Pg«t4$ ♦ ZS.�aheyavg fwsgabe B Rt.lM Vez»«S»rriS, ftrLSOy— 3L, nonotL W,—#t w« Hau», ootaut jaijlbat. Post» dezug: Monatlich 10,— M. einschl. g» ftellungsgebühr. Unter Kreuzband sllr Deutschland, Dan�ig, das Saar- und Mrineiaebiet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens. Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20.— M, fitr das lldrige Ausland 27,— M, Post- bestestungen nehmen an Oesterreich, Ungarn. Tlchecho- Slowatei, Däne» mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Der»Lorwärts' mit der Sonntags» beilage.Volk und Seist', der Unterhaltungsbeilage»HeltiHDelf und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erschein» wochcntSglich zweimal. Sonn- tag» und Montags einmal. kelegramm- Adresse: «Sozialdemokrat BctBw" Abend-Ansgabe �; f. Derlinev Volksblettt (20 Pfennig� Anzeigenpreis, M* ochtgespalteu««onpareMezeN« kostet bJXI M.SIeta» Anzeigea" da» settgedruckt, Wort ILv M.(zu- lässtg zwei fettgedruckt» Worte). lebe, weiter, Wort t— M Stellengesuch, und Schlafstellenanz eigen da»-rft, Wort M, i«de» weiter« Wori «> Vfg, Wort» über tb Buchstaden zllhlen für zwei Wort«. ffomilten-An- zeigen füt Abonnenten gell» 8,— M Di« Preise oerftehen sich etnschließlxt Teuerungszuschlag, Anzeigen für die nächste Nummei mllssen dt»» vhr nachmittag,«w Hauptgeschäft. Berlw SW KS. Linden straße S, abgegeben werden, Gebffnel von S Uhr früh bis S Uhr abend», �endralorgan der fozfoldemoltratircben Partei Deutfehtands Reüaktion und Expedition: SW HS, Linöenstr. Z S-wktoi-oift-i-- Redaktion Moritiplaq 15195—07 eTcgnivreazer. Mortqplatz 11753-54 Sonnabend, den Ä8. Mai ISÄt vonvärts»verlag G.m.b.H., SW HS, Linöenftr. 3 BrCl'nfbfcrfistr• Rerlag. Expedition und Inseraten. -., Abteilung Moritzplat, 1X753-54 Der oberfthlesifthe Teilungsplan. Seitdem die französische Regierung die Politik auf eigene Faust, die sie wahrscheinlich niemals ernstlich wollte, abgelehnt hat, sucht sie in der oberschlesischen Frage ein Kompromiß, das den französischen Einfluß in Osteuropa sichert und den mili- tärischen Bundesgenossen Polen kräftigt. Sie ist sicherlich im Grunde ihres Herzens damit zufrieden, daß diese Frage durch den neuen Dreiteilungsplan auf den Weg des Handelns und VerHandelns gekommen ist, sucht aber noch mehr herauszuholen, als was ihr jetzt geboten wird. Und doch zeigt dieser Dreiteilungsplan, daß selbst der Deutschland weniger ungünstig gesinnte Teil der Entente nicht nur die Gebiete» die sich für Polen erklärt haben, zu Polen schlagen will— ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Zusammenhänge—, sondern daß er sich nicht einmal dazu entschließen kann, Deutschland alles zu geben, was nach deit» Ergebnis der Ab- pimmung Deutschlands ist. Die Sorge der französischen Nationalistenpresse, ein für neutral erklärtes Gebiet würde später doch Deutschland zu- fallen, ist �mr allzu begreiflich. Denn je mehr Zeit vergeht und je mehr die Kriegsleidenschasten verschwinden, desto deut- licher wird die Welt erkennen, welches Unrecht man an Deutschland und vor allem an Oberschlesien selb st begangen hat und durch eine weitere Zerstückelung des Landes weiter begehen würde. Auf der anderen Seite zeigt der Dreiteilungsplan, der doch weiter nichts als ein Ausdruck schwerster Verlegenheit ist, wie weit sich die Cntentepolitik in Oberschlesien in die Sackgasie verrannt hat. Es gibt keinen Ausweg, solange dieses unglückliche Land als Schacherobjekt machtpoli- tischer Gegensätze behandelt wird, statt daß man es in Ruhe dort läßt, wohin es nach jahrhundertelanger Zusammen- geHörigkeit und nach dem Mehrheitswillen seiner eigenen Be- völkerung gehört. Dauerherrsthast£c Nonös beabsichtigt! Eine Richtigstellung des englischen Botschafters w Paris an Havas gibt zu. daß ein gemeinsamer Vorschlag Englands und Italiens gemacht ist; jedoch bezwecke er keineswegs eine ' sofortige Aufteilung Oberschlestens vor der Entscheidung des Obersten Rates und es liege ihm der Gedanke fern, die nicht gleich an Polen fallenden und unter Ententeverwaltung blei- benden Gebiete Deutschland zuzuteilen. Wörtlich sagt der Botschafter: Zu Dahrhev hat der englische und itatieulsche Vorschlag einzig den Zweck, die ZlolorilR der inkerallilerteu Sommisflon wiederherzn- stellen, die auch dem ganzen Abstimmungsgebiet erhalte« bleiben soll. Die Italiener und Engländer in Oberschlesten selbst haben das neue Entgegenkommen Lloyd Georges an Frankreichs Wünsche nach weitestgehender Stärkung seines Gendarms im Osten noch nicht mitgemacht, die Weisung hatte sie jedenfalls noch nicht erreicht, wie folgende Meldung des«Echo de Paris" zeigt: Der Dotschafterrat beschäftigte sich mit einem Vorschlag des Generals de Marini und des Obersten Perctval, unverzüg- lich die Bezirke, in denen Deutschland eine unantastbare Mehrheit erzielt habe, durch deutsche Truppen, und die Bezirke, in denen Polen gesiegt habe, durch polnische Truppen besetzen zu lassen. 17 000 Mann alliierter Truppen sollen alsdann in den st r i t t i g e n llfl Industriegebieten zusammengezogen werden, um dort evtl. später die neue Grenzllnie verteidigen zu können. Pertinax schreibt auch gleich, die französische Regierung werde das ablehnen, weil die deutschen und polnischen Führer erklärt hätten, daß sie bereit seien, die Autorität der Volks- abstimmungskommission anzuerkennen, es sei deshalb also un- zweckmäßig, eine Lösung anzunehmen, die den Grundsatz in sich schließe, daß der Kampf fortgehen werde. Auch habe die Interalliierte Militärkommission erklärt, die Soldaten seien in den genannten Gebieten gefährdet. Gerade die Bezirke Pleß und Rybnik hätten eine sehr starke polnische Mehrheit, und wenn man sie absplittere, dann werde das Stimmenver- hältnis für Polen ungünstig. Außerdem lieferten die Kreise £c Nonö verteidigt sich. Paris. SS. Mai.(EE.) General L e R o n d gab dem Vertreter* des„New Bork Herald" in Oppeln folqende Erklärung: Das ganze Unglück ist auf dt« Tatsach» zurückzuführen, daß die alliierten Re- gierungen._ meinen Warnungen kein Gehör schenkten. Ich habe S()000 Mann zur Aufrechterhaltung der Ord- nung gefordert. Die französifche Regierung stellte mir 13 000 Mann zur Verfügung, während England mir 3000 Mann fandt«, die aber wieder zurückgezogen wurden, eh« di« Unruhen noch ausbrachen. Le Rond bestreitet, eine persönliche Politik in Oberschlesten zu be- treiben. Er habe immer wieder beiden Teilen energisch zugeredet. Mäßigung fa daoahre«. und die Tatsache anzuerkennen, daß«e beiden Rasten miteinander leben müßten. In keiner Weise sei er für eine polnische Mehrheit in Oberschlesten eingetreten. Le Rond wendet stch gegen die Gewalt, di« Polen Im Industriegebiet angewendet hat. Die Franzosen hätte« Polen keinerlei Ermutigung zuteil werden lassen, sondern trotz der germgeren Zahl ihrer Truppen polnische Truppen wieder- holt abgewehrt. Di« französische Regierung sei wegen der Möglichkeiten de» Ausbruches von Unruhen wiederholt von ihm ge- warnt worden. Der Berichterstatter wandte ein, daß die englische und die italienischen Regierung behaupteten, eine derartige Warnung nicht erhalten zu haben. Le Rond antwortete darauf: Ich kann für die Art und Weise nicht zur Verantwortung ge- zogen werden, in der andere die Situation einschätzen. Die zu erwartenden englische Bataillon« sind nach meiner Auffastnug mili- tärisch unbedeutend, polizeilich jedoch werden st« großen Einfluß aus- üben, da ste behilflich sein werden,«ine neutrale Zone zwischen den Kriegführenden zu errichten. Le Rond glmibt nicht, daß die deutsche Regierung für das Eindringen der Freiwilligenkorps zur Verantwortung gezogen werden könne. Massenkundgebung in Berlw. Morgen, Sonntag, 5 Uhr nachmittag», im Lustgarten Massendemonstration für Oberschlesten und gegen den polnischen Terror. Redner alker Parteien werden sprechen, darunter dt« Ge- nassen Knall vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und Erwm Barth(SPD.). Kewe Ruhe w Oberschlesten! London, 28. Mai.„Times* meldet aus Oppeln: Die Be- hauptung, daß die Ordnung in Oberschlesten wiederhergestellt sei, ist eine vollkommen falsche Darstellung der wahren Lage, die ernster ist, als je. Selbst wenn Korfanty veranlaßt werden würde, sich zum Rückzug bereit zu erklären, abzurüsten und die von ihm über- nommenen Machtbefugnisse der Kommission zu übertragen, würden Korfanty» Leute dagegen meutern. Es ist für einen italienischen Offizier heute nicht mehr möglich, sich innerhalb der Linie der polni- schen Aufständischen zu zeigen, ohne das er zurückgehalten, bedroht, und von den aufständischen Banden beschimpft wird, die sich um die Befehle ihrer Führer gar nicht kümmern und in deren Äugen Eng- länder und Italiener nichts anderes sind, als Berbündete der Deutschen. In Kattowitz gibt es seit Mittwoch— nach viertägiger Unterbrechung— wieder Wassert In R u d a, Kreis Hindenburg-Zabrze, werden fortgesetzt deutsche Lehrer und Beamte von jugendlichen Befreiern verprügelt. Selbsibeftimmung eines völkerbonüsiaates. wie«. 28. Mal.(TU.) Der Bundesrat hal gestern da, vom Rationalrat beschlossene Gesetz bezüglich einer Volksbefragung wegen des Anschlusses an Deutschland von der Tagesordnung abgesetzt. Wien, 28. Mai.(TU.) Trotz der Ermahnung der Bundes- regierung findet kommenden Sonntag in Salzburg eine private, von den Parteien durchgeführte Bolksabstimmung über den Anschluß statt. In einer offiziellen Regierungserklärung wird auf die Gefahren der Anschlußpropaganda hingewiesen und er- klärt, daß bei der Fortsetzung dieser Agitation West ungarn dies sofort büßen müsse. Weitere Abstimmungen würden die Kredit- aktion für Oesterreich gefährden. Di« Regierung erklärt, in großer Sorge zu sein, und hat die sofortige Einberufung des Ausschusses für Aeußeres verlangt. Bezüglich Westungarns erklärt die österreichische Regierung, daß sie auf dem Standpunkt des Friedensoertrages von St. Gerniain stehe, wonach Westungarn Deutschösterreich zugesprochen wurde. Ungarn aber denkt nicht daran und Frankreich verzögert fortgesetzt di« Ratifikation des Diktats von Trianon, das Ungarn zur Abtretung des Burgenlandes verpflichtet._ Politik über Wirtschaft. Bekanntlich hat vor kurzem auch die Tschechoslowakei in Wien drohenden Einspruch gegen die elementare Anschlußbewegung er- hoben, deren tiefster und stärkster Antrieb die Gewißheit ist, daß dem lebensunfähigen Deutschösterreich durch keinen, auch nicht durch den Völkerbund, ein gesundes Staatslebcn eingehaucht werden kann. Wenn man schon in Paris vor einem noch größeren Deutschland zittert, wenn man in Rom vom Anschluß jetzt eine starte Zugtraft auf Eüdtirol befürchten mag, so weiß man doch in Prag sehr gut, daß alle Vernünftiren in Deutschland recht wohl die wirtschaftliche Unentbehrlichkeit der deutschen Randgebiete für die Tschechoslowakei kennen, denen sie nur gleiches Recht und Selb st regierung, die Erfüllung des Staatsgründungsprogramms von der»neuen Schweiz* wünschen. Der Ententedienst Prags in der Anschlußfrage wird aber erst recht unbegreiflich, wenn man außer seiner Wirkung für das beider- seits gewünschte gute Verhältnis noch die amtliche tfchecho- slowakische Außenhandelsstatistik betrachtet. Sie lehrt, daß im dritten Vierteljahr 1920 von der Ausfuhr 43,37 Proz. nach Deutschland und 37,88 Proz. nach Deutschösterrcich und 2,08 Proz. nach Frankreich gingen, von der Einfuhr 47,88 Proz. aus Deutschland und 7,74 aus Deutschösterreich und fast nichts aus Frankreich kam. Und da macht man sich zum Protestbüttel von Paris.,,, Um das Reichssihulgeseh. Bon Richard Lohmann. Das mit Ungestüm geforderte und doch mit Bangen er- wartete Ausführungsgesetz zu Art. 14 6, 2 der Verfassung liegt nun endlich dem Reichstage vor und soll am Dienstag unmittelbar nach seinem Zusammentritt in erster Lesung beraten werden. Die Tatsache, daß der für den Winter 1919 versprochene Entwurf erst jetzt im Sommer 1921 zu- standegekommen ist, spricht für sich selbst, spricht für die Ver- haudlungsschwierigkeiten, die sich gerade diesem Gesetz schon im Schöße der Behörden entgegentürmten. Und wenn man nun die Presiestimmen in den wenigen Wochen seit der Ver- offentlichung des Entwurfs überfliegt, so erkennt man un- schwer, daß auch im Parlament dem Gesetze in seiner vor- liegenden Form von keiner politischen Partei ein freundliches Willkommen entgegengebracht werden wird. Das liegt in der innersten Natur eines Gesetzes begründet, von dem Hein Und wir Muß es ben." Auch uns, und vielleicht gerade uns. haben deshalb ein Recht und die Pflicht, zu fragen wirklich so sein? Eine Feststellung vorweg. Das Gesetz gibt die Aus- f ü h r u n g s bestimmungen zu dem sogenannten Schulkom- promiß in Art. 146, 2; es kann also keinen Ersatz für das Kompromiß bringen. Diese Tatsache vergessen alle diejenigen, die den Gedanken der„nationalen Einheitsschule" in dem Eni- wurf vermissen. Für eine solche einheitliche Schule ist das deutsche Volk im Jahre 1921 noch ebensowenig reif wie im Jahre 1919; die Zeit für eine Aufhebung des damals not- wendigen Kompromisses ist auch heute noch nicht gekommen. Und''~........ em unsere kewe Schule einer e i n h e i t l i ch e n W e l t a n s ch< u n g und auch keine Schule weltanschaulicher Neu- t r a l i t ä t bauen kann. Aber wir sehen die Linie der Eni- Wicklung, die von der augenblicklichen Zerklüftung einer zerfallenden Kultur unaufhaltsam zur Gemeinsamkeit einer neuen Kultur hinstrebt, und wir haben dafür zu sorgen, daß dieser Entwicklung auf dem Gebiete des Schulwesens nicht der Weg oerbaut wird. Das ist die Bedingung, die wir an unsere Reichsschulgesetz- gebung zu stellen haben. Das Weimarer Konpromiß e r- füllte sie, indem es die neue'weltliche Schule als gleich- berechtigt neben den alten anerkannte. Unsere Stellung zum Ausführungsgesetz hängt davon ab, ob auch von ihm das- selbe gilt. Der Entwurf sieht— entsprechend dem Art. 146— die sogenannte Simultanschule mit Religionsunterricht als ordentlichem Lehrfach(die„Gemeinschaftsschule") als Normal- typ der deutschen Volksschule vor. Daß diese Schule eine wirk- liche weltanschauliche Gemeinschafts schule, k e i n e v e r- kappte konfessionelle Schule sein soll, sagt die Be- gründung zu 8 2 des Entwurfs mit aller wünschenswerten Klarheit. Unsere Pflicht ist es, dafür zu sorgen, daß es so bleibt. Denn schon richtet sich gegen diese„weltliche Schule mit aufgepftopftem Religionsunterricht", gegen diese„erste Sünde des sozialistischen Staatssekretärs im Reichsministerium des Innern" der Ansturm der Reaktion, und er findet in dem eingeschmuggelten Absatz 3 dieses Paragraphen eine gewisse Stütze. Neben diesem Schultyp sind als A u s n a h m e n auf An- trag der Erziehungsberechtigten konfessionelle Schulen auf der einen Seite und b e k e n n t n i s f r e i e auf der anoeren zulässig. Die Einzelheiten sind der Landesgesetzgebung vorbehalten. Der Entwurf rechnet zu den bekenntnissreien Schulen auch solche einer bestimmten„Weltanschauung". Wir würden von unserem grundsätzlichen Standpunkt aus auf besondere„Weltanfchauungsschulen" gern verzichten. Wenn sie aber schon gestattet sein sollen, so sind sie im Interesse klarer Scheidung den konfessionellen Schulen, aber nicht den weit- lichen(bekenntnisfreien) zuzurechnen. Die weltliche Schule, die wir erstreben, ist eine Gemeinschaftsschule im tiesiten Sinne des Wortes, die ei n z i g e w i r k l i ch e G e m e i n f ch a f t s- schule. Sie wird sich überall da, wo die Vorbedingungen dafür gegeben sind, ganz von selbst auch zur Schule einer ein- heitlichen Weltanschauung entwickeln— nicht im Sinne eines „Bekenntnisses", in dem und zu dem hin die Schüler erzogen werden sollen, sondern dadurch, daß sie vom Geiste der Ge- meinschaftskultur und der Gemeinschaftsethik beseelt ist. Sie wird sich zunächst vielerorts freilich scheinbar nur dadurch von der Simullanschule unterscheiden, daß in ihr der Religions- Unterricht nicht mehr ordentliches Lehrfach ist. Aber gerade hier liegt der Keimpunkt für eine künftige Ver» einheitlichung des heute noch Auseinanderstrebenden: darum sollte man die Scheidung nicht künstlich dadurch ver- rößern, daß man die weltliche Schule mit dem Ballast der eltanschauungsschule belädt. Die bevorzugte Stellung, die der welllichen Schule als einer Gemeinschaftsschule zukommen müßte�wird vorder- Hand noch nicht ja erreichen sein. Um so nachdrücklicher müssen wir aber die Forderung nach völliger Gleichberechti» g u n g als das Mindestmaß des verfassungsmäßig Gewähr- leisteten erheben. Die Erschwerungen, die der Absplitterung von Bekenntnisschulen in den Weg gelegt sind, müssen nicht nur dem Buchstaben nach, sondern auch in ihrer Wirkung mindestens ebenso groß sein, wie bei weltlichen Schulen. Das ist aber bei dem Entwurf in seiner vorliegenden Form n i ch t der Fall. Darüber hinaus sollten gegen solche Absplitterung über- Haupt di� denkbar größten Sicherheiten geschaffen werden. Die Reichsverfassung bestimmt ausdrücklich, daß ein„geord- neter Schulbetrieb"— auch im Sinne des organischen Auf- baues des gesamten Schulwesens— durch keine Sonderschulen gehindert werden darf. 8 9 des Gesetzentwurfs ermöglicht aber in der Tat die Bildung konfessioneller oder weltanschaulicher Zwergschulen, da er in seiner Fassung alles eher als eindeutig ist. Wir wissen wohl, daß eine stärkere Bindung unter Umständen auch die Errichtung einer weltlichen Schule in einzelnen Gemeinden vorläufig unmöglich machen könnte. Aber wir müssen und wollen diesen Augenblicks verlust um der Zukunft willen mit in den Kauf nehmen, wir müssen die unabwendbare Zersplitterung auf das irgend er- reichbare Mindestmaß zurückführen— im Interesse der Lei- stungsfähigkeit unserer Schule wie auch letzten Endes im Jnter- esse unserer Sache, denn, wenn irgendwo, so arbeitet hier die Zeit für uns. Die Sozialdemokratie hat die Pflicht, nun endlich auf eine schnelle Verabschiedung dieses Gesetzes zu dringen, natürlich nur in einer Form, die ihren berechtigten Forderungen —- bei aller Würdigung der Grenzen des zurzeit Möglichen— gerecht wird. Wenn es sich nur darum handelte, den Entwurf in seiner vorliegenden unzulänglichen Form zum Scheitern zu bringen, ihn„oerschwinden zu lassen", wie es unlängst in einer Entschließung ausgedrückt war, so wäre dies Voraussicht- lich die leichteste Sache von der Welt, denn mit dem Herzen kann keine der durch unüberbrückbare Gegensätze der Welt- anschauung getrennten politischen Parteien hinter einem sol- chen Kompromiß auf kulturellem Gebiets stehen. Aber gerade wir haben dafür zu sorgen, daß die weltliche Schule endlich Heimatsrecht in Deutschland bekommt, das ihr ohne ein Ausführungsgesetz zu Art. 146 auch heute noch versagt ist. Das Gesetz kann aber nur Zustandekommen,. wenn Zentrum und Sozialdemokratie in gemeinsamen Verhand- lungen eine gemeinsame Basis finden, die keinem un- erträgliche Opfer zumutet. Alles andere ist politische Kinderei; vor allem der in demokratischen Lehrerkreisen gehegte Gedanke, das Zentrum solle auf die Konfessionsschule und die sozialisti- scheu Parteien auf die weltliche Schule verzichten. Mit der „Simultanschule", die dann herauskäme, wäre weder dem Zentrum, noch uns gedient. Eine solche verschleierte Kon- sessionsschule als Normaltyp würde der weltlichen Schule den Weg weit stärker verbauen, als das Schulkompromiß. Wir müssen deshalb im vollen Bewußtsein dieser Ver- antwortlichkeit an dem Zustandekommen des Gesetzes unter Berücksichtigung der von uns zu erhebenden Mindestforde- rungen mitarbeiten. Wir können diese unsere Forde- rangen um so eher offen erheben und ihre Erfüllung ver- langen, weil wir niemand vergewaltigen wollen, sondern nur für uns dieselbe Freiheit beanspruchen, die wir den Anhän- gern der versinkenden Kultur zu geben bereit sind. Eine wirkliche Verständigung auf diesem kultu- rellen Gebiete ist gerade wieder für die beiden Parteien, die die Not des Vaterlandes abermals zu gemeinsamer Arbeit zusammengekettet hat, ausgeschlossen. Und doch muß hier wie in Weimar vor zwei Jahren ein Ausweg gefunden werden, der nur in gegenseitiger Duldung liegen kann. Aber wohl gemerkt: in gegenseitiger Duldung. Die Sozialdemo- kratie wird bereit fem, daran mitzuarbeiten, wenn man ihr diese Arbeit nicht durch unannehmbare Forderungen von der anderen Seite unmöglich macht. Der Gedanke der Mitbestimmung der Erziehungsberech- tigten, der Selbstbestimmung der einzelnen Schule liegt nicht Theater-Grgefih in Darmftaöt. Uraufführung von Kastmir Edschmid,„Äean". Dem Dichter, dem Regisseur, dem Bühnenmaler, den Darstellern, der Kostümentwerferin den aufrichtigsten Dank zuvor. Doch das Stück trete zurück. Hier hat der Skandal den Vortritt. Warum pfiffen Bebrillte und llnbebrillt« auf mitgebrachten .Teufelspfeifen, Fußballschiedsrichterpfeifen, Torpedopfeifen, Schlüssel größten Kalibers, die aus Haustüren des 15. Jahrhunderts zu stammen schienen? Um dos alles eingehend zu begründen, müßte man lange Spalten füllen. Hier nur einiges: Es gibt der künstlerischen, ehemals großherzoglichen Marstallburfchen nebst feminimem Anhang in Darmstadt massenhaft, die in Fürstenverhimmelung im Wildenbruch- stil groß geworden sind und sich nicht in ihren Gehirnganglien aus- denken können, daß diese Zeit auch in der Kunst vorbei ist. Dieser Clique gefällt auch der neue Intendant nicht, Gustav Härtung, der in kurzer Zeit das hessisch« Landestheater aus der Aera künstlerischer Stagnation zu künstlerischer Höhe geführt hat. Daß er diesen Cle- menten an der Darm, die in Ehrfurcht erstarben, wenn ein Prinzeß- chen die Hofloge betrat, und je nach den Rangstufen auch im Theater in den verschiedenen Rängen gothagemäß verteilt waren, nicht Kon- Zessionen machte, das ist das.Verbrechen" Hartungs, dos ihm die ehemalige Hofkamarilla nicht oerzeiht. Run ist Härtung— wie jeder echte Künstler— kein Tagespolitiker. Er ist K ü n st l« r und will nur Künstler sein. Er will sein« Theaterbesucher mit der guten jüngsten Literatur vertraut machen. Das oersteht dies« Alt-Darmstädter.Gesellschaft" nicht. Run könnte jemand, der das Werk Edschmids nicht kennt, meinen. daß„Kean" unerhört scharf die höfssche Reaktion angreife. Dann hätte der Putsch wenigsten» noch ein Fünkchen von Berechtigung. Aber nicht einmal das ist der Fall. Das Edfchmidsche Schauspiel ist nichts anderes als«ine Entkisschung und Modernisierung der früher so viel in Deusschland gespielten von Dumas dramatisierten Geschichte des großen, von Frauen vergötterten englischen Schau- spielers Kean, der nach einem tollen Bohemienleben, das ihn zur gleichen Zeit in die vornehmste englische Gesellschaft wie in die schlimmsten Apachen- und Verbrecherteller führt. Die vorkommenden „Aristokraten" sind nicht einmal hervorragend vertrottelt dargestellt. Der Prinz von Wales hat sogar viel sympachisch Menschliches. Run hat zwar Edschmid einige bissige Aphorismen im Dialog. Aber nichts, was selbst«inen enragierten.Orgesch"-Bruder aufreizen könnte. Das Wert schließt sogar im hohen Ethos. Di« Aufführung zeigt eine Regieleistung ersten Ranges. Einheitlich« Disziplin beherrschte sämtliche Darsteller vom kleinsten Statssten bis zu den führenden Künstlern. Es war also nichts an der Aufführung, was den Radaubrüdern zum Skandal hätte Anlaß geben könne«, abseits von den Wegen, die die Sozlakdemo krakle bei der Er- Neuerung unserer Schule überhaupt zu gehen gedenkt. Aber der Verzicht auf die staatliche Schulautokratie bedeutet nicht zugleich den Verzicht auf jede freiheitliche Entwick- lungsmöglichkeit unserer Schule, bedeutet auch nicht den Willen zur Auslieferung der Schule an ihre alten Zwingherren. Der Glaube an eine künf- tige Kulturgemeinschaft unseres Volkes, der uns beseelt, gibt uns vielmehr die Zuversicht, daß die Schule aus einer Ange» legenheit der weltanschaulich zerklüfteten Gesellschaft einst eine Sache dieser Gemeinschaft werden wird. Wenn der Weg dazu nicht verlegt wird, so müssen wir der Ausführung des Kompromisses zustimmen, so darf am inneren Kampf der Weltanschauungen jetzt ebenso wenig wie in Weimar die gemeinsame Front zur Abwehr der äußeren Not zugrunde gehen._ Deutsche Voltspartei unö Regierung. Ueber das Verhältnis der Deutschen Volkspartei zur Re- gierung läßt sich die„Voss. Ztg." folgendes mitteilen: Wenn auch der rechte Flügel der Deutschen Volkspartei den Reichskanzler wegen seiner Steuerpolitik schroff ablehnt, ist es doch nicht unwahrscheinlich, daß die Mehrheit der Fraktton für eine wohl- wollende Neutralität gegenüber dem Kabinett zu gewinnen wäre, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt würden: 1. Die Besetzung der beiden noch freien R e i ch» m i n i- st e r i e n, also das der Finanzen und des Wiederaus' baues, durch Sachkenner. 2. Eine Steuerpolitik, die sich von dem Dilettantismus der Erzberger-Periode fernhält und den Bedürfnissen der wirtschaftlichen Entwicklung Rechnung trägt. 3. Ein Umbildung der preußischen Regierung in der Weise, daß die veuffche Volksparkei in die bestehende ü.oallllon eintritt und im preußischen Kabinett enssprechend ihrer Zahl and Bedeutung verkreteu wird. In parlamentarischen Kressen hat man den Eindruck, daß unter diesen Bedingungen eine Unterstützung der Regierung Wirth auch durch die Deussche Volkspartei zu erreichen wäre, da diese Partei mit der Regierungskoalition und dem Kabinette darin einer Mei- nung ist, daß die Verpflichtungen aus dem Ulttmatum, da die Unter- schrift nun einmal gegeben worden ist, auch erfüllt werden müssen. Ob die Besprechungen, die in dieser Richtung gepflogen werden, zu einem Ergebnis führen werden, bleibt abzuwarten. Sie werden allerdings erschwert durch die wenig maßvolle Hallung einzelner volksparteilicher Organe, die zu einer Entfremdung zwischen Volks- partei und Zentrum zu führen droht, und die schroffe Ableh- nung einiger sozialdemokratischer Führer.- Um beim letzten zu beginnen: Es sind nicht„einige sozial- demokratische Führer", sondern es ist d i e S o z i a lo e m o- k r a t i sch e Partei, die ein Zusammengehen mit der Deutschen Volkspartei ablehnt. Es kann nach sozialdemo- kratifcher Auffassung auch keine Rede davon sein, daß sich das Reichskabinett durch Eingehen auf irgendwelche Bedingungen die„wohlwollende Neutralität" der Deutschen Volkspartei er- kauft. Vielmehr muß das Kabinett feine Verantwortung tragen und die Deutsche Volkspartei die ihr e. Das Kabinett hat die Politik zu treiben, die es im Interesse des deutschen Volkes zu treiben für notwendig hält, die Parteien, die glauben, diese Politik bekämpfen zu dürfen, müssen dafür vor Volk und Geschichte die Verantwortung übernehmen. Die Sozialdemokratische Partei hat angesichts der uner- meßlichcn Schwierigkeiten des Reichs einer bürgerlichen Re- gierung, in der drei Volksparteiler saßen, lange, vielleicht z u lange, sehr weitgehende Rücksicht erwiesen. Wenn die Volks- partei nicht mehr in der Regierung sitzt, so liegt das nicht daran, daß die Sozialdemokratie sie hinausgedrängt hat, son- dern vielmehr daran, daß die bürgerliche Regierung mit den Volksparteilern in sich selber zusammengebrochen i st. Und wenn jetzt die Deutsche Volkspartei, die bekanntlich viel„nationaler" ist als wir, lieber das Chaos und den Franzoseneinmarsch kommen lassen will, als daß sie sich mit notwendigen Belastungen des Besitzes abfindet und— im Besonders nach dem Akt in der Apachentneipe und nach Schluß gab es hitzige Kämpfe. Aber je mehr die Banausen pfiffen, desto tobender war der Beifall. Eines ist erfreulich. Härtung wird den Darmstädter Zopfgeistern- die Sttrn bieten. Die Demonstratton galt aber auch Kasimir Ed- fchmid, der ob seines schriftstellerischen Freimuts als Darmstädter viele Feinde unter dem Darmstädter Muckertum hat. Max Eck-Troll. Die erste Bertiner Kunstausstellung. Die Zeit der Kunstaus- stellungen ist wieder herangekommen, und wieder bietet auch die „Große Berliner" einen Ueberblick über die Iahresernte der Künstler. Diese massenhaften Anhäufungen von Kunst, die eine zweifelhafte Errungenschaft oer neueren Zeit darstellen, sind in Berlin noch nicht 15V Jahr- all. Wie Dr. Georg Malkowsk? im „Sammler" erzählt, fand die erste Berliner Kunstausstellung im Jahre 1786 statt. Sie war von der Akademie der Künste ver- anstallet. Der 46 Oktaoseiten umfassende Katalog zählte 347 Rum. mern auf, die ausführlich beschrieben wurden. Im ersten Zimmer dieser Ausstellung waren auf der einen Seite die Fleißproben der Akademieschüler untergebracht, auf der anderen Seite Arbeiten kunstübender Dilettanten. Unter den 20 ausstellenden Amateuren befanden sich außer vier Prinzen und dem jungen Alexander von Humboldt elf Damen. Das zweite Zimmer enthielt die Werke auswärtiger und ftemder Künstler, die in Berlin gelebt: es waren aber unter den acht„Ausländern" fünf Potsdamer. Den dritten Raum hatten die Akademiker belegt Der bedeutendste unter den Akademikern, Thodowiecki,. zeigte eine Illustration zu Lessings „Nathan", außerdem ein- Folge von Sttchen zu Pestalozzis„Lien- hard und Gertrud". Im vierten Zimmer war eine Sammlung von Gipsen, im fünften der Besitz der Akademie an älteren Meistern zu sehen. Die musikalische Schildkröte. Zu unserem Bericht über„Die Schildkröte, die mit dem Kopfe wackelte" in Nr. 239 schreibt uns Genosse Max Schütte:„Ich möchte Ihnen dazu eine Beobachtung berichten, die ich an einem solchen Tiere gemacht habe. Als Student kaufte ich in Leipzig eine europäische Sumpffchildkröte und brachte sie nach Ablauf des Semesters in meine Heimat. Da bemerkten wir eine auffällige Erscheinung. Im Hauptzimmcr meiner Eltern standen auf Tischen mehrere Vogelbauer, dessen In- sassen oft lautes Geschrei erhoben. Wenn ich die Schildkröte bei mir in dem angrenzenden kleinen Zimmer hatte und hier der Lärm der Vögel zu hören war, kroch sie, wenn die Türe geöffnet war, regelmäßig heraus und in das große Zimmer, und hier in gerader Richtung zu den Vögeln hin und lauschte mit aufgerichtetem Kopfe stundenlang deren Gesang, der sie offenbar mächtig anzog. Im Oktober ging ich zur Fortsetzung meiner Studien nach Berlin und nahm die Schildkröte m.'t, kehrte dann mit ihr in den Weih- nachtsferien zu den Evern zurück. Ich setzte sie in das kleine Zimmer. Doch sofort machte sie sich auf die Beine, fand ihren Weg in das Hauptzimmer und zu den Vögeln wieder und nahm hier den allen Platz ein, hatte somit trotz der Abwesenheit von SkUe tssre r Presse zö reBett— ans dte preoMhett„FutteS- trippen" verzichtet, so werden die Folgen auf sie fallen. Das deutsche Volk wird sich von solchen„Patrioten" nicht noch mehr zugrunde richten lassen, als es schon zugrunde ge- richtet ist!_ Sozialüemokratie und Staatsrat. In der gestrigen Sitzung des preußischen Staatsrates legte unser Redner, Genosse M e e r f e l d- Köln, am Schlüsse seiner Ausführungen mit wenigen Worten die Stellung unfe- rer Fraktion zum Staatsrat dar. Er sagte: Meine Parteifteunde in der preußischen Landesversammlung haben seinerzeit die Schaffung eines Staatsrats entschieden bekämpft. Ihre Gründe sind auch die unsrigen. Wir wollen die au» dem fteiesten Wahlrecht hervorgegangene preußische Volks- tammer nicht bevormunden und in ihren Entschließungen beschränken lassen. Es widerspricht dem Grundsatze der vollen Volkssouveränität, wenn über der Volkskammer eine Art Ober- haus errichtet wird, das dazu noch infolge des indirekten Wahl- syftems den Bolkswillen verfälscht. Die parteipolltische Zu- sammensetzung des Staatsrats entspricht durchaus nicht der Stärke der Parteien im Lande. Die Verfassung hat dem Staatsrat, wenn er auch überwiegend nur als Gutachter tätig sein soll, dennoch ziem- lich weitgehende Rechte eingeräumt. Meine Fraktion wird die Ver- fassung natürllch respektteren. Sie wird aber scharf und ensschieden jeden über das geschriebene Recht hinausgehenden Anspruch des Staatsrats bekämpfen. Das pollfische Bewaßsseiu des Volkes verfrägk keine erste Sammer mehr, keine Neuauflage jenes politischen Petrefatts, wie seinerzeit der Historiker Treisschke das Herrenhaus genannt hat. Jeder dahingehend« Versuch der rechten Seite des Staatsrats müßte zu heftigen Konflikten und zur Unterbindung einer ersprießlichen Tätigkeit in Gesetzgebung und Verwaltung führen. Auch aus diesen Gründen wird darum meine Partei den Anspruch, den Staatsrat zu einem bevormundenden Oberhaus zu machen, ent- schieden bekämpfen. Diese entschiedene Erklärung war sehr am Platze! Wilhelms fingst vor Bismarck. Vor dem 10. Senat des Kammergericht» fand heute die Berufungsverhandlung des Prozesses um den dritten Band von Bismarcks„Gedanken und Erinnerungen" statt. Dos Landgericht I hatte diesen Prozeß bekanntlich zugunsten der klägerischen Partei, des Exkaisers, ensschieden und dem Verlag Cotta die Veröffentlichung untersagt. Inzwischen ist der dritte Band im Ausland veröffentlicht worden. In der heutigen Verhandlung wurde vom Vertreter der Buch- Handlung Cotta das Urteil der ersten Instanz scharf krittstert. Dieses Urtell stellt bekannttich die polltischen Gelegenheitsbriefe Wilhelms als individuelle Geistesprodukte hin, dem der Schutz des Urheberrechts zustehe. Demgegenüber führte der Vertreter Cottas aus, daß diesen Briefen nichts Schöpferisches, Zeit- loses anhafte, daß nach der Definition des Landgerichts auch jedes beliebige Telegramm schutzfähig, zum„literarischen Werk" gestempelt werden kam, und daß, wenn Bismarck etwa die Briefe in indirekter Form wiedergegeben hätte, niemand daran hätte Anstoß nehmen können. Der Gerichtsvorsitzend« war sorgsam bemüht, die Parteien davon abzubringen, die betreffenden Briefe zu verlesen, damit nicht auf diese Weise eine„Veröffentlichung" erfolge.(Die Briefe sind längst bekannt.) Der Vertreter des Exkaisers zog sich im wesentlichen darauf zurück, daß der Verlag Cotta mit den B i s m a r ck s ch e n Erben(aber nicht mit Wilhelm! Red. d.„B.") einen Vertrag ge- schlössen hätte, bei Lebzeiten des Kaisers den Band nicht zu ver» öffentlichen. Selbst wenn man von dem Urheberrecht Wilhelms ab- sehe, müsse daran die Veröffentlichung scheitern.— Das Urteil wird erst in einem späteren Termin verkündet werden Da» Ver krau ensvotmn für Briaud ist mit 391 gegen 157 Nim- wen angenommen worden. Den Kampf aufgegeben hat der englische Abg. Pemberion Billing. Nach heftigen Konflikten mit dem Sprecher legte er sein Mandat nieder, weil es unmöglich sei, in einem von Lloyd George beherrsch- ten Parlament seine Unabhängigkeit zu wahren. mehr als zwei Monaten die Stätte sogleich wiedererkannt, ein neuer Deweis, daß die Schildkröten keineswegs„unintelligent und phlegmatisch" sind." Die Sokainseuch«. Das Kokattsschnupfen ist erst während de» Krieges auf dem Wege des internattonalen Lasteraustausches zu uns gekommen: vorher kannte man nur das Einpinseln von Kokain- lösungen auf das Zahnfleisch oder andere Schleimhäute, sowie ge- legentlich das Einspritzen. Die Wirkung des Kokainschnupfens äußert sich in Heiterkeit, Geschwätzigkeit usw„ der Puls wird beschleunigt. die Pupillen erweitern sich, man findet sich„schöner aussehend". Das Gefühl für Hunger und Anstrengung schwindet. Aber bei Gewöhnung tritt ein rapider Verfall ein. Morphinisten, die noch Kokain nahmen, verloren in einigen Monaten 20— 30 Proz. ihres Körpergewichtes. Sie werden bleich, grau, welk, die Augen fallen ein, Schlaflosigkeit stellt sich ein, schließlich Geistesstörung, besonders Verfolgungswahn. Oftmals begehen die Kokainisten Selbstmord, weil sie glauben, ihren Verfolgern nicht entgehen zu können. Kokainisten leiden unter aller- lei Halluzinationen, sie sehen dunkle Flecke und Löcher auf weißen Gegenständen, fühlen Käfer in der Haut, laufen mit ungewaschenen Händen und in unordentlicher Kleidung herum. Sie schreiben ellen- lange Briefe mit Schachtelsätzen und vielen Anmerkungen, Inhalt- lich voller lügenhafter Phantasien; jedes Gefühl für Ehre, Wahrheit und Recht ist ihnen abhanden gekommen. Geheimrat Leppmann in Berlin, der sich mit dem Kokainismus in feiner gerichtlichen Be- wertung(der Kokainist als Zeuge, als Angeklagter usw.) beschäftigt hat, ist der Ansicht, daß diejenigen, die der Kokainseuche verfallen, schon von Hause aus geistig minderwertig gewesen sind. Spiel. leidenschaft. Hang zu Perversitäten und Kokainismus gehen Hand in Hand, und diese Dreiheit ist es auch, die jetzt in ursseren Nachtlokalen die neueste Entwicklung unserer Lebewelt beiderlei Geschlechts charakterisiert._ Erstanffahrnnge« der Woche. DienSt.: Neue» voMtheater »Die St. JakobSfahrtt.— Mittw.; Kammesspiel«:.Der Strohhut-.— Don».: Leffingtheater:„Die Ballerina-— Freit.: Schauspielhaus:„Stroh-,„D i e F l i e g e-. Uraniadorträge. Sonntag, Montag, Freitag, Sonnabend:„Der Harz-. Dienstag:„Die Schönheit der deutschen Land- schast-. Mittwoch:„Die Steiermark-. Am Donnerstag spricht Theo Rockcnfcllcr über den.Modernen Lustverkehr-. Grobe Volkäoper Berlin. AI» letzte Opernauffährnng in dieser Spielzeit geht in der Neuen Well, Montag.„La Traviata- in Szene. «Die Schwarz-Weih-Ansstellung der Akademie am Passier Platz ist nur noch kurze Zeit dem Publikum zugänglich, und zwar täglich, auch Sonntag», von 10 bis b Uhr. In der Bolksbübne ist Carl Hauptmann» Drama„Die lange I u l e- mit Johanna K o ch. B a u e r in der Titelrolle und Ernst Stahl- Nachbaut als Schuster Dreiblatt m Vorbereitung. Regie: Edgar Klitsch. Bühnenbilder HanS Strohbach. Für die Reform der Rechtschreibung. Der Vosstand des Bezirks- verbände» Grotz-Berlin des Bundes entschiedener Schulrcformer richtet an die RegierungSinltanzen, insbesondere den RcichSschulauSschug, die dringend« Bitte, bei der Neuordnung der R-chtschretbung mindestens die Groß- schreibung der Dingwörter abzuschaffen. Der Jall Sült. Dis Kommission, die seinerzeit bei der Zeugenvernehmung im Wall Süll im Polizeipräsidium anwesend war, übersendet uns einen Bericht mit dem Ergebnis der inzwischen von ihr angestellten Nach- forschungen. Diesen Bericht hat nach Einleitung die Mehrheit der Kommission angenommen. Wer die ablehnende Minderheit war und aus welchen Gründen sie sich den Ausführungen der Mehr- hell nicht anschließt, entzieht sich unserer Kenntnis. Der erste Teil des Berichts enthält die schon bekannten Dehaup- tungen, daß Süll acht Stunden ohne ärztliche Hilfe gelassen worden fei, daß die Leiche Sülts bereits fünf Stunden nach dem Tode durch einen nicht berechtigten Arzt obduziert worden sei, die Behauptungen des Dr. Brammer über den Fußtritt, den ein Offizier der Schutz- Polizei dem oerletzten Sült gegeben haben soll mit den Worten:„Ver- recke Du Aas". Es wird weiter in dem Bericht gesagt, daß eine Zeugin sich erbietet zu bekunden, daß dem Mörder Sülts namhafte Geldzuwendungen gemacht worden sind. Der Bericht knüpft daran den Berdacht, daß es sich bei der Erschießung Sülls um einen vor- bedachten Mord handle und sagt weiter: Dieser Berdacht wird ferner durch die Persönlichkeit des Täters, des Kriminalwachtmeisters Albert Janicke, wohn- Haft Oldenburger Straße Zö, sowie seine persönliche und politische Vergangenheit wesentlich gestützt. Janicke ist aus dem Felde als Gehirnsyphilitiker zurückgekommen und lebt seit der Zeit infolge seiner Krankheit mit seiner Frau in äußerstem Unfrieden. Er ist ein jähzorniger, brutaler, gewalttätiger Patron, der seine Frau mit dem Beil derartig schwer verletzt hat, daß dieselbe sich in ärzt- liche Behandlung begeben und längere Zeit das Bett hüten mußte. Dieser Mann ist fernerhin ein Freund des bei jeder gemeinen politischen Lockspitzelei tätigen„Roland". Mit ihm zusammen war er Mitglied in der berüchtigten Abteilung Kessel der Brigade Reinhardt. Die Staatsanwaltschaft kann sich durch Einsicht- nähme in die Gerichtsakten Nr. 67 3. 168/21, 124/21 und Ehe- scheidungsakten Nr. 70/R. 666/19 der 34. Z. K. d. L. G. 1 da- von unschwer überzeugen, daß obige Angaben auf Wahrhell be- ruhen. Die Kommission verlangt die sofortig« Lnklageer» Hebung gegen Janicke und seine sofortige Verhaftung sowie die sofortig« Suspendierung der oberen In» stanzen, die mtt dieser Sache in Derbindimy stauben. Wir können zu diesen Ausführungen erst Stellung nehmen, wenn wir wissen, wie die Kommission zu ihren Resultaten gekommen ist und warum eine Minderheit Ihre Feststellungen ablehnt. Der Bericht macht— namentich in einigen von uns hier nicht zitterten Sätzen— den Eindruck, einer sehr starken parteipolitischen Vor» eingenommenheit gegenüber dem Polizeipräsidenten Richter, dem Staatskommissar Weißmann usw. Auch Ist aufsällig, daß der Hauptinhalt des Berichte» bereits mehrere Tag«, bevor er uns offiziell zugesandt wurde, in der „Roten Fahne" stehen konnte. Auch diese Art der Sachbehandlung bedarf der Ausklärung._ Nathenau nimmt an. Nach den PPN. besteht darüber kein Zweifel mehr, daß 1v akter Ralhenau den Posten des Wiederaufbauministers auuehmen wird. Die Besetzung dürfte im Laufe des morgigen Tages erfolgeo. Kohr verzögert. München, 28. Mai.(WTB.) Im Staatshaushaltsausschuß des Landtages gab Ministerpräsident o. Kahr heute folgende Er- klärung ab: „Durch die Annahme des Ultimatums der alliierten Regie- rungen sieht sich der Reichstag, die Reichsregierung und die bayerische Regierung vor neue Entscheidungen gestellt. Die bayrische Regierung ist bemüht, diese im Einvernehmen mit der Reichsregierung zu treffen. Ich hatte gehofft, daß die endgiltigen Berhandlungen mll der Reichsregierung bis gestern würden zum Abschluß gebracht werden können. Durch die Ab- Wesenheit des Reichskanzlers von Berlin haben aber die Berhandlungen eine Verzögerung erfahren und konnten noch nicht zum Abschluß gebracht werden, so daß weder der Ministerrat noch die Koalitionsparteien bisher in der Lage waren, in dieser Sache abschließend Stellung zu nehmen. Zu meinem Bedauern kaun ich daher heute noch nicht über die Sache Mitteilung machen. Sobald der Stand der Berhandlungen es gestattet, werde ich den Ausschuß informieren. Ich hoffe, daß dies am Montag der Fall sein wird. An die Erklärung des Ministerpräsidenten schloß sich eine kurze Geschäftsordnungsdebatte, in der die Redner der Sozialdemo- traten, der Unabhängigen und der Kommuni st en ihrer Nichtbefriedigung über die Worte des Ministerpräsi- denten Ausdruck gaben. Namens der Koalttionsparteien erklärt« Abg. Speck sich durch die Erklärung des Ministerpräsiden- ten für v o l l st ä n d i g befriedigt. Der Vorsitzende des Aus- schusses stellt« schließlich fest, daß der Ministerpräsident am M o n- tag eine weitere Erklärung abgeben werde. D!e Reparation. Paris, 28. Mai. TU.) Zum Borsitzenden der Zweigstelle der Garantietommission in Berlin ist der Franzose Mauel ah:« ernannt. Als Präsident für den Hauptsitz der Garanttekommission in Paris kommt wahrscheinlich der Franzose Tannery in Be- tracht. Die Kontrolltommission in Berlin wird von dem sogenann- ten Informationsdienst der Wicderherstellungskommission besorgt werden, der bereits im Betrieb ist. Englanö unü üer �epnen-prozeß. London. 28. Mai.(WTB.) Zum Prozeß gegen die deuffchen Kriegsbeschuldigten sagte der Lordkanzler, es sei nicht seine Sache, irgendwelche Bemerkungen zu dem ersten ergangenen Urteil zu machen, aber der sich in einer schwierigen Lage befindende Präsident des Gerichtshofs habe einige Bemerkungen von großem Werte gemacht. Es sei eine Ueberraschung gewesen, daß der Präsi- dent Worte der Verurteilung gefunden habe, als das„rohe preußische System" mll Nachdruck von dem militärischen Sachverständigen vertreten wurde, und gleichfalls sei es überraschend gewesen, daß der Präsident in der Urteilsbegründung gesagt hat, daß Leute wie der Angeklagte, die den guten Ruf der deutschen Armee beschmutzt haben, sie in der ganzen Welt verhaßt gemacht haben. Es läge nicht in der Absicht der Alliierten, die „dioock? assire" in die Länge zu ziehen, um die Glut dieses un- glücklichen Krieges wellerglimmen zu lassen. Aber er dürfe wohl an- nehmen, daß dos Ergebnis der Leipziger Prozesse eine kleine Garantie dafür bieten würde, daß eine Erneuerung der schlimm- sten Kriegsgreuel wahrscheinlich vermieden werden würde. Anmerkung des Reuterschen Bureaus:„Bioockv assize* nennt man die Gerichtsverfahren, die von dem Richter Jeffreys geleitet wurden, der nach Westenglond gesandt worden war, um die Rebellen des Herzogs Monmouth nach ihrer Niederlage im Jahre 168S zu verurteilen. Ueber 366 Personen wurden nach kurzer Verhandlung hingerichtet, IvlXZ Personen als Sklaven auf die amerikanischen Pflan- zungen verschickt. Kriegsverbrecher vor öem Reichsgericht. Im Prozeß Müller vor dem Reichsgericht begann die heutige Verhandlung mit der Vernehmung des englischen Zeugen Helms, der von dem Zwange Kranker zur Arbeit und unsachgemäßer Be- Handlung der Geschwüre der Kranken durch die deuffche Mannschaft erzählt. Mißhandlungen durch den Angeklagten selbst hat er nicht gesehen, dagegen das Hineinreiten in die Gefangenen. Bei verschiedenen Gelegenheiten hat er je einen Gefangenen a n g e- b un d en gesehen. Die beiden Ausreißer, von denen öfter die Rede war, waren nicht angebunden, sondern mußten nur in der Mitte des Lagers stehen und ln die Sonne sehen. Feldwebel Schubert habe ihn, den Zeugen, geschlagen, wobei Müller in der Näh« gestanden habe. Auch wenn andere Leute mißhandelt wurden, habe Müller zugesehen. Der Angeklagte glaubt nicht, daß Schubert es gewagt haben sollte, Mißhandlungen zu begehen. Der englische Zeuge Brett behauptet u. a., Müller sei bei ver- schiedenen Gelegenheiten teilnahmslos an den gestorbenen Gefange- nen vorübergegangen. Der Präsident verweist darauf, daß nach den bisherigen Feststellungen bis zu Müllers Fortgang nur«in Gefangener ge- starben sei. Der Zeuge hält aber seine Angaben trotz des Hinweises auf die Heiligkeit des Eides aufrecht. Nicht Lahr, sondern Bayern soll der neue Havagdampfer heißen, den Kahr am 2. Juni taufen soll. Angabe wie Berichttgung haben wir der„Boss." entnommen. In dem Namen Bayern ist natürlich keine Provokatton zu erblicken, die Absicht dieser Nomengebung kann man nicht nachprüfen._ GroßiSerün Parks im Norüen. Alte Eichen und hohe Weymouthskiefern, deren malerischer und doch wieder so hoheitsvoller Anblick einen wohltuenden Gegensatz zu leichtgeschürzten Birken, weit ausladenden Kastanien und süß dustenden Akazien bilden, sind an dem alten Schloßpark von Rieder- schönhausen zu den lieblichsten Bildern vereinigt. In zahlreichen Windungen durchfließt ihn die Pank«, hurtig wie «in Gebirgsbach, und führt Zweige und Blätter oder Unkraut mll sich, das fleißige Hände aus den klewen Gärten an ihrem Ufer entfernten. Ungezählte Strudel geben ihrem Lauf etwas Unruhevolles. In emsiger Arbeit unterhöhlt sie die Ufer und ist bestrebt, ihr Bett zu verbreitern. Nackte Wurzeln zeugen von diesem Schaffen. Mit Bäumen bestandene Inseln werden von ihr mtt Beharrlichkeit um- worden. Brücken führen über sie hinüber, die jetzt von prosaischen Essengittern«ingerahmt sind, denn die viel hübscheren Holzgeländer, die fast an japanische Brückenbautrn erinnerten, sind während des Krieges verschwunden. Am Ausgange des Parks nach der Schloß- straße zu, rauscht ein kleiner Wasserfall, in dessen Näh« sich die be- rühmt«„Rübezahl-Fichte" befindet, die in Wirklichkeit eine Kieser ist. Wer über hinreichende Phantasie verfügt, erkennt ein unförmiges Gesicht am Stamme, und es macht insbesondere den Kindern viel Vergnügen, es zu entdecken und zu deuten. Das alte und äußerlich einfache Schloß, das lang« Jahr« hindurch leer stand, bildet den Abschluß der Schloßallee, die nach der Strauchwies« führt und die nach dem Scherzworte eines Schalkes ihren Namen von den„Strauchräubern" an der Pank« erhalten haben soll. Das Bezirksamt des 19. Bezirks hat beim Magistrat Ver- lin beantragt, dieses Schloß in«in Volkshaus umzuwandeln, und es wäre im Interesse der bisher recht stiefmütterlich behandelten Bevölkerung des Nordens zu wünschen, daß dieser Plan m die Tat umgesetzt würde. Lange Zeit sst behauptet worden, daß das Schloß zu baufällig sei, jedoch hat eine Untersuchung ergeben, daß es noch Vornahme notwendiger Reparaturen durchaus seinem neuen Zwecke dienen könnt«. Der Part macht im ganzen einen etwas ungepflegten und deshalb auch sehr natürlichen und anheimelnden Eindruck, im schroffen Gegensatz zum Bürgerpark, der von der Gemeinde Pankow seinerzell angekauft wurde und äußerst sorgfältig gepflegt ist. Dieser Park, der von der Pank« gegen die Schönholzer Heid« nach Norden hin abgegrenzt ist, enthält viele Statuen aus der Rokokozeit, die aber fast durchweg von Wind und Wetter hart mit- genommen sind. Der Restaurationsbetrieb und Konzerte ziehen zahl- reiche Besucher heran. Und doch ist der alte Schloßpark viel schöner. besonders dann, wenn in lauen Nächten Nachtigallen singen. Nrbeit für das WohmmgSamt. Gegen Wohnungsschiebungen sollen die Wohnungsämter rück- sichtSlos einschreiten. Im Hinblick auf manche Vorkommnisse ist in der Bevölkerung die Ansicht verbreitet, daß nur zu oft der richtige Wohnungsschieber sich dem rächenden Arm de« Wohnungsamtes zu entziehen weiß. Andererseits sind uns Fälle bekannt geworden, in denen wegen vermeintlicher Wohnungsschiebung gegen Leute vor- gegangen wurde, die wahrscheinlich in gutem Glauben gehandelt und ahnungslos gegen die Bestimmungen verstoßen hotten. Wir können nur allen Wohnungssuchenden dringend empfehlen, s i ch niemals unter Umgehung des Wohnungsamtes ein Quartier zu beschaffen und sich dabei auch nicht auf beschwichtigende Worte des bisherigere Wohnungsinhabers oder des Hauswirtes zu verlassen. Vor kurzem ist solche Vertrauensseligkeit wieder einer Witwe zum Verhängnis geworden, die in Berlin im Hanse ZionSkirch- straße 6 eine Wohnung übernommen hatte. Sie war bei einer anderen Wohnungsinspektion als Wohnungsuchende notiert, erfuhr aber privatim im Herbst vorigen Jahres, daß in dem genannten Hause eine Wohnung frei würde. Der Wirt soll dem bisherigen Inhaber, der aufs Land gegangen war und aus dem MietSvertrage entlassen werden sollte, nahegelegt haben, sich nach einem Ersatz- mieter umzusehen. Die Mietslustige äußerte gegenüber der Wirtin einige Bedenken, erhielt aber die Antwort, mit der WohnungS- lnspektion werde alleS geregelt werden. Sie zog dann ein, aber schon nach wenigen Wochen kam ein Beamter der Wohnungsinspeltion und erklärte ihr, sie habe kein Anrecht auf diese Wohnung und müsse sie wieder hergeben. Die Verhandlungen hier- über zogen sich bis in den Mai 1921 hin, dann sah die bedrängte Mieterin keine weitere Möglichkeit, sich in der Wohnung zu be- haupten und zog aus, um der ihr zum unwiderruslich allerletzten Male angedrohten Zwangsräumung zu entgehen. Sonderbar ist, daß noch zehn Tage nach dem Auszug der Frau die Wohnung unbenutzt stand— und vielleicht wohnt auch heute noch kein neuer Mieter darin. Noch sonderbarer ist, daß in demselben Hause, wo diese be- scheiden« Wohnung von der Frau hergegeben werden mutzte, die Wirtsfamilie bisher einen ganz unnötigen Woh- nungSluxu« hat treiben dürfen. Der Wirt hat für sich, seine Frau und seine zwölfjährige Tochter im Erdgeschoß des Vorder- hauseS fünf Zimmer und Küche: ein erwachsener Sohn benutzt im ersten Stockwerk ein einzelnes Zimmer, das als Kowstube für eine alleinstehende Frau sehr gut zu verwenden wäre; die Hausange- stellte der WirtSfamilie ist in einem gleichen Zimmer des vierten Stockwerkes untergebracht: und schließlich bewohnt die alte Mutter des Wirte? im ersten Stockwerk des Seitenflügels ganz allein eine besondere Wohnung von zwei Stuben und Küche. Was hat die WohnungSinkpektion getan, auf den Wirt dahin einzuwirken, daß mindestens die alte Mutter und womöglich auch der erwachsene Sohn, der sein besondere» Zimmer nicht zu beruflicher Tätigkeit braucht, sich mit der Familie zusammen in der Wohnung von fünf Zimmer» einquartieren? Neber den grosten Teich verschoben. Mit einem Teppichdiebstahl in New York beschäftigt sich die Kriminalpolizei. Aus dem Pennsylvania-Hatel in der amerikanischen Hafenstadt wurde ein sehr kostbarer Brüsseler Teppich gestohlen. der aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt. Man vermutet, daß die Diebe ihn nicht in Amerika, sondern in einer europäischen Großstadt zu Geld zu machen versuchen. Der Teppich. der sich im Hotel im Speisezimmer befand, enthäll eine Darstellung aus der Apostelgeschichte. Im Mittelpunkte sitzt ein römischer Kaiser auf dem Throne. Ihn umgeben Männer seines Gefolges. Vor ihm sitzen ein bärtiger Mann mit bittenden Gebärden und Männer, die sich unterhalten. Den Hintergrund bildet eine Palastarchitektur. Die Bordüre weist oben Festen und seitlich und unten eine Land- schall mit Tieren und Figuren auf. Auf die Wiederbeschaffung des kostbaren Teppichs ist eine Belohnung von S000 Dollar ausgesetzt. Mitteflungen nimmt Kriminalkommissar Gennat im Zimmer 195 des Berliner Polizeipräsidiums ent- gegen. Feuer auf dem Untergruudbahuhof Senefelderplatz. Durch ein heute nacht auf dem Untergrundbahnhof Senefelder- platz ausgebrochenes Feuer ist eine Störung im Betriebe der Hoch- und Untergrundbahn entstanden. Die Fahrgäste müssen auf dem Bahnhof Alexanderplatz umsteigen, da der Verkehr nach dem Nord- ring nur durch Notbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Der Umformer auf dem Bahnhof Senefelderplatz ist durch das Feuer unbrauchbar geworden, und so muß denn der Strom für den Nol- bettieb dem Hochbahnkraftwerk in der Trebbiner Straße entnommen werden. Das Feuer ist aus bisher ungeklärter Ursache im Maschinenraum des Bahnhofes enfftanden, wo bäum» wollene Luftreinigungsfilter in Brand geraten waren, die alsdann Holzrohmen entzündeten. Infolge der Qualm- -ntwicklung entstand unter den Fahrgästen große Aufregung, die sich jedoch nach dem Erscheinen der Feuerwehr legte. Das Feuer konnte auf den Maschinenraum beschränkt werden. Ein« große Nazzw veranstaltete die Kriminalpolizei in der ver» gangenen Nacht am Schlestschen Bahnhof. In der Umgebung des Bahnhofs und in den angrenzenden Straßen, der Fruchtstraße, der Madaistraße usw. trieben es auf offener Straße und in Lokalen Dirnen, Zuhälter, Falschspieler und andere Betrüger zuletzt so arg. daß ein besonderes Eingreifen notwendig war. Di« Beamten der Streife B I räumten deshalb in der vergangenen Nacht sieben Lokale gründlich auf. Sie brachten 83 Gäste auf einem Last. kraftwagen nach dem Polizeipräsidium. Mehrere suchten zu ent- fliehen. Alle wurden jedoch wieder eingefangen. Unter den An» gehaltenen befanden sich zwölf, die schon länger gesucht wurden. Sie wurden in Hast behallen, die übrigen einstweilen wieder auf freien Fuß gesetzt. vi« Srolloper. Der Verein Volksbühne beabsichtigt, infolge seiner ständig wachsenden Mitgliederzahl nun endlich die sühere Krolloper würdig auszugestalten, um dort mit dem Personal der Staatstheater Opern- und Schauspielvorstellungen zu erschwing- lichen Preisen zu veranstalten. Jedoch benötigt der Derein noch rund sieben Millionen Mark zur Ausführung dieses Planes, und die Hypothekenbank verlangt als Geldgeberin für dieses Dar- lehen die Bürgschaft der Stadtgemeinde Berlin für Kapital und Zinsen und hypothekarische Eintragung an erster Stelle auf dem Theatergrundstück am Bülowplatz. Auf diesem Grundstück liegen jetzt an erster Stelle Hypotheken für die Stadt Berlin von insgesamt IL Millionen Mark, fernerhin 2h Millionen und außerdem noch 15 999 Mark. Der Magistrat hat der Stadkerordnetenversammlung eine Vorlage unterbreitet, nach der die Stadtgemeind« Berlin für ein von der Volksbühne aufzunehmendes auf dem Theatergrundstück am Bülowplatz grundbuchlich einzutragende« Darlehen bis zum Be- trage von 7 Millionen Mark nebst Zinsen und selbstschuldnerisch« Bürgschaft übernimmt und daß die auf diesem Grundstück ein- getragenen Hypotheken der Stadtgemeinde Berlin im Range hinter das Darlehen und hinter die jetzt an zwefter Stelle eingetragen« Hypothek von einer Million Mark treten. Die lehke Bezirksversammlung des 17. Berwaltuugsbezlrks (Lichtenberg) hatte eine außerordentlich reichhallige Tagesordnung. jo daß nach vierstündiger Beratung die Vertagung beschlossen wurde. Zunächst erfolgte die Einführung des Bezirksverordneten Genossen G. Schulze. Die Ausstellung des Etats 1921 war diesmal unge- mein schwierig, da die Haushallpläne der früheren Einzelgemeinden des Bezirks nach dem Berliner Musterentwurf hineingearbeitet werden mußten. Er schließt mit einem /Mehrbedarf von 2Qh Millionen Mark ab. Nach kurzer Besprechung wurde der Etat einer 15gliedrigen Kommisston überwiesen, der unsere Genossen Arndt, Baranowski und Schulze angehören. Die Be- zirksversammlung beschäftigte sich auch mit der Schließung des im Bezirk gelegenen Augusta-Biktoria-Krankenhauses. Alle Fraktionen forderten umgehende Wiedereröffnung durch den Berliner Magistrat, desgleichen wurde eine Entschließung angenommen, in der gefordert wird, daß die im 17. Bezirk gelegene Kinderhellstätte der LAB. Berlin nicht geschlossen werden solle. Für P aussen. Eine gut besuchte Ellernversammlung, einbe- rufen von den SPD.-Elternbeiräte der 7. Abteilung, beschäftigte sich mit den Plänen des Oberstodtschulrats Paulsen. Die Genossen Pastor F r o n ck e und Lehrer A. K o ch führten der aufmerksamen Zuhörerschaft die Ideale und Ziele des Oberstadtschulrats in ein- drucksvoller Weise vor Augen. Ein dem Ellernbund angehöriger Deutschnationaler wurde in der Diskussion kurz und gründlich ab- gefertigt. Folgende Resolution wurden von der Versammlung einstimmig angenommen. 1. Die am 26. Mai versammelte Eltern- schaft der 23., 69., 133., 149., 217. und 236. Gemeindeschulen stim- men den Reformplänen des Oberstadtschulrats Paulsen zu und fordern die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule in dem Bezirk Hallesches Tor nach diesen Grundsätzen. 2. Die Ellernschaft obiger Schulen fordert, daß die Versuchsklassen an den Gemeindeschulen weiter fortgeführt werden. Wichtig für Sieuerkartenbfliher und Arbritgeber. Bei der Reichseinkommensteuer für 1929 ist der Steuerpflicht mll dem Kleben von Marken nicht genügt. Jeder Steuerzahler hat vielmehr die Pflicht, seine Steuerkarte bei seiner zuständigen Steuerkasse nach erfolgter Veranlagung vorzulegen, damll die geklebten Marken auf seine Steuerschuld in Zahlung genommen werden. Da mll Beginn der Beranlagungen mit einem starken Andrang an den Steuer- lassen zu rechnen ist, empfiehlt es sich im eigenen Interesse, die Ab- rechnung der Marken möglichst schon jetzt vorzunehmen, auch wenn eine vorläufige Veranlagung noch nicht erfolgt ist. Die Arbeitgeber werden gebeten, ihre Angestellten und Arbeiter auf diese Sachlage hinzuweisen. „Die bau- uvd wohnungspolikijchen Aufgaben der neuen Stadl- emclnde Berlin werden in einer öffentlichen Dersammlung behan- elt, die am Dienstag, den 31. Mai, 8 Uhr abends, im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, stattfindet. Es werden sprechen: Genosse Heinrich K a u f f m a n n, Professor S t r a u m e r. Borsitzender des Deutschen Architektenbundes, Dr. Ina. Erwin Gut- k i n d. Veranstalter der Versammlung sind der Ansiedlerverein Groß-Berlin, die Afa, der Bund technischer Angestellten und Beam- ten(Ortsverwaltung Berlin), Bund deutscher Architekten(Landes- bezirk Brandenburg), die Berliner Gewerkschaftskommission, Gewert- schastsbund der Angestellten, Heimstättenausschuß der Gewerkschaften Groß-Berlins, Bund der Berkehrs« und Schutzverbände Groß-Berlin» und der Mark, Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft und der Groß-Ber- liner Verein für Kleinwohnungsbau. I« Zoalogifchen Garte» spielen am Sonntag von 4 Ubr nachm. ab die beiden Kapellen der Obennuftlmeistcr Knoch und Loeser. Eintritt 4 für Kinder unter zehn Jahre» die Hälfte. Da» Aquarium ist Sonntagt . von 9— 8, tu der Woche von 9—7 geöffnet Eintritt 3 W. GeVerMastsbewegurrg Aufgehobenes Streikpostenverbot. Wir meldeten vor einiger Zeit, daß gegen den Deutschen Bau- urbeiterverband, den Christlichen Bauarbciterverband und den Verband der Maschinisten und cheizer zunächst vom Landgericht Leipzig und später auch vom Landgericht I, Berlin, eine Verfügung erlassen worden ist, die den genannten Gewerkschaften aus be- stimmten Anlässen das Postieren von Streikposten untersagt«. Die Verfügung des Landgerichts Berlin verbot unter Androhung einer Geldstrafe bis zu 3000 M. für jeden Fall den genannten Gewerk- schaften, „Streikposten aufzustellen, durch diese oder in an- derer Weise die Fortsetzung der Arbeit zu behindern, insbesondere Arbeitswillige von der Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme ihrer Arbeit durch Gewalt oder Drohungen abzuhalten, sowie die Bau- stelle zu betreten oder Arbeitswillige bei dem Aufsuchen ihrer Arbeitsstellen oder deren Berlossen zu belästigen." Selbstverständlich erhoben diese Verbände gegen diese Ver- fügunqen sofort Einspruch. Diesem Einspruch ist jetzt von dem zuständigen Berliner Landgericht bezüglich des Christlichen Bau- arbeiterverbandes und des Verbandes der Maschinisten und Heizer stattgegeben worden. Die gegen diese beiden Verbände ssch richtende Verfügung wurde aufgehoben. Dagegen ist die gegen den Deutschen Bauarbeiterverband sich richtende Verfügung aufrecht- erhalten worden. Dieser Verband hat daraufhin gegen die Entscheidung des Berliner Landgerichts Revision eingelegt. Deutscher Beamtenbund und ADGB. Dom Zeitungsdienst de» Deutschen Beamtenbundes wird uns geschrieben: Von unverantwortlicher Stelle wird aus leicht erkenn- baren Gründen die Nachricht verbreitet, daß der Deutsche Beamten- bund im Begriff stehe, durch Anschluß an den Allgemei- nen Gewerkschaftsbund den Boden parteipolitischer Neu- tralität zu verlassen. Demgegenüber sei festgestellt, daß die Leitung des Deutschen Beamtenbundes zu keiner Zeit beabsichtigt hat, den Anschluß des Bundes an irgendeine der bestehenden Eewerkschaftsrichtungen zu vollziehen. Nach wie vor betrachtet die Bundesleitung sowohl die Wahrung der organisatorischen Selbständigkeit als auch die Auf- rechterhaltung strikter parteipolitischer und religiöser Neutralität als die Grundforderungen für den Fortbestand des Deutschen Beamten- bundes. Gleichwohl hält die Bundesleitung schon im Interesse der ge- samten Gewerkschaftsbewegung, an deren Fortentwickelung nicht zuletzt auch die Beamtenschaft in hohem Maße beteiligt ist, noch mehr aber aus Gründen wirtschaftlicher und staatsbürgerlicher Selbst- behauptung das Weiterbestehen freundnachbarlicher Be- Ziehungen zu anderen Organisationen sowie ein Zusammen- wirken mit ihnen zum Zwecke der Lösung gemeinsam interessieren- der Fragen für dringend notwendig. Daß bei Aufstellung der für diese Zwecke erfordersich werdenden Richtlinien von der Leitung des Deutschen Beamtenbunde« nicht eigenmächtig über die Beschlüsse der maßgeblichen Instanzen— Bundestag und Bundesausschuß— hinausgegangen werden kann, sollte für jeden Gewerkschaftler als Selbstotrständlichkeit gelten. Etwas über Betriebseinschränkungen. Am Donnerstag fand im Gewerkschaftshause eine Sitzung der Betriebsräte der Sektion II des Transportarbeiter-Verbandes statt. Genosse Backhaus sprach in eingehender und klarer Weise über das zeitgemäße Thema„A r b e i t e r r e ch t". An diesen Vortrag schloß sich eine lebhafte und ausgedehnte Diskussion an, in der recht eigenartige Praktiken der Unternehmer bekanngegeben wurden. So sandte z. B. der Inhaber einer Speditionsfirma seinen Arbeitern folgendes Schreiben: „Wir kündigen Ihnen hiermit zum 13. d. M. die Arbelt, sind aber bereit, nach Ablauf dieser Zeit ein neues Arbeits- Verhältnis mit Ihnen zu vereinbaren." Der Zweck dieser Kündigung konnte nur eine Verschlechte- rung der Arbeitsbedingungen sein. Mit Recht schritt hiergegen der Betriebsrat ein, indem er sich auf die gesetzlichen Be- stimmungen berief, wonach Kündigungen überhaupt erst erfolgen dürfen, wenn die Arbeit soweit gestreckt ist, daß nicht länger als wöchentlich 24 Stunden gearbeitet wird. Hierbei trat in Erschei- nung, daß die Betriebsräte die gesetzlichen Bestimmungen selbst nicht genügend kennen. So hatten z. B. Arbeitgeber ohne Beachtung der vorgeschriebenen Ankündigung kurzerhand eine Arbeitszeitverkürzung angeordnet. Es wurde daher wiederholt darauf verwiesen, daß der Arbeitgeber nicht von heute zu morgen eine solche Beschränkung einführen kann, sondern bei Ankündigung einer Beschränkung für die Dauer, die für den Betrieb als Kundi- gungszeit gilt, noch in der bisherigen Zeit arbeiten lassen muß. Wo eine Kündigungszeit von vier Wochen vereinbart ist, darf also die Beschränkung der Arbeitszeit erst nach vier Wochen, gerechnet vom Tage der Ankündigung, eintreten. Wo eintägige Kündigung besteht, kann sie allerdings schon nach einem Tage er. folgen. Ist über Kündigungszeit nichts vereinbart, so tritt d> e gesetzliche Frist von 14 Tagen in Kraft. Beachtet der Arbeitgeber diese Fristen nicht, so ist der Arbeiter berechtigt, bis zum Ablauf dieser Zeiten den vollen Lohn zu beanspruchen. 3m Potsdamer Straßenbahnerstreit ist keine Veränderung ein- getreten. Montag werden die Gesamtbetriebsräte der städtischen Werke zum Streik Stellung nehmen. VerblndNch erklärter Tarifvertrag. Der Tarifvertrag zwischen der Häuteverwertung vereinigter Großschlächter und dem Jen» tralverband der Fleischer, Ortsgruppe Berlin, ist für diesen Berufstrei» und der Einheitsgemeinde Berlin für allgemein verbindlich erklärt worden. Die allgemeine Verbindlichkeit beginnt mit dem 1. November 1920. Die Kollegen in allen in Frage kommenden Betrieben müssen darauf achten, daß nunmehr die Tariflöhne gezahlt werden. Wo noch Lohndifferenzen bestehen, müssen dieselben die Nachzahlung ob 1. November 1929 verlangen. Der Lohn beträgt für männliche 309 M. und für weib- liche Arbeiter 210 M._ Streikkonferenz in London. Lloyd George, Sir Robert Hörne und andere Mitglieder der Regierung hielten gestern die angekündigte Konferenz mit den Berg- Werksbesitzern und Bergarbeitern ab. Lloyd George hielt eine lange ! Rede, in der er erklärte, es sei natürlich, daß die Löhne nicht s o- j f o r t herabgesetzt werden könnten. Es müsse ein Abkommen von langer Frist zustandegebracht werden, damit der Industrie I Kohlen zu solchen Preisen geliefert werden könnten, die gewisse j Gewinne ermöglichten. Eine zeitweilige Herabsetzung der ! Löhne müsse erfolgen, damit die Industrie die ihr auferlegten � Lasten tragen könne. Eine Subvention der Industrie beabsichtige � die Regierung nicht. Die dieser zugestandene Unterstützung betrage höchstenfalls 10 Millionen Pfund Sterling. Dieser Betrag dürfte keinesfalls überschritten werden. Die Regierung wünsche auch keinen Druck auf die Bergwerksbesitzer auszuüben, um Bedingungen anzunehmen, die ihre Kraft übersteigen würden. Wenn sie jedoch die von der Regierung als annehmbar bezeichneten Be- dingungen ablehnen sollten, würde diese alle weiteren Ver- mittlungsversuche aufgeben. Die Regierung wolle un- parteiisch entscheiden._ England gegen den Achtstundentag. Der Arbeitsminister Mac Nomara gab im Unterhaus be- kannt, daß die Regierung mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Um- stände es nicht für angebracht hält, die Beschlüsse der Arbeitskonfe- renz von Washington bezüglich der Arbeits st unden in Kraft zu setzen. Er fügte hinzu, die Mehrzahl der übrigen auf der Washingtoner Konferenz aufgestellten Vorschläge sei bereits zur Durchführung gebracht worden. Für die Einführung des Acht- stundentages zeigten sich indessen bei der englischen Industrie (natürlich!) Schwierigkeiten. Einige Abgeordneten hatten im Laufe der Debatte die Haltung der Regierung bezüglich der Washingtoner Konferenz lebhaft kritisiert.__ WirtschoK .Reichswirtschaftsministerium und Reichswirtschaftsrat." In der letzten Sonntagsnummer brachten wir unter diesem Titel eine Zuschrift, in der gegen das Neichswirtschaftsministerium und den Reichswirtschastsrat Angriffe-gerichtet waren. Diese stützten ssch hauptsächlich darauf, daß dos Reichswirtschaftsministerium ent- gegen einer vom wirtschaftspolitischen Ausschuß des Reichswirt- schaftsrates gebilligten Petition des Deutschen Transportarbeiter- verbände» ohne vorherige Verständigung mit den Interessenten einen Autrag auf Aufhebung der Einzelbewirtschaft gestellt habe. Da» trifft nicht zu. Der Voltswirtschaftliche Ausschuß des Reichs- tages hat am 12. Mai in Anwesenheit eines Vertreters des Reichs- wirtfchaftsministeriums die angekündigte Aufhebung der Zwangs- Wirtschaft zunächst gutgeheißen und an den Reichstag den Antrag gestellt, die Petition des Transportarbeiterverbandes damit für erledigt zu erklären. In der Sitzung hafte laut Protokoll der Vor- sitzende des Transportarbefterverbande», Schumann, selbst erklärt. daß die Eingab« hinfällig werde, wenn die jetzige Bewirtschaftung aufgehoben wird. Dem Reichswirtschaftsministerium kann also nicht der Vorwurf gemacht werden, er habe„ohne Fühlungnahme" mit den Antragstellern entschieden. Der Reichswirtschaftsrat hat mit der Sache um so weniger zu tun, als der Beschluß des Volkswirtschaft- lichen Reichstagsausschusses gefaßt worden war, ehe noch der Reichs. wlrtschaftsrat erneut dazu Stellung genommen hatte. Die in der Zuschrift aus dem Vorfall gezogenen Forderungen werden damit hinfällig. Doppeljubiläum bei Schullheiß-Paßenhofer. Am 27. Mai bzw. am 2. Juni können die zu Schuttheiß-Patzenhofer Brauerei-A.-G. vereinigten Brauereibetrieb« Schultheiß und Patzenhofer auf«in S0jähriges Bestellen als Aktiengesellschaften zurückblicken. Den An- gestellten und Arbeitern ist in Anerkennung ihrer den bei den Ge- fellschaften geleisteten Dienst« ein« Jubiläumsgabe von 1260 000 M. zugewendet worden. Di« ursprüngliche Absicht der Errichtung einer besonderen Stiftung ist fallen gelassen worden mit Rücksicht auf die durch die Betriebsräte zum Ausdruck gebrachten Wünsche der ArbeiMehmer. die in Anbetracht der gegenwärtigen schwierigen WirtschaftsverhälMifl« die Auszahlung von B-arbeträgen vorzuziehen erklärten. Der Notenumlauf Sowjetruhlands. Auf dem Moskauer Gewerk- schaftskongreß referierte Schmidt, der Gehilfe des Finanzkommissars. über die Mängel des in Rußland im Umlauf befindlichen Papier- geldes, welches im Januar d. I. 11ö8 Milliarden Rubel erreicht hatte, gegen 2)4 Milliarden vor dem Kriege und 22 Mil- liarden bei Beginn der Sowjetherrschaft. Schmidt erklärte daß im Zusammenhang mit der neuen russischen Wirtschaftspolitik auch eine durchgreifende Reform des Finanzwesens notwendig sei. Theater See Woche. «om SS. Mai bis 5. Juni. BoltsSLH««: 2»., 1., i.«. I. Ver v-mer«l» MlMonSr. SO.«. i. va» Postamt. Dir gomiidi« der Frrur.g-n. Sr. u. S.«ntisone.— O?er»h»>»«t 2g. Iofcphs.Legcnde. AI. Turandot. Arlcrchiil». 31. Salome. 1. Ariada«, 2. Boljirnc. 8. Frau ohne Schatten. 4. Turandot. Arlecchino. 8. Roslnkava- licr.— Echaulviclhan»! 29. Di« Journalisten. 30. Maria Stuart. 51.£ono- lau. 1. ftcoiiptinj. 2. Peer Gyn! 3.„Sitorr, die Fließe, i- Die Rauder» 3„Stroh", die Fliege.— Großes Schauspielhaus! 2g. 31., 1„ 2., 4. n. 5 Ein Eommernechtstraum. 30. Der Kaufmann von Venedig. 3. Danton.-- Deutsches Theater: 29.— 5. Potasch und Perlmutter.— gammersplrlet 29.— 31. MesaManz. 1.— 6. Der Strohhut.— Lessing-Theater! Rosenmontag.— Theater in der Königgsärcr Straße: Täglich außer Dienstag: Mit dem Feuer spielen, 31. Salome.— Deutsches Opernhaus: 29. Der Troubadour. 80. Wilhelm Teil. 31. Die lustigen Weiber von Windior. 1. Fidelio. 2. Darme». 3. Die Iildnr. 4. Rigoletto. s. Margarete.— Schiller. Theater: 29., 30., 1. u. 3. 100 000 Taler. 31. Doktor Klaus. 2. u. 4. Die verstlberie Braut. 3. Alt-Heidelberg.— Reue» Volis- Theater: 29. u. 30. Iugendfreude. Ab 31. Die Et. Ialobsfahrt. Täglich. Die TribSae: Der Teufel.— Deutsche, Sünstler-Theatee: Die ientral- Theatee: Ilonla.— Theater in der Kommaudauteustraße: Die golden» Freiheit.— Feiedrich-Wilhelmstädtifchea Theater: Die«leine au» der Holle.— Komische Oper: Alt-Heidelberg.— Lnstspielhaus! Die spanische Fliege.— Metropol-Theater: Die blaue Mazur.— Reue, Operetten-Theater: American Girl.— Thalia. Theater: Mascottchen.— Theater am Rollendorsplaß: Der Vetter au» Dingsda.— Theater de» Westens: Morgen wieder lustik.— Kleine» Theater: Nur ein Traum.— Walluer.Thcaier: Der Traum vom Glück.— Walhalla-Theater: Schcidungsreise.— Rose. Theater: Wo die Schwalben nisten. — Kasiuo-Theatcr: Bollrich und Sohn.— Luisen-Theater: 80., 31. Muttersegen.— 1.— 5. Berlin wie es weint und lacht.— Schloßparl-Zhcatee Steglitz: Donna Diana.— Folie, Caprice: Das neue Fräulein. Das weine Blatt. Der ledige Ehemann.—«dmiralsxalast: 80., 31., 2., 4. u. 3. Abrakadabra. 1. u. 3. Die roten Schuhe. Rachmlttagi»»rstell»» g« u. Vollsbilhne!«. Das Postamt. Die Komödie der Irrungen. 3. Wallcnstein» Tod.— Schauspielhaus: 29. Die Journalisten.— Große» Schauspielhaust 29. Ein Eommernachtstrouin.— Dentsche» Theater: 29. Cäsar und«ieopatra.—«esstug-Theatee: Sin idealer Gatte.— Theater tu der Köaiggrätzer Straße: 3. Salome.— Deutsche, Opernhau»! 29. Der Zigeunerbaron. 6. Hoffmann» Erzählungen.—-Schiller- Theater: 29. u. h. Der Meineldbaner.— Reue««oito-Theater: 29 u. 5. Iugendfreude.— KomSdienha»»: Die Sache mit Lola.—«erliurr Theaterr 3. Der letzte Walzer.— Friedrich.Wilhelmftädtische, Theater, 29. San» Hucke- dein.— Theater de» Westen»: 29. u. 8. Der lustige Kakadu.— Luisen-Theater: Senoveva. Serantw. sür den rrdall TeN: Dr. Werner velser, Charlottendurg: sür tzwzeigrn: Tb. Glocke. Berlin Verlag: vorwörtS-Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vor- wärts-Bulbdruckerei u. Verlagsanstall Paul Singer u. To.. Berlin. Lmdenitr. 3. Gewinn--AuSzn« der 17. Prcutz.- Südd. t243. Pren�.) Klassen» Loiterks 8.«lasse 13. Ziehnngtiag. 27. Mal 1921. Ans|»8e gezogene Tturnraer{Infi zwei gleich höh»®etotnne gefallen. and zwar|e einer aaf die Los» gleicher Nummer In den beiden Zlbtellnngen I and ll Ohne Gewähr. Rachbruck verbeten. In der Vormlttagtzzlehuu» würben Sewlnne Aber 398 Marl gezogen. 4 in 10000 M 78487 191708 10 ZN 8000 M 3838 60868 78888 162091 188721 302 ZU 3000 M 1468 2616 11802 16087 2639� 28048 48328 42042 56215 62922 64267 66682 67068 67840 70270 73164 76481 79608 85314 97479 301388 108608 109107 116743 121143 122640 126817 138336 144171 149764 3 54832 187488 173269 181046 183808 186794 102679 194633 194981 199916 202660 203483 214432 217080 221420 222779 227275 232503 234587 234844 230301 166 ru 1000 M 3190 11818 12409 13271 19288«0497 21017 2784« 31177 34232 36911 37460 39198 39720 41723 44877 48S86 60634 87104 86321 68674 701 96 71246 71631 71716 72489 77317 77974 78134 78967 82860 66046 03785 09747 103765 107136 1088 5 109660 113145 116399 116864 118132 11 8003 121674 124274 137461 131618 136966 139368 143984 144330 146797 162683 164929 168491 171634 172691 176183 176688 17 800 176848 76888 178388 178816 180263 188987 108208 167233 168457 200192 208871 208448 209601 213012 218631 223146 227787 228443 232468 2331:7 234988 236876 238239 234 z> 600 M 1110 Uli 2089«182 3262 3888 8814 11770 13212 14S30 16048 16329 16712 20100 76626 27418 28457 29868 30323 30066 32992 83171 38680 39362 39665 39667 40388 44183 46469 46907 47487 49520 49639 62773 63496 64243 69821 80029 10904 88627 67041 71865 78211 76221 80868 82181 82374 83710 86785 89071 90711 97218 98660 09 70 308674 108804 UOSH 113377 118178 119086 119670 122860 124495 126329 127661 129970 130033 132158 132164 133180 136676 134301 136206 136375 137623 1-7697 136372 139184 140280 140604 140924 14' 033 142732 147693 148432 168577 167427 168879 182168 163664 188746 171716 171938 174704 179202 179218 179716 180086 180183 181018 182420 184109 187642 109498 201469 206962 216061 217876 221066 224608 226248 226629 228692 226961 z 29993 233874 239637 In der Rachmlttagiziehung wurde,«ewwne«er 390 Marl gezogen, 2 EU 200000 M 209112 2 ZU 16000 M 117676 2 zu 10000 M 71645 8 zu 6000 dl 86512 38893 138768 214000 88 zu 30C0 M 3600 7704 16399 18051 20898 21994 27564 38328 43031 48308 63648 66840 71719 78228 92826 93917 104008 112861 120968 121387 182888 138299 138426 146132 160839 169131 163920 166463 167461 168891 172048 172661 174803 179230 182071 193937 212817 216008 238422 219107 231074 236066 237619 239049 212 ZU 1000 M 18 1 034 2198 4488 4791 8188 9199 0224 11183 12660 12688 12988 16912 20374 23366 24489 28763*0828 32160 34916 36930 38726 88510 41701 82435 62886 62975 63413 64958«0463 61298 63247 65141 65784 72741 73027 73080 76805 78636 78632 78842 82041 82885 84108 87622 88170 89190 01094«5093 05210 06802 101761 103817 109609 112113 17171 121401 122816 138534 128410 185006 136429 138278 138130 130941 140871 141147 146519 162601 185361 146082 167834 191388 186089 170535 170676 174395 178387 181686 188149 188861 191286 103063 104811 165105 195360 1971-4 197287 198418 202003 203689 206091 209139 220468 220560 222389 223469 223947 324910 226743 227149 228830 230417 330728 231749 239419____ 212 ZU 600 M 381 3608 8921 0676 10841 11021 18888 91885 21969 21758 22767 26364 28680 29214 32303 36218 36308 38597 39837 42041 42370 43660 66014 56606 68184 60178 63314 66064 68678 67800 71463 73760 77016 83076 83773 84662 85221 85587 87622«2269 96099 102137 102288 104631 108488 107632 110204 111224 112224 112460 116881 118848 119183 123801 125691 127708 128041 128083 129198 133762 136959 136980 140729 142440 146060 146110 148897 147423 147728 148424 150333 168457 168687 160231 163197 166001 167368 169320 172628 173603 178278 180806 186168 188974 197160 203728 206826 208074 208872 210687 216456 21 8649 120983 221312 221701 221039 232883 225018 226668 226708 230007 230763 231473 232380 234073 236023 237943 Jeder Eisenbahner der vorwärt» strebt und nach dem Grundsatz: „Freie Bahn dem Tllchiigen" sich durch ein» schlkigige Zochliteratur fortbtiden wtH liest zur BrrvoMomumung seiner Berufskenntuisse unsere tonkurrenzlose Fachzeitschrift Sie MbsMiAle Amtliches Organ bei Verbandes Deutscher Eifrnbahnfachschulen und technische Zeitschrift für alle Eisenbahner. 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