Nr.24S� ZS.�ahrgang Musgabe A Nr. 125 Bezugspreis» Viertel! Shrl. SV,— M., monatl. 10,— M. trei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10,— M. einschl. Fu- stellungsgebllhr. Unter Kreuzband für Deulschiand, Danzig, das Saar- und M-meleebict, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M., für das übrige Ausland 27,— M. Postbcsteilungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowatei, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der Morwärts� mit der Sonntagsbeilage„Volk und sZeir', der Unter- Haltungsbeilage„Heimwelt� und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Derlia" Morgen Ausgabe Devlrnev Volksblettt (30 Pfennig) AuzeigeupretS, Dt» achtgeipaitene NonvaretUeze»» kostet bcho M»ttleine Pazeegeo-» da, lettgedru-kt- Won I,!>N gli. lzu- lässig zwei teltgedrultl» Worte»,»-de, weiter« Wort 1,— M. Stellengeiuib« »nd Schlasstellenanzetgen da»«ril, Wo« V- M., jede» wettere Wort «> Psg. Worte Uder IS«uäiitabe» sohlen für zwei Won«. ffan«Iien-B». zeigen für Abonnenten geil» M. Die Preise verstehen sich einschlicfjhch Teuerungszuschlag. Anzeigen für dte nächste Nummer müssen bt»» Uhr nachmittag» un Hauptgeschäft, Berlin EW SS. Linden- itraße S. abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bt» 6 Uhr abend». Zentfalorgan der fozialdemokratircben parte» Deutfchlands Liw lim I III II W—■III|| Mll WBB— TO I IIIWII........... Reöaktion und Expedition: SV 68« Lindenftr. 3 Redaktion Morissplach 15195—97 ,vern,vrc«ier. frage nicht wieder aufzufrischen? Wie dem auch sei, die oberschlesische Frage gruppiert sich - sachlich um das Zentralgebiet. Ist es deutsch, so ist selbst der englische Vorschlag, wonach Pleß und Rybnik polnisch werden sollten, schon ein schwerer Schlag gegen Wortlaut und Geist des Friedensvertrages. Dieser verlangt ja nicht nur die Ve- rücksichtigung der Geineindcergebnisie, sondern vor allem die wirtschaftlichen Zusammenhänge, und da gehörten die ausgebauten Eisen- und chemischen Werke des Zentral- gebiets mit ihren erschöpften Kohlenfeldern zu der Kohlen- grundlage, wie die Kuh zur Weide. Das muß als Grund- f a tz ausrechterhalten werden, mag man sonst über etwaige Grenzkonzessionen, die den Nahmen des wirtschaftlich Mög- lichen nicht überschreiten und schon darum nur gering sein könnteii, denken wie man will. Und das Zentral gebiet hat deutsch ge- st i m m t! Keine Sophistik kann darüber hinwegtäuschen. Wenn man in Frankreich gleichwohl anderer Meinung ist, so deshalb, weil man die Ergebnisse der Städte, die große deutsche Mehrheiten aufzuweisen gehabt haben, außer Ansatz lassen zu können geglaubt hat. Im polnischen Wortschatz sind die Städte Oberschlesiens nichts anderes als deutsche Beamten- und Kaufmannskolonien, deren Bevölkerung aus dem Westen eingedrungen ist. Das ist sachlich unrichtig. Aber selbst wenn man das deutsche Uebergewicht in den Städten geringer oer- anschlagen wollte, so müßte es die Franzosen doch einiger» maßen wundern, daß auch viele der volkreichen Industrie- dörfer, wie Laurahütte, Bismarckhütte, Schwientochlowitz, Chorzow, Siemianowitz— also keineswegs nur deutsch- klingende Ortschaften—, deutsche Mehrheiten hatten. Schließ- lich darf man doch auch nicht vergessen, daß das deutsche Element gerade in Gegenden, die stark der polnischen Gewalt- Propaganda ausgesetzt waren, nicht nur durch Terrorakte mundtot gemacht worden ist, sondern auch dadurch, daß man allen seit 16 Jahren zugewanderten Nichtober- schlesiern das Stimmrecht entzog. Es gibt un- seres Wissens keinen Staat der Welt, wo man erst 16 Jabre wohnen muß, um die Bürgerrechte erwerben zu können. In Oberschlesicn hat man dieses bisher ungeschriebene Recht ohne Parlament, ohne Volksbefragung in Geltung gesetzt. Und der Erfolg?— Allerorts gingen dem Deutschtum chnnderte von Stimmen verloren, Stimmen, die mit winzigen Ausnahmen sich gegen Polen erklärt hätten.— Das muß man im Auge behalten, es ist fast vergesien. In Paris scheint man jedsnsalls nichts davon zu wissen. Herr Briand hat kürzlich erklärt, Frankreich müsse die oberschlesische Frage doch sicherer beurteilen können, da es den 20 englischen Beobachtern der dortigen Verhältnisse 20b französische gegen- überstellen kann. Trifft das schon nicht auf die Aufstandsbe- wegung zu, so noch viel weniger auf die Beurteilung des Ab- stimmungsergebnisies. Sonst müßte man diese Faktoren in Rechnung stellen, ehe man urteilt. Und man müßte wissen, daß es in einem so dichtbevölkerten Industriegebiet, wie dem oberschlesischen Zentralgebiet, keinen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt. Die oberschlesische Arbeiterschaft wohnt teils in den Dörfem des Industriegebiets, teils in den Städten, teils auf dem platten Land, von wo sie täglich oder für die ganze Woche zur Arbeit fährt. Die letzteren haben in ihren cheimatgemeinden abgestimmt, interessieren also hier weniger. Was aber die im Industriegebiet ansässige Bevölkerung an- geht, so fällt der Unterschied der Stimmung in den Städten samt den zu den Landkreisen gezählten volkreichen Dörfern zu den auf kleinere Ortschaften verteilten in der Tat auf. Die Bergarbeiter, die zu einem wesentlichen Teil aus Polen eingewandert sind, um ihrerseits wieder Arbeitskräfte nach dem besserbezahlten Ruhrgebiet abzugeben— auch diese haben mit den Emigranten gestimmt—, sind vorwiegend polnisch gesinnt, besonders in den östlichen und südlichen Rand- gebieten. Dagegen sind die Arbeiter der Fabriken und vor allem die Metallarbeiter, ebenfalls so gut wie durchweg Ein» heimisckie, zu neun Zehnteln deutsch. Sie sind in der er- drückenden Mehrheit in deutschen Gewerkschaften organisiert und gehören zu der Elite der Arbeiterschaft. Ihre Tätigkeit, ihr Vilduimsdrang, ihr höheres kulturelles Empfinden führte sie in die Städte. Darum haben die volkreichen Ortschaften deutsch gestimmt, darum ergab sich für die Stadt- und Landkreise zusammen in Kattowitz, Beuthen, Gleiwitz und chindenbnrg in Verbindung mit den übrigen deutschen Ar- beitern eine deutsche Mehrheit, darum ist das Zentralgebiet, darum ist Oberschlesien deutsch! Wer wie Korfanty nur die Gemeindeergebnisse berück- sichtigt sehen will, was dem Friedensvertrag offen wider- spricht, der erklärt damit, daß der Einwohner von Kadlubietz das sechzigfacho Stimmrecht hat wie der Einwohner von Königshütte. Ist das Völkerdemokratie? Das sollte man in Paris einmal ruhig überlegen. Dann braucht� man in der Entscheidung über Oberschlesien weder das Völkerrecht noch auch Adam Riefe zu vergewaltigen. Neue Kämpfe in Obersch!esien. Oppeln, 2C. Mai.(TU.) Seit heute morgen gegen 3 Uhr sind bei Ma lapnnc. Rasch und G r o h- S t e! n wieder Kämpfe im Gange, die bis S Uhr vormittags andauerten. Groß-Stein wurde verschiedentlich mit polnischem Artilleriefeuer belegt. Auf deutscher Seite wird von diesem Kampfmittel zwecks Schonung der hofjenüich in kurzer Zeit wieder Deutschland zuzusprechenden Städte und Jnstl.Zicn Obcrschlcsiens kaum Gebrauch gemacht, cheftige An- n-istc richteten sich erneut gegen Piasetz na und Barel. Ohne Zweifel haben sich die Aufständischen nördlich von Rosenberg ver- stärkt. Bei Z a n k o w i tz wurden zwei polnische 10,S-Geschütze fest- gestellt, die Radau und Lemke ständig unter Feuer hielten. London, 26. Mai.(TU.) Wie Reuter vernimmt, bemühen sich die französischen Truppen in Kattowitz außerordentlich, um die Wasserversorgung, die die Aufständischen für vier Tage abgeschnitten hatten, wiederherzustellen. Ferner ergriffen die Fron- zasen kräftige Maßnahmen, die Ausständischen zu zwingen, die un- gerechtfertigte Blockade von Kattowitz aufzuheben. In dem Bezirk Lublinitz verstärken die Ausständischen ihre Stellungen durch Stacheldraht. Sechs englische Bataillone für Oberschlesten. London. 26. Mai.(MTB.) Das K r i e g s a m t teitt mit, daß das erste der vier englischen Bataillone, die vom Rhein nach Ober- schlcsien gehen, Köln Freitag nacht verlassen wird. Außer diesen vier Bataillonen werden noch zwei Bataillon« irischer Regimenter, die jetzt in England sind, nach Oberschlesien gehen, so daß sich schließlich sechs englische Bataillone dort besiiiden werden. «kin italienisches Zeugnis. Der stellvertretende italienische Kommissar bei der Interalliierten Kommission in Oppeln, Professor P a s s i g l i, ist vor einigen Tagen in Rom eingetroffen und hat einem Mitarbeiter der römischen „Epoca" eine Unterredung über die Vorgänge in Oberschlesien ge- währt, in der er u. a. erklärte: „Es ist unleugbar, daß die Franzosen der polnischen Sache günstig gesinnt sind. Was war infolgedessen die Aufgabe der Italiener? Ihre Aufgabe war, diese Begünstigung zu m ä h i g e n und sich einfach neutral zu verhalten. Aber in dem simplistischen und wenig unterrichteten Geiste der Massen entstand daher notwendigerweise die Ueberzeugung, daß die Italiener, nur weil sie mich die Interessen der Deutschen in Schutz nahmen, die Deutschen begünstigten... Charakteristisch hierfür ist der Fall, der sich in einem Wald in der Nähe von Groß-Strehlitz abspielte, der von starken pol- nischen Insuraentenkräften beseht war. Diese Insurgenten unter- hielten während drei oder vier Tagen Gewehrfeuer gegen zwei italienische Kompagnien. Die Ersetzung einer ikaNentschen Kompagnie durch eine sranzösische genügte, um das Feuer sofort einzustellen." Daraus muß man schließen, daß, wenn nur die französischen Truppen es gewollt hätten, es niemals zum Ausstand gekommen wäre. Dieses Zeugnis des italienischen Kommissars bestätigt nur die deutsche Auffassung, wonach die Korfantysche Erhebung nur mit der Duldung, ja mit dem Einverständnis der Franzosen möglich war. Blätter» die ma»» in Polen nicht lesen darf. Warschau. 26. Moi.(EC.) Die polnische Staatspolizei hat in g a n z P o l e n die Verbreitung der Pariser u m a n i t und des Londoner„D a i l y ch e r o l d" v e r b o t e n. Die erwähnten Zeitungen dürfen nicht einmal von Zeitungsredaktionen bezogen werden. Dk'e polnz'sche Minifterkrife. Warschau. 26. Mal.(TU.) Der Staatschef hat die D e m i s« >' i o n de» Fürsten Sapieha angenommen und den Unter» itaatsselretär Jan Dombsti mit der Führung der Geschäfte de« Auhenministerlnm» beaufiragk. Die Versuche zur Bildung eine« Koalrtionökabinett« sind als gescheitert anzusebcn. da die national« Arbeiterpartei, die.Whzwolenie-Gruppe" und die Sozialisten sich weiter ablehnend verhalten. Ein Kabinett des Zentrum« und der Reckuen ist kaum wahrscheinlich, da in der Polin- sehen Volkspariei starke Strömungen gegen ein solche« Kabinett be- stehen. Die meisten AnSsichien hat ein Kabinett der b ü r g e r- lichen Mitte von der nationalen BolkSvereinigung bis zur Burgerpartei._ Die Sanktionsfrage. Paris, 26. Mai.(WXS.) wie„Oeuvre" mitteilt, hat bei der gestrigen Lulerreduug mit Irland der euglische Loischaficr Lord hardiuge wegen der Aufrechlerhaltung der Besetzung von Häfen des rechten Rheinufer», also der Släble Düffel- darf,»uhrort und Dulsburo, durch französische und belgische Truppen Vorstellungen erhoben. Pari», 26. Mai.(EE.) Auf eine Aufrag« des Smators Millies-Lacroix erklärte der Ministerprästbent: Bezüglich der Kosten für die Mobilisierung des Jahrganges 1S19 werde die französische Regierung von der Reparationskommission fordern, daß diese in die allgemeinen Auslagen für die Be» fatzungsarmee aufgenommen werden. Da die Reparations- kommission diese Kosten alle drei Monate bestimmt, wird sie sich Ende Juni mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Der Minister. Präsident fügte hinzu, daß die Mobilisierung des Jahrganges 1919 im Einvernehmen mit den Alliierten erfvlgt fei, da ein Paragraph des Londoner Abkommens bestimmt, daß vom Tag« dieses Abkommens an, die Alliierten die nötigen Vorbereitungen zur Besetzung des Ruhrtales gemeinsam zu treffen haben. Dieser Paragraph beziehe sich in klarer Weise auf die Ein- t-erufung des Jahrganges 1919. Der üeutsch-chineftsche ffanöelsvertrag. Verlin. 26. Mai.(WTB.) Zu dem zwischen den deutschen und chinesischen Vertretern in Peking abgeschlossenen Abkommen zur Wiederaufnahme der Beziehungen dieser beiden Länder erfahren wir u. a. folgendes: Der bisher noch formell bestehende Kriegszustand wird beendet, und damit werden die besonderen Kriegsbestimmungen aufgehoben. Die Grundsätze der Gleichstellung und Ge- g« n s e i t i g k e i t für die Beziehungen der beiden Staaten sollen Anwendung finden. Bestimmungen sind getroffen über die Wie- derentsendung diplomatischer und konsulart- scher Vertreter. Die Staatsangehörigen des einen Teiles sollen im Gebiete des anderen Teiles dessen Gesetzen und Gerichts- barteit unterworfen sein. In der Betätigung im H a n d e l und in der Industrie werden die Deutschen in China den Angehörigen der anderen Nationen gleichgestellt. In der Frage der Zölle ist beiderseitige Meistbegünstigung vorgesehen. Die Liquidation des deutschen Eigentums wird eingestellt. hinsichtlich des Versailler Friedensvertrages, dessen Unterzeichnung China, wie bekannt, abgelehnt hat, sind wegen der China betreffen- den Bestimmungen Bereinbarungen getroffen worden. Erwähnt wird, daß die von Deutschland m der Provinz Schantung er» wordenen Recht« nicht an China zurückgegeben werden. Das Abkommen trägt den Charakter eines vorläufigen Vertrages und seine Bestimmungen sollen als Grundlage für den später zwischen Deutschland und China abzuschließenden Freund- fchafts» und Handelsvertrag dienen. Es wird nach Eingang des maßgebenden Textes unverzüglich den gesetzgebenden Körperschaften zur Genehmigung vorgelegt werden. Neue Währung für Gefterrelch? Der Finanzausschuß des Völkerbünde« prüfte den Eni« Wurf für die neue österreichische Emissionsbank. Diese« Noleninsiitut würde den Umtausch de« jetzigen Gelde« in neu au«- zugebende Banknoten vorbereiten und möglichst bald durchführen- Die Wertangabe dieser neuen Noten würde nicht mehr in Kronen erfolgen, sondern in einer neuen Währung. Das auszugebende Kapital würde 100 Millionen Goidfranken betragen. Sauer über Wiedergutmachung. Vizekanzler Bauer hatte eine Unterhaltung mit dem Leiter des Berner Pressebureaus„Itespudlku", der ihm im Auftrage der„Tridune de Gen�ve" folgende Fragen stellte: Frage: Glauben Sie, Herr Kanzler, daß die 221 Abgeord- veten, die sich für die Annahme des Ultimatums der Alliierten aus- gesprochen haben, dies mit der Gewißheit getan haben, daß Deutsch- land alle von der Entente gestellten Bedingungen erfüllen kann? Antwort: Die Mehrheit des Reichstags hat sicherlich g e- wisse Zweifel, ob Deutschland sämtliche Forderungen der Alli- irrten buchstäblich erfüllen kann. Wer könnte sich auch dafür ver- bürgen, dog unsere Mittel hinreichen, um bis zum letzten Franken den Forderungen der Entente Genüge zu tun! Aber ich oerstchers und erkläre es der ganzen Well, daß die deutsche Regierung und die Mehrheit des Reichstags die Konseqnenzen des Krieges begrei- fen und alles tun werden, um den im Ultimatum gestellten B e- dingungen, die wir angenommen haben, Respekt zu ver- schaffen. In kurzer Frist wird die Regierung vollzählig sein und ihr Programm über die Reparationen vorlegen, deren Notwen- digkeit wir für Frankreich erkennen und die wir Deutschen für unsere Pflicht halten und erfüllen wollen. Frage: Was wird dieses Programm enthalten? Antwort: In seinen großen Linien wird dieses Programm eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen enthalten, die es ermöglichen, den Alliierten alles zu geben, was Deutschland zur Abtragung seiner Schuld geben kann. Die jetzigen Steuern werden nicht genügen: sie werden deshalb erhöht werden müssen. Es müssen aber noch andere Wege gefunden werden, um die erforderlichen Mittel auszubringen. Das Tlalionalvermögen wird sicherlich herangezogen werden müssen. Im übrigen erworten wir, daß die Alliierten, besonders Frankreich, der jetzigen Regierung keine unnötigen Schwie- rigteiten machen, sondern durch eine gerechte Einschätzung der Mittel Deutschlands zur Erfüllung seiner Verpflichtungen unsere Aufgabe erleichtern werden. Eine sehr große Wichtigkett lege ich der Garantletommisslon bei, die sich bei uns niederlassen und Gelegenheit haben wird, an Orte und Stelle die Leistungsfähig- keit Deutschland» richtig einzuschätzen. Frage: Wünscht Deutschland sogleich In den Völkerbund einzutreten? Antwort: Im Augenblick ist der Völkerbund nur eine Bei- bindung gewisser Länder. Wenn er eine wirkliche Gesell- schaft der Nationen sein wird, wird Deutschland mit Der- g n ü g e n eintreten, um am Weltfrieden mitzuarbeiten. Frage: Gibt es in Deutschland einen Revanchegedon- k e n? Antwort: Rein, Deutschland kann keinen Krieg suchen. Und das Volk will keinen. Rur gewisse chauvinistische Rationasistca und ein Teil der Kommunisten sprechen von Revanche. Der Zoll ßranfcckp. Wir lesen in der Soz. Korr. die folgenden beachtenswerten Ausführungen über General von Franfecky, den„Sachverständigen" im Leipziger Kriegsvcrbrecherprczeß: Wes Geistes Kind Herr Ge- neral von Fransecky. dieser Repräsentant des preußischen Militaris- mus, ist, zeigt seine Beantwortung der Frage, ob denn auch Schläge gegen Kriegsgefangene erlaubt wären: Das wäre Ansichtssache. Dafür erklärte er aber, die Vorschriften über die Gefangenenbehand- lung nicht zu kennen. Und darin zeigt sich die ganze Tragik des Falles Fransecky für die vielen Hunderttausende Deutscher, die selbst das traurige Los traf, hinter feindlichem Stocheldraht zu schmachten und als Kriegsgefangene Fronarbeit zu leisten. Herr Fransecky war nämlich während des Krieges Dclachsmenlsches sin Preußischen Sriegsministcrium und Leiter der Ableitung für ßiics- gcsangcnenwcsen. Nur daher verfiel das Reichsgericht aus ihn als Sachverständigen. Diesem Manne also waren nicht nur die Kriege- gefangenen in Deutschland unterstellt, sondern ihm war auch das Wohl und die Fürsorge für die kriegsgesaugenen Deutschen in Frar".- reich, England. Rußland und sonstwo anvertraut. All ihr Deutsch«. merkt euch das wohl, und ihr werdet euch keineswegs mehr w: n- dern, daß es Zl4 Zahre dauerte, bis ein Berner Abkommen die Frage der Kriegsgefangenn international regelte und ihre Loa- etwas besserte: daß man sich, zumal in den ersten Jahren des Kric. gcsso herzlich wenigum euch kümmerte, denn für Leute von der Geistcsrichtung de» Herrn von Fransecky wart ihr mit der Gefangennahme aus der Liste als Deutsche zunächst g e st r i ch e n. Do» bestätigten ja nur allzu oft jene neutralen Vertreter. denen der diplomatische Schutz der Kriegsgefangenen oblag und die allzu oft ihr« eigene Machtlosigkeit begründeten mit der Auffassung über die Kriegsgefangenen an den höchsten mMlärlschen Slellea in Preuszen-Deuischland. Das konnte aber nur der Fall sein, weil mlli- tärische B u r e a uk r a t e n von der Engstirnigkeit eines Fransecky keine Ahnung hatten von den Vorgängen an der Front. Sie tobten ihr Heldentum am grünen Tisch der Heimat aus und erwarben sich die höchsten Kriegsauszeichnungen durch triefende Reden und forsche Befehle. Ki'rausenlbali des Reichspräsidenlen. Wie die P. P. N. hören. hat sich der Neickspröfidenr am DonverSiag nachmittag zu eincrn dreiwöchigen Kuraufenthalt«arti Bad Mergint beim in Württemberg begeben: dort muß er si 5?eifran.. Gräfin sogar! Der Fall einer degenerierten Psychopathin. Vor der Strafkammer des Landgerichts I hatte sich wegen wiederholten Diebstahls Liesbeth Strick, eine aus besten Verhält- nissen stammende Frau, zu oerantworten. Die Strafsache schwebt schon seit dem Jahre 1008. Die Angeklagte wird beschuldigt und ist ohne weiteres geständig, in sechs Fällen in Berlin und in einem Falle in Dresden in Iuwelengeschäften Brillanten und Juwelen .gestohlen zu haben. Ais„Gräfin Baudissin" oder„Freifrau von Stork" pflegte sie erste Juwelengeschäfte zu betreten ;imb sich Schmucksachen zum eventuellen Kauf vorlegen zu lassen. Ihr ganzes Austreten mar so vertrauenerweckend, daß ihr seitens der Verkäufer nicht die sonst übliche Aufmerksamkeit gewidmet wurde, so daß sie Gelegenheit fand, dieses oder jenes Stück sich heimlich anzueignen und sich damit zu entfernen. Einen Grund für diese verbrecherische Tätigkeit oermochte die Angeklagte, die in den besten Verhältnissen lebte und mit keinerlei Not zu kämpfen hatte, nicht anzugeben. Sie erklärte nur: wenn sie vor einem Juwelierladen stand und in den Schaufenstern die blitzenden Ju- wclen sah, habe sie eine geheimnisvolle, unwider- stehlichc Macht in den Laden getrieben zur Aus- führung des Vorsatzes, sich etwas von diesen Schätzen anzueignen. 1 Auf Antrag des Iustizrats W r o n k e r haben sich bereits zahlreiche Nervenärzte mit ihr beschäftigt und sind übereinstimmend zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie eine ganz abnorme Per- sonlichkeit, die erblich stark belastet ist und schon in ihrer frühen Ju- nend durch eine in unglaublicher Weise arbeitende Phantasie aufsiel. Sie hatte eine unüberwindliche Neigung. Erlebnisse phantastisch auszuschmücken und als unumstößliche Tatsachen hinzustellen, teil- weise auch frei zu erfinden. In der Verhandlung kamen ganz krasse Fälle solcher absolut erfundenen Vorkommnisse zur Sprache, die den Nervenarzt Dr. P l a c z e k und die langjährigen Haus- örzte der Famllie zu der Ueberzeugung gebracht haben, daß man es mit einer degenerierten psychopathischen Konstitution zu tun habe, die die Verantwortlichkeit für Straftaten ausschließe. Auch Medizinalrat Dr. Stoermer war zu dem Ergebnis gekommen, �aß die Angeklagte erblich schwer belastet und geistig minderwertig sei, ihr aber der Schutz des 5)51 StGB, nicht zur Seite stehe.— Daß auf die geistigen Abnormitäten der An- geklagten auch Sexualempfindungen ihren Einfluß ausgeübt haben, zeigt die Tatsache, daß, nachdem sie sich vor zwei Jahren mit einem Beamten verheiratet hat, sie in glücklichster Ehe lebt und Mutter eines Kindes geworden ist, alle krankhaften Neigungen der geschilderten Art spurlos verschwunden sind.— Auf Grund des Gutachtens des Direktors Dr. Zinn beantragte Iustizrat W r o n- ker die Freisprechung der Angeklagten, auf die das Gericht auch erkannte.._ Ein Opfer der Wettleidenschaft. Die verderbliche Wettleidenschaft, die schon so viele Opfer ge- fordert, hat einen braven Mann und seine Famalie in namenloses Unglück gestürzt. Möge der nachstehende Bericht allen denen, die da meinen, vom Wetten nicht lassen zu können, zu denken geben. Frauen und Kinder, Schwestern und Bräute stehen mit flehenden Augen und hoffen, daß der Mann, der Vater, der Bruder oder Bräutigam endlich von den zwecklosen Versuchen lassen möge. Der öljährige frühere Schneidermeister, jetzige Zeitungsaus- träger Hermann Schober hotte sich unter der Anklage des Mordversuchs vor dem Schwurgericht des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte, welcher früher in guten Ver- Hältnissen lebte, hat während des Krieges seine Ersparnisse ver- loren und war schließlich gezwungen, um den Lebensunterhalt für sich und seine zwei Kinder heranzuschaffen, Zeitungen auszutragen. Zu seinem Unglück wurde er mit Leuten bekannt, welche auf der Rennbahn wetteten und in ihm wurde der Gedanke, daß er auf diese Weise auch wieder hochkommen könnte, bald zur fixen Idee. Er legte einen Teil seines geringen Verdienstes beim Buchmacher an und verlor. Eines Tages hatte die Familie kein Brot mehr und Sch. ließ sich verleiten, 100 einkassierte Abonnemmentsgelder für sich zu behalten. Um der drohenden Anzeige zu entgehen, wandte er sich an einen bemittelten Freund, den Händler Pehn, der aber dem Spieler, der ihm nicht die Wahrheit gesagt hatte, sein Ersuchen abschlug. In dieser heiklen Situation liehen den Angeklagten die Nerven in Stich und er schritt zur Ausführung eines schlimmen Planes. Er suchte den P. in seiner Laube auf, und schlug ihn mit einem Hammer auf den Kopf, wurde aber von dem Ucberfallenen sofort gepackt, festgehalten und der Polizei übergeben.— Gerichtsarzt Dr. L. Hirsch, welcher den Ange- klagten auf seinen Geisteszustand untersucht hatte, bezeichnete diesen als einen willensschwachen, trotzdem aber zu Affekthandlungen neigenden Menschen von verminderter Zurechnungssähigkeit. Das Urteil lautete demgemäß wegen versuchten Totschkags unter Zu- billigung mildernder Umstände auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis unter Anrechnung von fünf Monaten der Untersuchungshaft._ Rowdy zu Pferde. Als in der vergangenen Nackt gegen 11 Uhr die Sljährige Frau Frida Kövpke den Tiergarten passierte, um nack'hier Wohnung zu gelangen, wurde sie zwischen Zelten und Schloß Bellevue von einem Reiter, der im rasenden Tempo dahergesprengt kam,'überrannt und zu Boden geschleudert. Sie erlitt Kopf- und Almverleyungen und mußte nach einem Krankenhause gebracht werden. Der Reiter jagte, ohne sick um die Verunglückte zu kümmern, davon und konnte nicht festgestellt werden._ Die wahre christliche Liebe. In Nr. 93 des„Vorwärts" brachten wir die Mitteilung, daß der expedierende Sekretär der Berliner Stadtsynodc Karl G e r t h im Wege des Disziplinarverfahrens durch das evan- gelische Konsistorium der Mark Brandenburg nach 22jühriger ein- wandfreier Dienstzeit seines Amtes enthoben worden ist, weil er sich gegen seine vorgesetzte Dienstbehörde„unbotmäßig" ge- zeigt habe. Mit Rücksicht auf seine 22jährige Dienstzeit ini Bureau der Berliner Stadtsynode, die, wie es in dem Urteil heißt,„nicht ohne Anerkennung geblieben ist", hat man Gerth gnädigst eine Pen- sion von monatlich 200 Mark auf 3 Jahre bewilligt. Daß wegen einiger Lappalien ein Beamter nach 22 Dicnstjahren auf die Straße gesetzt wird, beweist eine solche Brutalität, daß man sich unwillkürlich fragen muß, wie die christlichen Autoritätssanatiker ihr Vorgehen mit christlicher Liebe und Güte vereinbaren wollen. Nach eingehender Prüfung des Materials kommt man zu der Auffassung, daß die wahren Gründe für Gerths Ent- lassung ganz andere sind, als sie das Urteil angibt. Wir I glauben nicht fehl zu gehen in der Vermutung, daß Gerth sich na- mentlich aus dem Grunde den Haß der christlichen Herren zugezogen | hat, weil er als G e w e r ks ch a f t e r sehr energisch für die Jnter- , essen seiner Kollegen eingetreten ist, und weil es den Kirchenbehörden j bekannt geworden ist, daß er der sozialdemokratischen �Partei angehört. Diese Ausfassung paßt ganz zu der Sinnesart der kirchlichen Machthaber, die vor kurzem bei Gelegenheit des Streiks der Berliner Kirchhofsarbeitcr von diesen die Zugehörigkeit zu christlichen Organisationen verlangt haben. Das Urteil bildet nach allem einen schweren Eingriff in die auch den Kirchenbeamten durch die Verfassung gewährleistete Koalitionsfreiheit. Bedauerlich ist nur, daß die Herren Räte, Oberräte und wirklichen Oberräte des Kon- sistoriums und des Evangelischen Oberkirchenrats noch aus der Staatskasie bezahlt werden. Sache des Parlaments wird es fein, hier einmal mit aller Schärfe hineinzuleuchten. Die freigewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmerschaft wird zu- sammen mit der freiheitlick denkenden Beamtenschaft eingehend zu überlegen haben, wie sie diesen Mächten, die noch immer den stärk- sten Hort der Reaktion bilden, in Zukunft gründlich ihr Handwerk legen kann. Der Mordversuch am Wannsee. Wie erinnerlich, wurde am 22. April in der Nähe des Freibades Wannsee ein junges Mädchen überfallen. Die Ausklärung des Verbrechens ist bisher noch nicht geglückt, weil die Ueberfallene den Beamten gegenüber völlig unzu- treffende Mitteilungen über die Person des Töters gemacht hat. Jetzt ist einwandfrei festgestellt worden, daß das Mädchen vor der Tat längere Zeit direkt am Wannsee gelegen und dort von verschiedenen Personen gesehen worden ist. Von diesen wird der Täter als junger Mensch beschrieben, der im Alter von etwa 25 Jahren stehend, höch- stens 1,05 Meter groß und schlank ist. Er hatte dunkle, links geschei- telte Haare, blasses, abgelebtes Gesicht, tiefliegende Augen, und war am Tage der Tat mit einem armen, abgetragenen Sommerüber- zieher bekleidet, der auf dem Rücken durch einen Steg zusammen- gehalten wurde. Angaben, die über eine solche Person gemacht werden können, nehmen unter Hinweis auf die zur Ausklärung des Verbrechens ausgesetzte Belohnung und unter ausdrücklicher Zu- sicherung von Verschwiegenheit die Berliner Kriminalkommissare Dr. Grünberg und Vüngcr(Hausanruf 411) oder jedes Polizeirevier entgegen. Die Schwertlilien im Liel-ensccpark blühen. Ein selten schönes Bild bieten die jetzt blühenden Schwertlilien im Charlottenburger Lietzenseepark. Hunderttausende dieser Iris umsäumen dos Westufer des Sees in Meterbreite. In großen Massen von gleicher Farbe: rein weiß, blau und weiß, hellblau, dunkelblau, gelb, in allen Schottierun- gen gelangt diese schöne Blume hier zu hervorragender Wirkung. Wer Freude an Blumcnpracht hat, sollte es nicht versäumen, in diesen Tagen einen Spaziergang im Lietzenseepark zu machen. Am süm- mungsvollsten und schönsten ist der Park in den frühen Morgen- stunden. Geschlechtskranke nach Rummelsburg. Der Magistrat hat de- schlössen, die Geschlechtskrankenstation aus dem Obdach nach Rum- melsburg zu verlegen, und zwar nach dem Arbeitshause dort. Im Bpollotbcater gebt NM 1. Juni eine nrohe neue Ausstattung«. sportschau in Szene unter dem Titel.Ter Sportschlelimil'. Die Hauptralli! wird voir dem bekaunlen Burlesltomiker Wilhelm Hartstein dargestellt werden, welcher lein Cnseinble ausgelöst bat und van Direktor JamcS Klein sür daS Apollo-Tbeater und sür die Komische Oper engagiert worden ist. Die sernercii Hauptrollen der Revue werden dargestellt von Albert Paulig. Heinz Sarnow, Erna SIlberli und Else Schleuka.— ES werden ini Rahmen dieser Schau reichhaltige artistische Neuheiten gebeten. Hroß-Serliner parteinachrichten. Freitag, den 27. Mal, abends ZV* Uhr: 11. Kreis. Dchöneberg.Fritdcrau. 7� Uhr In Schiineberg bei Obst, Martin. Lulher-Etr. 69, Kreiovorstandssitzung. 13. Ätcl«. m Uhr Aula des Lyzeums, Bahnhof Maricndorf, Krelsvertreter. oerfammlung. Tagesordliung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Dlskussion. 3. Neuwahl des Vorstoirdes. 19. Abt. Die FUHrung durch den Botanischen Garten findet am Sonntag, den b. Juni, vorimttags 19 Uhr, statt. Treffpunkt am Görlitzer Bahnhof früh 9 Uhr. 41. Abt. Hcrrcnpartie am Sonntag, den 29. Mai, nach Zepernick— Liepnitz. sce—Lankc— Bernau. Treffpunkt 7 Uhr friih Bahnhof Puttlitzstrasto. Ab Gesundbrunnen 7,46 Uhr bis Zepernick. Die Frauen mit den Kindern Wald- spiele in der Zungfernheide tPaddcnwiese). Treffpunkt 1 Uhr mittags Etromtirake an der Normaluhr. Mitglieder benachbarter Abteilungen für beide Veranstaltungen willkommen. 47. Abt. Familienausslna am Sonntag, den 29. Mai, nach Lehnitzsee. Abfahrt Stettincr Bahnhof früh 6,69 Uhr: ab Wedding 6,44 Uhr; ab Gesundbrunnen 6,66 Uhr big Station Lchnitzsee. Trebbin. Sonnabend, den 23., 8 Uhr, im Alten Schiltzenhaue, Berliner Strohe, Oefsentliche Vollsoersammlung. Ref. Dr. Adolf Braun. Thema:„Deutsch. lands Innen, und Außenpolitik". 73j Skine Menschenkind. «l. Der Sündenfall. Don Martin Andersen NexS. 14. Das Ende des großen Klaus. Der Krugwirt hatte den Trockenplatz verkauft! Hätte man den Bewohnern im Dorfe erzählt, daß er das Meer ver- kauft habe, so würde das keine größere Verblüfsung hervor- gerufen haben. Hier hatten die Fischer ihre Netze getrocknet, �'solange das Dorf bestanden hatte: Generation auf Generation hatte hier Jahrhunderte hindurch die Netze aufgehängt, das Seegras abgeklopft und die Löcher geflickt, die die See hinein- schlug. Der Boden bildete lange Kämme von Netzstange zu Netzstange... von all dem Schmutz, der im Laufe der Zeit von den Netzen abgeklopft worden war: und zwischen den Kämmen waren tiefe Fußspuren eingetreten. Der Trocken- platz war gemeinsamer Besitz,— er gehörte allen und nie- mand. Er lag, wie er immer gelegen hatte: zusammen mit dem Strande unten war er eine Erinnerung an die Zeiten, da der Boden noch allen gemeinsam war. Da hatten die Kinder gespielt und die Frauen sich zum Abendschwatz ver- sammelt,— der Trockenplatz war das Herz des Ganzen. Niemand hätte je gewagt, auf ihm einen Geräteschuppen zu errichten, das Boot dort aufzulegen oder auf andere Weise Besitz von ihm zu ergreifen für die eigenen, engen Zwecke. Und nun ging der Krugwirt ganz frech hin und verkaufte ihn. Mehrere tausend Kronen hatte er, wie es hieß, ein- genommen, für etwas, das gar nicht sein Eigentum war! Zum erstenmal erwachten die Fischer aus ihrer Schlaff- heit und begannen aufzumucken: das war ihnen denn doch zuviel. Sie versammelten sich und beratschlagten und trieben es so weit, zwei Mann nach der Stadt zu schicken, die einen Rechtsanwalt um Rat frage sollten. Aber es stellte sich heraus, daß der Krugwirt sich genügend gesichert hatte, und daß man nichts gegen ihn unternehmen tonnte. Er hatte Papiere nicht allein über den Trockenplatz, sondern auch über ihre Hütten, die sich vom Bater auf den Sohn vererbt hatten. Im Grunde wohnten sie alle nur zur Miete, und sie hatten es eigentlich seiner Güte zu verdanken, daß sie nicht auch noch Miete zu bezahlen brauchten. Er konnte sie auf die Straße setzen, wann er wollte. Wie war das zugegangen? Ja, wer so klug gewesen wäre, dem Krugwirt hinter die Zähne sehen zu können! Der eine hatte hier ein wenig nachlassen müssen, der andere dort; mehrere hatten ihr Anrecht durch Zechen verloren, andere hatten darauf verzichtet, um Brot auf den Tisch zu bekommen. Der Krugwirt kam ja so oft mit Papieren gelaufen und ver langte eine Unterschrift,— der Ordnung wegen, wie er immer sagte. Ein großer Held im Lesen war man ja nicht, und was hätte das auch nützen können! Wer verlangte, dem Men- schenfrejssr in die Papiere zu gucken, dem erging es übel. Und doch war es ein wunderliches Erwachen: Stines traurige Heimkehr zur Unzeit erregte nicht die Aufmerksam- keit, die sie verdient hatte. Die Frauen klatschten freilich dar- über und warfen im Vorbeieilen dem„Armenhauie" einen bedeutsamen Blick zu, aber es war nicht der rechte Nachdruck dabei. Selbst die Bezeichnung„Armenhaus" hatte etwas von ihrem Klange eingebüßt, wohnten jetzt doch alle von Krug- wirts Gnaden! Sobald das Frühjahrswasser gesunken und der Weg zum Dorf fahrbar geworden war, kamen aus der Stadt ganze Fuhren von Pfählen und Einfriedigungsdraht an, und der Trockenplatz wurde eingezäunt. Der Krugwirt selber rannte umher und schritt die Entfernungen ab, zusammen mit einem kleinen dicken Herrn, einem Großkaufmann aus der Haupt- stadt, wie gesagt wurde. Die Einfriedigung wurde bis ans Wasser hinabgeführt. Die Fischer mußten den Trockenplatz räumen und zusehen, wie sie sich anders einrichteten: es war ganz sonderbar, ungefähr so, wie wenn man aus seiner Hei- mat verjagt wurde. Längs des Strandes, wo man sich immer nach Belieben bewegt hatte, konnte man nun nicht mehr vor- wärts kommen: man mußte den Umweg durchs Dorf machen. Es fiel den Bewohnern schwer, sich daran zu gewöhnen, neue Pfade zu betreten: viele Male wurde die Einfriedigung niedergetrampelt und von neuem aufgerichtet, bevor sie respek- tiert wurde. Aergerlich war's, aber auch spannend. Der Mann, der den Trockenplatz gekauft hatte, war gewiß so reich, daß er nicht wußte, was er mit seinem Gelde anfangen sollte. Nun wollte er es also hier im Sande eingraben— eine verrückte Idee! Ein ganzes Schloß beabsichtigte er ja wohl aufzuführen, und ein Garten sollte angelegt werden— hier mitten im Sande: es hieß, daß Gartenerde von den Feldern des Krug- wirts hierher gefahren werden solle. Gar zu viel war freilich davon da oben auch nicht zu holen. Zu Anfang des Frühjahrs trafen Steine und Bauholz aus der nächsten Stadt ein. Die städtischen Kutscher wollten nicht durch den losen Sand fahren: darum wurde das Bau- Material oberhalb der Dünen abgeladen, und der große Klaus mußte es durch den Hohlweg nach dem Trockenplatz schleppen. Der Großkaufmann kam jeden zweiten Tag, bald in Beglei- tung des einen, bald des andern. Mit langen Bandmaßen liefen sie in den Dünen umher, stellten ein dreibeiniges Fern- glas bald hier, bald dort auf, guckten nacb schwarzstreisigen Stangen aus und trieben Pflöcke in die Erde. In der Hand hatten sie große Papierrollen, die sie auf dem Straiidtjras immer wieder ausbreiteten und zu Rate zogen. Die Sache sah recht geheimnisvoll aus: die Kinder aus dem Dorf lehn- ten den lieben langen Tag an der Einfriedigung, wischten sich die Nasen an den Aermeln und gafften. Der Frühiahrswind und die Spannung bewirkten, daß den größeren Augen und Nasen liefen: die kleineren rannten gegen alles, so stark waren sie in Anspruch, genommen. Plötzlich brach das eine oder andere von ihnen in Geheul aus und sputete sich heim- wärts, aber gewöhnlich war es dann zu spät. Auch der kleine Paul war da. Er war jetzt sieben Jahre und sollte in wenigen Tagen in der Schule ansangen: da hieß es also die Zeit ausnützen. Den ganzen Tag war er da draußen, aber er begnügte sich nicht damit, an der Ein- friedigung zu stehen und zu gaffen: schon am zweiten Tage überwand er das Hindernis. Es ging� recht einfach zu: einem der Männer wehte das Papier weg, und das Vürfchchen, das gerade auf einen Vorwand sann, vm mit dabei sein zu können, schlüpfte durch den Stahldraht und fing das Papier ein. Nun war er einmal drin, und es fiel niemandem ein, ihn wieder hinauszujagen. Er machte sich nützlich, indem er mit dem Bandmaß umherlief und die Merkstangen:rug. Wenn Sörine von der Küchentllr aus rief, überhörte er es völlig:"icht einmal auf Stine hörte er. Das Essen wartete, oder er sollte irgendeinen Gang tun— und immer bekam er Schelle.„Nun bleibst du zur Strafe heute in der Stube." sagte Stine entschieden, während Sörine schwieg. Aber bevor die beiden Frauen sich's versahen, war er wieder auf und davon; es war nichts mit ihm anzufangen. (Forts, folgt.) aiiniiitniiiiiiiititintitmmiiiiiüinniüimiiiiiimüiinmiiiwiiiinimmminniniüa r* SOENNECKEN BONNA- FEDER S Ueberau erhältlich U-I'• SOENNECKEN• BONN» Berlin W, TtubenXr. 1«-1S s �lllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllillllllllllllllllilil Theafter,iBchtspie8e etc.� Opernhaus Ritter Blaubart 7 Uhr Schauspielhaus Toiquato Tasso 7 Uhr Deutsches Theater 7,/aUhr. Poiatch u. Pcrlmuiter So. T'/j s Potasch u. Perlmutter Kammersplele 8 Uhr: Mesalliance Sonnabend ö U.: Mesalliance Kr. Schauspielhaus (KansutiBe/ 7; Kaufmann von Venedig (AuBer Abonnementi Sonn. 7; Sommernachlstraum (Außer Abonnement) Theater I. d. Könioorützer Str.; s Uhr: Salome (Ortki, Wernburg, Branden, von Twardowskl) Sonnabend, ffonnta« u Mont. Mit dem Feuer spielen dazu: Satans Maske (Orsks, Riemann, Bildt) Berliner Theater: Ai. abendlich 7.30 Uhr. 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RR.— Xledcrrsd Kriegsverbrecher vor üem Reichsgericht. (Fortsetzung au- der Abendausgabe.) In dem zweiten Verhandlungsfalle wird noch Verlesung der Anklage der Angeklagte Müller vernommen. Der Präsi- dent ermahnt ihn, der eine etwas legere Haltung annimmt, vor dem Gerichtshof ein anderes Befragen rt denen es sich um Mißhandlung der englischen Ge» fangen en handelt. Die festgestellten Handlungen sind Mißhand« lungen im Sinne des 8 122 des Militärstrafgefetzbiiches in Ler- bindung mit den straferhöhenden Bestimmungen der 8§ 58— 55. Es ist durchaus nicht zu verkennen, dag es sich um rohe und aewalt- tätige Ausschreitungen handelt, die gegen wehrlose Leute verübt wurden, gegen feindliche Ausländer, von denen er genau mußte, daß sie sehr bald in ihr Daterland zurückkehren würden. Das bedeutet daher nicht nur eine Schädigung des Ansehens der deutschen Armee. sondern auch des Ansehens des deutschen Belkes, das in dem Bewußtsein, eine kulkurnation allerersten Range» zu sein. derartige Schroffhelten und Grausamkeiten weit von sich weist. Dennoch sind die von der Verteidigung vorgebrachten Milde- rungsgründe in weitestem Maße berücksichtigt worden. Bei der Bewertung der Beleidigungen war zu berücksichtigen, daß darin gerade die Nationalität dieser Leute hervorgehoben worden ist. Wie e« für uns, die damals Nielaefchmöhten, gerade sehr empfindlich war, daß die deutsche Eigenschaft immer hervor- gehoben wurde, so muß angenommen werden, daß eme gleich- geartete Ku l i u r n a t i o n. wie die englische, das schwer empfinden muß. Unkerhausentrüstung über daS erste Urteil. London. 26. Mai.(Reuter.) Als der Regierungsvertreter heute nachmittag im Unterhaus mitteilte, daß Heynen vom Reichsgericht in Leipzig zu zehn Monaten Gefängnis ««rnttnit worden ist, wurde diese Mitteilung von den Abgeordneten n Ruf«- tw!tt-In» Sckandel" aufgenommen. Unter ~ öury: Wird dem langemessen- Staötfinanzen* Mbeiterentlasjungen Gegen Auswüchse des Stratzenhandels, der Rummelplätze, der Spielhallen. Ruf«:„Das ist eine Sdjandet", nern Beifall fragte Sir Frederick Bonbury: Gelegenheit gegeben werden, über die U n'" rtefes Urteils zu verhandeln? Die Stadtverordnetenversammlung ver- handelte gestern darüber, ob in den Betrieben und Berwal- tungen der Stadt notwendige Arbeiterentlas- jungen vorgenommen werden sollen oder nicht. Wie eng die Frage mit der unabweisbaren Aufgabe zusammenhängt, die Finanzen der Stadt in Ordnung zu bringen, zeigte bc- sonders die Nede des Kämmerers. Die Kommunisten standen mit ihrem jede Entlassung verwerfenden Antrag allein. Die Unabhängigen forderten, daß Entlassungen nicht erfolgen sol- len ohne vorherige Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeiter und Angestellten durch eine Ausgleichsstelle. Diesen Standpunkt nahmen auch die Sozialdemokraten ein, und ein einsprechender Antrag der Unabhängigen wurde dann angenommen. Erörtert wurde auch der Streit um die Iv-Pfg.- Zulage für Arbei- ter technischer Betriebe, der durch eine vom Ma- gistrat inzwischen angbohnte Regelung seine friedliche Lösung finden wird. Ein diesbezüglicher Antrag der Unaohängigcn wurde von den drei linksstehenden Fraktionen angenommen; gegen ihn stimmten olle bürgerlichen Fraktionen.— Im ersten Teil der Sitzung gab es eine lange Debatte über Straßen- Handel. Rummelplätze und Spielhallen. Die bürgerlichen Fraktionen begründeten ihren alten Haß gegen den Straßenhandel in heftigen Worten. Statt des Antrages der Sozialdemokraten wurde ein Antrag der Unabhängigen, der nur Bekämpfung der Auswüchse fordert, von den drei linksstehenden Fraktionen und auch von den Demokraten an» genommen. Sitzungsbericht. Die heutige auf„pünktlich" 5 Uhr einberufene Sitzung wird ganz kurz vor 6 Uhr vom Vorsteher Dr. W e y l eröffnet. Zunächst erfolgt die Einfiihrung des als Nachfolger des aus- geschiedenen nunmehrigen preußischen Innenministers Dominicu» in den Magistrat eintretenden Stadtrats Peters(Demokrat). Ein Dringlichkcitsontraq der Kommunisten, den Erwerbslosen und Kurzarbeitern die städtischen Frei- und Flußbäder unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, stößt bei der Rechten auf Widerspruch. Zwei weitere Dringlichkeitsanträge, die Erhöhung der Be- züg« der Pensionäre und Hinterbliebenen der S traßenbahnarbciterschaft betreffend, sind von den Soz. und den U. Soz.«ingereicht worden. Sie gehen aus Antrag v. E y n e r n(D. Dp.) sofort an einen Aus- fchuß. Der Antrag Heimann(Soz.) vom 14. April 1921, wonach die im Schiedsspruch vom lü. November 1920 aufgestellten Grundsätze zur Regelung des Dienstverhältnisses der an den Fach- und Fort- bildungsschulen der Innenbezirke nebenamtlich beschäftigten Lehr- kräfte in gleicher Auswirkung auch für die Außenbezirke Anwendung finden sollen, wird angenommen. Bis zum Inkrafttreten einer neuen allgemeinen Friedhofs- und Gebührenordnung für sämtliche 65 Friedhöfe Groß-Berllns soll der dringend erforderliche Ausgleich entsprechend den Wünschen der Vor- ortgemeinden durch Erhebung eines angemessenen Zuschlags zu den veralteten Gebührensätzen erfolgen. Den Zuschlag soll der Ausschuß für das Bcstattungswesen jeweils errechnen; Er» Mäßigungen und Befreiungen sollen durchweg fortfallen. Der Bor- schlag des Magistrats fand Annahme. Der nöchsts Antrag, vom Stadtv. Dave(Dem.) und Gen. am 21. April eingebracht, wendet sich gegen die Uebelstände, die sich bei Straßmhandel, Rummelplätzen und Spielhallen herausgebildet haben. In Verbindung damit wird die Anfrage der USP. behandelt, die den Straßen Handel mit geräucher- t e m Speck betrifft, und vom Magistrat Auskunft verlangt, ob der Speck auf Trichinen untersucht ist, und wer die Kontrolle aus- übt. Stadtrat Ranke teilt mit, daß der polizeiliche Bcterinärdienst sein Augenmerk bereits diesem Handel zugewendet hat; beim Passie- ren der Grenze werde der Speck untersucht. Merten(Dem.) begründet den Antrag seiner Fraktion. Der Straßenhandcl bebe sich wieder sehr breitgemacht, er beschäftige setzl 20— 25 000 Menschen: dazu liege kein Anlaß vor. Das fetz- hafte, steuerkräftige Gewerbe, die Gesundheit und der Geldbeutel der Käufer, wie auch der Verkehr litten gleichmäßig unter den Au»- wüchsen dieses Straßcnhandels Besonders verderblich seien die Automatenspielhallen, ein geradezu monströses Instrument zur Aus- beutung der Unertahrenheit namentlich der Jugendlichen; dabei seien sie nur mit 35 Pf. Steuer belegt.— Zimmermann(USP.): Wieder einmal sollen also, weil die Interessen der Besitzenden leiden, die armen Straßenhändler versagt und unterdrückt, die elenden Kriegsbeschädigten, die das„dankbare Vaterland" auf diesen Weg zur Existenzfristung geradezu drängt, mit Strafmandaten beglückt werden! Wieder hat hier der Volksmund recht mtt dem Wort von den kleinen und großen Dieben: die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen.— Kämmerer Karding: Die Spielautomaten sind nicht mit 35, son- !dern mit 75 Pf. täglich oder mit 20 M. monatlich lesteuert, und ! diesen Satz Hot diese Versammlung beschlosien. Ich halte ihn für ; absolut unzulänglich. Anderswo bat man den Satz so hoch gewählt, i daß schon am Tage nach seinem Inkrafttreten alle diese Automaten verschwanden. So sollte auch Berlin verfahren.(Zustimmung.) In der nächsten Zeit wird«ine entsprechende Vorlage gemacht werden. Link«(Dnat.): 75 Proz. de» Straßenhandels sind In den Händen von Kapitalisten.(Widerspruch und Lachen aus der Zu- hörertrtbüne.) In manchen Straßenzügen, so Königgrätzer und Landsberger Straße, dominieren die Straßenhändlcr in einer Bcr- lins geradezu unwürdigen Weife.— R a w r o ck i(Komm.) plädiert mit großer Schärfe gegen Merten und Linke, wobei es zwischen Lldolf Hofsmann und Rintorf und den Bürgerlichen zu temperament- vollen Zu- und Zwischenrufen kommt. Ein Antrag der USP., der inzwischen eingelaufen ist, wünscht Prüfung der Auswüchse des Straßenhandcls unter Teilnahme der Organisation der Straßen- Händler:«in Antrag der Demokraten will die Luxursteuer auf die Spielhöllen auf 20 M. pro Tag erhöhen.— Schröter(Wirtsch. Bgg.): Wir stimmen dem Antrag Merten zu. Bor allem muß mit dem gesetzlichen Ladenschluß auch der Straßenhandel aufhören.— Ewald(Soz.): Es genügt uns nicht, daß der Speck an der Grenze untersucht wird: der Magistrat muß hier für einschneidendere Maßregeln zum Schutz der Bevölkerung sorgen. Mit dem Antrag Merten ist nichts anzufangen. Einen privilegierten Handel können wir nicht anerkennen. Wir Beleidigung des deutschen Bettes. In der„Post" wagt deren Leitartttler Friedrich Hussong zu behaupten:„Mit dem Küfer und Unteroffizier Hennen in diesem Leipziger Prozeß hoben wir alle mit an der Sckand- und Sta�psäule gestanden. Wir alle sind hierL geschändet und gestäupt."' Herr frnsiong alle sind hier geschändet und gestäupt." Herr Hufsong wird niemand etwas dagegen haben. Aber das deutsche Volk in seiner übergroßen Mehrheit lehnt mit Entrüstung ab, sich durch Herrn Hussong mtt einem gemeinen Folterknecht auf eine Stuf« stellen zu lassen, der di« deutsch« Ehr« geschändet hat. Mag werden dem Antrag Weyl zustimmen, denn auch wir sind für«ine vorurteilslose Untersuchung der Auswüchse des Straßenhandels und des Treibens auf den Rummelplätzen. Falkenberg(D. Vp.) hält boldiges und energisches Ein- schreiten vom Standpunkt des Hyqienikers für geboten und bedauert nur, daß der Antrag der Demokraten so spät kommt. Leicht ver- derbliche Nahrungsmittel müßten vom Straßenhandel ausgeschlossen feilt. Mit ganz besonders kräftigen Ausdrücken geht der Redner gegen die Spielwut, dos Erbübel der Deutschen, an. Der Antrag Merten wird gegen die bürgerlichen Stimmen abgelehnt und darauf der Antrag Weyl mit sehr großer Mehrheit angenommen. Auch der Antrag Merten wegen der Erhöhung der Spielautomatensteuer gelangt zur Annahme. Hieraus geht die Versammlung auf Antrag der U. Soz. über zu den Anträgen Gäbel und Weyl betr. die Entlassung städkischer Arbeiter und Angestevken. Der Antrag der Kommunisten verlangt, daß bei allen Einschränkun» gen von Arbeitskräften in der Verwaltung der städtischen Betriebe Entlassungen nicht stattfinden dürfen, der Magistrat vielmehr für zweckmäßige anderweite Beschäftigung der Frciwerdenden sorgen soll. Der Antrag Weyl ersucht den Magistrat, die Verfügung vom 13. Mai (Kündigung sämtlicher Kräfte der Bezirkskohlenstellen wegen Arbeits- Mangel), die einen glatten Tarifbruch darstellen, sofort zurück» zuziehen: im Falle drohender Belriebseinschränkungen soll zunächst eine paritätisch zusammengesetzte Ausgleichstelle in Anspruch ge- nommen werden. Zugleich beraten wird ein Dringlichkeitsantrag Weyl, der den Magistrat auffordert, die in den technischen Be- trieben beschäftigten städtischen Arbeiter sofort in den Genuß der ihnen durch Schiedsspruch vom 9. Februar zugesprochenen Zulage von 19 Pf. pro Stunde zu setzen. Dörr(Komm.) führt als Begründer des ersten Antrags aus, daß es ein Verbrechen sein würde, das schon auf 135 009 Köpfe angeschwollene Berliner Arbeitslosenheer noch zu vermehren. Man gehe trotzdem damit um, bei den Straßenbahnen, Gasanstalten usw. Massenkündigungcn vorzunehmen, wie sie beim Kohlenamt schon erfolgt seien. Wie schlimme Erfahrungen man mit dem Magistrat als Tarifkontrahenten machen könne, dafür zeuge auch das Schicksal der Zulage der 10 Pf,: habe man doch allen Ernstes von Amts wegen geleugnet, daß die Straßenbahn ein technischer Betrieb sei!— Deitmer(Ii. Soz,): In dieser Zeit wirtschaftlichen Niedergangs darf man nicht noch künstlich Erwerbslose schaffen. Im Kohlen- wie im Milchamt ist unter völliger Mißachtung der Arbeiterrechte mtt Kündigungen vorgegangen werden. Die Durchführung des Schieds- spruchs vom 9. Februar hat der Magistrat bis heute zu verhindern gewußt. Äadtrat Brühl: Die Borwürfe gegen den Magistrat wegen unberechtigter Kündigungen sind größtenteils unbegrün» d e t(Lachen bei den Komm.). Im Kohlenamt sind die Kündigungen im Einvernehmen mit dem Betriebsrat erfolgt: auch im weiteren Verlaufe der Sache ist das Verhalten des Oberbürgermeisters durch- aus korrekt gewesen. Die Kündigung des gesamten Personals ist zurückgenommen worden: nur ein Teil der Kündigungen bleibt aufrechterhalten. Der Schiedsspruch vom 9. Februar ist unklar ge- wesen: die Klärung hat allerdings etwas lange gedauert. Heut« hat der Unterausschuß der Torifdeputatton mit den Vertretern der Lohnkartelle verhandelt. Als technische Betriebe weichen zunächst in Ueberein» stimmung mit den Arbeitnehmerverbänden folgende festgestellt: A. Betriebe: Gaswerke, Elektrizitätswerke, Wasserwerke(strit- tig bleiben Standaufnshmer, Kassierer, Laternenanzünder); Kanali- sation inkl. Bauoerwoltung(strittig Lagerplätze):(Hoch- und Tief- bau strittig):(Hafen- und. Speicherbetriebe, nach Ansicht der Vermal» tung strittig): Meiereien einschl. Bahnbetriebe, ausgenommen Milch- amt: Straßenbahn(Außenbetrieb strittig); Fuhrparks Groh-Berlin; Schlacken- und Steinfabriken: Verbrennungsanstalten: Fieischvcr» nichtungsanstalt Rüdnitz:(Schlacht- und Viehhöfe strittig): Eiswerke: Druckereien: Ammoniak- und Säurefabrikcn: Isvliererzentrale.— B. Abteilungen: Technische Abteilungen der Anstalten und Kämmereibetriebe. Zentrale Buch(Licht-, Kraft-, Wasser-, Schläch- terei» und Bäckereibetriebe): Betriebspersonal der Maschinen- und heizungstechnischen Anlagen der Kranken-, Pflege- und Badcanstal- ten, ferner Wasch- und Kochküchen(strittig Handwerker, also Satt- ler, Maler, Maurer, Tischler und dergl.): Ucbcreinstimmung herrschte, daß Krankenpflege- und Hauspersonal nicht zum Betriebspersonal gehöre): Beheizungsanlagen der Berwaltungezebäude und Schulen; Autoreparaturwerkstätten: Hauptwerkstatt und Fahrzeugdepots der Straßenreinigung; Verbrennungsabteilungen der Krematorien. Der Magistrat hat in diesem Umfange die Vereinbarung gut- geheißen und wird die betressende Bewilligung alsbald bei der Versammlung beantragen. Ueber die staatlichen Betriebe wird abermals«in Schiedsgericht entscheiden. Kämmerer N a r d i n g: Wir können zur Gesundung der Ber- liner Finanzen nicht kommen, wenn wir an den durch den Krieg geschaffenen Verhältnissen absolut festhalten. Die Straßenbahn muß sich fortan selbst erhalten, wetl niemand uns das Geld zur völligen Reorganisation des Bct-iebes geben will. Die Gaswerke könnten gut und wirtschaftlich arbeiten, aber wir kommen über den Umstand nicht hinweg, daß die Zahl der Arbeiter höher ist, als wir wirtschaftlich verantworten können: die Betriebsräte lassen die Wegnahme überzäliiiger Kräfte nicht zu.(Hört, hört!) Wir wer- den evtl. die Tarife erhöhen müsicn, aber nur, um die im Betrieb« Stehenden im Betriebe zu erhalten. So bitter also Entlassungen sein mögen, wir müssen dazu greifen, sie sind das kleinere Uevel. Besser so. al» daß die Stadi Ihre Zahlungen einstellt und vor einem ungeheuren Chaos steht.(Lärm und stürmische Zuruf« bei den Komm, und auf ver Tribüne.)— Fabian(Dnat.): Der Kämmerer hat die Situation richtiggestellt.— Dave(Dem.) hält den Antrag Weyl für gegenstandslos.— Caspari(D. Bp): Der Betriebsrat der Stadt Berlin hat in der Kündigungsfrage eine sehr eigentümliche Rolle gespielt und gegen das BetrtebsrStegcfch verstoßen. Heitmann(Soz.): Zu der allgemeinen Finanzdebatte noch das Wort zu nehmen, ist cs jetzt(9 Uhr 23 Minuten) wohl zu spät, wir kommen demnächst darauf zurück. Eine andre Arbeits- und Diensteinteilung zur rentableren Gestaltung der Betriebe ist not- wendig: in allen Deputationen wird daran gearbeitet. Bedauerlich ist, daß die Regelung der 10-Pf.-Zulage so lange gedauert hott Wir hoffen, daß die Regelung der noch strittigen Punkte schleunigst er- folgen wird. Den Antrag Gäbel lehnen wir ab, dem Antrag Weyl in seinem zwetten Teil stimmen wir zu. nachdem der erste durch die Erklärungen des Stadtrats erledigt ist. Der Antrag Gäbel wird abgelehnt, der Antrag Weyl betr. die Ausgleichsstelle angenommen, desgl. der An- trag betr. die lO-Pf.-Juiage. Nach 10 Uhr dauert die Sitzung fort. — j— WC i......... 1 1'gaeyw es im Volke auch einige tausend Rohlinge vom Schlage Heynen geben, das Reichsgericht hat in seiner Urtellsbegründung mtt Recht betont, daß die große Masie des hochkultivierten deutschen Volkes vernichtend über solches Treiben urteitt. Zu dieser großen Masse des hochkultivierten Voltes gehört Herr Hussong allerding snicht. Der amerikanische Senat bat einstimmig den Zuiatzanlrog Borah über die Ktediie für die Kriegöflotle angenommen. Darin wird Prästdent Harding ersucht, eine englisch-omertlanisch-japamsche Kouserenz zweck« Abrüstung zur See einzuberufen. EsWsrMQstsbowegurrg Tagung öer öeutsthen Polizeibeamten. Der 3. ordentliche Verbandstag des Reichsverbandes der Polizeibeamten Deutschlands wurde vom Vor- sitzenden W i n k l e r- Steglitz am Donnerstag in Habels Brauerei mit einer Begrühungsansprache eröffnet, in der er den anwesenden Vertretern von Ministerien und Behörden besonders dankte. Zur Leitung der Verhandlungen wurden Rusch- Hamburg, S i e r i n g- Düsseldorf, Schäfer- Hessen und F i et e l- Dresden gewählt. Insgesamt waren rund 195 000 Mitglieder durch 178 Delegierte vertreten. Das Programm de s Verbandes wurde vom General- sekrctär Dr. F r a n ck e erläutert. Er forderte die volle K o a l i- tionsfreiheit und den Zusammenschluß aller Beamten auf gewerkschaftlicher Grundlage. Von diesen Gesichts- punkten aus sei es Aufgabe des Reichsoerbandes, folgende fünf Grundforderungen aufzustellen: Die vollziehende Gewalt ist auf die Reichsregierung zu über- tragen.— Solange die Polizeihoheit von den Ländern ausgeübt wird, ist die Verstaatlichung der gesamten Polizei in den einzelnen Gliedstaaten zu erstreben.— Der dienstliche Aufbau der Polizei hat so zu erfolgen, daß sie in den Ländern einer Zentral- g e w a l t untersteht und die Polizeibeamtenschaft freibleibt von parteipolitischen und kommunalpolitischen Einflüssen.— Die Anstellung im Polizeidienst hat nach einer Bewährungsfrist aus Lebenszeit mit Ruhegehaltsberechtigung zu erfolgen.— Der Polizeibeamte ist so zu besolden, daß seine wirtschaftliche Stellung nicht gefährdet ist und er seine Vollkraft freudig im Interesse des Staates zur Verfügung der Allgemeinheit stellt. Die Zukunft der Polizeibeamten und ihrer Hinterbliebenen ist für den Jnvaliditäts- oder Todesfall sicherzustellen. Von der Gesetzgebung verlangt der Reichsverband: Die Sicherung der Grundrechte der Polizeibeamten durch Reichsgcsetz.— Eine einheitliche Regelung der Gehaltserhältnisse.— Die Schaffung eines Beamtenrätegesetzes.— Neuordnung des Disziplinarrechts unter Berücksichtigung zeitgemäßer Ncchtsgrundsütze.— Schaffung einer ausreichenden Fürsorge für kranke, invalide und alte Polizei- beamte und ausreichende Versorgung für die Hinterbliebenen der im Dienst ums Leben gekommenen Beamten.— Beseitigung aller Gesetze, Verordnungen und Verfügungen, die den Zusammenschluß und die Aufwärtsbcwegung der Polizeibeamten hemmen.— Schaffung von Polizeischulen.— Schaffung von Ausbildungs- und Aufstiegs- Möglichkeiten für die unteren Beamten zu den höheren Dienststellen. — Vereinheitlichung des gesamten Polizeiwesens.— Einheitliche Uniformierung und Bewaffnung aller Exekutivbeamten.— Einheitliche Amtsbezeichnung der einzelnen Dienstgrade der Polizeien innerhalb des Reichsgebietes. Leitender Grundsatz des Reichsverbandes soll sein, daß das Arbeitsverhältnis zum Staate ein Treueverhältnis ist. Des- halb kann die volle Anwendung gewerkschaftlicher Mittel für den Polizeibeamten nicht in Frage kommen. Die Inanspruchnahme des Streikrechts sei mit der unbedingt zu fordernden eisernen Disziplin eines Polizeikörpers nicht in Einklang zu bringen. Im Anschluß an dieses Referat folgte ein Vortrag über„D i e Forderungen der Schutzpolizei�. Redner hierzu waren Leutnant F i n n e f r o h und Generalsekretär Dr. F r a n ck e. Die Ausführungen der Redner lassen sich dahin zusammenfassen, daß diesen auf 12 Jahre angestellten Polizeibeamten auch die Zu- kunft sichergestellt werden müsse. Es soll ihnen die Mög- lichkeit des Uebertritts zur Verwaltungs-, Kriminal-, Gemeinde- polizei oder Landjägerei gegeben und die Stellen in der Verwal- tungspolizei sollen als gehobene angesehen werden. Die Kri- minalpolizei soll eine erhöhte Einstaffelung in die Besoldungs- ordnung erfahren und die Landjägerei mit der Verwaltungspolizei gleichgestellt werden. Nach einer langen und zeitweise recht lebhaften Aussprache wurde eine Mittagspause beschlossen und um 3 Uhr die Aussprache bei beschränkter Redezeit fortgesetzt. Beigelegter Konflikt. Wir berichteten in unserer gestrigen Morgenausgabe, daß die städtischen Arbeiter an den Magistrat ein Ultimatum wegen ber Auszahlung der ihnen vom SchlichtungSausschuß zugesprochenen Schwerarbeiterzulage von 10 Pf. pro Stunde gerichtet haben. Im Laufe des gestrigen Tages fanden mit der städtischen Deputation Verhandlungen statt, die zu einer Einigung führten. Der Magistrat erkennt den Schiedsspruch für zirka 40 000 Arbeiter an und wird die Lohnerhöhung zur Auszahlung bringen. Die Arbeit- nehmervertreter verlangten, daß noch einige andere Arbeiter- kategoricn zu denen hinzugezählt werden sollen, die nach der Ansicht der Deputation Anspruch auf diese Zulage haben. Man einigte fich schließlich dahin, die einzelnen Streitfälle einem SchlichtungS- amt zu unterbreiten, das von Fall zu Fall darüber entscheiden soll, wer als technischer Arbeiter anzusehen ist und ein Anrecht auf die lO-Pf.-Stundenzulage hat. An die Möbeltransportarbeiter. Alle Kollegen unserer Branche, Betriebsräte, Vertrauensleute, Obleute sowie Packer, Kutscher und Arbeiter werden ersucht, scharfe Kontrolle über unsere Streikscheine auszuüben, lieberall, wo sich in den Betrieben fremde Kollegen zur Arbeit melden, mutz der Streikschein erst vorgezeigt werden. Des weiteren weisen wir dar- auf hin, unsere arbeitslosen und nichtangestellten Kollegen bei Arbeitseinteilung zu berücksichtigen und ebenfalls der Geschäfts- leilung Fingerzeige zu geben, wie mehr Kollegen bei größeren Um- zügen eingestellt werden können. Auch machen wir darauf auf« merlsam, nur in ganz notgedrungenen Fällen Ueber stunden zu leisten, damit ein Teil unserer arbeitslosen Brüder beschäftigt werden kann. Außerdem muß es unsere Aufgabe sein, in allen Be- trieben die Kontrolle der Verband Sbücher regelrecht durchzuführen. Bei Neueinstellung von Kollegen muß sofort auf die Bcrbandszugehörigkeit geachtet werden. Kein Kollege in unserer Branche darf als Unorganisierter arbeiten. Die Branchenleirung für Möbeltransport. Ueber den Streik in Niederschlesicn werden sowobl von MTB. als auch von der TU. durchaus un- zutreffende Meldungen verbreitet, die wahrscheinlich aus dem Unternehmerlager stammen. So soll es sich nach einer Mit- teilung der TU. um einen„wilden" Streik handeln, der über die Köpfe der Arbeiterführer hinweg durchgeführt wird, während in einer Wolfschen Meldung von kommunistischen Umtrieben gesprochen wird. Beides i st falsch.. Die Be- wegung befindet sich, wie uns von unterrichteter Seite gemeldet wird, fest in der Hand der Organisationsleitungen. Nach einer weiteren Wolf-Meldung sollen nur die d r i n g l i ch st e n Notstandsarbeiten verrichtet werden. Auch dies ist u n- richtig. Die Notstandsarbeiten werden zurzeit in vollem Umfange ausgeführt und sollen erst dann auf das Mindestmaß beschränkt werden, wenn die Werksbesitzer weiter auf ihrem ab- lehnenden Standpunkt beharren. Die bürgerliche Presse bringt ferner die Meldung, daß die Technische Nothilfe alarmbereit stehe. Man treibt hier ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Die Or- ganisationsleitungen werden dafür sorgen, daß sich die Hoffnungen gewisser Kreise, die es gerne sähen, wenn die Bewegung die gesetz- iichen Bahnen verließe, nicht erfüllen. Verhandlungen der Or- ganisationsleiter mit den Provinzialbehörden haben bereits stattgefunden. Nach Eintreffen der Regierungsvertreter aus den Mini- sterien sollen die Verhandlungen mit den Werksbesitzern sofort aufgenommen werden._ Neuregelung der Lohnsähe in der Essigindustrie. Die In den Groß-Berliner Essigfabriken beschäftigten Arbeiter, Arbeiterinnen und Kutscher, welche restlos dem Deutschen Transportarbeiteroer- band als Mitglieder angehören, hatten ihre Lohnsätze nach den Be- stimmungen des bestehenden Tarifvertrages gekündigt. Es wurde eine durchschnittliche Erhöhung von 73 Pf. pro Stunde gefordert. Nach längeren Auseinandersetzungen wurden folgende Stundenlöhne— gültig ab 13. Mai— vereinbart: Essigarbei- t e r 3,80 M., Hof- und Hilfsarbeiter 8,20 M., Jugend- l i ch e 3,75 M.. Frauen 3,60 M. Die Kutscher erhalten 205 M. pro Woche. Gegen eine nicht erhebliche Minderheit wurden diese Lohnsätze in einer Vranchenversammlung angenommen. Betriebsräte der Metallindustrie! Die am Sonntag und Mon- tag in der Presse veröffentlichten Notizen über Versammlungen der Betriebsräte der Metallindustrie sind irreführend. Wir weisen darauf hin, daß die Versammlung der Vorsitzenden der Betriebs. räte Dienstag, pünktlich 3 Uhr in der Schulauln Koppenplatz statt- findet. Das' Erscheinen aller Vorsitzenden der Betriebsräte ist un- bedingte Pflicht— Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes. SPD.-Sisenformcr«nd Sieberelarbelterl Heute 8 Mir Versammlung bei Sachse, Lindower Str. 28(gegenüber Bahnhof Wcdding). Vortrag de« Kollegen Adolf Wuschick über:„Moskau oder Amsterdam". Freie Aussprache. Erscheinen unbedingt erforderlich. Der Fraktionsoorstand. Gewcrlschafts-Aommissio« Berlins»nd Umgegend. Die Sitzung der Ge- werkschaftsbibliothekare fällt im Mai und Juni aus. Deutscher Transportarbeiter-Bcrband. Sandelzarbeiter und»arbelterinnen au» allen Betrieben der Damenwäsche-, Schürzen-, Unterrock», Weißwaren- und Tapisseriebranche! Heute 5 Uhr bei Witte, Poststraße 29, Gruppenversamm- lung.— Ehemische Branche. Gruppe Ehirurgiel Heute bsh Uhr bei Florian, giegelstr. 31, Eruppcnversammlung. ftos öer Partei. Peinliche Taksachen. Wir hotten kürzlich gemeldet, daß im Agitationsbezirk Frankfurt a. M. die unabhängigen Ortsgruppen Limburg und Weilburg zur alten Partei übergetreten sind. Das veranlahte die„Freiheit" am 24. Mai, unsere Angaben als falsch zu bezeichnen. Daß diese Uebertritte der USP. unangenehm sind, ist durchaus begreiflich, aber es Hilst ihr absolut nichts, auch wenn fie noch so oft diese Tatsache« abzuleugnen versucht, denn die Uebertritte sind restlos erfolgt. Wir werden in den nächsten Tagen Uebertritte weiterer Ortsgruppen melden._ Jugenüveranstaltungen. Dir«!» Arbliter-Iugend Groß-Berli«. Lelretariat: NW. 48, Ja de» Zekte« 23. Freiiag, den 27. ZNai, abends 7% Uhr: Dcrnaa. Jugendheim Stadtschule Kronvriuzcnallee, Dartrag:„Sexuelle Hygiene.— Eharlottcnbnrg. Jugendheim Rosmcnstr. 4, v. I l.. Bortrag: „Sozialistische Jugendbewegung".— Neukölla-Süd. Jugendheim Rogatstr. 53, Vortrag:„Die Bedeutung der Internationale".— Osten, Petersbarger Viertel. Jugendheim Schule Straßmannstr. 8, Vortrag:„Entstehung der menschlichen Gesellschaft".— Schöuebcrg I. Jugendheim Rubensstraße, Ecke Hauptstraße. Lichtbildervortrag:„Wanderungen durch den Teutoburger Wald".—. Trcp- tow. Jugendheim Elsenstr. 3, Vortrag:„Sozialismus von der Utopie zur Wiffenschaft".— Weißensee. Jugendheim Woclckpromenade 1(Ledigenheim), Vortrag:„Gesundheitspflege"._.. Sport. Neichs-�rbeiter-Sporttag. Zur Demonstration im Lustgarten. Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß der Askanische Plah als Versaminlungssiätte nicht in Betracht kommt, da er noch im Gebiet der Bannmeile liegt. Alle Vereine, die sich ursprünglich am Askanischen Platz sammeln sollten, haben sich nunmehr am Belle-Alleance-Platz zu sammeln. Turnverein Fichte. Die leichtathletischen Dorkämpfe zu dem am Sonnlag, den 29. Mai, stattsindendcn ZleichS-Arbeitcr-Sporltaq finden nicht um 9 libr, sondern Sonnlag vormittag pünktlich um 11 Uhr statt. Die Kampfrichter meiden sich um 10 Uhr am Haupteingang bei dem VereinJ- turnwart von.Fichte", Tg. Meher. Die jugendlichen Turner und Turne- rinnen treffen sich vormittags 11 Uhr Bahnhos Witzleben zum gemeinsame» Einmarsch in das Stadion. Arbeiter- Radsahrerbuni»„Solidarität". Fahrwarte! Heute, Freitag, abends 7 Uhr, Rungestr. 7, Zentralsahrwartsitzung. Erscheinen ist Pflicht I— Sonnabend, den 28. Mal: Auf zur Demonstration nach dem Lu st garten! Start 5 Uhr pünktlich an den zuerst bekanntgegebenen Stellen. Erscheinen aller Bundesgenossen ist notwendig.— Sonntag, den 29. Mai, Starts 12 Uhr an den be« kannten Stellen zur Fabrt nach dem Stadion. Sammelstart umstände- halber Tiergarten.„Großer Stern", 12'/z Uhr, nur ein Blumenstrauß am Steuerrohr und Abtellungsbanncr, Schärpen. Die Bundesgenossen vom 2. und 2l. Bezirk treffen sich gleichfalls dort. Bund der Arbeiter-«tusikvercine. Zur Demonstration am Sonn- abend, den 28. Mai, begeben sich alle Bundesvereine, die nicht anderweit eingestellt sind, nach dem nächstliegenden Sammelpunkt. Mandolinenver- eine, die in der Lage sind, Marschmusik zu machen, wollen dieses dem Zug- ciniteller melden, damit eutsprechendc Emraiigierung ersolgcn kann. Samtliche Bundesvereine versammeln sich sosort nach Eintreffen im Lustgarten auf der Domtreppe.— Am Sonntag, den 29., treffen sich die Bundesvcr- eine beider Gruppen im Stadion um'/.S am Haupteingang unter dem großen Tunnel. Blölervereinc baben hierzu folgende Musilstücke mitzu- bringen: Amazonen-Ouverture, Hoch Heidecksburg, Wiener Bürger, Walzer. Genoffen, zeigt an diesen Tagen, dag auch unsere noch junge Organisation bereits Vollwertiges leistet und sorgt dasür, daß jeder Verein geschlosse» teilnimmt. Arbciter-Tamariter.jtolonne Derlill S. B. Am Sonnabend, den 28. b. M.» treffen sich die Mitglieder anläßlich der Sportdemonstration im Lustgarten. Arbelter-Radfahrer-Derci»„Groß-Berlin. Sonntag früh 4 Uhr Freien- walde— Eberswalde. Rachmittag 1 Uhr Ladcburg bei Bernau. Start Marian» nenplatz. Tauristen-Berela„Die Naturfreund«"(Ortsgr. Berlin), Abt. Norde». Der für den 27. Mai angesetzte Bortrag über Naturdenkmalpflege von Herr» Dr.»lose findet erst am Freitag, den 3. Juni, 8 Uhr abends, Grunewald- straße S— 7, statt. Verantw. für den redakt. Teil: Dr. Wcrncr Leiser, Charlottenburg: für Anzeigen! Tb. Glocke, Berlin. Verlag: VortoärtS-Vcrlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärts-Buchdruckerei u. BerlagSanltalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindentlr. 8. Hierzu 1 Betlage. iJM ätTvc&y -v"" ckn-""«�" DÜJAPDtN&.C9 0.m.b.n UPD1N6EN Dtl. ä LAPOCtlELLE icocnAc-oiakntc MJßirwt General-Vertreter für Groß-Berlin und Brandenburg: Ernst Moritz, Cbarlottenbar-;, Kaiserdamm 114 Telephon: Amt Wilhelm Nr. 4946 und 494/. liir Herren- a. Daraea-Bekleidung „Aparte Neuheiten" Verkauf meterweise Koch& Seeland G m Gertraudtcnstraße 20— 21 b, H, Naiur-Buüer Tagespreis Gebrannier Kaffee...pimi IQ00 Kabeljau ohne Kopf, Im Ganzen.... Pfd. 130 Seehechte........................ Pfd. 240 Nordsee-Schellfische.... Pfd. 190 220 Lebende Schleie............... pfd. 9 00 Rehkochfleisch................. Pfd. 650 Rehblätter........................ Pfd. 1250 Junge Tauben............ stück 750 850 Räucherflundern pommersche 390, 420 Schellfische geräuchert.......... Pfd. 2®® Räucheraale mittel, ptd. 1800»tark, pfd.2700 Schweineschmalz garant.rein, Pfd. 960 Tafelmargarine Pfd. 880 i-pfd.-Pak. 900 Margarine aüerfelnste, Va-Pfd.-Paket.. 5 25 Harzer Käse...................... Pfd. 7 40 Harzer Käse(Ausiandsware)......... 950 Briakäse........................... Pfd. 470 Große Salzheringe......... 4 stück Ivo Fettheringe.................... stück 120 Heringsmilch.................... Pfd. 1°» Gemüse Rhabarber..Pfd. 25 u. 50 Pf. Salat......... groSer Kopf 30 Pf. Radieschen...... 2 Bund 25 Pf. Kohlrabi....... 1 Mandel 350 Neue ital. Kartoffel Pfd. 250 Beelitz. Spargel... Pfd. I30 275 Grüne Stachelbeeren 230 Zitronen... suick 60 u. 80 Pf. Wurstwaren Rot-u.Zwiebelleberw. 1200 Landleberwurst...... Pfd. 1400 Sülzwurst............. Pfd. 1300 Jagdwurst............ Pfd. 1900 Bauernmettwurst...Pfd. 1900 Mager-Speck(deutsch.) 2100 Mausschinken �«.Tid.2600 Schinkenspeck von„UÄ. 2600 einsM. Flastfie and Steuer 1919 Langsurer Mn,el..... 1320 Tarragona n>«u.«-ls.'/.lli-seb-2823 TarragOna rot n. weiß, VjFlesche 1 5 50 S pan. Ve r m o uth.. v. Fische 2 6 50 Sherry Cadix.....'i.�ch.SQ00 Weinbrand Verschnitt 4200 »/, Flasche 22°° Apfelwein____ ViPlasche 5� bei 20 Raschen 4� Im Erfrischungsraum: Gefüllter Streuselkuchen G00 1919 Edesheimer Rhein.. 1580 1919 Wincheringer»->--> 1640 1918 Panades-pan. wemwem 1760 1919 Montagne lrnaÄf�. 1580 19 17 Priorato SS..T". 2450 Frisches Fleisch Rinderkamm u. Brust 1100 Rinderquerrippe..... Pfd. 1050 Schmorfleisch m.Knochen 1200 ROaStheef mit Knochen... Pfd."IS Kalb-Vorderfleisch Pfd. 950 Kalbskeule ganz oder geteilt Kalbs-Nierenbraten 1100 Gouiasch.................. Pfd. 1100 Genacktes Rind- u. Schweineft. 1 2 Rosinen Pudding mit Mandeige- schmack........................... Pfd. Pudding Pulver mit verschiedenem Geschmack........................ Pfd. Hafermehl'ose.................... Pfd. Coo 500 äm Reisebüro Wertheim Leipziger Platz und Königstraße Alle Fahrkarten ohne Auf s thlag A'Vfcrtüeim