber Gewalt anwenden müsse, um dem Recht zum Siege zu verhelfen, dann würde man dieses Mittel nur gebrauchen im Falle der äußersten Not. Noblemaire empfahl schließlich eine Zusammenarbeit mit Deutschland und meinte, die Zukunft gehöre Amerika. Es habe zwar den Friedensvertrag noch nicht unter» zeichnet, aber es habe ein Wort mitzureden. Abg. P e y r a u r erklärte, er werde auf das Wort verzichten, wenn ihm der Ministerpräsident zwei Fragen beantworte, 1. Ob er dasselbe Vertrauen zu den deutschen Ministern Rosen und Rathenau habe wie zum Reichskanzler Dr. Wirth. 2. Ob es richtig sei, was in der„Voss. Ztg." veröffentlicht wurde, daß Dr. S t r e s e m a n n erklärt habe, man habe günstige Versiche- rungen hinsichtlich Oberschlesieus erhalten. Ministerpräsident Drland saote, er glaube, daß in einer Debatte von so großer Bedeutung es besser wäre, nicht Zeitungsartikel zur Grundlage für die Argumente zu nehmen. Was die Aeußerunaen Stresemanns betreffe, so erkläre er. daß man. nach der Londoner Konserenz Deutschland die Beschlüsse der Konferenz übermittelt habe mit der Erklärung, es müsse ja oder nein sagen. Er habe gestern loyal zugegeben, daß Dr. Wirth öfsent- lich erklärt habe, es sei notwendig für das besiegte Deutschland, seine Verpflichtungen anzuerkennen und zu erfüllen. Er müsse ferner sagen, daß alle Ankworten auf die gestellten Forderungen befriedigend gewesen seien. Es möge Alldeutsche geben, die Hintergedanken hätten, aber er wolle keinen Tenden, prozeß führen, sondern er wolle nur Realitäten sehen. Es sei Zeit, daß man aus den Formeln heraus» komme und zu Tatsachen zurückkehre. Die französische Regierung Hobe ein sehr klares Programm, und ihre Entscheidungen seien ge- troffen: sie seien Deutschland übermittelt worden, die Sanktionen könnten angewandt werden. Der Reichstag Hab« das Ministerium g-billigt und sich bereit erklärt, die Verpslichtunaen Deutschlands aus» zuführen. Wohl gebe js Hintergedanken in Deutschland, ober e« seien keine Staatsmänner und alldeutsche Industrielle an der Macht, die sich den Vervstichtungen entziehen wollten. Man habe die er- forderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen, und wenn Deutschland sich morgen seinen Verpflichtungen entziehen wolle, dann werde Frank- reich das Nötige ausführen.(Beifall.) Er hoffe, daß nun endlich das Land Fühlung mit den Realitäten nehme. Das Land sei voll Vertrauen und Glauben. Man verlange nicht von ihm, daß es einem Optimismus auf Befehl dienstbar sei, ober man habe doch nötig, dem Lande gute Realitäten zu bringen. Man dürfe es uicht in Wolken hüllen. Er habe nicht das Recht, im voraus zu sagen, die deutsche Regierung sei aus Männern zu- famm-ngefetzt. die versuchen würden, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Er, Briand, habe aber auch nicht das Recht, ihre SIitF gäbe zu komplizieren, denn auch(!) sie würden Schwierigkeiten mit der Reaktion haben. Das deutsche Volk beginne die Augen zu öffnen, die Mehr- heit des Reichstags habe dem Kanzler Vertrauen entgegengebracht. Sie habe gesagt, Deutschland wolle entwaffnen und zahlen. Man dürfe sie nicht enkmuligen. Würde man das tun, so wäre das nicht nur ein Fehler, sondern auch eine schlechte Handlung. Vielleicht würde man auch in der Welt sagen, daß dieses Frankreich nicht das richtige fei. Man befinde sich jetzt einem Schuldner gegenüber, der erkläre, daß er die Bedingungen Frankreichs annähme. Man besitze die nötige Kraft, um zu handeln: man halte sie in Reserve. Briand fragt, ob es nicht zur Ehre Frankreichs fei, wenn es selbst seine vläßigung(?) anerkennt? Es sei eine gute Politik, man müsse an ihr festhalten.(Einmütiger Beifall.) Abg. Peyroux erklärt sich befriedigt. Abg. Lacotte von der äußersten Rechten wendet sich gegen die englische Politik, was eine Kritik des Kammerpräsidenten hervorruft. Auch Minister- Präsident Briand sagt, die Alliierten Frankreichs seien intelligent und klar denkend genug, um gewisse Aeußerungen gewisier Depu- tierter auf das rechte Maß zurückzuführen. Abg. Lacotte fährt jedoch fort, England stark anzugreifen. Er wird deshalb vom Kammer- Präsidenten zur O r d n u n g gerufen, greift jedoch Lloyd George lind den Präsidenten Wilson weiter an, so daß der Präsident droht, ihm das Wort zu entziehen. Lacotte antwortet, er werde seine Pflicht bis zum äußersten tun: schließlich erklärt er, der Regierung das Vertrauen zu verweigern. Abg. Joseph Barthelemy erklärt, er finde es nicht recht, daß man sich der Reporationskomission bediene, um eine Scheide- wand zwischen der Regierung und der parlamentarischen Verant- wortlichkeit aufzurichten. Ministerpräsident Briand erklärt, das sei nicht seine Ge- wohnheit, aber er habe ja der Kommer erklärt, daß, wenn man zum Bertrage zurückkehre, das nicht nur Borteile binge, enthalte doch der Vertrag einen Paragraphen, der der Reparationskommij- sion das Recht gebe, einen Teil der deutschen Schuld zu stunden und Abänderungen an den Zahlungsbedingungen vorzunehmen. Abg. Barthelemy sagt, Ministerpräsident Briand habe die Kommer vor eine vollendete Tatsache gestellt. Briand wider- spricht. Er sagt, heute sei ja die Kommer souverän: sie könne ihre Berantwortlichkeit übernehmen. Abg. Barthelemn erkennt die Richtigkeit dieses Standpunktes an, wünscht aber Auf- klärung, ob das Londoner Abkommen in der Zukunft Sanktionen vorsehe, wenn Deutschland noch einmal seine Verpflichtungen nicht erfülle. Ministerpräsident Vriand gibt folgende Erklärung ab: In London haben wir eine Cr- klärung abgegeben, die Deutschland mitgeteilt werden mußte, und die alle Verfehlungen des Schuldners feststellt. Es war genau bestimmt worden, daß Deutschland mit einem Ja oder Nein ant- warten müsse, und wenn eine der Bedingungen zurückgewiesen würde, würden die Alliierten alle ihre militärischen und mari- timen Mittel bereitstellen, um Genugtuung zu erlangen. Jetzt frage man, was geschehen werde, wenn Deutschland noch einmal seine Berpflichtungen nicht erfülle und ob eine neue Zusammen- sunft des Obersten Rates nötig fei, bevor man die Sanktionen ausführe. Wenn es sich um eine Berfchlung handle, von der in der Erklärung von London nicht die Rede sei, dann ja. Denn das sei eine Notwendigkeit des Vertrages. Wenn der Botschafter- rat nicht zu einem Beschluß kommen könne, dann müsse der Oberste Rat die Entscheidung treffen. Aber wenn es sick um Tatsachen handle, die in der Erklärung verzeichnet seien, yinsichtlich deren Deutschland Beweise der Nichterfüllung zeigte, dann müsse Frank- reich wie die anderen Alliierten diese Derfehlung feststelle,, und dann bestehe für jeden von ihnen das Recht, zur Ausführung der Sanktionen zu schreiten.(Zuruf: Das ist ein Recht, aber keine Pflicht.) Erschweren Sie mir meine Aufgabe nicht! Wenn also die deutsche Verfehlung an der Erklärung von London fest- gestellt sei, dann würde die französische Regierung an die eng- tische und belgische Regierung telegraphieren und ihren Willen zum Handeln aussprechen und sie ersuchen, das gleiche zu tun. Durch dieses Telegramm würden die Verbündeten in den Stand gesetzt, mit Frankreich zu handeln.(Zuruf rechts: Und wenn sie nicht marschieren?) Ich will nicht einmal annehmen, daß auch ein einziger von ihnen sich der vorgesehenen Sanktionen ent- ziehen will. Wenn wir gestern infolge einer Verfehlung Deutsch- lands eine Sanktion ins Auge hatten fasten müssen und die Städte Ruhrort, Düstedorf und Duisburg besetzten, hätten die englische und belgische Regierung loyal den Befehl erteitlt, daß ihre Truppen sich den französischen anschlössen. Er habe nicht das Recht, daran zu zweifeln, daß das morgen nicht ebenso sein werde.(Beifall.) Sie haben nicht das Recht, einen Beweis systematischen Argwohns zu geben, und ich habe nicht das Recht, in Zweifel zu ziehen, daß; unsere Alliierten, selbst wenn eine besondere Situation ihnen die! vorgeschlagene Operation schwierig macht, an unserer Seite � sein werden. Aber selbst wenn sie sich in einer Lage befinden � würden, die ihnen nicht gestattet, das zu tun, dann könne Frankreich aus eigenen Wilkela handeln, also allein vorgehen, ohne dadurch gegen seine Verbündeten zu Hein deln. Das sei der große Unterschied zwischen der Politik der Re gierung und einer anderen Politik, die verkündet worden sei.! Dieser Unterschied sei gewaltig, denn-wenigstens unter dieser Bor- aussetzung halle man die Kohäsion(den Zusammenhang) der AMierten anstecht. Das sei das Wesentliche. 1 Wiedergutmachung und Landes- finanzen. Von Hermann 2 ft bemann. Die neue Reichsregierung hat sich das Ziet gesetzt, die Konsequenzen, die sich für Deutschland aus der Unterzeich- nung des Entente-Ultimatums ergeben, zu verwirklichen. Diese �'»--...— gesehen ist, einen Sinn haben soll, müssen ihr logischerweise dieselben Gesichtspunkte zugrunde gelegt werden, nach denen das Kabinett Wirth zusammengesetzt worden ist. Für den Kenner der Verhältnisse ergibt sich hieraus, daß es sich in Preußen um mehr handelt als bloß um die Auswechslung einiger Personen, und daß am allerwenigsten durch die bloße Beseitigung der sogenannten„Beamtenminister" das gefetzte Ziel erreicht werden kann. Natürlich spielen die Pcrsonalfragen auch eine Rolle, zum Teil sogar eine sehr erhebliche. Es ist z. B. klar, daß die Führung des neuen Kabinetts nicht einem Manne überlassen werden kann, dessen politisches Streben dem des Dr. Wirth im ganzen wie im einzelnen diametral entgegengesetzt ist. Es ist dankenswert, daß das, was Stegerwald in seiner vielleicht zu wenig beachteten Essener Rede der christlich- nationalen Arbeiterschaft als politische Zielpunkte aufgestellt hat, unlängst von seinem Freunde Th. Brauer auf eine knappe, klare Formel gebracht worden ist.*') Danach erstrebt Stegerwald die Sammlung der„positiv gcsinten, zu positiver Arbeit bereiten Elemente aus beiden Konfessionen"(d. h. also ein- schließlich deutschnationaler Gruppen), um„eine kontinuierliche Außenpolitik von großer einheitlicher Linie zu sichern und die innere Politik von dem furchtbaren Alb- druck der Sozialdemokratie zu entlaste n". Der erste Teil ist bereits gescheitert, ehe seine Aussüh- rung noch recht begonnen werden konnte. Nach der Nieder- läge eine deutschnational orientierte Außenpolitik! Die Vor- gänge, die den Rücktritt der Regierung Fehrenbach-Simons begleiteten, haben schnell gezeigt, daß das außenpolitische Streben Steaerwglds— mindestens in der Gegenwart— einfach eine Utopie ist. Rur durch die bester« Einsicht und das Verantwortungsgefühl der Sozialdemokratie ist unser Vaterland vor ungeheuerlichen Bedrückungen und Schäden bewahrt worden. Derselben Sozinldemokratie, von deren Mitarbeit Herr Stegerwald und seine Freunde die deutsche Politik je efier, je lieber„entlastet sehen möchten! Fast möchte man es bedauern, daß das unzeitgemäße Ein- treffen des Entente-Ultimatums es verhindert hat, daß auch seine Innenpolitik dem preußischen Volke vorgeführt werden konnte. Aber für uns besteht auch so kein Zweifel, daß das Ende ein Zusammenbruch gewesen wäre. Nun soll die Sozialdemokratie, nachdem die Rechts-. Parteien erneut ihre Unfähigkeit erwiesen haben, im Reich wie in Preußen regieren helfen, damit die unerbittlichen Forde- rungen der Gegner erfüllt werden, ohne daß neue„Sankiio- neu" das Leben unseres Volkes in Frage stellen. In der Ent- waffnungsfrage liegen die Dinge ziemlich einfach. Hier ist es in erster Linie Bayern, besten Widerstand gebrochen wer- den muß. In Preußen ist nur erforderlich, daß die frühere Praxis wiederhergestellt wird, und da es hierzu fast nur ent- sprechender Verwaltungsmaßnahmen und einer richtigen In- struktion der Schutzpolizei bedarf, ist durch richtige Besetzung des Innenministeriums verhältnismäßig leicht eine Lösung zu finden. Schwieriger sind die finanziellen Fragen. Der sechsjährige Krieg und di« leichtsinnige Steuerpolitik der da- maligen Machthaber haben bewirkt, daß heute Reich, Länder und Gemeinden in gleicher Weise Not leiden und auch leiden würden, wenn wir an die Ententestaaten nicht so ungeheure Summen zu leisten hätten. Die Weimarer Verfassung hat eine erhebliche Stärkung der Reichsgewalt auf Kosten der Länder und Gemeinden bewirkt. Erzbcrger hat hieraus die steuerpolitischen Folgerungen gezogen. Seine Finanzreform mit der Reichseinkommensteuer als Kernstück hat den Ländern und Gemeinden ihr wichtigstes Steuerrecht genommen, sie an der Quelle, die bisher das Rückgrat ihrer Finanzwirtschaft bildete, zu Kostgängern des Reiches gemacht. Um ihren weiteren Geldbedarf zu decken, sind den Ländern nur die so-- genannten Ertragssteuern, d. h. die Steuern auf Grund- besitz und Gewerbebetrieb, zur Ausbeutung überlassen worden, und deren zeitgemäßer Ausbau ist daher die aktuelle Aufgabe der Landesfinanzpolitik. Gerade diese Steuern aber, vor allem die hauptsächlich in Betracht kommende Grundbesitzbesteuerung, sind den Per- tretern der Besitzenden in allen bürgerlichen Parteien sehr verhaßt, und ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, ihr Zu- standekommen zu verhindern, mindestens aber soweit als mög- lich hinauszuschieben. Sie haben deshalb auch in der Landes- Versammlung den von der damaligen Regierung vorgelegten Entwurf eines Grundsteuergesetzes zu Fall gebracht, felbstver- ständlich ohne andere Mittel zur Beseitigung des erheblichen ») Hochland. 7. Heft. 1920/21. Fehlbetrages vorzuschlagen. Der neue preußische Staats- Haushaltsplan wird wieder ein Defizit von rund zwei Mil- liarden Mark aufweisen. Ueber seine Deckung verriet die Stegerwaldsche Programmrede kein Wort. Dennoch weiß man, was geplagt ist. Noch während der Aussprache über das Regieningsprogramm(man sieht, die Herren haben es eilig!) wurde nämlich von der führenden Regierungspartei ein Antrag der Herren Herold und Genossen eingebracht, der die Regierung aufforderte, die Ertragssteuern, also die ein- zigendenLändernnochzurVerfügungstehen- denSteuerquellen, nichtfürdenStaatinAn- spruch zu nehmen, sondern, wie bisher, ganz den Ge- meinden zu überlassen. Ein echter„Dolchstoß von hinten" für den bedauernswerten Beamtenminister, dem man ohne vor- hergehende Aufklärung über diese für ihn sehr wichtigen Strömungen in den bürgerlichen Parteien und namentlich in der Zentrumspartei das Finanzministerium übertragen hat. Es ist ziemlich klar, was nun kommen wird. Auf der Suche nach anderen Einnahmemöglichkeiten wird Herr Sämisch sein ganzes Augenmerk auf diejenigen Steuerobjekte richten, die das Reich sich vorbehalten hat. Die besorgten Grund- besitzer werden wieder ruhiger schlafen und Herr Sämisch wird zusammen mit dem schon längst nach dieser Richtung arbeitenden bayerischen Finanzminister alles aufbieten, um durch stärkere Beteiligung der Länder an Reichssteuern, vor allem an der Einkommensteuer, eine den Agrariern aller Rich- tungen sympathische Sanierung der Landesfinanzen zu er- zielen. Gerade dieser Druck auf die Reichsregierung aber ist es, der unbedingt verhindert werden muß, wenn die Umbildung der preußischen Staatsregierung nicht jeden Sinn verlieren soll. Das Reich mag sich noch so sehr anstrengen, zur Aufbringung der Milliardenzahlungen die Wirtschaft un- mittelbar zu belasten, durch Organisierung und Sozialisierung der Betriebe die Gewinne an der Quelle zu erfassen. Selbst die stärksten Eingriffe in privates Eigentum und persönliche Rechte, vor denen selbstverständlich nicht zurückgeschreckt wer- den darf, werden sie nicht von der Notwendigkeit befreien» ihre bisherigen Steuerquellen restlos auszuschöpfen und weiter auszubauen. Ganz klar also, daß sie in dieser Zeit nicht mit Ansprüchen der Länder auf Abtretung unentbehr- licher Steueranteile belästigt werden darf, es fei denn, daß das Reick den Ländern neue kostspielige Aufgaben übertrage. Die Umstellung der preußischen Regierung in dieser Sache ist keine Personenfrage, sondern eine Frage der p o l i t i s ch e n Willensbildung, die sich im Parlament vollziehen muß. Rur wenn die neue Regierung im Landtag eine sichere Mehr- heit für eine grundlegende Grundsteuerreform findet, wird sie auch in der Wiederautmochungssrage eine Entlastung der Reichsregierung darstellen können. Die Entscheidung liegt, wenn man von dem kleinen Häuflein demokratischer Tra- Kanten der Deutschen Volkspartei absieht, beim Zentrum, dessen Landtagsfraktion auffallenderweise den stärksten Gegner jeder zeitgemäßen Bodenbesteuerung, Herrn Herold, zu ihrem Wortführer in Angelegenheiten der Regierungs- bildung bestimmt hat. Wird Herr Herold es auf sich nehmen wollen, in Preußen auch fernerhin Widerstände gegen den wichtigsten Teil der Reichspolitik seines Partei- freundes W i r t h aufzurichten? Der neue Reichspressechef. Wie die PPR. hören, ist zum Nachfolger des bei Neu- bildung der Reichsregierung zurückgetretenen Geheimrats Heilbovn als Pressechef der Reichsregierung und des Auswar- tigen.Amtes Herr Dr. A. Höfle in Aussicht genommen. Dr. Höste war früher Leiter des Bundes Deutscher Techniker, schied aber aus dieser Organisation aus, als die Verschmelzung mit dem Bund der technisch-industriellen Beamten erfolgte. Er hat sich seitdem journalistisch und in der ch r i st l i ch- nationalen Angestellten- und Beamten. bewegung betätigt. Dr. Höste gilt als besonderer Ver- trauensman» des gegenwärtigen Reichskanzlers und de» preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald. Schinkels Schauspielhaus. 1 8 21— 26. Mal— 1921. Am 26. Mai 1821 war die feierliche Eröffnung von Schinkels neuem Schauspielhaus: in einem von dem Meister entworfenen antiken Prachtfaal mit Aussicht auf das weite Meer erschien im Prolog die Muse des Dramas und sprach ein etwas geheimrät- liche» Monodrama Goethes, das er als Vorspiel für die nach- folgende„Iphigenie" gedichtet hatte. Es begann so: S» schmücket sittlich nun geweihten Saal Und fühlt euch groß im herrlichsten Lokall Denn euretwegen hat der Architekt Mit hohem Geist so edlen Raum bezweckt, Das Ebenmaß bedächtig obgezollt, Daß ihr euch selbst geregelt fühlen sollt.... Dann auch der Bildner schmückt' das edle Haus Vom Sockel bis zum Giebel reichlich aus. Hier muß euch Ernst im Heiligtum» fein; Denn Götterformen winkten euch herein: Wo rings umher der Maler sich bemüht Und euren Blick von Bild zu Mild« zieht.... U*r unser klassisches Drama hatte Schinkels klassischer Bau, b»r erst« seiner großen Monumentalbaaten, eine anschmiegsame Farm gefunden. Dabei war seine Aufgot« f» schwierig wie mög- lich. Ais am 29. Juli 1«17 das alte Nationaltheater von Lang. Hans, dem Erbauer>«z Mrandenburger Tores, abbrannte, schlug nach zwei Tagen der Intendant Graf Brühl dem König Schinkel als den vorzüglichsten»rchttetten in Sr. Majestät Staaten zum Baumeister de» neuen Hauses vor. Brühl und Schinkel wurden dann mit der Ausführung des Baues betraut, die ein sehr glück- liches Zusammenarbeiten von Bauherr und Baumeister ergab. Di« Finanzlage des armen Preußen machte es notwendig, die Um- fasiungsmauern des alten Hauses fast ganz beizubehalten, obwohl auch daran allerlei geändert wurde. Uebernommen aber hat Schinkel die großen Säulen seiner Vorhall«. Nur das große ge- wölbt« Dach, das dem alten Nationaltheater die viekbespöttelte Kosterform gegeben hatte, muht« fallen, der klastische Baumeister forderte das flache Dach der Antike. Und am 15. Januar 1818 präzisierte er gegenüber Brühl eine Reih« von Forderungen, denen der König von vornherein zustimmen sollte, damit man gegen späteren Widerspruch gesichert wäre. Die erste dieser Bestimmun- gen wollte festlegen,„ob das Theater als Gebäude wirklich eine Zierde der Stadt werden sollte, ohne luxuriös zu bauen. Hierbei ist zu bemerken, daß die Schönheit eines Gebäudes nicht in dem vorgebrachten Schmuck zunächst besteht, sondern vorzüglich aus der Wahl der verhältniste erwächst, welche aber ihren ersten Grund in der Verteilung und Anordnung des Plans haben, aus dem die Berhältniste der Profile und Fassaden erst besttmmt werden tön- »«», Der Plan muß jxchar. schon ein regelmäßiges, ästhetisches Schlußeeöen im Kriegsveebrecherprozeß. Im Prozeh gegen Heynen führte Oberreichsonwalt Dr. Eber- mayer aus: Politische Betrachtungen seien streng ausgeschieden. es sei nur zu prüfen, ob das geltende deutsche Strafgesetz verletzt worden sei. Bei allem, was zugunsten des Angeklagten spreche, müsse zugegeben werden, daß leine Handlungsweise nlchk zu billigen war. Er hätte nur alle zulässigen Mittel innerhalb der gesetzlichen Grenzen anwenden dürfen. Die Anwendung des Gewehrkolben«, de» Besens, der Fäuste erweise sich als strafbar. Die Festelunz eines Gefangenen und die Anwendung von Schimpfworten habe dar nationale Empfinden dieses Gefangenen verletzt. Im ganzen seien 28 Fälle von Mißhandlungen, ferner' drei Fälle von Beleidigung und in einem Falle dos Werfen mit Steinen als strafbar anzusehen. Zugunsten des Angeklagten spräche, daß er als tüchtig, zuverlässig und brauchbar bezeichnet werde, ein fürsorglicher Familienvater sei und diensteifrig und strenger geaen sick selbst als gegen andere gewesen sei. Der Ober- reichsanwalt beantragte dementsprechend die bereits gemeldete Ge- samtstrofe von 2 Iahr-n Gefänanis. Der Verteidiger R.-A. E ü p p e r s- Düsseldorf streift die be- schämende Lage, welche für Deutschland die bisher gellenden inter- nationalen Gebräuche der Gegenseitigkeit ausschalten. Daß die Ver- abredung der Engländer am Morgen des 11. Oktober 1915 eine Meuterei war, unterliege für ihn keinem Zweifel. Die Engländer hätten sich der schwersten Form der Gehorsamsverweigerung schuldig aemacht. Dementspreibend habe der Angeklagte die erforderlichen Maßnahmen treffen müssen. Ob die Engländer berechtigt waren, die Arbeit im Bergwerk zu verweigern, darauf bobe es für den Ange- klagten gar nicht ankommen können, da höchsten Orts die Arbeit in den Gruben als zulässig bezeichnet worden war. Wenn der Ange- klaate die Grubenarbeit fiir erlaubt oehasten babe, so sei dies ein tatsächlicher Irrtum, der ihm nach 8 69 StGB, zugute kommen müsse. Ein Fall äußerster Not oder dringender Gefahr licae offen- bar vor. Der Ana-klagte habe unmöglich mit den gewöhnlichen Mitteln wie Liaft, Meldung an den Voraesetzten usw. den Wider- stand brechen können, er habe geglaubt, sich in Nokwehr zu befinden. Die Anwendung des Kolbens zur Erzwingung der Arbeit habe er vorher in Münster unter Billigung der Dorgesehten gesehen. Bei den mastenhaften Krankmeldungen habe offenbar eine Verabredung der Gefangenen vorgelegen. Wenn der Angeklagte einige Gefangene, die wirklich krank waren, mißhandelt habe, so solle dies nicht beschönigt werden, aber dem Angeklagten müste hierbei seine Erregung zugute gehalten werden. Zu Gefängnisstrafe liege kein Anlaß vor» wo Festungshaft nach 8 122 StGB, zulässig sei. Der zweite Verteidiger R.-A. von Fürsterling- Lichterfelde betont zunächst, daß in Frankreich die vergarbeit für die Gefangenen zulästig gewesen ist. Die Aussagen der englischen Zeugen hält er zwar für subjektiv, nicht aber für obsektto richtig. Der dritte Verteidiger R.-A. Dr. Dittenberger- Leipzig hebt hervor, daß die schwerwiegenden Beschuldigungen gegen den Ange- klagten größtenteils widerlegt seien. In seiner Erwiderung wendet sich der O b« r r e I ch s a n m a l t gegen einzelne Ausführungen der Verteidiger, soweit sie die recht- liche Würdigung des Tatbestandes betreffen. Er hält es sodann noch für erforderlich, festzustellen, daß von England bestritten worden ist, daß dort deutsche Gefangene zur Bergarbeit angehalten worden seien. Der Präsident bezeichnet die Aeußerungen der Verteidiger über die Behandlung deutscher Kriegsgefangener im feindlichen Ausland im vorliegenden Falle für inopportun,«eil eine Beweisauf. nähme in dieser Richtung nicht erfolgt fei. Der Angeklagte bringt nur kurz zum Ausdruck, daß er auf die Gerechtigkeit de« Reichsgerichts vertraue. Damit ist die Der. Handlung beendet. Da» Urteil wird am Donnerstag vormittag 8.S0 Uhr verkündet werden._ Reeüerprovokation« Die herauiforderndeRamengrbung der TtinneS-Reeberei an drei neue Dampfer. HindenBurg— Ludendorff— Tirpitz. hat die Hapag nicht schlafen lassen. Sie tauft ihren nächsten Dampfer—„Kohr-. Und da« Reich, da« den Reedern Milliarden zum Wiederaufbau gibt, wird wohl noch Dankeschön sagen, wenn demnächst Lüttwitz. Bischoff und Kapp vom Stapel laufen. Für späterhin empfehlen wir noch Roßbach, Arco-Valley und Knüppel-Kuntze I Ganze(ein; unerläßlich aber ist es auch, daß der Charakter des Gebäudes sich von außen vollkommen ausspreche, und das Theater durchaus nur für ein Theater gehalten werden kann." Diesem Zweckgedanken seiner Planung entsprechend hat Schinkel sein Hau» durchgegliedert, mit dem Theaterraum in der Mitte, dem Konzertsaal links, den Nebenräumen rechts, einem Vorbau für die Zufahrt. In einem Bericht an den König, den das Schinkelmuseum besitzt, legt er diesem die Schönheit, Zweck» Mäßigkeit, Sparsamkeit und Feuersicherheit seiner Schöpfung dar, die ihrer Form nach in der Mitte zwischen der großen Oper und dem kleinen Schloßtheater in Charlottenburg steht, zugleich heim. lich und für Sehen und Hören bequem sein wird. Besondere Sorg- fall aber wandte der Meister der inneren Ausstattung zu: eine Schule bester Dekorationsmalerei sollte das Haus werden und gute Maler wie Wach, Schadow, Kolbe, Klöber, Hensel haben mit- gearbeitet, während Friedrich Tieck, der Bruder des Dichter», den plastischen Schmuck innen und außen übernahm. Von ihm stam- men auch die Büsten im Konzertsaal, der ja heute noch die echte hohe Kunst Schinkels zeigt. Der Theatersaal selbst aber, einst in Weiß und Gold strahlend, mit Wachs Deckenbild und einem Vorhang Schink-ls, einem Bacchischen Fest von Wilhelm Gchadow am Proszenium, hatte sich schon im 19. Jahrhundert manche Umgestaltung gefallen lasten müsten und ist dann vor IS Jahren ganz zerstört worden, auf Kosten einer unglaublich langweiligen hofbaurätlichen Schöpfung, ein« der schwersten Sün- den, die die Kunstpflege des Kaiserreichs auf dem Gewissen hat. Ein par Bilder au» dem Theatersaal sind in die Charlottenburger Technische Hochschule hinübergerettet worden. Wer in Schinkel» Briefen und Berichten liest, mit welcher Sorgfalt und welchem Geschmack er gerade den inneren Ausbau bis ins kleinste Detail geleitet und überwacht hat. der wird um so schwerer beleidigt, wenn er statt der Farmen Schinkel» und seiner Mitarbeiter dort heute die Leistungen der Epigonen findet. Fliegenpefi. De« Biologie, die heut« zu den populärsten Wissen, «chaften gehört, gewinnt nur langsam dort an Boden, wo sie sich in den Dienst der praktischen Tötlgkeit stellen will. Eine ganz be- sonder« wichtig« Rolle spiell sie in der Bekämpfung von tierischen und pflanzlichen Schädlingen. Während man sich bislang dazu vor- wiegend der Chemikalien bediente, verlegen sich jetzt verschieden« wissenschaftlich« Anstalten auf die Verwertung von Krankheitzerre- gern, also von biologischen Faktoren. Ein Erfolg dieser Art scheint bei der lästigen und krankheitsübertragenden Stubenfliege bevor- zustehen, der sich auf einer ganz folgerichtigen Ueberlegung aufbaut. Wohl jeder hat schon im Herbst an Fensterscheiben, Spiegeln usw. tot« Fliegen kleben sehen mit seltsam verkrümmten Beinen und festgesougtem Rüstet, umgeben von einem grauweißen Schleier oder Hof. Da» sind die Spuren eine» mikroskopisch kleinen Pilzes, Lmpusa musca, der Fiiegenvest, denen die Fliege zum Opfer gefallen ist. Die Wirkung dieses Pilzes ist für die Fliegen epidemisch, Eisenbahner, haltet ZrleÜenswacht! Nach Prestemeldungen und sonstigen Feststellungen siehe« in verschiedenen Teilen Deutschlands Orgeschsormationen zum Ab- marsch nach Oberschlesien bereit oder sind zum Teil schon auf dem Wege dahin. Die Reichsregierung hat in Ausführung der ent- sprechenden Bestimmungen des Friedensvertrages die Bildung illegaler Formationen verboten. Anscheinend kehren sich die Lei- tungen der Orgesch und anderer Freikorps um die Derbole sehr wenig und treiben unter dem Deckmantel nationaler Phrasen nach wie vor ihr verbrecherisches Spiel. Das deutsckze Volk, vor allen» aber die Arbeilerschast hat die Pflicht, die Reichsregierung bei der Ausführung des Friedensvertrages zu nnierstühen und alles auf- zubieten, um den Kriegstreibern das Handwerk zu legen. 3n erster Linie wird es die Aufgabe der Eisenbahner und ihrer Bekriebsräle sein, unerlaubke Transporke zu überwachen und eventuelle Fest- stellungen den zuständigen Eifenbahnverwaliungen und Behörden sofort mikzuleilen. Wir ersuchen deshalb unsere Mlglieder. auf dem Posten zu sein, um die Reaktion unschädlich zu machen. Wir alle haben die Pflicht, den Frieden zu erhallen! Der Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandcs. Schutzpolizei gegen Freikorps. Breslau. 25. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) An der Grenze des Zlbstimmungsgebietes sind gestern und vorgestern neun Hunderkschafken Schuhpollzei zur Derstär- kung eingetroffen. Die Mannschafken stammen meistens aus Nordwestdeulschland und werden durch die Stimmung der Bevölkerung des Grenzgebietes wenig beeinflußt. Gegen die Werbestelte des Freikorps„Oberland" in Neiße ist eingeschritten worden. Ein Ueberlritt von Frei- willigen über die Grenze dürste nunmehr tatsächlich kaum mehr möglich oder doch ganz außerordentlich erschwert sein._ Korfantp an Sie Deutschen. Warschau. 25. Mai.(OE.) Sorfanty und sein Exekutiv- komltee haben einen Ausruf an die„eingeborenen deutschen Stadt- bewohner Oberschlesiens" erlassen, Handel und Gewerbe wieder in Gang zu bringen: sie sollen von der 3. fi. verlangen, daß die Slädle den Insurgenten übergeben werden. Dafür erklärt sich Kor- fanty bereit, in die Städte ausschließlich militärisch organisierte und uniformierte, rein oberschlesische Polizeitruppen zu entsenden: es solle ein bestimmter Prozentsatz deutscher Oberschlesier in die Polizeitruppen aufgenommen werden, unter der Bedingung, daß sie gegen die polnische Bevölkerung und deren bewassnele Kräfte und be- Hörden keine feindseligen Akte unternehmen. Der Aufruf schließt mit der D r o h u n g. daß bei Ablehnimg dieses Angebots eine Z u- nähme de« Hungers und die Plünderung der Bürgervierlel durch die Arbeiter die Folge sein werde. Wenn die Orgezch eindringe, werde die Zukunft Oberschlesiens ein Trümmerhaufen 'ei erhoben. Nur Donnerstag und Sonntag ist frei. Montag ist da» Museum geschlossen. Für Eilenbahnbedienstete ulm. ist der Eintritt sres, Tagung der Stadtlchuträto in ffiria«. Vom 19. bis 21. M.:i tagten in Erfurt die Vertreter der deutschen Städte, die in der Schulaujsscht und Schulverwaitung tätig stud,»m über die bceuueudeu pädagogischen und finanziellen Probleme zur Einigung zu kommen. DaS Ergebnis wurde in Leitsätze zusammengejagt, die den Zentralbehörden übergeben werden. Das Kreuz auf dem HartmannSweilerkopf. Der Gedantc, auf dem heihumtämpsten Vogrienvorhügel den Gesalleneu ein Tentwal zu er» richten, gebt seiner Verwirklichung entgegen. Auf mächtigem Sockel, dessen Inneres eins.Krypta cnthailen wird, soll sich weithin sichtbar ein 45 Meter hohe« Ricsenlreu, erbeben. Die neueste» Danzig-Marken. Di- endgültige Biik'markenreib« sür da» Gebiet der Freien Stadt Danzig wird voraussichtlich in den ersten Iunitagen ausgegeben. Der Sntwurj zeigt da» Danztger-chappeo«ä dem Löwe» als Schildhalter. Nr. 243 4 ZS.Iahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 2b. Mai 1421 Wie wirö öie Milchversorgung Herlins? Der Magistrat schützt die Verbraucher.— Abwehr des Wuchers. Der 1. Juni bedeutet für das Reich und für Berlin im besonderen, eine weitere Etappe im Abbau der dem Handel wie der Landwirtschaft verhaßten Zwangswirtschaft, deren Mißerfolge gar nicht in der Methode dieser durch die allgemeine Not begründeten Wirtschaftsform zu suchen find, als vielmehr in der seit dem ersten Tage ihrer Einrichtung eingesetzten planmäßigen Hintertreibung der oolksfreundlichen Wirksamkeit. Auch in den Zeiten unerhörtester Not wollten Produzenten und Zwischenhändler das Recht haben, die Preise nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen. Man erinnere sich des Sturmlaufs gegen die Fleisch-Zwongswjrtschaft. Man erinnere sich der lieblichen Redensarten sesiens der Agrarier und Händler, nach denen bekanntlich dafür gesorgt werden würde, daß das Volk im freien Handel gutes Fleisch zu mäßigen Preisen— etwa 10 M. das Pfund— erhalten sollte. Was ist von diesen Re- dereien wahr geworden? Fleisch ist zwar da, wer aber kann es kaufen? Das Spiel mit üen Lieferungsverträgen. Gemäß einer Verfügung des Reichsernährungsministers soll die zwangsmäßige Bewirtschaftung von Milch, Butter und Käse fallen, und zwar erstreckt sich die neue Freiheit, mit der das Volk beglückt werden soll, zunächst auf die Produzenten, das sind die Landwirte. Sie haben in Zukunft das Recht, mit ihrer Milch zu tun und zu lassen, was ihnen beliebt. Sie können, was bereits vielfach geschehen ist, mit Gemeinden und Händlern Lieferung s- vertrüge abschließen. Sie haben aber auch das Recht, die Voll- milch zu entsahnen und die Sahne zu verbuttern oder an Kondito- reien zur Herstellung von Schlagsahne zu verkaufen, während die Magermilch an die Schweine verfüttert wird. Der Lieferungsoer- trag soll nun, nach der Versicherung der Landwirte, das vorzügliche Mittel sein, dessen sich Gemeinden und Händler jederzeit bedienen können, um sich die benötigten Quanten Milch sicherzustellen. Zu- nächst ist schon recht bemerkenswert, daß, nachdem die V e r p f l i ch- tung zur Ablieferung von Milch immer mehr versagt hat, jetzt plötzlich, sobald nur erst der freie Lieferungsvertrag da ist, auch die Milch da sein soll. Mit andern Worten, die Milch ist natürlich auch heute schon da, nur wollen die Landwirte sie zu den jetzigen Preisen nicht hergeben. Ferner kommt es bei einem Liefe- rungsvertrag auf die Befristung an. Die Frist,-bis wie lange er läuft, kann kurz oder lang sein. Und nun ist die Tatsache zu ver- zeichnen, daß die Landwirte sich keineswegs an langfristige Der- träge binden, die allein doch imstande wären, auch auf längere Zeit hinaus einen bestimmten Preis festzulegen. Man rechnet vielmehr heute schon in der Landwirtschaft auf ein starkes Anziehen aller Milch- und Milchproduktenpreise zum kommenden Herbst und schließt demzufolge auch die Lieferungsverträge ab. Was das Stsi- gen der Preise im Herbst zu bedeuten hat, werden wir weiterhin sehen. Außerdem aber ist man auch bei den Produzenten kein Freund von Konventionalstrafen, das ist die Vertragsstrafe, die der Liefernde an den zu Beliefernden zahlen muß, wenn er mit der Lieferung gar ganz ausfällt. Die Dinge liegen also derart, daß die Milchproduzenten zwar mit Großhändlern und Großabnehmern Verträge eingehen, daß die Abnehmer aber bei Nichtlieferung kei- neswegs auf Vertragsstrafe dringen können. So stellen sich die Lieferungsverträge offenbar dar als das berühmte Messer ohne Heft, dem die Klinge fehlt. Die Staöt kn einer Zwangslage. Soll nun Groß-Verlin mit seinen insgesamt vier Millionen Einwohnern— also mehr als das ganze württembergssche Land zu» sammen—, soll dieser gewaltige Wirtschaftskörper einer solchenUn- gewißheit überlassen, soll er auf Gnade und Ungnade den Produ- zenten und Händlern ausgeliefert werden? Zunächst ist darauf hinzuweisen, daß die Gemeinden in der Uebergangszeit das Recht haben, die Belieferung der Bevölkerung sicherzustellen, und zwar durch die bisherigen städtischen Verteilungsstellen. Damit soll er- reicht werden, daß zum mindesten Kinder, Schwangere, stillende Mütter und bestimmte Kategorien Kranke nach wie vor ihre Milch erhallen. Diese Pflicht wie bisher weiter zu er- füllen, sieht die Stadt Berlin als selb st ver st änd- lich an. Auf Grund von bereits getätigten Lieferungsoerträgen sollen an Berlin vom 1. Juni ab insgesamt täglich.400 000 Liter Milch gellefert werden. Davon entfallen, gleichfalls täglich, 240000 Liter an die oben bezeichneten Kinder usw., so daß 250000 Liter im freien Verkauf zur Verfügung stehen würden. Bisher hat der Liter Milch 3 M. gekostet. Es ist das Bestreben der Stadt Berlin, diesen Preis für die Milch der Kinder, Säuglinge usw. beizubehal- ten, weil dieser Preis, an sich schon 2000 Proz. des Friedenspreises, so hoch ist, daß ihn bereits heute weite Kreise der armen und ärm- sten Bevölkerung überhaupt nicht bezahlen können und infolge- dessen die Karten verkaufen. Um einer fortschreitenden Verelen- dung vorzubeugen, müssen also die Schwangeren, Säuglinge usw. die Milch zum mindesten zu dem bisherigen Preis bekommen. Der Liter Milch kostet der Stadt selbst frei Bahnhof Berlin aber schon 2,60 M., wovon aus Fracht je nach Entfernung auf den Liter 30 bis 70 Pf. entfallen, so daß die Landwirte für den Liter immerhin noch 2 M. und darüber erhalten. Kaust die Stadt zu 2,60 M. ein, verkauft sie zu 3 M., so hat sie dabei einen Schaden von 60 Pf. pro Liter, denn die Selbstunkosten betragen nach Berechnung des Milch- amtes pro Liter 1 M. Ueber diese Selbstunkosten der Stadt ist bereits viel gestritten worden, weil man sie für zu hoch hält. Wie dem auch sei, muß die Stadt die Milch an Säuglinge, Kinder usw. weiter wie bisher zu 3 M. liefern,, so würde sie bei täglich 140000 Liter zu je 60 Pf. einen Verlust von 84 000 M. haben. Das macht im Jahre die enorme Summe von 30 000 000 M. Woher soll die Stadt dieses Geld nehmen? Vielleicht wissen die bereits erwähnten Zauberkünstler auch hier Rat. Nun bringt eine bürgerliche Korrespondenz die Nachricht, daß zwischen dem Berliner städtischen Milchamt und den Berliner Milch- Händlern Verhandlungen stattgefunden haben, in deren Verlauf die Händler dem Amt vorrechneten, daß, wenn es den Preis für die im freien Handel erhältliche Milch auf 3,55 M. pro Liter festsetze, die durch die Kartenmilch hervorgerufene Unterbilanz vollkommen gedeckt werde, ja, daß die Händler sogar noch monatlich 35 500 M. an das Milchamt rückvergüten können. Sollte die BerOhnung der Händler wirklich zu Recht bestehen, so wäre allerdings unverzüglich nachzuprüfen, wie es kommt, daß das Milchamt der Ansicht ist, es könne die durch die Kartenmilch hervorgerufene Unterbilonz nur dadurch wettmachen, daß es die freie Milch zu 4 M. verkaufen. Ob nun aber die Milch im freien Handel 4 M., ob sie 3H5 M. kostet, der Preis ist in dem einen wie dem andern Fall so hoch, daß manche Hausfrau in verzweifelte Tränen ausbrechen wird, denn 3,55 M. sind noch immer 2400 Proz. des Friedenspreises. Die Bevölkerung wird aber zweifellos auch sonst allen Berechnungen und Der- sprechungen des freien Handels mit dem denkbar größten Miß- trauen begegnen müssen, wenn sie sich der ganz ähnlichen Ver- sprechungen bezüglich Fleisch und Eier erinnert. Auch hier wurde das Blaue vom Himmel herunter— versprochen. Heute sind die Preise im freien Handel 3000 Proz. über Friedenspreis. Weiterhin aber kommen wir jetzt auf das eingangs Erwähnte zurück. Die Lieferungsverträge sind überall kurz. Jetzt, in der Zell des Grün- futters, sind die Kühe vollmilchend. Im Herbst wird das Bild we- fentlich anders aussehen und dieselben Herren und dieselbe bürger- liche Presse, auch die demokratische, die sich in Entrüstung über die städtische Milchpolitik überfistelt, wird vermullich im Herbst, wenn die Agrarier und Händler erklären, sie müssen leider die Preise er- höhen, verlegen brummeln: Die Berliner sind ja auch rein toll nach Milch. Soviel kann die Landwirtschaft natürlich nicht schaffen. Da müssen ja die Preise— nach der manchesterlichen Lehre von An- gebot und Nachfrage— in die Höhe gehen. Nur das eine ist jetzt sicher: die die Milch am nötigsten haben, Kinder bis zu vier Jahren, stillende Mütter, Schwangere und be- stimmte Kranke, werden nach dem 1. Juni ihre Milch zum Preise von 3 M. für den Liter weitererhalten. Für die übrige Bevölke- rung, d. h. für die, die es zahlen kann, werden weitere 260 000 Liter vorhanden fein. Der Preis wird jedenfalls in diesen Tagen festgesetzt werden. Dem freien Handel aber wird in Zukunft die ganz besondere Aufmerksamkeit des Berliner Volkes gellen müssen. * Das Rachrlchlenaml des Magistrats teilt mit: Aus Anlaß der Neuregelung der Milchoerteilung und Festsetzung der Preise hat sich der Magistrat in seiner gestrigen Sitzung mit allen ein- schlägigen Fragen eingehend beschäftigt, lieber das Ergebnis der Beratung wird sofort weitere Mitteilung ergehen. Die Unterlagen für die Nachricht über eine angebllch beabsichtigte Verteuerung des Milchpreisev sind in einer Reihe von Punkten völlig unzutreffend. Vor allen Dingen kann von einer beabsichtig- tenVerteuerungderMilchum4SPfennigzuLastea des Handels keine Rede fein. Kampf um Groß-6erlin. Den PPN. wird von Onterrichteter Seite geschrieben: Aus verschiedenen Teilen des neuen Groß-Verlin laufen beim Ministerium des Innern und beim Parlament Petitionen ein. die das Gesetz der neuen Stadtgemeinde Groß-Berlin vom 27. April 1920 abändern bzw. rückgängig machen wollen. Auch im prcußi- schen Landtag sind entsprechende Anträge gestellt worden, die bereits in den letzten Sitzungen vor der Vertagung auf der Tagesordnung gestanden, aber noch nicht erledigt werden konnten. Sie werden vermutlich einer Kommission überwiesen werden, die Gelegenhell nehmen wird, die Einzelbcschwerden und eine etwaige Abänderungs- bedürftigkeit des Gesetzes eingehend zu prüfen. Schon heute kann ober gesagt werden, daß es a u ß er o r d e n t- lich schwierig sein würde, nicht bloß politisch, sondern auch sachlich die durch das Gesetz vollzogenen Eingemeindungen tell- weise rückgängig zu machen. Abgesehen davon läßt sich bei der Kürze der Zeit, während der das Gesetz vom 27. April o. I. erst in Wirksamkeit ist— die wirkliche Durchführung ist auch heute noch nicht vollständig beendet—, heute noch gar nicht sachlich beurtellen, ob die Nachteile, die in den bettefsenden Petitionen ins Feld ge- führt werden, sich nicht auch auf andere Weise als durch Rückgängigmachung zweckmäßig und zufrieden, stellend beseitigen lassen. Der Mann im Koffer. wenn einer als Stückgut fährt. Eine tragikomische Einbrecherzeschichte, wert jedem Witzblatt zur Zie?de zu gleichen, wurde vor der Strafkammer des Land- gerichts ll verhandelt. Dort hatten sich die beiden B r L d e.r, Ar- tisten Max und Paul Arndt, anter der Anklage des versuchten schweren Diebstahls und der Urkundenfälschung nochmals zu verant- worten. Der erste Termin muhte vertagt werden, weil die Anße- klagten behaupteten, daß sie zu ihrem Geständnis durch Drohungen der Polizeibeamten gezwungen worden seien. Nach diesem Geständnis hatten sich beide einen arttgen Plan ausgearbeitet. Danach sollte sich Max, mit Einbrechwert- zeug und einigen Nahrungsmitteln ausgerüstet, in einen Koffer einschließen lassen, den sein Bruder Paul als Stückgut nach Spandau aufgeben und dabei sich selbst unter falschem Namen als Empfänger bezeichnen sollte. Auf dem Wege vm�er�orckstraße�iach�pandau�ollte�lax�m�üterw� 721 Sline Menschenkind. III. Der Sündenfall. Bon Martin Andersen Nexä. Ms Beute der Verwirrung und Berzweiflung ging sie umher; ihr war, als starrten alle Menschen sie an, als ver- hielten sich alle so wunderlich, fast feindselig. Karl blieb ihr fern; wie sie's auch einrichten mochte, es war nicht möglich, allein mit ihm zu reden. Ein gutes Wort wäre jetzt so will- kommen gewesen, aber niemand hatte es für sie übrig. Und die daheim... wenn die es zu wissen bekämen... der Vater! Eines Tages kam Sine in den Stall zu ihr hinüber- gelaufen.„Du sollst zur Bäuerin hineinkommen!" sagte sie und starrte sie an mit Augen, die starr vor Schreck waren. Stine selbst hatte keine Angst; sie hatte eher das Gefühl, daß jetzt ihre Befreiung kam. Karen saß in der guten Stube am Tisch; sie sah aus wie eine, die Gericht halten soll; sie hatte ein schwarzes Kopftuch umgenommen und hiell ein Buch in der Hand. Hinter ihr stand Karl; er sah flehend auf Stine. Aber sie gestand osten alles, wie es war,— so war's wenigstens überstanden. Bei all dem Uebeln hatte die Bäuerin doch immer in dem Rufe gestanden, recht zu tun, wenn's ernstlich darauf ankam. Sie würde gewiß anerkennen, daß Stine sich Karls angenommen hatte,— und ihr drüber weghelfen.« Aber hierzu reichte Karens Rechtssinn jedenfalls nicht aus. Vielleicht lag es daran, well sie dem Sohne gegenüber schuld- bewußt war und ihn gerne zum Mitschuldigen haben wollte. Sie ergriff für ihn Partei, schalt ihn nicht einmal aus, son- dern wandte all ihren Zorn Stine zu. „Das hat man also davon, daß man sich deiner angenom- men und dir Essen und Kleider gegeben hat," sagte sie. „Schande kriegt man zum Dank— und Unglück obendrein. Ließe man dir dein Recht zukommen, so verklagte man dich bei der Obrigkeit und begnügte sich nicht damit, dich abzu- weisen. Du kannst selber die Paragraphen hier sehen!" Karen hielt das Gesindegesetz vor sie hin und redete in feierlicher Buchsprache.„Du hast eines der Kinder des Hauses zu Schlech- tigkeiten verleitet,— Paragraph sechs. Du hast dich eines unzüchtigen Verkehrs mst einer anderen zum Hausstande ge- hörigen Person schuldig gemacht,— Paragraph zwölf. Und obwohl du ein lediger Dienstbote bist, bist du schwanger,— Paragraph dreizehn. Du hast dein Recht dreimal ein- gebüßt, und man kann mit dir tun, was man will. Mach, daß du fortkommst,— und zwar«in bißchen plötzlich� Mit leblosem Ausdruck nahm Stine das alles hin, sie weinte nicht einmal. Da saß die Bäuerin mit dem Gesetz in der Hand, verurteilte sie nach seinem unzweideutigen Buch- staben,— und stellte trotzdem die Wahrheit auf den Kopf. Das Ganze war so sinnlos, aber Lars Peters seltsames Wort fiel ihr ein. daß der Dienende kein Recht hat. Als die Bäuerin sie aufforderte, sich davon zu scheren, ricktete sie den Blick auf Karl; zwei erstaunt fragende, unschuldige Kinderaugen schauten ihn an. Würde er gar nichts sagen? Aber er hiest sich nahe zur Mutter und sah sie an, als fei sie eine durch- triebene Verführerin. Da wankte sie hinaus, ging in ihse Kammer und packte ihr Bündel. Vielleicht war Karen der Gemütsstimmung ihres Sohnes nicht ganz sicher, sie wollte Stine so schnell wie möglich vom Hof haben; jedenfalls folgte sie ihr und trieb sie zur Elle an. Als Stine das Bündel unter den Arm genommen hatte und gehen wollte, schlug Karen plötzlich das Deckbett zurück.„Hast du da die Sünde betrieben?« sagte sie und sah ihr mit gierigem Ausdruck ins Gesicht. Stine trottete aufs Geratewohl vorwärts. Was sie wollte, wußte sie nicht; in ihr selbst war alles erloschen, und um sie her war es bitterlich kalt und leer. Nur eine Vor- stellung festigte sich etwas in ihr: sie wollte nicht nach Hause, — nicht um alles in der Welt! Es war Vorfrühjahr, der Frost war noch nicht aus der Erde gewichen: die Felder waren entsetzlich aufgeweicht. Aber sie trabte weiter, patschte durch den Morast vorwärts, blieb stecken und kam wieder los— und gelangte zur Koppel. Das Wasser stand um ihre„Jnselchen", auf denen sie ihre Nester gehabt hatte; sie mußte heranwaten. In ihren Schuhen gluckste das Wasser, und ihre Nase lief; sie weinte innerlich, mit unaufhörlichem schwachem Jammern; aber ihre Augen waren starr und trocken. In den Nestern war's kahl und kalt, das Gebüsch hatte keine Blätter; da lagen noch kleine Gegen- stände aus ihrer Spielzeit, wie sie sie hinterlassen hatte. Sie watete zurück und setzte sich auf den Moorhang, wo sie so oft gesessen hatte, mit ihrer Arbeit beschäftigt,— die Beine baumeln lassend, wie sie es gewöhnlich tat. Sie starrte in das braune Wasser hinab, wo die Hechte schon nach den Wasserkäfern jagten, und dachte an alle die trüben Geschichten, die sie von Mädchen gehört hatte, die sich in ihrer Not das Leben genommen hatten; sie dachte auch daran, wie kalt es da unten sein müsse, und ein Schauder überlief sie. Wie schwermütige Weisen hatten ihr die Berichte im Sinn gelegen, so fern und unwirklich,— und doch so traurig. E» gab Lieder darüber, und sie hatte sie hier unten gesungen und vor Mitleid dabei geweint. Aber nun wußte sie mehr davon. Man fand sie ja,— die armen Wesen; und mit dem Kinde unterm Herzen wurden sie begraben. Und wenn der Tag kam--. Sie mußte an die Frau des Krug- wirts denken, die ihr Kind nicht wickeln konnte, und am aller- meisten an das Ungeborene, das das alles durchmachen mußte— ein stierendes kleines Geschöpf ohne Wickeln und Windeln—, daß ihr das Herz blutete. Voll Grauen zog sie sich von dem Wasser zurück und irrte ratlos umher. Oben von den Feldern rief eine Stimme, sie hob den Kopf... es war Karl. Laufend und winkend kam er herabgeeilt. Einen Augenblick stand sie empfindungslos da. dann wandte sie sich um und floh.„Ich muß mit dir reden!" Sie hörte seine Schritte hinter sich, lief, daß die nassen Röcke ihr um die Fersen schlugen, und schrie wie von Sinnen. Ueber die ganze Koppel lief sie, cm Rasmus Nytters Hütte vorbei, wo die Kinder standen und ihr erstaunt nachgassten, und weiter, bis sie auf die Kommunalstraße stieß, die zum Dorf führte. Dort verbarg sie sich in den Dünen. Erst als die Dunkelheit hereinbrach, wagte sie sich ins Dorf. Sie schlich um die Häuser herum zum Hafen hin, um niemandem zu begegnen; sie meinte, jeder müsse es ihr an- sehen können, wie es um sie stand. Lars Peter arbeitete im Boot zusammen mit seinen Kameraden; einer von diesen er- zählte etwas, und sie hörte den Vater lachen. Tief und warm dröhnte es aus seiner Brust; Stine hätte beinahe darob auf- geschrien. Hinter einem umgelegten Boot hiell sie sich versteckt; naß und erstarrt saß sie da und wartete darauf, daß er fertig werden würde. Es dauerte entsetzlich lange: die Arbeit im Boot war getan, aber sie blieben auf der Mole stehen und schwätzten. Stine jammerte in der Kälte leise vor sich hin; sie begriff es nicht, daß jemand so unbekümmert schwatzen könne. Endlich sagte er Gute Nacht und kam. Stine richtete sich auf.„Bater!" flüsterte sie. „Was zum Henker.— bist du es?" rief Lars Peter ge- dämpft.„Wie kommst du denn hierher?" Sie sagte nichts, stand nur schwankend im Dunkel. „Bist du krank, Kind?" fragte er und umfaßte sie, um sie zu stützen. Er fühlte, wie naß und elend sie war, und starrte ihr ins Gesicht.„Hast du was Unangenehmes erlebt?" stagte er. Sie wandte das Gesicht ab, und bei dieser Be- wegung stieg ihm eine Ahnung auf.„Komm, laß uns nach Hause gehen." sagte er und umfaßte behutsam ihren Arm. „laß uns zu Mutter nach Hause geben!" Seine Stimme über- schlug sich. Zum erstenmal hörte Stine ihren großen, starken Vater stöhnen, und der Laut schnitt ihr ins Herz. Da ver- stand sie im Ernste, wie verzweifell das Ganze war. (Forts, folgt.) Koffer mm htiKK öffne», andere dort vorhanden« Soff« erbreche» und ihres Inhalt» beraube» und dann, wenn die Beute in de» eigenen Koffer verpackt wäre, auf einer Zwischenstation unbe» mertt den Zug verlassen. Der Plan, der sehr raffiniert ausgedacht war, scheiterte aber schließlich daran, daß der Mann im Koffer ihn von innen nicht zu öffnen oermochte und deshalb beinahe elend umgekommen wäre. Die Angeklagten hatten nämlich über» sehen, den Koffer als Eilgut aufzugeben, und so hatte Max Arndt da» Bergnügen, vom Mittwoch bis Sonnabend in seinem Gefängnis auszuharren und körperliche Torturen aus» zuhalten. Aus dem in d« Güterkammer in Spandau stehenden Gepäckstück drang ein so penetranter Geruch heraus, daß die Beam- ten darauf aufmerksam wurden und den Koffer öffneten. Da fanden sie denn den Angeklagten Max in ein« schrecklichen Der- fassung vor: Der Innenraum des Koff«s war vollständig beschmutzt und der Angeklagte in einem elenden körperlichen Zu st a n d e. Di« beiden Brüd« blieben auch im gestrigen Termin dabei, daß es sich lediglich um die Ausprobierung eines„Artisten Trick»" gehandelt habe und sie von den Polizeibeamten zu ihrem falschen Geständnis gezwungen worden feien. Letzteres wurde völlig widerlegt und auch die Behauptung von dem Probe-Trick fand beim Gericht keinen Glauben. Dos Gericht war d« Meinung, daß die Eisenbahnverwaltung gegen derartige raffinierte Tricks nachdrück lichst geschützt werden müsse und verurteilt« Max Arndt wegen versuchten schw«en Diebstahls bzw. Betruges und intellektueller Ur» kundenfälfchung zu l Iahr 1 Woche, Paul Arndt dagegen wegen gleichzeitig« schwerer Urkundenfälschung zu 1' I a h r 1 Monat Gefängnis, beide bei sofortiger Verhaftung. tln Raubmorü! >n der Dovebrücke wurde gestern die Leiche«ine» SlterenManneS angeschwemmt und dem Schauhause übergeben Hier wurde der Tote von Familienangehörigen als det 62 Jahre alte Kaufmann Rudolf K. au» Friedenau erkannt. Da dem Toten sämtliche Wertsach eu fehlte», darunter eine goldene Uhr, eine vrieftasche und ein lArtemonnaie, so nehmen die Berwandten an. daß St. gewaltsam um» Leben gebracht worden ist. Di« Leiche wird, um die Todesursache festzustellen, geöffnet werden. Sraaöenburgijcher provinziallanütag. In d« letzten Sitzung de» Provinziallandtage» wurde der LandeSmeliorationSfond» zur Förderung der Landes« hUtur um 12 Millionen Mark erhöht, der Stadt Guben eine Bei« Hill« von l Sil) 000 M. zum Neubau des Gubener Wehr» und der Neißebrücke bewilligt und 600 000 M. zur Sicherstellung de» Ueber« gang» über die Oder bei Tschiecherzig zur Verfügung gestellt. Die Provinz, die jetzt schon fast die gesamte Strom« »« r s o r g u n g d e r M a r k kontrolliert, hat mit der Er- Werbung de» Märkischen Elektrizitätswerke» einen lehr glücklichen Griff getan. Da» Unternehmen ist unter Beteiligung d« Kreise s eh r gm t fundiert und daher außer« ordentlich kreditwürdig. Es wurde dah« beschlossen, eine Anleihe von 150 Millionen zum Ausbau der Stromversorgung auf« zulegen und«ine Erhöbung de» Aktienkapitals unter Beteiligung der«reise herbeizuführen. Den Haushaltungsplänen für das LandeSarbeitSamt und da» ProvinzialberufSamt, da» Genosie W e st p h a l(Oranienburg) als außerordentlich entwicklungsfähig bezeichnete, von dem er jedoch wünschte, daß eS nicht nur auf die höheren Schulen, sondern aus alle Schulen ausgedehnt werden möge, wurde zugestimmt, desgleichen den Haushaltungsplänen und Be» richten der Stadt- und Landfeuersozietät, der Unfallkaffe, d« Stadtschaft und d« Landesbank. Ein USP»Lntrag. die zuständigen ReichSÜellen dckrch die Regierung zu veranlasie», daß st« Ersuchen öffentlicher Körper» schasteu auf Ueb«lassung von Feuerlöschgttäten unverzüglichst in wohlwollender Weise entsprechen, wurde angenommen. Für die Neukölln« Hebammen-Lehranstalt und Frauenklinik, die al» Muster« S�mkof�u�'�chbew�ll�t�"� ��e, würben l1/» Millionen Mark AukmftSarbeit« Dl« tziesjährige Generalversammlung des»Verein» Ar« boiteriugend Sroß-Berlin" zeigte, daß wertvolle Arbeit für den Sozialismus durch die Jugendorganisation geleistet werden kann. Da» ging am deutlichsten auS dem Geschäftsbericht hervor, au« dem zu ersehen ist. daß die Zahl der Abteilungen sich von 49 auf 67 und dementsprechend auch die Mitgliederzahl«höht hat. Die Arbeit innerhmb der Organisation berechtigt zu den Kefte« Hoffnungen. ES wurden im Berichtsjahr« 5 39 Borträge mit 14 981 Besuchern, davon 9827 männliche und 4496 weibliche. außerdem 12 Lichtbildervorträge mit 8200 Besuchern veranstaltet. Außerdem fanden S2 größer« künstlerische Beranstaltungen statt. Sech« Theatervorstellungen wurden von über 5400 Jugendlichen besucht. Ganz besondere AufmerNamkeit wurde der Pflege de» Wandern» geschenkt. ES fanden 508 Wanderungen mit 5481 Be- suKern statt. Um die Mittel für die kommende Arbeit bereit zu stellen, wurde beschlossen, den Beitrag auf 2 M. bzw. 2.50 M. zu erhöhe«. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen, die aus organisatorischem Gebiete liegen und durch da» Gesetz Groß.Berlin notwendig wurden, wurden einstimmig angenommen. Desgleichen wurde«in Antrag angenommen, der die Partei ersucht. Mittel und Wege zu suchen, um d« nächsten Nähe Berlin» ein Landheim zu errichten. Zum«ste« vorfitzenden wurde der Genosse Richard Timm gewählt._ Einführung»o« Wocheneudkarteu. Die Einführung von Sonntagsfahrkartm zum«mäßigten Preise ist soeben vom Reichsverkehrsminister genehmigt worden. Sie»«den vom 1. Juli an ausgegeben. Die Ermäßigung beträgt MX Proz. Die Karten können von den Direktionen bis zu einer Entfernung von 60 Kilometern, ausnahmsweise bis zu 75 Kilo- m«t«n ausgegeben werden. Sie find für bestimmte verkehrsbe« ziehunge» vorgesehen, die von oen einzelnen Direktionen bestimmt m«den. Die Karten sind also nicht etwa für alle beliebigen Strecken zu haben. Eine Neuerung gegen die frühere Einrichtung bedeutet es, wenn die Eisenbahndirektionen f«ner ermächtigt worden sind, die Sonntagsfahrkarten schon mit Geltung vom Sonn» abendmittag an auszugeben. Es wird dadurch eine Art von Wochenendkarten geschaffen, wie ste inshesond«e in England üblich Reueruuge« i« der Klaffenlotterie. D« Preis für«in Los der Preußisch-Süddeuffchen Klassenlotterie beträgt jetzt ohne jeden Zuschlag 4 0 0 M a r k. Das bedeutet für das am«eisten gespielte Achtellos gegen bisher nicht mehr als 10 M., nach alter Wertrechnung gleich 1 M.l Natürlich ist auch für die Freunde höherer Abschnitte reichlich gesorgt, da Viertel zu 20 M.. halb« Los« zu 40 M. und ganze Lose zu 80 M. in genügend« Zahl zur Bersügung stehen. Außerdem ist für diejenigen Spieler, die sich «er» von der klassenweisen Erneuerung d« Lose befreit sehen wollen med deshalb schon fett langem den Einsatz für alle Klassen einer Lotterie im voraus bezahlen, ihr Los ab« selbst gern in der Hand behakten möchten, ein« ganz neue Einrichtung geschaffen worden, das sogenannte Lollos— neu vor allem in der Ausgestaltung der Grund. idee. Danach kann jetzt jeder beliebig«, zur 1. Klasse«in« Lotterie vorausbezahlte Losabschnitt zu einem für die ganze LoU«ie geltenden Vollo« umgewandelt w«d«n dadurch, daß die Quittung über die Vorauszahlung, d« losartig ausgestattete„gelbe Schein. mtt, dem Qrigtnallo, verbunden und in Quittung und Los da» Wort„Vovos" mit einer Perforierpress« eingelocht wird. Bei dieser Form d« vor- -u«»ahlung wird zum Unterschied vom rote« Schein d« Name de» Spielers nicht in die Quittung eingetragen, da» OriZinallos bleibt also, selbst in der engen Verbindung mit dem gelbe« Echem, ein In» haberpapi« wie Banknoten, Kassenscheine usw. Die Reichsabgabe auf die deuffchen Klaffenloterien ergab für das Rechnungsjahr 19 20 rund 5 0 Millionen M a r k, die aus Wetten dagegen 68 Millionen Mark— ein Beweis dafür, daß derartige freiwillige Steuern wie die Lotterien und der Totalisatorbetrieb immer noch am liebsten gezahlt werden. Es scheint, als ob das Steuerzahlen hier ausnahmsweise einmal zum Vergnügen wird._ Schützet die Wälder! Mtt der warmen Iahreszett mehren sich auch wieder die Wald- brande. Sie werden vielfach hervorgerufen durch Funken der Loko- mottven, die bei Trockenhett das dürre Gras schnell in Flammen �aus- gehen lassen. Häufig genug ober ist d« Leichtsinn der Ausflügl« Schuld an den Waldbränden. Noch glimmende Zigarren- und Zigarettenreste werden achtlos zu Boden geworfen und nicht ausge- treten, oder rastende Wander« kochen im Walde ab, ohne sich beim Weitermarfch davon zu überzeugen, daß der Feuerherd erloschen ist. Die Riesen-Waldbrände an der anhalttnischen Grenze, durch die Millionen von Volksvermögen verlorengegangen sind, sowie ver- schieden« kleiner« Brände in d« Umgebung Berlins lassen die Bitte an alle anständigen Menschen gerechtfertigt erscheinen, unterwegs darauf zu achten, daß ni«ht durch Leichtsinn od« Vergeßlichkeit Schaden entsteht. Besonders werden die Raucher zur größten Vor. ficht ermahnt. Meichzeittg weisen die Forstverwaltungen darauf hm, daß das Feueranmachen im Walde, außer an den er- laubten Abkochstellen, st r sn g v e r b o t e n ist und bestraftwird, Eine Seele von HauSwirt. Die Hausbesitzer führen zur Begründung ihres stürmischen Verlangens nach weiterer Erhöhung des Miete- zuschlage» imm« wied« an, daß sie von den bisherigen Mieten infolge andauernd« Steigerung der Abgaben und aller Unkosten nichts darüber behatten und sogar aus eigenem noch Geld zugeben müsien. Sie erklären, daß ohne reichliche Miete- erhöhung kein« Reparaturen möglich sind. Tatfdch» lich stehen die meisten Hausbesitz« längst in einem Reparatur � Es trifft zu, daß die Zeiten jetzt für die Hauswirt« nicht an- genehm sind, aber vor Uebertreibungen sollten die He«- schasten sich hüten. Wie dick die wehklagenden Hausbesitzer manch- mal aufzutragen verstehen und welche Auffassung vom Derhältni» des Hausbesitzers zu seinen Mietern man in diesen Kreisen antreffen kann, dafür hat ein B«liner Haus- besitz«, d« Eigentum« des Hauses Ahlbecker Str. 5, ein in Niederschöneweide wohnender Malermeister Julius Wetzel, mtt dem folgenden an einen Miet« gerichteten Brief vom 6. Mai 1921 ein lehrreiches Beispiel geliefert.„Ein Versprechen. Ihnen die Wohnung bis zu Pfingsten zu renovieren, habe ich— schreibt«— Ihr« Frau nicht gegeben. Ich sagte wörtlich, wenn die Mietver- hältnisse andere würden, so daß sich die Einnahmen mit den Aus- gaben decken, müßte im Hause Verschiedenes gemacht werden, außer- dem auch Ihre Wohnung. Da das bis jetzt nicht d« Fall ist, warte ich«st ab, wie es mit d« Miete wird. Ich habe durchaus keine Veranlassung, noch mehr Geld in das Haus zu stecken, um für 30 mir fremde Menschen einigermaßen menschliche Wohngelegenheit zu schaffe» Einen Dank ernte ich dafür doch nicht. Ihre Wohnung würde bei heutigen Verhältnissen ungefähr 1000 bis 1200 M. kosten, also zwei Iahresmieten. Wo soll ich da die Mittel noch hernehmen? Die öffentlichen und kommunalen Lasten übersteigen die Mieteein- nahmen b«? weitem. Sie wohnen also umsonst, denn Sie bezahlen mtt Ihren paar Pfennigen nicht einmal den eigenen Wassero«- brauch. Ich würde Ihnen die Wohnung gerne machen, wenn Sie die Kosten bezahlen. Bei d« geringen Miete, die bis jetzt gezahlt wird, tonn wirtlich kein anständig« Mensch ein derartiges An- sinnen an den.Wirt stellen." Es erübrigt sich, ei» Wort der Kritik üb« diesen Erguß«mes echten Hausbesitzers zu verlieren. Aber— man soll chn sich auf. heben!_ Gegen die Gültigkeit der Krelslagswahle» vom 20. Februar im Kreise Teltow sind vor einig« Zett Einsprüche«Koben ward«, die d« Kreistag in ein« Sitzung am 22. März zedoch verworfen hat. D« darauf bezügliche Kreistagsbeschluß ist angefochten worden und es schwebt sett Ende März beim Bezirks- ausschuß Potsdam gegen den Tellow« Kreisausschuh eine Klag« des Rentm«ist«s Sonnenburg aus Selchow. Am 31. Mörz wird nun ein« mündliche Verhandlung in Potsdam stattfinden, deren Ausgang für den Kreis von größter Bedeutung sein wird. Da» Zasiltul für Kärpttpslege, das von dem Apothek« Heiser in der Steglitzer Str. 43 betrieben und unter dem Namen„M utabor" verschleiert aygepriesen wurde, beschäftigt die Kriminalpolizei nach seiner Aushebung noch weiter. Die Er- mittlungen ziehen noch größere Kreise. Da es sich nicht allein um Vergehen gegen dos keimende Leben handelt, sondern auch um and«e schw«e Verfehlungen. Heiser wird beschuldigt, sich an Frauen und Mädchen, die die„Hilfe" seines Instituts in Anspruch nahmen, selbst vergangen zu haben. Den Umfang des Treibens illustriert die Tatsache, daß d«„Professor" des Instituts, der mit- v«hastete Heilgehilfe Alex Gottlieb aus der Spessartstr. 23, eine Tageseinnahme von 500 bis 600 M. hatte. Kürzlich machte« dann selbst tn der Genthiner Str. 19 ein JStur- bad und �körperpflegeinstttut" auf. Auch dessen Betrieb wird noch nachzuprüfen sein. Heiser,„Professor" Alex Gottlieb und Herr Boldt, durch dessen D«fehlung gegen sein Dienstmädchen der Stein ins Rollen kam. wurden dem Untersuchungsricht« vor- geführt. Zn ein« Sandgrube verschüttet. An der Industriebahn nahe d« Bahnlinie Tegel— Schulzendorf ist wegen Erdarbetten ein Sandb«g von etwa vier Metern Höhe aufgeworfen worden. Gest«n nachmittag spiellen der 11jährige Sohn Walter der im Hause Brunowstraße 4 in Tegel wohnenden Frau Glaser und mehrere ander« Knaben auf diesem Sandplatz und schaufelten eine Grube aus. Die Sandmaflen g«ieten plötzlich in» Rutschen und begruben den Knaben unter sich. Anstatt dem Verschütteten zu helfen, liefen die andern Knaben weg und überließen hren Spielkameraden seinem Schicksal. Selbst als die geängstigt« Mutt« nach dem verbleib ihres Sohnes fragte, verschwiegen die Knaben au» Furcht vor ein« eventuellen Strafe den Borgang. Erst am nächsten Morgen schilderten sie den Vorfall. Als die unglückliche Mutter nach d« Unglücksstätte eilte und ihren Sohn ausgrub, war der Tod infolge Erstickens längst ein- getreten. Für JJanssen sprach sich eine Elternversammlung der 809. und 810. Gemeindeschule in der Dun ckerstr. 64 au», in der Genosie Dr. Marquardt im Sinn« de» Paulickien Au>rufs sprach, während Dr. Renmann den entgegengesetzten Standpunkt ol» Korreferent vertrat. E« wurde scblteßlich ein« Resolution angenommen, welche die Leitiätzr de» Oberstadtschulrats Paulsen ol» Grundlage für«ine zeitgemäße Schulreform anerkennt. Bei der am 28. d. M. ftattgekuvdenen Elternversommlnng in der 4 8. Gemeindeschole. Scharnhorst st r. 12, wurde nach einem begeistert ausgenommenen aufklärenden Vortrag de» Ge- nassen Kreuziger einstimmig folgende Resolution angenommen und Herrn Oberstadtschulrat Paulsen übersandt: Die beute ver- sammelte Elternsckmst der 48. Gemeindeschule stellt sich auf den Boden d« Gemeinschaftsschule und erklärt, an dem Aufbau mtt- arbeiten zu wollen. Da» nächste Städtische Bolkstonzert de» vISthner-Orchefterv iindet am Freitag, den 27. Mai, abends S Ubr, in der Brauerei Konigstadt statt. Dirigent: G. Mehrowitz, Sollst: Kanzeitmeister H. Krämer. Pro- gramm u. a.: Beethoven. Paganini. Schubert und Liszt. EmtrlttSkarten l 1,50 3*. Ugarrengefchäst Horich. Engeluier 15> Zigarre ngelchäst.Moabit', Strvmstr. 67; Bachhandlung Betmärt«, Ltndenftr. 2; Buchhandlung Frei- hell, Brett« Straß«: Orchesttrbureau Lützowstr. 76 je an« an der Abendkasse. BEB. Graucheu-Uelephou-rldreßbuch. Im Vertag« imt Brauchen. Telephon- Adreßbuch4 Uhr hei Scholz, Friedrichsir.»1. Vortragsabend.— Gruppe Schouederg. VA Uhr bei Obst, Marlin�Luther-Stratze es, Vortrags» abend.— Gruppe Friedrichshata. 7H Uhr im Konferenzzimmer der Ge. Wm merudeschul« Straümannstr. 8, Vortrag:„Die Frau und der Sozialismus*. — Gruppe Tcmpclhos. IVt Uhr bei Radzuweit, Werder-, Ecke Viktoriastrahe, Bortragsabend.— Gruppe Steukälln. Die Veranstaltungen finden wieder rrgelmSbig jede» Donnerstag, 7zh Uhr, im stiidtischeu Jugendheim, Nogat, straße ZZ, statt. Donnerstag, den 26. Mai. 7% Uhr. Vortrag des Psyche. analytikers Herrn Erich Rabsch über:„Geschlechter und Charakter. Morgen. Freitag, de« 27. Mai: 6. Kreis. Erweiterte Krei-vorstandssttzung 7 Uhr bei Reim, Urbanstr. 28. 28. Krei». 6 Uhr im Lehrerzimmer der 8. Gemeindeschule, ReiNlckeudorf-Wcst, Auguste-Birwria-Allee 67,«rei-oertrit-rversammlung...... Iuugsozi-listeu. Gruppe«orten. Besuch des Sexualwisf-nschaftlichen Ins!-. tute. In den gellen.—»ruppi Lichterselde. 7% Uhr im Jugendheim Albrechtstr. 14«, Vortragsabend.- Gruppe Hermsdorp 7H Uhr im Jugend. heim Roonstraße. Bortragsobend.— Arb-itsausschuh. 7 Uhr Sitzung, Tref,. Punkt Reichstagsgebäude, Portal S. Arauenveranflaltungen am Freitag, den 27. Mai: 2.»reis. Tiergarten. 7-4 Uhr in der Schulaula Bochumer Str. 8b, Aufgang b. Thema:„Unterbrechung der Schmaugerschaft". Res. Frau Dr. Kate Franken- thal und Frau Bohm-öchuch, SR. b. R. ?ugenüveransta!tungen. Verein Arbeiter. Jugend Grotz-BerNn. Sekretariat: RB. 4«, Zu de« gelte» 2Z. Donverstag. den 2v. Mai. abends 7� Uhr: Gesundbrnnuen. Gothcnburger Str. 2<208. Gemeindefchule, Rote Schul-), Eingang 2 r.. Jugend, immer, Räbchenabenb.— Zohauntsthal. Johannis. W-rd-rstratz«, Jugendheim, Vortrag:„Allgemeine Bildung�.—«iederschäue. weide. Jugendheim Berliner Str. 61, Mädchenabend.— Osten, Bwalauee Viertel. Raglcrstr. S, Schule, Iugendklubzimmer, Vortrag:„Was bedeutet die Bildung für den Jugendlichen,'— Schinha-s-r Borste« L Sug-ndh-im Sonnenburger Str. 20, Lefrabend: ,JUi Kunde oon Zttrgendwoh- Süd-vst. Reichenberger Viertel. Jugendheim Slogan«- Str. 12—18, vortrog:„Die bür. gerlich« Jugendbewegung'._ Sport. Sennen zv kiartshorfi. Trotz der schi« unerträglichen Glutkitze Barte die KarlShorster Bahn einen Massenbesuch aufzuweisen. Die Rennen nahmen folgenden V«lauf:... I. Rosen- Jagdrennen. 1. Lustig(W. Heaer). 2. MardoniuS sMIhen), S. Onix(Ulbrich). Tot.: Sieg 76:10, PI. 28, 22:10. Ferner iiejea: Tary Hill II. Luch» fg-s.). Poesie(ges.)- Birten-Jagd. rennen. Herrenreiten. Ebrenprei«. 1. Elschen(St B. Westernhagen), 2.«ennewar(„. Berchem). Tot.: 19: 19.— III. B r» i S v o n Lilie n. hos. 1. Zarin(Bismarck). 2. Glalleis(o. Berchem), 3. Williberta (P. Lewicki). Tot.:.Sieg 22:10. Pl. 10, 10:10. Ferner lief: Dworce.-- IV.(»rofeeS BerlinerHürdenrennen. 1. Raoiola(Bismarck). 2. Monitor(®. Lllneberger), 3.»altasar(6. T-ichmarm). Tot.: 47: 10, Platz: 16, 26, 19: 10. Ein gegen den Sieger eingeleKter Probst wurde zurückgewiesen. Ferner liesen: Drjog, Galeere, Landvogt, Oceana, Heribert, Heillüustler.— V. Anotl-Jagdrennen. 1. JaSjoIda(v. Bcr- chcm), 2.«etterscheide(St. v. Westernhagen). 8. Phantast(o. Pelzer). Tot.: 21: 10. Platz: 12. 17: 10. Fern« lief: Fanal.— VI. B r e i S v g n Rudow. 1. Adjutant(Bismarck). 2. Wolsram II.(W. Müller). 3. TaliS- mann(O. Dreißig). Tot.: 18. Platz: 13. 39. 16:10. Ferner liefen: Roderich(4.), Dorn. Figaro, Merkur. Erasmus.— Vir. Preis von KanISdorf. 1. Horst iNabenberacr). 2. Saloppe(F.Conrad). 3. Major (Kasper). Tat.: 23- 10. Platz: 17, 32- 10. Fern« Uesen; Parfimonia(4), Berber II, Silberthal«. Geschäftliche Mitteilungen« «t ivtnenMrt*«aer«eh», alleinige Ztertaussftelle Sh-uss-«fi-aste»HO. Stutzen, lliucksdcke und Unterwäsche zu mastiaen Preisen an. J» der Margen» stunde findet nach wie mir der Verkauf billiger Sachen statt. Grieftaften üer Redaktion. «christliche Auskunft wird nicht erteilt. K.«. I. Nicht geeignet.— 58.». 1. Fragen Ste einen Arzt. Nicht jeöer hat Ken Mut, seinem Kollegen oder Nachbar zu sagen, daß es e i n U n f u g ist, wenn ein Arbeiter, ein Angestellter, ein kleiner Beamter irgendein Kapitalistenblatt hält, statt, wie es sich für ihn gehört, den »vorwärts' zu lesen. Der„Vorwärts" könnte zum l. Juni viele Tausende neuer Bezieher gewinnen, wenn alle seine Leser die lewige Scheu, dem Nächsten die Wahrhett zu sagen, über- winden könnten. Unzählige gewerkschaftlich Organisierte, Un- zählige. die die Politik der Sozialdemokratie für richtig halten und bei allen Wahlen sozialdemokratisch wählen, lesen noch bürgerliche Zeitungen! Das wird anders werden, wenn sich jeder Leser des „Vorwärts" seiner Pflichten bewußt wird. Sozialdemo. krat sein heißt geistig kämpfen, werben für die sozialdemo- kratischen Ideen und ihre Trägerin, die sozialdemokratische Presse. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Expedition des.Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, einzusenden. Ich abonniere de» ,v o r w Z r t»" mit d« illustrierten Sonntagsbeilage.Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage .Heimwelt' und der 14tägig«scheinenden illustlierten Bei- läge.Siedlung und Kleingarten' in Groß-Berlin täglich zweimal frei in» Hau» für 10 Mark pro Monat Juni. Name Wohnung: .Straße Nr. vorn- Hof— Ouergeb.— Seitenfl.— Tr. links— recht». bei- Zum Mrbeitersporttag. Von C. Schreck. Kraftvoll hat die Arbeiter-Sportbewegimg sich nach dem Kriege entwickelt. Daseinsrecht und Ausdehnungswille liegen den Kundgebungen zugrunde, die in den letzten Maientagen in ganz Deutschland stattfinden- Besonders hervortreten werden die Ver- anstaltungen am Sonntag, den 29. Mai. Sie sollen zeigen die Stärke der Verbände und die Güte der sportlichen Leistungen. Die erwerbs- tätige Bevölkerung soll dadurch aufgerüttelt werden, den gesunden Sport der eigenen Klasie zu fördern. Der Forderung auf Gleich» berechtigung soll Ausdruck verliehen werden, auf daß die öffent- lichen Körperschaften in größerem Maße ihre Pflicht tun und unter Beobachtung des gleichen Rechtes die starke Betreibung der Körper- kultur ermöglichen. Bürgerliche Sportler wüten, und wohlmeinende„Neutrale� schütteln bedenklich die Köpfe wegen der Bewnung der Klassen» solidarität der Arbeiter auch beim Sport. Gerade auf diese wollen und können wir aber nicht verzichten. Einer der Grund- pfeiler der sozialistischen Weltanschauung ist das Bewußtsein von dem hohen Wert der menschlichen Arbeit. Der Stolz und die Würde des Arbeiters müsien aus diesem Bewußtsein herauswachsen, und deshalb gebietet es ihm die Selbstachtung, nicht Mächten zu dienen, die der Arbeiterklasse den Aufstieg unterbinden wollen. Daß der bürgerliche Sport völlig darauf eingestellt ist, die Arbeiter und Angestellten einzulullen und sie vom Klassenkamps fernzuhallen, be- weist stündlich die Praxis. Alle seine Kundgebungen sind eingestellt auf das Predigen der Neutralität und dem Fernhalten vom organi- sierten Streben! Darüber hinaus wird obendrein vielfach.urdeutsche' Politik und die schlimmste Völkerverhetzung getrieben. Mit der scharfen Aufzeigung der Grenzlinie zwischen bürgerlicher und proletarischer Weltanschauung hat sich ein größerer Drang zur Selbständigkeit auch auf sportlichem Gebiete bei der Arbeiterschaft herausgebildet, und er hat dazu bei» getragen, die Schäden der bürgerlichen oder sogenannten.neutralen' Sportverbände zu erkennen. Weil der bürgerliche Sport ein Boll- wert im Kampfe gegen sozialistische Einflüsse war, diente er nicht nur dazu, Körperpflege zu treiben, sondern die gewonnenen Kräfte in den Dienst der Reaktton zu stellen. Der Arbeitersport dient aber der Pflege des Körpers und dem Hinausheben aus all den Müh- salen des Werktags. Erfreulicherweise wächst die Er- kenntnis immer stärker, daß gerade die Arbeiter- schaft Körperkultur treiben muß. um für ihre Kämpfe um die Existenz und für d?e sozialistischen Ideale gestärkt zu werden. Der Sport lehrt der Arbeiter- schaft das Gesetz der Erhaltung der Energie beachten, und sie wird so spielend lernen, das Leben richtig zu nützen. Die Ar- beiterschaft, die tagsüber auf dem Bau. in Fabrik, Werkstatt oder Bureau, am Schraubstock, an der Hobelbank, vor dem Ofen, in der Gießerei, am Nähtisch, am Webstuhl oder sonstwo tätig sein muß, die hat eine große Sehnsucht, mal herauszukommen aus dem grauen Wertettag. Aber sie muß draußen auch freiesten Raum und Platz finden. Sie darf nicht mehr das Gefühl haben, daß sie in den städtischen Turnhallen und auf den städtischen Spielplätzen etwa nur geduldet ist. Nein, st« muh wissen, daß sie dort mindestens gleich- berechtigt ist. Deshalb müsien wir laut und nachdrücklich die Forde- rung erheben, daß mindestens die Gleichberechtigung für die bürgerliche und die proletarische Sport- bewegung von den Regierungen bzw. Behörden anerkannt wird. Die Arbetter-Sportbewegung gitt es zu fördern, die nicht Selbst- zweck, sondern Mittel zu jenem erhabenen Amecke sein will, unsere Kultur zu den höchsten Sonnenhöhen emporzuheben. Sie will keine Egoisten, sondern Soziali st«n erziehen. Kein sportlicher Ehrgeiz, sondern die Durchbildung zur Selbständigkeit ist ihr Programm. Der Erstarkung dieser Proletarierkultur soll auch dienen der Reichs-Arbeiteriporttag, desien Erfolg wir wünschen mtt einem:„F r e i H e i ll' Soziales. Gesundheitslehre für das Volk. In Berlln hat sich em Landesausschuß für hygieni- sche Voltsbelehrung gebildet, der sich zur Aufgabe gestellt hat, weitgehendste Aufklärung über hygienische Fragen in das Volk zu tragen, bis ins kleinste Dorf hinein. Er ist aus dem Zusammen- schluß aller an der Volksgesundheit interessierten Behörden, Körner- schaften, Gesellschaften und vor allem der Aerzteschaft entstanoen. Nachdem jetzt in oen meisten Provinzen Provinzialausschüsse ent- standen sind, geht das Bestteben des Landesausschusses dahin, in "' Tt vielen Orten besondere Ortsausschüsse bzw. Kreis- ausschüsse ins Leben zu rufen. Der gegebene Mittelpuntt für den Orts- bzw. Kreisausichuß ist das städtische Wohlfahrtsamt bzw. das Kreiswohlfahrtsamt. Wo solche nicht vorhanden sind, ist zum Ausgangspunkt der Bestrebungen für den Ortsausschuß einer der großen Wohlfahrtsoerbände oder eine Beratungs. oder Fürsorgestelle zu nehmen. Da bei der Begründung des Landesausschusie ganzen ist, die Selbständigkett der auf diesen Gebt ganisationen nicht zu stören, so ist es notwendig, daß� diese Organisa- tionen, soweit sie Ortsausschüsie best es davon ausge- eten tätigen Or- Ausschüsie diejenigen Kreise, herangezo kreise, die en, bei der Bildung der neuen ogen werden. Darüber hinaus ober auch alle Jnteresie für hygienische Voltsbelehrung haben, sowie vor allem auch diejenigen, die als Vertreter der Vortragenden, der Hörer und der Förderer in Frage kommen. Die Geschäfts- leitung in Berlin NW. 6, Luisenplatz 2/4, ist gern bereit, bei der Errichtung von Ortsausschüsie» mit Rat und Tat zu helfen. Sie besitzt größere Reihen von Lichtbildern, sowie fertige Vorwöge und würde bei neum Einrichtungen von Ausschüssen gern die Erfahrun- gen mittellen, die sie und andere auf diesem Gebiete gewonnen haben. Das Organ de» Landesausschusies, die Blätter für Volksgesundheits- pflege, gibt dauernd Bericht über die Tätigkeit, über Neueinrichtun- gen und Erfahrungen auf dem Gebiete der hygienischen Belehrung. Sofienerslalwng für Schweizer Suren. Es häufen sich dw Fälle, daß Kriegsbeschädigte beim Reichsarbeitsministerium die Kostenerstattung für Kuren be- antragen, die sie selbständig und ohne Vermittlung der zuständigen Behörden im Ausland, namentlich in der Schweiz durchführen. Bei der ungünstigen Bewertung der Mark handelt es sich dabei um Beträge, die häufig über 100 000 M. hinausgehen. Das Reichs- arbeit sm in i st erium ist nicht in der Lage, diese Kosten zu übernehmen. Kriegsbeschädigten, die glauben, eine Kur im Ausland notwendig zu haben, wird deshalb dringend geraten, diese nur durch Vermittlung der zuständigen Behörden zu bewerkstelligen. Hierbei können zurzeit nach Lage der Dinge nur Höhenkuren für Lungenkranke in Davos in Frage kommen._ Die Milliarden der Invalidenversicherung. Das Vermögen der Träger der Invalidenversicherung beträgt nach einer neuen amt- lichen Zusammenstellung weit über 3 Milliarden. Im Jahre ISIS sind über 10 MillionenQuittungSkarten eingegangen, darunter nur 33 298 für Selbstversicherer. Neue Karten gingen 1 280 238 ein. Di« Einnahmen betrugen über 410 Millionen, die Ausgaben über 494 Millionen. Das Vermögen wuchs mit Hilfe der Zinsen um 84 Millionen. Die Einnahmen aus den Beiträgen betrugen etwas über 274 Millionen, d. f. 45 Millionen oder 13,4 Proz. mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Beamten wuchs von 9273 auf 10 242. Allein im Kasten«, Bureau- und Kanzleidienste werden 8751 Personen beschäftigt, in Heilstätten, Genesungsheimen, Jahn- kliniken usw. 2770, als UeberwachungSbeamte 425 usw. Neu fest- gesetzt wurden Invalidenrenten 139 756, Waisenrenten 81939, Krankenrenten 63 493. Altersrenten 44148, Witwenrenten 22 496, Witwengelder 29 039, Waisenaussteuer 6193 usw. Mus aller Welt. Schwarze für deutsche Kinder. Unserem Düsseldorfer Parteiblatt, der„Freien Prefie', eut- nehmen wir folgenden Brief einer Negerin aus Oklahoma (U.S.A.):„Erlauben Sie mir, mit einer bescheidenen Gabe an der Ernährung der unglücklichen Kleinen mitzuhelfen. Ich bin jetzt arm und krank. Ich weiß, was Hunger und Kälte heißt. Beides habe ich gelttten. Und ich bin eine Mutter von sieben Kindern, die immer hart arbeiten müssen, um ihr Brot zu verdienen. Eine Mutter afrikanischer Abstammung, aber eine Christin. Ich muß immer an meinen armen Jungen denken, wie er übers Wasser in den Krieg mußte. Hunger. Kätte, Tod haben ihn erwartet. Bitte, nehmen Sie meinen Dollar, wenn er zu etwas gut ist. Das ist alles, was ich tun kann, denn ich bin nur eine arme Negerin, aber ich habe den Aufruf an Amerika in den Zei- tungen gelesen. Ich fühle mich als Amerikanerin, bin ich doch in diesem Lande groß geworden.— Eine andere Zuschrift hautet: „Inliegende neun Schilling sind der ganze Wochenlohn einer farbigen Waschfrau, die zur Ernährung der hungrigen Kinder beittagen will.'— In einem weiteren Brief heißt es: „Ich bin ein Neger und nur ein armer Handwerker, aber mein Herz gehört diesen Kindern. Hier haben Sie etwas, um eines von ihnen zu retten. 12 Jahre lang wird meine Familie von Krank- heit heimgesucht, und oft habe ich mehr gebraucht, als ich ver- dienen konnte, um für all-s aufzukommen. Aber da muß ich helfen, selbst wenn es uns weh tut. Beiliegend 20 Schilling." Großer Brand in Dresden. Mittwoch vormittag brach in einem der Speditionsfirma Seebe gehörigen Schuppen am Elbkai unterhalb der Eisenbahnbrücke ein Brand aus. Die Feuerwehr rückte zunächst mit einer Dampfspritze aus. Während ihrer Tätig- keit kam jedoch der große Vorrat an Kohlensäureslaschen zur Explosion. Daraujhin wurden sämtliche Löschzüge bis auf einen alarmiert. Die Löscharbetten wurden durch die umher- fliegenden E i s e n f l a s ch e n t e i l e, die die Schlauchleitungen zerschnitten, sehr erschwert. Durch die Explosion wurden auch mehrere Zuschauer verletzt. Einer von ihnen muhte ins Krankenhaus gebracht werden. Gegen%11 Uhr griff das Feuer auf einen großen Oelschuppen über, der schnell unter Waffer gesetzt werden mußte, wodurch noch viel größeres Unglück ver- hütet wurde. Gegen 11 Uhr war die größte Gefahr beseitigt. Ueberlandzentrale in Klammen. Mittwoch mittag brach in der erlandzentrale Harbke bei Helmstedt Feuer aus, das auf das Turbmenhaus übergesprungen ist und dieses vollständig außer Ueberlandzentrale H a i Betrieb gesetzt hat. Die angeschlossenen Ortschaften und Betriebe bis nach Magdeburg hin sind vorläufig ohne Licht und Kraft. Angst vor dem Reichsgericht. In Nürnberg wurde kürzlich der gewesene U-Boot-Kommandant O., der auf der Auslieferung?- liste steht, festgenommen unter der Anschuldigung, bei Pforzheim einen ftanzösischen Offizier erschossen zu haben. Der Deschuldigte bestteitet die Tat und gibt an, nur Zeuge gewesen zu sein, als der französische Offizier erichoffen worden fei. Er Hab« bei dieser Gelegenheit nur einen Schreckschuß abaegebe«, mn den Täter abzuhalten. Der festgenommene Offizier sollt« min nach Pforz- heim transportiert werden, tauschte aber in Frankfurt a. M. mit dem gefangenen Verbrecher P. Namen und Kleidung und wurde an deffen Stelle nach Hamburg transporttert, während der Ver- brecher in der ausgetauschten Offiziersuniform nach Pforzheim ge- schafft wurde. Hier erst erfuhr der Verbrecher welcher Tat man ihn Rol beschuldigte, er bekam es mit der Angst und gestand den ollentausch ein. Durch eine Verständigung mit der Hamburger Behörde wurden die beiden Gefangenen ausgetauscht. Vorträge, vereine unü Versammlungen. gferf««eh> ich? Weinmeisterfw....____ daselbst dringende Litzunq. Aste Obleute der Bezirie.— Der verein du Wr am Sonntag, den 29. Mai, einen Ausflug nach Schmöckwitz. Triste Willi Treffpunkt 8,80 Uhr Sieuterplatz. Abf. SdrNtzer Bahnhof 9 Uhr. ssli ziiglcr Treffpunkt zwischen 2 und 8 Uhr in der„Palme, Elchwalde-Schi Sophiengtzmnastn», rerkammer. K Uhr neu, besonders die Neukölln unternimmt 'itz. Siiste willkommen. llr Na möckwitz kinäen Blutarme, Geschwächte, Bervöse, Erschöpfte LECIFiRßlN nnenU)ellirUclt' ums-- Kraue � heuen, das Blut zu uerefchem, LeUensenergle zu heuen; iwseoei»» w» i»»»«Ml»eruM!«. Ontscber Uitaüirtnittmrb. Verwaltung- stell« Bulla. Den Solleae» zur»ach- rlchOaß unser Lollege, der Karl Kerstenhann Sttln., xichteuraber Str. 47 am WL Mai gestorben ist. Sie Beerdigung findet Donnerstag, den 2T Mai, nachmittags 1,3 Uhr. von der«eichenballe de«(Se- meindekirchhose« in Neu- tiilln, SoUlled-Dunkel-Str., au» statt. Ferner starb unserltollege. der Arbetter Fritz Mntscholl Bin, Fehrbelliner Str. 34, am 2t Mai. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den2k!.Mat, mittags 12 Uhr, von der t tickenhalle de» stiidttschen cieohofestnBuch au« statt. Ahr« ihre» Andenke» I Steg» Beteiligung erwartet «4« Ortsoerwaltnug. Statt«arten. Am Montag, den 28. Mai. adendskUhr, eutfchliefsanft nach kurzem, schwerem Leide« unsere inniggeliedte Mutter und Sroßmuttu Fran 23,20b geb. Schneider im 73. Lebensjahre. Sln�Zohanniathal, 39.5.21. Dtetranuud« Htnterdtiebe«». Die Beerdigung stndetam Freitag, du, 27.».Monat«. nachmittag« 9 Uhr. von du «eichenballe du Iohaiwta. thal er Friedhole» an» statt. �etaUbettea Stahldrahtmatratzen, ittnder- � jedermann. ketten. Polster 9-taIog fr. Ein ivdl t» TUr. ellabrlk, S9/U Danksagung. Fstr die vielen Beweise herz- licher Teilnahme anläßlich du Tode» meine» lieben Satten, unsere« lieben Vatus Onstav Droste sagen allen Freunden und Be- kannten, tnsbesonderr den Mte- tern du Hause« Ueckermstnbu Str. S und den Genossen und Dmosstnnen du hl Abteilung, den herzlichsten Dank. Di- Hinterbliebenen. Spezialarzt Dr. med. Koeben Sofort sichtbarer Nachweis der Syphilis durch OuiikeUeId-Un�isuch„ Haut- Harn-, Frauenleid., Schwäche' Salvarsan-Kur. Behandlung schnell, sicher n schmerzlos ohne Berufsstör, Blutunters. Fäden im Harn usw. Köhensomte. FrtaMdislPJl. KÄum Rönlgslr.SMUÄ" 10—1,8—'/jS; a. Sonnt 10— 1. TeilrahL Separ.Damenilmmer SPEZIALARZT j I Dr.med. coienum! hriedrlchstr. 91/92, Bm Haut-, OeschlechtaN Frauenl. sex. 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Der Sauer als Millionär 7 Uhr Lessing-Theater Allabendlich T/t Uhr: Rosen montag Deolsclies finstler-Tlieater Allabendlich 7h, Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, ßüller Ceutritl-Thnntcr 7>/,Uhr: Jlonka Dentschen Opernhsna »v-uhr- Margarete Frledr.VV lllielniMt.Tli. J» Kleine aus der flölle Kl, SlolianKplelliaus ?'/, Uhr- Reigen linHtHploIhnnH T/t Uhr: Arnold Rieck in Die spanische Fliege Hctropol-Thoatcr Jhr'Die blaue Mazur älonea Operettcntheat. 7'/,uhr:American-GirI Nene« VolkNlhcator 7 uhr: Jugendfreunde Schill er-Thont.Chnrl. 77» u.: Die verslltierie Braut Schloßpark- Theat. Steglitz« Schloßstraße 48 tu uhr. Timon Tlialla-Thcnter T/t uhr? Mascottchen Th.am N oll eu dorfplntz S1/« Uhr: Himmel auf Erden u7� Der Vetter aus Dingsda Theater des Westens uhr. Morgen wieder lustik! Th.I.d.Kommandantenstr. 7./. Uhr Die goldene Freilieit Wallner-Theater �uhr.DerTraoni vom Glück Walhai 1«- Theater l1'» Cnhairinnncroica Casino-Theater Lothringer Str. 37. 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Treptow: Gramenz Kiesholzstr. 412, dorn 1 Tz. «eifte-s-e: Berliner Allee 54. Wildau- Sohenlehme: R n d. Letiow. Wil�imsdagcn, ��effeuwinkei: Schulze, Wilhelmsh-go» «ilmeÄdo?/�' Holsteinische Sir. 10,«aiserpiotz 15. Wittenau: W i i h. Zimmermann. Roienthaler«tr. 4i Woltersborl: Echnrbaiim. Eichcndamm 22. iiehleudori. Schlachieniee«ikolasiee: Wegner. Rehie, dorf. Teltower Eir. 3. Iteuttzen, Miersdorl: Ernst Winterleid. Reuth« Kursllestenstr. 46. Zosscu: Albert Stein. Mistenwaider Skr. 17. SämIIiche Literatur sowie alle wtisenschastlichen werden geliefert. Sonntag» ff»d die Geschäitsvelleu geschloffe». Rekchskanzler wkrth über SnanSs Rebe. Verllu. 28. April.(MTB.) Ein Mitarbeiter der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" bot den heute in Freiburg i. Br. weilenden Reichskanzler um eine Aeußerung zu dem auf Ober- schlesien bezüglichen Teile der Rede Briandi. Der Herr Reichs- kanzler erklärte etwa folgendes:„Ich erkenne gern an, daß die Rede des französischen Ministerpräsidenten aus einen maßvollen Ton abgestimmt ist. In der Sache ober geht cherr Briand bei der Begründung der polnischen von Frankreich unterstützten Ansprüche von Voraus- setzungen aus, denen die Tatsallien teilweise widersprechen. Ein h i st o r i s ch e r Anspruch der Polen auf Oberschlcsien besteht nicht, denn Obcrschlesien ist nicht, wie cherr Briand meint, vor sechshundert Jahren durch Gewalt an Deutschland gekom- men, sondern e« ist vor neunhundert Iahren gewaltsam von Polen erobert worden, und zweihundert Jahre später, also vor siebenhundert Iahren, hat es sich infolge des Verzichts des polnischen Großherzogs Wladislaus Las- k o n o g i, also auf völlig friedlichem Weg« von Polen getrennt. Wenn die Polen, wie Herr Briand weiter behauptet, zur Zeit der Pariser Verhandlungen von 1919 starke Gründe für den Glauben hatten, daß die Abstimmung zu ihren Gunsten ausfallen würde, so fußten diese Gründe weder auf der früheren mittelalterlichen Ber« zangenheit, noch auf der jllnasten Vergangenheit, denn bei den letzten Reichstagswohle n vor dem Krieg« hatten die Polen in Oberschlesien kaum 39 Prozent der abge- gebenen Stimmen erhalten, die Deutschen 79 Prozent. Vielleicht hoben die Polen aus diesem Grunde bei den Per- ho Zungen von 1919 ausdrücklich das Abstimmung». recht der Emigranten verlangt, weil sie hofften, da. d-mch die Stimmenmehrheit zu erlangen. Wenn ste sich in dieser Rechnung getäuscht haben und wenn die auswärtigen Stimm- berechtigten in ihrer Mehrzahl für Deutschland eingetreten find, so kann nur der geringen Voraussicht der Polen, -icht aber den Deutschen ein Vorwurf daraus gemacht werden. Im übrigen ist es selbstverständlich nicht zutreffend, wenn cherr Briand alle überhaupt von Emigranten abgegebenen Stimmen den Deutschen zuzählt, denn unter jenen befanden sich selbswerstSnd» l-ch auch eine große Anzahl von Dusgewanderten, die f ü r Volen gestimmt haben. Die Polen haben historisch keinen Anspruch auf Oberschlesten; sie haben nach dem Ab. stiinmungsergebnis keinen Anspruch auf Ober- schlesien, denn die deutsche Mehrheit von fast Vi Million Stimmen läßt sich nicht fortdisyutieren; sie haben moralisch keinen Anspruch, da sie mit dem Auf- stand die Gewalt on die Stelle des Rechts zu sehen gesucht haben. und sie haben wirtschaftlich keinen Anspruch, weil die oberschlestsche Industrie von den Deutschen geschaffen ist und weil nach dem Urteil der nichtdeutschen Fachmänner die Polen dies« blühende Industrie nicht zu erhallen, geschweige denn weiterzuentwickeln vermöchten. In dem Wunsche finde ich mich aber mit dem französischen Mini st erpräsidenten zusammen, daß die Gerechtigkeit siegen muß. Die deutsche Regierung, welche sich außerordentlich« Zu. rückHaltung in dieser Frage auferlegt und so erhebliche Opfer gebracht Hot, darf auch daraus rechnen, daß die endgültige Regelung der oberschlesischen Frage in objektiver und g«. rechter Weise erfolgen wird. Etwa» anderes als die» verlangt sie nicht._ Teilabrüstung in Zeantreich. Varl», 28. Mai.(TU.) Auf Grund. des Berichte» des Ober. kommondo» der Rheinormee über die Zahl der notwendigen Truppen hat die Regierung beschlosten, sofort all« verheirateten Soldaten und all« Stützen der Familien der Klasse 1919 zu ent« lasten. In zahlreichen Garnisonen hatten die 1919er für Eni- lostung demonstriert. Loucheur berichtigt. Zu der von uns am Sonntag veröffentlichten und beifällig de- sprcchenen halbamtlichen Wolss-Mcldung über das grundsätzliche ütNvernehmen Loucheurs mit der Verwendung deutscher Arbeitskräfte in einem bestimmten Abschnitt der zerstörten Zone in Nordfrankreich läßt L o u ch e u r durch chaoas aus Brüssel, wohin er sich zu einer Besprechung mit dem belgischen Finanz- minister Theunis begeben hatte, berichtigend mitteilen, die Nachricht fei in dieser Form unrichtig. Er habe nur, indem er die Frage de, grundsätzlichen Einverständnisses der französischen Re. gierung noch offen ließ. Deutschland ersucht, greifbare Vor. schlüge in dieser Richtung zu machen. E» ist recht eigentümlich, daß das Wolffsche Bureau dies« Be. richtigung, die wir au» französischen Blättern entnehmen, über. Haupt nicht veröffentlicht hat. Die Frage ist u. E. zu wichtig, als daß die deutsche Oesfenllichteit über die Aeußerungen der Gegenseite im Unklaren geHollen werden dürfe. Indessen hoffen wir, daß e» sich bei der Auslassung Loucheurs nur um rein s o r- mal« Differenzen in der Interpretation seiner bisherigen Zusagen handelt, und wir erwarten, daß das Wiederoufbauministerium im Einvernehmen mit den deutschen Gewerkschaften die gewünschten konkreten Borschläge alsbald einreichen wird. & die üeutfch-belglsche Grenze. Der Dolschasierrat hak alle deutschen Vorstellungen wegen der Grenzziehung zwischen Veulschland und Belgien endgültig abgelehnt. Gmile Gombes f Die Havas meldet, ist der frühere französische Ministerpräsident Emil« Combes in seiner cheimatstodt P o n» im Alter von 39 Iahren g e st o r b e n. Mit ihm verschwindet von der politischen Bühne Frankreichs ein Mann, der viele Jahre hindurch als Symbol de» ontttlerikalen, freidenkerischen Kurses der Dritten Republik an, gesehen wurde. Von den Katholiken wurde er nicht allein deshalb gehaßt, weil er als Ministerpräsident von 1992—1298 die Tren- nung von Kirche und Staat durchführte, sondern auch weil sie in ihm, dem einstigen Zögling eines Priesterseminars, einen Re- negaten erblickten. Bei dem freidenkerischen Frankreich, das bei Kriegsausbruch fast ununterbrochen das fjeft in der chand behielt, war der„kleine Vater" Eombes dagegen außerordentlich populär. Nach seinem Abgang spielt« Combes weiter«ine hervorragende Rolle als Führer der radikalen Partei und hatte nament- lich den Senat ganz in feiner chcmd. Aber sein Wirten beschränkte sich fast ausschließlich auf die Kulisse. Während des Krieges ist er allerdings mit 89 Jahren noch einmal persönlich aufgetreten, als er im Kabinett Briand(1918/16) einen Posten als Minister ohne Portefeuille zur Stärkung des Burgfrüdengedankcns annahm. Wenn er auch seitdem nie wieder hervorgetreten ist. so ist«« doch bekannt, daß er den neuesten reaktionären Kur», der seit den allgemeinen Neu» mahlen vom November 1919 in Frankreich herrscht, mit großer Sorg« verfolgte. Das Urteil öer partekgenosten. Am Montagnachmittag fand im Gewerkschaftshaus in Darmstadt eine stark besuchte Versammlung der Funktionäre und Ver- trauensleute der SPD., Bezirk Darmstadt, statt, um zu dem Thema:„Das angenommene Ultimatum der Entente und der Eintritt der S o z i ald e m o kr a ti- schen Partei in die Reichsregierung" Stellung zu neh- men. Das einleitende Referat wurde von dem Reichstagsabgeord- neten Dr. Q u e f s e l erstattet. Nach eingehender Diskussion wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die Funktionäre und Vertrauensiente der SPD. Bezirk Darm- stadt, erklären sich mit der chaltung der sozialdemokraiischen Reich?- tagssraktion betr. Zustimmung zu dem Entente-Ullimatum« i n v e r- st a n d e n. Ebcnio wird alz notwendig« Folgerung hieraus der Eintriti unserer Genossen in die Reichsregierung gebilligt. Dos große Opfer, welches die Sozialdemokratische Partei durch die Ueber- nähme der gewaltigen Verantwortung gebracht hat. wird vollauf gewürdigt und sind die Funktionäre und Vertrauensleute bereit, ihrerseits die Partei in der so schwierigen Aufgabe zu unterstützen. Nunmehr muß es die Aufgabe unserer Genossen in der Regierung sein, alle Kräfte einzusetzen, um zu erreichen, daß die besitzenden K l a s s e n zur Erfüllung der Cntentesordcrungen alles das aufbrin- gen. wozu sie nach ihrer ganzen Kriegspolitik und entsprechend ihrer Zahlungsfähigkeit verpflichtet sind. Ebenso muß die Entwaffnung sofort durchgeführt werden. Wenn nun bedauert werden muh. daß zurzest eine Erweite- rnng der Koalition unter Einbeziehung der USP., bedingt durch deren ablehnende chaltung, nicht möglich ist, so müssen wir anderer- seit» mit aller Entschiedenheit aussprechen, daß«ine Verbreiterung der stoalllion nach rechis durch Einbeziehung der Deutschen Volks- parkel, unbedingt abgelehnt werden muß. Ein« Partei, die durch Ablehnung des Ultimatums, aus reinem Parteiegoismu«, bereit war, das deutsche Volk in da» größte Unglück zu stürzen, kann nie und nimmer berufen sein, nunmehr an Verantwortung«. voller Stelle mitzuwirken. Diese Partei hat sich durch ihr Per» hallen selb st ausgeschaltet und muß im Interesse des Volkes kaltgestellt bleiben. Auch würde der Wiedereintritt dieser Partei in das Reichskabinett, im Ausland« den denkbar fchlech« testen Eindruck hervorrufen. Aus ollen diesen Gründen richten wir an die SPD.>Reichs« tagsfraktion das Ersuchen, in dieser Frage mit der Deutschen Volkspartei in keinerlei Verhandlungen mehr einzutreten, dagegen aber keinen Versuch zu unterlassen, um den Anschluß nach link« herbeizuführen. Denn nur durch die Einigkeit de» Proletariat» können die Widerstände der Reaktion gebrochen werden. tzörsing gegen Grgesch. Magdeburg, 28. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Von den im Londratsamt Rathenow, Provinz Brandenburg, be- ichäftigte» Major Bernecker und dem angeblichen Eleven iftal» f« l b a ch wurde, offenbar im Einverständnis mit dem L a n d r a t v. Bredow, der Ausbau der Orgesch in verschiedenen Kreisen der Provinz Sachsen systematisch durchgeführt. Die Mitglieder wurden sorgfältig ausgewählt und aufgefordert, sich mit Waffen aller Art, Jagdgewehren ufw. zu bewaffnen. Bedenken wurden mit dem Hinweis zerstreut, feit der bekannten Aufhebung de» Frei- korpsoerbo!» könne die Regierung nicht mehr eingreifen, auch feien d,e Behörden mit der Organisierung einverstanden. In den Land- orten hoben sich aus ehemaligen Kavalleristen sogenannte R» i- terverein« gebildet, die aus ihrer Zugehörigkeit zur Orgesch kein Hehl machen. Den Behörden ist bekannt geworden, daß zahl» reiche Waffenloger vorhanden sind, die in größeren und kleineren Räumen hinter neugezogenen Mauern versteckt sind. Di« Suche nach diesen Waffenlagern habe bereits begonnen, und e» ist anzunehmen, daß in den näckstcn Tagen einige dies« Mauern fallen werden. In der Arbeiterschaft hoben diese Vorgänge dem Gedanken Nahrung gegeben, bei weit«em versag«« d« Behirdea durch Bildung von ähnlich«« Organisationen sich yor den sehr zu befürchtenden reaktionären Ueberfällen zu schützen. Um den dar. au« entspringenden Gefahren zu begegnen, hat Oberpräsident H ö r s i n g eine Verordnung herausgegeben, die Bildung von Freikorps und anderen militärischen Verbänden, sowie die Anwer» bung von Freiwilligen und alle sonstigen Vorbereitungen, den Zu» sommenschluß von Personen zu Kampf» oder Selbstschutzorganisa. klonen aller Art und die Ausnahm« von entsprechenden Anzeigen, Aufsätzen in Zeitungen und Zeitschristen, sowie die Veröffentlichung von Aufrufen dieser Art und die Verbreitung von Nachrichten über die Bildung oder Tätigkeit solcher Verbände verbietet. Alle der- artigen Organisationen werden ausgelöst. Di« � Strafandrohung geht aus Gefängnis. Haft oder Geldstrafe bis zu 15 090 Mk. deutsth-chinesischer Zrkeüensschluß. Am 29. Mai ist in Peking ein Abkommen zwischen Bevoll' mächtigten der deutschen und der chinesischen Regierung unterzeichnet worden. Hierdurch wird der Kriegszustand zwischen Deuischland und China rechtlich beendet. Die diplomatischen Beziehungen werden wieder aufgenommen und der deutsch« Handel in China erhält wieder freie Bahn. Da» Abkommen soll unverzüglich den gesetzgebenden Körperschaften zur Genehmigung vorgelegt werde». GS trägt den Charakter«ine« vorläufigen Bertrage«;«in eigentlicher Freundschaft», und Handelsvertrag zwischen Deutschland und China soll später auf der Grundlage diese« Abkommen, ab- geschlossen werden.— Privatmeldungen, die diesem Wolssbericht vorausgeeilt waren, sprechen auch von deutscher Anerkennung einer WiedergulmachungSpflicht gegen China. Rollet nach Helgoland. Da» am Dienstag in Hamburg«inge» trossen« Torpedoboot Aventurier ist am Mittwoch nach Helgoland i« See gegangen. An Bord befindet sich«in« Kommission mit «eneral Rollet, der sich von der Ausführung und dem Fortschritt der Sprengungsarbeiten an den Befestigungen überzeugen will. Ausgewiesen. Zur Paßrückgabt an die sowjetrussische Handels- Mission in Rom wird offiziös erklärt, Worowski habe sich als Bot- schafter betrachtet und damit seine Befugnisse überschritten. Genosse Camille huysmans feiert heute seinen 89. Geburtstag. Das ist«in Alter, in dem Politiker noch auf der Höhe ihrer Schas- fenskraft zu stehen pflegen, und von Huysmans bei seiner jugend- starken Elastizität und Tatkraft ist anzunehmen, daß es jetzt viel, leicht erst gerade richtig anfängt. Und doch gehört die Tätig. keit de» Genossen Huysmans als langjähriger Sekretär der Zweiten Internationale jetzt schon der Geschichte an. Wir oerehren in unserem Freund Huysmans einen echten internatio- nalcn Sozialisten, der es wie wenige versteht, sich in die Seele der Völker einzuleben und auf Getrennte» vereinigend zu wirken. Und so können wir ihm an diesem Tage nichts besseres wünschen, als daß er den Sieg der Idee erleben möge, für die er in Rot und Gefahr stets seinen Mann gestanden hatl Die gepstmle Erhöhung der Eiseubahnsahrpreisc. Da» Bayerische Ministerium für ssziole Fürsorge hat an da» Reichsverkehr»» Ministerium in Berlin eine Vorstellung gerichtet, welche die ge- plante weitere Erhöhung der Fohrpreise im Eisenbahn-Rahverkehr als eine gerodezu unerträgliche Belastung der Vorort- bewohner mißbilligt und unter Hinweis auf die Wohnungsnot und die S i e d l u n g s t ä t ig k« i t vor einer Tarifpolittk warnt, die nie zu einer Gesundung der Wohnungsverhältnisse und damit des wirt- schaftlichen Lebens kommen läßt. Wivtf&aft Meöergutmachung und Kapitalflucht. Die Erfüllung der Wiedergutmachungsforderungen, an die fetzt energisch herangetreten werden muß, stellt an die Reichefinanzen die schwersten Anforderungen. Das Rcichsfinanzministerium ließ bereits durch WTB. verkünden, daß seine Arbeiten wett genug gediehen seien, um den Sachverständigen zur Beratung vorgelegt werden zu können. Einzelheiten über das neue Steuerprogramm sind noch nicht bekannt, da das Reichstobinett zu den bisherigen Vorschlägen noch keine Stellung genommen hat. Es sickern aber bereits Nachrichten durch, die daraus schließen lassen, daß neben einer Erhöhung der Körperschaft» st euer der Ausbau indirekter Steuern beabsichtigt ist, insbesondere ist infolge des großen Unterschiedes von Inland- und Weltmarktpreis ein Ausbau der K o h l e n st e u e r, die heute 29 Proz. des Wertes ab Grub« beträgt, durchaus denkbar. Noch ehe überhaupt ein Gesamtplan vorliegt, melden sich im„Berliner Börsen-Eourier" die Börsen- interessenten zum Wort, um einer Erhöhung der Börsen»� steuer entgegenzutreten. Die Interessenten haben es sehr ellig. Und sie sind auch in der Wahl ihrer Mittel nicht skrupelfrei. In diesem Falle droht man „nur" damit, daß das Kapital andere Wege suchen werde, um sich Spetiilattonsfteiheit zu verschaffen, so daß durch eine Erhöhung de« Börsenumsatzstempels die Kapitalabwanderung ge- fördert wird. Es lohnte nicht, auf dies« vorbeugenden Mahnruf« interessierter Börsenleute hinzuweisen, spräche nicht aus ihnen das unverhohlen« Bestreben des Börsenkapital», da» in den letzten Iahren Unsummen verdient hat, sich beizeiten an einer besonderen Belastung vorbeizudrücken. Lediglich deshalb, weil die Börse«inen besonderen. Instinkt für die Steuergefahren hat, fühlen sich ihre Vertreter zuerst zu einem der Proteste veranlaßt, die die nahe Zu» kunst uns wahrscheinlich in großer Zahl bringen wird. Wohl stim» men die Politiker der bürgerlichen Parteien der Auffassung zu. daß da» Ultimatum unter allen Umständen erfüllt werden muß. Aber die Syndici der Unternehmernerbände werden in keinem Falle es versäumen, ihr Talent durch Abfassung geharnischter Proteste zu be- künden, wenn ihre Berufsgruppe mit Steuererhöhungen belastet werden soll. Dem in den Anfängen entgegenzutreten, ist Pflicht. Wenn weite Kreise der Industrie und des Handels das Ultimatum abgelehnt haben, so gab es auch unter ihnen viele besonnene Elemente, die es gern angenommen hätten, wenn sie die Forderungen der Entente für erfüllbar gehalten hätten. Jetzt, nachdem das Ulti- matum unterzeichnet ist, kommt es darauf an, auf Wege zu sinnen, wie die ungeheure Summe von rund 59 Milliarden Paplermark jährlich aufgebracht werden soll. Durch Proteste sicherlich nicht. Und auch nicht dadurch, daß sich die Berufsgruppen mit der Zeit zu geschlossener Abwehr aller den Besitz belastenden Steuern aufrasfen, wie man es beim Kriegsnotopfer erlebt hat. Die Reichsregierung wird einen doppelt schweren Stand haben, da sie mindestens mit dem passiven Widerstand eines Teils derjenigen Leute rechnen muß, die die Kriegsgefahr einer Unterschrift des Diktats vorzogen. Daher ist es notwendig, die Leistungsmäglichkeit unvoreinge- nommen zu prüfen. Gerade well das Bürgertum, insbesondere Handel und Industrie, gegen da» Ultimatum waren, kann als sicher angenommen werden, daß ein« Erhöhung der bisherigen Steuern und Abgaben niemal» ausreichen wird, um vor allem in den ersten Iahren die Wiedergutmachungen aufzubringen. Noch immer hat das Reich ein großes Defizit, und dos trotz der größten Anspannung der Steuerschraube. Im Außenhandel erzielt Deutsch- kond kein« Ueberschüsse, im Gegenteil, die Einfuhr ist größer al» dir Ausfuhr. Da» besagt nichts anderes, als daß die im Innern ver- brauchten ausländischen Lebensmittel und Rohstoffe ebenso wie dl« noch immer einströmenden Luxuswaren nicht mit dem Ertrag der Arbeit, sondern mit Schuldtiteln bezahlt werden, die zu einer steigenden Verschuldung Deutschland» an da» Ausland führen müssen. Die Zahlen, welche die Außenhandelsstatisttk darüber gibt, sind trügerisch. Sicher ist aber, daß der Menge nach die Einfuhr die Aussuhr überragt. Bei den Werten wird sich ein ähnliches Bild ergeben. Es haben sich aber bereits deutsche Guthaben im Aus» land gebildet, teils von geflüchtetem Kapital, teils von deutschen Kapitalserträgen, die zu produktiven Zwecken im Ausland angelegt wurden. Von Zett zu Zeit hört man, daß Stinnes brasilianische Erzkonzessionen oder österreichische Aknenmehrheiten oder schwedische Reedereibeteiligungen erworben hat. Was Stinnes tut, tun andere auch. Und es wäre verfehlt, gegen die Anknüpfung internationaler kapitalistischer Beziehungen, die früher zum Ausbau de» deutschen Außenhandels dienten, zu protestieren, wenn nicht aus der Tatsach« der Auslandsbeteiligung hervorginge, daß zu einer Zeit passiver Handel», und Zahlungsbilanz deutsche Vermögenswerte ins Aus» land wandern, wo sie unversteuerten Zins und Profit bringen. Volkswirtschaftlich gesehen, bedeutet das nichts andere», als eine Abgabe deutschen Volksvermögens an das Ausland, ein« Fort» gäbe von Substanzwerten ohne Nutzen für die Reichskasse. Ist man sich darüber klar, daß aus den lausenden Einnahmen die Wiedergutmachungsschuld nicht bestritten werden kann, so er» kennt man auch die Notwendigkeit, daß deutsche Substanzwerte. deutsches Kapital zur Bezahlung herangezogen werden müssen. Es sind nun au» parteigenösfischen Kreisen Vorschläge dahingehend aufgetaucht, daß das Reich sich eine Beteiligung an der Industrie und an dem Grundbesitz sichern soll, um aus ihren Erträgnissen und Im Notfalle auch durch ihren Verkauf die Kriegsentschädigungen zu bezahlen. Hier ist der springend« Punkt. Wenn das Reich damit rechnen inuß, mit der Substanz der deutschen Volkswirtschaft Zah» lungen auszuführen, so muß es zunächst auch darüber verfügen können. Bor einem neuen Entente-Ullimatum, das unfehlbar kommen wird, wenn Deutschland die Zahlungen verweigert, kann das Reich nicht erst die Steuerzahler um ihre gütige Mithilfe bitten, sondern es muß s e l b st Werte in der Hand haben, die über die normalen Steuerquellen hinausgehen. Unter diesem Gesichtspunkt wird man die Frage behandeln müssen. War es schon bisher möglich, daß Substanzwerte der deutschen Volkswirtschaft entglitten sind, so muß bei dem erhöhten Anreiz zur Kapitalflucht, den eine Verschärfung der Steuerschraube mit sich bringen muß, dagegen Vorkehrung ge» troffen werden, daß das Reich in seiner größten Rot nicht mit leeren Händen dasteht. Reue Velrlebseinschränkungen. Die Firma Benz, Mann, heim beabsichtigt am 1. Juni das alte Werk stillzulegen, wodurch zirka 1000 Pe sonen brotlos werden.— L a n z- Mannheim legt den Betrieb seiner Luftschiffahrtswerft still. Unsere bodischen Ge- nassen haben ihr« Regierung um Sluskunft darüber ersucht, was sie zu tun gedenkt, um die drohende Arbeitslosigkeit von der Marn,. heimer Industrie abzuwenden.— Der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstuhlfabrikation gibt be- könnt, daß eiye Betriebseinschräntung wegen des Nachlassens neuer Aufttäge unvermeidlich ist. Reue Einfuhrbeschränkungen der Schweiz treten am SS. Mai in Kraft und zwar gegen Fertigwaren, fertig« Bodentelle für Parketterie, Pinsel, Feilen und Raspeln. Waren aus Kupfer und Kupferlegierung, landwirtschaftlichez Gerät und Maschinen, Knöpfe und Reisearttkel. GewerWhastsbewegung Die Erwerbslosigkeit im �lpril. 400 000 Erwerbslose. S40 000 Unterstützungsempfänger. Fast in jedem Jahre hat ftch mit dem Frühjahr eine bedeutende Besserung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht. Im vorigen Jahre z. B. fiel die Zahl der Erwerbslosen in der Zeit vom 1. Februar bis zum 1. Mai um rund 140 000, nämlich von 431 000 auf 292 000. Im Monat April allein hat die Erwerbslosenziffer um 28 000 abgenommen. In diesem Jahre liegen in den gleichen Zeit- abschnitten die Verhältnisse wesentlich ungünstiger. Obwohl sich eine fortschreitende Belebung des Baumarktes bemerkbar macht, die wiederum die mit dem Bau eng verbundenen Berufe befruchtet, obwohl rund 200 000 Personen durch die produktive Erwerbslosen- fürsorge mit Notstandsarbeiten beschäftigt sind und obwohl noch eine Anzahl Betriebe an sich entbehrliche Arbeitskräfte weiter beschäftigen. haben wir jetzt in der sonst dem Arbeitsmarkt günstigsten Zeit eine wesentlich höhere Erwerbslosenziffer zu verzeichnen «ls zu Beginn des Winters. Nach der neuen Statistik des Reichsarbeitsministeriums wurden am 1. Mai 318 448 männliche und 81 549 weibliche, insgesamt 400096 liauptunterstützungsempfänger gezählt. Dazu kamen 440 377 unterstützungsberechtigte Familienangehörige von Vollerwerbslosen, so daß das Reich insgesamt 840474 Per- sonen zu unter st ützen hatte. Diese riesigen Zahlen haben ober nur einen sehr bedingten Wert. Es ist zu berücksichtigen, daß bei weitem nicht alle Erwerbslosen Unterstützung beziehen und daher auch nicht in dieser Berechnung einbegriffen sind. Ferner ist in Be- tracht zu ziehen, daß die Zahl der Kurzarbeiter nicht weit hinter der der Erwerbslosen zurücksteht. Diese Entwicklung des Arbeitsmarktes kann natürlich keineswegs befriedigen. Sie zeigt uns nicht nur die Größe der inneren wirt- schoftlichen Schwierigkeiten, sondern die der Weltkrise überhaupt. Und dabei ist für die nächste Zukunft absolut noch an keine Beflerung zu denken. Der Druck der Entente auf unser Wirffchastsleben, die Vernichtung blühender Industrien, wie des Flugzeugbaues, die Ungewißheit über die Zukunft Oberschlesiens, die fortgesetzte Drohung mit der Besetzung des Ruhrgebiets und schließlich die uns auferlegten Milliardenforderungen sind keineswegs dazu angetan, unserer Wirt- schaft neues Leben zuzuführen, die Einfuhr von Rohstoffen, die Hebung unserer Produktion und die Aussuhr zu erleichtern. Es kann daher nicht dringend genug das Programm des ADGB. zur Behebung der Arbeitslosigkeit in Erinnerung gerufen werden. Ebenso notwendig erscheint eine Wiederholung des schon einmal von der Berliner Gewerkschaftstommission ergangenen Appells an die Arbeitenden, ihrerseits ein Opfer zu bringen, das geeignet ist, die Not der Erwerbslosen zu mildern. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist wegen des damit beding- ten Lohnausfalls für alle, die davon betroffen werden, eine chärte und daher nur in äußerster Not anzuwenden. Ehe man zu diesem Mittel greift, müssen die Betriebsräte dafür sorgen, daß die immer noch in großem Maße vorhandenen Doppelexistenzen endgültig verschwinden. Darüber hinaus ist es Pflicht eines jeden Arbeiters und jeder Arbeiterin, jede Ueberarbeit abzulehnen. die nicht aus betriebstechnischen Gründen eine unbedingte Not- wendigtcit ist. Leider gibt es noch sehr viele, die sich durch eine mehr als achtstündige Arbeitszeit einen guten Verdienst nicht nur auf Kosten ihrer Gesundheit, sondern auch auf Kosten ihrer hun- - gernden Mitmenschen sichern. Wenn die Arbeiterschaft in dieser Frage nicht zusammensteht, wenn sie nicht gewillt ist, alles zu tun, um den arbeitslosen Käme- raden Arbeit zu verschaffen, wenn Teile von ihr des schnöden Mammons willen dem Kapital ihre Arbeitskraft zur schranken- losen Ausbeutung zur Verfügung stellen, wenn andere aus parteipolirifchen Gründen Unmögliches verlangen und den Zank- apfel immer wieder in die Reihen der Arbeiterschaft werfen, dann ist jeder Versuch, die kapitalistische Gesellschaft in höherem Maße als bisher oder gar a u s f ch l i e ß l i ch zur Unterstützung ihrer Opfer heranzuziehen, von vornherein zum Tode verurteilt. Ein Ultimatum an üeu Magistrat. Zwischen den Arbeitern der städtischen Betriebe einerseits und dem Magistrat andererseits besteht schon seit längerer Zeit ein sehr gespanntes Verhältnis. Die Ursach« ist darin zu suchen, daß der Magistrat sich weigert, eine der im Schiedsspruch vom 6. Nov. 1920 anerkannten Hauptforderung der Arbeiter der städtischen Betriebe durchzuführen, die darauf hinausläuft, daß alle Arbeiter der Elektri- zitäts-, GaS« und Wasserwerke und der technischen Betriebe der Anstalten sowie der Straßenbahn einen Lohnzuschlag von 10 Pf. pro Stunde erhalten. Wir verzichten darauf, noch einmal die Geschichte dieses Konfliktes mitzuteilen, da das schon ausführlich in Nr. 225 geschehen ist. Es bleibt nur übrig zu sagen, daß die Erregung der Arbeiterschaft jetzt den H ö h ep u n kt er- reicht und ihren Ausdruck in einem Ultimatum an den Magistrat gefunden hat. daS heute abläuft. ES fordert, daß der Magistrat sofort die Iv-Pf.-Schwerarbeiterzulage auszahlen läßt. Weigert sich der Magistrat weiter, so ist die städtische Arbeiterschaft ent- schlössen, mit den schärf st en gewerkschaftlichenMitteln die Auszahlung zu erzwingen. Sir erwarten, baß der Magistrat in letzter Stunde die durchaus berechtigte Forderung der Arbeiter anerkennt und somit daS Berliner Wirtschaftsleben vor neuen Schäden bewahrt. Die Organisation der Hebammen. Unter den Hebammen Deutschlands macht sich z. Z. das Bestreben bemerkbar, sich der Organisation.GesundheitS- Wesen"' de§ Verbandes der Gemeinde» und StaatSarbeiter anzu- schließen. Der Groß-Berliner Hebammenbund hat mit ungefähr Drei- viertelmehrkeit den Anschluß beschlossen, worauf der Preußische Heb- ammen-Verband und dessen Beirat, unter Leitung der Frau Gebauer und Püichel. den Ausschluß der Berliner Vorsitzenden, Frau Henseleit, beschlossen und sie ihres AmteS als Vorsitzende deS Groß-Berliner HebammenbundeS für verlustig erklärten. Eine Generalversammlung deS Bundes hob diesen Beschluß auf und wählte die alte Leitung wieder. Daraufhin gründete der Beirat einen neuen Berliner Hebammenverein. Dem Hebammenbund stand für seine Verhandlungen bisher im Polizeipräsidium ein Saal zur Verfügung. Eigen- artigerweise wurde plötzlich der bisher vom Bund festgesetzte Ver- sammlungStag diesem entzogen und dem neuen Verein zugewiesen. Wir erwarten vom Polizeipräsidenten, daß er diese offenbare Un- gerechtigkeit nicht zuläßt. Die Vorsitzende deS Berliner Bundes, die gleichzeitig Vor- sitzende deS ProvinzialverbandeS Branpenburg ist, hatte sür Sonnabend, den 21., einen ProvinzialverbandStag nach Berlin einbe- rufen, um zu den schwebenden Fragen Stellung zu nehmen. Frau Gebauer-München sandte, um den Verbandstaq zu der- hindern, am Freitag an die brandenbnrgischen Ortsvereine die Mitteilung, daß der VerbandStag vertagt worden sei. Trotzdem waren ein« Anzahl Vereine vertreten, die sich ebenfalls für den Anschluß an eine Gewerkschaft entschieden. Bezeichnend für den rückständigen und reaktionären Geist in der Leitung deS Preußische» HebammenverbandeS ist nachstehender Vorfall: Der Berliner Hebammenbund hatte mit Herrn Professor Hammerschlag Kurse für die Hebammen vereinbart. Die Richtung Püschel-Gebauer ließ daraufhin eine Mitteilung ergehen. daß sie es ablehne, mit den im Bund organisierten Hebammen gemeinsam an dem Kursus teilzunehmen. Angesichts dieser kleinlichen Schikanen ist e§ notwendig, daß die Groß-Berliner Heb- ammenschast. wie überhaupt die Hebammen des gesamten Reiches, sich dem Bund der Hebammen, Abteilung der Sektion„ G e su n d h e i t S w e s e n � des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter, anschließen. Nur dann besteht die Möglichkeit, daß die in der nächsten Zeit im Jpteresse der Hebammen zu lösende Frage und gesetzgeberischen Maßnahmen die entsprechende Vertretung finden. Tie Aussperrung iu Elbing. Wir haben bereits am Mittwoch morgen kurz über die erfolgte Schließung der Schichauwerft in Elbing berichtet. In einem von den Freien, Christlichen und Hirsch-Dunckerschen Ge- werkschaften unterzeichneten Flugblatt wird erklärt, daß die Ar- beiter der Schichauwerft Elbing heute noch um 1 M. bis 1,20 M. hinter den Löhnen der übrigen Arbeiter der Eisenindustrie des Ostens zurückstehen, und daß die Werflleitung nach der Aus- sperrung im Jahre 1920 die Verpflichtung eingegangen ist, dann dieselben Löhne wie die übrigen Industriellen zu zahlen, wenn die durch die Revolutionsjahre erfolgten Erschütterungen des Be- triebes überwunden sind. Die Produktivität des Betriebes hat sich inzwischen bedeutend erhöht, aber die Firma lehnt es ab, den fortgesetzt in äußerst schwierigen wirtschaftlichen Ver- Hältnissen lebenden Schichauarbeitern die Löhn« zu erhöhen, da keine Aufträge vorhanden sind. Die Ablehnung des gefor- derten Urlaubs wurde im Widerspruch dazu damit begründet, daß dringende Aufträge vorhanden seien, die unbedingt fertiggestellt werden müßten. Die schroffe Ablehnung der Anträge der Arbeiterschaft machte sich dann in einer Demonsttation Luft, in deren Folge, die Direktion einen provozierenden Anschlag her- ausbrachte, der mit der Stillegung des Betriebes drohte. Die kaum wiederhergestellte Ruhe war durch diese Pro- vokation wieder ins Gegenteil oerkehrt und nun hatte die Firma den offenbar sehr willkommenen Anlaß zur Schließung des Betriebes. Die Arbeiter der Schichauwerke appellieren an die Arbeiter des ganzen Reiches, sie in ihrem schweren wirffchaftlichen Kampfe nachdrücklichst zu unterstützen._ Hungerlohn bei den hohenzollern. Vor uns siegt ein Bericht, aus dem hervorgeht, daß im Haushalt eines Hohenzollern, im Palais des Prinzen Albrecht, erbärmliche Löhne bezahlt werden. Für eine Tätigkeit von früh 7:1A bis nachmittas 4� Uhr wurden einer Küchen- frau ganze 12 M. bewilligt. Dabei gibt es keine Beköstigung. Von diesem fürstlichen Lohn soll die arme Frau nicht nur Lebens- mittel beschaffen, sondern auch Kleidung und Miete bezahlen. Wie das möglich ist, scheint keine Frage im Bereich hohenzollernscher Fürsorge zu sein. ver Streit der gaflwirtschaftsichen Angestellten im Eafe Tivoli, Chauffecstraße, ist durch Verhandlung beigelegt. Der Streik im Tvaldenburger Kohlenrevier, der bisher nur ein Teilstreik gewesen ist, hat sich jetzt in Landeshut und Waldenburg zu einem vollständigen ausgewachsen. Aus Neurode liegen noch keine Nachrichten vor. Gegenwärtig besteht noch keine Aussicht auf Eini- gung und Beilegung des Streiks, der übrigens lediglich Lohn- fragen zum Gegenstand hat. Verhandlungen des Oberpräsidenten waren bisher erfolglos, Vertreter des Reichsarbeitsministeriums werden erwartet. Zum Lohnkampf in der böhmischen ZUetaksindustri« wird ge- meldet, daß die Arbeiter dreier weiterer Unternehmungen, dar. unter der Poldi Hütte, sich dem Streik angeschloffen Hab«»». Die Zahl der Streikenden wird gegenwärtig auf 30 000 geschätzt. Mittwoch fanden in Prag und vielen Vorstädten große Kund- *--!W"«~-'perrtcn statt, die erklären, gebungen der Ausgesperrten statt, keine Konzessionen machen zu wollen. Reue Verhandlungen im brittschen Vergarbeiterslreik sollen am Freitag auf Einladung der Regierung stattfinden. Vereinzelt scheint die Arbeit bereits wieder aufgenommen zu werden. �iis üer Setriebsräte-Praxis. § 84. Gesetzliche oder tarifliche Schiedsstelle? Zu der Frage, ob in den Fällen der ZA 84 ff. sMitbestimmungS- recht der Betriebsvertretung bei Entlassungen) an Stelle des gesetz- lichen Schlichtungsausschusses auch eine tarifliche Schieds« st e l l e treten kann, äußert sich der Reichsarbeitsminister in einem Bescheid vom 12. 4. 1921— VI..Ä. 606.— Wir entnehmen diesem Bescheid folgendes: „In Z 87 des BRG. ist eine tarifliche Schiedsstelle nicht nur nicht zugelassen, sondern durch die Worte:„Gesetzliches Schlichtungs- verfahren" ausdrücklich ausgeschlossen. Ebenso fehlt es an solcher Ermächtigung im Falle des Z 97 BRG.(Anrufung des SchlichtungsausschusseS durch den Unternehmer wegen Zustimmung zur Kündigung eines BelriebSvertretungSmitgliedeS); auch dort ist der gesetzliche Schlichtungsausschuß zustimmungsberechtigt. Diese Darlegung findet allerdings dann keine Anwendung, wenn der Tarifvertrag das Mitbestimmungsrecht bei Entlassungen voll- ständig s e l b st ä n d i g regelt, so daß die ergehenden Entscheidungen nicht auf Grund des BRG., so n d e rn auf Grund deS Tarif- Vertrages erlassen werden." Dieser Auffassung ist durchaus zuzustimmen und weiter hierzu nur zu sagen, daß eS sich bei einem tarifvertraglich festgelegten Mitbestimmungsrecht bei Entlassungen nicht darum drehen darf, einzelne Sätze des Betriebsrätegesetzes zu ändern, im übrigen aber die ZZ 84 ff. zugrunde zu legen, sondern es muß sich einwandfrei um Abmachungen handeln, die eindeutig eine Erweiterung der Rechte des Betriebsrätegesetzes darstellen, so daß die vereinbarten tariflichen Schiedsstellen nur auf Grund der tarifvertraglich fest- gelegten Rechte unter Ausschluß der betreffenden Paragraphen de« BetriebrätegesetzeS tätig werden. Wird eine solche tarifvertraglich vereinbarte Stelle nicht tätig, dann kommt das Betriebsrätegesetz bzw. daS gesetzliche Schlichtungsverfahren trotzdem noch in Frage. denn gesetzlich gewährleistete Rechte sind Mindestrechte und können auch larifvertraglich oder infolge Nichtdurchführung eines Tarif- Vertrages nicht außer Kraft gesetzt werden. Vorband der«ärtner und Särtnerelarbeiter. Freitag 1 Uhr in Echulz' Fostsälcn, Am Niinigsgraben 2, Gruppe Gemeindegärtnerel, Branchenversamm- zentralverdand der Schuhmacher. Freitag« Uhr Versammlung aller Stepperinnen der Hau», und Filzschuhindustrie im Lokal Köpenicker Str. l?7». Tagesordnung:„Das Ergebnis der Verhandlungen mit den Fabrikanten iiber die Neuregelung der Akkordsätze". Deutscher Hntarbeiter-Berband. Freitag 5 Uhr bei Schulz, Elisabethstr. 30, Persammlung der Betriebsräte aller Branchen. 7)110 öer Partei. Der Aufbau der Bildungsarbeik. Für den Bezirk Niederrhein fand am Sonntag, 22. Juni in Duisburg eine Konferenz der BildungSauSschüfse und Parteivereine statt. An die Referate der Genossen Weimann- Berlin und Schluchtmann-Duisburg schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der die von den beiden Rednern gemachten Bor- schlage über den Wiederaufbau deS BildungSwesenS gutgeheißen wurden. Man beschloß die Errichtung eines Bezirks- b i l d u n g S a u S s ch u s s e S, der die Organisation einer syste- malischen BildungSarbeit im Bezirk in die Wege leiten soll. Ferner beschäftigte sich die Konferenz mit der Theaterfrage. Ein Ausschuß wurde eingesetzt, der die auf diesem Gebiete bestehenden Möglichkeiten(Volksbühne Wandertheater) prüfen soll. Am Schluß der gut verlaufenen Tagung, sprach deren Leiter, der Genosse Schluchtmann, die Hoffnung aus, daß in dem stark mit Kommu- nisten durchsetzten Bezirk die Partei wie auf anderen Gebieten, so auch im Bildungswesen bald wieder die Führung haben werde. Einen schweren Verlust erlitt die Sozialdemokratische Partei der Schweiz. Genosse Gustav Müller, der Führer des rechten Flügels, ehemaliger Stadtpräsident von Bern und Vizepräsident des National- rats, ist Dienstag an den Folgen eines Sturzes in Bern verstorben. Veranttv. sllr den redalt. Teil: Dr. Werner Peiser, Charlottenburg: für Anzeige»:: Tb. Glocke. Berlin. Verlag: VormärtS-Berlag s. m. b. H.. Berlin. Druck: Vor« märtS-BuMbruckerei n Verlaasanilast Bau! Sinaer u Co.. Verlin. Sindenltt. 3. Hierzu zix- Beilage und Unterhaltungsbeilage„Heimmett". wurde diese» Zeichen für hlMfl iti, Brandts SMzerpin(iliirpillenl al» Schutzmarke eingetragen.— Bor Nachahmung wird gewarnt. A.-G. vorm. Apotheker Richard vrondl, Schaffhausen(Schweiz) und Singen a. hohentwlel(Baden). Der Wasche, die mit Sunlicht Seife gewaschen, entströmt jener wunderbare balsamische Oust, der auch auf das körperliche Äfeflnden wohltuend einwirkt. 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