Nr. 247 ♦ ZS.�ahrgang Musgabe A Nr. 124 Bezugspreis» Bierteljährl. 30,— 3IU monatL 10,— R. frei ins Saus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 10.— M. einschl. Zu- stellungsgebllhr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, das Saar- und Memelliebiet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polen«, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20,— M, für das übrige Ausland 27,— M. Post- beftellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscherbo- Elowalei. Däne- wart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der.Vorwärts" mit der Sonntags- deilage»Voll und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage.Heimweh" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tag« und Montags einmal. Telegramm- Adrefle: «Sozialdemokrat Berlin" Morgen Ausgabe Vevlinev NolksblAtt (�30 Pfennig) Anzeigenpreis i Die achtgespalten» Ztonpareillezelle tostet bcho M«Klein» Anzeigen" das settgedruckt» Wort ichv M. izu- läsfig zwei fettgedruckte Wonel, fedes weiter« Wort ü— M Stellengesuch» und Schlafftellenanzetge» das erst» Wort i,— M. fedes weiter» Won SO Pfg. Worte llber 15 Buchstaben zählen für zwei Wort». ffamilien-An- >e«gen für Abonnenten geil» St Die Preise verstehen stch einschließlich Teuerungszuschlag, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 8 Ahr nachmittags Im Hauptgeschäft, Berlin EW«3. Linden- straße 3. abgegeben werden. Geässnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der roztaldemokratirdscn partci DcutfcbJands UeSaktion und Expedition: EM 68, Lindenstr. 3 -97 54 SSfrtt türfifi fr• Redaktion Morihplat, 15195 zytcnivrcnicr. �px�ition Mtoritzplat? 11753- Sonnabend, den 88. Mai 1981 vorwärtS'verlag G.m.b.H., SV 68, Lindenstr. 3 Srernkl»ri?d,ef Berlag, Kxhcdition und Inseraten- �ernkpreryer. Abteilung Morittplak 11753-54 ltnglifth-italiemsther Teilungsplan? Paris, 27. Mai.(EP.) Die britische Regierung nimmt den Vorschlag der italienischen Regierung, die Teilung Oberschlesiens belrefsend. an insoweit, daß sie die sofortige Zuteilung au Deutschland der zehn kreise kreuzburg, Rosenberg. Oppeln- Stadt. Oppeln- Oaud, L c o b s ch ü h. Oberglogau. Sasel, Lublinih. Ratibor-Stadt, Ratibor-Laad und die s o s o r l i g e Zuleiloug der zwei Sreise Plef; und Sybnick an Polen befürwortet. Mas die kreise Veuthen-Stadt. veuthen- Land, Sattowitz- Stadt, Sattowih-Land, Königs- Hütte. Gleiwlh, hindenburg, Groß- Strehlih, T a r n o w i h anbelangt ldas sind die strittigen kreis« des Industriegebiet»), so schlögt die britische Regierung vor, eine genaue Untersuchung einzuleiten, während welcher diese Gebiete weiter unter der Kontrolle der Interalliierten Kommission blei- b e n werden. Die Untersuchung würde von einer S a ch v e r- ständigentommission ausgeführt, die einen Vorschlag, die Grenze betreffend, an die Alliierten machen würde. Der i lalle- uische Vorschlag sieht die vildung des Industriegebiets in Ober- fchleflen ähnlich wie im Saargebiet vor. unter derkontrolleder V ö l t e r b u n d st a a t e n. Italien dementiert. Paris, 27. Mai.(MTB.) Die italienische Botschaft teilt mit: Die von einigen Zeitungen veröffentlichten Einzelheiten über einen angeblichen Vergleichsoorschlag der italienischen Regierung in der oberschlesischen Frage sind durchaus unrichtig. Dieses Dementi scheint sich allerdings auf andere Presse- notizen, als die obige, zu beziehen. Unterwerfung Korfantps oüer neue§inte� Pari», 27. Mai.(ES.) Sorfanty teilte dem Vorsitzenden der Interalliierten Kommission in Gemeinschaft mit dem Generalstab der polnischen Insurgenten seine Bereitwilligkeit mit. sich den Entscheidungen der Entente zu fügen nnd die Autorität der Interalliierten Kommission anzn- erkennen. In der Mtteilnng wird weiterhin gefordert, doh die Kommission alle nötigen Mahnahmen ergreife, durch die die Sicherheit in jenen Gebieten gewärleistet wird, in welchen die Herrschast dieser Kommission wiederhergestellt wurde. » Ein bei Schluß des Blattes eingegangener WTB.-Lagebericht berichtet allerdings von neuen, heftigen Kämpfen im ge- samten Aufstandsgebiet. Benthe« gefährdet-! Oppeln, 27. Mai.(WTB.) Aus Beuthen wird gemeldet, daß am 23. die Polen versuchten, in Beuthen einzudringen. Sie kamen bis vor das gerade gegenüber dem Beuthener Hauptbahnhof ge- legene deutsche Plebiszitkommissariat und verließen es erst, nachdem die französisch»» Soldaten mit ihnen Unterhandlungen ge« pflogen halten, in der Richtung Heinitzgrube zum Promenaden- restaurant. Sie überfielen zu gleicher Zeil die im Stadtpark ge- legene Wohnung der Polizeibeamien Böhm und Görlitz, ver- mundeten Böhm durch Bauchschuß und verschleppten Görlitz. Böhm ist diesen Perletzungen erlegen. Korfantys Blatt verboten. Rakibor, 27. Mai.(DA.) Die.vberschl. Grenzzeitimg' ist bis auf weiteres von der I. K. verboten worden.— Schärferer Kurs oder Geste? Kreiskontrolle zwecklos. Oppeln. 27. Mai.(WTB.) Vorgestern nachmittag find der englische KreiSkontrolleur von Rosenberg sowie der französische und italienische Beigegebene deS Kreiskonlrolleurs in Oppeln eingeiroffen. Sie haben Rosenberg endgültig verlassen mit der Begründung, daß sie ohne jede Autorität seien, um auch nur den geringsten Schutz für die Aufrechterhaltung der Ordnung in Rosenberg noch auszuüben. Dieses ist der erste Fall, daß die Behörde eines Kreiskontrolleurs gänzlich aufgelöst wird. Mit Korfanty nicht! Berlin, 27. Mai.(WTB.) Die Firma Berl sollte als einzige von den Wiener Kohlengroßhandelsfirmen eine Aufforderung KoifaniyS, zu Berhandluugen über Lieferungen aus Oberschlesien Vertreter nach Sosnovice zu entsenden, nicht abgelehnt baben. Jetzt erklärt der Inhaber der Firma, daß selbstverständlich zwi'cben ihm und dem.Kohlenräuber Korfaniy" keinerlei Beziehungen ve- standen und keinerlei Verhandlungen geschwebt hallen. Ein englischer Major mißhandelt. London. 25. Mai.(EP.) Powische irreguläre Truppen haben Major Powell, den britischen Offizier in der inter. alliierten Kommission für Oberschlesien, verhaftet. Er wurde roä behandelt und mußte zwischen anderen Gefangenen in einem 4..Klasse-Wagen reisen. Der Major ist jedoch aus Vermittlung des französischen Oberbefehlshaber» freigelassen worden, lieber diesen Porfall hat die britische Regierung der polnischen Regierung eine Kot« überreicht. die Linke feiert drianüs Sieg. Paris, 27. Mai.(EE.) Der Sieg Briands im Parlament muß als großer Erfolg der Linkspolilik angesehen werden. Alle republikanischen Zeitungen triumphieren heute, und die Rechtspresse kann nur schwer ihren A e r g e r verhehlen. Die Linkszeiwngen unterstreichen die friedliche Wendung in der europäischen Lage, die Briand in seiner Rede schildert. Pariser Zeitnngsentc. WTB. meldet: Der„Matin" behauptet in seinem heutigen Leitartikel, die französische Regierung habe der deutschen Regierung ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, daß Dr. Rosen mit dem Amte des Außenministers betraut wurde. Hierzu erfahren wir von amtlicher Seite: Die Rachricht ist f a l f ch, ein solcher Schritt(der übrigens der Gipfel der Dreistigkett wäre. Red. d. „V.") ist nicht erfolgt. Vi» möbten yoii-m daß die k a zäsifche Regierung dieser unerhörten Behauptung des Pariser Hetzblattes inzwischen selbst entgegengetreten ist._ Die HarantiekymmWon. Paris, 27. Mai.(EE.) Die Reparationstommission veröffentlicht folgende Erklärung: In der heutigen Sitzung wird sich die Reparationskommission mit der Einsetzung des Garantiekomitees zu beschäftigen haben, daß am 30. Mai seine Tätigkeit aufnehmen soll, wie die Deutschland mitgeteilte Rote vom 15. Mai vorschreibt. Die Reparattonskommission wird auch die Konsequenzen zu erörtern haben, die sich aus dem Aus- bleiben der oberschlesischen Kohle aus Deutschland aus Anlaß der jüngsten Unruhen aus Oberschlesien ergeben haben. Wie der„Temps" hierzu mitteilt, wird in dem Garantiekomitee Amerika, Frankreich, England, Italien und Bei- gien vertreten fein. Der Sitz ist in Paris; in Berlin wird dagegen ein A u s k u n f t s- und ein Kontrollbureau errichtet werden. Die Garantietommission wird jene Reichseinnahmen zu überwachen haben, die am 1. Juni zur Bezahlung der Zinsenamortisation der deutschen Schuldverschreibungen verpfändet werden sollen. Diese sind besonders die Land- und Seezölle, die beim Eintritt nach sowie beim Aus- t ritte von Deutschland erhoben werden. Hierzu kommt noch die 2Sprozentige Ausfuhrabgabe. Tie Goldmilliarde bezahlt. Wie das»Berl. Tgbl.' erfährt, sind nach den 150 Millionen Goldmark am Freitag 2v Schatzscheine nach Paris im Betrage von je 10 Millionen Dollar abgegangen, deien Gesamtwert rund 850 Millionen Goldmark entspricht. Den Londoner Bedingungen gemäß tragen sie das Indossament anerkannter deutscher Banken und find teils in London, teils in Paris, teils in New Jork zahl- bar. Die Uebergabe dieser Schatzanweisungen wird wahrscheinlich am Sonnabend erfolgen. Aus einer Erklärung des nordamerikanischen Staats- sekretär« ergibt sich, daß die U. S. A. gar nicht daran denken, den Alliierten ihre Darlehen zu scheu len. Denkschrift über Vertragserfüllnng. DaS Auswärtige Amt veröffentlicht eine Denkschrift über die Erfüllung deS Vertrages von Versailles bis zum 1. April 1Ö21. Im allgemeinen sind da die durch Annahme des Ullimalums her- beigesührten venderungen der Entwaffnungs» und ReparatiovS- diltale noch nichl Berücksichtigt worden. Als außerhalb des Zweckes der Denkschrift liegend, sind kritische Bemerkungen über die einzel- nen Bestimmungen deS Vertrages und ihre Ersüllharkeit oder Nicht- erfüllbarkeit grundsätzlich vermieden worden. In der Vorbesprechung wird erklärt, daß diese Denkschrift nicht nur zeige, welches unge- heure Maß von behördlicher Arbeit in Deutschland geleistet worden sei, sondern auch jedem Unparteiischen eine Handhabe bietet, sich ein Urteil darüber zu bilden, ob Deutschland es an dem festen Willen, dem Vertrag von Versailles gerecht zu werden, hat fehlen lassen oder nicht. Strafzollergebnisse. Der britische Schatzkanzler teilte im Unleihause mit, daß der bisherige Gesamtertrag der auf deutsche Waren gelegten Abgabe sich aus 10 000 Pfund Sterling belause, wobei jedoch berücksichtigt werden mutz, daß seit dem 13. Mai die Erhebung der Abgabe in Höhe von 50 Proz. infolge des UltimaiumS durch Deutschland auf 26 Proz. herabgemindert ist. kabinettsvechsel in ftngora. Konstantinopel. 27. Mai.(WTB.) Die neue Regierung in Angora, an deren Spitze General Ferid Pascha als Kom- missar für den Krieg und Iussuf Kemal Bey als Kommissar für Auswärtiges stehen, ist nunmehr oon der Nationalversammlung vollzählig gewählt worden. Mit Ausnahme der Kommis- soriate für Finanzen, Inneres und Justiz haben die Mitglieder der neuen Regierung dem zurückgetretenen Kabinett an- gehört. General Ferid Pascha und Iussuf Kcmol Bey haben die Regierung von Angora feinerzell ans dem Alvskauer Kongreß ver- hinter den putsth-Kulissen. Nene Enthüllnngen Panl Levis. Der Führer der Rechtskommunisten, Dr. Paul Leoi, laßt soeben im Verlag von Seehof u. Co. den Wortlaut der cr in der Sitzung des Zcntralausfchusses der VKPD. am 4. Mai d. I. gehalten hat. Dem Text geht ein Borwort voran, in dem Levi noch einmal mit der„im 1 1 15 1�4" VS VS„t.-f:.r.-._< y-y—,-», ,J *icffkn Snneni unehrlichen, ja verlogenen Existenz" der VKPD.-Zentrale scharf abrechnet und als Erfol'' Anklage folgendes feststellt: abrechnet und als Erfolg seiner In der Sache hat meine Anffassnng schon heule gesiegt. Nicht nur ist keine Rede mehr davon, die„Leviten" aus der Partei hinauszuwerfen, die hohe Zentral«, bis sich bereits als Sternkammer etabliert hatte, ist heute froh, als Sekretär. kollegium weiterwursteln zu dürfen, der Feldherrnhügel, von dem herab man die„Offensive" zu kommandieren wähnte, ist ver- lassen, und man gewinnt allmählich sogar Zeit, über die Hetze gegen mich auch die Schäden zu besehen, die die Märzaktion der Kommunistischen Parte! zugefügt hat. Es sind inzwischen Leitsätze angenommen, die einer Köpfung jener Zentrale gleichkämen, die die Märzaktion„gemacht" hat, wenn es nicht ein Widerspruch in sich selbst wäre, von Käpfung zu reden, wo kein Kopf ist. Schon dieses Vorwort läßt erraten, daß Levi in seiner Rede seinen Gegnern nichts schenkt. Sie gipfelt in der An- klage: Die Partei hat ihre alten Wege verlassen, war in ein Verhängnis gerannt, es gab nur eine einzige Reparatur, die im- stände war, die Krankheit mit einem Schlag an weiteren Aus- brächen zu hindern, man sagt medizinisch: zu coupieren, und diese eine Methode war nicht, Mißtrauen gegen die Zentrale zu säen, sondern das ganze politische verbrechen, den ganzen verrat an den bisherigen Grundsätzen der Partei rücksichtslos anfzndecken und zu brandmarken: das war die Coupierung der Krankheit, und das gebe ich ruhig zu getan und versucht zu haben. Dem ferner Stehenden mag es im Augenblick nicht ganz klar fein, wieso die Kommunisten, die doch auch schon vor dein März d. I. wahrlich oft genug geputscht hatten, durch die Märzaktion ihren Weg verlassen haben sollen. Man muß sich aber daran erinnern, daß es schon von Anfang an, schon im Spartakusbund, zwei Richtungen gegeben hat, von denen die eine den Putschismus predigte, die andere ihn ver- warf. Schon auf dem Weihnachtsparteitag des Bundes kämpfte Rosa Luxemburg gegen den verbrecherischen Irrsinn des Planes, die Wahlen zur Nationalversammlung gewaltsam zu verhindern, mit den Worten:„Maschinengewehre gegen allgemeine Wahlen— das ist eine schlechte Parole". Ueber die inneren Kämpfe während des Ianuarputfches von 1919, die durch äußerliche Solidarität verdeckt wurden, machte nun Levi folgende sehr interessante Ausführungen: Und nun ist mir weiter eingewendet worden, die Haltung von Rosa Luxemburg damals, im Ianuaraufftand 1919, die sei doch anders gewesen. Ja, das erkenne ich auch an, ich vergleiche mich nie mit Rosa Luxemburg. Aber was ist hier der Unterschied? Man sagt, auch Rosa Luxemburg sei damals gegen die Attton ge- weserr, und doch hätte sie Artikel und Aufruf« geschrieben. Doch Sie wissen, Genosse Meyer, daß auch ich damals der Bewegung ab- lehnend gegenüberstand, und daß auch ich damals Flugblätter und Artikel schrieb. Und warum so? Aus dem ganz anderen Ge- sichtspunkt heraus, daß dort große Massen irrten und nicht ein kleines Können tikel von Führern nichtirrend« Massen in das Verderben jagten, und daß damals eine wirkliche, groß«, gewaltige, spontane Massenbewegung war, daß damals im Berliner Tiergarten mehr Arbeiter aus einmal standen als diesmal in ganz Deutschland auf die Berne kamen. Und, Genosse Meyer, Sie waren, glaube ich, nicht mehr zu- gegen, aber ich denke, Genosse Pieck war bei jener Sitzung in der Puttkamersttaße, als wir mit Karl Liebknechts Haltung in Wider- spruch kamen! Sie erinnern sich, wie Karl Liebknecht widerspenstig war. und Sie erinnern sich, wie Leo Iogiches damals es war. der den Vorschlag machte, noch jetzt, während der Aktion eine scharfe Erklärung in der„Roten Fahne" zu veröffentlichen, die von Karl Liebknecht ganz deutlich abrüthe, die einfach erklären sollte: Karl Liebknecht vertritt den Spartakusbund nicht mehr bei den revolu- ttonären Obleuten. Sie wissen genau, wie ablehnend Rosa Luxem- bürg dem Verhalten Karls gegenüberstand und wissen, wie fiharf ihre Kritik war; und sie wäre im Augenblick, in dem die Aktion zu Ende war, mit ihrer Kritik gekommen, sie hätte auch nicht gewartet bis w den Juni, wo der letzte Gefangene des Ianuaraufstandes ab« geurteilt war. Und ich glaub«, Genosse Pieck, Sie werden es auch wissen, daß die Genossin Rosa Luxemburg damals sogar den Gedanken hatte, es könne nicht mehr lange gehen mit Karl Liebknecht zusam- wen. so scharf lehnte sie sein Verholten damals ab. Sie har nicht mehr geschrieben, nicht weil sie der Ausfassung war, daß die Kritik Sache der Geschichte und nicht des politischen Kampfes fei, sie hat nicht mehr geschrieben, weil ihr der Tod die Feder nahm. Es ist rrnmässlich. diese Worte ohne tiefe Erschütterung zu lesen. Damals standen die Sozialdemokratie nnd der „Vorwärts" in der Bekämpfung des wahnsinnigen Unter« nehmens innerhalb der Berliner Arbeiterbewegung ganz allein. I Angegriffen, beschimpft, besudelt, mit dem Tode bedroht, wahrten wir unseren Standpunkt. Auch die Unabhängigen gingen damals gegen uns mit den Putschisten. Und jetzt stellt sich heraus, daßRosa Luxemburg und Levi über jenen Aufstand im Grunde ihres Herzens genauebensodachtenwiewir. Der Unterschied war nur, daß jene glaubten, aus Gründen der Solidarität mit dem Unternehmen Karl Liebknechts, dem der helle Wahnsinn aus den Augen leuchtete, vorläufig mitgehen zu müssen, während wir es als unsere Pflicht erachteten, dem tobenden Wahnwitz die Stirn zu bieten, die Republik und die sozialistische Arbeiter- bewegung aus der Katastrophe zu retten. Die Erfahrung zeigt, daß w i r r i ch t i g gehandelt hatten� Rosa Luxemburg und Levi aber falsch. Levi lebt in Illusionen der Vergangenheit, wenn er von einer„spontanen Massen- bewegung" spricht— hätte die damals bestanden, so wäre sie nicht so rasch vollständig zusammengebrochen. In Wirklichkeit waren neun Zehntel der Berliner arbeitenden Bevölkerung, gering gerechnet, über das verwüstende Treiben der„Spartakisten" empört, der Haß gegen die Anstifter des Unheils war bis weit in die Arbeiterkreise hinein ungeheuer, man war bereit, Hilfe anzunehmen, gleichgültig, woher sie kam. Die bedauernswerte spartakistische Besatzung des„Vor wärts"-Hauses kämpfte auf verlorenem Posten vollkommen isoliert, während sich alle Räder drehten und niemand im großen Berlin daran dachte, ihr Hilfe zu bringen. Rosa Luxemburg und Levi haben damals die Aufgabe der Führer in tragischer Weise verkannt. Ihr Irrtum, der sie und manchen anderen zur Solidarität mit Wahnsinnigen und Abenteurern bedenklichster Art verband, entsprang achtungs- werten Motiven und erscheint heute menschlich verständlich. Uns Sozialdemokraten aber kann die späte Aufklärung zur tiefsten Genugtuung ge- reichen, wir dürfen heute st alz darauf sein, daß wir aufrichtige und offene Berater und Warner der Arbeiter blieben, auch damals, als man uns dafür zu st einigen drohte. Und was wir damals waren, das wollen wir bleiben!_ Lügen über öas Gewerkschafiskartelt. Die„Rote Fahne" brachte am Donnerstag abend eine phantastische Meldung über Matznahmen des Breslauer GeWerks chaftskartells zur Bewaffnung der Bres- lauer Arbeiter. Dazu erklärt der Vorsitzende des GeWerk- schastskartells Breslau, datz die Meldung vollständig unrichtig sei. Das Gewerkschaftskartell befaffe sich be- kannlich nur mit wirtschaftlichen Angelegenheiten und habe einen derartigen Beschluß, über dessen Ausführung die „Rote Fahne" schon Einzelheiten wissen will, niemals gefaßt. Damit fallen Darstellung und Schlußfolgerung der„Roten Fahne" in sich zusammen._ Die Neuorünung öes Reichs. Minister Gradttauer an die Neichstagsfraktioneu. Der Reichsminister des Innern, Genosse Dr. Grad- n a u e r, hat an die Fraktionsvorsitzenden der im Reichstag vertretenen Parteien ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Nach Artikel 13 und 167 der Reichsverfassung werden vom 14. August 1921 an die zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner das Recht haben, Abstimmungen über die Aenderung des Ge- Metes von Ländern und die Neubildung von Ländern innerhalb des Reiches zu oerlangen. Sofern solche Bestrebungen dahin gehen, die kleinsten der'deutschen Länder mit anderen Län» dern zu vereinigen oder Exklaven, die keinen räumlichen Zu- sammenhang mit dem Hauptgebiet ihres Landes haben, an da» sie umgebende Land anzugliedern, mögen aus der gegenwärtigen Lag« Deutschlands erhebliche Bedenken dagegen nicht bestehen. Ander» liegt es, wenn Bestrebungen zur Anstrebung größerer Gebietsteile von einzelnen Ländern hervortreten sollten und dadurch Anlaß zu erregten parteipolitischen Auseinandersetzungen gegeben würden. Der furchtbare Ernst der innerpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands und die Rücksicht auf das Ausland erheischen gebieterisch vorerst solche Neugliederungswünsche großer Art zurückzustellen und sede vermeidbare Beunruhigung von der Bevölkerung fernzuhalten."_ Das Programm öer Reichsregierung. Wie der Reichskanzler auf eine Anfrage des ReichstagS- präsidenten mitgeteilt hat, wird die Erklärung der Reichs- regierung über ihr Programm am 2. VerhandlungStage des Reichstages, also am 1. Juni erfolgen. Das Reichskabinett trat gestern nachmittag zu seiner Sitzung zusammen, deren Hauptgegenstand die Reparations- frage bildete._ Zalsch gelesen! Gen. Scheidemann veröffentlicht in der„Soz. Korr." einen Artikel, in dem er einen früher von ihm im„8-Uhr- Abendblatt" veröffentlichten Artikel kommentiert. U. a. schreibt er: Ich habe gar nicht, wie törichterweise mir unterstellt wird, für Neuwahlen auf jeden Fall plädiert,«in solcher Wahlfonatiker bin ich wirklich nicht. Freilich trete ich für Neuwahlen ein, falls die Reichsregierung für ein klares Programm, das uns genügt und von dem angenommen werden darf, daß es unsere Verpflichtungen der Entente gegenüber zu erfüllen vermag, eine feste Mehrheit im Reichs- tag« nicht findet. Und zwar will ich unter den erwähnten Um- ständen Neuwahlen, weil ich eine zielklare Politik will und deshalb ein entschiedener Gegner des politischen Probierens und Wurstelns bin. In dieser Anschauung weiß ich mich vollkommen einig mit zahlreichen Genossen. Es ist mir absolut unerfindlich, wie sich an- dere Genossen darüber beschweren können, daß der Ruf nach eventueller„Auflösung des Reichstags" bereits laut geworden fei. Warum denn? Haben sie Bedenken taktischer Art? Dann wäre es doch wirklich politisch unverantwortlich, in die Welt zu schreien. „Aus parteitaktischen Gründen darf die Auflösung nicht propagiert werden", wie im„Vorwärts" vom 25. Mai 1921 wörtlich zu lesen ist. Alle Versuche, eine Millionenpartei, wie die unsere tak- tisch-geheimnisvoll zu dirigieren, müßten noch kläglicher scheitern als die stühere kaiserliche„Geheimdiplomatie". Eine Politik der Ueber- rumpelung, des.Listen aus dem Busch", setzt einen Zieten voraus und Massen, die an ihn glauben, auf eigene Gedanken verzichten und willig folgen, gleichviel ob es heißt:„rin in die Kartoffeln", oder„raus aus den Kartoffeln".„M i t der Deutschen Volkspartei" oder„nicht mit Stinnes und Strefemann". Ich fasse zusammen: eine Neuwahl auf jeden Fall zu ver- langen, wäre Torheit. Eine Neuwahl unter den von mir ver- langten Voraussetzungen zu fordern, liegt— auch jetzt schon!— sowohl im Interesse unserer inneren wie auch unserer äußeren Politik. Der von Gen. Scheidemann zitierte Satz findet sich in dem Bericht des„Vorwärts" über die Rede, die Gen. Her» mann Müller am 25. d. M. in Tempelhof gehalten hat. Da heißt es:, Schon wurde der Ruf nach Auflösung des Reichstags laut. Aus parteitaktischen Gründen darf die Auflösung nicht propagiert werden. Im Ausland erwartet man, daß die jetzige Re- gierung an die Erfüllung der Verpflichtungen des Ultimatums geht. Auflösung könnte darin Verzögerung mit sich bringen. In Frank- reich steht immer noch der dlac national auf dem Sprung nach dem Ruhrgebiet. Für eine Auflösung muß ein aktueller Anlaß sein. Allerdings ein durch die Recht»- und Linkspartelen herbeigeführter Sturz der Regierung könnte unter Umständen den Anlaß zur Auf- lösong geben. Daraus geht hervor, daß die Genossen Scheidemann und Hermann Müller sachlich gar nicht so weit auseinander sind, und daß Gen. Scheidemann den Satz, gegen den er pole» mifiert, in der Geschwindigkeit falsch gelesen hat. Müller meint,„nur parteitaktische Gesichtspunkte dürften für die Auflösung nicht ausschlaggebend sein, da müßten schon stärkere Gründe vorliegen". Scheidemann versteht:„Aus parteitaktischen Gründen darf über Auflösung nicht geredet werden". Daß die Worte Müllers so n i ch t zu verstehen sind, ergibt sich aus den folgenden Sätzen deutlich genug. Es wäre keine Schande für Scheidemann einzugestehen, daß er sich diesmal verhauen hat. Der Haushaltsplan für 1�21. Der preußische Staatsrat beriet in seiner Freitagssitzung den Haushaltsplan für 1921. Der Berichterstatter Dr. I a r r e s betonte als Meinung des Ausschusses die Notwendigkeit, Preußen stärker an den Reichs steuern zu beteiligen. Den Gemeinden darf die Er» tragssteuer nicht genommen werden. Der neue Haushalt hat em Defizit von 2,3 Milliarden, das sich wahrscheinlich «ms 3,3 Milliarden erhöht Der Minister de» Innern hat eine Erklärung abgegeben, daß eine endgültige Regelung des Gemeindeabgabenrechtes erst dann möglich sei, wenn eine klare Grenzscheidung zwischen den Steuern des Reiches, der Länder und der Gemeinden vorgenommen ist. Inzwischen sollen den Gemeinden wesentliche Unterstützungen ge- währt werden... �_, In der allgemeinen Aussprache erklärte HI l f e r d i n g(U.Soz.): Die ganz« Institution des Staatsrates halten wir für vertehtt. Der Ausschuß hätte an Stelle dieses Flickwerkes von Etat neue Ruht- linien für eine grundsätzliche Reform der Abgrenzung von Reichs-, Landes- und Gemeindesteuern aufstellen sollen. Da» Gutachten des Ausschusses lehnen wir ab.— Freiherr von G a y l(Dnatl.): Eine schleunige Reform der preußischen Verwaltung wäre die beste Spar- samkeitspolitik. Besonders in den Kompetenzstagen herrscht große Verwirrung.— G i l s i n g sZ.): Es muß schleunigst«ine Novelle zum Kommunalabgabengesetz vorgelegt werden, wovei die Gemeinden einen Ersatz für die Ertragsteuer erhalten müssen. Meerseld(Soz.): Wir verurteilen aufs schärffte die Steuer» d r ü ck e r e i, die man überall beobachten kann. Durch den Acht- stundentag ist die'Intensität der Arbeit sehr gestiegen: es liegt nicht im Interesse der Produktion, ihn wieder abzuschaffen. Alle Bestrebungen, den Staatsrat zu einem Oberhause auszu- bilden, würden wir energisch bekämpfen.— S ch löss e t lJWmtn.): Wenn man den Staatsrat, dies Hemmnis feder fortschrittlichen Ent- Wicklung, abschaffen würde, so würde man viele Millionen sparen.— F e g t e r(Dem.): Der Staatsrat muß im Interesse der Gesamtheit als Regulator der Gesetzgebung zweckmäßig ausgebaut werden. Der Ausschußantrag, der den im Haushaltungsausschutz gegebe- nen programmatischen Erklärungen der Staatsreglerung im allge- meinen zustimmt, wird darauf gegen Unabhängige und Kommunisten angenommen.__ »Skegerwald» Kurs." Vor ewigen Tagen brachten die PPR. eine Notiz über das Ausscheiden des sozialdemokratischen Landtags- abgeordneten Weber aus dem Preußischen Landwirtschafts- Ministerium, wo er als Referent die Arbeiterfragen zu bearbeiten hatte. Zu dieser Nachricht veröffentlichen die PPN. nunmehr eme Erklärung„von zuständiger Stelle", in der darauf hingewiesen wird, daß das Ausscheiden des Genossen Weber nach erfolgreicher Beendl- gung seiner Tätigkeit seinem eigenen Wunsch entsprach und daß an seine Stelle ebenfalls ein Mitglied der f o z i a l d e m o k r a» tischen Landtagsfraktion getreten ist. Von einem spateren Ersatz dieses Beamten durch einen ch r i st l i ch e n Gewerkschaftsver- treter sei niemals die Rede gewesen. SkolZ auf die Spaltung. Eine Kundgebung der Moskauer 3. Internationale, die sich mit ihrem für Anfang Juni angesagten 3. Kongreß befaßt, verweist darauf, daß der vorhergehende Kongreß mit seinen 21 Bedingungen die sozialistischen Parteien in Europa ge- spalten habe und daß der neue Kongreß neue kommunistische Bil- düngen aus den abgespaltenen Gruppen herbeiführen werde. Staatliche Jugendpflege in Preußen. Der preußische Wohl- fahrtsminister hat in einem Erlaß neue Richtlinien für die� wirksame Verwendung der staatlichen Iugendpflegemittel und werktätige Mit- arbeit der Jugendlichen bei Herstellung von Geräten usw. aufgestellt Fahrpreiserhöhung auch im besehten Gebiet. Zu der Meldung der TU., daß die Rheinland-Kommisfion die Fahrprciserhöhung ad 1. Juni nicht genehmigt habe, teilt das Reichskommissariat in Koblenz mit, daß die Genehmigung eingegangen ist. Die Rheinland-Kommifston hatte vorher eine nochmalige Erhöhung untersagt, da sie der Annahme war, daß die höheren Preise schon in Kraft gesetzt wären. Dadurch war der Irrtum entstanden. Die Weltkriegsbücherei in Stuttgart. Don W. Eggert, Stuttgart In der bewaldeten Bergkette um Stuttgart liegt dicht am Ufer ve« Neckars das Schloß R o s e n st e i n. Hier ist am 21. Mai die Weltkriegsbücherei eröffnet worden. Ihr Begründer ist der in Berlin wohnhaste, aus Schwaben stammende Großindustrielle Richard Franck, der in Friedrich F e l g e r den trefflichsten Direktor fand. Der Plan der Sammlung entstand im Frühling 1915, als die Wirkung der Luslandspropaganda der Entente sichtbar wurde. Da schien es geraten, alle in der Welt erschienenen literarischen Erzeug nisse, die auf den Weltkrieg Bezug nahmen, zu sammeln, Deutsche lands Fehler zu ermitteln und das ganze Sammelwerk in den Dienst des Rechts und der geschichtlichen Wahrheit zu stellen. Dank seinen Beziehungen zum Auslande konnte Richard Franck das Wert voll- bringen. Im Sommer 1916 begannen in kleinen Anfängen die Sammlungen. Ein sich stetig erweiterndes Netz von Beziehungen in der Heimat, den Etappen, an allen Fronten, in dem damals feindlichen und in dem neutralen Ausland wurde mit unendlicher Sorgfalt gesponnen. Von allen Fronten, allen bedeutenden Städten des verbündeten und neutralen Auslands strömte eine Fülle Sammelgut in der Geschäfts» stelle zusammen, da» allmählich fünf nacheinander gemietete Woh- nungen des alten Berliner Westens füllte. Hingegen gelangte das in den Verbandsländern gesammelte Gut nur gelegentlich zur Ab- lieferung oder blieb aus taktischen Gründen jahrelang im Ausland lagern. Auch jetzt sind noch nicht alle Sammlungen der Kriegs- bücherei zugeführt, so z. B. die von Heinrich Franck, den das Schicksal bei Ausbruch des Krieges in Amerika festhielt. Systema- tisch gesammelt wurde jede wichtige Zeitschrift des In- und Aus- landes, die irgendwelcher politischen, militärischen, handelspolitischen, kulturellen und religlös-nationalen Propaganda diente: ferner Flug- blätter, Plakate, Fliegerabwurfzettel. Veröffentlichungen von Han- delskammern vieler Länder, Stimmen der Vernunft im damaligen Feindland, Zeugnisse des Hasses, Karikaturen und dergleichen mehr. Jede politisch bedeutsame Pressegründung, Dokumente der Wirtschaft- lichen Propaganda und 4000 wertvolle Zeitungen. Nicht weniger wichtig war da» Sammeln der politischen Geheimliteratur seit 1916. C» entstanden neben der 50 000 Druckschriften umfassenden Buchabteilung und der 4000 komplette Zeitungen und Zeitschriften umfassenden Presseabteilung eine 10 000 Blätter enthaltende Plakatsammlung aller vom Kriege mittelbar oder unmittelbar betroffenen Staaten. Ebenso eine Sammlung sämt- licher Maueranschlöge au» der Heimat, dem damaligen Feindlond, den Etappen und den besetzten Ländern. Des weiteren «ine Notgeldjammlung von etwa 9000 Schemen und Geld- stücken, eine größere Kriegsphotographiensammlung, eine Sammlung von Landkartenwerten, eine solche von Kriegsmusikalien, eine Spezialsammlung von vielen K u- riositäten. Mit Ausbruch derrussischenRevolution im Jahre 1917 wandte sich die Sammlung teilweise den Revoltionsdent- Würdigkeiten zu. Soweit überhaupt noch erhältlich, wurde alles einschlägige Material gesammelt aus Sowjet-Rußland, Sowjet- Ungarn, besonders aber aus Deutschland und den verschiedenen Staaten, in die Deutschösterreich nach den geschichtlichen November- tagen von 1918 zerfiel. Jede charakteristische Zeitung und Zeit- schrift, die der Umwälzung von 1918 ihre Entstehung verdankte, die papierne Sintflut von Flugzetteln der politischen Wirren und Putsche der letzten Jahre in Deutschland, das Propagandamaterial der um- gruppierten und neuentstandenen politischen Parteien. Maueran- schlüge aus dem besetzten Westen und den Grenzgebieten wurden gesammelt. Die Weltkriegsbücherei ist zugleich Reoolutionsbücherei. Am Tage der Eröffnung waren etwa drei Fünftel ihrer Bestände Kriegssammlung, ein Fünftel Revolutionsdenkwürdigkeiten und ein Fünftel Nachkriegsliteratur. So ist sie eigentlich die Bücherei einer ganzen Zeitwende. Die Weltkriegsbücherei ist Präsenzbibliothek, ihre Be- stände können im allgemeinen nur im Lesesaal und in den Arbeits- räumen des Rofenstein benützt werden. Nur in einzelnen befon- deren Fällen sollen Druckschriften nach außerhalb verliehen werden. Für Forschungszwecke stehen die Magazine bereitwilligst zur Ver- fügung. Im Laufe der nächsten Jahre sind periodische Aus- sie Hungen geplant, wobei einschneidende Zeitfragen erläutert vorgeführt werden sollen. Wie der württembergische Staatspräsident Dr. H i e b e r bei der Eröffnungsfeier in warmen Worten der Dankbarkeit ausführte, hat es sich die württcmbergifche Regierung angelegen fein lassen, die Weltkriegsbücherei in das Geburtsland ihres Schöpfers und Pflegers zu bekommen. Möge sie mt dem schönen Fleck Erde, der sie beherbergt, der Menschheit ein Quell der Wahrheit und des Friedens werdenl Die Jahrhunderlfeier des Schauspielhauses. Der Schinkel-Bau vielleicht die edelste Architekwr Berlins, feiert« sein Jubiläum. Auf dem stolzen Gebäude wehte die schwarzrotgoldene Flagge, und drin- nen spielt« man«in republikanisches Stück. Welch ein Brimborium von höfischen Zeremonien und Ungeschmack hätte uns Wilhelm be- schert, wenn er zwar nicht Schinkel, der auch bei der ersten Ein- weihung klugerweise fehlte, sondern sich und die Hohenzollern bei diesem Anlaß gefeiert hätte! So ging's ohne den Stabträger Hülsen, ohne Prolog, ohne Ordensregen und Hofpomp— republikanisch würdevoll einfach. Das Haus spricht für sich selbst, soweit es nicht durch Wilhelms Hofgipsbäcker verunstaltet ist, und kündet wirtsamer als alle Fanfaren feinen Ruhm. Feierlich ertönt Beethovens un- sterblich«„Beihe de» Hauses" von der schlichtgehaltenen Bühne, unter Schillings Leitung. Und dann spricht die Tat: Ießners und seiner Künstler beste Leistung, Schillers„F i e s c o, erfüllt Bühne und Haus mit lebendigster Wirklichkeit. Frisches Vor- wärtsstreben, verheißungsvoller Neubau wird sichtbar, und es be- wahrheitet sich, was Reichspräsident Ebert glückwün'chend geschrieben hatte:„Die Leitung hat es verstanden, der Aufgabe, Bildung und Geschmack für ernste Kunst in die weitesten Volkskreise zu tragen, insbesondere das Interesse für unsere großen Dichter durch mustergültige Vorstellungen zu vertiefen, trotz mannigfacher Schwierigkeiten gerecht zu werden." In Intendant Ießners Arbeit steckt Architekturgefühl, das jeder großen Kunst zugrunde liegen muß— wie in Schinkels Steimverk. Wie er die Szene baut und die Darsteller(und vorzüglich die Massenszenen) im Architektonischen gruppiert, das ist prachtvoll konstruktiv. Und seine Leute(Deutsch, Kortner, Kraußneck, Legal an der Spitze) erfüllen den Rahmen mit allem Glanz fortreißender Gestaltung. In der Pause konnte man den unveränderten Konzertsaal In seiner strahlenden Schöne genießen, der Schinkels dekorative Be- gabung herrlich bezeugt. Dekorationsentwürf« für die Bühne, in denen Schinkels reiche Phantasie sich auslebte als Ersatz für Bauten, waren darin ausgestellt. Di« Prospekte für die „Zauberflöte" und andere Opern, aber auch für die„Jungfrau von Orleans" oder das„Käthchen" offenbaren vollen Stimmungsgehalt — r. Ein Handbuch der Kunst. Das Kunsthandbuch, das der Malerarchitekt W. D r e ß l e r unter großen Schwierigkeiten begründet und mit hingebender Treue durch eine Reihe von Jahrgängen weiter- geführt hatte, war sieben Iabre ausgeblieben. Jetzt ist es wieder erschienen, und zwar liegt zunächst der 2. Band vor: das alphabetische Verzeichnis der lebenden bildenden Künstler, Kunstgelehrten und -schriftsteller.(Verlag von E. Wasmuth, Berlin.) Angegeben sind außer Namen, Beruf, Adresse, Ausbildung auch möglichst die Werke. soweit sie sich in öffentlichen Sammlungen und Gebäuden befinden. Der erste Band, der den allgemeinen Apparat der kunsthistorischcn Künstlerorganisationen usw. enthält, wird hoffentlich bald folgen. Trotz der Unterstützung der Ministerien und Künstlerschasten war die Beschaffund und Verarbeitung des Materials sehr erschwert. Um so mehr Dank ist dem Herausgeber geschuldet, der fein nützliches Wert jetzt wieder oermehrt und verbessert in den Dienst der Ällgemeinbeit stellt._ Theater. Die Erstauffilhrung des SchwankS von Labicke.D er Stroh- but" findet Mittwoch, den 1. Juni, in den Kammerlpielen statt.— Am 2. Juni beginnt im Lelsing-Thcater die Sommeridielzelt mit VresberS und SteinS Lustspiel.Die Ballerina deSKonigS".— In der„SommernachtStraum". Auffährunq des Großen Schauspielbauses spielt Montag, den 30. Mai, den Oberon Artbert Wasch er. Di«„Josepb"-Mati«ee im Kleinen Theater am nächsten Sonntag, tl'/j Nbr, bringt zu der Stnsfihrung in die umstrittene Dichtung durch Manuel Schnitzer die Vorlesung einiger Abschnitte. Rnistsche Gelehrte in Berlin. Die russischen Professoren Roichdest. wensti und Scharbetzti sind in Berlin angekommen. Rolchdeilwensli w id im Austrage der Sowjetrepublik w Deutschland chemiich. phyfitalilche Apparate einkauten. Prof. Scharbetzti ist Historiker und OriintcM«ld ist ,« Swdienzw«ck«n>m Ausland. Nr. 247 ♦ ZS.Iahrgcmg GroMerlm Die püttberge. Die Püttberge sind ein Binnendünengebiet, dns unmittelbar vor den Toren Berlin- liegt. Kurz vor dem Bahnhof Wilhelmshagen an der Vorortbahn nach Erkner durchschneidet die Bahn die Berg- kette, die sich gut erkennbar aus der Ebene hervorhebt. Vom Bahn- Hos Wilhelmshagen wandern wir durch die Wilhelmstraße bis zur Frankenbergstraße. Dieser folgen wir nach rechts bis zu ihrem Ende und stehen nun am Fuße der Püttberge. Wir sind im Gebiet des Berliner Urstromtals. Aus den vom Urstrom abgelagerten Sanden wehte der Wind, nachdem sich die Wasier verlaufen hatten, die Dünen zusammen. Die Grundbedingung zur Dünenbildung ist loser Sand; deshalb sind die Dünen nicht nur auf den Meeresstrand beschränkt, sondern bilden sich auch im Binnenlande, sobald die Ver- hältnisie hierzu geeignet sind. Vom Kamm der Püttberge sehen wir, daß ihr Steilhang gen Südost, ihr Flachhang gen Nordwest abfällt. Ersterer hat einen Neigungswinkel bis zu 22 Grad, letzterer nur bis zu 10 Grad. Da die Dünen immer auf der Seite, die dem bei ihrem Aufbau Herr- schenden Wind zugekehrt ist— die Luvseite—, die sanftere Böschung und auf der vom Wind abgekehrten Seite— die Leeseite— die steilere Böschung haben, so wisien wir, daß die Püttberge von west- lichen Winden zusammengeweht wurden. Auch jetzt herrschen die Westwinde bei uns noch vor; die Weiterbildung der Püttbergdüne ist aber nicht möglich, da ein dichter Pflanzenteppich den Sand ge° festigt hat. Hierdurch wird auch ein„Wandern" der Düne verhütet, das bei den Dünen am Nord- und Ostseestrande so gefürchtet ist. Der höchste Punkt der Püttbergdüne liegt K9 Meter höher über dem Meeresspiegel oder 29 Meter über dem Boden des Urstromtals. Sie ist die höchste Düne in der Mark Brandenburg. Von der Höhe haben wir eine schöne Aussicht über den freundlichen Ort Wilhelms- Hägen und das weite Waldgebiet. In der Ferne tauchen die Müggel- berge, die Kranichberge und die Bergkuppen bei Fürstenwalde auf. Wir wandern über die Bahn zu den Grenzbergen, die ebenfalls Dünen sind. Sie bilden mit dem Schonungsberg und den Püttbergen im Südwesten und dem Eichberg im Nordosten einen Dünenzug, der sich von Rahnsdorfer Mühle bis Woltersdorf erstreckt. Auch die Grenzberge steigen aus der völlig ebenen Talfläche auf. Auf der Ebene ist der Waldboden grüner. Gras sprießt empor und zahlreiche Wacholderbüsche stehen zwischen den schlanken Kiefern. Auf der Düne ist dagegen der Waldboden nur mit einem dürftigen Pflanzen- wuchs bedeckt, und die Kiefern zeigen ein krüppelhaftes Wachstum. Der Talsand ist ein nährstoffreicherer Boden als der fast ausnahms- los aus Ouarzkärnern bestehende Dünensand. Auch ist im Tal der Erundwasierspiegel für die Pflanzen leichter erreichbar, während der Untergrund der Dünen wasierärmer ist. Am Eichberg können wir einen Blick in den Aufbau der Düne tun. Die unter dem Dünensand liegenden Sande und Kiese werden hier abgebaut. Hellgelb hebt sich der Dünensand von den grauen eiszeitlichen Bildungen ab. Ueber das beliebte Ausflugsziel Wolters- dorfer Schleuse wandern wir nach Erkner zurück. ver betrogene Nletallarbelterverbanü. Fälschuug von Beitragsmarken. Ein raffinierter Betrug zum Schaden des Metallarbeiter- Verbandes führte gestern die Frau Rosa W i ch m a n n unter der Anklage schwerer Urkundenfälschung und des Bettuges, ferner den Duchdruckereibesitzer Hermann Kannenberg und den Gra- »eur Hans Stein lein unter der Anklage der Beihilfe vor die 2. Strafkammer des Landgerichts III. Der Ehemann der AngeNagten Wichmann war Hauskassierer des Metallarbeiterverbandes für den Bezirk 20. Eines Tages erschien Sie Angeklagte bei dem Angeklagten Steinlein und gab den Auf- trag, nach einer mtigebrachten Probe eine Platte fiir den Druck von Beitragsmarken des Verbandes anzuferttgen. Sie will dabei er- zählt haben, daß ihr Ehemann bei einem Unfall auf der Straßen- -ahn 800 Stück solcher Beitragsmarken verloren habe, daß sie sich in Not befänden und es ihr darauf ankomme, sich möglichst schadlos zu halten. Der Angeklagte Steinlein führte den Aufttag auch be- ilaae öes Vorwärts denkenlos aus, bestritt aber entschieden, irgendwelche Kenntnis von den unreellen Absichton dM Frau gehabt zu haben. Den Druck der Marken in vier Farben Wyrte der Angeklagte Kannenberg aus, der gleichfalls behauptet, nicht gewußt zu haben, zu welchem Zweck die Marken verwendet werden sollten. Frau Wichmann ließ sich eine große Anzahl solcher Marken, auf verschiedene Beträge lautend, an- fertigen, verkaufte, nachdem sie auch noch einen Gummistempel zur Abstempelung der Marken sich verschafft hatte, eine große Anzahl an Mitglieder des Verbandes auf eigene Rechnung und versuchte auch, einen schwungvollen Handel damit zu betreiben. Auf diese Weise hat sie die Verbandskasse um mehrere tausend Mark ge- schädigt. Die Angeklagte war in vollem Umfange geständig, belastete aber die beiden Mitangek'ogten, die jede Schuld bestritten. Der Staats- anwalt hielt jedoch ihre Mittäterschaft für erwiesen und beantragte gegen sie je 2 Monate Gefängnis, gegen Frau Wichmann dagegen 6 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof ging aber über den Anttag noch hinaus, indem er erwog, daß es sich hier um einen Verband von Arbeitern handelte, der durch einen so raffinierten Betrug unter Umständen in schwere Bedrängnis geraten konnte. Frau W i ch m a n n wurde zu einem Jahre Gefängnis, die beiden Mitangeklagten zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt, den letzteren aber eine dreijährige Bewährungsfrist gewährt. Hefähröete Kinöerwageo. Mütter, gebt Acht! Der gewerbsmäßige Kinderwogendiebstahl ist die neueste Spezialität in der Berliner Kriminalchronik. Die Spezialistin ist ein Mädchen von etwa 25 Jahren, das mit viel Erfolg die heißen, sonnigen Tage ausnützt. Viele Eltern schicken jetzt schon etwas größere Kinder mit dem Kleinsten, das im Wagen liegt, in die öffentlichen Anlagen. Hier lauert nun die Diebin auf ihre kleinen Opfer. Sie setzt sich zu den Kindern, schmeichelt sich bei ihnen ein, spielt die gütige Fee und verspricht, ihnen einen Gummiball, eine Puppe oder was sie sich sonst wünschen, kaufen zu wollen. Hoch- erfreut gehen die Kleinen mit ihr auf ein Geschäft zu. Auf dem Wege dorthin nimmt die Diebin das Kind aus dem Wagen, den sie schiebt, heraus und übergibt es der ältesten Schwester zum Tragen, weil es ihr zu schwer werde, den Wagen mit dem Kinde zu schieben. Das eine Kind bleibt dann mit dem Kleinsten auf dem Arm zurück. Mit den anderen fährt sie weiter, bis sie eine günstige Gelegenheit findet, sie zu versetzen. Dann verschwindet sie mit dem Kinderwagen. Die Kleinen geraten dann meistens in Straßen, in denen sie sich nicht mehr auskennen. Weinend werden sie von anderen Leuten angetroffen und zur Ermittlung der Eltern nach der Revierwache gebracht. Alle Eltern werden guttun, ihre Kinder vor dieser Diebitt zu warnen. Auch andere Leute, die sich in der Nähe der Kinderplätze aufhalten, sollten auf das Treiben der Diebin achten und sie festnehmen lasten. Leitungsrohre unü Jelübahugelekse. Ein SPD.-Vorschlag zur produktiven Erwerbslosenfürsorge. Bon den Mitgliedern der SPD. des Ausschusses für produktive Erwerbslosenfürforge ist nachstehender Antrag dem Ausschuß zur Beschlußfastung eingereicht worden: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, umgehend folgende Notstandsarbeiten aus- führen zu lasten: 1. Herausnahme der nicht im Betrieb befindlichen Leitungsrohre der Wasserleitung Steglitz» Lichtenberg. 2. Herausnahme der nicht mehr gebrauchten und teilweise überwachsenen Feldbahngeleisen auf den Rieselgütern. Durch diese Arbeiten können nicht nur Arbeitslose beschäftigt werden, sondern die Stadt würde auch durch eventl. Verkauf der jetzt so teuren Rohre und Geleise die Kosten decken und außerdem einen erbeblichen Ueberschuß erzielen können. Bei noch längerem Liegenlassen dagegen verdirbt das Material." Die Adamiten von Tegel. Die schönen Gestade des Tegeler Sees scheinen bei der enormen Hitze eine Anzahl Leute verlockt zu haben, auch die offenbar lästige Badehose fallen zu lassen und so zu baden, wie einst aucb Adam vor dem Sündensall sich im Paradies bewegt haben soll.„Scham- lose Freibäder," schreibt dazu eine Berliner Korrespondenz.„Die schamlosen Zustände in den Freibädern am Tegeler See veran- laßten gestern die Schutzpolizei, in Gemeinschaft mit dem Reichs- Skine Menschenkind. Iii. Der Sündenfall. Bon Martin Andersen Nexö. Die Erwachsenen hielten sich scheu zurück und beobachteten die Fremden von weitem, am liebsten aus Fenster- und Tür- spalten. Das waren also die Kopenhagener! Sie spielten sich gehörig auf im Gelände, obwohl es nur zwei waren. Und man sagte von ihnen, wo fie erst einmal Eingang gefunden hätten, da breiteten sie sich aus wie die Wanzen und waren nicht mehr zu vertreiben. Gutes brachten sie sicherlich nicht mit! Jedenfalls hatte der große Klaus all dem Neuen nichts zu verdanken. Gut hatte er's ja nicht gehabt, seitdem der Krugwirt ihn übernahm, aber in der Regel wurde das nicht von den Leuten gesehen. Hier wurde er vor aller Augen mißbraucht. Man konnte dem Fenster nicht fernbleiben, wenn die Fuhre knirschend und kreischend durch den Sand des Hohl- wegs fuhr und der Kutscher fluchte und schrie und auf den (Zaul losprügelte: Schwester Else weinte ganz einfach, und Stine stieß das Fenster auf und schrie hinaus. Wenn Lars Peter in der Nähe war, kam er gelaufen und lief hinterher. Und es kam auch vor, daß er den Kutscher ausschimpfte, einen jungen Lümmel vom Hof drüben: aber das machte die Sache nur noch schlimmer. Es konnte nicht sonderliä, gut um die Finanzen des Krugwirts bestellt sein, da er anfing. Gartenerde von seinem Felde zu verkaufen und für die Leute Schinderfuhren zu fahren: es lag ihm sonst mehr, an sich zu scharren. Aber es verschlug nicht: er war dauernd in Geldverlegenheit. Jeden zweiten Tag mußte er anspannen und zur Stadt fahren, um tätig zu sein: und er rannte im Hafen herum und drang in die Fischer, sie müßten besser zupacken und größeren Fang schakfen. Sie sagten ja. verloren aber ihre Ruhe nicht.„Das ist ja doch, als ob man seine Arbeit ins Meer schüttet," sagte Lars Peter;„dann kann man die Fische ebensogut drin lasten." Die Geschichte mit seiner Frau hotte der Krugwirt noch nicht verwunden; vielleicht hotte dos ihm die Beine unterm Leibe weggeschlagcn. Auf dem. was er unternabm. lag kein Segen. Bei den Osterstürmen hatte er Fauggerätschaften ein- gebüßt, und das Wintereis hatte ein Boot zerdrückt. Es| waren kleine Stöße, aber er schien sie nicht ertragen zu können— ein neues Boot hatte er nicht anzuschaffen ver- mocht. Man hatte eins von den alten, ausrangierten wieder aufs Master setzen müssen. Eines Tages kam er mit seiner Doppelflinte vom Strande her; er hatte Seevögel geschosten. Sein großer Kopf tauchte plötzlich in der Küchentüre auf; Stine kreischte und ergriff die Mutter unwillkürlich am Aermel. „So, also hier helft ihr beiden einander treu und brav," sagte er freundlich und warf ein Bündel Strandvögel auf den Küchentisch.„Und Stine schreit noch immer ebenso leicht wie früher; sonst hat sie sich doch in der Welt umgesehn und die Kitzlichkeit abgelegt, soweit man verstehn kann." Er sagte das mit seinem kalten Pferdelachen, bei dem alle seine Zähne zu sehen waren.„Ja, ja— ich Hab eigentlich gedacht, ob Stine nicht beim Ziegelsteinabladen mit Hand anlegen könnte; den Leuten fehlt eine Hilfskraft, und sie ist da draußen ja groß und stark geworden." Damit eilte er von dannen, ohne eine Antwort abzuwarten; sein pfeifender Atem war noch in der Ferne zu hören. Stine hatte von der Stichelei des Krugwirtes noch einen brennend roten Kopf. Sie stand einen Augenblick zögernd da, dann juckte sie aus dem Raum hinter der Treppe eine Sackleinwandschürze hervor und ging träge auf die Tür zu. die Augen voll Angst. Sörine drehte sich um, die Langsamkeit des Mädels fiel ihr auf. Sie sah sie einen Augenblick an— in ihrer geistesabwesenden Art und nahm ihr die Schürze weg.„Laß mich gehn!" sagte sie.. „Aber er hat es ja zu mir gesagt," wandte Stine zcG- hast ein. Die Mutter sagte nichts mehr, nahm die Schurze um und ging. Stine sah ihr dankbar nach. Diesmal hatte Stine keinen Triumphzug ringsum zu Freunden und Bekannten im Dorf unternommen, sie war noch nicht vor der Tür gewesen. Lars Peter und Sörine hatten beschlossen, ihr die Blicke der Leute zu ersparen, sie sollte nicht Spießruten laufen. Sie nahm der Mutter im Hause die schwerste Arbeit ab, und das tat not; Sörine hatte nicht mehr viel Kräfte. Von den Fenstern aus hotte sie das Garne vor sich: die Hütten, aus denen die Frauen kamen, um irgend ! etwas im Sande auszuschütten und dann zu verschwinden: j den Hafen, wo die Männer sich aufhielten, und den Trocken- Sonnabenö, 2S. Mai 1921 wasserschutz das Ufer des Tegeler Sees zwischen Tegel-Forst und Tegelort abzustreijen. Dabei wurden 14 Personen, die völlig un- belleidet bald ein Bad nahmen, bald im Walde umhertollten oder sich dort lagerten, wegen Verletzung des öffentliche» Schamgefühls festgestellt." Man sollte doch, wenn es sich nicht gerade um offenkundige liebergriffe handelt, die Nacktmenschen nicht allzu scharf anfasien. Der Bericht spricht ausdrücklich nur vom„Bad nehmen",„umher- tollen" und„lagern", Dinge, die doch harmlos genug sind. Be- kannilich badet die sittlich sehr hochstehende norwegische Bevölkerung im allgemeinen vollkommen unbekleidet, und an dem Anblick eines schönen, nackten Körpers hat noch niemand Schaden genommen. Im Anschluß hieran können wir aus einige Schreiben hinweisen, die uns aus unserem Leserkreis zugegangen sind und in denen er- bittert darüber geklagt wird, daß es gerade den vielen Minder- und Unbemittelten, den Erwerbslosen, den Frauen und Kindern des Berliner Nordens nicht erlaubt sein soll, sich in der großen Hitze. die besonders in den Mietskasernen die Menschen fast umbringt. im Tegeler See eine dringend notwendige Erfrischung zu ver- schaffen. Die eigentlichen Freibäder seien viel zu klein, die Mafien aufzunehmen. Nach einer dieser Darstellungen sind Frauen und junge Mädchen, die sich nicht legitimieren konnten, im Lastauto nach Berlin befördert worden. Es ist dringend notwendig, daß alle Seen in der Berliner Umgebung mit flachen Ufern zum Baden polizeilich freigegeben werden. Sezirksversammlungen. Die letzte Bezirksversammlung Wedding beschäs- tigte sich mit einem Antrag der bürgerlichen Fraktion, den Magistrat zu ersuchen, auf Grund eines bestimmten Einzelfalles bei dem Mi- nister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung dahin vorstellig zu werden, daß die Befugnisse der Elternbeiräte klar um- grenzt und bestimmt werden. Es muß im Interesse eines gedeih- lichen Unterrichts verlangt werden, daß ihnen Eingriffe in den inne- ren Betrieb der Schule untersagt sind, und daß die Politik durchaus aus der Schule fernzuhalten ist. C o r s(Bürgerl.) begründet diesen Antrag mit einem angeblichen Uebergriff des Vorsitzenden des El- t e r n b e i r a t s in der Schule des am Herzschlag verstorbenen Ret- tors Sporleder. Der Vorsitzende des Elternbeirats dieser Schule soll insofern Schuld an diesem tragischen Tode des Rektors haben, weil er die Politik in den Schulbettieb hineingetragen und damit die Auf- regung des Rektors herbeigeführt haben soll. F a b i u n t e(USP.) untersucht an der Hand der tatsächlichen Vorgänge diesen Fall ein- gehend und weist auf die verlogene Berichterstattung der bürger- lichen Presse hin, auf die der Sprecher der Bürgerlichen hineinge- fallen ist. Genossin R i e d g e r(SPD.) weist die Vorwürfe der An- tragsteller ebenfalls sehr energisch zurück und führt einige konkrete Fälle an, aus denen hervorgeht, wie sehr die Bürgerlichen Ursache haben, ihrerseits die Politik aus der Schule zu verbannen. Auch die KPD.-Fraktion nimmt eine abweisende Stellung gegen den Antrag ein, so daß dieser gegen das Wutgeschrei der bürgerlichen Fraktion abgelehnt wird. Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit der Nichtbestätigung von zwei besoldeten Stadträten. Nach kurzer Aussprache wird ein Antrag H e n s ch e l(USP) angenommen, in dem dem Oberpräsidenten das Recht der Bestätigung, das nur zu Miß- bräuchen führt und deshalb überflüssig erscheint, bestritten wird und Protest gegen die Maßnahmen des Oberpräsidenten eingelegt. In der Bezirksversammlung im Bezirk Fried- xichshain ging es recht lebhaft zu. Als einer der kommunilti- schein Redner von den Diebstählen im Felde sprach, rief ihm der „berühmte" Pfarrer Koch zu, daß er, der Redner, sich„daß doch schon abgewöhnt habe". Als dem würdigen Pfarrer entsprechend geantwortet würde, war er aufs höchste entrüstet und rief einen Skandal hervor, der es einige Zeit unmöglich machte, die Versamm- lung fortzusetzen. Alsdann wurde beschloffen, durch den Magistrat zu veranlassen, daß die Heringsvorräte, welche die R e i ch s st e l l e für Fischversorgung durch die Firma Liebrecht u. Co. im Viehhof und anderen Stellen lagern läßt, zweckmäßig gepflegt und baldigst dem Verbrauch zugeführt werden. Ferner wurden die Arbeiter der obengenannten Firma, die der Kommission des Be- zirksamtes Auskünfte gegeben haben, dem Schutz des Magistrats empfohlen, um sie vor Maßregelung zu schützen. Die U n t e r b r i n- gung des Bezirksamts macht immer noch große Schwierig- ketten. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß die beiden Schulhäuser, in denen sich augenblicklich Bureaus befinden, in absehbarer Zeit wieder für den Unterricht zur Verfügung gestellt werden können. Die hohen Mietkosten haben das Bezirksamt veranlaßt, dem Ma- gistrat den Plan eines Neubaues zu unterbreiten, in dem das Bezirksamt untergebracht werden soll, und das an der Frieden- stroße errichtet werden könnte. Man hofft, die Kosten von K 000 000 I platz, wo alle Kinder aus dem Dorf sich herumtrieben. Eine Anzahl von Gerüststangen war errichtet, und die Materialien häuften sich auf; einzelne Bauarbeiter waren schon bei der Arbeit: sie aßen und wohnten im Krug. Es hieß, daß es Sozis feien, die sich weigerten, im Stroh in der Scheune zu liegen und im Krug aus einer Schüssel mit dem Gesinde zu essen. Stie warf ihnen lange Blicke nach. Durch die offene Küchentür konnte sie die Mutter husten hören und sah, wie sie dem abladenden Arbeiter die Ziegel abnahm und sie dann ausstapelte. Es war eine schwere Arbeit für sie,— wenn sie's nur aushielt! Der große Klaus wurde hart angespannt, den ganzen Tag gig es hin und her. Er ruhte nicht einmal aus, wenn man ab- und auflud, sondern mußte mit drei Wagen arbeiten. Nun stand er wieder fest, da oben, wo der kleine Bach über die Wagenspur rieselte. Der Kutscher ließ ihn die Peitsche spüren, daß die Schläge drüben von Rasmus Rytters Hütte her widerhallten; er hieb mit dem Stiel darauflos; und der große Klaus lag halb an der Erde, so zog er an. Aber die Fuhre bewegte sich nicht von der Stelle, die Räder saßen fest. Der Kutscher lief umher, peitscht« ihn auf Brust und Vorderbeine, war dann wieder beim Wagen, ergriff das Sitz- brett und schlug den Gaul aufs Kreuz. Stine vergaß alles und lief um den Giebel herum: sie schrie laut. Unten vom Hafen her kam Lars Peter mit langen Schritten, seine Holzschuhstiefel dröhnten.„Laß das, Schinder- knecht!" rief er und schüttelte die geballte Faust in der Luft. Der große Klaus zog an, seine Vorderbeine versanken tief in dem nassen Sande.„Halt den Wagen zurück, zum Henker!" brüllte Lars Peter, aber es war zu spät. Die Fuhre fiel auf das Hinterteil des Pferdes, die Geschirrstränge zerrissen. Einen Augenblick glich Lars Peter einem wilden Tiere; er sprang dem Kutscher an die Kehle: und es sah aus, als wollte er ihm den Hals zerbrechen.„Vater!" brüllte Stine in höchster Angst. Dann ließ er los und ging zu dem Gaul hin: der lag auf der Seite und schnaubte, die Vorderbeine tief im Sande und die halbe Fuhr über sich. Vom Hafen und Bauplatz her kamen die Leute und halfen Lars Peter, ihn von Fuhre und Sielen zu befreien; Lars Peter grub den Sand von den Vorderbeinen des Tieres fort.„Komm, alter Kamerad, wallen wieder ausstehn!" sagte er und ergriff den großen Klaus am Zaum. Der Gaul beb den Kopf und sah ihn an, legte sich dann auf die Seite und stöhnte schwer: seine Vorder» dem« Waren gebrochen.(Forts, folgt.) Mark durch die Ersparnisse an Miete wieder einbringen zu können. Ein Antrag der Kommunisten, eine Rechtsauskunftsstelle einzurichten, wurde der betreffenden Kommission überwiesen, desgleichen ein An- trag der Bürgerlichen Bereinigung, der die sanitären Mißstände im Straßenhandel beim Verkauf von Nahrungsmitteln beseitigt wissen will und auch die Zustände auf den Rummelplätzen, die Zunahme des Dirnenunwesens und den Verfall der Schmuckanlagen kennzeichnet. Ein Antrag der SPD.-Fraktion, ver sich gegen die Methode des Mieteinigungsamts richtet, welches im Widerspruch zu der geltenden Verordnung die Friedensmiete von 1914 in vielen Fällen heraufsetzte, weil diese infolge der üblen Gerüche vom Viehhof ausnahmsweise niedrig gewesen seien, wurde angenommen. Bei dieser Gelegenheit wurde von bürgerlicher Seite das bekannte Lied von der Not der Hausbesitzer gesungen, die zum Teil genötigt seien, Armenunterstützung anzunehmen. Nachdem in dieser Sitzung die Mitglieder von sechs Verwaltungsdeputationen ge» wählt worden sind, werden in der nächsten die Wahlen der Bürger- deputierten erfolgen. In der Sitzung der B ezir ks v e rtr e tun g des 20. Bezirks wurde der jetzt bestätigte Stadlrat Luscher(KPD.) eingeführt. Die Deputationen sollen mit 2 Mitgliedern des Bezirksamts, 6 Bezirks- Vertretern und 4 Bürgerdeputurten besetzt werden. Die Finanz- deputation wird jedoch von 4 Bezirksamtsmitgliedern und 11 Be- zirksvertretern gebildet werden und die Schuldeputation aus je 4 Vertretern der gesetzlich vorgeschriebenen Kategorien. Für Hermsdorf-Waidmannslust wird das Dienstgebäude in Waidmanns- lust benutzt werden, während in Reinickendorf-West, Heiligensee und Frohnau je eine kleine Dienststelle eingerichtet werden wird. Die Zentralverwaltung bleibt in Reinickendorf. Einem Antrage, der Kirche in Rosenthal einen Zuschuß von SOO M. für den Kinderhort zu bewilligen, stimmte unsere Fraktion zu, forderte aber, daß ein Gemeindekinderhort errichtet werde. Stadtrat Genosse Meier be- richtete auf eine Anfrage des kommunistischen Vertreters, daß das Bezirksamt beschlossen habe, das Freibad im Tegeler See in Be- trieb zu setzen. Die Bezirksversammlung des 14. Bezirks(Neu- kölln, Britz) beschäftigte sich unter anderem auch mit einem Vorstoß der Bürgerlichen gegen das Markt, und Händlerwesen. Der Markt am Maybachufer ist ihnen zu ausgedehnt worden und sie fordern dessen Einschränkung. Der Errichtung eines neuen Wochenmarttes auf dem Hcrtzbergplatz, den das Bezirksamt vorschlug, setzten sie lebhaften Widerstand entgegen. Auch der Straßenhandel hat es ihnen angetan. Die Herren wissen ganz genau, daß die Arbeits- lostgkeit oder die Unfähigkeit zur Arbeit infolge körperlicher Ge- brechen die Ursachen sind, die die Leute zum Straßenhandel treibt, um wenigstens der größten Not vorzubeugen. Ja, die Herren willen sogar, daß auch diese Aermsten der Armen noch der rück- sichtslosesten kapitalistischen Ausbeutung unterworfen sind. Die Ausführungen des Herrn Wagenfuhr bewiesen das. Sie fühlen sich aber als Vertreter des seßhaften Handels. Diese Politik konnten die sozialistischen Fraktionen nicht mitmachen und lehnten geschlossen den bürgerlichen Vorstoß ab. Ebenso einmütig wurde nach Begründung durch unseren Genossen, Stadtrat Heitmann, die Errichtung eines Wochenmarktes auf dem Hertz- b e r g p l a tz beschlossen. Bei Besprechung der neuen Geschäfts- ordnung stimmten die sozialistischen Fraktionen für stenographische Aufnahme der Verhandlungen. Die Bürgerlichen, welche sich die Ansicht von Berlin auf Beseitigung stenographischer Protokolle zu eigen machten, blieben also m der Minderheit. Dieselbe Mehrheit lehnte einen bürgerlichen Antrag auf Ersetzung der hohen Bau- zäune durch niedrigere ab und beschloß, daß dieses am besten er- reicht werden könne, wenn man alles daran setze, um die Arbeit sofort wieder in Gang zu bringen. Eine bürgerliche Anfrage, ob eine Anweisung erfolgt sei, daß die städtischen Betriebe ihren Be- darf nur bei städtischen Unternehmungen decken dürften private Unternehmer also ausgeschaltet seien, wurde vom Stadtrat R a d t t e dahingehend beantwortet, daß«ine solche Verfügung nicht bestehe. Es sei aber selbstverständlich, daß, nachdem nun einmal die städti- scheu Betriebe vorhanden, diese versuchen mühten, ihre Waren zu der Marktlage entsprechenden Preisen an die anderen Betriebe ab- zugeben. Bei dieser Beantwortung oerwies der Redner besonders darauf, daß fei einiger Zeit ein systematisches Kesseltreiben erfolge gegen alles, was die Gemeinde in die eigene Hand genommen hat. Bedenkliche Zunahme der Brände. Die Brände in Groß-Berlin haben in den letzten Tagen be- denklich zugenommen. Am Donnerstag standen gleichzeitig in der Branden burgstraße SS. Ke i b e l st r. 13, 12a und 12 mehrere Dachstühle, Seitenflügel Keller und dergleichen in Flammen. Die Löschzüge 1, 11, 19 u. a. hatten dauernd zu löschen. In der Brücken st raße standen nicht weniger als drei Dachstühle gleichzeitig in Flammen, wobei auch mehrere Seitenflügel in starke Mitleidenschaft gezogen wurden. In der Brandenburg- strahe 35 brannte das Ouergebäude, und zwar die Kellerräume, das 1. und 2. Stockwerk, Stroh und Packmaterial auf dem 2. Hofe. In der Rückcrtstraße griff die ö. Kompagnie mit zwei mechanischen Leitern und 6 Schlauchleitungen von Motorspritzen ein. Die enge Straße war längere Zeit kaum zu passieren. In der Johanniter- straße S stand ein geräumiger Keller mit Wirtschaftsvorräten und -gegenständen in Flammen. Auch hier mußte die Wehr tüchtig löschen. Dann wurden noch Brände vom Lehrter Bahnhof (Humboldsteg), von der Prenzlauer Allee 183, Gollnowstr. 8, Neue Königstr. 6, Grenadierstr. 32, aus der Frankfurter Allee 31 u. a. Stellen gemeldet. Dazu kommen noch zahlreiche Meldungen von Unfällen und Gasvergiftungen sowie von böswilligen Alarmen. Nächtliche Bampyre. Als in der vergangenen Nacht gegen 10'/? Uhr eine Streif« am Luifen-Ufer entlangging. bemerkte sie an der Ecke der Urban- straße zwei Männer, die am Erdboden knieten und einen dritten Mann ausplünderten. Sie waren so eifrig bei der Arbeit, daß sie die Beamten erst gewahrten, als diese neben ihnen standen. Sie wurden sistiert und der nächsten Wache zugeführt, wo sie als der 4l Jahre alte Tischler Paul M. und als der 47jährige Sattler Oskar B. festgestellt werden konnten. Der Beraubte war sinnlos betrunken und wurde zu feiner AuSnüchterung nach dem Polizei- Präsidium geschafft. Verschleppt! 3000 Mark Belohnung. Der Schüler Günther Hagedorn der staatlichen Bildungsanstalt in Lichterfelde, ein Sohn des Arztes Dr. Hagedorn, wird seit dem 19. d. M. vermißt. Er ist 1,79 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und frische, gesunde Gesichtsfarbe, eine leicht nach vorn geneigte Haltung und fetzt beim Laufen den rechten Fuß nach einwärts. Ueber dem rechten Auge hat er eine kreuzförmige Narbe. Er trug einen dunkelgraubraunen Anzug mit Gürtel, einen grauen Stepphut, schwarze Schnürschuhe und G. M. gezeichnete Wäsche. Es wird mit einer gewaltsamen Ver- schleppung gerechnet. Unter Bezug auf die ausgesetzte Belohnung von 3t>l)0 Mark werden alle Perfonen, die über seinen Verbleib Mitteilung machen können, ersucht, sich bei der Nachrichtenstelle für Vermißte, Kriminalwachtmeister Gahmig, oder bei der nächsten Polizeistelle zu melden. Die Schuldepukation gibt bekannt daß im Interesse der Auf- rechterhaltung eines geordneten Schulbetrtebes teilweise oder gänz- liche Befreiungen vom Unterricht, Stundenermäßigungen, Beur- laubungen nur auf die Dauer eines Halbjahres gewährt werden können. Vsrlängerungsanträge sind 14 Tage vor Ablauf des Halb- jahres zu stellen. Städtische„Jilmbiirse". Die„Deputation für Arbeit und Gewerbe" hat der Angliederung der Filmbörse, des Ar- beitsnachweises für Filmschauspieler, an die Arbeitsnachweise der Stadt Berlin zugestimmt und auch die Errichtung der»Städtt- ch e n F i l m b ö r s e" in den Räumen des BerlinerKonzert- aus es„Elou", Mauerst r. 82. beschloffen. Im Gegensatz zur„Colosfeum-Börse" in der Beuthstraße. Ecke Kommandantenstraße, haben die Besucher der Städtischen Filmbörse im„Clou" keinerlei Beitrag oder Benutzungsgebühr zu zahlen. Gas und Elektrizität sollen teurer werden. Die Deputationen für Fiananzen und der Werke haben iDem Magistrat eine Er- höhung des Gaspreises von 1,35 M. auf 1,50 M. und des Elektrizitätspreises von 2,50 M. auf 3 M. vorgeschlagen. Achtung! Erwerbslose Drücker! Unter dieser Ueberschrift ging uns gestern in später Abendstunde folgende Notiz zu:„Heute, Freitag, mittags 1254 Uhr, im Sitzungssaale Linienstr. 83— 83, Auszahlung der Mietsunterstützung. Ortsverwaltung Berlin des Metallarbeiteroerbandes". Da heute Sonnabend ist, nehmen wir an, daß es richtig heißen müßte:„Heute, Sonnabend, usw.". Zum Bericht über die Stadtverordnetenflhung werden wir um die Mitteilung gebeten, daß die Sitzung nicht„kurz vor 6 Uhr", wie ein Druckfehler behauptete, sondern im Anschluß an eine Aeltesten- beiratssitzung vor 5bg Uhr eröffnet wurde. Milch. Am Sonnabend, den2S., Sonntag, den 29.. Montag, den 30., Dienstag, den 31. d. M.. erhallen die V-I- und V-N-Kinderkarten je 'I, Liter, die v-III.Kind-rkarten je Liter Frischmilch. Die übrige Be- lieferung bleibt wie bisher. Die angegebene Belieferung bezieht sich nicht aus die seit dem 1. Oktober 1920 neu zu Berlin hinzugekommenenbt. 7 Uhr Sitzung der Aunktlonilre bei Thiedke, Littauer Str. S. »Z. Abt. Reulölln. 7 Vi Uhr bei Keller, Kaiser. Friedrich-Str. 90, Funktionär- sitzung der Betriebevertrauensleute und ltreisoertreter. Ihaelottellburg. Spandau. Heute, Sonnabend, von 5—« Uhr Sprechstund« im Sekretariat Rosinenstratz« 4. Morgen, Sonntag, den 29. Mai: «. Krei». Halesche» Tor. Sondervorstellung Sternwarte Treptow:„Das Wun» der des Schneeschuhs". Sensationeller Eportfilm in 5 Akten. Spielt im Schwarzwald, Allgäu und Iungfraugebiet. Einlaß Ihi Uhr, Ansang 2 Uhr. Um Störungen während de» Bortrage» zu vermeiden, werden die Teil- nehmer ersucht, pünktlich zu erscheinen. 14. Treis. NenkiUn.«indergruppel Sonntag 2 Uhr Treffpunkt Richardplatz. Besprechung der nächsten Wanderung am s. Juni. 17. Treis. Die Lichtenbcrgcr und Fricdrichsfelder Genossen oeranstaltcn am Sonntag, den 29. Mai, 4 Uhr nachmittags, ein Gartenkonzert im Schloß- restaurant Friedrichsfelde, Wilhclmstr, 17. 24.«bt. Unterhaltunäsabend mit ausgewähltem Programm. Verlosung und Tanz im großen Saale der Unionsfesisäle, Gicifswalder Str. 222. Eintritt inkl. Steuer: Erwachsene 1,50 M., Tindcr 0,00 M. Einlaß 4 Uhr. Beginn pünktlich 5 Uhr. BE. Abt. Tempelhos. Di« Teilnehmer an der Führung durch den Botanischen Garten fahren am Sonntag früh mit dem Wagen 8,37 Uhr ab Chaussc«. straße. Ecke Talserstraßc Mariendorf bis Bahnhof Steglitz. Treffpunkt für Nachzügler 5410 Uhr am Wirtschaftshof des Botanischen Garten» unter den Eichen. Zungsozialisten. Gruppe Treptow und Süden. Wanderung am Sonntag. Treff- punkt für Süden: früh S Uhr am Görlitzer Bahnhos, Unfallstation. Treff- -unkt für Treptow: Grittzstraße, Ecke Bouch�straße, um HS Uhr.— Gruppe Lichtenberg: Wanderung nach Zepernick. Treffpunkt Bohn>>-f Stralau- Rummelsburg, früh W Uhr. Zus aller Welt. Der Ausflug in den Tod. Bei einem AuSflug von drei Knabenklassen einer Hamburger Volksschule gerieten beim Baden in der Oberelbe 17 Kinder in die Wellen eine? vorüberfahrenden Dampfer«. Die drei Lehrer retteten zehn Schüler, die übrigen ertranken. Die Leichen wurden ge- borgen. Bei der Probefahrt kädNch verunglückt. Die Firma Gebrüder Wiemann in Brandenburg hat zwei Dampfer in Auftrag. Bei den Abnahmeprobefahrten ging alles zur größten Zuftiedenheit der Beteiligten vor sich, als plätzlich aus dem Dampfkessel Dampf und Feuergase ausströmten. Den im Maschinenraum mit Versuchen beschäftigten Ingenieuren und Schloffern gelang es zum TeU mit leichten Verbrennungen davonzukommen, bis auf den Schiffsmaschinenmonteur Fritz Hünicke, einem 38 Jahre alten Fa- milienvater. der einen schnellen Tod erlitt. Ein Luftzentralbahohof soll aus dem Flugplatz in K b e l bei Prag gemacht worden.— Die'Schiffabrt auf der Moldau innerhalb Prags wurde in festlicher Weis« eröffnet. Die Feier war mit der Taufe zweier Regierungsdampfer verbunden. Sport. Neichs-Zrbeiter-Sporttag. «rbeiter-SPortkarteN Weiftenfee. All« dem Kartell ange- lchlosienen Vereine fauch Kinderabteilungen) versammeln stch zur Demon« ftration zum Reichs-Arbeiter, Sporttag am Sonnabend, den 28. Mai, nach- mittags um Vj5 Uhr, in der Albertinenstraße. Ecke Berliner Allee. Znsammenschlnft der Angler-Veretne. In einer am 6. Juni, abends 7 Uhr, in der Brauerei Königstadt staltfindenden Delegiert enver- iammlung soll die Vereinigung des seit kurzer Zeit bestehenden Arbeiter- Anglerbundes mit dem Märliichen Anglerbund(Bereinigung Branden- burgiicher Anglervereine zur Pflege und Förderung volkstümlichen Angel- sporiS) herbeigeführt werden. Freie Schwimmer EharlottenbnrgS werden am Sonnabend nach der Arbeiter. Tpoiller-Demonstraiwn beim Dunkelwerden an der Charlotten- burger Schloßbrücke für die Lazaretlinlaffen des Charlottenburger Schiaß- Lazarett» einen Lampionreigen schwimmen.— Sonntag: Treffpuntt der Schwimmer zum Stadion>/,! Uhr Bahnhof Witzleben. Große Ringkampf-Konknrrenz findet Sonntag, den 29. Mai, in der Schloßbrouerei Schöncberg. Hauptstr. 122/123. statt. Die Leitung bat Herr Max Lewiit. Mitglied der JRV„ übernommen, außerdem find Mitglieder »vn Sportsleuien und von der Fachpresse zugezogen. Stehe heutiges Inserat. Das Arbeitcr-Sportkartell für den Verwaltungsbezirk(um- fassend die Orte Steglitz, Lichterseide, Lankwitz, Südende) veranstaltet am Sonntag, den 29. Mai(Reichs-Arbeiter-Sporttag), sein erstes großes Sport- fest. Alle Sportgenossen und Festteilnebmer versammetn sich um 12 Uhr mittags aus dem Händelplatz in Lichlerselde. Pünktlich 12'/, Uhr Abmarsch mit Musik»ach kein Gemcindejportplatz in Steglitz, Ringstraße, Ecke Süd- endestraße, aus dem die sportlichen Kämpse um 1 Uhr beginnen. Ab 3 Uhr nachmittag« Konzert im Garten de» Restaurants.Linde, iparf" in Lichterseide, Unter den Eichen. Hier außer dem sportttchen Test heitere Bor- jührungen, Tanz. Gesang, Theater. Arbeiterspsrtkartell Verna«. Sonntag, den 29. Mai: Reich«. arbeitersporttag aus dem Städtischen Sportplatz am Wasserturm. Das Programm beslehl aus: 1. Festzug. I1/, Uhr, vom.Restaurant Bellevue- am Wassertum durch die Stadt. 2. Ansprache. 3. Turnerische Porsübrungcn und teichtathiettjche Aetttämpse,»unjl- und Reigenjahren, Gesang, Konzert Wirtschaft die Kokslieferungen öes Stinnes-Könzerns. In einem langen Artikel nimmt die„Deutsche Allgemeine Zeitung" zu den Fragen Stellung, die von un» am 25. d. M. an das Reichswirtschaftsministerium anläßlich der Kokslieferungen des Stinnes-Konzerns an die Alpine Montangesellschaft gerichtet wurden. Da wir Herrn Stinnes nicht nach seiner Meinung geftagt haben, ist die Erwiderung, die eine schlecht verhohlene Erregung oerrät, schon reichlich verdächtig. Der Artikel stellt fest, daß das Geschäft Stinnes-Alpin« Montangesellschaft mit Zustimmung des Reichskohlenkommiffars erfolgt sei. Wenn das der Fall fei— und es wird uns von anderer Seite bestätigt—, so erscheint uns die Haltung des Reichskohlenkommiffars noch merk- würdiger als bisher. Es drängt sich da nämlich die Frage auf, warum stch keine deutsche Behörde gefunden hat, die sofort gegen die Forderung der Alpinen Montangesellschaft, in Oesterreich Schutzzölle für Eisen einzuführen, öffenllich Protest er- hoben und mit einer Sperrung der deutschen Koks- lieferungen gedroht hat. Der österreichische Eisenmarkt war für die deuffche Industrie damals von besonderer Wichtigkeit deshalb, weil infolge der Sanktionen eine unmittelbare Ausfuhr deutschen Eisens nach den Ententeländern auf das schwerste ge- fährdet war und weil die deutsche Eisenindustrie damals über den großen Absatzmangel zu klagen hatte. Wenn es also zutteffen sollte, daß der Schlag gegen die deutsche Volkswirtschaft, der mit der Erhebung von Schutzzöllen auf deutsches Eisen in Oesterreich seitens des Stinnes-Konzerns gegen andere Teile der deutschen Bolks- Wirtschaft geplant war, mit stiller Billigung des Reichskohlenkom- miffars erfolgt ist, fo wäre das geradezu ein öffentlicher Skandal. Wir erwarten darüber Auskunft weder von Stinnes noch vom Reichskohlenkommiffar selbst, sondern vom Reichswirtschafts- Ministerium. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" lobt das Abkommen außer- ordentlich, weil es im Intereffe der Etfenbahnverwaltung liege. Diese war nämlich infolge des Kohlenmangels darauf ange» wiesen, Koks unwirtschaftlich zu verfeuern. Stinnes wollte nun für jede nach Oesterreich gelieferte Tonne Koks der Eifenbahnver- waltung eine Tonne Auslandskohle zur Verfügung stellen. Daß ihm infolge der günstigen Umrechnung— sonst rechnet man vier Tonnen Kohle auf drei Tonnen Koks— ein besonderer Gewinn bleibt, wollen wir ihm nicht so sehr verdenken. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" vergißt aber vor Auftegung mitzuteilen, daß dieses Projekt infolge des englischen Kohlenstreiks noch nicht in Kraft getreten ist, dafür aber Kokslieferungen ohne Gegenleistung bereits erfolgt find! Und in derselben Vergeßlichkeit verschweigt sie den gegen Deutschland gerichteten, nach bisher unwidersprochenen Meldungen von Stinnes ausgehenden Anschlag auf den deutschen Eisenabsatz. In ihrer Betroffenheit und in dem eiftigen Bemühen, sich ihres Geldgebers würdig zu zeigen, stellt die„Deutsche Allgemeine Zei- tung" die Frage,„ob es dem„Vorwärts" tatsächlich mit seiner bisher für die A n s ch l u ß f r a g e bezeigten Sympathie ernst ist". Sie verschiebt damit die Angelegenheit, was wir hierdurch ausdrück- lich feststellen, auf das politische Gebiet. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" ist aber in einem Irrtum, von dem es fchwep. fällt zu glauben, daß er nicht bewußt vorgetäuscht wird. Sie hätte sich nämlich durch ihren sozialpolitischen Redakteur sehr leicht darüber vergewissern können, daß zwei Mitglieder der.Dorwärts"-Redak- tion" dem Vorstand des„Osfterreichisch-Deuffchen Volksbundes" an- gehören, wie denn auch in unserem Artikel gegen die Notwendigkeit einer deutsch-österreichischen Arbeitsgemeinschaft kein Wort gesagt war. Wogegen wir uns aber oerwahren müssen, ist, daß der An- schlußgedanke ebenso wie seinerzeit der Krieg und die Revolution von Herrn Stinnes dazu ausgenutzt wird, um eigenen, letzten Endes gegen die deutsche Volkswirtschaft gerichteten Plänen zur Durchführung zu verhelfen. Deuffch-österreich als Sllnnes-Filiale, die in schärfstem Konkurrenzkampf gegen deutsche Industrieunternehmungen außerhalb des Stinnes-Konzerns steht, werden auch die österreichischen Sozialdemokraten nicht wollen, obwohl sie ebenso überzeugte Verfechter des Anfchlußgedankens sind wie wir. Zur Derbllllgung der vruckpapierpreise. Den PPR. wird geschrieben: Entsprechend dem Beschluß des Reichstags vom 1. Mai 1921 hat die Reichsregierung zur Verbilligung des Druckpapier- Preises für die drei Monate April/Juni 1921 je 6 Millionen Mark im Etat angefordert. Der ferner vom Reichstag ge- forderte Ausschuß zur Nachprüfung der Preise für Druck- popier, Zellstoff und Holzstoff ist in der Bildung begriffen. Der Reichswirtschaftsminister hat den.Reichsrat und Reichswirt- fchaftsrat sowie die Organisationen der Interessenten um beschleu- nigte Benennung ihrer Vertreter ersucht. Sobald diese erfolgt ist, wird der Ausschuh seine Arbeit aufnehmen können. Bergmann- Elektrizität,- werke Aksiengesellschost. Berlin. Die Verwaltung, welch« bei der ordentlichen Generalversammlung zur Stärkung der Betriebsmittel ein« Erhöhung des Aktienkapitals um 20 Millionen Mark beantragt, erzielt« im Jahre 1920 nach Abzug der Fabrituntosten usw. einen Reingewinn von 13 563 371 M. gegen 8488849 M. im Vorjahr. Hieraus sollen 15 Proz. Dividende auf 80 Mill. M. Aktienkapital(12 Proz. auf 47 750 000 M.) verteitt werden. Im Rechenschaftsbericht der Verwaltung heißt es u. a.: Die Geschäftslage war im abgelaufenen Geschäftsjahr unserer Ge- sellschaft nicht' einheitlich, sondern wesentlich beeinflußt von der Un- stcherheit im Wirtschaftsleben, welche durch die erheblichen Schwan- kungen des deuffchen Geldwertes hervorgerufen wurde. Hierauf ist der im Monat Mai eingetreten« allgemein« Konjunktur-Rückgang zurückzuführen, dessen Auswirkung sich jedoch aus die sogenannte Handelsware beschränkt«. Während zu Ansang des Jahres Haupt» sächlich die Bestellungen von Maschinenfabriken und anderen Wie. derverkäufern im Vordergrund standen, überwogen In der zweiten Hälfte des Jahres die direkten Lieferungen an Großkonsu- m« titen, so daß wir In unserem Gesamt-Unternehwen ewe fort- gesetzte Stelgerung der Bestellungen, trotz des eingetretenen Rückganges im Wiederverkaufsgeschäft zu verzeichnen hatten. Zur Unterstützung der Verkoufstätigkeit haben wir unsere auswärtigen Ingenieur- und Verkaufsbureaus weiter ausgebaut und deren Lager mit gangbaren Maschinen und Materialien ausgerüstet. Di« Ab- teilung für Zentralen hat durch ihre Beteiligung an den schweben- den Projetten zur Clekttisizicrung der Länder und Provinzen be- langreiche Aufträge erhalten und es wurden«ine Reih« von An- lagen mtt gutem Erfolg abgewickelt. Unsere intensiv« Mitarbeit an den Projekten zum Ausbau von Wasserkräften, namentlich der süd- deuffchen Großwafferkräfte, läßt uns auch in der Folgezeit befrftdi- gende Berücksichtigung bei Vergebung derartiger Anlagen erwarten. Dem Metallwerk gliederten wir ein Rohrwalzwerk an, das sich in zufriedenstellender Entwickelung befindet. Der. Auftrags- b« st a n d, mit welchem wir in das neu« Seschäftsiahr«ingetreten sind, hat sich durch die im neuen Jahr« eingelaufenen Bestellungen bis fetzt auf fast gleicher Höhe erhalten. Unsere Werk« sind daher in den wichtigsten Abteilungen noch auf viele Monate hinaus mit regelmäßiger Beschäftigung versehen, sofern nicht durch die pol!. ttschen Eingriffe in das Wirtschaftsleben Veränderungen eintreten. die»ine reibungslose Erledigung der Aufträge in Frag« pellen. �ugenüveranftaltungen. Bettfit Srteitet.Zogeud Gtoß-Bttlf». Seltttatiat! NT. 46, Z« bt» gelte» SS. Sonnabend, den 28. Mai: Eine»nsslereilonferc», findet um Vfi Uhr Im Zentralfugendheim, Linden- struhe 3, statt. Das Erscheinen aller Kassierer ist dringend notwendig.— Brenz- lauer Vorstadt. Wanderung: Erkner— Hangelsberg— Trebuser See— Fltrsten- walde. Treffpunkt W Uhr Alexanderplatz(Bervlina). Buchholz. Wanderung Wann! kenburg.— Köpenick. ZT nick.— Ariedr:chshagen. Sonntag, den 29. Mal: - fee,- Blan- Äüpc- Vorträge, vereine und Versammlungen. gentraloerland der Znualiden»ud Witwen Deutschland«. Ortsgruppe Sroh-Berlin. Große öffentLche Versammlungen. Mittwoch, den 1. Juni, nach. tniti-g- 5 Uhr! Bez. Zenlru«, Sophlen-Ztealgymttostunt, Neinfkk. S1iS4; Bez. R-rden ltl, Sch"'..... mittags 5 Uhr: "Bez. Lichtenberg, 5 » Uhr: Bez. Charl Norden III, Schulaula Ebersmalder Str. 10. Donnerstag, den 2. Juni, na Bez. Neukölln, RealgnmnÄiuM Kaiser-Fdedrich-Str. 208/10; Realgymnasium Parkaue. ssreitag, den 8. Juni, nachmittags ilottenbirrg, Schulaula Gvethestr. 22.— Arbeiter-Samariter- Kolonne Berlin C. B. Abt. Lichtenberg. Am Montag, pünktlich, Bersamnilung bei Gemeinde. Sonntag oormittag Herrn Dr. P. Krische: monium: Ballade(i Mai, abends 7 Uhr — Freireligiöse ße, Vortrag des Entwicklung des Kosmos. Har- äste willkommen. Pieckenhagen, Echarnweberstr. 60.— ag 11 Uhr tm Rathaus, Königstraße, sinschaftskunde, I. Entwicklung des Ko �Die guten HEINZ NEEMAN« ZORAN wieder eingetroffen DeutscherMetallarbeiterverband Venvsltungzltellt Vei-IIn II SU, Clnlenftraße 83—85 Geschllstszeit von vorm. S Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Sonntag, den 29, Mai, vormittags 91/, Uhr in„Schulz� Prachtsälen", Königsgraben 2, am Alexanderplatz: Branchen- Versammlung der Walzwerk«, Blei«, Drahtkabel«, Papierrohr- Arbeiter und«Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Neuwahl der Brancheuleitung. 2. Verschiedenes. gutritt haben nur die Kollegen und Kolleginnen, die Mit- glied»es Senfs dien Melallarbelter-v erbnnde» sind. 90/20 Sie Orteoetroaltung. �TheaterLichftspieieetc.� Opernhaas Carmen fii/, Uhr Schanspielhans Fiesco 7 Uhr Deutsches Theater P/jUhr; Potasch u. Perlmutter itg. 2'/,! Cäsar und Kleopatra I Uhr; Potaseh u. Perlmutter Kammerspiele t Uhr: MesaUInnc« Bonntag 8 Uhr: Mesalliance Kr. Schanspielhans (KarlstraSe) HJ.- Ein Sommernachtstraum (AuOer Abonnement) Btg. 7 U.: Sommemachtstraom (Außer Abonnement) Theater 1. d. Kkniggratzer Str.: räglich außer Dienstag VjSUu Mit dem Feuer spielen i Uhr Satans Maske Maria Orska, Johannen Kiemann, Paul BUdt Dienstag. Salome Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhr. Hilde WSrner, Ralph ärtur Roberts. Uschi Elleot, Herbert Klper, Paul Rehkopl Komödienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: Der blonde Engel von Robert Wlnterberjc Paul Heidemann a. Q, Josefine Dorav Staatsth. a.G.Inge van derStraaten, Isa Marsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg Centrai-Theater P/jUhr: Jlonka Identaehen Opernhan. k uhr. Undine Frledr. Wilhelm st.Tli. J�Die Kleine sos der Hölle Kl. tgehan.plelliana p/,uhr; Reigen fiiiBtsplelhaus P/4 Uhr: Arnold Rleck in Die spanische Fliege Mctropol-Thoater j;? Die blaue Maznr Neuen Operettentheat. r/.uhr Ämerlcan-Girl Nonea VolkatheaZer 7 uhr: Jugendfreunde Behlller-Thcat. Charl- 77a u.: Die yersilherte Brsut Schloßpark- Theat. Steglltx, SchloßstroBe 48 Zum ersten Male 7 uhr: Donna Diana Thalia-Theater iv, uhr. Mascottchen rh.aniXolIondorfplat* |i/4 Uhr: Himmel auf Erden � Der Vetter ms Dingsda riic»'01,<�e* Westengi � Morgen wieder insük! rh. l.d. Kommandant enstr. p/, uhr Die goldene Freiheit Wal In er-Th enter P/,Uhr:L Walhalla-Theater J�Scheldnngsreise lesidenz- Theater Täglich 7 V. vhr: Carola Toelle Hermann Tallentln 'tg.'M: L Wlnderro- Fächer Kleines Theater Täglich 7'/, Uhr: Olga Limburg Kar ein Traum lonntag 4: Nor Tranm Volksbühne a�ofown. 2Vi U.: Vorstellg d. Klass. Th. Da. Postamt Die Komödie derlrrnneen 7 Uhr omodle der Irrunge - Walleasteins Tod Lessino-Ttieater Allabendlich 7Vi Uhr: Rosenmontag Deatsehes Künstler-Theater Allabendlich 7S Uhr: Die selige Exzellenz Adalbert, Junkermann, BOIIer Trlanon-Theater Täglich VjS Uhr: AmTostisoK Alfred Abel Olly Boeheim Georg Alezander Sonntag 4 U.: Am Teetlscfa Komisehe Gper Opernspielzeit Täglich /»/« Uhr jllt-lteidetberg Oper von Pacchierottf Stg.JVtz: Der Barbier ToScTllla !r WodieSehnalben nisten Nurnoch 1 >»31. Mai Natura- Iis« Ische Neuhelten mit 25 Damen. Afra die Wahrsagerin E u. weit Sensationen Ab I. Juni Die große Ausstattungsschau Der port- 'chlemilil mit dem bekannten Wilhelm , in der Titelrolle. Albort Paulig; Heinz Sarnow Erna Albert! Else Schleuka | u. eine Reihe neuer| Varietö-Einlagen und Balletts. Sommerpreise I Casino-Theater Lothringer Str. 37. T9gl.V,8 Nur noch einige AuffQhrungen des Schlager- Volksstockes ßollrich& Sohn VolhatflmUche Preis« Polles Gaprice' EckeFriedrich-u.Linienstraße Täglich 8 Uhr: Da« neue Prllnleln Dan wellte Blatt Der ledige Ehemann mit Ferd- Grünecker. Berliner?rater Kastanien-Allee 7—9 Täglich 4Vt Uhr: Me Schönste v. allen Operette!. JAkt.v.JcanQIlbert VarietG-Sensatioasn CIRCÜSBUSCH Vorletzter Tag! uhr Morgen Sonntag uL Die beiden letzten Nachm. 3 U. ein Kind trel BehrenstraBe 84 Präiis 7'/, Uhr IZlßai-meRlonen AUmlrals Palast iv. uhr: Abrakadabra Sonntag 7'/,: Abrakadabra Sehan-Surg Könlggrätzer Straße 121. Täglich SV. Uhr: Eslohe das Weben Ab 7 Uhr: Pilmprogramm Treff® Tanzparadies ZeltZ In den Zelten(Tiergarten) DiebeliehtenTanzaÖ Sonnabend, den 4. Juni: Sommernachtsball Erstklassige Musik Uelt".; Albert' Otto Erbe """"1 Circo» Carl I I «sgMdeik Nene Königstrabe j (am Alexanderplatz)| Neues Programm! u.a Feldmann m. Hagenbecks BlsbSrcngruppe Täglich 7»/, Uhr auch Sonnt, nachm. 3 U Vvkf.: Tietz u. Circusk. Theater amKottbuserTor Tägl?V, u. zu h a I b e n Preisen Sonntag nachm. 3 Uhr Elite-Sünger D. Tollständig neue Wal« Programm RelebshalL-Theater Allabendlich 1*1, Uhr Stettiner — Keue Welt— Arnold Scholz Hasenheide 108—114. Täglich: Das gr. Variete- Prggramiii (16 erstklaas.\ Attraktionen/ An f. 6 Uhr Einlaß 3 Uhr Die Kaffee-Küch« ist ron 2 Uhr ab goßttaet Trabrennen zn Ruhleben Sonntag, den 29. Mal. nachm. 8 Ehr Großes Deutsches Traber■ Derby. s ehlpDhranerei Sehdneherg Hauptstraße 122/123™- Stephan im Ab Sonntag, den 99. Bat>991: Beginn det Internation. Ringkämpfe |EIDEi. d HAUMANN Vertreter: Emil Halbarth BERLIN W8. Friedrichs traßo 56b TELEPHON: Zantnun 10440 Ab Oberbaumbrficke jeden Sonntag nach Keu-Keringsdov] Woltersdorf. Schleuse Abf. 8.30 Uhr vorm. und 2 Uhr nachm. Außerdem jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag durch die herrlichen Havelseen über Potsdam nach Ferch am Schwlelowsee. Abf: 8 30 Marschallbrücke, Friedrichstr, 9.1 5 Cbail.,TegelerWeg.'.Reederei Kleck, Falckenstelnst 48. MplSl1)? Commerz- undPHvaf-Bank Aktiengesellschaft Einnndfunfzigste ordentl. Generalversammlung der Aktionäre am Mittwoch, den 29. Juni 1921, vormittag» N Uhr, Im Sltzansssaale der Bank In Hamburg, Ness Nr. 9 Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, sowie Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung und Vorschlag zur Gewinnverteilung. 2. Bericht des Aufsicht-ates über die Prüfung der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung sowie des Vorschlages zur Gewinnverteilung. 3. Beschlußfassung Uber die Genehmigung der Bilanz und die Entlastung des Vorstandes und des Aulsichtsrates, sowie Ober die Verteilung des Reingewinns, 4. Wahlen zum Aufsichtsrate. 5. Statutenänderung,(Aenderung des§ 15 der Statuten). Diejenigen Aktionäre, welche sich an der Generalrer sammluns beteiligen wollen, haben Ihre Aktien spätestens am 24. Juni d. J. während der üblichen Oeschäftsstunden bei unseren Niederlassungen In Hamburg, Berlin und Magdeburg, unseren sämtlichen Filialen und Zweig. stellen, sowie In Cassel bei dem Heesischen Bankverein Aktien- gesellacbatt, Ii , Chemnitz bei unserer Niederlassung und bei dem Chemnitzer Bankverein, » CSln a. Rh. bei unserer Niederlassung and bei Herrn J. H. Stein, „ Dresden bei unserer Niederlassung und bei dem Chemnitzer Bank verein, „ Palkenstein bei der Vogtländlscfaen Credit-Anstalt » Frankfurt a. M. bei unserer Niederlassung und bei den Herren J. Dreyfus& Co., , Gera(Reußj bei der Firma Gebr. Oberlaender, „ Lßban bei der Lßbauer Bank, 9 München bei unserer Niederlassung, bei der Bayerischen Vereinsbank und bei Herrn Alfred Lerchenthal, , Weimar bei unserer Niederlassung und bei der Thüringischen Landesbank Aktien» gesellschalt zu hinterlegen und bis zum Schluß der Generalversamm- lunc daselbst zu belassen oder die Hinterlegung bei einem deutschen Notar dadurch nachzuweisen, daB sie ciaer der genannten Anmeldestellen spätestens am 24. Juni d. Jahres einen ordnungsmäßigen Hinterlegnngsschein des Notars in Verwahrung sehen. Dieser Himeriegungs- schein gilt nur dann als ordnungsmäßig, wenn darin die hinterlegten Aktien nach Nummern genau bezeichnetsind und wenn überdies In dem Hinterlegungsschein selbst bescheinigt ist, daB die Aktien bis zum Schluß der Generalversammlung bei dem Notar in Verwahrung bleiben. Gegen Hinterlegung der Aktien oder Einreichung der notariellen Hinterlegungsscheine werden Eintrittskarten ausgehändigt Die zu hinterlegenden Aktien künnen ohne Gewinnanteil- Scheine und Emeuerungsschein eingereicht werden. Homburg, den 27. Mal 1921. Der Vorstand. Möbel zu bedeutend herabgesetzten Preisen Bar oder Teilzahlung bei kleinster An- u.AbzahL lulantetta Bedlngiingen Wobulmnar, Schlablnair, Spaisazlnuner, HarreazIniBer Bunte Küchen Einzelne Möbel Liefere auch n. auswärts. Lagerung kostenlos. Möbel-Cohn Gr, FranklDrter Str. 58 5 Min.vom Alexanderplatz. Filiale: Badstr. 47-48. 3 Min. v. Bhf. Qesundbr. Reste-Haus C.Pelz Kottbuser Str. g Anzugstoffe Koslümstoffe Hantelstoffe Kleiderstoffe Seidenstoffe Mäntel Kostüme Röcke am, reell, billig I Spreewälder Speise-8et»i>l- Mühle. Niederlege Fruchtstr. 39. Tägl frisches Speife-L Belm Borzeigen 10 Proz. Rcbctt. .Garderobe. auf bequemste Teilzahlung HEBBEK.I DANEN- Anzfige, Hosen, I Paletots, Kostüme, Sport-Paletots.| Rück e, Kleid er. 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Diverse Gläubiger 103 843,46 4171,- 270,- 1,— 170 090 81 6009,20 13 00b,- 481427 4 124,11 30 338,04 Nettogewinn 1.4 20 bis 31. 3. 21 4261,73 Gewinn- 17009u.nI n. Verlustkonto. Debet. Verlust auf divers. Konten....... General Unkosten. Zinsenkonto.... Kranken• Kassen- Beiträge..... Veriust an einem behördlichen Bau Nettogewinn 1.4. 20 bis 31. 3. 21---- Kredit Gewinne aut behördliche Bauten Gewinne auf privat. Bauten....... Gewinne, diverse. 297,80 13 628 3, 1 440,03 3477,13 24369,52 4 261,73 47 4/4,57 26 894/83 20 408,74 171- 47 474�7 Es sind Im Laufe des Jahres eingetreten: 69 Genossen. Es sind Im Laufe des Jahres ausgetreten: 1 Genosse. Es gehören der Genossenschaft an; 73 Genossen. Die Genossenschafts-Gut- haben der Genossen haben sich um 3095,80 M. vermehrt und um 420,13 M. vermindert Die der Genossenschaft an- gehörigen Genossen haften mit Anteil und Haltsumme von 15 000 M. NIeder-Schönhausen, den 23. Mai 1921. Der Vorstand: gez. O. Alten. Heinzelmann. Oer Autslchtsrat: gez. J Buchweitz, R. Bobke, A. Scharge. «bessta-rp-mpen, Druckpumpen, Sauger. Rohre, ge- braucht«, neue, spottbMtg. Schrocder. Hochstrahe 33. WST Bin Versuch xenüxt und Seit ca. 30 Jahren bestbewahrtes. Im Gebrauch billigstes Waschmittel In garantierter Friedens qualitat L. MINLOS MÜos�WascAptf/, beweist Fort mit Seife und Soda! IVIinlo8*eh'"Wa8chpulver Zelt, spart Geld und Arbeit. '"ä hängen 1 Garantiert unschädlich fUr die Wäsche & Co., KÖLN-EHRENFELD Vaptretan PareHnand LBdwIg, Barlln, Gnnlaanaustr. SB. Parnspr.» Amt Morltapl, 3563. Deotsehar BettüsrbJlleriMb, »rrwaltnngsftelle Berlin. Den Kollegen zur Räch. richt, bah unser Kollege, der Schloffer klvdsrö SeduLter Reukölln, Friedelstr. 44 a am 23. Mai gestorben ist Die Einäscherung findet heute Sonnabend, 28. Mal. nachm. 3 Uhr, im Krem«. tortum Banmschntenweg, Kiesholzstr, statL Zernerstard unserKollege, der Werkzengmacher 0«!lsr Syllsr Treptow, Srarhstr. 12 am 28. MaL Die Beerdtgung findet heute Sonnabend, 28. Mal, nachmittag» 12Vj Uhr, von der Leichenhalle des(Sc meindefrledhofcs Treptow, Kiefholzstr� aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 90/19 Sfaehraf-■ Den Kollegen zur Nach. richt, daß unser Kollege, der Sraveur 'M ScMminelpIeiinig Berlin. Landoberger Str. 10 am 30. Mai gestorben tst Am 28. Mai starb unser Kollege, der Werkzeugmacher Max Fester Neukölln, Eibesir. 28 Ferner starb am 23. d. M der Klempner IMer Kloth Llltzowstr. 48 Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser iValter Ebert Berlin, llferftr. 1 am 24. Mai gestorben ist. Ehre ihrem Anbeuten I Dt« Ortooerwaltnng. Auf unsere Ausforderung vom 30. April 1921 nm Eineeichung von Vorschlagelisten für die Dahlen der Vertreter zum Aus- schuh der Innungskrankenkasse der Juweliere», Gold» und Silberschmiede. Innung zu Berlin find seitens der Arbeit» geder und seitens der Ber» sicherten nur je eine Liste ein- gereicht worden. Auf Grund de» ß 9 der Wahlordnung gelten demnach die aus den solgmden Liften bezeichneten Personen ohne Slimmadqabe als gewählt: a) Lifte der Ar» beitgeber, anfangend mit dem Namen Max Rost und endigend mit DSbler; b) Lifte der Versicherten, anfangend mit dem Namen Hermann Heckel und endigend mit Hermann Dietrich. Berlin, 39. Mai 1921. Der vorstand d. Innung«» krankenkafse derZuwelier-, Gold- und SIlberschmlede- (Zwang«)- Innung zu Berlin. »»st, Borststender. ' Schriftführer. 21/4 Zinn u. Blei sowie alle Altmetalle kaufen zu Tagespreisen MetafischiRBizverke, Waldemarstr. 74. Telephon; Moritzplatr 9988 MetairÄ"8 Grüner Weg 80 zahlt Tagespreise für Knpfer, Messing, Blei, Zink etc. in vom Parzellen eggetsbotf, 15 Min n Bahnhos Sttausbetg ~l oetsaufen. Kühn& cu. Botckftr.1L Kurs. 3»63 Minuten ent» Dfuferfirr Iflfin&fimd ßmgen die OTlarfe hes vetwo�inte�tni WiWWnVcMD Vetttefec»'»r verlin: M s. BUraWet, Betlia B. 50, ANS» Stt. 3, Kl.!Il»« 524 KIMMMMl MMKelS S. IB. 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Varga: Die I...... vjet russischen Konferenz der Transportarbeiter/ Der englisch-russische neue Wirtschaftspolitik Sowjet-Rußlands/ Lenins Rede auf der All- Handelsvertrag/ Verfrag zwischen Rußland und Persien/ Vertrag zwischen Rußland und der Türkei/ Friedensvertrag zwischen Rußland, der Ukraine und Polen/ J. Rappoport: Die Wirtschaft Turkestans im Jahre 1920/ A. Golzmann: Das Problem des Arbeitslohnes. 128 Seilen Preis 5 M. Zu beziehen durch Frankes Verlag G.m.b.H., Leipzig • Tnehfabrik-Jfiederlage• von H. Lamprecht, Scclin- Xcepfoto. vonchösir. 17, verkauft Oomen-,©ecrenffoffc zu Fabrikpreisen an Private Gute dauerhaft» Herr-nstofte von 46 M. an auswärts. Zähne Ion S u Erstkl. AastQhrang;. 5 Jahre Garantie. Umarbeitung alter. an Gebisse, Reparaturen sofort. Goldkronen, Brucken, Zahnziehen mit Erleichterte Zahlunssbeiimen! Herren- Kleidung nach Mass Gute VerarteM' Massige Prehe Annahme von Stoff zur Anfertigung! 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Von amtlicher Stelle wird folgende Erklärung des Kul- tusministeriums verbreitet: Auf Grund der programmatischen Ausführungen des Oberschul- rats P a u l f e n- Berlin über die künftige Gestaltung und den Auf- bau des Schulwesens find in einigen Fällen Befürchtungen laut geworden, es könnte die Grundlage der friedlichen und ruhigen Entwicklung zerstört und die weltliche Schule über Gebühr gefördert, die voll ausgebauten Schulsysteme könnten in Zweig- schulen(in der Form von Schul-, Kultur- und Arbeitsgemeinschaftens mit geringerer Leistungsfähigkeit zerschlagen werden und das unbe- dingt notwendige Mah von Ordnung und Zucht in der Jugend- erziehung könnte verloren gehen. Diese Befürchtungen sind völlig grundlos. Es ist zunächst ganz selbstverständlich, daß grundsätzliche Neuerungen im Schulwesen mit der Reichsverfassung und den zu ihrer Ausführung erlasse- nen Gesetzen in Einklang stehen müssen. Aber innerhalb dieser Grenzen bleibt immer noch Spielraum genug, um im einzelnen neue Wege zu gehen, neue Unterrichts- und Schulreformen zu erproben und damit der Entwicklung des gesamten Schulwesens die Bahn frei zu machen. Wenn aber solche Versuche unternommen wurden, sah die Schulaufstchtsbehörde in jedem Falle davon ab, Eltern und Kin- der gegen ihren Willen zur Teilnahme daran zu zwingen, schon weil damit gleichzeitig die vorurteilslose Erprobung in Frage gestellt würde. Es werde immer dem freien Ermessen des Elternhauses überlassen bleiben, wie weit es sich daran beteiligen will. Alle Befürchtungen bezüglich einer V er g e w a l t i g u n g der Kinder und Eltern seien demnach völlig unbegründet. Wenn man auch im Zweifel darüber fein kann, ob ein solcher hochoffizieller Beruhigungserlaß notwendig war, so zeigt doch der Erlaß selbst in ersteulicher Deutlichkeit, daß das Kultusministerium nicht gewillt ist, dem reaktionären Eltern- ansturm gegen Paulfen nachzugeben. Hierzu liegt auch den Plänen Paulsens gegenüber, die sich in streng verfassungs- mäßiger Richtung bewegen, nicht der mindeste Anlaß vor. Wohl aber sollten alle diejenigen, die durch ihr ebenso lächer» liches wie würdeloses Verhalten diese ministerielle Erklärung hervorgerufen haben, beschämt die lächerliche Rolle erkennen, die sie gespielt haben._ Das Charlottenburger Attentat. Der Anschlag aus die 6S-Pfeiler-Brücke in Eharlottmburg kam zur Verhandlung vor dem Sondergericht des Landgerichts II unter Borsitz des Landgerichtsdirektors Ernst. —.Stactsanw.-Rat Vater klagte den Angeklagten Christoph K r a m e r durch folgende Ausführungen an: Der Angeklagte ist Mitglied der Kommunistischen Partei. In der Karwoche habe eine Versammlung der Funktionäre der Partei in Charlottenburg be- schlössen, auch hier zur gewaltsamen Beseitigung der Regierung und zum Generalstreit mit Gewaltakten vorzugehen. Am 2ö. März brachte der bereits in Dresden zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilte Schulz ein Paket mit Pitrinsäure-Körpern in die Wohnung des Angeklagten in Charlvltenburg und ließ es bei der Wirtin, Frau Post, zurück mit dem Bemerken, daß er abends wiederkommen werde. Abends kam Schulz mit dem unauffindbaren Calweit, sie trafen Kramer an und alle verabredeten sich, an irgend- einer Stelle eine Sprengung vorzunehmen. Zunächst dachten sie daran, die G a s a n st a l t an dem Bahnhof Jungfernheide in die Luft zu sprengen. Sie standen aber schließlich davon ab, ebenso von dem Plan, den Anschlag gegen das Amtsgericht Char- lottenburg auszuführen. Schließlich kamen sie an die KS-Pfeiler- Brücke. Schulz legte das Sprengpaket in eine Nische der Bedürfnis- anstalt an der Holtzendorf- und Rönnestraße, zündete die Zünd- schnür an und entfernte sich dann. Bald darauf erfolgte die Explo. sicm. Der Angeklagte soll draußen aufgepaßt haben, um Stürungen fernzuhalten. Er ist erst am 20. April in der Nähe von Magde- bürg ergriffen worden. Er behauptete im heutigen Termin, daß er zwar Kommunist, aber Feind aller Gewalttaten sei. Er habe von den Beschlüssen der Versammlung nichts gewußt und als Schulz mit den beiden Genossen ihn bedrängten, doch an dem Unternehmen teilzunehmen, habe er sich schließlich dazu ver- standen, unterwegs habe er sich aber bemüht, die Genossen wieder und immer wieder von dem„Unsinn" abzubringen. Er will auch nicht Aufpasserdienste geleistet haben. Die zahlreichen, in seiner Wohnung vorgefundenen Waffen rührten noch aus den Tagen des Kopp-Putsches her.— Schulz, als Zeuge, erzählte mit lächelnder Miene die Pläne, welche in der Funktionärversamm- lung besprochen worden waren und in denen auch vom Abmurksen von Sipo-INannschofien die Rede war. Er belastete den Angeklagten, indem er be- bauptete, daß Kramer an der Funktionärversammlung teilgenom- wen und sich bereit erklärt habe, an der Sprengung teilzunehmen. — Staatsanw. Vater beantragte gegen den Angeklagten sechs Jahre und einen Monat Zuchthaus, 10 Jahre Ehr- vertust und Volizeiaufsichr.— Verteidiger F r ä n kl beantragte eine mildere Afrafe für den 61jährigen, nur unbedeutend vorbe- straften Angeklagten, da dieser doch nur widerstrebend mit den anderen mitgegangen sei und die Absicht verfolgt habe, den Schulz von dem verbrecherischen Vorhaben abzuhalten.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 5 Zahren 7 Alonalen Zuchthaus, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und Einziehung der beschlagnahmten Waffen. Ein Monat wurde auf die Untersuchungshaft angerechnet. Todesstrafe gegen marokkanistbe Mörder. Mainz, 27. Mai.(WTP.) Im Schwurgerichtssaal des Justiz- gebäudes fand heute unter großem Andrang des Publikums vor dem französischen Kriegsgericht die Verhandlung gegen die beiden marokkanischen Soldaten Mohamed Ben Achmed und Mahmed Ben Mohamed, die am Himmelsahrtstage auf der Straße Höchst— Ried den Angestellten der Höchster Farbwerke Bergmann ermordet haben, statt. Die Angeklagten sind der Tat geständig, erklärten aber, so betrunken gewesen zu sein, daß sie sich des Vorgangs nicht mehr erinnern könnten. Der Militär- staatsanwalt beantragte gegen beide Angeklagte die Todes- ft r a f es, der Verteidiger plädierte bezüglich des Mohamed Ben Achmed auf Totschlag unter mildernden Umständen, da er besinnungslos betrunken gewesen sei; für Mahmed Ben Mohamed beantragte er Freisprechung mangels hinreichender Beweise. Dos Urteil lautete gegen den ersten Angeklagten auf Todesstrafe und Degradation, für den zweiten auf lebenslängliche Zwangsarbeil und Degradation. Ferner wurde gegen den �chährigen Wirt Josef Maier aus Ried, der beschuldigt ist, den Soldaten eine Flasche Kognak verkauft zu haben, verhandelt. Moier b e- st r i t t. den Kognak verkauft zu haben, das sei während seiner Ab- Wesenheit durch seine Nichte geschehen. Demgegenüber bekundeten zwei Zeugen, ein Dolmetscher und ein d e u t s ch e r P o l i z e i- w a ch t m e i st e r, daß der Wirt bei seiner ersten Vernehmung zu- gegeben habe, den Kognak selbst den Soldaten verkauft zu haben. Dos Urteil lautete auf drei Monate Gesöngnis und 5000 Mark Geld st rase._ Vorzensur über den Stuttgarter„Kommunist". Die m ü r t- temberiischc Stontsregierung hat über die Zeitung „'der Kommunist" die Vorzensur auf die Dauer von einem Monat verhängt. Seit dem 7. Mai d. I. war„Der Kommunist" wegen Aufreizung zum Hochverrat und Landesverrat sowie Vergehens gegen die Pressegesetz« beschlagnahmt. Der zweite Kriegsverbrecherprozeß. Im Prozeß gegen den Hauptmann a. D. Müller vor dem! Reichsgericht wurde die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Major a. D. v. B o m s d o r f aus Charlottenburg hotte als Kommandant von Beaumont die Aufsicht über das Gefangenenlager Flovy und andere Lager der Gegend. Die Verhältnisse feien sehr ungünstig gewesen: auch für unsere Leute bestand großer Mangel. Ein von dem Zeugen überreichter Bericht des Angeklagten beweist,; daß der Angeklagte alles getan hat, was er konnie, um die unzu- reichenden gesundheitlichen Verhältnifse zu bessern. Der Bericht i.ürd verlesen. Es heißt darin, daß die Gefangenen es wegen verfchie- dener Umstände vorzögen, sich nicht zu waschen: die meisten seien verlaust usw. Die Gewichtsmengen der Nahrungemittel werden in dem Bericht angegeben, darunter täglich zwischen 20 bis 40 Gramm Fleisch. Täaiich meldeten sich 20 bis 40 Mann krank, darunter na- türlich auch Simulanten, lieber diesen Bericht vom 8. April hat der Zeuge sogleich Mitteilung an eine höhere Stelle gelangen lassen. Es wlirde darin Material zum Ausbau der Baracken, Holzwolle, Decken und Kleider angefordert, auch ein Arzt wurde verlangt. Aber es gab eben keinen. Ein junger Arzt, der schließlich in das Lager Flavy geschickt wurde, hat die Verpflegung der Gefangenen ver- bessert. Daß die Arbeitskräfte der Gefangenen überspannt war- den wären, habe er nicht gehört. Nur hätten die Gefangenen über Krankheiten geklagt. Das hinge zum Teil mit den dortigen Boden, und Witterungsverhältnifsen zusammen. Daß die Kost bei der Notlage der damaligen Zeit kärglich war, sei selbstverständlich. Von übermäßiger„Schneidigkeit" des Angeklagten hat der Zeuge nichts gehört. Der Zeuge erzählt noch, daß er sich mit einem ge- fangenen Feldwebel lange in dessen Muttersprache unter- halten habe, daß dieser aber keinerlei Beschwerden erhoben habe. Zeuge Ingenieur Hermann S e i p k e aus Elberfeld war eben- falls im Landsturmbataillon Gelsenkirchen und als Hauptmann der Landwehr in dem anderen Gefangenenlager in Flavy. Er hat einen Teil seiner Gefangenen im Lager des Angeklagten unterbringen müssen. Daß Müller die Gefangenen sehr streng behandelte, hat er zwar gehört, aber Einzelheiten von etwaigen Ueberschreiwngen seien nicht zu seinen Ohren gekommen. Müller sei ein sehr nervöser Mann gewesen, Zeuge Ingenieur Dr. P o u r v o y aus Charlottenburq hat das Lager als Ordonnanzoffizier beim 26. Reservekorps im Juni oder Juli 1918 gesehen. Den Angeklagten hat er nicht kennen gelernt. Er hat von dem Lager, das sauber war, einen guten Eindruck be- kommen. Von einem Massensterben hat er nichts gehört. Zeuge Kaufmann Bruno Brey er aus Kottbus war kurze Zeit im Lager und macht Angaben über die Küchenverhältnisse. Zeuge Oberbergamtsfekrstär Koch aus Dortmund, der bald nach dem Angeklagten Lagerkommandant wurde, hat von schweren Krankheitsfällen nichts geseben. Er hat nur einen Todessall erlebt. Zwar hat er gehört, daß Müller die Leute streng und schroff behandelte, ober Einzelheiten hat auch er nicht vernommen. Zeuge Ziegelmeister Wilhelm Laghusemann aus Gelsen- kirchen war Sanitätssergcant im Lager. Er erinnert sich des Diphtheriekranken nicht, dem der Angeklagte in den Hals gesehen habe. Im übrigen hat er Kenntnis von den schlechten sanitä- ren Verhältnissen gehabt. Hauptmann Müller sei sehr streng und heftig gewesen und die Gefangenen hätten über ihn gelacht. Der Zeuge bat einen Todesfall erlebt und dem Angeklagten gemeldet. Er erzählt dann noch von zwei weiteren Todesfällen, die unter Müller vorgekommen fein sollen. Der Angeklagte bleibt dabei, daß unter ihm nur ein Mann ge- starben ist. Der nächste Zeuoe, dessen Name im Zuhörerraum unverständlich bleib t> kam zu einer Zeit ins Lager, als Müller nicht mehr dort war. Er wacht Angaben über die gesundheitlichen Zustände im Lager. Zeuge Friedrich Röder, Korrespondent in Frankfurt a. M., ist dcr Sohn eines in England naturalisierten Deutschen, der in die englische Armee eingetreten ist. Als englischer Sanitätssoldat ge- langte er Ansang 1918 nach Flavy, wo damals von den Eng- ländsrn deutsche Gefangene untergebracht waren. Die Verhältnisse seien sehr schlecht gewesen. Die Barocken waren vollkommen defekt. Zeuge Vorarbeiter Jqnaz Viela aus Wilhelmsburg macht Angaben über die Verlautbarungen im Lager und sagt, daß 60 Todesfälle vorgekommen seien. Mlerdings feien sehr viele Engländer durch Flieger- bomben getötet worden. Mißbandlungen der Gefangenen durch den Angeklagten habe er nicht wahrgenommen. Der Zeuge bemerkt noch, daß die Toten, als die Sterbefälle sich mehrten, ohne Decken begraben werden mußten. Der englische Zeuge Loregreve behauptet, daß der Ange- klagte in die Gefangenen hineingeritten sei uno einige mit einem Stock geschlagen babe, und zwar solche, die sich krank meldeten, wie auch andere, die nicht krank waren. Der Zenge sagt weiter aus, er sei in Gegenwart Müllers von einem Wachmann mit dem Kolben geschlagen worden, als er zu svät zum Appell erschien. Der Ange- klagte habe dabei g el a ch t. Wasser zum Waschen sei selten in das Lager gekommen. Drei Wochen nach der Ankunft der Gefangenen im Lage? seien die ersten Todesfälle vorgekommen. Später häuf- t e n sich die Todesfälle. Der Angeflagt'e will die Zeugen nur mit einem Stock am Schuh berührt haben. Er habe beanspruchen können, daß die Gefangenen ihm gegenüber«ine militärische Haltung einnahmen. Der Zeuge betont nochmals, daß der Ange- klagte ihn mit einem Stock« üb er den Rücken geschlagen habe. Auf dem Marsch habe ihn der Angeklagte aus dem Glied« gezogen und gestoßen, weil er beim Vorbeimarschieren nicht den Kopf nach rechts gehalten habe. Der Angeklagte bestreitet diese An- gaben. Der Zeuge Frederic Lawrence macht ebenfalls Angaben über die Verhkistnille im Lager. Einzelne Angaben des Zeugen be- anstandet der Präsident, indem er darauf hinweist, daß bewußte Unwahrheit unter Eid auch in England bestraft wird. Der Zeuge behauptet, der Ange- klagte habe höhnisch gelacht, als er die Schwerkranken auf der Lattine photographierte. Als er mit einem deutschen Wach- posten gesprochen habe, habe ihn der gerode vorübergehende Ange- klagte mit einer R e i t p e i t s ch e ins Gesicht geschlagen. Der Zeuge bleibt dabei, daß der Angeklagte einem Toten, der schon im Grabe log. die Decke weggerissen Hab?. Es fei nur ein Stück abaenutzter Decke gewesen. Der Angeklaote Hobe dieses Stück auf die Seite ge- warfen, damit es jemand wieder ins Lager mitnehmen sollte. Ob dies geschehen ist, weiß der Zeuge nicht. Der Angeklagte bestreitet die ihn belastenden Aussagen des Zeugen. Zeuge Charles G r e ch sagt aus, daß die Todesfälle vier Wachen nach der Ankunft im Lager begonnen hätten. Manche Tote feien ganz nackt begraben worden. Der Angeklaote soll in einer Ansprache an die Gefangenen gesagt haben Weil die englische Flotte Deutschland blockiert und aushungert, sollen auch die englischen Gefangenen ausgehungert werden. Einer der deutschen Machmannschaften Hobe die Gefangenen mit einem Stocke aus den Baracken getrieben. Der Angeklagte bestreitet di" Aeußerung über das Aushungern der G-fanz-nen: er will nur gesagt haben:„Wir haben selbst nichts zn essen." Diese Aeußerung hake ein englischer Dolmeticher übertragen. Ob dieser-ichtig über- setzt habe, weiß der Angeklagte nicht. Gesa igen« loiil er nur„be- nlt.it" haben um die Ordnung ausrecht zu erhalten, nicht mit der ?!! liebt der Mißhandlung. Ein Mann habe die Arbeit verweigert, und ein deutscher Wachmann Hobe ihn mit dem Kalben zurück- gewiesen, weil der Cnchäuder mit eineni Spaten gegen den Wach- mann vorgegangen sei. Einen solchen Widerstand habe er nicht. dulden bfiiffn. Gegen U 2 Uhr wird die Verhandlung bis 4 Uhr ausgesetzt. In der Nachmittagssitzung wird die Beweisouf- nähme fortgesetzt. Der Zeuge Albert Cecil Tanter bekundet ebenfalls, daß der Angeklagte in die Gefangenen hineingerit- ten sei. Viele von den Leuten hatten keine Möglichkeit, auszu- weichen. Der Zeuge erzählt von einem Todesfalle am 28. April und von dem Anbinden eines Gefangenen an den Pfahl. Die Fesse- lung soll zwei Stunden gedauert haben. Der erwähnte Todesfall fei nicht der erste gewesen, einige Fälle seien vorhergegangen. Ein weiterer Fall von Anbinden, der drei Stunden gedauert haben soll, hat der Zeuge erst im Juni wahrgenommen, als der Angeklagte längst nicht mehr im Lager war. Der Ange- klagte erklärte, er habe das Anbinden nur als eines der weniger scharfen Mittels!) benutzt, um der entstehenden Meuterei entgegen- zutreten. Zeuge Lawrence P e a c e Hot gleichfalls dos Umreiten von Leuten bemerkt. Zeuge Leslie William Tinle erklärt, daß sein Gesundheitszu- stand Ende April so schlecht geworden sei, daß er im Lager geblieben und Arbeit nicht mehr geleistet habe. Um diese Zeit waren 250 Mannn krank. Der Zeuge macht dann Mitteilungen über Todesfälle. Der eine Mann sei nach seiner Meinung buchstäblich von Läusen aufgefressen worden. Ob damals der Angeklagte noch im Lager war, weiß er nicht. Das Umreiten von Gefangenen durch den Angeklagten hat er gesehen. Der Angeklagte sei hineingeritten, um «inen Mann zu schlagen. Zeug« John Stiles erzählt von der Ueberfülluno der Schlaf- barocken und daß manche Gefangenen lieber draußen schliefen. Auch er weiß, daß der Angeklagte Gefangene geschlagen habe, ein Mann sei infolgedessen zu Boden gefallen. Wenn Leute ihm im Wege standen, habe der Angeklagte mit einem Stocke um sich geschlagen. Das Photogrophieren der Kranken bat der Zeuge auch gesehen. Auch will er gesehen haben, daß der Feldwebel Schubert in Anwesenheit des Angeklagten einen Mann nieder- geschlagen habe. Der Angeklagte habe sich geweigert, die Leute zum Arzt gehen zu lassen. Die ihn belastenden Angaben des Zeugen bestreitet der Angeklagte. Zeuge Frederic Thomas Ray gibt an, die Gefangenen hätten Brennessel suchen und kochen müssen. Gelegentlich habe es Fleisch von einem Pferd« gegeben, wenn das Tier auch schon 6 Wochen tot war. Der Zeuge weiß auch, daß ein Mann angebunden wurde. Dos Sterben habe in der dritten Woche begonnen, und als er und andere das Lager verliehen, seien 6 0 Mann tot gewesen. Der Zeuge hat 24 Narben von Geschwüren an seinem Körper, die von seinen Leiden im Lager zeugen. Der Präsident bemerkt dazu, man glaube ihm das. Zeuge Edward D r e w c o ck berichtet ebenfalls von dem Hinein- reiten in die Mannschaften. Ein Mann sei beim Arbeiten o h n? mächtig geworden und wurde dann zur Arbelt gezwungen. Der Fall sei später dem Angeklagten gemeldet worden, dieser habe den Mann aber als Simulanten angesehen. Der Mann habe darauf hingewiesen, daß er schwer an der Ruhr leide, der An- geklagte habe ihm aber einen Arzt verweigert. Wenn die Leute wegen Schwäche auf dem Marsche zurückblieben, seien sie geschlagen worden, und der Angeklagte habe dies geschehen lassen. Der Angeklagte bestreitet entschieden, diesen Zeugen ge- schlagen zu haben. Er habe mit den Leuten, zu denen der Zeuge gehörte, nichts zu tun gehabt. Sie gehörten zu einem Nachschub, der einige Tage vor seiner Abreise ankam. Der Zeuge habe nicht unter seinem Befehl gestanden und sei offenbar vom anderen Lager herübergekommen. Cr, der Angeklagte, habe diese Leute nur zur Verpflegung zugelassen. Major v. Bomsdorf gibt Auskunft dahin, daß das Zelt- lager nicht unter dem Befehl des Angeklagten ge- standen habe. Der Zeuge D r e w c o ck bestreitet, sich in das Lager einge- schlichen zu haben. Er sei zur Arbeit gezwungen worden, ob- wohl er an Rheuma und an der Ruhr litt. Zeuge D. W. Harword gibt an, er habe arbeiten müssen, bis er nicht mehr tonnte. Er war im Zeltlager und hat dort n ie- mals einen anderen Offizier gesehen als den Ange- klagten. Auf dem Heimweg von der Arbeit habe er gesehen, wie der Angeklagte, der vorher mit einem höheren Offizier gesprochen hotte, in die Leute hineingeritten sei und sie mit einem Stocke geschlagen habe. Zeuge W. E. Rose bekundet, daß die Gefangenen von den Wachmannschaften mit K o l b e n st ö ß e n aus den Baracken hin- ausgetrieben wurden, wenn sie dem Rufe nicht Folge leisteten. Der Angeklagte sei beim Appell in die Reihen hineingeritten. Die Beerdigung der Toten sei nicht würdig gewesen. Der Zeuge weiß aber nicht, ob dies erst nach dem Weggange des An- geklagten geschehen ist. Er hat zwei Leute angebunden ge- sehen, gibt aber zu, daß dies nach der Zeit des Ange» klagten gewesen ist. Der Zeuge I. W E l l i s will gesehen haben, daß die deutschen Wachmannschaften sich bei der Beerdigung von Ge- fangenen amüsierte». Der Präsident ermahnt den Zeugen, die Wahrheit zu sagen, da von glaubwürdigen Zeugen bereits be- kündet worden sei, daß die deutscher, Wachmannschaften sich dabei musterhaft benommen hätten. Der Zeug« behauptet, daß zwei entflohene Gefangene wieder ergriffen und an den Pfahl ge. b u n d e n worden seien zu einer Zeit, als der Angeklagte noch im Lager war. Zwei Soldaten hätten sich an die Seite der Gefangenen gestellt und sie gezwungen, in die Saune zu sehen. Es wird dann der Zeuge B i e l a nochmals vorgerufen. Er sagt aus, daß er nur von einem angebundenen Gefangenen wisse. Diesen Gefangenen habe er selbst auf Befehl des Angeklagten an- gebunden. Müller habe befohlen, den Gefangenen drei Tage hintereinander zwei Stunden lang onzu- binden. Am zweiten Tage habe er, Zeuge, aus Gutmütig- k e i t den Gefangenen nur anderthalb Stunden am Pfahl gelassen und die Stricke locker gebunden. Am dritten Tage habe er den Gefangenen laufen lassen. Der Angeklagt« bestreitet mit Heftigkeit, etwas davon gewußt zu haben, daß der Gefangene auch am zweiten Tage an. gebunden worden ist. Der Zeuge Biela bleibt aber bei seiner Angabe. Der Angeklagte erklärt, es müsse sich um einen Irrtum hau- deln, er habe keinen Engländer wegen Fluchtversuchs anbinden lassen. Er habe nur den Mann binden lassen, en er als Rädelsführer der Verabredung ermittelt habe, die dahin ging, Widerstand zu leisten. Der Zeuge E. A. Sharp stellt sich als derjenige vor, der angebunden worden ist. Er sei gezwungen wordeu, in die Sonne zu sehen, bis er umfiel. weil er von der Arbeit entwichen war. Der Feldwebel Schubert habe ihn anbinden lassen. Er habe nicht daran gedacht, sich zu be- schweren. Soweit er sich erinner«, sei Müller zu jener Zeit noch in Flavy gewesen. Major v. Bomsdorf teilt hierauf auf Grund seiner Akten mit, baß der Angeklagte am 5. M a i a vg ereist ist. Der Angeklagte bemerkt dazu nochmals, daß bis dahin nur ein Todesfall vor- gekommen sei. Nach iVi Uhr abends wird die Verhandlung auf Sannabend 9 Uhr vormittags vertagt. GewerMastsbewegung Sie Spv.-Metallarbeiter zum verbanSstag. Die SPD.-Metallarbeiter hörten am Donnerstag im„Deutschen Hof" einen Vortrag von Wilhem S i e r i n g über den kommenden Verbandstag in Jena und feine Bedeutung für die Zukunft des Deut- schen Metallarbeiterverbandes. Unter anderem sagte er: Die vom unabhängigen Verbandsvorstand aufgestellte Tagesordnung, die rein geschäftsmäßig sei, gehe an den großen Fragen der Zeit vorbei. Die Kritik Dihmanns und eines Müller hätte im vollsten Maße eingesetzt, wenn der frühere Verbandsvorstand solch eine dürftige Tagesordnung aufgestellt hätte. Dißmanns Artikel in der„Metallarbeiter-Zeitung" ließen erkennen, daß der gegenwärtige Verbandsvorstand von der Angst gepeinigt werde, die in Stuttgart auf dem Verbandstag vor zwei Jahren eroberte Machtposition wieder zu verlieren. Der sicherlich auf dem Verbandstag wieder einsetzende politische Richtungs- st r e i t werde hoffentlich die Behandlung der wirtschaftlichen und rein gewerkschaftlichen Fragen nicht allzu sehr in den Hintergrund drän- gen. In Stuttgart wurden die Sozialdemokraten aus dem Vorstand hinausgewählt und neue Männer an die Spitze gestellt. Aber der alte Streit ging weiter, nur daß der Gegner in Gestalt der K o m- m u n i st e n ein anderer wurde. Daß dabei die wirtschaftlichen Auf- gaben nicht gefördert werden können, sei klar. Wir von der SPD. haben uns stets dagegen gesträubt, daß der politische Meinungsstreit in die Gewerkschaften hineingetragen werde. Selbstverständlich könnten die Gewerkschaften nicht an der Politik ganz vorübergehen: aber politische Fragen seien in den Gewerkschaften nur soweit zu behandeln, als sie als Helfer für wirtschaftliche Maßnahmen in die Erscheinung treten.— Redner ging dann auf die Artikel Dißmanns in der„Metallarbeiter-Zeitung" ein und wies nach, daß da zur Kritik des zerstörenden Treibens der Kommunisten manches gesagt wurde, was von jedem SPD.-Manne unterschrieben werden könnte. Diese Rechtfertigung der Tätigkeit des derzeitigen Verbandsvorstands, die die Artikel Dißmanns darstellen, gab dem Redner aber auch Anlaß, manches Wort der Kritik über das frühere Austreten der Kollegen um Dißmann einfließen zu lassen. Jedenfalls hätten sich die USP.-Kollegen im Vorstand schon in zwei Jahren aus dem Phrasenschwall herausgearbeitet und die Wege der Vernunft beschritten. Durch eine ganze Reihe von Sätzen in den Ausführun- gen Dißmanns sei die Stellungnahme der SPD.-Kollegen aufjdem Stuttgarter Verbandstag glänzend gerechtfertigt. Wenn nun in Jena die Schlachtrufe: Moskau oder Amsterdam? die Räume des Volkshauses durchhallen werden, hätten wir nicht die Absicht, dem Gefecht tatenlos zuzusehen. Wir werden die Pflicht haben, dafür Sorge zu tragen, daß unberührt von diesem Zerfleiichungsprozeh wieder einmal positive gewerkschaftliche Arbeit auf einem Verbandstag der Metallarbeiter verrichtet wird. Wir wollen, daß der Verband eine wirkliche Interessenvertretung der Mitglieder wird. Wir müssen Unsere Tätigkeit daraus einstellen, daß der Ver- bandstag zum Schickfalslag für die Wortrevolulionäre wird. Daß wir auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, braucht dabei nicht erst hervorgehoben zu werden. Es sei dahin zu wirken, daß möglichst viel SPD.- Delegierte zum Verbands- t a g entsandt werden. Die Rolle des Züngleins an der Wage im Kampf der Meinungen sei für uns nicht das Begehrenswerte: be- gehrenswert sei, daß wir auf dem Verbandstag best immenden Einfluß erhalten. Es gilt die Wahl der Delegierten so vorzubereiten, daß wir uns keine Vorwürfe zu machen haben. Mit neuem Mut und frohem Geist müssen wir an die Arbeit gehen.(Lebhafter Bei- fall.) Es entspann sich eine von hohem Ernst getragene, sehr anregende Diskussion, an der sich u. a. Bernhard Krüger, Wuschik, Ramsbrock, Z e r n i ck e, Adolf Cohen beteiligten. Auch die Frage der Stellungnahme der Berliner SPD.-Kollegen zur bevorstehenden Delegiertenwahl wurde lebhaft erörtert. Darüber faßte sich S i e r i n g in seinem Schlußwort dahin zusammen: Der Fraktion?- vorstand sei übereinaekommen, zunächst das neue Wahlreglement abzuwarten. Unter Erwägung aller Umstände kam Redner zu der Meinung, daß man bei der Feststellung der Kandidatenlisten für die Delegiertenwahl um ein Kompromiß mit der unabhängigen Ortsverwallnng kaum herumkommen werde. Eine Verständigung auf eine gemein- same Liste sei ober nur möglich, wenn die Verteilung der unabhängigen und mehrheitssozialistischen Mandate aus Halb- part festgelegt werde, um mit dafür zu sorgen, daß auf dem Ver- bandstag reale Gewerkschoftspolitik getrieben werden kann. Dem Fraktionsoorstand sei es zu überlassen, zu prüfen, ob eine eigene Liste aufzustellen sei oder ob mit den Unabhängigen die Aufftellung einer gemeinsamen Liste herbeizuführen wäre. Für die Ver- Handlungen mit den Unabhängigen bzw. mit der Ortsverwaltung wäre im übrigen vorläufig dem Fraktionsvorstand freie Hand zu lasten. Das eventuelle Kompromiß müste sich aber auf die Wahl selbst beschränken. Ein Kompromiß über unsere Haltung auf dem Verbandstag könnten wir nicht eingehen. Der Vorsitzende Bernhard Krüger stellte dann vor Schluß der Versammlung fest, daß Siering im Referat und im Schlußwort die Meinung der Berliner Metallarbeiter der SPD. zum Ausdruck gebracht habe._ Tagung üer Seutschen Polizeibeamten. Zweiter Verhandlungslag. Um 9'A Uhr wurden die Verhandlungen vom Vorsitzenden Rusch- Hamburg eröffnet. Erster Punkt war ein Referat des Polizeischulrats G u n d l a ch- Hamburg über„Das Polizei- s ch u l w e s« n*. In eingehender Weise begründete der Vortragende die Forderung, gute Schulen zur Ausbildung der Polizeibeamten zu schaffen. Um für alle Grade der Beamtenschaft die nötige Ausbildung zu erreichen, müßten drei verschiedene Anstalten, nämlich Polizei- schulen, Seminare und Akademien errichtet werden. Verbandssekretär H a n i s ch- Dresden referierte alsdann über das Beamtenrätegesetz. Er betonte, daß die Sache mit dem Rätegesetz für die Beamten anders liege als bei den Arbeitern, denn für die Beamten fei der Staat Arbeitgeber, was für die festzulegen- den Rechte und Pflichten nicht ohne Einfluß bleiben dürste. Nach der Mittagspause wurde der Jahres- und Geschäftsbericht durch den Generalsekretär Dr. F r a n ck e erstattet. In die Schulkommission wurden G u n d l a ch- Hamburg, Bäcker- Berlin und H a n i s ch- Dresden gewählt. An den Jahresbericht schloß sich eine sehr ausgedehnte Aus- spräche, die sich namentlich um eine Verschmelzung der Landesverbände mit dem Reichsoerband drehte. Alle Redner sprachen sich für den Zusammenschluß zu einer großen Ein- Suchbinöer! Suchbinüer! Antwortet heute bei der von 12—5 Uhr in den 16 be- kannten Zahlstellen stattfindenden Urabstimmung über die Beschickung des Moskauer Gewerkschaftskongresses auf alle Srei Iragen: Nein! Gebt bei der von 1 bis 7 Uhr in dem Bureau der Srankenkasse, Stralauer Straße 7—9, und im Lokal von Rathmann. Mlhelmstraße IIS, statt- findenden Ausschuß wähl für die 0rt»krankenkasse Eure Stimme nur Liste I. Gebt den Kommunisten eine unzweideutige Antwort auf ihre fortgesetzten Zersplitlerungsversuch e. heitsfront aus, und drr Slntrag,«ine Kommission mit der Aufgabe zu betrauen? die Arbeiten zur Durchführung der Vereinigung aus- zuführen, fand allseitige Zustimmung. Die Wahl erfolgt durch die Landesverbände. Hierauf folgte der Kassenbericht. Dem Vorstand und dem Schatzmeister wurde Entlastung erteilt. Der vorliegende Haushalts- plan wurde mit einigen Abänderungen angenommen. Alsdann gab Polizeischulrat Gundlach den Plan bekannt, der von der gewählten Schultommisston vorläufig aufgestellt worden ist und den Organisationen noch vorgelegt werden soll. Steckbrief für die Hausangestellten. Mit dem„Schrei" nach dem Dienstbuch beschäftigte sich eine Versammlung der weiblichen Hausangestellten, die am Donnerstag im Westen Berlins stattfand. Der Besuch war ein recht reger. Das Referat hatte Genostin Kahler(M. d. L.) übernommen. Die Vortragende wies in ihren Ausführungen darauf hin, daß jetzt wie- der der Schrei nach dem Dienstbuch laut werde. Freilich nicht nach dem Dienstbuch in alter Form, das durch die Revolution beseitigt wurde, aber nach einem Ersatz, der im Grunde ge- nommen nicht besser sei, als das alte Dienstbuch war. Die Gesetz- gebung gehe nämlich mit dem Plan um, für die Hausangestellten eine Ausweiskarte mit Lichtbild einzuführen. Das klinge ganz harmlos und werde auch recht harmlos begründet, wie aber die Sache mit der neuen Legitimation in der Praxis aus- sehen würde, laste sich leicht erklären. Die Karte würde sich leicht zu einer schwarzen Liste, zu einem Steckbrief für die Hausange st eilten auswachsen und die Existenz der Ange- stellten bis zur Vernichtung bedrohen können. Leider glauben die Hausangestellten immer nocb, ein Zeugnis beim Abgang verlangen und beim Antritt einer neuen Stellung vorlegen zu müssen. Das Recht, ein solches Zeugnis von den Angestellten zu verlangen, bestehe aber gar nicht und für die Angestellten sei es auch nicht ratsam, beim Abgang ein Zeugnis zu fordern, weil eine übelwollende„Herrschaft" dann berechtigt sei, ihre Ansicht über die Führung hinein zu schreiben, also die Angestellten schädigen könne. Wer nun einmal ein Papier haben wolle, möge sich eine Arbeitsbescheini- gung geben lasten. Die Referentin forderte die Versammelten auf. ihre Rechte zu wahren, in den Zentraloerband der Hausange- stellten einzutreten und bei künftigen Wahlen auf dem Posten zu sein, damit ein besseres Gesetz für die Hausangestellten zustand« komme, das ihnen endlich ein menschenwürdiges Dasein verschaff«.(Lebhafter Beifall.) Fräulein Maas vervollständigt« die Ausführungen der Refe- rentin.— Dr. Theilhaber wies auf Grund seiner ärztlichen Erfahrungen darauf hin, daß eine erhebliche Anzahl von den Haus- angestellten unterernährt sei. Die„Herrschasten" erlaubten aber in vielen Fällen noch nicht einmal, daß die Kranken einen Arzt aufsuchen. In der weiteren Aussprach« wurden von Haus- angestellten noch verschiedene Fälle für schlechte Behandlung vor- gebracht. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welch« die Empörung über den besagten Gesetzentwurf ausspricht und die Forderung stellt, ein Gesetz zu schaffen, wie es vom Zentroloerband der Hausangestellten der Regierung vorgeschlagen worden ist. Ferner wird gefordert, daß alle sozialen Gesetze, besonders die Unfallversicherung, auch für die Hausangestellten die Geltung hoben soll, wie für alle anderen Berufe. Die Hausange- stellten protestieren auch gegen die Beleidigungen durch die Presse, welche mit Vorliebe von diebischen Dienstboten berichtet, sie oerlangen, daß Menschenwürde und Menschenrechte ihnen ebenso zuteil werden, wie ihren Mitmenschen: und sie ge- loben, mit aller Kraft für dieses Ziel einzutreten und sich dem Zen- tralverband der Hausangestellten anzuschließen. Dividendensegen und Arbeiterwohlfahrt. Die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken sind auch in diesem Jahre wieder in der glücklichen Lage, 3» Proz. Di vi- d e n d e zu oerteilen, trotzdem der größte Teil ihrer Werke stilliegt. Das klein« Kugellagerwerk in Borsigwalde arbeitet seit% I ah r nur an 3 Tagen in der Woche, und dennoch war es möglich, diesen reichen Segen auszuschütten. Fortgesetzt werden hier Eni- lassungen vorgenommen und der Arbeiterschaft auf jede nur mög- liche Art und Weise das Leben schwer gemacht. Nun sollte man annehmen, daß die Verwaltung von den 3l) Proz. auch ihrer Ar- beiterschaft etwas zugute kommen läßt. Aber weit gefehlt. Nicht genug, daß die Belegschaft schon seit% Jahr mit dem halben Wochen- verdienst vorlieb nehmen muß, soll jetzt noch an den Kantinen— die als Wohlfahrtseinrichtung gelten— gespart werden. Bisher betrug der Preis für ein Mittagessen 1,50 M. Jetzt ist er kurzerhand von der Direktion ohne vorherige Mitteilung an den Betriebsrat auf 2,50 M. festgesetzt worden. Die Speisenfolge ist: Reis, Erbsen, Bohnen und Kartoffelsuppen. Auch für die Direktion wird in der Küche gekocht. Hier haben sich die Un- tosten ebenso erhöht, so daß diele Herren auch 2,50 M. zahlen müssen. Wenn auch hier über mangelnde Abwechselung geklagt werden muß, so haben sich die Herren doch merkwürdig schnell entschlossen, die für sie kleine Erhöhung von 1,50 M. auf 2,50 M. zu zahlen. Die Erhöhung ging hier reibungslos vonstatten. Das Menü sieht aller- dings etwas anders aus als das der Arbeiter: Suppe, Fleischgerichte und Gemüse oder Fische, Pudding, Kaffee mit Sahne und Kuchen. Die Ausgaben für diese leckeren Gerichte fallen natürlich der Kon- tine zur Last, und in der Bilanz sind dann Hunderttausende für Arbeiterwohlfahrt enthalten. Die wohlgenährten Herren der Direktion sind ein sprechendes Beispiel für die Wirkung dieser Art Arbeiterwohlfahrt._ Die Altleder-Derwertung-stelle und Ihr Delrlebsral. Von dem Betriebsrat der ABS. ist gegen die Geschästsleituiig ein- Nack- Prüfung der Geschäftsvorgänge durch das Reichs- wirtschastsministerium bzw. durch die Reichskredit- und Koutroll- stelle veranlaßt worden, weil der Betriebsrat eine Wirtsckastlichkeit de« Betriebes nicht mehr erkennen konnte. Das Bestreben, das Reick vor weiteren Verlusten zu schützen und den Verkauf der Bestände in der bisherigen unwirt'chaftlicken Weise zu verhindern, die Bestände in erster Linie denjenigen Stellen des ReickeS zu™- führen, welche hierzu berufen find, die Arbeitnehmer nicht in Masten der Erwerbslosenfürsorge zuzuführen, sondern um einen sachgemäßen, allmählichen Abbau herbeizuführen, hat den Betriebsrat zu feinem Vorgehen veranlaßt. Was tut nun die Geschäftsleitung? Mitten in der Revision wird der ihr unbequem gewordene gesamte Betriebsratfristlos entlassen? Durch diese Maßnahme tonnen die Revisoren mit den erforderlichen Richtlinien durch den Betriebsrat nicht mehr versehen werden, waS im Interesse der Nach- Prüfung von höchster Wichtigkeit für die Klärung der Sache ge- wejen wäre._.. Eine Geschäftsleitung, die ein Interesse an der Klarung der Sachlage bat. verfährt nach unserer Meinung nicht in solcher Weise I Der niederschiesische Streik hat nach einer Dena-Meldung durch den Eintritt der Metallarbeiter in einen Sympathie- streit eine wesentliche Verschärfung erfahren. Die Metallarbeiter Essen» haben nach der„Roten Fahne' mit 1500 gegen 20 Stimmen einen Antrag zum Verbandstag in Jena angenommen, der den Beitritt zur roten GeWerk sä) alt s- internationale in Moskau fordert. Eine Resolution zum Vorstandsbericht verurteilt„die Maßnahmen gegen die Mitglieder des Vorstandes, die gleichzeitig als Funktionäre der VKPD. tätig find". Frei««ehr»gk«-rllchaft. Heut« 7 Uhr Hinter der Sarnisonkirche Wahl. Vorbereitung zur Lehrertammer. �us öer Partei. Bayerische Zungsozialistenkonferenz in kelheim. Am ersten Pfingstfeiertag fand anläßlich de» I. Bayerischen Krt beiterjugendtages in Kelheim eine Konferenz der Jungsozialisten auf Anregung der Nürnberger Arbeitsgemeinschaft statt. Bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ist es verständlich, wenn man von einer grundsätzlichen Debatte über das Wollen der Jung- sozialisten Abstand nahm. Die Konserenz, die von den Jung- sozialisten Süd- und Nordbayerns gut besucht war, befaßte sich daher nur mit den Arbeitsmethoden, wie sie in den verschiedenen Gruppen angewandt werden. Die Aussprache war außerordentlich interessant und ersprießlich. Die Vertreter Münchens gaben zu er- kennen, welche Widerstände einer geregelten Arbeit an ihrem Orte entgegenstehen. Auch die Vertreter der Arbeitsgemeinschaften in kleinen Städten klagten über Schwierigkeiten, die in der Hauptsache darin bestehen, daß geeignete Lehrkräfte wenig vorhanden sind. Aus den Ausführungen aller Redner klang jedoch deutlich der Glaube an die Zukunft hervor. Ein Vertreter der Bonner Iungsozia- listen überbrachte die Grüße und Wünsche der Genossen aus dem besetzten Gebiet. Das gleiche tat ein Dresdener Genosse für die sächsische Jugend. Der Zusammenschluß der Jungsozialistischen Arbeitsgemeinschaften Bayern» ist erfolgt. Der Erfolg der Taguiu» wird nicht ausbleiben._ Sriefkasten der Redaktion. Pavll»» 100. Nein.— P. 9t. 3. Mittels ärztlicher Beslirwortnng müssen Sie sich an den Vorstand Ihrer Krankenkasse mit dem Antrag um Genehmigung wenden. Die Kasse trägt dann auch die Kosten. Verant«. für den redakt. Teil: Dr. Werner«eiser, Charlottendurg: für Anzeigen! Tt. Glocke. Berlin. Verlag: vorwärtS-Verlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Bor- «SrtS-Buchdruckerei It. Berlagsonitalt Paul Singer n. So.. Berlin. Lindenstr. S. Hierzu 1 Beilage. Preisausschreiben. Die Zlgaretfenfebrlk Karmilri, Berlin 5 SS, Boppsfr. 10, iSsst ab 19. Mal 1921 an sämtlichen LttfasssSulen Gross-Berllns einschliesslich Potsdam pro Tag eine Plakatzeichnung In 2 Farben erscheinen, und zwar In einer Folge von 30 Tagen. Die Plakate enthalten ein deutlich erkennbares Stichwort und sind somit nach 30 Tagen 30 Stichworte bekannt gegeben, deren sinngemässe Zusammensetzung einen Satz ergeben, der inhaltlich auf die Qualität der Karmitri-Zigaretten hinweist. Anspruch auf Zuteilung der ausgesetzen Preise haben dielenigen Einsender, von denen der betreffende Salz folgerichtig zusammengestellt worden ist. Die Lösungen Ä"<«'™ ZlMtenfalink Knill. BerUo S 59, Preüaiissclireiten. SiXrSS, oder ungenügend frankierte Zusendungen können nicht berücksichtigt werden. Die unparteiische Entscheidung über die Verteilung der Preise wird durch ein Preisrichterkollegium vorgenommen; bei gleichen Lösungen entscheidet das Los. Die Jeweilig erschienenen Plakatzelchnungen liegen zwecks nachträglicher Information in den ZigarrengeschSften aus. 1. Preis... 1000 Zigaretten„Bisquit" h 60 Pf. 2...... 1000„„Atta" h 50„ 3.„... 1000„Kleon" ä 40„ 4.„... 1000„„Tandu" h 30.. 5.„... 500„„Tandu" 6.„... 300„„Tandu" ausserdem sind 200 Trostpreise 4 100 Zigaretten vorgesehen. Zisarettenfabrik Karmitri, Berlin S 59, Boppstr. 10