Nr.SSS ♦ ZS.�ahrgaug Ausgabe A Nr. 130 Bezugspreis» Vierteljährl.za,— 3H., monotl. 10,— M. fcci ins Kaus, voraus zahlbar. Polt- iezug: Monatlich 10,— M. einschl-Zu» ltellunzsgedllhr. Unter Kreuzband wr Deutschland. Danzig, das Saar- und Memelllcbiet, sowie die ehemals beut- schen Gebiete Polens, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 20/— Ab. für das übrige Ausland 27,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tlchecho- Elowalet, Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Der„Vorwärts* mit der Sonntagsbeilage„Volk und kseit*. der Unter- Hallungsbeilage„Heimwelt* und der Beilage„Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentägNch zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: «Sozinldemotro» verlla" Morgen Ausgabe Berliner Volksblntt f 30 Pfennig) Anzeigenpreis, Die achtgelpaltene Nonvareillezeile tollet bchii M.„(klein« Anzeigen* da, lettgedrullte Wort 1�0 ist.(zu- lässig zwei tetlgedruckte Worte), sede, weitere Wort t.— M. 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Aber den verschiedenen Stilarten, die sich hier miteinander mischen und untereinander kreuzen, fehlt doch nicht die Verbin- dung durch einen einheitlichen Gedanken, nämlich den, daß die Annahme des Ultimatums viel mehr fein muß als eine bloße Geste, daß Leistungen vollbracht werden müssen, die jeden Zweifel an Deutschlands gutem Willen, seinen Ver- pflichtungen nachzukommen, in der Welt ausrotten. Diesem Grundgedanken stimmen wir zu. Seine energische Ausführung ist die Boraussetzung aller weiteren Politik. Für lange Zeit hinaus wird keine deutsche Regierung von ihm abweichen können, ohne das Land, dessen Geschicke ihr anvertraut sind, ins allerschwcrste Unheil zu stürzen. Der Reichskanzler konnte auf eine ganze Reihe von Leistungen hinweisen, in denen sich der ehrliche Erfüllungs- willen der neuen Regierung eindeutig kundgibt. Was er über die Einwohnerwehren sagte, läßt hoffen, daß hier die schlimmsten Schwierigkeiten überwunden sind. Inzwischen hat übrigens die von Bayern gewünschte neuerliche Anfrage an die Entente, ob mit den zu entwaffnenden und aufzulösen- den Organisationen auch die bayerische Einwohnerwehr ge- meint sei, die zu erwartende Antwort gefunden. Die Frage ist b e j a h t worden, und Bayern muß jetzt endlich wissen, was es zu tun hat. In der inneren Politik hat der Reichskanzler ein Regime der verfassungsmäßigen Demokratie angekündigt. Der Aus- nahmezustand soll, wo er noch besteht, abgebaut werden. Ihn noch beizubehalten, liegt unseres Erachtens in diesem Augenblick nirgends mehr ein Anlaß vor. Er wird auf Nimmerwiedersehen verschwinden, wenn nicht Putschisten von rechts oder links seine Wiederkehr erzwingen. Die Kommunisten forderten in immer wiederholten lär- menden Zurufen eine neue A m n e st i e. Nach 48 sang man freilich: Wenn die Fürsten fragen:„Will er Amnestie?" Sollt Ihr ihnen sagen:„Er hat steife Knie!" Aber wie auf so vielen Gebieten haben sich auch hier die Anschauungen geändert. Und die vorwiegend rechtskommu- «istische Reichstagsfraktion will offenbar ihren Eifer und den Wert ihrer Anwesenheit im Parlament beweisen, indem sie ihren von den falschen linken Brüdern mutwillig ins Gefäng- nis gehetzten Anhängern wieder zur Freiheit verHilst. Dieser Gesichtspunkt ist beachtenswert, nur darf man es nicht so plump anstellen, wie die Kommunisten, die durch ihr rohes Gebrüll nur Widerwillen gegen ihre Forderung erwecken. Die Sozialdemokratische Partei aber und, wir hoffen, auch die Re- gierung, wird sich von solchen Gefühlsmomenten nicht leiten lassen, sondern von Gedanken der Gerechtigkeit. Diese schließen es aus, daß die Schuldigen an gemeinen Verbrechen Straflosigkeit gewinnen, fondern aber, daß allzurasche Ur- teile der Sondergerichte, von denen Unschuldige oder minder Schuldige getroffen worden sind, ihre Korrektur auf dem Weg der Begnadigung finden. Das Hauptinteresse konzentrierte sich selbstverständlich auf das Finanz- und Wirtschaftsprogramm der Regierung. Wer da etwa einen fertig ausgearbeiteten Plan erwartet haben sollte, der in Form eines schätzungsweisen Boranschlags die künftigen Ausgaben und Einnahmen ins Gleichgewicht bringt, der mußte enttäuscht werden. Aber die ungeheuren Finanzprobleme, die uns jetzt gestellt sind, lassen sich eben nicht auf die alte Weise lösen, daß man sagt:„Dies sind die neuen Ausgaben und hier ist die Deckung dazu." Es kann nur schrittweise vorgegangen werden, und es kann sich nur darum handeln, Defizite auf das geringst notwendige Maß zurückzuführen mit der Tendenz, sie schließlich ganz ver- schwinden zu lasten, nicht aber darum, sie mit einem Schlag zu beseitigen. Es gibt keinen Menschen in Deutschland, der glaubt, daß die ins Abenteuerliche gesteigerten Ausgaben des Reiches von den Reichen allein bezahlt oder ausschließlich aus direkten Steuern bestritten werden könnten. Auch wenn aller persön- liche Reichtum durch Steuern vernichtet werden würde, bliebe doch die Tatsache bestehen, daß nur aus der Arbeit, die ollein Werte schafft, die zur Deckung der Reichsverpflich- tungen notwendigen dauernden Einnahmen fließen können. Die direkten Steuern auf mittlere und kleine Einkommen lasten sich, nicht ins Unendliche erhöhen, und so bleibt als letztes Mittel in der Tat kein anderes übrig, als eine scharfe Erhöhung der indirekten Steuern auch auf den bescheidensten Massen-„Luxus", ja zu allerletzt auf den lebensnotwen- pigen Magenbedarf selbst. Die Erkenntnis dieser harten Tatsachen den Massen zu vermitteln, wird aber erst dann möglich, wenn die bürgerlichen Koalitiönsgenosten begreifen, daß die besitzenden Schichten unter solchen verzweifelten Umständen kein Uebermaß zart- fühlender Schonung beanspruchen dürfen. Wir glauben, daß diese Einsicht teilweise schon vorhanden ist, sie muß aber ganz vorhanden sein. Jedem aufmerksamen Leser der Kanzlerrede muß es auf- fallen, daß darin über die künftige Gestaltung der Besitzbesteue- rung mit weniger Bestimmtheit und mit mehr diplomatischer Vorsicht gesprochen wird als über die indirekten Mastenver- brauchssteuern. Bolle Zustimmung wird der Kanzler finden, wenn er die energische Durchführung der schon beschlossenen Besitzsteuern in Aussicht stellt. Aber das Problem der söge- nannten„Goldwerte" wird, will uns dünken, mit allzu- großer Behutsamkeit angefaßt. Es handelt sich um jene im Privatbesitz befindlichen Werte, die nicht bloß aus Papier bestehen, sondern„so gut sind wie Gold". Sie sind und bleiben, unberührt von den Zuckungen unserer Währung, realer Besitz, der reale Erträge abwirft, Erträge, die in dem Maße steigen, in dem sich unsere Inlands- preise den Weltmarktpreisen annähern. Die Steigerung des Ertragswerts steuerlich zu erfassen und damit— mit dem Reichskanzler zu sprechen— die Bildung einer neuen Schicht von„Reparationsgcwinnlern" zu verhin- dern, ist ein sehr ernstes Problem, an seine Lösung wird heran- gegangen werden müssen, wie groß auch der Lärm ist, den die Presse der Rechten darüber erhebt. Gerade dieser Lärm muß uns in der Auffassung bestärken, daß hier noch manches, noch recht viel zu holen ist. Die Debatte, die heute beginnt, verspricht interessant zu werden, weil sie vielleicht noch deutlicher als die Kanzlerrede zeigen wird, wie groß oder wie gering die Aussichten der Re- gierung sind, dauernde Erfolgs zu erzielen. Besonders darf man auf das Verhalten der Randparteien gespannt sein, die rechts und links an die Regierungskoalition an- grenzen: der Deutschen Volkspartei auf der einen und der Unabhängigen Sozialdemokratie auf der anderen Seite. Dabei interessiert uns das Verhalten der Nachbarn zur Linken natürlich mehr. Sie können viel gut machen, aber auch viel verderben, und sie werden das erste tun, wenn sie sich dessen bewußt bleiben, daß es ihre Aufgabe als sozio- listische Partei ist, jedes Bestreben zum Schutz der breiten Masten zu unterstützen, nicht aber den besitzenden Klasten zur uneingeschränkten Herrschaft zu verbelsen. Auf beiden sozio- listischen Parteien, ob nun die eine in derRegierung, die andere draußen steht, auf beiden ruht heute eine gewaltige Ver- antwortung, und ein je größeres Stück von ihr sie gemeinsam tragen wollten, desto besser wäre es für das Ganze. Mit den Stimmen der sozialistischen Parteien und eines Teils der Demokraten und des Zentrums beschloß der Reichs- tag gestern, die Beschlüsse des Dolkswirtschaftsausschustes über die Unter st ützung der langfristig Erwerbs- losen als ersten Punkt auf die heutige Tagesordnung zu stellen. 109. Sitzung, Mittwoch, den 1. Juni. Am Regierungstisch: Dr. Wirth, Bauer, Dr. Rosen, Schiffer, Gradnauer, Schmidt, Keßler. Hermes, Gröner, Brauns, Rathenau. Das Haus und die Tribünen find gut besetzt. Präsident töbe eröffnet die Sitzung um 4,20 Uhr. Ms einziger Punkt steht auf der Tagesordnung die Entgegennahme einer Er- klärung der Reichsregierung. Reichskanzler Dr. wirth: Man erwartet von der neuen Regierung ein Programm. Ich will dieses Programm in eine kurze Form zusammenfassen, in drei Worte. Diese drei Worte heißen: Verständigung, Wieder. aufbau und Versöhnung!(Lärm der Komm, und Zurufe: Und die Amnestie?) In dieser Formel soll begründet sein, daß wir alle unsere Kraft daran setzen wollen, das deutsche Staatsschifs heraus. �ulenken aus dem Wege der Krisen und Katastrophen in ein ruhiges Fabrwasser friedlicher Entwicklung. Durch Werke des Friedens und Aufbaues nach außen und innen wollen wir zeigen, daß es uns ernst ist mit dem Beginn« einer neuen Zeit, daß wir unseren Verpflichtungen bis zum äußersten nachkommen und durch Arbeit und Leistungen die Freiheit des Vaterlandes wiedergewinnen wollen. Die Annahme des Ultimatums hat einen Schlußstein gesetzt und unsere Politik in eine bestimmte Bahn gelenkt. Die Absicht der Riechsregierung ist eindeutig und klar. Sie will die übernommenen Verpflichtungen gewissenhaft und loyal erfüllen: sie will den guten Mut haben und von dem ganzen deutschen Volt« verlangen, daß es sich anstrengt, Leistungen größererArtzu vollbringen. Rur dann kann eine Höchstleistung erzielt werden. Hierin erblickt die Reichsregierung die einzig« stir Deutschland mögliche Politik. Nicht akademisch« Erörtermigey louderu allem die praktische Anerkennung des Leistungsprinzip» wird für Deutschland und seine schwere Lage in der Welt Verständnis erwecken. Das Ultimatum'stellt uns kurze Fristen. Einige sind bereits abge» laufen. Wir haben sie innegehalten. Auf finanziellem Ge- biete ist die Zahlung einer Milliarde Goldmark rechtzeitig erfolgt. Der Reichskanzler weist daraus hin, daß 1S0 Millionen Goldmark in bar und der Rest durch Schatzwechsel bezahlt worden sind, die auf Wunsch der Reparationskommission das Jndosiement von vier deut- schen Großbanken, der Darmsrädter Bank, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Diskonto-Gesellschast erhalten haben. Die genannten Bankinstitute haben in äußerst dankenswerter Weise d:r Regierung ihre Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die Schatz- Wechsel sind bis zum 31. August einzulösen. Es sind alle Vor- kehrungen getroffen, um die Einlösung sicherzustellen. Am 31. Mai sind weiter 30 Millionen Goldmark in Devisen angeboten worden. (Erneuter Lärm der Komm, und Zurufe: Und die Amnestie?) Durch die Annahm« des Ultimatums haben wir uns den Ent- wafsnungsbestimmungen der Pariser Note vom 29. Ja- nuar aus dem Gebiete des Militär-, Marine- und Flugwesens gefügt. Di« Note, die uns zur Ausführung des Ultimatums von General Rollet, dem Leiter der Interalliierten Militärkom- Mission, überreicht worden ist, wird in der üblichen Weise dem Aus- schuß für Auswärtige Angelegenheiten zugeleitet werden. Die bisher abgelaufenen Fristen sind auch auf diesem Gebiet« i n n e g e- halten.(Abg. Adolf Hoffmann(Komm.): Schwindel!) Die Reichs- rcgierung ist einmütig der Ansicht, daß uns in der.?rage der Entwaffnung keine vorwürfe gemacht werden können, geschweige daß sie Anlaß zu Sanktionen geben darf. Was an uns ist, werden wir desiialb tun, um unsere Versprechungen einzulösen.(Erneute Zurufe bei den Komm. Adolf Hoffmann ruft: Erst können vor Lachen!) Für diesen Zuruf haben Sic Amnestie!(Beifall. Erneute Zurufs bei den Komm.: Was sagt Kahr?) Die Durchführung der Entwaffnungsbedingungen ist ver- anlaßt worden. Die von der Militärkontrollkommission festgesetzten H ö ch st b e st ä n d e für den Bedarf und die Ausrüstung unseres Hunderttausendmannheeres sind von uns anerkannt worden. Be- fehl« zur Ablieferung des überschüssigen Materials sind erteilt, die Ablieferung ist im Gange. Der Abbau der von der Kontroll- kommission nicht zugestandenen Bestückungen unserer Landfestungen einschließlich Lützen und Boyen ist anc�ordnet und wird unverzüglich durchgeführt. Das gleiche gilt für die Kllstenbe- festigungen. Die Listen für das Gerät des Hunderttausendmann. Heeres sind anerkannt, die für seine Herstellung nicht zugelasse- nen Fabriken werden geschlossen. Ebenso sind die in den Pariser Beschlüssen enthaltenen Forderungen, die sich au- die Marine und die Luftfahrt beziehen, teilweise«rsüllt, teilweise in schleuniger Durchführung begriffen. Eine Vorlag« über diele Materie wird in den nächst-m Tagen dem Reichsrat zugehen. Ein Verbot der Ausfuhr von Lustfahrmaterial ist erlassen. Der Kontrollkommission ist mitgeteilt worden, daß die deutsche Re- gierung die ihr in Aussicht gestellte Entscheidung zur Unterscheidung der zivilen Luftfahrt von der im Friedensvertrag untersagten mili- tärischen Luftfahrt anerkennt. Die Auslieferung der ü b e r z ü h l i g e n Waffen der Polizei ist durchgeführt. Anordnungen zur Zu rückführ un g der Gesamtstärke der Polizei, die nach den Boulogner Beschlüssen 130 000 Mann nicht überschreiten soll, sind erlassen. Die in den Pariser Beschlüssen geforderten ge- setzlichcn Maßnahmen über die Ein- und Ausfuhr von Kriegsgerät sind so gefördert, daß sie in den nächsten Tagen dem Reichsrat zu- gehen werden. Zur Entwaffnung der Einwohnerwehren sind von den Landesregierungen die erforderlichen Anordnungen ge-' troffen. Die bayerische Regierung stand nach ihrer früheren Stellungnahme vor einer außerordentlich schwierigen Situation. Ich habe es nicht für richtig gehalten, durch offizielle Schreiben seitens der Reichsregierung diese schwierige Lage der bayerischen Regierung noch zu verschärfen. Aber Sie können mir glauben, daß ich trotzdem nicht untätig gewesen bin. Die bayerische Regierung bat in- zwischen in Erkenntnis der tatsächlichen Lag« die bekannte Erklärung über die Entwaffnung der Einwohnerwehr abgegeben. Wenn danach die b e t e i l i g t e n K r e i s e sich zu Beschlüssen durchgerungen haben, die unabwendbar geworden sind, so verdienen sie und alle b«» teil igten Personen, die diese Ausfassung kundgegeben haben, den Dank...(Großer Lärm bei den Komm. Rufe: Unerhört!) Ich spreche namens der Reichsregierung die Hoffnung und Erwartung aus. daß die Durchführung der Waffenabgabe pünktlich erfolgt. Die freiwillige Entwaffnung ist eine wichtige Tat auch für Deutschlands ! innere Einheit. Ein Spiel mit dem Zwang von innen oder außen hätte nur zu Entzweiungen unter' den deutschen S t S m'm e n führen können. Neben der Entwaffnung steht die.frage der Auflösung der Organisationen. Die bayerische Regierung ist der Ansicht, daß zum mindesten nach erfolgter Waffenabgabe die bayerischen Einwohnerwehren nicht mehr unter die Artikel 177 und 178 des Friedensvertages fallen (Hört, hört! links), welche von der Auflösung gewisser näher bezeich- neter militärischer Organisationen sprechen.. Das bayerische Oberste Landesgericht hat denselben Standpunkt ausführlich dargelegt.(Erneutes Hört, hört! links.) Aber die Reichsregierung stand nicht mehr allein vor den Artikeln 177 und 17i des frieden s- vertrage«, sondern vor dem Ultimatum vom S. Mai dieses Jahres. das in dieser Hinsicht aus die Pariser Note vom 29. Zanuar Bezug nimmt. Darin ist eine gewisse Interpretation des.Friedensvertrages gegeben, die es nicht ermöglicht, die Einwohnerwehren von hex Liste der aufzulösenden Organisationen auszunehmen. Diese Liste, die wir überreicht hoben, mußte osfen und klar sein. Sie mußt« deshalb die Einwohnerwehren und die Organisation Esche- rich enthalten. Sie können sicher sein, daß die Reichsregierung diesen Eingriff in das Vereinsrecht nur unter dem Druck der Alliierten vorgenommen hat. Sie hat daher auch die Ansicht der beteiligten Laudesregierungen und die Unterlogen den Alliierten mitgeteilt, damit diese«ine Nachprüfung vornehmen können. Ich komme nunmehr zu den Aufgaben, die sich aus dem wirt- s ch a f t l i ch e n Teil des Ultimatums für Deutschland ergeben. Das Programm ist weit ausladend: es gliedert sich in drei Teile. Die Aufgab«, die unmittelbar vor uns steht, ist � das finanzielle Programm; im engsten Zusammenhang damit steht das wirtschaftliche Programm und die soziol-ethischen Ausgaben. Der erste Teil umfaßt die Abliefe- rung von 2ö Proz. der Aussuhr und die fixe Summe von 2 Milliarden jährlichen Annuitäten. Dazu kommen dann noch die Besatzungs- kosten, wenn wir im Zahre lSZt dieselbe Ausfuhr haben wie 1320, würden wir insgesamt über 40 Milliarden Goldmark zu leisten haben. Diese Summ« ist außerordentlich groß. Von vielen Seiten wird ge- sagt, wir können sie nicht leisten. Jetzt aber haben wir nicht mehr darum zu streiten, ob die Summ« unserer Leistungsfähigkeit ange- vaßt ist. Dieser theoretische Streit führt zu nichts. Wir müssen durch Taten zu beweisen suchen, wie groß unjere Leistrmasfähigkeit ist.(Sehr richtig!) Denn die Sache der Freiheit ist selbst mit schwersten finanziellen Opfern nicht zu teuer erkauft. (Gelächter rechts, großer Lärm.— Zurus« links: Amnestie!) Unsere nächste Ausgab« wird es sein, für die Erfüllung der Verpflichtunsen einen sorgfältigen und genauen Zahlungsplan aufzustellen. Der deutschen Regierung läßt der Friedensvertrag aus- drücklich die Möglichkeit offen, mit bestimmten Borschlägen an das Garantiekomitee heranzutreten und einen Plan scstzustellen. Dieser Plan wird einerseits den Gesamtbetrag der Sachlei st un- gen festzusetzen haben. Soweit diese Verpflichtungen nicht durch Sachleistungen erfüllt merden, ist nachzuweisen, wie wir im Innern die Mittel aufbringen wollen, um den zu zahlenden Restbetrag durch Devisen zu decken. Es werden bestimmte Steuern zu kenn- zeichnen fein. Der gesamt« Betrag dieser als Sicherheit gestellten Steuern muß hinreichend fein, um den fehlenden Restbetrag zu decken. Wir haben uns bereits an die Arbeit gemacht und werden binnen kurzem über diesen Zahlungsplan uns mit der Garontiekommission in Verbindung setzen. Die 2Sprozentlqe Ausfuhrabgabe kann dauernd für die deutsche Aussuhrindustri« nicht in strrage kommen.(Zu- stimmung.) Der Ausfuhrindex ist brutal. Ist roh. Es soll noch einem besseren Index geforscht werden. Ob er gefunden wird, kann heule noch nicht gesagt werden. Arbeiten nach dieser Richtung sind im Gange. Jedenfalls müssen wir damit erzielen, irgend eine Summe an Einnahmen zu schaffen, die gleich hoch ist wie die der Ausfuhrabgabe. Eine voll« Rückvergütung der 2Sproz«ntig«n Ausfuhrabgabe wird nicht erfolgen können. Die Swnde lür denReichswirtschastsrat zur tätigen Mitarbeit an dem deutschen Geschick ist gekommen. Wäre die Angleichung an den Weltmarktpreis nicht soweit vorge. schritten, so wäre die Ausfuhrabgabe vielleicht zu erwägen. Heute noch besteht eine starke Spannung zwischen der Kaufkraft des Geldes im Inland und Ausland. Diese Spannung muß möglichst ausgenutzt werden. Es wird Sache des Reichswirtschaftsrates sein, zusammen mit der Reichsregierung Vorarbeiten nach dieser Richtung fertigzustellen. Dann ober gilt es, die Deckung für die zwei Milliarden Gold an fixen Annuitäten festzustellen. Aber auch an Sachlieferungen muß Deutschland die erforderlich« Summ« aufbringen, denn es geht nicht an, daß wir auf die Dauer zu An- leihen greifen. Di« Erfahrungen des Krieges nach dieser Richtung hin schrecken. Wir müssen sehen, die Losten totsächlich als jähr» liche Einnahmen aufzubringen. Bei neuen Steuerqnellen richtet stch da» Augenmerk des deutschen Sozialpolistkers unwillkürlich auf die kohle. Unser Kohleninlandspreis ist heute noch niedriger -als der Weltmarktpreis. Das wäre nicht der Fall, wenn wir die Preisbildung in der Kohlenindustrie sich hätten frei entwickeln lassen. Hierin liegt zu gleicher Zeit auch ein Reservefond». Man wird die bestehende Preisdifferenz zwischen Inlands- und Weltmorttspreis ausnutzen müssen. Es fragt stch nur, auf welche Weife dies am besten geschehen soll. Ee muß allerding» ein Weg gefunden werden, der es gestattet, eine Differenzierung zwischen Hausbrandtohle und Industrietohle zu schaffen. Es gilt, die übrigen Steuern so auszubauen, daß sie hinreichend sind, einerseits die fehlenden Beträge der Repara- tion, andererseits die Ausfälle zu decken, welche durch die Repara- tion im Reichsbudget entstehen. Das Bestreben der Reichsfinanz- Verwaltung muß von folgenden Gesichtspunkten geleitet sein. Wo noch Lesihsteuern durchzuführen sind, ohne Schädigung des eigentlichen Wirtfchofts- Prozesse», muß das geschehen. Es kommt in Frage erstens ein Aus- bau der Sörperschaflssteuer, der einer Besteuerung der hohen Divi- denden gleichkommt, zweitens ein starker Ausbau der Börscnsteuer. um vor allem die Spekulationen an der Börse auf diese Weise zu erfassen, drittens— und darauf lege ich besonderen Wert— handelt es sich nicht allein darum, neue Steuern zu schaffen, sondern die be- reit» verabschiedeten Steuern durchiuführen.(Zustimmung.) E» werden innerhalb der Zinanzverwaltung Einrichtungen zu schasse« sein, die eine vollkommene Aosschöpsung der bisher erschlossenen Besihquellen ermöglichen. Auf diese Weise können wohl noch meh- rere Milliarden gefördert«erden. Es hat«in großes Maß von Geduld dazu gehört, im Laufe«ine« Jahres das Aufkommen der Bsfitz- und Einkommensteuer zu überwachen. Wir sind vor- »« c ts gekommen. Gerade in dm letzten zwei Monaten sind ••graeföche Erfolge erzielt worden.(Zustimmung.) Ich darf aber auch hinzufügen, daß der«u» gewissen Gründen verständliche l a ifcg f a m e Fortgang der Leranlagung der Besitz» und TilltOMmenfteuer in den Kreisen, in denen die Steuer vom »ahn- und Gehaltssatz erhoben worv« ist, lebhafte Beun- r u h i> u n> heraorgerusen hat.(Wahr richtigl) Do» kann zu poli- tischen«brühen führep. Mr mtzssen atz« tun, um in rascher Aolg« und energisch die»«sitz- und Einkommensteuer auch bei deneu zur Durchführung z» bringen, die über die Produktionsmittel verfügen. Eine gewiss«. Reseroe liegt»ielleicht auch bei der Nachlaß. st e u e r. Me Möglichkeiten werden geprüft. Ein Ausbau der Erbanfall st euer ist nicht in Betracht zu ziehen. Um einen Ausbau»er indirekten Steuern werden wir nicht herumkommen. Entwürfe find bereits ausgearbeitet für eine Erhöhung der Einnahme aus dem Branntwein- Monopol, aus der B i e r st« u e r. für ein« Beseitigung der Er- Mäßigung bei der Tabaksteuer, für eine höhere Besteuerung des Zuckers einschließlich der Süßstoffe, wobei die Frage eines Raffineriemonopols entschieden werden muß. Bei der indirekten Besteuerung wird da» Hauptgewicht darauf zu legen sein, daß ein guter Steuerertrag unter möglichst geringer Steige- rung der Verbrauchspreise garantiert wird.(Lachen.) Die Steuer auf den Luxus wird stärker anzuziehen fein. Die Steuern, deren Ertrag durch Geldentwertung herabgesetzt ist, müssen verhältnismäßig erhöht werden, um auf den Friedens- stand zu kommen. Die Steuern auf Grund und Boden und Gewerbe müssen in moderne Form gebracht werden. Ich habe auch bereits Verbindungen mit den Finanzministern der Länder ge- sucht, um die Frage zu erörtern, wie es möglich ist, binnen kurzer Zeit dies Ziel zu erreichen. Die Ausschäpfung dieser Steuern ist notivendig für die gesamten Finanzen Deutschland». Di« Reichsregierung ijt sich bewußt, daß die Arbeit der Ikoteapress« den Geldwert verschlechtert und somit einseitig die Interessen der Lohn, und Gehaltsemvfänoer, die keine Produktionsmittel in Hän- den haben, schädigt. Die Regierung hat das ernste Bestreben, sich so bald wie möglich von diesem ungesunden Mittel der Notenpresse zu befreien. Dazu müssen weitere Einnahmequellen geschaffen werden. Die von der Geldentwertung nicht betroffenen Besitz- und Sachwerte oder andere Werte, die von der Wert- Veränderung de» Geldes nicht betroffen worden sind, vielmehr ihren Goldwert mehr oder weniger beibehalten haben, alle solche Wert«, bei denen Gewinne, sei es au» Konjunkturen, sei es aus der Ungleichung an die Weltmarktpreise ensstchen, wer- den schärfer zu erfassen sein. Zu den Kriegs- und Reoolutions- gewinnlern dürfen sich nicht noch Reparationsgewinnler gesellen. (Beifall.) Dann hoffen wir, die Finanzen de» Reiches dem Bedürf- ni» entsprechend ausgestalten zu können. Wenn der Reichstag dieses Gesetzeswerk möglichst rasch erledigt, so wird der zweite Teil der Sanierung unserer Finanzen erfolgen. Dabei muß natürlich die Zuschufiwirtschaft möglichst rasch und energisch abgebaut werden. Rur produktive Ausgaben dürfen auf Anleih« genommen werden. Einer späteren Zeit erst wird es vorbehalten bleiben, das große Problem der Währungsfrage in Angriff zu nehmen. Heute ist die Zeit dazu bei dem Zustande unserer Finanzen noch nicht gekommen. Im engsten Zusammenhange mit dem Finanzprogramm steht daS WirtschaftSprogramm. Es ist selbstverständlich, daß die Summen, die wir an das Ausland zahlen müssen, auf die Dauer nur aus dem lleberfchuß unserer Wirtschaft kommen können. Unsere Volkswirtschaft muß eingerichtet werden aui höhere Produktion und nationalwirtschaftliche Erspar- nis. Die Richtung, die unsere Wirtschaftspolitik nehmen muß, ist durch die Kontributionsverpflichtungen und ihr« technische Ausge- staltung zum großen Teil bedingt. Wenn wir die Reparation»- leistungen aufbringen wollen, müssen wir Im Unlande höhere Werke erzengen und unsere Einfuhr einschränken. Wir müssen olle aktiven Posten der deutschen Zahlungsbilanz mög- lichst steigern und die passiven Posten tunlichst niedrig halten. Das ist die zwingende Logik der ganzen Lage. Daraus folgt wieder mit ernster Konsequenz der möglichste Ausbau der heimatlichen Lag« unserer Volkswirtschaft. Was wir im Inlands erzeugen können, müssen wir aus dem deusschen Loden möglichft herausholen. Die Einfuhr von Luxuswaren muß möglichst durch zollpolitische und Steuermnßnahmen beschränkt werden. Man muh aber auch der deutschen Reqier.ing wieder die Verfügungsgewalt über die Zollgrenze geben.(Zustimmung.) Es darf kein neues Loch im Westen geschaffen werden. Die Landwirtschaft muß auf höchstmöglichste Produktion eingestellt«erden. Infolge des Wegfalls wichtiger landwirtschaftlicher Gebiete ist dos doppelt schwer, ober auch doppelt notwendig. Es kann nur gelingen, wenn die ganze Landwirtschaft stch mit alter, zäher Energie an diese Aufgabt heranmacht. Rotwendig ist rationellste Dodenpflege, die Derwer- tung des rationellsten Düngungsverfahrens. Ausgaben hier- f ü r f i n d p r o d u k t i o. Zu fordern ist die Benutzung von Motoren an Stelle der Zugtiere. Der Umfang der Bodenfläibe muß vermehrt werden durch Kultivierung von Oedländsreien. Die Beschäftigung der Arbeitslosen wird dadurch produt- tiv. Für die Industrieaufträge müssen entsprechende Moschinen und Gerätschaften beschafft werden. Das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen muß ro'ch und großzügig weiter au»- gebaut werden. Unsere ganze Wirtschaftspolitik muß abgestimmt sein auf da» Ziel: größtmöglich st e Produktion»» st e i g e r u n g. Dadurch werden wir unsere Volksernäbrung verbessern und unabbängig von der Auslandsversorgung werden. Auch sonst gilt«» bei uns aus dem helmischen Boden her- auszuholen, was er hergeben kann. Wir müssen hinabsteigen in die Kohlen-, Salz- und Erzkammern. Ich erinnere an die F o r st b« st ä n d e. Der Verkehr muß ausgebaut werden unter dem Gesichtspunkte technischer Höchstleistungen. Ich denke an den Aus- bau der Handelsflotte und an die K a n a l b a u t e n. Unsere Erwerbslosen müssen unter ollen Umständen produktiv be- schäftigt werden. Notwendig ist die Förderung des Bau- und Siedlungswesens. Auch unsere Industrie muh auf Höchstleistungen eingestellt sein. Die Strömungen nach RormaNsicrung und Typifierung werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Qualitötsleistungen auf allen Gebieten sind eine unbedingte Notwendigkeit, keine Schleuder- artikel: dann werden wir un» wieder Absatzmärkte erringen. Don Wichtigkeit ist eine Wiederbelebung des Werkbund- gedankens. Man hört vielfach dos Wort, Deutschland müsse zum Agrarstaat zurückkehren. Dos ist vollkommen unmöglich. Hier handelt es stch nicht um Agrarstaat oder Industriestaat, sondern um Agrarstaat und Industriestaat.(Sehr richtig!) E» muß«her eine Industria lisierung der Landwirtschaft erfolgen. Rur durch Fortschreiten der höheren Wirtschaftsform werden wir zum Ziel« kommen, nur dann werden wir die Rot der Zeit mildern. Landwirtschaft und Industrie dürfen sich nicht al» Feinde gegen- überstehen, sondern als Brüder, die gemeinsam zur Ueberwindung der wirtschaftlichen Rot beisteuern, damit wieder die Schaffung ein«, bescheidenen Wohl stand«, wieder der deutschen Volksgemeinschaft möglich wird. Da» ist ein gewaltige« Arbeitsfeld für viele, viele Jahre, ein Programm auf lange Sicht.(Sehr richtigl) Wir können es nur be- wältigen, wenn auch die richtig» soziale und ethisch« Einstellung der deutschen Polksseele erfolgt. Wir brauche« de« stttlichen Wiederaufbau der Nation. Die inneren Segensätze müssen möglichst zurückgestellt werden. Die beste» Kräfte de» Volke» dürfen nicht im inneren Hader zerrieben werden. Wir müssen wieder den Blick nach vorwärts richten. An Stelle der Mutlosigkeit und Verzagtheit muß wieder da« Bewußt- sein treten, daß ein Volk von solcher geschichtlichen Vergangenheit und solchen wirtschaftlichen Leistungen auch Zeiten dieser Not über- winden muß. Bei Zusammenfassung aller Kräfte muß es trotz aller Leistungen, die ihm aufgezwungen worden sind, fein Schicksal meistern können. In allen Schichten des Volkes muß jener soziale Geist einkehren, der unbedingt notwendig ist, um die A r b e i t s f r e u d i g k e i t zu vermehren.(Lärm der Komm, und Zurufe: Amnestie!) Präsident Löbe: Lassen Sie den Reichskanzler doch aussprechen, vielleicht kommt er noch auf das Thema.(Heiterkeit). Der Präsident ruft den Abg. R e m m e l«(Komm.) wegen dauernder Störung». versuch« zur Ordnung. Reichskanzler Dr. wlrth(fortfahrend): In den letzten Tagen und Wochen war unfer Blick vor ollem nach Südosten, nach Oberschlefie« gerichtet, wo unser« Brüder unter dem Drucke Korfantyscher Scharen Unerträgliche» zu erdulden hatten. Als die überwiegende Mehrheit des oberfchlesischen Volkes sich für Deutschland entschied, hat Kor- ianty den Derfuch unternommen, mit Waffengewalt vorzugehen. Die deutsche Regierung hat dos vorausgesehen und es an Warnungen nicht fehlen lassen. Der Aufstand ist bis ins ein- zelne von den Polen vorbereitet worden.(Hört, hört!) Es war keine spontane Volksbewegung, sondern ein« künstlich»nt- fachte, von außen unterstützte Revolution. Die Folgen sind Terror, Verwüstung, Plünderung. Das Land ist auf, äußerste gefährdet. Di« Landwirtschaft liegt darnieder. Die Industrie und die Hüttenbetriebe stehen vor dem Zusammenbruch. Starker Kohle nm angel macht sich bemerkbar. So fleht da» Land au», das im vorigen Jahre uu Zustand de» Frietzea,«G Gedeihen» hex Interalliierten Kommission zu treuen Händen übergeben worden ist.(Lebh. hört, hörtl) Die Bevölkerung hat sich zur Selbsthilfe zu- sammengeschlossen, um Haus und Hof, Weib und Kind zu schützen. Mit höchster Bewunderung haben wir ihre S e l b st b e- h e r r s ch u n g festgestellt.(Beifall.) Insurrektion kann nie Recht schassen. Dadurch kann nie ein Land polnisch gemacht werden, das zu Deutsch- land gehört. Zwei Zahre vor dem Kriege. 1312. haben 70 Proz. der oberfchlesischen Wähler für deutsche Parteien gestimmt.(Hört, hört!) Das Ergebnis der Abstimmung in Oberschlesien hat die Polen enttäuscht. Sie selbst haben die Heranziehung der Emi- grauten zuerst verlangt. Da sie sich über deren Abstimmung ge- täuscht haben, wollen sie jetzt ihre Stimme nicht gelten lassen. Sollte die Abstimmung nur dann die Entscheidung bringen, wenn sie zu- gunsten Polens ausfiel? Für Deutschland ergab sich eine Mehr- heit von einer Viertelmillion Stimmen. Das Ergebnis wäre noch günstiger gewesen, wenn man nicht allein nach 1304 Zugezogenen das Stimmrecht genommen hätte. Die Polen selbst schätzen den Schaden, den die Deutschen durch diese Bestimmung erlitten hoben, auf 120 000 Stimmen. Aus alledem ergibt sich das deussch« Recht auf Oberschlesien. Die Teile, die von Oberschlesien abgetrennt und zu Polen geschlagen würden, wären dem Ruin überliefert. Selbst Freunde der Polen haben die Unfähigkeit der Polen festgestellt, diese hochentwickelten Gebiete zu verwalten. Ober- schlesien würde, wenn es zu Polen käme, auf den T i e f st a n d des polnischen Wirtschaftslebens herabgedrückt werden. Polen bat Oberschlesien auch nicht nötig. Es verfügt selbst über Kohlen- und Erzvorräte, dl« es selbst entwickeln sollte, statt seine Hand nach fremdem Gut auszustrecken.(Beifall.) Deutschland hat stck, sogar bereit erklärt, den Polen die oberschlesischen Er» Zeugnisse zu liefern, die es braucht, solange das polnische Kohlen- gebiet noch nicht erschlossen ist.(Hört, hörtl) Gestützt auf unser gutes Recht, auf die Logik der wirtschaftlichen Tatsachen, muß Ober- schlesien bei Deutschland bleiben. Die Regierung hat die Notwendig- teit betont, daß in Oberschlesien jetzt alles vermieden wird, was dem Gegner Gelegenheit bietet, unsere gerechte Sache zu verdunkeln. Die deutsche Grenz« nach Oberschlesien ist g e s p e r r t. Die p o l- nische Grenze ist noch offen.(Hört, hört!) Das deussche Volk hängt mit leidenschaftlichem Herzen an Oberschlesien. Das hat auch die Berliner Sonntagskundgebung gezeigt. Wir ver- langen, daß das alte deutsche Land unlöslich bei Deutschland bleibt durch Abstimmung und Recht. Es geht nicht, daß durch bewaffneten Ausstand sogenannte„vollendete Tatsachen" geschaffen werden. Die Demokratie hat ihren Ausdruck erhalten durch das Plebiszit. Die Mächte, deren Verfassung demokratischen Charakter hat, werden dafür sorgen müssen, daß dieser Willensaus- druck zur Geltung kommt. Oberschlesien darf nicht ein neuer Brandherd werden, der Europa aufs neue in Flammen setzen kann. Den Beratungen in den französischen gesetzgebenden Körper- schaftcn sind wir mit äußerster Spannung gefolgt. An Worten bat e« drüben nicht gefehft, an Worten fehlt es auf der Welt über- Haupt nicht.«Ich muß doch die Frage an die Gegenseite richten: Wie denkt stch denn Frankreich die Lösung der von Briond angeregten Frage: Der demokratische Geist muß sich in Deutschland entwickeln? Sollen etwa die Sanktionen der letzten Zeit, die Rheinzollgrenze, die Besetzung weiteren deutschen Ge- bietes und deutscher Städte, das Fraternisieren französischer Truvpcn mit den ausständischen Polen in Oberschlesien— sollen etwa oiese Erscheinungen den demokratischen Geist in Deutsch- land stärken können?(Zustimmung.) Sieht man denn nicht ein, daß das ewige Drohen mit dem Schwert und mit neuen Sank- ttonen das Gegenteil von demokratischem Gel st selbst ist?(Sehr richtigl bei der Mehrheit.) Was ist zunächst— abgesehen von dem fairen Spiel, das England und Italien bezüglich Ober- schlesien wirklich getrieben haben— in Frankreich ein Zeichen dafür« daß da» neue demokratische republikanische Deutschland nicht in seinen Uranfängen erdrosselt werden soll? Die Sieger von gestern, die mit Hilf« der ganzen Welt das ausgehungerte deussche Volk schließlich niedergeworfen haben, haben es leicht, Machtpolitik zu treiben.(Sehr richtigl) Liegt es denn wirklich im Interesse der Welt, dem entwaffneten Deutschland mit ewigen Drohungen entgegenzutreten, die uns nicht zu ruhiger Arbeil und zu Leistungen kommen lassen? Legt doch endlich die Flinken weg! (Unruhe bei den Komm., Rufe: Wie in Bayern!) Driand spricht mit etwas feinem Spott von der augenblicklichen Regierung in Deutschland. Er denkt dabei an die Kurzlebigkeit der deut- scheu Regierung. Es ist das Ziel aller wahren Pattioten bei uns, endlich eine Regierung zu bekommen, die sich auf«ine breite parlamentarische Basis, eine Mehrheit, stützen kann. Diese Regierung wird nicht geschaffen und nicht gefunden durch die Erörterung von volitilchen Fragen, sie wird nur entstehen durch eine sachliche Politik, die alle, die guten Willens sind, im Laufe der nächsten Wochen um ein sachliches Programm sammelt. Gewiß wird eine solch« Regierung, die sich auf eine breite parlamentarische Basis stützen kann, auch ein politisches Ideal zu verfechten haben. Ich sehe dieses Ideal in der Verwirklichung der fried, lichen Demokratie, die dem deusschen Bolle zunächst das Leben rettet, darüber hinaus aber auch den Aufbau des Vaterlandes und gleichzeitig der europäischen und der Weltwirtschaft in Gang bringen will. will mau in England und Frankreich dasselbe Ziel — und es müßte eigentlich das Ziel aller derer sein, die die Welt einer neuen Wohlfahrt entgegenführen wollen—, dann hat man dort auch die Verpflichtung.../(Lärmende Rufe bei den Komm.: Amnestiel Widerspruch bei der Mehrhett. Glocke des Präsidenten.) Dann hat man dort die Verpflichtung, der demokratischen Idee bei der Entscheidung über Oberschlesien Rech- nung zu tragen,«« der Will« der»evölterung nach demokratischen Grundsätzen zum Ausdruck gekommen ist. Oberschlefieu wird der Prüfstein dasür sein, ob e» den stegreichen Mächten in der Well wirklich ernst ist mit der Verwirklichung der Vemokrakie in Europa. Da» Schicksal der demokratischen Entwicklung liegt jetzt in den Hän- den dieser Staaten. Der Sieg irgendeiner Diktatur, sei es eines übertriebenen Militarismus in irgendeinem Lande, sei es eines phantastischen Diktators in Oberschlesien, wird den Todes- keim für die Demokratie in Europa legen. Die innere und die äußere Politik Deutschlands sind heute so eng verknüpft wie nie zuvor. Durch die Annahme des Ullimatums ist un» die Freiheit im Innern erhalten worden; aber ich will dar- über jetzt mit niemand streiten. Es fragt sich, wie wir die Freiheit, die wir haben, gebrauchen wollen. Tie Richtschnur ist die Reichsverfassuug, an deren Durchführung wir ehrlich arbeiten wollen.(Abg. R e m m e l e(Komm.): Lügen Sie doch nicht!— Präsident Löbe; Für diesen unerhörten Zuruf erteile ich Ihnen den zweiten Orb- nungsrufl— Beifall bei der Mehrheit. Große Unruhe bei den Kommunisten. Zurufe: Es bleibt doch Schwindel!) Eine solche Entwicklung ist nur möglich, wenn die Regierung jedem Versuch eines gewaltsamen Angriffs auf die Ver- fassung— möge er kommen, woher er wolle— rechtzeitig entgegentritt. Das wird die Regierung tun.(Beifall.) Sie wird stch dazu der Mittel bedienen, die ihr die Gesetze in die Hand geben, von Ausnahmevorschriften wird sie absehen. In einigen deusschen Gebieten bestehen Zurzeit noch Ausnahmevorschrif- ten. Der Ausnahmezustand in Groß-Homburg wird im Einver- nehmen mit den Hamburger Behörden sofort aufgehoben werden. Die Reichsregierung beabsichtigt aber auch im übrigen, den Aus, nahmezujtalÄ.»0 er besteht. mogliSst sxh««U ftöiuäftu«* Nr. 255 ❖ ZL. Jahrgang Heilage öes vorwärts GroßSerlm öerlin vor einer KohlenkataftropheZ Die Sitzung der Groß-Bekliner Verkehrsunternehmungen bei dem Neichskohlenkommissar, von der wir in der gestrigen Abend- Ausgabe berichteten, hat stattgefunden. Es handelt sich darum, fest- zustellen, ob die Verkehrsunternehmen in der Lage sind, weiter« Ein- schränkungen auf sich zu nehmen. Die Verhandlungen ergaben, daß sowohl Straßenbahn als auch Hochbahn bereits genügend Einschränkungen ihres Verkehrs vorgenommen haben, so daß weitere Einschränkungen nicht erforderlich sind. Die Gasanstalten sind noch für 10 Tage versorgt. Die Elektrizitätswerke haben sich aus Braunkohlenfeuerung«ingestellt und der weitaus größte Teil der Produktion aus der Niederlausitz geht bis auf weiteres an die öffenllichen Stromcrzeugungswerke. Das Kraftwerk Golpa ist der- ort überlastet, daß eine erhöhte Stromabgabe zurzeit nicht möglich ist. Im Vorortverkehr sollen Sonderzüge für Vergnügungszwecke, be- sonders für Rennen, wegfallen. Zu einem endgültigen Ergebnis konnte jedoch die Besprechung nicht gelangen. Der Reichskohlenkommissar wird vermutlich der Berliner Industrie vorschlagen, die Betriebe auf Nachtschicht umzu- stellen, wenn nicht ein großer Teil der kleinen und mittleren Betriebe in den nächsten 14 Tagen von der Belieferung abgeschnitten werden will. Weiterhin wird damit zu rechnen sein, daß die Gassparstunden in Berlin in strenger Weise wieder eingeführt werden, daß eventm- bis zu acht Sparstunden im Tag eingelegt werden müssen. Auch die Versorgung der Eisenbahn mit Kohle ist so gefährdet, daß zurzeit Verhandlungen zwischen dem Reichskohlenkommissar und dem Reichs- verkehrsminister über Einschränkung des Verbrauches schweben. Alles hängt davon ab, ob und wann wieder Kohle aus Oberschlesien ein- trifft, mit anderen Worten, wenn es der Entente gelingt, der wüsten Anarchie in Oberschlesien ein Ende zu machen. Der Norö in öer Malplaquetstraße. Zehn Jahre Zuchthaus für den Täter. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht des Landgerichts III, über deren Anfang wir in der Abendausgabe berichtet haben, brachte in ihrem Fortgang keine wesentlich neuen Momente. Sie ergab, daß der jugendliche Täter Knappe die Bekanntschaft einer Frau Köhn gemacht hatte, die aut Knappe einen derartigen Einfluß be- sessen haben soll, daß er sie in der Verhandlung als seinen bösen Geist bezeichnete, der ihm den Gedanken an den Diebstahl bei der ermordeten Chauffeursehefrau Meinhardt nahegelegt haben soll. Die Zeugin K. wies diese und andere Beschuldigungen mit größter Eni- rüstung zurück, wurde aber auf Gerichtsbeschluß nicht vereidigt. Nach dem Gutachten des Medizinalrats Prof. Dr. Strauch ist der Tod der Frau Meinhardt an Erstickung erfolgt. Die Frau befand sich in einem hochschwangeren Zustande und ist anscheinend, als sie am Boden lag, von dem Angeklagten noch in rohester Weise mit Fußtritten bearbeitet worden.— Die als Zeugen vernommenen Eltern des Angeklagten bekundeten, daß dieser der vorletzte unter sieben Geschwistern sei, sich immer gut geführt habe, dann aber seit dem Verkehr mit Frau Köhn. den die Eltern vergeblich zu unter- binden sich bemüht haben, leichtsinnig geworden sei: er habe aber nicht von ihr lassen wollen.— Eine ganze Anzahl von Zeugen bekundeten Vorkommnisse, die auf ein gewisses Hörigkeitsverhältnis des Angeklagten zu der Frau Bezug hatten. Was den Geisteszu- stand des Angeklagten zur Zeit der Tat betrifft, so hat Prof. Dr. Strauch kein« körperlichen noch sonstigen Anhaltspunkte dafür ge- funden, daß feine freie Willensbestimmung bei der Tat im Sinne des§ 51 ausgeschlossen gewesen wäre. Staatsanw. Dr. Schneidewin führte den Geschworenen das Entsetzliche und Grausige dieser unerhörten Tat vor Augen, die so empörend sei, daß, wenn man nur seinen Gefühlen nachgehen dürste, man in diesem Falle die Todesstrafe nicht als ungerecht empfinden würde. Die Geschworenen haben aber nicht nach dem Gefühl, sondern nach dem Recht zu urteilen und so könnten sie den Ange- klagten nur wegen Todschlags bei Unternehmung eines schweren Diebstahls schuldig sprechen. Rechtsanwalt Dr. P r ö l l bat die Geschworenen, sich los zu- lösen von der Stimmung, die die Oeffentlichkeit infolge der ent- setzlichen Tat des Angeklagten begreiflicherweise gegen ihn gewaltig eingenommen habe. Auf Grund des Spruches der Geschworenen wurde der Ange- klagte wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg unter Versagung mildernder Umstände zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt._ Erste Sutterauktion in öerlln. Ein originelles Auktionsversohren. Die Zwangswirtschaft für Butter hat am 1. Juni aufgehört, und die Verbraucher werden nun sehen, was der wiederbeginnende freie Butterhandel bringen wird. Gestern bot sich Gelegenheit, schon einer ersten in Berlin wieder stattfinden- den Butterauktion beizuwohnen. Die E. G. m. b. H.„Deutscher Butterauktionsverband" eröffnete mit der Versteigerung von etwa 1200 Zentner, hauptsachlich aus Oldenburg stammender Butter einen neuen Auktionssaal, den sie im Hause Mühlenstraße 31/32 eingerichtet hat. Neu ist hier auch die Benutzung eines„clektrifch-automatischen Versteige- rungsapparates", wie er in Holland schon seit Jahren bei Versteigerungen von Landwirtschaftsprödukten gebraucht wird. Die Auktionsteilnehmer sitzen in Reihen auf numerierten Plätzen und jeder Kauflustige macht schweigend sein Gebot durch bloßen Druck auf einen an seinem Platz angebrachten Knopf einer elektrischen Leitung. Sie verbindet sämtliche Plätze mit einer im Saal weithin sichtbar aufgestellten Tafel, auf der sämtliche Platznummern ver- zeichnet sind und jedesmal bei Abgabe eines Gebotes die Nummer des Bietenden elektrisch aufleuchtet. Die Tafel stellt einen großen Kreis dar, in dessen Mittelpunkt sich ein Zeiger dreht, der den aus- rufenden Auktionator erfetzt. Die Kreislinie ist in hundert Teile zer- legt, jeder Teil gilt 10 Pfennige, und der umlaufende Zeiger be- nennt durch stummen Hinweis den mit jedem Teil sich um je l0 Pfg. ändernden Bietungsbetrag. Wenn der Zeiger an denjenigen Betrag angelangt ist, den ein Kauflustiger daranwenden und bieten will, so drückt er an seinem Platz auf den elektrischen Knopf, worauf sofort der Zeiger stillsteht und die aufleuchtende Nummer den zu dem Betrag gehörenden Bieter angibt. Ausgegangen wird übrigens nicht von einem unteren, sondern von einem oberen Anfangs- preis, und der Preis wird dann nicht überboten fondern unter- boten. Ist durch ein abgegebenes Gebot der Zeiger zum Still- stand gebracht, fo gilt das als Zuschlagserteilung, und eine weitere Unterbietung ist dann nicht mehr möglich. Wer da recht billig kaufen möchte und den Zeiger noch ein Weilchen weiter laufen lassen will, kann durch„zuvorkommende" Wettbewerber um die Kaufmöglichkeit gebracht werden. Wird selbst der Mindestpreis, den der Verkäufer zu haben wünscht, nicht geboten, so hemmt der Auktionator den Lauf des Zeigers und der Apparat zeigt den Warenposten als„un- verkauft" an. In der gestrigen Auktion kam das sehr oft vor. Der größere Teil der 1200 Zentner Butter, ziemlich zwei Drittel davon, blieb unverkauft, weil bei der Höhe des Mindestpreises— pro Pfund anfangs 17 M., später 18 M.— keine rechte Kauflust aufkommen wollte. Auf die ersten tastenden Gebote von 20 M. und 20,10 M. folgte ein rasches Abflauen. Gekauft wurde dann nur zu Preisen, die wenig über und manchmal sogar noch etwas unter den oben genannten Mindestbeträgen lagen. Auch die auf- munternde Erklärung:„Wir geben die Butter nur durch diese Ver- steigerung ab, freihändig wird nichts verkauft!" hatte nicht den gewünschten Erfolg.„Dann verdirbt siel" brummte ein Kaufun- lustiger, worauf prompt geantwortet wurde:„Was mit der Butten wird, ist unsere Sache." Wo bleibt die billige Milch? Bis zum 1. Juni wurde!»e Berliner Bevölkerung mit Kund- gebvngen der Milch-Großhändler überschwemmt, die sich nicht genug in Rechenkunststücken und in Entrüstungen über die Preispolitik des Milchamtes tun konnten. 3,50 M., so hieß es, fei das allerhöchste, was man den Konsumenten abfo�iern dürfe. Das war vor dem 1. Juni. Heute liegen bereits Nachrichten vor, daß man, besonders im Westen Berlins, 4,50 bis 5 M. für den Liter nehme, ohne daß eine Garantie geleistet werde, daß es auch Vollmilch sei. Die Zeit wird lehren, ob das Milchamt mit seiner Preispolitik und wir mit unseren Warnungen Recht behielten. Unsere Leser aber fordern wir auf, uns Mitteilung von allen Fällen zu machen, wo für den Liter Vollmilch mehr als 4 M. genommen wird. Zum Kampfe um das Reichsschulgefeh. Der Haupivorstand der Arbeitsgemeinschaft sozial- demokratischer Lehrer Deutschlands trat am Dienstag im ReichStagsgebände im Anschluß an die erste Plenarsitzung zusammen, um zu dem Entwurf des ReichsschulaesetzeS Stellung zu ■n Skine Menschenkind. III. Der Sündenfall. Von Martin Andersen Nexö. Sie starte zu ihm hinüber, ganz sonderbar war ihr zu- mut— sie hielt sich versteckt hinter der blühenden Geranie, damit er sie nicht sehen solle— und starte. Er packte besser zu bei der Arbeit als zu Hause, aber froh sah er nicht aus. „Er hat meinetwegen hier Arbeit angenommen," dachte sie: und ein neues Gefühl durchströmte sie, während sie den Fuß- boden fegte, ein Gefühl des Stolzes. Sie war nicht länger eine, die bloß einfach mißbraucht worden war und nun in der Schande saß, sie hatte einen Sieg errungen! Worin er im Grunde bestand und wozu er vielleicht führen konnte, das machte sie sich nicht klar, sie begnügte sich mit dem Gefühl allein. Gewönlich war sie nun in der Stube und hatte die Augen bei ihm.„Was sollst du denn anfangen, wenn er kommt und mit dir reden will?" fragte sie ängstlich. Sie liebte ihn ja nicht einmall Es befriedigte sie völlig, daß er hierher gewollt hatte; Verlangen danach, mit ihm zu reden, verspürte sie nicht. Er sah auch gar nicht nach dem Hause hin, sondern ging seiner Arbeit nach: zur Mittagszeit kehrte er die Schubkarre um, packte aus einem Knüpftuch Butterbrote aus und begann zu essen. Die Schubkarre wa sein Tisch. Stine konnte ihn von ihrem Platz am Tische aus sehen. Es war doch sonderbar, ihn dort so einsam sitzen und kauen zu sehen— um ihret- willen, die in. seiner Mutter Hause gedient, seinen Tisch gedeckt und sein Bett zurecht gemacht hatte! Ja, er hatte noch ein größeres und stärkeres Hausherrnrecht über sie. Stine fühlte es dunkel über sich, fühtte einen dumpfen Trieb, hin- auszulaufen und zu rufen:„Bitte schön, komm herein un? iß, Karl!" Am folgenden Tage war er wieder da drüben bei seiner Arbett, und so ging es weiter: es hieß, er habe die ganze Erd- arbeit bei dem Villengarten übernommen und wohne in einem Strohschuppe beim Krug. Er führte seinen eigenen Haus- halt, wusch selbst auf und lebte von trockener Kost. Das mußte m tristes, einjame» Z>aM sein. Kywl Tag zv sag«!, kam er nicht— er hatte ja seine sonderbaren Ideen; vielleicht be- fürchtete er allerdings auch, daß man ihm die Tür weisen werde. Aber des Abends spukte er in der Nähe des Hauses umher. Stine war noch nicht draußen gewesen, die Angst vor dem Gerede der Leute hielt sie eingespert; aber sie spürte es an Bemerkungen der anderen Geschwister. Die kanmen ihn und wußten Bescheid, wie sie sah: sie machten einen weiten Umweg um seinen Arbeitsplatz herum. Das hatte Christian gewiß veranlaßt. Lars Peter war ärgerlich.„Was zum Henker will er hier?" sagte er zu Sörine.„Er macht uns vor dem ganzen Dorf lächerlich, wenn er da im Dunkeln herumrennt, man sollte doch meinen, daß er sein Test erreicht hat." „Er hat's wohl gut gemeint, als er sich hier nach Arbeit umgesehen hat," sagte Sörine. Mochte es nun daran liegen, daß er der Sohn eines Hofbauern war, oder mochte sie zu schwach sein, um sich noch über etwas aufzuregen— man merkte, daß sie die Dinge versöhnlich beurteilte. „Gut gemeint! Danke schön..« so ein Schwachkopf! Wäre er wenigstens richtig im Kopf— aber dann könnten wir sicher im Schornstein nach ihm suchen. Das Mädel muß gewiß dem lieben Gott dankbar sein, wenn er sie vor ihm bewahrt— und verrückt ist sie ja auch nicht gerade nach ihm, soweit einer sehen kann. Der Henker soll wissen, wie sie sich an so einer Ablaufröhre hat verbrennen können!" * Sie saßen beim Abendbrot— es gab Fischragout: es hielt schwer in diesem Sommer, etwas vom Krugwirt zu be- kommen, so daß man täglich dreimal Fisch essen mußte. Aber Sörine hatte es fertig gebracht, sich ein kleines Stück ge- räucherten Speck zu sichern— sie hatte es sich sozusagen oben beim Landkaufmann erhustet: wenn der Husten sie so richtig packte, so steckte ihr der Krugwirt etwas zu, bloß damit sie sich aus dem Staube machte. Von diesem Speck hatte sie etwas dazu getan, und die kleinen Würfel gaben dem Fisch einen großartigen Geschmack nach Geräuchertem. Es lag Andacht über der Mahlzeit aus diesem Anlaß. Der Zwilling— Rasmus hieß er, aber er wurde nur Ras genannt— saß auf Lars Peters Schoß: er war ja der Kleinste. Die Mutter hatte sich seither nicht gemeldet, und nun hatte man ihn einmal!..- Es war ganz spaßig, wieder ein Kind auf dem Schoß zu haben. Lars Peter hatte das in den letzten Jahren jchr vemcht: Paul bildete sich ein, er je» Donnerstag, 2. Juni 1921 nehmen. Es wurden diejenigen Mindestforderungen be» sprachen, die an ein solches AusführungSgesetz zu stellen seien, ins» besondere wurde u. a. daraus hingewiesen, dah die Gemein» schafts schule nach dem Enlwurf zu einer verkappten KonfessionS» schule werden könne, dast die Bekenninisschnlen den weltlichen Schulen gegenüber stark bevorrechtigt seien, dost die Auslegung des Begriffes„geordneter Schulbetrieb" sehr bedenklich sei, und dah inr allgemeinen der Landes gesetzgebung ein viel zu weiter Spiel« räum gelassen werde. Es sollen bestimmte Grundsätze für die erforderliche Umgestaltung des Gesetzes formuliert werden, über die in einer auf Freitag einberufenen Sitzung Beschlutz gefatzt werden soll. Ergebnis der Elternbeiratswahlen in Neukölln. lieber das Wahlresultat vom 22. Mai d. I. wird uns von amtlicher Seite folgendes mitgeteilt: Von 46 906 eingetragenen Wählern übten 11634 ihr Wahlrecht aus— 24,8 Proz. Von den abgegebenen Stimmzetteln waren 136 ungültig. Es erhielten Stimmen: UnpolitHckie christliche Listen 6535--- 447 Vertreter, Listen der Schulreformer 430 27 Vertreter, SPD. 979 36 Vertreter, USPD. 1660�47 Vertreter, VKPD. 1844---53 Ver- treter,. Die sozialistischen Parteien hatten an den Schulen mit Religionsunterricht keine Wahlvorschläge eingereicht. Frecher Betrug auf offener Strotze. Gestern nachmittag hob das 15jährige Kontormädchen Lucie Grund im Auftrage seiner Firma bei der Filiale der Kommerz- und Disconto-Bank, Pols- damer Siratze 1, den Betrag von 2500 M. in Scheinen ab und steckte die Summe in einen Briefumschlag. In der Nähe des PoiS- damer Bahnhofes sprach sie ein Mann an, der angab, von der Bank ihr nachgeschickt worden zu sein mit dem Auftrage, das Geld noch einmal nachzuzählen. Das ahnungslose Mädchen lietz sich durch das sichere Austreten des Mannes bestimmen, ihm das Kuvert in die Hand zu geben. Gleich darauf gab der Unbekannte dem Mädchen den Briefumschlag zurück mit dem Bemerken, datz alles in Ordnung sei, und ging schnell davon. Dem Mädchen waren inzwischen aber doch Bedenken aufgestiegen, es öffnete das Kuvert und sah zu seinem Entsetzen, datz der Umschlag lediglich Papierschnitzel enthielt. Auf die Hilferufe der Bestohlenen nahmen Passanten die Verfolgung deS Täters auf, und es gelang auch einem der Verfolger, dem Arbeiter Ludwig Wcidenfeld, den frechen Burschen zu ergreifen. Er wurde nach der Potssamer Bahnbosswache geführt und hier als der 41 Jahre alte Kaufmann Alfred Balsat aus der Königsberger Stratze 121 festgestellt. Das Geld konnte dem Mädchen zurück» gegeben werden. Es gibt wieder Vollbier. Mit dem 1. Juni haben die Braue» reien das Recht erhalten, einstweilen 25 Prozent der gesamten Braumenge 12prozentig einzubrauen, während es bisher nur 8pro- zentiges Bier gab. Sllle Freunde des Gerstensaftes, die ja auch unter den Deutschnationalen nicht gerade wenig sein sollen, werden zum mindesten diese Segnung des Friedens und der Republik gerne hinnehmen. Hätten mir heute noch den Krieg, den die Deutsch- nationalen so heiß ersehnen, so würden sie ihren Durst aus der Spree löschen können. Hoffentlich behalten aber die Abstinenten nicht Recht, die da meinen, die Brotversorgung des Deutschen Reiches sei noch keineswegs so, daß sie ein höherprozentiges Bier zulasse und daß infolgedessen Frauen und Kinder unter der höheren Einbrauung des Bieres leiden müssen. Eröffnung zweier Flntzbadeaostalten. Am 1. Juni wurden die beiden Flutzbadeanstalten an der Ebertsbrücke und an der Mühlenstratze eröffnet. Die Eröffnung der übrigen Anstalten er- folgt in den nächsten Tagen, sobald die polizeiliche Abnahme durch das zuständige Wasserbaumnt bewirkt worden ist. Die BemitzungS» zeit ist bis zum Beginn der großen Schulferien einstweilen auf 12 Uhr mittag? bis 7 Uhr abends festgesetzt. Die Badepreise be- tragen 40 Pf. für Erwachsene und 20 Pf. für Kinder. Zeugen für den Vorfall am 26. April 1g20'vor dem Grundstück Wilhelmsaue 114/115 in Wilmersdorf, wobei ein Mann durch einen Messerstich getötet wurde, werden ersucht, sich bei dem Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, Giifchiner Str. 110, nachmittags 4—6 Uhr, zu melden. Volkshochschule Grotz-Berlin. Heute Donnerstag, den 2. Juni. mutz der Vortrag von Herrn Seidel über Betriebsräte in der Pasteurftr. 44/46 leider ausfallen. Der nächste Vortrag findet am Donnerstag, den 9. Juni, statt. Um Oberschlesien! Dieses Thema soll morgen Donnerstag abends 8 Uhr im Cafs Sanssouci in Potsdam in einer von den drei Regierungsparteien einberufene» öffentlichen Volks. zu groß, und genierte sich. Aber Ras konnte es wohl leiden. „Meine Mutter ist nicht zu Haufe!" wiederholte er nach jedem Bissen mit tiefer Stimme... es schwebte ihm wohl noch etwas vor. Aber sonst war er sehr guter Laune. Er war drei Jahre. „Deine Mutter sitzt doch da drüben," sagte Lars Peter und zeigte auf Sörine. Aber der Knabe schüttelte den Kopf. Sörine nahm mehr Fisch auf ihren Teller, das war ihre Antwort. Sie verschwendete überhaupt nicht gerade gute Worte oder Liebkosungen; aber sie sorgte ebensogut für den Zwilling wie für ihre eigenen Kinder.„Sie ist ein gutes Mütterchen," sagte Lars Peter, als sie einen Augenblick in die Küche hinausging.„Sie kann es nur nicht so in Worten zeigen." Er wollte gern, daß die Kinder sie lieb gewönnen. und benutzte jede Gelegenheit dazu, auf ihre guten Seiten zu zeigen... es gab ja noch allerlei Widerstände zu überwinden. Auch die Kinder hatten sie gewissermaßen lieb, mißtrauisch waren sie nicht mehr, und sie gehorchten ihr. Stines Miß- gefchick war Sörine zugute gekommen, das Mädel war nicht mehr der Kinder ein und alles. Aber das Vertrauen der Kinder hatte sie nicht, und sie ließ es sich auch nicht angelegen fein, es zu erwerben. Am glücklichsten schien sie, wenn man sie sich einspinnen ließ, und sie schien die anderen Menschen nicht zu entbehren, nicht einmal Lars Peter.„Sie geht umher, als hätte sie dem Ganzen schon Lebewohl gesagt," sagte Lars Peter oft bedrückt. Aber er sagte es nicht laut. Sie waren fertig mit dem Essen; Lars Peter schaute nach dem See, es dämmerte stark.„Wo mag Ehriftian bleiben?" sagte er und begann, die Pfeife zu stopfen. Das bedeutete, daß er einen Gang nach dem Hafen machen würde; in der Stube rauchte er nie, aus Rücksicht auf Sörine. In diesem Augenblick kam Christian. Er warf seine Mütze in die Ecke und schob sich auf die Bank hin: man konnte sehen, daß er kriegerisch gestimmt war. „Warum kannst du nicht rechtzeittg kommen?" sagte Stine zurechtweisend: es war bald zu toll mit den Launen des Jungen! Christian antwortete nicht, fing dagegen an, in das Essen einzuhauen. Als er feinen ärgsten Hunger gestillt hatte, hob er den Kopf.„Da drüben steht einer hinterm Spritzenhaus," sagte er in die Stube hinein.„Er fragte mich. ob ich es nicht zu Hause sagen wollte— aber ich dürfe es niemand hören lassen," sagte er. Bei den letzten Worten starrte er fchadeniroh auf Sun«. (Fortsi folgt.) Vers ammkuvg behandelt werden. Jede Partei stellt einen Redner. Sraulenmilch und Sranleubrot. Der Magistrat beschloß in der gestrigen Sitzung die Ausgabe von Krankenmilch auf Grund ärzt- licyer Zeugnisse noch bis zum dreißigsten Juni, die Krankenbrower- sorgung noch bis Mitte August fortbestehen zu lassen. Di« Der- trauensärzte haben diese Maßnahme nicht nur gebilligt, sondern sie ausdrücklich befürwortet. Ein Qpern- und Qvercttcnabrud wird da« nächste städtisch« VoM konzert des BIütbner-OrchestrrS sein und zwar am Donnerstag, den 2. Juni, ahends 8 Uhr, in den Kermania-Prachtsölen. Chausseestraße. Dirigent: S. Mchrowttz. Karten k 1,50 Buchhandlung Vorwärts usw. sowie Abendtasse. tDie 22. Vrotkommiiston, Bergmannstr. 28/29, wird am 17. Juni dieses Jahres nach Bergmannstr. 60/55 verlegt, und dort mit der 25. Brot- tommisfion vereinigt. Die vergrößerte 26. Brotkommission wird eröffnet am 18. Juni d. J. und wird von Rettor Schiichting geführt.— An Stelle de» verstorbenen Vorsitzenden der 168. Brotkommission Rektor Sporleder tritt Reltor der 208. Gemeindejchule A. Klein, Gotenburger Straße 2. Erinnerungen an die Kapptage. Leinert gegen Katz n. Co. Bezirksbildungsausschuh. Am Tonntag, den 5. Juni, besichtigen die Mitglieder de« erweiterten BildungSauSschuffeS die Ausstellung»Vier Jahrhunderte Naturwissenschaften in Autographten und Dokumenten' in der Preußischen Staatsbibliothek, Unter den Linden 38. Treffpunkt vormittags 10 Uhr vor dem Gebäude. Die Bestellungen aus Eintrittskarten für die drei Vorstellungen im Staatlichen Schauspielhaus bitten wir recht bald, allerfpätcstenS bis zum 8. Juni, dem Bureau deS VBA. belanntzugeben. Aufgeführt werden am Sonntag, den 12. Junt. nachmittag« 3 Uhr,„Torquato iaffo* von Goethe, am Sonntag, den 19. Juni, nachmittag« 3 Uhr,.Flachsmann al» Erzieher' von Ott» Ernst, am Sonntag, den 26. Juni, nachmittags 3 Uhr, »Da« Glück im Dinkel' von sudermann. Sport. Muhlebrn. 1. Rennen: 1. Dilhelmina(Alb. Freunds), 2. Rautcnde- «in I(I. Lichtenfeld), 3. Nordfon(W. Lcmzor), 4. Erbschaft, 5. Scholar I, 6. Eduard I, 7. Handfest. Tot.: 44: 10, PI. 17, 19, 62: 10. Ferner liefen: Friedensware,(Bogener, Goldstern, Derfflinger I, Mac Gregor, Kammerfritz.— 2. Rennen: 1. Immerfort(Großmann), 2. Lud- mtll I(G. Lautenberg), 3. Simpel(2. Weise). 4. Lumpi, 5, Jalu« I. Tot.: 22:10, Pl. 12, 15, 13:10. Ferner liefen: Ouacker, Gulha», Jola River.— 3. Rennen: 1. Morgenwind(Kraus), 2. Holsteineri» II(Frömmina), 8. VoltSlied(Höhne). Tot: 324: 10. Pl. 38, 25. 84: 10. Ferner liefen: Mitrowica. Härder, Basalt, Quecksilber I, Hinden- bürg II, TurbinelluS, Deborab SB., Slllcrtooy, Mädel, Pollux H.. Seewind, Cybina.— 4. Rennen: 1. Pistole(Grogmann), 2. Ouastell(Weidmüller), 3. Marsch. Hindenburg(G. Lautenberg). Tot.: 60:10, PL 27, 17, 42; 10. Ferner liefen: Auktionator, Gerard A., CrocuS, Kartenfels, Long Pauline, Silbanier, Aufall, Albatros, Dr. Cholfea.— 6. Nennen: 1. Feuerwehr (E. Treuherz), 2. Manfred(Wetdmüller), 3. Angriff(Steinagel). Tost: 25:10, Platz 18, 27:10. Außerdem liefen: Freundin I und Lagune. — 6. Nennen: 1. Fibel(F. Schmidt). 2. Perry K. kB. Schuller). 3.Sucle H. kKrauS). Tot: 64: 10, Pl. 16, 21, 15: 10. Ferner liefen; Hidalgo II. Long Carl, Long Dtrelt. Kronprinz.— 7. Remien: 1. Draufgänger(Herm. Schleu«), 2. LovaSz(Weidmuller), 3. Bolt(F. Freundt). Tot.: 28:10, Pl. 12, 12, 13:10. Ferner liefen: Slllenftein, Naomi Slxworthi, Dorn- röschen.— 6. Rennen. 1. Respekt(Steinagel), 2. Feuerball(Stöger), 3. Czerna(Deidmllller). ToL: 31:10, PL 14, 16, 15:10. Ferner liesen: Friburg, M., Flott, Sahar, Hauslehrer, Doppelgänger, Erbtochter, Sigurd, Prekufa. Arbeitersport. «rbkiter-Angler k In einer am Montag, den 6. Juni, abend« 7 Uhr, in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/lt, stattfindenden Dete, gierten-Veisammiung soll die Vereinigung des seit kurzer Zeit bestehenden Arbetter-AnglerbundcS mit dem Märlischen Anglerbund herbeiaesührt werden. An dieser Versammlung können auch Delegierte interessierter Bereuie sowie Einzetangler teilnehmen. Srvß-Serliner Parteinochrichten. Heule. Donnerstag, den 2. Juni: *• Swt. TH 1% bei Sickert, Steinmetzstr. SS», Verfilm mluag. d««lern. beirSt«. Restrent Genosse Dr. Hartfiew. Alle soziallsstschcn Eltern sind eingeladen. �/ 1 bei Pfeiffer, Hausburaftr. 2, Sitzung fSmMcher Funktionäre, Betriebsvertrauensttute und ElternbLiratsmitglieder. 77. Abt. Schöneberg. 7H Uhr Elternabend der 6. und 7. Gcmeindeschule in der Aula der Hohenzollern-Schul«, Belziger Str. 4S. Thema:„Die Garten. vauschule. Referent Rektor Heyn. 2. Bortrag über„Schülerversuche". Referent Generalvertreter Sommer.Elbing. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. tZI.»bt.»elnKeadsrf.Ost. 8 Uhr In der Aula de» Rralgymnafimn», Berner Straße, Versammlung der Eltern der vom Religionsunterricht befretten Kinder. Tagesordnung:„Was ist erreicht, was bleibt zu tun?' Zahl- -ciche- Erscheinen ist erwünscht. sprechung «!" prech stunde, Gemeindeschule, Strast. ugendheim Nogatstr. 5«. ,..._______—„------ Sozialismus'.— Gruppe ivu>.i.ubaif: 7Vj Uhr bei Radzuwcit, Äerder-, Ecke Bikiorio» Gruppe Treptom: 7-4 Uhr im Jugendheim Elsenstr. 8, v-rbe- für Bielefeld.— Gruppe Süden: 7Ü Uhr in der Juristischen >«, L'.ndenftr. 8, Vorbesprechung für Bielefeld. mannstr. 8.— Gruppe Rcutölln: 7-4 Uhr im Thema:„Die wlffenschasüichcn Grundlagen des rem»elh»s.Sl«ie»l»l.......... straße. Morgen. Freitag, den 3. Juni: 14. Keeis»enkSllu.Briß-Buckow-Rndow. 7 Uhr FunNiouäruusa»»- lunq tu der Aula de» Realgymnastum», Saiser-Feiedrich-Str. 21«. 184. Abt.«lederschSnbausen. 7 Uhr vesfentNche GUrrunerta««. luna in der 4. Gemeiudeschulo,«:aiiiendnrg-c Str. 7S/7I. Th-ma: "Tie Pautsenschen Schulreformplänr'. Refercntin Seno fin Dr. Weg. fchetder-giegler, K. d. C. 4�-44« I I. l Ä? Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Wolff, Forster Str. 44. ung de- Abt»ilung»vorstandes und der Bezirkskafsierer 10. Abt. 41.«bt. 7 Uhr..._______... 14«It. Str. 59. Abt. 7 Uhr Sitzung der Beiirisftchrer, Betriebsvertrauensleute und Eltern- deiriite bei Lrstger, Engelufer 18. 18.«bt. I Uhr bei»ötscher, Reu« Friedrichstr. 108, Sitzung sämtlicher vor- üandsmitglieder und Bezirlsstlhrer sowie polltisäier Vertrauensleute. 48.«bt. 818., 81«., 8?0., 824., 825. und«27. Bezirk, pünktlich 8 Uhr Zusamme». kunst bei Heese, Memelcr Str. SS. 4».«bt. 8 Uhr der Schcnach, Eamarlterstr. 8, Ecke Rigaer Straße, Sitzung der «bteiwngsleitung und Beztrksführer. Tagesordnung: Abteilungsan gelegen- heiten. LS.«bt. 7zh Uhr Zusammenkunft sämtlicher Funktionäre, Betriebe vertrauen»- leute und Elternbeiräte bei Zurkat, L-ewestr. 10. S4.«dt. 7 Uhr Vorstandsützung mit den Sruppei burger Ttr. S. Erscheinen unbedingt erfordeli «bt. TU Uhr Funktionärsttzung bei Heidler, Gruppemührern bei Winzer, Christ- Seorgenkirchftr. SS. -M....»WM__......._________ 32.«bt. 7 Uhr Elternversammlung in der�chüläula Kreifenhagener Str. 58/59 der Semeindeschulen 24« und SSI. Thema:„Die Paulsenschen Schulreform- Pläne'. Referent«rnosse«rcuhiger. Es ist Pflicht elne» flden Partei- . Ttnoffen, an der Versammlung teilzunehmen. 41.«bt. 7 Uhr Sitzung der Beztrkssuhrer und Betriebsvertrauensleute bei Schmidt, ötromstr. 41. 78.«bt. Schiiuebera. TU Uhr erweiterte Borstandssitzung im Klassenzimmer 14 der Semeiudeschule Feurigstr. 57. Pllnktliches Erscheinen notwendig. 7».«dt. Schänedera. 7-ch Uhr erweiterte Dvrstandssttzung im Lokal von Rose- NMI, Hohcnfriebberg-, Ecke Kolonnenstraße. Erscheinen dringend notwendig, da wichtige Tagesordnung vorliegt. 498.«dt. cberschbneweidt. 8 Uhr Kommunal« Konferenz im Luiscnhos. Thema:„Wohlfahrtepskege'. Referent Genosse Lehrer Goeßt. 114.«dt. Lichtenberg. 7% Uhr Funktionärkonferen, im Lokal Schwarzer, Gabriel- Mar-Str. 17. 117.«bt. Lichtenberg. 71j Uhr Funktionärkonferenz im Lokal von Zaudereit, Prinz-Albert-Straße. All« Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleute müsse» erscheinen. 428.«bt. Pankow(«rbeitsgrnpp«). 7>ch Uhr bei Mosols, Florastr. 38, Ecke Mühlen straße,«tßung de»«rbeilsgruppenvorstandes mit den Vertretern der Beoirksvererdnetcn, der Frauen, der Jugend und Obmänner der «nuations.'ommission und de» örtlichen Dildungsousschusses. 188.«bt. Reinickeudorf, Ost. 7 Uhr Funktlvnärfißung bei Ncßer, Provinzsse. 108, Ecke P-nkower Allee. Vorher, S Uhr, engere Vorstandssttzung. Z»»gs°,ialittc». Gruppe Säioncbcrg.Frilbenau! 7-4 Uhr bei Riese, Akazien- straße 14. Thema:„Berliner Schulsroaen'. Referent Kurt Löfflet. «chluag, ZPT..E>I-ubahnerI Sth Uhr wichtige Besprechung im Gcwerkschafts- Haus, Enaeluser 15, Saal 1. Spandau. Achtung, Betriebsvertrauensleute, Betriebsräte und Pertranen,- lrutr der Beamte»! Rachmittag» 4 Uhr Versammlung im Saal de» Hotel» „Zum Stern', Potsdamer Straße. Da eine wichtiae Tagesordnung vor. lie�t, ist�a» Erscheine» unbedingt erforderlich. Mitgliedsbuch»»ö-karte Der Landtag setzte gestern noch Erledigung einiger kleiner Vorlagen die Besprechung der großen Anfrage Siering und Gen. über die Vorlegung eines Gesetzes zur Abänderung des Kommunal-, Kreis- und Prooinzialabgabengesetzes fort. Abg. Göll(Dem.): Eine grnndsätzlicheAusetnander» s e tz u n g zwischen Reich, Staat und Gemeinden über die Steuerquellen ist absolut notwendig. Größte Sparsamkeit ist ge- boten. Abg. Leid(ll. Soz.): viele Gemeinden sind vollkommen bon- kerott, nicht zum wenigsten wegen des ungenügenden Kommunal- Abgabengesetzes. Mit der Reform des Kommunal-Abgabengesetzes ist es aber allein nicht getan. Wir kommen um eine gründliche Reform nicht mehr herum. Den Gemeinden sind währenddes Krieges vom Reiche ungeheureLasten aufgebürdet worden. Auch heute noch muffen sie Aufwendungen machen, für die das Reich an sich zuständig ist. Dabei denkt das Reich gar nicht daran, diese Gelder zurückzuerstatten. In absehbarer Zeit ist eine gesunde Finanzpolitik überhaupt nicht möglich. Der Ruf nach Sparsamkeit muß wie ein Hohn wirken, da in der letzten Zeit für soziale Zwecke überhaupt nur ganz geringe Mittel ausgegeben worden sind. Der Antrag Altegoer ist für uns unannehmbar. Daß die Besitzenden für die Allgemeinheit keine Opfer bringen wollen, beweist ihr Kampf in Berlin gegen die geplante Wohnungsluxus- st e u e r. Bei der Reform des Kommunal-Abgabengesetzes wünschen wir, daß den Gemeinden die Möglichkeit gegeben wird, die Steuern nach sozialen Gesichtspunkten zu stasselu. Wann kommt endlich dos Kommunalisierungsgesetz? Abg. Dr. Rredl(Wirtschp.): Das alte preußische Derwalwngs- system mit seiner engen Verbindung zwischen Gemeindevertretung, Reichs- und Provinziallandtag sicherte eine vernünftigere Finanz- Politik, als sie heute verfolgt wird, wo jede Körperschaft für sich Aus- gaben über Ausgaben macht, ohne sich darum zu kümmern, ob und wie sie durch Einnahme gedeckt werden. Abg. Leinerl(Soz.): Herr Katz hat hier gestern verschiedene Behauptungen aufge- stellt, die mit der Wahrheit nicht in Einklang stehen. Die Sozial- Demokraten haben, auch mit den Demokraten zusammen, nicht die Mehrheit in der Hannoverschen Stadtverordnetenversamm- lung. Herr Katz ist seinerzeit mit auf die s o z i a l d e m o k r a- tische Liste gewählt worden, hielt es aber trotz seiner verschiede- nen Uebertritte zur Unabhängigen und dann zur Kommunistischen Partei nicht für nötig, sein Mandat seinen Wählern, deren Vertrauen er nicht mehr besaß, zur Verfügung zu stellen. In der Stadtverordnetenversammlung sagte kürzlich ein Vertreter der Rechten mit Recht zu Herrn Katz:„Herr Katz, Sie können jetzt keine andere Partei mehr finden, bitte kommen Sie zu uns.'(Etür- mische Heiterkeit.) Der Abg. Katz hat erNärt, die Stadt Hannover bade die Sparkasse so ausgenutzt, daß die Sparer um ihr Geld betrogen worden feien. Er weiß sehr wohl, daß, wenn das Vertrauen in die Gememdeeinrichtungen bei der Bevölkerung geschwunden ist, wie in München, die Räterepublik errichtet werden kann.(Sehr richtig! b. d. Soz.— Widersprüche b. d. Komm.) Während des Krieges hat der Minister des Innern den Sparkassen eine gewisse Freiheit in der Hergabe von Geld für Gemeinde- zwecke gelassen. Das ist auch in Hannover geschehen. Aber d i e vorgeschriebenen 35 Proz. sind von der Stadt Hannover nicht einmal voll ausgenutzt worden. Herr Katz hat mich als Vorsitzender der Orgesch(Zuruf des Abg. Katz(Komm.): Orts» schütz habe ich gesagt) bezeichnet. In Hannover war seinerzeit eine Einwohnerwehr uach den ZiichtUalen des Mnisteriums des Innern geschaffen worden. Sie ist jetzt beseitigt und ihre Waffen restlos abgegeben worden.(Lachen und Widerspruch des Abg. Katz.) Wenn -Herr Katz das bezweifelt, dann muß ich daraus schließen, daß Herr Katz Wasfenlager kennt. Das siiid aber sicherlich nicht Waffen der Einwohnerwehr.(Lachen b. d. Soz.) Da die Unsicherheit in Hannover ebenso wie in anderen Städten beträchtlich wuchs, hat die Kommune eine Organisation schaffen müssen, zum Schutze der Bürger, da der Staat Leben und Eigentum der Bürger nicht ge- nügend schützen konnte. Sie übt aber lediglich eine U e b e r- wachungstätigkeit aus. Ueber Waffen verfügt sie nicht, nur ist sie gegen Diebe und Räuber mit Gummiknüppeln ausge- rüstet.(Gelächter b. d. Komm.) Sie(z. d. Komm.) scheinen sich mit Dieben und Einbrechern zu identifizieren. Der Eintritt in diese Organisation stehtledermann offen.(Zuruf des Abg. Katz: Unabhängige und Kommunisten ausgeschlossen.) Wir haben aus allen Parteien einen Ausschuß eingesetzt, der diese Organi- sation überwachen soll. Wenn ihm die Unabhängigen und Kommu- nisten nicht angehören, so wegen ihrer, abgesehen von ihren großen Reden, geringen Bedeutung im Stadtparlament. In der Organi- sation befindet sich kein General, überhaupt kein Mann mit militärischer Vergangenheit: sie ist keine Orgesch und trägt keinen politischen Charakter. Der Abg. Katz hat es auch für nötig gefunden, meine Tätigkeit während des Sapp-Putsches zu kritisieren. Als ich zum Staatskommissar ernannt worden war und erfuhr, daß H« r r K a tz von meinem Vorgänger verhaftet war- den war, habe ich es, im Interesse der Erhaltung unserer Republik nicht verantworten zu können geglaubt, ihn bei den damali- gen aufgeregten Zeiten au» der Haft zu entlassen. Als die Gefahr vorüber und Ruhe und Ordnung sichergestellt waren, habe ich sofort die Freilassung des Abg. Katz erwirkt. Herr Katz hat dann von einer, angeblich in Hannover einzuführenden IMlchsteuer gesprochen. Tatsächlich sollen durch den Uebergewinn dieser Milch- Preiserhöhung Summen erzielt werden, die den Blilchprris für die bedürftige Bevölkerung herabzusehen Imstande sind.(Lebhafter Bei- soll bei der Mehrheit des fKiiffes. Unruhe bei den Kommunisten.) Abg. Sah(Komm.): Sie sagen, der Selbstschutz diene gegen Dieb« und Räuber. Die Sozialdemokraten vergessen) daß unter den sogenannten Dieben und Räubern auch viele Opfer der topitalisti- schen Gesellschaft sind. Wenn Sie, Herr Leinert, jetzt Oberbürger- meister sind und es nicht mehr nötig haben, zu stehlen ...(minutenkänges schallendes Gelächter.) Sie, Herr Leinert, ver» dienen den Namen Orgeschgeneral und Käppi st en- freund. Ich gönne Ihnen den Beifall, den Sie auf der Rechten gefunden hoben.(Lachen und Lärmen. Beifall.) Abg. Leinert(Soz.): Zur Klarstellung: Herr Katz stellt es so dar. alz hätten wir 'enden Schulden. Die""---'—-*■"* bloß«ine besondere Eigenschas inanzkalamität ist aber erstens nicht Groß-Bcr!ins, und zweitens ist zu berücksichtigen, daß die bedauerliche Entwicklung eine durchaus leicht verständliche Erklärung findet. Während des Krieges kamen die Finanzen völlig in Unordnung, und die Folgen des Krieges wirkten auf die Revolutionszeit stark noch. Die Zahlen, die der Abg. Koch hier vorbrachte, stimmen aber nicht. Er stellt sich hier her und erklärt ohne irgend welchen Beweis, daß der Schuld in Höhe von rund 6 Milliarden nur ein realer Wert von nur 3 Milliarden gegenüber stehe. Herr Koch meinte weiter, in Berlin bewillig« die tcmmlmistisch-sozialistiich« Mehrheit ohne viel Bedenken über Millionen. Wie ist aber der Sachoerhalt? Bei den sechs Millionen für die Schwerarbeiter liegt ein Schiedsspruch vor. gegen den Berlin gar nichts machen kann. Und bei dem Geld, das für die Unterbringung unter- ernährter Kinder auf dem Lande aufgewandt werden muß, liegt die Sache doch so. daß doch nicht erst gewartet werden kann. bis die Geldfrage völlig geregelt ist. Herr Kock ruft uns zu, wir verausgabten das Geld, bevor es beschafft sei. Jawohl, Herr Koch, in diesem Falle tun wir das, weil jedes Warten ein Verbreche» wäre. Herr Koch weiß ober genau, daß der Oberbürgermeister sich die größte Mühe gibt, daß ein brauchbarer Etat vorgelegt werden kann, Dann die Rotwohnungsfragsk Früher, in den guten Zei- ten, da dachten weder Herr Koch, noch feine Freunde daran, durch Neubauten den Wohnungsspielraum p vergrößern. Wenn die Sozialdemokraten die kommunale Bautätigkeit fördern wollten, dann waren die Herren von der Rechten, die sich heute so«reifern, die Hauptschreier. Millionen und ober Millionen könnten heute gespart werden, wenn die scharfen Kritiker auf der Rechten früher etwws geleistet hotten. Also, meine Herren von der Rechten, Ihre Borwürfe sind etnas sehr unangebracht. Schließlich dos alt« Klagelied, daß in Berlin zuoielArbeiterundAngestellt« beschäftigt seien. Sie wissen, auch dieses Uebel haben wir vom Krieg geerbt. Sollen wir in einer Zeit mit so großer Arbeits- losigkeit noch mehr Leute auf das Pflaster werfen? Herr Koch sprach dann verächtlich von dem blutigen Delettantismu», der in Berlin in der Berwaltuna heute zu Hause sei. Er spricht da- so», dafe die®4UWjt«n-(iäJXf4i heute oo»£<« Vetriev«» raten verwaltet würden, daß überall Generaldirektoren ein- gesetzt würden und dergleichen.(Zuruf links: Wo? Der Abg. Koch schweigt.) Es fällt uns nicht ein, zu sagen, in Berlin sei alles schön und gut. Natürlich sind Mängel vorhanden. Wir wollen auch nicht, daß in Berlin ein Ueberzentralismus Orgien feiert und die Verwaltungstätigkeit durch Verärgerung hemmt. Zum Schluß: Noch ist es nicht an der Zeit, das Gesetz über Groß-Derlin so im Handumdrehen wieder abändern zu wollen. Lehnen Sie die beiden Anträge der Rechten deshalb ab. Glauben Sie nicht, daß es in Berlin so schlimm ist, wie die reaktionäre Agitation es hinstellt. Berlin hat Schwierigketten, große Schwierigkeiten, aber sie wird sie überwinden... �.... Abg. Dr. CfiMg(D. Dp.) fordert schleunige Reorganisation Groß-Berlins. Die Schaffung einer finanziellen Verantwortlichkeit ist dringend geboten._,„ r,,„, Abg. Faßbevder(Z.): Die Antrage müssen im Ausschuß grund- sich erörtert werden. Die Besprechung wird abgebrochen. Nach einer lebhaften Geschätt-ordnunasdebatte über die morgige Tagesordnung vertagt sich das Haus auf Donnerstag 12 Uhr: Tnt- gegennahme einer Erklärung der Staatsregierung über den Haus- haltsplan für 1921-, Antraa des Iustizminifters auf Zulassung der Strafverfolgung gegen den Abg. Scholem(Komm.) wegen Hochver- rats: Rest der Tagesordnung von heute: kleine Vorlagen. Schluß S Uhr._ Die Tagung öer öeutstben Bergarbeiter- Gießen, Mai 1921. Z. Verhandlungstag. Bor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung kommt ein B'e> grüßungsschreiben der i.t alienischen B e r g a r bei> ter zur Verlesung. Die italienischen Kameraden senden bruderliche. solidarische Grüße und Wünsche, und geben der Hoffnung Ausdru«. daß die Verhandlungen getragen fein möchten von dem Geiste tnter. nationaler Solidarität. Ein weiteres Glückwunschtelegramm ,st em« betroffen von dem Internationalen Rat von� M o s ka u, der gleichzeitig zum Kongreß der S. Internationale einladt. Sodann wird der Bericht der Mandatsprüfungskommisston engegengenommen und ohne Debatte genehmigt. � Die eigentliche Tagesordnung beginnt sodann mtt dem Kor. referat über die Tätigkeitsberichte, D r e s ch» Saarbrücken führt aus, daß sich auf diesem Kongreß zwei Wellanschauungen gegenüberstehen. Die eine glaube, durch DemokraNe zum Sozialismus zu kommen, während die Opposition den Glauben habe, durch Diktatur das Ziel zu erreichen. Die Frage müsse so gestellt werden: was ist durch die bürgerliche Demokratie für die Arbeite� schaft erreicht worden? Die Antwort müsse lauten: nichts. Drefch ist der Meiimna, daß die gegenwärtig« Wirtschaftskrise die Bankrott» erklärung des Kapitalismus ist, und daß dabei die Kämpfe auf dem Rücken der Arbeiterschaft angefochten werden. Die gegenwartigen Lohnerhöhungen seien nur Palliativmittel im Vergleich zur unge- beurung Derteurung der Lebenshaltung. Und doch wagten es die Unternehmer, von Lohnabbau zu reden. Im weiteren Verlauf semer Rede wirft er dem Verbandsvorstande vor, daß er durch die Ueber» schichtenabkommen den Interessen der deutschen, aber auch denen der ausländischen Kollegenfchoft zuwidergehandelt habe. Durch die Ueberschichtenobkommen sei Ueberproduktion entstanden, und doch hätten die Unternehmer es verstanden, die Betriebe zu schließen und kurzabeiten zu lassen. Die Opposition verlange vor allem Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft. Auch das Intern asionale Arbeitsamt befriedige nicht die Arbeiter. schaft. Es sei zumeist zusammengesetzt aus Vertretern der Regie» runaen. die Arbeitnehmer feien dort in der Minderheit. Das Inter- nationale Arbeitsamt sei nur ein Stützpunkt des internationalen Kapitals, das dieser Instttution auch 7 Millionen Goldfranks zur B-rfüguna gestellt Hab«. Die kommunistische Opposition sei ein Gegner der Harmonieduselei. Dan der Amsterdamer Lnter. nattonale komme keine Hklfe für die Arbeiterschaft, das Hell könne man nur»an der roten Internationale in Moskau erwarten. Alles, was zurzeit über Sowjetrußlond geschrieben und gesagt werde, seien Lügen und Märchen. Die Opposstion fordere, daß zu Informationszwecken Vernarbeiter am Kdngrcß der roten Inter» rationale am 1. Juli in Moskau teilnebmen. Zu den Streitigkeiten im Dergarbeiterverband erklärt Drefch, daß die Opposition alles tu«, um die Verbandseinigkeit aufrechlznerhalken. Der Verband müsse aber zu einer Klassenkampforganisation um» gestaltet werden. Di« Zellenbouer wollten nur ihre politischen freunde in den Gewerkschaften sammeln und sie zu guten Gewerk» schastlern beranbilden. aber auch um den kommunistischen Geist zu fördern. Wenn die Verbandsinstanzen sich revolutionär umstellten, dann sei auch die Einheitsfront hergestellt. Der Kampf mft dem Kavital müsse aufgenommen werden, damtt aus der einen Million Arbeitslose nicht wettere Millionen würden. Dann beginnt die eigenlliche Generaldebatte uv«r die Geschäftsberichte. Pieper» Dortmund: DaS Vorgehen des Verbandsvorstcmdes fei nicht gerechtfertigt gewesen, denn es bätte den Statuten wider» sprachen. Der Kampf dürfe nicht nur geführt werden gegen Unio» nisten und Syndikalisten, sondern vor allem gegen den Totfeind der Arbeiterklasse, das Kapital.«... Bode» Hildesheim bespricht die Lobnverhälwtsse In der Kol i» industri«. In dieser Industrie würden zurzett die schlechtesten Löbne bezahlt. Das Rcichsarbeitsministcrium Hobe Ende 1929 einer Lohnerhöhung zugestimmt, der aber die Unternebmer nicht Rechnung tragen. Er begründet eine Resolution, in der Protest erhoben wird gegen das empörende Verhatten der Unternehmer des Kalibergbaues, welche den vom Arbeitsminister als verbindlich erklärten Schieds» svruch über die Lohnregelung ab 1. November 1920 nicht anerkennen, sondern noch das ordentliche Gericht anrufen, um Ihn zu inhibieren. Krämer» Saarbrücken gibt eine Schilderung der Bestrebungen im Saargebiet, die dortige Sozialversicherung von der deutschen zu trennen. Das kommende Reichsknappfchaftsgefetz und Reichsberggefetz bringe nur Vorteile für die übrige Kollegenschaft. Em Delegie-rter aus Waldenburg weist darauf hin, daß man in Niederfchlesien versuche, den 7-Stundentag durch den g.Stundentag zu ersetzen. Man könne dos Kapitals nicht durch Ueberrodikolismus bekämpfen, sondern nur durch sachliche Bildung und Schulung der vetriebsräke, daß die in der Lage wären, die privatkapitalistische Gesellschafts- form durch die sozialistische zu ersetzen. Büth-Köln führt Klage darüber, daß für die Erzberg- leute im Siedlunggwesen und in der Lebensmittelversorgung zu wenig getan worden sei. Im Erzbergbau bestehe auch noch die 7�-Stundenfchicht. W« i l m e i e r» Haushamm-München steht auf dem Standpunkt. daß an den Tarifverträgen festgehalten werden muß. Die Taktik des Berbandsvorstandes fei richtig gewesen. Intensive Schulung der Betriebsräte fei dringend nötig. Engelhard-Suderwich: Im Wohnungswesen sei zu wenig durchgegriffen worden. Auch die Bergorbeiter hätten«in Anrecht aus genügend Licht und Luft in ihren Wohmmgen. Da» Gerede der kommunistischen Opposition von der Einigkeit sei nicht weit her, denn wer nicht für die Moskauer Richtung sei, der werde von den eigenen Klassengenossen terrorisiert. Kurze. Halle: Im Mansfelder Gebiet versuche man einen Lahnabbau von S M. Die schweren Kämpfe dort seien zurüchzu führen auf die vnlerwiÄerongsarbeikcn der UetaKrtibüw. M e m p e l- Wichlingshofen wünscht, daß die posisischen De- batten auf der Generaloersammlung ausgeschaltet werden, dafür soll praktische Gewerkschaftsarbeit geleistet werden. Der Iugendfrage solle man mehr als bisher Beachtung schenken. Die Jugend müsse als Stoßtrupp der Organisation herangebildet werden für die großen Aufgaben der Zukunft. Die Ausge- staltung der Einheitsschule und der Fortbildungsschule müsse ener- gisch gefordert werden.— Die Diskussion über die Tätigkeitsberichte wird sodann auf Mittwoch vertagt. De W e t- Holland überbringt ein herzliches Glückauf der hol- ländischen Kameradschaft. Vorsitzender Husemonn gibt noch Kenntnis von einem einge- gangenen Glückwunschschreiben der Franzosen, die durch ihren eigenen Kongreß verhindert sind, der deutschen Tagung beizuwohnen. Weiter ist ein 18 Seiten langes Telegramm vom A l l r u s s i» f ch e n Bergwerksverband eingelaufen, das die Grüße von 109 099 russischen Bergarbeitern überbringt. Das Telegramm ent> ball u. a. Schimpfereien auf den angeblichen Derrat der deutschen Gewerkschaftsführer und lädt zum Schlüsse zum Internationalen roten Kongreß nach Moskau ein. Hierauf werden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt. Nicht Moskau, fondern Amsterdam! Der Bergarbeiterkongreß lehnte am Mittwo» mtt über» tvaltlgender Mehrheit den Antrag ab. der Moskauer Gewersickiaft«. internationale beizutreten, trotz der sehr langen Depesche au? Moskau. Für das Verbleiben bei der Amsterdamer Inter» nationale stimmten-»wie uns telegraphisch gemeldet wird— 299 Delegierte, für Moskau sieben. 1 Erster verbanöstag öes 3. verhandlungslag. Weimar, 31. Mai 1921. Penn, als Berichterstatter der Revissonskommisston, konstatiert tadellose Führung der Kassengeschäfte und beantragt Entlastung für Giebel als Leiter der Penstons- und für Wucher als Leiter der Hauptkasie. U ck o berichtet über die Werbearbeit des Verbandes. In erster Linie müsse fortwährend das Lügengeweb« zerstört werden, das gegnerischerseits über den Zentralverband verbreitet wird. Da- neben habe man sich bemüht, auch dem Ruf nach grundsätzlich aufklärenden Druckschristen Folge zu leisten. Jedoch gerade der Absatz der letzteren Schriften ist ungenügend. Ihn zu heben, sei der Ausbau des Vertrauensmännersystems vonnöten. Das Material müsse von Gau- und Ortsleitunoen nach Möglichkeit in die bürger- liche Presse lanciert werden. Aber auch hierin wie auch in der Uebermittlung von Material an die Zentralwerbest olle über wichtige Vorkommnisse im Beruf fei eine große Säumigkeit der meisten Zahl- stellen zu/ beklagen. Das vom vorigen Derbandstage beschlossene Frauenreferat ist vorurteilslos eingerichtet worden. Es dürfe aber nicht dazu führen, etwa ein gegensätzliches Interesse von Frauen und Männern im Beruf zu konstruieren. Es sei gleiche Bezahlung»au Jrauen unk Minuern für gleich« Leftwng zu erstreben. Was aber die oft gehürte Debauptung anbelangt, daß zu den Frauen am wirksamsten von einer Frau geredet werde, so habe diese Auffassung sich als wenig stichbaltig erwiesen. Kollegin Greetz habe sich mtt größter Gewissenhaftigkelt bemüht, der ihr übertragenen Aufgabe gerecht zu werden. Aber alle Erfahrungen laufen dahin, daß man sich frag«: Wa» soll die Weiterführung eines besonderen Frauenreferats? In Bezirken mtt zahl- reicher weiblicher Arbeitskraft möge man tüchtige Kolleginnen als Sekretärinnen anstellen, aber nicht zur Leitung einfetttger Frauen- agttation, sondern allgemeiner Gewerkschaftsarbeit. Bor allem ober sei der Ausbau des Vertrauensmännersystems zu fördern, dann habe der Lorstand bei seiner Agitation einen festen Rückhalt im Lande.— Der Bericht über die Presse wird vom Redakteur Lang« gegeben. Fa.chbllltter für die einzelnen Berufskategorien feien neueingeführt, dagegen die früheren Gaublätter abgeschafft worden. Die Einrichtung der Fachblättcr, die zudem bei den bürger- lichen Konkurrenzorganisationen wenigstens nicht in der gleichen Form und Zustellung vorhanden feien, habe sich gut bewährt. Der Bezug der Zeitungen durch die Ortsgruppen müsse noch sorgsälttger organisiert werden. Eine Reihe von Ortsgruppen leiste hier vor- zügliches, in einer großen Reih« aber müsse noch viel mehr Eifer entfaltet werden. Den Redakteuren des Derbandsorgan» sind sachliche Mitarbeiter zur Seite gestellt. Gauleiter und Ortsgruppen aber mögen eben- falls alles Wissenswerte rechtzeitig einsenden. Meinungsverschiedenheiten zwischen Redakteuren und Einsen- dern sind in nicht erheblichem Maße eingetreten: Dem Verbands- vorstand möge eine etwaige weitere Gliederung in Fachzeikschristen überlassen werden.— Möller(Verbandsausschuß) berichtete über dessen Tätigkeit, die sich hauptsächlich auf die Behandlung von Beschwerden interner Art(Ausschlüsse usw.) bezog.— Eine Kommission zur Unter- suchung der Berufungen wird eingesetzt.— Durch eine einmütige Kundgebung gibt der Derbandstag seiner Sympathie und Solidarität für die im schweren Kampf stehenden streitenden englischen Bergarbeiter Ausdruck. Giebel stellt gegenüber der Behauptung eines Berichterstatters der..Kölnischen Zeitung', der Afabund schau« tatenlos der de- abstchtigten Teilung Oberschlesiens zu, fest, daß dies lügnerische An- würfe sind, auf die der GdA. in seinem Kampf nicht verzichten mag. Die Tatsachen beweisen, daß gerade die freien Gewerkschaften steh für die Unteilbarkeit Oberschlesiens und für den Schutz der dortigen Einwohnerschaft in hervorragendem Maße eingesetzt haben. Auf Dorschlag der Mandatsprüfungskommisston wird das Man- bot des Kollegen Michatck-Leipzig für ungültig und werden alle anderen Mandate für gültig erklärt. Das Fehlen der oberschlestschen Delegierten wird lebhast bedauert, und allen oberschlestschen Kollegen herzlicher Gruß und Sympathie entboten. In der Diskussion bestätigt Kollegin Greetz(Leiterin des Frauen- referat«') die Ausführungen Uckos, daß die Führung des Frauen- sekretoriat» gemäß den allen Richtlinien nicht hätte vor sich gehen können, ohne die Organisatton zu zertrennen. Es bestünden, beruf- lich betrachtet, eben keine streng geschiedenen Männer- und Frauen- angelegenheiten. Außerordentlich zu Nagen sei auch wieder über mangelnde Unterstützung der Institutionen durch die Ortsgruppen. Eine Frau in der Hauptleitung, ohne Unterstützung durch die Orts. grupven, sei ein verlorener Posten. Der Rednerin Vorschlag geht auf Ersetzung des Sekretariats in seiner jetzigen Form durch«inen anderen großzügigen«eidlichen Worbeapparat mtt ein« Zentralstelle im Hauptoorstond. Diesen Ausführungen tritt im besonderen Grete Weinberg.' Berlin entgegen, die entwickelt, daß es ein gutes und große» Frauenarbeitsgebiet gäbe. Die Frauenfrage bleibe immer bestehen und sei ungelöst, solange die volle Befreiung des Proletariats nicht durchgeführt. Deshalb sei den von shr dargelegten Frauenange- legenheiten ein« besondere und noch stärkere Vertretung als bisher im Verband zu sichern, wobei es jedoch nickt auf das strikte Fest. hallen an Namen und allen Einzelheiten der bisherigen Instttu- tion ankomme. Ueber die weiter«, auch am Dienstag spätnachmittags noch fortgehende Diskussion berichten wir zusammenfassend. Amsterdam, nicht Moskau! Der BerdandStag faßte in namentlicher Abstimmung einstimmig stlgand« vlttjchüatznngt »Mitglieder, die einen Beamten« oder Funktionärposten be kleiden sollen, müssen sich ausdrücklich verpflichten, in unserem Wer« bände nur nach unseren Satzungen, den Beschlüssen des Beirat» und BerbandStage», den Richtlinien des ADGB. und de» Afa- Bundes, insbesondere nach dem Afa»Beschluß vom 21. September 1929 zu arbeiten. Sie müssen den Internationalen GewerkschastSbund zu Amster« dam als internationale Zusammenfassung der Gewerkschaften an- erkennen, diesen in jeder Weise fördern und die gewerkschaftlichen Leitsätze der Moskauer GewerkschaftSinternationale ebenso wie alle anderen die freigewerlschastliche Bewegung schädigenden Bestre- bungen bekämpfen.' /tos öer Partei. Lezirksparleikag für Groß-Thüringen. In Weimar fand am 28. und 29. Mai d. I. der Bezirkspartei. tog der Sozialdemokratischen Partei Groß-Thüringens statt. Dem Parteitag voraus gingen Konferenzen der sozialdemokratischen Frauen, der Beamten und der Vertreter der Thüringer Parteipresse. Auf der Frauenkonferenz, der ersten in Thüringen, sprach Genossin Iuchacz vom Parteioorstand über..Die Aufgaben der sozial- demokratischen Frau in der deutschen Republik" und Vezirkssekretär Genosse Nehrtorn-Weimar über:.Den Stand der Fraucnbe- wegung in Groß-Thüringen.' Auf der Beamtenkönferenz sprach Ge» nasse Postsekretär Gronefeld-Berlin über.Das Deamtenräte- gesetz' und Genosse H. S e l l» Jena über„Den Stand der sozial- demokratischen Veamtenbewegung in Groß-Thüringen'. Auf der Pressekonferenz wurden wichtige und für die Thüringer Parteibe- wegung bedeutungsvolle Fragen behandelt. Die drei Konferenzen waren sehr stark besucht und nahmen einen vorzüglichen Verlauf. Die Verhandlungen des Parteitags beseelte ein Geist gegen» fettige» Perstehenwollens. Selbst die angeregtesten Debatten ließen nie den parteigenössischen Ton vermissen. Den Geschäftsbericht für das letzte Geschäftsjahr erstattete Dezirkssekretär L e b e r» Weimar. Er konnte von einem erfreulichen Aufschwung unserer Organisation berichten. Die durch die Spaltung und die terroristische Agitation der USP. zertrümmerten Parteiorganisationen sind in mühevoller Arbeit wieder aufgebaut worden und haben sich prächtig entwickelt. Die Tätigkeit des Bezirksfekretariats wurde einmütig anerkannt. Ueber.Die Thüringer Landespolitit' sprach ebenfalls Genosse Leber als Thüringer Landtagsabgeordneter. Die Debatte bewegte sich durchweg im zustimmenden Sinne. Der Parteitag gab feine Ansicht und seinen W.llen in folgender«instimmig angenom- menen Entschließung Ausdruck: „Der Bezirksparieitag heißt die Politik der Fraktion im Thüringer Landtag bei der Regierungsbildung angesichts der Machwerhältnisse der Parteien und der Enthaltsamkeit der Unab» hängigen von der Reaierungsmitwirknng gut. Der Parteitag lehnt jedoch mit Entschiedenheit eine Koalition zwischen un- serer Fraktion und den a n t i r ep u b li k a n i s ch« n und anti- demokratischen Parteien entsprechend den Kasseler Bar- teitagsbcschlüssen ab.'" Den Mittelpunkt der Verhandlungen bildet» da» vorzügliche Referat des Genossen Hermann Müller vom Parteioorstand über „Die gegenwärtige politische Lage'. Die glänzenden Ausführungen Müllers wurden vom Parteitag dadurch besonders gewürdigt, als beschlossen wurde, eine Aussprach« hierüber nicht vorzunehmen. Die Willensmeinung des Parteitag» wurde in folgender einstimmig an- genommenen Entschließung zum Ausdruck gebracht: „Der Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Thürin» gens stellt sich auf den Boden der Ausführungen des Genossen Müller-Frcmken. Die Annahme des Ultimatums war um der Einhett der deutschen Republik und der Lebensinteressen der deutschen arbeitenden Bevölkerung willen notwendig. Um das Ultimatum zu erfüllen und der Arbeiterschaft der alliierten Länder den festen Willen der deutschen arbeitenden Be- völkerung zum Wiederaufbau der verwüsteten Weltwirt« schaft zu dokumentieren, w« der Eintritt der Sozialdemo- kraten in die Regierung zwingende Notwendig- keit. Diese Tendenz kann ober nur gefestigt werden, wenn die Unabhängigen ihre Einsicht vom 19. Mai aufrechterhalten, die Regierung sich innen- und außenpolitisch nach links orientiert und entsprechend dem Kasseler Parteitagsbeschluß jede K o a l i- tion mit der antirepublikanischen und frieden s- störenden Deutschen Volkspartei des Stinnes ob- lehnt.' Als letzter Punkt der Tagesordnung wurden Sie„Kulturauf- gaben der Partei' besprochen. Genosse Dr. Vehr-Weimar und Bezirksseftetär Genosse Rehrkorn- Weimar hatten hierzu die Referate übernommen. Während Genosse Dr. Behr speziell die Schulfragen besprach, behandelte Genosse Rehrkorn die übrigen Kulturfragen und-aufgaben der Partei. An beide Referate knüpfte sich ein« sehr interessante und hochstehende Debatte, an der sich zahl- reiche Genossen aus Lehrerkreiscn beteiligten. Die vorgelegten Eni- schließungen der beiden Referenten wurden vom Parteitag ein- stimmig angenommen._ Die Konferenz de» Unferbezirk, Duisburg-wesel tagte am 29. Mai in Oberhausen und nahm eine Entschließung an, in der sie sich in der Frage der Unterzeichnung des Ententeultimatums hinter die Reichstagsfraktion stellt und den Wiedereintritt unserer Genossen in die Regierung billigt. Ei« oerlangt von der Reichs- regierung durchgreifende Maßnahmen zur Entwaffnung der Orgesch und eine gerechte Verteilung der durch das Ultimatum entstandenen Lasten nach Maßgabe der Leistungsfähig. keit. Eine Verbreiterung der Koalition durch Auf- nahm« der Deutschen Volksvartel lehnt die Kon- f« r e n» ab, da sie von dieser Partei nicht erwartet, daß sie ehr- lich an der Durchführung des Ultimatums mitarbeiten wird und so die Gefahr der Ruhrbesetzung aute neue heraufbeschwört. Weiter stellt die Konferenz sich auf den Standpunkt, daß unsere Genossen auch in die preußische Regierung wieder einzutreten und vor allem die Ministerien für Landwirtschaft, Inneres und Kultus zu besetzen haben. In einer zweiten Resolutton wird gegen den volnischen-Terror in Oberschlesien Protest erhoben. Die Rheinländer werden aufgefordert, aus diesen Vorgängen zu lernen und auf der Wacht zu sein, um jede Antastung der Zugehörigkeit der Rheinlande zur deutschen Republik abwehren zu können. Des weiteren wird verlangt, daß„die Sanktionen, die durch dl« Annahme des Ulttmatums gegenstandslos geworden sind, aufgehoben werden'. Der verflorbeue Genosse Bruno SchSalank ivar nicht, wie es irrtümlich in Kr. 236 des.Vorwärts' hieß. ReichStagSabgeordnetcr für Nürnberg, sondern für Breslau- West. Mus aller Welt. Schiebungen in Eisenbahnmaterial. Großen Schiebungen ist man auf dem Aachener Hüttenwert„Rote Erde' auf die Spur gekommen. Wagenladungen Bahnschwellen und Eisenbleche usw. sind durch Angestellte und Arbeiter verschoben worden. E» wurden zahlreiche Verhaftungen v»rgen»mmen. Vorträge, vereine tinö Versammlungen. ««toedanJ# fc«t Den»«rsk>°, den t. Juni, abend« TH Uhr, findet in der Bergmannstr. 5, Habels Brauerei,»rdentliche Mit- «liedernerfammlung statt.— Zw«ercln ,»r«efSrdcrnng de- Scwerbfleih-« wird am Montag, den 0. Zunt, abend»« Uhr, Herr Dr. Meckbach»on den *•?�ni, abend»»ZL Uhr, Bowrog»«» Landgerichisrat CWich�H�r��mmp'u'ttleaet* te ÄrimhujIguUfc», AZabit, Turwstr. M, mßßjuuuMM«juhb w.»jixononrmjuqMtt rTheater.lschtspiele etc. J i aoncoo jrxxx-jnoooni i.iji n nrwT�mr.»■ bm» xt�Bctrrrrycoirtyrncrrtrnv üpernbans Boheme 7"/j Uhr Schauspielhaus Peer Qynt _ 6'/, Uhr.__ Deutsches Theater 7>/z: Potasch u. Perlmutter . Frtp.8; Polesch u. Perlmutter Kammerspiele TVj Uhr: Der Strohhut Frtg. TVa Uhr: Der Strohhut Kr. Schauspielhaus (KarlstraBe) 7 U.; Ein Sommeruachfstraum (4, Abteilung 5. Abend) Frtg. 7: Danton(Auß. Abonn.) Volksbühne Theater am Bülowplatz. 7 Uhr: Das Postamt und Die Komödie der Irrungen Theater i. d. KDmggrätzer Str.; Täglich 7.30 Uhr: Tlit d. rcuep sptelen 1 Uhr: Satans Maske JohanncH Klpmann Paul Bildt Maria Orska Berliner Theater: Allabendlich 7.30 Uhn Hilde Worner, Ralph Artur Roberts, Uschi Blleot. Herbert Klper, Paul Rehkopf I Komödienhaus: Allabendlich 7.30 Uhr: 9er blonde Engel von Robert Winterberg Paul Heidemann a. G., Josefine Dora v. Staatsth. a.Q.,lnge van derStraaten, isa Marsen, Georg Baselt, Kurt Busch, Julius Rogg Lessing-Tiieater Sommerspielzeit Zum ersten Male uh'JieBailepinadEsKöniis Lustspiel in 4 Akten■ von Rud. Ptesber u. Leo W.Stein (Konstantin, Götz) Freitan bis Montag 7'/? Uhr: Die Ballerina des Königs Deutselies KlinstleF-üieater Allabendlich 7'', Uhr: Rosen montag (Haack, Loos) B e triff tt iVARIETt in höchster Vollendung 2 Kühler Aufenthalt bequeme Sitzplatze 3. Billige Preise Das Juni-Programm mit den Ausland-Stars; Carmen Roca, spanische Tänzerin, Johnson n. Johnson, schwedische Komödianten, Jennle n. Elll. Amarantb, amerikanische Tanz-Attraktion sowie Kammersänger Anton Bürger, die bekannte Arthur■ Klein- Familie und weitere 6 Attraktionen dürften jedermanns Beifall finden. Der große luftige Raum ist besonders gut ventiliert, und die bequeme Sitzgelegenheit ist anerkannt Schon von 3 M. an erhalten Sic einen numerierten Sitzplatz, und Sie werden zu keinen weiteren Ausgaben angehalten. 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Massitii. tZIotb. «Cr»»»a«t>'�ctneit.niit!,S:cd>uiias-zenojjenjchaft,e.<�.m,d,:> jy'CinpPr in Liquid. Sitz: Ehartattrnburx, Schillerstr. 87 ll Laut Beschluß der Generawersammtaug vom 3�19. 4. 21 iß die Genossenschaft in Liquidation getreten. GotL Gläubiger werden hiermit aufgefordert, ihre Ansprüche umgehend geltend m machen .empor*. Gemeinnützige Eiedlnngsgenossenschaft. e. D. m. b. H, in Liquidation. Wilhelm Purwin. P. Weißfop� �Unserem lieben alLDenossen p Rgrl Rvhier Schreinerstr. 58, /u seinem i Heutigen 60. Geburtstage| die Herzlichsten Sind wünsche. Mögest Du UNS nodl! recht lange gesund erhalten[ biet den! Prosit, stari l h Die Abtellnngsleltnng. 9 vwwwwwwwvwwwwww Ankauf Juwegen Mroit&Co.. Kanonierstr. 9. Seifen Vertreter Ää eingeiührt sind, gesucht für Sel»l«e4;r Marcis& Mendel Eharlottenburg, Spree straße 7 WWW«?!.'''''.- en SPEZEMilRZT Dr. med. colemau. i Friedrichstr. 91/92, Bht.= Haut-, Geschlechts-, ; Frauen!, sex. Neurasth. M - individ. 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Richter. Die zum 27. und 28. Juni 1921 angesetzten Wahlen saller dciu-iOch aus. 3487t Berlin, den 2. Juni 1921. Der vorstaod der OrtSkrankenkosse für daZ Maurergewcrbe zu ScrliB A. Vogel, Vorsitzender. R» Freund, Schristfiihrer. Metall ankaDlsstelle Osten, ' Grüner Weg 8t zahlt Tagespreise für Rnpfer, Messing, Blei, Zink etc. Zinn Um BSei sowie alle Altmetalle kaufen zu Tagespreisen Metallschmelzwerke, Waldemarstr. 74. Telephon: Moritzclatz 9953 jeder Art bei kleiner Anzahlong und [ bequemer Abzahlung! Möbelhaus Andreassir. 28 Strengste Diskretion. 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Neue Tie Ernährungslage der deutschen Bevölkerung» »an der letzten Endes die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft abhängt» hat sich während des letzten Wirtschaftsjahres(erneute lär- mende Unterbrechungen bei den Komm.: Amnestie!) etwas ge- bessert, die der Bevölkerung zur Verfügung stehende Nahrungs- mittelmenge hat sich auch in ihrer Beschaffenheit durch die gesteigerte Produktion und Einfuhren aus dem Auslande wesentlich gehoben. Allerdings läßt sich nicht oerkennen, daß der schrittweise Ab- bau der Zwangswirtschaft vielfach zunächst eine Preis- st e i g e r u n g zur Folge hat, die vorübergehend eine stärkere Be- lasrung eines großen Teiles der Bevölkerung verlangt. Die Reichs- regierung betrachtet es als ihre Aufgabe, mit allen Mitteln die landwirtschaftliche Produktion zu heben, so rasch wie möglich ein günstiges Verhältnis zwischen Nachfrage undAngebot— das einzige Mittel zur wirksamen Bekämpfung des Echieberunwssens(Zustimmung)— herzustellen und eine Preis- s e n k u n g zu erreichen. Die Förderung der heimischen Nahrungs- mittelerzeugung ist um so dringender, als uns die Erfüllung des Ultimatums zwingen wird, einen Abbau der bisherigen Zuschuhwirtschaft des Reiches in die Wege zu leiten.(Hört! hört! links.) Zweifellos wird diese Maßnahme dazu führen müssen, daß wir die Preise für Lebensmittel aus der einen, die Löhne und Gehälter auf der anderen Seite in das rechte Verhältnis zueinander bringen.(Adolf H o f f m a n n sKomm.j: Proletarier, zieht den Riemen enger!) Das deutsche Volk hat in seiner Geschichte manchmal auf Stimmen aus dem Auslande gehört, ja sogar solchen Stimmen Vertrauen geschenkt. Sein Vertrauen ist leider schmählich betrogen worden. (Sehr wahr! rechts.) Trotzdem läßt das deutsche Volk die Hoffnung nicht sinken, daß in der Welt der Sinn für Recht und Gerech- tigkeit, der in unserem Volke nie erloschen ist(Zustimmung), zu neuem Leben erwacht.(Abg. Adolf H o f s m a n n lKomm.s: Der Fuchs predigt den Gänsen!) Wer ist denn die Gans?(Heiterkeit und Zustimmung.) Man sollte endlich in der Welt einen Schritt weitergehen, nachdem das demokratische Deutschland durch die An- nähme des Ultimatums ungeheure Lasten auf sich genommen hat, nun endlich eine Entspannung der europäischen Lage und den europäischen Wiederaufbau herbeizuführen. Wir erwarten, daß uns die Engländer und ihre Führer auch das geben, was man„fair chanccs* nennt. Sie sollten endlich einsehen, daß das deutsche Volk weih, welchen schweren Gang es gehen wird. Diesen Weg sollten die Alliierten rechtlicherweise einem Volke er- leichtern(Lachen rechts), das schon so Unmenschliches ge- l e i st e t hat wie das deutsche Volk. Sie sollten nicht lachen. Be- trachten Sie die Psyche des deutschen Volkes! Wie der Gedanke des Eintretens für das Recht in Oberschlesien dazu geführt hat, daß man dort den Soldaten und Ofsizieren der Alliierten, die für oas Recht gefallen find, ihre Särge mit Blumen geradezu überschüttet hat!(Beifall.) Einem Volke, das so Unmensch- liches geleistet hat wie das deutsche Volk, sollte man auch fair chanccs geben, nicht aber seine Schwierigkeiten vergrößern und dadurch die Voraussetzungen aller Leistungen— und darauf lege ich besonders Wert—, die Hoffnung, ersticken. D i e siegreichen Völker sollen doch nicht ohne weiteres den Gedanken von sich weilen, wie ihnen zu Mute wäre, wenn sie nach den ungeheuren Leistungen des Krieges den Weg gehen mühten, den das deutsche Volk gehen muß. Der Spott, als ob Optimismus falsch wäre, ist wirklich nicht am Platz«. Welche wirtschafllichen Gestaltungen und Reformen notwendig sein werden, läßt sich noch nicht sagen. Die Reform muß mit eisernem Fleiß allmähllch durchgeführt werden. Sie kann nicht damit beginnen, daß der nattonale Sinn im deutschen Volte schnöderweise erstickt wird. Die Unterdrückung irgendemer Nation hemmt die Geschichte der ganzen Well und ihre Kultur und die großen Menschheitsgedanken. Die nationalen Gedanken in diesem ethischen Sinne können sich aber nur entwickeln auf einer d e m o- k r a t i s ch e n Basis, die sich loslöst von dem reinen Macht- prinzip.(Rufe links: Amnestie!—©roßt Unruhe.) Wie haben die Macht nicht mißbraucht.(Widerspruch auf der äußersten Linken.) ?n der Entwicklung Europas und der ganzen Welt werden die großen geistigen, ethischen und wirtschaftlichen Fragen mindestens eine ebenso große Rolle spielen wie die Machtentfallung. Zum Schluß rufe ich Sie alle ohne Unterschied der Partei auf zur Unterstützung dieser unserer Bestrebungen. Lei der Auswahl des Wiederaufbauministers Dr. Rathenau hat sich die Regierung von jeder parteipolitischen Erwägung fern» gehalten und ist nur dem Gedanken gefolgt, eine organisatorische Kraft zu finden, die sich während des Krieges bereits bewährt hat. ! Unruhe rechts.) Dr. Rathenau wird Gelegenheit haben, im Laufe der Debatte Ziel und Richtungen seiner Arbeit zum Vortrag zu bringen. Helfen Sie uns, den Bestand unseres Volkes nicht abhängig m machen von einem kleinen Kreis von Schiebern und reichen Leuten, io daß wir zu einem unbedeutenden Ländchcn INilteleuropas herab- sinken, sondern stärken Sie ihn, so daß wir die großen finanziellen Leistungen vollbringen können, die wir übernommen haben. Diese Bitte richte ich auch an diejenigen, die gegen die Annahme des Ulli- matums waren, denn sie werden uns zuerkennen, daß wir uns für die Annahme aus der ehrlichen Ueberzeugung über das Wohl unseres Vaterlandes entschieden haben.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit. Rufe bei den Komm.: Amnestie!) Nach längerer Geschäftsordnungsaussprache vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr: Anträge über die Erwerbslosenfürforge, Be- sprechung der Regierungserklärung. Schluß S Uhr. Der Arbeitsplan ües llanütags. Der« e l t e st e n r a t de« Preußischen Landtag« besprach am Mliwoch vor Beginn der Vollsitzung die Geschäftslage. Finanz- minister Sä misch wird heute. Donner-tag. den Haushalt embringen. Er wird dazu lediglich sinanzlecknische Ausführungen ohne politischen Eharakter machen. Da« Hau« will sich dann bi« Montag vertagen. Am Montag und Dienötag soll die erste Beratung de» Haushalt« stattfinden. E« sollen zu�ei Rednerreihen sprechen. Darauf soll der Etat dem A u Z s ch u ß überwiesen werden. Um diesem Zeit für irästige Förderung der Arbeiten zu geben, sollen für die weiteren Tage der Woche keine Plenarsitzungen statt- finden. Man will auf alle Fälle den Haushalt vor Eintritt in die Sommerferien, die voraussichtlich Mitte Juli beginnen werden, der- abschieden._ Der erste Anter ausschuß de» Anterfuchuugsausschusie» des Untersuchung----------------------------------... bilmachungen, die dem Ausbruch des Krieges vorangingen, veenvtgt und da« Ergebnis in einem zweiten Weißbuch niedergelegt, das soeben der Oeffentlichkeit vorgelegt wird. Das Weißbuch verbrettet sich ausführlich über die militärischen Maßnahmen in Deutschland und Oefterresch-Ungarn im Juli ISIS, sowie über die Bedeutung der ollgemeinen russischen Mobilmachung und legt dann den deutschen Operationsplan dar. Das Buch schließt mit einer Reihe von Fest» stellungen über die Krästeverhällnisie der krieaführenden Staaten und tritt damit der Auffassung entgegen, daß die Mittelmächte bei Kriegsausbruch eine erdrückende militärische Ueberlegenheit besessen hätten. Der Unterausschuß hat nunmehr die Untersuchung der ganzen politischen Vorgeschichte des Weltkrieges begonnen. Di« Unter- suchung wird fich eiutf) auf die Geschichte vor dem Attentat in Sora- je«««rjvM&n,_____________ Stagerrakfeier mit Morüaufforüerung. Unerhörte monarchistische Provokationen. Geradezu toll heroegangen ist es bei einer Stagerrakfeier des Nationalverbandes deutscher Offiziere und des Verbandes national gefinnter Sol» d a t e n, die am Dienstagabend in der Singakademie statt- fand. Der erste Redner General v. Dickhut-Harrach wetterte in seiner Begrüßungsansprache gegen die Scheidemänner, die ErzHalunken usw. Wenn es diesen auch nicht gefalle, vredige er, der General, doch Haßund Rache. Der zweite Redner, Admiral v. T r o t h a, ein Ueberläufer aus den Kapp- Tagen, sah den Tag kommen, wo„eine neue kaiserliche Flotte die gemeinen Engländer und niederträchtigen Franzosen vernichtet".- Die Hauptattraktion des Abends aber war der Obcrfeuerwerksmaat Rissen. Dieser führte nach einem Bericht der„Freiheit" u. a. folgendes aus: Schufte und Verräter, Scheidemänncr, Erzberger und Dittmänner(Zurufe: die Juden, die Juden) haben dos deutsche Volk verraten und verkauft. Führer wie den Generai v. G r ö n e r, Scheuch und alle anderen Offiziere, die sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen gestellt haben, die erkennen wir nicht an. Auch fl«sind Verräter. Sie haben unseren Kaiser ver- raten und im Stich gelösten.(Zwischenrufe: Er muß wiederkommen und aufräumen!) Jawohl, er wird auch wiederkommen, und wir werden mit dem inneren und äußeren Feind gründlich oufräimien. Der Prozeß gegen die Kriegsverbrecher in Leipzig ist eine Schande: denn unter keinen Umständen dürfte ein Engländer Leipzig lebend erreichen.(Lebhafter Beifall und Füßetrampeln.) Ein Lichtblick für uns ist der t3. März 1320, an welchem Tage die Scheidemännergesellschast flüchtete und die deutsche Kriegsflagge durchs Brandenburger Tor gettagen wurde.(Lebhafter Beifall.) hoffentlich kommt ein solcher Tag bald wieder.(Lebhafter Beifall und Füßetrampeln.) Führer wie Ehrhardt, Ludendorff und v. d. Goltz, der im Baltikum war, nur die erkennen wir an. Nun hat die Regierung die Werbungen für Ober- schlesien verboten. Das geht uns nichts an. hoffentlich drehen die oberschlesischen Freiwilligen ihre Bajonette bald um und mar- schieren nach Berlin, um die ganze feige Regierung samt Eberl und den Juden zu verjagen.(Lebhafter Beifall.) Wir werden unseren Kaiser wiederholen und auch eine kaiserliche Flotte erhalten.(Lang- anhaltendes Klatschen und Füßetrampeln.) Wir verlangen, daß die Regierung den Oberfeuer- werksmaat Nissen sofort verhaften läßt und auf Grund seiner Rede ein Strafverfahren gegen ihn einleitet. Geschieht dies nicht, dann würde die Re- gierung ein Teil der Verantwortung dafür treffen, wenn irgendein Wahnsinniger der Aufforderung Nissens Folge leisten und sich an den Engländern in Leipzig vergreifen sollte. Was das bedeuten würde, brauchen wir der Regierung nicht erst zu sagen. Aber abgesehen von der Mordaufforderung gegen die Engländer enthält die Rede so deutliche Aufforderung zum Hochverrat, zum Ungehorsam gegen die Gesetze, ferner Berstöße gegen die jüngste Verordnung des Reichspräsidenten, daß der Mann sofort unschädlich gemacht werden muß. Eine Regierung, die das unter» läßt, hätte sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Tie Skagerrakschlacht et« jüdische? Börsenmauöver! Stirn ist endlich das Geheimnis der Schlacht vor dem Ekagerrak gelüstet. In der„Pommersch en Tagespost*, dem ofst« ziellen Organ der pommerschen Deutschnationalen, verrät es uns ein sicherer Egon Hundelker.„Die Skagerrak- schlacht,*— so stellt Herr Hundelker fest—„war nichts als eine jüdische Börsenspekulation." Und dies geschah nach Hundelker so: Das„internationale Finanziudentum" hatte 1916 be- schlössen, durch eine englische Niederlage zur See die hohen englischen Kurse zu drücken und die niedrigen deutschen zu heben. Sir E r n e st Cassel übernahm das Geschäft und setzte bei der englischen Re- gierung ihre Einwilligung in die Niederlage durch, nachdem er ihr klargemacht hatte, daß dabei In wenigen Tagen S« Millionen Pfund Sterling, also rund 1 Milliarde Goldmark, zu gewinnen seien. Churchill sträubte sich zwar etwas, aber durch einige Trinkgelder i 500 Pfund Sterling, die ihm Sir Ernest Cassel in die Hand drückte, wurde auch er gewonnen. Die Engländer ließen sich im Stagerrok ein wenig schlagen, die englische Regierung bauschte die Sache durch pessimistische Schlachtenberichte noch auf— und die große Börsen. spekulation war geglückt.„Die ganze Sache erscheint derart wohn. witzig, daß man sie nur schwer glauben kann. Dennoch ist kein Zweifel mögli ch." So versichert Herr Hundelker am Schluß. Wir würden gar zu gern wissen, wie es in den Köpfen derer aussieht, die so etwas schreiben und— die es lesen und glauben! llobpreiser üer Roheit. Im 9. Leipziger Prozeß wurden gestern 12 weitere Zeugen vernommen. Sie bestätigten, daß der Angeklagte Neumann von Gewehrkolben und Faust häufig Gebrauch zu machen pflegie. Nach der Mittagspause erklärte der sattsam bekannte militärische Sachverständige v. Fransecky, der Angeklagte bilde einen Licht- Mick(•). Man empfinde sein Verhalten wie eine Erlösung. Ein solcher Mann sitze nun hier als sogenannter Kriegsverbrecher. Der Angeklagte handelte nach seiner Instruktion, die ihm gestattete, die Gefangenen mit allen Mttteln zur Arbeit anzuhalten. Der Gebrauch des Kolbens war zugestanden, und zwar mit Aorbedacht infolge der vorgekommenen Widerspenstigkeiten. Eine Verfügung des Kriegsministers Stein kommt hier in Frage. Neumann hat danach sein« Befugnis im wesentlichen nicht überschritten. In einigen Fällen ist er vielleicht etwa» zu weit ge- gangen: aber auch das ist zu entschuldigen mit der Erregung, die im Jahre 1917 weit vorgeschritten war. Denn ich das verhalten des Angeklagten zu beurteilen hätte, würde ich ihn zu beloben haben(!). Einer der Verteidiger, Justizrat L o r j e sen. erklärt, das deutsche Volk könne aus einen Soldaten wie den Angeklagten stolz sein. Der Angeklagt« habe zur Brechung des Widerstandes das mildeste Mittel(!) angewendet. Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt L a r j e jr., bittet in einer Reihe von Fällen um Freisprechung und betont, daß es sich bei dem Angeklagten, ebenso wie m den beiden vorhergegangenen Piozessen, keineswegs um einen sogenannten Kriegsverbrecher handle. Oberreichsanwalt Ebermeyer führt dagegen in feinem Plä- doner aus, der Angeklagte habe nicht die Berechtigung gehabt, von seiner Wnffe Gebrauch zu machen. Ein Defehl, bei jeder Gelegenheit von der Waffe Gebrauch zu machen, ist undenkbar. Der Angeklagte hätte den unzulässigen Befehl nicht ausführen dür- f e n. Der Oberreichsanwalt läßt" mehrere Punkte der Anklage fallen, so daß elf Fälle von Mißhandlungen und ein Fall von Beleidigung verbleiben. Festungshaft könne nicht in Frage kommen, da die Straftaten eine große Roheit zeigten. Der Oberreichsanwall beantragte zum Schluß eine Gesamkfirake von 1 Jahr S Monaken Gefängnis. Die Verhandlung wirst-um �5 Uhr geschlossen. Das Urteil soll Donnerstag mittag 12 Uhr verkündet werden. Infolge weilerer Obstruktion im Brounschweiger Land- tag durch den Landeewahlverband mußte die gestrige Sitzung wegen Beschlußmisähigtett aus den?. Juni wieder vertagt werden, Wirrwarr in öer K. Breslau, 1. Juni.(Eigener Drahkbericht des„vorwärts".) ver General L e R o n d empfing heute eine Abordnung des Zwölferausschusses der deutschen Bevölkerung Oberschle- siens, welche die Weigerung des Generals hoeser unter- stützte, den deutschen Selbstschutz zu entwaffnen oder zurückzuziehen. Der französische General mußte im Laufe der Unterredung aus- drücklich zugestehen, daß der deutsche Selbstschutz nicht auf gleicher Stufe wie die polnischen Jnfur- g e n k e n stehe, da er z e i l l i ch s p ä le r und nur zum Zweck der A bw e h r der polnischen llebergriffe organisiert worden sei. Trotzdem erhalten sich in der bestimmtesten Form die Ge-' rüchle, daß die Franzosen Einspruch gegen ein Vorrücken der Engländer erheben, solange nicht der deutsche Selbstschuh und die polnischen Insurgenten durch alliierte Truppen voneinander getrennt worden sind, was aus eine Räumung de» bisher unbesetzten Gebietes zugunsten der Polen hinauskäme. Tatsächlich ist auch der englische Vormarsch, weicher heute morgen begann, zum Stehen gekommen, ohne daß militärische Gründe dafür ersichtlich wären. Anscheinend bestehen innerhalb der Jnleralliierlen stom- Mission in der Frage der nächsten militärischen Aktionen Gegen- sähe, die gar nicht mehr zu verschleiern sind und jede? energisch«• Vorgehen gegen die Polen lähmen. Deutschlanüs Hemükungen anerkannt. Pari«, 1. Juni.(TA.) Die Reparation skom Mission veröffentlicht folgende Rote: Die Bestimmungen des Artikels S des Bezahlungsetals vom S. Mai 1921, die die Zahlung einer Milliarde Goldmark innerhalb 25 Tagen vorsehen, sind i n normaler weise ausgeführt worden. Die Reparatious- kommission stellt fest, daß die Deutsche Regierung fich ihrer Berpflichtung in dieser Hinsicht entledigt hat. und drückt ihr ihre Befriedigung darüber aus. daß sie s ch o n j e h t M a ß- nahmen für den Rückkauf der Wechsel ergreift. Reglerungsrücktritt in Oesterreich. Wien. 1. Zuni.(III.) In den ersten Rachmitlagsstunde» fand eine Kabinett« b eralung statt, in der die Demission de» gesamten Kabinett» beschlossen wurde, wer die Räch- solgeschafl übernehmen wird, steht noch nicht fest, höchstwahrschein- lich wird jedoch ein neue» chrisllich-sozialcs Kabinelt gebildet werden. Das österreichische Kabinett hat also die Konsequenzen daran» ge- zogen, daß trotz aller seiner Warnungen die Auschlußbeweguog fortgesetzt wurde. Auf Ersuchen des Bundespräsidenten führt die Regierung Mayr die Geschäfte porläufig weiter. Ein drakonisches Urteil. Das außerordentliche Gericht in Hagen verhandelte gestern in dreistündiger Sitzung gegen den Kommu- nisten Bowensiepen, der am Osterdienstag die Leitung des letzten blutigen und gewaltigen Kommunistenaufstandes in den Händen hatte. Das Gericht verurteilte Bowensiepen zu 15 Jahren Zuchthau» mit der Begründung, daß sein« Taten lediglich ge- meine Verbrechen seien und mit Politik nicht» zu tun hätten.— Diese Begründung scheint denn doch sehr wenig objektiv zu seht. Wicttdyaft Zur Frage der Papierholzpreise. Die Preise für Papierholz: die noch im Jahre 1915 durchschnitt- lich auf 16 bis 17 M. franko Werk für den Raummeter standen, sind im Jahre 1920 bis zu 320 M. angestiegen, so daß zeitweise eine Steigerung bis zu 1780 Proz. zu verzeichnen war. Selbst das für die Herstellung von Druckpapier staatlichcrseits zur Verfügung gestellte Papierhoiz wies nicht selten eine Steigerung von 1400 bis 1500 Proz. auf. Die Bemühungen der Reichsregierung in dieser Beziehung ein Entgegenkommen der Länder zu erwirken, er- wiesen sich fast durchweg als unfruchtbar. Im Gegentell hat sich der Etat der einzelstaatlichen ForsÄerwaltungen in besonders hohem Grade zu einer Hilfsquelle gegenüber sonstigen Ausfällen entwickelt. Bis zum Kriege bezog Deutschland einen sehr großen Teil seines Papierholzes aus dem Auslande, weil deutsches Papierholz nicht entfernt den Verbrauch zu decken vermochte. Nach Unterbindung der ausländischen Zufuhr entwickelte sich deshalb in Deutschland eine Notmarktlage, welche die Preissteigerung zur Folge hatte. Trotzdem sind auch die Preise für Papierholz in letzter Zeit recht erheblich gesunken, hauptfächlich darum, weil der Markt bei den heutigen Preisen seine frühere Aufnahmefähigkeit fast völlig verloren hat. Selbst wenn es gelingen sollte, unter dem Einfluß amtlicher Nachprüfungen, die Preise eiwas zu senken, so wird doch schon heute aus dem Auslande Zell- und Holzstoff bereits zu Preisen angeboten, welche unter der bei einer derartigen Senkung erreich- baren Grenze liegen dürften. Die Absatztrise, welche den ganzen Weltmarkt ergriffen hat, zwang die in ver Rohstoffversorgung vor den deutschen Werken be» günstigten fremdländischen Zellstoff- und Holzstoffabriken, eine un- flewöhnliche Verbilligung eintreten zu lassen, die insbesondere bei Finnland, durch die große Entwertung der Finnmark, die stärkste ist. Da gleichzeitig die ausländischen Papierpreise am Welt- markt svrunahaft herabgingen, so erscheint nicht nur die Konkurrenz. Möglichkeit ver deuffchen Papierindustrie im Ausland« auf da« äußerst« gefährdet, sondern diese Industrie sieht sich genötigt, die Einfuhr fremden Zellstoffes ernstlich in Erwägung zu ziehen, um auch die deutschen Verbraucher in den vollen Genuß der gesunkenen Weltmarktpreise zu setzen. Die» bedeutet zunächst für die deutschen Halbstoffavriken ein« ernste Gefahr. Darüber hinaus aber muß der Waldbesitz damit rechnen, daß der Absatz an Papierholz in noch erweitertem Maße ins Stocken gerät, weil eben die deutschen Halbstoffe durch fremde Ware ersetzt werden müssen. Bei den unsicheren Valutaverhättnissen kann Zufuhr von Halb- stoffen aus dem Auslande zur Unmöglichkeit werden. Sind dann die deutschen Zellstoff- und Holzstoffabriken nicht genügend mit preiswertem Papicrholz versorgt, so müssen sich Stockungen er- geben, die letzten Endes wieder zu Preiserhöhungen statt zu dem dringend notwendigen Preisabbau sühren müßten. Es sollte deshalb die ernste Sorge des Waldbcsitzes sein sowohl im öffentlichen wie im eigenen Interesse mit allem Ernst einer wesentlichen Berbtlligung des Papierholzes zu erstreben. Di« Reichsregierung darf in diesen Bemühungen nicht nachlassen, weil sonst nicht nur die Loge der beteiligten Industriellen, sondern auch diejenige der deutschen Presse einer ständigen Gefährdung aus- gesetzt bleibt.__ Der Reckarkanakban Wie die Dena aus Stuttgart meldet, ist soeben die Neckar-Aktiengesellschaft zum Bau� des Ncckarkanals von Mannheim nach Plochingen als Teil der Neckar- Donau-Eroßfchiffahrtsuraße mit einem Grundkapital von 350 M i l- lionen Mark gegründet worden. Daran sollen sich beteiligen: das Reich mit 160' Millionen Mark, Württemberg, Baden und Hessen einschließlich ihrer öffentlich-rechtlichen Verbände mit 80, 17.5 und 2,5 Millionen Mark. Zwecks Beteiligung der Industrie, Elektrizitätswerke, Banken und Privatkreisen werden demnächst Zeichnungsscheine ausgegeben werden. Die Genehmigung der gefetz- gebenden Körperschaften zur Beschaffung der erforderlichen Mtttel wird, demnächst eingeholt werden. GewerGhastsbowegung Kein Lohnabbau i» der Berliner Metallindustrie. Zeitungen und Flugblätter der wirtschaftsfriedlichen Angestellten- verbände verbreiten in den letzten Tagen die Nachricht, daß in Berlin das Afa-Ortskartell und vornehmlich der Zentralverband der Ange- stellten einem Vergleich mit den Arbeitgebern der Metallindustrie zugestimmt hätte, nach dem für viele Angestellte ein bedeutender Lohnabbau eintritt. Diese Behauptungen sind un- w a h rl Am Sonnabend, den 28. Mai d. I., wurde in einer Ver- Handlung vor dem Demobilmachungskommissar für Groß-Berlin, an der auch Vertreter der wirtschaftsfriedlichen Gewerkschastsbünde teil- nahmen, vom Berhandlungsleiter an Hand der Akten festgestellt, daß 1. von einem abgeschlossenen Vergleich keine Rede sein könne, 2. der Vergleichsvorschlag einen Lohnabbau überhaupt nicht enthalte, 3. bei Ablehnung des Vergleichs viele tausend Ange» st e l l t e einer Gehaltserhöhung mit Rückwirkung vom 1. März d. I. ab ve r l u st i g gehen würden. Die Vertreter der Gewerkschaftsbünde erbaten sich nach diesen Feststellungen Frist bis zum 4. Juni, um bis dahin dem Demobil- machungskommissar ihre endgültige Stellungnahme zu dem Ver- gleichsvorschlag einzureichen._ Streik der Mineralwasserarbeiter. Die mit Wochenlöhnen von 265 bis 290 M. für Familienväter bezahlten Arbeiter hatten den Tarifvertrag mit dem Verband der Mineralwasserfabrikanten zum 31. Mai gekündigt sowie das Lohn abkommen vom 18. Februar. Die Unternehmer, die nur wenige Arbeiter und zwar meist nur in den Sommermonaten beschäftigen, lehnten es ab, über den ihnen vom Transportarbeiterverband unter- breiteten Entwurf zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages zu ver- bandeln. Sie teilten mit, ihr Verband fei zurzeit nicht in der Lage, die Löhne zu erhöhen. Eine stark besuchte Versammlung der be« teiligten Arbeiter, Arbeiterinnen und Kutscher am Mittwochabend beschloß, sofort die Arbeit einzustellen. Das konsumierende Publikum, insbesondere die Großberliner Arbeiterschaft, wird ersucht, die Mineralwasserarbeiter inihrem Kampfs zu unterstützen._/ Akkordarbeit und Arbeitslosigkeit. Vor acht Wochen etwa hatten wir uns mit der Akkordarbeit auf dem Neubau der Reichsversicherungsanstalt, Fchrbelliner Platz, der von der Union A.-G. ausgeführt wird, zu beschäftigen. Wir haben seinerzeit die Oeffentlichkeit von diesen Machenschaften unterrichtet und sind nun erneut gezwungen, diese eigenartige Methode zur„Belebung der Bautätigkeit" aufzudecken: denn es wird dort bereits wieder in Akkord gearbeitet. Es ist ja allgemein bekannt, daß das gesamte Unternehmertum auf die Einführung der Akkordarbeit drängt, soweit diese noch nicht Eingang gefunden hat. Der Tarifvertrag für das Baugewerbe läßt die Akkordarbeit aber nur dann zu, wenn die Fachgruppen der Ortsvereine ihre Zustimmung dazu geben. Hier in Berlin haben jedoch die Fachgruppen— mit wenigen Ausnahmen— das A k- k o r d f y st e m abgelehnt. Erst kürzlich hat der Verband der Baugeschäfte den Bezirksoerein Berlin des Deutschen Bauarbeiter- verbände? ersucht, erneut eine Befragung der Fachgruppen über die Einführung der Akkordarbeit vorzunehmen. Er ist der Mei- nung, daß die Lohnerhöhung des letzten Jahres zur Verteuerung des Wohnungsbaues beigetragen habe. Die Arbeitgeber behaupten weiter, sie hätten für die Verbilligung der Baustoffe ihr möglichstes getan. Die Arbeitnehmer hätten, ebenso wie die Arbeitgeber, die Pflicht, die Förderung der Bautätigkeit zu betreiben; der einzige Weg dazu sei aber die Akkordarbeit. p Die Begründung der Unternehmer ist denn doch zu durchstchtig, als daß ein denkender Arbeiter darauf eingehen könnte. Leider gibt es auch unter der Bauarbeiterschaft noch Elemente, die all die guten und berechtigten Gründe, die nun schon so oft in Wort und Schrift gegen die" Akkordarbeit vorgebracht worden sind, nicht erkennen wollen. Wir behaupten, daß es kaum ein anderes Gewerbe geben dürfte, in dem die Akkordarbeit in jeder Beziehung von so ver- heerenden Wirkungen begleitet ist, wie das Baugewerbe. Das unvermeidliche Kolonnensystem führt dazu, daß die Zahl der Arbeitskräfte möglichst beschränkt wird, und die nicht �u H ö ch st leistungen Befähigten ausgesondert werden. Das ohnehin übergroße Arbeitslosenheer wird ohne Not vermehrt, nur, weil"das Akkordfystem den Unternehmerst und einigen rücksichtslosen Egoisten unter der Arbeiterschaft besser in den Kram paßt. Die Union A.-G., die vor ungefähr acht Wochen, nachdem die Treibereien auf der Baustelle Fehrbelliner Platz vom Bauarbeiter- verband aufgedeckt waren, durch den Mund ihres Vertreters, Herrn Baumeister H i r t e, das Versprechen abgab, nunmehr in Lohn arbeiten zu lassen, und die Arbeitskräfte vom Arbeitsnachweis zu be- ziehen, hat ihr Versprechen gebrochen. Es find nur wenige Leute vom Arbeitsnachweis eingestellt worden. Und seit einigen Tagen wird auch bereits wieder in Prämienakkord gearbeitet. Die Maurer haben sich verpflichtet, pro Mann wöchent- lich 4800, also täglich 800 Steine zu verarbeiten, wofür sie 80 M. pro Tag, also 10 Mk. für die Stunde, gezahlt erhalten. Zur Aus- Zahlung gelangt vorläufig der tarifmäßige Stundenlohn. Die verein- barte Mehrleistung wird später bezahlt. Der Vertrag enthält auch die Bestimmung, daß, wenn die Organisationen die Unzulässigkeit dieser Arbeitsmethode feststellen sollten, die Firma jeder außertarif- lichen Verpflichtung entbunden ist. Jeder Einsichtige weiß, daß es letzten Endes bei dieser festgesetzten Leistung von 800 Steinen täg- lich nicht bleiben wird. Nach dem Tarifverträge sind solche Sonderabmachungen der Vertragsparteien verboten. Die Unternehmerbeisitzer der Schlichtungskommisflon erklären, daß das„Prämiensystem" kein Akkordlohnsystem und nach dem Tariftiertrag nicht verboten sei. Die erforderlichen Maßnahmen find seitens der Organisation einge- leitet. Wir müssen es als eine Unverfrorenheit bezeichnen, wenn man solche Arbeitsmethoden als im Interesie der Allgemeinheit liegend, hinstellt. Was sagt aber die Erwerbslosenfürsorge dazu, daß man aus diese Weise die Zahl der Arbeitslosen vermehrt? Die Tafökellner zur Trinkgeldstage. In einer Versammlung von Funktionären uns Vertrauensmännern der Casökellner, die am Dienstag stattfand, wurde insbesondere auch die Trinkgeldfrage zur Sprache gebracht. Bürde erklärte, daß es für die Kellner schließ' lich am besten sein würde, wenn mit dem Trinkgeldwesen gänzlich aufgeräumt und von den Arheitgebern ein Lohn verlangt werde, der allen GastwirtSgehilien eine ausreichende Existenz ohne Trinkgeld gewährt. Auch das Prozentsystem müßte beseitigt werden. Viele Arbeitgeber antworteten bei der Forderung einer Lohnerhöhung:.Ihr habt doch auch Trinkgeld I" Wenn eS maniben Kollegen auch noch nicht einleuchte, so bilde doch zweifellos das Trinkgeld ein erhebliches Hindernis für die Erreichung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Es sei auch nur zu sehr geeignet, die Kollegialität zu untergraben. Diese Anschauung wurde von S ch i e l k e geteilt, während von anderen Rednern hervorgehoben wurde, daß der größte Teil der Kellner dadurch geschädigt würde. Richter referierte über die letzte Lohnbewegung und wies in seinen Ausführungen auf die große Arbeitslosigkeit hin, welche die Durchführung jeder Lohnbewegung außerordentlich er« schwere. Es müsie in Verbindung mit anderen Organisationen Hilfe für dieArbeitsloseu erstrebt und klar erklärt werden, daß diejenigen für die Arbeitslosen aufzukommen hätten, die das Elend mitverschuldet haben. Zur Trinkgeldfrage erklärt Redner, daß er gegen das Trinkgeld sei, für die Abschaffung aber erst eintreten könnte, wenn man beffere Löhne erhalte. Ein Be- schluß wurde hierzu nicht gefaßt. Für die Ergänzungswahlen zum Vorstand wurden Vorschläge gemacht, die der nächsten Mitgliederversammlung empfohlen werden sollen. « Der Standpunkt der Organisation zur Trinkgeldstage kommt in einer Entschließung zum Ausdruck, die auf Anregung der Gesellschaft für Soziale Reiorm von allen Gehilfenverbänden an- genommen wurde. Dies« erklärte durch ihre Vertreter,.daß sie nach wie vor bereit sind, energisch für die Beseitigung des Trinkgeldes und für die Erringung fester auskömmlicher Löhne einzutreten. Sie nehmen die von der Gesellschaft für Soziale Reform und der ihr angeschloffenen Vereinigungen angebotene Hilfe und die Unter- stützung der Presse mit Dank an und verpflichten sich, das zur Agitation nötige Material zu liefern.— Sie verurteilen auf das allerentschiedenste diejenigen Berufsangehörigen, die ohne Rücksicht auf die üblen Folgen, die das Trinkgeldsystem für den ganzen Beruf haben muß. sich nicht dazu verstehen können, jede Annahme des Trinkgeldes stritte zu verweigern." Bergarbeiterstreik i« Niederschlesien. Im Niederschlesischen Steinkohlenrevier befindet sich die Gesamt- belegschaft der Gruben mit 40 000 Mann im Streik. Am 23. Mai begann der Streik und bereits am nächsten Tage war er voll- ständig. Die Ursache ist die Ablehnung von Lohnforderungen, die bereits im August 1920 gestellt waren. Nach Wiederhollen, von den Bergarbeitern angeregten Verhandlungen, die infolge der wenig günstigen wirtschaftlichen Lage der Gruben resultatlos verliefen. wurde am 18. Mai ein Schiedsspruch gefällt. Der Schiedsspruch sah vor, daß vorbehaltlich der Zustimmung der Regierung die seit längerem zur Verbilligung der Lebensmittel erhobenen 2 Mark pro Tonne in bar ausgezahlt werden. In Aus- ficht war gestellt, bei etwaiger Kohlensteuerermäßigung zu prüfen, ob ein, Teil des freiwerdenden Betrages für Lohnaufbesserung verwandt werden kann. Also im ersteren Falle nur eine andere Zuiührung der 2 M. pro Tonne, d. h. eine Lohnauf- befferung von 60 bis 70 Pfennig pro Schicht, im zweiten Falle eine in zweierlei Hinsicht beschränkte Zusage für die Zukunft. Dieser Schiedsspruch war ungeeignet, die seit Monaten wartenden Berg- arbeiter zu beruhigen. Die Ablehnung war vorauszusehen. Nicht zu billigen ist vom gewerkschaftlichen Standpunkt, daß, statt die angeregte Urabstimmung vorzunehmen, die Belegschaft in den Streik trat. Nachdem der Streik einmütig eine Woche lang andauerte und der sofortige Streikausbruch nur der Abstimmung Vorgriff, die bestimmt die Dreiviertelmehrheit ergeben hätte, haben die in Frage kommenden Arbeiterorgani- sationen— freie, christliche und Hirsch-Dunckersche Gewerkschaften — am 29. Mai den Streik anerkannt und die Führung über- nommen. Dies war schon deshalb notwendig, um den Arbeitgebern wie auch den Regierungsstellen, die sich auf.einen wilden Streik" versteifen, diesen Einwand zu nehmen. ES wird an den Arbeit- gebern, ganz besonders auch an der Regierung liegen, diesen Streik durch annehmbare Angebote zum Abschluß zu bringen, da die wirtschaftlichen Folgen geradezu katastrophal werden können. Verschärft wird der Zustand durch daS Ausbleiben der oberschlestschen Kohle. Stillegung von Werken und vermehrte Arbeitslosigkeit wird trotz stattgefundener Einschränkungen unvermeidbar, wenn nicht rasch gehandelt wird. Die Bergarbeiter Niederschlesiens haben öfters durch Verfahren von Ueberschichten helfend eingegriffen, um den Städten während der größten Koblenknappheit hinwegzuhelfen. Sie halten nicht starr an den gestellten Forderungen fest. Doch mit einem Durchschnittslohn von 44,16 M. für die Schicht ist kein Aus- kommen, zumal bei der schweren Arbeit. verloren gegangen ist einem erwerbslosen Funttionär des Ho!0» arbeiterverbandes am Dienstag, 31. Mai 1921, gegen 1 Uhr mittags auf der Fahrt von Jannowitzbrücke bis Schlesischen Bahnhof eine graue Brieftasche, enthaltend ein Konto- und Marken« buch mit Beitragsmarken verschiedener Art, in Zeitungspapier ein« geschlagen. Die in der Brieftasche befindlichen Papiere lauten auf den Namen W. Wegener. Da der Verlierer seit Monaten erwerbslos ist und für den Schaden zu haften hat, wird der ehrliche Finder gebeten, gegen Zurückerstatlung der Unkosten das Gefundene auf dem B u r e a n des Holzarbeiterverbandes, Berlin SO. 16, Runge- straße 30, Zimmer 8, abzugeben. Den sfteikendeu Straßenbahnern in Potsdam hat der Magistrat allesamt gekündigt. Dadurch wird der Streik nicht beendet! „In der europäischen Revolution liegt unsere Rettung. Wir haben dos Feuer entzündet, wir müssen es auch mit allen Mitteln schüren." Mit diesen Worten begründet das Petersburger Gewerk- schaftsblatt.Machowik" den Beschluß des Allrussischen Gewerkschafts- kongreffes, den englischen Bergarbeitern 200 003 Goldrubel zu über« weisen,_ Zur Lage in England. Die Vorschläge Lloyd Georges zur Beendigung des Berg- arbeiterstreikS wurden wie in Lannark, Schottland und Wales auch in Derby, Nottingham und Dorkjhire abgelehnt. Franc Scolch erklärte, daß ein Einvernehmen vielleicht herzustellen wäre, wenn die Besitzer den Arbeitern auf die Löhne vom Juni 1914 einen Zu» schlag von 30Proz. machten. Die Unternehmer aber erklären, nur eine Steigerung der Produktion könne die Löhne erhöhen.— Noch mehr ihre Profit« I— Die Eisenbahn- und Transportarbeiter haben beschlossen, das Verbot der Kohlenbeförderung voll- ständig aufzuheben.— Dreiunddreißig Gewerkschaften, die l'/z Millionen Metallarbeiter vertreten, protestierten gegen die Herabsetzung der Löhne, die für den 16. Juni angekündigt ist. Es wird eine Konferenz mit den Arbeitgebern und Arbeit- nehmern vorbereitet._ Die Frauen in den englischen Gewerkschaften. Wie in den deutschen, so ist auch in den englischen Gewerkschaften die Zu- nähme der weiblichen Mitglieder überaus groß. Im Jahre 1918 wurden etwas über 630 000 weiblicher Gewerk- fchaftsmitglieder gezählt, deren Zahl schon Ende 1919 auf über 850 000 angewachsen war. Das ist das Zweifache des im Frieden zu verzeichnenden Bestandes der weiblichen Mitglieder. In einigen Gewerben ist allerdings die Zahl der Frauen wesentlich zurückgegangen. Das trifft besonders für das Transport- wesen zu, das heute zirka 80 Proz. weiblicher Arbeiter weniger zählt, das hängt zusammen mit der durch das Kriegsende bedingten Demobilisierung der Eisenbahner und anderer Transportarbeiter- gruppen. Gegen Moskau. Der Nattonalkongreß der ftanzösischen Eisen- b a h n e r hat Dienstag in Paris seine Tagung begonnen. Mit 34 000 gegen 46 000 Stimmen wurde der Anschluß an die Moskauer Internationale abgelehnt. Die Hafenarbeiter in Buenos Aires streiken seit etwa drei Wochen, um sich gegen die Einstellung von Unorganisierten zu wehren. Zum Schutze der kleinen Zahl von Arbeitswilligen wurde Militär kommandiert. Nun ist an Bord eines Dampfers ein Brand ausgebrochen, desien Anstiftung den Streikenden zugeschoben wird. Die Polizei will 117 Mitglieder des Verbandes der Seeleute bei einer geheimen Zusammenkunft überrascht haben, deren Teilnehmer sie oerhaftete. Die Geschichte riecht stark nach bestellter Arbeit, zum „Schutze der Arbeitswilligen". ge»t,al»erba»d htt«ngefttltttn. Lcder: Heute nachmittag SVt Uhr Mitgliederversammlung in den Prachtsälen„Alt-Berlin", Blumenstr. 10.— Holz: Heute abend IVi Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant„Zum Bürger- heim", Alte Schönhauser Str. 23/21.— Rechtsanmaltsbureaus: Heule abend Uhr Mitgliederversammlung im Englischen Hof, Alexanderstr. 27a.— Esslrurgie-Mechanik. Heute abend 7 Uhr Mitgliederversammlung in den Eophiensäsen, Sophienstr. 17/18.— Einzelhandel sSchaufensterdekorateurc): Freitag abend 7sS Uhr Mitgliederversammlung im„Alten Askanier", Anhalt. straße 11.— Metall: Freitag abend 7 Uhr Funltionärversammlung in Häver- lands Festsälen, Neue Fricdrichstr. 26. Deutscher Werkmeisterverband, Bezirk Berlin II: Freitag, 7 Uhr im Vereins» lokal Fralllfurtcr Allee 313, Bersammlung. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Freitag, S Uhr im Dewerk- schastshaus, Versammlung der Stepperinnen der Haus» und Filzschuhindustrie. Tagesordnung: Die Forderungen der Stepperinnen und das Verhalten der Fabrikanten. Berkehrsbnad. Abt. Post-, Fcrnsprech- und Telegraphenpersonal, Berlin: Sonnabend 3 Uhr im Vewerkschaftshaus, Saal 1, Sitzung der Betriebsräte und nr. die Betriebsräte- Reichstarifverhandlungen, gutritt nur mit Mitgliedsbuch und Betriebs bzw. Funktionärausweiskarte und wenn nicht Uber 3 Beiträge restiercn. Filmarbeiter. Freitag 7 Uhr äffentliche Versammlung im„Alten Aska- nier, Anhaltstr. 11._ ?ugenüveranftaltungen. verein Arbeiter-Jugend Grotz-Berlin. Sekretariat: SM. 40, In den gelten 23. Donnerstag, den 2. Juni, abends 1/2S Uhr: Zihaanisthal: Johannes. Werner- Et.aßc, Mitgliederversammlung.— Riederschäaeweid«: Berliner Straße, Mitgliederversammlung.— Osten siZtra» lauer Biertel): Naglerstr. 3, Mitgliederversammlung.— Reinickendors-West: Scharnwcberstr. 114.— Schmargendorf: Breite Str. 38, Mitgliederversamm» lung.— S. v. I: Sonnenburger Str. 20, Mitgliederversammlung.— 8. B. II: A. Karl, Wichcrtstr. 89, Mitgliederversammlung.— Sieglitz-Friedenau: Offen- bachcr Str. 5a, Leseabend. Beran«». für den redakl. Teil: Dr. Werner Peifet, Charlottenburg! Mr Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Veriag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vor- wärlS-Budibriickerei u. V-rlaasanicalt Paul Singer» Ca.. Ombenslr. 3. Hierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage„Hcimwelt". Volksversorgungstase Gemusterte Anzugstoffe M 15a 125.—. 95.-. 75.-. 50.— Blaue Cheviotstoffe 142 cm breit......... von M. Blaue Kammgarnstoffe»r Anz. u. Kost., gar. reine Wolle, 142 cm br. Gestreifte Hosenstoffe von M.................. 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